»Noch ein Wort von der Kirche«

 

Lieber Vater! Soll man nach Deinen Worten also keiner äußeren Gemeinschaft beitreten und keiner sichtbaren, von Menschen errichteten Kirche angehören? Soll man die äußere Gemeinde verlassen, um ganz ungehindert in der Tiefe des Herzens nur Deiner unsichtbaren Kirche anzugehören und still und innig der Liebe Gottes und aller Menschenbrüder zu leben? - O Herr und Gott, o mein Meister des Lebens, Jesus! Gib uns Bescheid auch über diese wichtige Frage! Wir möchten nur auf Deinem Wege wandeln und doch auch nicht die Brüder kränken, die in ihrer Art und nach ihrem Verständnis und Glauben in eifrigen Gemeinschaften zu Dir streben und gewiß manches Menschenherz durch Deinen offenbaren Segen vom Unglauben und der Weltliebe zum Glauben und zu der wahren Gottes- und Bruderliebe führen.

Höret Mich an! Was die äußere Kirche betrifft, so werde Ich den mit zornigen Augen ansehen, welcher seine irdische Glaubensmutter verlassen wird! Denn wie ihr einen Leib habt, durch welchen die ersten Eindrücke zur Seele gelangen und dieselbe nähren, so muß es auch eine Speisekammer für die ersten Glaubenseindrücke geben, und das ist die Kirche. Wer nun zu früh den Mutterleib verläßt, saget, was kann aus einem solchen werden? - Gehorsam und Demut sind die Nahrung zur Wiedergeburt des Geistes. So euch aber eure Kirche solches lehrt, was treibt euch dann weg von eurer Glaubensmutter? - Was aber die kirchlichen Zeremonien betrifft, so ist für den Lebendigen alles lebendig, für den Reinen alles rein, dem Gehorsamen alles recht und dem Demütigen alles geheiligt. Aber ebenso wird der Tote alles tot und voll Schmutzes finden. Darum folget eurer Kirche in ihrem Begehren, lasset aber eure Herzen von Mir ziehen, - dann werdet ihr sehr bald zum Leben der Gnade und dadurch zur Wiedergeburt des Geistes gelangen und eure äußere Kirche beleben.

Denn sehet, wie der Baum wächst, Äste und Zweige treibt, dann Knospen, Blätter und Blüten und in letzteren weibliche und männliche Organe, und wie solches mit der Zeit als wert- und nutzlos alles hinwegfällt, damit die Frucht frei und wirksam werde in aller Kraft ihrer geordneten, gereiften Wesenheit, - ebenso ist es mit der zeremoniellen oder äußeren Kirche der Fall. Jene vegetativen Vorgänge beim Baume sind gleich den toten Zeremonien in der Kirche. Aber müsset ihr nicht sagen, sie sind in gewissem gerechtem Maße der Ordnung wegen doch notwendig? Nur hat es selbstverständlich nicht bei denselben zu verbleiben; sondern wer die Elementarklasse durchgemacht hat, der trete in eine höhere Klasse und lerne da lesen und schreiben und endlich rechnen in Meiner Liebe und handeln in der Gnade Meiner Weisheit! Und wessen Herz liebend rein geworden ist, der komme dann in Meine Schule, in welcher er erst zum ewigen Leben gelangen wird durch die Wiedergeburt.

Wer aber, sein Inneres nicht beachtend, an der Zeremonie hängenbleibt, die an sich tot ist, der wird selbst tot werden, da er so dumm und finster war, in äußeren Mitteln den Zweck zu suchen. Daher, so ihr wollt wahre Kinder Meiner Liebe und Gnade werden, lasset euch nicht von den Blüten ärgern, sondern denket an die Frucht! Ist aber jemand zur Frucht gediehen, so fehlt er nicht, wenn er sich öfter umsieht und das Werden seines geistigen Lebens wohlachtend durchgeht. Dagegen ist Mir der nicht angenehm, der, seine Kinderschuhe verachtend, sich gleich einem Geier stolz erhebt und von schwindelnden Höhen mörderisch die bescheidenen Taubenhäuser anblickt und gierig auf deren Fall hinsieht, um dadurch etwas zu gewinnen.

[Zitiert aus: "Heilige Zwiesprache" Lorber-Verlag - Bietigheim]

 


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