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GEDANKEN BEIM ANBLICK EINER SCHNITTERSZENE Die Proben des Glaubens und die
mancherlei Läuterungen zur Vollendung eines Christen, unter dem Gleichnisse von Korn, Mehl und Brot dargestellt durch - Jakob Wirz - Juni 1836
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Vorwort - (Der ersten
Auflage im Jahre 1838 vorgedruckt.) Vor einigen Jahren sah ich auf
einem Spaziergang Leute beschäftigt, einen Acker Korn zu schneiden. Ich stand
still und betrachtete, wie die Fruchthalme unter der Sichel des Schnitters
dahin sanken. Bald erhob sich in mir der Gedanke: Da liegst du nun, edles Korn,
mit dem Ha Da liegst du nun, edles Korn, zur Erde hingestreckt! Wie bald
könnte auch ich hingemäht werden! Du scheinst nun zur Ruhe gelangt zu sein und
ahnst nicht, dass noch Vieles mit dir vorgehen muss, ehe du uns Menschen dienen
kannst. Diesem Wunsche habe ich nun nach zwei Jahren durch
Aufmunterung eines Freundes zu entsprechen mich gedrungen gefühlt. Die Gedanken
sind mir in einer originellen Sprache gleichsam unwillkürlich in die Feder
geflossen. Ich gebe sie, wie sie sind, und hoffe, dass diejenigen Leser, welche
den geistigen Sinn und Zweck dieser kleinen Schrift recht ins Auge fassen, sich
nicht an der eigentümlichen Einkleidung stoßen, sondern aus der anschaulichen
Darstellung einer der wichtigsten Lehren des Christentums einigen Segen
empfangen werden. Wer es fassen mag, der fasse es!
Der Glaube muss durch viele und mannigfaltige Proben gehen,
ehe er auf die unerschütterlichen Pfeiler der Gnade und der Kraft Gottes
gegründet ist. Das Weizenkörnlein muss nach der Ordnung der göttlichen Natur
zuerst in die Erde fallen und ersterben, ehe es Früchte des Glaubens bringen
kann.
Auch nach den Gesetzen der irdischen Natur muss das
Weizenkörnlein im Winter manchen Frost, Schnee und Eis, und die langen
Winternächte aushalten. Ja, es wird sogar, wenn es im Frühjahr in die Halme
emportreiben will, gar oft durch kalte, frostige Winde wieder erschreckt, und
muss sich wie eine Gebärerin ängstigen und fast verzagen, ob es ihm möglich
werden könne, seine in ihm liegende Geburt zu entwickeln und an das Tageslicht
zu bringen. Und ist das auch geschehen, so muss es im Sommer noch manchen Sturm
und manches Ungewitter bestehen, und es muss ihm noch heiß werden, ehe seine
ausgeborene Frucht zur Reife gelangt.
Nun wird sie gebunden und in die Scheuer gebracht. Da könnte
sie dann glauben: Jetzt kann ich einmal von meiner Arbeit und meinen Leiden
ausruhen. Aber sie irrt sich sehr; denn bald wird sie wieder auseinander
gebreitet, um gedroschen zu werden, und da kommt dann mancher grobe Flegel und
gibt ihr hier einen Schlag und dort einen Hieb, bis der Kern aus seinem Kleide
herausgeht. Das merkt ein Drescher und spricht: Nein, liebes
Körnlein, du
darfst noch nicht ruhen. Du hast dich zwar aus deinem groben Gewande
herausschlagen lassen, und dazu waren auch grobe Drescher erforderlich; merke
dir dieses: aber du hast noch ein feines Kleid, das dir auch noch ausgezogen
werden muss. Deshalb mußt du jetzt zunächst gewannet werden. Was dann weiter
mit dir vorgehen muss, das mag ich dir jetzt nicht sagen, du möchtest es noch
nicht ertragen. Gehe jetzt geduldig in die Wannmühle und lass dich darin recht
schütteln und rütteln, damit alles, was du von Staub und Hülsen noch an dir
hast, davonfliege und du ein sauberes Körnlein werdest. Das Korn gehorchte diesem Rate und ließ in der Vormühle mit
sich spielen, sich herumjagen und werfen, nach Herzenslust dessen, der diese
Arbeit versieht, dass ihm dabei schwindlig wird.
Allein zu dieser Zeit schleicht ein menschliches Wesen auf den Speicher, hört mit Erstaunen, wie die Körner zu vier Stimmen ein herrliches Lob- und Triumphlied von der Überwindung und der erlangten Ruhe singen, und spricht: Was ist das für ein Gesang von der Ruhe und der Überwindung? Schweiget doch stille und haltet eure Zünglein im Zaum. Eure Ruhe ist zwar wohl vorhanden, aber bei weitem noch nicht da; denn jetzt erst geht der Kampf, den ihr zu bestehen habt, recht an.
Höret, ihr müsst noch unter einem harten Stein
gerieben werden! Ich merke gar wohl, was ihr im Sinne habt: ihr wollt auf eurer
faulen Haut liegen bleiben und nur für euch selbst leben. Dazu seid ihr aber
nicht gesät worden, und da ist keineswegs eure Bestimmung; sondern ihr sollt den
Menschen zur Speise dienen. Hierzu seid ihr aber noch nicht geschickt; denn ihr
seid noch zu hart und daher zur Verdauung unbequem. Kommt nun mit mir, ich will
euch in meine Arbeit nehmen. Ja, spricht Eines zum andern, das mag wohl sein. Ach, wie gut
ist es, wenn man in solchen Fällen einander trösten und aufheitern kann. Wie
leicht könnte da nicht ein Missverständnis obwalten von Seiten dieses
Propheten, der als ein Ungelehrter keine Sprachkenntnis besitzt und daher
wahrscheinlich das Wort Bestreichen mit dem schaudererregenden Worte Reiben
oder Mahlen verwechselt hat. *2)
Dieser Wahn, durch andere,
leichtere Mittel, als durch Leiden in der Nachfolge Jesu, die Erneuerung und
Wiedergeburt zu erlangen, ist leider vielen Seelen, die nach dem Reiche Gottes
trachten, sehr gemein. Sie wollen die Verdienste Jesu bloß über sich streichen
lassen und vergessen die wesentliche Anwendung derselben zu ihrer Wiedergeburt.
Wahr, ich bin so schön weiß wie der gefallene Schnee? Das andere spricht: Ja
wohl, aber siehe nur, ich bin eben so schön wie du. Ja, spricht ein Drittes, ja, siehe mich doch nur recht an in
meinem schönen goldfarbenen Häutlein! O wie schön werde ich erst sein, wenn ich
vom Steine der Weisen tingiert bin. Darum lasset uns gutes Mutes sein. Kaum hat der Müller diese Worte gesprochen, so wirft er mit
einem Male die Körnlein oben in ein Loch hinein, durch welches sie ohne Ruh´
und Rast zwischen zwei harte Steine geraten, die so unbarmherzig mit ihnen
verfahren, dass ihnen die fünf Sinne vergehen und sie nicht mehr im Stande
sind, nur an den Stein der Weisen zu denken, ja, dass sie gar nicht wissen,
wohin sie geraten sind. Nun fasst der Müller die Stäublein in einen Sack, und da
kommen sie wieder ein wenig zur Ruhe. Sobald sie aber der Ruhe genießen, kehren
auch ihre fünf Sinne wieder zurück, die indes durch die erlittene Läuterung
viel geistiger geworden sind als vorher. Da betrachten sich die Stäublein
einander und gewahren, wie sie aus großen Männern Kinder geworden sind. Des
freuen sie sich, und ein spricht zu dem andern: Nicht wahr, liebes Brüderlein,
„Nicht wahr, liebes Brüderlein, nicht wahr, ich bin so schön weiß wie der
gefallene Schnee?“ Das andere spricht: „Ja wohl, aber siehe nur, ich bin ebenso
schön wie du.“ Der Bäcker nimmt die
Stäublein, wirft sie in eine Mulde, gießt
etwas Wasser hinzu und fängt an, sie, die so unschuldig wie Kinder erscheinen,
so unbarmherzig und ohne Gnade untereinander und durcheinander zu klopfen, dass
keines mehr ein Wort zu dem andern sagen kann. *)
Die Weisheit von oben lässt
es gar oft zu, dass sich in eine Gemeinschaft von Seelen, die sich um eines
guten, göttlichen Zweckes willen verbunden haben, ein Bruder von widerwärtigen,
unleidlichen Eigenschaften einschleicht, der die übrigen Glieder gewaltig in
der Geduld übt. Der Bäcker, der mittlerweile seinen Ofen geheizt und in Glut
gebracht hat, sieht, da sie zur Mulde hinaus fliehen wollen und spricht: „Ha,
ich sehe, dass ihr eure Eigenheit noch nicht ganz abgelegt habet; denn ihr
wollt dem Kreuz entlaufen und euch nicht ganz durchsäuern lassen. Kommt, ihr
müsset nun in den heißen Ofen der Trübsal. Da werdet ihr zusammen gebacken
werden, damit jedes Stäubchen fest an dem andern hange. Nachdem er den Teig in
verschiedene Teile abgeteilt hat, nimmt er dann eine Schaufel und schiebt damit
einen Teil nach dem andern in den glühenden Ofen, und macht den Ofen zu. Doch
ist die Glut wohl abgemessen, damit die Brote nicht verbrennen. Wenn es Zeit ist, so öffnet der Bäcker den Ofen, nimmt die Brote wieder heraus und legt sie auf einen Tisch. Sind die Brote nun ein wenig dagelegen und haben sie sich von der heißen Anfechtung etwas erholt, so schauen sie sich an und sprechen zu einander: Nun sind wir aus der Hölle erlöset und haben nun gewiss überwunden; denn wir sind nun zu einem Brote geworden, das in verschiedene Gesellschaften abgeteilt ist und an welchem Gott und die Menschen gewiss ein Wohlgefallen haben werden. Wir wollen nun, obgleich in verschiedene Korporationen geteilt, in Frieden und Einigkeit leben; denn wir sind ja aus einem Teige gemacht. Sonst, wenn wir das nicht tun, so kommt vielleicht der Bäcker und wirft uns noch einmal in den Ofen.
Aber nun wird der Bäcker, der
Müller und der Drescher schweigen müssen, denn wir haben aus uns machen lassen,
was man gewollt hat. Nun ist uns wegen unsrer in den Leiden bewiesenen Geduld
der verheißene herrliche Siegeskranz zu Teil geworden und wir werden bald in
dem neuen Tempel auf dem heiligen Altar zur Schau vor der ganzen Gemeinde
ausgesetzt werden, und die ganze Gemeinde wird sprechen: Siehe, diese haben
überwunden und sind durch viele Trübsale in das Reich Gottes eingegangen. Ja,
die ganze Gemeinde der Auserwählten wird bei unsrer Ankunft ein herrliches
Triumphlied anstimmen. Der Bäcker, der diesem Gespräche eine Weile zugehört hat, spricht
endlich zu den Broten: O sprechet doch nicht so hoch von euch selbst, und
wartet doch, bis der Herr des Tempels es zu euch saget. Wahrlich, eure hohe
Sprache zeigt deutlich an, dass ihr, obgleich in verschiedene Körper abgeteilt,
nun in Frieden und Einigkeit miteinander leben wollet; aber ihr rühmet euch
noch immer selbst und wollt noch etwas sein. Ihr meinet, Gott und die Menschen
sollen euch bloß ansehen und ohne weiteren Nutzen mit dem Anschauen vorlieb
nehmen. Nein, ihr lieben Brote, dem ist nicht also. Ich muss euch jetzt abermals prophezeien und euch sagen, dass
ihr nun noch den letzten Prozess, den Prozess der gänzlichen Vernichtung,
aushalten müsset. Wisset, ihr werdet wieder getrennt und der Bund, den ihr
miteinander geschlossen habt, wird aufgelöst werden. Ihr werdet in Stücke
zerschnitten werden. Dann werdet ihr den Leuten noch in die Mäuler kommen; sie
werden euch mit ihren bösen Zungen drücken, mit ihren Zähnen zermalmen und
endlich in ihren Magen hinunterschlucken. Hier, im Magen der Menschen,
geschieht eure erste Auflösung. Von da fallet ihr noch tiefer hinunter, so dass
ihr glauben werdet, ihr fallet in die Hölle hinab. So werdet ihr von einer
Verdauungskraft des Menschen in die andere gesandt, bis ihr durch diese
Vernichtung von all eurem groben, irdischen Wesen befreiet und erlöset seid. In dieser Scheidungs- und Vernichtungsanstalt werdet ihr dann
schweigen lernen und keine so hohen Gedanken mehr von euch selbst haben. Das
grobe Wesen an euch, mit dem ihr noch so sehr pranget und womit ihr in das
Reich Gottes glaubet eingehen zu können, wird durch einen besondern Kanal des
Menschen hinausgeschafft und als mist angesehen. Aber der feine Teil, als die
erste Quintessenz in euch, geht in das Blut und die Säfte des Menschen über und
dient dazu, seinen natürlichen Lebensgeist zu erhalten; ja, ihr werdet ganz in
sein Blut und Leben verwandelt, Es liegt indes noch eine zweite Quintessenz in
euch verborgen, die unauflöslich ist. In ihr gibt sich Christus, das lebendige
Wort, der gläubigen Seele zur Speise. Diese Quintessenz, das reingeistige Wesen
in euch, ist es, die da bleiben wird als ein unvergänglicher Geistleib, der aus
dem Tode ersteht, weil er, als das eigentliche Leben, vom Tode nicht gehalten
werden kann. Dieser Geistleib ist auch der echte Stein der Weisen, zum neuen,
lebendigen Tempel Gottes brauchbar. Sehet also, fuhr der Bäcker fort, wie ihr euch geirrt habt,
indem ihr glaubtet, ihr würdet mit euerm groben Leibe in das Reich Gottes
eingehen und auf dem Altare als ein Heiligtum prangen können, weil ihr schon
durch viele Leiden gegangen seiet. Ihr habt nicht bedacht, dass nichts Unreines
in das Reich Gottes eingehen kann. Wenn ihr einmal von euerm materiellen Wesen
erlöset und nach euerm eigenen Leben ganz vernichtigt worden seid, dann wird
das geschehen, wonach ihr euch sehnet. Vorher aber müsset ihr hienieden noch
dienen. Bis dahin habt ihr noch keine Dienste zum Nutzen der Menschen
geleistet; vielmehr hat man Mühe und Arbeit mit euch gehabt, bis etwas aus euch
geworden ist. Von nun an aber werdet ihr Dienste leisten. Den gläubigen
Menschen werdet ihr nicht eine bloß leibliche, sondern eine geistige Speise
sein, während die Gottlosen, die nicht
Buße tun, an euch das Gericht essen werden. Als der Bäcker diese Rede beendet hatte, so sprachen die Brote einmütig zu ihm. Nun redest du frei heraus und nicht mehr in Gleichnissen. Nun erkennen wir, dass wir unweislich gesprochen haben. Nur eine einzige Bedingung möchten wir dir doch demütigst vorlegen: Lass uns doch nicht unter die Zähne der Gottlosen kommen, damit wir ihnen nicht noch gar zum Gericht dienen müssen. Der Bäcker antwortet: Höret, ihr Brote, bei diesem letzten Prozesse darf keine Bedingung mehr stattfinden. Durch ein gänzliches Schweigen vor Gott müsset ihr eure demutsvolle Ergebung beweisen und euch von Ihm gebrauchen lassen, wo und wie es Ihm gefällt.
Darin besteht der Stempel eurer Vollendung. Merket aber zu euerm
Troste: die Gottlosen, vor denen ihr euch so sehr fürchtet, essen von euch nur
den groben Leib, der doch sterben muss; den in euerm Leibe verborgenen Geist,
die innerste Lichttinktur, bekommen sie nicht zu essen, weil sie keinen
geistigen Glaubensmagen besitzen, der diesen Geist aus dem groben Leibe
auflösen könnte. Diese eure reine Tinktur scheidet sich von ihrer bösen,
finsteren Tinktur und schwingt sich von ihnen auf in die oberen Lichtregionen,
dem Himmel zu, aus dem sie als eine göttliche Kraft geflossen ist. Der
Herr des Himmels und der Erde kann dann damit schalten, wie Er will, und sie wieder
senden, wohin es Ihm gefällt. Sehet, das Geheimnis ist groß; ich sage es aber
auf Christum und auf die Gemeinde, die da ist sein Leib. Jetzt schwiegen die Brote und erstaunten über das ihnen näher
enthüllte Geheimnis. Sie ergaben sich nun unbedingt dem letzten, für die Natur
schauderhaften Prozesse der gänzlichen Vernichtigung und überließen sich der
freien Wahl des Bäckers, wohin er sie auch immer senden wollte. Und damit hatte
auch das Gespräch ein Ende. Denn wo alles schweigt und kein Widerstand mehr
stattfindet, da kann Gott frei reden und da hat aller Prozess ein Ende! Was nun ihr, die ihr dieses leset, aus diesem Gespräche mit
dem Korne, dem Mehle und dem Brote machen sollet, das kann und will euch gewiss
der Geist der göttlichen Weisheit durch Erfahrung lehren. Groß ist das
Geheimnis, das im Brote enthalten ist. Nicht ohne Ursache hat sich Christus,
unser Herr, selbst mit dem Brote verglichen. Wer es fassen mag, der fasse es! Jede Seele, der es ernstlich um ihr Heil zu tun ist, die sich
nicht mit einem bloß oberflächlichen Christentum und mit einer von außen
zugerechneten Gerechtigkeit begnüget, wird das oben dargestellte Bild gar bald
verstehen. Sie hat schon erfahren, was es kostet, bis man sich dem göttlichen
Macher nur einigermaßen im Gehorsam ergeben kann, damit Er mit uns schalten und
walten könne nach seinem Wohlgefallen, und damit er auch selbst in uns das
lebendige Brot werden könne. Aber mehr noch kostet es, bis eine Seele durch eine ganz
unbedingte Übergabe an Gott und durch ein gänzliches Entwerden ihrer selbst,
worauf diese der Natur entnommene Gleichnisse hindeuten, als ein Mehl- oder
Sonnenstäubchen in das Meer der ewigen Gottheit, als in ihren Ursprung, wieder
einfließen kann, damit auch in ihr Gott in Jesu Christo wieder Alles in Allem
werde. Nun, der Herr wolle uns alle zu geduldigen Körnlein machen,
die sich zu einem schönen Mehl und endlich auch zu einem brauchbaren Brot
bereiten lassen. Er wolle uns auch die Weisheit schenken, aus diesen der Natur
entzogenen Gleichnissen seine göttliche Gnadenordnung zu erkennen und die
wunderbare Zubereitung unseres Heils einzusehen. Aus dem hier vorgetragenen
Bilde leuchten die mancherlei Stufen der von Gott eingeführten Gnadenordnung
deutlich hervor, die man nicht überschreiten darf, auch nicht durch Laufen oder
Rennen, noch weniger durch Fliegen, zurücklegen kann. Es gehört dazu eine
beständige Treue im unausgesetzten Aufblick auf Jesum der allein uns zu diesem
allen tüchtig machen und uns Kraft geben kann, täglich in seiner Gnade
fortzuschreiten. Besonders stark spricht der oben beschriebene Prozess mit dem
Korn, dem Mehl und dem Brot zu solchen Seelen, die nach vielen Erfahrungen und
Leiden sich den unglücklichen Gedanken einfallen lassen möchten: Nun ist doch
etwas aus mir geworden. Diese sollen die Rede des Bäckers von der
Hauptvernichtigung, die mit dem Brote vorgehen muss, wohl beherzigen, damit sie
eines Besseren belehrt werden. Viele sprechen zwar von der Vollkommenheit; aber seht
verschieden sind die Begriffe von derselben. Die Meisten überschlagen die dazu
erforderlichen Kosten sehr übel, und finden sich am Ende betrogen. Sie wollen
gern vollkommen sein, aber sich nicht dazu schicken, jedes Kreuz, das Gott
ihnen zu ihrer Zubereitung sendet, willig anzunehmen. Wollen wir mit Christo überkleidet werden, so müssen wir uns
zuvor von allem, was Ihm unähnlich ist, entblößen lassen. Wir möchten uns auch
zu Zeiten gern im Gebete üben und dabei uns in dem Genuss einer gewissen
Beschaulichkeit erfreuen; aber leiden und uns selbst verleugnen wollen wir
nicht. Das Gebet, sagt der gottselige Bernieres Louvigny, fördert zwar unsre
Heiligung, aber durch Leiden werden wir erst vollendet. So wolle uns denn der Herr die Heilige Weisheit verleihen, die
in der kindlichen Einfalt verborgen liegt, damit wir auch in einem groben
Mühlsteine, obgleich er unsre Natur oft sehr hart drückt, doch den Stein der
Weisen und das rechte Mittel der Zubereitung zu unserm Heile erkennen mögen.
Dazu bedarf es aber eines unbeschränkten Glaubens. Doch der unbedingte Glaube
ist es ja, der uns nicht nur selig macht, sondern uns auch durch die Gnade Jesu
zur wesentlichen Vereinigung mit Gott
führt. Der Herr Segne diese
unvollkommenen Worte und leite uns auf richtiger Bahn. Amen! |
Aktualisiert
am:02.12.2008 Home