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Liebster Vater! So sollen wir also nach Deinem Willen auch den kirchlichen Gottesdienst besuchen, obwohl du doch die stille
Herzenszwiesprache mit Dir und die Tätigkeit in der Liebe für unsere Mitmenschen als den allein wahren und rechten Gottesdienst erklärst? O gib auch hierüber noch ein kleines Licht, dann bin ich in dieser Sache völlig im reinen.
Wen der Gottesdienst der Kirchen ärgert, der bleibe draußen; denn bei den Ohren wird niemand hineingezogen. Und wäre auch letzteres der Fall, so wird es niemandem schaden, wenn er hineingeht. Denn besser ist es noch immer, sich in einem Bethaus zu befinden und eine Andacht zu verrichten, als an den allgemeinen Fest- und Feiertagen sich auf eine Jagd zu begeben oder in ein Spielhaus zu gehen oder wucherische Geschäfte zu machen und dergleichen. Neben den Zeremonien werden ja auch noch Predigten gehalten, vor welchen doch wenigstens einige Verse des Evangeliums vorgelesen werden. Und will schon jemandem eine Predigt nicht munden, der bleibe bei den Versen aus dem Evangelium, und er wird da so viel herausnehmen können, daß er daran hinreichend haben wird, das ewige Leben zu erlangen, wenn er nur den wenigen Versen eine richtige Folge leistet. So sich aber jemand aus bloßem Haß gegen jedes Götzentum von der Kirche losmacht, ergreift aber dafür nichts Besseres, sondern gewöhnlich nur Schlechteres, - wird ihm das wohl etwas zu seinem ewigen Heil nützen? Ich meine kaum.
Der Tempel zu Jerusalem war bei Meinen Lebzeiten auf Erden völlig ein Götzentempel. Von einem Hause Gottes war sicher keine Rede mehr. Aber Ich als der Jehova untersagte es niemandem, den Tempel zu besuchen und seine Gabe zu opfern. Und Ich Selbst ging zu öfteren Malen in denselben und lehrte darinnen und ließ auch der Ehebrecherin darinnen ihre Schuld nach. Auch Meine Schüler haben nie ein Verbot erhalten, den Tempel zu besuchen. Warum sollte sich denn nun hier jemand ärgern, in ein Bethaus zu gehen? Denn geht er wahrhaft in Meinem Namen hinein, so bin Ich bei ihm und gehe mit ihm; und so wir darinnen sind, wird uns wohl niemand hinauswerfen. Und solange Ich es darinnen aushalten werde, wird es der wohl auch aushalten können, mit dem Ich darinnen bin.
Wer recht leben will, der kann es in jeder Kirche; denn eine Hauptregel ist: Prüfet alles und das Gute behaltet! Ich sage daher zu nie
mandem, werde ein Katholik oder werde ein Protestant oder ein Griechischkatholischer, - sondern was einer ist, das bleibe er, wenn er will. Sei er aber, was er wolle, so sei er ein werktätiger Christ, und das im Geiste und in der Wahrheit, nicht nur äußerlich. Denn Mein Reich ist ein Reich der höchsten Tatkraft.
Ich bin nicht wie ein griechischer Patriarch und bin nicht wie ein Papst und nicht wie ein Generalsuperintendent, sondern Ich bin wie ein überaus guter und gerechtester Vater allen Meinen Kindern und habe nur Freude daran, wenn sie tätig sind und wetteifern in der Liebe, - nicht aber daran, daß sie einander Narren schelten und ein jeder von ihnen der weiseste und unfehlbarste sein will. Amen.
[Zitiert
aus: "Heilige Zwiesprache" Lorber-Verlag - Bietigheim]
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