»Abendsegen«

 

So der Leib ruht, muß die Seele Frieden haben, sonst ruht der Leib schlecht, und der Geist kann sich unterdessen nicht üben in der Beschauung seiner selbst und in der Ähnlichwerdung mit seiner Urform in Gott. Wie aber der Schlaf als Ruhe des Leibes eine naturmäßige Wohltat Gottes ist, so ist der Friede der Seele jene innere, stille Wärme der ewigen Liebe, aus welcher dem Geiste jener Stoff bereitet wird, womit er sich ausbildet und vollendet als ein wahres Gefäß zur Aufnahme der Liebe und so des Lebens aus Gott.

 

 

Daher sollen die Menschen es nicht versäumen, zu segnen die Nacht, das Lager, die Ruhe und alles in ihr. Alsdann werden dem reinen Menschen die Gesichte des Schlafes getreu die Werke der Liebe im Geiste zeigen, und es wird dem Menschen ein leichtes werden, sich selbst zu erforschen. Wer aber da unbeachtet läßt jene Erscheinungen und achtet nicht den Segen des Lagers und der ruhe, der gleicht einem Blinden und Tauben, und die Liebe und das Leben werden an ihm stumm vorüberziehen.

 

 

O Vater, versage mir den Segen meins Lagers nicht, und gib meiner Seele den Frieden, auf daß sie fröhlich möge ruhen in Deiner Liebe, um dann im Tageswerke ein kräftig Zeugnis zu geben von der großen Gnade Deiner ewigen Erbarmung. Amen.

 

 

[Zitiert aus: "Heilige Zwiesprache" Lorber-Verlag - Bietigheim]

 


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