Das Geheimnis der Gottseligkeitvon Jakob Ganz (1791 - 1867)
( CHRISTUS IN UNS ist der Hauptgrund, um den
sich alles dreht, und auf den alles ankommt, wenn wir wieder in unsern ersten
Ursprung eingehen, und hiermit wesentlich mit Gott vereinigt werden wollen.
Christus in uns ist das große Geheimnis der Gottseligkeit, das Reich Gottes in
uns, das A und das O, der Anfang und das Ende, der Erste und der Letzte. Wie nun dieser inwendig
verborgene, geistige, himmlische Christus einst in der Person Jesu von Nazareth
Mensch geworden, und das große Erlösungswerk äußerlich ausgeführt hat; also
will eben derselbe innere, unsichtbare, geistige und himmlische Christus noch in
einem jeden von uns Mensch werden, eine Gestalt gewinnen, und dieses Erlösungswerk
innerlich in jedem Einzelnen ausführen; uns auch der himmlischen, göttlichen
Natur teilhaftig machen, wie einst den Erstgeborenen, der in allem uns gleich
war, ausgenommen die Sünde, und deswegen in allen Dingen den Vorrang hat. Lasst uns also von dem äußeren
Christus im Fleisch einmal zu dem inneren Christus, dem Christus im Geist
schreiten! Solange du, o Mensch! nur die äußere Person des Erstgeborenen
betrachtest, und bei diesem Bild stehen bleibst, kannst du nicht zur wahren
Erkenntnis Gottes und Jesu Christi gelangen, welches doch das ewige Leben ist.
Du kannst nie gründlich heil, nie wahrhaftig erlöst und vollkommen werden.
Dein Glaubensgebäude ruht nur auf Sand, und am Ende bist du betrogen. Statt
also nur bei der äußeren Person Christi stehen zu bleiben, musst du dein
Geistesauge auf den inneren, unsichtbaren, geistigen Christus und Sohn Gottes
richten, der eben in jener sichtbaren Person Jesu verborgen war, und durch
dieselbe sprach und wirkte. So wird einem das Geheimnis der Gottseligkeit auf
einmal aufgeschlossen, und zur höchsten Verwunderung sonnenklar, so dass es
kein Geheimnis mehr ist. Damit es aber diesem
himmlischen Christus gelingt, uns wieder vollkommen zu erlösen, und in unsere
erste paradiesische und himmlische Heimat zurückzuführen, so müssen wir von
allem Eigenwirken und Eigenwollen abstehen, uns Ihm zum Opfer hingeben,
stillhalten, seiner Stimme in
uns folgen, und wie ein Lamm leiden, geduldig, ergeben und gelassen, mit
gewisser Zuversicht und lebendiger Hoffnung, dass das Werk herrlich werde ausgeführt
werden. Der göttliche Same zu einem neuen Menschen liegt in einem jedem. Das
ist eben, was Paulus zu Timotheus sagen wollte: „Erwecke die Gabe, die in dir
ist - ergreife das ewige Leben!" Wenn Christus nach seinem
Geist in uns kommt, und wir Ihn innerlich im Glauben annehmen, und uns an Ihm
festhalten, so ist Er gleich hinter unserem alten Menschen her, der durch Lüste
und Irrtum verdorben ist, um ihn durch allerlei Leiden von außen und innen zu
kreuzigen, zu töten und ganz und gar abzutun, damit der sündliche Leib aufhöre,
und wir hinfort der Sünde nicht dienen, ihr Gehorsam zu leisten in ihren Lüsten. Bei dieser geistlichen
Kreuzigung, welche in der wahren Verleugnung der Welt und unser selbst besteht,
haben wir also weiter nichts zu tun, als alles zu lassen, was Christus von uns
fordert, weil hier
Geben seliger ist als Nehmen. Auch sollen wir nach dem Vorbild des Erstgeborenen
mit Lammesgeduld leiden, bis Christus das falsche Natur- und Sinnenleben völlig
getötet, das Opfer vollendet, alle uns selbst angemaßte Rechte dem Vater
wieder zurückgestellt, und Ihn hiermit gänzlich befriedigt hat, dass Christus
in einem solchen Menschen rufen kann: „Es ist vollbracht!" Durch diesen Leidens- und
Sterbensprozess ist nun der Mensch mit Christo in seinem Tod getauft und
begraben, dem Gesetz und der Sünde für immer und ewig abgestorben,
gerechtfertigt, und von der Strafe frei, und los von allen Sünden. Auch das
Fortsündigen hat nun bei ihm ein für allemal aufgehört. Er steht jetzt unter
dem Gesetz des Geistes, der da lebendig macht in Christo Jesu. O seliger Stand,
wo der alte Sünder geschlachtet und abgetan (Rom. 8,10), die Gerechtigkeit, vom
Gesetz gefordert, in einem solchen geistlich gestorbenen Menschen erfüllt, und
er also mit Gott dem Vater ausgesöhnt und vereinigt ist. Nun befindet sich
derselbe in einer völligen Todesstille und tiefen Grabesruhe. Alle eigene Kraft und Wirksamkeit ist
verschwunden, und er geht nun auch dem Auferstehungszustand Christi entgegen.
Derselbe Geist, welcher Jesum, den Erstgeborenen, vom Tode auferweckt hat, wird
einen solchen Menschen auch auferwecken, ihn zum neuen, göttlichen und ewigen
Leben hervorrufen, so dass er jetzt nicht mehr im alten Wesen des Buchstabens,
sondern im neuen Wesen des Geistes lebt! Durch dieses geistige Sterben mit
Christo wird der Mensch hier in der Zeit schon zu einer neuen Kreatur in
Christo, wahrhaftig wiedergeboren, der göttlichen Natur teilhaftig, und also zu
einem wirklichen Sohn Gottes umgeschaffen, dass er die Gebote Gottes wie der
Erstgeborene (Joh. 12,37) vollkommen erfüllen und des Vaters Wille vollkommen
tun kann. Es fällt ihm nicht schwer, sondern ist ihm ganz natürlich, eine
himmlische Lust und Freude, ein sanftes Joch und eine leichte Last! Ein solcher braucht nun kein
gesetzliches Wesen mehr, hat auch nicht nötig, dass ihn jemand lehre, denn er
hat die Salbung von dem, der da heilig ist, und weiß alles. Die Salbung lehrt
ihn allerlei, er wandelt vor Gott wie Abraham, und wird vollkommen. Er wird
selbst eine lebendige Kirche, eine Wohnung Gottes und ein Tempel des Heiligen
Geistes. Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit ganzem Gemüte, ja
aus allen Kräften lieben, und den Nächsten wie sich selbst! seht, das ist nun
sein ganzer Gottesdienst! Alle seine bisherigen Besserungs- und
Förderungsmittel zur Seligkeit sind jetzt für ihn ganz überflüssig, weil er
den Zweck erreicht hat. Das Wort des Herrn wird an ihm erfiillt: „Ich will
reines Wasser über euch sprengen, dass ihr rein werdet von aller eurer
Unreinigkeit, und von allen euren Götzen will ich euch reinigen; und will euch
ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben, und will das steinerne Herz
aus eurem Fleisch wegnehmen, und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will
meinen Geist in euch geben, und will solche Leute aus euch machen, die in meinen
Geboten wandeln, meine Rechte halten und darnach tun. Und ihr sollt wohnen im
Lande, das ich euren Vätern gegeben habe, und sollt mein Volk sein, und ich
will euer Gott sein. Ich will mein Gesetz in euer Herz geben, und in euren Sinn
schreiben, und ihr sollt mein Volk sein, so will ich euer Gott sein. Und keiner
wird den andern, noch ein Bruder den andern, lehren und sagen: Erkenne den
Herrn! sondern ihr sollt mich alle kennen, beide, klein und groß, spricht der
Herr. Denn ich will eure Missetat vergeben, und eurer Sünden nicht mehr
gedenken." (Jer. 31 u. Hesek. 36). So lasse denn, o Seele! den geistigen Christus, den
zweiten Adam, auch in dich kommen, wie er in dem Menschen Jesu war, so wirst du
auch ein Sohn Gottes, dass du sagen kannst: „Ich und der Vater sind eins!
meine Speise ist, dass ich den Willen des Vaters tue; dein Gesetz, o mein Gott! O meine teuren Geliebten! die ihr von
ganzem Herzen neugeboren, neue Kreaturen in Christo werden, und Gott dienen möchtet
in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit, wie es vor Ihm wohlgefällig
ist; wandelt nur den kurzen, einfachen und sicheren Weg, der euch im Wort des
Herrn vorgeschrieben ist. Er spricht: Wenn ihr stille bleibet, so würde euch
geholfen; durch Stillesein und Hoffen würdet ihr stark sein." (Jes.
30,I5). Dieses Stillesein besteht in der völligen
Überlassung unserer selbst, und was uns angeht, für Zeit und Ewigkeit - an
Gott, dass wir nämlich nicht mehr ängstlich sorgen, nicht in eigener Kraft
wirken, sondern mit unseren Sinnen, Gedanken, Wollen und Wirken uns zu Grund
versenken, und uns Ihm also hingeben zum Opfer und ewigen Eigentum, damit wir
Ihm nicht mehr im Wege stehen und seine gnadenreiche Wirkung in uns verhindern!
Dann erst, wenn wir uns Ihm so gelassen, ruhig, friedsam und leidend aufopfern,
kann und wird Er ein Neues im Lande unseres Innern erschaffen. Er wird aus dem
schrecklichen Chaos unserer selbst eine herrliche, neue und zweite Schöpfung
hervorbringen. Erst dann kann der Vater seinen Sohn in uns zeugen, und uns also
den Heiland innerlich senden, der uns nach und nach von dem alten Menschen
befreit, und uns den neuen Menschen anzieht, der nach Gottes Gleichnis
geschaffen ist. – O wer doch die ewige, unveränderliche
Gemütsstille in Gott recht verstünde, die tiefe Sabbatruhe, der würde in
kurzer Zeit an Geist, Seele und Leib sich verändert fühlen! An diesem Sabbat
heilt Christus, und macht den ganzen Menschen gesund. An diesem Sabbat legt Er
dem Blinden Kot auf die Augen, und öffnet sie! - Als jener Kämmerer aus
Mohrenland sich durch Philippus wollte taufen lassen, hieß es: „Und er hieß
den Wagen stille halten." So muss eben der Wagen unseres Eigenwirkens,
Treibens, Sorgens, Wollens und Laufens stille halten, dann können wir erst mit
Geist und Feuer getauft werden! Ach wie gut kann man es doch haben, wenn man
sich in Demut Gott aufopfert, und sich Ihm wie ein hilfloses Kind überlässt!
Aber sehr wenige dürfen diesen Schritt wagen; sie fürchten, ihre
Seele möchte verloren gehen, sie wollen sie nicht überlassen, darum werden sie
sie einst im traurigen Sinn des Wortes lassen müssen. „Wer sein Leben
verliert um meinetwillen", heißt es, „der wird es erhalten, und wer sein
Leben erhalten will, der wird es verlieren." Ach, wie sind die Menschen so
äußerlich und fleischlich, und verbildet worden! Wie sehr sind sie in
diesinnlichen Dinge zerstreut. Ihr Herz und ihre Lust ist ganz in
dieselben ergossen. Ihre Sinne sind auswärts statt einwärts
gekehrt. Sie sind
fast nie zu Hause bei ihnen selbst, und hören also dem ewigen Wort nicht zu,
dass sie weise würden! Wer demselben hingegen beständig zuhört und gehorsam
ist, hat andere Prediger nicht nötig, er ist immer in der Kirche, denn der Herr
lehrt noch täglich im Tempel des Herzens, wie Er sich ehemals im Äußeren
vernehmen ließ. O heidnisches Sorgen, Eigenwirken und Zappeln! du mordest
Christum im Geist! Er kann ja so nicht aufkommen und eine Gestalt in dir
gewinnen, wenn du Ihn so unterdrückst, obwohl du es gut meinst! Ihr aber, die ihr euch gerne stille
zum Opfer hingebt, und Gott wollt machen lassen - Ruhe mit euch und Friede in
aller Fülle! Erschrecket nicht, wenn ihr schon in eurem Innern hört Krieg und
Kriegsgeschrei; wenn teure Zeiten kommen, wo euch Trost und Glaubensgewissheit
gebricht. Fürchtet euch nicht, wenn die Pestilenz eintritt, wo ihr alles Eigene
in euch verwelken und absterben sehet; wenn ein Königreich wider das andere
sich empört, d.h. wenn das Reich Gottes in euch das Reich des Satans zerstört,
wo der neue Mensch mit dem alten Krieg führt, wo lauter Streit und Kampf mit Sünde,
Welt, Fleisch und Blut, ja gar mit dem Fürsten der Finsternis ist. Fürchtet
euch nicht, wenn sich ein Kriegsheer von schrecklichen Zweifeln, Unglauben, bösen
Gedanken und grimmigen Leidenschaften vor eure Seele lagert, solange ihr den
inneren Christus im Geist festhaltet, und euch Ihm stets überlasset. Alles dieses kann euch nichts
schaden, sondern muss euch zum ewigen Besten dienen! Wenn alles drunter und drüber
geht, so brechet getrost hindurch durch alle Donnerwetter und Gewitterstürme
von Missverständnissen, Verleumdungen, Lästerungen und Verfolgungen! Der im
Himmel wohnt, lacht ihrer, und ihr könnet während der Zeit dieser Kreuzigung
und Sterben mit Christo dennoch wie im Himmel sein, durch eine lebendige
Hoffnung, dass diese Kämpfe und Leiden die unverwelkliche Krone der Ehren euch
einbringen werden! Alles hat seine Zeit! Man muss nicht immer kämpfen, sich
verleugnen und absterben. Christus im Geist macht diesem alten Menschen um so
eher ein Ende, je treuer wir sind im Absterben. Der alte Sünder muss bald
sterben, wenn man ihm alle Nahrung seines falschen Lebens entzieht, und nur nach
ewig bleibenden Gütern strebt. Frohlocket demnach, hüpfet auf vor
Jubel, die ihr den inneren Christus im Geist kennet, und von Ihm erkannt seid,
die ihr eine lebendige Überzeugung und Gewissheit habt, dass Er euch vollkommen
erlösen wird! Schon während eures Leidens und Sterbens mit Christo könnt und
dürft ihr euch im Geist unaussprechlich freuen, weil ihr durch eine lebendige
Hoffnung wisset, dass auf dieses geistige Sterben ein neues, ewiges und
unsterbliches Leben folgt, eine selige Auferstehung, der volle Tag der Ewigkeit.
Auf die Tränensaat folgt eine ewige Freudenernte. Selig ist also der Mann, der
die Anfechtung erduldet; denn nachdem er bewährt ist, wird er die Krone des
Lebens empfangen, welche Gott verheißen hat allen denen, die Ihn lieben. Auf denn, ihr geistlich Gekreuzigten
und Sterbenden! Lasst euch nicht lass und mutlos machen durch kleine Leiden,
Anfechtungen und Widerwärtigkeiten, sie mögen heißen wie sie wollen. Sterbet
fort und fort dem alten Adam ab, bis der neue Adam, der Herr vom Himmel, als der
Letzte über dem Staub eurer geistigen Vernichtigung stehen und siegreich überwunden
haben wird. Keine Spur darf mehr übrig bleiben vom alten Sinnenleben, sondern
das göttliche Leben Christi, das Leben der Ewigkeit, soll an dessen Stelle
sein, welches hier in dieser Zeit noch geschehen kann. Fangt nur herzhaft an zu glauben,
dass es dem Herrn möglich sei, euch dahin zu bringen. Tut Ihm doch diese Ehre
an, so werdet ihr gleich seine verborgene Kraft in euch empfinden, allem Bösen
zu widerstehen, und alles zu überwinden, was euch hindern könnte, nach dem
vorgesteckten Ziel eurer himmlischen Berufung Gottes in Christo Jesu
nachzujagen. Wenn ihr fallet, so stehet bisher im allgemeinen, sondern im Geist
und in der Wahrheit. - O herrliche Zeit! o angenehmer Tag des Heils! o Licht der
Wahrheit, wie hell leuchtest du in der Finsternis, die dich zwar nicht begreifen
kann, aber von deinem allmächtigen Glanz verschlungen wird. O ihr Wahrheit suchenden Seelen!
lasst euch doch nicht länger mehr durch den großen Unglauben zurückhalten,
als wäre es unmöglich, in diesem Leben schon gänzlich erlöst und in den
paradiesischen Stand des Friedens und der wesentlichen Wiedervereinigung mit
Gott zu gelangen. Dafür ist Er ja im Fleisch
erschienen, und hat uns die Möglichkeit erworben, dazu zu gelangen Es ist die
ewige Wahrheit, aber sie scheint fremd, neu und unbekannt, dass es einem das
Herz zerreißen möchte. Die Wahrheit muss wieder öffentlich gelehrt und
befolgt werden, dass wir nämlich durch das Leiden, Sterben und Auferstehen mit
Christo im Geist, schon in dem Leben zur himmlischen, göttlichen Natur hinauf
geadelt, und also in den Stand gesetzt werden können, nicht mehr zu sündigen.
Denn wer Sünde tut ist ja vom Teufel, sagt Johannes, und dazu ist der Sohn
Gottes eben erschienen, dass Er die Werke des Teufels zerstöre - erschienen,
dass Er unsere Sünden hinwegnehme, und in Ihm ist keine Sünde - dass wir also
dann kraft dieser göttlichen Natur auch Gottes Gebote vollkommen halten, und
des Vaters Willen vollkommen tun können. Es ist ja so natürlich, dass wenn
der wahre Christus in uns erscheint, lebendig und offenbar wird, Er noch das
gleiche Geschäft verrichtet, wie vor 1800 Jahren in der Person Jesu von
Nazareth! O ewige Wahrheit! Warum wirst du so verkannt und bestritten! Warum
sollen die armen Seelen glauben, dass sie bis zum Tode immer die gleichen armen,
schwachen, elenden, sündigen und unvollkommenen Menschen bleiben müssten, da
doch dies im Worte Gottes nirgends ausgedrückt wird, und also der Wahrheit ganz
entgegen ist! Wohl aber heißt es: Ihr sollt vollkommen sein, wie euer Vater im
Himmel vollkommen ist. Wandle vor mir und sei vollkommen, heißt es eigentlich
im Grundtext. Ach seid doch nicht mehr so ungläubig,
so engherzig und in euch selbst eingesperrt, gebt doch Gott einmal die Ehre!
Schleppt euch doch nicht mit dem alten Adam bis zum leiblichen Tod herum. Stützt
euch nicht nur auf diejenigen Schriftstellen, die den Menschen zum Sünder
machen, weil er noch nicht durch Christum erlöst ist, und wodurch ihr euch im
Unglauben nur noch mehr versteift. Durch den leiblichen Tod werdet ihr ja um
kein Jota seliger und vollkommener. Wie der Baum fällt, so bleibt erliegen; wie
ihr sterbet, so findet ihr euch in
demselben
Augenblick in der Ewigkeit wieder. Ach raubt doch Christo nicht länger seine
Ehre, vernichtet doch nicht seine Vollkommenheit. Er ist ja ein vollkommener
Gott, und kann vollkommen selig machen. Christus im Geist macht ja allen Klagen
über Sünden, Schwachheit, Unwürdigkeit und Unvollkommenheit ein Ende, laut
den klaren Aussprüchen der Heiligen Schrift (Rom. 6,1; Joh, 3 usw.) Ihr macht Ihm so keine Ehre, sondern
tut Ihm Schmach an, und macht Ihn zum Lügner! Klagen, Schmerz und Jammern über
die Sünden hat seine Zeit und muss auch sein, wer aber von ganzem Herzen der Sünde
absagt, und von nun an Gott lieben und seinen Willen tun will, ein solcher hat
gleich Vergebung aller seiner vormals begangenen Sünden. Es wird ihrer ewig
nicht mehr gedacht werden, wie der Herr selbst bezeugt, nur dass ein solcher
treu nach dem Wort des Lebens fortwandelt. So muss er ja nicht die ganze
Lebenszeit mühselig und beladen sein, nicht immer jammern, zagen und mit dem-
Ich geplagt sein, und in Sünden leben, sondern er wird durch CHRISTUS IN UNS
ins himmlische Wesen versetzt, in ewige Ruhe und unwandelbaren Frieden, nachdem
'der alte Sünder ist geschlachtet und gänzlich abgetan worden, auch der volle
Stolz, die Ichheit, die Selbstgefälligkeit und alles ungöttliche Wesen.
Stattdessen herrscht der im Geist auferstandene neue Mensch, CHRISTUS, und
dieser kann und will ja nicht sündigen, denn Er ist vollkommen und heilig wie
Gott, sein Vater! O
ihr ewig seligen Seelen! denen
dieses große, gottselige Geheimnis innerlich kundgeworden ist, und die ihr es
an euch selbst erfahret - trinket unaufhörlich aus der unversiegbaren Quelle
des lebendigen Wassers, von dem neuen Wein des Reiches Gottes, das wirklich in
euch gekommen ist! Keine Macht der Hölle kann euch aus eures Vaters Hand
herausreißen, nichts mehr euch scheiden von der Liebe Gottes, die da ist in
Christo Jesu, unserem Herrn! Ihr seid es, die mit Paulus das Siegeslied
anstimmen können: „Der Tod ist verschlungen in den Sieg! Tod! wo ist dein
Stachel? Hölle! wo ist dein Sieg? Der Stachel des Todes aber ist die Sünde,
und die Kraft der Sünde ist das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg
gegeben hat durch unseren Herrn Jesum Christum!" So kamt und soll sich billig der
durch Christum in uns freigewordene und in Ihm auferstandene Christ freuen und
sich abermals freuen, der jetzt den neuen, auf dem weißen Stein der Versöhnung,
Unschuld und Reinheit gegrabenen Namen trägt, den niemand kennt, als der ihn
empfängt? Nun erst geht es an ein Wachsen und Fortschreiten in Gott, von
Klarheit zu Klarheit, von Vollkommenheit zu Vollkommenheit! So ziehe denn aus, o
ewige Wahrheit! Siege, siege und triumphiere über das Reich der Lüge und der
Finsternis, damit das Reich Gottes in allen Gemütern und endlich auf der ganzen
Erde offenbar, und Gott durch Christum König werde überall! Dir, o Wahrheit! zur Ehre und zum
ewigen Heil der Seelen ist diese Schrift geschrieben worden. Begleite sie mit
deiner Kraft und deinem Geist, und lasse alle Herzen der Leser wahrhaftig und
ganz für dich gewonnen werden! Amen! Der
wahre Grund
Wer
noch an Bilderdienst gebunden, Und in geschaffnen Dingen lebt, Der hat den Grund noch nicht gefunden, Obgleich er in Ihm ist und lebt! Denn wer in diesem Grunde ruht, Dient ohne Bild dem höchsten Gut! Wem
Gott ist alle Dinge worden, Und seines Herzens einz'ger Schatz, Im
Liebes- und im Kreuzesorden, Der steht fürwahr am rechten Platz. Er
lebt schon selig in der Zeit, Im stillen Gott der Ewigkeit! Fällt
er aus Schwachheit oft darnieder, Sinkt
er nur tiefer in Gott ein, Da
find't er seinen Ruhpunkt wieder, Der
ihn befreit von jeder Pein. O
Gottes Grund! o Ruhestatt, Wohl
dem der dich gefunden hat!
*~*~* Zu Jakob Ganz; siehe auch auf der Seite von meinem Partner, einen Einblick in die Biografie von Jakob Ganz und einen Auszug aus "geistliche Briefe" |
Aktualisiert
am: 02.12.2008 Home