Max Seltmann

 

Erlebnisse mit Jakobus

 

Band III + IV

 
Aktualisiert am: 16.05.2007

 

Die Erlebnisse des Jakobus Band III und Band IV

 

 

Max Seltmann - Die Erlebnisse des Jakobus Band III und Band IV

VORWORT

 

Dank der Gnade unseres Himmlischen Vaters und auf Wunsch unseres Bruders Max Seltmann, war es uns möglich, diese herrlichen Offenbarungen zu vervielfältigen. Wir wünschen allen Geistesfreunden, dass ein jeder die rechte Erleuchtung für seine Seele erhält, was besonders dadurch geschieht, dass man diese Kostbarkeiten an geistigen Erleben nicht nur einmal, sondern mehrere Male ernstlich in sich aufnimmt, da ja alle geistigen Erlebnisse unseren Geist immer mehr beleben und vergeistigen!

 

Viele Geistesfreunde wissen, dass Jesus, als Er auf Erden wandelte, mit dem König Abgarus Ukkama von Edessa, in Mesopotanien, einen Briefwechsel hatte und dem König versprach, nach Seiner Rückkehr in Sein geistiges Reich, ihm einen Jünger zu senden, der ihn von seinem irdischen Leiden (Lähmung) heilen werde, und ihn und allen, die bei ihm sind, auch das Evangelium vom wahren Sein und Leben bringen wird. Hierzu hatte der Herr Seinen Stiefbruder und Jünger Jakobus ausersehen, und was Jakobus auf seiner Reise durch die Heidenländer erlebte und an Zeugnissen, Krankenheilungen und Fragen beantworten konnte, das alles erfahren wir in den vier Bänden dieses herrlichen Lebenswerkes.

 

Der 1. und 2. Band beschreibt die Erlebnisse Jakobus auf dem Wege nach Edessa. Der 3. und 4. Band beginnt mit dem Abschied von Edessa und der Rückreise nach Jerusalem. Dieses Buch berichtet aber auch von dem Unkraut, welches der Feind des wahren Lebens inzwischen zwischen den Weizen gesät hatte. Er aber säuberte die Spreu vom Weizen. Nach seiner Rückkehr nach Jerusalem konnte Jakobus noch mehrere Jahre in aller Jesuliebe wirken, bis auch er den furchtbaren Märtyrertod starb, indem ihn die Tempeldiener von der Zinne des Tempels stießen, und wie es geschehen konnte und welche Herrlichkeiten Jakobus noch im Sterben seinen Getreuen offenbaren konnte, erfahren wir am Schlusse des vierten Bandes. Alles, was unser lieber Bruder Max Seltmann niederschreiben durfte, dank der großen Gnade, die er nach vielen Prüfungen in seinem Leben, bei unserem himmlischen Vater in Jesu, gefunden hatte, hat Er nicht nur durch das innere Wort hören können, sondern das Geschehene geistig mit schauen dürfen.

 

Dank, alles Lob und alle Anbetung gebührt allein unserem himmlischen Vater, dass Er uns in jedem Jahrhundert - auch heute noch Seine Geistesboten schickt, und uns durch sie immer wieder Seine allein wahre Liebelehre erneut schenkt, die zu befolgen, unsere heilige Aufgabe ist, so wir uns dankbar als wahre Tatchristen Ihm gegenüber zeigen wollen. Helfe auch hier ein jeder mit zur Wiederherstellung der göttlichen Ordnung beizutragen, damit das verheißene Reich Gottes und der Durchbruch der göttlichen Herrlichkeit beginnen kann. Denn das ist der Zweck aller Dinge, ja, der gesamten Schöpfung: .Die Vergeistigung in dem herrlichen Geiste Christi, der unser eigentliches wahres Leben ist in Ewigkeit, denn wir sind Geist aus Seinem Geiste!

 

 

 

Gez. Gertrud Breßler,

Hans Eichbaum i.A.

 

 

 

INHALT Band III und IV

 

VORWORT  2

Personenbeschreibung  2

Abreise von Edessa mit der Karawane des Iwano nach Patmur zur Herberge des Nikolaus  3

Ankunft in Patmur bei Nikolaus  4

Einkehr des Griechen Baltasar  8

Karawane mit Fieberkranken  10

Heilung der Fieberkranken  12

Abreise der Karawane des Iwano  13

Heilung des Oberpriesters Simon, Bekehrung der übrigen 3 Priester  13

Lydia wird geheilt 14

Karawane mit gefangenen Christen wird gefangen genommen  20

Sardellus findet seine Schwester Danila wieder  21

Züchtigung des Priesters Ramon  22

Bericht eines Knechtes der Tempeldiener  23

Verurteilung des Priesters Ramon  24

Jakobus erzählt Erlebnisse mit Jesu im Elternhaus  26

Jesus erscheint und spricht zu Schimba  27

Jakobus zeigt dem Baltasar seine Innenwelt 28

Baltasars Erlebnis mit Alina  29

Jakobus und Baltasar bei Kasimir  30

Die bissigen Hunde des Kasimir und ihre Zähmung  31

Der alte Treiber Ben  32

Abschied des Jakobus vom Lager Kasimir  33

Einkehr bei Elegius/Amatus  34

Jenna erhält die Gabe des Heilens  37

Jakobus erzählt eine Begebenheit im Hause Josefs  39

Weiterreise nach Damaskus und Abschied von Elegius und Baltasar  40

Rast bei Arnulf  41

Jeremias und ein weiterer Priester treten ein  41

Weiterreise zu Dinarus  42

Jakobus zu Gast bei der Familie Dinarus  43

Weiterreise des Jakobus über Tyrus nach Jerusalem   45

BAND IV - Seuche in Jerusalem   45

Ankunft in Damaskus bei dem Handelsherrn Dinarus  50

Ankunft in Patmur bei dem Herbergswirt Nikolaus  53

Rast in einem kleinen Dorf bei einem armen Herbergswirt 57

Weiterreise zur Herberge des Elegius  60

Ankunft in Rakka bei dem Priester Arius  62

Weiterreise zu Andree und Ludmilla, Ankunft in der Herberge bei Kaspar  69

 

 

 

 

 

 

Personenbeschreibung

 

Jesus, Der HERR -     Jakobus, Jünger und Apostel

 

 

 

Iwano -  Karawanenführer

Nikolaus -Herbergswirt

2 Tempelpriester

Lazarus -  Wirt in Bethanien

Isidor -  Geschäftsfreund des Lazarus

Simon - Oberpriester

Irene - Tochter des Nikolaus

2 weitere Priester

Schimb -  und seine Schwägerinnen

Lydia - eine geheilte Kranke

Elias - ein Priester

Baltasar -  ein Grieche

Samino - Karawanenführer (der schwarze Bär genannt)

Mischko - ein Treiber des Samino

Pistorius -  Führer einer römischen Militärpatrouille

Sardellus -  ein römischer Kommissar

Maruschka  -  eine schwer misshandelte Griechin

Danila - Schwester des Sardellus

Ramon - ein Priester

Alina -  eine Frau

Kasimir - Karawanenführer

Ben - ein Treiber des Kasimir

Elegius  -  Herbergswirt

Jarmela -  seine Frau

Jenna  - seine Tochter

Amatus  - Karawanenführer

Thomas  - ein Jude

Arnulf   - Herbergswirt bei Damaskus

Jeremias  -  einer von zwei Priestern

Dinarus  - Arbeitgeber des Amatus

Monika - seine Frau

Rufus - sein Diener

 

 

 

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Abreise von Edessa mit der Karawane des Iwano nach Patmur zur Herberge des Nikolaus

 

 

Es war der Wunsch des Jakobus, dass sich niemand einfinden sollte beim Scheiden von Edessa. Die dankbaren Edessaer aber ließen es sich nicht nehmen, die Karawane eine Stunde noch zu begleiten, die den Jünger Jesu nach Patmur zu bringen hatte. Der Karawanenführer Iwano, welcher dem Christentum sehr geneigt war, konnte es kaum fassen, den scheidenden Menschen noch solch ein Opfer zu bringen. Er nahm sich vor, mit den seltenen Menschen sich mehr wie gewöhnlich zu beschäftigen. Die Karawane war stark, 20 Wagen, beladen mit persischen Teppichen und Stoffen, dazu eine Begleitung, weil es unruhige Zeiten waren, die Treiberdienste verrichteten. Jakobus war dem Karawanenleben nicht fremd, die Art aber, wie Iwano seine Leute behandelte, zwang ihm größte Achtung ab. Jakobus der am ersten Tage noch einmal Rückschau hielt, war innerlich befriedigt, ganz wunschlos gab er sich hin, weil es ihn immer lebendiger machte. Iwano bemerkte dieses, fragt aber trotzdem Jakobus, was ihn so beglückte. „Ja, lieber Iwano, es ist schwer zu sagen, dieses oder jenes beglückt mich, da ich ja aus dem Glück gar nicht herauskomme. Mein Leben ist eine Kette von Freude und Glück, die für dich unvorstellbar ist.“ Iwano: „Aber Freund, bleibe nur bescheiden, wer weiß, wann du wieder so einen Abschied erlebst wie in Edessa. Hetmann erzählte mir schon von den Ereignissen im Königshause und bei der Witwe Helena, aber glaube mir, das Volk vergisst auch so leicht.“

 

Jakobus: „Nach deiner Meinung ja, aber was ich bringe, vergisst man nicht mehr, sondern es wird tagtäglich wieder neu! Siehe in Edessa findest du keinen Götzen mehr, sondern alle sind gewonnen für den Liebemeister Jesus, auch die Priester und diese besorgen mit Freuden, die Gnade des Herrn allen zu offenbaren.“ Iwano: „Mir ist alles ein Rätsel, wie du dieses alles fertig bringst. Ich bin auch ein Anhänger dieses deines Jesu, aber deswegen vergesse ich auch meine Pflichten nicht und bleibe doch der alte Iwano.“ Jakobus: „Höre lieber Iwano, ich möchte dir auch keinerlei Vorschriften machen, da ja ein jeder Mensch Schöpfer seines Glückes und Gestalter seiner Innenwelt ist. Ich bin nicht gedungen, eine neue Lehre zu verbreiten die Jesu von Nazareth uns Wort für Wort ans Herz legte, sondern um zu zeugen von dem Leben, welches sich in mir offenbart, da ja Jesu Geist ganz mein Eigentum geworden ist. Auch mein Handeln geschieht in diesem Geist, darum bin ich wohl ein Diener der Liebe. Der Ausführende ist der Herr selbst, kannst du mich verstehen?“

 

Iwano: „Ich kann dich verstehen, aber es sind noch Dinge, die mir unbegreiflich erscheinen. Z.B. Zeno, der Oberpriester, dessen Amt es war, die Seelen im heidnischen Irrtum zu festigen, jetzt ist er Priester der von dir gegründeten Gemeinde. Wäre es nicht richtiger gewesen, einen anderen Priester zu wählen? Ebenso ist Hetmann und Hermes geblieben, versprichst du dir davon Gutes? Warum nahmst du keinen Geheilten?“ Jakobus: „Mein Freund, nach menschlichen Begriffen hast du recht, aber der Herr ist der Anordnende und der Ausführende. Ein Geheilter würde der Gemeinde dienen aus Dankbarkeit für den Herrn, die Gewonnenen aber dienen aus Liebe zum Herrn, weil sie ihr Herz ganz geöffnet haben der Gnade aus Jesus dem Herrn.“ Iwano: „Aber Freund, du bringst schon wieder ein Rätsel, indem du sagst, der Herr sei der Anordnende und Ausführende. Was mein Herr anordnet führe ich aus, denn wozu ein Anordnen, wenn ich selbst der Ausführende bin?“

 

Jakobus: „Iwano, hier ist ein großes Geheimnis, offenbar wird es aber nur denen, die sich die Lehre des Herrn Jesu aneignen und in seinem Geiste bleiben. Der Mensch ist das Bindeglied zwischen Gott und Mensch, der Schöpfer und den Geschaffenen. In seiner Mission ist Er als Geschöpf die Krone aller Schöpfungen, da Er ja die ganze Schöpfung, ja das ganze all nach den geistig göttlichen Gesetzen in sich trägt. Freilich, der natürliche Mensch ahnt ja dieses nicht, da der Mensch nach den Göttlichen Gesetzen sein Leben einrichtete. In diesem Zustand war der Mensch noch Herr über das Geschaffene. nach innen aber war er Diener des großen Geistes, der seinen eigenen Geist in aller Klarheit und in die Wesenheit Gottes führte. Mit der Zeit aber verlor sich der Mensch nach außen, die Folge war, er hörte auf, ein Herr des Geschöpflichen zu sein und wurde dafür dessen Sklave. Die Offenbarungen des großen Geistes hörten auf nach dem Grade des Verlierens und das Innere des Menschen erstarb.

 

Gott aber, der sein Werk nicht untergehen lassen will, wurde darum Mensch und brachte damit nicht nur den Menschen, sondern allen Geschaffenen die willkommene Erlösung. Der Mensch aber, der mit allen Fasern und Wurzeln seines Seins mit dem Geschöpflichen oder dem Vergänglichen verwachsen ist, wehrt sich gegen diese Lösung, da dieselbe nur zu erreichen ist, wenn er sich dem Geiste Gottes zuwendet, der die Erlösung brachte. In dem Augenblick, wo du, Iwano, dich dem Ewigen zuwendest. wirst du lebendig, du suchst und forschest, immer tiefer dringst du in das Wesen des Gottesgeistes ein und lernst dich dabei erkennen, wie auch alle die in dir ruhenden Dinge, die dich abhalten, in Verbindung zu bleiben mit dem Gottesgeiste. In diesem Erkennen deiner selbst kommt dir Gott näher und näher und die Sehnsucht, immer klarer zu schauen, weckt auch die Liebe zu dem Göttlichen bis endlich alles offenbar geworden ist. Kannst du mich richtig verstehen?“

 

Iwano: „O, sehr gut, lieber Freund, aber dieses ist mir nicht klar, dass Gott gerade den Menschen dazu braucht, um Seine Schöpfung zu vollenden. Gut, in dem Heiland Jesu wurde Gott Mensch, dies ist mir faßbar. Warum aber macht Gott die Umwege und braucht nicht Gewalt? Warum eine Entwicklung, die Jahrhunderte, ja Jahrtausende dauern könnte, wenn es in wenigen Monaten zu erreichen wäre, dies ist mir unklar.“ Jakobus: „Iwano, wenn du den Herrn als ewige Liebe erlebst, wird dir alles licht und klar sein; wenn Gott nur aus Seiner Allmacht geschaffen hätte, dann freilich wäre auch die Menschwerdung Gottes überflüssig gewesen. Der Mensch ging aber aus der großen Gottesliebe und Weisheit hervor und wurde berufen zu einem freien göttlichen Leben. Du kennst doch so vieles in der Welt. Am vertrautesten sind dir deine Tiere, du kennst ihren Charakter, ihre Eigenarten, ihre Gesetze, die zur Fortpflanzung und Erhaltung nötig sind, aber nie wirst du oder ein anderer zu einer anderen Wesensart sie erziehen können, da das ewige Gesetz ihnen auf- und eingedrückt ist.

 

- Anders die Menschen - da ist alles frei und alles muss gezogen und erzogen werden. Nach dem Maße der Erziehung wird sich der Mensch bilden. Er kann auf eine hohe, aber auch auf eine niedere Stufe gezogen werden, was bei einem Tier nie der Fall sein kann. Warum wohl dieses? Weil in der großen Freiheit des Menschen das Gesetz der herrlichen Liebe verankert ist und der Teil aus Gott zu einem Bestand des Menschen wird, ja noch mehr, dieser Teil aus Gott macht den Menschen erst zum Menschen.“ Iwano: „Mit wenigen Worten hast du mir viel gesagt. Nun verstehe ich den Heiland Jesus, Der da sagte: `Kommet her zu mir, Ich will euch Helfer und Heiland sein, da Ich gesandt bin vom Vater im Himmel!` - Aber noch ist mir nicht klar, Gott wurde Mensch, lebte wie ein Mensch und musste gleich einem Menschen ringen und schaffen, wo doch die göttlichen Kräfte sich von allem Göttlichen nicht trennten und trennen können.

 

Wie kann dann die Erlösungstat des Gottmenschen etwas Großes sein, da ihn ja alle Mittel zur Verfügung standen? Ich weiß, der Tod am Kreuz ist hart, überhaupt für einen Gerechten. Was bedeutet es aber für einen mit göttlichen Kräften erfüllten Menschen, auf diese Art zu sterben? Hier steigen mir immer und immer wieder Fragen auf, die noch unbeantwortet sind.“ Jakobus: „Iwano, es ist gut, dass du dich dieser Fragen entäußerst. Es ist nicht gut, des Herrn Leben, Geist und Wesensheit nach menschlichem Ermessen zu beurteilen. Gott wurde Mensch, dieses glaubst du, gut. Nun musst du in dir klar werden, warum wurde Gott Mensch - warum wohl diese Umwege, wie du dies ausgedrückt hast. Nun höre: Da die Freiheit vieler geschaffener Großgeister, vor allem des größten Lichtgeistes, missbraucht wurde, trennte sich im Herzen Gottes die Liebe von Seiner Allmacht und wuchs zu einer Wesenheit, die alles Trennende und Verlorengehende mit starker Kraft umfasste und nach einem Mittel suchte, das Erhaltung und Vollendung bringt. So wurde diese Liebe zum Sohn zum Menschen. Um aber eine vollkommene Erlösung zu bringen, musste sich ja der Sohn umkleiden mit dieser Materie, die Erlösung brauchte.

 

Es ist eine falsche Vorstellung, so du glaubst, dem Menschensohn Jesus sei alle göttliche Kraft und Macht gleich einem Geschenk beigegeben worden. Da bist du in einem großen Irrtum. Ich weiß aus Erfahrung, wie es um das Kind, dem Jüngling und dem werdenden Mann Jesu stand. Alles musste Er sich erringen und aneignen, nicht einen Grad erging es ihm besser als uns, obwohl in Ihm eine starke Seele war. Diese aber war bedingt, da sie ja der Träger des Gottesgeistes in aller Fülle war. Dieser Gottesgeist wurde der Führer in der Seele Jesu! Er war sich Seiner Sendung bewusst darum gab es für ihn kein Ausweichen oder Zweifeln. Das Ziel, welches unablässig vor Seinen Augen und Seiner klar erkannten Mission stand, belebte Seine Liebe zum Erlösungswerke und weckte alle Kräfte, die gleich Samenkörnern in Ihm lagen.  Hättest du Seinen Kampf in Gethsemane gesehen, wie wir Jünger es erlebten, nie würdest du denken, Jesus war mit göttlichen Kräften erfüllt. Im Gegenteil, dort war Er innerlich leer. Er wusste um Seinen Kampf, Sein Leiden und Sterben. Er musste, wie noch kein Mensch, ringen um Beistand und Kraft! Was aber das Schlimmste war, wir verstanden in dieser entscheidenden Stunde den Herrn und Meister nicht. Kannst du dir nun vorstellen, wie es in dieser Stunde um Jesus stand, ob der großen unendlichen Liebe, die da im Herzen Jesu ausreifte? Es gelang Ihm, das Allerschwerste und Bitterste zu ertragen und Er starb für uns alle, damit wir leben!“

 

Iwano: „Du, Jakobus; so hat noch keiner mir das Leben vorgestellt, obwohl ich an Ihn glaube. Jetzt aber fühle ich in mir, ich habe Ihm großes Unrecht zugefügt. Wie kann ich dieses wieder gut machen?“ Jakobus: „Iwano, der Mensch Jesus, der aus Liebe zu den Menschen sterben konnte, hat auch deine Schuld gesühnt und dich obendrein mit Seinem Liebegeist beschenkt! Ist dein Glaube ernst, dann bleibe nicht beim Glauben stehen, sondern ergreife dieses Jesusleben, mache glücklich wo du es vermagst, hilf allen Bedrängten und Bedrückten, dann ruht nicht nur Sein Auge, sondern Seine ganze Liebe und Gnade auf dir und du wirst den Segen gewahr, der von Seiner Liebe und Gnade ausgeht! Wieviel Großes schuf Seine Liebe in Edessa! Es ist erst der Anfang; denn in den Herzen derer, die in Liebe zum Herrn stehen, ersteht eine Saat, die herrliche Frucht hervorbringt!“ Iwano: „Jakobus, wie machst du es bloß, dass du mit Ihm, dem Heiligen, verbunden bist. Der Tod hat ja nicht die geringste Lücke in dir gerissen, oder siehst du Ihn immer noch wie Er euch erschienen ist?“

 

Jakobus: „Iwano, liebe Ihn und aus dieser Liebe alle Menschen, dann ist alles in dir lebendig. Gerade dieses Leben ist ja der Beweis, dass Jesus lebt. Nicht im Geringsten fehlt mir der Meister. Sein Tod war ja für mich das Sprungbrett in dieses Leben und Sein. Ohne Seinen Tod wären wir die Alten geblieben und das Gesetz lastete noch wie ehedem auf uns, aber Dank Seiner großen Opferliebe fließt uns Stunde um Stunde Leben und Kraft zu, nach dem Maße unserer Liebe zu den Menschen in Seinem Liebegeiste!“ Iwano: „Ich danke dir Jakobus, deine Worte zeigen mir klar meinen Weg; denn nun kenne ich einen besseren Weg -Jesus-.“ Es wurde heiß; an einem bewaldeten Hügel ließ Iwano seine Karawane halten, denn Menschen und Tiere brauchten Ruhe und Stärkung. Wie gewohnt fuhren die Wagen zusammen, die Tiere wurden freigelassen, sie suchten ihr Futter, nur an Wasser mangelte es. Als erfahrener Karawanenführer fand er feuchte Stellen, wo er nach Wasser graben ließ, aber heute versagte sein Wissen. Jakobus aber, der ihn begleitete, sagte: „Iwano, Jesus in dir weiß auch um Wasser. Warum versuchst du nicht, mit Ihm welches zu suchen? Er ist doch ein Helfer und Beistand in äußeren Dingen.“ Iwano: „Daran habe ich noch nie gedacht, Jakobus, deine Rede aber sagt mir, dass du um eine Quelle weißt. Ich bitte dich, zeige mir den Ort.“

 

Jakobus: „Dort bei den großen Steinen findest du in Überfülle Wasser. Du mußt aber 10 Fuß tief graben lassen.“ Iwano: „Jakobus, wenn ein anderer mir das sagen würde, würde ich ihn auslachen, dir aber glaube ich!“ Es war auch so, gutes reines Wasser füllte sich in dem Loch, welches Iwano graben ließ. Von den Treibern wurde deshalb Jakobus göttlich verehrt. Iwano erlebte an dem Jakobus immer Neues, nur einmal wurde er irre, als ihm ein Tier verloren ging, indem es sich ein Bein brach. „Warum - warum offenbarte es der Heiland nicht“, klagte er, „wir hätten mehr Vorsicht walten lassen müssen durch diese steinigen Gegenden.“ Jakobus aber blieb ganz ruhig und sagte: „Iwano suche auch hier noch etwas zu finden, was sich als Gnade und Führung offenbart! Nie wird sich in deiner Welt etwas ereignen, was dir nicht von dauerndem Nutzen sein könnte. Gewiss, es ist schade um das Tier, aber größer ist der Gewinn des Gottesanteils in dir,- so du dich ergeben auf die Führungen Gottes einstellst! Mit Klagen erschwerst du dir und den deinen den Dienst, während in Geduld und Hingabe sich Ruhe in dir und um dich ausbreitet!“ Endlich kommen sie in belebtere Gegenden, wo Iwano wieder in einer Herberge einkehren kann und die Treiber, vor allem den Tieren, die rechte Ruhe und Pflege angedeihen lassen konnten.

 

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Ankunft in Patmur bei Nikolaus

 

 

Beim Nachtmahl sagte Iwano: „Jakobus, du bist mir ein rechter Bruder geworden! Nun heißt es scheiden! Wie werde ich dich vermissen! Wann werde ich dich wieder sehen? Diese Tage waren ein Geschenk Jesu.“ Jakobus: „Du tust recht, Iwano, diese Tage als Gnadengeschenk anzusehen. Größer aber ist die Freude des Herrn und Meisters Jesus, weil du dein Herz geöffnet hast für Jesus! Von nun an werden deine Leute mit viel größerer Liebe an dir hängen, denn auch sie erfassen die Lehre des Meisters und ersehen die Gnade, die von Ihm ausgeht.“ Da tritt der Wirt hin und spricht: „Iwano, hast du von diesem Freund Neues von Jesus erfahren? Ich erhalte ganz spärlich Kunde aus Jerusalem , was ich höre klingt nicht gut.“ Iwano: Ich kann dir Besseres berichten und dir große Freude bringen mit diesem Bruder ist ein Jünger des Herrn in deinem Hause.“ Wirt: „Wenn es so ist, lieber Iwano, dann seid ihr mir nicht Gäste, sondern Brüder! Wie oft ersehnte ich diese Stunde. um die Wahrheit aus berufenem Munde zu hören. Die Juden sind schlecht zu uns Heiden. Immer neue Schandtaten verbreiten sie von den Anhängern Jesu. Ich bin froh, dass ich römischer Untertan bin, da ist wenigstens mein Haus von dem Schmutz bewahrt; aber nun will ich die Nachricht meinen Leuten bringen und für einen guten Trunk sorgen.“ Jakobus wollte ablehnen, aber Nikolaus, der Wirt, sagte: „Um die reine Wahrheit zu erhalten, ist mir kein Opfer zu groß, lieber arm und ein Wissender, als reich und ein Irrender zu sein.“

 

Jakobus: „Tue nach deinem Herzen, deine Liebe ist der Schlüssel zu den Toren deiner Mitmitmenschen. Nur diese Liebe hat die Kraft deine Mitmenschen zu Schwestern und Brüdern zu erheben.“ Die Becher wurden gefüllt, einige Krüge des sauren Weines wurden auf die anderen Tische gestellt - da kommt auch des Wirtes Weib mit ihren Söhnen und Töchtern. Die Begrüßung war herzlich, aber zurückhaltend. Da sagte Nikolaus: „Verzeihet, weil die Kinder noch so zurückhaltend sind. In ihnen ist mehr Furcht als Vertrauen. Erst gestern waren einige Tempelpriester hier, denen ich das Haus verweisen mußte; aber nun ist alles gut, endlich leuchtet uns die Sonne, die uns Gewißheit bringt.“ Die Freude übertrug sich auch bald auf die anderen, die noch in der Herberge weilten, denn bald wußten sie es alle, dass ein Jünger des gekreuzigten Heilandes Jesu in ihrer Mitte weilte. Jakobus getrieben von seiner innersten Liebe, begrüßte nun jeden Gast und gab noch ein paar Segensworte dazu. Nicht einer war da, der diese einfache Liebe abgelehnt hätte. So waren schon die Herzen aller gewonnen, ehe er nur ein Wort vom Herrn verkündet hatte.

 

Nun stand er im Mittelpunkt aller und sagte: „Meine Freunde, ich bin nicht aus mir selbst hierher gekommen, sondern in der Mission des Herrn und Meisters Jesus, von Dem ihr gehört habt, Er sei gekreuzigt worden; aber dieser Jesus ist nicht im Tode verblieben, sondern in ein Leben eingegangen, das Er allen erworben hat, die an Ihn glauben und nach Seiner Lehre tun. Seine Lehre ist ein einziges Gebet der Liebe. Sein für uns erworbenes Leben ist die freie Zugabe, die mit dem Liebesgebot eng verknüpft ist. Es kann nur errungen werden in dem Geist, der Jesus beseelte. Es ist Kraft aus der Liebe, Licht aus der Gnade und herrliches Bewußtsein in Ihm geborgen zu Sein für Zeit und Ewigkeit! Du Nikolaus, möchtest fragen wie es kommt, dass so viele leiden und sterben müssen um des Herrn willen - da sage ich dir: Die um des Herrn willen leiden und sterben werden von Ihm selbst getragen, in ihnen ist die Gnade mächtig. Alles Leid und Weh ist versüßt durch die Gegenwart des Herrn, Der um der Errettung aller willen Seine Feinde nicht richten kann!

 

Wohl ist der Tod hart und grausam, würdet ihr aber mit allen denen reden, die für den Herrn in den Tod gegangen sind, ihr würdet erstaunt sein über ihre Aussagen. Das Leben hat den Sieg über den Tod errungen, darum kann der Tod keine Schrecken mehr verbreiten, sondern ist Eingang in ein Leben der wahren G1ückseligkeit! Bist du nun zufrieden?“ Nikolaus: „Deine Worte sind beglückend und überzeugend, aber unser menschliches Denken und Empfinden wehrt sich dagegen, so Nachrichten kommen über Grausamkeiten. Warum, warum, du lieber Jünger des Herrn, verhindert der Herr diese nicht? Du sagtest wohl, um die Errettung aller sei dieses nicht zu verhindern, hier komme ich nicht mit! Ist denn Jesus ein anderer geworden? Was haben wir für Großtaten vernommen. An jedem Tisch wurde Seine Kraft und Herrlichkeit gerühmt, während jetzt alles stumm und ängstlich ist. Den Namen Jesu auszusprechen. macht schon ängstlich! Sich zu Ihm zu bekennen, ist gefährlich; denn überall sind Schergen des Tempels, die mit Freuden die Bekenner Jesu fortbringen.

 

Jakobus: „Du hast recht gesagt, Nikolaus, der Lebensfeind steht auf der Höhe seiner Nacht. Er will den Auferstandenen für ewig zu den Toten werfen, aber da Jesus in Sein ewiges Eigentum eingegangen ist, hat Er uns Sein Wort und Seinen Geist hinterlassen, welches uns in alle Weisheit und Wahrheit führt und belebt zum ewigen und wahren Leben aus Ihm! In diesem Leben bist du mit dem Leben alles Lebens verbunden, kein Feind vermag an dieser Feste zu rütteln; denn Jesus, ist die Macht und auch der Sieg!“ Nikolaus ließ ein Mahl auftragen, es war wieder die rechte Fröhlichkeit, die Nikolaus so liebte. Da kamen zwei Tempelpriester, die Nikolaus am Tage zuvor aus seinem Haus gewiesen hatte. Mit einer großen Frechheit wollten sie den Grund wissen, warum alle so gut gelaunt sind und was der Anlaß ist zu diesem frugalen Mahl. Nikolaus sagte: „Nicht ich habe euch gerufen, auch werde ich euch nicht Antwort auf eure Fragen geben - solltet ihr aber vergessen haben, dass diese Herberge eine römische ist, dann werde ich von meinem Hausrecht Gebrauch machen. Tempelpriester: „So war es nicht gemeint, lieber Freund, ich sehe nur einige, die unseres Glaubens sind. Da ist es unsere Pflicht, über sie zu wachen. O, was sehe ich, des Zimmermanns Josef's Sohn ist hier, da ist unsere Anwesenheit doppelt nötig, gehört er doch zu den Zwölfen des Geächteten.

 

„Halt, kein Wort mehr, spricht Nikolaus, für euch mag Jesus ein Geächteter sein, für uns ist er der größte Wohltäter. Es trifft sich gut, dass dieser Jünger hier ist, da kann er gleich euer Hass- und Lügengewebe über Jesus aufdecken.“ Tempelpriester: „Lieber Wirt, sei nicht so überzeugt von dem Nazarener; denn gerade in Nazareth spricht man nicht viel Gutes von Ihm. Eben dieser Jünger muß es zugeben, wie lieblos und eigensinnig sein Bruder war. Ich kenne die Verhältnisse noch ziemlich genau; denn im Hause Josefs war selten Friede, wie es bei den Kindern Israels sein soll. Dass sich bei den Nazarenern keine Anhänger fanden, spricht ja für uns.“ Jakobus: „Du bist Simon, Jorams Sohn, du warst in deinen jüngeren Jahren nur eine kurze Zeit in Nazareth. Es ist wahr, die Nazarener waren eine Zeit lang schlecht auf Jesus zu sprechen, weil sie alle, auch wir, den Kampf und das Ringen in Jesus nicht verstehen konnten. Jesus war bei deinen Eltern nicht beliebt, du konntest Ihn überhaupt nicht ausstehen, du hattest eine Abneigung gegen Ihn ohne, dass du mit Ihm in nähere Berührung gekommen bist. Ihr zoget fort, so hast du ja Seine Entwicklung gar nicht beurteilen können. Heute, wo du gleich deinem Vater, ein Tempelpriester bist, mußt du ja handeln nach den Richtlinien des Tempels, der jede gute Handlung des Meisters Jesus mit Hilfe des Belzebub ausführt.

 

Warum habt ihr nicht mit denen gefühlt, die Er erlöste von Leiden und Qualen? Wer wie ihr vom Tempel, so schnell mit einem Urteil fertig ist, ist ja gar nicht wert, dass die unendliche Liebe aus Gott in Jesus ihnen offenbart wird. Wenn du, Simon, eine todkranke Frau oder Tochter hättest und ein Heiland käme und machte sie dir gesund, wärest du nicht von heißem Dank erfüllt? Was tatet aber ihr? Solche dankbaren Menschen habt ihr in Gefängnisse gebracht ohne Rücksicht auf Alter und Familie. Hier, wo ihr selber nur Gäste seid, gelüstet es euch, euer liebgewordenes Gewerbe -auf Menschenjagd zu gehen- um belobt zu werden vom Tempel, weiter zu betreiben.“

 

Simon zwang sich zur Ruhe, aber er sagte: „Jakobus, gehe nicht zu weit, denn auf diese Anschuldigungen und Beleidigungen eines Gottesdieners gibt es schwere Strafen.“ Jakobus aber spricht: „Auf deine Drohungen sage ich dir, dass ich diese nicht fürchte, aber all denen, die hier weilen, bin ich es schuldig, zu beweisen, wie wenig du ein Diener Gottes bist! Nikolaus schicke vier oder fünf Mann in die "Herberge des wilden Mannes". Dort sind zwei Tempeldiener, die drei Frauen und einen Mann, gebunden an Händen und Füßen, gefangen halten. Lasset sie hierher bringen, dann kann dieser Priester seine Dienerschaft zu Gott beweisen.“ Nikolaus spricht: Jakobus, woher wußtest du dieses, wenn das wahr ist, ich bin der Vorsteher der Gemeinde, dann hat das Gericht zu sprechen.“ Simon wollte etwas einwenden, aber Nikolaus sagte: „Abwarten, was bei dieser Geschichte herauskommt, in einer halben Stunde wissen wir alles.“ Jakobus sagte: „Nikolaus, glaubst du wirklich, dass ich aus mir heraus Menschen eines Verbrechens beschuldigen könnte? Nimm es als Beweis des Heilandes Jesu an und du hast die Erfüllung deiner Sehnsucht. Sichere dir aber Simon, er hat schlechtes im Sinne!“

 

Nikolaus: „Sei unbesorgt, einen alten Krieger legt man nicht so schnell herein. Er stand auf und pfiff nach seinem Hund, der auch schnell zur Stelle war. Er wies auf Simon und sagte: „Gut aufpassen, mein Freund!“ Der große Hund kauerte sich vor Simon hin, knurrte und schaute unentwegt auf Simon. Alle Männer in der Wirtsstube machten sich auf nach dem "Wilden Mann", teils aus Neugierde, teils aus Wut auf die beiden Priester. Sie mußten den Worten des Jakobus Folge leisten. Als die Männer die Stube mit viel Geräusch verlassen hatten, schaute sich Simon um, der Hund schaute ganz gleichgültig auf Simon. Simon machte einige Bewegungen, auf die der Hund nicht reagierte, schnell griff er unter seinen Mantel und wollte mit einem spitzen Messer den Hund erstechen; aber mit einem Sprung hatte der Hund Simon zu Boden gerissen. Die Anwesenden hatten den Vorgang gar nicht bemerkt, da sie sich um Jakobus geschart hatten. Nun aber waren sie bestürzt, als sie sahen, wie der Hund Simon zurichtete.

 

Nikolaus rief: „Laß ab Cäsar, laß ab - das hast du brav gemacht.“ Er nahm das Messer, welches auf den Boden gefallen war und sagte: „Simon, das hast du wohl nicht erwartet. Das Messer wird dich schwer belasten, denn seit wann gehen Priester bewaffnet im Dienste Jehovas? Für die Wunden, die dir Cäsar beibrachte, bist du selbst verantwortlich. Das Einzige, was ich tun will ist, dass ich dir deine Wunden reinigen lasse, denn Hundebisse können gefährlich werden.“ Nikolaus holte seine Tochter Irene. Diese wusch die Wunden mit Essigwasser aus ohne auf die Schmerzen des Verletzten zu achten. Inzwischen kommen die Männer mit den gefangen gehaltenen, dafür aber hatten sie die beiden Tempeldiener gebunden, die sich wehrten, die Gefangenen herauszugeben. Es war eine Aufregung in der Stube, so dass Nikolaus erst Ordnung gebieten musste. Der gefangene Mann war ein Bekannter des Nikolaus. „Du weißt, dass mir mein Weib gestorben ist, mein kleines Anwesen braucht dann und wann weibliche Hilfe. Diese drei sind meine Schwägerinnen, die gemeinsam mir und meinen Kindern helfen. Wie dieser Priester es herausgebracht hat, dass wir Anhänger des Heilandes Jesu sind, ist mir rätselhaft, von meiner Seite aus habe ich nichts verraten.“

 

„Da bin ich schuld“, sagte die eine. „Dort dieser Mann bat um ein Stück Brot um Jesu Liebe Willen, da habe ich mich verraten und die anderen dazu. Ich bitte herzlich um Verzeihung, weil ich so töricht war und dem Frieden glaubte.“ Nikolaus: „Sorge dich dessen nicht mehr! Dein Verrat ist kein Verraten, sondern ein Bekennen, für das wir dir alle danken werden; aber, wie wurdet ihr gefangen, dieses ist mir das Wichtigste!“ Schimba: „Es ist einfach, meine Schwägerinnen wohnen am anderen Ende des Dorfes. Kaum, dass sie in meine Hütte eingetreten waren, kommt dieser Priester und verlangt, ich solle den Nazarener dreimal verfluchen und ein größeres Opfer bringen, da ich des Todes schuldig wäre. Ich lehnte dieses entschieden ab, da schlug er mir ins Gesicht und ging aus dem Haus. Schon glaubten wir, die Gefahr wäre vorüber, da der Tag verging ohne jede Störung, aber gerade, als die drei in ihr Heim zurück wollten, kommen die Wüteriche zu viert, überwältigten erst mich und dann meine Schwägerinnen. Wir mussten zusehen, wie sie meine Vorräte plünderten. Sie ließen sich mein Brot schmecken - auf meine Proteste erhielt ich wieder Schläge - und dann kam die Nacht.

 

Meine Kinder verkrochen sich vor den Wüterichen in der Scheune, ich weiß bis jetzt nicht, was aus ihnen geworden ist. Der eine ging fort, kam aber bald mit einem Wagen, den wir vier besteigen mussten, sonst hätten wir alle Schläge bekommen. Das war gestern, man fuhr nach dem "Wilden Mann", es war aber keine Gelegenheit, uns bemerkbar zu machen, da wir streng bewacht wurden. Nun sind wir hier. Man sagte uns, ein Jünger Jesu hätte es angeordnet, dass wir befreit wurden.“ Nikolaus sagte: „Es ist so, lieber Schimba, Jakobus ist es, den der treue Heiland Jesus in unsere Mitte führte.“ Schimba: „Laß dir danken, Jakobus! Leider muß ich nach meinen Kindern sehen, sie werden nicht wissen wo wir sind.“ Jakobus: „Tue es, Schimba, doch komme morgen wieder. Die Schwestern mögen hier bleiben, da genügt es, wenn ein Bote deine Schwiegermutter verständigt.“

 

Schimba: „Ich komme, sobald es möglich ist, mein Herz ist voll Dankbarkeit und voll Freude, aber um etwas Speise bitte ich für mich, wir haben einen Tag nichts zu essen gehabt.“ An einem Tisch sättigen sich die vier - dann ging Schimba eiligst nach seiner Behausung. Nikolaus ließ die vier Templer in einem Gelaß bewachen, dann sagte er: „Jakobus, der unangenehme Teil ist vorbei, sei gewiß und bringe wieder Ordnung in unsere aufgewühlten Gemüter. Siehe, wir alle hungern nach einem Wort Jesu, wir brennen danach, eingeführt zu werden in das Wesen Jesu, Der aus Liebe für uns starb.“ Jakobus antwortete: „Liebe Brüder, liebe Schwestern! Euer Sehnen ist verständlich. Auch wir haben dasselbe durchleben müssen als Er, unser Meister, von uns gerissen wurde. Drei Tage waren wir in Schmerz und Trauer und wie herrlich ist nun alles geworden! Nicht das war uns die größte Freude, dass Er uns in Seinem unzerstörbaren Leibe wieder aufrichtete, sondern dass Er uns einen Geist schenkte, der uns in alle Weisheit und in alle Wahrheit führt. Euer Sehnen ist auch des Meisters Sehnen. Darum öffnet eure Herzen, vergesset was hinter euch liegt, denn Seine Liebe ist es, die euch frei und froh machen will, doch nicht für jetzt, sondern für alle Ewigkeit!

 

An dem Handeln dieser Templer habt ihr die Frucht des Weltgeistes geschaut! Mit Abscheu wendet sich euer Herz von diesem Niederen und Verkehrten ab, und warum? Weil in eurem Innern der Geist erstehen konnte, der für den wahren und ewigen Gottesgeist die Tore in euch öffnete. Das lieblichste Wort aus Jesu Munde lautete: `Kommet her zu Mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid - Ich will euch erquicken!` Denkt ja nicht, dass Er diese Worte sagte, weil in Seinem Wesen der Geist der Liebe offenbar wurde -o nein-Er sagte diese Worte, weil in Seinem innersten Herzen durch die Einswerdung mit Gott Seine Liebe so groß und stark wurde, dass Er allen ein Heiland und Erlöser sein kann. In der Stunde, wo sich alle Verachtung und Hass an Ihm austobte -am Kreuze- konnte Er noch sagen: `Vater - vergib ihnen - denn sie wissen nicht was sie tun!` Sehet - in diesem Wort liegt das größte "Bekenntnis Seiner Liebe", hier offenbarte sich die Kraft Seiner Heiland- und Erlöserliebe, die selbst im Tode noch bedacht war, einen Weg offen zu halten für den Feind alles Lebens !

 

Mit dem Erlöschen Seines Lebens macht die Trauer für den geliebten Meister uns matt und mutlos, aber als Er zu uns kam, mit Seiner herrlichen Liebe, die uns nun Sein Leben im neuen Lichte zeigte, da, liebe Brüder und Schwestern, war auch ein Strich gemacht hinter unser vergangenes Leben - und das neue Leben aus Gnade und Liebe konnte sich frei entfalten nach dem Grad der Liebe zu uns zu Ihm und zu den Nächsten! - Wie sich in uns täglich immer Neues bekundet in unserem Geist, so wird sich auch in euch immer Neues offenbaren durch den Geist Seiner Liebe und Gnade. - Auch ihr werdet ganz frei werden von den alten Begriffen, die das Gesetz und die falsche Erziehung in euch schuf, ja sogar Grenzen zog, wo dem Leben aus Gott ein Halt geboten war. Doch um alles wusste der Herr und Meister! Schon als Kind wußte Er um Seine Mission und scheute keinen Kampf in und mit Sich; denn alles, was in uns liegt, lag ja auch in Ihm. Und warum wohl? Weil allem Leben in der Widerordnung ein Weg gebaut werden musste, auf dem eine Erlösung möglich ist.

 

Auch unsere Vorväter haben gerungen um diesen Geist. Es ist ihnen nicht möglich gewesen, die Schranken in sich niederzureißen, um dem ewigen Geist aus Gott die Möglichkeit zu geben, dem eigenen Geist ein Bewusstsein zu geben, dass er ein Teil des ewigen Gottesgeistes ist. In diesem inneren Bewußtsein kann sich unsere Seele einen mit dem Geist und der Weg, der zur Erlösung führt, ist beschritten! Sehet, ihr lieben Schwestern, in eurem Schmerz und Leid -zugefügt von Dienern, die im falschen Wahn dem Lebensfeinde dienen- ist ein großer Schritt zum ewigen und freien Leben aus Gott getan worden. An euch hat sich die Liebe offenbart, die nur helfen und befreien will. - Lasst nun die Sehnsucht immer größer werden, ganz Den zu erkennen, der euch noch viel mehr geben möchte; denn wie ihr Verlangen habt, mit Ihm in eine Verbindung zu treten, so hat auch Er - als die ewige Liebe - das Verlangen, mit euch in ewiger Verbindung zu bleiben.“

 

Nikolaus: „Lieber Jakobus, deine Worte sind wie ein sanfter Regen auf ausgedorrtes Land. In jedem Wort klingt das Verlangen, dass das Leben pulsieren soll in einem Jeden - und jeden tragen soll zu Ihm wo es Licht und Klarheit, Frohsinn und Zufriedenheit gibt; aber auch du ließest durchblicken, dass der ewige Heiland und heilige Meister diese Sehnsucht in sich trägt. Er ist doch der Herr, kann Er nicht in Seiner grenzenlosen Liebe erfassen, was Er will, warum noch Sehnsucht, wo Er in Liebe nur zuzugreifen braucht?“ Jakobus: „In deiner Frage liegt viel, mein Nikolaus, aber bist du nicht auch Vater von Kindern, die du liebst? Wie auch du dir manchen Wunsch versagen musst infolge der Unreife deiner Kinder, so ergeht es auch dem ewigen Vater! Sehet Seine Liebe und Weisheit hat für alle und alles Sorge getragen. Auch nicht ein einziges Wesen in der ganzen Unendlichkeit soll je Grund zum Klagen oder mit Vorwürfen kommen können. Durch Seine Menschwerdung stellte Er ja den Menschen auf eine Stufe die jede Entwicklung zulässt.

 

Er Selbst machte ja den Anfang und stellte Sich als Mensch auf die Stufe des Menschen, nahm als Kleid Seine Seele, dieselben Potenzen, die jeder Mensch in seiner Seele trägt. Sein Kampf als Mensch galt nicht der Erde, die Ihn trug, sondern war ein Kampf, um zu veredeln, was Er als unedel in Sich erkannt hatte, galt dem Menschlichen, welches Göttliches verherrlichen sollte. Es ist Ihm gelungen! Darum standen Ihm auch alle Kräfte zur Verfügung, die Er aus dem Unlauteren Seiner Seele auf die göttliche Stufe stellte und die zu Seinem freien Eigentum wurden. So war Sein Wort: `Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden`. Das Zeugnis, dass Er die verloren gegangene Herrschaft, die einst dem ersten geschaffenen Menschen zu Eigen war, wieder errungen hatte. Nun war der Weg frei für alle Menschenkinder, und dem ewigen Untergang ein Damm gesetzt. Aber auch der Weg war frei, dass nun auch Gott wieder Sich Seinen verirrten Kindern nähern konnte. Bis zu Seiner Menschwerdung konnte Gott nur durch den Mund Seiner Propheten reden, die Er mit vieler Mühe und Geduld sich erkoren hatte, aber nun kann Er mit einem jeden Kinde reden und Sich offenbaren, aber nur nach den Gaben des erwachten Geistesleben. Welch heiliges Wehen umgibt die, die ganz in Seiner Liebe und in Seinem Geiste leben! Mit heiliger Ehrfurcht dient die ewige Liebe dem Kinde, welches ausreifen will zu dem Grade, wo es mit Gott ganz Eins werden könnte!

 

Ja, meine Lieben, Eins werden mit Ihm im Dienen, im Lieben, dass alle alles erfahren und erleben die Kraft des Glaubens und die Gnade des lebendigen Gottes, der in einem jeden Kinde erstehen will zu einem Heiland und Erlöser! Dann wird Sein Wort wahr: `Daran soll die Welt erkennen, dass ihr Meine Kinder seid.` In diesem Geiste liebet euch und alle Menschen, dann öffnet ihr die Tore des Lebens zum wahren Himmelreich, welches dann in euch den Anfang und den Grund gefunden hat. Dann kennt der Mensch nur noch die eine große Aufgabe: Die Gnade, die da ihn belebt, zu verherrlichen und mit heiligem Tun nach dem heiligen Wort Seiner Liebeslehre! Habt ihr mich verstanden? Machet eure Herzen ganz frei! Je freier ihr seid, umso lebendiger wird es in euch; je größer die Erkenntnis, umso größer das Gottesleben, aber auch um so größer die Verantwortung. Gott wirft nicht mit Seinen Geistesgaben um sich, weil Er überreich und der Herr unendlicher Schätze ist, sondern weil die Gnadengaben neues Leben wecken sollen, auf dass alle vom Tode errettet und in das ewige Leben eingehen können.“

 

Nikolaus: „Jakobus, du führst uns immer tiefer in das Leben Gottes. Wir ahnen die Größe Seiner Liebe und Gnade, aber wie weit sind wir noch entfernt, wo auch wir so lieben und glauben können, dass sich der ewige Gott über uns freuen könnte? In deinen Worten liegt ja schon die Sehnsucht, uns alle so zu zeigen, dass auch wir mit Gott, dem Ewigen und Heiligen, so verkehren, wie Kinder mit ihrem Vater! Aber, wenn ich dich recht verstanden habe, ist unsere Unreife, unsere noch viel zu große Trägheit, das Übel das uns keine Erfüllung bringen kann. Sage uns, wie wir am schnellsten diese Reife erlangen können - an dem Willen soll es nicht fehlen. Für meine Brüder gilt dasselbe!“ Jakobus: „Nikolaus, die alten und verkehrten Begriffe sind das größte Übel. Es gilt vor allem einmal, sich selbst zu erkennen, es lebt noch so vieles von alldem in jedem Menschen, das der Erde noch angehört; gerade diesem gehört das größte Augenmerk, weil es im größten Gegensatz zum Himmlischen steht! Es gilt zu trennen, die Liebe zum Irdischen und Himmlischen, beides kann man nicht in eines verweben - warum wohl? Weil alles, was dem Irdischen gehört, die Seele knechtet, während alles, was dem Ewigen gehört, die Seele und den Geist freimacht! Das rechte Bild gibt dir noch Simon, der Priester!“

 

Nikolaus: „Wenn ich dich recht verstanden habe, muß also die Liebe zum Göttlichen die Triebkraft alles Handeln sein. Da fehlt es natürlich noch bei allen. Es wird schwer sein, den Reifegrad zu erreichen, um mit Gott verkehren zu können, wie es unsere Sehnsucht ist.“ Jakobus: „Nikolaus, mit diesen falschen Begriffen erreicht ihr das Ziel nie und nimmer! Gott als die ewige Liebe will gesucht sein, aber Er sucht auch euch, sonst wäre ich nicht hier. Lasset doch einmal allen Verstand beiseite, suchet mit dem Herzen, aber dort, wo Er zu finden ist - in Euch! Umwebet alle eure Menschenbrüder mit dem Gesetz der Liebe, und ihr seid auf dem besten Wege, mit Ihm in Verbindung zu treten. Erwartet aber nicht, dass Er äußerlich zu euch kommt, sondern ganz still und leise in eurem Herzenskämmerlein.“ Die eine Schwester von Simon: „Lieber Jünger Jakobus! Wenn du nicht gekommen wärest, ob ich durchgehalten hätte? Denn all unser Bitten schien vergebens zu sein, es war nur gut, dass uns die beiden Priester immer allein ließen. Wir selbst sind noch nicht so fest, um diese ernsten Prüfungen zu ertragen, und du hast recht, dass uns noch viel fehlt, um ganz fest im Glauben und stark im Vertrauen zu sein. Darum Ihm unser Dank für Seine Güte!“

 

Jakobus: „Sorge dich um nichts anderes mehr, als dass du immer noch mehr lieben kannst; denn gerade diese Liebe in dir ist ja Sein Leben. Lasse nie den Gedanken aufkommen, du könntest versagen, sondern sei gewiß, dass der herrliche Meister der Liebe dich in allen Lagen trägt, dich unterstützt, auch in der Prüfung. Von Ihm geprüft zu werden, heißt: angenommen zu sein -heißt: gewürdigt zu sein - aufgenommen zu sein in den Bund derer, die da Lebensträger in Seinem Geiste sind! Meine Lieben, Seine Liebe ist ja nie so recht zu schildern, sondern sie kann nur offenbaren, was ihr innerstes Wesen ist. Nun ihr das wisset, wird es euch leicht sein, ganz einzudringen in Seinen Geist, der euch in allem die reine Wahrheit, das rechte Leben zeigt, das ihr nun zu leben habt. Auch wir haben um diese Wahrheit ringen müssen. Nun wir sie ausleben, ist auch Gott uns nicht mehr fremd, sondern ein Vater geworden, der uns die ganzen Schätze Seiner Liebe zur Verfügung stellt.“

 

Isidor spricht: „O du lieber Bote unseres Heilandes, deine Worte sind wie ein süßes Brot, aber es macht hungriger. Was haben wir alles gehört. Immer größer wurde das Verlangen, einmal mit einem zusammen zu kommen, der mit Jesus, dem guten Heiland, zusammen lebte. Du bist einer von denen, den ich bitten darf, uns etwas zu erzählen von Seinen Wundern, von Seiner Liebe, die alle Menschen sättigte, so dass alle jene, die da mit Ihm waren durchdrungen waren von der Wahrheit und Göttlichkeit Seiner Liebe und Sendung. Was wir hörten, belebte uns, es war so mächtig, dass wir glaubten an den eingeborenen Sohn. Wie muss es erst sein, so wir Sein Wort von Ihm Selbst, oder von einem Seiner Berufenen empfangen! Ich fühle es in mir, dass dein an uns gerichtetes Wort tief in mein Innerstes gedrungen ist. O lasse noch mehr mein Inneres und Innerstes von Seinem Wort und Leben durchdringen, damit uns nichts mehr trennen kann von Ihm, der aus Liebe zu allen Menschen sterben und einen Himmel schaffen konnte, in dem alle selig werden sollen!“

 

Jakobus: „Siehe, mein Bruder und ihr alle: Des Herrn Wort und Leben ist ein Quell, der nie versiegen und versagen wird - ob es aus meinem oder einem anderen Munde kommt. Immer wird es dieselbe Kraft und Wirkung haben, denn Sein Wort ist ein Same. So es mit gläubigem Herzen aufgenommen wird, wird es auch seine Wirkung zeitigen, nur kommt es darauf an, in welchem Geiste es euch gegeben wird. Das zu beurteilen, ist wohl nicht leicht, aber in dem Augenblick, wo ihr Sein Wesen erkannt habt und es euch aneignet, ist euch alles klar und licht. Es ist oft vorgekommen, dass der Herr Selbst nicht verstanden oder anerkannt wurde. Ich erinnere an Bruder Judas, der die ganze Zeit mit uns ging und doch Sein Wesen der Liebe nicht erkennen oder gar sich aneignen konnte. Wie viele Kämpfe erlebten wir, die der Herr ausfechten musste, nur, weil die Liebe als Schwäche oder eines Mannes unwürdig hingestellt wurde. Was sind für lange Sitzungen nötig gewesen bei denen, die alles mit ihren Verstande erfassen wollten, und wie einfach und schnell wurden die größten Wunder offenbar, so demütig und kindlich der Herr erfasst wurde.

 

Nikolaus: „Ich wußte es, dass ihr von dieser Wahrheit überzeugt werdet. Ein Nazarener brauchst du auch nicht zu werden, aber ein rechter und gerader Mensch, der alles in rechter Ordnung prüft und alles Gute und Wahre behält, wirst du doch sein wollen! Bleibt solange ihr wollt in meinem Haus. Hier kommen viele reiche Kaufleute und Römer, da wird dir eine neue Existenz schon werden. Werde vorerst ein Römer und löse dich ordnungsgemäß vom Tempel.“ Elias: „Gut - ich nehme dein Anerbieten an, was wird aus Simon?“ Nikolaus: „Überlasse dieses Simon selbst, denke vorerst an dich, damit du noch mehr überzeugt wirst. Noch ist Jakobus unter uns. Dieses bedeutet, dass der Herr Selbst gegenwärtig ist im Geiste! Möchtest du nicht mit Ihm bekannt werden?“ Elias: „Gerne , wenn ich euch nicht beraube!“ Jakobus: „Elias, du bist einer frommen Mutter Sohn. Ihre größte Sehnsucht war, dich zu einem Priester zu machen. Ich würde nicht so leicht Amt und Würde eines Priesters ablegen, sondern ein rechter Priester werden! Die Wahrheit über Jesus kann kein Tempel und keine falschen Priester aufhalten! Wie eine aufgehende Sonne mit ihren Strahlen die Nacht verdrängt, so wird die Lehre des Herrn und Meisters Jesu alles Falsche und Verkehrte verdrängen und der Tempel wird ein Opfer werden seiner Hab- und Herrschsucht!

 

Bis jetzt erlebte ich immer den vollen Sieg der Liebe und Gnade Jesu. Seit Monden erlebe ich die Umwandlungen, auch du wirst dich nicht davon ausschließen können; denn das Evangelium des Heilandes Jesu ist eine Kraft, die da selig macht, die daran glauben! Oder bist du anderer Meinung?“ Elias: „Ich werde nichts versprechen. Ein zweites Mal möchte ich nicht irregeführt werden. Simon hat in mir Berge von Zweifeln geschaffen!“ Jakobus: „Alles wird in dir durch des lieben Meisters Hilfe geordnet werden - wenn du ernstlich willst. Es ist des Meisters herrlichster Liebezug, da zu helfen, wo wahres Sehnen vorhanden ist, und wo der Meister hilft, wird alles gut! Siehe Schimba an. Gestern noch ein Opfer des Hasses und heute ein Diener Seiner Liebe! Siehe Lydia, wie sie jetzt auflebt, und was wäre mit ihr geworden, so sie ganz in den Banden des Tempels geblieben wäre? Darum wartet des Herrn, denn Er wartet auch auf euch!“ Elias: „Ich fühle deine Liebe Jakobus. Es wird mir nicht leicht, dir volle Bereitschaft zuzusagen, jetzt stehe ich vor Tatsachen und in mir ist alles aufgewühlt; aber das eine sage mir, ist es Politik oder wirklich wahre Liebe, weil ihr so schnell mit dem Vergeben seid? In meinem ganzen Leben habe ich noch nicht gehört, dass nach einem Verbrechen noch Wohltaten gereicht werden. In dieser Nacht hatte ich mit meinem Leben abgeschlossen. Die Römer kennen keine Gnade. Nun aber erlebe ich einen Zustand, für den ich eigentlich keine Worte habe. Statt des Kreuzes ein noch viel freieres und ruhigeres Leben.

 

Wahrlich, dies ist mehr denn Gnade und dieses danke ich dem Heiland Jesus, Dem ich die Anhänger wegtrieb und ein lohnendes Geschäft daraus machte.“ Jakobus: „Siehe, Der Herr weiß um alles, Er weiß auch um die Leiden Seiner Getreuen. Wohl möchte Er dieses alles verhindern; aber würde die Gelegenheit da werden, Seine Feinde zu gewinnen! Eben um diese Liebe, die so wenig verstanden wird, geht es! In unserem Erdenleben erlebt man noch Liebe, aber nicht die himmlische. Die große und gewaltige Sendung des Meisters Jesu verfolgte ja nur das eine Ziel, jene heilige und erbarmende Liebe dieser, unserer Erde, zu schenken, die da berufen ist, Gotteskinder dem heiligen Gott und Vater zu schenken! Gerade um dieser Liebe willen nahm Er der Erde Kleid und löste an Sich den Fluch zum Segen, der einem jeden Geschöpf anhaftet! Eben in dieser Liebe kann nur dieses herrliche Ziel erreicht werden. Darum nahm Er alle Schuld auf Sich und verblutete, um aller Rettung und Erlösung den Weg freizumachen, der der gefallene und verblendete Sohn versperrte.

 

Kannst du dir vorstellen, was den Feinden Jesu geschehen wäre! Ein Chaos wäre entstanden und für Ewigkeiten hätte es keine Möglichkeit gegeben, dem Fluch in seiner grausigsten Auswirkung zu entrinnen. Trotz alledem wird noch viel viel Leid über diese Erde gehen müssen, weil gerade diese Liebe nicht angenommen und ausgelebt werden will. Oder, lieber Elias, kennst du einen anderen Weg, der allen zum Heile gereicht, nennen? Der Tempel, als das äußere Zeichen Seiner Gegenwart ist das pure Gegenteil von dem, was er sein soll. Alle anderen Einrichtungen gehen an dieser großen Liebe vorbei und alles geht dem Verderben entgegen!“ Elias: „Wenn ich ehrlich bin, muß ich dir recht geben. Nur das kann ich weder fassen noch glauben, dass gerade Jesus dieser Mensch sein sollte. Bedenke Seine mysteriöse Geburt, alle die sie begleitenden Umstände würden ja für Ihn sprechen. Betrachte aber das Verhältnis zu gewissen Frauen in Bethanien und Jerusalem, dann mußt du zu der Überzeugung kommen, dass Seine Gottesherrlichkeit nicht weit her sein kann. Er mag ein Mensch mit außergewöhnlichen Fähigkeiten gewesen sein, aber weiter kann ich nicht gehen. Auch unsere Propheten waren berufene Männer. Ihre Worte sind heute noch richtunggebend und ihre Offenbarungen reine Gottesworte. Stelle mir Jesus als Prophet hin und ich will an Ihn glauben!“

 

Jakobus: „So nicht, lieber Freund! Mit deiner Einstellung Jesu gegenüber wirst du nie zum wahren Heile gelangen. Der geringste Schatten, den du auf Jesus wirfst, ist eine Kluft, die dich von ihm trennt. Es ist dies das Herrschwerk des falschen und hochmütigen Geistes, wie er im Tempel herrscht - aber sie haben sich ja nie Mühe gegeben, die Wahrheit über Jesu zu ergründen! Ich gebe zu, dass es sehr schwer war, Jesus zu verstehen. Wir selbst wurden oft irre an ihm und nur darum, weil wir uns auch schlecht von dem alten Anerzogenen trennen konnten. Wir erschwerten Sein Ringen um die Einswerdung mit Gott und mussten später doch erfahren, dass wir im größten Irrtum waren. Nun aber steht das herrliche Leben in Seiner Vollendung als höchstes Gnadenleben vor unserem geistigen Auge und zeigt uns den Weg, den Er uns geebnet hat. Sehen wir Ihn so, erleben wir nicht nur die Wahrheit über Jesus, sondern Ihn Selbst in Seiner herrlichsten Wesenheit und werden erfüllt mit Seiner Kraft, Seinem Frieden und Seinem Heilandsleben.“

 

Elias spricht: „Lieber Freund, gegen deine Überzeugung kann ich nichts weiter sagen als nur: `Ich will mir Mühe geben!` Durch die Verwendung des Wirtes wird mein Leben in andere Bahnen gelenkt. Es wäre zu wünschen, dass ich auch ein solcher zufriedener Mensch werden könnte!“ Jakobus: „Elias, dies macht mich froh und ich weiß, du wirst es werden! Nun aber möchte ich dich bitten, gehe zu Simon und sehe zu, ihn für dich zu gewinnen. Da du in deinem Leben viel gutzumachen hast, so fange bei Simon an, tue es im Namen des wahren und lebendigen Gottes, dessen Priester du bist - und du wirst Erfolg haben.“ Elias erwiderte: „Ich werde es tun, Gott wird mir Seinen Beistand nicht versagen. Dürfte ich zu meiner Unterstützung Schimba mitnehmen?“ Jakobus nickte, als Elias und Schimba das Zimmer verließen, konnte er ihn segnen und sagte: „Die Liebe geht wunderbare Wege, wollen wir beide mit unserer Liebe umgeben, damit es ein Erfolg werde.“ Lange dauerte es, ehe Elias mit Schimba und Simon zurück kam, was nun folgte, war alles zu viel, denn Simons Wunden waren geheilt. Er war überwunden durch die Liebe, die im Herzen des Schimba zum vollen Durchbruch kam.

 

Nikolaus ließ wiederum ein Mahl richten, aber für doppelte Gäste, denn Jakobus sagte zu Nikolaus: „Richte ein Mahl für die gewonnenen Freunde, aber so reichlich, dass alle die mit satt werden, die dir die ewige Liebe heute in dein Haus führt. Du wirst große Freude erleben!“ Der Priester Simon bat die Schwägerinnen des Schimba herzlich um Verzeihung, was er in blindem Wahn und falschem Eifer ihnen zufügte. Diese aber waren so gerührt, dass sie gern taten, was die Liebe so gern will. Simon sagte: „Glaubet mir, Jakobus hätte es nicht fertiggebracht, mich anderen Sinnes zu machen, aber Schimba, den ich am meisten schädigte, überwältigt mich, indem er mir meine schmerzenden Wunden heilte. Du Nikolaus, vergib auch mir mein Handeln an dir und deinem Hause und gib mir Gelegenheit dir und allen Freund zu werden.“

 

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Einkehr des Griechen Baltasar

 

 

Ehe Nikolaus etwas erwidern konnte, fährt eine Karawane in den Hof, alle schauen hinaus - im nächsten Augenblick kommt ein braungebrannter Grieche. Nikolaus sehen, ihn umarmen - war eins. Da sagte der Grieche: „Nikolaus, Herzensbruder, endlich sehe ich dich wieder, - mein Glück ist groß, größer aber wäre es so ich endlich den endgültigen Beweis hätte von dem, was du in mir angefacht hast. Überall wo ich war, höre ich Vermutungen, vernehme dieses und jenes, auch Schlechtes, aber nie kann ich die volle Wahrheit erfahren.“ Nikolaus: „Baltasar, heute erlebst du der Liebe Lahn, hier sehe ich das Häuflein glücklicher Menschen, die die Liebe des Herrn und Heilandes gestern und heute erfahren haben. Beeile dich mit deinen Leuten, dass du an dem Liebesmahl mit teilnimmst, welches wir halten wollen, um Den Herrn und Heiland zu erfreuen! Ist Er denn hier, fragte Baltasar, sich umsehend, welcher ist es denn?“ Nikolaus lächelt und spricht: „In jedem ist Er hier anwesend, was Seine größte Freude ist. Schau mich nicht so fragend an, denn in dir ist Er ja auch aufs Neue zu uns gekommen. Wir haben darum auch auf euch gerechnet mit dem Mahl.“ Das Mahl war gerichtet, die große Stube war voll, alle hatten Platz, da sagte Nikolaus: „Liebe Freunde, mein Herz ist übervoll vor Freude, ich möchte danken, aber mir fehlen die Worte. Darum sage ich nur: Herr, segne dieses Mahl, das Deine Liebe erschuf, ihr alle aber betrachtet es als Liebe von unserem so heiß ersehnten Jesus, Der im Geiste und in Seiner Liebe unter uns ist. Du aber, Herr Jesus, nimm unsere Liebe als die Deine an!“

 

Baltasar der neben Nikolaus saß, sagte: „Bruderherz, mir ist es als ob ich träumte, noch nie, seit ich dich kenne, waren soviel hier beisammen. Seit wann bist du denn der Templer Freund und wer ist denn der Freund an deiner Seite? Ist es einer von den Jüngern des Herrn?“ Nikolaus: „Du hast recht empfunden, es ist Jakobus, des Heilandes Bruder und Sein Sendling. Du wirst ihn hören. Diese beiden Priester an dem anderen Tische sind auf dem besten Wege, unsere und des Heilandes Freunde zu werden. In mir ist eine Riesenfreude, denn durch Jakobus ist unserem Ort viel Leid erspart geblieben und er hat ein Feuer angefacht, wie es zu des Heilandes Zeiten auch nicht anders gewesen sein kann. Wenn es so ist, Bruderherz, dann opfere ich meinen Wein, den ich in meinem Wagen habe, denn der deine ist für ein solches Fest doch zu sauer!“ Jakobus: Bruder, lasse deinen Wein in deinem Wagen, der Meister sieht deine Liebe als geschehen an. Dein Wein, Nikolaus, den du heute auf den Tisch bringst, soll dem besten Wein nicht nachstehen. Alle sollen erfahren, wie Jesus der Herr und Meister die Liebe lohnt! Du glaubtest um der Liebe willen - darum soll dein Herz übervoll vor Freude sein. Heute sollt ihr alle erleben die Gnade und den Geist, der nur erfreuen und erquicken will!“

 

Nikolaus voller Freude stand auf und ergriff den gefüllten Becher. Er sagte: „Meine lieben Freunde und Brüder! Wir erleben jetzt eine heilige Stunde! Der übergute Heiland Jesu hat unsere gemeinsame Liebe gesegnet. Aus Seinem übervollen Herzen spendet Er Segen über Segen, unsere Freude soll der Seinen nicht nachstehen, darum wird Er unseren Wein, der bekanntlich sauer ist, in einen süßen umwandeln. Unsere Freude ist so groß, dass wir keinen Wunsch mehr hätten als nur den, dass Er selbst sichtbar unter uns wäre. Da wir aber uns mit Seiner Gnade begnügen, sollen wir recht dankbar bleiben. Trinket alle mit mir, auf dass Seine Liebe mit jedem Tag uns bewusster werde und wir alle Ihm zur Freude leben und uns allen zum ewigen Heile!“ Der Wein war wirklich zuckersüß - alle strahlten, weil sie nun auch ein Wunder erlebten.

 

Elias kostete immer und immer wieder. Er sagte zu Schimba und Simon: „Sagt uns der Wein nicht, welch große Toren wir waren. O der großen Gottesliebe, die uns aus dem Abgrund errettete! Jetzt sehe ich es erst richtig ein. Simon, kannst du dir ausdenken, wir sitzen hier beim besten Wein wo wir vor dem Richter stehen müssten. Jedenfalls möchte ich nun Jesus kennen lernen. Du, Schimba, weißt noch zu wenig, deine Kraft stützt sich auch nur auf deinen Glauben. Ich werde Jakobus bitten, mir zu helfen!“ Elias geht an den Tisch des Jakobus und spricht: „Jakobus, als Bittender komme ich zu dir. Meine Absicht, Jesus zu meiden, ist hinfällig! Ich möchte Jesus kennen lernen. Nicht Seine Macht und Kraft, durch die Er Wunder wirkt, sondern Sein Leben, Seine Liebe, mit der Er Seine Feinde zu Freunden macht. Für einen, dem Er Wohltaten über Wohltaten gab, infolge seines Glaubens und seiner Anhänglichkeit ist es nichts Grosses; denn dies tun fast alle Menschen - aber denen - die nur Schlechtes für Ihn und Seine Anhänger wollten, ist es etwas außerordentlich Grosses und so gut, wie noch nie da gewesen.

 

Es ist wahr - bei Seiner Kreuzigung soll Er `Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun` gesagt haben. Es ist dies eine Regung, die man öfter erlebt. Nun aber erlebe ich selbst, dass es Wahrheit ist, und der Umschwung meiner Gedanken stützt sich auf Tatsachen, die ich eben erlebe! Uns drohte Strafe, dafür erleben wir Liebe, weil wir uns überzeugen ließen, dass das Tempelgetriebe nicht mehr den Geist Jehova trägt. Ich muss bekennen, dass dieses genug der Liebe wäre, aber nun wir eine Liebe erleben, die uns, den Unzuverlässigen - den Unerprobten zuteil wird, ist das Verlangen da. Wie ist es in Wahrheit um Jesus? Wir erleben nicht nur Seine Liebe, sondern uns wird derselbe Lohn zuteil, den die erlebten, die für Ihn gelitten haben. Es ist nicht zu viel verlangt, so ich dich bitte, gib mir Aufklärung, führe mich in das Wesen des Menschen ein, der ja kein Mensch, sondern Gott sein muss!“

 

Jakobus: „Dieser Bitte komme ich gern nach, da ja schon Simon weiß, dass ich nicht nur ein Jünger, sondern ein Zeuge Seiner Geburt Seines Lebens, Seiner Entwicklung, Seines Sterbens und Seiner Auferstehung bin. Und so wollen wir nicht vom Tempel oder von uns reden, sondern nur von Ihm! Von Ihm, weil Er alles getan hat, um den Willen des Heiligen Vaters zu erfüllen! Er hat es vollbracht! Vollbracht aus Kräften, die wohl göttlich waren, aber die Er sich zu Eigen machen musste. Was es an Kampf und Ringen bedeutete, kann kein Mensch ermessen, da es noch keiner fertig brachte, was es bedeutete, in einem Hause, wie bei Vater Josef zu leben, der nur ein Bestreben kannte, den Willen Jehovas und den des Tempels zu erfüllen - und kann auch nur der begreifen, der es erlebte! Wohl erlebten wir Wunder über Wunder, aber wie bald war es vergessen, wenn wir Jesus in Seinem Ringen sahen! Dieser ringende Jesus erschien uns oft als unbarmherzig. Wie oft grollte der alte Vater Josef, wie oft brach Er Mutter Maria das Herz und wie oft bestürmten wir Ihn `werde ein gehorsamer Sohn und ein lieber Bruder`. Zum Steinerweichen baten wir Ihn und was wir im Gebete errungen, und was wir uns alle an Mühe auferlegten, davon weiß niemand, nur Jesus allein.

 

Nun höret, meine lieben Brüder, statt dass wir Jesus förderten, hemmten wir Seine Entwicklung, statt dass wir Ihn getragen hätten mit unserer Liebe, trug Er noch unsere Schwachheit und lohnte mit Liebe unsere Verkehrtheit! Bis zu Seinem 30. Lebensjahr erlebte Er nie unsere volle Zustimmung. Wir waren wohl an Sein Leben gewöhnt, aber gingen nie mit Ihm! Jesus suchte mit allen Mitteln, die der Liebe möglich sind, uns und auch andere zu gewinnen; aber jeder Versuch Seiner Liebe schlug fehl. Es war die größte Probe Seiner Selbst, dass Er immer von denen, die Er als Mithelfer zu gewinnen suchte, enttäuscht wurde, weil sie versagten. Nur wenige alte treue Juden, Freunde von Josef stützten Ihn und nur darum, weil sie noch die Schrift verstanden. Endlich kam die Zeit der Erlösung für uns. Wir wurden durch die Veränderung der Verhältnisse überzeugt und wurden mit Ihm völlig eins! Meine Brüder, wie auch Maria erkannten nun die heilige Mission und erlebten tausend Male die Herrlichkeit Gottes, die sich täglich, ja stündlich durch Ihn offenbarte! Von Seinen Lippen kam nie ein Vorwurf, mit keinem Wort rührte Er an unsere Schwächen, sondern Sein Bestreben war Dienen! Dienen und den Willen Gottes erfüllen, den Er ganz klar in Sich vernahm. Ebenso war es auch mit den Taten, die Er aus der Kraft Gottes vollbrachte. Um keine Schätze der Welt hätte Er etwas getan, was Gott nicht zuvor Ihm offenbart hätte. Wie oft bat man Ihn, etwas zu tun, da sagte er manchmal: `Der Vater hat in Mir noch nicht gesprochen!´

 

So lernten wir von Ihm Geduld und volle Hingebung, lernten den Willen des heiligen Gottes erfassen, um nicht aus uns selbst etwas zu tun, was nicht der Wille Gottes war. Obwohl Jesus in Sich ganz eins mit Gott war, Er Selbst sagte eines Tages: `Ich und der Vater sind Eins` -pflegte Er doch immer noch die heilige Zwiesprache mit Seinem Gott und Vater. Wir nannten es beten. Immer noch suchte Er in Sich nach Dingen, die sich noch nicht ganz mit dem Willen und dem Geiste Gottes deckten um nicht nur nach außen sondern auch nach innen vollendet zu sein! So verschmolz Jesus mit Seinem Vater. Alles was in Seinem Fleische lebte, war nur noch die Hülle Seiner Seele, die ganz in den Gottesgeist eingegangen war. Er hätte jederzeit Seinen Fleischleib ablegen können, aber nach dem Heil- und Erlösungsplan musste ja Sein Leib das Opfer werden, das nach außen nötig war. Nur durch das Fleisch, welches der Träger alles gebundenen Lebens ist, kann der Weg zur Erlösung folgen. Und Jesus, als Gottessohn, vollbrachte das Werk -und der Weg in die wahre Freiheit des Lebens war frei, ist frei und wird auch frei bleiben. Diese Erlösung ist die Erfüllung aller Sehnsucht, ist das Einlösen des Versprechens, welches Gott unseren Urvätern gab, ist die Erfüllung aller Verheißungen, die Gott durch den Mund Seiner Propheten gab.

 

Einsichtige und verständige Menschen erkennen die übergroße Gnade, die durch Jesus allen Menschen gebracht wurde. Nur verblendete und vom falschen Geist erfüllte Menschen konnten Interesse haben, dass die Mission Jesu zum Scheitern kam. Hätte Jesus durch die Ihm eigene, aus Gott gewordene Allmacht Sich Seiner Feinde erledigt, wäre noch eine Lücke gewesen in dem Werk der Erlösung. So aber war Er gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuz! Und es kann nie und nimmer das Werk der Erlösung angefochten werden, denn es gibt auch keinen anderen Weg als den, den Jesus schuf! Liebe Brüder, Schwestern und Freunde, dies ist das klare Bild von Ihm, von Seinem Leben und Sterben! Das Bild Seiner Liebe, aber würde nur meiner Liebe zu Ihm entsprechen und darum bitte ich euch, schafft in euch durch eure Liebe zu Ihm und allen Menschen ein Bild Seiner Liebe in euch selbst! Nach dem Maße eurer Liebe wird es in euch erstehen und nach dem Geist, den ihr in euch erstehen lasst, wird Er auch tätig werden! Auch Jesus schuf Sich ein Bild Seines Himmlischen Vaters, belebte es mit Seiner Liebe und schuf somit eine Liebe zu Gott, die noch nie zu einer Zeit dagewesen war. Diese Liebe bewegte Gott zu immer größeren Offenbarungen und legte immer größere Tiefen in Jesu Seele frei, und erleichterte damit die Freiwerdung des Ringenden und Kämpfenden.

 

Alle die Herrlichkeiten, die wir erlebten, waren kein Geschenk Gottes, sondern die innere Welt des freigewordenen Jesus zeigte uns die Herrlichkeiten die in Ihm durch Seine Liebe, durch Seine Einswerdung mit Gott Sein Eigentum geworden waren! Ebenso verhielt es sich mit der Kraft, mit der der Meister all die großen Dinge vollbrachte! Jesus aber blieb demütig, immer herrlicher konnte sich Gott offenbaren und geben. Wir aber verstanden trotz alledem den Meister nicht. Seine Geduld. mit uns war grenzenlos. Oft sagte er:`Wie lange werde Ich euch noch ertragen müssen!` Und heute sehen wir ein, wie dumm und töricht wir waren; wenn das herbeigeeilte Volk die Herrlichkeiten Seiner Liebe erlebte, da wollte das Rühmen und Lobpreisen kein Ende nehmen. Hörten sie aber Seine herrliche Lehre, da schüttelten sie den Kopf und gingen unbefriedigt von dannen. Nur wenige waren es, die Ihn begriffen und diese Wenigen waren meistens Römer oder Griechen.“ Baltasar spricht nach einer kleinen Pause: „Freunde und Du, lieber Gottesbote, lasset mich einmal ein paar Worte sagen, denn was ich empfinde bei diesen gehörten Worten ist tausendfach mehr, als der Wein, der durch deine Kraft süß wurde. Das Bild, welches hier aufgerollt wurde, entspricht ganz meiner Sehnsucht und meiner Vorstellung, die ich mir über Gott machte.

 

Ich bin viel gereist, bin mit Menschen aller Art zusammengekommen, aber keiner konnte mich so für einen Menschen interessieren, wie du. Ich kenne dich nicht, aber mein Herz sagt mir, dass wir uns kennen lernen müssen und um eines bitte ich dich: Sage mir, ist uns, die wir sogenannte Heiden sind, etwas Besonderes auferlegt, um diesen, deinen Glauben anzunehmen. Es ist wohl schön, dass dieses dein uns übermitteltes Evangelium bekennt, dass er für alle sei - schon dein Besuch sagt ja selbst das. Deine Botschaft gründet sich aber nicht nur allein auf das Glauben, sondern auf das Aufnehmen dieses deines Geistes . Was muß ich tun - ist meine brennende Frage. Jesus interessiert mich gewaltig, aber andere Dinge interessieren mich auch. In der Annahme dieses deines Glaubens liegt aber auch eine Gefahr des Heuchelns oder die des Mitlaufens!“ Jakobus: „Mein Freund, deine Annahme ist rein menschlich und ist Produkt deines Verstandes. Das Evangelium von Jesu ist eine Kraft, die da selig macht - aber selig im Herzen! Willst du ein Jünger und Nachfolger Jesu sein, so bemühe dich, Jesu kennen zu lernen und dir Sein Wesen anzueignen, dann nimmst du Seinen Geist auf und dann macht Er aus dir eine neue Kreatur - einen neuen Menschen. Dein ganzes Tun und Schaffen trägt dann den Stempel dieses Jesuswesens. Dein Interesse wird zu etwas Bewusstem und dein Verstand wird zum Regulator deines Geistes im Sinne der Liebe aus Gott. Ja - noch mehr kann ich dir sagen! Du bist in diesem Geist ein Gefäß der ewigen Wahrheit aus Gott geworden! Könnte ich diese Botschaft verkörpern, wenn ich dieselbe nur im Kopfe trüge - oder könnte ich diesen Geist aus mir wohl bekunden, wenn ich nicht der Träger dieses Geistes aus Gott wäre?

 

An Rednern hat es noch nie gefehlt, wohl aber an Nachfolgern im Sinne des Meisters der Liebe! Er gab uns Seinen Geist, wir aber dürfen auch Seinen Geist allen übermitteln; aber zuvor muss dieses Gefäß gereinigt sein und, lieber Freund, dich zu einem Gefäß zuzubereiten für Ihn oder Seinen Geist - ist auch die einzige Bedingung. Der Meister brauchte 30 Jahre, um das Gefäß für die sich offenbarende Gottheit zu werden, wir aber sollen das Gefäß der offenbarenden Liebe aus Jesus sein und zu alledem hilft Er uns selbst, so der rechte Wille vorhanden ist. Hast du mich recht verstanden, denn in dir sehe ich noch Fragen über Fragen!“ Baltasar: „Du hast recht, in mir bewegt sich viel, bis jetzt musste ich mich nur mit Brosamen begnügen und diese waren auch noch zweifelhaft. Hier steht auf einmal das große Wunder vor uns. Ist es da nicht zu verwundern, wenn ich nun frage, ist es möglich, auch Den zu schauen, der im Geiste in mir oder bei uns ist? Das Natürliche zog ich immer dem Unnatürlichen vor; wenn der Meister der Liebe mich so erfüllen und so beleben kann, muß Er doch auch hier sein! Was ist wohl schuld, dass ich dieses Liebewesen nicht schauen darf?“

 

Jakobus: „Baltasar, den Wunsch haben wohl alle, die Seine Liebe erfuhren. Es ist möglich, Ihn zu erschauen, aber nicht Bedingung, denn alles hängt von der Reife und von der Sehnsucht und der Liebe ab, die zu Ihm entbrannt ist. Ja, ich muss bekennen, dass der Geist Jesu sich am herrlichsten offenbarte, wo man sich mit Seiner Liebe begnügte. Eines Seiner Worte lautete: `Wirket und lebet so, dass niemand Mich vermisst, denn ihr seid Vertreter und Repräsentanten Meiner Liebe und Erbarmung´ und sehet, liebe Freunde, wie ihr nun die Nähe und Gegenwart des Herrn fühlt und empfindet, so sollen auch alle diejenigen empfinden, die um euch sind!“ Baltasar: „Lieber Freund, ich will alle Fragen zurückstellen! Ich sehe, dass jede Frage ein noch gehegtes Misstrauen darstellt. Ich fühle nicht nur die Wahrheit deiner Worte, sondern auch das Leben, wie es Oberwasser in mir gewinnt - habe darum Dank für deine Hinweise!“ Jakobus: „So nicht, lieber Freund und Bruder, dein ganzes Leben soll ein Dank sein! Ich wirke nicht, weil ich soll, sondern weil es mir Bedürfnis ist! Das Leben der Liebe aus Jesum, unserem Herrn und Meister, gehört ja erst uns, wenn wir es den anderen übermitteln - dieser Dienst ist ja unsere Seligkeit und das Ausreifen für höhere Aufgaben. Eines Ausruhens bedarf es nicht, die Heilandsliebe ist wie ein Quell, der immer Leben spendet und in den anderen neue Quellen erschließen will. Darum beweist sich das Leben der Liebe von selbst und schließt alle Fragen aus. Hast du einmal das rechte Leben in dir aufgenommen, wirst nicht nur du zu einer neuen Schöpfung aus Gott, sondern du selbst wirst erleben, dass um dich auch alles wie neu erscheint.- Aber nun möchte Schimba etwas fragen.“

 

„Ja, Bruder Jakobus, ich möchte fragen, ob das alles auch das Richtige ist! Es ist mir der Gnade zu viel, ich muss mich immer noch fragen, kann das Wahrheit sein, dieses heilige und lebendige Glück in mir? Da muß dann aber der Herr mit Seiner Hilfe bald eingreifen, denn diese Seligkeit ist auf die Dauer nicht zu ertragen!“ Jakobus: „Sorge dich nicht darum, denn auch neue Prüfungen werden dein in dir entstandenes Leben festigen. Bleibe in dieser Liebe, die du durch deine Liebe, deinem Bruder Simon erwiesen hast und gar bald wirst du die Freude erleben, die aus deiner Handlung entstanden ist. Vergesset alles was dahinten ist und schauet alle auf, auf den Herrn, der unsere Zukunft ist!“ Simon spricht: „Mir ist alles noch wie ein Traum! Du sprichst -vergesset was hinter euch liegt-, ja kann man das überhaupt vergessen, was man in seiner Verkehrtheit und aus blindem Hass tat! Ich möchte schreien vor Weh und Schmerz, weil ich das viele Leid nicht mehr gut und rückgängig machen kann. Ich sitze hier am Gnadentische und nehme die verzeihende Liebe des Herrn wie etwas Selbstverständliches hin, während die, die ich in die Sklaverei brachte, vor Sehnsucht nach Freiheit verschmachten und vielleicht irre an dem Herrn geworden sind!“

 

Jakobus: „Ich verstehe dich Simon, es wird dir auch schwer werden, alles gut zu machen, was du getan hast, aber warum sich mit Vorwürfen quälen, wo der Herr dir helfen will, alles ins Gleiche zu bringen? Sagte ich nicht, dass der Mensch im Geiste der Jesusliebe eine neue Kreatur wird? Im Geiste dieser Liebe versuche gutzumachen und du wirst die helfende Liebe Jesu erfahren!“ Simon: „Wenn dem so ist, dann will ich nicht säumen mit meinem ganzen Vermögen zu dienen denen, um vergessen zu machen, was ich ihnen tat.“ Baltasar geht auf Simon zu und spricht: „Freund, darf ich dir dabei helfen! Ich habe überall Handelsplätze und auch Verbindungen im Geiste dieser Liebe die ich heute erlebe diene ich dir gern. Ich habe viele Verfolgte und auch Leidende gesehen. Es würde mich mit Freude erfüllen, so ich beitragen könnte Glück zu bringen. Also schlag ein, es gilt, ein Gefäß dieser heiligen Liebe zu werden!“ Simon: „Hier - meine Hand, und werde mein Freund, so ich daran denke, ich, ein Verbrecher, der in die Galeeren gehört und jetzt durch die Gnade Gottes ein Gesegneter! Es ist zu viel - zu viel, o Elias, du mein Freund - kannst du die Gnade ermessen? Ich noch nicht, ich sehe immer noch mein Schlechtes und mein Verdorbenes!“

 

Nikolaus: „Nun aber Schluss mit den Vorwürfen! Ich denke, wenn der Herr dir ein neues Leben schenkte, so schenkte Er es dir nicht, um wie ein altes Weib zu klagen, sondern um ein Mann zu werden, der das Vergangene als eine böse und harte Schule ansieht und das neue Leben danach einrichtet. Heute erlebst du grosse Freude. Wie willst du aber die Freude ertragen die dir wird, wenn du dein Wiedergutmachungswerk beginnst? Säume nicht! Nicht nur unser Segen, sondern auch des Herrn Segen wird dich begleiten. Dass du, mein Bruder Baltasar, dich erbietest, dem Simon zu helfen, ist mir Gewähr, dass das Werk gelingt! Nun will ich auch das meine tun, also höret: Schicket die Verlassenen und Heimatlosen zu mir. Hier, wo die ewige Liebe uns so Großes schenkte, soll eine Burg sein für die Verfolgten. Eine Heimat soll ihnen werden, die ihnen volle Erfüllung ihrer Sehnsucht bringt!“ Jakobus: „Meine lieben Freunde, Brüder und Schwestern - nun ist der Durchbruch erfolgt. Eurer Liebe sind nun alle Wege offen und nun bitte ich euch, verkostet noch einmal euren Wein und wir wollen anstoßen auf die Liebe, die ihr eben ausgeboren habt. So sei gesegnet, du Liebe, die nur für die anderen wirken will, sei gesegnet du Liebe, die gutmachen wird und sei gesegnet du Liebe, die neue Liebe verbreiten will im Namen des Herrn, der da spricht: `Auch Ich segne diese Liebe, die ein Teil von Meiner Liebe ist. Was aus Mir gegeben ist, ist wohl schon gesegnet aber trotz alledem segne Ich nochmals gern, um Meine Freude zu bekunden, die ich in eurer Mitte erlebe.

 

Wie ich als Mensch so gern diente, so diene ich auch heute und allezeit. Wie Ich keinem meiner Feinde einen Vorwurf gab, so sie sich zu mir bekannten, so gebe Ich auch euch keinen Vorwurf; denn in dem Eingehen in Meinen Liebegeist und Willen übernehme Ich das Werk zu sühnen, was in falscher Verblendung begangen wurde. Eure Liebe sei Mein Leben, dann führt euch Mein Gott die Wege, wo ihr euch bewähren könnt! Der neu gesegnete Wein sei das Sinnbild Meiner Liebe, trinket und lasset alles in euch zur Liebe werden. Dir, Schimba, soll die Gabe des Schauens werden und löse ein was du versprachst; denn in dieser Stunde löse Ich ein, was Ich dir versprach. So seid auch ihr gesegnet in Meinem Geist und Mein Friede sei euer Leben - euer Wollen lasset Tat werden- dann wird Mein Geist euch allezeit führen die Wege, die zum Heile aller dienen! Amen.`“ Jakobus nahm den Becher und trank - desgleichen auch die anderen, dann sagte Simon: „Das größte Wunder der allerhöchsten Liebe haben wir verschmeckt. Es ist genug der Gnade und der Liebe! Lasst uns wahrhaft tätig werden. Jede Stunde unseres Säumens ist Sünde gegen diese Liebe. Noch nie war ich ein Mensch, der große Versprechen gab, aber heute tue ich es. Mein Leben soll von nun an dieser Liebe gehören.“

 

Jakobus spricht: „Lieber Bruder Simon! Der Herr will kein Versprechen, aber ich nehme es als Anlass und bitte dich, bleibe hier in dieser Gegend als Diener der Liebe! Schimba wird dir ein treuer Helfer sein und in Nikolaus hast du eine Stütze. So wollen wir uns auf das große Werk konzentrieren und immer bedenken, dass es doch noch so viele gibt, die die reine Wahrheit um Jesu noch nicht wissen. - Du. Baltasar, hast immer noch wünsche. darum bitte ich dich, bleibe noch bis morgen. Was du an Zeit verlierst, gewinnst du an Gnadenbeweisen, und Simon möchte dir doch aus seinem Irrtum so manches offenbaren, um dir zu danken, weil du ihm helfen willst seine Schulden abzudecken. - Suchen wir unser Lager auf. Der morgige Tag wird viel Neues bringen!“ Früh schied Iwano von den Brüdern, zuvor erhielt er eine größere Summe Gold von Simon, die er anwenden soll, um Christensklaven frei zu kaufen. Jakobus umarmte Iwano und sagte: „Bringe der Liebe ein kleines Opfer, mein Bruder Iwano und mache einen Umweg über das Gebirge. Du wirst einen Karawanenzug treffen, der Fieberkranke hat. Der Führer dieser Karawane ist mir bekannt. Darum wirst du es leicht haben, ihn zu bewegen, hierher zu kommen. Der Herr sei mit dir und deiner Liebe und du wirst innewerden, dass der Herr der treueste Helfer und Förderer deiner Liebe ist! Rechne nie auf Dank, aber wisse, dass der Herr dein Dank ist.“

 

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Karawane mit Fieberkranken

 

 

Baltasar blieb. Seine Leute glaubten, ihr Führer sei von dem Wein trunken, von dem sie nie genug erzählen konnten. Nahe am Mittag war es, als ein Karawanenzug in den Bereich des Nikolaus ankam. Weit von der Herberge ließ der Führer halten und ging nach der Herberge, um sich bei Nikolaus die Erlaubnis zu holen, auf seinem Gelände Zelte zu errichten, da er Fieberkranke in seinem Wagen habe. Nikolaus gab sie gern und sagte: „Ich glaube, lieber Freund, so du dich der Hoffnung hingibst, wird dich Jehova, der wahre Gott aus deiner drückenden Not befreien. Ich kenne nur den Gott der Juden vom Hören, sonst aber gehe ich den Juden, so ich kann, aus dem Wege. Was ich heute von Juden auf dem Karawanenwege erlebte, ist Sünde gegen die Menschen. Wie darf ich dich nennen? Mein Name ist Nikolaus.“

 

„Man nennt mich den schwarzen Bären, mein Vater rief mich Samino.“ „Gut Samino - auf treue Freundschaft und Vertrauen!“ In einer kleinen Stunde kommt Samino und erbittet sich Feuer vom Herde des Nikolaus; aber dieses läßt Nikolaus nicht gelten, er spricht: „Samino, in meiner Herberge werdet ihr alle mit uns essen! Sagte ich nicht, dass du hoffen sollst auf Hilfe des lebendigen Gottes!“ Samino: „Es ist gegen die Ordnung. Meine Kranken erfordern es!“ Nikolaus aber sagte: „Deine Kranken werden von uns versorgt werden. In meinem Hause berge ich einen Jünger des Wundermannes aus Judäa. Magst du dich nicht mit ihm bekannt machen?“ „Es wird nicht viel nützen, alles, was Jude ist, flösst mir Abscheu ein. Zuviel der Schlechtigkeiten habe ich und mein Vater erleben, ja ertragen müssen. Da du mir aber die Freundeshand botest, will ich es tun.“

 

Samino ging an der Seite des Nikolaus in die große Stube. Jakobus und Simon befanden sich allein darinnen, alle anderen waren draußen beschäftigt bei der Karawane des Baltasar - und im Hause war ein jeder beschäftigt mit dem Mittagsmahl. Jakobus ging auf Samino zu und sagte: „Samino, wenn du mein Herz schauen könntest, würdest du mit Freuden meine Hand ergreifen, denn ich möchte an dir gutmachen, was meine Stammesbrüder an dir fehlten.“ „Dieses ist nicht gut zu machen. Mein Vater kann nicht mehr zum Leben erweckt werden und meine Mutter ist aus Gram gestorben.“ „Samino, du bist verbittert und dies nimmt dir die Freude deines dir von Gott geschenkten Lebens. Siehe, ich war es, der Iwano die Bitte unterbreitete, auf Geheiß des lebendigen Gottes, dessen Bote ich bin, dass du mit deiner Karawane hierher kommen solltest. Deine Karawane ist mit dem Tode gezeichnet, darum sollst du die Liebe erfahren, die gutmachen und dir weiterhelfen will. Hier nimm meine Hand und habe Vertrauen! Auch du sollst erfahren, dass Gott wahrhaft ein Wahrer und Lebendiger ist.“

 

Samino: „Ich kenne keinen Gott der Juden und wenn es in Wahrheit einen gäbe, dann wird Er Mühe haben, mich von Seiner Gottheit zu überzeugen Mein ganzes Leben gilt dem Hass, den ich den Juden geschworen habe.“ Jakobus: „Samino, du bist in einem großen Irrtum gefangen. Du bist wohl ein kluger Mensch, aber in diesem Punkt bist du in der größten Irre. Hass lebt in dir! Hast du dich einmal gefragt, was ist eigentlich Hass? Ich sage dir, nein, denn sonst hättest du einsehen müssen, dass Hass das pure Gegenteil von Liebe ist. In dir lebt aber auch Liebe, dieses beweist deine Treue deinen Kranken gegenüber. Erst vorgestern hättest du dich ihrer endledigen können, du tatest es nicht um der Liebe willen und hättest es als eine Gemeinheit zu dir selbst angesehen. Also lebt auch in dir Liebe! Liebe und Hass aber können nicht auf die Dauer in einem Hause beieinander leben, denn eines der stört das andere! Liebe ist das Grundleben der Erhaltung, Hass die Idee der Vernichtung. Die Auswirkung siehst du am besten bei den Kranken.“

 

„Wieso - was haben meine kranken Leute mit meinem Hass zu tun, das sind doch pur meine eigenen Angelegenheiten!“ „Nach deiner Meinung ja, aber nicht nach dem Ordnungsgesetz des Heiligen Gottes, Schöpfer und Erhalter aller Dinge. Wie Sein Grundleben die Liebe und das Leben ist, so ist es auch Sein Wille dass alle Seine Geschöpfe von Seinem Grundleben Nutznießer sind. Nur der kann Sein Feind sein, der sich des Gegenteils Seines Grundlebens bedient und ein eigenes Leben lebt!“ Samino: „So lebe ich also auch ein eigenes Leben? Das ist mir neu! Welches Leben lebt denn dann ihr? Ihr seid doch auch nur Menschen und keine Götter!“ Jakobus: „Götter nicht - aber Menschen, die aus dem wahren Göttlichen ihre Kraft, ihre Liebe und Weisheit - mit kurzen Worten, ihr Leben empfangen. Jedes Leben bekundet einen Geist, da es aber nur einen Geist aus Gott gibt, der Erhaltung ist, kann dieser das Leben, welches ein solcher Mensch lebt, nur göttlicher und vollkommener gestalten! Das pure Gegenteil wird aber der Mensch erfahren, der kein Leben aus Gott lebt, in ihm wird sich das Göttliche, welches jeder bei seiner Geburt erhält, immer mehr verlieren, bis er nur noch sein eigenes Leben lebt und dieses ist dem Tod geweiht! Darum kam eben Gott in diese Welt, den Menschen das wahre göttliche Leben und Sein zu offenbaren, damit aller Tod weiche und an dessen Stelle das wahre Leben trete.“

 

Samino: „Deine Sprache klingt nicht schlecht, auf diesem Boden ließe sich mit mir verhandeln, doch möchte ich vor allem gern wissen, was willst du von mir und was hast du für Absichten. Iwano machte Andeutungen, dass meine Kranken durch dich gesund würden?“ Jakobus: „Iwano hat recht; aber sagte nicht Iwano, das solches möglich wäre, so du dich aufschwingen könntest, gleich mir, an den wahren Gott zu glauben? Auch ich habe für dich den Wunsch, an den Gott zu glauben, der nur Liebe und immer nur Liebe ist, aber nicht gezwungen, sondern frei; denn es kann nicht sein, dass du an den Gott, der nur Liebe ist glaubst, und dein Herz ist voll Hass gegen die, die immer noch die Verbindung mit dem wahren Gott, aufrecht erhalten haben. Siehe, der Wundermann Jesu, obwohl Er das Opfer der von dir gehassten Juden wurde, blieb dem göttlichen Leben in Sich treu und machte die Liebe zur Bedingung. Wer diese Bedingung erfüllt, lebt aus Gott und wird auch alles empfangen, was nötig ist um auszureifen zu einem vollkommenen Leben aus Gott. Um dir aber den Beweis zu geben, wie recht ich habe, sage ich dir aus der Kraft und Gnade des Herrn: Gehe zu deinen Kranken - sie sind auf dem Wege der Besserung!“

 

Samino spricht: Wenn dem so ist, dann hast du mich zu einem Schuldner deines Gottes gemacht. Warum tatest du dieses?“ Jakobus: „Um deiner Kranken willen. Wenn schon du nicht glauben willst, so soll doch ihnen das Evangelium des Lebens aus Gott nicht vorenthalten werden und um dir zu beweisen, dass der wahre Gott Liebe und Leben ist.“ Samino: „Wer spricht, dass ich nicht glauben will! Mache in mir alles vergessen was war und keinen Treueren und Dankbareren wirst du in denen Reihen finden!“ Jakobus: „Nicht ich oder Gott kann dir Vergangenes vergessen machen, sondern du selbst. Mache in dir, was dem Hass geweiht ist, zur lebendigen Liebe un du gehst auf den Wegen, die dich nicht nur alles vergessen, sondern zu einem neuen Menschen machen wird. Der nur einen Willen kennt, nichts mehr ohne Gott zu tun und immer mehr und mehr einzugehen in das Leben aus Gott und in Gott! Aber nun gehe zu deinen Kranken, sie verlangen nach dir!“ Samino: „Wenn dem so ist, dann komme du mit. Wie könnte ich wohl ihnen sagen, dass der Heilige Gott ihnen geholfen habe, den ich selbst noch nicht kenne!“

 

Jakobus: „Gerne komme ich mit dir, aber siehe, alle die um mich sind, möchten auch die Gnade, die deinen Kranken geworden ist, miterleben und ihnen Helfer und Bruder sein, damit du und deine Leute nicht mehr in deinem Lager, sondern hier im Hause die volle Wahrheit über den Ewigen und heiligen Gott erhaltet. Du bist doch einverstanden?“ Samino: „Dann kommt! Vor dieser Liebe bin ich machtlos. Aber habe du Geduld mit mir, ich hoffe, dass du den Hass, den ich gegen euch hatte, mir nicht nachträgst.“ Bei dem Lager angekommen, wird überall Samino verlangt. Sie fragen, ob sie aufstehen dürfen. Die Hitze im Kopf in den Gliedern sei verschwunden - sie seien wie ausgewechselt. „Stehet alle auf und erfahret das große Wunder! Ihr werdet richtig gesund werden, gesund durch den wahren Gott, den uns diese Freunde lehren werden.“ „Samino, ist die Botschaft wahr? Dann ist wohl die Kunde vom Sterben des Wundermannes eine Lüge gewesen. Welcher ist denn der Wundermann, von Dem soviel geredet wurde?“

 

Jakobus  tritt hin und spricht: „Bringet alle ins Haus - Nikolaus, der Wirt, legt Wert darauf, dass alle in seinem Hause gestärkt werden und dann die rechte Wahrheit erfahren. Um dich aber, du treuer Diener deines Herrn zu erfreuen, sage ich Dir: Jesus der Heiland und Wundermann ist wahrhaft am Kreuze gestorben, aber nach drei Tagen wieder von den Toten auferstanden und ist im Geiste Seiner Liebe mitten unter uns. Ich aber bin Sein Zeuge!“ Der Treiber fragt: „Was - gestorben und wieder vom Tode auferstanden? Wo ist er jetzt wenn er lebt, kannst du mir genau Bescheid geben, damit ich zu Ihm gehen kann. Zuviel habe ich gehört und nicht geglaubt!“ Der Treiber rennt hin zu den anderen und drängt zur Eile "kommt, kommt", drängt er, es ist von dem Wundermann ein Zeuge da, Jesus lebt, Jesus lebt, Er ist gestorben und wieder lebendig - kommt - kommt, ihr werdet alle wieder gesund. Jesus ist im Geiste da, lautet das Zeugnis Seiner Zeugen.“ Es war eine Aufregung, aber eine freudige. Der Treiber hatte alles lebendig gemacht.

 

Samino wollte Einhalt gebieten, aber Jakobus hielt ihn davon ab und sagte: „Warum willst du deinem treuen Diener die Freude nehmen? Bist du traurig, weil du es nicht kannst, mit lebendigen Worten die Lebensfreude zu fördern? Wie willst du aber dich rechtfertigen, wenn sie alle das große Wunder der herrlichen Heilandsliebe erleben, - Samino, ermanne dich und verschließe dich nicht länger vor der Gnade Gottes und Seiner Liebe und Erbarmung, da Er, der heilige Gott auch dich sucht!“ Samino schaute lange Jakobus an und spricht langsam: „Lieber Freund, du überfällst mich mit der Liebe deines Gottes, wenn ich nun versage und nicht halten kann, was dein Gott von mir fordert? Ich weiß immer noch nicht, was willst du oder was will Gott von mir?“

 

Jakobus: „Samino, Gott will dich. Leben sollst du für Ihn, dein Leben in den Dienst Seiner Liebe stellen, wie du es schon bisher getan hast. Nur mit dem Unterschied, dass du bisher von deiner Liebestätigkeit noch keine Frucht ernten konntest. Wirkst du aber im Geiste der Liebe aus Gott, wird Segen über Segen deinem Tun entströmen! Gott ruft dich, ja längst rief Er dich, aber du ließest alle Gelegenheiten vorübergehen mit dem Heiland aller Heilande zusammenzukommen, nur deines Hasses wegen. Gott aber der Liebe ist, ließ dich in diese deine übertraurige Lage kommen, um dich zu erretten von dem Gericht, dass die unausbleibliche Folge deines blinden Hasses ist. Samino, in mir reicht dir die ewige Liebe die Hand, stoße sie nicht länger zurück. Das Leben ist tausendfach köstlicher als der Tod und das Gericht!“

 

Samino: „Was liegt an mir geringem Menschen? Dein Gott muss ja Macht genug besitzen, um auf der Höhe Seiner Macht und Gottheit zu bleiben. Bin ich doch nur ein Produkt des Hasses geworden durch die Menschen, die sich als das Volk Gottes bekennen. Gut - ich will gern dich als Seinen Vertreter anerkennen. Ich will dich bitten, um meiner Kranken willen, ihnen nicht zu entgelten, dass ich ein Starrkopf bin. Nur dränge mich nicht, solange die Vergangenheit wie ein wüstes Bild mich verfolgt und mir jede gute Regung nimmt.“ Jakobus: „Samino, komme nun mit deinen Kranken ins Haus und erlebe, wie Gott die Fehler derer gut macht, die im falschen Wahn Unglück über Unglück über die Menschen brachten.“ Rasch bewegten sich die Kranken nach dem nahen Wirtshaus, erwartet von Nikolaus, der sie nach der großen Wirtsstube führte und an Tafeln und Tischen platzierte. Sein Herz war so voll überströmender Freude, dass er die römische Militärpatrouille gar nicht bemerkte, die in den Hof eingeritten kam.

 

Der Führer dieser Patrouille grüsste Nikolaus und fragte, was das für Leute sind und bat für seine zehn Leute und die Pferde um Speise und Futter bis zum nächsten Tag. Nikolaus war etwas erschrocken über die Römer, er kannte den Unterführer, der ein fanatischer Heide war, aber dennoch grüßte er ihn freundlich wieder und sagte: „Diese Leute sind auf, meinen Wunsch in das Haus gekommen. Sie bedürfen der Pflege und Ruhe, die sie in dem Lager des Samino nicht haben.“ Der Römer spricht: „Von Samino sind diese Leute, da muss ich aber Einspruch erheben. Die Karawane des Samino ist mit dem Tod gezeichnet und hat das Lager nicht zu verlassen. Wo ist Samion? Erst gestern wollte ich ihm die Kranken abnehmen lassen - aber er wollte nicht. Sind das die Kranken, die hier in diesem Raume sind?“ „Freilich, das sind sie, aber nicht mehr krank, sondern auf dem Wege gesund zu werden!“

 

In diesem Augenblick kommen Samino und Jakobus als die Letzten. Rasch tritt der Römer zu ihnen und spricht: „Samino was ist geschehen? Gestern trug deine Karawane das Zeichen des Todes und jetzt lässt du es zu, dass sie in das Haus des Nikolaus übersiedeln. Weißt du, dass du schwere Strafen zu erwarten hast, wenn nur ein Kranker außerhalb deines Lagers stirbt?“ „Pistorius, ich weiß es! Es wird aber niemand sterben, sondern ganz gesund werden durch die Hilfe des lebendigen Gottes der uns in diesem Freund entgegengekommen ist.“ „Samino, bin ich oder du nicht mehr normal. Du nennst diesen Juden einen Freund! Du, der du die Juden am liebsten ausspeien möchtest. Da möchte ich doch wissen, was da vorangegangen ist.“ „Ja, da staunst du, Pistorius! Iwano, der fromme Schwärmer, begegnete uns- kommt zu mir und bittet mich um mein und meiner Leute Heil, ich solle unverzüglich die Herberge des Nikolaus aufsuchen. Sein Bitten und Drängen bewegte mich, zu folgen, und hier erlebe ich das große Gotteswunder des auferstandenen Wundermannes.“

 

Nikolaus bittet, sich nicht an der Tür solange aufzuhalten, sondern auch Platz zu nehmen, wo sie wollen, der Tag ist noch nicht zu Ende, es wird alles geklärt werden. Es wurden die Tische und Tafeln gedeckt, bald kamen auch die Soldaten und meldeten. dass die Pferde versorgt seien. Pistorius dankte und ließ seine Leute an seinem Tisch Platz nehmen. Da alle Hunger hatten griffen auch alle ohne Nötigung zu. Nikolaus ließ auch einen Wein auftragen, dem auch reichlich zugesprochen wurde. Bei dem Essen war nur eine Unterhaltung. Sie drehte sich um den Heiland der im Geiste da sei, wie Mischko versicherte. Niemand von den Kranken war im Bilde - die Römer aber blieben reserviert. Pistorius, der darauf wartete, bis alle gegessen hatten, ging an die Tische der Kranken und sagte: „Leute hört einmal auf mich, ich stehe vor einem großen Rätsel. Gestern waret ihr zum Sterben und heute sieht man von eurer Krankheit so gut wie nichts mehr. was ist geschehen?“ Mischko spricht: „Herr, der Auferstandene ist im Geiste unter uns. Wir wissen selbst noch nicht, wie alles gekommen ist, aber der Freund an der Seite Saminos kann volle Auskunft geben.“ Pistorius geht hin zu Jakobus und spricht: „Ist es war. dass der Gekreuzigte bei der Heilung der Kranken Seine Hand im Spiele hatte? Ich möchte volle Klarheit. Denke aber nicht. dass ich zu täuschen bin, denn ich bin ein Römer. Es sei dir gesagt, dass ich dir keinesfalls feindlich gegenüber stehe, sondern die reine Wahrheit verlange.“

 

Jakobus: „Ich habe keine Ursache, jemanden zu täuschen, sondern das Bestreben die reine Wahrheit zu bringen allen denen, die unklar und im Zweifel sind. Ich bin ein Zeuge und Jünger des gekreuzigten und wiedererstandenen Jesus von Nazareth. In Seinem Geiste und in Seiner Liebe wirke ich. Da ich ganz von Seinem Leben durchdrungen bin, brauche ich auch nichts zu fürchten, auch dich nicht. Du sagst, dass du mir nicht feindlich gegenüber stehest, aber die Schranke, die du zwischen dir und mir aufgerichtet hast, grenzt an Feindseligkeit! Du warst nie der Juden Freund, nie wolltest du gelten lassen, dass ihr Gott der wahre und ewige sei, dir sei Er begegnet; aber das hast du dir noch nicht überlegt, dass deinen vielen Göttern auch noch nicht zu dir gekommen ist. Was du von dem wahren Gott verlangtest, musstest du auch von den anderen Göttern verlangen. Ja ich weiß sogar, dass du in große Erregung gekommen bist als die Anweisung kam, der Ausbreitung des Christentums keine Schwierigkeiten zu machen.“ „Woher und von wem weißt du dieses? Ich sprach zu keinem Menschen darüber“ erwiderte Pistorius.

 

„Ich weiß noch mehr. Du wolltest sogar einen solchen Vertreter der neuen Lehre ein solches Wetter machen, dass es ihm verginge, noch mehr von den Toten zu reden. Nun bin ich aber einer von denen, aber nicht einer, der nur von den Toten redet, sondern Sein Leben bezeugt. Sein Leben, welches den Sieg über allen Tod und Gericht errungen hat und für Ewigkeit auch fortbestehen wird. Freilich, du wirst es nicht glauben wollen, diese aber, die Todgeweihte waren, werden bald Sein Leben in sich tragen und mit Freuden Dem danken, der Ihnen ihre Gesundheit und ein neues Leben werden ließ.“ Das sagt aber noch nicht, dass dieser Tote an diesen Kranken Seine Hand im Spiele hat - wie willst du es mir beweisen?“ „Dir den Auferstandenen zu beweisen, werde ich nicht tun, da du ja gar kein Interesse an Ihm hast, aber da ich in deinem Herzen das Falsche und Böse in dir aufflammen sehe, rate ich dir, gehe von hinnen und störe nicht das Leben, welches sich in diesen Menschen entwickeln will. Blinden und tauben Menschen diene ich gern mit dem Leben des Auferstandenen, aber böswilligen Menschen nicht. Deine Macht als Römer fürchte ich nicht; aber dein Vater, der noch nicht lange in der geistigen Welt ist, ist überaus traurig, erstens, weil du dich nicht als ein echter Römer benimmst, zweitens, weil du die Gelegenheit nicht wahrnehmen willst, mit dem Auferstandenen bekannt zu werden und drittens, weil du nicht mehr an das Versprechen denkst, welches du deinem Vater auf dem Sterbebett gabst.“

 

Straff schaut der Römer auf Jakobus und spricht: „Mann, was weißt du, wie kann das Versprechen so wichtig sein, welches man einem Sterbenden gibt? Sind nicht 10 volle Jahre darüber vergangen. Was hat es für einen Sinn, mich von meiner Götterlehre zu trennen und nach einem Gott zu suchen, der ewig sein soll. Bis jetzt haben mir meine Götter jeden Wunsch erfüllt, den ich in mir laut werden ließ. Mein Leben genügt mir und über meine Handlungsweise lasse ich mir von niemandem, auch von einem Juden nicht reinreden. Das ist ja Torheit, mir zu sagen, in mir wolle Falsches und Böses aufflammen!“ „Und ich sage dir, dass das Böse dich voll und ganz ergriffen hat, denn jetzt stehst du mir als Feind gegenüber, weil ich es wagte, dir die Wahrheit zu sagen über deine Gedanken und Pläne. Ich werde nun auch kein Wort mehr mit dir reden, außer du kommst von selbst zu mir. Wenn ich auch nur ein Jude bin, so lebt aber auch in mir ein Geist, der göttlichen Ursprungs ist und dieser Geist gibt mir Anweisung, dich nicht weiter zu reizen.“ Jakobus neigte sein Haupt vor Pistorius und wandte sich an Nikolaus, der mit Unbehagen dieser Unterhaltung folgte und sagte: „Bruder, beruhige dich, auch er wird an den Heiland glauben. Lasse dich in deiner Liebe nicht stören und mache du alle die Verlangenden mit dem Heiland bekannt.“ „Gern“, erwiderte Nikolaus, „aber warum willst du es nicht tun? Sehne ich mich ja selbst nach deinen Worten, die des Heilandes Liebe und Leben so klar schildern. Da du es aber wünschest, muss es doch auch des Heilandes Wille sein?“

 

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Heilung der Fieberkranken

 

 

Nikolaus begibt sich hin zu den Tischen, wo die Kranken sitzen und spricht: „Ihr lieben Menschen! Gleich einem Märchen kommt es euch vor, dass ihr hier an meinem Tische sitzt und konntet euch sättigen. Ihr tragt das Verlangen, alles das zu erfahren, wie es gekommen ist, dass ihr vom Tode gerettet seid. Mischko, euer Bruder, sagte es euch schon, dass Jesus der Heiland es getan habe, der im Geiste unter uns ist. Jakobus, der treue Diener und Zeuge des Heilandes ist es, der uns die Wahrheit über Jesus brachte. Er ist es, der gestern den Iw  Jesus konnte auch nicht nach Seiner Ihm innewohnenden Weisheit verfahren, sondern musste oft, ja fast immer, zur Liebe Zuflucht nehmen, musste sich ganz auf den Boden derer stellen, die Ihm zuhörten. Ebenso war es mit den Wundern oder mit den Heilungen. Erst musste der Boden aufnahmefähig sein. Das Wunder allein hätte die Erfolge nicht gezeitigt, aber Sein Wort, Seine Lehre, die ihr auch habt.“ Isidor: „Es sind wohl dieselben Worte, dem Laute nach aber doch nicht dieselben Worte. Der anderen Worte machten hungriger, aber Seine Worte, stillten den Hunger, stillten das Sehnen und machen das sehnende Herz ruhig!“ Darum danken wir dem Herrn, dass er dich gesandt hat in unsere Mitte. Nur eine Bitte habe ich `bleibe länger, auch wir brauchen dich für unsere Kranken und unsere Feinde`.“

 

Jakobus: „Sei alles dessen ohne Sorge; denn es geschehe auch hier nicht unser, sondern auch Sein Wille! Wir wollen nur den Herrn erfreuen, der auch in dieser Stunde mitten unter uns ist! Deinen Worten aber will ich gern nachkommen und einiges bringen, welches euch Seine Liebe noch mehr als jetzt offenbaren will. Wir waren in Bethanien - täglich kamen viele Gäste, Freunde und auch Feinde. Lazarus bleibt für alle ein- und dasselbe. Eines schönen Tages kommen zwei Fremde, Geschäftsfreunde vom Bruder Lazarus. Bald war das Geschäftliche erledigt, da fragte einer: `Lazarus, wie machst du es, dass alles so wunderbar geht? Bei anderen sind Schwierigkeiten über Schwierigkeiten, aber mit dir macht man ordentlich gern Geschäfte!`“ Lazarus: `Mit einem Wort kann ich dir das nicht erklären. Dass ich aber eine Hilfe an dem Heiland Jesus habe, willst du nicht gelten lassen, denn da kenne ich deine Meinung.` Der Geschäftsfreund: `Fange nicht wieder damit an, lieber Lazarus! Du weißt der Glaube meiner Väter ist mir unantastbar. Ich kann dich einfach nicht verstehen, dass du noch dem Tempel und auch den Römern hörig bist. Es wäre für mich eine glatte Unmöglichkeit, Römern Gastfreundschaft anzubieten.`

 

Lazarus: `Nichts leichter als das; denn ich sehe in meinen Gästen nicht den Templer oder den Römer, sondern den Menschenbruder, den Gott mir in mein Haus sandte. Ja noch mehr, in einem, Menschen auch in dir kommt Gott als Gast zu uns, und das erfüllt mich mit heiliger Freude!` Geschäftsfreund: `Lazarus, du bist ein prächtiger Mensch, aber nimm es mir nicht übel, du bist auch ein Schwärmer, wie es so viele heute gibt, die da angesteckt sind von der Sekte der Nazarener.` Lazarus: `O-ho!` spricht Lazarus, `seit wann stellst du denn Behauptungen auf, die du nicht beweisen kannst. Es kann ja nicht Schwärmerei sein, so ich für alle einen gedeckten Tisch habe. Oder glaubst du, ich könnte alles aus mir heraus glatt erledigen? Da bist du in einer großen Irre! Eben auch den Nazarener bin ich in den Stand gesetzt, so zu handeln und darf in jedem Menschen den Ausdruck erleben, den Gott mir geben würde, so Er mein Gast wäre.` Geschäftsfreund: `Lazarus sündige nicht! Du weißt genau, dass ich scharfe Grenzen ziehe, seit meine Kinder vor mir in das Grab gegangen sind.` Lazarus: `Ich weiß um alles, Isidor, aber du bist verbittert, darum bist du für diese Freude, für alles Glück unzugänglich. Aber soll es immer so bleiben? Siehe, ich will dir einen Beweis geben, wie recht ich habe und wie einsichtslos du bist.

 

Siehe, dort habe ich fünfzig Gäste. Ich sagte, dass in einem jeden Gott als Gast zu mir gekommen ist. Bitte gehe zu irgendeinem, unterhalte dich einige Minuten mit ihm, ganz nach deinem Belieben. Bist du enttäuscht, dann sollst du recht behalten und nie mehr werde ich dir Vorhaltungen machen.` Isidor: `Lazarus, du machst dich lächerlich. Du gehst entschieden zu weit. Ich werde es nicht tun, da ich nicht will, dass andere dich nicht verstehen.` Lazarus: `Isidor, ich will dich nicht zwingen, aber weil ich dich noch mehr an mich binden möchte, bitte ich dich -versuche es doch- damit auch du mich noch mehr an dich binden kannst.` Isidor schaute Lazarus durchdringend an und spricht: `Gut, Lazarus, ich werde um deiner Freundschaft willen den Versuch machen, obwohl ich mir gar nichts verspreche.` Isidor schaute alle Gäste durchdringend an, sein Blick bleibt an Jesus haften - dann geht er hin und spricht: `Lazarus, erlaubte mir, dass ich mich mit Dir unterhalte, verzeihe mir, so ich störend in Deine Unterhaltung mich dränge.` Jesus sprach: `Herzlich willkommen heiße ich dich! Gilt es doch, dir den Beweis zu geben, dass Lazarus nicht aus einer blinden Schwäche oder Schwärmerei handelt, sondern aus dem Impuls seines in ihm wohnenden Gottesleben, an welches du nicht glauben konntest.`

 

Isidor: `Bist du allwissend oder sollte Lazarus dir ein Zeichen gegeben haben?` Jesus: „Lieber Freund, du bist überrascht von Meiner Antwort. Ich könnte dir noch Vieles sagen, aber es genügt wohl, wenn Ich dir sage, Dein Freund Lazarus hat das bessere Teil erwählt! Glaube Seinen Worten und halte Seine Freundschaft fest, ja noch mehr werdet eins, denn er ist ein Gesegneter des Herrn! Auf dass du aber den untrüglichen Beweis erhältst, dass in Mir Gott hier zu Gaste ist, bitte Ich dich um etwas, das nur Gott tun kann. Es muß aber nur etwas Natürliches sein.` Isidor: `Lieber Freund! Wer Du auch sein magst, ich verlange nichts; denn es ist mir Beweis genug, dass in Dir Gott gegenwärtig ist. Nur verstehen kann ich dieses alles nicht! Oder könntest Du mir da zu Hilfe kommen ohne dass ich meinem Glauben untreu werde?` Jesus: „Ich könnte es, aber was hättest du davon zu halten, deinen Glauben in Ehren, aber was ist Glaube, der dich nicht trägt in allen Lebenslagen, der dich hinwirft bei der kleinsten Probe? Siehe, als deine Kinder dir genommen wurden, warst du verzweifelt, dein unschuldiges Gewand zerrissest du in hundert Fetzen. Dein Weib hättest du fast verloren, wenn die beiden Schwestern deines Freundes Lazarus nicht gewesen wären. Sag ist das Glaube?`

 

Isidor: `Hör auf, lieber Freund, erinnere mich nicht an die schwersten Stunden meines Lebens, aber sage mir, wer hat dieses alles offenbart?` Jesus: `Lieber Freund, es müsste ein armer Gott in Mir Sein, der nicht in die Tiefen deiner Seele schauen könnte, darum sagte ich Dir, Ich könnte dir noch Vieles sagen, aber warum äußerst du nicht den Wunsch, der dir so brennend auf deiner Seele liegt?` Isidor: `Nun vage ich nichts mehr zu sagen und zu fragen, wenn Du auch weißt was meine größte Sehnsucht ist.` Jesus: `Armer - armer Freund! Wie wenig kennst du deinen Gott! Einmal fürchtest du dich, deinen Glauben zu verletzen, dass andere Mal fürchtest du dich vor Gott! Siehe - in Mir ist wahr und wahrhaftig Gott zu Hause, wer mit Mir spricht, spricht auch mit Gott! Das wissen hier alle Brüder und auch dein Freund Lazarus, was liegt an der Verletzung deines verkehrten Glaubens? Nichts! Aber daran muß dir gelegen sein, deinen Gott nicht zu verletzen, den du im lebendigen Glauben zu dienen gelobt hast! Siehe - deine einzige Sehnsucht ist die, deine Kinder wieder einmal zu sehen um einige Worte mit ihnen sprechen zu können. Dein Glaube aber weiß sie im Grabe bis zu ihrer Auferstehung. Und da sage Ich dir, du bist in einem großen Irrtum, denn deine Kinder leben und harren der Stunde bis Ich die Tore öffne die zum Leben führen!`

 

Isidor schaute entsetzt auf Jesus und spricht: `Wenn deine Augen mich nicht so liebevoll anschauen würden, ich müßte mich vor Dir fürchten; denn es ist wahrhaftig so, aber was soll ich tun. Ich möchte den Glauben meiner Väter nicht verlassen.` Jesus erwiderte: `Das sollst du auch nicht, aber glauben sollst du an den lebendigen Gott, der in Mir lebt, der jetzt zu dir spricht: `Öffne deine Augen und deine Ohren, damit du das Wunder Seiner Liebe schauen und erleben kannst und dann sage Mir, ob du noch den alten Begriff von deinem Gott aufrecht erhalten kannst.` Da verschwanden vor unseren Augen die Wände, des Hauses, vor uns lag die Landschaft eines schönen Gebirges, eine schöne Helle, ließ uns alles schön erkennen und viele Menschen beiderlei Geschlechts, die noch die steinernen Gärten bearbeiteten, erregten unser Interesse: Da kommen auf einmal zwei in lichten Kleidern auf uns zu und rufen: `Vater, Vater bist Du nun auch zu uns gekommen? Schon immer warteten wir auf Dich kommt Mutter auch bald?` Isidor breitete die Arme aus, als wollte er die beiden umarmen, aber er konnte kein Wort sprechen - da trennte sich eine liebliche Gestalt von den anderen: `Glaube und vertraue Dem, Der dir diese Gnadenblicke schenkte. Auch wir ersehnen die Stunde, wo das Tor des Lebens allen, allen geöffnet sein wird. Fürchte dich nicht mehr vor Dem, was du Sünde nennst. sondern lebe ein Leben der, Liebe in Gott, der in unserer Welt genau so erwähnt wird, wie in der deinen!`

 

Das Schauen verlor sich - da sagte Isidor nach einer Weile: `Freund, wenn das kein Traum, sondern Wirklichkeit war, dann bin ich ein geschlagener Mann, dann war ja mein strenges Leben ein großer Irrtum und meine Gottesfurcht Sünde gegen das Leben!` Jesus sprach: `Gott ist gerecht und macht alle krummen Wege gerade, aber Liebe kann Er nicht geben, wo noch Furcht und übergroße Eigenliebe herrscht. Halte dich in Zukunft näher an den Rat, den dir die liebliche Gestalt gab, dann wird dir offenbar, wie auch dich Gott sucht! Aber nie wird der kommende Messias so sein, wie Er in deiner Vorstellung lebt!` Da ergriff Isidor die Hände des Meisters und sagte: `Jetzt errate ich, wer Du bist! Du bist der Nazarener, den ich immer einen Toren schalt - lasse mich meinen Fehler gutmachen, von nun an werde ich mich bemühen, so zu sein, wie Lazarus ist!` Jesus erwiderte: „Dann bleibe heute bei Lazarus. Du gewinnst an Leben mehr, als du verdienen würdest an denen, die du noch besuchen wolltest; denn auch sie kommen heute noch zu Lazarus. Ich sage dir das, damit du ersehen sollst, wie Gott auch Dinge den Menschen offenbaren kann, die noch irdischer Art sind! Gott vermag alles, aber das vermag Er nicht, dass Er dir eine andere Vorstellung über Ihn geben kann. Das muß der Mensch selbst tun! Darum erlebe heute durch Seine Gnade noch einen Beweis Seiner Liebe die auch allen Menschen zum Heile werden soll!`

 

Jakobus: „So, liebe Brüder und Schwestern, wurde es ein Tag des Heils, wie auch der heutige Tag ein Geschenk der übergroßen Liebe Gottes ist, die in Jesus allen Menschen zum ewigen Heile angeboten wurde. Wohl denen, die sie sich zu Eigen machen!“ Am anderen Tage kommt schon zeitig in der Frühe Schimba. Ganz freudig bewegt erzählt er, dass, wie er nach Hause gekommen ist, alles in der schönsten Ordnung war. Zu einer treuen Nachbarin sei ein junger Mann gekommen und habe sie mit freundlichen Worten gebeten, sich der Kinder und des Viehes anzunehmen, da Schimba und seine Schwägerinnen fortgeschleppt worden seien - aber in spätestens drei Tagen wieder zurück seien. So traf ich alles in bester Ordnung. Die kleine Gesellschaft, die schon auf war, erstaunte nicht wenig über den Bericht des Schimba. Als aber Jakobus unter sie trat und mit wenigen Worten sie aufklärte, war die Freude umso größer.

 

 

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Abreise der Karawane des Iwano

 

 

Iwano mußte weiter - er umarmte Jakobus und sagte: „Bruder, nie werde ich dich vergessen können, denn durch dich lernte ich den Herrn und Heiland kennen -o wie anders sieht die Welt nun aus! Wie wichtig erscheint mir nun das Erdenleben und wie groß erscheint mir auch die kleinste Aufgabe, gilt es doch, mitzuhelfen an dem großen Werke des Herrn!“ Jakobus: „Ziehe mit dem lebendigen Gott, der ein Vater aller derer ist, die Ihn kindlich lieben! Von nun an wirst du auch Seine Stimme in dir hören. Sei in Seinem Geiste gesegnet und die Liebe des Herrn in dir wird sich als Seine Kraft erweisen! Ziehe in Frieden!“ Nach dem Frühmal kommt Nikolaus aufgeregt zu Jakobus und spricht: “Bruder, der Priester, den Cäsar gebissen hat, ist sehr benommen. Er hat hohes Wundfieber, wenn keine Hilfe kommt, ist er verloren. Was ist da zu tun?" Jakobus: „Helfen - Nikolaus, nur helfen! Lege ihm im Namen des Herrn die Hände auf, dann wird es besser mit ihm werden. Er ist ja nicht unser Feind, sondern nur ein verblendeter Mensch!“ Nikolaus: „Jakobus, das kann ich nicht recht verstehen, Er ist unser Feind und ein Feind des Herrn! Was er verschuldet hat, mag er auch büssen!“

 

Jakobus: „So darfst du nicht denken -Bruder-, sondern wie würde der Herr in diesem Falle handeln, den du stehst an des Herrn Stelle hier. Sein Geist kann aber nur in dir wirken, wenn du ganz auf dem Boden Seiner Wesenheit bist, nicht du erniedrigst dich oder den Herrn, wenn du Liebe und Erbarmung walten lässt, sondern du erhöhst Seine Liebe und Sein Leben - darum überwinde deinen Stolz und demütige dich vor dem Herrn – dann wird Sein Geist in dir zum Durchbruch kommen!“ Nikolaus: „Jakobus - ich will es versuchen- aber warum willst du nicht dem Simon die Hände auflegen?“ Jakobus: „Weil es des Herrn und Meisters Wille ist -fest sollst du werden- feuerfest in der Liebe, der Herr bedarf deiner! Suche in dir, da wirst du die volle Löse finden.“ Nikolaus: So geschehe des Herrn Wille! Du aber Herr Jesus, gib mir die rechte Kraft und das rechte Verständnis.“ Nikolaus ging allein in die Kammer, wo die vier Templer sich befanden. Simon stöhnte im Fieber, die Anderen waren ratlos. Da sagte Nikolaus: „Warum gebt ihr eurem Bruder keine Linderung, ihr seid doch mit ihm verbunden. Oder habt ihr vergessen, dass ihr Angehörige des Tempels seid? Es ist nicht meine, sondern eure Schuld, dass ihr nun gefangen seid.“

 

 

 

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Heilung des Oberpriesters Simon, Bekehrung der übrigen 3 Priester

 

 

Nun trat er an das Lager des Simon. Lange schaute er auf ihn, dann legte er ihm die Hände auf das Haupt und betete laut: „Herr Jesus, Du guter Heiland und Meister, ich brauche Deine Kraft und Deine Hilfe! Hier, dieser blinde und verirrte Mensch hat in seinem falschen und verkehrten Hass Dir schaden wollen und hat sich dabei selbst geschadet! „O - hilf Du ihm! Lasse ihn nicht zugrunde gehen sondern. gib ihm aufs Neue Gelegenheit, dass er sich bessern und ein neuer Mensch werden kann. Erfülle Du mich mit Deiner Kraft aus Deiner Liebe, damit Dein Liebesstrom ihn belebe und das Fieber von ihm weiche!“ Volle 7 Minuten verharrte Nikolaus im Gebet, dann wurde Simon ruhiger - das Fieber war gewichen.

 

Nikolaus, zu den Priestern sich wendend, spricht: „Ihr waret Zeugen, dass der Herr Jesus, den ihr vernichten wolltet, noch einmal Gnade walten ließ! Bekehrt euch und macht euch von eurem- Irrtum frei; denn wie der Herr und Meister durch mich eurem verblendeten Bruder helfen konnte, ebenso könnte Er auch Seine Macht zu eurem Verderben gebrauchen. Was habt ihr von eurem wüsten Leben, nichts als nur Gefahren! Wenn ich euch den römischen Gerichten übergebe, wird von eurer Herrlichkeit nicht mehr viel übrig bleiben; denn eure Untat war Überfall auf wehrlose Menschen!“

 

Einer der Priester spricht: „Du hast gut reden, was weißt du von unserem Leben! Wir haben zu gehorchen, wenn der Tempel befiehlt, was kümmert uns der Nazarener, von dessen Tod wir überzeugt sind, und an Seine Auferstehung zu glauben, verbietet uns unser eigener Verstand. Du siehst, dass unser Handeln und Tun im Sinne des Tempels durchaus nicht wie ein Verbrechen aussieht. Wenn du mich überzeugen kannst, dass ich wirklich im Irrtum bin, dann wäre ich ein Tor, wenn ich mein jetziges Leben, welches ich übersatt habe, weiterführen würde. Ich habe Weib und Kinder! Auf Gnade und Ungnade bin ich dem Tempel verfallen - so ich meinen Eid breche.

 

Nikolaus: „In diesem Ton bin ich gern bereit, weiter mit dir zu sprechen. Denkt ihr beide auch so?“ Der Priester: „Lieber Wirt, sie sind genau so verpflichtet wie wir, aber an dem Überfall sind sie schuldlos! Nikolaus: „Gut - versprecht ihr mir, nicht zu fliehen, dann seid ihr frei. Vergesset auch nicht, dass mein Hund scharfe Augen hat und noch schärfere Zähne! Um Simon braucht ihr euch nicht zu kümmern - der ist in unserer Pflege!“ Simon erholte sich schnell - freilich, die Wunden sahen schlecht aus, aber die Gefahr einer Verschlimmerung war unterbunden. Die anderen blieben in der Stube ohne jeden Wunsch. Sie waren froh, wieder freie Menschen zu sein. Schimba und seine Schwägerinnen bestanden auf keine gerichtliche Verfolgung - da sagte Jakobus: „Liebe Brüder und Schwestern! Nun ist mein Herz voll der heiligen Freude! Eure Liebe zu Jesus hat einen Sieg errungen - wie ihr es nicht ahnen könnt. Im Himmel ist Freude über Freude - in eurem Herzen werdet ihr den Widerhall finden und der Herr kann euch Selbst Seine Freude bekunden.

 

Einen Menschen, der uns Gutes tat, mit Gutem zu lohnen, ist Pflicht, einem Menschen aber, der uns Schlechtes zufügte und wir vergelten dasselbe mit Gutem - ist göttlich! Ihr werdet den Herrn Heiland als einen noch viel Herrlicheren erkennen. Sein Liebesleben in euch wird noch manches lösen, so ihr in dem Leben verbleibt. Solange der Herr als Mensch unter uns lebte, sahen wir Seine Herrlichkeit - jetzt aber erleben wir sie, nicht aber wie ein Geschenk, sondern wie ein eigenes Leben! Dieses Leben offenbart aber immer Neues himmlisches Leben, sodass ich mit Bestimmtheit sagen kann: Nicht mehr ich lebe, sondern Er in mir und ich in Ihm! Brauchen wir da noch irgendwelche Beweise? Siehe Schimba, ich könnte dir Verheißungen geben im Namen des Herrn. Es wäre viel zu gering, da ja der Herr Selbst, den du durch die Krönung Seiner Liebe in dir zu dem Rechte verholfen hast, dass Er mit dir selbst verkehren kann, alles Selbst offenbaren will.

 

So vernehmt noch weiter, dass Sein Geist in mir euch allen sagen will. Sein Auge sucht nach Herzen, die sich sehnen; mit Ihm zu verkehren; aber nicht wie Herr und Diener, sondern, wie Vater und Kind. Ja noch mehr, Seine Liebe ist so durchdrungen, dass Er nur noch den Wunsch hat, Sein Werk zu vollenden in den Herzen Seiner Kinder, die Sein Leben in sich tragen. Noch mehr - es ist Seine größte Seligkeit, Seinen Kindern zu dienen, wie Er als Mensch uns diente, was kein Auge je gesehen und kein Ohr vernommen hat, will Er selbst denen bereiten, die Sein Leben in sich aufgenommen haben.

 

Ihr fraget, ist dieses wohl-möglich, Er ist doch der Herr, wir aber sündige Geschöpfe - da sagte der Herr: `Geschöpfe der herrlichsten Art können wohl mein Auge entzücken aber Mein Sehnen geht nach Kindern, denen Ich ganz Vater sein kann, mit denen Ich Mich beraten kann. Noch mehr, mit denen Ich die Tiefe noch segnen und heiligen kann ohne Meine Heiligkeit zu verletzen. Meine Heiligkeit zog und mußte Grenzen ziehen, aber mit dem Kindessinn Meiner in Meinem Geiste stehenden Kindern ist es möglich, alle Grenzen zu beseitigen und das Licht Meiner Liebe leuchten zu lassen, um den Weg, den meine Liebe schuf, zu erhellen, damit alle zu Mir sich finden und erleben Meine Liebe Meine Gnade und Meine Erbarmung!

 

Durch eure Liebe an Meinen Feinden ist das Tor geöffnet zu ihrem Heil. Ich Selbst konnte und durfte dieses nicht. Meinen Kindern aber darf Ich nichts verwehren, so sie in sich finden, was Meine größte Sehnsucht und Verlangen ist - um Meinen Feind zu schonen und in seinem Wollen und Wirken nicht zu hemmen. Höret - nicht zu hemmen - denn so Ich einem einzigen Wesen seine Freiheit antaste, ist die Seligkeit aller gefährdet. Mein Kind aber, die Freiheit erkennend empfindet in sich das Wesen Meiner Liebe und handelt nach dem Zug Meiner Liebe in sich und vollbringt Dinge, die Ich Mir versagen muß! Sein Dank darum ist grenzenlos und sein Glück die Entschädigung von dem, was er leiden und erdulden mußte, um eben diesen Geist zu lösen.

 

Solange noch dieses als Sehnen lebt, ist dieser Geist anfechtbar, nun aber wo die Erfüllung gegeben ist, ist er auch Eigentum der Erde geworden und hat Himmel und Erde zusammengeschmolzen. Meinen Kindern ist der Weg geebnet zu Mir und Ich kann alle die Mein nennen, die Mein Leben in sich tragen und verkörpern Mein Wort und verherrlichen Mein Leben`.“ Schimba: „O Bruder Jakobus, was hast du uns für Worte gegeben durch .Jesus? Das, was wir für Schwäche hinstellten, offenbarst du uns als größte Liebestat, in mir ist ein Drängen, ja eine Freude, dass ich noch Größeres tragen und dulden könnte; aber nicht aus einer Ohnmacht, sondern mit einer Kraft, wie nie vorher. Ist denn dieses alles in Ordnung?“

 

Jakobus: „Schimba, frage nicht, sondern danke und suche in dir weiter Den zu schauen, Dem du so herrlich beweisen konntest, denn Er ist mitten unter uns - Seine Worte durch mein Herz ist noch nicht Beweis genug. sondern so ihr schauet, fühlet und empfindet.“ Schimba wollte etwas erwidern, da aber einige Frauen mit Kindern kamen, schwieg er - eine von den Frauen sagte zu Nikolaus: „Wir haben gehört, ein Jünger des Heilandes Jesus sei gekommen, darum sind wir mit unseren kranken Kindern gekommen und wollen ihn bitten, unsere Kinder zu heilen.“  Jakobus: „Ihr seid hier recht, aber warum glaubet ihr nicht, dass Jesus von den Toten auferstanden ist, eure Kinder wären längst gesund und ihr hättet nicht die Sorgen gehabt.“ Eine der Frauen: „Du hast recht gesagt, wir konnten es nicht glauben, dass Jesus von den Toten auferstanden sei -es ist dieses auch schwer zu glauben. Die einen sagen so, die anderen wieder anders, ein jeder weiß anderes zu berichten.“

 

Jakobus: „Weib, wenn der Meister von den Toten nicht auferstanden wäre, wäre Seine und auch unsere Sendung nutzlos; aber ihr kennt doch die Schrift - stehet nicht geschrieben, dass Er den Tod überwinden und allen das ewige Leben bringen wird? Es ist geschehen. Alle aber, die an Ihn glauben, werden innewerden, dass die Schrift erfüllt ist! Wie soll ich denn das beweisen, so ihr Gott nicht glaubet - darum gehet in euch und beseitigt allen Zweifel in euch, dann könnt ihr erst die Herrlichkeit Gottes erschauen. Hättet ihr geglaubt, wie Schimba und seine Schwägerinnen, längst wäre euch die Gnade zuteil geworden, Jesus in Seiner unendlichen Liebe zu erleben.“ Eine andere spricht weinend: „Daran ist unser Unglaube schuld, gib uns unseren Frieden wieder. Nun du es sagst, werde ich glauben und jedem Priester die Tür weisen; denn sie waren es, die uns unseren Frieden nahmen und die Auferstehung des Heilandes als Lüge und Betrug hinstellten.“

 

Jakobus: „Beschuldigt niemand, denn ein jeder ist verantwortlich für sich selbst! Damit ihr aber erlebet, wie recht ich habe, so wendet euch an euren Bruder Schimba. Er wird eure Kinder im Namen des Herrn heilen.“ Schimba: „Bruder Jakobus, warum gerade ich, sind sie nicht voll Vertrauen zu dir gekommen?“ Jakobus: „Bruder, hast du die herrlichen Offenbarungen schon vergessen? Wartet der Herr nicht auf deine Liebe, die ein Produkt Seiner Liebe in dir ist? Gehe im festen Glauben an das Werk, das Seine Liebe in dir erfüllt sehen möchte, wehre nie dem Geist, lasse dich führen und leiten von Ihm, auch wenn du keinen Erfolg sehen wirst. Die Arbeit sei dein, aber das Gelingen sei des Herrn Werk. Glaube und vertraue und immer vertrauter wird dir dein Heiland, dein Jesus und Erlöser sein!“ Schimba: „Wenn so, dann lieber Heiland, in, Deinem Namen und in Deiner Liebe gib Gelingen!“

 

Schimba geht hin zu der Schwester, die sich anklagte und spricht: „Du hast gehört, was Jakobus, der Jünger, sagte. Komm, bitte mit mir um den Segen und um den Sieg Seiner Liebe in uns. Herr Jesus, wir sind auf Dich angewiesen, hilf uns, dass wir auf Dich vertrauen und schenke uns Deine Kraft und Deine Liebe. Lasse einen Strom in uns lebendig werden, damit er belebe, was unsere Liebe belebt und heile, was wir durch Deine Liebe geheilt haben möchten. Ich danke Dir, Mein Heiland und Mein Gott, weil Du unsere Bitte schon erfüllt hast. Amen!“ Der Knabe, dem Schimba während des Betens die Hand auf den Kopf legte, war gesund, alle roten Flecken, die er am Körper trug, waren verschwunden. Da stürzte das Weib nieder und stammelte Dankesworte.

 

 

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Lydia wird geheilt

 

 

Inzwischen legte Schimba einem anderen Knaben die Hand betend auf und dasselbe Wunder vollzog sich wieder. Ehe die Mutter so recht denken konnte, kam die dritte Frau. Zagend sagte sie: „Schimba, darf auch ich kommen, du kennst mich, ich bin voller Sehnen, auch gesund zu werden, weise mich nicht fort von dir, ich war es, die dich verriet, da der Priester für mich beten wollte.“

 

Schimba: „Du, Lydia, machst mir mein Dienen schwer, habe ich dich nicht immer wie eine Schwester geliebt! Meinem Weibe warst du immer zugetan, womit habe ich dir wehe getan, damit ich dich um Verzeihung bitten kann. Dass du mich und meine Schwägerinnen verraten hast musste so sein, denn sonst hätte sich das Leben des Heilandes Jesu nicht offenbaren können. Du bist frei von Schuld in meinen Augen, sprich auch du dich frei, dann wird auch dir der Herrliche Heiland beweisen, dass Er dir alles vergeben hat. Du aber, Du herrlicher und getreuester Heiland, erneuere Du unseren Bund und mache Lydia gesund durch Deine Kraft und Gnade, Dein Wille sei unser Wille, Dein Frieden unser Heiligtum jetzt und immer! Amen!

 

Jakobus: „Da sage auch ich im Namen des Herrn - Amen! Seid gesegnet im Namen des Herrn und in Seiner Liebe! Du aber, Lydia, wirst viel lieben müssen, damit das Auge des Herrn wieder mit Wohlgefallen auf dir ruhen kann. Der Herr hat dir vergeben deine Fehler, mache mit doppelter Liebe gut und so sei gesund im Namen des Herrn Jesu - Amen!“ Lydia konnte nur weinen. Mit Tränen in den Augen sagte sie: „Dir, Herr Jesus, danke ich von nun an, aber nicht in Worten, sondern mit meinem Leben, welches Du mir jetzt aufs Neue geschenkt hast. Alle sollt ihr Zeuge von dem Versprechen sein, was ich jetzt gelobe. Nur Dir, mein Herr und Gott, mein Heiland und Erlöser, wird mein Leben gehören.

 

Wo Du mich hinstellst, werden meine Augen Dich suchen, wo es in Deiner Liebe und Gnade zu dienen gibt, werde ich sein und über meine Lippen soll kein Wort gehen, welches Dich verkleinern könnte. Um dieses vollbringen zu können, bitte ich Dich, Du Treuer Jesus, um Deine Kraft und um das Gelingen. Du hast mich wieder mit Kraft erfüllt, in mir fühle ich neues Leben. Mein Leben -es ist Dein- solange es Dein Wille ist - Amen!“ Die anderen waren ergriffen von dem Erlebten, da sagte Jakobus: „Lydia, der Herr verlangt kein Versprechen, da du es aber gabst, bist du es dir schuldig. Enttäusche ein zweites Mal den Herrn nicht! Du bist gesund durch die Gnade des Herrn, werde zu einem Zeugnis für den Herrn! Er wird dir die rechte Kraft dazu geben.“

 

Die drei Templer erstaunten nicht wenig über die Vorgänge, da sagte Elias, der Priester: „Ich bin erstaunt über die Art eures Glaubens und eure Heilungen; wenn ich dieses früher gewusst hätte, nie hätte ich mich dazu hergegeben, für den Tempe1 verbrecherische Dienste zu tun . Was ist uns alles aus Jerusalem berichtet worden. Was hat Simon nicht alles bekräftigt und nun erlebe ich das Einfache in Natürliche, in lieblicher Art! Lieber Wirt, es bedarf keiner Worte mehr; wenn ich auch kein Nazarener werde, ein Priester bleibe ich nicht mehr!“ano bat, euch herbringen zu lassen. Samino, euer Herr, tat es schweren Herzens, denn er hatte euch aufgegeben. Das Schwerste ist von euch abgewendet, noch seid ihr nicht gesund um arbeiten zu können, aber der gute Heiland will, dass ihr lebet und ganz gesund werdet.“

 

Mischko spricht: „Kannst du uns nicht verraten, was den Heiland abhielt, die Kranken ganz gesund zu machen. Wie oft hörte ich von den Wundertaten des Wundermannes. Er habe sogar Tote lebendig gemacht und nun soll er nur ein halbes Werk vollbracht haben. Das kann ich nicht fassen. Bitte gib rechte Aufklärung. Mein Herz fiebert nach Wahrheit! Samino, unser treuer und gütiger Herr, wollte ja nie etwas hören, aber ich glaube und hoffe, dass auch er nicht abgeneigt ist, die Wahrheit über den Wundermann zu hören. Samino: „Du hast recht gesagt, Mischko, ich will nun auch die Wahrheit über Jesus, den Heiland, wissen und darum bitte ich dich, du Diener deines Herrn, dass du es tust. Ich sehe mein großes Unrecht ein. Ja höret, ihr meine Getreuen, mein Haß zu den Juden war so groß, dass ich an euch zu einem Mörder geworden wäre. Dieser treue Diener und Zeuge aber wusste um meinen Hass und gab Liebe!“

 

Da sagte Jakobus: „Meine lieben Freunde, Schwestern und Brüder! Dieser Bitte komme ich gern nach und bekenne freudig von dem Leben, welches in mir drängt zu zeugen von der Liebe, Gnade und Kraft des Herrn Jesu. Viel habt ihr von Ihm gehört, aber in euch ist noch nie das rechte Sehnen gewesen, Ihn auch kennen zu lernen. Jesus von Nazareth war kein Prophet und Wundertäter, sondern der Sohn und Messias, von dem alle Propheten weissagten. Als die Zeit erfüllet war, gingen alle die Weissagungen in Erfüllung, aber das Volk und ihre Priester, die auf den Messias warteten, versagten. Ja, sie wurden Seine Feinde. Nur sehr wenige erkannten Ihn und glaubten Seinen Worten. Die aber an Ihn glaubten und Seine Lehre annahmen, erlebten Seine Kraft und Herrlichkeiten - die ihr Wundertaten nennt. Wir, Seine Jünger, erlebten manches, was euch unglaubhaft erscheinen würde. Das Volk nahm alle die Segnungen hin und blieb gleichgültig. Ja, meine Lieben, es kam so weit, dass man Ihn am Kreuze zwischen zwei Verbrechern tötete und sie glaubten, Gott dem Ewigen, einen großen Dienst getan zu haben. Wie bald wurden sie eines anderen belehrt, denn am dritten Tag ging Er mit einem herrlichen unzerstörbaren Leibe aus Seinem Grabe hervor zum Schrecken des blinden Volkes und der blinden Priester.

 

Uns traf Sein Tod schwer, Seine Auferstehung aber brachte uns die herrliche Gewissheit und das Bewusstsein: Jesus lebt und wird ewig leben! Noch mehr brachte uns Seine Auferstehung, denn das Leben, welches Er nun lebte, ist nun unser Leben, und der Geist, aus dem Er als Mensch wirkte, ist derselbe Geist, der durch Seine Liebe und Gnade auch in uns wirkt. Noch mehr wird aber dieser Sein Geist uns offenbaren, so wir immer lebendiger und liebevoller werden. Alles Leben aus Gott ist in diesem Geist offenbar und immer mehr und mehr wird Er uns in die Tiefen Seiner Gottheit führen.

 

Vor allem, liebe Freunde glaubet, glaubet mit der ganzen Kraft eures Herzens, dass Er, unser Jesus und Heiland, unser Erlöser, uns liebt und ewig lieben wird. Seine Liebe ist wie ein Morgentau , der uns heiligen Frieden in unsere Herzen bringt, dass uns alles, was da kommen möge, immer stärker und bewusster macht, dass Er alles zum Besten aller führt. Wenn ich an die Segnungen denke, die ich auf dieser Reise erlebte, wahrlich, näher kann Gott einem Menschen nicht sein und größer kann keine Liebe offenbar werden, wie sie mir offenbar wurde. Nicht etwa deswegen, weil ich Sein Bruder und später einer Seiner Jünger war, o nein, aber weil ich Sein Leben zu dem Meinen machte und alles, was ich tue, nicht aus mir, sondern aus Ihm tue.“

 

Samino: „Freund und Wohltäter aller meiner Kranken, wenn es nicht erwiesen wäre in der heutigen Stunde, dass eine wahrhaft göttliche Kraft in dir lebt, müsste ich dich einen Phantasten nennen, wie ihn die Erde noch nicht getragen hat. Diese Beweise aber heute: Iwano wird durch dich gebeten, einen Umweg zu machen - unsere Kranken sind fieberfrei, sind so klar, und nun glaube ich auch, dass sie ganz gesund werden durch den Heiland - aus dem du wirkst! Ja, nun verstehe ich auch dein Anerbieten, wo du sprichst: `Ich erlebe, wie Gott die Fehler gut macht, die die Menschen in ihrem blinden Wahn begangen haben.` Da muss ich sagen, o Gott, habe ich in einer grässlichen Irre gelebt und mein eigenes Leben in diesem blinden Hass vergiftet. Mir ist genug an Worten für heute, die ich hörte, aber nicht genug der Dankbarkeit, die wir diesem wunderbaren Gott schuldig sind. Darum bitte ich dich um dieses, wie wir diesem Gott danken sollen.“

 

Jakobus: „Samino, liebe wahrhaft und treu alle deine Mitmenschen, dann bringst du den rechten Dank Einst sagte er: `Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber das Herz ist ferne.` Tue, wozu die Liebe in dir dich drängt, dann bist du auf dem rechten Wege. Das Drängende in deinem Herzen ist ja der Funken Seines Gottesgeistes, und das Erfüllen des Drängens ist das Entzünden des Lebens- und Liebesfeuers und damit öffnest du ihm Tür und Tor deines inneren Herzens. Das ist alles, um was Er dich bittet, sage, kannst du es einfacher und leichter haben. Denke an die vielen Opfer, die du bringen musstest und wozu haben sie dir gedient Dir den Hass verstärkt, ja friedeloser und innerlich unfrei machte es dich und nun erlebst du, wie dich Gott in deiner größten Bedrängnis sucht und dir Seine Hilfe, ohne dass Er darum gebeten wurde, angedeihen lässt!“

 

Samino: „Wahrlich, du hast mit jedem Wort recht, und darum will ich von nun an ganz aufhören mit meinem Hass, will vergessen alles Bittere und versuchen, in immer nähere Verbindung mit dem Heiland Jesus zu kommen. Ich habe gefunden, dass es nur der Weg der Liebe ist, auf dem ich Ihm begegnen kann - und so bitte ich euch alle, helft mit, seid mir Gehilfen, damit ich abtragen kann die Liebesschuld.“

 

Baltasar steht auf, geht hin zu Samino und spricht: „O du geliebtes Bruderherz, du sprachst mir recht aus dem Herzen. Wir wollen alle eins sein und dem anderen Gehilfen werden. Wir wissen nun die rechte Wahrheit und alles Irren ist ausgeschlossen, denn hier heißt es nicht: Tuet dieses und jenes, sondern liebet euch und ihr erlebt mich in dieser eurer Liebe. Es mag ja den einen oder anderen nicht so beleben wie mich, aber wer so voll der lebendigen Sehnsucht nach Wahrheit war wie ich, erlebt aber nun auch eine Erfüllung, die nicht mit Worten zu beschreiben ist. Darum, du treuer Diener Seiner herrlichen Liebe erzähle uns von Ihm und von dem, was ihr dabei erlebtet!“

 

Jakobus: „Bruder Baltasar, allen geht es so! Überall wo die Liebe des Herrn recht erkannt wird, bricht die Sehnsucht durch, mehr zu erfahren von Ihm - und doch sage ich euch: Ja, es waren Stunden großer Wonnen und Seligkeiten und doch wurden wir schwach, als uns Sein Tod unser ganzes inneres Leben erschütterte. Heute aber, wo ich im klarsten Bewusstsein stehe, wo ich immer und immer mit Ihm in engster Verbindung bin, kann mich nichts mehr erschüttern und in meinem Herzen ist eine Ruhe vorhanden, die nur von Ihm ausgeht und mich noch bewusster macht. Was dir kein Mensch an Schönem und Gutem geben kann gibt Er - und immer ist Er bedacht, immer mehr und mehr Sich als Den zu beweisen, der die höchste und herrlichste Liebe ist. So auch wieder in dieser Stunde, die die Liebe allein zu einer festlichen gestaltet. Es liegt nun an euch, ob ihr mit eurer Liebe soweit dem Herrn entgegenkommen könnt, dass Er sich ganz in Seiner lieblichsten Liebe offenbaren kann, denn merket auf: Nicht mit Seiner geheiligten sondern mit eurer Liebe zu Ihm will Er euch offenbaren, welche Herrlichkeiten in eurer Liebe liegen. Damit ihr aber erlebet, wie recht ich zu euch sage, mag Schimba dem Zug seiner Liebe folgen und verherrlichen das Geschenk, welches Der Heiland und Treuer Jesus mit dieser Liebe ihm gab.“

 

Schimba steht vom Tisch auf und spricht: „Bruder, ich, der Geringste unter euch; soll und darf aussprechen, was ich in meiner Liebe möchte? O, erschrecket nicht über mich, ich möchte, dass alle gesund werden und den Herrn erschauen, der mir so strahlend schön sichtbar ist!“ Da schauen alle -bis auf den Römer- Den Herrn und Saminos Kranke sind alle gesund! Schimba spricht: „Herr - lasse mich nicht mehr von dir - denn Deine Augen sagen mir mehr als dein Bote uns erzählen kann.“ Jakobus spricht: „Meine Lieben, des Vaters Liebe würde noch viel weiter aber um eure Ruhe und um eures Heiles willen seid voll der heiligsten Freude. Sein Auge sagt euch mehr als Sein Mund verraten darf und darum will ich euch übermitteln, was der Herr euch zuruft: `Friede - heiliger Friede sei mit euch! Mein Herz ist voll der seligsten Freude, weil in euch Mein Geist und Meine Liebe lebendig wird.

 

Wohl ging euer Weg durch Zweifel. Angst und Prüfungen, aber da nun Mein Geist in euch zum Durchbruch gelangt ist, - freuet euch! Freuet euch, weil ihr alle für ewig Mein Eigentum geworden seid, und freuet euch, dass ihr nun nicht mehr allein und verwaist seid, denn Ich bin euer Gott und Vater, meine Liebe ist die eure und Mein Leben wird auch das eure für ewig sein - und ihr werdet den Tod nicht mehr sehen, fühlen und schmecken. Was in euch noch unklar und umnachtet war, ist für ewig beleuchtet von Meiner Lebenssonne - und was euch noch unruhig machte, ist nun Mein Friede in euch. Bleibet in Meiner Liebe und in diesem Frieden, es kann euch nichts mehr das Vermächtnis entreißen, was Ich euch allen gab für ewig! Je mehr ihr zu lieben vermögt, desto mehr wird Mein Geist euch Überkommen und wird euch in alle Wahrheit führen, zu eurem und zu der anderen Heil! Amen!`

 

Zu ihrer Freude sehen sie noch, wie der Herr Seine Hände ausbreitet und alle segnet, dann verschwand der Herr vor ihren Augen. Jakobus schwieg, aber Schimba sagte: „Der Herr ist nicht mehr da, aber um so mehr lichte Gestalten sehe ich unter uns. Sie haben eine Freude, denn ihre Augen strahlen und an ihren Gesichtern sieht man, wie glücklich sie sind. Du, Bruder Jakobus, sagtest, ich solle dem Zuge Seiner Liebe folgen und so bitte ich den Herrn. Der, wenn auch unseren Augen unsichtbar, doch noch unter uns ist, dass alle die sehen sollen, die uns in ihrer Liebe und Sehnsucht besuchten.“

 

In diesem Augenblick sind allen die Augen geöffnet und Schimba spricht: „Herzen geliebte Herzen! Ihr dürft euch mit ihnen unterhalten, Gnade über Gnade erleben wir und auch sie, darum dem Herrn Lob, Preis und Dank!“ Es war auch so. Die Herzen konnten sich mit ihren Lieben verständigen und es dauerte eine geraume Zeit, bis endlich Jakobus sagte: „Nehmet äußerlich Abschied, denn die Zeit ist um, ehe die ewige Liebe euch allen schenkte!“ Alle waren erfüllt von dem Erlebten, nur der Römer nicht, denn wortlos verließ er die Stube. In ihrer freudigen Erregung bemerkten nur die Soldaten das Fortgehen, aber gewohnt, zu schweigen, sagten sie auch nichts, nur Jakobus sagte zu Samino: „Bruder, gehe Pistorius nach, damit er sich nicht noch mehr verliere, denn diese Stunde rüttelt gewaltig an seinem Ich!

 

Samino ging hinaus. An der Brunnenmauer findet er Pistorius und ihm die Hand reichend, spricht er: „Pistorius, gestern wolltest du mir helfen und heute bin ich es, der dir entgegen kommt, auf das Geheiß der ewigen Liebe.“ „Ich habe dich nicht gerufen, Samino, aber es verwundert mich, dass du mich auf Geheiß der Liebe suchst. Was habe ich mit den Juden zu schaffen, die ja auch deine Feinde sind!“ „Gewesen sind, Pistorius, denn nun kenne ich nur noch verirrte Menschen, denen ich den Weg zur Rettung weisen muss Auch dir! Ja - sehe mich nicht so erstaunt an, auch dir muss geholfen werden; denn wie bald könnte es sein, dass auch wir zu denen gehören, die uns heute so gewaltig beglückten.“

 

„Mich nicht, Samino, denn das Schemen, welches meinem Vater auf das Haar glich, hatte nur eine Bitte, meine Götter zu verlassen und den Erlöser zu suchen, der mich wieder zu einem rechten Menschen macht.“ „Schemen nennst du es, o Pistorius, und wenn es ein Schemen gewesen wäre, es wollte doch dein Glück und so jemand mein Glück will, habe ich doch nur Ursache, mich zu freuen und was machst du? Willst du noch mehr der Beweise, die dir heute geworden sind? Hast du doch den Herrn gesehen in Seiner lieblichen Gestalt!“ „Ich habe niemand gesehen, ich hatte auch nicht den Wunsch. Überhaupt war mir alles eine Qual - was ich unter euch erlebte.“

 

„Da bin ich sprachlos, eine Qual nennst du, was uns größte Gnade ist? Pistorius, nie mehr in deinem Leben wirst du diese Gnade der Gnade erleben, die du dir verscherzt hast. Wenn du schon das alles nicht glauben könntest, wie willst du dir die Heilung meiner Leute erklären? Gestern zum Tode geweiht und heute gesund -sag, wie fasst du dieses auf. Denke auch nicht, dass es Jakobus war, der die Kranken gesund machte, sondern Schimba, ein Bewohner dieses Dorfes, der von Jakobus aus der Hand der Judenpriester gerettet wurde.“

 

„Wieso gerettet wurde? Was hatte sich denn zugetragen. Das interessiert mich.“ „Das kann dir nur Schimba erzählen. Ich hörte es nur von meinen Leuten, darum bitte ich dich, komme mit mir zu den anderen und mache einen Strich hinter alles, was da war und denke an dein und deiner Leute Glück. Ich bin überaus glücklich und so froh. wie ich noch nie in meinem Leben war. Was ist mir noch das Vergangene? Nichts, gar nichts mehr, aber die Zukunft ist mir jetzt wichtig, denn nun habe ich ein Ziel und auch noch ein ewiges, an das ich nie so recht glauben wollte.“ Ohne lange zu reden, gingen beide in das Zimmer zurück. Alle waren so voll Glück, dass auch das Kommen beider nicht weiter beachtet wurde.

 

Nikolaus aber kam doch hin zu Pistorius und sagte: „Bruder, sei doch ganz zu Hause und ordne dich ganz in diesem Geiste ein. Du erlebst doch, wie alle von einer Freude beseelt sind - auch dir wird das große Glück werden.“ „Nikolaus, du meinst es gut, wie all die anderen, aber du weißt auch, dass es fast eine Unmöglichkeit ist, alles zu glauben.“ „Warum unmöglich? Sind es der Beweise noch nicht genug! Siehe der Wein, welch herrliches Geschenk! So guten süßen Wein haben wir alle noch nicht getrunken.“ „Dein Wein ist sauer, Nikolaus, es ist ein Irrtum deinerseits. An unserem Tisch gab es sauren Wein, wie immer.“

 

Da sagte ein Soldat: „Du irrst dich, Pistorius. Der Wein ist diesmal süß. Wir haben vorhin, als du draußen warst und wir den Wein tranken uns gerade darüber unterhalten, welch guten süßen Wein wir diesmal haben.“ „Verkoste nochmals, Pistorius, sagte Nikolaus, auch dich will der Herr beglücken, süß soll auch für dich Wein sein!“ Pistorius trank einen Becher, dann sagte er: „Nikolaus, du hast recht, jetzt ist der Wein süß. Wenn du inzwischen keinen anderen Wein gebracht hast, muss ich das schon als Wunder ansehen. Wie soll ich aber das geistige Wesen betrachten, welches mir vorhin mein Leben als ein verlorenes hinstellte und mich bat, ich soll doch meine alten toten Götter lassen?“ „Betrachte es als die größte Gnade, die dir je in deinem Leben geboten wurde, denn das geistige Wesen war in Wirklichkeit dein Vater. Hättest du nicht so ablehnend dich verhalten, wärst du auch beglückt, aber nun erfasse wenigstens die Liebe des Herrn, die offenbar wurde!“

 

Pistorius: „Ich sehe es ein, ihr meint es wirklich ehrlich, ich will auch ehrlich sein und sage dir, ich wüsste nicht, wie ich mein ferneres Leben gestalten soll, denn bis jetzt hatte ich wirklich Lust am Leben. Wie aber, wenn ich mich zu dem auferstandenen bekennen will und soll mein Leben in Liebe umstalten? Nikolaus, du bist ja auch ein Römer, hast du gar keinen Stolz und keine Ehre mehr?“

 

„Pistorius, du bist in einem großen Irrtum befangen! Nicht Jesus der Heiland, ist der Entehrte, weil Er am Kreuze Sein Leben beschließen musste nach dem erkannten Gotteswillen in Ihm, sondern die, die Ihn an das Kreuz lieferten. Diese blinden Menschen werden auch noch ihren allergrößten Irrtum einsehen und deshalb die rettende Hand Jesu ergreifen, die sich in den Zeugen oder in dem Wesen im großen Jenseits anbieten. Ich habe mich gewundert, dass nicht Jakobus, sondern Schimba die Veranlassung gab. Wenn ich aber die Liebe des Herrn erschaue, so war ja alles nur deinetwegen. Schimba ist einer der unsrigen, wir kennen ihn, er hätte uns allen gefehlt, wenn er ein Opfer des Tempels geworden wäre. So aber gab er Seine Ehre, Sein Ich dahin und verzieh nicht nur Seinem Peiniger, sondern er heilte ihn auch im Namen, in der Liebe des Heilandes Jesu und durch Ihn erlebten wir die gnadenvolle Stunde.“

 

„Nikolaus, deine Worte treffen mich schwer, aber sie verletzen nicht - und dir- als einen Römer, kann ich eher glauben als einen Juden.“ „Auch diese Begriffe müssen fallen. Die Liebe gilt allen, denn Liebe ist Treue und Erziehung gegen sich und andere. Diese Liebe will weniger für sich, sondern alles nur für die anderen. Die Liebe fragt nicht, bist du ein Römer. Jude oder Grieche, sondern trägt alle in dem ihr eigenen Geiste, der uns durch Jesus dem Heiland, geschenkt wurde! Lass mich noch etwas mit dem Jünger reden, Nikolaus, mir ist alles unheimlich. Ihr seid von der Liebe durchdrungen, das fühle ich. Jene aber sieht tiefer. Obwohl ich ihm fremd, ja feindlich gegenüber stand, hat er mich doch nicht im Geringsten beengt und das hat meine Einstellung geändert.

 

„Tue dieses, Pistorius, Jakobus wartet auch dich, ich sehe es an seinen Augen und ich glaube, es ist jetzt der beste Zeitpunkt für dich, Samino, setze dich auch mit zu Jakobus, denn ihr beide bedürfet mehreres, was ich nicht geben könnte.“ Nikolaus bat, etwas platz zu machen. Ein Tisch wurde noch hinzugeschoben, so hatten die anderen keinen Nachteil. Da begann Jakobus: „Freunde, es ist gut, dass ihr den Willen habt, näher bekannt zu werden mit dem Geist, den ich vertrete und für den ich lebe. Du, Pistorius, wirst mit dir nicht fertig, weil dein verstorbener Vater nicht in dieser Liebe dir entgegen kam, die wir vertreten. Du aber hast nicht bedacht, dass ein Geistwesen nicht anders reden kann, wie sein Innenleben erfüllt ist.

 

Es wird auch noch lange dauern, bis jene Reife erreicht ist, die ihn alles erfassen und verstehen lässt. Wir, in unserem Leben können durch die Gnade des Herrn in einer Stunde mehr erreichen, als dort vielleicht in Jahren. Darum ist ja das Erdensein so wichtig, weil alles, was hier aufgenommen, dort die Grundlagen sind, auf die man bauen muss. Kein Gott und kein Engel kann mir etwas anderes als Grundlage geben, weil auch das Ewige aus Gott allen Gesetzen unterordnet ist. Glaubt ihr, dass es Jesum als Mensch anders ergangen ist? Auch Er musste sich die Grundlagen für Sein Ewiges Sein formen und schaffen und er tat es mit einem eisernen Willen, der uns manchmal irre an Ihm machte. Ich, der ich Jesus seit Seiner Geburt kenne, habe ja Seine Entwicklung miterlebt. Es war ja der größte Wunsch Jesu, ich solle Ihn ja in allem recht verstehen - und was tat ich! Ich - der ich Himmel und Seligkeiten mit Ihm genossen hatte, stellte mich manchmal gegen Ihn.

 

Glaubt ihr, dass nur ein einziges Mal Jesus gegrollt hätte? O nein, traurig machte es Ihn und erst später, als der ewige Gottesgeist in Ihm zum Durchbruch kam, wurden wir sehend. Was wir an Gnaden erlebt hätten, ist ja nicht auszusprechen; aber ist versichert, es langte auch so. Heute bin ich in und mit Ihm so verwachsen, dass ich ohne Ihn überhaupt nichts mehr tun kann, Sein Geist gibt mir, was ich brauche so auch in dieser Stunde. Dass du Pistorius, den Herrn nicht sahest, war nicht Strafe, sondern Liebe, denn Gott will freiwillig angenommen sein und nicht durch Zwang. Hättest du Ihn geschaut, so wäre es ein Gericht für dich gewesen. So aber darfst du nach deinen freien Entschlüssen dich entscheiden. Geistige Wesen schauen ist wohl herrliche Gnade, aber nicht bindend, Geistige Wesen geben wohl einen Beweis, ewigen Fortbestehens aufgrund ewiger Ordnungsgesetze, binden und verpflichten aber nicht an Gott: Habt ihr mich recht verstandene?“

 

Samino spricht: „Lieber Freund, gut habe ich dich verstanden, aber die Wesen, die ich heute erschaute, trugen alle den Stempel höchster Seligkeit. Ich habe sie gekannt, sie waren als Menschen nicht die Besten. Waren denn bei ihnen die Grundlagen so, dass sie wirklich frei von allem und selig sind?“

 

Jakobus: „Samino, sie erfassten die rettende Heilandshand, als Er ihnen in ihrer finsteren Welt Seine Erlöserliebe offenbarte - und dieses war nur einmalig. Nie mehr wird und kann Der Herr in der Unterwelt so wirken, als Er es in den drei Tagen vor Seiner Auferstehung tat. Sehet, drei Jahre hatte Er Zeit, um allen Menschen diese Seine mit Gott einsgewordene Liebe zu offenbaren, dort aber in der Geisterwelt standen Ihm nur drei Tage zur Verfügung und sie brachten vollkommene Erlösung denen, die annahmen, wie auch denen heute vollkommene Erlösung wird, die Ihn annehmen und auf dem Boden Seiner uns gegebenen Lehre ihr Leben danach einrichteten. Es genügt durchaus nicht, die Lehre anzuhören und zu bejahen; sondern den Geist aus dieser Lehre, die uns gegeben wurde, sich immer mehr und mehr anzueignen.

 

Dieses kann aber wieder nur geschehen, so das eigene Ich immer mehr in den Hintergrund tritt und das Gottesleben eben den Menschen mehr und mehr erfüllt. Siehe, Samino, zu allen Zeiten gab es Weise, gab es Menschen, die einen hohen Stand erreichten in bezug auf Seelenreinheit, aber das Beste fehlt ihnen, dass der in Ihnen wohnende Gottesgeist über allem Seelischen stand. In Jesum dem Herrn, erlebte die Welt einen Menschen, der über alles Seelische stand, d.h. alles Seelische hatte sich dem Gottesgeist unterordnen und der Geist war der belebende und ausführende Pol.“

 

Samino sprach: „Das verstehe ich nicht, du redest von Geist und vom Seelischen, was ist Geist und Seele?“ Jakobus: „Samino, Seele ist alles was du menschliches als dein Eigen nennen kannst. Geist ist aber das, was in deinem Menschlichen die Grundlagen alles Tuns und Handelns sind. Auch Gottlose sind Träger eines Geistes, aber nicht des Gottesgeistes, sondern des Ichgeistes der da abstammt aus dem Gefallenen und Gerichteten, welches der Erlösung bedarf. Seele ist noch alles, was ein jeder Mensch auf dieser Erde mitbekam, um es auf die Stufen des Gottesgeistes zu stellen, der alles ins Dasein stellte. Der erste Mensch dieser Erde, der alles in Vollkommenheit in sich trug, versagte, weil er dem Zug des Geistes seiner Seele folgte und nicht dem Zug des Gottesgeistes.

 

Um aber den Menschen auf jene Stufe des ersten geschaffenen Menschen zu stellen, wurde eben Gott Mensch und vollbrachte das große Werk. Ein Werk, das den Menschen wieder auf die Stufe stellen sollte, wie einstens den ersten Menschen auf die Stufe der Vollkommenheit. Darum denket nicht, dass der Mensch im Besitze des wahren Gottesgeistes ein Knecht und Diener seiner Seele ist, sondern ein Träger des Geistes, der alles in Vollkommenheit gestalten kann. Dieses erlebten wir in Jesus. Eins Seiner Worte lautete: `Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.`

 

Saget, wo könnte wohl ein Mensch dieses von sich sagen? Wir aber erlebten es auch. Tote wurden lebendig, Blinde wurden seihend, Taube hörend; alle Elemente gehorchten Seinem Willen. Es gab nichts, was Jesus nicht wusste oder konnte. Auch uns ist es gegeben, aus diesem Geiste zu wirken, aber nur in dem Maße, als wir Träger dieses Seines Geistes sind! So erfahren wir auch Dinge, die nur Gott allein wissen kann. Der Gottesgeist offenbart unserem Geist alles, was uns und den dient. Er gibt uns Anweisungen für unser Handeln, die Freiheit aber des Tuns ist und bleibt gewahrt.

 

Um euch aber einen Beweis zu geben, wie wahr ich zu euch spreche, sage ich euch. dass der Herrliche und Ewige in mir offenbart, dass ein Römischer Kommissar unterwegs ist, der mich durchaus sprechen und hören will. Dieser kommt aus Edessa, von wo ich komme. Es ist ihm unbegreiflich, dass der bisher kranke König mit einmal wieder gesund wurde und alle Götter dem ewigen Gott weichen mussten.“ Pistorius spricht: Kannst du auch seinen Namen nennen, wenn Er hier eintrifft?“ „Gewiss, es ist Sardellus, aus altem römischen Geschlecht. Er wird morgen Abend hier eintreffen. Freilich wird er mich nicht mehr hier vermuten, aber da es Gott so fügt, warte ich sein Kommen ab.“

 

„Bringt er Begleitung mit, fragt Nikolaus. Da ich von diesem Manne noch nichts hörte, möchte ich ihm rechte Freude machen.“ „Ja, tue dies, aber nicht nur diesem, sondern allen, die bei dir Einkehr halten. Er kommt mit nur fünf Männern in zwei Wagen und will nicht nur hier, wo ich weilte, sondern auch dort, wo Jesus lebte, Erfahrungen sammeln, weil es ihm unmöglich erscheint, dass ein Toter wieder zu Lebenden reden kann.“ Pistorius spricht: „Ich danke dir, ich werde morgen Abend wieder hier sein. Diese Begegnung muss ich erleben und gebrauche auch sie, denn alles heute Erlebte geht über meine Begriffe. Eins versichere ich dir, lieber Freund, das heutige Erlebnis hat mich gewaltig in meinen Grundsätzen erschüttert. Ich schäme mich nicht, dieses zu sagen. Wenn ich dir dienen kann, sage wie ich es tun könnte.“

 

Jakobus: „Lieber Freund, wenn du willst, so kontrolliere die Karawanen scharf, denn es werden zu viel der gefangenen Brüder und Schwestern als Sklaven verkauft von den Schergen des Tempels. Durch Jesus Lehre ist das Einkommen der Priester stark zurückgegangen und so versuchen sie auf diese Art ihr Einkommen zu erhöhen, da der Tempel dieses duldet.“ Pistorius: „Nicht möglich, wir Römer dulden nur den Menschenhandel im Rahmen der Gesetzlichkeit. Kannst du mir vielleicht durch Vermittlung des lebendigen Gottes einen solchen Karawanenzug sagen?“ „Gewiss, Pistorius, dann aber versäumst du die Begegnung mit Sardellus. Pistorius: „Ich werde dann lieber den Brüdern helfen und auf die Begegnung des Sardellus verzichten.“ Jakobus: „Die erste Prüfung hast du bestanden, Jesus dankt dir und so höre: Morgen ganz in der Frühe reitest du mit deinen Leuten nach Westen. Auf der großen Karawanenstraße nach Antiochia kannst du die Karawane überholen, die sehr langsam vorwärts kommt. Der Transport kommt deshalb ganz langsam vorwärts, weil einige Treiber und viele Gefangene schwer erkrankt sind. Begleitet ist die Karawane von einigen Priestern, mit denen ein Römer leicht fertig werden kann.“

 

Pistorius: „Dann will ich mich auch mit den Leuten zur Ruhe begeben. Habe nochmals Dank und erbitte für mich die Hilfe deines und hoffentlich auch bald meines Gottes.“ Nikolaus begleitete Pistorius und seine Soldaten in ihre Kammern und versprach, frühzeitig die Morgensuppe fertig zu haben und bat, er solle doch mit den befreiten Brüdern und Schwestern zu ihm kommen. Es ist hier soviel braches, aber fruchtbares Land, dass Hunderte ihr gutes und reichliches Auskommen hätten. „Wenn alles wahr ist und es glückt, dann komme ich“ war die Antwort. Noch lange blieben die Freunde beisammen, dann riet Jakobus, zur Ruhe zu gehen und Samino versprach, auch noch länger zu bleiben.

 

Der folgende Tag diente ganz der gegenseitigen Liebe. Hilfsbereit unterstützten die Frauen den Nikolaus, so dass niemand Mangel an Essen oder Trinken litt und Jakobus konnte dem einen oder anderen ganz in der ihm eigenen Liebe dienen. Schnell verging der Tag und unter den Brüdern machte sich eine Unruhe geltend, denn der erwartete Römer kam nicht. Samino fragte: „Bruder, solltest du dich geirrt haben?“ „O nein, lieber Samino“, sagte Jakobus, „aber du könntest einen Wagen fertigmachen und Sardellus holen, denn sie haben Unglück gehabt und der Wagen lässt sich nicht so leicht reparieren. Es würde große Freude auslösen, so du ihm zu Hilfe kämest.“

 

Samino: „Aber gern - sage mir die Stelle wo ich sie treffe.“ In wenigen Minuten fuhr auch Samino mit noch einem seiner Treiber an die bezeichnete Stelle und in zwei Stunden waren sie mit den Römern zurück. Sardellus konnte sich nicht genug wundern, dass gerade Jakobus, den er suchte, es war, der ihm an dem Unglückstag zu einem Quartier verhalf, denn er hatte jede Hoffnung aufgegeben. Die Begrüßung war darum viel herzlicher, aber Jakobus sagte: „Die ewige Liebe, die um alles weiß, sorgte für dich!“

 

Sardellus: „Für mich? Das verstehe ich nicht, denn noch nie hatte ich etwas für sie übrig, im Gegenteil, feindlich stehe ich zu dem jüdischen Tempel und seinem Gebaren. Sie betrachten sich als die Herren und sabotieren unsere Gesetze.“ Jakobus: „Auch dieses weiß die ewige Liebe, aber sie kann nicht auf jeden einzelnen ihrer Begriffe eingehen, sondern handelt nur nach dem Zuge rechter und wahrer Liebe. Du kennst Moses und die Propheten, aber den Geist, der die Propheten drängte und Moses erleuchtete, kennst du nicht. In Edessa wurde dir so vieles unverständlich, von den Wundern der Liebe gar nicht zu reden, du bist irre an dir, irre an deinen Göttern und suchst in der Ferne, was dir so nahe liegt.“

 

Nikolaus begrüßte seinen Gast aufs herzlichste und ließ die Tische decken, da man auf ihn wartete. „Auf mich wartete? Wusstet ihr, dass ich komme?“ „Aber gewiss, seit gestern Abend schon hat Samino nicht gesprochen.“ „Nein, ich betrachtete es als Zufall, dass gerade Jakobus mir Hilfe schickte, die ich suchte.“ Samino sagte: „Warum soll ich viel reden, ist es nicht besser, wenn alle die Freude erleben, die die Liebe uns schenkt?“ Ein reichliches Mahl hatte Nikolaus bereiten lassen und der Wein stand in Krügen auf den Tischen.

 

Ist hier ein Fest, fragte Sardellus. Hier in diesen abgelegenen Ort so viele Gäste?“ Nikolaus schüttelte sein Haupt und sagte: „Ein Fest ja - ein Fest der Freude und Liebe und Dankbarkeit. Bis jetzt waren wir immer noch nicht unterrichtet über das rechte und wahre Sein des Heilandes Jesu. Wir erfuhren wohl dieses und jenes, auch manches Sichwidersprechende und erlebten nun in Jakobus; dem Jünger und Diener der ewigen Liebe, die Wahrheit und das Leben des wahren Gottes. Darum freuet euch alle. Alles das, was auf den Tischen steht, ist ja das Geschenk von Ihm. Bruder Jakobus, segne du, alle Stellvertreter des Heilandes, dieses Mahl.“

 

Jakobus stand auf, sah alle mit leuchtenden Augen an und sagte: „Mein Jesus, mein Heiland und ewiger Vater! Wiederum hast Du Deine Liebe so herrlich bekundet und hast uns überreich beschenkt mit diesen Deinen Gaben. Wir bitten Dich, segne Du sie durch die Kraft Deiner Liebe und segne alle, die an diesem Deinem Liebesmahl teilnehmen. Wir danken Dir für Deine Liebe und Deine Gegenwart, und so erfülle uns mit Deinem Geiste, damit wir immer noch mehr mit Dir Eins werden! Amen“.

 

„Amen“ - sagten die anderen. Dann griffen sie zu den Speisen und dem Wein und sprachen dabei von den herrlichen Erlebnissen in den zwei Tagen. Sardellus mit seinen Begleitern griff auch wacker zu und der Wein belebte auch ihre Herzen. Trotz aller Fröhlichkeit blieben sie in den Grenzen und in seliger Erwartung. Jakobus tranken sie zu und jeder hätte sich am liebsten allein mit ihm unterhalten. Eine Stunde dauerte das Essen, dann wurde es lautlos, bis dass die Krüge und Becher von den Tischen abgeräumt waren.

 

Eine kleine Stille trat ein - dann sagte Jakobus: „Sardellus, die Stunde ist da, die du ersehntest, nun kannst du sprechen von dem, was dich quälte und auch gleichzeitig bedrückte.“ Sardellus nickte mit dem Kopfe und sagte: „Ja, die Stunde ist da, wo ich mir endlich klar werden möchte mit all dem, was mich so gewaltig bewegte. Ich habe eine Liebe erlebt, wie noch nie in meinem Leben. Seine Liebe, die selig macht und auch elend. Eine Liebe, die in den Himmel hebt und auch gleichzeitig in den Jammer! Mit diesen Worten ist mein Zustand geschildert und darum möchte ich aus diesem Ungewissen herauskommen und mein Leben auf eine natürliche Grundlage stellen. Es muss in meinem Leben etwas nicht gestimmt haben, sonst wäre ich nicht in diesem Zustand. Die Liebe, die ich in Edessa erlebte, war eine andere als wie früher. Gern wurde ich dort gesehen, Im Königshause wurde ich wie ein Bruder behandelt und die Priester kannte ich nicht mehr. Früher sehnten sie mein Kommen herbei -weil es immer viel zu regeln gab- und jetzt ersehnten sie mein Kommen um mich die Liebe erleben zu lassen, die sie alle belebte.

 

Ja, was soll ich da noch erzählen. Solange ich unter ihnen weilte, hob es mich in den Himmel. Ich war allein und hatte keine Ruhe. Die Götter stellten sich zwischen mich und die anderen. Wundert es euch, wenn ich den Wunsch hegte, dich, Jakobus, zu sehen, zu hören und zu sprechen? Auch unter euch ergeht es mir genau wie dort. Mir ist wohl, mir ist feierlich zu Mute und doch steigt in mir eine Angst auf, wenn ich allein bin.“ Jakobus spricht: „Lieber Sardellus, den wahren Gott sucht man aber nicht mit einem Götzen in der Tasche! Siehe, der Herr, der da um alles weiß, ließ dich Liebe und Freude erleben, Freude, die aus dem Himmel kommt. Wärest du in der Ordnung, so wärst du mit einem Frieden erfüllt und in dir würde es jubeln und dieses wäre dir der unantastbare Beweis des wahren Gottes! So aber ließest du dich von Regungen leiten, die teils beglücken und teils wieder voll Verlangen machen. Entscheide dich .ganz!

 

Warum bist du durchdrungen von einem Pflichtbewusstsein deinem Kaiser gegenüber, und das Gesetz muss bis auf das letzte Tüpfelchen erfüllt werden? Weil du deinem Kaiser verpflichtet bist und hast ihm den Treueid geleistet. Gott aber, der dir eine Gelegenheit nach der anderen gibt, Ihn in Seiner Liebe und in Seinen Gnadenführungen zu erleben, widmest du wohl manche Stunde deines Verstandes, aber dein Herz verschließest du ängstlich, um deine Götter nicht zu verlieren! Entscheide dich zu dem einen oder anderen, das ist der Rat, den ich dir gebe: denn es könnte dir geschehen, dass du dir selbst den Weg versperrst und dich dann nicht mehr zurecht findest. Um dir aber das Zwecklose deiner Götter zu beweisen und dass sie nicht das Geringste vermögen, will dich der Herr von den Götzen befreien, die du immer bei dir trägst. Sei aber deswegen nicht traurig, sondern freue dich, weil die ewige Liebe dich sucht und dich für immer gewinnen will.“

 

Sardellus griff unwillkürlich an seine Toga. Er erschrickt. Wahrhaftig, sein Götze war verschwunden. Nur kurze Zeit lagerte ein Schatten auf seiner Stirn, dann sagte er: „Jakobus, dein Herr handelt schnell, er hätte mich auch damit ganz verlieren können.“ Jakobus: „Nein, Sardellus, was der Herr anfängt, führt Er auch herrlich aus! Er hätte dich nur eine kurze Zeit allein gelassen und wenn du nicht mehr gewusst hättest wohin, hättest du doch wieder den Herrn gesucht, da deine Götter ausgespielt haben. Um dich aber ganz frei zu stellen und auch den Schein eines Zwanges von dir zu nehmen, will der Herr, dass ich dir dein Eigentum zurückgebe. Hier hast du deinen Götzen wieder und nun handle frei nach deinem eigenen Wollen! Wir aber wollen diesen weihevollen Abend beschließen und morgen uns ganz in den Dienst der ewigen Liebe stellen.“ Mit Ausnahme weniger waren alle einverstanden und bald lag in der Herberge alles in tiefster Ruhe - bis auf Sardellus. Der kleine Götze ließ ihn nicht zur Ruhe kommen.

 

Schon zeitig war Nikolaus Weib mit ihren Töchtern in der Küche um das Morgenmahl für die vielen Gäste zu bereiten, aber überall war eine Hemmung. Es wollte nicht so recht klappen. Da kommt Jakobus in die Küche und spricht: „Nehmt euch Zeit, auch für euch soll heute Feiertag sein. Wir sind auch mit Geringerem zufrieden. Richtet doch alles so, wie ihr es sonst gewohnt seid. Des Herrn Liebe und Gnade wird nicht offenbar, so ihr ein Festmahl richtet, sondern wenn in euch alles festlich für den Herrn gerichtet ist!“

 

Das Weib spricht: „O du Jünger des Herrn da kennst du Nikolaus schlecht, wie er es anordnet so muss es geschehen!“ Jakobus: „Heute nicht, tue wie ich dir sage und auch Nikolaus wird zufrieden sein. Gegen Abend aber werden noch an 50 Gäste kommen, dann wirst du mit deinen Töchtern sehen, was alles in der Liebe möglich ist.“  Mit kurzen Grüssen lässt er die Frauen in der Küche und geht in den taufrischen Morgen hinaus. Er sieht, wie die Treiber um ihr Vieh besorgt sind, welches sie auf die Weideplätze geführt hatten. Ein Treiber geht auf Jakobus zu, ergreift seine beiden Hände und spricht: „Lieber Jünger des Herrn, wie soll ich dir bloß danken für diese Wohltaten, die wir durch dich und von dir erhalten haben? Es drängt mich, dir zu danken.“

 

Jakobus: „Nein, das solltest du nicht tun, da der erste und größte Dank Dem gebühret, der uns alles gab. Freue dich aber der großen Gnade, die sich auch heute wieder übergroß offenbaren wird und trage dazu bei, dass die Lauen und Trägen lebendiger werden.“ Treiber: „O du Jünger des Herrn! Alles will ich tun was du mir sagst, denn mir ist es, als wenn alles anders, alles Schöner geworden wäre.“ Jakobus: „Es ist noch alles so wie es war. Nur von einem anderen Geist bist du beseelt. Deine Seele hat in sich den Strahl aufgenommen, der durch die Gnade Gottes allen Menschen geboten wird. Da du aber nun von einem anderen Geist beseelt und getrieben wirst, so wehre dich nicht dagegen, denn der Heiland möchte dich ganz besitzen und dich ganz mit Seiner Liebe erfüllen; wenn du nur tun willst, was dir geheißen wird - bleibst du nur ein Knecht und Diener des Herrn!

 

Die aber dem Herrn ganz zu Eigen sind, werden zu Seinen Kindern erhoben und Kindern steht das volle Recht zu von allen Gnadengaben aus Ihm vollen Gebrauch zu machen. Siehe, das kann ich aber nur den Wenigen sagen, die den Strahl aus der übergroßen Gottesliebe in ihrer Seele aufgenommen haben. Und nun merke auf dich selbst und gib Raum der Liebe Gottes in dir, mein Bruder!“  Der Treiber ergreift beide Hände des Jakobus, mit Tränen in den Augen spricht er: „Bruder nennst du mich, Bruder bin ich dir - Bruder, o du Seligkeit- das Wort Bruder! Immer wurde ich geschoben und getrieben. Als Kind wurde ich verkauft an einen Herrn, der nur eines kannte, seine Untergebenen zu drangsalieren. Was habe ich erdulden müssen mit den anderen, bis endlich der Tod unseres Herrn mich und die anderen frei machte. Wir kamen zu anderen Herren, wo es viel besser war und sind dann endlich von Samino gekauft worden, der uns unsere Freiheit gab. Ich aber habe noch keinen Gebrauch von meiner Freiheit gemacht; denn Samino diene ich, solange ich lebe - er ist ein guter Herr!“

 

Jakobus: „Mein Bruder, mich freut es, dass du Treue und Liebe mit Gleichem lohnst. Darum wird es dich hundertfach beglücken, so du die Liebe des Heilandes mit Liebe und Hingebung lohnen wirst. Bleibe aber immer recht getreu und demütig, dann wird dir der Heiland immer mehr und mehr geben, auf dass du dann die große Gnade erkennst und aus Seiner Gnade bewusst wirst, dass du Sein Kind geworden bist. So sei nun recht stille und werde in dir fest um der anderen willen, die noch nicht so ganz den Herrn erfassen können.“ Mit einem Händedruck geht Jakobus weiter. In diesem Menschen aber, den er jetzt so beglückte, hatte er einen Bruder und einen Diener für den Meister gewonnen. Beglückt und innerlich dankbar dem Herrn bemerkte er nicht, dass der römische Sardellus Jakobus folgte. Sardellus hatte jedes Wort gehört, das Jakobus mit dem Treiber gesprochen und das in diesem Römer ein Feuer entzündet hatte, welches ihn vor Sehnsucht nach Klarheit fast verzehrte.

 

Von innen getrieben, drehte sich Jakobus um und spricht: „Sardellus, hast du dich noch nicht durchringen können zum lebendigen Gott und Herrn! Warum wird es dir zu schwer, die Gnadenhand Gottes zu ergreifen, die dich zum freien und frohen Menschen macht?“ Sardellus: „Jakobus, ich möchte, aber es lässt mich nicht - die Götter lassen mich nicht los. Was soll ich tun, um den ewigen Gott als meinen Gott anzuerkennen? Es ist mir selbst ein Rätsel, dass ich von meinen Göttern nicht loskomme, hättest du mir doch den Götzen nicht wiedergegeben, da wäre mir die unruhige Nacht erspart geblieben!“

 

Jakobus: „Du irrst, Sardellus, den Götzen musste ich dir auf Geheiß der ewigen Liebe wieder zurückgeben, damit du dich aus dir selbst frei machen und den wahren und lebendigen Gott in der höchsten Freiheit annehmen kannst. Denn Gott ist ein Gott der Liebe und des Lebens und will aus Liebe angenommen sein. Welches Glück würde dir wohl erstehen, so du von Seiner Allmacht ergriffen würdest. Immer müsstest du Knecht und Diener bleiben und nach deinen Taten belohnt werden! Der Herr aber sehnt sich nach Kindern der Liebe, nach Kindern, die ganz in Seinem Geiste handeln und mit Ihm in ständiger Verbindung stehen. Wenn du schon als Vater deinen Kindern nicht den Gesetzen aufwartest, sondern sie mit all deiner Liebe zu rechten Kindern erziehen willst, ebenso handelt auch der ewige Vater!“

 

Sardellus: „Jakobus, jetzt habe ich dich sehr gut verstanden! Kann ich aber nur mit Liebe allein den ewigen Gott erringen?“ Jakobus: „Nur mit Liebe allein - weil in der wahren Liebe aus Gott die Erfüllung aller Gesetze liegt. Du hast soviel schon von dem ewigen Gott vernommen, hast Wunder Seiner Liebe an anderen erlebt, und ein toter Götze lässt, dich nicht nach dem Ewigen greifen?! Da kann kein Götze schuld sein, sondern der falsche Geist, den falsche Priester in dir großzogen. Als in Edessa die heidnischen Altäre eingerissen wurden von denen, die den Geist alles Lebens aufgenommen hatten, zog Angst und Furcht bei denen ein, die sich von ihren toten Göttern nicht trennen konnten. Als aber nichts geschah, im Gegenteil, alle vor Freuden überglücklich wurden, da siegte das Leben aus Gott und aus irrenden Menschen wurden rechte Gotteskinder!

 

Was trennt dich von Gott? Hast du dich ernstlich gefragt? O nein, denn du bist Herr deiner selbst und wirst es auch bleiben - so oder so. Dass der Herr dich sucht, kannst du nicht abweisen, weil die Sehnsucht nach Klarheit im Vordergrund steht! Dort hinten - der einfache Treiber des Samino - hat Gott er- und begriffen und ist restlos glücklich. Was bei dem einen möglich ist, müsste auch bei anderen möglich sein. Dort waren es nicht Wunder und Zeichen sondern. demütiger Glaube und Hingabe. Darum, lieber Sardellus, reiße ein, was dich noch abhält und werde ein freier, glücklicher Mensch, damit auch du endlich wahrhaft glücklich machen kannst. Lasse uns umkehren, das Morgenmahl ist bereitet und man wartet auf uns.“

 

Sardellus: „Woher weißt du das? Kümmert sich denn auch Gott um das Tagtägliche?“ Jakobus: „Aber gewiss, Sardellus! Im Kleinsten ist Er ja am Allerherrlichsten und selig - wer das erkennt!“ Es war auch so. Man wollte ohne Jakobus das Morgenmahl nicht einnehmen und Nikolaus war im Begriff, Jakobus zu suchen. Da kamen die beiden. Wie herzlich wurden alle von Jakobus begrüßt, dann segnete Jakobus alle und dann das Mahl. Welch ein feierlicher Friede beseelte all die Herzen und Samino sagte nach dem Mahl: „Jakobus, ich bleibe solange wie du hier bleibst. Alle meine Leute sind gesund! Ich versäume doch nichts und gewinne soviel, dass ich nicht genug danken kann.“ Jakobus: „Samino, bleibe nach deiner Liebe, denn noch sind nicht alle von dem Geist erfüllt, der wahrhaft glücklich machen soll. Siehe, Glauben und Glauben ist verschieden - viele sind zum Glauben gelangt ihrer Heilung willen; aber der Herr legt Wert auf die Handlungen, die ihrem Glauben entspringen. Glaube ohne Liebe ist kein Glaube, da die Kraft fehlt, zu werden zu einem Träger, zu einem Gefäß des Geistes. welches der Meister allen verheißen hat, ehe Er ganz von uns ging!“

 

Samino fragte: „War es nötig, dass der Meister gehen musste? Er als Gott konnte doch auch Seinen vergänglichen Leib zu einem Unsterblichen umstalten und all der Hass der Priestersippe wäre nicht zur Auswirkung gelangt. Wenn der Meister mit einem unzerstörbaren Leib unter den Menschen geblieben wäre, hätten sie doch letzten Endes auch an Ihn glauben müssen. All das Leid, welches heute die Priester verursachen, unterbliebe und die zersetzenden Gerüchte müssten einer Wahrheit weichen.“ Jakobus: „Samino, du sprichst nach menschlichen Begriffen und hast nach deiner Meinung auch recht, aber wenn du einmal durch den Geist in die Tiefen Seiner Gottheit geführt wirst, dann wirst du anderer Überzeugung sein. Jesus Sterben ist ja unser Leben und Seine Auferstehung die Erlösung von allem Tod und Gericht. Wäre Jesus nach deiner Meinung ohne dieses Geschehen bei uns und unter uns geblieben, wäre Seine Lehre rein vermenschlicht worden und Sein herrliches Wort hätte an Wert verloren. Nie hätten die Menschen von Seinem Geiste etwas aufgenommen und nie hätten sie die Segnungen in sich erfahren, die durch Seinen Geist in uns allen offenbar wurden.

 

Bedenket alle, dass Jesus uns nicht beglücken kann, wenn wir nicht Träger Seines Liebesgeistes werden wollen und Er kann uns zu keinem neuen Leben in uns verhelfen, wenn wir das alte Anerzogene und alles das, was im Widerspruch zu Ihm und Seinem Wesen noch in uns vorherrscht, nicht ablegen wollen. Sein Geist in uns macht uns zu neuen Menschen und Sein Geist, der Geist von Golgatha, erschließt in uns das Tor, dass auch Er in Seiner ganzen Liebe und Persönlichkeit in uns und um uns sein kann. Er ist mitten unter uns. Ich fühle Seine Gegenwart und die Einsprache von Ihm. Ihr aber müßt erst in euch alles reinigen durch Seine Kraft und Gnade – dann werdet ihr Seine ganze große Herrlichkeit erfahren, die Er sich auch erst erringen musste im größten Kampfe Seines Lebens!

 

Es war Ihm gelungen, die wahre Einswerdung mit Gott herzustellen zwischen Vater und Sohn – gleich wie Feuer und Licht. Die daraus hervorgehende Wärme aber wird das belebende, erlösende und segnende Leben sein, welches uns in uns immer mehr und mehr zu einem gläubigen und bewussten Leben verhilft. So aber einmal alles dieses erkannt und dieses neue und herrliche Leben durch Seine Gnade und Liebe gefördert wird, ist unsere Erlösung zur vollen Tatsache geworden. Siehe Sardellus, in diesem Geiste und in diesem Leben ist der Weg zu allen frei, der Weg, der zum wahren Herrn und Gott und in unsere eigene Welt führt. Zum Herrn und ewigen Gott, weil ich ohne Ihn nichts vermag und in meine eigene innere Welt, die nur mit Ihm in die rechte Ordnung gebracht werden kann.

 

Alles muß aber in der rechten Art und Weise und nur freiwillig vor sich gehen, andernfalls wir nie und nimmer zur rechten Gottesverbindung kommen könnten. Nun aber wollen wir uns hinaus begeben und uns vorbereiten zu einem Werke, welches du Nikolaus, beginnen wirst und dazu die Hilfe des Bruders Sardellus nötig haben wirst.“ Nikolaus: „Da bin ich aber neugierig, was ich da tun soll, denn bis jetzt bin ich noch ohne jede Absicht.“ Draußen war ein herrlicher Tag. Die Tiere weideten im frischen Grase und in dem kleinen Bächlein, welches durch das große Besitztum des Nikolaus ging, spiegelte sich die strahlende Sonne. Jakobus sagte: „Bruder Nikolaus, heute noch wirst du vor der großen Aufgabe stehen, vielen Menschen Arbeit und Brot zu geben. Dir aber fehlen die Wohnungen, um sie zu beherbergen und siehe, hier vor deinen Augen hast du diesen großen Platz, der zu nichts weiter dient als zur Weide. Oft dachtest du, `wenn ich nur Möglichkeit hätte, Menschen herzubringen` und heute wird dir diese Gelegenheit werden. Da es aber besser ist, durch die Gnade des Herrn sich vorzubereiten, wird alles viel schneller vor sich gehen.“

 

Nikolaus spricht: „Jakobus, du meinst wohl die Karawane, die Pistorius finden soll, wenn er in sich den Zug göttlicher Liebe verwirklicht. Jakobus: „Ja, Nikolaus, hoffentlich werden es dir nicht zuviel werden, denn Pistorius ist auf dem Wege hierher, er weiß keinen anderen Rat als nur hierher. Er ist überwältigt von der Freude, die ihn so durchdringt. Nun hat er Beweise über Beweise von dem lebendigen Gott. Sardellus: „Wie viele werden es sein? Wenn du, Jakobus, uns sagen könntest, ob diese auch hierbleiben möchten, wäre uns viel gedient!“ Jakobus: „Erschrecket nicht, es sind weit über hundert, die keine Heimat haben und noch viele, die sich erst entscheiden müssen.“ Samino spricht: „Nikolaus, möchtest du wirklich hier Wohnungen anlegen? Sind denn auch Lebensmöglichkeiten gegeben. Die vielen Menschen wollen doch essen und bekleidet sein.“ Nikolaus: „Gewiß möchte ich dieses und wenn ich Jakobus richtig verstanden habe, will uns der Herr vorbereiten und braucht unsere Hilfe.“ Da nun den anderen dieses nicht so wichtig war, ließen sie sich von Jakobus auf eine kleine Anhöhe führen, von aus sie eine schöne Fernsicht hatten. Hier führte er nun die Zuhörer hinein in das Leben der Jesuliebe, die auch heute wieder einen herrlichen Beweis bringt. Vor allen wollten sie gerne wissen, wie es möglich sei, Dinge zu offenbaren, die erst später unter Beweis zu stellen sind.

 

Jakobus verstand es nun, die Kraft des Geistes und der Liebe so zu beleuchten, dass nun die Sehnsucht und das Verlagen immer größer wurden, Den ganz kennen zu lernen, der aus übergroßer Liebe nur die Rettung und die Glücklichmachung aller im Sinne hatte. Mittag wurde es – dann machten sie sich auf, in die Herberge zu gehen, da es zeit war, das Mittagsmahl einzunehmen. Fast gleichzeitig waren auch Nikolaus, Sardellus und Samino gekommen. Sie hatten rechten Hunger und waren von dem vielen Reden und Laufen auch recht durstig geworden. Nach dem Mahle waren Besprechungen über die Arbeit, wozu viele hilfsbereit tätig waren und Jakobus als Zimmermann gab Hinweise, die man beherzigen wollte. So verging der Nachmittag in anstrengender Arbeit. Jakobus sagte: „Höret auf, denn Pistorius wird in kleinen Stunden hier sein. Die Karawane hat nicht so viele Zelte, um allen ein Nachtlager zu geben. Errichtet noch welche, damit wir dann umso zufriedener auf unsere Arbeit schauen können.“

 

Rasch verging es mit den Zelten, da Samino eine Lebendigkeit entwickelte, die alle in Erstaunen setzte. Dieser aber sagte: „Um der Liebe willen, muß alles in Liebe werden“. Langsam im Schneckentempo, fuhr die Karawane. Den Tieren merkte man die Anstrengung an. Die Hälfte aller Menschen lief neben und hinter dem Wagen, die anderen aber lagen müde und krank auf dem Wagen. Auf einem Wagen lagen einige Priester und deren Knechte gebunden, weil sie sich wehrten, Pistorius Folge zu leisten. Pistorius kam allein angesprengt, rasch war er vom Pferde, dann sagte er: „Nikolaus, es ist alles reine Wahrheit was Jakobus sagte, aber nun sehe du zu, wie du mit den Vielen fertig wirst. Vor allem haben wir schrecklichen Hunger und noch größeren Durst und die Tiere können sich bald nicht mehr bewegen, es ist mir das größte Wunder, dass ich alle und alles hierher bringen konnte.“

 

Sardellus fragte: „Hast du Schwierigkeiten gehabt?“ Pistorius: „Genug Herr, solch ein Gesindel von jüdischen Priestern ist mir noch nie begegnet, Teufel ist zu wenig gesagt, das Gericht wird ich mit denen befassen müssen. Ich möchte aber auch nicht alle in das Haus bringen lassen. Könnte ich nicht diese Zelte bekommen, um den Kranken und Geplagten eine ruhige Nacht zu geben?“ Nikolaus spricht: „Wir haben im Namen des Herrn vorgebaut und Jakobus ist ja noch hier. Es wird die Liebe Des Herrn überherrlich offenbar werden.“

 

 

 

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Karawane mit gefangenen Christen wird gefangen genommen

 

 

Endlich hielt die Karawane. Alle Hände halfen. Was sich aber für Szenen abspielen bei der Unterbringung der Kranken und Geplagten, läßt sich nicht schildern. Sardellus war außer sich als er mit eigenen Augen sah, was Tempelwut und deren Haß zu Wege brachte. Fünf gefangene Priester und zehn ihrer Diener mussten in ein sicheres Gewahrsam gebracht werden, das von den Soldaten streng bewacht war. Es war ihnen nicht mehr möglich, sich zu befreien. Das Haus war übervoll. Nikolaus Weib rang die Hände, mit so vielen hatte sie doch nicht gerechnet. Die erste Sorge galt nun denen, die man in die Zelte schaffte. Es galt vor allem Kleidung zu schaffen, denn fast alle waren nackt und ihre Schamtücher waren sogar zerrissen. Es mussten ihre Wunden gereinigt werden, die ihnen Knechte der Priester durch ihre Peitschen und Riemen beigebracht hatten.

 

Wie dankbar waren die Befreiten. Noch nie hat ihnen das gereichte Brot und der Wein so gut geschmeckt wie heute. Es dauerte auch nicht lange, so brach der Lebenswille wieder durch und sie wurden wieder froher. Im Hause wurden alle gesättigt und endlich konnte Pistorius berichten, denn vor allem Sardellus wollte den ganzen Hergang wissen. Er erzählte: „Als ich endlich nach langem, erfolglosen Suchen die Karawane sichtete, war mein Bestreben, alles in Ruhe und im Sinne der Liebe, die mir ja einen Beweis geben wollte, zu erledigen. Als die Templer uns sahen, setzten sie sich auch schon zur Wehr, ohne von uns gesprochen zu werden. Zwei meine Leute wurden dabei verwundet, was mich in ungeheure Erregung brachte. Ich schrie: Kein Pardon – dann war es das Werk weniger Minuten und wir hatten die bewaffneten Knechte überwältigt.

 

Ich sehe mich um, da kommt ein Priester mit einem Speer drohend auf mich zu, aber da er im Gebrauch mit Waffen ungeübt war, habe ich ihm den Speer bald aus der Hand geschlagen und ein Faustschlag in das Gesicht machte ihn unschädlich. Inzwischen kamen noch vier Priester. Meine Leute waren inzwischen mit den Knechten fertig geworden. Die Priester brüllten mich an, warum ich friedliche Menschen überfalle. Erregt, wie ich war, gab ich zur Antwort: Überfallen nennt ihr meinen Dienst! Ich habe nur zu kontrollieren. Nun sollt ihr aber an mir einen erleben, der nicht das Geringste durch die Finger gehen läßt. Mit Donnerstimme fragt ich: Wer hat hier die Führung? Wer ist Besitzer dieser Karawane? Warum seid ihr Priester bewaffnet?“

 

Da sagte einer höhnisch: „Du hast ja gar nicht zu fragen, sondern sollst die glücklich schätzen, so wir dich fragen, mit welchem Rechte überfällst du uns?“ Da war es aus `Leute, sichert mir diesen Templer` rufe ich und in wenigen Augenblicken waren alle gebunden. Nun kam die Ruhe über mich. Noch einmal fragte ich meine Leute: Sind wir angegriffen worden oder waren wir die Angreifer? und es wurde mir gesagt – wir wurden angegriffen, weil wir wahrscheinlich so schnell herangeritten kamen – . Gut sagte ich, wir wollen sehen was bei der Untersuchung herauskommt. Jedenfalls muß ich mich genau informieren lassen. Den anderen Treibern rief ich nun zu, sie sollten anhalten und sich uns zur Verfügung stellen. da kam einer hin und sagte: `Herr, lasse uns nicht entgelten, was diese Herren versündigten. Wir sind arme Fauns und müssen tun, was uns geheißen wurde.`

 

Hat man euch gezwungen ungesetzliches zu tun fragte ich, da antwortete der arme Mensch: `Nicht nur ungesetzliches, sondern unmenschliches`. Da sagte ich ihm: Wenn dem so ist, fürchte nichts, denn wir Römer handeln nur nach der Gerechtigkeit! Was habt ihr auf eurem Wagen, doch nicht etwa Menschen? Da kam die Antwort: `Nur Menschen- gute Menschen, die niemand etwas zu Leide taten. Ihr Fehler war nur der, dass sie Nazarener sind`. Mit diesem Wort kam mir mit einmal die Mission in den Sinn, der zuliebe ich ja die Karawane suchte, und in mir zog Ehrfurcht vor dem Gott ein, Dem ich zu entfliehen suchte. Lasse alle aussteigen, übernimm du in meinem Namen alle Sorge um die Menschen. heute lasse alle ruhen, denn morgen möchte ich bei dem Nikolaus am Wege Patmur sein. Dort hoffe ich alle unterzubringen. Dann müssen wir frühzeitig fahren, denn der Weg ist weit, wir haben wenig Wasser und ich kenne keine Quellen.“

 

So wurde ich nun Zeuge von einem Elend, welches ist selbst nicht im Kampfe erlebte. Du wirst an dich halten müssen um nur einigermaßen ruhig zu bleiben und so möchte ich die bitten, den Leuten heute die Ruhe zu gönnen, denn es sind wirklich Schwerkranke darunter.“ Nikolaus, der das Gespräch mit angehört hatte sagte zu Jakobus: „Bruder, was empfindest du in deinem Herzen?“ Jakobus: „Nur Weh und Schmerz, denn ich fürchte, Sardellus wird hart mit den Priestern umgehen“. Nikolaus: „Können wir da nicht sänftigen, Jakobus?“ Jakobus: „Hier nicht, denn die Wahrheit ist dermaßen überwältigend, dass nur ein Herz voll der größten Erbarmung noch eine Entschuldigung finden kann. Doch soweit ist Sardellus nicht. Wir können nichts dabei tun und müssen sein Gerechtigkeitsgefühl anerkennen, aber würdest du nicht einmal mit mir zu denen in den Zelten gehen?“ Nikolaus: „Gern, aber wir werden Sardellus bitten mitzukommen, damit er auch erlebe, wir im Geist der Heilandsliebe dienen möchten!“ Jakobus: „Habe Dank, Nikolaus. Mit dieser Rede hast du mir eine rechte Freude gemacht. Wir wollen auch den Schimba nicht vergessen, denn er wird es sein, der die Kranken in Behandlung nehmen wird und wer noch mitkommen will, den wollen wir willkommen heißen.“

 

Sardellus und Pistorius waren sofort dabei und da die Nackten bekleidet wurden, freute er sich die Begegnung der Armen mit dem Jünger Des Herrn. Es waren ihrer viele, die zu den Zelten traten, Jakobus rief mit lauter Stimme: „Selig seid ihr, die ihr Leid traget, denn unser Leid soll in Freude und euer Schmerz soll auch in Freude verwandelt werden, und so ruft euch der Herr und Meister Jesu zu. Kommet heraus aus den Zelten und erfahret, wie herrlich der Herr eure Treue lohnt.“ Und heraus kamen die Schwergebeugten, andere wurden gestützt. Da sagte Schimba: „Im Geiste ist er hier, eure Rettung ist ja Sein Werk. Dort sehet unseren Bruder Jakobus, den Jünger des Herrn!“ Jakobus sah Sardellus und Pistorius. Mit wenigen Schritten war er unter den Schwerkranken und sagte mit lauter Stimme: „Schwestern und Brüder, der Herr will, dass eure Leidenszeit vorüber ist. Empfanget Seinen Segen und Seinen Geist! Ihr aber, die ihr in Treue in den Tod gegangen wäret, erstehet in Gesundheit und eure Wunden sollen schnell heilen. Lasset aber den Geist der Liebe und Verzeihung walten und Freude über Freude wird in euer Herz einziehen. Nach dem Maße eurer Liebe werdet ihr belebt und nach dem Zuge eurer Erbarmung wird Sein Heiliger Friede in euch auch froh und freudig machen! So geschehe Sein, aber auch euer Wille! Amen.“

 

Da wurden alle fieberfrei und die Schmerzen wurden erträglicher. Da sagte jemand: „O ihr lieben Freunde und du, Jünger des Herrn! Hochgelobt sei der Name des Herrn und gepriesen Seine Wunderkraft! Hier sehet meinen Rücken. Vor Schmerzen konnte ich nicht mehr liegen und vor Qualen hätte ich am liebsten sterben mögen, er ist so gut wie geheilt. Saget mir, wo kann ich dem Herrn meine ganze Dankbarkeit darbringen, denn das Wunder Seiner Liebe und Kraft ist ja übergroß, dass Er hier sein muss. Da sehet, meine Schwestern wären vielleicht schon gestorben, wenn Er nicht mit Seiner Hilfe zu uns gekommen wäre. O, du Jünger des Herrn, quäle uns doch nicht so mit deinem Schweigen, den jede Minute ist Sehnsucht nach Ihm verbracht, fehlt uns und Ihm.“

 

Jakobus legte der Frau die Hände auf und spricht: „Schwester, öffne ganz dein Herz und laß alles, was in dir Sehnsucht ist, zur Liebe und Erfüllung werden; denn siehe, der Meister kann dich nur erfüllen mit Seinem Geist und du wirst inne werden, dass du ganz bei und in Ihm bist. Nicht äußerlich kann Er zu dir kommen, sondern in deiner Liebe zu Ihm ist es Ihm möglich, dass Er und den anderen sichtbar wird. Es ist der Liebe größtes Wunder, dass in euch Sein Leben offenbar wird, aber noch größer wird das Wunder sein, wenn ihr in eurer Liebe Sein herrliches Leben offenbart. Sein Leben, was Er im größten Lebenskampf uns zu eigen gab, damit erstehen soll der herrliche Heilands- und Erlösergeist unter uns allen, damit Sein Wesen und Sein Ewiges Leben für ewig Eigentum der Erde und allen Menschen zum Heile werde.“ Da umstanden alle den Jakobus und ein Schein ging von ihm aus, den alle sahen.

 

Da sagte Sardellus: „Jakobus, hast du etwas getan, damit deinen Worten ein größerer Nachdruck verliehen wird? Noch nie sah ich ein derartiges Leuchten an einem Menschen.“ Jakobus erwiderte: „Sardellus, ich habe nur den Geist walten lassen, der mich mächtig belebt. Die anderen werden es gar nicht merken. Weil du aber mit deinem Verstand alles beobachtetest, liegt auch das Äußere dir näher, als das geistig Innere. Würdest du in solcher Liebe wie Maruschka entflammt sein, wahrlich, du würdest Wunder über Wunder erleben und dein in dir wohnender Geist aus Gott würde Tiefen über Tiefen in Gott schauen, der sich nur nach dem Reifegrad Seiner Kinder offenbaren kann.“

 

Sardellus: „Das ist mir unverständlich. So erlebt also die Maruschka etwas anderes als ich?“ Jakobus: „Nicht nur Maruschka, sondern ein jeder unter uns. Frage Schimba und bitte ihn, er solle berichten, was er jetzt in diesem Augenblick erlebt. Du wirst aus dem Staunen nicht herauskommen.“ Sardellus rief Schimba und Maruschka zu sich und sagte: Höret, ihr Lieben, das Wunder, welches uns offenbar wird, soll für jeden verschieden sein. Würdest du, so ich dich bitte, mir kundtun, was du jetzt erlebst?“ „Aber gern, lieber Herr! Mein Herz ist übervoll! Ich hätte schon längst gesprochen, aber es ist alles so belebt und da würde so manches verloren gehen. Wenn du, hoher Herr, die anderen um etwas Ruhe bitten würdest, würde ich übergern sprechen.“

 

Sardellus bat um einige Augenblicke Gehör für Schimba und da sagte Schimba: „Meine Freunde und ihr Vielgeliebten, höret, der Herr lässt mich etwas Wunderbares erleben. Er ist mitten unter uns mit einer Schar der liebvollsten Geister. Dir, Maruschka legte Er die Hand auf dein Haupt und es liegt ein goldener Glanz auf deinem Haar, das ich am liebsten mit der Krone vergleichen möchte und aus deinen Augen strahlt ein Leuchten! Wenn es finster wäre, würden alle das Leuchten sehen. Du Jakobus, bist eingehüllt in eine Sonne, die dich in einem herrlichen Glanz und Leuchten erschauen läßt und bei jedem Wort, welches du sagst, ist es als wenn Lichtfunken aus deinem Herzen kämen und sie dringen in das Innere der Zuhörer. Bei anderen sehe ich wieder Lichtgestalten, die sich am liebsten anklammern möchten. Bei dir, hoher Herr, sehe ich auch eine herrliche Frauengestalt, während aber eine Männergestalt nicht so strahlend sich in deiner Nähe aufhält. Im Hintergrund aber steht der Herr und schaut mit leuchtenden Augen auf uns.

 

Eine Schar ganz junger, aber lichtstrahlender Wesen sind um Ihn und nun sehe ich, wie die herrlichen Wesen Bänder, nein Lichtstreifen um uns weben und wie herrlich, ein jeder hat ein andersfarbiges Lichtband an die Lieben, auch an dich geknüpft. Jetzt hält der Herr beide Arme hoch, als wenn Er uns segnet und, o Wunder, aus seinen Händen, aus Seinen Augen, sogar aus Seinem Mund strömen Strahlen von Licht und beleuchten all die schönen Bänder. Diese aber strahlen das ihnen eigene Licht wieder zurück, es ist eine Schönheit, dieses Strahlen! O, wenn ich Maler wäre und dieses Lichterstrahlen nur festhalten könnte. O, jetzt wird das Licht immer stärker. Der Hauptstrahl wendet sich Jakobus zu, nein, aus Jakobus kommt das Strahlen und geht hin zum Herrn. Diese Strahlen dringen aber nicht, wie bei den anderen, in das Innere, sondern ballen sich in seiner Hand zu einem Kelch. Der Kelch wird voll des kristallenen Wassers, ein Lichtwesen verneigt sich hier weilenden Wesen.

 

Wieder erlebe ich ein neues Wunder. Die Lichtvollen erstrahlen noch heller und die weniger Strahlenden verändern sich auch zu ihrem Vorteil. Jetzt reicht ein strahlender Engel der bei dir Weilenden den Kelch. Sie trinkt nicht, sondern reicht denselben dem männlichen Wesen. Dieses trinkt und viel heller strahlend seine Augen, ja sogar das Gewand nimmt eine hellere Farbe an. Nun trinkt auch die strahlende Gestalt, gibt den Kelch zurück und der Mann reicht der hellen Frau die Hand und diese zieht ihn von hier fort; aber zuvor legt sie dir, hoher Herr, die Hand auf deinen Kopf, während der Mann dich nur ansah. Sie sind verschwunden, aber um so mehr der lieblichsten Wesen drängen sich hin zu den Geretteten. Von denen geht auch ein herrliches Strahlen aus und der Herr segnet ihre Liebe, die sie denen erwiesen. Dich, Pistorius, lässt Der Herr besonders bestrahlen und gern würde die herrlichen Wesen uns auch aus diesem Kelch trinken lassen, aber wir sind eben noch im Fleischleibe! Meine Innere sagt: Es ist genug und so, hoher Herr, werde ich nun wieder schweigen!“

 

Sardellus spricht: „Aus allem kann ich mir nicht viel nehmen, aber sage mir, Jakobus, ist das alles wahr? Kann nicht die Fantasie dem Schimba einen Streich spielen? Es klingt mir alles so märchenhaft. Wer ist die Lichtgestalt und wer der Mann. Kannst du mir da rechte Auskunft geben?“ Jakobus: „Gewiß, Sardellus, diese Lichtgestalt ist deine in ihrer frühesten Jugend verstorbene Schwester und der Mann dein Vater. Deine Schwester hat den Herrn in aller Fülle erkannt und ihr Wesen ist Liebe und nur Liebe, während dein Vater immer noch zu sehr mit dem ihm anhängenden Göttern ringt. Heute nun ist es der Liebe deiner Schwester gelungen, ihn von der Liebe und Erbarmung des Herrn zu überzeugen und zwar durch dein Suchen nach der Wahrheit des wahren Gottes.“

 

Sardellus: „Wieso ich, was weiß ich von meiner Schwester, die seit 20 Jahren längst vergessen ist und was wird sie von mir wissen? Überhaupt sage mir, kann denn ein Verstorbener nach solch langer Zeit sich noch an uns erinnern. Du gibst wahrlich Rätsel auf – und mein Vater, war er nicht ein rechtlicher Mann?“ Jakobus: „Sardellus, du wirst doch nicht zweifeln an der Wahrheit, die dich der Herr erleben läßt, denn gerade um deinetwillen hat der Herr alles so geführt und das größte Wunder wirst du heute noch erleben, denn deine noch lebende Schwester befindet sich dort im Zelt. Aus Scham vor den Vielen, die gekommen sind, ist sie mit noch einer anderen nicht aus dem Zelt getreten.“ Sardellus: „Was sagst du – meine Schwester?“

 

Jakobus: „Ja, dein Schwester Danila, die um ihres Glaubens willen sich von euch trennte.“ Sardellus packte Jakobus an den Armen und sagte ganz aufgeregt: „Jakobus, es ist ja ganz unmöglich. Danila, die ich seit 10 Jahren nicht mehr sah, ist hier? Komm führe mich zu ihr!“ Da ging Jakobus mit Sardellus an das Zelt und sagte: „Danila, komm heraus und erlebe die Wunder des Heilandes Jesu, die dich jetzt für alles Leid belohnen.“

 

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Sardellus findet seine Schwester Danila wieder

 

 

Da tritt Danila an das geöffnete Zelt und sieht ihren Bruder. Dieser aber ergreift Danila und spricht: „Danila, bist du es wirklich!“ Ich bin es, Sardellus. Denke aber nicht, dass ich den Glauben an Jesu dem Heiland aufgebe.“ Sardellus: „Das sollst du auch nicht, aber weißt du, dass nun gerade du es bist, dir mir endlich das gibt, nach dem ich so sehr suche. Hier ist unser Hausgötze, sieh her, mit Füßen trete ich auf ihn. Ich kann mich endlich ganz frei machen für deinen und hoffentlich auch meinen Heiland.“ Danila umarmt ihren Bruder und spricht unter Weinen: „Sardellus, nun sind alle Leiden bezahlt, mag kommen was will, der Heiland ist nun felsenfest in mir verankert, nun weiß ich auch, dass du volle Erlösung findest.“

 

Sardellus: „Danila, dort, dieser ganz einfache Bruder, schaute vorhin den Vater und die Monika. Laß dir von ihm erzählen, mir kommen doch nicht die rechten Worte.“ Danila: „Sardellus, der Bruder geht noch nicht fort, da bleibt mir immer noch Zeit, sag mir aber, wie kommst du hierher, bist du an unserer Rettung beteiligt? Ich war recht krank und fürchtete, von hier gehen zu müssen ohne mit euch ausgesöhnt zu sein. Wo und wann ist Vater gestorben? Siehe, ich konnte nicht mehr von der Liebe zum Herrn lassen und in der Liebe zum Herrn spürte ich nichts von der Trennung von euch.“

 

Sardellus: “Danila, nun ist alles gut, komme mit in das Haus des Nikolaus und wenn du willst, schlafe in meiner Kammer, nur um das eine bitte ich dich, führe du mich ein in das Wesen des Heilandes Jesu!“ Danila: „Ganz recht, Sardellus. Vorerst aber wollen wir die anderen nicht vergessen, denn in der Liebe zu den anderen wird das Wesen des Herrn offenbar. Und du bist der Jünger, der immer bei dem Herrn war. Dich erkenne ich noch ganz genau, denn du bist der einzige von deinen Brüdern, der dem Herrn zuliebe die Heimat verließ und mit dem Herrn zog.“ Jakobus: „Danila du hast recht. Die anderen aber taten auch, wozu ihr Herz sie drängte. Du wirst rechte Freude noch erleben und nun mache das Maß der Liebe voll und gehe mit Sardellus.“ Die anderen waren erschüttert, dass gerade Sardellus seine Schwester finden mußte.

 

Da sagte Danila: „Gerade hier sehe ich die Liebe des Heilandes, dass Er nur mit Seinen Getreuen das höchste Ziel erreichen will, während die anderen sich erst durchringen müssen. Nicht, dass sich Sardellus durchringen soll, o nein, denn Sardellus ist ja voll des größten Verlangens nach der Liebe des Herrn, um meinetwillen mußte dieses alles geschehen, denn wir sind wahrlich schwach geworden in der Stunde der Prüfung. Keinen Tag länger hätten wir durchhalten können, da wir durch die Leiden und Qualen völlig entkräftet waren. Nun aber steht die Liebe des Herrn und die ganze Herrlichkeit Seiner Führungen in einem ganz anderen Licht vor uns. Diese erlebte Liebe sollen wir zu unserer Liebe machen.“

 

Sardellus: „Fühlst du dich noch krank“, fragte Sardellus besorgt. „Der Wirt Nikolaus wird alles tun was ich wünsche.“ Danila: „Sardellus, sorge dich ja um alles nicht mehr, denn hier ist keine Sorge mehr am Platze. Lasse ganz den Herrn in dir walten, wie der Wirt den Herrn walten läßt und du wirst neue Wunder der Liebe erleben. Wir sind geborgen in Ihm und sollen uns nur von einer Sorge leiten lassen, dass wir das Heiligtum Seiner Liebe in uns bergen, aller Feinde zum Trotz.“

 

In der großen Stube ging es sehr eng zu. Die Tische waren alle voll besetzt. In der Küche fehlten vor allem die Hände die das Mahl fertigmachen sollten. Da war es Danila, die zu den anderen Frauen, die nicht so gelitten hatten sagte: „Wollen wir nicht in der Küche der Wirtin zu Hand gehen, ich habe das Gefühl, dass es an Hilfe fehlt, die Zeit ist vorüber wo Engel uns Menschen halfen. Jetzt müssen wir die Engel ersetzen.“ Da wollten alle mithelfen und wie rasch ging mit einmal alles. Die Wirtin brauchte nur anzuweisen und in kurzer Zeit konnte die Hälfte der Anwesenden essen und die andere Hälfte half denen, die das Essen in die Zelte trugen.

 

Nikolaus sagte zu Jakobus: „Bruder, das geht nicht mit rechten Dingen zu. Das Essen in den Kesseln müßte längst alle sein, doch was erlebt mein Weib, der Kessel wird nicht leer!“ Jakobus: „Nikolaus, mache nicht viel Aufhebens, dass du, dein Weib und deine Kinder das Wunder erleben zu eurer Festigung. Für die anderen mag es ruhig die Folge eures Fleißes sein. Der Herr kann doch mit Wundern aus Seiner Allmacht nicht mehr unser Helfer sein, sondern mit der Liebe die wir als Seine Getreuen Ihm zurückgeben. Du wirst die größte Freude an Sardellus und seiner Schwester noch erleben. Nur um eines bitte ich dich, lasse auch den Gefangenen ihre Speise zukommen und bitte Pistorius, dass er dafür sorgt, dass ihnen nichts vorenthalten wird.“ Nikolaus: „An die dachte ich allerdings nicht mehr, es ist gut, dass du mich daran erinnerst.“

 

In zwei Stunden waren alle gesättigt. Die Anstrengungen des Tages erforderten Ruhe, darum sagte Jakobus: „Schwestern und Brüder, es ist spät geworden. Der Tag hat soviel Kräfte gefordert, dass es an der Zeit ist, die Ruhe aufzusuchen. Jeder von uns mag in seiner eigenen inneren Welt alles ordnen, dass morgen die Liebe und Gnade Des Herrn immer heller und leuchtender offenbar wird. Ihr habt heute mehr denn als nur Offenbarungen erlebt, sondern den Herrn Selbst und so macht euch würdig dieser herrlichen Gnade. Möge Sein Geist in euch alles beleuchten und auch in die rechte Klarheit führen, denn ihr müßt euch auch klar werden, was mit euch werden soll. Würde ich euch beeinflussen, dieses oder jenes tu tun, wäre es gefehlt. Ganz freiwillig müssen eure Entscheidungen sein und dass wir alle an euer Glück denken, soll heute wie immer, eure Freude sein. Seid in Seiner Liebe gesegnet und von dem Geiste gestärkt, der euer alle Heil will, dann werdet ihr auch dem Leibe nach gestärkt sein. Ruhet in dem Bewusstsein: Der Herr ist unsere Burg und Sein Friede wir euer Friede sein! Amen.“

 

Schon zeitig in der Frühe wurde es lebendig in der Herberge, in den Zelten war noch Ruhe. Die Treiber versorgten ihre Tiere und je mehr es Tag wurde um so mehr traten aber auch Anforderungen an Nikolaus heran. Da kam nun Jakobus und sagte: „Bruder, lasse dein Weib sorgen, dass Frühmahl ist ja fertig und Der Herr kann sich nur da überherrlich beweisen, wo Ihm das Vertrauen entgegengebracht wird. Dein Weib hat in Sardellus Schwester eine herrliche Hilfe, ihr gelingt es mehr denn uns, Hilfe zu bringen, denn auf sie hören alle.“ Nikolaus drückte Jakobus die Hand und sagte: „Bruder, wie kommt es, dass ich gerade jetzt, wo der Herr so ersichtlich mit Seiner Gnade unter uns ist, versage? Ich schäme mich vor mir selbst!“ Jakobus: „Das alles musst du selbst in dir finden. In Dingen, die nur dich und den Herrn angehen, kann auch der Rat eines Bruders falsch sein. Anders wäre es, du wärst in einer seelischen Not, da brauchst du Hilfe. so aber lebst du unter den Wundern herrlicher Liebe und verpaßt das Beste.“ Nikolaus: „Bruder, Bruder, das war die beste Antwort. Ich danke dir!“

 

Sardellus, der sich mit seiner Schwester die ganze Nacht unterhalten hatte, ruhte nun noch, aber Danila war wie neu geboren. Mit einer Frische begrüßte sie alle und dann ging sie in die Küche und fragte, ob und wieviel nötig sein werde. Sardellus: „Ach Schwester, noch nie hatten wir so viele Gäste. alles ist mir so unbegreiflich. Mir geht es fast nicht in den Sinn, dass in der Liebe so vieles möglich ist. Wenn du es vermagst, so hilf mir nach eurer Liebe, denn ihr sei ja unsere Gäste.“

 

Danila: „So nicht, das ist gefehlt. Wir sind keine Gäste und können ja nicht den geringsten Stater bezahlen. Wir sind Kinder eines Vaters im Himmel und es ist die Sorge unseres Vaters, dass alle satt werden. Nicht nur einmal erlebten wir beim Herrn, dass alle satt wurden, ohne je das Geringste dazu beigetragen zu haben. Also lasse mich machen und es wird schon alles richtig werden. Den Männern wollen wir nichts merken lassen von unserer geringen Mühe, die haben heute auch ihren Tribut an die Welt zu bringen.“ Welch eine Freude entwickelte sich nun unter uns allen, wo sie wussten, dass sie gerettet waren, sah ja für alle alles rosig aus und es löste sich darum keine Enttäuschung aus, als Pistorius durch einen Mann alle versammeln ließ.

 

Sardellus, Nikolaus und Pistorius begrüßten nun die Versammelten und Sardellus sagte: „Meine Freunde, es ist für euch eine Aufgabe, auch allen gerechte zu werden. Ich kam hierher, um die Wahrheit über den wahren Gott zu finden und da ich Gott gefunden habe, stellt Er mich mitten unter euch, die ihr um eures Glaubens willen viel Ungemach erleiden musstet. An euch ergeht nun die Frage: Was hat mit euch zu geschehen? Wer auch euch hat eine Heimat und wer aus euch braucht eine neue Heimat? Es ist gewiss, wenn der eine oder andere wieder in seine Heimalt zurückkommt, fällt der Tempelhass aufs Stärkste wieder auf euch zurück, denn dass wir den Priestern ihre Versprechen ungestraft lassen, geht doch auf keinen Fall.

 

Um die Arbeit zu erleichtern, bitte ich um eure Mitarbeit, und wer keine Heimat braucht trete aus dieser Mitte heraus, wir schaffen euch dort hin, wo ihr zu hause seid. Für alle, die keine Heimat haben, ist Nikolaus bereit, mit eurer Hilfe euch eine neue Heimat zu bieten. Hier vor uns ist fruchtbares Land, es bedarf nur der Arbeit, um es nutzbringend zu machen. Für Wohnungen würde ich, Kraft der Vollmachten und Befugnisse in Kürze sorgen, ich weiß, der Stadthalter würde alles gutheißen, was ich unternehmen würde. Ihr Männer, wendet euch an Nikolaus und ihr Frauen und Mädchen an Danila. Die Gnade Gottes so wunderbar ersichtlich ist, so bitte ich euch, dass auch euer Beginnen in diesem Geist vor sich gehen soll. Ich habe nun mit den Templern meine Arbeit und wer da noch Klagen vorzubringen hat, mag sich an euren Befreier, Pistorius wenden.

 

Jakobus aber besuchte die Kranken mit Schimba. Gegen Mittag waren alle gesund und konnten sich auch auf den Besprechungen der anderen beteiligen. Sardellus ließ die gefangenen Templer vorführen und erlebte in diesen Menschen derart verstockte und bestialische Wesen, dass er zu Pistorius sagte: „Was ist da zu tun mit Menschen von derartigen Wesen mag ich nicht verhandeln. Mir ekelt vor dem Schmutz, der sich mir auftut. Danila hat ohne große Umschweife mir alles geschildert. Oder willst du an meiner Statt die Verhandlungen führen? Sie gehören ans Kreuz.“

 

Nikolaus sagte: „Sardellus, ich habe einige bekehrte Priester hier, ich werde sie rufen. Wir wollen sehen, was sich tun lässt.“ Nikolaus holte Simon und Elias. Als diese die fünf Priester sahen, erschraken sie. Sardellus, der auf alles achtete, sagte: „Warum erschrecket ihr? Ihr seid doch keine Angeklagten?“ Simon: „Nein, Herr, aber unsere Freunde sind es, die nach Anweisungen des hohen Priesters handelten.“ Sardellus: „Hier kommen nicht die Anweisungen des Tempels in Frage, sondern die Verbrechen, die sie an den Gefangenen begangen haben. Oder sind das auch erlaubte Dinge, wenn man nackte Frauen, die sich auf das Entschiedenste weigern, mit ihren Peinigern der Wolllust zu frönen, ihre Rücken blutig schlägt oder sie an Händen und Füßen fesselt und sie dann ganz der Willkür der Knechte überlässt?“

 

Simon: „Herr, lasse mich mit ihnen reden, aber allein. Vielleicht gelingt es mir, ihnen ihren harten Sinn zu brechen und aus ihnen wieder brauchbare Menschen zu machen.“ Sardellus gab Nikolaus und Pistorius einen Wink und sie verließen das Zimmer. Da es ebenerdig lag, gingen sie hinaus und so konnten sie hören was gesprochen wurde. Simon wurde mit Schande überhäuft, weil er an der Sache des Tempels verräterisch gehandelt habe und sie riefen ihm zu: `Ihr habt wohl ganz vergessen, dass immer noch der Tempel und die Römer nicht die Macht haben.`

 

Als der erste Sturm vorüber war, sagte Simon: „Ihr verkennt die Lage in der ihr stehet, Römer hin oder her, wir sind alle Menschen. Unser Recht sollte sein das Recht und die Freiheit, die die Menschen dem Tempel einräumten, nicht zu missbrauchen. Auch ich habe Nazarener gesucht und zu Gefangenen gemacht. Ich habe sie aber immer noch als Menschen behandelt – ihr aber nicht. Wie wilde Tiere und Bestien habt ihr mit ihnen gehandelt. Eure eingeräumte Macht habt ihr missbraucht und gehandelt wie Teufel. Mein Rat geht an euch: Betreuet eure Untaten, die Römer sind feinfühlige Menschen und vor allem Christen, die nicht euren Untergang, sondern eure Rettung vor Augen haben.“

 

Ein Priester: „Da bist du wohl auch solch ein verruchter Nazarener geworden! Weißt du, was du in meinen Augen bist? Der größte Verräter, der größte Lump, den ich mir denken kann, geh aus meinen Augen. Schade, dass mir die Hände gebunden sind, mit meinen Händen würde ich dich erwürgen, du wärst nicht der erste.“ Simon: „Soweit hast du dich schon verstiegen! Du dauerst mich. Deine Sache steht schlimm, denn nun wird dich nicht nur das Gesetz, sondern auch Gott strafen. Einem Priester steht nicht das Recht zu, zu richten, darum richte ich dich auch nicht. Aber ihr anderen, lasset euch nicht von eurem Bruder blenden, es geht um euer zeitliches und ewiges Sein.“ Priester: „Halte dein Maul, du Verräter, kein Wort mehr oder ich vergesse mich.“ Simon: „Lasset ihn brüllen, er hat sich schon zu weit vergessen, aber um eurer Rettung willen seid offen und frei.“

 

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Züchtigung des Priesters Ramon

 

 

Noch mehr brüllte dieser Priester. Da kommt Sardellus mit den anderen und gebietet zu schweigen, da er jetzt vor der Gerichtsstelle stehe. Voller Wut und Haß schreit dieser: „Nie und nimmer! Wir erkennen euch als Gericht nicht an – wir sind die Herren!“ Pistorius ruft zwei Soldaten und spricht: „Schaffet diesen da hinaus und 25 Hiebe auf den Rücken, aber nicht vor den Augen der anderen, weil er uns als Gerichtspersonen beleidigt. Keine Schonung – hört ihr!“ In einigen Minuten war Ruhe, dann sagte Sardellus: „Höret, ihr Verblendeten, wir wollen doch nicht euren Untergang. Liebt ihr das Leben so wenig, dass ihr euch von uns nicht überzeugen lasst. Wir wollen euch doch Helfer, aber nicht Rächer sein!“

 

Ein Priester: „Herr, am Leben liegt uns nichts mehr, wir sind in das Leben hineingezerrt worden. Für uns gibt es keine Rettung – nur den Tod. Lasset ihr uns am Leben, nimmt es uns der Tempel. Es ist wahr, wir haben nicht wie Menschen sondern wir Tiere gehandelt. Wir sind Opfer der Verhältnisse, die uns nicht mehr loslassen.“ Sardellus: „Mann, rede nicht solchen Unsinn! Wer eine Untat getan hat muss damit rechnen, dass früher oder später die Sühne kommt. Ich kenne auch Moses und die Propheten und die Priester und die Psalter eures Königs David. Mit keinem Buchstaben wird bestätigt, dass ihr wie Verbrecher handeln könnt, nur weil ihr Gesalbte Gottes seid. Aber meine Schwester Danila habt ihr blutig geschlagen, sie geschändet und ihren Körper krank gemacht. Dass euch kein Gott diese Untaten verzeihen kann. Die Umfrage bei den anderen wird noch manches hervorbringen, sodass euch die Strafe kaum erlassen werden kann.“ Ein Priester: „Herr, geschehen ist geschehen. Ich unterordne mich deiner Gewalt und bitte um ein mildes Urteil.“ Auch die anderen sagten ähnliches.

 

Da sagte Nikolaus: „Wir wollen heute nichts mehr unternehmen, wir wollen die vier allein lassen und den Anführer trennen von den anderen.“ Sardellus: „Mir kann es recht sein, aber nun möchten einmal die gefangenen Knechte zu Wort kommen. Wir werden zu ihnen gehen.“ Bei denen angekommen sagte Sardellus: „Pistorius, lasse die Fesseln lösen. Diese sind ungefährlich und nur Opfer.“

 

Als die Bande gelöste waren, spricht einer: „Herr, wer du auch seiest, gehe mit uns nicht so schwer ins Gericht. Zu diesem Dienst sind wir gepresst worden und nicht nur einmal haben wir die Peitsche bekommen, weil wir mit der Anführung zögerten, die unsere Herren von uns forderten.“ Sardellus: „Eure Aussagen müssen nachgeprüft werden. Wenn es sich so verhält wie du eben sagst, dann seid ihr frei. Ihr müsst uns aber jederzeit zur Verfügung stehen.“ Ein Knecht: „Herr, löse uns vom Tempel, mache uns zu Soldaten, so es angeht. Unter Teufeln kann es auch nicht schrecklicher sein.“ Sardellus: „Nun, zu Soldaten kann ich euch ohne weiteres nicht machen; aber in den Dienst dieses Vorstehers könnt ihr treten und dann werdet römische Untertanen. Wem gehört eigentlich die Karawane?“ Da schweigen sie alle, aber Sardellus sagt: „Warum schweiget ihr?“ Ein Knecht: „Herr, wir haben geschworen zu schweigen, der Schwur bindet uns.“ Sardellus: „Kein Schwur hat mehr Gültigkeit, da ihr jetzt Römer seid. Ihr habt nun die Interessen eures Herrn zu vertreten und euer Herr vertritt euch – und so will ich nicht mehr fragen. Nikolaus, frage du!“

 

Nikolaus: „Ich bin Nikolaus, der Besitzer dieses großen Grundes und dieser Herberge – von dieser Stunde an eurer Brotherr! Nie werdet ihr es bereuen, dass ihr in meine Dienste getreten seid. Ich bin aber auch ein Christ und hoffe, dass auch ihr nicht gegen das Christentum handeln werdet, sondern euch von selbst zu Christus bekennt, aber noch sind Fragen zu erörtern und dazu brauche ich euch. So frage ich: Wer ist der Besitzer dieser Karawane? Es geht doch nicht an, dass wir die Karawane für uns behalten wollen. Sie muss ja dem Besitzer wieder zugestellt werden.“ Da spricht einer: „ Die Karawane hat keinen Besitzer, denn der Besitzer, ein persischer Händler, wurde von uns erschlagen auf Befehl des Priesters Ramon, weil der Perser die Schweinereien nicht dulden wollte. Es kam zu mehrfachem Streit zwischen Ramon und ihm und in einem solchen Streit wurden wir gezwungen, das gemeinste zu tun, was je von uns verlangt wurde.“ Sardellus: „Hat der Getötete Weib und Kinder oder Verwandte? Was ist euch darüber bekannt?“

 

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Bericht eines Knechtes der Tempeldiener

 

 

Ein Knecht: „Nach verschiedenen Aussagen muss der Händler alleine stehen, denn nie sprach er von einem Zuhause oder von Weib und Kind. Er habe die Wagen und die Tiere von seinem Vater übernommen, der verstorben sei. Er hatte ja auch keine Treiber. Wir mussten Treiber- und Knechtsdienste tun. Darum hatte ja auch der Perser gar keine Hilfe und war dem Tempel direkt ausgeliefert.“ Sardellus: „Wer ist Ramon?“ Ein Knecht: „Ramon ist der Führer der Tempelpriester und ein Teufel aller Teufel.“ Sardellus: „Es ist gut. Da ich nun länger als vorgesehen hierbleiben muss, werden wir uns noch öfter unterhalten. Um eines bitte ich euch. Vergesset nicht, dass ihr jetzt Römer seid. Du Nikolaus, wir beenden unsere Verhandlungen. Wir sehen jetzt klar und so führe deine Leute in dein Haus ein. Die Karawane bleibt vorläufig dein Eigentum, da du die Kosten der Ansiedler am meisten tragen musst. Diesen Ramon aber halte mit dem Essen kurz. Mit diesem Mörder werden wir nicht mehr viel zu verhandeln haben. Bis die Kommission kommt, wird schon viel segensreiche Arbeit geleistet sein.“

 

Mit den Tempelknechten hat Nikolaus einen guten Griff getan. Sie waren willig und in manchen Dingen sehr klug, vor allem waren sie glücklich, einen guten Herrn gefunden zu haben. Von all dem Ärger mit den Templern erfuhren die anderen so gut wie nichts, denn am anderen Tag wurde Holz aus dem nahen Wald geholt, welches gefällt worden war. Jakobus arbeitete mit den anderen. In der Küche wurde für das leibliche Wohl gesorgt und am Sabbat geruht. Jakobus und Simon hielten die Andachten, nichts störte die Harmonie und Sardellus, Pistorius und Nikolaus schwiegen von den Verhandlungen. Das Leben ging seinen gewohnten Gang, Karawanen gingen und kamen und die Siedlung wuchs rasch als Bauleute und Arbeiter durch die Hilfe des Sardellus eintrafen.

 

Jakobus aber blieb immer noch da. Am Tage galt es tüchtig zu schaffen und des Abends waren immer welche da, die das rechte Verlangen nach der Liebe Jesu hatten. Da alle von der Karawane des Ramon dageblieben waren und Schimba sich in allem als der rechte Helfer und Heiler erwiesen hatte, konnte dennoch an dem Gerechtigkeitsgefühl des Sardellus nicht das Geringste geändert werden. Nun war es soweit. Die Kommission war eingetroffen und die fünf Priester standen vor einem ordentlichen Gericht, denn Sardellus hatten sie nicht anerkannt. Die Art des Richters war ein aus der Ordnung und Gerechtigkeit. Alle Misshandelten wurden gehört. Nur Danila verweigerte die Aussage. Ich bin Christin, kein Gesetz war imstande, mich von dem betroffenen Leid zu befreien. Nur die Liebe und die Gnadenführung des Heilandes und Meisters Jesu retteten mich und häufte Liebe über Liebe auf meine wunderbar geheilte Seele. Mein Glück ist so groß, dass ich auch hier bleiben will unter denen, die im blinden Wahn uns Übles taten.“ Sardellus wollte es nicht gelten lassen, aber Danila blieb fest und der Richter hatte eine hohe Meinung von dieser Seelengröße.

 

Ramon blieb verstockt und bösartig, er konnte nicht vergessen, dass er als Gesalbter auf den nackten Rücken Schläge bekam. Für ihn waren die Christen keine Menschen, nur Hunde, die man beliebig schlagen konnte. Ein römisches Gesetz gab es für ihn nicht. Der Tempel und sein Hohepriester waren ihm alles. Die anderen vier standen unter Zwang und die Freizügigkeit ihres Handelns wurde von Ramon gefördert. Es stand schlimm um Ramon. Pistorius wurde entlassen und wieder ist es Jakobus, der zu ihm kommt und spricht: „Bruder, willst du dem Herrn willig sein? Eine Karawane ist auf dem Weg nach der Küste. Mit einigen deiner Leute kannst du vielen befreiten und dir die größte Freude machen.“ Pistorius: „Jakobus, wie kannst du nur fragen, weißt du doch, dass in mir nur ein Drang lebt, Dem zu dienen, Der meinem Leben erst den rechten Inhalt gab! Also wann und wo kann ich den Herrn vom Tempel einen Strich durch die Rechnung machen?“

 

Jakobus: „Morgen früh, mein Bruder. Du musst sie aber bei Sonnenaufgang überraschen, denn sie sind nur zwei Wegstunden von hier entfernt und ohne Arg.“ Pistorius: „Jakobus, sage mir nur das eine, wie erhältst du eigentlich die Kunde? Warum offenbart nicht immer der Herr die Grausamkeiten?“ Jakobus: „Weißt du, Bruder, das lässt sich nicht einfach erzählen. Es gehört eine lange Schule dazu, um den Herrn und Meister oder einen Seiner Diener innerlich zu vernehmen. Mir wurde die seltene Gabe zum Geschenk, weil ich den Herrn schon als Kind in der Entwicklung eingeschlossen hatte. Auch die Zeit, wo Jesus in der Entwicklung stand und nach außen nicht das Geringste verriet was in Ihm vorging, wurde ich schon innerlich geistig geführt. Nur habe ich nicht immer so recht acht gegeben und darum wenig gewonnen. Für das innere Empfangene stehe ich ein. Nicht ein einziges Mal wurde ich enttäuscht und ich stelle mein ganzes Handeln eben auf das Innere ein, aber ebenso kann ich auch nicht sagen, was sich abwickeln wird, so ich nichts empfange.“ „Du Jakobus, mit dir möchte ich ganz eins werden, es muss herrlich sein, so geführt zu werden!“

 

Pistorius weihte seine Leute ein. Niemand erfuhr von der Aufgabe, die Pistorius lösen wollte. Weiter ging die Arbeit an dem Siedlungswerke. Niemand vermisste den Pistorius mit seinen Leuten. Der Richter hatte seine Sache mit Ramon noch nicht abgeschlossen. Der Richter verstand Jakobus gut und hielt sich zurück. Er wollte in den Prozess nicht einwirken und enthielt sich auch den anderen gegenüber von jedem Urteil. So wird Mittag und alle sind beim Essen. Da kommt Pistorius mit seiner Karawane und hat 30 junge Männer aus den Händen der Priester befreit. Zwei Priester sind an die Pferde gebunden, sie müssen laufen, wenn sie nicht geschleift werden wollen und Pistorius führt sie dem Richter und Sardellus vor. Dieser aber ließ sie in das Gewahrsam bringen, wo ihnen wenig Wasser und Brot gereicht wurde.

 

Als die jungen Männer gesättigt und sich gereinigt hatten, wurden sie vernommen von den beiden Römern und wieder erlebte der Richter, wie gemein und verbrecherisch der Tempel mit Nazarenern umging. Dann wurde der Karawanenführer vernommen, der gegen Sold im Dienste des Tempels stand. Da derselbe von den Geretteten nicht belastet wurde, wurde er zu keiner Strafe verurteilt, aber er sollte die Herberge nicht verlassen. Der Karawanenführer war ein Grieche. Klug, aber geizig. Er konnte nichts verlieren, nur gewinnen. Sein Brotherr war bisher immer mit ihm zufrieden.

 

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Verurteilung des Priesters Ramon

 

 

Am Nachmittag sollte die Verhandlung mit Ramon fortgesetzt werden. Von zwei Soldaten begleitet wurde er vorgeführt und bei dieser Gelegenheit sieht ihn der Grieche. Er folgte dem Gefangenen und steht auf einmal auch vor dem Richter und Sardellus, die erstaunt aufschauen. Der Richter fraget den Griechen nach seinen Wünschen und da spricht er: „Herr, gegen diesen Priester habe ich auch Klage zu führen. Mich und meinen Herrn betrog er nicht, aber Hunderten ließ er die ganze Habe wegnehmen. Seine Gewalt ging soweit, dass, wenn er ein junges Menschenkind sah, stempelte er es zum Christen, um einen Grund zu haben, es fortzuschaffen. Dieser hat einen Handel mit Menschen getrieben.“ Der Richter fragte: „Kannst du das beweisen?“ Der Grieche sagte: „Sofort, denn unter meinen Treibern ist einer, den mein Brotherr gekauft hat. Dieser tut Treiberdienste und kann sofort meine Aussage bestätigen. Darf ich ihn holen?“ Der Richter: „Hole ihn, aber spreche nicht mit ihm, ein Soldat mag mitkommen.“

 

Der Grieche ging mit dem Soldaten, da sagte der Richter: „Ramon, deine Sachen stehen schlecht, wenn sich alles bestätigt, ist das Kreuz dir sicher. Warum willst du kein Geständnis machen?“ Ramon: „Wie werde ich etwas gestehen, einem Römer gegenüber erst recht nicht, ich habe ein Recht so zu handeln!“ Der Richter: „Ramon, du bist der erste nicht, der dieser Trugidee zum Opfer fällt. Siehe, dein Gott konnte wohl die retten, die du gefangen nahmst, aber dich läßt Er fallen, weil Er mit Menschen wie du Seine Liebe nicht besudeln lässt. In diesen Tagen habe ich genug gesehen und der Jünger Jakobus hat mir deinen Gott Jehova in einem anderen Licht gezeigt.“

 

Der Grieche kommt mit seinem Treiber und spricht: „Herr, kein Wort sage ich zu meinem Treiber. Der Soldat kann es bezeugen. Frage du ihn selbst über das, was du wissen begehrst.“ Der Treiber stand ruhig vor den Römern und sah Ramon ganz fest an. Da fragte der Richter den Treiber: „Kennst du diesen Menschen, sprich die Wahrheit, du stehst vor einem römischen Gericht.“ Der Treiber: „Herr, was soll ich sagen. Ich kenne den Menschen nicht, aber er ist es, der mich und noch einen anderen Bruder vor mir, sowie auch viele andere aus unserem Ort gefangen nahm, unter Prügeln und Hunger auf Wagen lud, wo wir tagelang gebunden lagen und uns nicht rühren konnten. In Sidon wurde ich von einem Kaufherrn gekauft und musste dort als Leibeigener alles tun, was befohlen wurde.“

 

Der Richter: „Bist du Christ?“ Der Treiber: „Noch nicht, weil ich keine eigene Willensmeinung haben darf, aber gern möchte ich einer sein!“ Der Richter: „Für deine Freiwerdung werde ich mich einsetzen, würdest du aber diesem da, der dir und den anderen solch unsagbares Leid zufügte, auch vergeben können?“ Der Treiber: „Herr vergeben, das wird schwer sein, denn was er mir zufügte, das könnte ich ihm vergeben, dass er aber meine Mutter fast zu Tode prügelte, weil sie uns nicht hergeben wollte, kann ich ihm nicht verzeihen, denn meine Mutter war mir alles!“ Der Richter: „Es ist gut mein Sohn, gehe wieder an deine Arbeit, ich werde gutzumachen versuchen, was verbrochen wurde.“

 

Die 30 Geretteten wollten auch bei Nikolaus bleiben und gingen sofort an die Arbeit. Samino holte mit seiner Karawane Lebensmittel. Alles war zugeschnitten, um das Werk recht bald zu beenden. Jakobus sagte zu Nikolaus: „Bruder, ich bekomme den Ruf weiterzuziehen. Dein Lebenswerk geht dem Gelingen entgegen. Was du hier tust, ist ja nicht aus dir, sondern aus dem Herrn. Bleibe in dem Geiste und du wirst immer mehr und mehr innewerden, wie dich der Herr beleben wird! Alles, was wir noch zu besprechen hätten, gibt dir der Geist ein und die Liebe deiner Brüder. In all den Angelegenheiten als Vorsteher deiner Gemeinde lasse den Geist walten, der Liebe, Weisheit und Ordnung ist.“ Nikolaus: „Jakobus, du wirst uns fehlen. Siehe, mit dir ist Arbeit, Segen und vor allem die Wahrheit zu uns gekommen. Simon hat ja den Willen, aber es wird doch noch an Manchem fehlen.“

 

Jakobus: „Nein, Nikolaus, trage du ihn im Glauben und durch die Macht der Liebe und sei du dir bewusst, der Herr gibt allen das ihnen Nötige. Siehe, deine Liebe zeitigt Früchte. Das Werk wird bestehen, solange du mit Dem verbunden bist, Der das A und das O ist! Darum bleibe in diesem Geiste und sei dir bewusst, dass nur Jesus und wieder Jesus über dieses alles Seine Hände hält, denn Er, der Meister der Liebe, gab ja dir nur den Geist, du aber gibst ihm die Frucht des Geistes, nach der Er Verlangen hat, und wahrlich, Er ist reich beglückt über deine Liebe. Wenn in deinem Herzen das Bestreben immer lebendiger wird, dann sei versichert, es ist des Herrn Geist. Wird aber in dir die Freude größer, dann sei bewusst, es ist des Herrn Freude, der, in dir Wohnung genommen hat. So richte dich nun damit ein, alles soweit in Ordnung zu bringen, dass in dir keine neue Fragen kommen, denn die auf und in den Wegen des Herrn wandeln, müssen bewusst Menschen sein.“

 

Der Richter hatte alles Trübe und Traurige hinter sich. Der Priester, der so unmenschlich und teuflisch handelte, wurde zu 15 Jahren schweren Galeeren verurteilt, die anderen zu Zwangsarbeit bei Nikolaus, bis die letzte Ernte unter Dach und Fach ist. Der Verurteilte wurde unter Bewachung abtransportiert und nach diesem traurigen Geschäft sagte der Richter zu Jakobus: „Jetzt endlich bin ich soweit, um mit dir über den Gekreuzigten zu sprechen. Ich habe es bisher vermieden, um nicht Stimmungen walten zu lassen, die schließlich aufgestiegen wären.“ Jakobus: „Ich wusste es, auch ich hielt mich in einer gewissen Ferne, um dich nicht im Geringsten zu beeinflussen.“ Der Richter gab Jakobus die Hand und sagte: „Für dieses danke ich dir besonders. Ich weiß, dass in dir der Geist des Auferstandenen lebt. Ich erlebe die Wahrheit und das Leben des Erstandenen ja an den Geretteten. Aber ich kann immer noch nicht mit euch gehen. Wie kommt es, dass du dem Pistorius die Bitte des Erstandenen unterbreitetest, beide Karawanen zu befreien? Wie kommt es, dass du den Auftrag und keiner von den anderen denselben erhielt? Mir kommt dieses merkwürdig vor!“

 

Jakobus sieht lange den Richter an und spricht: „Alles was von dem Herrn in einem Menschen als Offenbarung angenommen wird, richtet sich nach dem Zustand und nach dem Verhältnis, wie der Mensch zu Gott steht. Du kennst Moses und die Propheten, du kennst aber auch David und Salomo und du bist immer unbefriedigt bis zur Stunde gewesen. Wie kommt es, dass dir die Offenbarungen an die Gottesmänner das nicht geben konnten, was es den Gottesmännern war? Siehe, es lag daran, weil sie zu dem Herrn in einem anderen Verhältnis standen. Du weißt, auch, dass gerade der Stadthalter die Lehre des Herrn und Meisters Jesu gefördert haben will. Du weißt auch, dass gerade der Stadthalter am meisten Jesu prüfte und von Seinem Geiste erfüllt war. Nicht nur einmal wollte der Stadthalter die Lehre des Auferstandenen zum Gesetz machen, aber da war Jesu, der ihm abriet und warum? Weil die Freiheit der Menschen nicht beengt werden sollte und da Jesus den Tempel nicht angriff und alle die Heiden mit der gleichen Liebe behandelte, so konnte Ihm, dem Herrn, auch kein Vorwurf gemacht werden.

 

Der Stadthalter sah dieses auch ein und erkannte in dieser Einsicht die große Wahrheit und Liebe des Herrn und hatte darum auch nur den Wunsch, dass alle seine Beamten die Lehre des Herrn fördern sollten. Leider ist diesem Wunsche wenig Rechnung getragen worden. Ja, ich möchte sagen, feindlich standen viele den Anhängern der Lehre Jesu entgegen bis sie zu dem Bewusstsein erwachten, dass doch der Gott, den Jesu vertrat, der ewig und wahre ist. Dass nun dieser erkannte Gott mit Seinen herrlichsten Offenbarungen auch vorsichtig ist, muss dir schon dein Verstand sagen und wenn du Offenbarungen von einst und jetzt vergleichst, wirst du erkennen, dass alle Offenbarungen nach dem Erkenntnisgrad abgestimmt sind. Bedenke die Offenbarungen auf dem Berge Sinai und halte denen die Offenbarungen durch Jesu gegenüber. Dort heißt es, Zahn um Zahn und hier liebet eure Feinde, ja segnet die euch fluchen. Und es ist doch ein- und derselbe Gott, aber nicht ein und dieselben Menschen!

 

Gott kann sich bei allen Offenbarungen nur auf den Boden stellen, auf dem der Mensch steht. Du musst aber auch bedenken, wenn der Mensch Offenbarungen braucht, sollen dieselben auch nur dienen, den Menschen auf eine höhere Stufe zu stellen. Ihr Römer steht schon auf einer höheren Bildungsstufe gegen diese Menschen, die hier leben, aber diese Stufe ist verstandesmäßig. Gott sieht bei allen Offenbarungen nur auf die Herzensbildung, und alle Offenbarungen, die mit dem Herzen aufgenommen werden zeitigen auch ein anderes Resultat als die, die mit dem Verstande angenommen werden. Jesus konnte darum auch die höchsten Offenbarungen empfangen, weil Sein ganzes Inneres auf den Gott gerichtet war!“

 

Der Richter: „Halt einmal ein, Jakobus, Jesus erhielt die höchsten Offenbarungen, weil Sein ganzes Innenleben auf den ewigen Gott gerichtet war? Mir aber wurde gesagt, dass eben gerade Jesus der ewig Gott war - hier komme ich in eine Sackgasse!“ Jakobus: „Ganz recht, wenn der Mensch Jesus und der Innenmensch Jesu nicht voneinander getrennt werden! Jesus war ein Mensch und Er war genau mit allem behaftet, wie wir alle. Durch das frühe Erkennen Seiner Mission als Mensch wandte Er auch allen Fleiß auf und brachte es fertig, Seinen in Ihm wohnenden Geist mit dem Gottesgeist zu einen, und konnte darum Dinge erleben und empfangen wie noch kein Mensch zuvor alle Seine Kraft, Seine Weisheit und Sein hoher Lebensstand war die Frucht Seines Fleißes und der Gotteignung .“

 

Der Richter: „Jakobus, da steigen immer neue Fragen auf; aber mit neuen Fragen ist mir nicht gedient, sage mir nur das eine: Ist diese Auferstehung des Gekreuzigten und verstorbenen Jesus eine wahrhaftige, d.h., was ist bei diesen Vorgängen alles wieder lebendig geworden? Ist es derselbe Leib, dieselben Hände und Füße oder ist die Auferstehung eine rein geistige?“ Jakobus: „Alles ist wieder zum Leben erstanden, nichts Verwesliches ist im Grabe verblieben, wir haben uns überzeugt. Sein Leib ist rein vergeistigt und Den trägt Er jetzt und für alle Ewigkeiten. Und alle, die an Ihn glauben und diesen Seinen Geist in sich mit ihrem eigenen Geist einen, werden, genau wie Jesus, auch erstehen und in einem unzerstörbaren Leibe und Ewigkeiten hindurch die Früchte ernten, die durch ihren Fleiß als Mensch zu dem ewigen Gott entstanden sind.“

 

Der Richter: „Jakobus, ich danke dir für diese Hinweise. Sie genügen vollauf, ich denke, dass wir auch noch etwas zusammenbleiben. Oder dachtest du länger hier zu bleiben. Ich würde dich gern nach Tyrus mitnehmen und gern Zeuge sein von allem, was du bis dorthin wirken wirst.“ Jakobus: „Die zustimmende Antwort kann ich dir noch nicht geben, da die Antwort vom Herrn abhängt. Ich gehöre nicht mir, da ich ganz dem Herrn dienen will. Nur wenn ich ganz in diesem Geiste diene, habe ich auch vollen Erfolg.“

 

Die anderen hörten mit Interesse das Gespräch und die Folge war, dass immer wieder Wünsche laut wurden. Am meisten Sardellus, der überglücklich war, Danila, seine Schwester, gefunden zu haben und noch immer nicht verstehen wollte, dass gerade sie schwieg, so er den Räumer ihrer Ehre erfahren wollte. So trat er an Jakobus heran und fragte ihn unter vier Augen, ob er ihm denselben nicht namhaft machen könnte. Jakobus: „Ich kann es nicht, lieber Sardellus, weil der Her es mir noch nicht kündete, aber sage, was willst du tun? Willst du dem Herrn vorgreifen. Warum willst du dem Herrn dieses nicht aufopfern?“ Sardellus: „Jakobus, wir sind Römer und haben eben in bezug auf Ehre andere Begriffe wie ihr.“ Jakobus: „Wir alle zusammen sind Menschen und Ehre ist ein Begriff, den dir nicht Menschen geben können. Der Meister sagte einmal: `Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, dass Er sich dienen und ehren lasse, sondern dass Er diene und ehre Den, der Ihn gesandt hat.`

 

Siehe, darin liegt meine Ehre, dass ich ganz den Willen des Herrn tue. Was die Welt dazu sagt, ob ich gelobt oder getadelt werde, kümmert mich nicht, da mir nur an der Zustimmung des Herrn und an der Einswerdung mit Ihm etwas liegt. Alles, was sich ereignet, sei es schön oder unschön, ist nur Mittel, um dieses längst ersehnte Ziel zu erreichen. Warum willst du es nicht als Mittel ansehen? Für Danila war es eine Schule, sie ist daran gereift. Du müsstest dich darüber freuen und nicht das Vergangene immer wieder lebendig machen.“

 

Sardellus: „Jakobus, wenn ich das könnte! Es geht aber eben nicht. Ich werde nicht eher meine Ruhe haben bis diese Schmach gesühnt ist.“ Jakobus: „Wenn der Meister so denken würde, glaubst du, dass Er das größte Liebes- und Opferwerk hätte vollbringen können, oder wenn der Meister in der Stunde Seiner Bewährung versagt hätte, dass Er den Tod hätte überwinden können? Nein, Bruder Sardellus, da wäre Er nur ein Moral- und Menschendiener geblieben, der wohl Gutes, aber nicht das Beste mit den Menschen wollte. Das Beste aber, was Er uns brachte, ist ja Sein Leben und dieses ist ewig!“

 

Sardellus: „Jakobus, verzeihe, ich weiß, du kannst und darfst nicht anders zu mir reden und es wird noch eine lange Zeit dauern, bis ich ganz den Herrn verstehe!“ Jakobus: „Der Herr drängt nicht, aber um deines inneren Friedens willen wünschte ich dir, dass du ganz in den Geist eindringen könntest. du würdest erschauern vor der Macht der Liebe. Bruder, in dem Geist der erbarmenden Liebe wird dir der Verbrecher sogar zum irrenden Bruder, der nur ein Opfer seiner falschen und verkehrten Erziehung geworden ist. Siehe, Danila hat ihm vergeben und dadurch ist sie dem Herrn bedeutend näher kommen. Sie hat Frieden und ist ausgesöhnt mit dem Herrn.“ Sardellus: „Jakobus, nochmals meinen Dank, trage auch du mich um Danilas willen, denn um keinen Preis möchte ich ihren Frieden stören!“

 

An diesem Tage noch bat Danila um eine Unterredung, wo Sardellus zugegen war. Danila sagte: „Bruder Jakobus, ich habe ein Anliegen und brauche deinen Rat, damit es mir nicht zur Herzensnot werde. Es handelt sich um den Priester, der mich misshandelte. Siehe Jakobus, dieser Priester bat mich flehentlich um Vergebung. Er ist bereit, jedes Opfer zu bringen, um mich vergessen zu machen, was er in seiner Blindheit tat. Ich antwortete ihm, dass ich das wohl nie vergessen könnte und er habe das mit sich selbst abzumachen. Gott kann nur das vergeben, was ein Mensch sich selbst vergeben kann. Darauf spricht er zu mir: Wenn ich mir nur das vergeben und ungeschehen machen könnte. Ich bin verurteilt hier zu arbeiten, ich muss dich jeden Tag sehen, wohne unter demselben Dach mit dir und in meinem Herzen brennt die Qual über meine Untat. Nun ich alles das Verkehrte und Böse eingesehen habe, mein ganzes Leben wie es bis jetzt war, ist ja nichts weiter gewesen als eine große Lüge und nun sehr ich unter euch eine Gemeinschaft, die ja das Gegenteil von dem ist, was wir oder der Tempel will. Da habe ich nur einen Wunsch, zu vergeben oder gutzumachen.“

 

Da sagte ich zu ihm: Es freut mich, dass du den Weg zu mir gefunden hast. Auch deine Strafe wird zu Ende gehen bis dahin kannst du innerlich viel ausreifen. Eines Gutmachens bedarf es ja nicht mehr, da ja der Herr schon alles gutgemacht hat. In meinen Augen bist du ohne Schuld und ich will dir gern dazu verhelfen, dass du ganz gerettet wirst und in die Gemeinschaft der Menschen deinen Platz ausfüllen kannst.

 

Da fällt mir der Mann zu Füßen, küsst mir den Saum von meinem Kleide und spricht: `Danila, mit diesen Worten machst du mich zu einem neuen Menschen!` Ich aber sagte: Stehe auf, denn es geziemt sich nicht, vor Menschen zu knien! Werde demütig und voll erbarmender Liebe, dann wird auch dir Gott entgegenkommen und dir verhelfen zu dem, was dein Wille und Wollen ist.“ Sardellus sagt: „Wer war der Priester?“ Danila: „Josef ist es, nur ein blindes Werkzeug des Tempels, der unter Zwang des Karawanenbesitzers handelte.“ Sardellus: „Danila, du willst hier bleiben und unter Umständen den Mann heiraten?“ Danila: „Ja, Bruder, schon immer beobachtete ich den Mann und ich muss sagen, er hat sich gewaltig geändert. Ich habe ihm aber noch mit keinem Blick Hoffnung gemacht, mit Ausnahme von heute.“

 

Sich an Jakobus wendend, sagt Danila: „Bruder Jakobus, wie ist deine brüderliche Meinung, welchen Rat gibst du mir?“ Jakobus: „Gar keinen, Danila, denn das sind deine eigenen Angelegenheiten; denn bei allem deinem Tun und Wollen kommt es ja auf den Geist an, aus dem du es willst und tust. Ein Gelingen ist ja nur möglich, wenn alles aus dem Geist der Liebe geschieht und dazu kann dir nur der Herr in dir die Kraft und das Gelingen geben!“ Danila: „Jakobus, du gibst mir viel in dieser Stunde. Du und Sardellus seid die einzigen Menschen, mit denen ich darüber sprach. Es bedarf auch nun keines Wortes mehr. Ich weiß meinen Weg und dass es nicht mehr über Golgatha geht, ist des Herrn und Meisters Liebe die Garantie. Sardellus, was ich in mir empfinde, seit ich die Gedanken als Liebe und Helfen hinausstelle, kann ich dir nicht sagen, es wäre Entweihung, wollte ich darüber sprechen. Siehe, was andere als das größte Übel und Demütigung ansehen, ist mir zur größten Freude und Herrlichkeit geworden. Ein größeres Geschenk hätte mir der Herr gar nicht geben können und in Josef, dem Gefallenen, habe ich einen neu erstandenen Bruder gefunden, für den ich bereit wäre, jedes Opfer zu bringen.“

 

Jakobus: „Danila, der Herr hat deinen Willen und deine Liebe gesehen, kein Opfer sollst du bringen, sondern der Herr wird dir dein Vorhaben segnen und dich überreich belohnen. Überlasse alles der Zeit. Wie du ausreifen musstest, so mag auch der andere Teil ausreifen und menschliches Wollen wird zu einer Ernte, wenn es im Geiste Jesu sich vollendet!“

 

Sardellus sagte: „Bruder Jakobus, hier siehst du wieder, wie recht du hattest, indem du mich zurechtrichtetest. Was hätte ich für Schaden angerichtet, wenn ich den Namen gewusst hätte. Nun sieht alles ganz anders aus. Wir sind gewiss noch arme und kleine Menschen. Wir glauben, Großes zu wollen und hätten dabei genau so verkehrt gehandelt wie die armen Priester. Danila, nun werde ich dir auch nicht mehr hinderlich, sondern förderlich sein. Warum muss der Mensch wohl solche Umwege machen?“ Jakobus: „Auf das er klug und weise wird oder glaubst du, dass du je einen verirrten Menschen verstehen könntest. Siehe, ich hielt mich die ganze Zeit zurück um mit keinem Wort in das Geschehen einzuwirken und nun habe ich auch herzliche Freude daran. Auch den anderen wird es zum Heile gereichen.“

 

Nikolaus erlebte ein Wunder über das andere; trotzdem nur Karawanen einkehrten, war doch alles bekannt geworden. Neue Händler kamen und was sie erlebten war mehr als man sich vorstellen kann. Diese wieder schwiegen nicht über das Erlebte und wenn auch einer einmal etwas zuviel sagte, konnte der andere nichts anderes tun, als zugeben. So kam an diesem Tage Baltasar mit seiner Karawane. Er konnte gar nicht genug die herrliche Liebe loben. „Baltasar, was hast du bloß angerichtet, Bruderherz“, sagte er zu Nikolaus. „Weißt du auch, dass eine römische Besatzung hierher kommt. Dein Werk ist von oben anerkannt und es soll gefördert werden mit allen Kräften und du, Jakobus, nimm dich vor den Templern in Acht. Tausendfältig hat man dich verflucht, weil du den Römern durch dein Gesicht verraten hast, wo die Karawanen aufzufinden waren.“

 

Nikolaus: „Ach, mein Bruder Baltasar, sorge dich nicht um mich, solange es der Herr nicht will, werde ich ihr Opfer nicht werden und wenn es um meiner Vollendung willen geschehen sollte, so müsste ich ihnen ja nur noch danken. Denke ja nicht, dass etwas ohne Grund geschieht. Der Herr weiß um alles. Er weiß auch um das Schlechte und meistens ist es so, dass der Lebensfeind den Herrn treffen will und das Kind des ewigen Vaters ist nur das Opfer. Glaubst du, dass der Herr da nicht mit einer besonderen Liebe hinter dem Kinde steht?“ Baltasar: „Jakobus, du zündest aber ein Licht in mir an – daran dachte ich noch nicht, o wie sind wir noch dumm!“ Jakobus: „Nicht dumm, Baltasar, nur noch fremd in der großen Liebe unseres Gottes und Vaters. Was glaubst du wohl, wie wir geführt werden mussten, ehe wir erkennen konnten, dass in Jesus, unserem Bruder, Gott Selbst zu uns gekommen ist und heute ist mir alles so natürlich, so klar, dass es nichts einfacheres geben kann.“

 

Da sagte der Richter: „Jakobus, ich wollte eigentlich dich nicht sehr in Anspruch nehmen, um die anderen nicht zu schmälern, da du aber von selbst auf die Zeit der Entwicklung des Auferstandenen kommst, möchte ich dich bitten um einen kleinen Vortrag und vor allem, wie lebte eigentlich Jesus als Mensch im Alter von 20 Jahren und wie verhielt Er Sich gegen den Tempel und gegen die Römer?“

 

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Jakobus erzählt Erlebnisse mit Jesu im Elternhaus

 

 

Jakobus: „Genau wie jeder andere Mensch. Nur schien uns Sein Eifer gegen Sich Selbst manchmal übertrieben. Wir verstanden Ihn nicht. Zu wecken brauchte Ihn niemand, zu jeder Stunde war Er bereit, zu arbeiten und den alten Vater Josef war Er die beste Stütze. Im Tempel war Er vom 12. Lebensjahr an, mit wenig Ausnahmen, nicht mehr und am Sabbat ging Er Seine eigenen Wege. In eine Synagoge war Er nicht mehr zu bringen, zum Leidwesen des alten Vater Josef. Seiner Mutter aber machte Er so manchen Kummer. Zu den Römern war Er zugänglicher, meistens waren die Römer Soldaten oder Kommissare und dies verstanden Jesus besser als die eigenen Landsleute. Was Gabe es manchmal für Unruhe, wenn jemand Jesus tadelte. Ohne ein Wort zu verlieren ging Er aus dem Haus, um mitten in der Nacht das Schlaggemach aufzusuchen, aber in der Frühe war Er immer der Erste! Nie war Er vorlaut, nie sagte Er, wir wollen es lieber so machen und hatte Jesus einen Wunsch, so äußerte Er ihn ohne weiteres. Wurde er nicht gewährt, so nahm Er Sich aber das Recht und führte es alleine aus.

 

Der alte Josef war ein Ehrenmann durch und durch und schwer war es, so ein Andersgläubiger eine Arbeit gemacht haben wollte. Josef ging nicht von dem Gesetz ab und so der Priester die Arbeit nicht genehmigt, unterblieb die Arbeit. Hier ging Jesu nicht mit. Ich weiß von einem Fall, wo das Haus eines Griechen durch einen Sturm baufällig wurde, dass das Wohnen in dem Haus eine Gefahr war. Wir alle waren der Meinung, dem Manne muss geholfen werden. Aber was tut der Priester, er untersagt dem Josef die Arbeit. Da Jehova den Heiden strafen wolle, soll er sich die Hilfe bei seinen Göttern holen. Josef musste schweren Herzens dem Griechen auf später bescheiden. Noch heute tut mir das Herz weh, wie der Mann bettelte, doch eine Ausnahme zu machen. Josef aber blieb hart, auch auf den Einwurf hin, dass er ja kein Heide, sondern auch ein Gläubiger sei und nur wegen der Hab- und Herrschgier der Templer zum Schein ein Heide bleibe.

 

Vater Josef war hart und sagte: Das Gebot des Priester ist für mich maßgebend und so gut, als hätte es Jehova gesagt. Da sagte Jesus: `Vater, Josef, du tust dem Manne bitter weh und verlierst in ihm einen Menschen, der dich immer hoch achtete.` Da sagte Vater Josef. `Schweige Du, immer hast Du eine besondere Meinung. Mir steht das Gebot Gottes höher als ein Mensch!` `Gut, Vater Josef`, erwiderte Jesus, `erstens ist kein Gebot aus Gott, sondern eine kleine Rache des Priesters und einen Freund verlieren ist gleich, als wenn ich ein Stück von Meinem Gott verloren habe.` Da schalt Josef Jesus aus und sagte: `Jesus, merke dir, nach deinen Ansichten kann ich nicht richten. Wenn ich trotz des Verbotes des Priesters dem Manne helfe, verliere ich etwas von meinem Gott.`

 

Jesus wendet sich an den Griechen und spricht: `Freund, traure nicht, ich werde dir dein Haus zurecht richten und Ich möchte den sehen, der Mich daran hindern würde – und so sollen wir auch gleich an das Werk gehen. – Dir aber, Vater Josef, grolle ich nicht, weil du ein Gebundener des Tempels bist und so bitte ich dich, grolle Mir auch nicht, denn ich kann nicht dulden, dass man dem alten Josef Lieblosigkeit oder Hartherzigkeit vorwerfen sollte.` – Ehe Vater Josef etwas erwidern konnte, war Jesus mit dem Griechen wieder aus der Werkstatt heraus. Der alte Vater Josef hätte beide gern zurückgeholt, aber seine Füße waren wie gebannt und so schalt er auf Jesus und Seine Mutter, weil sie ihm zuviel Willen gelassen hätte. Drei Wochen hörten und sahen wir nichts von Jesu. Wir hatten alle Hände voll zu tun und unsere Arbeit ging uns nicht aus den Händen, Jesus fehlte überall. Endlich kam er strahlenden Gesichts und sagte: `Vater Josef, das Werk ist vollendet, damit du es aber weißt, ich weise den Lohn zurück, denn ich handelte aus reiner Liebe und habe dem Hause Josef einen Freund erhalten und den Glauben an Jehova an ihm gefestigt.`

 

Der Grieche kam wirklich und wollte den Lohn überbringen, aber Josef blieb diesmal fest und sagte: `Jesus macht den Fehler anderer gut und dieses ist mehr als wenn du mir hundert Groschen bezahlst. Wenn du mir aber alles erzählen willst, wie es gegangen ist, würde ich mich freuen, denn Jesus hat bis jetzt noch nicht gesprochen.` Der Grieche: `Das wundert mich aber, lieber Josef, denn Jesus war sehr gesprächig und denke dir, kurz vor meinem Grundstück kommen drei Bauleute und Jesus fordert sie auf, mit uns zu gehen, und so war ich auch jeder Sorge ledig. Die ganze Art des Arbeitens ging glatt vonstatten, alle vier einig und die Arbeit ging vorwärts, als wenn sie in ihrem ganzen Leben nicht anderes getan hätten als zusammenzuarbeiten.` Da wunderte sich Josef und sagte: `Höre, das geht nicht mit rechten Dingen zu, fremde Bauleute habe ich noch nie getroffen, welcher Abstammung waren dieselben?`

 

Der Grieche: `Das erfuhr ich nicht. Jedenfalls war es eine Freude, unter ihnen zu sein. Das Schönste aber war, ich wurde in das Leben Gottes und Seiner Sorge für die Menschen hineingeführt, sodass ich heute noch ganz erfüllt bin von der Liebe, die mir von Gott zuteil wurde. Da sagte Jesus, der zu allem bis jetzt geschwiegen hatte: `Habe ich dich nicht gebeten, zu schweigen, denn es ist noch nicht an der Zeit. Wenn aber die Stunde da sein wird, da wirst du innewerden, welchen Dienst dir Gott erwiesen hat. Nochmals bitte ich dich, schweige um Josefs willen, denn der Lebensfeind hat lange Ohren und geht darauf aus, Mich in Meiner Ruhe zu stören. So bleibe heute unser Gast.` Später fragte ich Jesus, wie es mit den Bauleuten war, da sagte Er: `Jakobus, warum vergisst der Mensch so leicht all die Gnadenführungen des Herrn, warum macht ihr es Mir so schwer? Gerade du müsstest es am Besten wissen, wer in Mir das Wirkende und Vollbringende ist.`“

 

Da sagte der Richter: „Höre, das ist mir wertvoll. Eben, weil Jesus von euch keine Unterstützung erhielt, muss doch bestimmt in oder um Ihn eine Kraft gewesen sein, die ihn trug. Unter euch Juden ist es schwer, eine eigene Meinung durchzusetzen, wie viel schwerer muss es Jesus geworden sein, etwas ganz Neues und noch nie Gehörtes oder Gesagtes heraus zu kristallisieren. Warum sagte wohl Jesus zu dir: `Gerade du müsstest es wissen, wer in Mir das Wirkende ist`, oder war es nur eine Redensart von Ihm?“

 

Jakobus: „O nein, ich habe als der Jünger von Josefs Söhnen, oft die Kindsmagd machen müssen und dabei Dinge erlebt, die noch kein Sterblicher erlebte. Mir erschienen Engel – das andere Mal erlebte ich Himmel über Himmel und so manche Segnung, die ich leider auch vergessen habe. Nun aber, wo ich mich auch durchgerungen habe zu dem seligen Bewusstsein -Er ist mein Gott und mein Erlöser- ist die Einung und die Verbindung meine größte Seligkeit und ich werde erfüllt sein von Seiner Kraft und Gnade. Was ich hier und anderen Orten tue, ist nicht aus mir, sondern aus dem Geiste Jesu, der in mir lebendig ist. Ohne Ihn bin ich genau so kraftlos wie du und die anderen. Und was ich aus Jesu tue, könntest auch du oder die anderen tun, so ihr von Seinem Geist erfüllt wäret. Frage Schimba oder Danila, ganz gleich wen, sie werden dir bestätigen, dass ich nicht mehr bevorzugt bin als die, die in Seinem Geist und in Seiner Liebe lebendig werden.“

 

Der Grieche: „Jakobus, ich danke dir nochmals. Jesus hat in dir einen guten Anwalt, aber deswegen wirst du auch noch manchen Kampf haben, das habe ich an den verurteilten Priestern erlebt.“ Jakobus: „Du magst recht haben, ich weiß aber auch, dass alles, was an mich herantritt, mir dazu dient, mit Jesu ganz eins zu werden.“ So verging noch ein Tag in Ruhe und Freude und Nikolaus erfuhr aus Jakobs Munde, dass der heutige Tag der letzte des Beisammenseins sei und er solle allen mitteilen, sie sollen die Arbeit eine Stunde früher beenden um eine Stunde länger vereint zusammen sein zu können.

 

Nikolaus sagte: „Dann Bruder, lasse ich auch ein Festmahl richten, wie es noch niemand erlebt hat; denn es gilt, nicht einen Abschied, sondern ein neues Leben zu feiern!“ Manches Herz wurde traurig, denn an Jakobus hatten sie Jesus Liebe erlebt und an seinen Worten wurde ihre Sehnsucht gestillt. Still und feierlich kamen alle und jeder und jedes wollte ihm die Hände drücken. Er aber kam ihnen zuvor und schenkte ihnen Liebesbeweise, die sie so fröhlich machten, dass ihre Augen in hellem Glanze erstrahlten. Nikolaus war ganz in seinem Element. In kurzer Zeit waren die Tische gedeckt und ein Wein stand auf den Tischen, wie ihn noch keiner getrunken hatte. Er wusste, dieser Wein war die besondere Gabe des Herrn, denn Baltasar hatte ihn mitgebracht und er sollte nur zu besonderen Festen getrunken werden.

 

Mit kurzen Worten segnete Nikolaus die Gaben und bat, sie sollen alle an der Liebe sich sättigen, „denn die Speisen sind das Geschenk der Liebe, die uns heute wieder eint und diese Liebe will sich immer mehr und mehr offenbaren.“ Nach einer Stunde, als sich alle gesättigt hatten, wurden die Tische abgeräumt, nur die Krüge und die Becher mit dem Wein blieben, damit die Gabe der Liebe sie noch mehr stärken sollte.

 

Jakobus, ganz erfüllt mit dem Geiste des Herrn sagte: „Schwestern und Brüder, der Ruf des Herrn ist in an Mich ergangen, weiterzuziehen, um den anderen, die noch im Dunkeln leben, Licht und Freude zu bringen. In dieser weihevollen Stunde aber möchte nicht nur ich, sondern auch der Herr euch danken für eure Hingabe und eure Treue. Mit wehen Herzen muss Er noch so manches Menschenkind am Abgrund taumeln sehen und Seine ausgestreckten helfenden Hände werden nicht erfasst. Schmerz über Schmerz lebt in Ihm, aber Er durch Sein größtes Opfer ja Mittel und Wege schuf, und es wird nicht angenommen. Hier aber, wo sich eine Insel der erbarmenden Liebe inmitten von Nacht und Finsternis heraushob, hat die ewige Liebe Freude über Freude – und aus dieser Seiner Freude werdet ihr ganz besonders herrliche Begegnungen erleben!

 

Du Simon und du, Schimba, seid die rechten Mittler Seiner Liebesgaben und du, Nikolaus, sei nicht nur Vorsteher, sondern auch Wächter, damit sich der Lebensfeind nicht in deine kleine Gemeinde wage. Noch ist es den Feinden nicht gelungen, Zwietracht in die Herzen zu säen, die sich unter deine Obhut stellten, aber sei auf der Hut, denn ein jedes Werk der Liebe wird angefeindet und du wirst herrliche Beweise der großen Gottesliebe erhalten! Ihr aber, meine geliebten Schwestern und Brüder, meine Freunde, nehmet hin das Wort meiner Liebe, die in mir lebt aus Ihm, dem herrlichen und ewigen Vater. Lasset in euch lebendig werden die Liebe, die erlösen und befreien will, lasset in euch das Leben wirkend werden, damit ihr immer inniger euch zusammenschließen könnt in dem Geist, der andere glücklich machen will. Im Leid seid ihr geschult und erprobt, aber die wahre Liebe will Leben schaffen, Leben aus der Liebe, in der freiesten Art und in diesem Leben wird Er lebendig in und um euch und ihr erkennt den Heiland, den noch so mancher von euch ersehnt. Nicht Ihn erschauen ist das Größte, sondern getragen zu werden von Ihm ist das Herrlichste. Wie aber werde ich von Ihm getragen, von ihm geführt und geleitet. Nur wenn ich Ihn allein in mir zum Führer und Helfer in der wahren Demut und Hingabe mache und in Ihm meinen Herrn und ewigen Gott erkenne, Der mir Berater, Freund, Heiland und sogar Vater sein will!

 

Meine leiben teuren Schwestern und Brüder, die ewige erbarmende Liebe will gesucht und erlebt sein, weil sie auch uns sucht mit der ihr eigenen Liebe und sich auch finden lässt. So aber einmal der Mensch in die innige Verbindung mit Ihm getreten ist und in der Verbundenheit bleibt, wird alle Frucht und Angst weichen und die Schrecken des Todes können keinen Schatten mehr vorauswerfen. Ihr habt ja erlebt in eurer Prüfung all die Schrecken der Nacht und die Ungewissheit und nur darum, weil einige von euch in festem Vertrauen blieben, konnte die ewige Vaterliebe eure Rettung durchführen. Es ist noch ein Geheimnis um die große Liebe des Herrn. Wie gern würde Er alles abwenden, so es nur möglich wäre, aber dazu gehört auch das Kind, welches in dem Vater und Gott den Helfer und Heiland sieht. Freilich mit Ehrfurcht und Gottesfurcht bemüht ihr euch, ein Leben zu führen, dass das Auge des Herrn mit Wohlgefallen auf euch ruht, aber liebe Herzen, Er sehnt sich genau so wie ihr nach Kindern, die in Liebe erstehen und nicht in Furcht, nach Kindern, die da Abba, lieber Abba rufen und allen Menschen zum Heiland und Helfer werden.

 

Da aber das Drängen in mir größer und größer wird, euch zu künden die Liebe und Verbundenheit des Herrn, sollt ihr alle Ihn erschauen und durch den Mund des Schimba vernehmen, was euch die ewige und herrliche Liebe sagen lässt.“

 

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Jesus erscheint und spricht zu Schimba

 

 

Jakobus schweigt. In diesem Augenblick steht der Herr mitten unter ihnen, segnet sie alle und der Herr spricht: „Kinder und Freunde, meiner Liebe und Erbarmung. Endlich darf Ich euch alle künden, wie Ich mich freue über eure Liebe, euern Eifer und eure Dankbarkeit. Mein Herz ist immer bei euch und Ich kenne nur eine Sehnsucht, ganz in euch zu leben und euer Sein zu erfüllen mit dem Geist, mit Meiner Kraft und Weisheit. Stunden des Leides machten euch reif, dass Ich euch dienen konnte, den soweit geht Meine Liebe, dass ich euch Diener und Bruder sein möchte. Doch all dieses hängt nur von euch ab. Engel sind euch um eure Herzen zu erforschen und um eure Sehnsucht kennen zu lernen, doch eure Reife kenne nur Ich allein. Glaubet, meine Kinder, dass Ich Mir dem größten Zwang inmitten der größten Freiheit Meiner Kinder antun muss, denn nur soweit kann Ich euch Diener sein, inwieweit ihr euren Brüdern dient und nur soviel kann Ich euch Vater sein, so viel ihr Mir Kind geworden seid in der freiesten Hingabe.

 

Darum sorget euch um nichts weiter als dass ihr ganz in Meiner Jesuswesenheit ausreift und Meine Liebe in euch immer tätiger nach außen wird. Wie gern möchte Ich euch an Mein Herz drücken zum ewigen Beweis meiner Vaterliebe, aber noch ist zuviel des Trennenden zwischen Mir und euch und dieses kann Ich, trotz Meiner Allmacht, nicht beseitigen. Dieses müsst ihr selbst tun. Es ist der Begriff eurer Unreinheit, noch zuviel des Gesetzes lebt in euch. Machet euch frei, denn in Meinen Kindern soll Mein herrlicher und freiester Jesusgeist sich entfalten, der über allem Gesetz und über jeder Furcht steht. Was ihr in dieser Liebe als Bruder an eure Brust nehmt, ist so gut, als wenn Ich es getan hätte, und was diese, Meine Liebe, in euch ausgleicht, ist für ewig ausgeglichen. Darum, Danila, was du willst ist gesegnet, weil es aus Meiner Liebe geschieht und du, Josef, mache dich dieser Liebe würdig, reife aus in der Liebe, die alles gutmachen will, werde Träger des Geistes, der auf Golgatha offenbart wurde und Mein Herz wird dir jederzeit offen sein. Du, Nikolaus, werde ein Diener aller, denn nur damit kannst du meinen Jesusgeist verherrlichen und der Segen wird sichtbar allen werden, die bei dir ein- und ausgehen.

 

So segne Ich euch alle und Meine Liebe sei und bleibe euer Leben und Mein Frieden und Meine Kraft belebe euch, damit ihr in und bei Mir verbleibet, jetzt zeitlich und dann für ewig! Amen,- Amen!“ Noch blieb der Herr sichtbar und alle waren still. Nur eine war mutig, sie stand auf und ging auf den ihr sichtbaren Herrn zu und sagte: „O, du mein Heiland, mein Jesus und nun Vater, wie soll ich Dir noch danken für das Geschenk, welches Du mir gabst, mein Leben gebe ich Dir, so Du es fordertest.“ Da sagte Jakobus: „Danila, der Herr spricht: „Ich gebe dir zurück, was du Mir schenktest, dass du dein Leben Mir geopfert hast, ist erwiesen; aber erwiesen war noch nicht, dass du mit Liebe lohnen konntest, wo du Hass empfingst, darum soll dir die seltene Gabe zum Geschenk werden, dass du jede Sphäre fühlen sollst, die sich, ob Mensch oder Geist dir nähert.

 

Es ist dies eine der größten Gnaden, da nie Mein Feind dich als die Wissende ansehen wird. Bleibe demütig, wahr und rein und alles, was in dir lebendig wird, betrachte es als Geschenk Meiner Liebe. Ich habe deine Liebe gesegnet, segensvoll soll auch fortan dein Leben für die anderen werden! Wenn aber die Zeit kommen wird, wo der Feind zum größten Schlage ausholt, dann seid gerüstet in der Liebe. Eure Heimstätten sollen Asyle werden, eure Liebe Brot aus meinen Himmeln werden und Worte sollen gleich Heimatsklängen erklingen für die, die durch Not Meine Erbarmung erleben werden.“ Jakobus schwieg. Da verschwand auch Der Herr.

 

Samino sagte: „Wahrlich, hier ist mehr, denn nur Predigen und Hinweisen auf den Herrn, hier ist Er Selbst, was meinst du, Baltasar, wollen wir nicht hier bleiben und unsere Heimat neu gründen? Wo ein solches Zeugnis uns offenbar wird, ist ja alles geebnet – was meinst du?“ Baltasar: „Ich meine gar nichts, ich weiß nur, dass das größte Geschenk mir hier wurde und seit der Zeit ist überall, wo ich Liebe üben kann, meine Heimat.“ Der römische Richter sagte: „Freund, für dieses Wort möchte ich dir besonders danken, es ist wirklich so, wo Liebe gelebt wird, offenbaren sich himmlische Kräfte, darum soll auch der Herr und Meister der Liebe Sich über mich freuen können und ich gebe den drei Priestern, soweit sie Römer werden wollen, die Freiheit wieder, kraft meiner Befugnisse von dem Kaiser.“

 

Die Priester treten hin vor den Richter und Josef war der erste, der sagte: „Herr, von Stunde an will ich mich lösen vom Tempel und tun, was du mich heißest. Gern will ich nicht nur Römer werden, sondern auch sein. O Du Jesus, unsichtbar bist Du nun unseren Augen geworden, aber in mir fühle ich Deine beglückende Nähe, denn meine Freiheit gabst Du mir selbst nur, dieser edle Römer war nur der Mittler und so gelobe ich hier vor allen, dass es keinen treueren und eifrigeren Menschen geben soll in dieser Gemeinschaft. Die mir gebotene Freiheit nehme ich mit Freuden an, aber mein Dienst soll derselbe bleiben bis sie Ernte eingebracht ist und was dann wird, überlasse ich der Liebe, die mir in diesen Tagen erstmalig so groß und rein offenbar wurde. Ihr anderen, haltet euch an meine Worte heute, von morgen an an mein Vorbild, denn ich will nicht nur euch, sondern allen ein Vorbild sein, damit die Liebe des Herrn immer neue Liebe zeitige!”

 

Sardellus ging hin zu Danila, reichte ihr die Hand und sagte: „Danila „ so liegt auch an deiner Verbindung mit deinem Erwählten nichts mehr im Wege und so gebe ich dir mein Jawort und auch meinen Liebessegen. Mag alles in deiner Liebe zu Liebe werden!” Josef reichte den beiden die Hände und sagte: „Habt tausend Dank, meine Liebe gehört euch, aber trotzdem soll es bei dem verbleiben, bis die Ernte unter Dach ist, es soll meine Prüfungszeit sein, um mich ganz würdig zu machen dem unermesslichen Geschenk der großen erbarmenden Gottesliebe!” Noch lange blieben diese Getreuen zusammen, bis endlich Nikolaus sagte: „Freunde. gehet jetzt zur Ruhe, wir sehen uns doch am frühen Morgen, wir scheiden doch im Geiste Jesu, Der alles eint. Nie werden wir uns trennen können, da die Liebe des Herrn immer das Verbindende ist und bleiben wird!”

 

Die meisten hatten keine Ruhe, jeder hatte den Drang, noch einmal Jakobus zu sehen und ihm die Hände zu drücken. Danila schlief überhaupt nicht, sie bereitete ein Mahl. Ganz allein vollbrachte sie das Werk und deckte die Tische zum Morgenmahl. Baltasar ließ es sich nicht nehmen - er machte einen Wagen fertig und erbat sich von Nikolaus Lebensmittel für mehrere Tage sowie Geschenke für Jakobus, damit er auch andere beglücken konnte. So war alles zur Abfahrt bereit. Es war kein Abschiedsmahl, sondern ein Gedächtnismahl zu Ehren des Herrn und alle hatten eine große Freude.

 

Baltasar bat nun, endlich doch aufzubrechen, sonst komme die Sonne zu hoch Nikolaus musste Baltasar recht geben. Da entschloss sich Jakobus zum Abschied. - Tränen flossen reichlich, aber Jakobus sagte: „Meine Geliebten, freuet euch, denn das Los ist euch auf das Lieblichste gefallen. Ihr besitzet die Liebe des Herrn und werdet euch immer nochmehr dessen bewusst, dann ist der Herr immer bei und unter euch. Bleibet in dieser Liebe, wachset immer noch mehr zu einer helfenden und erlösenden Liebe heraus, dann wird der Herr wie gestern euch selbst leiten und beglücken! Und so seid gesegnet in und durch Seine Liebe, Gnade und Erbarmung. Werdet tätig, damit bei und unter euch der Herr auch tätiger sein kann!” So schieden sie unter Tränen. Baltasar sagte: „Bruder, der Abschied ist das Schwerste. Er kann nur gemildert werden durch die Hoffnung des Wiedersehens. Werden wir uns einmal wiedersehen?”

 

Jakobus: „Bestimmt, mein Baltasar. Ist es nicht hier im Erdensein, dann dort in der ewigen Welt, wo es keinen Trennungsschmerz gibt!” Baltasar: “Das verstehe ich nicht. Wie groß muss denn die ewige Welt sein, dass sich alle Menschen, die je einmal zusammenkommen, nicht mehr trennen?” Jakobus: „O mein Bruder, nicht alle Menschen kommen zusammen, sondern nur die, die sich lieben, und auch nur diese Liebe muss es sein, die nichts haben will, sondern nur gibt. Siehe, ich könnte dir das Auge öffnen durch die Gnade des Herrn, damit du schauen könntest die Sphären durch die wir gehen, aber es hätte keinen Nutzen. Wer wie du, am Tische des Herrn gesessen, Ihn in Seiner größten Liebe und Erbarmung erlebt hat, ist sich bewusst, dass der Herr alles in allem ist, und du hast den Herrn wunderbar erlebt und kannst durch deine neu erkannte Liebe anderen zu Nutz und Frommen diese Liebe ausleben.

 

Denn siehe, der Herr ist wohl der Herr, aber dann sind wir Seine Geschöpfe, alles andere ist unsere eigene Sache. Stelle dich ganz auf Liebe ein und Neues, Ungeahntes wird dich erfüllen und dies sind dann Vorgänge in deiner Welt, die deinen Geist immer reger machen. In dieser Liebe ziehst du auch die geistigen Sphären an, die in derselben Liebe stehen, und werden dir völlig unbewusst auch zu Bewohnern deiner inneren Welt. Nun höre, je mehr du im Geiste der erlösenden und erbarmenden Liebe durch die Tätigkeit in diesem Geiste wächst, wächst auch deine innere Welt und dir völlig unbewusst bist du ein Träger Vieler, Vieler geworden . Nicht nur das sind die Bewohner, die dir schon in die Ewigkeit vorangegangen sind, sondern auch Menschen die du liebst und vor allem die, denen du in dieser Liebe zum Helfer geworden bist. - Jawohl, mein Baltasar, in deiner Welt habe ich einen guten Platz - und sobald du im Jenseits weilst und ich wäre auch dort, so würdest du mich recht bald wiedersehen.

 

--Alles was du mit Liebe umgibst, bürgerst du in deiner Innenwelt ein. Denke aber einmal nach. welch ein Zustand das sein muss, wenn ein Mensch in seiner verkehrten Liebe etwas erfasst! Nie bekommt er diese Innenbewohner wieder los, ausser, er ändert sich von Grund auf - und dieses werden seine Innenbewohner immer zu verhüten suchen.” Baltasar spricht: „Lieber, lieber Jakobus, diese deine Worte habe ich sehr gut verstanden und konnte es mir auch lebendig vorstellen. Nun ist mir auch verständlich, warum die Priester in ihrem Hass verbleiben, wahrlich um hier zu helfen, dazu gehört eine große Geduld und eine große Liebe.”

 

Jakobus: „Ja, Bruder Baltasar, man hilft nicht nur dem einen Verirrten sondern seinen ganzem Anhang und darum ist diese Aufgabe so herrlich und dankbar, denn das Wehen seliger Geister ist der Heimatton aus den Himmeln und der Gruß der ewigen Liebe unseres Vaters Jesu! Heute am Abend, wenn wir beide im Zelt unsere Ruhe nehmen, will ich dir durch die Gnade des Herrn den Beweis erbringen, dass es kein größeres Glück geben kann, als die Liebe derer, denen du in deiner Liebe ein Heiland und Helfer geworden bist!” Baltasar: “Jakobus, da freue ich mich schon jetzt, aber sage mir das eine, sehen denn auch unsere Innenbewohner unsere Umgebung?” Jakobus: „Aber natürlich, denn du bist es ja, der ihnen dazu verhilft; alles Äussere muss sich nach dem Inneren richten und alles Innere ist der Faktor, der alles belebt oder ertötet. Ein jeder Mensch, der seine Innenwelt pflegt durch die Gnade und Erkenntnis des Herrn, wird sich des übergroßen Reichtums immer mehr und mehr bewusst und räumt den ersten Platz dem Herrn und Meister ein. Darum erlebten wir ja die großen Kämpfe des Herrn und konnten das gewaltige Ringen nicht verstehen. Auch uns allen bleibt deswegen der Kampf und das Ringen nicht erspart, aber uns fließen Kräfte aus des Herrn Liebe zu und tragen uns zum Erfolg über alles das sich in uns trennend zwischen uns und des Herrn Liebe stellt.”

 

Als die Sonne am höchsten stand, sagte Jakobus: “Wir wollen rasten, dort ist ein Wäldchen und eine klare Quelle, deinen Tieren wird die Ruhe guttun.” Baltasar: „Hier gibt es aber kein Wasser, Jakobus. Ist denn diese Gegend bekannt? Ich kenne hier jeden Baum und Strauch, aber keine Quelle.” Jakobus: „Tue, was ich dir sage, Bruder, des Herrn Wege, sind wunderbar und Seine Führungen sollen ja Seinen Kindern dazu dienen, um sobald wie möglich das herrliche Ziel zu erreichen, die Einung des Vaters mit dem Kind.” Jakobus hatte recht. Eine klare Quelle spendete reines und frisches Wasser, eine saftige Weide war da für die Tiere und im Wäldchen war wunderbarer Schatten. Im Walde war es ruhig. Die Vögel schienen auch zu rasten und der Friede um den beiden war angetan, das Herz zu weiten und zu öffnen für die Gnade, die beide so wunderbar belebte. Nachdem sie sich gesättigt hatten, gaben sie sich der Ruhe hin und so kam der Abend heran unter erbauenden Zwiegesprächen.

 

Jakobus sagte: „Bruder, ich will nicht dazu beitragen, nicht in die Geisterwelt sollst du schauen, sondern in deine eigene Welt, die dir wie ein Traum vorkommen wird. Wenn ich in mir recht ruhig werde, öffnen sich die Tore meiner Welt und ich erlebe das Leben, was in mir Wahrheit geworden ist und dieses Leben ist das Ewige, was einem jeden in der allergrößten Freiheit mitgegeben wurde bei der Eingeburt in dieses Erdenleben. An einem jeden Menschen liegt es nun, was er aus diesem Leben macht, einen Himmel oder eine Hölle. Hier ist der Herr nur der Wartende und kann nur zu einem Helfer und Beistand werden, wenn es der Mensch will! Und nun wollen wir beide, aber jeder in sich, Einkehr halten zu unserem und der anderen Heil!”

 

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Jakobus zeigt dem Baltasar seine Innenwelt

 

 

Es wurde um und in den beiden ruhig. Baltasar schloss die Augen, aber immer und immer wollte sich nichts an und bei ihm bemerkbar machen. Schon wollte er sich an Jakobus wenden, da zerriss ein Blitz die Finsternis, die durch die geschlossenen Augen entstanden war und in dieser Helle sieht er ein altes Gemäuer mit einer offenen Tür aus der Licht herausfällt. Nun blieb es bei ihm hell und es war ihm, als wenn er durch die geöffnete Tür ging. Zuerst sieht er nichts als nur eine Straße mit einigen alten Häusern, die unbewohnt zu sein schienen. Langsam geht er die Straße entlang, schaut nach rechts und links und nun auf einmal ist es gar nicht so einsam, denn die Häuser sind bewohnt, nur die Bewohner hielten sich verborgen.

 

Langsam geht er weiter, er hat eine kleine Freude, weil sich die Bewohner so verbergen und am Ende der Straße ist ein kleiner Tempel. Dorthin zieht es ihn mit Macht. Wie er näher kommt, erschrickt er über die Verwahrlosung die dort herrscht. Schon will er weitergehen, da kommt ein ihm bekannter Priester und überschüttet ihn mit Vorwürfen.Baltasar, der diesen Priester, der schon längere Zeit verstorben war, immer liebte, will sich zurückziehen, da er sich keiner Schuld bewusst war, aber da kommt auf einmal eine ganze Schar Bekannter und umzingelt ihn. Abwehrend hält er beide Hände vor sich, da spricht der Priester: `Baltasar, was hast du getan, unsere Heimat hast du uns genommen, unseren Frieden hast du gestört. Wir finden nichts, gar nichts mehr, was uns je erfreuen könnte.`

 

Baltasar spricht: „Aber Freund, ihr seid in einem großen Irrtum, noch nie habe ich irgend etwas getan was euch schädigen könnte.” Da erwidert der Priester: `Unsere Wasserquelle hast du verstopft, wir haben kein Wasser mehr und das Brot geht auf die Neige, komm, sieh selbst.” Mit diesen Worten nimmt er ihn bei der Hand und zieht ihn in das Tempelinnere. Die anderen folgen. Dort angekommen spricht der Priester: `Hier, sieh, unser Schrank ist leer, in der Zisterne ist kein Tropfen, sag, was soll da werden. Warum hast du uns des Nazareners wegen verlassen und bringst denen Wasser und Brot die Fülle? Warum?` Baltasar: „Du irrst - nie brachte ich euch Brot und Wasser, nie dachte ich daran, anderen Brot und Wasser zu bringen, ihr seid längst Verstorbene.”

 

`Was –Verstorbene?` schreien die anderen, dann bist du wohl auch gestorben. Nein, nein, das gibt es nicht, du willst uns nur los sein, weil du uns kein Wasser und Brot geben willst!” Ganz bekümmert ist der alte Priester und spricht: „Baltasar, glaube uns, es ist wirklich so, um deinetwillen haben wir unser Heim an unserem Tempel aufgeschlagen, weil du uns so gutes Wasser und Brot gabst und seit du deine Götter verliessest, hungern wir geradezu. Dich werden wir aber verlassen und so magst du zusehen wie du verkommst.”

 

Da gingen die anderen. Baltasar blieb allein und nun hatte er Muße, sich umzusehen. Er war in einem ihm so gut bekannten Hause. Auch Menschen sah er, doch waren dieselben ihm unbekannt. Man übertrug ihm die Aufsicht über alles, ja man wollte, dass er ihnen auch Essen geben sollte Willig sagte er zu und nun fand er Brot und Früchte in Menge, es schmeckte ihm sehr gut und dann sah er sich um. Da befanden sich Ställe mit Vieh. Er beteiligte sich an deren Pflege und Fütterung, besah die dazu gehörigen Weiden und war befriedigt- Als er nach einer Wanderung durch das Anwesen zurück in das Haus kam, war schon der Tisch zum Essen gedeckt und die anderen waren schon beim Essen. Da griff er nach dem Brot, welches ihm gereicht wurde und fand es herrlich schmeckend. Wie sie alle miteinander beim Essen sind, kommt der Priester mit den anderen. Überaus freundlich dankten sie ihm und brachten ihm ein Geschenk - eine Mannesbüste. Er nahm sie, besah dieselbe und legte sie beiseite. Um niemanden zu verletzen, sagte er kein Wort und wies auf das gute Brot, welches er gegessen hatte. Sie aber wollten wissen, was er hier getan habe, weil alles so schön und hell sei und wo er überall gewesen sei.

 

Baltasar: „Ich fühlte mich hier wie ein Gast und sah nach dem Rechten. Nur keine Bekannten fand ich, aber viele kannten mich und riefen mich bei meinem Namen. Ich sah auch Menschen, was mich nicht so recht freute, aber über dieses werde ich schweigen, um euch nicht zu betrüben. Da setzten sie sich zu ihm und kleine Hunde kamen und bekundeten eine Freude. Die Tiere hatten Menschenstimmen und sagten: `Heimat - Heimat, hier bleiben.`” Der Priester nahm des Baltasars Hände, drückte sie an seine Brust und sagte: `Was wir in unserer Weisheit nicht fanden, wird uns durch deine Treue. Diese Diener waren immer stumm und jetzt können sie ihre Zunge gebrauchen und in ihrer grenzenlosen Freude bekunden sie ihren Wunsch, hier zu bleiben. Wie gut, dass du uns die Heimat zur Heimat machtest! Wie gut, dass du bei uns bleiben willst, wie einst!`

 

Da ging eine Veränderung vor sich. Das Zimmer, in dem sie alle waren, wurde zu einer großen fruchtbaren Weide und mitten hindurch ging eine Straße. Rechts und links waren Frucht- und Brottbäume in herrlichster Blüte und vor und hinter ihnen waren viele, viele Menschen. Sie waren in einer frohen Stimmung. denn schöner Gesang erklang und laute Rufe. Die Hauptsache aber waren die Weiden und Getreidefelder rechts und links der Straße. Freilich, manche sahen noch recht kümmerlich aus und Baltasar zeigte auf die mageren Felder. Der Priester beugte sein Haupt und sagte: `Es wird besser werden, du bist nun unser Herr und hast nur zu gebieten. Dein Wort soll sein wie ein Gotteswort und deine Freude soll uns Dank sein, weil du uns eine Heimat brachtest.`

 

Ein Mann kam auf der Straße uns allen entgegen, aus seinen Augen leuchtete eine Freude. Er hob die Hand zum Gruß und sagte: `Der Anfang wäre gemacht, die Saaten stehen gut, aber hütet die Äcker, damit der Feind kein Unheil anrichten kann. Was ihr hier vollbringt, wird vielen noch zum Segen, und was ihr vollendet, bereichert euch das Leben, aber ein Leben zum Leben aus der Fülle des ewigen Gotteslebens.` Da sieht Baltasar, dass es der Herr ist. Er möchte vor dem Herrn niederknieen, da kommt Er auf ihn zu und spricht: `Nicht du, nein ICH möchte dir danken, denn alles was du hier siehst, ist ja dein und weil du in deiner Liebe dich an Meine Liebe anlehntest, hast du Mich zum Mitbewohner deiner Welt gemacht und Ich bin in allem mit dir eins und werde mit dir immer eins bleiben, solange du Mein Leben zu dem deinen und Meine Liebe zu der deinen machst!

 

Und nun möchte Ich dir den Wegweiser machen und weise alle in die Tätigkeit, damit wir beide ohne jede Hemmung sind.` Baltasar tat nach dem Willen des Herrn, und nun eilten sie schnell auf der Straße dahin. Kein Wort wurde gesprochen, es gab soviel zu sehen, was Baltasar noch nie sah, es gab Schönheiten über Schönheiten, aber keine Menschen. Da sagte Baltasar: „Herr, es ist alles schön und gut, aber wozu soll dies Nütze sein, es ist doch niemand da, der sich daran erfreuen und ergötzen kann. Auf der Welt möchte man vor Leid vergehen, weil man die Erde belassen muss wie sie ist und die armen Menschen sind ohne Freude. Hier aber tun die Schönheiten weh und warum? Weil die Menschen fehlen, um sie genießen zu können.” Der Herr: `Du bist noch in einer großen Ungewissheit , mein Bruder. Siehe, was du noch nicht ganz dein eigen in deiner Welt nennen kannst, ist dir noch unsichtbar. Ich will, dass du einen Augenblick Blick nach Morgen tun kannst - und was hast du gesehen?`

 

Baltasar: „Herr, nenne mich nicht mehr Bruder, denn es ist ja unmöglich, Besitzer einer Welt zu sein, die solche Heerscharen reinster Wesen beherbergt. O Herr, was soll ich tun, um alles dieses zu verstehen!” Der Herr: ´Nichts anderes, mein Bruder, als Liebe, Liebe und wieder Liebe walten lassen. Jene herrlichen Wesen sind zu einerUntätigkeit verurteilt, wenn du in deinem Wesen nicht zur Liebe wirst. Das Gegenteil aber geschieht, wenn sie aus deiner Liebe Leben empfangen und in deiner Liebe dir Diener, Helfer und Bruder sind. Merke dir, mein Bruder, nicht die Schönheiten deiner Welt machen dich und Mich selig, sondern die Freude und das Glück deiner in dir wohnenden Bewohner.` Baltasar war erwacht. Die Nacht war hereingebrochen, Sterne leuchteten am Himmelszelt und Jakobus schlief. Von Baltasar war aller Schlag gewichen. Er überlegte: „Habe ich geschlafen und geträumt oder habe ich Vorgänge geschaut in meiner Welt? Ich muss bis zum Morgen warten, denn Jakobus ist müde.”

 

Leise erhob er sich, dann ging er hin zu seinen Tieren, die sich auch gelegt hatten. Langsam streichelte er sie und empfand eine Wohltat, die von den Tieren ausging. „O Seligkeit,” dachte er, „was für Gefühle entstehen schon, wenn man gegen ein Tier gut ist, wie muss es aber erst werden, wenn man gegen Menschen gut ist.” Da kniete er nieder und betete: “Herr und Meister Du guter Heiland und Erlöser! Viel habe ich von Dir empfangen, aber diese Erlebnisse formen ein ganz anderes Bild von Dir in mir. O lasse mich ganz Liebe werden, damit Du an mir Freude erlebst, denn bis jetzt war ich blind und taub.”

 

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Baltasars Erlebnis mit Alina

 

 

Baltasar wird gestört, er hört Schritte, die sich leise zu ihm bewegten. Er stand auf und ging den Schritten entgegen. Da steht ein Weib vor ihm und spricht: “Wer du auch seist, schone und schütze mich!” Baltasar spricht: „Wer bist du und wie kommst du hierher, mitten in der Nacht und in dieser Wildnis?” “Ich bin meinen Peinigern entflohen und weiß weder Weg noch Ziel. Schon seit gestern irre ich umher und wenn Gott der Allmächtige nicht hilft, komme ich um. Ich habe einen Herrn, dem ich entflohen bin, weil ich schlimmer wie ein Tier behandelt wurde.” Baltasar: „Komm mit mir in meinen Wagen, damit dein Hunger gestillt wird und am Morgen werden wir sehen, was sich tun lässt, denn noch gehörst du deinem Herrn.”

 

Baltasar gab dem Weib ein großes Stück Brot und einen Trunk Wasser, bereitete ihr ein Lager und sagte: „Nun ruhe bis zum Morgen, hier bist du unter meinem Schutz und danke Gott, dass Er dich mich finden ließ die Gnade Gottes und die Liebe Jesu sei mit dir:” Wachend verbrachte er die Nacht - ein Weib kommt mitten in der Nacht und verlangt Schutz. In ihm ist ein Kampf. Hat er das Recht, das Weib zu behalten oder nicht? Sie ist das wohlerworbene Eigentum des anderen und das Gesetz ist gegen ihn, so er versucht, sie zu behalten. Was wird Jakobus sagen? Halt, Jakobus muss aus dem Spiele bleiben, ich muss handeln. Was sagst du, O Herr dazu?”

 

Leise vernimmt er die Gedanken: `Batest du Mich nicht, Ich solle dich ganze Liebe werden lassen? Alles vermag ich, nur das eine nicht, dass der Mensch zur Liebe wird, das ist des Menschen eigene Sache. Nur helfen darf und will Ich!` Baltasar: „O Mein Herr und Gott, verzeihe mir, dass ich einen Augenblick Deine herrliche Liebe vergessen konnte, nun weiß ich, was ich zu tun habe.” Ruhig wurde es um ihn, ein frohes Gefühl belebte ihn und in diesem Gefühl fühlte er die Nähe des Herrn. Sein Bild wurde in ihm lebendig und sagte: `Auf das wir Eins in der Liebe werden!` Der Morgen graute, da kam das Weib aus dem Wagen und dankte ihm mit Tränen in den Augen. Dann sagte sie: „Herr, lasse mich Feuer machen und ein Mahl richten, hast du noch mehr Leute bei dir?” Baltasar: „Gut, im Wagen findest du alles, richte für drei ein Mahl!”

 

Nun es heller wurde, betrachtete er das Weib, welches noch sehr jung und sehr lebhaft war. Ihre Bewegungen waren flink. Noch nie hatte er ein Weib so betrachtet wie er es jetzt tat. Jakobus hatte das Lager verlassen. Er begrüßte Baltasar herzlich und zeigte auf das junge Weib, das am Feuer saß. Dieses aber hatte ihre Gedanken auf den kochenden Topf gerichtet und bemerkte nicht, wie sie beobachtet wurde. „Eine Heidin,” fragte Jakobus, „wie kommst du zu dem Mädchen? Baltasar: „Es ist mir zugelaufen in der Nacht und suchte Schutz bei mir, aber wie kommt es, dass du mich fragst. Hat der Meister dir nichts offenbart?” Jakobus: „Nein, Bruder, ich weiß gar nichts. Nur das eine, dass der Herr nichts ohne Grund zulässt und dass wir die Handelnden sein sollen.”

 

Baltasar: „Richtig, Bruder -die Handelnden- das ist es; aber meine Handlungen werden gegen das Gesetz verstoßen, es wird mich Mühe kosten, alles in Ordnung zu bringen.” Jakobus: „Siehe Baltasar, du begehst schon einen Fehler, indem du etwas als Mühe ansiehst. Warum schaust du dein Beginnen nicht als ein Werk der Liebe und für die Liebe an? Dem Herrn ist alles recht und Er fragt nicht, wie du es vollbracht hast. Eben in und durch die Liebe wachsen Kräfte, die noch brach liegen in dir. So die Liebe in dir der Wecker ist, stehen dir viele Helfer zur Seite. Oder hast du dein Erlebnis in deiner Welt schon vergessen?”

 

Baltasar: „Jakobus. ich danke dir-. ich hatte es nur auf Augenblicke, jetzt aber wird mir Klarheit!” In diesem Augenblick war die Sonne aufgegangen. Das Mädchen kam zu den beiden und sagte: „Herr, das Frühmahl ist fertig, gib mir Anweisung, was ich tun soll” Baltasar: „Bleibe hier und stärke dich. Für die nächsten Tage bist du meine Schwester bis ich dich von deinem Herrn gelöst habe. Hier siehst du einen Jünger des Herrn, dem ich die Wahrheit über den wahren Herrn und Gott verdanke.” Das Mädchen: „Herr, ich soll deine Schwester sein? Ich soll wieder frei und froh werden?” Sie ergreift die Hände des Baltasar und unter Tränen spricht sie: „Herr lass mich deine Magd sein, alles werde ich tun um dich und deinen Gott zu erfreuen und lasse mich teilnehmen an deinem Gott, denn Er ist auch der meine.” Sich an Jakobus wendend sagt sie: „Dich kenne ich und durch dich Den Herrn. Wohl habe ich schwer dulden müssen um des Herrn willen, aber diese Stunde macht alle Leiden bezahlt.”

 

Jakobus reicht ihr die Rand und spricht: „So danke auch dem Herrn mit Herzen, Mund und Händen und vergiss nicht, dass Er es war, der es zuließ, dass du in das Leid und nun in die rechte Freude kommst. Willst du aber den Herrn recht erfreuen, so bemühe dich, ganz in Seinem Geist und in Seiner Liebe tätig zu sein. Nicht im Erfüllen des erkannten Gotteswillens allein, sondern im Erstehen der freien Kindesliebe, die nur eines kennt, dem Herrn als dem himmlichen Vater Freude über Freude zu machen.” Wie strahlten dem Weibe die Augen. Diese Worte waren für sie das Herrlichste, was sie in ihrem Leben bis jetzt erlebt hatte.

 

Jakobus segnete das Mahl, dann nahmen sie in dankbarer Freude das einfache und doch so köstlich schmeckende Mahl ein. Baltasar fuhr weiter, das Weib nicht weiter beachtend bat er Jakobus, ihn doch mehr und mehr in das Wesen der Liebe einzuführen, die ihm als das Höchste und Herrlichste erschien. So schilderte Jakobus das Leben des Herrn und führte ihn in die Welt, die ihm selbst der Herr erschlossen hatte als Liebe und Leben. Sie hatten ganz das Weib vergessen, bis ein Schluchzen die beiden aufmerksam machte. Jakobus drehte sich um und sagte: „Alina, warum weinst du? Ist die Liebe nicht allein das erlösende und das befreiende Leben? Das, was du hörtest, ist noch nicht das Leben, sondern der Weg zu demselben. Noch bist du innerlich unfrei. Das dir zugefügte Leid hat dich hart und verschlossen gemacht. Nicht der Herr kann dich, wie du annimmst, frei machen, sondern nur du selbst!

 

Innerlich frei werden heißt vergeben zu können und wenn möglich, noch Gutes dafür zu tun. Der Meister lehrte es uns nicht nur, sondern lebte es uns auch vor und was war meistens die Folge? Er gewann dadurch die Herzen und machte sie zu rechten Arbeitern in Seinem Weinberg.” Alina: „Muss ich wieder zurück zu dem Unmenschen?” Jakobus: „Alina, hast du vergessen, dass Baltasar sagte, du sollst solange seine Schwester sein, bis er dich gelöst hat? Vertraue Ihm ganz und zweifle nicht an Seiner Liebe; aber in deinem Herzen kann nicht eher die reine Liebe-Einzug halten, bis du ganz still und hingebend geworden bist.” Alina weinte still, dann sagte sie: „Wenn du es sagst, muss es auch so sein. Sollte aber ich es nicht vermögen, dann mögen die erlebten Stunden der Lohn und das Geschenk Gottes sein. Ich dachte sterben zu müssen unter der Brutalität meines Herrn; aber nun werde ich doch versuchen, das Schwere zu ertragen. Darum lasst mich wieder zurückkehren, damit ihr nicht ins Unglück kommt.”

 

Baltasar: „Alina, du bleibst, ich habe dich zu meiner Schwester gemacht und sei ohne Sorge, der Herr wird alles zu einem herrlichen Ende führen.” Jakobus reicht Baltasar die Hand und spricht: „Bruder es wird gelingen. Nun spricht der Herr zu mir: `Fahre zu Alina's Herrn. Wenn die Sonne am höchsten steht, werden wir sein Lager erreicht haben. Er bedarf einer Hilfe. Seine Leute verweigern ihm den Dienst, wenn er nicht Alina suchen lässt.`” So kam es, dass Baltasar einen Auftrag erhielt und Jakobus eine neue Arbeit.

 

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Jakobus und Baltasar bei Kasimir

 

 

In einer Talmulde, umgeben von kleinen Wäldchen, hatte Kasimir sein Lager aufgeschlagen. Die Tiere grasten, aber die Leute waren nicht tätig - wie es in einem solchen großen Lager üblich ist. Laut fluchend jagte Kasimir umher und die Leute im Lager nahmen eine feindliche Haltung ein. In dieser Lage fuhr der Wagen des Baltasar in das Lager. Alina war auf Geheiß des Baltasar nicht zu sehen. Als Baltasar und Jakobus von dem Wagen stiegen, erhellte sich das Gesicht des Kasimir. Er hieß sie nach Lagerart herzlich willkommen. Dann sagte er: „Ihr kommt zu einer schlechten Stunde. Ich habe Unglück gehabt, ich habe eine Magd verloren. Aber was habt ihr mit meinem Unglück zu tun!” „Sehr viel,” spricht Baltasar, „denn wir möchten dir helfen. Freilich kenne ich dich noch nicht. Ich bin Baltasar und habe auch eine eigene Karawane. Jetzt aber begleite ich meinen Bruder, der auf dem Wege nach seiner Heimat ist.”

 

Kasimir: „Baltasar - Baltasar? Von dir ist in der letzten Zeit viel gesprochen worden. Die Kaufleute sehen dich gern, weil du eine Wandlung hinter dir hättest, die sie in Bewunderung versetzt.” Baltasar: „Rede nicht davon. Vor allem lasse mich mal mit deinen Leuten reden damit du wieder zufrieden wirst. Aber mein Bruder wird dir gern Gesellschaft leisten, nicht wahr Jakobus?” „Was, du bist Jakobus,” fragte Kasimir. In dieser dir völlig fremden Welt bewegst du dich und mit Baltasar um den man sich reißt? Was ist da denn eigentlich geschehen? Du bist doch ein Jude! Nimm es mir nicht übel, dass ich dich so bezeichne. Ich mag mit Juden keine Geschäfte mehr machen, wenn schon ihre Priester die größten Gauner und Verbrecher sind. Was soll ich da von euch halten. Wo ist die Zeit hin, wo man noch ein ehrliches Geschäft machen konnte. Mir ekelt vor diesen Anhängern des alten schwerhörigen Jehova.”

 

Jakobus: „Mir tust du nicht weh mit deinen Worten, da ich selbst alles dieses weiß, aber was du nicht weißt ist dieses, dass Jehova mit all diesem nichts zu tun hat. Ein Volk, dass sich soweit wie das jüdische verloren hat, wird auch die Folgen zu tragen haben und es wird schwer, sehr schwer werden. Du fragst, was ist geschehen, weil Baltasar eine andere Gesinnung bekundet. Nichts weiter als das, dass Baltasar sich zu dem Gott der Juden bekennt und ein eifriger Nachfolger der wahren Gotteslehre sein will. Und eben dieser Nachfolge des Baltasars hast du es zu verdanken, dass er dir Helfer und Erretter ist!”

 

Kasimir: „Wieso Helfer und Erretter? Habe ich doch all die Jahre ohne die Hilfe der anderen gelebt. Was hat das mit Baltasar zu tun?” Jakobus: ”Kasimir, du verkennst deine Lage. Du hast eine Magd verloren, gut, das kann vorkommen, aber diese Magd ist der Liebling aller deiner Leute und eine eifrige Bekennerin des Heilandes Jesu. Nur du allein bist blind und hast nichts sehen und hören wollen. Weil dein Verhalten mit deinen Leibeigenen viel, sehr viel Anstoß erregte, hast du das Vertrauen deiner Leute verloren und seit Alina verschwunden ist, nehmen die Leute an, du hättest dich ihrer entledigt, wenn die Sache mit Alina sich nicht zu deinen Gunsten aufklärt, bist du ein verlorener Mann.” Kasimir: „Das kann doch nicht sein! Bin ich nicht immer ein guter Herr gewesen, habe ich nicht immer gesorgt wie es sich gehört?” Jakobus: „Das nimmst du an, Kasimir. Mit Alina stimmt es jedenfalls nicht, weil du noch ein sehr roher und tierischer Mensch bist. Alina litt furchtbar unter deiner sinnlichen Leidenschaft und das wissen deine Leute.”

 

Kasimir: „Was geht das meinen Leuten an! Habe ich sie nicht für teures und gutes Geld erworben. Ich kann tun und lassen was ich will mit ihr, sie ist und bleibt mein Eigentum!” Jakobus: „Richtig Kasimir, so denkst du , aber nicht die anderen. Alina ist die Dienerin aller und ihr liebevolles Wesen hat alle gewonnen, bloß dich nicht, weil du in deiner Sinnengier nur an dich und wieder an dich dachtest Deine Leute haben Teilnahme an dem Geschick Alina's gezeigt. Was tatest du? Du hast gedroht und hast damit die Grenzen der Klugheit überschritten. Kürzlich, als du Alina mit einer Peitsche schlugst, weil sie am hellichten Tag nicht das Lager mit dir teilen wollte, hat sich die Gesinnung deiner Leute in Feindschaft verwandelt und das ist deine Schuld. Freilich, du wolltest dieses alles nicht merken und darum bist du nun in einer Enge.”

 

Kasimir: „Verflucht, was geht das meine Leuten an, ich kann doch tun was ich will - ich bin mein eigener Herr!” Jakobus: „Gewiss, Kasimir, aber nicht mit Alina, weil sie allen eine rechte Schwester geworden ist.” Kasimir: „Ja, was soll ich tun! Das Mädchen ist weg und ich bin ohne Schuld!” Jakobus: „Ohne Schuld fühlst du dich? Deine Leute glauben es aber nicht und darum ist Baltasar hier, um deine Schuld gutzumachen. Es kommt nur auf dich an, wie du dich zu allem stellst. Dort kommt Baltasar. An seinem Gesicht sehe ich, er bringt gute Nachricht!”

 

Baltasar spricht: „Jetzt wäre noch einmal das Unheil vorübergegangen, Kasimir, aber wie willst du das Vertrauen deiner Leute wieder gewinnen? Es hat den Anschein, dass du alle deine Leute verlierst, denn sie stellen dir eine Bedingung - dass du Alina die Freiheit gibst.” Kasimir: „Nie werde ich das tun. Das Mädchen gehört zu mir und niemand wird mir das Recht nehmen, sie als meine Leibeigene zu behalten.”

 

Baltasar: „Kasimir, ich habe Alina in meinem Wagen, sie hat sich unter meinen Schutz gestellt und nur unter dem größten Zwang wird sie sich dir unterordnen, dann ist aber auch die Zukunft für dich in größtes Dunkel gehüllt und dein Leben in ständiger Gefahr. Ich werde dir dein Eigentum nicht Vorenthalten, aber ist Alina wirklich dein Eigentum? Was Alina dir gab, war Zwang unter dem größten Druck. Warum willst du nicht das Mädchen in Liebe und Freiheit gewinnen. Alina ist ein schönes Mädchen und vor allem, sie hat ein Herz, das in Liebe und Treue zu dem ewigen wahren Gott schlägt! Siehe, einen solchen Schatz hütet man wie Gold und stellt ihn hinaus wie ein strahlendes Licht, damit es leuchte und erleuchte. Alina hat in deinen Leuten ein Verlangen hervorgerufen, was ich noch nie gefunden habe. Ein Verlangen. Den ewig wahren Gott kennen zu lernen , den ich auch gefunden habe !”

 

Kasimir: „Mag alles sein, Baltasar. Ich habe kein Verlangen nach diesem Gott der nicht einmal imstande war, Seinen eigenen Sohn zu schützen. Denke nicht, dass ich nicht unterrichtet bin, sehr gut sogar, aber ich gebe mich nicht in die Hand des Gottes.. Ich bleibe mir selbst der Nächste und alles, was mit Diesem Gott zusammenhängt, kann mir geschoren bleiben. Es ist ja weiter nichts als dir Politik der Tempelleute. Solange das Volk dumm ist, nutzen sie ihre Macht und ich kann es ihnen nicht verdenken.”

 

Baltasar: „Kasimir, damit sprichst du aber dein eigenes Urteil. Deine Leute nutzen auch nur ihre Macht und sehen nicht ein, dass du, gleich einem Gott, machen kannst was du willst. Sie wissen, Alina ist das Opfer dieser Tempelleute und ohne Schuld in dieses Elend gekommen. Sie haben sie lieb und wollen nicht länger dulden, dass du Alina zugrunde richtest und wenn du sie in das größte Elend gestoßen hast, dann wirfst du sie hinweg, wie du die Senna weggeworfen hast, die da krank und elend durch dich geworden ist.”

 

Kasimir: „Was geht es die Leute an, ich kann doch tun was ich will.” Baltasar: “Eben nicht, solange deine Leute bei dir sind, sie sind von einem Geist durchdrungen, der das Unrecht nicht mehr mit ansehen kann. Heute ist es mir noch gelungen, nun liegt es an dir, alles zu bereinigen. Noch eines sage ich dir, Alina versprach zu dir zurückzukehren. Sie will dir dienen wie eine Magd, aber wie ein Vieh lässt sie nicht mehr mit sich spielen, eher geht sie zu den wilden Tieren, mag geschehen was da will.” Kasimir: “Rufe mir das Mädchen!” Baltasar ging an seinen Wagen und sagte: „Alina, komm, sei klug und halte dich an das, was du von Jakobus hörtest.”

 

Alina sprang vom Wagen und ging mit Baltasar zu Kasimir und Jakobus: Kasimir kam in Wut als er das Mädchen sah und sagte: „Weißt du, was du verdient hättest, weil du das Lager verlassen hast? Durchpeitschen müsste ich dich lassen.” Alina: „Versuche es. Herr! Eben weil ich vor dir floh rettete ich dich und habe meine Brüder vor Unheil bewahrt.” Kasimir: „Schweig und gehe mir aus den Augen!” Jakobus trat hinzu Kasimir und sagte: „Kasimir, in diesem Geist gewinnst du nichts, sondern verlierst alles. Es könnte mir gleich sein, wie du dein ferneres Leben gestaltest, aber die Liebe in mir lässt mich nicht schweigen vor dir. Siehe, ich bin ein Zeuge dessen, der am Kreuze starb und Seine Liebe mit dem Tode besiegelte. Ich bin aber auch Zeuge, dass dieser Gottessohn nicht im Grabe verblieb und uns, Seine Zeugen, die wir Geschlagene waren, wieder aufrichtete und uns mit Macht und Kraft ausrüstete, die Ihm zu eigen war!

 

Wir kamen zu dir, um dir zu helfen, eben aus diesem Geist! Wir waren ehrlich und brachten dir dein Eigentum zurück. Wie lohnst du aber diesen Geist, der uns so belebte, um dir zu helfen? Jedenfalls nicht mit dem Verständnis, das wir erhofften. Nichts könnte uns abhalten, das Mädchen wieder mitzunehmen, da wir deine Wut und deinen Ärger sehen, aber eines möchte ich dir zu bedenken geben: Wenn du die Hände, die dir helfen wollen, zurückstößt, wird es dir nicht zum Besten gehen.” „Soll das eine Drohung sein,” sagte Kasimir. „Ich habe nicht die geringste Furcht und die Kraft und Macht kann mir nicht imponieren!” „Nun, dann ist es gut,” sagte Jakobus, „um dich aber vor größerem Unglück zu bewahren, werden wir Alina wieder mitnehmen und ich möchte sehen, wer uns hindern könnte!”

 

Ohne Kasimir noch eines Blickes zu würdigen, ging er zu den Leuten wo Alina stand und sagte: „Ihr lieben Brüder, das Herz des Kasimir ist verhärtet. Wir werden Alina wieder mitnehmen und auch seine beiden bissigen Hunde, damit er seines Schutzes ledig ist. Haltet bei ihm aus, in ganz kurzer Zeit werdet ihr einen guten Herrn haben und sollte er im Zorn verbleiben, dann ziehet hin zu Nikolaus, wohin Baltasar Alina bringen wird. Dort werdet ihr einen guten Herrn und euer Brot finden. Was aber die große Heilandsliebe will, wisset ihr durch Alina. Bleibet in diesem Glauben und in dieser Zuversicht, dann werdet ihr die Herrlichkeit Gottes sehen, die sich jetzt offenbaren wird. Nun komm Alina, wir wollen die Hunde frei lassen.”  Alina: „Die Hunde, Jakobus! Nein, nein! Dann bleibe ich hier! Sofort werden sie dich zerreißen, du wärst der Erste nicht!” Jakobus: „Alina, warum vertraust du dem Herrn so wenig? Er ist der Herr und Sein ist die Macht. Komm und erlebe die Macht des Herrn.

 

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Die bissigen Hunde des Kasimir und ihre Zähmung

 

 

Die Hunde waren in einem Käfig eingesperrt, ihre Augen blitzten und sie fletschten ihre Zähne. Da streckte Jakobus seine Hände aus und winselnd legten sie sich auf den Boden. Er öffnete den Käfig und sagte: „Kommet heraus und zurichte sei alle eure Gier. Von nun an soll jeder Mensch und jedes Tier von euch nichts mehr zu befürchten haben und Alina ist eure Herrin!” Die Hunde kamen heraus, beleckten Alinas Füße und Hände und wichen nicht mehr von ihrer Seite.

 

Da sagte Jakobus: „Alina, was sagst du nun. Ist der Herr nicht wunderbar in Seiner Liebe, Kraft und Macht? Schau, dort kommt wutentbrannt Kasimir. Der Herr hat ihn dir in deine Hände gegeben. Ein Wort an die Hunde und dein Peiniger ist nicht mehr.” Kasimir war sprachlos. Das hatte er nicht erwartet, dass seine Hunde, die er nur für sich dressiert hatte, jetzt einem fremden Einfluss unterlagen. Er rief sie mit Namen, sie aber bewegten nicht einmal die Rute. Da ging er wie ein Geschlagener in sein Zelt. Für ihn war die Welt leer. Die Leute aber, die da zitterten, als Jakobus in den Käfig ging und nun das große Wunder erlebten, kamen und sagten: „Alina, Alina, was ist geschehen, die Hunde tun uns ja nichts zuleide. Sag, was ist geschehen?”

 

Alina: „Nichts, ihr lieben Brüder als nur das, dass unser treuer Gott und Herr in Jakobus uns Seine Liebe und Macht offenbarte. Bittet Jakobus, dass Er euch einmal diene, wie Er heute Baltasar diente. Was ich da vernahm, meine Brüder, ist mehr denn Liebe und Macht, das ist der Himmel des Heiligen und Gesalbten.” Da umringten sie ihn und sagten: „Schenke uns auch deine Liebe und führe uns in die Wunder der Liebeswelt. Wie oft sehnten wir uns danach als Alina etwas erzählte und unser Herr wollte es nicht dulden.” Jakobus: „Dann kommt ausserhalb des Lagers. Wir wollen Niemandem Ärgernis erregen.”

 

Die Männer lagerten sich im Kreise, Alina stand mitten unter ihnen. Die großen Hunde lagen ihr zu Füßen und schauten unentwegt auf Jakobus. Dieser sagte: „Liebe Brüder, eurem Wunsche entgegenkommend, grüße ich euch aus der Liebe des Herrn und Meisters Jesu. Ich grüße euch in Seinem Liebesgeiste und verkünde euch Seinen Liebessegen und Seinen Frieden, der allen, allen gilt. Leider ist noch des Glaubens zu wenig, leider ist auch noch das Vertrauen zu schwach, denn ganz, ganz anders könnte euch die Herrlichkeit Seiner Liebe offenbart werden, da auch, um dieses zu erfassen, eine Hingabe und Reife gehört.

 

Euer Leben ist nur ein Ringen um Erhaltung. In euerm Leben ist mehr Leid und Sorge als Freude. Mit Reden und Trostworten ist aber all die tägliche Sorge und das viele, viele Leid nicht hinwegzuzaubern. Es ist da und wird immer da sein, weil der Mensch in seiner Seele aus dem lebt, was der tränensatten Erde die Erhaltung gibt. Warum das Leid, fragt ihr oft, warum die Schwere in unserem Leben? Es müßte doch einen Gott, der Liebe ist, erbarmen! Und in dieser Stunde sage ich euch: Ja, Gott erbarmt Sich, nicht nur eurer, sondern aller ; aber die Menschen glauben es nicht und gehen trotzdem ihre eigenen Wege. Da rang sich aus dem Erbarmen die Liebe aller Liebe hervor und wurde Mensch. Mensch wie wir und mitten im Leid, mitten in dem Lebenskampf wurde in dem Menschen, der Sein Göttliches, welches das Innerste in Seinem Ich war, herauswachsen lassen mußte und wurde zum Gottessohn. Jesus hieß dieser Mensch. Jesus, der Gottessohn, stellte sich inmitten alles Leides und wurde zum Träger eines Geistes, der alles Leid und Weh heilen und lindern konnte. Er wurde das Gefäß des Geistes, das allen Menschen verheißen ist, so man wahrhaft glauben und in diesem Glauben verharrt bis zum Ende.

 

So ihr nun glaubt an diesen Jesus und an Seiner Liebe euch bereichert, indem ihr Liebe untereinander übt und alles Leid der anderen lindern wollt aus dieser Liebe, wird euch Seine Liebe und Sein Leben offenbar. Auch wir haben Seine Liebe und Tröstungen erfahren. Erst in den letzten Tagen ist wieder soviel der herrlichen Jesusliebe offenbar geworden, wie euch Bruder Baltasar bezeugen kann. Diese Liebe kündet euch nun Seine Liebe zu euch. Kündet euch, dass Er Vorsorge getroffen hat, dass Er immer im Geiste bei und unter euch sein will, wie jetzt in dieser Stunde. Ist es nicht das Wunder Seiner Liebe, dass diese gefürchteten Hunde, die die kluge Berechnung eines Menschen zu Bestien erzog, auf einmal zahm wie Lämmer sind?

 

Was wäre aus Alina geworden, wenn ich nicht das Gefäß Seiner offenbarenden Liebe wäre? Nur weil wir glaubten in dem Bewusstsein, immer Diener jener herrlichen und heiligen Liebe zu sein, führte uns der Herr dorthin, wo Alina weilte und warum? Weil alles Leid der Alina zu dem erbarmenden Liebeherzen Gottes gedrungen war. So erlebten wir Liebe über Liebe. Auch ihr werdet immer mehr und mehr diese Liebe erleben, wenn ihr in dieser Liebe und in diesem Geiste wachset und bereit seid, andere glücklich und froh zu machen.

 

Als in einer Stunde, wo alles Leid uns niederdrückte, alle Aussicht auf Hilfe aussichtslos war, die die Wogen der Welt uns verschlingen wollten, trat der Herr mitten unter uns und sagte: `O ihr schwachen und kleingläubigen Menschen, warum vergesset ihr, dass ihr einen starken Gott und Vater habt. Alles Leid wird vergehen und alle Last wird zunichte, wenn ihr in Mir stark und ruhig werdet.` Und was geschah? Alle Peiniger gingen von uns und der sterbende Bruder erholte sich zusehends und in kurzer Zeit konnten wir nur danken und uns freuen. Nun glaube ich, euch vorläufig genug gesagt zu haben, beherzigt diese meine Worte und nehmt hin den Segen Gottes. Er sei euch Trost, Kraft und Freude!”

 

Wie strahlten die Augen der armen Brüder. Solche Worte hatten sie noch niemals vernommen. Baltasar trat vor und sagte: „Liebe Brüder, glaubet unserem Bruder Jakobus, denn seine Worte sind gleich Gottesworte und seine Liebe, mit der er allen Menschen dient, ist Gottesliebe in ihm. Viel zu wenig hat er euch gesagt, doch es ist übergenug zur Stunde. Solltet ihr euch freimachen können, so tut es. Eure Seele verkümmert in diesem euren Sein und von der großen Freiheit des Menschen wisst ihr so gut wie nichts. Was war ich trotz meines nicht kleinen Besitzes für ein armer Mensch und heute bin ich reich, überreich, weil ich die Liebe des Heiligen Gottes und Seines Sohnes Jesus besitze. In dieser Liebe wird mir die Erde zum Himmel und alles Leid ist und wird zum Mittel um immer mehr und mehr zu verwachsen mit dem herrlichen Gott, der ein guter und treuer Vater Seiner Kinder ist, im Himmel und auf Erden. Ich weiß, zu wem ich beten kann, ich weiß, wer mich versteht und ich bin reich in dieser Liebe, weil ich auch andere verstehen kann. So wollen wir uns wieder entfernen, da es die Pflicht erfordert. Tut auch eure Pflicht, damit alle erfahren, dass auch ihr Gotteskinder seid.”

 

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Der alte Treiber Ben

 

 

Ein alter Treiber dankte den beiden mit leisen Worten und spricht: „Brüder habt ihr uns genannt, wie es Alina immer tat, was ihr mir gebracht habt, kann nur der ermessen, der in mein Herz schaut und dies kann nur Gott allein. Könnt ihr es nicht ermöglichen, dass ich mit dem Herrn und Gott noch mehr verkehren kann?. Es ist so schwer, so mir das rechte Bild fehlt von Ihm. Trotz des Glaubens an Ihn bleibe ich ein armer und verlassener Mensch. Ihr habt Ihn gesehen. Du, Jakobus, bist einer Seiner Zeugen. Alina wurde vom Herrn besonders ausgezeichnet, aber ich bleibe voll des heißen Verlangens, weil es mir nicht möglich ist, Ihn mir vorzustellen.”

 

Jakobus: „Mein alter treuer Bruder Ben, dein Verlangen verstehe ich und doch wäre es verkehrt, wollte ich dir ein Bild vom Herrn geben. Sein Aussehen macht in dir keine Seligkeiten, aber dein in dir wohnender Geist ist befähigt, das Bild des Herrn in dir zu zeichnen und zu formen. Nach deiner Liebe wird auch Sein Bild in dir lebendig werden und wird dich sättigen nach dem Bedürfnis in dir, doch auch nur soweit, wie du reif bist und wieviel du in deiner Liebe den Brüdern dienen kannst. Du bist auf dem Wege dazu. Wird dir aber diese Gnade, dann glaube und zweifle nicht. Der Herr ist Liebe denen, die da lieben und ein Vater dem, der da Kind ist und den anderen Bruder wird!” Der Treiber: „Nun ist es gut, mein Bruder, und du, mein Herz sei still, bald wird meine Sehnsucht gestillt sein.”

 

Kasimir, dem es in seinem Zelt unheimlich wurde, ging leise zu denen, die da um die beiden sich geschart hatten. Alina sah ihn nicht und seine beiden Hunde drehten nicht einmal den Kopf nach ihm. Wort für Wort hörte er, was Jakobus seinem alten treuen Ben sagte. Er schüttelt den Kopf über sich selbst, dass er so gemein den beiden gegenüber war. Sind sie nicht in der besten Absicht zu ihm gekommen, hatten sie nicht das Unheil, das über seinem Kopf schwebte, abgewendet? Und nun keinen Vorwurf, im Gegenteil, Ben solle sich bemühen, allen Bruder zu werden. Ben, der Stille und doch von allen der Beste.

 

Kasimir tritt nun ganz zu ihnen und spricht: „Ich muss um Verzeihung bitten, weil ich mich nicht so verhielt, wie es sich Gästen gegenüber geziemt. Ihr brachtet Alina zurück und sie ist für mich verloren. Nehmt sie wieder mit, aber lasst mir meine Hunde, ohne meine Hunde wüsste ich nicht, wie ich mich bewegen müsste.” Baltasar tritt an Kasimir heran und ergreift seine rechte Hand, dann spricht er: „Du gibst also Alina uns zurück und willst sie nicht mehr als dein Eigentum haben. Überlege es dir genau, damit nicht später die Reue kommt.” Kasimir: „Nehmt sie wieder mit, damit ich nicht in Versuchung komme, größeres Unheil anzurichten, aber laßt mir meine Hunde. Für meine Hunde gebe ich Alina frei. Hier mein Wort, Alina ist frei, jedes Anrecht ist null und nichtig für den Preis meiner Hunde.”

 

Alina ergreift die Hände des Kasimir und spricht: „Du machst mich zum glücklichsten Menschen und nur für den Preis deiner Hunde. Da mir aber die Hunde ein Geschenk Gottes sind und ich dieselben dir nicht vorenthalten will, bleibe ich bei dir, aber nicht als Magd sondern als Schwester. Bist du einverstanden, Bruder Kasimir?” Kasimir: „Alina, was fällt dir ein, ich bin ein Teufel und du ein Engel, ich ein Vieh und du ein zartes Menschenkind. Nein, nein, gehe, denn dies wäre mein Unglück.” Alina: „Nein, Kasimir, du kannst sagen was du willst, ich bleibe bei dir. Vor deiner Wut schützen mich deine Hunde; aber warum willst du den Weg des Herrn, den alle unsere Brüder gehen, nicht beschreiten? Siehe, nun ich dir Schwester bin, ist es auch mein Wille, dir den Weg zu zeigen, den Weg, der zum Heiland Jesus führt, der auch dich heilen kann von deiner viehischen Gier und von deiner Wut.

 

Kasimir: „Du willst bei mir bleiben. Alina ganz und für immer als meine Schwester? Alina, wo nimmst du den Mut und die Kraft her, bei mir, dem Wüterich, zu bleiben?” Alina: „Von Jesus dem Herrn. Es ist ja alles Seine Führung. Nun sehe ich die große Gnade des Herrn und um dieser Gnade mich würdig zu machen, will ich dir dienen als deine Schwester, bis du mich nicht mehr brauchst.” Kasimir: „Dann bleibe - aber Alina, mache mir keinen Vorwurf, wenn ich mich dir gegenüber vergessen sollte. Ich will mir Mühe geben, deinen Gott zu dem meinen zu machen und deine Brüder sollen auch meine Brüder werden; also ihr habt es gehört und wenn ich mich einmal vergessen sollte, dann, Brüder, mahnt mich an diese Stunde. Alina soll von nun an Freude erleben, gutmachen will ich, was ich an dir gesündigt habe.”

 

Alina: „Kasimir, glaube mir, doch größere Freude wird unser Gott im Himmel haben und bald wirst du erleben, wie gut und wie herrlich unser Treuer Gott ist!  O Du Treuer und ewiger Gott, wie gut bist Du und wie wunderbar sind Deine Führungen. Aus Nacht führst Du uns in das Licht, in Dein Licht und lässt leuchten Deine Liebe und Gnade über uns. Wie gut bist Du, Vater bist Du uns geworden und so danken wir Dir als Deine Kinder. Lasse uns recht fest in Deiner Liebe werden und binde uns immer fester an Dich. Du Bester Vater aller Väter. So lasse uns ganz Dein sein und als Deine Kinder Dich erfreuen, Du Aba, lieber Vater, - Amen.”

 

Kasimir. in einem Drang, der ihm fremd war, nahm Jakobus bei der Hand und sagte: „Wahrlich, das hätte ich nicht geglaubt, dass euer Besuch, mir helfen zu wollen, dieses auslöste. In mir ist eine solche Freude, so dass ich euch bitten möchte, bleibt einen Tag in meinem Lager. Morgen soll ein Feiertag sein und heute Abend lasse ich durch meinen Ben ein Festmahl richten, so gut es möglich ist. Ich habe sogar noch einige Schläuche Wein und so kann Alinas Freilassung festlich begangen werden.” Baltasar schaut auf Jakobus, nickt ihm zu und spricht: „Bruderherz, wir nehmen das dankbar an. Du wirst es nicht bereuen, dass du deiner Liebe Gewalt angetan hast. Sieh nur deine Leute an, wie sie strahlen. Ist es nicht schöner, Freude zu machen, als blinden Streit? Hier hast du meine Hand und solltest du mich einmal brauchen, dann bin ich da.”

 

Kasimir: „Baltasar, höre nun auf mit den Liebesbeweisen, es wird mir zu viel auf einmal. ich bin es doch gar nicht wert. Morgen kann ich vielleicht wieder ein Wüterich sein.” Baltasar: „Nein Bruderherz, denn nun hast du Schwestern und Brüder um dich, die dich mit Liebe umgeben und dir mit Freuden dienen. Dann wirst auch du die Liebe des Herrn Jesu erfahren und alles wird noch viel herrlicher werden.” Ben und Alina bereiteten ein Mahl. Es gab Fleisch, Brot und Früchte. Die Leute hatten mit den Tieren keine Arbeit, da sie sich auf gutem Weideland befanden und sich der wohlverdienten Ruhe hingaben. Die anderen hatten sich um Jakobus geschart und hörten mit größter Hingabe seinen Worten zu. Am aufmerksamsten war Kasimir. Das, was er heute über Jesus und Gott hörte, klang ja ganz anders und ein Verlangen stieg in ihm auf, noch mehr zu hören. Jetzt konnte er auch Alina verstehen, dass sie sich nicht abwenden könne von dem Heiland, der ihr soviel geworden war.

 

„Jakobus,” sagte er, “nimm es mir nicht übel, so ich dich mit Beschlag belegen möchte. Du gibst ja ein ganz anderes Bild von dem Gottessohn und eine Grösse des Heiligen Gottes, dass ich erschauern muss.” Jakobus: „Bruder, sei offen und mache dich ganz frei. Gerade Jesus ist es, der in dir einziehen möchte und da möchte schon das Herz von den falschen und verkehrten Begriffen gereinigt sein. Von deinen Göttern kannst du dich leicht trennen, weil sie dir sowieso wenig bedeuten und den Priestern lag ja weniger an dir, wohl aber an deinen Opfern. Genau so ist es auch bei uns in Judäa. Die Priester, als seinwollende Vertreter Gottes sehen mehr auf sich als auf die, die sie zu betreuen haben. Nun kannst du dir den Kampf vorstellen, den Jesu zu bestehen hatte, um Seine Mission zu beenden. Darum will ich euch heute Abend in die innere Welt des Herrn und Heilands führen, dann wird euch allen diese Wahrheit aus Gott hell und lichtvoll sein für euer ferneres Leben.”

 

Das Mahl war fertig. Jakobus staunte, was die beiden, der alte Ben und Alina fertigbrachten und Baltasar sagte: „Nun kannst du dir ein Bild machen, wie wir leben, einfach, fast zu einfach und wenn es gilt, auch köstlich, sogar Wein ist in den Krügen.” Kasimir bat Jakobus: „Sei du so gut und nimm meine Stelle ein, denn dir ist es möglich, die rechten Worte zu finden um Alina zu entschädigen für das Harte, was ich ihr zufügte. Jakobus: „Wenn es dein Wunsch ist, gern!” Alle hatten sie, so gut es ging Platz gefunden. Alina und Kasimir saßen zwischen Jakobus und Baltasar. Nun sagte Jakobus: „Liebe Brüder, ein Freudenmahl eint uns in dieser Stunde. Ein Freudenmahl, weil es aus der Freude gespendet wird. Unser Bruder Kasimir hat oft in falscher und blinder Einstellung unweise an euch und anderen gehandelt. Heute ist ihm durch die Gande des Herrn ein neues Licht geworden und er bittet euch alle um Verzeihung. Er will euch in Zukunft ein gerechter Herr und Bruder sein. Dir, Alina dankt er am meisten, weil du aus dir heraus ihn nicht verlassen willst. Von heute an bist du wieder ein freies Menschenkind, das sich ganz frei nach ihrer Liebe bewegen darf und dieses Mahl soll deine Freiheit besiegeln. Da aber ein Mahl ohne des Herrn Segen nicht das auslösen kann was es soll, bitten wir Dich, Herr Jesu, nimm teil an unserer Liebe, an diesem Mahl, und segne Du es besonders; weil es aus Deiner Liebe kommt und weil es der Liebe geweiht ist. Habe innigen Dank und bleibe heute und immerdar bei und unter uns! Amen.”

 

Die Stunden vergingen. Es wurde Nacht und immer noch blieben die Brüder beisammen. Herrliche Sternbilder leuchteten am Himmelszelt und der Mond stand in voller Rundung. Der alte Ben aber sagte: „Bruder, viel, sehr viel haben wir heute gehört. Einen solchen Festtag werden wir wohl nicht gleich wieder erleben, aber wenn es dir nicht zu viel wird, erzähle noch etwas von dem Heiland, und zwar aus der Zeit, wo auch Er in der Zeit der Sehnsucht stand. Du hast zwar Seine Entwicklung geschildert und Seine Kämpfe uns vor Augen gehalten, aber von Seiner Sehnsucht, und diese muss Er doch auch gehabt haben, schwiegest du.” Jakobus: „Ja, Ben, über dieses kann ich ja auch am wenigsten erzählen, weil Jesus über all dieses nicht sprach. Dass Er Sehnsucht hatte, ist verständlich, Er war ja Mensch wie wir alle und ich sage dir, Er hat auch heute noch Sehnsucht nach Kindern, die Ihn ganz erfassen und verstehen. Sein Leben war ja nichts weiter, als ein Dienen in der Liebe Gottes und ein Verherrlichen des Heiligen Vaters, der in Ihm lebte, und bis dieser Zeitpunkt kam, sind viele Dinge geschehen, die uns fremd blieben. Gerade in solchen Nächten wie heute ging er fast immer auf eine Anhöhe und versank in ein Schweigen.

 

Einmal fragte ich Ihn: Warum sagst Du niemandem, auch Deiner Mutter nicht, dass Du so allein sein willst, sind wir Dir im Wege oder was ist es? Da sagte Er: `Jakobus, du weißt doch was ich muss. Würde Ich mir untreu, die Untreue würde doch den Vater treffen und das ist es gerade, was Ich verhindern muss. Ich kann nicht anders, mein Geist offenbart mir das unverrückbare Ziel und Ich muss es erreichen!` Du musst, sage ich, aber Jesus, dann lebst Du doch unter einem Zwang? `O nein, antwortete Er, nicht Zwang, wie du es vielleicht meinst, sondern Drang, der in Meiner Liebe zu dem Werke geboren ist, und der Vater im Himmel segnet immerfort diesen Meinen Drang. Würdet ihr mich recht verstehen, so könnte Ich viel Kraft von euch erhalten, aber so muss Ich noch Kraft aufwenden, um nicht traurig über euch zu sein.` Da sagte ich zu Ihm: Aber Jesus, wir tun ja alles, um Dich nicht zu betrüben, nur verstehen können wir Dich nicht so, wie Du verstanden sein möchtest. Da lächelte Er und sagte: `Jakobus, wenn du dir ein Bild von der Sehnsucht machen könntest, wie Ich sie in Mir trage, du würdest erschauern. Große Dinge brauchen Kraft und Zeit und die Sehnsucht, alles vollendet zu sehen, ist das Werben des Geistes, das immer und immer drängt.`

 

Sehet darum, liebe Brüder und vor allem du, lieber Ben, wie nötig es ist, sich vom Geist leiten und drängen zu lassen, denn der Geist im Menschen ist der Teil aus Gott in uns. Aus Gott, weil Gott Geist ist , und darum kann auch nur Gott im rechten Geiste gedient werden.” „Du sprichst vom Geist, erwidert Ben, wie kann ich aber wissen, dass mich der Geist drängt. Ist das Verlangen in mir, etwas Gutes zu genießen, auch der Geist ? Das musst du uns allen noch etwas näher erklären. Was ist Geist, was will der Geist und wie kann ich mich überzeugen, dass ich den rechten Geist erfasst oder aufgenommen habe?”

 

Jakobus: „Lieber Ben, da muss ich durch ein natürliches Bild mit euch reden. Sehet, hier im Krug ist Wein, freilich etwas sauer; aber es gibt das rechte Bild. Aus Trauben gepresst, musste der Saft vergären und sich klären. Die Flüssigkeit als Wein ist der Leib, der Alkohol ist die Seele und das Berauschende ist der Geist, der schon in der Traube als Geschenk des Schöpfers lag. Der Geschmack ist das Offenbarende des Lebens, wie es gebunden im Wein liegt. Nun koste einmal jeder den Wein - er ist sauer. Nun will ich aber, nach dem Willen des Herrn, dass der Wein von einem anderen Leben zeuge - und so kostet noch einmal.” Da sagte Ben: „Ja, was ist denn das, der Wein ist ja auf einmal süss? So etwas habe ich noch niemals getrunken. Kasimir, nimm es nicht übel, wenn dein Wein alle wird, so etwas bekommen wir ja nicht wieder.”

 

Kasimir lächelt und spricht: „Nur zu, stört aber Jakobus nicht, er wird uns doch noch das Wunder klar legen müssen.” Jakobus: „Aber freilich, das ist es ja! Ein reinster Geist wollte es aus der ihm eigenen Macht, dass der Geist im Weine geschwängert wurde aus dem ihm eigenen Fluidum, und das Wunder ist geklärt. Nehmt nun den Menschen. Er ist Leib, Seele und Geist. Der Leib und die Seele sind Produkte aus dem Vergänglichen und der Geist der Ableger aus Gott. Da Gott ewig ist, muss auch der Ableger aus Ihm ewig sein. Da aber das Wesen des Leibes und der Seele den Stempel des Vergänglichen tragen, ist dem Geist die Aufgabe zugefallen, Leib und Seele zu vergeistigen.

 

Im Anfang wussten es die ersten Menschen; aber der Versucher brachte es fertig, den Menschen irre und träge zu machen auf Kosten des Geistes, und darum wurde Gott Selbst Mensch in dem Gottessohn Jesus und vergeistigte Seinen Leib und Seine Seele durch heißes Ringen und Streben und vollbrachte das größte Werk aller Zeiten und wurde dadurch zum Erlöser. Wer nun an den Gottessohn recht glauben und ganz Seinen Willen zu seinem eigenen machen kann, wird keinen Tod mehr sehen, fühlen oder schmecken, da Sein herrlicher ewiger Erlösergeist zu uns kommt und uns allen die rechten Wege zeigt. Sein Geist in uns ist offenbarendes Leben, Sein Geist in uns ist das Schaffende und Vollbringende, was unsere Seele heiß ersehnt und Sein Geist in uns macht uns zu Seinem Kinde.”

 

Ben: „Jakobus, jetzt wird es Licht, jetzt ist es auf einmal klar, nun genügt mir Dein Wort, da es aus dem Geiste Gottes kam, kann es auch nur Gottes Wort sein, da ich es so lieblich empfinde.” „Du hast es begriffen sagte Jakobus nun mache es auch deinen Brüdern begreiflich und du wirst die Wahrheit des Ewigen empfinden.” Noch lange blieben sie zusammen, dann legten sie sich zur Ruhe nieder. In Baltasar aber machte sich ein Weh bemerkbar, da er ja Alina von Kasimir lösen und sie bei sich behalten wollte. Er fand keine Ruhe, da stand auf einmal ein lichtes Wesen vor ihm und sagte: `Bruder, warum willst du in dem Geschehen nicht die herrliche Führung des Herrn sehen ? Siehe, Kasimir konnte nur durch das Mädchen gerettet werden und darum braucht der Herr dich. Statt dass du nun in dir eine Seligkeit für diesen Dienst erlebst, beunruhigst du dich und deine in dir wohnenden Freunde. Gehe ein in das volle Leben aus dem Herrn und noch viel Grösseres Wunder Seiner Liebe wirst du erleben. Werde ganz frei in dir, damit sich ganz der Heilandsgeist in dir entfalten kann.` Baltasar war allein . Wie gern hätte er das Wesen einmal gefragt, aber der Rat: Werde ganz frei in dir - ließ herrliche Gedanken wach werden und nun endlich brach die Freude durch und in einem Wonnegefühl schlief er ein.

 

 

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Abschied des Jakobus vom Lager Kasimir

 

 

Im Lager wurde es lebendig. Als einer der letzten erwachte Baltasar und in ihm war die Freude groß. Mit ganz anderen Augen sah er Kasimir an. Wie aufrecht ging der Mann - und Alina erst, sie strahlte wie die aufgehende Morgensonne. Zu Jakobus sagte er: „Bruder, das Glück der beiden hat sie aber schön gemacht!” Jakobus erwiderte: „Du irrst Bruder, in dir ist das Licht strahlender geworden und in diesem deinen Licht erscheinen sie dir nur schöner. Sieh aber nun auch Ben und die anderen an, sind sie nicht alle das Gegenteil von gestern? Und siehe, das ist das Werk deiner Liebe. in dir durch die Gnade des Herrn! Da nun der Wille des Herrn seine Erfüllung gefunden hat, so wollen wir bald aufbrechen. Kasimir wird uns halten wollen, aber es geht nicht, denn du wirst bei Nikolaus gebraucht. Eine römische Karawane kommt auf dem Wege nach Damaskus hier vorbei und dieser schließe ich mich an. Amatus ist der Führer, wie mir der Herr offenbart.”

 

Baltasar: „Amatus ist mir bekannt, du wirst einen schweren Stand haben, ich wollte, ich könnte dich begleiten, aber des Herrn Wille ist mehr denn meine Sehnsucht.” Kasimir wollte es durchaus nicht gelten lassen, dass die beiden weiter wollten, aber Jakobus sagte: „Bruder, es ist der Wille des Herrn, neue Arbeit wartet meiner. Das Erntefeld ist groß, aber der Arbeiter sind zu wenig, darum gilt es, zu schaffen im Weinberg des Herrn. Du hast einen guten Anfang gemacht, bleibe in diesem Wollen und opfere dem Herrn deine Wünsche. Er wird dich herrlich lohnen!”

 

Kasimir: „Jakobus, du meinst Alina?” Jakobus: „Ja Bruder, opfere sie dem Herrn, bis du reif bist, sie aus der Hand des Herrn zu nehmen und dein Leben wird vielen zum Segen werden.” Kasimir: „Wann wird es werden und wie erfahre ich, dass die Reife da ist?” Jakobus: „Wenn deine Hunde dir wieder auf den leisesten Wink folgen, das wird das äussere Zeichen sein, dass innere aber wird dir der Herr Selbst geben. Rufe deine Brüder alle zusammen zum Morgenmahl, damit ich noch einmal alle zusammen segnen kann.” Das einfache Mahl war bereitet, alle nahmen daran teil und als es beendet war, sagte Jakobus: „Meine Brüder, die Stundes des Scheidens ist da, wir müssen den Weg unserer Pflicht gehen. Kasimir, euer Herr, ist euch ein Bruder geworden. Dient ihm so, als ob ihr dem Herrn dienen würdet, denn der Herr wird es euch lohnen.

 

Du, Alina, hast der Gnaden größte genossen, verherrliche deinen Gott, Vater und Heiland. Komm her, damit ich dir in Seinem Namen und in Seiner Liebe die Hände auflege. So sei gesegnet im Geiste Seiner Liebe und Gnade, damit du mit dem gerechten Geist und dem rechten Wollen aus Ihm erfüllet wirst und du erstehest in freier und wahrer Kindesliebe. Allen, denen du die Hände auflegst, so sie krank und leidend sind, soll es zur Stunde besser werden und deine Liebe soll sein wie ein Balsam, der auch die Kranken in ihrer Seele heilen wird. Erfülle das Sehnen deiner Liebe aus Gott im rechten Geist, dann wirst du auch das Sehnen deines Gottes und Vaters erfüllen. Komm auch du, alter Bruder Ben, nimm hin den Segen des Herrn. Von nun an sollst auch du schauen mit geistigen Augen. Sei dir bewusst, dass der Herr und Gott dir ein Geschenk gibt, damit du stets andere erfreuen und beglücken kannst.

 

So seid nun alle gesegnet in der Liebe und durch die Liebe und lasset einen Geist in euch erstehen, der euch und allen zum Heiland wird. Der Friede und die Liebe des Herrn sei mit euch allezeit. Gelobet sei Jesus Christus bis in alle Ewigkeit! Amen.” Lange schauten die Brüder dem Gefährt nach und Jakobus segnete die Zurückbleibenden bis sie aus seinem Gesichtskreis entschwanden. Dann sagte Baltasar: „Bruder, welche Wendung, so in der Liebe alles geordnet wird, o welch herrlichen Heiland, Gott und Vater haben wir!” Jakobus: „Ja, Baltasar - und der Vater spricht: `Welch herrliche Kinder bringt die Liebe hervor. Was Ich nie Mir vorstellen wollte, ist wie von selbst geworden und dieses ist erst der Anfang.`” Baltasar: „Bruder, Bruder, wenn ich dich richtig verstehe, wird Gott immer mehr und mehr Mensch, um Seinen Kindern immer mehr von Seiner Wesenheit zu vermachen. Nur der Mensch ist zu engherzig und zu klein im Geiste, sonst würde Größeres offenbart werden.

 

In diesem Geiste fuhren sie einige Stunden in ruhiger Gangart. Die Gegend wurde belebter, es gab hier gute Weide und auch Wald. Da kamen sie an eine kleine Herberge vor der eine Karawane lagerte. Da fragte Baltasar: „Ist dieses die Karawane, die dir der Herr zeigte? “ Jakobus: „Ja, Bruder, heute bleiben wir noch zusammen, morgen früh zeitig trennen wir uns, da die Karawane ihres Weges weiterzieht.”

 

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Einkehr bei Elegius/Amatus

 

 

Als sie in die Stube eintraten, ist nur ein Gast da und der Wirt, ein alter Grieche, spricht: „Seid herzlich willkommen und was ist euer Begehr?” Baltasar sieht ihn lange an und spricht: „Bist du nicht Elegius, der Priester von Annah?” Ich bin Baltasar. Elegius: “Dich hätte ich nicht wieder erkannt, Baltasar, du hast recht gesehen - ich bin es, aber nicht mehr Priester.” Baltasar: „Das ist aber schade! Priester sein ist doch der herrlichste Beruf? Wir benötigen für heute eine Kammer für mich und meinen Bruder und einen Stall für meine Tiere.” Elegius: „Es geht in Ordnung, Baltasar, wir haben heute noch viele zu bewirten, entschuldigt bitte, wenn ihr etwas warten müsst.” Der Gast schaute auf, es war Amatus.

 

Jakobus grüßte ihn mit dem Kopfe, ging auf ihn zu und sagte: „Amatus, würdest du mir bis Damaskus einen Platz auf irgend einem in deiner Karawane gewähren? Ich bin allein und besitze nichts, als was ich auf dem Leibe habe.” Amatus: „Wenn du mir, wenn es not an Hilfe ist, gern zur Hand gehst, dann gern, doch wisse du bist ein Jude und ich verlange, dass du mir meine Leute mit deinem Jehova in Ruhe lässt.” Jakobus: „Sei unbesorgt, ich will nichts anderes, als meinen Jehova keine Schande machen, aber dafür allen Menschen Freude, auch dir und deinen Leuten.

 

Amatus: „Dann ist es gut, aber wie kommt es, dass dich Baltasar als deinen Bruder ausgibt?” Jakobus: „Baltasar ist mir und ich ihm wirklich Bruder, da wir beide einen Gott und einen Vater haben. Wir sind nur noch heute zusammen und darum entschuldige, wenn ich diesen Tag mit ihm noch zusammen sein möchte. Wir können uns noch sechs Tage aussprechen. Wenn du dich aber an unsere Unterhaltung nicht stößt, dann wisse, unsere Unterhaltung dreht sich um Jesus, dem Heiland und ich bin Jakobus, Sein Bruder und jetzt Zeuge Seiner Liebes- und Lebenslehre.”

 

Amatus geht zu Baltasar und spricht: „Ich kenne dich schon lange, dass du aber mit Juden Bruderschaft machst, geht mir nicht in meinen Verstand. Du musst nicht bei Sinnen gewesen sein,. dich so zu vergessen. Bist du denn nicht im Bilde, was heute alles geschieht seit eben dieser Jesus den Menschen den Kopf verdreht? Noch nie war die Not des Menschen so ins Riesengroße gestiegen als jetzt und wir Römer können einfach nichts dagegen tun. Vor einigen Tagen erst haben wir eine große Karawane getroffen, die nichts als nur Menschen hatte. Ich habe leider kein Recht und auch keine Soldaten, sonst wäre es den Juden schlecht ergangen.”

 

Baltasar: „Amatus, ich sehe jetzt alles mit ganz anderen Augen, das, was dich empörte, ist Verbrechen, daran ist aber der Mensch selbst schuld. Die seinwollenden Priester handeln ja aus eigenen Willen und nicht nach Jehovas Willen und die Anhänger des Heilandes Jesu, sind wohl bereit, für Ihn zu sterben und jede Last auf sich zu nehmen, aber sie alle haben noch falsche Begriffe - wie du.” „Wieso,” fragt Amatus. „Was habe ich mit Juden zu schaffen? Nichts - gar nichts! Nicht einmal ihre Herberge nehme ich in Anspruch, mich ekelt dieser Judenglaube. Bei unseren Göttern ist ja auch nichts Göttliches zu erleben, aber menschlicher geht es zu.”

 

Baltasar: „Du sprichst recht, weil du noch nichts Göttliches erlebtest. Wenn du aber Dinge erlebt hättest wie ich, würdest du vielleicht alle Menschen umarmen! Wir wollen auch nicht streiten, sondern uns freuen, denn jede Begegnung mit einem Menschen sehe ich heute als ein Geschenk des ewigen Gottes an und dieses macht mir Freude! Amatus: „Auch wenn der Andere dir nichts Gutes will?“ Baltasar. „Auch da, denn alles, was mir heute im Leben begegnet oder widerfährt, hat sein Gutes und wenn ich nur daran lerne. Du aber möchtest jedem aus dem Wege gehen, an dem du keinen Vorteil hast.“

 

Amatus: Ganz recht, aber im Sinne meines Herrn, Dem ich verpflichtet bin. Ist die nicht in Ordnung?“ Baltasar: „Aber gewiss, darum wundere dich nicht, wenn andere auch so denken und doch werdet ihr trotz allem eurem Vorteil ärmer und ärmer. Es gibt nur ein Leben und das ist dieses, welches sich für andere einsetzt. Dies ist meine Aufgabe und dabei gewinne ich doppelt. Erstens die Liebe und Achtung meiner Mitmenschen und zweitens die Liebe und den Segen des Herrn. Wenn ich dir alles schildern wollte, was ich an Segen erlebe, so würdest du mich nicht verstehen. Eines aber sei dir gesagt, dass du heute Jakobus bei dir aufgenommen hast, ist Gottes Wille, Dem du aus dem Wege gehen willst.“

 

Amatus: „Dann ist es eben schlimm für deine Jakobus, denn in meinem Lager gilt nur mein Wille und ich habe das Wort des Jakobus, dass er mir meine Leute mit Jehova in Ruhe lässt. Stimmt es Jakobus?“ Jakobus: „Ja, es stimmt, vor mir habt ihr Ruhe. Ob ihr aber vor Gott Ruhe haben werdet, ist abzuwarten. Schon jetzt sage ich dir, Gott kannst du nicht entfliehen und je eher du ihn suchst, desto besser ist es für dich.“

 

Amatus: „Jakobus, bange machen gilt nicht und deine Worte flössen mir nicht die geringste Sorge ein.“ „Ich möchte dich auch nicht unglücklich machen, sondern ganz glücklich sehen“, erwiderte Jakobus. „Dass du mich aufgenommen hast, ist mir und meinem Gott ein großer Dienst und dafür bin nicht nur ich, sondern auch der Ewige Gott dankbar!“ Der alte Elegius kommt und bringt Salz, Brot und Wein und spricht: „Bis zum Mittagsmahl dauert es noch ein Weile. Stärkt euch, vorläufig kann ich euch nichts anderes bieten.“ Baltasar: „Aber Freund, entschuldige dich doch nicht. Dein Brot und dein Wein wird uns schmecken als käme es aus des Kaisers Brotkammer. Du weißt ja gar nicht, wie gut dein Brot schmeckt.“

 

Elegius: „Aber Baltasar, wie redest du da. Ich, der Wirt, der das Brot selbst gebacken hat, soll nicht wissen wie es schmeckt, da hört doch alles auf.“ Baltasar: „O nein, Elegius, es geht erst richtig an. Komm iss mit uns und bringe auch Amatus einen Becher, er wird auch mit uns trinken.“ Als Elegius mit noch zwei Bechern kam und einschenkte, sieht er, dass er einen anderen Wein hat, er kostete ihn und spricht: „Was ist denn das für ein Wein?“ Er nimmt auch etwas Brot, kostet es und geht in die Küche zu seinem Weibe; als er wieder kommt, sagt er: „Mein Weib sagt, ich wäre betrunken, es wäre doch das alte Brot und auch der alte Wein, koste du, Amatus.“

 

Amatus kostet und spricht: „Elegius, wirklich, du musst betrunken sein, dein Brot und dein Wein ist derselbe wie gestern, ich wüsste nicht, das dieses anderes Brot wäre.“ Jakobus: „Nun koste noch einmal, Amatus, der Herr will, dass dir Seine Segnungen nicht vorenthalten werden.” Amatus sieht Jakobus und Baltasar an, nimmt das Brot, bricht sich ein Stückchen ab, kostet es und spricht: „Das ist ein anderer, besserer Geschmack, ich stehe vor einem Rätsel.” Nun kostet er auch den Wein, trinkt immer wieder, schüttelt seinen Kopf, steht auf und spricht: „Nun ist aber Schluss, entweder ich bin ein Narr oder ihr seid es. Es ist bestimmt ein anderer Wein und zwar ein viel besserer.” Jakobus sieht Amatus scharf an und spricht: „Amatus, die Segnungen aus der Kraft Gotts sind keine Narreteinen, sondern sehr ernste und gewaltige Sprachen aus Ihm.. Du brauchst es ja nicht anzuerkennen, nur ist es besser für dich, wenn du die Beweise der Gotteskraft als wirkliche ansiehst. Wie muss denn nach deinen Begriffen Gott sein, den du anerkennen willst? Mit deinen Göttern bist du ja auch nicht zufrieden, wenn du es auch nicht nach außen merken lässt.”

 

Amatus: „Jakobus, ich will nichts mit euerm Gott zu tun haben, meine Gründe kennst du ja, ich möchte dich bitten, lasse mich in Ruhe.” Jakobus: „Gut, Amatus, dein Wille ist Gott heilig, mir wird er auch heilig sein, und nun wirst du bitten müssen, wenn du Gott brauchst. Du aber, Elegius, koste nicht nur, sondern esse und trinke nach Herzenslust und bringe deinem Weibe davon, damit sie auch die Wunder grosser Gottesliebe erlebe!” Elegius: „Da will ich lieber mein Weib holen, es ist besser, sie erlebt durch euch die Wahrheit.” Jarmela kommt und spricht: „Ist es denn gar so wichtig, dass ich von meiner Arbeit zu euch kommen muss?” Baltasar: „Es ist so, das Brot und den Wein sollst du nochmals kosten, denn Elegius ist nicht betrunken sondern voll der größten Freude und er weiß warum!” Jarmela sieht die Männer an, rasch nimmt sie das Brot, bricht etwas ab und isst es langsam - schüttelt ihren Kopf, dann nimmt sie den Becher, der vor ihrem Mann steht und kostet ganz langsam und spricht: „Elegius, du hast recht und es schmeckt ganz anders. Lasse dich unterrichten, wie wir zu diesem Brot und Wein kommen. Ich muss in die Küche, sonst wird das Essen nicht fertig.”

 

Elegius spricht: „Nun habt ihr gehört was Jarmela sagte. Es ist nun an euch, mir die Wahrheit nicht vorzuenthalten.” Amatus steht auf und spricht: „Mir ist es wichtiger, nach meinen Leuten zu sehen. Morgen ist ja Sabbat und da wollen sie nichts tun und es ist nötig, dass ich übermorgen weiter fahre.” Jakobus sagte nichts, aber Elegius spricht: „Das wundert mich nicht, dass Amatus euch meidet, denn nun weiß ich, ihr seid Anhänger des Gekreuzigten! Mit wäre es lieb, ich könnte von euch die ganze Wahrheit erfahren. Zuviel des sich Widersprechenden ist geschehen.” „Ganz recht”, erwiderte Baltasar, darum ist ja Jakobus hier, um euch die Wahrheit und Licht zu bringen. Mit dir ist leicht reden, da du dich ja schon von deinen Göttern frei gemacht hast.”

 

Elegius: “Ich bin noch nicht frei, Baltasar, noch treten in mir Zweifel über Zweifel auf, ob ich wirklich recht tat. Sehe ich aber auf den Nutzen der Gütter, da verschwindet alles Trübe, denn Nutzen hatten nur die Priester und dieses konnte ich nicht mehr vertreten.” Baltasar: „Du wirst nicht genug Worte zum Danken haben, wenn einmal das Licht aus Gott zum Durchbruch in dir gekommen ist. Jedenfalls wird Jakobus euch allen Diener sein nach dem Willen des ewigen und wahren Gottes. Der gekreuzigte Heiland und Jesus lebt. Er ist nicht im Grabe geblieben - dies zu deiner Beruhigung! Er lebt und alle, die an Ihn glauben, werden auch leben, dies ist mein Bewusstsein und meine Seligkeit schon jetzt. Was muss es aber für eine Seligkeit sein, so wir immer davon erfüllt sein werden? Dieses erfüllt mich schon jetzt mit Freuden.”

 

Elegius: „Baltasar, dies sind auch nur Reden und ich brauche Beweise. Das schönste Wort gilt mir nicht viel, Tatsachen wären mir lieber. Siehe, meine Tochter liegt jahrelang krank danieder und an eine Gesundung ist nicht mehr zu denken. Was in meinen Kräften und in meinen Mitteln lag, habe ich getan und der Erfolg ist gleich Null. Nein, nein, Worte sind billig und wir gehen dabei zugrunde. Wenn nur einmal alles ein Ende hätte, dann wäre Frieden.” Baltasar: „Meinst du Elegius? Der Friede, der ein Frieden sein soll, den kann aber nur Der geben, Der da Friede und Ruhe ist und dieses ist Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit! Sieh mich an, ich bin auch nur ein Mensch und doch innerlich so reich und voll der herrlichsten Ruhe. Wem verdanke ich aber dieses? Nur Gott, Dem Ewigen Lebendigen, der mir durch Jakobus offenbart wurde.”

 

Elegius spricht zu Jakobus: „Kann ich auch zu dieser Ruhe kommen und was muss ich tun?” Jakobus: “Glaube an den wahren Gott, der uns in Jesu offenbart wurde, aber nicht, wie es die Heiden tun, sondern lebendig, mit dem Herzen!” Elegius: „Mit dem Herzen? Du sprichst in Rätseln!” Jakobus: „Nein lieber Freund, ganz natürlich soll dein Glaube sein.Wie wir mit dem Herzen das Heiligst hüten und uns kein Opfer zu groß ist, so soll es auch mit dem Glauben an den wahren Gott sein. Der Glaube soll uns beleben und einem neuen Geist in uns Raum machen. Denn wer da glaubet und nach der Lehre des Herrn lebt, wird eine neue Kreatur werden. Alles Alte wird vergehen und Neues wird immer wieder Neues gebären. Du möchtest gern deine Jenna gesund sehen und was muss da vorausgehen? Ein Glaube , dass sie wieder gesund wird. In dir liegt Sehnsucht über Sehnsucht. Der Gott der Juden ist dir nicht fremd und doch bist du, so ein Priester der Juden kam, demselben in einem großen Bogen aus dem Weg gegangen. Als Priester musstest du aber wissen, dass in einem Priester der Gott dir entgegenkommt, den der Priester vertritt. Dieses waren ja oft deine eigenen Worte.”

 

Elegius: „Gewiss, aber Mann, wie kannst du dies wissen? Schon seit 10 Jahren bin ich nicht mehr Priester.” Jakobus: „Ich weiß auch nichts, aber der Gott, der in mir entgegenkommt, weiß es und Er weiß noch viel mehr, du wirst viel gutzumachen haben; denn die Krankheit deiner Jenna ist die Auswirkung der vielen Flüche, die man dir sandte.” Elegius: „Jakobus, ich möchte doch gutmachen,aber man muss es auch können. Wenn dein Gott dieses weiß, wird Er auch wissen um meine Mühe.” Jakobus: Er weiß es, aber es ist nutzlos, weil du nicht im dem Geiste gutmachen willst, der dir die Geschädigten zu Freunden macht, sondern um Ruhe vor ihnen zu haben.” Elegius: „Jakobus, ich bin ein großer Schuldner und ohnmächtig den Verhältnissen gegenüber, warum muß aber darunter meine Tochter leiden?”

 

Jakobus: „Siehe, lieber Freund, wen Gott lieb hat, den straft Er mit seinem Liebsten auf der Erde. Jenna ist dir das Liebste, ihr Tod wäre auch der Deine und Gott kann dich nicht aufgeben, weil du eine große Mission zu erfüllen hast. Kannst du da glauben, dass dich Gott fallen ließe, so Er noch genug Mittel hat, dich zu gewinnen? Sei versichert, dass auch Gott immer an dich glaubte, trotzdem du Ihm immer aus dem Wege gingst. In dem Augenblick, wo du alles Hemmende abstreifst und dich ganz Gott ergibst, wird deine Jenna genesen.” Elegius: „Wird meine Jenna genesen. O Freund, alles werde ich tun um Jenna’s willen und alles will ich auferlegen, um Gott zu erkennen und in Seiner Wahrheit selbst gesund zu werden.“ Inzwischen waren die Leute des Amatus gekommen. Sie nahmen an den Tischen Platz. Es war nun keine Zeit mehr, sich zu unterhalten. Zwei Töchter, liebliche Mädchen, brachten die Speisen und ohne viel zu reden ging das Essen los.

 

Auch Baltasar und Jakobus bekamen von der Mahlzeit, welches sie auch mit segnenden Gedanken verzehrten. Es wurde noch viel Lärm von den Leuten gemacht, aber nach einer kurzen Pause verließen sie alle das Gastzimmer, um ihre Arbeiten zu vollenden. Der Sabbat war ihr einziger Ruhetag. Baltasar sagte: „Was tun wir. Es geht doch nicht, dass wir hier müßig sitzen. Hast du eine Aufgabe?“ Jakobus: „Eine große –mein Bruder. Jenna müssen wir vorbereiten und das kannst du, weil sie dich kennt.“ Baltasar: „Sie war aber noch ein Kind, Jakobus. Ich kann sie mir nicht mehr so recht vorstellen.“

 

Da kam Elegius zu den beiden und sagte: „Es ist heute ganz schlimm mit Jenna. Was meinst du, Bruder, würdest du und Jakobus einige Minuten zu Jenna gehen. Hat doch der Heiland Jesus so viele geheilt, könntest du nicht einmal die Kraft aus Gott an ihr versuchen?“ Baltasar: „Nein Bruder, es geht nicht, denn mit der Kraft Gottes macht man keine Versuche. Entweder man glaubt an die Kraft und man ist der Mittler zwischen Gott und den Kranken, oder man unterlässt es.“ Elegius: „Ich glaube, ich verstehe dich. Gott verlangt den ganzen Menschen oder nichts, ist es so?“ Jakobus: „Jetzt hast du verstanden; aber Baltasar mag sie besuchen. Ich gehe inzwischen einmal zu den Leuten des Amatus, da ich ja eigentlich zu ihnen gehöre.“

 

So geschah es. Baltasar ging zu der kranken Jenna und Jakobus ging hinaus zu den arbeitenden Leuten, die an einigen Wagen Ausbesserungen machten, aber es wollte nicht so richtig gehen, es waren doch keine Bauleute. Jakobus sah dies auf den ersten Blick und ohne zu fragen griff er nach dem Werkzeug und half so gut es eben mit dem mangelhaften Werkzeug ging. So verging der ganzen Nachmittag und die Arbeit wurde geschafft. Amatus bemerkte dies mit Freuden und sagte: „Jakobus, heute hast du mir einen großen Dienst erwiesen, ich denke gut nach Damaskus zukommen.“

 

Jakobus: „Nein, Amatus, dort der fünfte Wagen hält die Fahrt nicht mehr aus. Zuviel hast du aufgeladen, die Achse hält die Last nicht mehr aus.“ Amatus: „Dein Gott will mir wohl bange machen. Nein, da habe ich keine Sorge, es ist mein bester Wagen und der wird noch manche Fahrt mitmachen, obwohl ich zugeben muss, es ist wirklich viel aufgeladen.“ Jakobus: „Amatus, es war nur ein Rat, nicht der meines Gottes, ich kann dieses nicht von meinem Gott sagen lassen, denn sonst würden die Hindernisse für dich zu groß werden, so du Gott brauchst.“ Amatus: Dann nichts für ungut, Jakobus. Ihr Juden seid eben ganz sonderbare Menschen, doch es freut mich, dass du deinen Gott rechtfertigst.“

 

Baltasar kommt und besieht mit Kennerblick die Wagen. Er muss zugeben, die Karawane ist in Ordnung, die Tiere in guter Pflege und das Reittier des Amatus ein edler Hengst. Amatus ruft das Tier, schnuppert es Jakobus an und wetzt den Kopf an seinem Arm. Amatus fällt bald aus den Wolken, denn das Pferd hat noch keinen Menschen die Liebkosung bewiesen. Er fragt: „Bist du ein Tierfreund, Jakobus?“ Jakobus: „Ich liebe alle Geschöpfe Gottes und ersehe darin die große Weisheit und Ordnung Gottes. Ich bin kein Kenner der Tiere. Dieses muss aber ein edles Tier sein, weil die ganze Art des Tieres eine Feinheit von sich gibt, die ich noch nie beobachtete.“

 

Amatus gab Jakobus einige Datteln und sagte: „Gib ihm diese Datteln, dann kannst du urteilen.“ Jakobus hielt die Datteln auf der Hand dem Tier hin und ganz behutsam nahm es jedes Mal eine Dattel und verzehrte sie, aber ohne Hast, sondern mit Genuss und Jakobus sagte: „Amatus, so habe ich nur Kinder erlebt, wahrlich hier hat Gott einen Reichtum in diesem Tier offenbart, der alle Menschen zum Nachdenken bringen sollte.“ Nun streichelte auch Jakobus das Tier und sagte zu ihm: „Rit, heute hast du mir große Freude gemacht, bleibe wie du bist.“ Nun ging man in das Gastzimmer zurück, alle waren hungrig und das bereitete Mahl schmeckte gut. Zu aller Staunen kam die kranke Jenna in das Zimmer und suchte Baltasar, der ihr von Jakobus erzählt hatte. Sie hatte ihre Schwäche überwunden und wollte den sehen, der das Zeugnis weiter trug von dem Heiland, der für alle gestorben und vom Tode auferstanden sei.

 

Niemand von den Vielen hatte ja gewusst, dass der Wirt eine kranke Tochter hatte und nun schauten sie die abgezehrte und leidende Mädchengestalt, die bei allen großes Mitleid auslöste. Jakobus ging ihr entgegen und führte sie an seinen Platz. Dann sagte er: „Jenna lasse deine Sehnsucht zu dem Heiland Liebe werden und du wirst das Wunder Seiner Liebe erleben. Groß ist die Gnade, aber größer das Leben und in Seinem Leben wirst du erstehen und gesunden.“ „Warum muss ich so leiden“, fragte Jenna, „warum muss ich alles entbehren, was meine Geschwister haben. Ich möchte doch nicht mehr Last, sondern Freude sein. Niemand kann mir die rechte Antwort geben. Gern will ich weiter leiden, wenn ich den Grund weiß.“

 

Jakobus: „Jenna, der Grund ist der, das dich Gott zu Großem berufen hat. Um dieses zu erreichen, war nur durch dein Leiden möglich. Frage nie mehr, hörst du, nie mehr danach, denn Gott kannst du nicht damit wehe tun, sondern denen, die dich lieben. Dein Leid ist die Sprache des Liebenden Gottes und die Kraft, mit der du alle Schmerzen trugst, sind Gottes Kräfte. Längst wärest du nicht mehr nach menschlichen Ermessen, aber nun sollen alle Schmerzen weichen und deine Schwäche wird sich nach und nach verlieren, je nach dem Grad, wie die Aufgabe erfüllt ist, die der ewige wahre Gott erreichen wollte.“

 

Jenna: „Was ist das für eine Aufgabe, kann ich dabei helfen?“ Jakobus: „Nein, Jenna, nur wachsen sollst du in dem Glauben an den Gott, den ihr nicht kennt und Der in mir zu euch gekommen ist.“ Jenna: „Erzähle mir von dem Gott. Wie sieht Er aus und was verlangt Er als Opfer? Ist Er erzürnt, weil wir nichts von Ihm wissen?“ Jakobus: „Jenna, Gott ist die höchste Liebe, die größte Erbarmung und Sein Leben ein Ewiges, aber in Herrlichkeit, für die ein Mensch noch keinen Ausdruck hat. Du wirst noch Seine Herrlichkeit erleben, wenn du an Ihn glauben wirst und den Willen hast, dich ganz Ihm zu geben.“ Jenna: „Wenn ich meinen Lieben und allen Menschen Freude machen kann, gern, auch wenn ich nichts davon hätte.“ Jakobus: „Jenna mit diesem Bekenntnis öffnest du die Tür dem Heiland aller Heilande und so trinke von dem Wein, den diese Liebe für dich spendet – sei ohne Furcht, es wird dir nicht schaden.“

 

Jenna sieht auf ihren zitternden Vater und dann trinkt sie den Becher aus und sagt: „So etwas Gutes habe ich nie getrunken. Vater, Mutter, viel Liebe habt ihr an mich verschwendet, aber so etwas Gutes konntet ihr mir doch nicht geben, nun tut es mir leid, dass ich alles getrunken habe.“ Jakobus. „Es war für dich, Jenna und nimm auch etwas Speise zu dir; dann kannst du mit uns den Abend verleben ohne dass du wieder einen Rückfall erlebst.“ Jakobus erzählte nun aus des Heilandes Wirken und Schaffen, von den Wundertaten an Kranken, Blinden und Tauben und ein williges Ohr nahm alle Worte gläubig auf. Jenna aber war noch nicht zufrieden, mehr noch wollte sie hören von Ihm, von Seiner Mutter, Seinem Vater und den Geschwistern. Jakobus wurde nicht müde, die Herzen zu sättigen und machte das Verlangen immer größer.

 

Unter den Leuten des Amatus waren auch einige Juden, die wegen geringer Vergehen gegen den Tempel ihr Vaterland verlassen hatten. Einer namens Thomas sagte: „Das alles habe ich schon gehört, aber die Furcht vor den Priestern schloss mir den Mund, da ich ihre Strafe fürchte, aber von diesem Heiland Jesu habe ich auch Dinge vernommen, die Er nur mit Hilfe des Bösen ausgeführt hätte.“ Jakobus: Das ist nicht zu verwundern, Jesus war dem Tempel und seinen Dienern ein Dorn im Auge und mit scheelen Augen verfolgten sie alle Handlungen. Was sie tun konnten, um Ihn zu schädigen, taten sie, und leider ist manches hängen geblieben. Du aber, Thomas, hättest nicht nötig gehabt zu fliehen. Wärest du nur ein einziges Mal zu Ihm gekommen, wäre dir viel Ungemach erspart geblieben. Deine Eltern sind vor Gram gestorben und deine Schwester ist ein Opfer des Tempels geworden.“

 

Thomas: „Woher weißt du das, ich sprach zu niemandem davon!“ Jakobus: „Gott Der Ewige weiß um alle Dinge, Er weiß auch, dass du deine Schwester bald finden wirst und du kannst ihr dann Bruder und Hilfe sein und daran wirst du erkennen, dass der Heiland Jesu, der auch heute noch wirkend im Geiste mit unter uns ist, nicht im Geiste und im Auftrag des Bösen handelt, sondern aus Seinem Geiste, der nur Liebe, Reinheit und Göttlichkeit ist!“ Jenna spricht: „Du guter Freund, heute bist du bei uns, sprich von dem Heiland Jesu, an Ihm liegt mir und um Ihn lieben zu lernen, muss ich Ihn auch kennen lernen.“

 

Jakobus: Jenna, ich werde dir ein Wesensbild geben, um deine Sehnsucht zu befriedigen. Also höre: „Dieser Jesus war mein Bruder und der einzige Sohn Seiner Mutter Maria, die um Ihn Leiden und Schmerzen ausstehen musste, schon ehe Er geboren war. Nach der Geburt, dem größten Wunder aller Zeiten, setzten auch schon die Verfolgungen ein, die uns allen wohl Sorgen, aber auch die Herrlichkeit Gottes offenbarten. In Ägypten lebten wir einige Zeit, dann kamen wir nach Nazareth, wo wir unser Handwerk betrieben.

 

Jesus wuchs und gedieh, wie ein jedes Kind, und alle Herrlichkeiten wurden mit Seinem Wachsen weniger. Je größer Jesus wurde, desto geringer wurde unser Glaube an Seine Herrlichkeiten, die wir als Kind mit Ihm verlebten. Als Er aber in das Jünglingsalter kam, wurden unsere Erwartungen ganz zunichte und statt Herrlichkeiten erlebten wir nur Enttäuschungen. So verging die Zeit und die Kämpfe wurden nicht weniger, da ja Jesus auf unsere menschlichen Einwendungen gar keine Rücksicht mehr nahm und nur Sein Ziel, die Einung mit dem Gottes Geiste in Sich zu erreichen suchte. Es ist Ihm gelungen. Von all den Kämpfen und Enttäuschungen will ich schweigen, da ja nicht unsere, sondern die Wesenheit Jesu hervorgehoben werden soll.

 

Mit 30 Jahren war es soweit und wir alle haben einsehen müssen, wie schwer wir es unserem Bruder gemacht haben. Aus Seinem Munde aber kam kein Wort des Vorwurfes. Endlich aber war Er am Ziel und Er sprach: `Es ist soweit, der Ruf Gottes ist an Mich ergangen` und so gab es für Ihn kein Zurück mehr. Jesus unternahm noch eine Selbstprobe. Er prüfte Sich bis in das Allerinnerste und dann wurde eine Herrlichkeit offenbar allen denen, die an Ihn glaubten. O, meine Freunde, und vor allem du, Jenna, was das Allergrößte an und in Jesus war, das war Seine Liebe und Erbarmung! Überall wo Er hinkam, brachte Er Freude, brachte Er Erlösung von Übeln, die sich in den Seelen und Körpern eingenistet hatten und Seinen Feinden zeigte Er mit einem Mut und einer Geduld das Leben des Vaters im Himmel, welches in Ihm in allem Tun, Handeln und Wirken zum Ausdruck kam.

 

Mit Hass verfolgte Ihn der Tempel. Viel Volk lief Ihm nach und dabei litt keiner Hunger oder Durst. So mancher Priester bekehrte sich und wurde Sein Jünger. So mancher hohe Römer hätte gern alle seine Schätze Ihn zu Füßen gelegt, wenn Er sie angenommen hätte. Jesus blieb an äußeren Gütern arm und trug doch einen Reichtum in sich, den damals kein Mensch ahnen konnte, selbst wir nicht. Kam Er in eine Herberge, hörten die Unkosten für den Wirt auf und alle wurden wunderbar gesättigt, allen Kranken wurde geholfen und dann war Seine Lehre der allergrößten Weisheit mit der herrlichsten Liebe verbunden.

 

Ja, ihr lieben Freunde, es klingt unglaublich, Engel dienten uns Menschen und offenbarten eine Herrlichkeit, die an Märchen grenzt und dabei war alles so natürlich, so klar, dass es auch nicht den geringsten Zweifel hervorrufen konnte. Diese Zeit dauerte an 3 Jahre, dann war auch diese Seine Mission erfüllt und es kam nun für Ihn das Allerschwerste. Er musste diese Seine Liebe verewigen und Sein in Ihm wohnender Geist sollte ja das Vermächtnis werden an alle, die an Ihn glaubten. Es konnte nur durch die Hingabe Seines eigenen irdischen Lebens sein und auch dies Opfer brachte Er uns und starb am Kreuze.

 

Welch ein Trauern um den geliebten Menschen. Wir alle waren geschlagen und die Hölle triumphierte. Da erstand Er am dritten Tage und machte alles Leid und alle Trauer zu Freude und Leben. Er erschien uns in Seinem neuen unzerstörbaren Leibe, gab uns Seinen Geist und wird auch weiterhin allen denen Seinen Geist schenken, die Ihm nachfolgen werden! So fuhr Er dann, uns allen sichtbar, gen Himmel und Sein Geist belebt und erfüllt uns so, dass wir bezeugen können: Nicht ich wirke, sondern Jesus in mir, und Sein Geist führt uns in alle Wahrheit und offenbart Tiefen der Gottheit, die noch nie Menschen erfuhren!

 

So diene ich auch in diesem Geiste euch und es liegt an euch selbst, ob ihr in diesem Glauben an Ihn und Seine Lehre tätig werden wollt. Liebt euch und alle eure Nächsten wie euch selbst, das ist der Grundzug Seiner Liebe. Dienet euch untereinander aus diesem Seinem Geist, und in Fülle werdet ihr die Gegenwart des Herrn erleben, wie wir und alle sie erlebten. Dass der Herr in Seinem Geiste unter uns ist, bezeugt meine Liebe aus Ihm zu euch, dass er aber auch persönlich mitten unter uns ist soll Jenna bezeugen.“

 

Jenna schrie auf, sie breitete die Arme aus und weinend sagte sie: „Du bist es, Du bist es! Schon immer sah ich Dich in meinen Träumen ohne zu wissen, wer Du bist. O bleibe bei uns und hilf uns allen aus unserer Not und lasse uns wieder recht froh werden.“ Da sagte Jakobus aus dem Herrn: „`Meine Tochter, bald wird deine Sehnsucht gestillt und bald wirst du Meine Herrlichkeit erschauen. Von nun an soll dich kein Leiden mehr bedrücken und deine Seele soll frei erden. Darum erstehe im Glauben und in der Gewissheit, dass Ich, Dein Heiland und Ewiger Vater, es bin, der alles so zulassen musste um eures ewigen Heiles willen. Wachse in Meiner Liebe und bereichere Dich an Meinem Leben, dann werden deine Hände und Füße Mir dienen und dein Herz immer danken!

 

Ihr anderen aber glaubt, dass Ich es bin, der durch Menschenmund Verheißungen gibt und lasset in euch Meinem Leben und Meiner Liebe Raum gewinnen. Dass ich es aber bin, der da ist das A und das O, so soll Jenna in Gesundheit vor euch erstehen. Wer aber noch zweifelt oder gar diese Meine Liebe anfechtet, wird einen schweren Stand haben. So segne Ich euch alle und verheiße euch Meinen Frieden und Meine Kraft, die nach dem Maße eurer Hingabe euch wird! Amen!`“

 

Alle sahen wie Jenna ein anderes Aussehen bekam. Elegius weinte und sagte: „O Gott, o Gott, was muss ich für ein Tor gewesen sein, dass ich Dich so floh! Und nun bist Du in aller Herrlichkeit doch gekommen! Gib mir die Kraft, dass ich Dich erkennen und an Dich glauben kann um Deiner Liebe willen!“ Die anderen Schwestern umarmten Jenna und weinend sagten sie: „Jenna, wie sah der Herr aus? Was sagten Seine Augen?“ Jenna: „Schön, sehr schön! Sein Kleid war die frische aufgehende Sonne und Seine Augen sagten: Ich liebe dich! Vater, und Mutter, mir ist so wohl, ich fühle eine Freude und einen Jubel in mir. Ich könnte vor Freude weinen und vor Jubel alle umarmen; aber ich möchte Ihn, den herrlichen Heiland, nicht betrüben, da Er ja mitten unter uns ist. Seht ihr Ihn den nicht?

 

Du aber, du bester Freund, der du uns das Schönste brachte, kannst du nicht immer bei uns blieben? Wir würden bestimmt auch so gute Menschen werden wie du!“ Jakobus: „Jenna, ich muss wieder mit Amatus weiterziehen, aber der Herr bleibt doch hier, und meine Liebe ist doch auch nur des Herrn Liebe. von nun an wirst du die Priesterin Seiner Liebe sein und in der Kraft Seiner Liebe wirst du vielen zum Segen werden. Komm, damit ich dir im Namen des Herrn die Hände auflege und so empfange die Gabe des Heilens aus Ihm, unserem Herrlichen und ewigen Gott. Allen, denen du dienen wirst, wird es sein, als wenn Gott ihnen diente und dein Wort soll so sein, als wenn Gott zu Ihnen gesprochen hätte.“ Noch lange blieben sie beisammen, selbst Amatus blieb. Er hüllte sich aber in Schweigen. Jakobus hielt eine kleine Morgenfeier am Sabbat und bat, alle sollten in der rechten Ruhe bleiben und sich mehr und mehr auf den Meister einstellen, dann aber besahen sich alle die Umgebung mit anderen Augen an erhielten Beweise, wie alles Äußere zu dem Menschen sprechen kann.

 

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Jenna erhält die Gabe des Heilens

 

 

Ein Mittagsmahl wurde nicht gehalten, dafür aber mehr der Ruhe gepflegt. Jenna wich nicht von Jakobus Seite und dieser wurde nicht müde, wieder und wieder aus dem Herrn des Heilandes Jesu zu erzählen. Auch ihre Schwestern brannten vor Begierde, immer wieder zu hören, was Er alles wirkte und schaffte. Mitten in dieser Ruhe kam aber ein Zwischenfall. Ein Treiber des Amatus hatte die hinfallende Krankheit, von der er jedes Mal befallen wurde, wenn er sich ärgerte oder sich über alle Maßen freute. So auch heute. Erschreckt kommen die Treiber zu Jakobus und bitten ihn, er solle doch kommen und helfen, es sei kaum möglich, das Elend anzusehen.

 

Da sagte Jakobus: „Warum steht ihr da und fasst nicht den Mut, helfen zu wollen. Dieser Bruder ist ja nur ein Opfer niederer Mächte und fordert eure Liebe. Habt ihr schon vergessen, was der Herr euch Gutes tat? Bei solchen Fällen ist das Beten aus tiefstem Herzen das beste Mittel. Jenna, lege du ihm die Hände auf in der Art, wie ich es dir gestern tat und lasse deine Herzensliebe sprechen, was sie nur Gutes will.“ Jenna sah auf Jakobus und dann trat sie zu dem armen Menschen. Da schlug dieser um sich, aber Jenna sagte: „Lasse dich nicht abschrecken und glaube an die Kraft und Liebe des Herrn!“ Jenna kam nun endlich dazu, ihre Hände auf den Kopf des Menschen zu legen, in diesem Augenblick wurde er ruhig. Dann sagte sie: „O du bester Heiland, der ich Deine Liebe so wunderbar erfahren durfte, erweise Dich auch an diesem armen Menschen als der Heiland, damit er Dich auch lieben lernt! Hilf ihm und um uns um unseres Heiles willen!“

 

Da verließen ihn im Augenblick die niederen Mächte. Er sah um sich und sagte: „Mädchen, was tatest du mir Gutes? Mir war, als wenn ein lichter Engel zu mir kam und mich aus meiner Not befreite.“ Jakobus: „Es war ein Engel zu dir gekommen und nahm alle mit, die dich bisher belästigten. Von nun an kannst du dich freuen. Nie mehr wird deine Freude getrübt werden, aber ärgere dich auch nicht mehr, denn dann öffnest du deine Seele für das Niedere, das muss ich dir sagen im Auftrag des Engels, der dir half.“ Da war des Wunderns groß, selbst Baltasar fragte: „Ist das auch so, wie das Mädchen sagte?“ Jakobus: „Es ist so Baltasar! Das Mädchen ist durch die Gnade des Herrn in den Zustand gesetzt, die Ursachen der Krankheiten zu sehen. In diesem Falle waren es niedere Mächte, die immer diese Seele belästigten, und die Verheißung, dass er sich immer freuen kann, tat sie wirklich im Auftrag ihres Schutzengels.“

 

Baltasar sagte: „Jakobus, jetzt, wo wir uns trennen, bringst du wieder Neues aus der Gnade des Herrn. Am liebsten ginge ich immer mit dir.“ Jakobus: „Baltasar, hast du vergessen, dass der Meister dir immer das geben wird, was du brauchst. Vertraue ganz der übergroßen Liebe, die du so wunderbar erlebt hast und nun noch weiter erleben wirst. Die Liebe des Herrn wird immer herrlicher, so du in dir den Herrn immer herrlicher gestalten kannst.“ Jenna nahm nun den Geheilten bei der Hand und sagte: „Komm zu meinem Vater, damit Er auch an unserer Freude teilnehmen kann!“ Für Elegius war das große Ereignis eine Sensation, auch ihre Mutter konnte es gar nicht fassen, dass Jenna, die noch vor einigen Stunden dem Tod geweiht zu sein schien, jetzt gesund war und in einem Zustand, der auch anderen Unheilbaren Heilung bringt.

 

„Was tatest du Kind“, fragte Elegius? „Es ist mir wichtig, alles zu erfahren, ich habe das größte Interesse, in Ordnung zu kommen.“ Jenna: „Nichts tat ich, Vater, als was Jakobus mir sagte und dass ich felsenfest glaubte den Menschen durch die Kraft des Herrn helfen zu können. Es überkam mich eine Kraft und eine Freude. Ich sah eine lichte Gestalt neben mir und dies redete zu mir bis ich sie verstanden hatte und so richtete ich aus, was ich sagen sollte.“ Elegius: „Jenna, der Mensch hätte dir wehtun können, hast du das nicht bedacht?“ Jenna: „Nein Vater, die Freude in mir ließ gar keinen anderen Gedanken aufkommen und so geschah das große Wunder!“

 

„Wie fühlst du dich, mein Sohn?“ fragte Elegius den Geheilten. Seit wann warst du krank?“ Der Geheilte: „Schon seit meiner Kindheit, lieber Herbergsvater, wenn ich große Freude oder großen Ärger hatte, überkam mich das Grauen und dann wusste ich nichts mehr. Manchmal dauerte des Stunden, manchmal Tage und nachher war ich völlig entkräftet.“ Elegius: „O Gott, welch ein Wunder Deiner Liebe und Deines Lebens lässt Du mich erleben. Ich bin nicht wert, dass ich Deinen Namen ausspreche oder mich an Dich klammere, ich bin ein zu großer Sünder!“ Jenna: „Sage das nicht mehr, Vater, und wenn du noch zehnmal soviel Sünden hättest, sag ich dir aus dem Geiste Meines Heilandes, dass Er keinen Makel mehr an dir sehen will, so du ganz ein Diener und Priester Seiner Liebe und Wahrheit sein willst. Glaube diesen meinen Worten. Aus dieser Liebe gesprochene Worte sind gleich Seinen Worten. Eher wird die Welt mit allem zugrunde gehen als das, was in Seiner Liebe getan wurde, nicht geschehe.“

 

Elegius: „Jenna, Jenna! Du hast mich überwunden mit diesem deinem Glauben und nun wollen wir uns freuen. Bereite ein Mahl, als wenn du Hochzeit hättest und alle sollen unsere Gäste sein- hörst du, Hochzeitsgäste?!“ Jenna: „Ja, Vater, du tatest recht, es ist heute meine Hochzeit mit dem Heiland Jesu und Jakobus und Baltasar sind meine Trauzeugen.“ Vergessen war der Sabbat. Eine Tätigkeit entwickelte sich in der Herberge und am eifrigsten war Jenna, der niemand mehr anmerkte, dass sie lange schwer krank gewesen war. Mit dem Geheilten richtete sie das große Gastzimmer, die Tafeln und Tische wurden mit Decken versehen und am oberen Ende wurden zwei Plätze mit Blumen aus dem Garten geschmückt. Viele Leuchter wurden bereitgestellt, gefüllt mit gutem Öl und in der Küche wurde tüchtig gearbeitet.

 

Nur der Wein machte dem Elegius Sorge. Für soviel Menschen war eigentlich nichts mehr da, da ging er zu Amatus und fragte ihn, ob er vielleicht noch einige Schläuche Wein in seinem Wagen habe. „Was hast du vor“, frage Amatus? „Ich wundere mich über das Treiben in deinem Haus. Es ist doch Sabbat, oder hat der Nazarener auch den Sabbat aufgehoben?“ Elegius: „O nein, Amatus, aber ein Festmahl werden wir halten, zur Freude aller und zum Danke des Heilandes Jesu, der Jenna und deinen Knecht gesund gemacht hat. Dieses Festmahl soll den Charakter einer Hochzeit tragen, da sich Jenna den Heiland zu ihrem Bräutigam erwählt hat.“

 

Amatus: „Ich kann eure Freude verstehen, Elegius, und darum wäre ich der Letzte, der euch hindern würde. Ja, ich habe genug Wein und aus Dankbarkeit, dass Jenna meinen Knecht heilte, spende ich den Wein!“ Elegius: „Nicht so, Amatus, nicht Dankbarkeit, sondern freie Liebesgabe!“ Amatus: „Nun gut, nenne es wie du willst, ich möchte auch nicht mehr gegen diese göttliche Wahrheit stemmen, dieser Jakobus ist wahrhaft ein Bekenner, wie man sich keinen bessern vorstellen kann oder der abgefeimteste Gesandte des Bösen!“ Elegius: „Amatus, du tatest recht, solch scharfen Grenzen zu ziehen. Wenn ich aber das Endziel betrachte, wo uns Jakobus hinhaben will, bricht alles zusammen, was mit dem Bösen zusammenhängt und das Göttliche wird dadurch nur göttlicher!“

 

Amatus: „Du hast wahr gesprochen. Die nächsten Tage werden mir noch mehr der Beweise bringen. Ich habe jedenfalls meine Abneigung gegen Jakobus abgelegt und beginne, Zutrauen zu ihm zu fassen.“ Elegius: „Du machst mich froh mit deinen Worten. Also, es bleibt dabei, lasse einige Schläuche Wein holen. Im Ganzen aber seid ihr heute meine Gäste. Sieh mich nicht so erstaunt an. Du, deine Leute wie auch dein Vieh soll gezeigt werden, was aus dem Geiste der Liebe geschieht.“ Nun wurde noch alles Vieh in Ordnung gebracht und in einer Stunde sollen alle, so gut es geht, im festlichen Kleid im Gastzimmer sein. Das Zimmer wurde voll. Alle wunderten sich über die zwei so schön geschmückten Plätze, von denen einer aber frei blieb. Der Geheilte hatte in seiner Freude allen erzählt, dass eine Hochzeit sein sollte, die Jenna hielte mit dem Heiland aller Heilande – das Wundern wurde dadurch immer größer.

 

Elegius und sein Weib, sowie die anderen beiden Töchter bedienten die Gäste und hatten als letzte am unteren Ende des Tisches Platz genommen. Jakobus, der von Elegius gebeten wurde, die Weihrede zu halten, sagte: „Freunde, Brüder und Schwestern! Der Liebe ist alles möglich und so will Jenna, unsere Schwester, in ihrer grenzenlosen Freude euch allen eine Freude bereiten, an die ihr für alle Zeiten neue Freude erleben sollt. Sie betrachtet sich als Braut des Herrn und Heilandes Jesu und in ihrer Liebe steht das Verlangen, Ihm immer eine bräutliche Liebe entgegenzubringen, um auch Ihn zu erfreuen! Jenna, was du heute tust, sollen alle tun, gleich, ob Mann oder Frau, wir alle stellen die Braut des Herrn dar und Er, unser Heiland und Erretter, ist der Bräutigam. Das dieses aber keine Redensart oder ein Schlagwort sein soll, so will es der Herr, dass ihr alle Ihn an der Seite der Jenna erschauen sollt, aber nur für Augenblicke!

 

So habt ihr Ihn nun geschaut in Seiner Lieblichkeit. Jenna wird Ihn immer so sehen, wenn in ihr das Verlangen da ist. Auch euch allen wird Er sichtbar werden, wenn alle die Bedingungen erfüllt sind und ihr reif dazu geworden seid. Lasset euch aber nicht irreführen von dem Verkehrten, was noch in euch so übermächtig ist, sondern bemüht euch, zu glauben und in den Geist hineinzuwachsen, den ihr gestern und heute erlebtet. Die herrliche und erlösende Liebe des Heilandes Jesu soll ja unser Leben werden und in diesem Leben wird, je nach dem Grad der Reife, wie wir sie uns aneignen, die Herrlichkeit offenbar, wie sie uns, Seinen Jüngern und Zeugen offenbar wurde.“ So mancher fragte sich: „Wie kann ich zu diesem Leben und zu den Offenbarungen kommen.“ und so spricht der Herr: „Wer an Mich glaubet und den Willen des Himmlischen Vaters tut, an dem werden Ströme des lebendigen Wassers offenbar werden und Ich werde in ihnen Wohnung nehmen und sie in Mir!

 

„Brüder, Freunde, braucht ihr denn mehr? Liegt in diesen Verheißungen nicht des Lebens höchste Fülle? Er will Wohnung in uns nehmen und wir in Ihm! Jenna kann das Glücksgefühl bezeugen, nicht nur, was sie heute erlebt, sondern was sie noch immer erleben wird. Denket ja nicht, dass die Fülle des Lebens aus Ihm je ein Ende erreichen könnte! O nein, sondern nach dem Grade unserer Liebe und Hingabe bauen wir eine Herrlichkeit in uns und nehmen dazu die Mittel, die die Heilandsliebe uns zur Verfügung stellt! Hochzeitsfreude zu spenden ist Jenna’s Wunsch. Des Heilandes Wunsch aber ist, euch das Vaterhaus zu erschließen und euch zu Kindern und Erben Seines ewigen Reiches zu machen! Mag kommen, was da will, Er mein Ewiger Vater und ich als Sein Kind gehören zusammen und haben von nun an ein Ziel, höret ein Ziel, es ist die Erlösung aller Gebunden vom Tod mehr schrecken. Wir werden verwandelt werden und ein Leben, Gotteskindern würdig!

 

Jene aber, die da ein eigenes Leben leben, werden die Schrecken des Todes und der Nacht für immer tragen! Es klingt für euch unglaublich und so will es der Herr, dass euch die Augen aufgetan werden und wir sollen die sehen, die in ihrer Liebe an euch hängen und mit euch an diesem Freudenfeste teilnehmen. Freut euch! Unterhaltet euch mit euren Lieben und seid versichert, dass das alles kein Trugbild, sondern größte Wirklichkeit ist!“ Allen wurden die Augen geöffnet, die Wände verschwanden, und das Zimmer wurde zu einer Welt, in der der Vater Seine Kinder zu einem Abendmahl versammelt hatte und sich mit Jenna väterlich unterhielt. Die anderen faßten Mut und unterhielten sich mit denen, die sich zu ihnen gesellte und diese Unterhaltung klang wie feine Musik. Diese Offenbarung dauerte eine volle Stunde, dann sagte Jakobus: „Es ist genug, nun kehrt in eure eigene Wirklichkeit wieder zurück, aber allen soll die Erinnerung bleiben.“

 

Die Freude dauerte aber nicht lange, denn schon begannen sich bei manchen Zweifel einzustellen, vor allem bei Amatus. An seinem Gesicht sah man, dass er innerlich rang. Da sagte Jenna: „Aber Freund, warum blickst du so trübe und zerstörst den Weg, der zum Herzen des Vaters führt? Schwarze Krähen umschwirren dich und möchten dir die Stunde der Gnade zu einer Stunde des Verderbens machen! Dein Vater ist traurig ob dieser deiner Laubheit und deine Mutter möchte dir helfen, aber du versperrst dir den Zugang zu ihnen!“ Amatus: „Lass mich, ich kann dies alles nicht fassen, Jakobus Worte, ja, auch alles, was ich erlebte, brachte mich soweit, dass ich festen Willens war, Jesus als meinen Gott anzuerkennen. Dieser Rummel aber, verzeihe mir das harte Wort, war mir eine Falle, darin wir alle Gefangene sein würden!“ Jenna: „Freund meines Vaters, ich reiche dir trotzdem meine Hand und danke dir für deine Offenheit und nun will ich auch offen sein.

 

Versetze dich in mein Leben und erlebe mit mir diese Gnade, wie ich sie erlebte, und du wirst anders denken. Dass uns der Herr das Herrlichste Seiner Liebe zeigte, ist ja das Herrliche an Ihm. Damit du aber, lieber Freund, auch die Kehrseite deren erleben kannst, die nicht in der Liebe und Gnade stehen, so reiche mir deine Hand und sage, was du erlebst.“ Amatus: „Halt ein, Mädchen, was sehe ich! Eine Karawane meines Freundes, der erschlagen wurde, ist von Räubern überfallen worden. O schrecklich, schrecklich. Das kann doch nicht sein und doch ist es mein Freund!“ „Ruf ihn“, spricht Jenna, „er wird dich hören.“ „Berno, Berno“, ruft Amatus, „bist du es wirklich, oder ist es nur ein Gebilde meiner Phantasie?“ Berno:`Amatus, was du bist hier? Fort von hier, es geht mir schrecklich! Seid der Zeit wo ich alles verlor gibt es für mich keine Hilfe und Rettung mehr. Die Götter führen noch mehr Unglück über uns herein und jene weißen Gestalten kommen nicht mehr, seit ich sie fortgewiesen habe.`

 

Amatus: „Was für weiße Gestalten, Berno? Ich bin auch im Unglück, da ich die Kunde von dem Erlöser Jesu nicht erfassen kann, trotzdem ich es möchte.“ Berno: `Amatus, gehe weiter, hier ist kein Platz für dich. Jeden Augenblick können die verdammten Teufel von Räubern wiederkommen und dies wäre auch dein Unglück.` Amatus: „Warum mein Unglück? Ein größeres Unglück kann es doch nicht geben, so man die erlösende Hilfe und Rettung nicht annimmt. Dich zu schauen und zu erleben, soll ja der Beweis der Erlösung sein, aber was soll mir die Erlösung, wenn ich dich verloren weiß?“ Berno: `Amatus, was hat das alles mit mir zu tun! Ich lebe, trotzdem ich tot bin. Hier ist meine Karawane und ich kann ihr nicht näher kommen, ich sehe sie und sie sieht mich nicht. Ich muss zusehen, wie die Räuber das Beste immer rauben und kann es nicht hindern, denn sobald ich nur ein Wort rufe, erschlagen sie mich aufs Neue und machen mich doch nicht tot.`

 

Amatus: „Berno, Berno, das ist ja Wahnsinn, was du mir sagst!“ Berno: `Wahnsinn hin oder her, ich bin und bin doch nicht, wenn ich nur erwachen könnte aus diesem Traum. Etwas anderes kann es doch nicht sein.` Amatus wandte sich zu Jenna und spricht: „Was ist nun in Wirklichkeit die Wahrheit! Dieses Erleben mit Berno oder dass ich mit dir hier Hand in Hand stehe und träume?“ Jenna: „Amatus, die Wirklichkeit ist es, dass du hier die Kehrseite derer erlebst, die in deiner Liebe weiterleben. Du hast dich überzeugen können, dass man deinen Freund bei einem Unfall erschlug und nun, da du durch die Gnade des Herrn einen Blick in Seine Sphäre tun kannst, fragst du, was ist nun Wahrheit und Wirklichkeit! Alles, was du erlebst ist Wirklichkeit, aber nicht mit Händen greifbare, sondern mit geistigen Augen schaubare, und nun wollen wir sehen, ob sich für deinen Freund eine Gnade erbitten lässt von Jesus, unserem Herrn!

 

O du bester Heiland, der Du hier unter uns bist, dürfte ich Dich herzlich bitten, diesem armen und blinden Menschen eine Hilfe zu senden, damit Amatus auch hier Deine Liebe und Deine Gnade erlebt! Amatus schaue, Wolken finsterer Art türmen sich auf, o Jesus, o Heiland, halte mich, damit ich ohne Furcht bleibe und die Gewissheit habe, dass du bei uns bist! Was sehe ich, aus den Wolken kommen, Blitze über Blitze und dein Freund liegt wie erschlagen da! Schau nur hin, jetzt kommt eine Lichtgestalt – sie berührt ihn mit dem Zeigefinger, er erwacht und spricht: `Sei gedankt Berno, das war Hilfe in der größten Not. Wenn du mir aber nur weiter helfen könntest, damit ich aus diesem Zustand des Lebens und des Todes herauskomme!`“ Jenna: „Das kommt auf dich und nur wieder auf dich an, denn deine Widersacher mussten dich verlassen, weil dich die Gnade und die Liebe des ewigen Gottes errettet sehen möchte! Noch einmal tritt der Ewige Gott durch mich an dich heran und lässt dir sagen: `Erfasse Ihn mit der ganzen Kraft deines Herzens und vergiss, was du auf Erden zurücklassen musstest, dann wird dir Hilfe und Rettung werden. Dein dir vor vielen Jahren in die Ewigkeit vorangegangener Bruder wird dir Führer und Helfer werden und ist da, wenn du willst.“

 

Amatus sieht das Erleben verschwinden und spricht: „Jenna, verzeihe mir, weil ich so blind sein konnte. Ich will zu glauben versuchen, nur ist mir alles so unbegreiflich!“ Jenna: „Ist schon recht! Die beste Hilfe ist ja der Herr und durch Jakobus wird dir noch mehr offenbart werden, d.h. wenn du willst und glauben könntest. Siehe, in meiner Kindheit habe ich oft den Heiland gesehen und wusste nicht, dass es der Heiland aller Heilande sein könnte. Jetzt aber, wo ich weiß, Er ist es, wird mein Verlangen, Ihm ganz zu Eigen zu werden, größer und größer. Wunderst du dich, wenn ich zu meinem Vater sage, ich möchte mich Ihm, der mir Gesundheit und verschwundene Kraft wieder gab, für immer vermählen? In mir ist so ein herrliches Glücksgefühl, dass ich alle umarmen könnte, ja allen denen, die mich nicht lieben, auch Gutes tun könnte.

 

Amatus, wenn jetzt das alles verschwinden würde und es wäre nur, wie du sagst, ein Trugbild gewesen, so würde ich trotzdem an dieses Trugbild glauben, weil es mich so unendlich glücklich machte.“ Amatus: „Jenna, ich fange an, dich zu verstehen und darum danke ich dir herzlich für die Mühe, die du für mich aufwandtest. Ich bitte dich um Verzeihung, weil ich dein Fest störte!“ Jenna: „Aber lieber Amatus, du, als Freund meines Vaters, hast ja das Recht, dich zu äußern nach deinem Belieben. Von einer Verzeihung kann gar keine Rede sein. Du hasst ja Niemandem wehe getan, aber danken muss ich dir, weil du die Ursache warst, in jener Welt Dinge zu erleben, von denen ich noch keine Ahnung hatte. Aber nun mag Jakobus noch etwas erzählen von unserem Heiland Jesu, den wir in Seiner Liebe so lieblich kennen lernten. Wie schön wäre es, so wir noch etwas aus Seinem Leben erfahren würden.“ Elegius: „O Jenna, diese Worte muss dir die ewige Liebe eingegeben haben, denn das ist das Verlangen aller, weil zuviel des Wahren und Falschen durch aller Munde geht. Jakobus, du Freund und Bruder, du Bringer des Lichtes als Gott, erfülle unseren Wunsch und erzähle uns von Jesus, dem Heiland!“

 

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Jakobus erzählt eine Begebenheit im Hause Josefs

 

 

„Liebe Freunde;“ erwiderte Jakobus, „gern komme ich dieser Bitte nach und so will ich euch eine Begebenheit schildern, die nicht weiter bekannt ist, weil darüber zu schweigen geboten wurde, bis alles erfüllt ist. Vater Josef war tot und rechte Trauer bewegte unsere Herzen, denn wer den Vater Josef gekannt hatte, wusste, was wir verloren hatten. Zu unserem Leidwesen trauerte Jesu aber nicht und wir waren enttäuscht über ihn. Wir konnten einfach nicht verstehen, wie es möglich war, da ein so geliebter Mensch von uns gegangen ist, man es noch als Freude hinnimmt. Es kamen später die Verwandten in unser Haus. Bei uns fanden oft Trauerkundgebungen über Heimgegangene statt und Jesus ging jedes Mal fort. Maria, die um Jesus viel leiden und dulden musste, fand nicht immer die rechten Worte, um die Besucher und Verwandten zu beruhigen und so wurde mancher Unfriede um Jesus willen in unser Haus getragen.

 

An einem Vorsabbat kamen auch wieder Bekannte und ein neuer Priester der wohl Josef kannte, aber um Jesus sich noch nie gekümmert hatte. Jesus war in der Werkstatt und machte eine Arbeit fertig, die längst fertig sein sollte. Wir Brüder hatten schon mit der Arbeit Schluss gemacht und Joel, der ältere Bruder, war außer dem Hause. Unsere Stube war voll und Maria war benommen von den vielen Reden und konnte in ihrer Bedrängnis auch nicht die rechten Worte finden. Der Priester hatte sich aber Maria zum Ziel genommen und verlangte, Jesus solle aus der Werkstatt kommen, da ja Vorsabbat sei und dann sei Josef es wert, um ihn recht zu trauern. Es wäre endlich an der Zeit, diesen Störenfried im Hause Josefs und in Nazareth in die rechte Ordnung zu bringen.

 

Maria verteidigte ihren Sohn nach der Art, wie Mütter ihre Kinder verteidigen, aber da kam sie schlecht an bei dem Priester, und ein Wort ergab das andere; da erschien Jesus in der Stube. Mit großen Augen übersieht Er die Anwesenden und dies muss den Priester geärgert haben, denn er sagte: `O du Giftpflanze im Hause Josefs, da bist du ja, du Schänder des Gesetzes aus Moses! Was muss man wohl tun, um Dich endlich in die rechte Ordnung zu bringen? Du wärest wert, man brächte Dich zu den wilden Tieren!` `Das ist ja gar nicht nötig,` erwiderte Jesus - `denn unter wilden Tieren befinde ich mich schon!` Der Priester ist außer sich vor Wut und schreit: `Ist das die Achtung, die Du dem Gesalbten Jehovas entgegenbringst? Dich werde ich Achtung lehren`, und schon wollte er einen Fluch aussprechen.

 

Da sagte Jesus mit ruhiger Stimme: `Halt ein, Unseliger und entweihe das Haus Josefs nicht, das Josef zu einem Tempel machte. Damit du aber, bis du anderen Sinnes geworden bist, kein Unheil mehr anrichten kannst, sollst du taub und stumm sein – und nun gehe und verlasse dieses Haus und komm erst wieder, wenn du ernstlich bereut hast!` Der Priester wollte Worte aussprechen, aber nur unverständliche Laute entquollen seinem Munde und wie von Furien eilte er aus dem Hause. Maria ist ganz verzweifelt, sie spricht: `Jesus, was tatest du, ein jedes Wort ist Himmel oder Hölle, es ist so schrecklich, dich nicht ganz verstehen zu können!` Jesus spricht: `Wenn dir alles so schrecklich ist, so du Mich nicht ganz verstehen kannst, warum ist es dir nicht schrecklich, wenn man aus deinem Haus eine Hölle macht? An Mir hat es noch nie gefehlt, der Hölle einen Damm zu setzen, denn soviel habe Ich aus Gott bekommen, das, was Mir ein Heiligtum  geworden ist, zu schützen. Da ihr aber alle von einem ganz falschen Wahn erfasst seid, soll euch ein anderer die Binde von euren Augen nehmen.` Er verneigte sich vor den Anwesenden und ging still hinaus.

 

Schon wollte sich ein Unwetter über Maria erstrecken, auf einmal sehen wir alle Josef mitten in der Stube stehen, angetan mit einem weißen Mantel, der von einem goldenen Gürtel zusammengehalten wurde. Er hebt die Hände und segnet uns und wir alle hören seine uns wohl bekannte Stimme, die da spricht: `Segen über euch alle, die ihr gekommen seid, um mich zu betrauern. Es ist dieses nicht mehr nötig, denn zu trauern habe ich, weil ihr alle weit, weit noch vom Leben entfernt seid, um aber auch dieses Leben zu künden, hatts dem ewigen Gott gefallen, mich euch schauen und hören zu lassen sind um mir das Harte und Schwere noch mehr verständlich zu machen, in welchem Kampf das ringende Leben steht. Mein Geliebter, Schmerz über Schmerz durchzieht mich, so ich an das vergangene Erdenleben denke . Schmerz - weil ich auch nicht verstehen wollte die Führungen Gottes, der um uns und bei uns die größten Anstrengungen macht, allen, allen zu bringen das Leben in der Fülle und die Wege zum Leben aus Gott zu ebnen.

 

Was ich jetzt erlebe, geht über alles Verstehen. Was ich jetzt an Offenbarungen durchlebe, ist mehr denn Moses und die Propheten. Nur eines ist an meiner Seligkeit nicht zu erreichen, dass der Herr, unser Ewiger Gott bei uns ist, denn Er ist unter euch. Unter euch, im Fleische verhüllt! Was mir im Erdenleben Schmerz und Kummer machte, suche ich jetzt als das Beseligendste und was ich als Mensch als Prüfung betrachtete, sehe ich jetzt als die allergrößte Gnade. Maria, mache dich frei von den Schatten, die die Welt noch um dich wirft, sehe mich in dieser Stunde nicht als einen, der dich belehren möchte, sondern als den Gnadenakt herrlichster Gottesliebe.

 

Und nun will ich, dass ihr alle um mich dies sehet, die das Leben erfasst haben in aller Fülle. Erschauert nickt, sondern freut euch! Ob es noch einmal möglich sein wird, die Liebe in dieser Offenbarung zu erleben, hängt nur von euch und eurer Liebe ab, da noch nicht in und um euch alles sich dem Leben aus Gott zuneigt. Vergebet einander jede Unliebe und hütet euch vor trüben Gedanken, denn sie setzen dem ringenden Leben einen Damm und sperren die Wege zum Leben. Höret auf mit Trauern. Trauert um die, die das Leben nicht erfassen wollen und ergreifet mit dem Herzen Den, Der euch so liebt, damit ihr später nicht zu betrauern habt, wenn das Leben wieder in das Urleben zurückkehrt. So scheide ich nicht von euch, nur eure Augen werden sich wieder schließen, eurer Entwicklung wegen. Mein Segen und die Kraft meiner Liebe mache euch frei! Amen.`

 

Vor unseren Augen verschwand das Bild, das wir mit Entzücken schauten und als Letztes verschwand auch der Vater Josef. Ein tiefes Schweigen entstand, bis endlich Maria sagte: `Nun habt ihr selbst die übergroße Gnade erlebt und so bitte ich, lasset uns mit unserer Freude und unserem Schmerz allein. Wie muss es den greisen Josef schmerzen, wenn er sich diese Gnade erbittet, um uns zu sagen, er trauert über uns!` Wir Brüder aber schwiegen und als Joel nach Hause kam und alles erfuhr, sagte er: `Auf dem Wege nach hier habe ich alles miterlebt, ihr sagt mir nichts Neues, aber wo ist Jesus?` Wir alle hatten in dieser Aufregung Freude und Schmerz für Jesus keine Zeit gehabt und an diesem Tage ließ er sich nicht mehr sehen. Der Sabbat wurde wie immer gefeiert, aber Jesus war, wie immer, nicht da. Als die Sonne untergegangen war und Maria das Abendmahl bereitete, kam Er und sagte: `Mutter, warum bist du immer noch traurig? Tut nicht die Liebe alles, was sie vermag? Heute bin Ich ein großes Teil dem Leben näher gekommen, wüsstet ihr aber wie, ihr würdet doch wieder etwas finden, was ihr nicht vertragen könnt.`

 

Beim Abendmahl fragte Maria: `Was hast Du denn heute und gestern eigentlich getan, was wir nicht in Ordnung fänden. Wir haben gestern auch Großes erlebt, was uns vielleicht gegen Dich milder stimmt.` `Ich weiß es, sagte Jesus, denn auch Ich erlebte Meinen Teil, genau wie du, Joel, nur erlebte Ich es anders als ihr!` `Wieso, fragte Joel, Mein Erleben war derart, dass ich über Vater Josef erfreut bin und die anderen ebenso. Wie war denn dein Erlebnis?` Jesus: `Darüber muss Ich schweigen, aber Ich bitte euch schweigt auch über euer Erlebnis, denn der Tempel hat neue Teufeleien gegen Mich und euch im Sinne. Um aber Mich nicht zu vorzeitigem Eingreifen zu zwingen, werde ich einige Wochen mit dir, Jakobus, über Land gehen und dringende Arbeiten machen.`

 

`Das geht nicht, Jesus, spricht Joel, ich habe eine Arbeit zu tun beschlossen, die unbedingt fertig werden muss.` Jesus: `Sie wird fertig werden, aber ohne uns beide. Joel, glaube diesen Meinen Worten! Ich kann nicht anders, ich muss um euretwillen hart sein, denn es geht jetzt nicht um Mein, sondern um euer und aller Leben! Warum wollt ihr Mich nicht verstehen, warum seid ihr nicht ganz Eins mit Mir? Haben die Worte des Vaters Josef nicht das Innerste in euch berührt? Heute steht ihr in einem Gnadensein, wie es Millionen von Menschen noch nicht erlebten. Wie wollt ihr aber wachsen, so ihr irre "An Mir" werdet? Seht, in Mir ballen sich die Kräfte und Ich muss Mich zurückhalten, weil es nicht an der Zeit ist, ihr aber möchtet Mich zwingen, herauszutreten aus Meinem Ringen nur. um euch zu gefallen. Und wenn um Mich sich alles auflehnt, Ich gehe Meinen Weg und muss ihn gehen, leider immer allein.

 

Heute habe ich einen Aussätzigen vor einem großen Unglück bewahrt. Man hatte vergessen, ihm die nötige Nahrung zu bringen und um nun nicht die Schranken der Ordnung und der Gesetze zu durchbrechen, setzte ich Mich zu ihm und habe ihn gesättigt mit gutem Brot und glaubet Mir, heute habe Ich dabei einen Hunger ausgestanden wie noch nie. Ich wusste, dass dieser Hunger Prüfung war. Vor Mir liegt das Brot, welches Ich Mir von dem Vater erbeten hatte für den Hungernden und in dem Überwinden des Hungerns wuchsen Kräfte und die Liebe und auch der Wunsch, diesen Aussätzigen zu heilen, gelang.`

 

Joel spricht entsetzt: `Jesus, das hast Du heute getan, an einem Sabbat. Wenn das die Templer erfahren, dann wehe über uns!` `Nein,` spricht Jesus, `wehe über sie, denn ich lasse Mich nicht mehr hindern, dem Leben in Mir Schranken aufzubürden und morgen wirst du, Joel, diesen Geheilten aufnehmen und bei dir arbeiten lassen.` Joel: `Aufnehmen werden wir ihn, aber wird er Dich nicht verraten?` Jesus: `Sei ohne Sorge, gerade dieser soll zum Stein des Anstoßes werden, um für alle Zeiten das Haus Josefs von dieser Pest zu befreien. Der stumme und taube Priester wird noch unser Freund und Helfer werden. Bis dahin aber muss alles in Liebe und Geduld getragen werden. Nun will Ich jedoch wieder schweigen, der Feind alles Lebens hat lange Ohren.` So endete dieser merkwürdige Sabbat. Nach Wochen erst kam dieser Priester wieder in unser Haus. Er hatte sich vom Tempel gelöst, weil er glaubte, nie mehr hören und sprechen zu können und Maria hatte die Gnade, ihn wieder sprechen zu hören. Er wurde ein Freund des Hauses Josefs, aber Jesus mied er aus Angst und um Ihn nicht zu betrüben.“

 

Da sagte Jenna: „Aber lieber Jakobus, wart ihr wirklich so schlimm, dass ihr den Heiland nicht verstehen konntet?“ Jakobus: „Wir waren es, liebe Jenna! Du musst aber bedenken, wie wir in Furcht und Zittern erzogen wurden. Lieber ließen wir ein Tier an einem Sabbat zugrunde gehen, ehe wir dem Tier geholfen hätten und Jesus half am Sabbat dort, wo es dringend nötig war!“ Amatus: „Jakobus, mit deiner Schilderung hast du mir einen großen Dienst erwiesen, denn nun kann ich Jesus eher verstehen, wie euch Juden. War Jesus der Sohn Josefs?“ Jakobus: „Nach außen ja, lieber Amatus, aber Maria empfing ohne eines Mannes Zutun und hat nur eine Verheißung eines Engels erhalten. Eben darum, weil es die größte Schande war, so eine Jungfrau ein Kind unter ihrem Herzen trug, wurde Josef gezwungen, Maria als sein Weib anzuerkennen, da der Giftbecher, den sie auf Geheiß des Hohepriesters trinken musste, ohne Wirkung blieb. Wir haben alles dieses miterlebt, haben manche Stunde der Angst und des Schreckens durchleben müssen und wurden doch in allem wunderbar bewahrt. Als das Kind geboren war, ging der Segen nie von unserem Haus. Vertrieben, durch die Macht der Feinde, lebten wir in Ägypten und erst nach dem Tode der Feinde zogen wir nach Nazareth, wo wir bis zum Tode des Herrn blieben. Mein Bruder und Maria leben jetzt in Jerusalem, wohin ich jetzt gehe und warte da der Dinge, die mir der Herr offenbart.“ Amatus: „Da freue ich mich auf die Tage mit dir, Jakobus und hoffe, gut mit dir auszukommen.“

 

Noch lange blieben alle in dem großen Zimmer und noch Vieles wurde besprochen, dann aber sagte Jakobus: „Wir wollen uns nun zur Ruhe begeben und in der Frühe werden wir weiterziehen. Baltasar, bleibe du noch einen Tag, ein dir guter Bekannter ist auf dem Wege und du bekommst Arbeit für den Herrn und Meister! Denke nicht `O könnten wir noch länger zusammenbleiben`, denn, wenn du wieder zurückkommst, wartet viel Arbeit deiner! Nimm alles wie vom Herrn kommend auf und suche auch den Bösen und Falschen noch Segen zu spenden, dann wird deine Arbeit keine Last, sondern Lust und deine Entwicklung eine herrliche sein. denn der Herr und Meister braucht auch dich dringend!

 

Du Eligius, hast an Jenna eine Priesterin der Liebe, an ihrem Eifer lerne, an ihrer Liebe werden sich noch viele sonnen. Du aber, Jenna, strahle weiter in deiner bräutlichen Liebe, die im Dienst an deinen Mitmenschen sich immer mehr und mehr zu einem Heilandsleben auslebt und fürchte nichts, denn Jesus ist dein Teil und deines Lebens Inhalt! Dein ferneres Leben verwachse mit dem Leben deines geliebten Jesus, und wenn die Zeit kommen sollte, dass du einem Manne angehören willst, dann wisse, dein und unser aller Jesus wird dann diesen deinen Bund segnen mit der Liebe, die du Ihm in deinem Herzen einräumst So empfangt alle den Segen Des Herrn und Seine Liebe sei euer Leben, Sein Friede eure Kraft! Amen.“

 

 

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Weiterreise nach Damaskus und Abschied von Elegius und Baltasar

 

 

Nun war es soweit - die Trennungsstunde war gekommen. Alle Wagen des Amatus waren abfahrbereit. Die Treiber bei ihren Wagen warteten auf das Zeichen des  Amatus und Jakobus kam nicht los von den Herzen, die ihm und dem Herrn so Vieles zu danken hatten. Da sagte Amatus: „Jakobus, ich lasse wieder ausspannen, wenn du noch einen Tag bleiben willst, denn solch einen Abschied habe ich noch nicht erlebt. Diese Stunde sagt mir wieder. wie groß muss diese Liebe sein, die solche Liebe entwickelt!“ Jakobus: „Wir fahren, Amatus, dein Opfer wird dir der Herr lohnen, weil du noch einen Tag diesen Herzen schenken wolltest. Nun gib das Zeichen zur Abfahrt.“

 

Ein Winken und Segnen, bis sie außer Sicht kamen; dann fuhren sie alle in ihrem gewohnten Tempo auf der Karawanenstraße weiter. Amatus blieb fast immer mit Jakobus zusammen. Wenn die Sonne am heißesten schien, wurde gerastet und ganz in der Frühe ging es wieder weiter. Das Lagerleben lernte Jakobus wieder anders kennen. Eines aber wusste Jakobus, Amatus war ein strenger, aber gerechter Mensch. Er duldete keine Lauheit, aber die Leute hingen an ihm mit seltener Treue. Noch einen Tag hatten sie vor sich, da sagte Amatus: „Jakobus, deine Sorge habe ich nicht vergessen. Jedenfalls kommen wir heute in eine Herberge, die nach Damaskus gehört. Hast du etwas dazu beigetragen, dass alles so in der schönsten Ordnung gegangen ist?“ Jakobus: „Ich nicht, aber der Herr lohne deine Liebe, indem du mir diesen Dienst erwiesest. Damit du aber siehst, wie wunderbar der Herr mit uns war, so siehe deinen Wagen an. Keine Stunde wärst du weitergekommen, wenn Thomas in seiner Treue nicht vorgebaut hätte.“ Amatus: „Da bin ich neugierig“, sagte  Amatus, ging zu Thomas und sagte: „Thomas, was macht der Wagen um den du dich sorgtest?“

 

Thomas: „Dem habe ich nach Anweisung des Jakobus eine Stütze gegeben, denn die Achse ist wirklich gebrochen und die Stütze hält gerade bis der Wagen entladen worden ist.“ Amatus musste zugeben, dass Jakobus Recht hatte und besah sich den Wagen genau. Es war ein Wunder. dass er nicht zusammenbrach. „Wird er nun halten, heute und morgen, fragte er Thomas.“ Thomas sagte: „Solange Jakobus bei uns ist, hält er, denn an diesem Wagen habe ich wieder die Macht und Kraft Jehovas erfahren, ich freue mich dessen. Nun bin ich kein Ausgestoßener mehr und kann jedem Gläubigen frei in die Augen sehen und an den Heiland darf ich mich anlehnen wie ein Kind sich an die Mutter lehnt!“

 

Amatus: „Thomas, ich danke dir für diese Worte. Wir bleiben zusammen, ich bedarf eines Freundes, denn ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es sein wird, wenn Jakobus nicht mehr bei uns ist. Ich brauche bestimmt jemanden, dem ich nicht Vorgesetzter bin. Willst du mein Freund sein?“ Thomas: „Amatus, ich wollte dich verlassen, so wir am Ziel sind. Nun ich mich wieder zum Glauben zurückgefunden habe, sehnte ich mich auch nach Gläubigen, da. du aber mich als Freund brauchst, so bleibe ich bei dir und sei versichert, dass du nie eine Enttäuschung an mir erleben wirst. War ich dir ein treuer Knecht, umso vielmehr werde ich ein treuer Freund sein!“ So kam nun das Ziel, die Herberge von Damaskus. Jakobus fühlte eine Beklemmung. War es deshalb, weil Er diese Leute, mit denen er eine Woche zusammen lebte, wieder verlassen musste oder wartete eine Enttäuschung seiner? Er bemühte sich, ruhig zu sein und sagte Amatus nichts, um das letzte Beisammensein mit ihm und seinen Leuten nicht zu beunruhigen.

 

Es wurde etwas später wie sonst. Die Tiere waren müde und die zwei Stunden wirkten lähmend auf die Tiere. Da sagte Amatus: „Jakobus, die Tiere können bald nicht mehr weiter, es war doch etwas viel, was ich heute verlangte!“ Jakobus: „Warum segnest du deine Tiere nicht und gibst ihnen Stärkung aus der Kraft des Herrn in dir? Auch alle Kreaturen erfahren die Wirkungen, die aus deiner Liebe kommen, nur darf es nicht in gewinnbringender Absicht geschehen, und dieses liegt doch heute nicht vor. Lasse einen kurzen Augenblick halten und erfahre die Kraft der Liebe durch die Gnade des Herrn! Wir wollen es gemeinsam tun.“

 

 

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Rast bei Arnulf

 

 

Eine kleine Viertelstunde verging bei dieser Verrichtung und die Leute wunderten sich über Amatus, der mit Jakobus die Wagen abschritt, ihre Hände über sie haltend. Am Schlusse angekommen, gab Amatus das Zeichen zur Weiterfahrt. Als Letzte liefen beide hinter die Wagen, die nun in einem schnelleren Tempo vorwärts kamen. Eine Stunde dauerte es noch und unter dem Eindruck eines neuen Wunders waren sie am Ziel angelangt. War hier aber ein Betrieb. Mehrere Karawanen hatten Zelte aufgeschlagen. Da sagte Amatus: „Wir müssen heute auch in den Zelten bleiben, der Wirt hat das Haus voll, aber für Speise und Trank brauchen wir nicht zu sorgen.“ Amatus und Jakobus begaben sich in die Herberge und die Leute bauten in gewohnter Weise die Zelte und ließen die Tiere weiden auf der mageren Wiese.

 

Als Amatus und Jakobus die Wirtsstube betraten, war alles überfüllt. Amatus suchte den Wirt auf, der sich riesig freute, ihn wieder zu sehen. Der Wirt war ein Grieche. Rasch holte er sein Weib und auch diese drückte ihm die Hände vor Freude. „Amatus“, spricht der Wirt, „wir sind in Sorge, die verfluchten Templer sind die reinsten Teufel geworden. In jedem vermuten sie einen Nazarener und möchten sie am liebsten steinigen, ich weiß gar nicht mehr, wie ich mit ihnen verkehren soll. Sie vermuten in mir auch einen Nazarener und nehmen sich Freiheiten heraus, die ich mir bald nicht mehr gefallen lassen kann.“ Amatus erwiderte: „Arnulf das ist schlimm, denn nun bin ich auch ein Nazarener geworden und dieser Freund ist sogar ein Jünger des Herrn, aber ich denke, wir brauchen uns nicht zu fürchten, in Jesus dem Herrn haben wir doch alles, was wir brauchen!“ Der Wirt: „So denkst du, ich aber weiß es anders, denn fast jeden Tag erleben wir, wie die Teufel von Priestern unschuldige Menschen fortschleppen, die nie mehr zurückkommen.“ Amatus: „Warten wir ab, lieber Arnulf, ich habe jedenfalls keine Bange und werde mit Ruhe alles abwarten.“ Die Wünsche des Amatus wurden restlos erfüllt. Sogar eine Kammer für Jakobus konnte der Wirt noch freimachen und, als alles soweit getan war, war auch die Zeit zum Abendmahl gekommen.

 

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Jeremias und ein weiterer Priester treten ein

 

 

Die Stube war sehr voll. Ein Gemisch von Stimmen war zu hören und im Vordergrund war wieder ein Gespräch von den Nazarenern. Der Wirt hatte für die Leute des Amatus einen Tisch gedeckt, alle hatten sich gesättigt und taten sich an einem Wein gütlich. Da kamen zwei Priester in die überfüllte Stube und besahen sich die Leute. Sie erblickten Jakobus und fragten: „Wie kommst du denn hier herein in die Herberge eines Heiden? Eine kleine Stunde von hier wärst du doch bei denen Stammesbrüdern!“ Amatus steht auf und spricht: „Mit welchem Recht fragst du einen, der an meinem Tische sitzt? Doch nicht mit dem Rechte, welches euch Jehova gab; denn dann hättest du in einem anderen Ton gesprochen.“ Der Priester: „Mit dir habe ich nicht zu rechten, sondern mit dem da! Und dass du es weißt, als ein Heide hast du dich nicht in unsere Angelegenheiten zu mischen“ erwiderte der Priester. Amatus: „Ich frage dich nochmals, wer gibt dir das Recht, in einer griechischen Herberge mit einer Frechheit und in einem Ton aufzutreten, die aller gesetzlichen Ordnung Hohn spricht? Wenn ich nicht sofort Antwort bekomme, lasse ich dich von meinen Leuten hinauswerfen, da der Wirt Arnulf mir volle Freiheit gibt.“

 

Der Priester sieht den Ernst der Lage und spricht: „Der Tempel hat uns verpflichtet, mit aller Schärfe nach Nazarenern zu fahnden, denn wir werden der Pest nicht mehr Herr.“ Amatus: „So - der Tempel! Also muss ich da wohl mir erst Erlaubnis vom Tempel holen, wenn ich einen seiner Söldlinge, denn nichts anderes seid ihr ja, in die Schranken der Ordnung verweise. Wisse, ich bin auch Nazarener, aber nicht einer, der sich von euch ohne weiteres fortschaffen lässt. Ich lasse es auf einen Kampf ankommen und ich möchte euch raten, lasst euch nicht mehr in dieser Herberge sehen, außer, ihr kommt mit friedlichen Absichten. Gut, sind wir im Irrtum, ist es eure Pflicht, uns aus dem Irrtum herauszuführen, seid aber ihr im Irrtum befangen, müsst ihr die Folgen tragen.“ Der Priester: „Du bist deiner Art nach ein Römer, wir aber haben es nur mit den verirrten Schafen von Israel zu tun, du kannst hundertmal ein Nazarener sein, das kümmert uns nicht und glaube ja nicht, dass wir so machtlos sind, ein Pfiff und zwanzig Helfer sind zur Stelle. Und so fordere ich dich auf, der du ein Jude bist, zu antworten - wie kommst du hierher?“

 

Jakobus ist wie beengt alles dreht sich bei ihm wie in einem Kreise, endlich kommt das Befreiende in ihm, er steht auf, sieht die beiden Priester scharf an und spricht: „Wäret ihr zurückgekommen, die verirrten Schafe von Israel zu suchen, würde ich euch in demselben Geiste antworten. Da ihr aber keinen Funken von Liebe für die Verirrten in eurer Brust tragt, sage ich euch, ziehet von hinnen, denn gerade Jesus von Nazareth, den ihr verfolgt, wird euch noch schwer zu schaffen machen!“ „Ach sieh mal einer an“ spricht der Priester, „hier ist auch wieder ein verirrtes Schäflein, warte, bald wirst du recht versorgt sein. Heute gehe ich, aber in kurzer Zeit sehen wir uns wieder!“

 

Ehe Amatus oder Jakobus etwas sagen konnten, war der Priester mit den anderen aus der Stube. Nun hatte sich aber der Priester nicht so recht in Acht genommen, denn er fiel hin und brach sich beide Hände. Der andere Priester kam bettelnd zu Arnulf und bat um Herberge, denn er könne mit dem Verunglückten nicht noch nach der eine Stunde entfernten Herberge gehen. Niemand hatte etwas davon bemerkt, nur Jakobus sagte zu Amatus: „Ihn hat schon das Geschick ereilt, als Bettelnde sind sie jetzt gekommen und beide Hände sind nicht mehr zu gebrauchen, wenn nicht Hilfe kommt.“ Lass uns sehen“, spricht Amatus, „das habe ich aber nicht gewollt, dass der Priester eine solche Lektion bekommt.“ Arnulf hat die beiden Priester in eine kleine Stube geführt, da kommen auch Jakobus und Amatus und schauen auf den Priester, der ganz kleinlaut ist. Da spricht Amatus: „Nun mag dir der Tempel helfen, denn in seinem Sold hast du dir dieses zugefügt, von einem Nazarener wirst du dir doch nicht helfen lassen wollen. Eines sei dir gesagt, wenn nicht sofort Hilfe kommt, wirst du nie mehr deine Hände gebrauchen können. Da du uns Nazarenern nicht mehr gefährlich werden kannst, werden wir uns recht vergnügen an unserem Tisch und so wünsche ich euch ein rechtes Vergnügen.“

 

Amatus nimmt Jakobus bei der Hand und zieht ihn aus der Stube hinaus. Draußen sagt er: „Jakobus, lass ihn nur recht bitten, denn sein grenzenloser Hass soll sich erst richtig abkühlen. Arnulf war in angst, dass es gerade bei mir geschehen musste, sagte er, es wäre mir schon lieber gewesen, es wäre draußen geschehen, was sagst du dazu, lieber Gottesbote?“ Jakobus: „Was soll ich sagen? Das Maß ist voll und der Herr und Meister weiß es am Besten, was Not tut, es ist schade um diesen Menschen und dass beide im Hass so verharren: aber lassen wir sie. Wenn sie unsere Hilfe erbitten, sind wir zum Helfen bereit!“

 

Arnulf: „Was helfen willst du denen? Du willst wohl deine Henker im Voraus mit Guttaten belohnen. Nein, das tue ja nicht, denn ihr Maß der Sünde ist voll.“ Jakobus: „So nicht, lieber Freund, entweder wir sind Jünger und Nachfolger des Herrn, oder wir sind es nicht. Bedenke, keiner unter uns ist ohne Fehl und doch hat die ewige Liebe uns ergriffen und wir sind glücklich geworden und glaube, alle die, die sich im tiefsten Schlamm befinden, sind doch noch die Besten geworden.“ Der andere Priester kam und bat Amatus, er solle doch einmal zu seinem Kollegen kommen und versuchen im Guten miteinander zu verhandeln. Amatus  spricht zu Jakobus: „Komm mit, wir wollen ihn erst tüchtig einheizen und versuchen, ihn klein zu kriegen.“ Wie ein Häuflein Unglück kauerte der Priester in der Ecke. Der Verletzte spricht: „Ich habe Unglück gehabt, könnt ihr mir Hilfe angedeihen lassen? Ich will gern meine Worte zurücknehmen und diese Gegend verlassen.“

 

Amatus: „Hilfe zu bringen wäre schon möglich, aber dazu wirst du nicht zu bewegen sein, denn der Helfer ist Jesus und Dieser verlangt rechten Glauben und dass alles Unheil, das angerichtet wurde, wieder gutgemacht wird. Du hast doch den Tempel. Wenn er euch die Macht gegeben hat, andere Menschen, die an ihm nicht voll Genüge haben, ins Unglück und Leiden zu stürzen, so muss ich mich wundern, dass er dann seinen Vasallen keine Macht verleiht, um zu helfen. Ich habe so Vieles erlebt bei euch Templern, dass ich gern euch mied und nie hätte ich es für möglich gehalten, an euren Gott zu glauben; aber die Art eines Jüngers Jesu, seine Liebe zu den Menschen und sein Helfersinn haben mich eines anderen belehrt. Ich muss dir sagen, wie klein seid ihr gegen den Gekreuzigten und Auferstandenen!“

 

Da spricht der Priester: „Siehst du nicht, dass ich leide. Verlange was du willst, wenn es möglich ist, mir zu helfen aber lass mich mit dem Nazarener in Ruhe!“ Amatus: „Hast du je einmal daran gedacht, dass andere unsagbar leiden durch deine Maßnahmen. Solche Schandtaten führt nicht einmal der Teufel aus, wie ihr es tut und da hast du noch die Verwegenheit, Hilfe von uns zu verlangen. Was hast du zu Jakobus gesagt, du wirst bald versorgt sein, du verirrtes Schäflein! Nein, nein, Schmerzen sollst du empfinden, nicht nur in den Händen, die da groß waren, Kerkertüren zu öffnen, sondern auch in dir soll ein Feuer brennen, dass du eine Ahnung bekommst, wie es denen erging, die du zum Leiden verurteiltest. Merke dir, Jesus ist bereit, zu helfen, aber nur unter einer Bedingung, dass du gutmachst und deine Fehler bereust und ein anderer Mensch werden willst. Wenn du das nicht willst, dann gehe zum Tempel, er wird dir nicht helfen, weil er es nicht kann!“

 

Der Priester: „Du bist Jakobus, Josefs Sohn?“ „Ja, ich bin es“, spricht Jakobus, „und du bist Jeremias, der in Feindschaft zu meinem Vater stand, weil er meinen Bruder Jesus nicht strafen wollte, weil er nicht in der gewünschten Art zu dir war. Lange Zeit hast du Jesus mit zornigen Augen angeschaut und wäre Jesus nicht schon damals von der heiligen Liebe durchdrungen gewesen, hättest du schon damals eine Rüge bekommen. Du kanntest Jesus, du kanntest Josef und noch besser Maria und du warst doch einer der Eifrigsten, die Ihn an das Kreuz lieferten und so sage ich dir aus Seiner Macht und Herrlichkeit, wahrlich du wirst, nicht von dannen kommen bis der letzte Stater bezahlt ist. Amatus hat Recht, Jesus ist bereit, zu helfen, aber nur, wenn du all das Unrecht wieder gutmachst. An Ihn zu glauben verlange ich nicht, denn das ist nicht mein Dienst, das hast du mit dir selbst abzumachen. Nun verlassen wir dich und wünschen dir, dass du dich zu dem Besseren entschließt!“

 

Jeremias wollte etwas sagen, aber schon hatten sie ihn alleingelassen. Jakobus aber sagte: „Es kam mich hart an, aber nun liegt es an ihm und so wollen wir uns mit den anderen unterhalten, denn morgen möchte ich weiterziehen.“ Amatus: „Das gibt es nicht, Jakobus, zu meinem Herrn bringe ich dich noch. Ich könnte es mir nicht vergeben, so ich dich ihm nicht zuführen würde, du wirst rechte Freude haben!“ Der Abend wurde noch recht schön und als Jakobus in seiner Kammer lag, kam ihm noch der leidende Priester in den Sinn und er bat den Herrn um rechte Weisheit. Da wurde es in ihm wohl und nun wusste er, es wird ein gutes Ende nehmen. Zeitig, wie immer, war Jakobus in der Stube, wo viel Verkehr war, denn die Karawanen rüsteten sich zur Abreise. Auch Amatus trieb seine Leute an. Er wollte ganz in der Frühe bei seinem Herrn sein und so wartete Jakobus mit der Morgensuppe.

 

Da kam der Priester, der mit Jeremias zusammen war und sagte: „Guter Freund, ich habe auf dich gewartet und ich bitte dich, komme zu Jeremias. Die ganze Nacht habe ich mit ihm meine Mühe gehabt. Wie gern hätte ich ihn überzeugt, seinen Hass gegen Jesus doch zu begraben, aber es ist zwecklos. Ich kann ihn aber nicht in Stich lassen, obwohl ich längst des Treibens satt bin.“ Jakobus: „Das ist löblich von dir, aber sag mir, wie stehst du zu Jesus, dem Herrn und Meister?“ Da sah sich der Priester erst um und sagte: „Ich wollte, ich könnte mit dir statt mit Jeremias gehen, ich kann aber nicht loskommen, weil ich ganz arm bin.“ Jakobus: „Deinen Willen sieht der Herr wie die Tat an und so sage ich dir aus dem Geiste des Herrn, versuche mit aller dir zu Gebote stehenden Liebe und Weisheit Jeremias von seinem Treiben in seiner Art abzubringen und dann lege du im Namen des Herrn Jesu ihm die Hände auf und es wird besser mit ihm werden, aber erst muss er bereuen und gutzumachen versuchen.“

 

Der Priester: „Ich soll das tun, ein Feind Jesu?“ Jakobus: „Du bist kein Feind Jesu, sondern dein eigener Feind. Deine Willensschwachheit und dein sorgenvoller Sinn lassen dich nicht frei werden von der Geißel, die der Tempel schwingt. Mache dich frei und komme nach Bethanien zu Lazarus und bekenne dich als Freund. Bitte ihn um Hilfe, dann wirst du ein freier und froher Mensch und ein natürliches Glied in der Gemeinschaft der Menschen werden. Zu Jeremias werde ich nicht kommen, denn das ist deine Arbeit, die der Herr und Meister von dir fordert. Tue wie ich dir sage, die Liebe wird dir Kraft, der Herr aber das Gelingen geben!“

 

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Weiterreise zu Dinarus

 

 

Nun kommt Amatus. Schweigend nehmen sie die Morgensuppe ein und Jakobus spricht: „Bruder, wir wollen uns beeilen, damit wir recht bald bei deinem Herrn sind, denn heute kommt ein großes Unwetter und dann könntest du mit deinen Leuten nicht mehr an dein Ziel kommen.“ Amatus: „Heute, Jakobus? Ich verstehe mich auch auf das Wetter, es sah aber gar nicht so aus; aber da du es sagst, werde ich mich danach richten.“ Mit der größten Eile ging es vorwärts, die Tiere gaben ihr Bestes und nach wenigen Stunden fuhren sie durch die Tore von Damaskus. Der Himmel verdunkelte sich, Wolken zogen sich zusammen und kaum war Amatus vor den Lagerspeichern seines Herrn vorgefahren, entlud sich ein schweres Gewitter. Die Tiere wollten sich nicht beruhigen lassen beim Abschirren und da hatte Amatus nicht die Ruhe, um auf dir Tiere beruhigend zu wirken.

 

Jakobus aber betete und verband sich mit dem Herrn, da war eine kleine Pause im Wetter und während dieser kleinen Pause gelang es, alle Tiere in die Ställe zu bringen, dann aber tobte das Wetter, als wenn alles zugrunde gehen sollte. Amatus ging nicht von der Stelle, er sagte: „Jakobus, wenn du nicht gewesen wärst, wären wir noch auf der Landstraße und was da geschehen wäre, ist nicht auszudenken. Meine Leute sind gut, aber vor einem Gewitter haben sie mehr Angst als vor hundert Teufeln. Nun komm, wir wollen zu meinem Herrn gehen, damit, wenn das Gewitter vorüber ist, die Entladung vorgenommen werden kann.“

 

Dinarus, der römische Handelsherr, war schon unterrichtet von dem Kommen der Karawane des Amatus. Er erwartete ihn und empfing ihn mit sichtlicher Freude. „Sei willkommen, Amatus, du stehst unter einem guten Stern, denn sonst hätte dich das Gewitter auf der Straße überrascht!“ Amatus: „Ja Herr, aber hier, Jakobus, dem haben wir das Glück zu danken, denn er veranlasste, dass wir uns beeilten, schon am frühen Morgen ehe nur ein Mensch an schlechtes Wetter denken konnte. Auf meine Bitte ist Jakobus mit zu dir gekommen, damit auch du Teil von der Gnade Gottes nimmst, die ich auf meiner Heimfahrt erfuhr.“ Dinarus: „Jakobus, bist du einer von den Zwölfen, die mit dem Meister Jesus gingen?“ Jakobus: „Ich bin einer von ihnen, Dinarus und so folgte ich weniger dem Drängen des Amatus, als dem Drängen des Herrn in mir!“

 

Dinarus: „Jakobus, du machst mir nicht nur eine Freude, sondern machst mich zum glücklichsten Menschen, denn immer war es mein Wunsch, einmal mit einem von den Zwölfen zusammenzukommen. Durch meine Freunde Dimetrius und Ursus bin ich gut unterrichtet; aber von dem Leben, welches von dem Meister ausgeht, bin ich noch nicht so recht erfüllt, darum komm und sei in meinem Hause daheim. Vorerst ruhe etwas, da ich mit Amatus Verschiedenen zu besprechen habe.“ Dinarus schlug an einen Gong und ein Diener erschien. Diesem übergab er den Jakobus, er solle ihn in das Gastzimmer führen und sich ganz zu seiner Verfügung stellen. Der Diener verneigte sich vor Jakobus und sagte: „Komm Herr, damit ich dich führe und befehle über mich.“ Dinarus nickte Jakobus noch einmal zu, dann verließ Jakobus mit dem Diener das Zimmer.

 

Draußen sagte Jakobus zu dem Diener: „Höre, ich bin kein Herr und du sollst mir nicht dienen, sondern Bruder sein im Geiste des Meisters Jesu.“ Der Diener: „Woher kommst du, da du vom Meister sprichst, mit noch keinem Menschen sprach ich davon. Was weißt du von mir?“ Jakobus: „Rufus, ich weiß noch mehr, da der Herr mich dich in deiner inneren Sehnsucht schauen lässt. Ich bin einer Seiner Zeugen und durch die Führung des Herrn hier. Du kannst alle deine Freunde hierher bringen, Dinarus wird es gestatten.“ Der Diener: „Wirklich, o welche Freude überbringst du uns, wie darf ich dich nennen? Ich werde doch nicht lästig, wenn ich dich um Worte bitte, die meinen Herzen Ruhe und Sicherheit geben?“

 

Jakobus: „Rufus, Bruder will ich dir sein und mein Dienst ist Liebe und weiter nichts als Liebe - heute und allezeit. Hast du einen Wunsch, äußere ihn, denn es ist das Herrlichste und Größte, in der Liebe dienen zu dürfen. Nenne mich Jakobus - wie ich ganz frei bin, so sollst du auch frei sein!“ Es dauerte keine Stunde, da war auch Dinarus wieder da. Als er sah, dass Rufus ganz ergriffen war von den Worten Jakobus, sagte er: „Jakobus, weißt du auch, dass es ein Wunder ist, meinen Rufus so ergriffen zu machen? In ihm war ein Sehnen, welches nicht zu stillen war und jetzt sehe ich seine Augen in einem Glanz erstrahlen. Ich danke dir für deine Bemühungen. Aber nun komme mit mir zu meiner Familie, es wird da nicht so leicht gehen!“

 

Rufus fragte Dinarus, ob er seine Freunde in der Zeit, wo Jakobus hier sei, auch bringen könne. Da sagte Dinarus: „Aber Rufus, wie kannst du nur fragen, du weißt doch, dass ich mich immer zu deinen Freunden bekannt habe. Bringe alle zusammen heute in mein Haus, es gilt, die Liebe des Meisters würdig zu feiern!“ Dinarus nahm Jakobus bei der Hand und sagte: „Nun komm und sei meines Hauses liebster Gast.“ Da sagte Jakobus: „Dinarus, sprich nicht weiter, denn ich rede nicht aus mir, sondern aus dem Geiste des Herrn und so du meinst, ich solle nicht an das Leid deines dir so lieben Weibes rühren, so gebe ich dir die Versicherung, sorge dich um nichts und die Herrlichkeit der ewigen Liebe wird dir offenbar werden. Der Meister weiß um alles, nur das will Er nicht wissen, was du aus und in Seiner Liebe tun willst!“ Dinarus: „Jakobus, mir ist ganz weihevoll zumute, aber nun komm!“

 

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Jakobus zu Gast bei der Familie Dinarus

 

 

Monica, das Weib des Dinarus, hatte schon von einem Diener vom Besuch des Jakobus erfahren. Um ihr Herz legte sich ein Schleier, aber freundlich begrüße sie ihn als Dinarus mit ihm in ihr Zimmer trat. Jakobus, ganz Liebe, sagte: „Monica, ich komme nicht zu belasten sondern um zu entlasten und die Liebe, deren Diener ich bin, hat nur das Beste im Auge!“ Nun kamen auch zwei Söhne und drei Töchter des Dinarus. Die Söhne waren zurückhaltend, aber die Töchter waren frei. Dinarus wollte, dass die Mädchen sich zurückziehen sollten, da wehrte Jakobus ab und sagte: „Dinarus, lasse sie hier, denn Kinder erleben anders als wir Großen und die Gaben, die aus dem Himmel kommen, machen frei die ringenden und kämpfenden Seelen.“ Diener brachten Früchte und Wein und alle waren von den Erlebnissen und Erzählungen des Jakobus gefangen, dass sie gar nicht merkten, wie Stunde um Stunde verging.

 

Diener meldeten, dass der Tisch gedeckt sei und ungern führte Dinarus Jakobus zu Tisch, da ihm die Speise des Jakobus mehr bedeutete als das Essen. Wie erstaunte Jakobus. als schon Viele anwesend waren und er fragte Dinarus, ob das seine Leute wären. Dinarus aber lächelte und sagte: „Rufus brachte seine Freunde ohne die er nicht sein kann, aber freue dich mit ihnen, längst haben sie auf den Tag gewartet, wo ihnen die Wahrheit nicht vorenthalten wird. Was hier in Damaskus geschieht, ist mehr als Schrecken. Die Templer aus Jerusalem betrachten sich als die Herren und leben von den Abgaben der Gläubigen. Wehe, wer sich als Nazarener bekennt, Schrecken über Schrecken bringen sie über die einst so glücklichen Menschen.“

 

Jakobus sagte: „Bruder, du wolltest mich bitten, nicht an das Leid deines Weibes zu rühren und du tust es doch. Ich aber sage dir, du wirst die Herrlichkeit Gottes erleben und darum bitte ich dich, bleibe frei und wehre das Wehen des Geistes nicht.“ Nach dem Essen blieb Monica mit ihren Töchtern fern. Es gab im Hause viel zu schaffen und Rufus war schon wieder aus dem Haus, um noch mehr einzuladen, die gleich ihm in derselben Sehnsucht waren. So kam der Abend heran und Amatus sagte: „Jakobus, denke dir, die Achse am Wagen ist nun doch gebrochen, wäre es unterwegs passiert, wie hätten wir bloß den Wagen mit gebrochener Achse nach Hause gebracht?“ Jakobus  lächelte und sagte: Aber Amatus, hast du immer noch nicht begriffen, dass der Liebe alles möglich ist? Was glaubst du wohl, was alles an gebrochenem Herzen doch noch heimgebracht wird? Alles ist Sprache und alles dient dem Geist, den ich und alle aus sich herauskristallisieren.“

 

Nun setzte eine Unterhaltung ein, die das Wirken des Geistes klarstellte und die Wahrheit wurde ihnen klar, dass nur da Gott helfend sein kann, wo der Geist entfaltet ist. Nun kam Monica und lud zum Abendmahl. In einem großen Saal waren Tische festlich gedeckt, Leuchter wurden angezündet und als alle Platz genommen hatten, brachten Diener Speisen und Getränke. Als alles in Ordnung war, sagte Dinarus: „Jakobus, du als der Diener der Liebe und Vertreter des Herrn, segne du in der Art, wie der Meister segnete und tue uns nichts vorenthalten, was Seine Gnade uns zugedacht hat. Wir alle sind so voll der größten Liebe und Freude und du wirst keinen unter uns sehen, der nicht ganz mit dir geht. Freilich ist noch so mancher nicht so unterrichtet wie es vielleicht sein sollte, aber das wird der Meister entschuldigen.

 

Da sagte Jakobus: „Dinarus und alle, die ihr versammelt seid, was die Liebe heute zu einem Tempel macht! Höret, was ich aus meiner Liebe heraus euch sagen muss: Machet euch frei von noch so manchen falschen Begriffen, denn der Herr ist die größte Liebe und Freiheit und kann demzufolge auch nur in der Liebe und Freiheit tätig sein. Alle Seine Handlungen tragen und zeugen von Seiner Ordnung und darum kann Er auch nur in Seinem Geiste uns dienen. So bitte ich euch alle um eine Minute nicht nur im Geiste. sondern auch mit ganz in Seiner beseligenden Liebe uns dienen kann. Dich aber, Du herrlicher bester Vater und Heiland bitten wir, segne uns und dieses Mahl und nimm mit teil an dem, was du uns bereitet hast. Fülle du unsere Herzen mit dem Wasser des Lebens und stille alle Sehnsucht, die so nach Dir verlangt. Dein Wort aber sei und bleibe unsere Leuchte und ein Licht auf allen unseren Wegen! Amen.“ Alle griffen zu den Speisen und es wurde wenig gesprochen.

 

Jakobus, der neben Monica Platz genommen hatte, sprach mit ihr über den Heiland und nun fand sie Worte, um ihrem gepressten Herzen Luft zu machen. Jakobus ergriff ihre Hand und sagte: „Monica, warum quälst du den Herrn und beschuldigst Ihn, dass Er nicht genug über Seine Kinder wache, o du kennst Ihn noch zu wenig, sonst würde sich alles in dir in das Gegenteil verwandeln. Wie recht ich habe, wird dir Thomas beweisen, damit du dich selbst beobachten kannst.“ Monica: „Freund der Liebe und des Meisters, ich möchte doch so gern Klarheit über alles haben, aber sage mir, warum ist in mir alles so still? So ich bete und rufe in meiner Angst zum Herrn. Bin ich denn so schlecht, dass der Herr meinen Bitten kein Gehör gibt? Ich denke, dieser Jesus muss doch derselbe sein, der, als Er noch lebte, keinem etwas abschlug? Warum schlägt Er mir jeden Wunsch ab? Siehe, zum größten Opfer bin ich bereit, doch ich muss wissen, warum ich opfere.“

 

Jakobus: „So nicht, liebe Monica, deine Wünsche sind menschlich, allzu menschlich, aber der Herr steht allezeit auf der geistigen Ebene. Stelle dich ganz auf Seine Liebe ein und bewege dich in diesem Seinem Geiste, der nur glücklich machen will, dann wird dir Licht aus Seinem Licht und Klarheit aus Seiner Wahrheit. So wie du denkst, verschließt du ja dein Herzensgemach und versperrst dem Herrn die Wege, die zu dir und deiner ringenden Seele führen.“ Monica weinte. Sie sagte: „Nun verstehst auch du mich nicht und wie hatte ich mich gefreut, endlich einmal einen zu haben, der ganz dem Herrn gleich ist.“ Jakobus: „Monica, ich verstehe dich vollkommen, aber du klammerst dich an das Alte und vergisst den neuen Geist aus Jesus Liebe. Nun lass uns darüber schweigen, denn nach dem du verlangst, wird dir werden, doch nicht aus meinem Munde.“

 

Die anderen, die dem leise geführten Gespräch zuhörten, fühlten, hier ist ein Widerspruch des Herzens. Dinarus aber war erfüllt mit der Freude und hatte nur einen Wunsch, alle so glücklich zu sehen, wie er glücklich war und er sagte zu Amatus: „Amatus, bitte erzähle du, was du mit Jakobus erlebtest und dann mag Jakobus uns mit dem dienen, was ihn so selig macht.“ Amatus: „Aber Dinarus, warum soll ich reden, wo ich selbst den Worten so gern lausche: Es ist wahr, ich habe herrliche Tage hinter mir, des Jakobus aber warum am Vergangenen zehren, wenn uns die Gegenwart so herrlich begnadet? In Jakobus ist ja die Liebe verkörpert und dessen Worte gleichen Gottesworten und jede Tat ist ein Gotteswunder. Wenn das kein Wunder ist, wenn ich mit gebrochener Achse den schwer beladenen Wagen glücklich heimbringe und wenn die Elemente vor der Macht des Herrn in Jakobus schweigen müssen, sind das nicht Offenbarungen des Herrn? Darum rede Bruder Jakobus, und offenbare uns deine in dir wohnende Liebe!

 

Jakobus: „Meine Brüder und meine Schwestern, der Menschenliebe und der Gottesliebe sind Grenzen gesetzt und sowie der Mensch dem ewigen Gott Grenzen gesetzt hat, so setzt auch Gott den Menschen Grenzen. Ja Gott muss es, sonst ginge alle Welt verloren. Und der Mensch setzt Gott Grenzen, bewusst und unbewusst, weil er Gott in Seiner Liebe, Ordnung und Weisheit nicht kennt, Jesus der Meister und jetzt Vater der Liebe und Herr alles Lebens, wurde uns Weg und Ziel! Auch wir verkannten Ihn und wurden oft irre an Seinen Worten und Handlungen, obwohl Seine Taten bewiesen, Er ist Gottes Sohn! In Seinen Worten gab Er uns immer die Wahrheit verhüllt und nur ganz selten sprach Er ganz eindeutig klar.

 

Einmal sagten wir zu Ihm `Herr, warum redest Du mit uns eine Sprache, die wir kaum verstehen und wenn Fremde kommen, redest Du so deutlich, dass man irrewerden könnte? Da sagte Er: `Wie lange werde ich euch noch ertragen müssen. Ihr seid immer um Mich und ihr sollt die Herrlichkeit des Vaters in euch finden, die Er in Seiner Liebe und Weisheit in euch legte. Jene Fremden aber sind manchmal nur sieben Stunden bei Mir und in den sieben Stunden wird ihnen die Herrlichkeit offenbart, die Ich in Mir trage, um sie zu gewinnen für Mich! Jene können sich nur auf das stützen, was sie bei Mir erlebten, ihr aber tragt Mein Leben in euch und es wird euch offenbaren, was Mein Mund euch verschweigen muss. Was ist nun größer, Beweise von außen - oder Leben von innen?`

 

Sehet liebe Brüder, so lebten wir mit Ihm und Tage vergingen, dass wir kaum mit dem Meister ein Wort wechselten und heute ist die Gnade und Seine Herrlichkeit um so größer, denn nun lebt Er in mir und Seine Liebe und Sein Leben in mir kündet euch, was Er euch zugedacht hat. Ich weiß, eure Sehnsucht ist die, Ihn zu schauen! Brüder, es ist auch des Herrn Sehnsucht, euch ganz zu eigen zu geben! So reißt alle Grenzen ein und Er, ins seiner ganzen Glorie, wird euch allen auch die kleinste Sehnsucht stillen.“ Da sagt Rufus: „Bruder Jakobus, sag uns, welche Grenzen ich beseitigen soll. Keinen Eifrigeren wird es geben. der damit beginnt und ich weiß, alle, die wir hier sind, werden genau so denken!“

 

Jakobus: „Ja, liebe Brüder. so einfach ist dies nicht, mit dem guten Willen allein ist es nicht getan, ein Wollen muss einsetzen und ihr werdet es vollbringen, wie es Viele vollbrachten. Mit wenigen Worten sei euch gesagt, solange ich noch an einem meiner Brüder Schatten sehe, ist die Liebe noch nicht zum rechten Durchbruch gekommen und solange ich noch an mich mehr denke als an meine Mitmenschen, ist der Geist, den uns der Meister brachte, noch gebunden. Nur das Leid kann uns zu Hilfe kommen und im Leid wird mir der anderen Leid verständlich. Damit ihr aber, liebe Brüder, und vor allem du, Monica erkennst, wie weit wir noch von der Wahrheit aus Gott entfernt sind, mag Thomas reden, aber zuvor will ich ihm die Hände auflegen, damit er frei sei.“

 

Jakobus tat, wie er sagte, dann sagte Thomas erst langsam, dann fließend: „Ja, liebe Freunde, was ist denn das? Ich sehe nicht nur euch, sondern auch andere und - o Herrlichkeit- Der Meister ist unter uns! Jakobus bitte, sag mir, ist das der Meister, der uns alle segnet? Nein, nun brauchst du es nicht zu sagen, denn ich sehe Seine Nägelmale an den Händen. O - wie schön sehen alle die aus, die mit dem Herrn gekommen sind und der Herr geht von einem zum anderen und die durchbohrten Hände legt Er jedem auf das Haupt. Bei dir, Monica, ist Er jetzt. Er spricht auch einige Worte zu dir, die ich aber nicht verstehe. O, Du Liebe! Wie musst Du uns lieben, dass wir dieses erfahren dürfen. Jetzt ist Er bei mir, o welch ein Strom durchflutet mich! Jetzt höre ich auch Seine Worte! O Gnade über Gnade! Monica höre, was der Herr mir sagte: `Dein Leid ist auch des Herrn Leid und deine Not des Herrn Not`, darum wollte der Herr, dass du heute die Liebe des Herrn erkennen sollst, die dir hart und taub erschien. Nun höre, was mir jetzt durch die Gnade des Herrn kund wird.“

 

Nach einer kleinen Pause sagte Thomas: „Meine Freunde, ich bin weit fort in einer schönen Gegend! Menschen arbeiten in Gärten und auf Feldern, Menschen, die mit ihrem Los zufrieden zu sein scheinen, denn Lachen höre ich und verschiedene Zungen klingen an meinen Ohren. Ein Aufseher ist über alles gesetzt und, erschrecke nicht, Monica, es ist dein todgeglaubter Bruder Erasmus. Es ist kein Zweifel, denn jetzt kommt auf einem Pferd ein Mann geritten, steigt ab und lachend reicht er Erasmus die Hand. Dann spricht er: `Erasmus, wie lange brauchst du noch, bis du alles fertig hast?` Erasmus: `Wenn es gelingt, noch zwei Tage, die Leute schaffen gern und nie brauche ich sie anzutreiben.` Der Mann: `Das freut mich. ich bereue nicht. euch allen die Freiheit wiedergegeben zu haben und gern erlaube ich. dass ihr eure Gottesdienste und euren Sabbat haltet!“ Da drückte Erasmus seinem Herrn die Hand und ich höre, wie er sagt: `Herr, warum willst du nicht einmal unserem Gottesdienst beiwohnen? Wir lieben dich alle und haben nur einen Wunsch, dass auch du zu dem einen und wahren Gott beten würdest.`

 

Der Mann: `Ich tue es doch schon, Erasmus, denn ihr habt mir ein gutes Beispiel gegeben und nun hätte ich eine Arbeit für dich, wenn du hier mit der Ernte fertig bist, d.h, wenn du willst!` Erasmus: `Ich will, Herr. jede Arbeit tue ich, die du verlangst, denn Gott dienen heißt in allen Dingen die Pflichten nicht vergessen, die ich zu erfüllen habe!` Der Mann: `Nun, dann will ich dir meinen Wunsch sagen, ich brauche noch Hunderte von Arbeitern, die deines Glaubens sind. Ich möchte euch helfen aus der Not, die ihr ausstehen musstet, um dieses brachliegende Land zu einem fruchtbaren zu gestalten; aber woher die Arbeiter nehmen. Dich möchte ich in deine Heimat senden und du sollst, wenn es möglich ist, welche bringen.` Erasmus: `Herr, du willst wirklich mich zum Freiwerber für meine Brüder und Schwestern machen? Ich soll meinen bedrängten Glaubensbrüdern Heimat und Brot bringen? O Herr, für diese Tat wird dich der Herr selbst lohnen und selig wirst du die Stunde segnen, die dir diesen Gedanken schenkte.`

 

Der Mann: `Erasmus, ich weiß um deine Treue und um eure Liebe, darum habe auch ich mich von meinen Göttern abgewendet und euer Gott wird der meine und mein Gott wird auch der eure sein. Sag es deinen Leuten und in acht Tagen kannst du daheim sein. Ich werde inzwischen eine Karawane besorgen.` Das Bild ist vorbei, aber jetzt spricht Der Herr zu mir: `Thomas, was du jetzt erlebst, ist heute vor Sonnenuntergang geschehen und jetzt wirst du die Freude erleben all derer, die durch Meine Liebe aus aller Not geführt wurden.`

 

Jetzt bin ich in einer großen Stube, alle, die ich vorhin auf den Feldern sah, sind versammelt. Zu ihnen spricht Erasmus, nein der Herr selbst ist es: `Freut euch, die ihr fern der Heimat eine neue gefunden habt. Meine Liebe war mit euch in der Zeit, wo eure Liebe auf eine harte Probe gestellt war und Ich führte alles so, dass euer Herr auch durch Prüfungen gehen musste und in euch einen Wegweiser zu Mir sah. Es ist gelungen das Werk eurer Liebe und Treue und ihr habt Mir einen großen Dienst getan, aber der weit größere Dienst steht euch noch bevor, er heißt: Bewahret einander vor Leid und Sorgen! Neue Schwestern und Brüder werden kommen, mit denen müsst ihr Geduld haben bis sie Mich ganz erkannt haben. Bleibt in der Liebe, die euch all das Schwere ertragen ließ, dann werdet ihr immer noch größere Liebe erleben und größere Seligkeit empfangen.`

 

Jetzt verschwindet wieder das Bild, nun bin ich wieder natürlich unter euch. Dinarus spricht: „Jakobus, ist das wahr, was mein alter Thomas jetzt erlebte?“ Ich bin ganz erstaunt, was ich heute Abend in deiner Gegenwart erlebe!“ Jakobus: „Es ist wahr und gerade du sollst deinem Schwager, so er kommt, alles vorbereiten, so erlebst du die Gnade des Herrn doppelt. Monica wird wieder die alte freudige und immer zu dienen Bereite sein und du kannst vielen zu einer Heimat verhelfen.“ Dinarus: „Ach, Jakobus, ich könnte einige Hundert zusammenbringen, die in ihrer Not zu mir kommen, da ich Römer bin, darum möchte ich dich bitten, bleibe solange, bis mein Schwager kommt und bereite du alles zu einem herrlichen und guten Ende.“

 

Jakobus: „Ich werde nicht bleiben können, aber da der Herr deine Bereitwilligkeit sieht, wird Er Selbst dir den Dank bringen und so seid im Namen des Herrn ganz frei!“ In diesem Augenblick sehen alle den Herrn, wie Er die Hände ausbreitet und spricht: „Heiliger Friede, Heiliges Wehen umgibt euch. Es ist Mir Freude, euch dienen zu können und jetzt, wo der Wille zum Durchbruch gekommen ist, ganz Mir zu gehören, künde Ich euch, dass Ich euch gehöre. Meine Gnade soll an euch sich so erweisen, dass ihr Meine Nähe und auch Meinen Einfluss spüren sollt und so der Feind euch Fallen legt, sollt ihr Meine Wanderungen verspüren. Denket nicht, der Herr in Seiner Liebe hilft euch, o nein! Werdet euch bewusst, dass nur Mein Geist in euch Führer, Licht und Klarheit ist und ihr werdet reicher werden an Erkenntnis und Klugheit!

 

Du, meine Monica, die du die Seele dieser kleinen Gemeinde bist, du warst es, die als Licht und Bahnbrecher diese Herzen zu Mir führen konnte und jetzt, wo du Meine Liebe und Weisheit nicht fassen konntest, sollte Ich dir zürnen? O Kindlein, eher ginge die Welt zugrunde, ehe Ich ein Kindlein fallen lasse. Darum sorge dich um nichts mehr, als dass du nur Liebe bist. Du, Dinarus, du Säule in Meinem Reiche, überragst alle an Treue, aber du sollst nicht mehr soviel denken, sondern in Meiner Liebe bewusst sein, dass alles, aber auch alles dieser deiner Liebe aus Mir gelingen wird. Bereite alles in Meinem Namen und in meinem Geiste, dann wirst du einst, wenn du in deiner eigenen Welt an Meiner Seite eingehen wirst, eine Menge von Herzen finden, die nur Dank, Freude und Jubel kennen.

 

Du, Thomas, dir bleibe das Schauen und die Gabe, Kranke zu heilen, doch hüte dich vor den Heuchlern, die im Schafskleid umhergehen! Meine Liebe soll sein wie ein milder Tau, erfrischend und belebend, eure Liebe aus Mir aber soll sein Balsam, der auch die verwundeten Herzen heilt. Seid aber auch gewiss, dass ihr eine Zeit zu überwinden habt, die das größte Vertrauen an euch stellt. Seht ihr einen fallen, so fallt nicht über ihn her, sondern hebt ihn auf und bettet ihn im Geiste an Mein Herz und ihr werdet frei werden und eure Liebe wird zu einem Rettungsanker. Seid euch gegenseitig immer eine Notwendigkeit und das Leid wird euch nicht mehr zu schwachen, sondern zu starken Kindern machen Meinen Frieden gebe ich euch, Meinen Frieden lasse ich euch und Meine Liebe werde zu eurem Leben! Amen.“

 

Langsam verschwindet der Herr! Alle stehen unter einem Eindruck, der sie schweigen lässt. Da spricht Thomas: „Der Herr ist immer noch, mein Auge wurde nicht geschlossen!“ Monica spricht: „Bruder Jakobus, so lebte der Herr immer in meiner Phantasie. Was war nun richtig? Meine Phantasie oder das jetzige Schauen. Es ist doch das größte Wunder, dass genau so, wie der Herr seid Monaten in mir lebte, jetzt sich offenbarte.“ Jakobus: „Es ist kein Wunder, Monica! Da, wo das Kindlein sich ein Bild machte von dem Gegenstand seiner Liebe, da wird sich auch das Bild als wahr erweisen. Würdest du dir ein falsches Bild von dem Herrn gemacht haben, so wäre das Bild von Ihm gar nicht lebendig in dir geworden, sondern wäre tot geblieben. Mancher falsche und verkehrte Gedanke ist ja auch eine Schöpfung des Menschen, aber geschaffen aus der Seele, und bald wird er sich als falsch erweisen, während Gedanken aus dem rechten Geiste von Dauer sind, ja noch herrlicher werden! Und so werdet Schöpfer im Geist der Liebe und Alles, was ihr in euch herausstellt, wird euch später wieder entgegenkommen und euch beglücken, je nach der Liebe, die es schuf.

 

Darin liegt ja die Größe des Gotteskindes dass es nicht aus sich, sondern aus des Herrn Liebe Schöpfer und Träger sein will zu aller Heil! So will ich auch aus dem Geiste der Liebe des Herrn in mir, dass der Wein in den Krügen ein wahrer Himmelswein werde und ihr erfahret, was der Mensch, erfüllt von Seinem Geiste vollbringen kann.“ Jakobus nahm den Becher und sagte: „Um der herrlichen Liebe willen sei in diesem Wein Seine Liebe verherrlicht, damit ihr belebet werdet von diesem Geist und er möchte bleiben jetzt und immerdar!“ Sie alle tranken – „Das ist ein Wein“, sagte Monica! „Jakobus, wenn das alle Menschen fertig brächten, sie würden im Weine ertrinken!“ Jakobus: „Liebe Monica, du erlebst das täglich an den Weltkindern, in dem Wein, den ihre Liebe schuf, ertrinken alle. Es wird schwer werden, sie wieder zu erretten. Darum schaffet und wirket - solange ihr könnt, wenn auch der Feind seine Krallen nach euch ausstreckt - denket an die Mahnung des Herrn. Leider stehen noch zu viele unserer Brüder auf dem Boden alter Gesetze und werden oft ein Opfer!“

 

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Weiterreise des Jakobus über Tyrus nach Jerusalem

 

 

Noch einen Tag blieb Jakobus in Damaskus, dann ging eine Karawane des Dinarus nach Tyrus und mit dieser kam er gut in Tyrus an, wo sich bald Freunde des Dinarus um ihn scharten. In Jakobus aber war ein Drängen, weiter zuziehen, ohne zu zögern folgte er dem Drängen. So kam er, gut geleitet durch die Gnade des Herrn, von Maria erwartet, in Jerusalem an. Wenn nun manchmal die Brüder beisammen waren, konnte Jakobus stets die Führung des Meisters verherrlichen.

 

Die gegründeten Gemeinden blieben. Es war ihm Herzensbedürfnis, sie oft zu besuchen. Manches gewonnene Herz erlebte mit ihm Seligkeiten, wovon kein Mensch eine Ahnung hatte. War es da zu verwundern, wenn Jakobus in seiner Liebe sie alle mitriss und die gegründeten Gemeinden nur einen Wunsch hatten, dieser Apostel soll unser Seelenhirte sein! So konnte er noch lange wirken. Er fühlte, dass auch manche Gemeinden ihn brauchten, weil der Feind alles Lebens auch alle Anstrengungen machte, die herrliche Saat nicht zur Reife bringen zu lassen.

 

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BAND IV - Seuche in Jerusalem

 

 

Immer größer wurde der Kampf in und um Jerusalem unter den Brüdern. Jakobus aber ging aufrechten Hauptes durch die Straßen, Furcht kannte er keine. Wie oft bangten die Brüder und baten ihn, er solle doch niemals ohne Begleitung nach den Zusammenkünften in sein Heim zurückkehren, aber er blieb still und strahlte Ruhe aus. Nun auf einmal trifft er einen Bruder, der ihm auf Schritt und Tritt gefolgt war. Dieser hält ihn fest und spricht: „Jakobus, ich bitte dich, hilf mir, in mir ist alles zerbrochen. Was soll ich tun, meinen Sohn vermisse ich schon längere Zeit, alle Gebete sind ohne Kraft, ich weiß nicht aus noch ein, ich muss fort von hier, ich bange um mein Weib und meine Kinder!“

 

Jakobus: „Jorem, ich kenne dich nicht wieder, es ist doch immer noch derselbe Meister Jesus, der in uns Kraft, Liebe und Leben geworden ist. Wie kann dein Gebet ohne Kraft sein, wenn es aus tiefstem Herzensgrund sich mit Ihm einigt! Fasse Vertrauen, der Meister hat noch niemals versagt!“ Jorem: „Jakobus verzeihe, wenn ich klage, es ist wirklich so. Nach dem Gebet bin ich oft kraftloser, ich bin der Verzweiflung nahe!“ Jakobus: „Bruder Jorem, eben weil du Hilfe bei mir suchst, übergehst du den Helfer in dir. Noch niemals habe ich erlebt, dass unser Jesus, unser Meister der Liebe versagt hätte, komm mit mir in mein Heim, denn ich fühle, dass du mit solch einer Angst nicht mehr sicher bist. Dir muss geholfen werden.“

 

Die Brüder daheim waren noch wach, das Mitkommen des Bruders Jorem wunderte die Brüder nicht, denn oft brachte ihr Bruder Jakobus Brüder mit, die Hilfe suchten. Ohne viel zu reden sagte Jorem: „Brüder, ich brauche Hilfe, wenn ich nicht versagen soll, das Fehlen meines Sohnes hat mir jeden Boden unter den Füßen genommen.“ Da spricht Jakobus: „Brüder, lasset Jorem jetzt ganz ruhig werden, wir wissen, dass unser Meister Jesus in und mit uns ist. Warum denn klagen, wo wir die Hilfe immer erlebten, wenn wir innerlich ganz verbunden sind mit unserem Jesus.“ Die Magd tritt zu den Brüdern und spricht: „Liebe Brüder, unten klopft es an die Tür, es kommt jemand, soll ich öffnen?“

 

Ohne einer Entgegnung geht Jakobus und öffnet dem Harrenden die Tür. Wer steht draußen? Ein Priester. Dieser spricht: „Jakobus lass mich eintreten, ich komme als Freund!“ Jakobus tritt zur Seite und spricht: „Trete ein, unser Haus ist ein Haus des Friedens – und Friede sei mit dir!“ Die Brüder sind erstaunt, lange hat ein Priester das Haus nicht mehr betreten, aber Maria sagte: „Nathan du? Sei herzlich willkommen, denn du kommst doch als Freund!“ Nathan: „Ja, ich komme als ein Bittender, aber verzeiht mir, dass ich des Nachts komme, ich brauche Hilfe.“ „Dann sei doppelt willkommen“, erwiderte Jakobus, doch wisse, wer zu uns kommt, kommt im Geiste des Nazareners.“ Nathan: „Ich weiß Jakobus, eben in diesem Geiste komme ich und wende mich nur an dich. Wir wissen, dass du für den Nazarener wirbst, wir erfahren alles und kennen deine Arbeit für Ihn; aber ihr alle wisset, wie es in der Stadt Gottes aussieht, eine Seuche herrscht und wir können der Seuche nicht Herr werden und wir wissen, wo du hingehst, bringst du Heilung. Ohne Jesus von Nazareth richtig zu kennen, habe ich nach eurer Art auch zu heilen versucht. Teils ist es mir gelungen, teils aber auch nicht. Nun liegt einer meiner besten Freunde krank an dem Fieber und alles versagte. Es ist der Oberpriester Asser, und sein Weib tut alles um ihren Mann zu retten.“

 

Jakobus: „Nathan, du bist einer von denen, die noch am Vernünftigsten sind, auch ich weiß darum, dass du im Geiste Jesus tätig sein willst, aber erst musst du innerlich mit Ihm verbunden sein, denn dann heilst nicht du, sondern Jesus in dir. Was den Oberpriester betrifft und sein Weib, ist es von dir aus wohl schön, aber ohne den Glauben an Jesus kann dein Freund nicht gesund werden. Was soll ich da dir tun?“ Nathan: „Jakobus, komm einmal mit mir zu dem Kranken, ich weiß, so du ihm die Hände auflegst, weicht das Fieber!“

 

Jakobus: „Nathan, du verlangst viel, aber nicht zuviel. Das will ich gern tun, aber nicht in der Nacht, sondern am Tage. Ich muss da erst einmal mit mir ins Reine kommen, denn es könnte ja auch eine Falle sein. Jagd auf die „hässlichen Nazarener“ machen. Siehe, Jorem beklagt auch seinen Sohn, der schon länger als eine Woche nicht mehr zu Weib und Kind zurückgekehrt ist.“ Nathan: „Jakobus, ich verstehe dich genau, aber es ist mir wirklich ernst um meinen Freund, ich möchte ihn nicht verlieren.“ Jakobus: „Nathan, das kann ich noch nicht versprechen, denn auch ich möchte nichts tun, was mir und meinen Brüdern zum Nachteil wäre. Es ist erst zu beweisen von deiner Seite aus, dass du es ehrlich meinst. Dich trieb die Angst um deinen Freund, mich aber treibt die Liebe für meine Brüder.“ Nathan: „Jakobus, wie kann ich dir den Beweis erbringen, wenn du dich einsetzt für meine gefangenen Brüder? Ist das dein letztes Wort?“

 

Jakobus: „Nein, Nathan, mein erstes Wort ist es, denn ich sehe in dein Herz, es ist ohne Falsch, darum gehe und nehme Jorem mit zu dir, damit du von ihm erfährst wie es tut, so man heilige Bande zerstört.“ Am frühen Morgen kommt das Weib des Oberpriesters Asser und fragt, ob Jakobus noch im Hause sei. Es wird bejaht und Jakobus tritt vor das Weib und spricht: „Du kommst, um mich zu holen zu deinem Mann, der nicht zu retten ist, wenn keine Hilfe kommt. Hast du noch nicht bedacht, dass dein Mann der größte Feind unserer Freunde ist. Deinen Mann gesund zu machen ist soviel, als wenn wir unsere Feinde nähren, damit sie uns noch mehr Schaden zufügen können.“ Ruth: „Jakobus, ich bitte dich, komme mit mir, nur du allein kannst noch meinen Mann retten!“

 

Jakobus: „Wie kommst du zu solch einem Ansinnen, ich kann niemand heilen oder retten, das tut nur Jesus der Auferstandene in mir, den ihr alle noch zu den Toten rechnet.“ Ruth: „Nein Jakobus, ich nicht, mein Mann ja, aber ich nicht, denn Nathan hat mich überzeugt, dass Jesus von den Toten auferstanden ist und durch dich wirket.“ Jakobus: „Weib, weil du dieses glaubst, so gehe ich mit dir, doch solange ich in deinem Hause weile, halte andere Priester fern.“ Ruth: „Dieses will ich gerne tun, ich bin zufrieden, wenn du nur einmal deine Hände auf sein Haupt legst, denn dann weiß ich, mein Mann wird nicht sterben und ich will alles tun was du mir ratest.“

 

Als Jakobus an das Krankenbett tritt, da regen sich gar mächtig die Glieder des kranken Mannes. Betend legt Jakobus seine Hände auf den Kopf des Kranken, lange verharrt er – der Kranke wird ruhig und durch Einschlafen wird sein Gesicht wieder ein friedliches. Jakobus entfernt sich ohne Gruß, nur ein Zeichen des Kreuzes macht er an der Tür –das Weib aber kann sich nicht rühren, auch kein Laut kam von ihren Lippen. Still begibt sich Jakobus zu einem anderen Kranken, im Geiste aber weilt er noch bei Asser.

 

Am anderen Tag ist wieder das Weib bei Jakobus, aber in Begleitung einer Magd. Dankt ihm mit wenigen Worten, sie möchte nur Anweisungen haben wie sie den Kranken pflegen soll. Er sei noch im Fieber, habe aber Momente, wo er ganz ruhig und vernünftig ist. Ruth: „Kommen aber Kollegen von ihm, so wird er wieder unruhig. Was soll ich machen?“ Jakobus: „Niemand zu ihm lassen. Siehe, du hast erlebt, was das Gebet vermag, was ich zu Jesus, dem Auferstandenen sandte. Das was ich tat, kannst auch du tun. Wisse, wir haben erkannt, dass Jesus nicht nur der Messias, sondern Gott selbst es war, der nur, in der Person Jesus Mensch wurde und uns alle mit Kraft erfüllt hat, so wir an Ihn glaubten. Was ich tat, tat ich aus dem Glauben an Ihn, doch meine Liebe war es, die mich bewegte, deinen Mann zum wahren und ewigen Leben zu verhelfen.“

 

Ruth: „Das kann ich noch nicht fassen und verstehen, wenn Jesus Gott war, wie konnte Er da sterben?“ Jakobus: „Was starb – doch nur Sein Leib, was wir alle an Ihm sahen, war sterblich, aber was wir nicht sehen konnten, war göttlich! Göttliches ist unsterblich, aber durch Sein Sterben am Kreuz hat Er auch Seinen Leib zu einem "unsterblichen" gemacht; denn das Grab war leer und wir haben Ihn gesehen, wir haben Seine Herrlichkeit erlebt und dadurch ist in uns etwas lebendig geworden, was nicht mehr ertötet werden kann, solange wir im Glauben und der Liebe zu Ihm bleiben.“ Ruth: „Jakobus, noch ist mir dies alles so neu, doch ich glaube dir, lasse mir Zeit. Da ich weiß, ich verliere meinen Mann nicht, will ich hoffen, dass auch mein Mann noch anderer Meinung werden wird.“ Jakobus: „Er wird es werden, doch nur Liebe kann es ermöglichen, sieh zu, dass Nathan ihn überzeugen kann, dass diese Seuche in Jerusalem nur der Auferstandene und viel gehasste Jesus Einhalt gebieten kann.“

 

Jakobus wird nun immer mehr und mehr in Anspruch genommen und der Seuche sind viele zum Opfer gefallen. Es sprach sich herum, dass die Nazarener wirklich eine sichtbare Hilfe waren und die Brüder konnten fast zu keiner Ruhe kommen. Nathan wurde so überzeugt, dass er nun auch im Tempel gegenüber ein offenes Wort wagte. Mit Asser wurde es immer besser, nur wenn seine Kollegen kamen, wurde es schlimmer. Wieder war so ein Fall eingetreten. Als die Priester das Haus verlassen hatten, warf sich das Weib auf die Knie und betete laut zu Jesus dem Auferstandenen. Noch immer lag sie betend auf den Knien und sichtlich wich das Fieber. Da wird ihr Mann wach und hört sein Weib beten. Da ruft er: „Ruth, was tust du, wie kommst du dazu, den Namen des verhassten Nazarener im Gebet anzurufen. Weißt du nicht, welches Verbrechen du begehst, unseren gemeinsamen Feind zu deinem Helfer zu machen?“

 

Ruth: „O Mann, höre, längst wärst du in das Reich der Toten eingegangen, wenn dich Jesus, an den ich nun glaube, dich nicht errettet hätte. Hunderte sind gestorben, weil sie die Hilfe der Nazarener abgelehnt haben. Hunderte würden noch leben, so sie sich an den Auferstandenen betend gewandt hätten. Siehe, ich habe nun die Beweise in den Händen. Sooft Priester dich besuchten, war immer dein Leben in Gefahr, so auch heute, und nur meine Bitte zu Jesus dem Lebendigen, vermochte dir Linderung zu bringen. Begrabe endlich den Hass zu Jesus, der nicht tot, sondern lebendiger als je ist. Asser: „Weib, schweige, niemals möchte ich von dir dieses Worte hören, lieber tot sein, als mich zu Jesus dem Gekreuzigten zu bekennen!

 

Ruth: „Dann wirst du sterben, wie alle gestorben sind, die Jesus ablehnen. Siehe, in aller Demut sage ich dir als dein getreues Weib, lieber will ich in den Tod gehen im Glauben an Jesus dem Auferstandenen, als im Leben neben dir zu bleiben. Ich will dir einen Vorschlag machen. Wenn wieder deine Brüder kommen, wirst du wieder mit dem tödlichen Fieber betroffen sein, dann sollen deine Brüder versuchen, dich fieberfrei zu machen. Ja, ich werde es verlangen. Gelingt es ihnen, dich fieberfrei zu machen, dann gehöre ich für ewig zu dir, gelingt es aber nicht, dann hole ich Jakobus, deinen größten Feind, und was dann geschieht, soll bestimmend sein. Jetzt geht es um unser Heil und nicht um unser Ansehen. Du bist doch einverstanden?“

 

Asser: „Ruth, mein treues Weib, du weißt, dass ich nur dich liebe und du mir immer der Weggenosse warst, was du wagst, ist zuviel für mich. Ich kann nicht so ohne weiteres mich zu Dem bekennen, der unser Feind war und noch ist; aber man könnte es ja versuchen. Mir ist heute so wohl und so frei bin ich, ich möchte mich am liebsten von diesem Lager erheben, aber ich bin so matt!“

 

Schon am anderen Tag kamen wieder einige Priester. Kaum waren wenige Worte gewechselt, so überkam Asser schon wieder ein Fieberschauer. Da geht das Weib des Asser den Priestern zu Leibe und spricht: „Immer, wenn Besuche kommen wird es schlimmer mit meinem Mann. Warum versucht ihr nicht, die Kranken zu heilen mit Gebeten wie es die Nazarener tun? Dort werden die Gebete erhört und führen zur Gesundung, warum wollt ihr nicht dasselbe tun. Bis heute ist mein Mann so fieberfrei und froh auf Hoffnung gewesen zur Genesung, jetzt wo ihr wieder da seid, ist das Fieber wieder da. Ich bitte euch um Hilfe, sonst bin ich gezwungen, dort Hilfe zu suchen, wo mir und meinem Mann Hilfe wird.“

 

Spricht einer: „Welch eine Vermessenheit von dir, liebe Ruth, bist du doch immer die gewesen, die ganz mit uns gegangen ist. Es ist wahr, dass Nazarener mehr Erfolg haben als wir, aber dies kann auch ganz andere Gründe haben.“ Ruth: „Josef, ich kann dir nicht beipflichten, als das Weib meines kranken Mannes ist mir jede Hilfe recht, ihr versagt, entweder ihr wollt nicht, oder ihr könnt nicht helfen. Tue ich etwas Schlechtes, so ich mir Hilfe hole, wo wirklich Hilfe ist?“ In diesem Augenblick tritt Nathan in das Zimmer, wo Asser liegt. Er ist erstaunt, drei Priester vorzufinden. Er begrüßt sie nach ihrer Weise, sieht auf Asser, der schon wieder rote Flecke im Gesicht hat, die den Ausbruch des gefährlichen Fiebers anzeigen.

 

Da spricht Ruth zu Nathan: „Eben habe ich deinen Kollegen gesagt, dass sie einmal versuchen sollten, nach Art der Nazarener die Kranken zu heilen. Es wird aber als Vermessenheit von mir bezeichnet. Ist es Sünde, so ich Hilfe bei denen suche, die Hilfe bringen können?“ „Nein, Sünde kann es nicht sein, da Gott ja auch Liebe ist. Ich selbst besuche viele Kranke und habe auch viel Erfolg gehabt, weil ich nach der Art der Nazarener für die Kranken gebetet habe“, sagte Nathan. Da spricht Josef, der Oberpriester ganz erregt: „Also ist es doch wahr, dass auch du ein Verräter des Tempels bist, da dürfen wir auf dich keine Rücksicht mehr nehmen.“

 

Nathan: „Du brauchst auch keine mehr zu nehmen, mein lieber Oberpriester, denn auch du bist vom Fieber gezeichnet. Ja, ich bekenne mich als Nazarener, aber nicht in der Art wie ihr es sehet, sondern im Herzen und helfe, wo mich die Liebe zu den leidenden Menschen hinzieht. Heute habe ich geschaut, dass du, Josef, ein Gezeichneter bist und bald die Hilfe suchst. Denke aber nicht, dass ich dir Hilfe bringe, weil du mich einen Verräter nanntest. Wer mich anrührt, straft sich selbst, das fühle ich in mir, wen aber ich im Glauben an den Auferstandenen anrühre, wird gesund durch den Geist des Auferstandenen. Ihr seid euch ganz einig, darum bitte ich euch, versucht im Gebet unseren Freund Asser zu heilen, denn ihr seht es nun, wie er nach Atem ringt- darum lasset eure Liebe walten.“ Ruth, das Weib des Asser, steht händeringend vor ihrem kranken Mann, der kaum genug Atem bekommt, aber es nicht fertig bringt, sich auf ihre Knie zu beugen um zu beten zu Jesus dem Auferstandenen.

 

Nathan spricht nochmals: „Freunde, seht ihr nicht, wie Ruth um das Leben ihres Mannes bangt. Sind eure Herzen von Stein, weil ihr so verständnislos dieser Sachlage gegenübersteht? So will ich in eurer Gegenwart den Auferstandenen um Hilfe bitten, aber wehe, wer sich an mir ärgert.“ Da kniet er vor den Kranken nieder und betet: „Herr und Gott, Du Ewiger, Deinen Sohn haben wir nicht anerkennen wollen und darum strafst du uns in Deiner Gerechtigkeit! O vergib uns unsere Härte und gern bekenne ich mich zu den Schuldigen und bitte Dich, Du Ewiger, um Verzeihung meiner großen Schuld. Du hast Deinen Sohn Jesus wieder erweckt, damit auch wir Erweckte in Deines Sohnes Geist werden und in diesem Geiste bitte ich Dich um Hilfe des kranken Bruders, damit auch er noch ein Erweckter für Dich werden soll Du Ewiger und treuer Gott um Deines Sohnes Willen. Amen.“

 

Er erhebt sich und legt seine Hände auf den rot glühenden Kopf des Kranken und spricht: „Herr Jesus Du Lebendiger, Du Herr über Leben und Tod offenbare Du Deine Kraft und Herrlichkeit um Deiner Liebe und Deines Lebens Willen und erbarme Dich des Kranken, damit er erkenne Du lebst und wir dürfen mit Dir leben. Amen.“ Die anderen sind erstaunt, ihren Kollegen so beten zu hören. In dem Augenblick wird es mit Asser besser, da spricht Nathan: „Habe ich gelogen, wenn ich sage, dass der Auferstandene lebt um im Geiste Seiner Liebe unter uns ist, wenn wir Ihn bitten?“ Da wird Josef ganz wütend, er will auf Nathan zu. Dieser aber hält seine Hände hin und spricht: „Gehe schnell nach Hause, in einer Stunde hat dich das Unglück ereilt, ihr aber , meine Kollegen, überlegt euch nun endlich, ob ihr noch Gottesdiener seid!“

 

Da erhebt sich Asser und spricht: „Nathan, was erlaubst du dir, wie sprichst du von uns, was ich jetzt gehört habe, bringt dich vor das Tempelgericht!“ „Nathan: „Ja, vor ein Gericht, aber nicht vor das Tempelgericht, denn dazu habt ihr keine Macht mehr, denn zwischen mir und euch steht Jesus der Gekreuzigte und wieder Auferstandene. Eben ist an dir Jesus Kraft und Herrlichkeit offenbar geworden, das können unsere Freunde bezeugen, da aber Josef es nicht glauben will und mich des Verrates beschuldigt hat, wird er so krank werden wir du, niemand wird ihm helfen können, nur Jesus allein!“

 

Mühsam richtete sich Asser ganz auf und spricht: „Nathan, du mein bester Freund, was ist in dich gefahren, wie kannst du so sprechen, wie kannst du die Behauptung aufstellen, zwischen dir und uns stehe der verhasste Nazarener, wie kannst du behaupten, dass an mir der Nazarener verherrlicht hätte? Wäre ich gesund, ich würde dir raten, gehe von uns, denn du bist unsere Freundschaft nicht mehr wert.“ Nathan ist ganz ruhig und spricht: „Mein Freund bist und du, was du jetzt gesagt hast, verzeihe ich dir, weil du noch sehr schwer krank bist. Ich verlasse dein Haus jetzt, denn es ist ein Haus des Todes. Wer zu dir kommt, wird von der Seuche ergriffen, dies sagt mir jetzt mein Inneres. Verlassen wirst du sein und dein Weib wird schwer ringen müssen, denn du wirst nicht sterben, aber gesund auch nicht mehr, es wird nur an dir liegen, ob du gesund werden willst, denn auch dich kann nur Jesus retten vom Verderben!“

 

Ehe noch etwas gesprochen werden kann, krümmt sich Josef in Schmerzen. Die beiden anderen Priester stehen da und sagen: „Nathan, hast du etwas getan, was unseren Oberpriester schaden könnte?“ Da spricht Nathan: „Habe ich nicht gesagt, dass er ein Gezeichneter sei und in einer Stunde käme der Ausbruch. Bringt ihn in seine Wohnung und sagt allen, dass nur der Auferstandene ihn heilen könne! Ihr aber eilet von hinnen, denn sonst seid auch ihr vor der Seuche nicht mehr sicher.“

 

Einer spricht: „Nathan, ich kann dich nicht verstehen, wie kommst du zu dieser Behauptung?“ Nathan: „Weil es mein Inneres sagt, denn in mir lebt der Geist des Auferstandenen Jesus von Nazareth. Ich bitte euch, verlasst dieses Haus und bringt Josef nach Hause. Tuet nach meinen Worten, das ist die Bitte an euch. Dir aber, du treues Weib deines Mannes sage ich, halte dich nur an Jesus, denn vor dir liegen harte Zeiten und nur Jesus allein wird dein und euer Helfer sein!“

 

Ruth war alleine mit ihrem Mann. Dieser fragt: „Ruth sag mir, was das zu bedeuten hat, ich bin nicht imstande, diese Vorgänge zu begreifen. Was ist eigentlich in Nathan gefahren.“ Ruth: „Kam Nathan um zu zerstören oder zum Helfen, denn in ihm ist die Liebe lebendig geworden zu dir und will dich retten vom Tod und Untergang. Wäre Josef nicht gekommen, wärst du so gut wie gesund durch die Kraft Jesu und in aller Ruhe hätte ich dich überzeugen können, dass Jesu lebt und dein Heil will. So aber bist du wieder vom Fieber ergriffen worden und Josef will es nicht gelten lassen. So wird nun nach den Worten des Nathan Josef ernstlich krank werden und zwar so schwer, dass er nur von Jesus dem Auferstandenen geheilt werden kann, sonst muss er sterben.“ Asser: „Was sagst du Ruth, soll ich das glauben? Mir wirbelt es im Kopfe, sollen wir denn keine Ruhe mehr haben vor Jesus dem Gekreuzigten?“ Ruth: „So scheint es in Wirklichkeit zu sein, nur das weiß ich, dass ich deine Errettung, dem Auferstandenen Jesus danke!“

 

Asser: „Weib, tue es mir nicht an und sprich den Namen nicht mehr aus! Jesus hat tot zu sein für uns, für den Tempel wie auch für das ganze Volk. Ich werde wieder gesund werden und dann wird alles wieder gut.“ Ruth: „Nein, mein lieber Mann, so wie du jetzt denkst und ausgesprochen hast da bleibst du krank, das sagte Nathan, dein bester Freund und dein Helfer durch Jesus. Ich werde dich solange bitten, bis du von selbst Jesus oder einen Seiner Helfer verlangst. Dass du mir nicht mehr befehlen kannst hast du dir selbst zuzuschreiben, denn ich bin und bleibe gesund durch die Hilfe des Auferstandenen und du wirst dein Lager nicht mehr verlassen können, solange du ein Feind des Auferstandenen bist.“ Asser: „Wir werden sehen, noch bestimme ich mein Tun, was aber Nathan sagte, unser Haus sei ein Haus des Todes, ist Wahnsinn, denn einem Gesalbten steht Gottes Schutz zu!“

 

Es dauerte nicht lange, so klagte Asser wieder über seinen Kopf und Ruth konnte nur beten und wieder beten. Am anderen Tag kommen wieder Priester und bringen die Kunde, Josef sei auch schwer befallen. Sie konnten aber mit ihrem Kollegen nicht sprechen, da er nicht sprechen konnte. Da sagte Ruth: „Gehet weg von hier, ihr bringt euch in Gefahr, so ihr bleibet! Josef wurde von Asser angesteckt! Haltet euch an die Jünger des Auferstandenen, die vermögen allen Hilfe zu bringen. Asser wäre nicht mehr, hätte Nathan und Jakobus ihm nicht die Hilfe gebracht.“ Priester: „Weib, du weißt nicht was du sagst, dich hat die Krankheit deines Mannes ganz von Sinnen gebracht.“

 

Ruth: „Nein und abermals nein, die Krankheit meines Mannes hat mir die Augen geöffnet. Noch niemals sah ich so klar wie jetzt. Der Tempel mit allen seinen Dienern werden schwer zu ringen haben, um das Unrecht gutzumachen, was man dem Gekreuzigten und jetzt Auferstandenen zugefügt hat.“ Asser: „Weib schweige vor allen Menschen, wie sollen wird bestehen, wenn wir bekennen, dass wir einen Unschuldigen gekreuzigt haben!“ Ruth: „Es wird euch gelohnt werden, weil ihr mich nicht, gleich wie die anderen, verdammt habt, aber ich bitte euch, verlasst in Frieden dieses Haus, denn solange Asser sich nicht in seiner Gesinnung ändert, bleibt das Haus ein Haus des Todes!“ Sie gingen, denn ein Unbehagen überfiel sie derart, dass sie fürchteten, auch krank zu werden. Das Weib aber betete und dankte für die Kraft, dass sie die Hilfe Jesu bekennen durfte.

 

Es schien Wahrheit zu werden. Es wurden alle Besucher von der Seuche befallen, nur Nathan nicht. Nathan aber mied den Tempel, weil er um seine Freiheit bangte. Aber so konnte es nicht weiter mit ihm gehen, er suchte Jakobus auf und besprach sich mit ihm und bat dringend, er solle einmal Asser besuchen. „Seid Asser gemieden wird wie die Pest, wird ihm das Alleinsein zu Qual, sein Weib aber will er nicht mehr sehen, weil sie sich zu Jesus bekennt.“ An einem frühen Morgen klopft Jakobus und begehrt Einlass in das Haus Asser. Ängstlich wird er eingelassen von der Magd, die das Verbot hatte, niemand einzulassen, da es erwiesen war, bei Asser holt man sich das Fieber. Ruth ist glücklich, Jakobus zu sehen und ruht einige Augenblicke an seiner Brust, um ihr Herz zu beruhigen.

 

Jakobus: „Schwester, ich komme auf die Bitte Nathans, der mir bezeugte, was du um Jesu Willen leidest; aber nicht mehr leiden sollst du, sondern stärken will ich dich durch die Kraft und Gnade Jesu und du sollst frei sein von den beengenden Zuständen. Nun lasse mich zu deinem Mann!“ Jakobus sieht lange auf Asser, der unfähig ist, ein Wort zu sprechen. Er legt die rechte Hand auf sein Haupt und spricht: „Asser, wie lange noch willst du Jesus widerstehen. Dass du noch lebst, verdankst du deinem Weib, denn sie hat mit Jesus gerungen um dich. Denke aber nicht, dass ich dich zu Jesus bekehren will, o nein, ich will dir den Weg zum wahren Leben ebnen. Ja, blicke mich nicht so verständnislos an, denn du wärst längst das Opfer dieser Seuche. Es darf dich niemand mehr besuchen, dein Haus wird gemieden, wie ein Aussätziger gemieden wird. Jeder, der zu dir kam, ist mit dem Tode gezeichnet, aber sterben wird keiner, weil sich Jesus der Auferstandene erbietet, einen jeden gesund zu machen, der Seine Hilfe sucht. Auch du!“

 

Asser: „Jakobus, du weißt, dass ich dein größter Feind bin, warum kommst du in mein Haus, "das Haus des Todes" nennt es Nathan. Was willst du von mir? Es wird mir sehr schwer fallen, mich zu Jesus zu bekennen!“ Jakobus: „Asser, lasse mit dir reden, denn im Tode wird es dir tausendmal schwerer fallen. In mir reicht dir Jesus von Nazareth, der Gekreuzigte und wieder zum Leben Erstandene die Hand, weil es Sein Bestreben ist, dass keiner verloren gehe und zum Tode bleibe. Er ist wirklich auferstanden, des bin ich Zeuge. Er lebt und das will ich dir sofort beweisen!“ Asser: „Wie willst du mir das beweisen, doch nicht damit, dass ich meine Gesundheit wieder erlange? Das lehne ich ab, denn euer Jesus kann euch auch mit Seinem Zauber erfüllt haben.“ Jakobus: „Asser, was verlangst du als Beweis was dir werden soll, denn um deines Weibes willen ist dir der lebendige Christus wohlgesinnt!“ Asser: „Jakobus bitte verlasse mein Haus, ich grolle dir nicht mehr, weil du mir beweisen willst, dass der Gekreuzigte zum Leben wieder erstanden ist, oder grollst du mir, weil du mir nicht helfen kannst?“

 

Jakobus: „Asser, ich würde dir grollen, wäre ich nicht gekommen, aber in deiner Gegenwart werde ich dein Weib segnen durch die Kraft und Gnade Jesus, dass sie auch im Namen und im Geiste Jesu allen Kranken die Hände auflegen kann und denen sie es in diesem Geiste tut, die werden gesund werden, nur du nicht! Komm Ruth, empfange den Segen aus Gott, der in Jesus Mensch wurde und die Kraft und den Heiligen Geist. Wehe denen, die dir fluchen, wehe denen, die dein Wirken verdammen, über diese wird das geschehen, was sie dir wünschen. Willst du, dass ich es dir durch die Gnade Jesu tue?“ Ruth: „Ja, gern bitte ich dich, weil ich an den Lebendigen Jesus und an Seine segnende Kraft glaube! Ruth kniete nieder und Jakobus legte seine beiden Hände auf den Kopf des Weibes und betete: „Jesus Du Lebendiger und Ewiger, Du Heiland aller Kranken und Mühseligen, ich danke Dir, dass ich Dich verherrlichen darf durch Deine Kraft und Gnade!

 

Ich bitte Dich, gieße auch über dieses Kind den Strom Deines Heiligen Geistes und lasse sie stark werden im Glauben, in der Liebe und in der Hoffnung, dass mit Dir im Bunde alles geschehe, was ihre Liebe will. Habe Dank, mein Herzensjesus! Amen! Sei gesegnet! Amen – Amen – Amen.“ Asser hatte nicht den Mut oder die Kraft, etwas dagegen zu sagen. Es war ihm etwas so Heiliges und Weihevolles dass er auch keine Worte hatte. Jakobus war gegangen ohne noch etwas zu sagen. Assers Weib strahlte und ihre Augen leuchteten, dass es eine Entweihung gewesen wäre, hätte er nur noch ein Wort gesagt. Ruth aber sagte zu ihrem Mann: „Du hast alles gehört und gesehen, in mir ist etwas so Wunderbares und Schönes vorgegangen, was ich nicht mit Worten beschreiben kann. Nun darfst du dich aber nicht wundern, wenn ich nicht mehr so um dich besorgt bin, denn ich gehöre von nun an dem Lebendigen Gott, der Liebe, Leben und Erbarmen ist. Er hat sich meiner erbarmt und mir alle Angst um dich genommen, nun liegt es an dir, so du gesund werden willst, ich gehöre nun auch denen, die Jesu Hilfe brauchen.“

 

Asser konnte aber auch nichts sagen, in ihm war etwas, was er noch nicht kannte. War es Angst, war es Furcht, wo war seine Sicherheit und Überlegenheit. Welche Sprache sprach sein immer demütiges Weib, er fühlte – jetzt habe ich etwas verloren – aber was? Da sagte sein Weib: „Damit wir gleich ganz offen zueinander sind, so wisse, dass ich von nun an den Tempel meiden werde, da ich mich zu den Nazarenern bekenne. Nun wirst du erleben, dass die Kraft Jesu keine Kraft des Bösen, sondern nur Gutes und Göttliches ist. Du hast dich auf die Seite des Tempels gestellt, die Jesus mordeten, also werde ich auf dich keine Rücksicht mehr nehmen und dem Zuge meiner Liebe folgen, zu den Kranken und von der Seuche befallenen.“ Asser: „Ruth, was willst du tun, hast du mir nicht die Treue gelobt und mein Gott soll auch der deine sein, das kann doch dein Ernst nicht sein?“

 

Ruth: „Doch, mein heiliger Ernst, was du Gott nennst kann nicht Gott sein, denn Gott ist und war mit dem Heiland Jesu, den habt ihr gemordet und wer an diesen gemordeten Heiland glaubt, der von den Toten auferstanden ist, den mordet ihr wieder. Mir ist alles so lichtvoll und klar! Was hast du die Nächte getan, wo ich fast vor Angst und Sehnsucht auf dich wartete, gemordet hast du. Ja, gemordet hast du meine Liebe, weil du mich belogen hast – du seiest im Tempel tätig. Ja, für den Tempel warst du tätig, hast Nazarener in die Tempelgefängnisse eingeliefert. Ihr habt die Nazarener im Schmutz fast umkommen lassen, habt ihnen das reine Wasser versagt, ihnen hartes und verschimmeltes Brot zum Essen hingeworfen und somit die Seuche heraufbeschworen. In deinen Fiebernächten hast du mir alles gesagt, im Fieber hast du Schandtaten bekannt; also kannst du keinen Gott mehr haben, sondern ein Herz von Stein, das keinen Gott kennt.“ Asser schwieg, im fehlte der Mut, noch etwas zu sagen!

 

Das Weib des Oberpriesters Asser wurde gesucht und aufgesucht, allen, denen sie die Hände auflegte in stillen Gebeten, wurden gesund. Asser aber wurde kränker und kränker. Ruth stand oft mit Tränen im Auge vor dem Krankenlager ihres Mannes. „So vielen darf ich helfen, nur meinem Mann nicht. O mein Jesus, bitte gib mir die rechte Klarheit, damit ich nicht irre an mir und Dir werde“, so betete sie immer inniger. Da kommt Nathan, um Ruth zu einem anderen Kranken zu holen. Da sagt sie unter Tränen: „Nathan, sieh mein Mann an, allen darf ich helfen, nur ihm nicht – bin ich in Ordnung oder nicht?“ Nathan: „O Weib, hast du vergessen, was Jakobus sagte? Geht es wirklich um deinen Mann oder geht es um den Willen Gottes? Siehe, du darfst als eine Priesterin Gottes überall Seine Kraft und Seine Liebe ausstrahlen. Bist du es oder der Geist Jesu. Bist du es, bist du genau so hilflos wie jeder andere Mensch, ist es aber Er Selbst, der in dir wirkt – wie kannst du in Unordnung sein? Sobald du einmal einen Misserfolg hast, dann bist du in Unordnung, dann ist in dir der Beweis, dass du dich wieder ganz in Jesu finden musst. Gehe einmal zu Jakobus, dieser Apostel wird dir dasselbe sagen.“

 

Es kam nicht dazu, denn Asser wurde kränker und dadurch konnte sie sich nicht von seinem Lager entfernen. Da entschloss sie sich, in den Tempel zu gehen und mit dem Hohepriester zu sprechen. Dieser entsetzte sich, als sie verlangte, er solle sich doch einmal um Asser kümmern, der auf seinem Lager liege und nicht sterben könne. Er sagte: „Weib, was verlangst du von mir, ich soll mir wohl den Tod dort holen, längst wird euer Haus als das Haus des Todes beschrieben und du wagst es, in die geheiligten Hallen des Tempels zu kommen? Verlasse sofort den Tempel und spreche mit niemand, denn jedes Wort aus deinem Mund kann uns den Tod bringen.“ Da erstarrte das Weib, in sich fühlte sie die Kälte des Todes. Sie eilte mit schnellen Schritten hinaus, ihr Weg ging zu Jakobus, der aber nicht anzutreffen war. Sie hinterließ die Botschaft, dass sie ihn brauche und erwarte ihn zu jeder Stunde.

 

Einige Priester aber hörten, was der Hohepriester mit Assers Weib sprach. Sie konnten ihren Hohepriester nicht verstehen, dass er ihr so lieblos befahl, den Tempel zu verlassen und mit niemand zu sprechen. Sie sagten, wir gehen einmal Asser besuchen, es wird doch unser Tod nicht sein. Sie besprachen sich für den Abend. Asser ging es wieder etwas besser. Seine Freude war aufrichtig, als die Priester an sein Lager traten, nur Ruth war ängstlich, doch sie wusste, dass keiner krank werden würde, wenn sie ihnen die Hände im Geiste Jesu auflegen würde. Nun war sie wieder ganz Helferin, sie sagte: „Ich war im Tempel und suchte Hilfe für meinen Mann und was geschah? Asser höre zu, die Tür wurde mir gewiesen vom Hohepriester. Jedes Wort aus meinem Munde könne ihm den Tod bringen. Du Asser, ihr Priester, ist das euer Gottesdienst, dann kann ich niemals mehr in euren Tempel gehen, o warum musstet ihr Den morden, Der in einem jeden Seiner Worte immer nur zum Ausdruck brachte "liebet euch, liebet, ja liebet euch!"

 

Ihr habt so manches Leben zertreten, ich aber und noch viele, dürfen manches sterbende Leben wieder einen Auftrieb geben; aber nicht ich, sondernd die Kraft Jesu ist es!“ Da spricht der eine: „Ruth, was erlaubst du dir, hast du vergessen, dass wir die Stellvertreter Gottes sind?“ Ruth: „Ich habe es nicht vergessen und so erbitte ich mir den Beweis, dass ihr die seid, für die ihr euch ausgebt! Kniend will ich euch bitten, gebt mir den Beweis, tut wie es die Nazarener tun, die beten zu Gott und ihr Gebet wird augenblicklich erhört. Bitte tut es, ich will jedes Wort zurücknehmen, ich will büßen, so es euch gelingt, mir den Beweis zu geben.“ Der eine sagt: „Weib, warum versuchst du Gott, genügt es dir nicht, was ich dir sage?“ Ruth: „Nein, es genügt nicht mehr, ich habe geglaubt, ich habe alles getan, was mir möglich war, mit keinem Gedanken bin ich von dem abgewichen, was ich von euch zu hören glaubte, aber nun habe ich den Beweis von eurer Gottesdienerschaft. Euer Gott heißt Ehre, Ansehen, Geld und Herrschsucht und wir Frauen haben euch zu dienen in eurer Sinneslust. Zum Kinderkriegen sind wir da, mir aber ist es versagt geblieben und heute danke ich meinem Gott, dass ich kein Kind habe, denn es wäre auch dazu verurteilt, das zu werden, was ihr seid. Heuchler und Knechte der Sinnenwelt!“

 

Ein Priester: „Weib du rasest, noch ein Wort und ich lasse dich dorthin bringen, wo du hingehörst, zu den Nazarenern, die im Gefängnis ihrer verdienten Strafe harren.“ Ruth: „Mich bringt ihr nicht dahin, denn, der mich anrührt, ist vom Tode gezeichnet, darum erlebe den Beweis, dass ich die Wahrheit gesagt habe.“ Da spricht der andere: „Ruth, dich hat die Krankheit deines Mannes und das Verhalten des Oberpriesters etwas zerrüttet, ich bitte dich, beruhige dich. Ich aber erkenne, dass du gar nicht so unrecht hast, denn ich entsetzte mich über des Hohenpriesters Worte derart, dass ich mich entschloss, mit dem Oberpriester dich und Asser zu besuchen . Es ist uns bekannt, wie du auf geheimnisvolle Art die Kranken heilst, aber uns bindet der Eid, dem Tempel zu gehorchen, darum dürfen wir nicht dulden, was du in deiner Zerrissenheit uns vorwirfst. Korrigiere dich und bleibe die alte und treue Magd, deines Herrn!“

 

Ruth: „Das kann ich nicht mehr, außer, ihr bringt mir den Beweis eurer Aufgabe als Diener Gottes, aber ich bin überzeugt, dass die Stunde kommt – und sie ist nicht fern – wo ihr erkennt, dass meine harten Worte doch Wahrheit sind. Bleibt bei meinem Mann, ich muss jetzt zu einigen Kranken gehen. Ihr seid ja Ärzte und braucht mich nun nicht mehr und dass ihr es wisst, jede Gemeinschaft mit meinem Mann hat aufgehört, da ich nicht mehr Lüge, Heuchelei, Sünde und Verbrechen unterstützen kann. Ich weiß, mein Mann stirbt noch nicht, er wird aber auch nicht mehr gesund werden, wenn er nicht zu Jesus sich bekennt.“

 

Da spricht der Oberpriester: „Weib, nun ist meine Geduld zu Ende, verlasse uns, sonst erlebst du, was du lange betreuen wirst. Dabei ergriff er ihren Oberarm und schob sie aus dem Krankenraum.“ Ruth: „Gut, dir geschehe nach deinem Willen, mein Oberpriester. Dieses war dein letzte Handlung als Oberpriester, nun wirst du warten müssen bis sich ein Mensch deiner erbarmt, denn Jesus hat angeordnet, wer mich in meiner Liebe antastet, ist von der Seuche ergriffen.“

 

Rasch hat sie das Zimmer verlassen, da sahen sich alle an und Asser sagte: „Ich fürchte, Ruth hat wirklich recht, warten wir ab was mit dir geschieht mein Jonathan. Du Micha, warst klüger und hast geraten, ruhiger zu werden. Ihr ahnt nicht, was ich hinter mir habe. Dass aber mein Weib in den Tempel zum Hohepriester ging, werde ich ihr nicht vergessen und dieses gleicht für mich wieder alles aus. Ich weiß, dass ich gesund werde durch die Gebetskraft eines Nazareners, aber nicht durch mein Weib. So frage ich euch, was soll ich tun? Ich möchte mein Weib nicht verlieren, ihr wisst, wie ich zu meinem Weib stehe. Noch niemals habe ich ein anderes Weib berührt, noch niemals habe ich daran gedacht, sie zu betrügen und ihr Verlangen ist ehrlich nach den Beweisen, dass wir wahre Gottesdiener sind!“

 

Micha: „Aber werde erst einmal wieder gesund, dann sprechen wir weiter. Ich gestehe, ich selbst stehe verzweifelnd vor der Tatsache, dass wir statt mit den Nazarenern uns verbinden und gemeinsam der Seuche zu Leibe gehen, vermehren wir das übergroße Leid und wir wissen nicht, ob auch wir ein Opfer werden. Jonathan, ich glaube, dich hat es erwischt, dein Kopf sieht ja wie ein Feuerball aus!“ Es war so, nun gab es Aufregung. Micha rief die Magd, sie solle ihre Herrin rufen, aber diese hatte das Haus verlassen. Micha rannte aus dem Haus und wollte Männer rufen, die den Oberpriester in seine Wohnung bringen sollten, aber keiner war dazu zu bringen – das ist das Haus des Todes – wendet euch an Asser’s Weib, die vermag zu helfen. Micha war entsetzt. So war also das Haus eines Oberpriesters schon als Seuchenherd bekannt. Er eilte fort und versäumte nicht, sich nach Hilfe umzusehen. Trotz der großen Menschenmenge war es ihm, als wichen ihm die Menschen aus. Nach einer längeren Zeit ist er im Tempel und verlangt, das sich sofort einige Knechte in das Haus des Oberpriesters Asser begeben und den erkrankten Oberpriester Jonathan in seine Wohnung bringen sollen.

 

Nur mit Widerwillen wird ihm versprochen. Da trifft er seinen Kollegen Nathan, der den Tempel verlässt. Rasch ruft er Nathan zu sich und spricht: Nathan, es sieht furchtbar schlimm aus, ich komme eben von Asser und Jonathan war mein Begleiter. Jonathan wurde in der Wohnung Asser vom Fieber ergriffen und merkwürdig, Asser’s Weib ist die Ursache.“ Nathan: „Wieso Asser’s Weib, ich kenne sie als der besten Frauen, die sich nicht fürchten und viel Gutes tun, hauptsächlich an Kranken!“

 

Micha: „Nathan, ich weiß, du hältst es mit den Nazarenern, ich grolle dir deshalb nicht, denn du bist der einzige, der sich noch zu Kranken wagt und hast auch Heilungserfolge. Was soll ich tun im Falle Jonathan?“ Nathan: „Den Nazarenern glauben und das tun was ich tue. Leider ist es für Jonathan schlimm, denn bis jetzt ist der gesund geworden, der sich einem Nazarener heilen lässt und dieses setzt den Glauben an den Gekreuzigten voraus. Wie ich Jonathan kenne, wird er sterben müssen, da er einer der schlimmsten Nazarenerhasser ist.“ Micha: „Nathan, das habe ich herausgefunden, weil Asser’s Weib mit einer Bestimmtheit sagte, Asser und alle anderen werden nur gesund, wenn sie ihre Hilfe bei Jesus dem Auferstandenen suchen.“ Nathan: „Siehe Micha, längst bin ich ein Anhänger des Auferstandenen und bleibe doch Priester, aber meine Gesinnung ist die des Auferstandenen und nicht mehr die des Tempels.“ Micha: „Dann komme mit mir zu Jonathan, denn dort ist wirklich Hilfe nötig!“

 

Nathan: „Micha, gern komme ich mit, aber ob ich dazu komme, Jonathan zu bewegen, Jesus zu bitten, ist sehr zweifelhaft und dann bin ich ja nicht sein Freund, weil er mir gedroht hat, mich vor das Tempelgericht zu bringen, da ich mich zu den Nazarenern bekenne.“ Die Magd war verzweifelt, ihr Herr krank und noch ein weiterer Priester, das war ihr zuviel. Zu helfen kam aber niemand. So wurde es Abend, die Frau kam und sah das Elend, aber sie kümmerte sich weder um ihren Mann, noch um den Oberpriester Jonathan. Endlich kommt Nathan mit Micha, die sich nach ihrem Oberpriester umsahen; denn die Knechte hatten ihren Oberpriester nicht geholt aus Angst, in das Haus des Todes zu treten. Nathan rief die Hausfrau und sagte: „Wir müssen versuchen zu helfen, denn hier bleiben darf Jonathan nicht, würdest du eine Hilfe besorgen?“ Ruth: „Gern Nathan, aber nur Nazarener sind bereit zu helfen, was aber, wenn sie als Nazarener eingefangen werden?“ Nathan: „Siehe, wie wir im Ansehen des Volkes stehen, aber ich werde versuchen, Hilfe zu holen.“

 

Da sagte Micha zu Asser: „Bruder, mit ist ganz wirr im Kopf, ich fange an zu zweifeln. Jesus von Nazareth macht uns jetzt tausendmal mehr Sorgen als Er noch Mensch war. O, hätte ich ihn doch kennen gelernt als Mensch, überhaupt als den, der Er wirklich war. Es ist Wirklichkeit geworden, der Tempel mit seinen Priestern versagt und sucht geheim die Hilfe des Gekreuzigten!“ Asser: „Lieber Freund, mir sagst du nichts Neues. Mein Weib schwört auf Jesus, sie empfindet nicht mehr das Geringste für mich, da ich der Feind ihres Gottes bin. Ich fange an, ihr Recht zu geben, denn alle meine Prüfungen halten nicht mehr stand vor den Tatsachen, die vor mir wie ein Richter stehen. Was ist und war bis jetzt unser Dienst, nur Raffgier, von Liebe und Nächstenliebe keine Spur. Unsere Frauen leiden und müssen schweigen, weil wir ihre Herren sind. O Micha, wenn es noch lange mit meiner Krankheit dauert, rufe ich Jesus um Hilfe! Wo bleiben die Ärzte, wo bleiben die Diener des Tempels, keiner kommt, weil mein Haus ein Haus des Todes ist. Nicht mehr lange, dann wird es ein Haus der Liebe und des Lebens werden.“

 

Micha wurde immer verzweifelter; denn Asser hatte Recht. Es ist alles wahr was er sagte. Er kann es nicht im Fieberwahn gesagt haben, denn er war doch ganz ruhig. Endlich brachte Nathan Hilfe. Einige Männer mit einer Sänfte brachten den Kranken heim und Nathan begleitete sie. Unterwegs sieht er Jakobus und ruft von weitem, nur um einige kurze Worte mit ihm zu sprechen. Jakobus begrüßt ihn herzlich und Nathan bittet ihn, wenn möglich, heute noch zu Asser zu gehen, er warte auf ihn. Jakobus nickte. Es wurde Abend. Nathan und Micha weilten noch bei Asser, da kommt Jakobus, begrüßte alle freundlich, hält aber die Hand Asser’s fest und spricht: „Freunde, zwei Welten in diesem Raum, wollen wir die Hausfrau rufen, das ist mir lieber, da mein Kommen doch einen Grund haben muss!

 

Nathan sagte: „Wir sind nun alle Freunde, wollen wir doch einmal versuchen, ganz offen und ehrlich uns auszusprechen. Jakobus, mir bist du längst der beste Freund und siehst in mein Herz, wie es sich nach der ewigen Wahrheit sehnt. Hier, Asser will gesund werden und wird es nicht und heute wurde hier im Hause auch Jonathan krank. Trifft uns die Schuld oder nicht? Was sagst du Micha? Ich kann nichts sagen, liebe Freunde, ich frage mich selbst, trage ich auch einen Teil Schuld an dem Geschehen?“ Jakobus spricht: „Nathan, du sagst, Freunde sind wir jetzt! Es ist ein gutes Wort! Wollen wir es auch in Wirklichkeit sein? Wir fragen uns nach der Schuldfrage nach all den Geschehnissen. Schuld trifft keinen und auch alle, doch so wir Freunde sind, wolle wir auch dahin wirken, dass recht bald eine Besserung oder Linderung, vielleicht auch eine Heilung uns das Ende dieser Trübsal herbeiführt. Sehet, zwei Welten sind wir, welche ist nun die stärkere und bessere?

 

Du Asser und Du, Micha, vertretet die Welt des alten Gottesglaubens, der aus Moses und den Propheten hervorgegangen ist und längst nicht mehr das ist, was er einmal war. Nathan und ich vertreten die Welt, die aus der Lehre des Messias hervorgegangen ist und abgelehnt wird von denen, die an den Tempel und an seine Satzungen sich klammern. Zwei Welten und doch nur ein Grundleben -Gott- . Wer soviel erlebt, soviel gesehen, soviel wirken konnte aus dem Geist des so sehnsüchtig erwarteten Messias, der aber verworfen wurde, kann bezeugen die Herrlichkeit Gottes.

 

Was nun den Tempel betrifft, kann ich am besten beurteilen, denn die Feindschaft des Tempels besteht schon seit der Geburt Jesu! Denkt an den Kindermord zu Bethlehem, denkt daran, wie er mit 12 Jahren allen Priestern ein Lehrer wurde, denkt daran, was Jesus in der Zeit von seinem 12. bis 30. Jahre erdulden musste und denkt daran, dass Jesus wusste von seiner Aufgabe als Mensch und dafür gekreuzigt werden musste. Und ich, als der jüngste Sohn meines Vaters Josef habe alles miterlebt, dabei will ich nicht sprechen von den unzähligen Kraftwundern in aller Stille. So ihr dieses alles erlebt hättet, da würdet ihr auch so dastehen wie ich, denn lieber würde ich den Tod auf mich nehmen als etwas ableugnen. Nun aber, da Er, unser Meister Jesus, auch das letzte Opfer geduldig brachte, konnte Er uns allen etwas hinterlassen, was eben der Tempel niemals fassen und anerkennen wird, nämlich die Kraft und Herrlichkeit seines Liebegeistes, die der Tempel als "dämonisch" bezeichnet. So sind zwischen und Gegensätze, die nicht überbrückt werden können. Hier Liebe, dort Hass, hier Erlösung, dort Tod, hier Frieden, dort Zerstörung!

 

Was würdest du, lieber Asser, wählen? Tod oder Leben, was würdest du dir wünschen, lieber Micha, Liebe oder Hass? Du, Nathan, hast dich entschieden zum Leben! Tod wird genährt im Tempel, Leben aber nur im Geiste Jesus dem Auferstandenen!“ Asser spricht: „Jakobus, ich habe dich gehasst wie nur ein Mensch hassen kann, weil du so furchtlos uns trotzen kannst und jetzt muss ich einsehen, dass mich der Tod an der Angel zappeln lässt wie ein Fisch an der Angel, der seinem Ende nicht mehr ausweichen kann. Weißt du, dass deine Wahrheit das Bitterste ist, was ich jetzt empfinde! Du hast mein Weib überzeugen können, dass Jesus der Sieger ist und bleiben wird – siehe ich ein – aber noch schlimmer ist die Strafe für meine Treue dem Tempel gegenüber, dass mir mein Weib verloren gegangen ist, die mir das Liebste auf dieser Welt war – und so ist mein Leben schon jetzt ein langsames Sterben.“

 

Micha ist entsetzt, diese Worte aus Assers Mund zu hören und spricht: „Asser, du fieberst wohl, es ist kaum möglich, dies zu glauben, was du jetzt sagst, dann ist ja deine Treue zu dem Tempel deine größte Schuld? Auch ich bekenne, dass es mir selbst Angst und Bange wird, wenn ich an meinen Tod denke. O, Bruder Asser, dabei haben wir so vielen verholfen zu Schmerzen, Sorgen und Leiden, vielleicht auch zum Tode, vor dem wir uns fürchten. Jakobus, gibt es für uns eine Rettung oder nicht?“ Da tritt das Weib des Asser näher und spricht: „Jakobus, du Vertreter des Liebemeisters Jesus, sprich das erlösende Wort des Lebens. Du weißt, wie ich dich gebeten habe –heile meinen Mann, ich möchte ihn nicht verlieren. Sprich, das erlösende Wort auch zu meinem Mann, damit er erkenne das Falsche und Verkehrte und sich bekenne zu Dem, Der das Leben und die Liebe ist!“ Jakobus: „Ihr habt die Bitte gehört! Das erlösende Wort wisst ihr längst, denn Jesus sprach es beim Sterben am Kreuze aus: "Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun!"“

 

Micha war erregt und sagte: „Asser ist das war, was Jakobus sagt. Der Gekreuzigte hatte immer noch Liebe und Vergebung übrig für uns alle? O, das ist für mich Erlösung, weil ich an Seinen Tod nicht mit schuldig war. Nathan, ab jetzt gehöre ich zu dir. Und du, Jakobus, hast mir heute die Augen geöffnet. O Asser, was hält dich noch, an Jesus zu glauben, deine Treue zum Tempel! O Asser, wenn du den Hohepriester gehört hättest, was er deinem Weibe sagte, du hättest dem Hohepriester den Rücken gekehrt und gesagt, nun habe ich in deinen Hallen nichts mehr zu suchen. Jakobus, kann mir meine Schuld vergeben werden, ich habe gesündigt an deinen Brüdern. Morgen werde ich versuchen, Gefangenen die Freiheit wieder zu geben.“

 

Jakobus legte Micha seine Hände auf seinen Kopf und spricht: „Micha, erlebe meinen Jesus als Kraft in dir, dann wird dir auch deine neu erstandene Liebe den Weg weisen, den du nun zugehen hast.“ Spricht Micha: „Jakobus, diese deine jetzige Liebe ist mehr wert als tausend Worte, denn mich durchströmte eine Kraft und durchwärmte mich. O Asser, komme zu dir und gehe mit mir zu dem Heiland Jesu, der in dieser Stunde uns so offenbar geworden ist.“ Asser: „Freund Micha, du meinst es gut, aber wird mir Jesus verzeihen können, denn allzu groß ist meine Schuld. Demütig bitte ich dich, Jakobus, gib auch mir das rechte Wort, ich möchte leben, leben, um gutmachen zu können meine Verbrechen an Jesus.“

 

Jakobus geht hin zu Asser ans Lager, legt seine Hände auf seinen Kopf und spricht: „Asser, mit Worten kann die Liebe Jesus gar nicht genug gerühmt werden, darum stehe auf im Namen und im Geiste Jesu und sei gesund! Löse ein, was du versprochen hast und niemals wirst du es zu bereuen brauchen. Vergisst du aber dein Versprechen, dann bist du nicht mehr zu retten hier in deinem Erdenleben und dort im großen Geisterreich wirst du es unendlich schwer haben. Du aber, mein Jesus, habe Dank für diese Gnadenstunde und segne uns, denn wir gehören dir für alle Ewigkeit! Amen.“ Asser war gesund, Ruth war außer sich vor Freude. Sie sagte: „Mein Jesus, Du hast mein Gebet erhört, o lass uns nicht mehr in die Zustände kommen, dass wir Dich vergessen könnten, denn nun bist Du unser Herr und Gott! Lasse in uns den Tempel erstehen, wo wir Dir ersetzen können den Tempel, den Menschenhände erbaut haben. Mache aus unserem Heim des Todes ein Heim der Liebe und des Lebens und den Segen sollen alle die erleben, die wir durch Deine Liebe, durch Deine Gnade, durch Deine Kraft und Herrlichkeit für Dich gewinnen können.“

 

Das Gebet wurde buchstäblich erfüllt, im Heim des Asser kamen nun selbst Angehörige von Kranken und suchten und fanden Hilfe, da Nathan und das Weib des Asser wirkliche Stützen des Jakobus wurden. Der Tempel aber mied das Haus, denn für den blieb es das Haus des Todes. Noch lange wurde gerungen um der Seuche Herr zu werden. Jakobus mit seinen Brüdern und Helfern war Tag und Nacht auf den Beinen. Endlich war die Macht der Seuche gebrochen. Mancher Priester fand den Tod, mancher wäre zu retten gewesen, wenn sie Hilfe bei den Nazarenern gesucht hätten. Ja, der Tempel wurde einige Zeit geschlossen mit Ausnahme des Vorhofes, weil die Angst um weitere Ausbreitung der Seuche es gebot. Jakobus fand den Mut, im Vorhof die Herrlichkeit Gottes in Jesus dem Auferstandenen zu bezeugen und forderte alle auf, sich nicht mehr zu fürchten vor der Seuche, da der Glaube an den Auferstandenen schon genüge, nicht angesteckt zu werden.

 

Längere Zeit hatten die Brüder sich in Ruhe der Gemeinschaft zu widmen, da wurde aber auch schon wieder der Feind alles Lebens rege und der Tempel bekam wieder Mut, sich der neuen Lehre von Jesus zu widersetzen und eine neue Welle von Verfolgungen und Schikanen setzte ein. Wie wehrlos waren die Brüder; aber Jakobus wurde umso freier und furchtloser. Er besuchte trotz aller Warnungen den Tempel um zu bezeugen das Gottesleben aus dem Geiste Jesus des Auferstandenen. Da eines Tages erhielt er Besuch, Baltasar war gekommen. O, welche Freude erlebten die Brüder an Baltasar. Einige Tage dauerte die Freude. Da kam Baltasar mit seinen Wünschen. Er sagte: „Bruder Jakobus, ich habe all meinen Besitz verkauft. Das Leben der Straße liegt mir nicht mehr, darum bin ich hier um mit dir, mein Bruder, noch einmal die Gemeinden zu besuchen, denn es macht sich nötig. Der Feind ist bemüht, Unkraut zu säen, alles Reden ist umsonst. Das Unkraut wuchert, wenn nicht zur rechten Zeit Einhalt geboten wird.“

 

„Sind es die Heidenpriester oder die Judenpriester, fragte Jakobus, denn mit den Möglichkeiten muss gerechnet werden!“ „Es sind die Judenpriester, von Heiden können wir gar nicht mehr sprechen, da die Arbeit, die du geleistet hast, im Geiste Jesus eine wirklich Gesegnete war. Darum komm Bruder, ich habe einen guten Treiber, der uns fahren und versorgen wird, solange, bis ich eine Heimat gefunden habe. Mir ahnt Großes, doch du weißt, dass ich immer natürlich war und auch bleiben werde.“

 

 

 

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Ankunft in Damaskus bei dem Handelsherrn Dinarus

 

 

Das erste Ziel war Damaskus. Der Handelsherr Dinarus war hocherfreut, seinen geliebten Jakobus wieder zu sehen und begrüßte die beiden sehr herzlich. Er rief sofort sein Weib zu sich, um seine Freude mit ihr zu teilen. Aber noch größer war die Freude bei Rufus, des Hauses treuester Diener. Als die erste Wiedersehensfreude vorüber war und Jakobus um das Bestehen der Gemeinde fragte, sagte Dinarus: „Bruder, es ist fast nicht zu erklären, mit welchen Mitteln die Priester hier arbeiten, vor allem wird den Nazarenern die Schuld zugesprochen, von der Seuche in Jerusalem. Noch schlimmer aber ist es, weil hier und da liebe treue Menschen verschwinden. Was hier im Hause gefestet ist bleibt gefestet, aber frage Rufus, in welcher Not er sich befindet, denn er war ja die Seele von allen.“

 

Am anderen Tage hatte Rufus alle seine Freunde zusammengerufen. Nur das Wort "Jakobus ist da" genügte, dass alle kamen. So wurde dieser Abend für alle ein Erlebnis. Auch Kranke waren gekommen, die aber alle restlos gesund wurden durch die Kraft und Gnade Jesu durch Jakobus. An diesem Tag kam eine Karawane zu Dinarus. Einige Tage dauerte es, bis alles Geschäftliche geordnet war. Der Karawanen Besitzer war ein guter Bekannter von Baltasar, ein Grieche, der erstaunt war, Baltasar hier zu treffen, weil er nicht in Geschäften hier war. Da konnte nun Baltasar gut bezeugen die Gnade Jesus, die aus ihm einen ganz anderen Menschen gemacht hat. Es wurde nun beschlossen, dass er mit Jakobus auch einen Abend bei dem Griechen verleben sollte, denn alle seine Leute wären auch begierig, die Wahrheit um den Nazarener zu erfahren; denn gerade in der Herberge wird am Meisten vor dem Seelenvergifter gewarnt.

 

Alles war festlich gerichtet in der Herberge, denn der Grieche war als ein edler und guter Mensch bekannt, der mit allen Menschen, vor allem mit seinen Leuten, menschenfreundlich verkehrte. Leider gab es auch oft Nöte auf den langen Wegen und so blieben auch Krankheiten an Menschen und Tieren nicht aus. Da es aber bekannt wurde, dass Jakobus auch Kranke heilte, sagte der Grieche zu ihm, als die erste Bekanntschaft mit allem Drum und Dran besprochen war: „Freund, meine Leute sagen, dass du auch mit der Kraft Gottes heilen würdest. Unsere Priester tun es auch, aber unter sehr großen Opfern und was das große Übel ist, die Hilfe hält nicht an. Gerade habe ich zu meinem und eines meiner Getreuen Unglück einen schweren Unfall gehabt. Darf ich dir die Armen herbringen. Nicht um zu heilen, nein, um Klarheit zu erhalten was ich tun soll; denn der Mann wird blind, wenn keine Hilfe kommt. Ich hatte mir vorgenommen, den Mann hier zu lassen, aber dann ist er für mich verloren.“

 

Der Mann kam auf den Ruf hin mit einer Binde um ein Auge, das auslief. Mit einem Gegenstand ist ihm in das rechte Auge gestoßen worden und das Auge war verloren, aber große Angst herrschte um das linke Auge. In diesem Augenblick, wo Jakobus etwas sagen wollte, kommt ein Priester in das große Zimmer. Jakobus sehen und auf ihn zueilen, war das Werk einer Minute. Er sagte: „Ei sieh da, ein verirrtes Schäfchen, wie gut, dass ich doch nachschauen ging, ob sich ein Schäfchen hierher verirrt hat. Du warst doch einer, der mit dem Gekreuzigten ging, warum bist du in dieser Herberge, wo es doch genug jüdische gibt.“ Jakobus: „Dasselbe könnte ich dich auch fragen. Was hast du hier zu suchen? Ich bin bei Freunden und du hast schlechte Absichten. Willst du den Frieden stören? Darum bitte ich dich, gehe und lasse uns in Ruhe!“ „Du bist Jakobus, auf dich habe ich längst gewartet, denn gerade du hast hier eine gute Ernte gehabt; aber zum Ernten wirst du nicht kommen, da werde ich mit anderen dafür sorgen!“

 

Jakobus ist es unangenehm, mit diesem Priester sich zu streiten, er spricht: „Ich bitte dich noch einmal, verlasse die Herberge, es ist genug des Unfriedens, den du angerichtet hast, denn Jesus lebt und wird ewig leben, ich aber bin Sein Zeuge und stehe mit meiner ganzen Persönlichkeit für Ihn ein! Noch niemals habe ich versucht, einem Menschen etwas aufzuzwingen wie du und ihr alle; denn nicht nur meine Worte, sondern meine Taten sprechen. Was hast du an Taten aufzuweisen? Hier ist ein Kranker, der ein Auge durch einen Unglücksfall verloren hat und er ist in Gefahr, auch das andere Auge zu verlieren. Hier betätige dich und berufe dich auf deinen Gott, von dem du Wunderdinge erzählst. Hier sind viele, die Heiden sind und durch deine Hilfe an den Kranken, könntest du viele deinem Gott bringen!“

 

Der Priester: „Jakobus, bilde dir nicht ein, dass ich auf deinen Fall eingehe. Das sind Fallen, die du mir stellst. Wohl konnte dein Meister durch die Kraft des Belzebub Blinde sehend machen, aber dafür wurden sie für Gott blind. Nein, da kommst du bei mir nicht an!“ „Jonas, ich weiche nicht ab, von meinem Verlangen“, sagte Jakobus, entweder du heilst den Kranken und nimmst jedes Wort zurück, was du von meinem Meister in deinem Hass nachredest oder du wirst lange büßen müssen bis du geläutert und demütig bist!“ Jonas: „Ich spotte deiner, Jakobus, ich weiß, du wirst vergöttert von sehr vielen, aber was wir wissen, genügt, dich unschädlich zu machen, denn wir alle haben geschworen, dich genau wie deinen Meister, zu vernichten. Das ist wahr, das ist beschlossen im Rate des Tempels, und es wird geschehen, aber erst, wenn Gott es will!“

 

Jakobus: „Noch ist es nicht so weit, aber wisse, Gott will, dass allen Menschen geholfen werde, darum bin ich ein Diener Gottes im Geiste des Auferstandenen Jesus, Der als der Sohn Gottes nur von dem Geiste aus Gott erfüllt war. Also mein letztes Wort: Hier ist der Kranke, bitte du Gott um Hilfe, denn Er sagt, dass Er allen helfen will, die Ihn ernstlich bitten!“ Jonas: „Jakobus, versuche Gott nicht, denn ich stehe als Sein Vertreter hier und verlange, dass du in meiner Gegenwart nicht mehr davon sprichst!“ Jakobus: „Ich, Jonas, stehe als Vertreter meines Herrn und Gott in Jesus hier und bitte dich, gehe, verlasse diese Herberge, störe nicht unseren Frieden und hindere mich nicht, dass ich meinem Gott und Herrn diene!“ Jonas antwortete mit einem Hohngelächter; aber als Jakobus dem Kranken das Tuch abnahm und die leere Augenhöhle sah, da wurde er doch ruhig.

 

Jakobus sagte: „Freund, ich kann dich nicht heilen, aber Jesus der Heiland, der wahrhaft Gott verkörperte und nach Seinem Kreuzestod wieder in einem unsterblichen Leib aus Seinem Grab hervorging, hat uns verheißen, allen zu helfen, die an Ihn glauben und nach Seiner Lehre leben! So stehe ich als Sein Vertreter hier und frage dich, kannst du glauben, dass Er, der Lebendige und wahre Gottessohn ist, dann antworte mir mit ehrlichem Herzen und dann wollen wir Ihn beide um Seine Hilfe bitten!“ Der Kranke: „Freund, ich habe viel von Ihm gehört, an Ihn glauben möchte ich gern, aber ich kenne Ihn nicht. Was ich hörte, war oft gut, aber was ich von Judenpriestern hörte, war immer schlecht. So auch heute mit dem Priester Jonas. Da du mir aber versprachst, mit mir zu beten, vertraue ich dir ganz und glaube deinen Worten. Jesus wird mir nicht nachtragen, dass ich nicht leichtfertig "ja" sage!“

 

Jakobus: „So komm, wir wollen zum seligen Werk schreiten . . . . O Jesus, Du Lebendiger, sieh, hier ist ein armer Hilfloser, ich bitte Dich, sei Du der Helfer, der uns allen gesagt hat "Siehe, ich bin bei euch alle Tage" und dieser Bruder kennt Dich noch nicht, möchte Dir aber gern Deine Liebe lohnen mit einem lebendigen Glauben und einer Treue, die du ersehnst! So durchdringe ihn mit Deinem Liebesstrom und offenbare Du Dich ihm und allen denen, die hier anwesend sind! Ich danke Dir, mein treuer Jesus, für Deine Gnade! Amen. Du aber, mein lieber Freund und Bruder, danke mit deiner Liebe und deinem Leben – denn du bist gesund!“ War schon das Gebet ergreifend, so waren aber alle noch tiefer ergriffen, denn der Kranke hatte sein Auge wieder und konnte sehen wie früher. Er sagte: „O Freund, was tatest du mir Gutes, ein Feuer brannte in mir, es ging vom Herzen aus und durchströmte mich so angenehm. Alle Schmerzen waren vorüber und ich fühlte wieder mein verlorenes Auge. O erzähle mir von dem Heiland, der mich nun so froh, so selig machte und mir alle Angst nahm vor dem Blindwerden.“

 

Da sagte Jakobus zu Jonas, der wortlos dastand: „Nun Freund Jonas, lass dir sagen, wie sich der geheilte Freund fühlt. Siehe, was nun Der wieder lebendig gewordene Jesus tat, tat er allen Menschen und was habt ihr getan? Wer an den Nazarener glaubt, sei verflucht und ihr wurdet somit zum Vollstrecker des Fluches! Jesus segnete und ihr habt verflucht, wundere dich nicht, wenn sich an dir der Fluch erfüllt. Noch ist es nicht zu spät, darum kehre um, noch hat Jesus dich nicht aufgegeben. Bleibst du in deiner Gesinnung, dann wundere dich nicht, wenn dich auf Übles trifft. Niemand wird dir helfen als nur der Auferstandene Jesus! So gehe, verlasse uns und störe uns nicht in unserer Freude. Jesus mit dir!“ Der Priester ging ohne auch nur ein Wort zu sagen. Da sagte der Sehendgewordene zu Jakobus: „Freund, warum hast du den Priester fortgeschickt, soll er nicht hören, was du mir auf meine Bitte von dem Heiland sagen willst?“

 

Jakobus: „Mein lieber Bruder, siehe, der Priester braucht Zeit. Jedes Wort aus meinem Munde ist für ihn Gift oder Qual. Er braucht jetzt das Alleinsein, denn es ist schwer für ihn, sich zu Jesus zu bekennen, da er doch sein größter Feind war und ist. Siehe, Gott, der Allwissend ist, will jetzt sogar Seine Allwissenheit verhüllen, damit Er mit keiner Sehnsucht ihm bestimmend seine Freiheit hemme. Da wundert sich so mancher Mensch, dass der Allwissende Gott zu allem schweigt, tut, als ob es gar kein Leid gäbe und alle Gebete übersehe. Wir aber, die wir Zeugen Seiner unsagbaren Liebe, Gnade und Erbarmung waren und noch sind, sehen alles mit den Augen der Liebe und des Verstehens und erhalten da ein ganz anderes Bild.

 

Siehe, du bist ein Heide, wie es die Juden bezeichnen und doch nicht gottlos, weil du an einen Gott glaubst, der dir gepredigt wurde von den Priestern, aber da die Priester es selbst nicht wissen, sondern nur Diener einer Lehre sind, ist für sie alles nur Beruf. Der ewig wahre Gott aber, der erlebt sein will, wie du jetzt Gott erlebt hast, will Sich nun von Berufenen bezeugen lassen. Da fragst du dich, wie werde ich ein Berufener? So sage ich dir vor allen, die jetzt zuhören, dass du eben jetzt ein Berufener geworden bist. Deine Heilung ist ein Werk Seiner Allmacht, ist das Zeugnis von Seiner Liebe und Erbarmung. Du bist es also Dem wahren und lebendigen ewigen Gott schuldig, von Ihm zu zeugen, dass Er aus Seiner Liebe zu dir dich geheilt hat!

 

Niemals wärst du zu dieser Erkenntnis gekommen, erstens weil du ja den wahren und ewigen Gott nicht gesucht hast und zweitens, weil dich Gott braucht, dass du zu einem Verkünder Seiner Liebe, Seiner Kraft und Seines Lebens wirst. Darum musste ich zu euch kommen. Du aber, lieber Freund, der du auch gelitten hast um einen deiner Getreuen, so nehme auch du dir die Worte an, die ich gesprochen habe zu deinem geheiligen Knecht, aber die Zeit ist ja so kurz, so muss ich mich bemühen, mit wenigen Worten viel zu sagen. Ich kenne Jesus von Seiner Geburt an und habe, solange Er noch lebte, fas keinen Tag ohne Ihn gelebt. Er war uns allen ein Bruder der Sorge, denn wir verstanden Ihn so wenig, waren um Ihn in Sorge, weil Er niemals Menschen um Sich duldete, die Ihm Vorwürfe machten über Sein Tun, über Seine Ideen. Ja, der alte Greis Josef, mein Zeuge, konnte Ihn nicht verstehen. Erst in der letzten Zeit seines Lebens hatte er Ihn erkannt und als mein Vater starb, war Er der einzige, Der nicht trauerte, was wir auch nicht verstehen konnten. So wuchs Jesus in Sich Selbst zu Dem, was Er bekundete und wurde zu dem Heiland, der unsagbar Viele gesund an Leib und Seele machte. Seinen Feinden gegenüber aber war er voller Rücksicht, nur wenige haben Seine Härte erlebt, die sein musste, und wurden dann auch das Opfer für uns alle!“

 

Der Grieche spricht: „Lieber Freund Jakobus, ähnliches haben wir auch gehört. Seine Wundertaten klangen uns wie ein Märchen, fast zu schön, um wahr zu sein, doch mit Seinem Sterben am Kreuz starb auch das Märchen. Noch mehr, es starb auch die Achtung vor den Juden, wenn wir hörten, die Anhänger des Gekreuzigten werden verfolgt, und immer wieder erlebten, wenn Priester, wie der eben gegangene Jonas, die Gläubigen des Heilandes Jesu weiter suchen und verfolgen. Das haben unsere Priester niemals getan und heute komme ich das erste Mal mit einem wirklichen Jünger Jesus zusammen und bin so voller Freude und Dankbarkeit, dass ich immer noch mehr erfahren möchte. Ja, ich möchte nur die reine Wahrheit hören, denn , was da in aller Welt für Gerüchte kursieren, davon habt ihr alle noch nicht das rechte Bild. Siehe Jakobus, es soll kein Vorwurf sein, die Templer sind jedenfalls viel eifriger in ihrem Hass als ihr in eurer Liebe zu Jesus!“

 

Jakobus: „Lieber Freund, da magst du recht haben, aber wir handeln auf innere Anweisung, da wir ja mit unserem Herrn und Meister innerlich in einer ständigen Verbindung bleiben. So weiß ich heute noch nicht, was ich morgen tun werde, da ich täglich in meiner Verbundenheit mit Ihm erfahre, was ich tun soll!“ Nun kommt auch Baltasar zu Wort, denn der Grieche ist sehr neugierig und will wissen, wie er zu Jakobus gekommen ist. Baltasar spricht: „Lieber Freund, das ist eine lange Geschichte und doch so kurz und mit wenigen Worten erzählt. Auch ich kam mit Jakobus zusammen wie du und Jakobus wurde mir eigentlich ein Retter und erlebte an ihm und mit ihm die Herrlichkeit Gottes, dass es mir wie ein Verbrechen wäre, so ich nun meinem ewigen Gott den Rücken kehren würde. Das mit deinem Knecht ist mir etwas so Natürliches, ich sehe es nicht als ein Heilwunder an, sondern als einen Beweis Seiner Macht, Kraft und Herrlichkeit. Was Jakobus alles tat, ist in Stunden nicht zu schildern, da gehören Tage dazu, aber genügt dir nicht die Heilung eines deiner Knechte? Es ist mir nicht das Herrlichste, sondern das war mir das Herrlichste, dass ich den Beweis habe:

 

Es gibt keinen Tod, es ist ein Leben nach dem Tode, es gibt keinen Lohn oder Strafe des Himmels, sondern ein jeder Mensch ist der Schöpfer und Gestalter seines Himmels oder Hölle, welches im eigenen Herzen seinen Anfang nimmt und niemals ein Ende haben wird, je nach seinem Leben, ob es gut ist, oder schlecht war.“ Der Grieche: „Baltasar, Freund was sagst du für Dinge, es gibt keinen Tod, keine Strafe oder Lohn der Götter, o Baltasar, da bleibe ich noch einen Tag, das ist mir wichtig, die reinste Wahrheit zu erfahren. Kannst du, Jakobus, mir noch einen kleinen Beweis geben von dieser Wahrheit, dann werde ich dir ein Jünger. Eben dieses ist mein innerer Kampf, kein Priester unserer Götter kann mir Klarheit geben. Es ist eben unser Unglück, an die Götter zu glauben an die unsere Väter glaubten. Wo sind unsere Väter – leben sie und wie leben sie?“

 

Jakobus: „Lieber Freund, solange als wie Jesus noch nicht Seine von Gott gestellte Aufgabe erfüllen konnte, waren alle Menschen dem Gesetz verfallen und lebten. Und lebten auch nach ihrem leiblichen Tod in den Verhältnissen weiter, doch wurden die Besseren von Engeln geführt und belehrt, die Schlechteren aber blieben was sie waren – schlecht – ohne zu wissen, wie sie sich selber straften. Als Gott in Jesus Mensch wurde, Sein Leben zu einem Lieben umgestaltete, wurde es uns erst offenbar, was Er uns nach Seinem Tode am Kreuz gewesen war. Als Mensch und Prophet, als unser Liebemeister war Er nur das Werkzeug Gottes. Als der Überwinder des Todes wurde es offenbar, dass Er uns Menschen eigentlich ein ganz neues Leben hinterließ als Sein Testament! Und was ich jetzt bezeuge und auch tue, ist das Produkt Seiner neuen und herrlichen Liebe und Erbarmung.“

 

Eine neue Störung kam nun, denn einige Römer mit ihren Begleitern kamen und baten uns, an unserer kleinen geschlossenen Gesellschaft mit teilzunehmen, da sie gehört hätten, ein Volksaufwiegler sei hier und bringe etwas, was zu verwerfen wäre. Da sagte der Grieche: „Es stimmt, was du gesagt hast, denn mir und meinen Leuten wurde Gelegenheit gegeben, zu erkennen, was bei uns zu verwerfen ist, nämlich unser Glaube an unsere Götter!“ „Wieso lieber Freund, haben dir die Götter etwas zu Leide getan, ich jedenfalls werde mich kaum von meinen Göttern trennen, denn was von Jerusalem ausgeht, ist alles, nur nicht göttlich! Wie kommt es, dass du mit Juden so intim bist – wer ist dieser Jude? Seid sie ihren größten Wohltäter sterben ließen am Kreuz, haben sie auch ihr Göttliches gekreuzigt.“ Der Grieche: „Freund, dieser Jude ist ein Jünger, die ihren Meister sterben sahen, aber auch wie Er wieder zum Leben erstanden ist.“

 

„Du Freund, bist einer Seiner Jünger gewesen? Da ist es also doch wahr, dass Er, euer Meister, nicht im Grabe geblieben ist? Ich brenne darauf, die Wahrheit zu erfahren, ich bin erst ganz kurze Zeit hier und erlebe eine Welt der größten Irrtümer.“ Jakobus: „Was du als Irrtum bezeichnest, lieber Freund, ist nach deinen Begriffen und Grundsätzen dir unerklärlich. Ja, ich bin ein Jude, auch ein Jünger Jesus und heiße Jakobus, von dem du noch manches hören wirst, da meine Brüder wenig außerhalb Judäa und Galiläa tätig sind. Es sind Tatsachen, dass der Tempel das größte Interesse hat, die neue Lehre zu verdammen und in ihrer eigenen alten Lehre das Heil suchen; aber, die wir mit unserem Meister durch die Lande zogen, sind auch von Ihm so erzogen, dass wir nicht mehr anders können und wenn tausend Tempel mit ihren Priestern uns bekämpfen, wir bleiben der neuen Lehre treu und wollen sie auch ausleben, ausbreiten und sie zu einem Gemeingut machen, auch unter euch Heiden!“

 

Der Grieche: „Da wirst du aber bei mir kein Glück haben, lieber Jesusjünger, wenn du auch an Jahren älter sein wirst als ich und da ich meinem Kaiser die Gefolgschaft gelobte, so ist es auch ein Eid an meine Götter!“ Jakobus: „Der aber nicht gültig sein kann, lieber Freund, da es eben "deine" Götter nicht gibt, sondern nur tote Schemen sind, die verherrlicht werden von euren Priestern. Es gibt nur einen wahren und ewigen Gott, Der da Leben, Liebe, Kraft und Macht ist. Der Himmel und Erde erschaffen hat und uns Menschen schuf, damit wir alle als Seine Menschen auch Sein Zeugnis werden!“

 

Der Grieche: „Freund Jakobus, ich will nicht annehmen, dass du meine Götter beleidigst und sie als "nur ein Schema" hinstellst, wenn du es auch mir so hingestellt hast, aber da du es so bestimmt sagst, musst du es auch beweisen können. So frage ich dich, kannst du beweisen, dass dein Gott ein Lebendiger und ein Wirklicher ist und kein Schema, wie du meine Götter nennst.“ Jakobus: „Ja, mein Freund Romanus, ich bin bereit, es dir zu beweisen; aber was dem einen recht ist muss dem anderen billig sein. Darum frage ich dich mit demselben Recht, bist du auch bereit, mir zu beweisen, dass deine Götter Lebendige und Wirkliche sind und keine Schemen?“

 

Der Grieche: „Freund Jakobus, du bist vorsichtig und kitzlig ist deine Frage, ich wüsste nicht wie ich es beweisen könnte, beweise mir die wirklich göttliche Wesenheit und Daseinsberechtigung deines Gottes, dann werde ich weiter sehen.“ Jakobus: „Romanus, was soll dir mein Gott tun? Dass ihr Römer es nur immer bewiesen haben wollt, aber von euren Priestern habt ihr noch niemals Beweise gefordert. Sei offen und ehrlich, was soll dir mein Gott tun?“ Romanus: „Jakobus, da du so bestimmt bist, bin ich milder gestimmt, so habe ich nur eine Bitte, kann dein Gott mir kund tun, was in diesem Augenblick meine Mutter tut?“ Jakobus: „Romanus, es wäre leicht, dir etwas zu sagen, was du nicht nachprüfen kannst. Aber mein Gott lässt dir sagen, dass in diesem Augenblick deine Mutter in ihren Armen ihren Enkelsohn hält, der vor einer Stunde von deiner Schwester Lydia geboren wurde. Dein Schwager weilt in Tyrus und wenn du willst, kannst du ihm die Freudenbotschaft bringen. Willst du noch mehr von meinem Gott erfahren?“

 

Romanus: „Jakobus, sag mir nur das eine, ist es wirklich dein Gott, der dir dieses offenbarte. Wie kannst du meinen Namen und den Namen meiner Schwester wissen. Wie kannst du wissen, dass sie einen Sohn geboren hat. Woher weißt du, dass mein Schwager in Tyrus ist? Ich muss dir glauben, denn ich habe Nachricht von meiner Mutter, dass sie ein Enkelchen von Lydia erwartet. O Jakobus, das können meine Götter nicht offenbaren. Sag mir nur das eine, nimmt dein Gott überhaupt Anteil an den Geschicken der Menschen?“ Jakobus: „Romanus, Gott nimmt an den Geschicken eines jeden Seiner Menschenkinder großen Anteil, wie es in keiner Götterlehre offenbar wird. Da aber unser Freund, bei dem ich heute zu Gast bin, selbst interessiert ist um das Leben welches uns allen durch Jesus geschenkt wurde bei Seinem Sterben, so will mein ewiger Gott, dass ihr euch selbst überzeugen sollt von den Wahrheiten, die ich euch sagen durfte. So will es mein Gott und Herr, dass ihr alle Seine Herrlichkeit erleben sollt, die euch zum ewigen Heile dient.“

 

In diesem Augenblick weilte ein Jeder in seiner Sphäre und konnte erleben was um ihn lebte. Der Römer weilte bei seiner Mutter, sah ihre Freude über den neuen Erdenbürger, sah seine Schwester, wie sie die Freude ihrer Mutter miterlebte; aber noch nicht genug, er sah auch seinen Vater, der sich über das Neugeborene neigte, konnte aber nicht hören, was er sagte, während er jedes Wort von seiner Mutter hörte. So erging es aber auch dem Griechen. Er konnte mit seiner Mutter sprechen, die nicht genug erzählen konnte von der herrlichen Umwandlung, die sie erlebten als Lichtgestalten kamen, und ihnen Kunde brachten von denen, die die Gnade Gottes angenommen hatten, der doch ein Ewiger und Lebendiger sei und die Bitte: Glaube an den uns unbekannten Gott, Er sei der Lebendige und Wahre.

 

„Es ist genug der Gnade“, sagte Jakobus, „nun wollen wir alles so besprechen, dass auch nicht der geringste Zweifel das eben euch Geschenkte wieder beraube. Alle haben etwas erleben dürfen, die bei euch und unter euch sind, darum befragt euch und ihr werdet Wunder erleben, wie ein Jeder etwas Anderes erlebte.“ Anstatt sich gegenseitig zu unterhalten, blickten sie alle fragend auf Jakobus. Er sagte: „Freunde, was ihr erlebt habt, ist des Wunderns nicht so groß, noch viel Herrlicheres kann euch werden, wenn ihr das, was ich euch aus der Liebe und Gnade Jesus offenbaren darf, nicht nur glaubet, sondern zu eurem eigenen Leben macht. Dazu ist aber nötig, eure Götter endgültig zu verlassen um euch mit Dem zu beschäftigen, der da ist, war und sein wird ewig. Sowie eure Götter kein Leben haben, so werdet ihr auch ohne Leben sein, denn das was ihr jetzt lebt, ist kein Leben im wahren und göttlichen Sinn. Wie jetzt euer Leben erfüllt war in und mit materiellen Dingen, so wird auch euer Sterben sein, denn im Tode hat aufgehört das Materielle und eure unsterbliche Seele irrt und sucht Licht, Leben und Klarheit und kann es nicht finden.

 

So ihr aber eingehet in die Lehre, die aufs Neue durch Jesus, den wahren und ewigen Gottessohn offenbart wurde, wird in euch schon hier im Erdenleben Licht und Klarheit und der einem jeden Menschen geschenkte Gottesfunke wird genährt, im Lichte weiter zu suchen und zu forschen, bis die Gemeinschaft mit dem ewigen und wahren Gott erreicht ist. Dieses ist der Wunsch Gottes, dann wird einem Jeden offenbar, wie Gott schon seit Ewigkeiten Liebe, Licht und Leben ist und bleiben wird – ewig! Wir aber als Seine Jünger haben erlebt Seine Herrlichkeit, Seine Liebe und Treue und erlebten in uns Seine Kraft und Herrlichkeit, die uns immer fester, reifer und sicherer macht. Darum die Bitte an euch: Strebt nach dem Leben in und aus Gott, gehet ein in die inneren Regungen, die außer Liebe und dem Licht euch drängen, auch Liebe und Licht zu werden – das wird euch allen zu einer Wahrheit, die euch frei, froh und immer bewusster macht und euch drängt, ganz Liebe zu werden, wie Er als Jesus auch nur Liebe, Wahrheit und göttliches Leben war!“

 

Romanus reichte Jakobus die Hand und sagte: „Jakobus, Jakobus, was bist du für ein Mensch – was muss Jesus für ein Mensch gewesen sein, der erfüllt war wie ein Gott nur erfüllt sein kann von dem Bewusstsein, dass Sein Tod die Rettung aller Menschen sein wird. Ich weiß, du wirst oft erlebt haben, dass man Jesus Sterben als Schwäche bezeichnete. Ich weiß, dass es dir oft vorgehalten wurde – warum hat dein Meister nicht Gebrauch gemacht von Seinen innewohnenden Kräften, es wäre doch für euch ein leichteres Wirken und die Feinde Jesus wären geschlagen gewesen!“ Jakobus: „Freund, menschlich gesprochen hast du recht, aber Gott weiß um alles und vor allem lag es ja in Seinem Heilsplan, dass Er Selbst als Mensch dieses Opfer bringen muss, damit keiner und keines verloren gehe und ein Weg geebnet wurde, der wieder zurück zu Gott führt. Was wäre geworden, so Er Seine Macht, Kraft und Herrlichkeit offenbart hätte, nur Unglück über Unglück; denn der Feind alles Lebens wünschte es ja, damit keine Erlösung vom Tode, von Sünde und Fluch zustande käme. So aber ist es eine Erlösung aller Menschen geworden, so sie die Bedingungen erfüllen, die lauten: Liebt euch, wie Ich euch geliebt habe! Es ist dies die herrlichste Lösung, da sie uns frei vom Gesetz, frei von jeder Bindung macht, die uns hinderte, die Wege zu gehen, die uns Seine Liebe und Gnade als Vorbild für alle Menschen macht.“

 

Romanus schwieg, aber der geheilte Knecht sagte: „Du lieber Gottesbote, wenn ich nur alles so behalten könnte, wie du es so schön berichtet hast. Ich bin und bleibe nun der Schuldner vor Dem Gott, den du uns als Den Wahren und Lebendigen geschildert hast. Ich muss es ja glauben, weil ich wieder sehen kann, aber lieben soll ich, ich selbst soll Liebe werden, so Freund, das ist bitter. Der übergroße und liebevollste Gott erdrückt mich ja, wenn ich nur an Ihn denke, was soll ich tun, um Ihn lieben zu können?“ Jakobus: „O Freund, so ist es nicht zu nehmen, das Leichteste ist es was es nur geben kann; denn Gott zu lieben, den du nicht siehst, ist schwer, aber deinen nächsten zu lieben, ist doch so leicht und in einem jeden Menschen lebt doch der göttliche Funke, also ein Teil aus Gott. Liebst du deinen Nächsten, dann liebst du auch Gott; denn Gott ist die Liebe und wer da seine Mitmenschen liebt, da ist Gott in dir und du bist in Gott.“

 

Der Grieche: „Freund, lass dir danken, was ich erlebt habe, genügt, zu wissen, es gibt ein Leben nach dem Tode. Da nun Jesus wirklich trotz Sterben am Kreuz dennoch lebt, genügt mir dies vollständig. Aber ein großes "Aber" steht vor mir. Wie kann ich als Mensch, der ich dies erkennen muss, alles in Ordnung bringen? Da steht ja die ganze Vergangenheit auf, kann ich denn so ohne weiteres hinnehmen dass Jesus starb und brachte mir ein Leben, das ewig währet? O Jakobus, mir fehlt noch etwas, was mich hindert, mich zu freuen über dies Gnade. Wie mache ich mich würdig dieser Gnade, wie lösche ich die Schuld; denn ein Leben leben, das mich mahnt an Vergangenes könnte mir zu einer Last werden!“

 

Jakobus, ihn fest in die Augen sehend, spricht: „Bruder, glaube fest und getreu, dass auch Jesus für dich gestorben ist und hat dein Schuldkonto gestrichen. Deine Schuld ist aber nicht so groß wie du immer annahmst, denn als du deinen Bruder schlugst, warst du in einem gerechten Zorn. Dass dein Bruder von dir ging, war auch nicht deine Schuld, sondern die Seine, denn du warst ja in deinem Recht. Dadurch aber wurdest du ein gerechter Mensch, der seinen Zorn besiegt hat, du hast es bewiesen in all der langen Zeit. Dein Bruder aber hat es längst bereut, dich so gereizt zu haben und wenn mich meine Ahnung nicht trügt, wirst du ihn bald in deine Arme schließen, denn auch er hat Jesus als seinen Herrn und Gott anerkannt. Darum freue dich! Der Herr ist auch ein Herr der Vergangenheit sowie der Zukunft! Erfasse Ihn ganz mit deinem Herzen und es wird dir offenbar werden wie du frei wirst von allen beengenden und hemmenden Gedanken!“

 

Der Grieche: „Jakobus, dies genügt mir vollkommen. Lichtvoll sind mir deine Worte, denn es können gar nicht deine Worte gewesen sein, wie könntest du mir Dinge sagen, die ich gern vergessen möchte und nicht kann. Nun will ich felsenfest glauben, damit auch ich ein Freier und allezeit Froher werden kann.“ Jakobus: „Du bist es ja schon geworden, mein lieber Freund und Bruder und so brauche ich dir nur noch zu sagen: Bleibe in dieser Fröhlichkeit und alles wird dir viel leichter werden mit Jesus, der dich auf allen Wegen im Geiste begleiten wird, so du die Wege der Liebe gehst, die dir dein innerer Geist offenbaren wird!“ Baltasar spricht: „Freunde, dieser Abend war wiederum ein wunderbares Geschenk Gottes, wie viel Male habe ich erlebt, wie Gott mich führte. Es beglückt mich und macht mich so überfröhlich, Jakobus überredet zu haben, mit mir zu reisen zu den Gemeinden, die ihn so nötig brauchen und so möchte ich öffentlich meinem Gott und Herrn, meinem Jesus danken, aber nicht mit Worten, sondern mit einer Fröhlichkeit, die Ihn, unseren Jesus, mit einschließt.

 

Bis jetzt wurde nur Belehrung als das Nötigste angesehen und wir sind so vertieft in die Probleme um Gott, dass wir vergessen haben, uns zu freuen. Darum lasset uns freuen. Den besten Wein wollen wir zu uns nehmen, wie es der Meister der Liebe immer tat.“ Bald war der Wein in Krügen auf den Tischen, da sagte Jakobus: „Brüder, lasst mich den Wein segnen, damit wir alle erleben, was der Liebe Jesus alles möglich ist! Du aber mein Jesus, sei unter uns und nehme mit teil an der Freude, die du allen schenkst!“ Da staunten sie alle, als sie den Wein kosteten, denn solch ein Wein war noch niemals auf diesen Tisch gekommen. Da sagte der Grieche: „Jakobus, hast du etwas getan, weil dieser Wein nun ein Himmelswein geworden ist? Ich glaube, wer diesen Wein trinkt, hat auch etwas vom Himmel in sich aufgenommen. Ich wollte dass dieses Stückchen "Himmel" mir immer bliebe!“

 

Jakobus: „Brüder, ich will diese Worte von unserem Bruder nicht abschwächen, sondern nur noch tiefer beleuchten. Es gibt ein Wort, das heißt: "An Gottes Segen ist Alles gelegen" – hier habt ihr nun erlebt, was "ein" Segen für eine Wirkung hat! Ich segnete aber den Wein, damit keine von uns einen Weinrausch bekommen sollte, denn ich weiß aus Erfahrung, dass alle Wirkungen göttlicher Liebe mit einem Rausch zunichte werden; aber da es ein Wein aus den Himmeln ist, so ist uns wirklich mit Wein ein Himmel zu uns gekommen, der uns auch bleiben wird. Ist es doch des heiligen Gottes und Vaters Bedürfnis, Seine Liebe zu uns immer aufs Neue zu offenbaren und der Wein entspricht immer Seinem Liebesgeist. Darum wird uns dieser Wein eine Stärkung werden für den Geist in uns, damit Sein Geist in uns das Wirkende und Treibende werde, denn die der Geist Gottes treibt, sind Seine Kinder!“

 

Baltasar spricht: „Freunde, immer wieder wird mir gezeigt, wie Gott der Wahre und Ewige als der Vater Seiner Kinder sich immer wieder mehr und mehr in die Herzen Seiner Kinder einlieben will, um in Seinen Kindern eine Wohnung zu haben, die mit Ihm in der ganzen Schöpfung mit regieren sollen nach Seinem Heilsplan. Ihr werdet es erleben, wenn ihr zu den Freunden kommt, die in diesem Geiste ihren Gott verherrlichen durch die Liebe, die uns heute offenbart wurde. Ich wünschte, dass es nicht bei der Offenbarung bliebe, sondern heiliges Liebesleben würde. Was macht uns von Freude so erfüllt – nicht, dass wir etwas erleben und genießen dürfen, sondern nur das, dass wir erleben –unser Vater Jesus ist in unserer Mitte. Darum, liebe Freunde, will ich aus einem inneren Drang bitten: O Vater, Du ewige Liebe, wie oft hast Du mich erleben lassen Deine Liebe, Deine Gegenwart, ja sichtbar bist Du uns geworden. O schenke uns auch nur einen Augenblick diese herrliche Gnade, Dich zu schauen aus Deiner ach so lieben herrlichen Vaterliebe!“

 

Da wird Jesus sichtbar allen und Jakobus spricht: „Durch die Gnade Jesu darf ich an Seiner statt zu euch sprechen. Mit doppelter Liebe sage ich aus Ihm: `Seid gesegnet und erfüllt mit der Freude, von der ich erfüllt bin. So sollen euch Meine Worte aus Bruder’s Mund ein Denkmal Meiner Liebe bleiben. Vergesset diese Stunde nicht! Lasset in dieser Stunde euer Herz zu einem Feuerbrand der Liebe werden, der niemals erlöschen soll, der in euch zu einer aufgehenden Sonne werde und Strahlen der Liebe hinaussende, dorthin, wo noch kahles Gestein für Mein Wort und Meine Lehre ist. Für euch, die ihr Mich heute erkannt habt, sage ich, sage Ich: Bleibt Mir treu, in diesem Geist, von dem ihr heute nur ein kleines Ahnen überkommen habt –es wird euch eine Kraft werden, um überbrücken zu können das Falsche und Verkehrte zum wahren und ewigen Leben aus Mir!

 

Sehet meine Hände, Meine Füße und Meine Seite, die sichtbaren Zeichen Meiner Liebe zu allen Menschen und Wesen. Für ewig sollen es die Zeichen bleiben an die Stunde, wo Ich um euch und alle Menschen rang. Wohl war es für eure menschlichen Begriffe eine Niederlage für Mich, aber ohne Meinen Tod am Kreuze wäre für meine Menschenkinder niemals ein Weg geebnet worden, der zu Meinem Herzen führt. Wäre es nach den Wünschen so Vieler gegangen, könnte Ich euch allen das nicht sein, was Ich euch allen heute bis in alle Ewigkeit bin und bleiben werde. Seid versichert, dass Mein Tod keine Lücken in die Reihen Meiner Kinder riss, sondern in Meinem Erstehen zum Leben kann ich im Geiste alle Lücken ausfüllen. Als Mensch konnte ich wahrhaft sagen: Mir ist gegeben alle Macht und Gewalt im Himmel und auf Erden, dafür aber dürfet ihr erleben die Macht Meiner Liebe in euch, die das Tiefste zum Höchsten und das Höchste zum Tiefsten vollbringen kann.

 

So segne ich euch sichtbar und lasset in euch Meinen Geist so lebendig werden, dass ihr in aller Fülle an allen Orten, wo ihr weilen werdet, nicht nur bekennen, sondern ausleben könnet was euch zu Meinen Kindern, Meinen Nachfolgern wie auch zu Meinen Stellvertretern gemacht hat. Friede bei euch, Friede um euch und Friede durch euch soll euch bekunden, dass Ich bei und um euch bin und durch euch wirken kann nach der Liebe, die in euch lebendig geworden ist in Meinem Geiste. Amen.`“ Wie er sichtbar wurde, so wurde Er auch wieder unsichtbar. Alle waren erfüllt von einem inneren Frieden, aber Jakobus sagte: „Freunde, kommt wieder zu euch, so lebt Er aber immer in mir. Ich bespreche mich mit Ihm und ich bekomme auch Antwort in meinem Herzen, so wie ich euch sagen durfte, was ich von Ihm in mir vernahm. Alles aber kann und wird euch genau so werden, so ihr nach dem Grade reifer geworden seid!“

 

Da sagte der Römer: „Es ist mir wie ein Traum, ich frage mich, ist dieses Wahrheit, greifbare Wahrheit, so spricht mein Verstand, es kann auch ein Traum sein, aber mein Herz sagt mir, der Traum hat seine Wirkung gar bald verloren. Ich sehe nun mit anderen Augen, höre mit anderen Ohren, ich ahne, was wahre Liebe ist, ich ahne die Seligkeit meiner Mutter, ich ahne die Wahrheit, die eine Totale werden wird, wenn die Bestätigung kommt. Darum Freunde, wir erlebten einen Jesus, von Dem wir niemals etwas angenommen hätten als Mensch, aber nun ist Er ein dem Tode Entronnener, zum wahren ewigen Leben erstandener Geistmensch, Dem keine irdische Macht mehr etwas anhaben kann. O Jesus, Dir allen Dank und auch alles Heil!“ Noch lange blieben alle zusammen, dann aber mahnte die Müdigkeit zur Trennung. –

 

 

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Ankunft in Patmur bei dem Herbergswirt Nikolaus

 

 

Die Fahrt mit Baltasar war eine wunderbare, denn überall gab es Gelegenheiten zu beweisen, Jesus lebt. Viele römische Soldatentrupps durchstreiften die Länderstrecken und Baltasar war sehr vielen bekannt, da war es nicht zu verwundern, wenn oft ein kleiner Aufenthalt wurde, der nicht vorgesehen war. Ebenso mit den sie begegnenden Karawanen. Baltasar war allen Freund und Bruder und die Freude war wirklich echt. Aber noch war die Gemeinschaft nicht im Geiste Jesu möglich, man nahm Kenntnis, hatte Interesse, aber der Handels- und Krämergeist war doch der Stärkere.

 

So kamen sie nun nach Patmur und kehrten ein bei Nikolaus. Wie ein Lauffeuer wurde bekannt: Unser Jakobus ist wieder da. Doch Jakobus blieb vorläufig etwas in Reserve. Mit Schimba und Simon hatte er eine lange und ernste Aussprache. Baltasar aber wurde umso lebendiger, denn gar Vieles hatte er zu berichten. Doch noch war es nicht so weit, denn aus der Siedlung kamen immer mehr, die da nach ihrem Jakobus fragten. Es war so ein freudiges Ereignis, wie es noch niemals dort erlebt wurde. Da sagte Simon zu allen: „Meine lieben und geliebten Schwestern und Brüder, kommt heute Abend wie zu der gewohnten Stunde alle in unser Andachtsheim, da wird uns unser geliebter Bruder Jakobus dienen! Bruder Jakobus wird einige Zeit hier bleiben und hat mir versichert, dass er für einen jeden Einzelnen da sein wird.“

 

Mit diesen Worten gaben sich alle zufrieden und es schien, als wenn Jakobus etwas zur Ruhe kommen würde. Doch Nikolaus kam nicht zur Ruhe. Schon war wieder eine Karawane eingetroffen, die von Römern dorthin dirigiert worden war. Da sagte Jakobus: „Bruder, verrate mich noch nicht, denn noch bin ich mir nicht bewusst, was der Meister vorhat. Ich aber fühle in mir noch Beengung, darum will ich mich etwas in die Stille begeben.“ Jakobus kam nicht dazu, denn ein römischer Unterführer trat zu ihm und sagte: „Dich muss ich doch kennen, wenn ich mich nicht irre, gehörst du auch zu der Sekte der Nazarener!“ Jakobus: „Du irrst dich nicht, denn ich gehöre nicht zu der Sekte, sondern ich bin Nazarener und du hast dich irre machen lassen von deinem früheren Priester und hast vergessen die größte Wohltat, die dir der Wahre und Lebendige Gott erwiesen hat.“

 

Der römische Unterführer: „Soll das ein Vorwurf sein oder willst du mich bei deinem Gott anklagen. Nach meinem Dafürhalten habe ich doch richtig gehandelt!“ Jakobus: „Das sagst du, aber warum hast du dich nicht bekümmert um die Folgen, die aus deinen Handlungen hervorgegangen sind; denn wisse, Der ewige Gott gibt dir keinen Vorwurf, da ja alle Handlungen den Keim in sich tragen, zu lohnen oder zu strafen. Die Folgen deiner Handlungsweise, mag sie gesetzlich noch so richtig sein, haben aber einige Menschen so unglücklich gemacht, dass du lange Zeit brauchen wirst um es gut zu machen. Hättest du dir aber die Wohltat, die dir Der ewige und wahre Gott tat, vor Augen gehalten, so würde dein bester Diener noch leben und seine Eltern hätten das Herzeleid nicht zu ertragen brauchen.“

 

Der römische Unterführer: „Was sagst du, mein Diener lebt nicht mehr, wie kannst du mir das beweisen, Jakobus, rede nicht solche Dinge, die mir unglaublich erscheinen.“ Ärgerlich ging der Römer zu seinen Leuten, die auf ihn warteten, denn Nikolaus wollte die Wünsche wissen, die der Römer mit der Karawane vorhatte. So war es Jakobus lieb, das Baltasar fragte: „Hast du Unangenehmes mit dem Römer gehabt?“ Jakobus: „Ja und nein mein Bruder, der Römer aber hat Sorgen, er weiß nicht, wie er die gefangenen Priester behandeln soll, die Menschenhandel treiben!“ Baltasar fragte: „Sind es Brüder oder Schwestern oder geraubte Menschen.“ Er fühlte, dass Jakobus auch nicht ganz frei war.

 

„Bruder“, spricht Jakobus, „es ist mir noch nicht klar, lasse alles an uns herankommen. Nikolaus wird schon das Rechte tun, denn er hat kaiserliche Vollmachten.“ Für alle war das doch fast täglich eine Erscheinung, dass Karawanen kamen und gingen, darum würde gar kein Wert auf diese Karawane gelegt. Alle wurden untergebracht. In der großen Wirtsstube ging alles seinen gewohnten Gang, aber es wurde doch bekannt, dass am Abend im Andachtssaal ein Jünger Jesus sprechen würde. Nikolaus empfand es als seine Pflicht, den Römer in Kenntnis zu setzen, weil er wollte, dass alle Jakobus hören sollten. Dieser lehnte erst ab. Auf die Frage des Nikolaus um das Warum gab er keine Antwort, aber seine Einwilligung. Im Andachtssaal war alles überfüllt. Für Baltasar war es ein Erlebnis, so viele zu sehen. Der Römer war erstaunt, das ging über seine Begriffe, an einem Werktag solche Versammlung einzuberufen. Aber noch größer war sein Erstaunen, dass gerade wegen des Nazareners diese Zusammenkunft war, der ihm Rätsel über Rätsel aufgab.

 

Jakobus konnte sich der Freudenbeweise kaum erwehren, dies machte den Römer stutzig. Er fragte Nikolaus, wer der Nazarener sei. Da sagte Nikolaus: „Es ist Jakobus, der Bruder des Herrn und Meisters Jesus.“ „Nun geht mir ein Licht auf“, entgegnete der Römer, „darum konnte er alles wissen, was ich nicht weiß. Was hältst du von dem Nazarener?“ „Freund, erlebe heute Abend diesen Jünger, gerade dem verdanken wird ja diese Siedlung. Frage einen jeden in dieser Abendstunde wie sie sich zu ihm stellen und du wirst nur ein einziges Lob aus aller Munde vernehmen. Siehst du nicht, wie ein jeder glücklich ist, ihn wieder zu sehen und zu hören. Darum – hast du etwas gegen ihn, so gehe mit dir ernstlich zu Rate, damit auch du erlebst den wahren und ewigen Gott, Der in Jesus Christus Mensch wurde und durch Seinen Tod am Kreuz Sieger über allen Tod und Teufel wurde.“

 

Jakobus ging auf den kleinen Altar zu, auf dem 3 Leuchter mit brennenden Lichtern standen und streichelte das Kreuz als wollte er es beglücken, dann sagte er, die Hände ausstreckend: „Friede sei mit euch. Friede um euch und Friede in euch durch die Gnade Jesus, Der im Geiste und in Seiner ganzen Liebe persönlich unter uns ist. Mein Kommen ist nicht in meiner Liebe, sondern in der Liebe unseres Bruders Baltasar. Dieser Bruder aber fühlt die Notwendigkeit einer Auffrischung in all den brüderlichen Gemeinden, wo sich der Lebensfeind wieder breit macht in Priestern, die Jesus und Seine Lehre nicht anerkennen wollen und auch nicht wünschen. So auch heute wieder ist es offenbar geworden, wie nötig es ist, nicht abzuweichen von dem, was allen Jesus brachte. Es ist noch in keines Menschen Sinn gekommen, wie Jesus, der lebendige Sohn des Vaters, die Treue lohnt, den Glauben stärkt und die Liebestätigkeit segnet. Ihr alle habt erlebt Seine Liebe, Seine Barmherzigkeit, habt erlebt, wie Er alle Wunden heilte und wie Er unfreie und unfrohe Menschen wieder zu frohen und glücklichen Menschen gemacht hat. Es ist nicht der Wille unseres treuen und geliebten Jesus, das ich hier ein Zeugnis ablege von Seiner Liebe und Treue, sondern dass du, Danila, bekundest, was dir wurde durch die Liebe und Gnade Jesu. Halte nicht zurück, was in dir, in deinem Herzen so lebendig ist.“

 

Danila ist erschrocken. Sie solle hier sprechen, wo alle nur Jakobus hören wollen. Sie erhebt sich, um Jakobus zuzurufen: „Ich kann nicht sprechen.“ Da kommt ihr Jakobus entgegen, nimmt sie bei der Hand und führt sie an den Altar, wo sie unbewusst spricht: „Vor einigen Minuten war mir, wenn ich wie zugeschnürt wäre und jetzt ist mir das Herz so voll, dass ich sprechen muss. O ihr alle, meine Brüder und Schwestern und auch ihr, die ihr es noch nicht seid, werdet mich kaum verstehen, wenn ich zu euch sage, ich kann mir ein Leben ohne meinen Jesus nicht mehr vorstellen. Wenn ich an die Zeit denke, wo ich Jesus erkennen durfte, da war in mir alles wie in einem seligen Taumel, alles hätte ich von mir gegeben, alles hätte ich wie blind getan. Von einer Liebe wurde ich getragen und getrieben; auch meinen armen kranken Brüdern und Schwestern eine Liebe zu erweisen, aber es wurde mir zu einer Not, denn kam ich zu kranken und elenden Menschen, wurde ihre Not die meine und ich habe ja meinen Heiland noch nicht so erkennen können. Da habe ich gerungen und gefleht um die Kraft und um die Gnade, Ihn immer besser zu erkennen. Da wurde ich mit noch Vielen von Priestern des Tempels eingesperrt und drangsaliert, ich solle den Nazarener verfluchen. Ich tat es nicht und die anderen auch nicht. So stand mir wie auch vielen Schlimmes bevor und mit der Hilfe des Herrn wurden wir gerettet und erhielten hier eine Heimat.

 

Durch wen wurde aber uns Hilfe? Durch Bruder Jakobus, den wir heute wieder in unserer Mitte haben. Viele sind noch später zu uns gekommen und Nikolaus wurde unser Vater und Simon und Schimba unsere Betreuer; aber was Bruder Jakobus befürchtete, ist eingetroffen. Der Lebensfeind hat es verstanden, uns auch zu spalten. Die einen, zu denen ich mich bekenne, haben festgehalten, dass es ohne die wahre brüderliche Liebe keine innige Verbindung mit unserem ewigen Gott und Vater in Jesus Christus geben kann. Die anderen aber hielten wohl fest an die Lehre, die wir in Jerusalem erhielten von den Jüngern, aber die Liebe erkaltete sichtlich und Simon vertrat immer mehr und mehr, dass wir im Glauben unser Heil suchten. Schimba aber hielt es mit der Liebe, die ihn so lebendig belebte und mit Gesichten beglückte, die man Schwärmerei bezeichnete. So wurde das, was unser Bruder Jakobus in uns weckte, immer weniger beachtet und innere Nöte kamen, die auch Vater Nikolaus nicht verhindern konnte.

 

Nun bist du, Bruder Jakobus gekommen mit Baltasar und mein Herz jubelt auf, weil auch mit dir und in dir Der gekommen ist, nach Dem unser Herz sich so brennend sehnt. O Bruder Jakobus, sei du wiederum der, der uns wieder zu lebendigen Zeugen Seiner herrlichen Liebe macht, an Worten hat es nimmer gefehlt, aber an den Werken der allerreinsten Liebe.“ Jakobus erhob sich von seinem Sitz und spricht: „Schwestern, Brüder und Freunde, so könntet ihr alle erschauen, was das offene Wort eurer Schwester Danila auslöste an denen, die ihr nicht erschauen könnt. Freude und Trauer. Freude an denen, die in der Liebe und aus der Liebe in euch das Leben Jesu förderten und Trauer an denen, die da glaubten, immer im Gesetz verharren zu müssen; denn ihr alle seid berufene Kinder dessen zu werden, der da Mensch wurde, um alle Gesetzesbande zu lösen, um gleich euch ein Leben zu geben was bei seinem Sterben geboren wurde. Ist es so schwer, den alten Gesetzesglauben sterben zu lassen um in einem Leben der wahren und heiligen Gottesliebe zu leben?

 

Dich, Bruder Simon, frage ich, kannst du die Sehnsucht derer verstehen, die du gebunden hast durch dein Wort. Hast du niemals dein Herz so erforscht, um allen Bruder werden zu können? O hättest du es getan, so hättest du deinen Bruder Schimba verstanden. Du warst etwas verärgert, hast geglaubt, dir wäre etwas genommen worden und deine Kraft ließ nach, weil du an den Gesichten Schimbas zweifeln konntest. So ist es gekommen, dass, ohne dass ihr es wolltet, stehen geblieben seid was einmal unsere Väter taten.

 

Dass aber ihr alle überzeugt werden von der Wahrheit meiner Worte, die aus der Heilandsliebe geboren sind, will ich aus der Kraft und Gnade Jesus euch allen die Augen öffnen – nur eine kurze Zeit. Du Römer aber, der ich dir ein Rätsel war, erlebst von selbst das Törichte, so man aus dem Gesetz handelt, welches Priester zweifelhafter Art geschaffen haben, die keinen wahren und ewigen Gott kennen!“ Still in sich versunken saß ein jeder da, als würde ein jeder festgehalten. Da sagte Jakobus: „Freuet euch mit allen denen, die um euch sind. Besprechet euch, denn sie alle sind lebendiger denn ihr und möchten euch befreien von dem Druck, den ihr euch selbst geschaffen habt in eurer Liebe.“ Nach einer Zeit von einer kleinen Stunde sagte Jakobus: „Erstehet wieder in dem wachen Zustand, damit ihr alle erkennt die Gnade Jesus – und du Danila – jetzt ist der Weg frei zu den Herzen deiner Brüder und spreche, wozu dich dein Herz jetzt treibt!“

 

Danila spricht: „O Jesus, was hast Du uns allen wieder geschenkt, Du bist derselbe Jesus noch, der mich gesund und stark machte. Bist noch derselbe Jesus, der mit alle Trübsale zunichte machte und mir ein Leben schenkte, das ich gern geopfert hätte so Du es verlangt hättest. O Jesus, nun ist jeder Schatten entschwunden, der in mir wie ein Berg geworden wäre, so ich Dich nicht erschaut hätte als den, der Du wirklich bist, die Lebenssonne, die uns Licht, Leben und Wärme gibt. O Jesus, jetzt habe ich Mut, allen zu sagen "wir wären alle gestorben vor Weh, weil wir alle ohne Deine Liebe, ohne Dein Licht, ohne Deine Kraft uns selbst verurteilt haben ohne Dich zu leben". Was war uns Dein Wort doch nur der Same, was waren Deine Verheißungen – nur eine kleine Tür durch die man nicht gehen konnte und was war uns Dein Schmerz? O Jesus, aufschreien könnte ich vor lauter Weh, weil wir keinen Sinn mehr hatten vor Deinem und unserer Brüder und Schwestern Weh. Nun aber mag kommen was da will, hier ist mein Herz, es soll Dir gehören für Zeit und Ewigkeit. O vergib uns unsere Torheiten, wische ab unsere Reuetränen mit Deiner sanften Hand und nehme uns ab unsere Lauheit und den schwachen Wortglauben, weil Du uns aufs Neue erstanden bist aus unserer Grabesnacht. Halleluja! Amen.“

 

Still wurde es nach den Worten Danilas. Da sagte Schimba: „Jakobus, verzeih, wenn ich noch ein paar Worte sage. Danila hatte Recht, es wurde höchste Zeit, dass wir erwacht sind aus unserer Schwachheit. Nicht mehr viel hätte gefehlt und Dein Geist, Herr Jesus, wäre von hier gewichen. Immer tiefer wären wir gefallen in die Lauheit, die Schwester Danila als die Einzige erkannt hatte. Was war Schuld? Im Wort und in den Gesichten warst Du, Herr Jesus, bei uns. Unsere Gebete verloren an Kraft immer mehr und mehr, die Kranken wurden nicht mehr gesund trotz vieler Wortgebete. O Danila, komm, erprobe deine Liebe-Kraft an unseren Kranken, und Bruder Jakobus mag uns sagen, was wir falsch machen – doch lieber Vater Jesus, verhilf uns wieder nach unserer ersten Liebe!“

 

Jakobus spricht: „Brüder Schwestern, Freunde! Es ist gut, dass ihr erkennet die Fehler, aber erwartet nicht, dass der Vater als die ewige Liebe eure Fehler gut macht. Das müsst ihr schon selbst tun. Wer soviel der herrlichsten Liebe erlebt hat wie ihr, ist es Seinem ewigen Gott und Vater schuldig, demütig und reuevoll zu bitten: Vater, stärke uns in unserer Schwachheit, verlasse uns nicht, weil wir schwach geworden sind, - wir wollen Dich nicht betrüben, wir wollten recht schnell das Ziel, Dich, Du liebevollster Vater erreichen und haben dabei Einflüsterungen niederer Strömungen Raum gegeben. O Vater, Du als die ewige Liebe Selbst, erleuchte uns mit Deinem Liebelicht, o lasse uns erkennen, dass wir ohne Dich immer mehr verloren gehen trotz toten Glauben und vielem Predigen!

 

Dies ist mein brüderlicher Rat an euch alle, denn der Vater als die ewige Liebe wartet mit Sehnsucht auf einen jeden, dass ihre Liebe wahre, lebendige Liebe werde, wie Er aus Liebe euch gezogen hat mit Seiner alles vermögenden Liebe! Nun bringt eure Kranken und erlebt eure mit Gott geeinte Liebe. Amen.“ Da ging ein Aufatmen durch den Raum, eine Mutter trug ihr Kind vor Jakobus – ein Bruder führte einen anderen Bruder, andere gingen um Kranke zu holen und der Römer ging zu Jakobus und fragte, ob er mit ihm reden durfte.

 

Jakobus reichte ihm die Hand und sagte: „Freund, keine Förmlichkeiten, wir alle sind Brüder, aber willst du nicht warten bis der wahre lebendige Gott Sein Werk unter diesen Brüdern und Schwestern vollbracht hat? Was du erlebt hast, ist ja erst der Anfang. Das Erleben mit deinem Diener ist ja nur die Folge meiner Erklärung an dich und du wolltest ja Beweise. Warte doch noch den Abend ab und du wirst an Beweisen genug habe.“ An zehn Kranke warten nun der Dinge, alle Augen waren auf Jakobus gerichtet, da sagte er: „Bruder Simon, du als der Priester dieser Gemeinde, hier siehe, wie sie auf Hilfe warten, nimm Schimba an der Hand und lasse den Strom göttlicher Liebe auf dich einwirken.“ Simon aber schaute Jakobus verständnislos an und sagte: „Bruder Jakobus, ich fühle in mir nur eine große Leere, aber bitte verzeih mir, ich bin mit mir noch nicht fertig!“

 

Da steht Danila neben Jakobus und spricht: „Bruder, darf ich meiner Liebe Raum geben, in mir drängt es, ich wollte den Bruder Simon nicht mehr wehe tun, obwohl ich mit seinem Dienen immer unzufriedener wurde. Ich sehe ein, mein Schweigen war falsch, ich glaubte ihn zu verlieren und verlor mich; aber Bruder, stärke du mich mit einem Wort aus deiner Liebe und alles wird wieder gut!“ Jakobus: „Schwester Danila, lasse dich von deiner Liebe leiten und erstehe ganz in Seinem Liebesgeiste. Sei gesegnet durch Seine Liebe und Gnade!“

 

Alle sahen, wie Danila, ihre Schwester, förmlich zu leuchten anfing, flehend hob sie die Hände und sagte: „Jesus, du ewige Liebe, du ewige Wahrheit und Heilige Kraft, erbarme Dich unserer Schwachheit und nimm mich als den Ableiter Deiner Liebes- und Lebenskraft und erfülle unsere Bitte, wenn es Dein heiliger Wille ist, dann mache unsere Kranken gesund. Dir aber, Du großer und herrlicher Gott, Du bester Vater aller Väter, Du Liebling unserer Herzen, sage ich nicht nur mit meinem Mund, sondern mit meinem ganzen Herzen habe Dank für Deine uns so glücklich machende Liebe! Amen.“

 

Dann ging sie von einem zum anderen, legte ihre rechte Hand auf ihren Kopf und sagte: „Der Vater Jesus will, dass du gesund seiest! Und alle wurden im Augenblick gesund!“ Da sagte Jakobus: „Nun Simon, was sagt dein Herz zu dieser Liebe aus Gott?“ Simon schwieg, aber Schimba sagte: „Vater Du Herrlicher, Deine Liebe macht verstummen unseren Mund, aber umso lebendiger unser Herz! In Jubel möchte ich ausbrechen, mir fehlen aber die Worte. – O mein Jesus, Du Sehnsucht meines und aller Herzen, mache das Maß Deiner Liebe voll und lasse Dich von allen erschauen, damit alles vergessen werde was hinter uns liegt.“

 

Da waren alle Augen auf die Tür gebannt, denn alle konnten erschauen ihren Jesus, wie Er segnend die Hände allen zeigte mit den Wundmalen und Schimba spricht mit veränderter Stimme: „`Friede sei mit euch, Friede um euch und Friede in euch! Verschließet eure Herzen nicht mehr von dem Geist Meiner ewigen Vaterliebe, denn nur in Meinem Geist der Liebe kann Ich bei und unter euch wohnend verbleiben. Seien eure Worte noch so wahr, kommen sie aber nicht aus Meinem Geiste, werden sie nicht zeitigen Mein Leben in und unter euch, sie werden vergehen wie ein Hauch und ihr werdet immer ärmer an Liebe und Leben werden. Bedenket: Kinder Meiner Liebe sind berufen, wiederzubringen was Adam einst verlor, und Ich als Jesus, der Menschensohn, habe geebnet den Weg, der euch zu Erlösern machen soll, Meine Liebe und Mein Segen sei eure Kraft und stärke euren Willen. Amen. Amen. Amen.`“

 

Langsam verschwand der sichtbare Jesus und die Stille der betenden Herzen wurde nicht gestört – bis der eine Kranke sagte: „Lieber Jesus, nun ist unsere Schuld gestrichen, unser Auge ist wieder licht und unser Herz wieder froh – lasset uns nicht vergessen diese heilige Stunde!“

 

Da sagte dann Simon: „Bruder Jakobus und ihr alle, meine Brüder und Schwestern, es ist meine Schuld, ich hatte vergessen was ich einst euch war, hatte vergessen, dass ich nur durch die wahre und ewige Liebe aus Gott euer Diener und Bruder wurde. Es war dem Lebensfeind gelungen, mich von der Liebe zu trennen., der ich mein Leben verdanke, welches ich mir verwirkt hatte. Mit tiefer Scham erkenne ich jetzt alles und so bitte ich euch, verzeiht mir, weil ich mich von mir selbst blenden ließ und der Liebe vergaß, die uns zu Liebenden macht! Danila, ich danke dir, dass du den Mut aufgebracht hast, mir und uns das Übel zu zeigen an dem wir krankten. Ja – wir waren Kranke und sind nun Geheilte, aber noch nicht Gerettete. Darum, o Du heiliger Gott, Der Du in Jesus Christus zu uns gekommen bist, wir bitten Dich, bleibe bei uns wie es war als wir Dich erkannt hatten und hilf uns, dass wir immer mehr und mehr uns erkennen und Deine so überliebliche und helfende Liebe. Gelobt sei Jesus Christus! In Ewigkeit!“  „ – Amen – “,erwiderten die anderen alle.

 

Nun kam es zu Aussprachen. Der Römer trat zu Jakobus und sagte: „Freund, ich glaube, es sind genug der Beweise deines Gottes, aber noch bin ich nicht fertig mit mir selbst. Darf ich dich bitten, mir alle Zweifelsfragen zu zerschlagen oder mich aufzuklären, was es mit meinem Diener hatte. Ich bin mir keiner Schuld bewusst und doch sah ich meine Diener im Traumgesicht in dieser Abendstunde unter euch. Sein Gesicht macht mir große Sorgen.“ Jakobus: „Kein Wunder, lieber Freund, denn dein Diener konnte es nicht überwinden, dass du ihn auspeitschen ließest von einer deiner Leibeigenen und dein Diener war ein Freier und eines armen Römers Sohn. Da nahm er sich selbst das Leben und hat dadurch seine Eltern in die allergrößte Bedrängnis gebracht.“

 

Der Römer: „Jakobus, hätte ich an diesem Abend nicht zum zweiten Mal Gott erlebt, ich müsste dich und euch alle augenblicklich verlassen. Ich sehe es ein, es war ungerecht von mir. Mein Diener aber hatte deinen Gott besser erkannt als ich. Ich ließ ihm größere Freiheit und als er mir meinen Hausgötzen zerbrach, ist auch mir etwas für ihn zerbrochen, freilich der Götterpriester brachte mich in eine Erregung, die ich jetzt noch nicht verstehen kann. Nun die Frage – was wird mit meinem Diener in der Welt, in der er jetzt leben muss? Welche Strafen muss er noch hinnehmen, denn sein Gesicht sah sehr traurig aus – oder ist es eine Täuschung meinerseits?“

 

Jakobus: „Freund, alle diese Fragen sind in dem Augenblick beantwortet, wenn du den wahren und lebendigen Gott erkennst, an Ihn felsenfest glaubst und dich bemühst, Seinen heiligen Willen zu erkennen. Sorge dich nicht um deinen treuen Diener, denn er ist in einer viel besseren Sphäre denn du. Den Schritt, den er unternahm, war ihm das leichtere Übel – als ein Römer von einem Sklaven geschlagen worden zu sein – war ihm das größere Übel. Dieser Priester, der dich in Erregung brachte, hat das ja nicht gewollt; aber deinen schwankenden Glauben wollte er wieder auf eine feste Basis stellen. Was du nun in Zukunft tun wirst, ist ganz deine eigne Sache, aber ich gebe dir den guten Rat, entschließe dich ganz ernstlich und stelle dich ganz auf den Geist ein, aus dem du heute soviel erleben durftest!

 

Frage alle, die hier leben, lasse dich einführen in die Lebensführungen eines jeden Einzelnen und du wirst erfüllt werden von einem Leben des Friedens und der Zufriedenheit. Denke ja nicht, dass das, was du als Wunder bezeichnen wirst, das entschieden Bessere und Größere ist, o nein, sondern das, was als Worte aus der Ewigen Liebe an dein Herz klopfte. Bedenke, deine Götter blieben dir jeden Beweis eines wahren Liebelebens schuldig, während du hier von einem schwachen Weib Beweise einer Liebe erlebtest, die nicht irdischer, sondern himmlischer Art ist. Dann trinke diesen Wein aber mit einer Andacht und dir wird offenbar werden, dass es ein Wein aus den Himmeln ist, der alles Kranke in dir gesund macht und alles Unzufriedene in eine innere Zufriedenheit umgestaltet. Dieses alles aber ist das Werk des wahren und lebendigen Gottes, Der im Menschen Jesus uns den Weg geebnet hat in Seine Himmel, an Sein liebend Vaterherz und alle unsere Sünden hinaufgetragen hat aufs Fluchholz auf dem Hügel Golgatha!“

 

Der Römer: „Freund Jakobus, was soll ich dir noch erwidern, mit keinem Wort kann ich etwas dagegen sagen, darum will ich dich nicht mehr mit Fragen plagen und mich erfreuen an den Gesprächen deiner Freunde.“ Der andere Tag, ein Arbeitstag, brachte wieder viel Aufregungen. Baltasar, der Freund und Wohltäter, hatte Mühe, sich der Freude und Dankbarkeit zu erwehren, aber in ihm war Jubel. Was kein Mensch fertig brachte, ist so fein und ohne Anstoß beseitigt worden. Dass Danila eine Heilkraft in sich erkannt hatte und ihr feines Einfühlen in die Sphären der anderen, kam ihr herrlich zum Bewusstsein und mit Josef, ihrem getrauten Mann, der die rechte Hand des Nikolaus war, lebte sie sichtlich auf als nun alles gereinigt und geebnet war.

 

Baltasar erlebte in seiner Frauenseele einen überherrlichen Geist und ein Wunsch wurde in ihm lebendig, o könnte ich auch eine solche Gehilfin haben, die in ihrer Mütterlichkeit immer zum Helfen bereit war. O wie viele drängten sich an diesem Tag an Jakobus, nur Danila und Josef nicht. Zu diesen beiden Menschen fühlte sich Baltasar hingezogen und der soviel und weit gereiste Mann erlebte ein Innenleben der beiden Menschen, dass es ihm warm im Herzen wurde. Danila sagte: „Bruder, Bruder, höchste Zeit war es, dass Jakobus kam. Schimba der immer auf meiner Seite stand, wurde auch innerlich beunruhigt, denn Simon ist als Prediger nicht zu verachten, aber das Liebesfeuer fehlte ihm, was wir so nötig brauchen. Was habe ich gerungen und gefleht zu Meinem Jesus? Aber alles war vergeblich. Die Kranken hatten das Vertrauen verloren. Immer mehr und mehr erkannte ich, wie der Feind alles Liebelebens unsere Liebe schwächte. Und nun, o Jubel, nun kann wieder diese erste und heilige Liebe aufleben und Nikolaus wird auch wieder froher und sorgenfreier werden.

 

Dir aber, lieber Bruder Baltasar, in dir keimt der Wunsch, o halte ihn fest, auch dir wird noch ein solches irdisches Glück erblühen, solches vernehme ich in mir, aber behalte es für dich.“ Nur einige Tage blieben Jakobus und Baltasar in der Siedlung Nikolaus und kein Zwischenfall brachte Beunruhigung. Der junge Römer schied von Jakobus im rechten Frieden, er ahnte nicht, was ihm Jakobus geworden war. So kam der letzte Abend – der Abschiedsabend. Kurz vorher kam wieder eine römische Patrouille und nahm, wie immer, Quartier bei Nikolaus und wie üblich, kamen auch die bei Nikolaus stationierten Soldaten in der großen Wirtsstube zusammen.

 

Nikolaus ließ sich nicht beirren – ein Fest sollte noch einmal alle vereinen, er konnte sich dadurch der ankommenden Soldaten nicht so widmen wie sonst üblich war. Leider hatte ein Soldat Unglück gehabt und war vom Pferde gestürzt. Die Soldaten hatten ihre liebe Not mit dem Kameraden. Als Nikolaus den Unterführer begrüßte, wurde er recht barsch behandelt und Nikolaus konnte sich nicht erklären warum – der sonst so freundliche Unterführer war gerade das Gegenteil und so fragte er ihn um die Gründe seines Verhaltens. Da sagte der römische Unterführer: „Freund, nimm es mir nicht übel, gerade heute, wo ich dich so nötig brauche, nimmst du keine Notiz von uns. Du hast es wohl nicht mehr nötig, sich um die zu kümmern, die bei dir einkehren?“ Nikolaus erstaunt über diese Worte, spricht: „Freund, was ist geschehen, womit habe ich deine harten Vorwürfe verdient? Du weißt doch, dass ein jeder, sei es wer es sei, ein Stückchen von Meinem Gott ist und ich allen das angedeihen lasse als wäre es Mein Herr und Gott.“

 

Der Unterführer: „So hast du es mir gesagt, aber nicht getan. Siehe ich habe einen Schwerkranken unter meinen Leuten und ausgerechnet heute werden wir von einem Knecht empfangen, den ich nicht bei dir sah. Willst du es mir verübeln, wenn ich meinem sorgenvollen Herzen einmal Luft mache! O Nikolaus, was habe ich in Angst gelebt um den kranken Kameraden. Jede Minute war mir kostbar und hier vergehe ich vor Angst, weil ich weder dich noch Josef zu Gesicht bekam.“ Nikolaus: „Lieber Freund, sofort soll für den Kranken alles Mögliche getan werden, dann sollst du erfahren, warum ich so abgehalten bin.“

 

Man hatte den Kranken in eine Kammer getan, die nur für die Römer reserviert war und Nikolaus ließ sofort Jakobus rufen, der sich auch augenblicklich zu dem Kranken begab. Dieser war in einem Stadium, wo jeden Augenblick das Ableben zu erwarten war. Jakobus legte ihm still betend die Hände auf und sein röchelnder Atem wurde ruhiger und leichter. Er sagte ganz leise: „Mutter, wie schön bist du, Mutter willst du bei mir bleiben, Mutter, Mutter, geh nicht fort, Mutter – Mutter!“ Immer ruhiger wurde er – dann öffnete er seine Augen, sah um sich und sagte mit leisen Worten: „Ist meine Mutter nicht hier gewesen?“

 

Jakobus spricht: „Deine Mutter ist noch hier, aber du kannst sie nicht mehr sehen, erst wenn du wieder gesund geworden bist. Hast du noch Schmerzen?“ Der Kranke: „Nein, lieber Freund, Schmerzen nicht mehr, aber ich bin so müde, lasst mich einschlafen und von meiner Mutter träumen.“ Da sagte Jakobus zu dem Unterführer: „Lasse ihn schlafen, er wird grässliche Schmerzen haben, wenn er erwacht, nun kommt es darauf an, ob er die Hilfe des Herrn annehmen wird. Du, Nikolaus, bitte ein Schwester, dass sie seinen Schlaf bewacht und mich sofort rufen lässt, wenn er erwacht.“ „Wird er leben“, fragte der Unterführer? „Ich finde noch keine Antwort“, sagte Jakobus“, liegt dir daran, dass er am Leben bleibt?“

 

„Sehr viel“, sagte der Unterführer, „ er ist mir als junger Mensch zur Schulung übergeben worden – er ist reich begabt.“ Jakobus: „Dann wollen wir beide uns einen im Gebet, dass er lebe als ein gesunder Mensch. Du glaubst doch an den Lebendigen und Ewigen Gott?“ Der Unterführer: „Eben nicht, mein Freund an den Göttern bin ich irre geworden und dein Gott gibt mir Rätsel über Rätsel auf. Gib mir etwas Greifbares in meine Hände, aber nicht etwas von seinem Mantel, dann werde ich der Eifrigste werden.“

 

Nun war alles lebendig in der großen Wirtschaft, man hatte gar keine Zeit, sich mit anderen Dingen abzugeben. Es sollten eben Jakobus und Baltasar zu Ehren alle zu ihrer Freude kommen, auch die Soldaten. Vergessen aber war nicht der Kranke. Die Pflege hatte Danila übernommen und betend erlebte sie göttliche Liebe und Erbarmung. Regte sich der Kranke, legte sie ihm die Hände auf die Stirn und sofort schlief er wieder ein. Josef, ihr Mann, kam öfter nachzuschauen, sie aber sagte leise: „Lasse mich hier bis alles zum Feste bereit ist und lasse eine Bahre anrichten, denn dieser Kranke soll nicht ausgeschlossen sein von der Liebe und Gnade, die wir heute von unserem Heiland Jesus erhalten.“

 

Es wurde auch so. Das Essen wurde in den Räumen der Herberge abgehalten und Nikolaus war hier ganz Herbergsvater. In einer Stunde war alles beendet. Geschlossen wanderten alle in den großen Erbauungssaal, wo alle genügend Platz hatten. Der Altar war wiederum geschmückt mit Blumen und Lichtern. An den Wänden brannten auch Lichter, so dass man alles gut übersehen konnte. Vor dem Altar stand die Bahre mit dem noch kranken Soldaten – was noch niemals geschehen war. Simon war verwundert, aber Schimba sagte: „Danila hat es angeordnet“, worauf Simon sagte: „hier habe ich aber anzuordnen und nicht Danila.“ Schimba schwieg und so war es gut, aber Jakobus hatte es doch bemerkt. Der Saal war voll, alle waren wieder gekommen. Neben der Bahre aber saß Danila. Simon leitete die Andacht mit Gebet ein und nach kurzen Worten bat er Jakobus, allen zu dienen.

 

Mit betendem Herzen trat Jakobus an den Altar und segnete alle, auch die Unsichtbaren, dann sagte er: „Meine Brüder und Schwestern und Freunde! Der eine Teil des Festes ist vorüber, den anderen und besseren Teil wollen wir aber nicht ohne Den feiern, Dem wir alles danken. Unserem geliebten Herrn und Meister Jesus, der im Geiste und auch persönlich unter uns ist! Dann haben wir Brüder unter uns, die noch niemals ein Fest erlebt haben in der Art, wie wir es heute feiern. Leider ist eine Festesfreude nicht möglich, so ein Kranker, ja fast Sterbender unter uns weilt. So soll unsere erste Sorge die sein, dass wir alle erfüllt werden von einer Freude, die uns als Geschenk verbleibt in allen Lebenslagen unseres Lebens. Darum wollen wir geeint bitten: O Vater der Liebe, o Vater des Lichtes, o Vater der Kraft und Herrlichkeit, bittend treten wir an Dich heran, der Du wahrhaft in unsere Mitte mit Deiner ganzen Liebe und Erbarmung bist. Lasse es zu, dass wir Deine Liebe verherrlichen und Dir danken mit dem Mund und mit dem Herzen.

 

Danila, du Berufene und von Seiner Liebe Erwählte, handle nach dem Zug deiner Liebe in dir und betend wollen wir dich unterstützen. Der ewige Vater sehnt Sich nach Kindern seiner Liebe, die in freiwilliger Liebe allen, die sich nach Beweisen Seiner Liebe sehnen, den Beweis erbringen, dass er unser Gott, unser Vater, Heiland und Erlöser in Seinem schwachen Kinde sich verherrlichen kann und will!“ Danila steht auf und spricht mit lauter Stimme: „Vater, Du ewige Liebe, Du Sieger über Alles was Leid hervorgerufen hat, Dich bitte ich im Angesicht aller, erfülle mich mit Deiner Kraft und Deiner Macht und Herrlichkeit – ja noch mehr, sei Du in mir, sei Du der Vollender meiner schwachen Liebe und heile diesen, Deinen kranken Sohn, damit nicht nur er, sondern alle erkennen Deine heilige Liebesmacht!

 

Du aber, mein Bruder, erstehe in Gesundheit und in der Sehnsucht, Den immer mehr zu erkennen, Der das Leben und die ewige Liebe ist und du zu einem Zeugnis werdest für ihn. Habe tausend Dank mein lieber Vater Jesus! Amen.“ Danila reichte dem noch daliegenden Kranken die Hand, er erhebt seinen Kopf und spricht: „Wo bin ich, hättet ihr mich doch dort gelassen bei meiner Mutter, wo es so schön ist; aber ein schöner Mann sagte zu mir: Zu einem Zeugnis sollst du mir werden – und nun bin ich hier.“ Alle waren erregt, noch niemals hatten die Anwesenden so etwas erlebt.

 

Da sagte Jakobus: „Liebe teure Herzen, bitte beruhigt euch, alles werdet ihr erfahren, doch seid euch alle eingedenk der Worte, dich ich euch sagte und wieder sage: Eine reine Freude kann nur Geschenk eines herrlichen Himmels sein! Gewiss, es waren Ursachen da, die uns zur Trauer stimmten, aber ist der ewige Gott als pure Liebe nicht immer bereit, alles Leid in Freude zu verwandeln! Wir erlebten Trauer, weil wir ein junges Leben vor uns hatten, welches zum Auslöschen war, wir erlebten, wie die ganze Liebe derer, die diesen Menschen geliebt haben, in seiner Not ihm am Nächsten waren – seine verstorbene Mutter. Wir erlebten, dass unser junger Bruder nicht mehr zurück wollte in unsere Welt, weil er in der Welt seiner Mutter so Überschönes erlebte. Muss uns das nicht zu ewigem Dank verpflichten, so wir Sterben und Leben mit einemmal so erlebten.

 

Du junger Bruder, dir wird es ein ewiges Rätsel bleiben, aber es sei dir gesagt, hätte dich die ewige Liebe in den Herzen derer, die dich umgaben, gelassen, wärst du gestorben oder mit einem Siechtum behaftet gewesen in deinem Erdenleben. Was dir geschah, musste uns allen dienen, was dir geschah, gibt dir eine neue Lebensschule. Wir möchten dich herzlich bitten, vergiss in deinem Leben niemals diese Stunde, denn du hast erlebt deine Mutter, hast erlebt ein Leben nach dem Tode und vor allem hast du erlebt die Liebe dessen, Der das ewige Leben Selbst ist und nicht den Tod der Menschen will! Leben sollen wir, leben ein Leben einer Gottähnlichkeit, leben ein Leben im Geiste Jesus, Der den Tod überwunden, uns wie allen Menschen Beweise des Lebens brachte, eines Lebens der Freude, des Friedens und ein Leben der Einung mit Gott, Dem Ewigen und Lebendigen!

 

Da dieses aber nicht nur Worte sein sollen, die euch verpflichten, so sollt ihr alle erleben Den, Der unseres Lebenswillen sterben konnte, damit wir ein Leben überkommen, was in Seinem Sterben geboren wurde!“ Alle Kerzen verdunkelten sich und im Lichte einer Klarheit sehen alle Jesus den Herrn. Einige schrieen auf, einige fielen auf die Knie, da sagte Schimba: „Künden soll ich euch, was Sein Mund spricht: `Kinder meines Herzens, Brüder meiner Liebe und Brautgemeinde meiner Sehnsucht! Durch einen Bruder darf ich zu euch sprechen, denn würde ich direkt zu euch sprechen, wäret ihr verpflichtet, mir zu glauben, weil ich aus meiner Allmacht zu euch spräche, aber so hat ein Bruder sich gedrungen gefühlt, sich zu entäußern, was er in sich hört als Meine Stimme.

 

Vieles hätte ich euch zu künden, aber wozu würde es euch dienen, es wäre doch so leicht, Alles von Mir zu erfahren, aber wäre es dann euer Eigentum? Darum bemüht euch, alles in euch so zu gestalten, dass ich in euch wohnen könnte, nach der Sehnsucht Meines Herzens. O wenn ihr nur ahnen könntet Meine Sehnsucht in euch zu wirken und zu handeln. So aber bin ich besorgt, weil der Lebensfeind die Schranken immer wieder durchbrechen will. Mein Simon, was hat du Mir gelobt als du Meine Liebe lebendig gefühlt und empfunden hast! O wie hast du dich geändert. Gefordert hast du ein sündenreines Leben, gefordert einen Glauben an Mich Den ewigen Gott, Liebe wurde dir zu einem Ärgernis und du hast Meine Liebe als Erster erlebt in dieser Gemeinde. Werde Liebe, lautere lebendige Liebe, dann kann erst wieder Mein Auge mit Wohlgefallen auf dir ruhen. Grolle nicht deinem Bruder Schimba, weil er ehrlich ausspricht was er von Mir übernommen hat!

 

Du, Danila, bleibe immer demütig und klein und ab heute soll auch dein Leib gesegnet sein, damit auch Deine Sehnsucht voll und ganz erfüllt werde. Du Nikolaus, du Vater aller deiner Kinder, als Stellvertreter an Meiner Stelle, halte doch im Herzen was dir geschenkt wurde durch deinen Bruder Jakobus. Da ich aber alle beglücken möchte nach dem Reifegrad eurer Seele, so sage Ich euch allen durch euren Bruder, dass ich euch allen eine Stunde die Augen öffne um zu schauen, was in und um euch lebt und liebt und eine Wahrheit werde über Dinge, die in Mir, Eurem ewigen Gott und Vater liegen. Seid gesegnet, damit ihr erstehet zum wahren und ewigen Leben. Mein Friede sei und bleibe bei, um und in euch! Amen.`“

 

Verschwunden war der Herr, aber allen waren die Augen aufgetan und ein jeder wurde entrückt in eine Welt, die in einem jeden seine Grundwurzel hatte. Ein jeder unterhielt sich ohne den anderen zu stören – auch die Soldaten – und am meisten der Unterführer, der da irre wurde, so er einen anderen ansprach, da der andere gar nicht hörte was wie von außen zu ihm gesprochen wurde. Vorüber war die Zeit, da war es stille um alle her und dann wurde es umso lebendiger, denn diejenigen, die es das es das erste Mal erlebten, glaubten, es wäre ein Traum, aber bald wurden sie von den anderen aufgeklärt.

 

Der Unterführer aber hielt sich nur an Jakobus und konnte nicht genug fragen. Auf eine jede Antwort hatte er immer wieder neue Fragen. Mit Schlafen wurde es nichts, denn alle waren so erfüllt und Baltasar hatte sein Wesen mit den Soldaten. Der so plötzlich Gesundgewordene hielt sich mehr an Danila. Sie war es, die in mütterlicher Liebe ihm alles geben konnte. Noch mehr zu berichten, ist nicht nötig, alle Herzen waren so voll, so bereichert an Freude, wie es noch niemals war. Gleich nach dem Morgenmahl machten sich Baltasar wie auch die Soldaten zur Abreise fertig und wie immer, gab es viel Tränen. Noch niemals hatte Jakobus erlebt, dass sie mit militärischer Begleitung Abschied nahmen.

 

 

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Rast in einem kleinen Dorf bei einem armen Herbergswirt

 

 

Nach einer Stunde Fahrt in den frischen Morgen sagte Jakobus: „Bruder, wir wollen zu der Herberge des Elegius, denn dort ist große Not und unsere Hilfe angebracht. Auf der Fahrt dorthin konnte so manches Krumme gerade und manches Schwache gestärkt werden; aber eines war offensichtlich "die Macht der Priester war gebrochen" nur wenige hatten noch Glück.“ Je weiter sie sich entfernten von Jerusalem, desto weniger Feindschaft erlebten sie, aber desto größere Irrtümer.

 

In einem kleinen Dörfchen unweit der Karawanenstraße hielten sie Einkehr. Baltasar war der Wirt unbekannt, aber Jakobus fühlte sich zu dem Wirt hingezogen und frug ihn, womit er dienen könnte. Der Wirt war froh, einen Menschen seine Not offenbaren zu können und sagte: „Ja mein Bruder im Herrn, es geht mir nicht sonderlich gut, an Gütern bin ich nicht gesegnet, aber desto mehr an irdischer Not. Seid mein Weib mir gestorben ist, muss ich mich mit meinen Kindern behelfen, aber die Kinder gehen eigene Wege, der Glaube an Jehova ist ohne Kraft und die Priester handeln wie die Herren. Mein Besitztum ist klein, Verkehr mit Menschen habe ich wenig, unser Ort wird gemieden, es kommt vor, das Römer hier einkehren und ihren Hunger und Durst stillen. Den einen Sohn, den ich habe und meine 4 Töchter werden immer unwilliger, weil es uns an den nötigen Mitteln fehlt, aber die Priester holen sich selbst ihren Zehnten und überlassen uns in unserer Not.“

 

Da spricht Jakobus: „Freund und Bruder, diese Klagen hört man überall, aber du hast doch Frieden in dir und um dich. Deine Kinder möchten in die Stadt und das ist deine Trauer; aber mein Freund, warum denn trauern um Dinge, die der Herr sofort ändern kann, bist denn du dir gar nicht bewusst, was alles in der Welt vorgegangen ist? Freilich, in dem Glauben unserer Väter kommen wir so schnell nicht aus der Not, weil wir auf den Tempel mit seinen Priestern hofften. Ist dir nicht bekannt, welchen Helfer wir in dem Heiland von Nazareth hatten?“ Der Wirt: „Freund, spreche nicht davon, denn es ist verboten, den Namen auszusprechen, geschweige an Ihn zu glauben. Es war mir nicht vergönnt, einmal mit einem Nazarener zu sprechen. Wie gern möchte ich die reine und ganze Wahrheit erfahren, aber bisher war es vergeblich.“ Da spricht Baltasar: „Freund, wir haben noch keine Verbindung miteinander gehabt, die halbe Welt kenne ich und sie mich. Ein halbes Leben habe ich auf der Landstraße zugebracht und doch habe ich die Wahrheit über den Heiland und Wundermann vernommen und sie mir zu Eigen gemacht. Heute ist deinem Hause Heil widerfahren, denn mein Bruder hier ist ein Jünger des Heilandes Jesu.“

 

„Du“, sagte der Wirt zu Jakobus, „du bist einer der Jünger, dann sei herzlich willkommen. Endlich einmal einer, der uns etwas bringt, was uns froh machen könnte. Sag mir ehrlich, was ist die Wahrheit um Jesus den Gekreuzigten, der nach drei Tagen wieder zum Leben erstanden sei und Sein Wesen immer noch treibe?“ Baltasar: „Freund, diese Antwort wirst du in einer Stunde erhalten. Hole deinen Sohn und deine Töchter, bald wirst du Arbeit bekommen.“ Der Wirt ging hinaus und rief seine Tochter, sie soll ihren Bruder und die Schwestern holen, ihre Anwesenheit mache sich sehr nötig. Kaum war der Wirt wieder zurückgekommen, kommt ein Fuhrwerk, beladen mit 3 Männern und zwei Priestern. Ohne zu grüßen betraten sie die Stube und verlangen Brot, Salz und Wein. Der Wirt geht, bringt Brot und Salz und spricht: „Wein habe ich keinen im Hause, ich kann nur mit Wasser aus meinem Brunnen dienen.“

 

„Du hast noch Wein im Hause“, sagte der Priester, „denn dein Wein, kann noch nicht alle sein, den du gekauft hast.“ Der Wirt: „Ich habe keinen Wein mehr im Hause, sieh doch selbst nach, wenn du meinen Worten nicht glaubst. Wie froh wäre ich, den Fremden einmal Wein vorsetzen zu können um meine Herberge bekannter zu machen.“ Mürrisch nehmen sie Brot und Salz und stillen ihren Hunger und den Durst mit Wasser. Inzwischen kommt der Sohn mit seinen Schwestern und begrüßen die Gäste. Erst jetzt wird der Priester gewahr, dass noch zwei Gäste in der Stube saßen. Er steht auf und spricht zu dem anderen Priester: „Komm nur mal her, kennst du den im jüdischen Kleid?“ „Gewiss“, sagte der Gerufene, „das ist einer von den Zwölfen, die mit ihrem Meister gingen.“

 

Er ging an den Tisch, wo Jakobus und Baltasar sitzen und spricht: „Also sehe ich auch einmal einen, der immer den Volksbetrug unterstützte, was hast du hier zu suchen, in Jerusalem wird es dir wohl zu brenzlig.“ Jakobus, in aller Ruhe bleibend, spricht: „Du nennst mich einen, der Volksbetrug unterstützt! Wenn ich also so einer bin, was seid da denn ihr? Unser Meister brachte überall wo Er hinkam, Frieden, Freude und Gesundheit. Nenne mir nur einen Priester, der Ähnliches getan hätte, dann würde ich mich demütig vor dir beugen. Da du mir aber keinen nennen kannst, so verlange ich, dass du mir einen Volksbetrug nachweist. Kannst du es nicht, werde ich dir ein Wetter machen, wie du noch keines erlebt hast, denn du bist gekommen um das Haus auszuplündern, ihr aber nennt es "den Zehnten einholen".“

 

Ganz rot wird der Priester. Er möchte in seiner Wut auf Jakobus stürzen, da reckt Jakobus nur die Hand hin und spricht: „Im Namen Jesus des Gekreuzigten und Auferstandenen, schweige und bleibe stumm, denn mit Teufeln kann es keine Gemeinschaft geben.“ Der Priester will sprechen, es ist ihm aber unmöglich, ein Wort zu sagen, da spricht der andere Priester: „Ja was ist dir, sprich doch.“ Es ist aber nicht möglich, ein einziges Wort zu vernehmen, es klingt wie ein Grunzen eines wunden Tieres.

 

Da spricht Jakobus: Gebt euch keine Mühe, eure eigene Wut und euer Hass ist es, da vor dem ewig Göttlichen kein Teufel mehr bestehen kann. Ich gebe euch aber den guten Rat, kehrt um und macht die Familie nicht noch unglücklicher als ihr sie schon gemacht habt!“ Da spricht der andere Priester: „Ich kann dich nicht verstehen, wie du als ein Nazarener eine Macht ausstrahlst, der mein Oberpriester nicht gewachsen ist. Bist du willens, mich auch machtlos zu machen?“ „O nein“, sagte Jakobus, „das will ich bestimmt nicht. Was ich tat, war nötig, denn ich könnte es mir nicht verzeihen, wenn dein Oberpriester der unglücklichste Mensch würde.“ „Wieso erkläre es mir“, sagte der Priester, „ich bin schuldlos an dem ganzen Vorgang und wie kommst du dazu, meinem Oberpriester vorzuwerfen, er wolle das Haus ausplündern?“ Jakobus: „Stelle dich nicht so unschuldig, du weißt es besser als ich es dir sagen könnte. Ist es nicht so, dass ihr den Zehnten holen wolltet, weil der arme Wirt nicht kann. Komm herbei du ehrlicher Wirt mit deinen Kindern. Ist es nicht so wie ich es sagte?“

 

Der Wirt: „Darf ich denn vor einem Priester etwas sagen? Denn solange sie in meinem Hause sind, habe ich ja gar kein Recht mehr. Es ist wahr und bedenklich, dass sie mit 3 Männern kommen, hat bestimmt seinen Grund. Ich habe kaum soviel, dass ich bis zur Ernte auskomme, weil mir schon fast alles fortgeschafft wurde!“ Jakobus: „Darum mussten wir kommen und dir offenbaren, was dir geschehen wäre. Deine Kinder hätte man dir fortgeschafft und dich allein gelassen und diese Herberge wäre ein guter Platz geworden für die Templer, weil hierher keine römische Kontrolle kommt. Willst du das leugnen, du Priester aus des Tempels Gnaden?“ Der Priester schweigt – der Wirt und seine Kinder sind ganz bleich von den Enthüllungen, aber Jakobus spricht: „Rede und sage die Wahrheit, aber nicht vor mir, sondern vor dem Freund Baltasar, der Vollmachten als Römer hat!“ Noch schweigt der Priester.

 

Da spricht Baltasar: „Warum schweigst du? Oder willst du, dass auch dir wird, was deinem Oberpriester wurde. Wir sind nicht eure Feinde, sondern Gläubige, aber im Geiste des Auferstandenen Jesus.“ Der Priester schweigt. Da ruft Baltasar die 3 Männer und fragt: „Wisst ihr, was hier geschehen sollte? Es geschieht euch gar nichts – aber redet die Wahrheit. Wenn wir auch keine bewaffneten Männer sind, in dem Auferstandenen Christus aber haben wir eine unüberwindliche Macht, wie ihr es an eurem Oberpriester erlebt habt. Er ist so ohnmächtig, dass man mit ihm machen könnte was man wollte. Also ich bitte darum, dass ihr enthüllt, was hier geschehen sollte.“

 

Da sagte einer zu dem Priester: „So rede doch, du bist ja unschuldig und musst tun was man von dir verlangt.“ Da spricht der Priester: „Was geschieht mir unserem Oberpriester, wenn ich spreche; denn mein Eid bindet mich.“ Baltasar: „Dann ist es schlimm, wenn du um deines Eides willen schweigst, denn die Männer werden sprechen, da sie kein Eid bindet, wir aber sind nicht eure Feinde, sondern bereit, jedem zu helfen, wer da guten willens ist.“ Nun enthüllte der Priester einen Plan, vor den die Bewohner erschreckten; aber dann bat er um Gnade für seinen Oberpriester, weil er auch nur das Werkzeug des Tempels sei.

 

Da sagte Baltasar zu dem Wirt: „Du alter treuer Jude, was willst du tun? Stelle dich unter meinen, d.h. römischen Schutz, löse dich vom Tempel, der sich zu verbrecherischen Umtrieben hergibt und werde ein Römer, wie ich einer geworden bin. Die Urkunde bekommst du sobald wie möglich und wehe, wer sich an dich und deinem Eigentum vergreift. Du aber, weil du offen warst, rate ich dir, löse dich vom Tempel, weil es keinem Priester mehr möglich sein wird ein wahrer und rechter Priester im Sinne Jehovas zu werden. Du aber, du alter treuer Wirt, kaufe noch zu deinem Grundstück was du kaufen kannst, das Geld wirst du von mir erhalten und ich werde veranlassen, dass hier eine römische Siedlung wird, die Vertriebenen eine Heimat werden soll.“

 

Da sagte der Priester: „Herr, dürfte ich hier bleiben, ich sehe ein, welch ein Abgrund sich mir aufgetan hat, denn vor meinem Oberpriester graute mir schon immer.“ Baltasar spricht: „Gut, wir wollen es im Auge behalten, denn hier, unser Jakobus, ist der maßgebende und nach seinen Worten wollen wir uns richten. Was sagst du nun, du treuer Wirt und Herbergsvater?“ Der alte Wirt spricht: „O ihr lieben, lieben Menschen, wenn ihr nun nicht gekommen wäret – o was wäre alles geschehen. Ich kenne den Oberpriester besser als nur ein Mensch ahnt. Was der alles auf dem Gewissen hat, langt keine Ewigkeit um es zu sühnen. O wenn der jetzt könnte, würden wir etwas erleben. Gern bin ich bereit, mich vom Tempel zu lösen, wenn es keine Sünde ist, gern will ich alles tun was von mir gefordert wird, denn das strengste römische Regiment wird leichter zu ertragen sein als das Regiment der Tempelpriester. Wie oft habe ich gebangt um meine Töchter, wenn ich die Gefangenen gesehen habe, die durch die Templer durch uns gespeist und gesättigt wurden. Jede Woche kommen hier Transporte durch und jedes Mal werde ich durch dieselben ärmer.“

 

Baltasar – sah Jakobus an und sagte: „Was sagst dein Herz zu alledem. Gibt es nicht deine Möglichkeit, dieses zu unterbinden?“ „Doch Baltasar“, sagte Jakobus, „da müsste aber dein Treiber mit dem Sohn des Wirtes versuchen, eine römische Patrouille zu erreichen suchen, denn ohne Soldaten ist kein Druck auszuüben vor der Tempelmeute. Doch wollen wir warten bis der Vater gesprochen hat.“ Nun wurde es ruhiger. Der Oberpriester blieb ruhig, er hörte aber jedes Wort, was gesprochen wurde und solange, bis die Töchter ein gutes Mahl bereiteten, wurde dem Wirt und seinem Sohn, den Knechten und Baltasar’s Treiber, der sich zu den Knechten gesetzt hatte, das Evangelium Jesus vorgetragen, welches ruhig und still gehört wurde. Mit keinem Wort versuchte der Priester etwas einzuwenden, bis der alte Wirt sagte: „Ja Freunde, das klingt ja ganz anders als wie wir es hörten. Da tauchen doch tausend Fragen auf und doch klingt alles so natürlich. Wir haben viel gehört und gesehen und uns gesehnt nach der Gelegenheit, auch einmal den Wundermann zu sehen und zu sprechen, aber wir waren ja arm, konnten uns die weite Reise nicht erlauben und dass wir nicht zu Schätzen kamen, da sorgte schon der Tempel dafür.“

 

Da sagte der Priester: „Freund, es soll anders werden, gern will ich von meinen Gütern dir abgeben, was du benötigst, ich habe weder Weib noch Kind, mich hindert nichts als nur der Tempel. Gebt mir Gelegenheit, dass ich mich löse, lasst mich hier wohnen und euch helfen, euren Grund mit zu bebauen und gebt mir Zeit und Gelegenheit, mich einzuleben und zu vergessen, was ich an Gräueln mit verübt habe auf Befehl des Tempels. Aber was soll mit dem Oberpriester geschehen?“ Da spricht Jakobus: „Mein Freund, was würdest du mir vorschlagen? Denn wird er frei von dieser Lähmung, wird er noch viel wütender werden, da du ja offen Verbrechen über Verbrechen geschildert hast – und er hat alles mit angehört. So soll er auch jetzt hören, was du nun vorschlägst.“ Der Priester: „Mein Vorschlag wäre der, ihn dem Tempel auszuliefern, was der mit ihm macht, weiß er – er hört auf ein Mensch zu sein.“ Jakobus: „Das geht aber nicht, denn Retter und Helfer sollen wir ja werden, das ist der Sinn der großen Heilandsliebe. Im Tempel geht er unter, also muss ihm Gelegenheit gegeben werden, seinen Sinn zu ändern. Was sagst du alter treuer Wirtsvater dazu?“

 

Der Wirt: „Was soll ich sagen, am liebsten würde ich ihn hier behalten, bis er ein anderer geworden ist, aber wer soll ihn pflegen? Meine Töchter würden es ablehnen, mit diesem Menschen unter einem Dach zu leben, denn sie haben ihre guten Gründe.“ Da spricht Baltasar zu Jakobus: „Was nun? Ich sehe es ein, mit diesem Verbrecher wird wenig zu machen sein. Löse ihm die Zunge, lass ihn zu Worte kommen, aber mache ihn nicht frei von der Lähmung, bis er gesprochen hat.“ Da spricht Jakobus: „Gut, aber erschreckt nicht was ihr zu hören bekommt. Im Namen Jesus sei deine Zunge gelöst und spreche du aus, was mit dir geschehen soll.“

 

Der Oberpriester brüllte wie ein Tier, welches toll ist. Beleidigungen über Beleidigungen fließen nur so über seine Lippen. Da sagte Jakobus ganz ruhig zu ihm: „Verblendeter, höre auf mit deinem Brüllen. In unserer Liebe reichten wir dir die Hand um dir den Weg zu ebnen zu dir selbst, aber du hast es nicht gewollt. Du warst einer der Schlimmsten, der Unseren Meister Jesus gegeißelt hat, du warst einer der Schlimmsten, der Beleidigungen über Beleidigungen über Ihn schrie. Du hast die Worte gehört, die der Meister am Kreuze ausrief: Vater – vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun! – Jetzt hast du dich selbst gerichtet. Vor einem römischen Gericht wollten wir dich bewahren, aber du hast es nicht gewollt.

 

Ich benutze die Worte, die unser Meister sagte: `Ich wollte euch alle versammeln, aber ihr habt es nicht gewollt!` Solange wirst du stumm und gelähmt bleiben, bis ein römisches Gericht dir Wohnung und Pflege gibt. Benutze die Zeit gut, es soll noch eine Gnadenzeit für dich sein, denn wir handeln nach den Worten unseres Meisters! Bestien und Raubtiere muss man in Zwinger tun, denn nichts anderes bist du!“ Da atmeten die anderen auf – nun erlebten sie einen Teufel, wie er nicht anders sein kann. Da sagte der Sohn zu allen: „Schön ist etwas anderes, o wie wollen wir Jesus danken, dass Er uns bewahrt hat vor diesem Menschen, der kein Mensch, sondern ein purer Teufel ist. O Jakobus, du Helfer und Diener einer Gottesliebe, gib uns Anweisungen, wie wir handeln sollen, denn was soll ich noch einem Priester glauben!“

 

Jakobus: „Bruder, lasse dich nicht irre machen von denen, die nur dem Scheine nach Priester sind, was du gehört hast von mir, wie ich unseren Meister und Seine Mission darstellte, was du von Vater und Mutter gelernt hast, reicht vollkommen aus, ein Leben zu leben, welches dich immer mehr und mehr dem Gottessohne Jesus näher bringt. Liebe deinen ewigen Gott als einen liebevollen Vater, werde Bruder aller Menschen und du wirst Ihn erleben als Den, der Er ist von Ewigkeit zu Ewigkeit, dein Gott und Vater, dein Heiland und Erlöser. Heute wirst du noch mehr erfahren aus Seiner Liebe, Gnade und Erbarmung!“ Der Oberpriester wurde gar nicht mehr beachtet – alle waren ruhig geworden. Nach dem Mahle konnte Baltasar noch mehr erzählen von den Führungen Gottes, die ihn auf seinen Wegen begegneten. Alle waren Auge und Ohr für die Erzählungen.

 

Dann wurde von einer Tochter die Bitte laut, doch von Jesus, dem Heiland und Wundermann noch einiges zu erzählen, der nun Jakobus gern nachkam. Mitten in dem Erzählen werden Hufgetrappel laut und der alte Wirt spricht: „Es kommen noch Gäste – ich bin gar nicht erbaut, wenn abends spät noch Gäste kommen.“ Schon wird scharf geklopft. Zwei Soldaten bekehren Einlass, die sich aber verwundert umschauen als der alte Wirt geöffnet hatte. „Ist heute ein Trupp Soldaten hier vorübergezogen“, fragte der eine, „wir haben uns verirrt, wir suchen unsere Truppe.“ „Nein“, - war die Antwort, „aber wo wollt ihr noch hin mitten in der Nacht“, fragte der Alte – „denn weiter kommt ihr doch nicht mehr. Wartet bis zum anbrechenden Tag, dann kann euch die rechte Auskunft werden – kommt nur herein – eure Pferde wird mein Sohn füttern und tränken – ihr seht nicht zum Besten aus.“

 

Gern wurde das Angebote angenommen, da sagte Jakobus: „Sorget euch um nichts mehr, ihr seid in guter Hut, eine halbe Stunde von hier lagert euer Trupp!“ Da sagte einer: „Gott sei Lob und Dank, das war ein harter und schwerer Tag – wir hatten schwere Anstände mit der Karawane. Wir hatten Befehl, Hilfe zu holen bei einem Kommando, welches aber erst morgen kommen kann. Nun wird unser Unterführer warten, wir kommen aber nicht. Wie aber kannst du wissen, Freund, dass eine halbe Stunde von hier unser Trupp lagert?“

 

Jakobus: „Freund, du glaubst doch an den Wahren und Ewigen Gott? Dieser, dein Gott, ist auch der meine und dieser offenbarte es mir!“ Der Soldat: „Dann freue ich mich doppelt. Bist du auch ein Anhänger des Auferstandenen? Wenn nicht, dann wird es aber höchste Zeit, denn alle Lande sind voll der höchsten Freude, obwohl auch das Leid eine furchtbare Sprache spricht – was wir heute wieder erlebten.“ Baltasar spricht: „Ich freue mich über dich, mein Bruder, weil du in Gegenwart eines Priesters und Oberpriesters dich offen zu dem Auferstandenen bekennst!“ „Priester hin oder her – wir können doch nicht angetastet werden. An Römern hat sich noch kein Priester gewagt. Was ist mit dem da? Ist er krank oder will er nicht, dass ihm geholfen wird.“ „Beides“, antwortet Baltasar; „denn sie waren bis heute Feinde Jesu und dieser wird euch noch Arbeit machen! Und dieser hat sich abgewendet vom Tempel.“

 

Der Wirt brachte nun genug zu essen und trinken. Dann baten die beiden um ein Lager neben ihren Pferden – sie seien müde und abgewirtschaftet. „Was sagst du nun, Jakobus“, fragte Baltasar. „Ist nicht wiederum offenbar die Führung unseres Gottes und Vaters?“ „Doch“, sagte Jakobus, ich schlage aber vor, wir wollen uns zur Ruhe begeben, denn ich sehe noch nicht klar – im Gegenteil – ich fühle Beengung!“ Schon sehr zeitig war der alte Wirt auf den Beinen und hat gesorgt, dass eine Suppe auf dem Tisch stand, weil die beiden Soldaten zeitig wegwollten. Jakobus, der auch schon zeitig sein Lager verlassen hatte, sagte zum Wirt: „Lasse deinen Sohn mitreiten auf einem Pferd, welches dem Tempel gehört. Die Soldaten wissen nicht was hier geschehen ist und dein Sohn könnte doch veranlassen, dass der Trupp Soldaten hierher zu euch alle Gefangenen bringt, die sie gemacht und befreit haben!“

 

So wurde es auch. Der junge Sohn wusste Bescheid, als ihm Jakobus die Lage schilderte wo der Trupp lagerte. Gegen Mittag fuhren auch 5 Wagen und an 20 Reiter in den Hof des armen Wirtes und der Führer Jakobus sehen, herab vom Pferd und ihn umarmend war das Werk eines Augenblickes. Jakobus war gerührt von der Freude. „O, dass wir uns hier wieder sehen“, rief immer wieder der junge Römer „ – ja – wie kommst du denn hierher?“ Jakobus sagte: – „Ich bin auf der Fahrt zu Elegius – hier kommt mein Bruder Baltasar!“ „Baltasar, endlich lerne ich dich auch kennen, von dir habe ich viel, sehr viel gehört – doch nun alle Freude beiseite – ernste Pflichten habe ich zu erfüllen. Es ist mir geglückt, dem Tempel wieder eine wertvolle Ladung abzujagen, es ging hart her, ich brauche Hilfe, denn ohne Hilfe schaffe ich es nicht.“

 

Jakobus: „Doch, mein Julius, es wird gelingen, aber ich habe auch Sorgen. Hier ist ein Verbrecher großen Stils, ich fühle, 10 Jahre Galeeren werden ihn kaum ändern. Besessen von einer Legion schrecklichsten Dämonen!“ „Aus deinem Munde, Jakobus, muss ich das hören. Du, der du die höchste Liebe vertrittst?“ Jakobus: „Leider, mein Julius – er hat sich selbst das Urteil gesprochen. Hier sind Zeugen, dies es bestätigen.“ Was nun der alte Wirt erlebte, war ihm etwas ganz Neues. Gefesselte Treiber, arme, von aller Kleidung entblößte Männer und Frauen, schmutzig und unsauber – die Soldaten in gemessener Entfernung – schauten mit harten Blicken auf die Menschen. Hier wurde nun Baltasar lebendig. Jetzt kam er in sein Element und bat Julius, doch hier Anweisung geben zu dürfen. Die große Gaststube wurde zu einem Lazarett. Die Töchter waren bereit, alles zu tun, denn vor diesem Bild brach die erbarmende Liebe durch. In der Küche brannte auf dem Herd das Feuer um Wasser und ein Essen zu bereiten; aber woher nehmen, soviel war nicht im Hause, um alle satt werden zu lassen. Baltasar aber, gewohnt auf den Wagen alles zu durchsuchen, fand Lebensmittel genügend vor – und die erste Not war überwunden. Aber Julius hatte einen schweren Stand, denn zwei Priester waren gebunden, dass sie sich nicht rühren konnten. Sie blieben vorläufig auf dem Wagen liegen, der von einem Soldaten streng gehütet wurde.

 

Die Treiber wurden freigelassen als sie bekundeten, sie seien nur Gezwungene zu diesen Diensten. Sie fügen sich gern, was von ihnen gefordert wird. Nach zwei Stunden waren alle gesättigt und endlich konnte man alles übersehen. Was Julius mit den Priestern unternahm, beteiligte sich Jakobus nicht im Geringsten, er beschäftigte sich mit den befreiten Männern und Frauen, die alle um Jesu willen in das Elend gekommen waren. Wie atmeten sie auf in der Lauterkeit der Jakobus-Liebe, wie erstaunten alle, als sie erlebten die göttliche Kraft aus Jakobus geoffenbarter Liebe. Der alte treue Wirt und seine Kinder waren wie neugeboren an Kraft und dienender Liebe. Am Abend, als sich alle zur Ruhe begaben, war ein Tagewerk für den Herrn vollbracht, was Baltasar freudig bezeugte. Doch lange noch war Jakobus mit Baltasar und Julius zusammen – alle anderen waren müde und ruhebedürftig.

 

Am anderen Tag kam die große Frage, wohin mit den befreiten Schwestern und Brüdern? Zu Nikolaus – meinte Jakobus, Baltasar meinte- hier bleiben und für Wohnung und Arbeit sorgen, da der Grund fruchtbar war und genügend Wasser vorhanden. Julius gab Baltasar Recht, er wollte veranlassen, dass Mittel und Material herbeigeschafft werden und machte zur Bedingung, dass alle römische Untertanen wurden. So sandte nun Julius einige Soldaten an eine Kommandostelle mit einem Bericht und bat um einen Kommissar. Mit den gefangenen Priestern sprach er so wenig wie möglich, um den Verhandlungen nicht vorzugreifen. Den zwei Priestern und dem gelähmten Oberpriester wurden die Fesseln abgenommen. Sie wurden aber stark bewacht und nur mit Brot und Wasser genährt. So ist aus der großen armen Herberge eine viel größere geworden, denn Julius hatte aus sich heraus soviel Grund und Boden dem armen Wirt übereignet, dass er sich als Großgrundbesitzer ansehen konnte, worüber der Sohn eine übergroße Freude hatte. Es gab genug Wald, genug Acker und Weideland, nur Vieh fehlte, was Baltasar beschaffen wollte und dazu den abreitenden Soldaten das nötige Material mitgab.

 

Julius wusste, dass Jakobus und Baltasar zu Elegius wollte. Er sprach aber zu keinem, dass er auch hinwollte. Jakobus aber war so feinfühlig und fragte nicht einmal nach den Gründen – er ahnte aber alles. Seine Mission betrachtete Jakobus und Baltasar als beendet und sagte nun, dass er am nächsten Tag zu Elegius weiterreisen wollte. Da sagte Julius: – „dann komme ich mit – in drei Tagen kann ich wieder zurück sein,“ und übergab einen seiner Vertrauen das Kommando. Ungern sahen alle Jakobus scheiden, aber ihre Herzen waren alle vollgefüllt von heißem Dank gegen den heiligen Gott und Vater in Jesus. Jakobus versprach zurückzukommen, er müsse aber zu Elegius, da der Meister in ihm ihn dazu dränge.

 

 

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Weiterreise zur Herberge des Elegius

 

 

Frühzeitig ging die Fahrt hinein in den frischen Morgen und Julius ritt mit noch 2 Mann als Begleitung mit. Der Tag wurde ein heißer, aber Baltasar’s Diener hatte gut vorgesorgt an Essen, Futter und Wasser. In den heißen Mittagsstunden wurde in einem kühlen Wald eine längere Rast gehalten und wieder gab es nur ein Gespräch – Jesus der Auferstandene – und das im Menschen ringende Jesusleben aus Seinem Geiste. Endlich konnte Julius Jakobus voll und ganz verstehen. Julius aber war noch nicht frei von den ihm angeborenen Ehr- und Gerechtigkeitsbegriffen und klagte sich selbst an, dass ihm noch viel an der Liebe fehlte, die Jakobus immer und immer vertrat.

 

Jakobus aber sah seinen jungen Bruder Julius ins Gesicht und sagte: „Die kann dir auch der Meister Jesus nicht wegnehmen, das musst du selbst tun – Er aber will dir gern helfen!“ Julius: „Ja Bruder, warum geht es noch nicht? Wenn ich nach meiner Liebe gehe ist alles gut, aber wenn ich sehe das Unrecht und die Verbrechen gegen das wahre Menschliche, da möchte ich zuschlagen und vergesse, dass ich an Liebe doch ein Vorbild werden soll.“ Jakobus: „Bruder , nimm es nicht so tragisch, denke immer daran, dass keinem Menschen etwas geschenkt werden kann, denke daran, dass auch der Meister schwer ringen musste und denke daran, dass wir Menschen um der Anderen willen hier unsere Aufgabe zu erfüllen suchen müssen. Um das "Wie" ist nun unsere eigene Sache! Er, unser Meister Jesus, gibt die Kraft und auch das Gelingen!“

 

Julius: „Jakobus, du mein lieber Bruder, kann ich mir auch Etwas erbitten von unserem Vater und Meister Jesus?“ Jakobus: „Gewiss, mein Julius, wenn es deiner Seele nicht zum Schaden ist, wird Er dir jede Bitte erfüllen – doch die Zeit und Erfüllung liegt an der Reife deiner Seele. Es müsste dir doch klar sein, dass wenn du die Ewige Liebe um etwas Grosses bittest, Er auch mit dir Grosses erreichen will und was ist das Größte? Ein Herz voller Demut und wahrer Liebe, wodurch du jederzeit in Harmonie mit dem Meister der Liebe in Verbindung bleibst.“

 

Julius spricht: „Mein lieber Jakobus, kann man mit Jesus immer in harmonischer Verbindung bleiben, wenn ich menschliche Sehnsüchte, weltliche Verpflichtungen oder unliebsame Entschlüsse fassen muss? Denke an die Priester, die auf ihre Verurteilung warten müssen. Es ist mir unerträglich, alle diese Dinge mit Gott, unserem heiligen Vater zu regeln. Was sagst du dazu?“ Jakobus: „Nichts, mein lieber Julius, nicht weiter als: O heiliger Vater der Liebe, erfülle mich ganz in Deinem Geiste. Du bist der Stellvertreter Gottes in diesem Falle. Du hast versucht, in Güte und Liebe ihnen zu helfen, aber sie lehnen ja deine Hilfe ab.

 

Wisse: Das Heil aus Gott kann nur denen zugute kommen, die eines guten Willens sind. Was machst du mit einem bissigen Pferd? Du gibst ihm einen Beißkorb und nimmst ihn nur ab, wenn er Futter zu sich nehmen muss. So handle auch an Menschen, die keine Menschen sind, sondern Teufel, jedoch nur solange wie sie solche sind. Gottes Liebe und Erbarmen geht weit, aber sie kann auch warten – geduldig warten!“ Julius antwortet: „O, mein Jakobus, eben das Warten, das geduldige Warten ist noch eine große Schwäche!

 

Julius wurde stiller und stiller. So konnte sich Jakobus nur noch mit Baltasar besprechen und als sich die Sonne neigte, kamen sie bei Elegius an, der sie mit großer Freude begrüßte und sie alle ins Haus führte. Janna erschrak als sie Jakobus und Julius sah und eilte rasch in die oberen Stockwerke. Was ist los, dachte Jakobus, und rasch eilte er Janna nach, die oben in ihrer Kammer war. Janna sich an Jakobus lehnend sagte: „Jakobus, dich muss der Liebe Heiland Jesus hergeführt haben, heile mich von der Liebe zu Julius. Ich bitte dich, heile mich, denn ich habe mich ja mit meinem Jesus vermählt, wie kann ich da eines Mannes Weib werden?“

 

Jakobus: „Janna, was muss ich hören, o wie arm muss noch die Liebe zu deinem Jesus sein, wenn du die Liebe zu Julius als Sünde ansiehst. Gewiss, du hast dich Ihm angelobt für die ganze Ewigkeit, aber deswegen kannst du doch das Weib eines guten und ehrlichen Mannes werden und sein! Die Liebe zu Jesus ist ein Heiligtum und kann tausendfältig ausstrahlen über die, die guten Willens sind. Julius hat kein Wort zu mir gesagt, auch er leidet innerlich, aber seine Lippen sprachen kein Wort über das, was er leidet. Ich bitte dich, komm herunter und lasse wahre und reine Freude in deinem Herzen lebendig werden.

 

Janna: „Jakobus, du mein Bruder, gern will ich. O, du nimmst mir den Druck von meinem Herzen. Ja, ich bin unfähig, den Kranken zu helfen, ich bin ja selbst krank aus Liebe zu Julius, dem ich so oft wehe tat meinem "nein – ich darf nicht". Und nun darf ich wirklich? O Jakobus, sage es mir noch einmal, was mich so frei macht "ich darf einem Mann gehören, der mich liebt"? Jakobus: „Du darfst nicht nur, sondern du sollst sogar, denn Julius ist in Gefahr, sich zu verlieren, wenn ihm nicht Hilfe kommt!“

 

Beide gingen in das Gastzimmer, wo nun schon alles lebendig war. Alle aus der Küche und einige Fremde scharten sich um Jakobus. Janna aber ging zu Julius, umarmte ihn und sagte: „Mein Julius, ab heute will ich dein Weib sein, wenn du mich noch an deine Brust nimmst. Es war Eigenliebe von mir, ich betrachtete meine Liebe zu dir als Sünde!“ Julius: „Janna wie glücklich machst du mich und wie froh bin ich, mit nach hier gegangen zu sein. Ich habe ernstlich unseren treuen Jesus gebeten, alles so zu führen, wie es uns beiden zum Heile diene.“ Als sich nun die Freude bei allen gelegt hatte, sagte Julius zu Elegius: Vater, es ist soweit! Unser Jesus, unser treuer Gott und Vater hat unsere Herzen freigemacht von dem Übel der falschen Begriffe. Wir haben uns gelobt, als ein Ehepaar Gott zu dienen, ich bitte dich, gib auch du uns deinen Segen!“

 

Noch eine Karawane fuhr in den Hof, aber den Wirt beunruhigte es gar nicht weiter, er hatte genug Leute, die da halfen, alles in Ordnung zu bringen. Auch der Karawanenführer war ein guter Bekannter des Elegius und er sagte zu ihm: „Elegius, ich bin in einer Not, einer meiner besten Knechte ist krank, würdest du ihm Pflege geben gegen Entgelt bis ich wieder komme.“ „Aber Freund, welche Frage“, sagte Elegius. „Solange es nötig ist, aber habe ich dir früher nicht gesagt, dass mein Gott, wenn Er der deine würde, sich auch deiner Not erbarmen würde.“

 

Der Karawanenführer: „Elegius, fange doch nicht schon wieder damit an, ich kann nicht, denn die Diener deines Gottes haben mich fast an den Bettelstab gebracht!“ „Das gilt nicht, mein Freund“, sagte Elegius, „es waren nicht Diener meines Gottes – mein Gott ist Liebe und wieder Liebe, es waren faule und schlechte Diener – oder hast du noch keine faulen und schlechte Knechte gehabt?“ Der Karawanenführer: „Wenn du es auf das Irdische anwendest, muss ich dir recht geben, aber warum verhindert es dein Gott nicht? Siehe, täglich begegnen wir solchen Dienern, wenn ich könnte und die Macht hätte, alle müssten sie gesteinigt werden!“

 

Elegius: „Wir wollen uns nicht verlieren mit unseren Meinungen, sondern bringe deinen Knecht in eine Kammer, dann wollen wir weitersehen; denn ich bin in einer der größten Freuden, heute soll noch Hochzeit gefeiert werden. Die Glücklichen sind Janna und ihr Bräutigam Julius.“ „Du Elegius, wie oft feiert deine Tochter denn Hochzeit? Mir wurde erzählt, dass sie sich dem Wundermann angelobt hat, der gekreuzigt und von den Toten wieder auferstanden ist!“ Ganz recht“, sagte Elegius, „aber deswegen bleibt sie doch die Braut ihres Bräutigams Jesus, und dieser hat es erlaubt, wünscht es sogar, dass sie das Weib eines Mannes wird, der sich auch dem Wundermann Jesus angelobt hat.“ Der Karawanenführer: „Das verstehe ich nicht, Elegius, soweit reicht mein Verstand nicht!“

 

Der Knecht aber wurde in das Gastzimmer gebracht. Janna wollte es, dass an diesem Knecht auch die Liebe ihres Heilandes Jesus sich offenbare. Hilfsbereit waren alle in der Gaststube. Jakobus aber sagte zu Janna: „Schwester, nun erlebe die Freude des Herrn Jesus, wie Er dich wieder mit himmlischer Kraft erfüllt hat. Tue an ihn, wie es deine von Jesus Geist erfüllte Liebe will.“ Janna: „Du machst mir Hoffnung, Jakobus, denn meine Gebete waren unwirksam geworden, aber wenn du es mir sagst, dann mein Jesus erfülle Du mich ganz wie früher mit Deiner Kraft!“

 

Janna fühlte wie sie durchströmt wurde. In ihrem Herzen war ein Jubel, sie sagte zu sich: „Mein Jesus, Du meine einzige Liebe, endlich erlebe ich Dich wieder darum mein Jesus soll es dir erste Tat wieder sein, diesem armen Bruder zu helfen!“ Sie kniete nieder vor dem Lager des Kranken, legte ihre Hände auf sein heißes Haupt und sagte: Mein Jesus dein Wille geschehe, Deine Kraft erweise sich als die Stärkere, reinige und läutere Du diesen Bruder so, dass er erstehe in Gesundheit um Deiner Liebe willen. Amen. Ein Ruck ging durch diesen kranken Körper, er erhob sich und sagte: „Mädchen, was tatest du mir Gutes! Um mich war es so dunkel, ich fühlte mich so verlassen, ein Feuer brannte so heiß in mir, aber es verbrannte mich nicht. Habe Dank, denn licht wurde es um mich. Ich sah dich und noch einen Mann, den ich schon einmal gesehen habe; aber wo und wann?“ Er erhob sich vom Lager und sah sich um.

 

Da spricht Janna: „Du warst sehr krank, aber der Heiland Jesus hat dich wieder gesund gemacht!“ Der Knecht: „Mädchen, ich bin nur ein armer Knecht und bin noch so unrein. Lasse mich erst richtig waschen, denn mit reinen Händen möchte ich dir danken und dich fragen "lebt der Heiland Jesus noch"?“ Janna wurde von Julius gesucht, der überhaupt nichts von dem Geschehen wusste. Der Knecht zog sich zurück als er den Römer sah. Julius aber sagte: „Bleibe noch einen Augenblick, ich muss wissen, was ist mir dir geschehen?“ Der Knecht: „Herr, frage das Mädchen, was sie mir Gutes tat. Ich weiß es noch nicht. - Ein Jesus soll mich gesund gemacht haben!“ Janna klärte Julius auf. Da war Julius erfreut und sagte: „Janna, nun werden wir uns nicht mehr trennen von unserem Herrn und Meister Jesus – aber jetzt wirst du gebraucht.

 

Julius nahm diesen Knecht mit sich und ließ sich von seinem Herrn unterrichten, der so erstaunt war, seinen Knecht so gesund zu sehen. Er sagte: „Herr, was ist geschehen, denn an ein Gesundwerden habe ich gezweifelt. Elegius sagte wohl, wenn sein Gott der meine würde, so würde Er sich auch meiner Not annehmen. So aber hat der Gott Elegius vorschnell gehandelt und mich zum Schuldigen gemacht.“ Da spricht Julius: „Lieber Freund, so ist es nun nicht, denn Gott wurde angefleht von meinem Weib Janna, ihm die Gesundheit wiederzugeben, es geht doch nicht an, in Gegenwart des Herrn und Meisters Jesus, Der unser aller Gott und Herr ist, bei meiner Hochzeitsfeier einen Sterbenden unter uns zu haben. Hättest du dich gefreut, so er gestorben wäre?“ „Nein, Herr, tiefe betrauert hätte ich ihn, denn er ist einer meiner Besten und Treuesten. Wie fühlst du dich, Berno, hast du noch Kopfschmerzen?“

 

„Nein, lieber Lourdes, mir ist so wohl, aber noch weiß ich nicht, was mit mir geschehen ist.“ Julius gibt ihm die Hand und spricht: „Freund, alles wirst du erfahren, aber wirst du es glauben, was Dir gesagt wird? Darum ist es wichtig, dich in Geduld zu fassen – alles sollst du erfahren.“ Elegius aber sagte: „Freunde, macht euch alle bereit, mit uns ein Fest zu feiern. Ihr werdet da Dinge erfahren und erleben, dass ihr dann über die Heilung dieses Freundes kein Wort mehr zu sagen braucht. Fragt nicht, warum die Hochzeit so übereilt wird – so sage ich euch allen, weil wir heute Abend einen Priester, einen Stellvertreter unseres Gottes und Vaters unter uns haben – unseren geliebten Bruder Jakobus.“

 

Da sprang der Grieche Lourdes auf und fragte: „Wer ist Jakobus, bist du es“ – auf Jakobus zueilend! „Ja, ich bin es mein Bruder, nun ist dein einziger großer Wunsch erfüllt und du siehst mich leibhaftig als einen Menschen!“ „Jakobus, dich nur einmal sehen, mit dir einmal zu sprechen ist mein stilles Verlangen. Was ich hörte, hat mich konfus gemacht, hat mich in einen Zweifel gebracht und bin irre an allen Göttern auch an Deinem Gott. Also – du bist wirklich ein Mensch wie ich und alle anderen?“ Jakobus: „Ja, Bruder Lourdes, der bin ich noch und werde auch ein Mensch bleiben bis in alle Ewigkeit, auch wenn ich meine Fleischeshülle abgelegt habe nach dem Willen meines Herrn und Gott.“

 

Da gab es nun ein Hin und Her – auch Baltasar beteiligte sich sehr stark mit, da er ja ein Landsmann des Lourdes war. Es wurde nun auch Elegius angeordnet, dass sich alle festlich kleiden sollen so gut es eben ging – dann kurz das Nachtmahl einnehmen und dann sollte die Trauung stattfinden – so will es der Herr und ewige Gott! Doch was heißt festlich kleiden – gewaschen und sauber kamen alle, nur Janna trug ein weißes Kleid ohne jeden Schmuck. Das Essen begann mit einer kleinen Ansprache, die Jakobus auf die Bitte des Elegius hielt und dem Mahl eine Bedeutung zuwies als eines Abendmahles mit dem Herrn. Nachdem das Essen eingenommen war, wurden alle Tische abgeräumt und nur eine Lampe brannte auf jedem Tisch. Im Hintergrund befand sich ein kleiner Altar – ganz einfach und primitiv – darauf brannten 7 Lampen. – Dorthin begab sich Jakobus und das Brautpaar nahm vor dem Altar Platz.

 

Dann nahm nach alter Sitte der Hausvater Elegius die Trauung vor und segnete das neu vermählte Paar und alle Versammelten, die stehend der Trauung zusahen –sie waren somit die Trauzeugen. Jakobus segnete nun noch einmal im Namen und im Geiste Jesus Christus das Paar und sprach: „Der heilige Friede sei mit euch allen. Es ist des ewigen und heiligen Gottes Wille, dass wir uns hier versammeln dürfen zu diesem Heiligen Fest, wo sich zwei Menschen für ewig verbinden um zu verherrlichen ein Leben in Gott, dem Schöpfer und Erhalter alles Geschaffenen. Diesem ewigen und wahren Gott hat es gefallen, selbst Mensch zu werden um als Mensch unter Menschen sich zu offenbaren als der Ewige und Wahre, als das Licht und das Leben, als der Herr über Leben und Tod! Obwohl Seine Darniederkunft als Mensch seit Adam schon allen verheißen, nahm Ihn fast niemand an als Den, der Er in Wirklichkeit war. Sein Leben war fast nur ein Dienen und ein Schenken, ein immer neues Zeugen von Seiner inneren Liebe, die Er Vater nannte.

 

Doch sie haben ihn nicht gewollt mit Ausnahme weniger. Die ihn aber annahmen, wurden erfüllt mit einem Frieden, einer Freude und einer Hoffnung, die sich schon in ihrem Erdenleben verwirklichte. Denn das Größte und Beste war doch nur dies, Gott ist uns Mensch und Bruder geworden und haben ein ewiges Leben in uns erlebt, was allen Tod überdauert und für ewig fortleben wird! Dieser Mensch, Jesus mit Namen, musste aber, um allen ein Erlöser zu werden, das Härteste und Schlimmste an sich tun lassen, was uns, Seinen Jüngern, Seinen Freunden, das Schlimmste und Ärgste war: Er starb am Kreuze und es schien, als wenn alles umsonst gewesen wäre. Nach drei Tagen aber stand Er mitten unter uns als der Sieger über allen Tod, als der Überwinder über alles Weh und Leid, als der Helfer der Bedrückten und Elenden und wir erlebten Seine Herrlichkeit – wie auch heute wieder Seine Herrlichkeit erlebt wurde, an diesem, unseren Bruder Berno!

 

Du lieber Julius und Du, liebe Janna, ein Heiliges Erbe habt ihr beide übernommen, ein Heiliges Vermächtnis wurde euch zuteil, mit anderen Worten: Euer Leben soll zu einem Gottesleben werden! Immer sollt ihr mit Ihm, dem heiligen und ewigen Gott und Vater in einer ständigen Verbindung bleiben und dafür einstehen, dass dieses Leben aus Ihm allen werde! Seit ihr bereit, dieses auch zu bezeugen vor allen denen, die hier aus Zeugen zugegen sind – dann bezeugt es mit einem "Ja! "“ Als beide gleichzeitig mit einem "ja" geantwortet hatten, sagte Jakobus: „Ohne Ihn ist es kaum möglich, darum sollt ihr alle, die ihr hier seid, erleben, wie es auch unserem Herrn und Meister Jesus eine Herzenssache ist und so erschreckt nicht vor dem Großen Wunder Seiner Liebe!“

 

In diesem Augenblick sehen alle Augen auf Ihn und Er spricht durch den Mund Jakobus: „`Kindlein, freut euch mit Mir, dass ich euch sichtbar segnen kann! Du, Julius, sei und bleibe ein Kämpfer für Meine Wahrheit und du Janna, bleibe ein Gefäß Meiner Liebe! Wahrheit und Liebe ist gleich dem Lichte und dem Leben, keines kann ohne den anderen bestehen! Ihr aber als Zeugen erlebt nun Meine Liebe, die sich einem jeden offenbaren will, aber nicht, dass ihr gezwungen werdet, an mich zu glauben, sondern erleben sollt ihr alle Meine unsagbar große Liebe und Erbarmung! Sehet meine Hände und Füße, die sichtbaren Zeichen Meiner Liebe zu allen, allen Menschen und Wesen, sehet Meine Klarheit, dass ich es vollbringen konnte, dass ihr alle Mich als Den erschauen könnt, was eure Liebe aus Mir macht. Ich aber muss wieder für euch unsichtbar werden, weil ihr alle noch nicht reif seid, Mich zu ertragen. Doch meine Liebe hat vorgesorgt und alle, die mit Mir in inniger Harmonie verbunden bleiben, wird das Herrlichste als Mensch zuteil.

 

Darum wurde ich Mensch um allen Menschen einen Geist zu hinterlassen, der euch alle in die Wahrheit und Weisheit aus Mir leitet um dadurch Mir ähnlicher werden zu können. Eurem Äußeren nach lebt ihr wohl noch zuviel in eurer Sinnenwelt, aber mit Mir oder in Meinem Geiste könnt ihr euch vergöttlichen nach dem Zuge eures Herzens und nach der Reife eurer Liebe zu Mir. – Je inniger ihr mit Mir verbunden bleibt, desto reicher werdet ihr in eurer Innenwelt als das Reich Gottes in euch – und je ähnlicher ihr Mir werdet, desto mehr könnt ihr Mich schauen. Es ist aber vorerst doch nur der Anfang auf der Stufenleiter zu Mir, denn je mehr Ich in euch wirken kann, desto mehr Kräfte fließen euch dauernd zu. O – könntet ihr alle ahnen, was Ich in und aus Meiner Liebe und Erbarmung in euch Alles legte! Keines Menschen Auge und keines Menschen Ohr hat es je gesehen oder vernommen, welche tief verborgenen Herrlichkeiten in euch liegen, die aber nur geweckt, gepflegt und gefördert werden können in der Liebe zu Mir und all euren Schwestern und Brüdern. Ein jeder Einzelne von euch trägt mehr in sich als eure Augen sehen und euer Herz empfinden kann. aber eines erlebt schon jetzt ein Jeder von euch, dass ein tiefer Frieden, eine heilige Freude euch belebt und fähig macht, Kräfte aus Mir aufzunehmen und auszustrahlen.

 

Du meine Janna, hast es erlebt, als du Mich nicht mehr so empfandest wie früher, da waren deine Kräfte so gering geworden, dass du dich kaum selbst aufrecht erhalten konntest und in dem Augenblick, wo deine Liebe zu Mir wieder lebendig wurde, konntest du Leben spenden – ja – ein Leben, welches verlöschen wollte, konntest du aus Meinen Liebe- und Lebenskräften neuen Auftrieb geben. Doch von nun an sollst nicht nur du, Janna, sondern ein Jede aus euch kann und darf es, weil Ich aus Meiner Liebe ja einen Jeden befähige, Mich in sich aufzunehmen, dass es gar keinen Unterschied bedeuten würde, Kräfte nach außen zu stellen, die Ich als der Menschensohn nach außen stellte. – Wie der Vater in Mir wirkte, so will Ich in euch wirken, wie Ich mit dem Vater eins werden musste, so ersehne ich Mir, dass ihr mit Mir so eins werdet, wie Ich mit dem Vater eins wurde.

 

Du Lourdes, heute erlebst du die Erfüllung deiner Sehnsucht, du wolltest den wahren und ewigen Gott erleben, Ich stehe nun vor dir als wie ein Mensch im Fleisch und Blut, bitte ergreife Meine Hände und lege deine Finger in Meine Seitenwunde damit du gefestet bleibest in den Stunden der Prüfung, die noch an dich herantreten werden. Mein Wille war es, dass du jetzt hier bist und Mich erlebst als den wahren und ewigen Gott, der dir jetzt Bruder geworden ist.`“

 

Da sagte Lourdes: „O Jesus, es ist nicht nötig, dass ich Dich berühre, mein Inneres sagt mir, nur Du kannst es sein, weil Deine Augen nicht lügen können, denn Du kannst bis auf den Grund meiner Seele schauen!“ „`Berno, auch du erstehe zu dem Leben, welches dich zu meinem Bruder macht, denn in dir war es Nacht und jetzt ist es Tag geworden. Lasse es niemals mehr in dir zu einer Finsternis werden, denn du erlebtest einen Hauch der Ewigkeit als Meine Gnade. So vernehmt noch in dieser für euch heiligen Stunde, dass es für keinen zu schwer oder zuviel werden könnte, denn Ich bin bei euch, wenn ihr Mich rufet, aber immer in euch, wenn ihr Mich liebet, aber nicht so, wie ihr Mich jetzt sehet, sondern wie Mein Bild in euch Mich gestaltet.

 

Für meine Kinder will Ich nicht mehr der Gekreuzigte sein, sondern der Auferstandene und ewig Lebende. Am Kreuz bin Ich für einen jeden Einzelnen gestorben, aber auferstanden bin Ich für alle und darum kann Ich zu einem Jeden kommen als der ewig Lebende Gott und Vater, Freund und Bruder, je nach dem Bild "Ich" in euch leben darf. So werde Ich, so wie Ich euch sichtbar wurde, wieder unsichtbar werden, aber dafür sollt ihr alle erleben und erschauen, was um und unter euch sich befindet. Meine Liebe, Meinen Segen und Meinen Frieden den lasse ich zurück und je nach eurer Liebe soll sich alles auswirken aus Mir und von Mir. Amen.`“

 

Noch eine Stunde erlebten sie alle die Liebe und Gnade des Vaters Jesus, dann sagte Jakobus: „Erschreckt nicht, wenn eure Augen geschlossen werden, es soll euch ein bleibendes Erleben sein, es war kein Traum oder Traumerlebnis, sondern ein Blick in eure Innenwelt, die natürlich so bewohnt ist, als wäre es außer euch. – Ordnungsgemäß wollen wird das Fest beenden, aber zusammenbleiben können wir, solange wir Lust haben. Denke aber keiner, dass ich nur für den einen oder anderen da bin, ich bin im Sinne des Vaters Jesus für alle da; aber eine Bedingung knüpfe ich daran, wir wollen nur um des Heiles unserer Seele uns auf dem Boden bewegen, der uns allen dient, um recht bald zu den Segnungen zu gelangen, die uns die Reife bringen. Ich bitte euch alle um einige Minuten Stille und innere Einkehr.

 

Du aber, du liebevollster Vater, bist immer noch gegenwärtig. Ich danke Dir im Namen aller für Deine so überreiche Gnade und Liebesfülle. Du schaust in unsere Herzen und kennst unser Sehnen und hast wiederum alle Sehnsucht gestillt, o wenn wir doch alle als Deine Kinder auch Deine Sehnsucht so stillen könnten, wie Du es immer tust. Deine Liebe, Deine Worte, o möchte doch alles Liebe und Leben in uns allen werden, um Dich so erfreuen zu können, wie Du es immer tust. Dein Name werde gepriesen, Deine Liebe soll Strahlen aus uns senden, um allen beweisen zu können – Du bist unser heiliger und bester Vater, unser Herr und Gott bis in alle Ewigkeit. Amen.“

 

Nun war das Fest vorüber, aber noch lange dauerte der Strom der Empfindungen und aller Rede Sinn war der – wenn doch der Vater uns immer sichtbar bliebe. Vor allem war Lourdes mit Baltasar in ein tiefes Gespräch gekommen, immer wieder rollte Baltasar Erlebnisse auf, die auf Lourdes wie ein sanfter Regen wirkten, darum sagte er: „Lieber Freund, das hätte ich niemals gedacht, dass gerade du diesen wunderbaren Geist des Auferstandenen so darstellen und mir so begreiflich machen kannst. Nun haben wir ein und denselben Gott, so müssen wir auch ein und dieselbe Liebe haben – nur das kann ich vorläufig glauben; aber was wurde heute uns allen offenbart, ein Leben aus Gott, also ein Gottesleben sollen wir leben? O Baltasar, mich ergreift eine Sehnsucht, etwas, was ich noch nie erlebt habe. Ein Leben aus Gott – welches Leben habe ich bis jetzt gelebt?“

 

Baltasar: „Dein Eigenleben, denn die Götter, da sie nicht da sind, können kein Leben spenden. Also hast nicht nur du, sondern auch ich und alle Menschen nur ihr Eigenleben gelebt, welches den Stempel des Todes trägt. Gottesleben aber kennt keinen Tod und Vergehen, weil es ewig ist. Darum wurde der ewige Gott Schöpfer aller Himmel und Erden und alles was darauf ist, selbst Mensch auf unserer Erde und hat sie als die erste dazu ausersehen, dass sie die Keimzelle werde aller Liebe und des Lebens!“

 

Lourdes: „Bruder Baltasar, das ist mir noch zu hoch, aber deine Worte haben eine Überzeugungskraft, das ich gar nicht anders kann als zu glauben. Schon Berno’s Heilung, dann das Erleben mit Jesus dem Auferstandenen, dann die Traumgesichte und vor allem die Freude, die Ruhe, das Vergessen aller Nöte und Sorgen, so etwas könnten alle Götter nicht hervorrufen. Da – sieh hin – wie einträchtig sie alle Jakobus Worten lauschen, es ist auch nicht einer, der nicht voll befriedigt wäre. So gehe ich nun auch in diesen Frieden und Gedenken weiter und Berno wird für mich der Mahner sein auf meinen Fahrten und Wegen.“ Alles nahm ein Ende, auch diese Nacht, die keinem als Nacht erschien, denn nicht nur gereinigt waren die Herzen, sondern neu erfüllt mit den herrlichsten Gaben des Geistes aus Jesus Christus.

 

Janna aber war übervoll des Glückes durch Jakobus und sah nun ihren Julius als das Geschenk ihres Jesus an. Sie sagte: „Jakobus, mein lieber Bruder, nun ist mein Glück vollkommen, ich weiß, dass unser aller Jesus der Inhalt meines ganzen Lebens sein und bleiben wird, denn in Julius sehe ich die verkörperte Liebe meines Gottes und Vaters und die Liebe, die ich Julius entgegenbringe, ist das Geschenk Jesus für meine Treue.“ Jakobus: „Janna, bleibe in diesem Geiste und nun will ich dich nochmals segnen. Erstehe in deiner Liebe ganz in Seinem Geiste und glaube felsenfest, dass in dir Seine Kraft, Seine Liebe und Sein Leben verankert ist und alles was du tust in und aus diesem Glauben wird so sein, als tut es Jesus selbst!“

 

Julius hatte ein Drängen zum Abreiten, darum wurde beschleunigt aufgebrochen, denn die Priester und die Gefangenen lagen als eine Last auf seiner Seele. Darum war der Abschied kurz und Baltasar war es recht. Jakobus aber blieb still, denn vor ihm lag Unangenehmes und Julius war ein Pflichtmensch, den er nicht beeinflussen durfte. Nach einer kurzen Rast sagte Jakobus zu Julius: „Mein Bruder, die Pflicht drängt dich, aber mich drängt auch die Pflicht. Du musst nach weltlichen Gesetzen handeln und so bitte ich dich als Bruder "bleibe Mensch", denn auch die Verbrecher sind Menschen. Wenn möglich, reiche allen die Hand zu ihrer Besserung!

 

Wir weichen nun bei der nächsten Kreuzung ab, um zu unserem neuen Ziel –Rakka– zu kommen. Ich sehe in mir einen Rittertrupp mit einem Kommissar, den werden wir dir zu deiner Hilfe senden. Baltasar wird dir Vollmachten geben um bei dem Wirt das Nötige zu veranlassen, dass dort eine Zufluchtsstätte und ein Heim wird zur Aufnahme vieler.“ Julius wusste, widersprechen ist nutzlos, denn Jakobus wusste, was der Herr mit ihm vorhatte. So war es nun beschlossen, bis zur Trennung empfing nun Julius noch besondere Anweisungen. Baltasar schwieg zu allem, gab aber gern alle Vollmachten und Versprechungen für das gedachte und nach dem Herrn gewollte Hilfswerk.

 

Tage des Friedens, Tage des Stillseins kamen, für Abwechslung sorgten die Karawanen-Straßen, wo Baltasar oft Gast war mit seinem Bruder Jakobus, der nun erleben konnte die Frucht des Gotteslebens in und aus Baltasar. Je näher sie Rakka kamen, desto mehr Menschen begegneten sie, aber mit ihrem Fuhrwerk hielten sie nicht an. Baltasar war so froh, ungestört mit Jakobus zu sein, denn er wusste, die Ruhe und das Alleinsein mit Jakobus hat bald aufgehört.

 

 

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Ankunft in Rakka bei dem Priester Arius

 

 

Angekommen in Rakka fuhren sie zu Arius. Dieser war so überfüllt von Freude und umarmte ihn, wie auch Baltasar. Dann sagte er: „Brüder, wir haben ein Heim, eine kleine Herberge. Dort werdet ihr wohnen und für Baltasar und seinen Knecht ist genug Raum.“ Arius führte die Brüder selbst in das Heim, welches auf beide einen guten Eindruck machte. Unten war ein kleiner Saal, nebenan die Gasträume. Oben Wohnräume für die Insassen und wenn nötig für Gäste. Jakobus und Baltasar bekamen ein solches Zimmer mit einem Ausblick in den Garten, wo gerade einige Frauen arbeiteten. Jakobus schaute gerade hin zu den Frauen, da sagte eine: „Schau Mutter, ist das nicht Jakobus?“ Da schaute die Ältere hin und schrie: „Jakobus du – komm Amela – lass alles liegen, es ist Jakobus!“ Da eilten die Frauen hinauf in die Gästestube und konnten kein Wort sagen – beide lagen an seiner Brust und weinten.

 

Da spricht Jakobus: „Amalie und Amelia, warum denn weinen, wo Freude am Platze ist?“ „Bruder Jakobus, wir haben uns nach dir gesehnt, du ahnst nicht, wie nötig du gebraucht wirst, nur noch eine kurze Zeit, dann sind wir wieder beim Götzendienst angelangt. Alles Reden ist umsonst. Der gute Arius hat die Kraft nicht, alledem entgegenzutreten.“ Jakobus spricht: „Nicht so, liebe Schwestern, der Herr weiß um alles, auch um eure Not. Darum sind wir nach hier gekommen. Lassen wir alles an uns herankommen, noch hat der Vater nicht in mir gesprochen!“ Alle gingen nach unten. Da Baltasar sich um gar nichts zu kümmern brauchte, wich er auch nicht von Jakobus Seite. Jakobus aber sagte: „Bruder, jetzt verstehe ich meine Beengung, wir wollen noch eine größere Liebe walten lassen, ich sehe mit aller Ruhe den Dingen entgegen.“

 

Arius hatte inzwischen für ein Mahl gesorgt. Amelia aber sorgte dafür, dass es bekannt wurde, dass Jakobus gekommen sei. Ein gewesener Priester mit seiner Frau war aber nicht sonderlich erbaut von der Botschaft, dass Jakobus gekommen sei. Sofort eilte er nach dem Heim, um sich zu überzeugen. Auch noch andere kamen eilends und voller Freude, so dauerte es nicht lange und die Stube war voller Menschen, wo gerade Jakobus und Baltasar noch nicht sättigten.

 

Da fragte der gewesene Priester Arius: „Hast du Jakobus bestellt?“ Arius antwortete: „Bruder, wie kommst du auf diese Frage, sieh doch die Freude der anderen – willst du dich nicht freuen?“ „Arius, genügen dir die Offenbarungen nicht, die du von meinem Weibe erhältst? Sind die Offenbarungen Jakobus wichtiger, denn die meines Weibes?“

 

Jakobus schwieg, denn er fühlte, hier hat sich ein falscher Gast breit gemacht – da hörte er, wie Arius sagte: „Bruder Jakobus danken wir, dass wir vom Heidentum abgekommen sind, wir haben die Gegenwart Jesus erlebt, erleben Seine Wunderkraft, so wir getreu der Weisung folgten -einer diene dem anderen-. Seid aber Wurka, die treue Seele, von uns gegangen ist, dein Weib aber die Stelle der Wurka einnahm, ist auch die Wunderkraft und die Gegenwart Jesus immer weniger geworden. Darum freue ich mich, Jakobus in unserer Gemeinde wieder zu sehen. Bestellt habe ich ihn nicht, aber in jedem Gebet habe ich es meinem Jesus gesagt, dass ich die Anwesenheit des Jakobus ersehne.“

 

„So ersehnt hast du Jakobus, dann können wir ja gehen, aber wisse, Arius, Jakobus wird nicht immer hier bleiben, warten wir ab, wie sich die Gemeinde stellt zu allem. Meinst du, dass der Gott, der sich durch mein Weib offenbart, ein anderer ist als der Gott durch Jakobus?“

 

Jakobus schwieg, noch mahnte ihn sein Inneres zur Ruhe. Arius schwieg auch, aber Amalia sagte: „Bruder Milosch, immer, wenn du da bist, kommt es zu Meinungsverschiedenheiten, eines ist sicher, durch dein Weib ist noch kein Kranker gesund geworden, aber viele wurden krank durch die Maßnahmen deines Weibes. Soweit ist es unter uns gekommen, dass nur dein Weib das Bestimmende geworden ist und wer nicht mit deinem Weibe ging, wurde krank. Brauchst nicht zu erschrecken, Helena, nun wird es sich erweisen durch Jakobus, ob ich zuviel gesagt habe.“

 

Da spricht Arius: „Jakobus, es ist ohne meinen Willen soweit gekommen, dass du mit hineingerissen wirst in die Gegensätze, die sich hier mit jedem Tag vergrößern. Es ist Wahrheit, an Liebe fehlt es nicht, aber dieser Liebe fehlt die Kraft. Amalia hat Recht, kein Kranker wird mehr gesund. An Gebeten fehlt es auch nicht. Meinen Mahnungen wird nicht stattgegeben, dass ein jeder in sich suchen soll die Verbindung mit unserem ach so liebevollen Jesus. Schwärmerei wird mir vorgeworfen, dabei ist es mein Bestreben, ganz natürlich zu bleiben. Alles, was du mir als den Leiter dieser Gemeinde an mein Herz legtest, habe ich getreulich getan. Aber seit Helena sich zur Leiterin unserer Gemeinschaft gemacht hat, ist der Friede dahin. Bleibe ruhig, Helena. Jakobus wird wissen, was er mit dir verhandeln wird, ich jedenfalls bin froh, dass ich einmal offen sprechen darf, was mich längst aufs Tiefste niederdrückte. Gehet alle heim. Heute Abend wird uns Bruder Jakobus dienen, alle sind geladen, auch du, Milosch mit deiner Helena.“

 

„Wir kommen“, sagte Helena, „ich werde selbst einladen gehen, damit ja keiner fehle. Du aber, Arius, sieh zu, dass die Kraft, die du bei mir vermisst, dich nicht zu Boden drückt.“ Jakobus war im Bilde, Baltasar aber lächelte – das war nach seinem Herzen. Jakobus wird reinen Tisch machen und alles Krumme wird gerade und alles Schwankende wird fest gerichtet bleiben. Der Abend brachte das gewohnte Bild, alles war bis auf den letzten Platz gefüllt, nur der Platz am kleinen Altar, auf dem ein kleines Kreuz und ein brennender Leuchter stand, war noch leer. Arius begrüßte alle mit herzlichen Worten und gab seiner Freude Ausdruck, Jakobus hier zu sehen. Er bat Jakobus, der Gemeinde zu dienen.

 

Jakobus ging an den Altar, hob seine Hände und segnete die Gemeinde. Er sagte: „Liebe Brüder liebe und Schwestern, durch die Gnade unseres Liebemeisters wurde ich hierher zu euch geführt. Lange hat es gedauert bis ich wieder zu euch kommen konnte, denn hinter mir liegen harte, aber auch herrliche Zeiten. Ich will euch nicht etwas Neues sagen, weil ja in euch allen das Samenkorn aufgegangen ist, was ich euch aus der Gnade Jesus, dem Lebendigen und wahren Gott in euch legen durfte. Der Same ist das Wort, die Frucht aber das Leben aus Gott! Was ich euch schenken durfte bei meinem früheren Hier sein war die Frucht meiner Liebe zu Gott, die in Jesus, dem Gottessohn mir und uns allen so groß und gewaltig offenbart wurde. Die Zeichen, die ich aus der Gnade Gottes tun durfte, war nicht ich, sondern Jesus Christus in mir.

 

An Worten seid ihr gesättigt, aber an Werken der Liebe seid ihr ärmer geworden. Wo habt ihr eure Kranken? Warum habt ihr sie nicht mitgebracht. hab ich euch nicht offenbart, dass es des Meisters Jesus herrlichste Art war, erst Zufriedenheit und frohe Herzen zu machen, damit Sein herrlichstes Wort zur Entfaltung komme und es sich als Frucht offenbare? Darum bitte ich euch, holt eure Kranken, die da gehen können und ab morgen in der Frühe könnt ihr die bringen, die nicht gehen können; denn, wie kann sich die Herrlichkeit Jesus besser offenbaren, wenn Er Kranken und Leidenden ihre Sehnsucht nach Heilung und Erlösung vom Übel erfüllt. Darum – wer den brennenden Wunsch hat – der gehe und folge dem Zuge seines Herzens.“

 

Mehrere gingen, Jakobus aber empfand es nicht als Störung, sondern in seinem Herzen war Freude. Wenige Minuten vergingen, da kam schon eine Mutter mit ihrem kranken Kind und setzte sich vor den Altar, wo ihr Platz gemacht wurde. Noch einige kamen und es fehlten immer noch einige. Da sagte Helena zu Jakobus: „Bruder, wenn du es als das Höchste ansiehst, Kranke zu heilen, wie kommt es, dass Gott die Menschen krank werden lässt?“ Jakobus: „Helena, nicht Gott lässt die Menschen krank werden, sondern Er lässt es nur zu. Die Menschen aber sind fast alle selbst schuld, weil ihre Seelen krank sind. Im Grunde will Gott aber weniger den Körper heilen als die Seele. Hast du aber mit mir zu sprechen, Helena, dann bitte ich, es auf morgen zu verschieben, denn in dir sehe ich Abneigung gegen mich. Aber eines sollst du wissen, ich möchte, dass du deine Abneigung zu mir in ein Vertrauen zu mir umwandelst, damit dir nichts Arges widerfahre!“

 

Nun waren alle da. Helena konnte oder mochte nichts erwidern. Arius sorgte dafür, dass alle Kranken vorn am Altar platziert wurden. Jakobus sagte: „Brüder und Schwestern, vergesset das eine nicht, Gott unser Vater will als Vater erkannt sein und keinem von euch wird Er die Hilfe versagen, so ihr aus der Demut eures Herzens darum ernstlich bittet! Doch nur diese Bitten wird Er erhören, die zum Heile eurer Seele dienen. Du Mutter, dieses dein Kind wird leben, doch musst du doppelten Glauben aufbringen um der anderen willen. Amalia, du sagtest, kein Kranker wird mehr gesund. Du hattest den Mut, mir dieses zu bekennen, das Gegenteil sollst du erleben.

 

Ich aber frage euch, die ihr Hilfe ersehnt, könnt ihr glauben, dass Jesus Christus noch derselbe ist, wie Er als Mensch lebte? Könnt ihr glauben, dass Er in Seiner Liebe für euch und alle Menschen in den Tod gegangen ist um euch und uns allen ein Leben zu geben, welches ewig währet? Dann wollen wir zum seligen Werk schreiten und Ihn, unseren treuesten und liebevollsten Vater Jesus bitten.“

 

Ein "ja" kam von aller Lippen, da betete Jakobus: „Liebevollster Vater, Herr und Gott, geoffenbaret in Jesus dem Menschen- und Gottessohn, bittend kommen wir zu dir in dieser nächtlichen Stunde. Du allein kennst alle unsere Sehnsucht, Du allein kannst jede Sehnsucht stillen, offenen Herzens bitte ich Dich, o Vater, offenbare aufs Neue wiederum Deine Liebe, Deine Kraft und Macht und Herrlichkeit und gieße den Strom Deiner Liebe in ihre Herzen, damit sie geläutert und gereinigt werden für Dich und Deine Liebe, damit sie gesunden zu ihrem Heile, Dir aber zur Freude! So habe innigen Dank, nur Dein allein heiliger Wille geschehe! Amen.

 

Ihr aber, die ihr glaubet an Seine Kraft, Macht und Herrlichkeit, erstehet in Gesundheit und vergesset das Danken nicht. Amen.“ Amen – sagten alle – da sahen aber auch alle, wie ein heller Strahl von der Decke herabfuhr und die Kranken waren gesund, auch das Kind war voller Leben, es schmiegte sich an seine Mutter. Arius war erschüttert. Er sagte: „Jakobus und ihr alle, heute erlebten wir wieder, wie das erste Mal, die Liebe unseres heiligen Vaters in Jesus. Lasset uns danken, lasset uns freuen, lasset uns loben Den, Der wieder so wunderbar Sich offenbart hat als lockende heilige und erlösende Liebe!

 

Ja Du heiliger Vater, wiederum hast Du in Deiner Liebe uns geholfen, o tausend, tausend Dank, dass wir es erkennen dürfen, Du bist der Helfer und Erlöser, Du bist der Geber dieser Himmelsgaben. O wie gut bist Du, wir dürfen als Dankende kommen. O öffne Du uns unsere Herzenstore, damit Du ganz unser ewiges Eigentum werden kannst.“ Arius konnte nicht weiter sprechen, so erfüllt war er voll Freude, weil sich wiederum die Liebe Gottes durch Jakobus so wunderbar verherrlicht hat. Alle waren erschüttert von dem Heilungswunder und von den Worten ihres Priesters.

 

Da sagte Jakobus: „Schwestern und Brüder, sammelt euch, werdet ganz stille, damit ich euch segnen kann und ihr euch in Ruhe innerlich findet; denn der Geist spricht: `Freuet euch und vergesset nicht, dass ihr alle nichts tun könnt ohne Mich, der Ich euer Vater sein und bleiben will. Doch ihr alle müsst auch dasselbe tun, was Ich euch tue, nämlich von ganzem Herzen und ganzem Gemüte zu lieben und zu dienen in aller Demut und Hingabe.`

 

So nehmet hin Seinen Segen und erstehet in dem Bewusstsein, dass ihr als Gesegnete auch zum Segen für andere werden könnt. Ziehet hin in Frieden! Drei Tage werde ich hier verweilen – bringt eure Kranken mit einem Herzen voller Liebe und Sehnsucht, dann werdet ihr alle erleben, nur Er allein ist der Weg, die Wahrheit und das ewige Leben. Jesus mit euch!“ Still gingen alle weil sich Jakobus zurückzog, denn er wusste, die Weihe gehe verloren, wenn ich die Nöte anhöre, die sie alle bewegt.

 

Der andere Tag brachte Amalie und Amelia als erste ins Gespräch mit Jakobus und Baltasar, der so glücklich war wie noch niemals in seinem Leben. Am liebsten hätte er zu Jakobus gesagt – hier möchte ich bleiben. Wie wohl tat es seinem Herzen, dass Amelia so besorgt um ihn und Jakobus war, es war ihm ein wirkliches Geschenk aus Gott. Doch er dankte nur innerlich. Da kamen aber auch schon die ersten Besucher ins Heim und brachten ihre Kranken. Da dieselben sich aber nur an Jakobus hielten, was auch verständlich war, wurde Baltasar gebeten, doch mitzukommen in die Stube der beiden Schwestern Amalia und Amelia. O – wie wohl fühlte er sich. Das Erzählen wollte kein Ende nehmen. So erlebten sie auch nicht, was sich unten um Jakobus alles abspielte.

 

Der ganze Saal war voller Menschen, auch Ungläubige, die die Neugier trieb. Um Jakobus war ein Fragen, ein Bitten und ein Sehnen, aber die Ursache war Helena, die von einem Geiste erfüllt war, von einer Weisheit und Gerechtigkeit, die aber von einer Liebe und Demut nichts wissen wollte. Arius bat und bettelte, doch Jakobus das volle Recht zu Dienen einzuräumen, aber vergebens, Jakobus wurde totgeredet, denn Helena hatte auch viele Anhänger mitgebracht.

 

Da erschien Baltasar mit den beiden Schwestern Amalia und Amelia. Baltasar erhob die Hand und sagte mit lauter Stimme: „Ich bitte um einige Augenblicke Gehör, was ich jetzt erlebe ist alles, nur kein Himmel, auf den Landstraßen und in den Herbergen geht es bestimmt ruhiger zu, wenn Bruder Jakobus in Erscheinung tritt. Du Schwester Helena, ich bin dir ein wildfremder Mensch, ich sehe aber in dir ein Feuer glühen, was wie Hass aussieht. Ich bin kein Apostel oder Jünger, sondern ein Geretteter von Jesus dem Auferstandenen, Der mich aus einem Leben herausgezogen hat, was mir Hölle war. In dir ist aber noch eine viel größere Hölle, weil du keine Demut, keine Hingabe und keine Selbstverleugnung kennst; denn was du jetzt bist, will ich mit klaren und kurzen Worten sagen: eine Besessene von einem Geist, der nur herrschen und anerkannt sein will.

 

Ihr aber, die ihr diesen Geist unterstützt, werdet erleben, dass auch ihr von diesem Geist noch besessen werdet. Darum bitte ich, Helena, gehe auf die Knie, rufe Jesus den Lebendigen und Wahren um die Gnade und Hilfe an, damit du frei werdest. Dir aber, du Geist der Lüge und des Hochmutes, empfehle ich, weiche aus unserer Mitte, damit unser aller Heiland Jesus wirken kann aus Seiner Liebe und Demut.“ Ein Hohngelächter ist die Antwort. – „Jesus auf den Knien bitten – niemals wird das geschehen, nicht ich gehe, aber du und ihr alle werdet gehen!“

 

Jakobus wurde innerlich bewegt, er streckte seine Hand aus und sagte: „Armer und verirrter Bruder, wie weit willst du noch verheerend in dieser kleinen Herde dein Unwesen treiben und den Frieden stören, der das Geschenk Gottes ist? Ich gebe dir den guten Rat, kehre um, auf dem Wege den du gehst hast du dich zu einem Herrscher und Beherrscher dieser Schwester gemacht. Kehre um, in mir gibt dir Jesus die Hand zur Umkehr.“ „Niemals“, schreit das Wesen durch Helena, „niemals, denn einen so herrlichen Platz hatte ich noch nie. Um mich ist Licht, alle Wünsche werden mir erfüllt, was kannst du mir bieten, du bist doch selbst nur ein Opfer des Gekreuzigten – darum lass mich in Ruhe und verderbe mir das Geschäft nicht. Du . . . . .“

 

Jakobus sagte: „Brüder- nicht aufregen! Es ist soweit, dass sich dieser Geist durch eure Schwester offenbart hat. Ihr alle habt gehört, wie er zu Jesus steht, seine Politik ist es, sich als Christusbekenner euch zu bewegen, damit unter euch Unfriede, Not und Drangsal werde. Leider ist es eure Schuld, weil ihr vergessen habt, dass Demut verbunden in wahre Liebe die Grundlagen sind. Noch ist es nicht zu spät, gebt seiner Lehre keinen Raum, ihr alle seid das Eigentum unseres treuen und geliebten Jesus. Keinen anderen Grund kann irgendein Mensch oder Wesen legen, der nicht aus dem Grundleben des Heilandes erstanden ist und darum sage ich dir, du Wesen aus der Hochmutssphäre, verlasse dieses Haus, sonst wird dir die Rückkehr zu deinem Gott und Schöpfer unendlich schwer fallen!“

 

Nochmals ein Hohngelächter! Da wollte Jakobus der Schwester die Hände auflegen, aber es gelang ihm nicht. Helena sah sich um und eilte mit raschen Schritten zur Tür hinaus auf die Straße. Milosch, ihr Mann, nach, noch einige folgten, da sahen sie, dass sie wie eine Wahnsinnige auf der Straße fortstürzt. Wie blind eilt sie dahin und bemerkt nicht, dass ein Römer mit seinem Wagen mit zwei Pferden dahergefahren kommt und ehe der Römer seine Pferde halten konnte, war das Unglück geschehen. Helena war von den Hufen eines Pferdes getroffen und der Wagen ging über sie hinweg. Der Römer hielt, besah sich das Weib, sah auch den herbeieilenden Mann, musste aber seine Pferde beruhigen, die da zitterten. Milosch kam zu spät, denn Helena war bewusstlos. Noch mehr Menschen kamen hinzu, so war ein Wirrwarr auf der Straße, die aber nicht belebt war. Milosch konnte kein Wort sagen. Helena wurde aufgehoben, der Römer zeigte auf seinen Wagen und Milosch bat, sein Weib in seine Wohnung zu fahren. Einer sagte: „Hin zu Jakobus“, aber Milosch verneinte und sagte: „Der trägt die Schuld.“

 

Da sagte der eine: „Milosch, bist du wahnsinnig? Jakobus, der das Beste wollte, den nennst du "den Schuldigen" – mit diesen Worten hast du die Wahrheit des Jakobus bestätigt. Sieh zu, wie du mit dir fertig wirst, ich gehe zurück in das Heim des Arius.“ Dort wussten sie es schon durch Jakobus. Da fragte Amelia: „Bruder Jakobus, komm wir wollen versuchen, Helena zu heilen oder hast du Bedenken?“ Jakobus: „Nein, Amelia, aber Helena ist nicht zu heilen, weil das Wesen sich nicht trennen will von Helena, die ihm ja freiwillig das Recht einräumte, zu wirken. Jesus kann nicht eingreifen, weil Er aus Seiner Allmacht nicht darf. Willst du etwas tun, so veranlasse, dass Milosch Helena zu uns bringt, aber das will er ja nicht.“

 

So verging dieser Tag mit einem Hin und Her, aber alle Kranken, die man brachte, wurden gesund. Die anderen Besucher wurden auf den Abend verwiesen und gebeten, auch ihre Kranken mitzubringen. Jakobus war nicht eine Minute frei, immer wieder kamen Hilfe- und Wahrheitssuchende. Arius war von allen der Zeuge. Was aber tat Baltasar? Er blieb bei den zwei Frauen und, o Wunder, er verlobte sich mit Amelia und wollte sein Heim hier bei ihnen aufschlagen. Amalia war überglücklich, ihre Tochter geborgen zu wissen am Herzen eines Mannes, dessen Liebe zu Jesus ein Garant war für das Glück ihrer Tochter. Nur Jakobus soll es erfahren, sonst niemand!

 

Jakobus kam gar nicht dazu, das Heim zu verlassen, so angestrengt musste er dienen. Der Abend brachte wieder ein volles Heim. Milosch fehlte, weil sein Weib, schwer verletzt und irre redend, ihn an ihr Lager fesselte. Da aber das Unglück auf allen Gemütern lastete, war eine gedrückte Stimmung, die auch Jakobus nicht ändern konnte. Da kommt Amelia nun zu Hilfe und spricht: „Nicht ich rede, sondern eure alte Wurka hat sich die Liebe, euch zu dienen, erbeten. `So grüße ich euch alle, besonders dich, Jakobus und Baltasar. Ihr seid zu einer guten Stunde gekommen "ihr beide", denn es war auch uns, die wir im Reiche des Lichtes und des Lebens weilen, unmöglich, in euch einzuwirken. Du, mein getreuer Arius, warst wohl Liebe, glaubtest, mit sanfter Liebe deine Pflicht zu erfüllen, aber eines hast du versäumt, ein Hüter und Wächter zu sein über deinen dienenden Bruder Milosch.

 

Du wusstest, dass sein Weib von einem hohen Geist inspiriert wurde und hast dich gefreut, hast es als ein Zeichen der Gnade angesehen, sogar noch ihr Dienen gefördert. Es war auch alles am Anfang gut, aber hast du dich niemals gefragt, warum konnte Helena nicht dienen solange ich noch im Fleische war. O ihr Lieben alle, eben weil ich die Älteste, die Schwächste, wie auch die Ärmste war, so war ich aber doch die Gesegnetste und das habt ihr alle übersehen. Wie oft habt ihr mich die "fromme Schwärmerin" genannt, ich habe euch sprechen lassen, o viel zu wenig habe ich die herrliche Liebe gepriesen, viel zu wenig habe ich geliebt, viel zu wenig habe ich es zum Zeugnis gebracht und warum? Weil ich es dir, Arius und den dienenden Brüdern überlassen wollte. Ja – ich liebte ein demütiges Schweigen, aber in mir jubelte es ständig und jetzt? O meine lieben Schwestern und Brüder, es hat bestimmt noch kein Mensch erlebt, was wir dauernd erleben, nur Amelia und Amalie hatten eine Ahnung. Nun hört ihr durch eure Schwester eure Wurka, die aber nicht die Worte findet, alles so darzustellen, wie es in Wirklichkeit ist. Nun aber wird es mir nicht mehr möglich sein, zu euch zu sprechen, da ich ja in euch ein noch herrlicheres Lichtlein leuchten sehe, was du, Jakobus, heute entzündet hast durch die Gnade Jesus.

 

Nun noch eine Botschaft an euch, meine Brüder und Schwestern. Eure Schwester Helena wird kaum noch einmal zu euch sprechen können, denn es müsste ein Wunder geschehen – es müsste aus euch kommen. So wie wir es sehen, wird der ewige Gott mit Seiner Kraft, Macht und Herrlichkeit diesem Weisheitspriester nicht Sein Wesen unterbinden, denn er ist ja nicht ein Feind Gottes, sondern ein Priester aus der alten Gesetzesschule mit einem Weisheitsgeist, von dem nur Könige besessen waren; aber ihr lieben Brüder, verbunden mit eurem Bruder Jakobus, könntet es versuchen. Du Baltasar, dir meine besten Wünsche. Du hast für dich das Kleinste und Niedrigste gewählt, umstalte es zu einem Leuchter, der immer fähig ist zu leuchten, wenn der Geist der Liebe dich drängt, dann fülle du mit dem Öl des Glaubens und der Liebe auch die Lampen der anderen, damit niemals eine solche Liebesarmut mehr entstehen kann wie es hier bei so manchen war. Eure Wurka würde noch ganz andere Leuchter mit dem Öl füllen, wenn sie nur dürfte, denn auch vor so manchem Herzen ist ein Reif gelegt, der nur mit Liebe geschmolzen werden kann.

 

Nun aber lasset das Licht leuchten, damit das neue Leben sich immer mehr verherrliche in euch allen, denn aus euch soll noch viel mehr erstehen als was das Wort Liebe sagt; denn ihr alle wisset wie vergänglich alles ist, nur Liebe allein und was Liebe schuf bleibt ewiglich! Bleibet nicht stehen, dienet euch wie ich als die alte Wurka euch gedient hat und fanget auch dort an, wo ich angefangen habe, bei den Ärmsten, bei den Kranken und Siechen, bei den Verachtetsten, weil sie mehr Liebe brauchen – nämlich euch ganz. Darum rede ich auch nicht von dem Lohn, weil es nicht zu erfassen und zu begreifen ist. Ich war unter euch die Ärmste und als die Reichste ging ich in die überherrliche Liebeswelt ein. Es war mir nicht wohl dabei als ich in die Augen meines geliebten Jesus sah und nur sieben Worte genügten, mich so selig zu machen, wie es nicht geschildert werden kann. "Wurka, nun bist du daheim bei Mir" könnt ihr alles es erfassen, endlich daheim zu sein bei Dem, Der alle Tränen abwischt, Der jeden Schmerz lindert, Der sogar noch den Tod süß macht und nun mit Ihm bis in alle Ewigkeit geeint und vereint mit Ihm zu leben ein Leben der Freude in der alles vermögenden Liebe. Setzt fort das Werk das Jakobus hier angefangen hat – ein jeder von euch werde ein Diener und eine jede eine Dienerin dieser Liebe, wie ich es euch allen vorgelebt habe durch die Mithilfe meines und eures Jesus! Halleluja. Amen.`“

 

Jakobus sagte nun: „Liebe und geliebte Herzen, eure Schwester Wurka, die ihr oft als "die alte treue Wurka" nicht verstanden habt, weil sie im selbstlosen Liebesdrang manches tat, was ihr nicht verstehen könnt, sie hat euch nun ein Bild gegeben von ihrem jetzigen Leben in ihrer ewigen Heimat. Wer von euch hat nicht schon oft sich danach gesehnt, nur ein Wort von denen zu vernehmen, die uns vorausgegangen sind. Wahrlich, euch Rakkaern ist viel Schönes und Gutes wiederum geschenkt worden. Ich bitte euch, vergesset diese Tage und Stunden nicht. Leider ist durch Helena ein Tropfen Gift mit Galle in eure Freude gemischt worden. Darum bitte ich euch, verzeihet von ganzem Herzen, was sie, getrieben von einem falschen Geist, euch tat! Noch ringt sie mit dem Tode um ihr Leben, ich bitte euch, reichet alle ihr liebe und gute Gebetskräfte, damit der letzte ihrer Gedanken, Gedanken der Liebe werden. Du Bruder Arius denkst: Bruder Jakobus, was hast du allen schenken dürfen durch Jesus, warum hier nicht, so sage ich dir und euch allen, wäre Helena und dem sie beherrschenden Priester geholfen? Ich sage "nein", weil es für beide zu einem Gericht würde. Sie wird nicht sterben, dies vernehme ich jetzt in mir, aber leiden wird sie solange bis sie wieder eine ganze Freie geworden ist. Traget beide, Helena und Milosch in Liebe und vergesset alles, was der Vergangenheit angehört. Nur so kann der Liebesgeist bei euch wie bei allen zum Durchbruch kommen. Amalie wird euch öfter so dienen wie sie heute durch Wurka euch diente und du Arius, sei und bleibe der "Gute Hirte" an Jesus Stelle.

 

Wenn aber nun euer Bruder Baltasar bei euch seinen Wohnsitz nimmt, dann Brüder, seid euch bewusst, dass mit diesem Bruder euch ein Geschenk wird, der es verdient, unterstützt zu werden. Noch ist alles nur Idee, aber eine herrliche, und sie zu verwirklichen soll eure Aufgabe sein. Denkt an die Gemeinde des Nikolaus, denkt an die Vielen, die es zu ihrem Lebensprinzip gemacht haben, allen Flüchtlingen eine Heimat zu schaffen. Das Elend wird groß werden darum bauet vor, denn in einem jeden Bruder, in einer jeden Schwester lebt ein Teil unseres Gottes und Vaters! Je größer eure Liebe, je größer die Kraft, je mehr ihr euch eint, desto größer das Bollwerk. Gebt keinen falschen Begriffen Raum, nur was die Liebe aus Gott heiligt, sei auch euch heilig! Mit diesen Worten wollen wir den heutigen Tag beschließen. Nur bis morgen bleibe ich noch bei euch, denn es drängt mich, weiterzuziehen und mit heiligem Drang meine Aufgabe zu erfüllen suchen nach dem Willen des Herrn. So seid gesegnet aus dem Geiste Jesus Christus. Amen.“

 

Da steht Baltasar auf und spricht: „Meine lieben Rakkaer, ein heiliges Drängen ist es, dass ich zu euch nur einige Worte sage. Jakobus hat nur angedeutet einen Plan. Da Bruder Jakobus aus dem Herrn spricht, habe ich an euch alle eine Bitte. Du, Arius, diene mir morgen gegen Mittag, ich habe vor, nach dem Willen des Herrn, die Tochter der Amalie, eure Amelia, zu ehelichen und du, Arius, sollst mich mit ihr gesetzlich verbinden und dazu lade ich euch alle herzlich ein. Alle sollen meine Gäste sein in der großen Herberge, wo ich immer meine Einkehr hielt. Dann werde ich mit meinem angetrauten Weib und ihrer Mutter noch Jakobus begleiten bis seine Aufgabe restlos erfüllt ist. Denket aber nicht, dass es ein Fest werden soll wo sich alle übermütig freuen, o nein, sondern Frohsinn und Freude, verbunden mit dem nötigen Ernst um Helenas willen soll uns verbinden mit Jesus, dem Geber aller Gaben.

 

Auf Wiedersehen morgen – an dieser Stelle.“ Da ging ein Wundern los. Amalia und Amelia waren bestürzt, weil ja an eine Hochzeit noch gar nicht gedacht war. Aber Baltasar sagte: „Es ist schon alles recht, redet nicht soviel davon, denn unser Bester Jesus will es.“ Alle waren nicht gekommen – die Pflichten hielten manche ab und so wie es geplant, vollzog sich auch die Trauung. Arius im Priestergewand. Amelia im weißen Kleid strahlte eine Sonne aus und Amalia betete aus tiefstem Herzensgrund für die Gnade aus Jesu Hand. Jakobus war tief ergriffen von dem Glück, was ihn trieb, Worte der Liebe und des Lebens dem jungen Ehepaar zu geben. Er sagte: „Bruder Baltasar und du Amelia, kein Mensch ahnte es, als ich zuerst nach hier kam. Dir, Amelia, galt mein erster Dienst, dir, Amalia, der zweite Dienst. Seit dieser Stunde lebt ihr ein Leben der Liebe! Nun ist auch euch noch das Glück geworden, verbunden zu bleiben in eurem Erdenleben und dort weiter im ewigen Sein.

 

An Wünschen hat es nicht gefehlt und sie kamen alle von Herzen. Dieser Tag aber soll für euch immer ein Tag des Herrn sein und bleiben und damit habt ihr auch die Tore eurer Herzen für Ihn geöffnet und der Zugang zu Ihm ist auch euch offen. So fühle ich nun auch den Liebemeister, Er allein weiß eure Liebe zu würdigen, Er allein ist und bleibt der Gebende und der Vollender von dem was ihr wollet, denn als Er Adam das Weib schenkte, schuf Er sich Helfer und Kinder. So seid ihr nun auch als Seine Kinder befähigt und verpflichtet, an Seiner Stelle mitzuhelfen und zu bauen, damit offenbar werde die Frucht göttlicher Liebe. Jesus mit euch!“

 

In der Herberge war alles wunschgemäß gerichtet, der Nachmittag war eigentlich der Ruhe vorgesehen, so kam der Abend und pünktlich waren alle gekommen. Milosch fehlte, weil er sich nicht von seinem kranken Weib trennte, aber mit dem Unfall von Helena waren alle überzeugt, dass sie auch einen Teil Schuld trugen. So waren alle recht ernst. Das Hochzeitsmahl brachte wohl so manche freudige Strömungen und das war wohl auf den Wein zurückzuführen, der besonders gut war. Es war ein Wein aus den Himmeln. Der fröhliche Teil machte nun dem ernsten Teil Platz, ohne von irgendeinem aufgefordert zu werden, erhob sich Jakobus und eine Stille trat ein. Weit über hundert Brüder und Schwestern richteten ihren Blick auf Jakobus, der wie verklärt alle anschaute. – Es gab keinen, dem er nicht ins Herz geschaut hatte, und das hatten alle gefühlt. Mit seiner Rechten segnete er noch einmal alle und sagte: „Schwestern und Brüder, diese Stunde soll sein und bleiben eine Weihestunde, nicht deswegen weil wir Geladene als Hochzeitsgäste sind, sondern weil alle Herzen geöffnet sind für die Worte des Herzensvaters Jesu, dessen größte Freude es ist, uns alle zu beglücken. Stoße sich keines und keiner, wenn alles wie unwahrscheinlich aussieht, denn Er will, dass ihr alle Ihn sehen sollt und durch meinen Mund Er sich offenbaren kann. Nicht weil Er der Herr und ewige Gott ist, sondern weil Er wie ein Vater unter Seinen Kindern sich bewegen darf.“

 

Da auf inneren Drang Baltasar für den Herrn einen Platz frei hielt, so sahen alle Augen auf Ihn in einem einfachen weißen Gewand auf dem Platz sitzen, den Baltasar neben sich zwischen Amelia freigehalten hatte. Jakobus sprach weiter, dann wurde das Gesicht des Jakobus leuchtender und er sagte: „`Kinder meiner Liebe, Kinder des Lichtes und Kinder eines Vaters, der sich freut, endlich einmal wie sichtbar unter euch zu weilen, um verschönern zu helfen das Fest der Freude und Erfüllung der Herzenssehnsucht! Du neu vermähltes Paar, fremd bin Ich euch nicht mehr, da ihr es vermochtet trotz allen Widerstandes, Mich als Den zu erkennen, der allen den Weg ebnen konnte zum Vaterherzen. In Meinem Namen, in Meinem Geiste habt ihr euch verbunden als ein Glied der Liebeskette, deren beide Enden in Mir münden. So sind wir nun eins und werden auch immer eins bleiben. Gute Ratschläge und Vorschriften sind nicht nötig, aber nötig ist, zu wissen "wir trennen uns nicht mehr" und zum Zeichen, dass es nicht nur Worte sind, sollt ihr alle die Helfer sehen, die eine herrliche Blumenranke um euch binden.` O sehet hin, wie sie um das Brautpaar, den Herrn in der Mitte, eine überaus schöne Blumenranke legen. O, noch mehr Helfer sind da und bringen eine noch viel viel größere Blumenranke, die sie um uns legen. O, ein herrlicher Engel steht hinter dem Platz, wo die kleine Ranke um das Paar und dem Herrn gelegt wurde. Jetzt hat der Engel die beiden Enden in seinen Händen und der Kreis ist fertig. Die Ranke wächst und wird immer größer. Es ist, als entsteht eine Blumenmauer um uns.“

 

Weiter spricht der Herr durch Jakobus: „`Nun ist das Liebesband geschlossen, sichtbar als ein Geschenk derer, denen ihr Gutes getan habt. Wisst ihr auch, wer dieser herrliche Engel ist? Schaut ihn euch genau an und eure Herzen werden erschauern vor der Herrlichkeit der Liebe, deren Ich als euer Vater nur fähig bin. Aber noch mehr der Gnaden werden euch sichtbar. Zu dir, Amalie, kommt jetzt ein liebliches Wesen und legt dir einige wunderbare Blumen aufs Haar, ein Zeichen der Freude deiner treuen Mutter, die überaus selig ist, das Glück ihres einzigen Enkels mitzuerleben und euch beiden, die ihr euch gefunden habt, durch meine Führungen werden jetzt an eure Brust zwei Blumensträußchen gelegt, die aber mit einem Band verbunden sind. Ihr könnt es euch erklären, was es euch bedeutet! Meine Kinder, nun werde Ich schweigen und ihr alle sollt euch unterhalten als wäre Ich euer Bruder und ein Mensch. Fürchtet euch nicht, Mich zu betrüben, im Gegenteil, versucht es, mit Mir und wer in sich die größte Liebe verwirklichen kann, wird Mein Wort, Meine Antwort in sich vernehmen.`“

 

Nur einige Minuten wurde geschwiegen, dann sagte Amalia zu dem Herrn: „Vater du ewige Liebe, uns gleich hast Du Dich gestellt, wir wollen mit Dir sprechen als wärest Du unser Bruder, ein Mensch. Ich wage es, Du wirst mir verzeihen, die Freude ist es, die mich fragen lässt, darf ich Dich wie einen Mensch lieben? O du lächelst Vater, ich vernehme Dich, o Vater, ich darf Dich wie einen Menschen lieben! Nur einmal will ich Dich an meine sündige Brust drücken, nur einmal mit Dir eins sein, dann will ich gern sterben.“

 

Amalia geht hin an den Platz wo sie Jesus sieht und umarmt Ihn, drückt Ihn immer fester an sich und spricht: „Mein Jesus, mein Vater, Du gabst mir meine Gesundheit wieder, Du gabst mir wieder gesunde Hände und Füße, das war ein großes Geschenk Deiner Liebe, jetzt aber, wo ich Dich wirklich fühlte nicht nur in mir, sondern auch wie äußerlich, jetzt hast Du mich zum seligsten Menschen gemacht. Ich sehe Dich wie einen Menschen. Ja Du bist Mensch wie wir! O wie selig hast Du mich gemacht. O Schwestern und Brüder, ich schwärme nicht, es ist Wahrheit, kommt überzeugt euch, unser Jesus ist ein wirklicher Mensch!“

 

Amalia weinte und drückte einen Kuss auf seine Lippen, sinkt zu Seinen Füßen nieder und weint vor Glück. Da spricht ein Bruder: „Jakobus, ich sehe wohl den Herrn, sehe wie Amalia sich wie närrisch benimmt, tut, als wenn der Herr ein Mensch wäre, aber so etwas kann doch nicht in Ordnung sein. Ich nenne es wirklich so wie sie es sagte "Schwärmerei". Da spricht Jakobus: „Bruder, du siehst es so, frag die anderen, wie sie es sehen, nämlich ganz anders. Nicht zwei werden es sein, die den Herrn so vor sich sehen. Für Amalia hat der Herr wirklich Fleisch und Blut angenommen. Du zweifelst – willst du den Beweis? Dann lieber Vater, nimm den Becher voller Wein und trinke mit Amalia und ihrem angetrauten Mann und tue noch, um was ich Dich bitte in meinem Herzen.

 

Jakobus lässt einen Becher Wein bringen, reicht denselben dem Herrn und alle staunen – der Herr nimmt den Becher und trinkt dem Baltasar und seinem Weibe zu und diese verkosten nach seinem Wunsch und geben den Becher dem Herrn zurück. Da spricht der Herr zu der noch weinenden Amalia: „Amalia, erstehe und trinke mit Mir aus diesem Becher und dann lasse einen jeden aus dem Becher trinken und er soll niemals leer werden. Dein soll der Becher bleiben, dein, damit du einen jeden Kranken, einen jeden Schwachen, einen jeden, der ein stilles Leid trägt, stärken kannst, so sie den guten Willen haben, Hilfe von Mir zu erbitten.“

 

Amalia steht auf und trinkt mit Ihrem Vater Jesus, dann spricht sie: „Mein Vater, Mein Jesus, Dir geschehe nach Deinem Willen. Du Bruder aber sollst den ersten Schluck haben, sollst erleben meine Schwärmerei als die gediegenste Wahrheit!“ Da wurden alle froh, dann ging der Becher von Mund zu Mund. Als alle getrunken hatten und der Becher doch wieder voll war, sagte sie zu allen: „Sind wir noch auf der Erde oder nicht, o Vater, ich gehöre Dir für alle Ewigkeit und immer wirst Du ein Mensch bleiben, auch wenn ich Deinen himmlischen Körper nicht mehr fühlbar für meine gesunden Hände merke, aber in mir vernehme ich Dich, ich habe nur den einen sehnlichsten Wunsch, dass Dich auch alle anderen so fühlen und vernehmen wie ich!“

 

Von dem Schluck Wein wurden alle so munter und voller Freude, dass der herrliche Vater nicht mehr auf seinem Platz bleiben konnte, sondern sich von einem zum anderen begab und mit ihnen sprach. Die ganze Nacht wäre kein einziger in sein Heim zurückgekehrt, da sagte der Vater: „Kinder, nun sei es genug, der Lebensfeind wird euch alles zu rauben suchen. Vergesset diese Stunden nicht! Du aber, mein Bruder Baltasar, nimm dein Weib und deine Mutter mit auf die Reise mit Jakobus. Es soll aber für dich kein Gebot, nur eine Bitte sein!“

 

Voller Freude nahmen sie Abschied von ihrem Jakobus und mit noch größerer Freude ging es in den neuen Tag. Ein Zusammenkommen wurde nicht vereinbart, doch Jakobus sagte: „Auf Wiedersehen!“ Der andere Tag brachte Jakobus immer wieder Arbeit. Vor allem Milosch kam und bat Jakobus: „Komm zu Helena – es ist zum Verzweifeln!“ „Ich komme“, sagte Jakobus, „doch Bruder Milosch, musste das sein? Mein Herz blutete, weil ich wusste, das nimmt ein schlimmes Ende. Helena ist zu heilen, doch nötiger ist die Heilung des Geistes, der sich Helenas bedient um die Herrschaft zu haben über alle in eurer Gemeinde.“

 

„Jakobus, das verstehe ich nicht, Helena war doch so nüchtern und sachlich, wer konnte denn das ahnen, dass mein Weib eine Besessene war, warum hat es Arius nicht bemerkt?“ Jakobus: „Bruder Milosch, warum habt ihr euch früher so gesträubt, Christus anzunehmen, wo doch eure Götter, wie du es nun selbst weißt, nur Schemen waren. Wart ihr nicht auch Besessene von einem solchen falschen Geist. Darum war ja unter den Heiden immer mein erstes, ihnen zu beweisen suchen, dass eure Götter, wie nicht da sind. Wäre das Unglück mit Helena nicht gekommen, jetzt ständest du als mein Gegner da. Helena ist und war nicht mein Feind, aber der in ihr Wirkende ist auch jetzt noch mir feindlich gesinnt. Es wird schwer halten, darum bitte ich dich herzlich, erkenne meine Worte als Wahrheit. Erkennst du es nicht, dann wird dir ein hartes Los. Helena bleibt krank, denn solch eine gute Wohnung wird der unselige Herrsch- und Hochmutsgeist nicht ohne weiteres verlassen.“

 

„Jakobus, hilf uns“, sagte Milosch, „hilf, so es in deinen Kräften liegt, ich bitte dich um Helena willen!“ Jakobus: „Milosch, hier kann ich nicht helfen, nur Jesus allein kann helfen und das weißt du so gut wie ich, denn der Meister sagte: Diese Art kann nur mit Fasten und Beten ausgetrieben werden. Daran hat es aber bei dir und Helena immer gefehlt. Du hast dich wohl zu Jesus bekannt, aber deine Art als Heidenpriester hast du und Helena weiter behalten. Arius hat ernstlich bereut. Du und Helena habt nur Reue von Anderen verlangt, ihr aber bliebet ja noch mehr in eurem Hochmutsdünkel. Habt ihr hierbei den Schluss gezogen, was jetzt durch mich offenbar geworden ist? Jesus mit Seinem allergrößten Blutopfer auf Golgatha war für euch nur der Magnet, ihr aber habt nur irdischen Nutzen daraus gezogen.“

 

Da spricht Arius: „Daran habe ich noch niemals gedacht, dass die Auswirkungen so furchtbar sein könnten. Das Helena ein Medium ist, habe ich erkannt, Wurka war ja auch ein Medium und Amalia ist jetzt ebenfalls noch eines, wie wir gestern vernommen haben.“ Jakobus: „Jawohl, mein Arius, aber hast du gestern den Engel erkannt, der diese herrlichen Blumenranken, die eine Liebe der geistigen Wesen waren und um alle Herzen webten. Wurka war es. Wurka ist es, die sich durch Amalia bekundete, aber welch ein Unterschied der Kundgaben durch Helena?“

 

Da spricht Arius: „Jakobus, welch ein Irrtum tut sich mir auf. Jakobus, was ist zu tun? Wie kann ich den großen Fehler wieder gutmachen?“ Jakobus: „Bruder, nur dadurch, dass du versuchst, Helena wieder zu einem freien und frohen Menschen zu machen und das wollen wir heute noch versuchen.“ Für Jakobus wurde es ein schwerer Gang. Für Arius ein noch viel Schwerer und noch Viele begleiteten die Brüder. Auch Baltasar fühlte, hier muss ich ebenfalls Helfer sein. Die Frauen waren schon mit Milosch vorausgeeilt.

 

Im Krankenzimmer herrschte ein Dunkel, die Fenster waren mit Leinentüchern verhängt. Helena war bei vollem Bewusstsein. Sie hörte ruhig an, was Amalia und Amelia sagten, als aber Jakobus mit den anderen eintrat, war es wiederum aus bei Helena. Sie schrie vor Schmerzen; als Jakobus ihr die Hände auflegen wollte, schrie sie noch mehr – „nicht anrühren, nicht anrühren“; aber alle fühlten und hörten, das war ja nicht Helena, das war ja eine Männerstimme. Helena sah zum Erbarmen aus und wand sich vor Schmerzen. Milosch redete ihr zu. Helena oder vielmehr der Geist sagte – fort mit den anderen – ich will niemand sehen oder hören, nur fort, fort, hinaus aus der Stube.

 

Da sagte Milosch zu Jakobus: „Was wollen wir tun?“ Jakobus: „Milosch, ist das Weib, die da schreit, dein Weib? Ist das ihre Stimme?“ Milosch: „Jakobus, freilich, ihre Stimme ist es nicht, wer soll es denn sein?“ „Jakobus: „Dann versuche du doch einmal, den ewigen Vater zu bitten und ihr die Hände aufzulegen, wir aber wollen mitbeten. Du bist doch immerhin noch Priester. Dir das Vorrecht zu nehmen tut ein Bruder nicht!“ Als Milosch sich Helena näherte, erhielt er einen Stoß in den Leib, er kam nicht dazu, ihr die Hände aufzulegen, obwohl alle beteten. Milosch versuchte nun, die Hände von Helena zu fassen, aber das gelang ihm auch nicht. Helena schrie vor Schmerzen und stieß böse Worte aus.

 

Jakobus war erschüttert bis ins Tiefste. Sollte der Meister hier versagen? Mit aller Kraft trat er nun an das Lager und sagte: „Im Namen und im Geiste Jesu gebiete ich dir zu schweigen. Was du Verblendete tust, geht weit über deine Befugnisse. Es wird dir schwer werden, wieder gutzumachen, was du jetzt tust. Im Namen Jesu schweige., im Namen Jesus verlasse sofort dieses Wohnhaus, im Namen Jesus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen gebiete ich dir, dich sofort wieder auf diese Bergesspitze zu begeben, die dir vordem als Wohnsitz diente, wenn nicht, sollst du dann hin zu einem Ort getragen werden, wo dir eine Rück- und Umkehr kaum möglich ist, dann nur unter den Schmerzen, die du Helena bereitest hast.“

 

„Niemals, niemals, verflucht sei dein Christus!“ Im Augenblick durchzuckte ein Blitz die Stube, Helena schrie auf wie ein wildes Tier, dann wurde sie ruhig und mit leiser Stimme sagte sie: „Was ist mit mir geschehen, o wie schmerzt mich mein Leib.“ Da sagte Jakobus: „Helena, verstehst du mich und kannst du mir antworten, wenn ich dich etwas frage?“ „Ja, Jakobus“, sagte Helena leise – „doch frage mich nicht zuviel, ich weiß fast um nichts!“ Jakobus: „Helena, weißt du, dass du einem falschen Geist gedient hast?“ Helena: „Nein, Jakobus, wie könnte das geschehen, Milosch war ja da!“ Jakobus: „Helena, du warst blind und hast viel Schuld auf dich geladen, hast einem falschen Geist gedient und viele Herzen um das Beste gebracht – willst du das anerkennen?“ Helena: „Nein, Jakobus, ich tat und sagte, was mein Herz mir gebot!“ Jakobus: „Helena, hast du niemals nachgedacht, dass du Vielen wehgetan hast?“ Helena: „Nein, Jakobus, mir haben sie wehe getan, weil man mir nicht glauben wollte!“

 

Jakobus: Helena, nun höre, was ich dir sage im Namen meines Herrn und Gott Jesus! Du hast wirklich einem falschen Geist in dir Raum gegeben, willst du es einsehen und glauben, dass du in einem besseren Wissen niemand das geben konntest, was Jesus euch allen tat? Du hast es soweit gebracht, dass man dir mehr glaubte als Amalia. Du hast dich unendlich gefreut, dass endlich Wurka gestorben war und hast sie verschrien als "fromme Schwätzerin" und hast es verstanden, alle davon abzubringen, in Demut und Liebe zu dienen. Nur dir sollte man dienen. Nun kam das Unglück und es fällt alles auf dich. Willst du das annehmen und glauben?“ Helena: „Jakobus, ich kann noch nicht sagen "ja oder nein", ich will versuchen, wenn ich wieder gesund bin – was ist mit mir geschehen?“ Jakobus: „Helena, du bist verunglückt durch deine und die Schuld deines Geistes, der dich in die Hölle reißen wollte. Es wäre geschehen, wenn Jesus nicht gewesen wäre. Er hielt dich vom Schlimmsten zurück. Wirst du dies glauben wollen?“ Helena: „Ich weiß es noch nicht, gebt mir Zeit, doch um eines bitte ich dich – mache mich wieder gesund!“

 

Jakobus: „Helena, das kann ich nicht, nur Jesus kann es und auch erst dann, wenn du bitter deine Schuld bereust, wenn du den ernsten Willen hast, ein völlig anderer Mensch zu werden in Demut und gläubiger Hingabe, damit es keinem Wesen gelingt, dich zu benutzen als das Werkzeug gegen Jesus Liebe und Erbarmen.“ Helena: „Jakobus, ich bin krank, ich habe unsagbare Schmerzen, bitte lege mir deine Hände auf um meiner Schmerzen willen.“ Jakobus: „Helena es sei – doch beten musst du mit mir: Mein Jesus, Mein lieber treuer Vater und Heiland, nach dem Wunsch unserer Schwester bitte ich dich, nimm ihre Schmerzen, lasse ihr das werden, damit sie sich wieder zu Dir finden kann um Deiner Liebe, Deiner Wahrheit willen. Ich danke Dir mein Jesus – Amen.

 

So liebe Helena, nimm hin den Liebessegen aus meiner Liebe und erkenne den, Der dir auch die Schmerzen genommen hat und bemühe dich, gesund zu werden an Leib und Seele. Amen.“ Helena sagte: „Jakobus, der Schmerz hat nachgelassen – ich danke dir! Milosch sagte: „Jakobus, also ist es doch wahr, was du mir alles gesagt hast. Ich werde von nun an alles beherzigen, werde treu und dankbar sein. Ich werde über Helena wachen wie eine Mutter über ihr Kind, sag mir nur noch das eine, was wäre mit Helena geworden, wenn sie bei dem Unglück gestorben wäre?“ Jakobus: „Milosch, Helena wäre in der Sphäre dieses Hochmutsgeistes eine Verlorene geworden, denn hier als ein Mensch diente sie ihm, dort hätte sie ihm dienen müssen, aber eine undenkbar lange Zeit. Für uns Menschen ist es die Hölle, für diese Geister ist es eine Zeit, ein Rausch, aber dann die Abödung – eine Qual ohne Ende.“

 

Milosch: „Jakobus, hat dir der Herr darüber die Aufklärung gegeben?“ Jakobus: „Nicht nur gegeben, sondern erlebt. Wünsche es dir nicht. Es ist hundertmal leichter, es zu schauen als es ertragen zu müssen. Denke daran, Gleiches zieht Gleiches an. Wärest du gestern Abend Zeuge und Beschauer gewesen, was Wurka alles brachte, so wärst du tief erschüttert; denn wisse – wer unlauteren Geistern dient oder ihnen Vorschub gibt, lebt mitten unter ihnen. Du hast Gesichte gehabt, aber nicht zu deinem und deiner Helena Heil verwand, nun stehst du mitten im Gericht und Gott musste es zulassen, darum musst du nun alles tun um wieder herauszukommen. Helena wird eine lange Zeit brauchen ehe sie wieder gesund wird, wenn nicht zuvor eine innere Umkehr stattfindet.“

 

Milosch: Jakobus, betet für mich, damit es mir gelinge, wieder in Ordnung zukommen mit dem Heiland Jesus Christus.“ Jakobus: „Milosch, das tue nur selber, denn das ist noch dir und allen geblieben, der Zugang zu dem ewigen Vater, Der dir ein Helfer werden wird, wenn du und auch Helena die Bedingungen erfüllst. Die Bedingungen kennst du, denn scharf habt ihr es ja von den Anderen gefordert. Gott der Ewige und Wahre aber ersehnt es sich von seinen werdenden Kindern. Lasse uns gehen, denn noch habe ich große Aufgaben zu erfüllen, aber meinen Segen aus der Gnade Jesu lasse ich hier. Werde ein wahrer Priester erst einmal hier in deiner Welt, in deinem Heim, ehe du daran denken kannst, für Jesus zu wirken. Friede sei mit euch!“

 

Jakobus konnte noch nicht weiterziehen, denn schon wieder waren einige Kranke gekommen und der Römer, der das Unglück hatte, Helena zu überfahren. Er wollte sich entschuldigen, da er aber so allerhand hörte, was die Ursache war, so war er neugierig, was eigentlich daran Wahres sei. Da aber Jakobus sein Wesen mit den Kranken trieb, interessierte es ihn gewaltig. Als aber einige geheilt und unter den Dankesworten und Gebeten so froh und fröhlich waren, konnte er nicht mehr schweigen. Er wendete sich an Arius, den Priester, und fragte ihn, was das alles bedeute.

 

Arius noch voll Ergriffenheit des Geschehenen sagte: „Herr, schon seit 3 Tagen erlebe ich dieses. Wir sind weder Heiden noch Juden, sondern Anhänger des Wundermannes Jesus aus Nazareth, den man nach römischer Art kreuzigte und der nach 3 Tagen wieder lebendig wurde. Was hier geschieht, geschah an allen Orten. Dieser Freund, der Bruder des Gekreuzigten und Auferstandenen tut dies alles in dem Geist, der alle überkommt, die nach seiner Lehre leben und seinen Willen zu erfüllen suchen.“

 

Da sagte der Römer: „Also ist es doch wahr, was ich schon so oft hörte. Nur überzeugen konnte ich mich nicht, denn Jerusalem ist sehr weit. Wir haben wohl den Auftrag, dieser Sekte nichts in den Weg zu stellen, aber die Juden sind anderer Meinung.“ „Leider Herr“, sagte Arius, „aber sobald Jakobus hier mit den Kranken fertig ist, steht er auch dir zur Verfügung.“ Der Römer: „Ich habe Baltasar gesehen, mit dem würde ich mich solange unterhalten bis Jakobus der Heiler, mit seinem Dienst zu Ende ist.“ Arius holte Baltasar, der zu seinem Weib in das obere Stockwerk gegangen war. Baltasar den Römer sehen und auf ihn zueilen war eins. „Lieber Freund, sei willkommen“, – und mit offenen Händen eilte er zu dem Römer, der ruhig sagte: „Ich danke dir Baltasar, für deinen Willkommensgruß. Wir waren nicht so einig als wir uns das letzte Mal trennten, doch wollen wir wie Freunde sprechen. “Baltasar: „Dann komme mit zu meinem Weibe und ihrer Mutter und sei nochmals herzlich willkommen.“ Er nahm ihn bei der Hand und sie stiege hinauf in das Wohnzimmer der beiden Frauen. „Hier mein Weib seit gestern und ihre Mutter.“

 

Da sagte der Römer: „Baltasar, was geht eigentlich hier in Rakka vor – ich hatte das Unglück, meine Pferde nicht rechtzeitig aufzuhalten, habe dabei eine Frau fast totgefahren, ich hörte aber, dass sie nicht sterben werde. Was ist hier los? Ich habe daran Interesse, aber nicht als Kommissar, sondern als Mensch – der leider ein Römer ist.“ Baltasar: „Lieber Freund Faustinus nicht leider ein Römer, sondern ein natürlicher Römer, wie ich auch ein Römer bin. Freilich, ich sehe es als eine Gnade von dem ewigen und lebendigen Gott an. Das es aber einen lebendigen Gott gibt, davon wirst du nun einen Beweis erhalten haben.“ Der Römer: „Fange nicht wieder davon an, lieber Baltasar, denn du kennst meine Geschichte. Gern hätte ich aber gewusst, wie du zu dem wahren und lebendigen Gott, wie du sagst, gekommen bist. Wenn ich aber zu dir jetzt ganz offen bin, muss ich sagen, noch keiner unserer Götter kann so etwas aufweisen.“

 

Baltasar: „Es ist eine lange Geschichte, lieber Faustinus, ich habe eben die Überzeugung bekommen, Erlebtes bleibt Erlebtes. Freilich, du ahnst ja nicht, wie raffiniert die Judenpriester sind und so bist du von ihnen nur hintergangen worden. Was du erlebt hast, ist natürlich ein Erlebnis für deinen Verstand. Deine ehrliche Art hat es gar nicht für möglich gehalten, dass Priester eines lebendigen Gottes so infam sein können. Dasselbe haben ja alle die erlebt, die dem Wundermann Jesus vollen Glauben und volles Vertrauen schenkten. Frage nur Jakobus, den du unten im Saal erlebt hast. Es gibt keinen solchen Priester unter den Heiden wie unter den Juden wie Jakobus, Jesus wirkt wie persönlich in ihm.“

 

Der Römer: „Baltasar, alles ist schön und gut, du sagst, Erlebtes bleibt Erlebtes, aber hast du nicht früher auch so manches erlebt?“ Baltasar: „Mein lieber Faustinus, so etwas nicht. Bei früheren Erlebnissen habe ich mich wundern müssen und habe es als ein Zufall angesehen, aber ein Gotterleben greift Herz und Nieren an. Man wird bis in das Innerste ergriffen von etwas, was man noch nicht kennt. Die Welt wird um uns anders und ich wurde auch anders. Da erkannte ich den wahren und ewigen Gott und könnte heute nicht mehr ohne meinen ewigen Gott sein.“ Der Römer: „Baltasar, ich weiß, du bist immer ein natürlicher Mensch gewesen. Schwärmerei lag dir niemals, aber hat dich die Schlechtigkeit der Judenpriester nicht gelehrt, dass ihr Gott, dessen Diener sie sind, auch nicht viel wert sein kann?“ „Faustinus, eben durch die Schlechtigkeit der Priester habe ich die Güte, die Liebe, die Barmherzigkeit kennen gelernt und seit ich weiß, Jesus der Sohn Gottes musste das Opfer bringen, am Kreuze zu sterben, da wurde mir Licht und Klarheit.

 

Kein Priester unserer Götter hätte je ein solches Opfer bringen können und warum – weil ihre Götter tot waren. Wie konnte das Leben in den Priestern sein, wenn ihre Götter tot waren? Da wurde ich durch Jakobus eines Besseren belehrt und erlebte, dass Jakobus die Werke gar nicht tut, sondern der ewige und lebendige Gott, der im Menschen Jesus wirkte. Du hast alles erfahren, was um und mit Jesus geschah, aber geglaubt hast du nie. Was du aber nicht erfahren hast, habe ich erlebt. Auch du wirst erleben Jakobus, der Mensch, ist auch nur ein Mensch wie ich und du, aber etwas lebt in dem Menschen, was in uns noch nicht lebt, aber er spricht "was in mir lebt wird auch in dir leben, wenn du das alles erfüllst, was du zu tun nötig hast"“.

 

„Baltasar, da bin ich wirklich neugierig, denn was ich gesehen habe unter den Kranken, das habe ich noch bei keinem Priester gesehen.“ „Faustinus, ich lasse dir von Amalie, meiner Mutter, erzählen, was sie mit Jakobus erlebt hat, denn solange Menschen bestehen, hat noch kein Mensch diese Wunder erlebt – nur Gott kann es möglich sein.“ „Da bin ich aber neugierig, darf ich dich fragen, du strahlende Mutter deiner Kinder?“ Amalia: „Ja lieber Freund, du darfst und sollst erfahren, was Großes mir Gott tat.

 

Jahre sind es her, ich war ein armes, tief zu bedauerndes Menschenkind. Krank an Leib und Seele, verkrüppelt die Hände und Füße. So sahen meine Hände aus (dabei zeigte sie ihre Hände hin) und meine Füße waren nicht mehr fähig, mich zu tragen. Die Schmerzen waren so groß, dass ich keine Ruhe und keinen Schlaf fand und nur einen Wunsch hatte, zu sterben. Da brachte mir meine Tochter Amelia Jakobus in mein kleines Stübchen. Arius war zugegen und wehrte sich mit aller Macht, von einem Juden sich etwas vormachen zu lassen.

 

Nur wenige Worte sagte Jakobus und fragte, ob ich glauben könne, dass der wahre und ewige Gott mich heilen könnte. Dann betete er und ein Blitz fuhr herab, den auch Arius sah – und ich hatte gerade Hände und Füße und war geheilt. Aber das ist noch nicht alles. Wir erlebten innere Herrlichkeiten und Wurka, die ärmste und älteste Mutter aus Liebe noch 30 Aussätzige brachte, da wurde die Herrlichkeit Gottes erst richtig offenbar, denn nicht Jakobus heilte die Aussätzigen, sondern Amelia und Wurka; denn auf Geheiß des Jakobus sollte Amelia genügend Wasser, welches er segnete, bereit stellen und die alte treue Wurka nahm eine Schüssel und hielt sie meiner Tochter hin. Diese nahm ein Tuch und wusch im Glauben an den wahren Gott die Aussätzigen und alle wurden rein. Arius konnte sie alle als rein erklären und ihnen die Freiheit geben, was tausend Priester nicht konnten.“

 

„Baltasar, lasst mich mit Jakobus zusammenkommen, was ich hier höre, geht über allen Menschenverstand „30 Aussätzige durch Waschen mit Wasser, was gesegnet wurde“ – was sagten denn eure Priester dazu?“ „Lieber Herr, sie haben sich zu dem wahren Gott bekannt und wir hatten nur eine Aufgabe, unser Herz und unser Haus von den Götzen frei und sauber zu machen, was wir auch alle taten. O, das wahren Tage der Freude und des wahren Glückes, weit über hundert erhielten ihre Gesundheit und alle den wahren und rechten Glauben an den Gott der Juden, aber nicht, wie er im Tempel gelehrt wurde, wo große Opfer und harte Buße verlangt wurde, die die Priester wie eine Selbstverständlichkeit hinnahmen, sondern Liebe zu Gott und dem Nächsten zu üben.“ „Ich danke dir, liebe Mutter“, sagte der Römer – „ein kurzer Bericht, aber ein reiches Erleben.“

 

Baltasar, ich glaube, dass du mir ein großes Geschenk übermittelt hast. Darf ich heut euer Gast sein?“ Ja, er war nicht nur Gast geworden, sondern auch der Gast des Herrn. Der Römer erbat sich eine Stunde Urlaub, um seine Zeit zu regeln und brachte gleichzeitig noch einige seiner Leute mit, denn er wollte seinen Leuten nicht vorenthalten, was er erlebte mit Jakobus; denn voller Fragen waren alle um die Wahrheit um Jesus zu erfahren.

 

Wieder füllte sich der Andachtssaal, voll bis auf den letzten Platz, denn Jakobus sagte, dass es der letzte Abend sei, er müsse weiter zu anderen. Wie immer, war alles in der Art geblieben wie es Arius zu tun pflegte. Die Römer waren vorn an dem kleinen Altar. Noch war es dem Römer nicht möglich, Jakobus allein zu sprechen, da sagte Jakobus zu ihm: „Lieber Freund. heute nach der Andacht im Gastzimmer bin ich für dich und deine Leute da, aber ich bitte dich nochmals, deine Leute zu unterrichten, mit Fragen zu warten, denn diese Nacht soll euch allen die Wahrheit werden!“

 

Wieder brachten Fremde kranke Kinder, kranke Mütter und einen gelähmten Mann, der getragen werden musste. Voller Mühe wurde er vor den Altar hingebettet, was die Römer mit Erstaunen sahen. Faustinus war innerlich erregt und erstaunt. So manchen Gottesdienst hat er miterlebt in Schulen, Tempeln und Synagogen, aber noch niemals so etwas. Jakobus begrüßte alle mit Segensworten und seine Rede klingt aus: „Haltet euch nur an Jesus Christus, Er allein ist alles in allem. Dann beugt er sich zu dem Gelähmten, aufrichten kann er ihn nicht, kaum, dass er den Kopf heben kann und seine Glieder versagen vollständig. Da kommt über alle ein Erbarmen, auch die Römer sind ergriffen, da spricht Jakobus: „Mein Bruder und ihr alle, die ihr nur eine Sehnsucht habt, gesund zu werden, seid ihr euch aber auch bewusst, dass ich euch nicht heilen kann; denn nur Der kann heilen, der allen ein Heiland sein möchte, aber ihr müsst auch Ihn, den Heiland aller Heilande erkennen als Den, der Er wirklich ist. Du Bruder, hast dich immer nur an deine Götter gestützt, die aber keine Götter sind. Eure Priester wollen aber ihr Leben nicht auf den ewigen und wahren Gott umstellen, weil eure Opfer ihr Lebensunterhalt ist.

 

Der ewige und wahre Gott aber spricht: Sorget nicht um das, was dem Leben dient, sondern sorget um das, dass Ich in und bei euch sein und bleiben kann! Alle habt ihr gehört von dem lebendigen Gott der Juden, aber eure Lauheit, die ganze und lebendige Wahrheit zu erfahren, hielt euch ab, dem auf den Grund zu gehen, was ihr hörtet. Dass eure Priester euch warnten, euch um den Gott der Juden zu kümmern, ist zu verstehen, denn wer gibt ein schönes Leben auf; aber nun hat euch der Zustand, die Not, die Sorge um eure Lieben hierher getrieben weil ihr wiederum gehört habt von den Heilungen. Du Freund, der du dem Gelähmten die Bitte nicht abgeschlagen hast, ihn hierher nach Rakka zu bringen, soll ein guter Lohn werden, nicht mit Gold oder Silber, denn deine Priesterherrlichkeit war sehr klein geworden vor dem Elend deines Bruders. An euch aber mit euren Kindern habe ich nur eine Bitte, glaubet, was ich euch allen ans Herz lege. Es geht im Grunde nicht um den Glauben, sondern um das, was aus dem Glauben an Gott hervorgehen soll – nämlich ein Leben in Gott!

 

Eure Götter haben kein Leben und konnten niemals ein Leben haben, weil sie nur darstellen sollten den Mantel Gottes, also einen Gott, der euch völlig unsichtbar und mit einer elementaren Kraft erfüllt sein soll. Hier aber mache ich euch wiederum bekannt mit dem wahren und lebendigen Gott, der im Kleide eines Menschen mit Namen Jesus sich so offenbarte, wie es noch zu keiner Zeit auf der Erde war. Dieser Mensch Jesus, der sich mit der Hilfe Gottes in allen Dingen durchdringen musste, wurde nicht anerkannt von den Dienern Gottes, ja noch mehr, Er wurde wie der ärgste Feind gemieden, verfolgt und musste am Kreuze sterben. Aber dies musste geschehen um des Heiles aller willen, denn nach 3 Tagen stand Er in Seinem geistigen unzerstörbaren Kleide unter uns und richtete uns wiederum herrlich auf und schenkte uns Seinen herrlichen Geist, aus Dem ich wirken darf um seine Herrlichkeit zu offenbaren!

 

Doch sollen euch nicht meine Worte wie ein Gesetz in euer Herz hineingeschrieben werden, sondern ganz frei sollt ihr es annehmen oder ablehnen. Da aber ihr alle Den erleben sollt, der für euch in alle Ewigkeit euer ewiger Vater sein will, wollen wir Ihn alle gemeinsam bitten, sich zu offenbaren als der Heiland, als der Vater, Dem ihr alle euer Vertrauen schenken sollt. O Vater der Liebe, Du Vater aller Deiner ringenden Kinder, voller Sehnsucht bringen wir dir unsere Kranken und Mühseligen und mit Sorge Beladenen zu Dir und bitten Dich, o Du heiliger Gott und Vater – erbarme Dich aller. Erbarme Dich in Deiner Liebe unserer Geistesarmut, komm uns zu Hilfe mit Deiner Kraft, mit Deinem Licht und entzünde in uns allen die Sehnsucht, Dich immer mehr und noch näher zu erkennen, damit wir Dir danken können für Deine Liebe, für die Du Dich geopfert hast am Kreuze. O Jesus, Du Heiland aller Heilande, sieh – diese Armen und Kranken brauchen Dich, brauchen Deine Heilskräfte, darum komm – komm mit Deiner Hilfe – Amen.“

 

Da wird allen das Gesicht und alle sehen den Heiland Jesus. Er spricht: „Kinder, wer Mich so bittet aus der Tiefe seines Herzens, da kann Ich die ewige Liebe nicht fern bleiben. Ich bin gekommen, euch zu dienen, denn im Dienen liegt das Offenbarwerden Meiner Liebe. Da aber Ich euch allen ein Denkmal Meiner Liebe in euer Herz setzen will, so sage ich zu euch Kranken, erstehet in Gesundheit und ihr Mütter, die ihr eurer Kinder wegen gekommen seid, vergesset diese euch gewordene Liebe nicht und erlebt für euer ewiges Leben Mich als die ewige Liebe. Amen.

 

Seid alle gesegnet aus der Fülle Meiner Liebe, seid gesegnet, damit ihr alle erstehet für das Leben aus Mir, seid gesegnet, damit ihr auch ersehet in Meinem Geiste, der eurem Geist das Zeugnis gibt, dass ihr Meine Kinder geworden seid. Amen.“ Das Gesicht war vorüber, aber nicht vorüber war die Freude, denn der Gelähmte sagte: „O Gott, ich habe Dich gesehen. Deine Hand lag auf meinem Kopf, mich durchströmte eine große Wärme, ein Ruck – und ich kann mich bewegen- ich bin gesund.“ Ein Anderer bezeugte dasselbe und andere bezeugten auch wieder dasselbe und alle konnten bezeugen Jesus, Der allen erschienen war, hatte alle gesund gemacht. Der Jubel, die Freude, den Herrn gesehen zu haben, war nicht zu dämpfen, denn das war noch nicht erschienen wie Jesus sichtbar die Kranken gesund machte. Arius war stumm von dem Gewaltigen was er erlebte.

 

Jakobus erbat sich Ruhe, er sagte: „Meine Brüder und Schwestern, werdet stille – ich will mich verabschieden, denn noch warten einige auf mich. Vergesset das Danken nicht, denn es wäre Vermessenheit, wollte ich zu dem Geschehenen noch etwas sagen. Gehet still nach Hause. Die Fremden mögen sich an Arius halten, mir aber ist es Bedürfnis, euch noch zu segnen aus meiner Liebe. Wir werden uns kaum wieder sehen, aber im Geiste wollen wir uns treu bleiben durch die Liebe, die euch heute wiederum offenbar wurde. Wer noch irgendwelche Fragen hat, wende sich an Arius, ihn hat die ewige Liebe dafür bestimmt.

 

Seid gesegnet, damit ihr als Gesegnete erfüllen könnt die Sehnsucht des Herrn, der euch allen so wunderbar Seine Liebe offenbart hat. Seid gesegnet aus Seinem Liebegeist, damit ihr alle erstehet zu dem Leben, welches euch alle zuströmt aus dem Füllhorn Seines Herzens.“ Noch ein Winken zu allen und Jakobus ging mit Baltasar und den Römern eine Treppe höher. Als es soweit war und Amelia befriedigt alle anschaute, sagte der Römer: „Freund Jakobus, eigentlich habe ich nichts mehr zu sagen, denn ein Gaukelspiel kann keine Heilungen hervorbringen. Wo und wie, kann man die Lehre, die Jesus verbreitet hat, erfahren, denn da gehört ja eine Zeit dazu, um alles zu studieren.“ Jakobus: „Du irrst, lieber Freund! Liebe Gott über alles und deinen Nächsten wie dich selbst – ist die ganze Lehre. Gott, den man nicht sehen kann, lebt aber in einem jeden Menschen als ein winziger Geistfunken und ist befähigt, alles, was in deiner Seele lebt, zu vergöttlichen. Alles, was du in deiner Liebe deinem Nächsten tust, tust du in Wirklichkeit Gott. Tust du in deinem Hass deinem Nächsten ein Unrecht, tust du es in Wirklichkeit auch Gott!“

 

Der Römer: „Jakobus, so ist es aber nicht gemeint, denn wenn du dich in einem Ärger befindest, ist das Göttliche in dir wie eingekapselt in deiner Seele, aber den Menschen, den du geschlagen hast, da hast du in Wirklichkeit Gott geschlagen? Jakobus, wie ist es da mit den Verbrechern, lebt da auch das Göttliche in ihnen?“ Jakobus: „Nein, mein Freund, denn ein Verbrecher hat das Göttliche in sich wie totgetreten. Obwohl der Gottesfunken in keinem Menschen vernichtet werden kann. Aber das Göttliche ist wie tot. Würde das Göttliche im Menschen zu vernichten sein, da wären ja schon die Menschen tot, obwohl sie noch lebten. Der Herr Jesus aber hat Sein Leben in die Wagschale gelegt und ist gestorben am Kreuz und am 3. Tag als ein Lebendiger wieder dem Grabe entstiegen und hat allen Menschen ein Leben gebracht. Der Mensch nun, der an Jesus glaubt, Sein Liebesgebot erfüllt, wird das ewige Leben überkommen, obgleich er stürbe.“

 

Der Römer: „Jakobus, rede verständig, die Zeit ist kurz, wer soll das verstehen? Ich überkomme ein Leben nach dem Tode, wenn ich die Bedingung erfülle?“ Jakobus: „Jawohl mein Faustinus, alle Gräber haben sich geöffnet, als der gekreuzigte Jesus den Tod besiegt hatte, alle dürfen leben – ewig leben, wenn die Liebe, die das Leben selbst ist, einen jeden Menschen erfüllt.“ Faustinus: „Jakobus, das ist das größte Geheimnis. Was habe ich alles gehört von Juden, von Priestern, von Schriftkundigen und Weisen – aber das konnte keiner bezeugen, dass wenn ich von Liebe innerlich erfüllt bin, dafür mit einem ewigen Leben belohnt werde.“ Jakobus: „Faustinus, deswegen wurde Gott Mensch, damit alle Menschen für ewig leben!“ Faustinus: „Jakobus, das ist zuviel, demnach müssten mein Vater, meine Mutter und alle doch noch leben. Wo leben so viele Menschen nun, die uns vorausgegangen sind und was tragen sie für Leiber?“ Jakobus: „Faustinus, schließet eure Augen und dann unterhaltet euch mit ihnen.“

 

Eine kleine halbe Stunde waren die Augen geöffnet, dann sagte Jakobus: „Seid nun der Wirklichkeit wiedergegeben und was sagst du nun, lieber Freund? Aber komm mir nicht mit der Ausrede "das war ja wie ein Traum".“ Faustinus: „Jakobus, es war wie ein Traum, denn anders kann ich es mir nicht denken, aber nach dem was ich heute erlebt habe, kann ich mit meinem heidnischen Glauben nicht mehr mitgehen, denn ich wünschte mir, ich könnte auch so ein Leben wie mein Vater nach dem Tode haben.“ Jakobus: „Freund, noch ein viel Besseres, denn dein Vater nahm erst den Glauben an Jesus Christus im Jenseits an, du aber kannst dir schon jetzt diese Welt erbauen, in der du einst leben wirst, da ja das ewige Leben in deiner Brust als Mensch schon beginnt. Das Reich Gottes liegt in einem Menschen tief verankert, wie der Gottesfunken auch in einem jeden Menschen tief verankert ist.“ Lange noch unterhielt man sich, dann aber drängte Jakobus zur Ruhe, da am frühen Morgen die Reise weitergehen soll.

 

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Weiterreise zu Andree und Ludmilla, Ankunft in der Herberge bei Kaspar

 

 

Ohne viel Aufsehen fuhren noch zwei Wagen weiter. Doch Baltasar blieb bei Jakobus. Baltasar blieb auf der Karawanenstraße. Es war nicht möglich, das Ziel an einem Tag zu erreichen, darum musste in einer Herberge Unterkunft gesucht werden. Der Frauen wegen wurde zeitig die Ruhe aufgesucht. Es war auch in der Herberge ruhig. Endlich am anderen Tag erreichten sie die Herberge des Kaspar. Als die beiden Wagen in den Hof einfuhren, kam gerade Ludmilla aus dem Haus. Jakobus sehen und auf ihn stürzen war das Werk einer Minute. Sie umarmte ihn mit Tränen in den Augen – dann erst die anderen. Baltasar aber wendete sich Amalia zu und sagte: „Sieh, welch eine Freude wir hier erleben.“

 

Ludmilla kann es noch gar nicht fassen. Andree und Kaspar kamen neugierig, was sich da noch einfindet, denn viel Verkehr war hier nicht. Als er aber Jakobus sah, rannte er schnell ins Haus und rief alles zusammen. „Jakobus ist gekommen, Jakobus ist da!“ Salome rannte schnell in das andere Haus und brachte allen die Botschaft: "Jakobus ist gekommen!"!!! Als die erste Freude vorüber war, ging es ans Erzählen. Noch lange wurde gesprochen, sogar beim Essen gab es ein Fragen und Antworten. Jakobus aber sagte: „Ich bin nicht allein gekommen, wir wollen heute Abend niemand von unserem Kommen benachrichtigen, denn der Tag war heiß und der Weg nicht gut.“ Andree und Ludmilla aber blieben noch lange allein, denn es gab so Vieles, was noch in den Beiden nicht Eigentum war.

 

Ein herrlicher Morgen versprach einen guten Tag – es war Sabbat; aber kein Sabbat nach Art der Juden, sondern ein Tag, an dem wohl alle Arbeit ruhte. Alle kamen gleich nach dem Mittagsmahl zusammen. Wie staunten alle – es hatte sich herumgesprochen, dass Jakobus angekommen war. Alle kamen und die Freude war wirklich echt. Es waren auch noch heute neue hinzugekommen, die Jakobus noch nicht gesehen hat, aber für Baltasar und den beiden Frauen war diese Liebe, dieses gegenseitige Verstehen, doch etwas Gewaltiges. Eine kleine Gemeinde, wo der Feind alles Lebens noch nicht eingebrochen war. Wieder einmal wurde Andree und Ludmilla bedauert, weil sich kein Kindchen einstellen wollte. Andree, der als der Leiter mit seiner Ludmilla dort die geistige Pflege hatte, hat nun eine große Stube für diese Zwecke errichtet, freilich ohne jeden Schmuck, nur ein einfaches Kreuz stand auf dem Tisch, vor dem jedes Mal Andree sprach.

 

Nun stand Jakobus vor diesem einfachen Altar, tief ergriffen wurden alle, als er sagte: „Meine geliebten Freunde, Schwestern und Brüder, diese Stunde gibt mir wieder den Beweis einer Liebe, in der alle Möglichkeiten liegen. Als ich vor Jahren hier einmal einkehrte, hätte ich nicht geahnt, welch ein Glück ich jetzt unter euch erlebe. Denn rein habt ihr die Lehre, eure Liebe und das Dienen gehalten. Es ist dies ein Wunder ohnegleichen, weil der Feind alles Gotteslebens hier noch nichts vermochte. Überall, wo ich hinkam, waren Klagen, das kann Bruder Baltasar bezeugen. Ja, es war der Drang des Bruders Baltasar, mich überall hinzubringen, wo durch die Gnade Jesus ich den Grund legen konnte zu diesem, euren Glauben. O mein Andree, denke noch an die Stunde, wo ich dir sagen konnte, werfe den Iwan den Götzen vor die Füße und alles wird gut. O Salome, wem verdankst du dein Glück, mit Iwan zusammen wirken zu können im Geiste der Liebe Jesu.

 

O ihr alle, welch ein Glück, ihr habt Wasser für Haus, Hof und Vieh, während überall die Not in den heißen Sommertagen ist. So irdisch wie alles aussieht, wird es euch doch zum himmlischen Reichtum, weil euer Gott, euer Vater Jesus eure Liebe geworden ist. Darum brauche ich euch nicht zu lehren "tuet dieses oder lasset jenes", denn in euch lebt die Liebe, die ich in euch wecken und entzünden konnte, weil ihr alle eure Götzen begraben habt und ein Vater erstehen konnte in euren Herzen, der mit euch lebt. O sehnt euch nicht fort in die weite Welt, es werden euch noch genug Gelegenheiten werden, eure Gemeinde zu vergrößern; aber eine Gefahr ist vorhanden, dass auch der Feind alles Lebens seinen Einzug hier halten kann. Meine Freunde, ist es nicht ein Wunder, ihr habt keine Kranken, seid in allen Dingen unterrichtet und seid einig unter euch. O bleibet so einig, bleibt in der brüderlichen Liebe, dann kann die Not nicht so in eure Reihen eindringen, wie es an vielen Orten ist. Was aber ich erleben durfte in Jerusalem, eine gefährliche Seuche wütete, die so manchen ins Grab brachte und wiederum, welches Wunder, alle die, die sich im Gebet an Jesus den herrlichen Heiland und Erlöser klammerten blieben heil oder wurden gesund. Tag und Nacht arbeiteten die Brüder und Schwestern an dem großen Rettungswerk – es wurde köstlich belohnt – ihr lebtet im größten Frieden mit euren Kindern und mit euren Nachbarn und halft euch in allen materiellen Dingen.

 

Lasset uns jetzt auseinander gehen, es sei jetzt für diesen Nachmittag genug, wir wollen heute Abend wieder hier zusammenkommen im Namen und im Geiste des Herrn. Ich bleibe einige Tage bei euch und diene einem jeden, der meiner Liebe bedarf!“ Der Abend brachte wieder alle zusammen. Andree, wie immer, dankte allen und sein Gebet um die Gegenwart Jesus war so von Herzen kommend, dass ein jeder fühlte, das ist "gebetet". Dann bat er Jakobus, den Dienst zu übernehmen. Segnend erhob Jakobus seine Hände und sagte dann: „Im Geiste Jesus, der unser Vater und Gott von Ewigkeit her ist, will ich nur einige Worte sagen die einmal unser Meister Jesus sagte: Liebet euch, wie Ich euch geliebt habe! Diese wenigen Worte sagen uns alles, was für alle Menschen gilt und was auch für alle Ewigkeiten voller Wert hat. Liebet euch! Liebet euch um der Liebe willen, denn in der Liebe ist Er, Der Selbst die ewige Liebe ist unter uns, in der Liebe wir zueinander stehen, steht Er zu uns. Aber es ist ein Unterschied von Liebe zu Liebe. Als einmal Johannes und Petrus in den Tempel gingen war gleich hinter dem Tor ein Bettler und bat um Almosen.

 

Petrus sagte zu ihm: Gold und Silber habe ich nicht, aber was ich habe, will ich dir geben: Stehe auf und wandle und sei gesund, damit du nicht mehr zu Betteln brauchst. Der Bettler dankte und jubelte – er konnte sich selber helfen. – Sehet meine lieben Brüder und Schwestern – das isst geholfen! Was tut unser Vater Jesus, Er hilft – weniger mit materiellem Gut, aber desto mehr mit geistigem Gut. Was war bisher unsere Arbeit in Jerusalem, nur ein Helfen und denen wir helfen durften aus der Gnade Jesu, der ist uns ein Helfer geworden. Die Liebe, die wir fühlen in unserem Herzen, ist ein hohes und heiliges Gut! Nicht Umarmen und Küssen ist Liebe, sondern bringt nur die Liebe zum Ausdruck. Alles, was ich in meinem Herzen für euch finde, ist nur ein schwacher Ausdruck, o wenn ich könnte, ich würde euch ein Leben der Liebe bieten eines Königssohnes oder Tochter würdig. Denn noch ist alles im Werden. Denkt an die Zeit, wo Moses das Volk 30 Jahre durch die Wüste führen musste. Ein Volk, das gut zu essen, gut zu leben verstand und nun in der Wüste leben – ein eintöniges Leben. O wie jammerte das Volk, was tat Gott? Er erfüllte ihre Wünsche, aber nicht wie in Ägypten, sondern nach Seiner Art und Weise. War schon die Errettung aus Ägypten ein Wunder, so reihte sich Wunder an Wunder. Felsen spendeten Wasser, jeden Tag konnte sich ein Jeder sein Manna sammeln. Fleisch wurde geschenkt in Wachteln, und warum?

 

Weil Er Seine Liebe zu dem Volk, aus dem Er Selbst als Mensch hervorgehen wollte, Sich immer mehr und mehr offenbaren wollte. Sollte Er, Der solches in Seiner unsagbaren Liebe Seinem Volke tat, nicht auch heute noch Seinen Kindern tun? O du herrlicher und heiliger Vater, Der es Dir größte Wonne ist, Deine Kinder zu beglücken, o mache wahr, was Du in Deiner Liebessehnsucht uns, Deinen Kinder, verheißen hast und Sei uns sichtbar gegenwärtig, wie Du beglückt hast in den vergangenen Tagen.“ Da wird Er wiederum in Seinem weißen Gewand allen sichtbar, geht von einem zum anderen und spricht zu jedem einige Worte, so Er die Hand auf eines jeden Haupt legte. Jeder vernahm in sich laut die Worte und wusste nicht, dass andere die Worte gar nicht vernehmen konnten. Es war für alle eine so rege und volle Teilnahme und doch war ein Jeder mit dem Vater so innig verbunden. Zu Andree und Ludmilla muss Er viel gesprochen haben, denn es dauerte einige Zeit, ehe Er von den Beiden weiterging.

 

Über eine volle Stunde dauerte dieses Schenken und in allen Augen glänzten Tränen der Freude, vor allem in Ludmilla, denn es muss etwas Überherrliches gewesen sein! Als dieses Schenken alle genossen hatten stellte sich der Vater Jesus neben Jakobus und durch den Mund Jakobus sagte Er noch: „`Kinder Meiner Liebe, Kinder Meines Herzens, was Ich euch gab, wird für Ewig euch ein heiliges Vermächtnis bleiben. Was Ich euch allen schenkte, bleibt aber auch für eure Umwelt ein Erlebnis, denn oft ist ihnen Meine Liebe und Erbarmung ein Etwas, was sie unfrei und unfroh macht. Wie gern würde Ich eure Liebe noch mehr belohnen, aber es wäre eine Gefahr für euch, weil ihr dann träge würdet in eurer Seele, so ihr aber eure Liebe steigert zueinander, kann auch Ich Meine Liebe in dem Maße steigern. Darum, du meine Amalia, bringe den Becher und lasse aus Meiner Liebe in dir allen verkosten, was Meine Liebe und die Macht der Liebe vermag. Fülle den Becher mit reinem Wasser und alle können trinken soviel sie wollen – er wird nicht leer werden.`“

 

Da ging Amalia und holte den Becher. Salome füllte ihn mit Wasser und den ersten Trunk reichte Amalia ihrem Vater Jesus, Der auch wiederum in diesem Augenblick den Becher nahm und den ersten Trunk tat. Er sagte: „`Trinket alle daraus, es ist Meine Liebe, es konnte aber nur geschehen, weil du, meine Tochter, Mir den ersten Trunk anbotest!`“ Ja, das war ein Wein, solch einen hatte noch niemand getrunken, dass aber der Becher nicht leer wurde, war allen das noch größere Wunder. Es verging einige Zeit, bis der Becher die Runde machte, dann aber sagte Jakobus: „Wer von euch noch mehr trinken möchte, tue es, dieser Wein macht nicht trunken, sondern stärkt euch in eurer Seele und eurem Geist.“ Dann wurde der volle Becher auf den Tisch gestellt, wo das Kreuz stand und nun wurden allen die Augen aufgetan. Sie konnten sehen, wie die geistigen Freunde auch einen Schluck nahmen, was allen ein noch größeres Wunder war.

 

Da sagte Jakobus: „Sprechet sie an und ihr sollt ihre Antworten hören;“ aber nur Andree tat es, die anderen hatten nicht den Mut. Andree sagte: „Bruder, vernimmst du mich“ – da nickte Er mit dem Kopf. Dann fragte er weiter: „Bist du glücklich?“ Da hörten alle wie Er sagte: „Nicht nur glücklich, sondern selig, denn heute habe ich das erste Mal die Liebe Gottes erlebt, weil ich mich immer vor Ihm fürchtete und Angst hatte.“ „Bruder Angst – ja warum denn, Gott ist doch Liebe und warum Furcht? Liebe Den, Der dich heute solche Liebe erleben lässt und du wirst immer noch größerere Seligkeit erleben!“ Die Zeit war um.

 

Jakobus sagte: „Freunde, Schwestern und Brüder, dieser Tag soll für immer ein Gedenktag bleiben, denn ihr alle habt Seinen Wein getrunken, Seine Liebe erlebt – dies aber soll euch nicht verpflichten; aber ein neues Erkennen soll dieser Tag zeitigen, damit ihr alle die Quelle erkennt, aus der alle schöpften. Es ist Sein heiliger Geist – nur Sein Geist soll euch beleben, erfüllen, treiben und drängen, zu lieben aus diesem Geiste. Was euch heute wurde, wird kaum ein zweites Mal geschehen, darum genüge das eine Mal für immer.

 

Der Grund wurde gelegt bei meinem Kommen zu euch, aber den Gott, Den ihr durch mich zu eurem Gott gemacht habt, müsst ihr noch mehr verherrlichen, - es ist der heiligste Wunsch und Seine größte Sehnsucht, dass ihr alle nur aus Ihm schöpfen, aus Ihm leben sollt. Ja, soweit muss es mit euch kommen, dass ihr wie ich sagen könnt: Nun lebe nicht mehr ich, sondern mein ewiger Gott und Heiland lebt in mir! So wünsche ich euch allen eine gesegnete Nacht!“ Nun kamen frohe Tage für Kaspars Haus. Die alte Mutter Vera war überglücklich, als sie einmal Jakobus für sich allein hatte. Sie sagte: „Bruder, du hast unserem Haus einen Segen gebracht, der gar nicht genug geschätzt werden kann. Vor allem meine Tochter Ludmilla. Es muss ein Engel sein, der sie alle mit seiner Liebe bezaubert hat. Andree aber ist oft traurig, ergründen kann ich seine Traurigkeit nicht. Als uns Salome einen Enkel schenkte, war unser Glück groß, Iwan weiß es auch zu schätzen, aber Ludmilla – ist sie krank, weil sie uns keinen Enkel schenkt?“

 

Jakobus: „Mutter Vera, sie ist gesund, nächstes Jahr und diese Zeit kannst du einen Enkel von deiner Ludmilla in den Armen tragen. Lass dir diese Verheißung genügen und frage mich nicht um Weiteres- glaube und hoffe! Aber auch dieses kann ich dir offenbaren – eure Erdenzeit geht dem Ende zu, darum löse dich schon heute von allen, denn in deinem und deines Mannes künftigen Leben müsst ihr ganz losgelöst von allem Irdischen sein. Was dann kommt, dafür fehlen mir, wie auch allen die Worte. Du, Mutter Vera, hast deinen wahren und lebendigen Gott erlebt, aber Gott ist auch der Vater und Sohn zugleich. Jesus, der Sohn, hat es uns gelehrt. Er tat eigentlich nur das, was Ihm Sein Vater ins Herz legte und bei Seinem Sterben ging Er in die Gottheit ein und ist erstanden aus dem Grabe als ein ewiger Gott! Auch wir dürfen uns mit dem Gedanken vertraut machen, dass, wenn ich Gott einmal schauen will in Seiner Herrlichkeit, ich zuvor auch göttlich sein muss. Darum habe Geduld und lehne dich an deinen heiligen Gott und Vater an, dann wirst du durch Ihn in deiner Seele göttlich. Nütze jeden Tag, denn Er ist ein Geschenk Gottes, lebe nur noch der Liebe und verbanne jede geheime Sorge, dann wirst du lebendige Liebe, so geht dann einmal dein Leben in derselben Liebe weiter, wenn du erlöst bist von allem Übel in deiner Seele!“

 

Andree und Ludmilla kommen herein, sie wollen etwas mit Jakobus besprechen, aber Vera sagte: „Kinder, wie schön, dass ihr auch einmal nach eurer Mutter schaut. Es ist ein reges Treiben um euch, vor allem um Jakobus. Nu hat mir Jakobus so etwas Schönes gesagt, dass ich innerlich ganz selig bin.“ Ludmilla: „Das freut mich, mein Mutterle, wir haben auch allen Grund, uns zu freuen. Denk dir, Baltasar will sich hier ein kleines Häuschen bauen und mit seinem Weib und deren Mutter hier wohnen, ist das nicht herrlich?“ „Ja Kind“, sagte Vera, „aber wer soll denn das bezahlen?“ Ludmilla: „O Mutterle, immer wieder die Sorgen! O sorge dich ja um nichts mehr, denn Baltasar ist reich, er will noch Vieles hierher bringen lassen, es sollen noch viele Häuser gebaut werden, weil die Not der Christen immer größer wird. Ach, was wir alles erfahren haben, erfüllt mich mit so einer Freude – wenn es nur bald so weit wäre!“

 

Andree spricht: „Ludmilla, freue dich dessen nicht so sehr, denn wir wissen, je ruhiger wir werden, desto weniger kommen Widerstände. Kommt Zeit kommt Rat.“ In diesem Augenblick erscheint ihnen Der liebevollste Vater Jesus. „Seid gegrüßt, meine geliebten Kinder, es wird noch mehr geschehen, wenn sich eure Liebe noch mehr der Nächsten erbarmt. Bis jetzt waret ihr im Verborgenen, eure Gemeinde blieb klein – das wollte Ich – aber nun mein Sohn und Bruder Baltasar zu euch gekommen ist, wird er all seine Erkenntnisse, seine immer tätige Liebe dahin wirken, dass für Viele hier bei euch eine Heimat werde. Doch lasset alles so gehen und dämpfet eure Liebe nicht.

 

Du Andree und Ludmilla, ihr habt getreu verharret in eurem Versprechen, ihr seid rein und frei geblieben von den Begierden in eurem Fleisch. Nun bitte ich euch, zeuget eine Frucht, aber mit Mir verbunden und bleibt in der Liebe, dass auch Ich unter euch so verbleiben kann in demselben Maße. Du Andree, bleibe Priester, du Ludmilla, seine Priesterin. Ab heute sollst du Gesichte haben und die Kraft zu heilen. Allen, denen du die Hände in Meinem Geiste und in Meiner Liebe auflegst, soll es zur Stunde besser werden. Es werden noch viele zu euch kommen, darum lasset nur Mich in euch das Wirkende sein, damit sich Meine Sehnsucht verwirkliche. Rüstet euch für arbeitsreiche Tage, denn Mein Wille ist es, dass ihr nicht müde und schwach werdet. Du aber, Mein Jakobus, wir bleiben was wir waren und werden auch weiterhin allen zum Heil, allen zur Freude und zu einem Leben aus Mir verhelfen.“ Der Herr war nicht mehr da.

 

Da sagte Vera: „Kinder, Jakobus, war das aber schön! Warum durften das die anderen nicht miterleben?“ Ludmilla: „Muttel, weil das nicht für die anderen war, es war nur für uns, liebe Muttel – du aber durftest es miterleben! Freue, freue, freue dich!“ Die Tage vergingen. Jakobus hatte noch nicht den Ruf bekommen weiterzuziehen, da kommt ein Trupp römischer Soldaten, die eine Karawane aufgegriffen haben, geführt von Julius, der in sich das Drängen und den Ruf vernahm, hierher zu eilen an das Ziel, welches Jakobus ihm geschildert hatte. Soviel Menschen hatte Kaspar noch nicht gesehen, aber auch solch ein Elend nicht. Rasch waren die Einwohner dieses kleinen Dorfes benachrichtigt und gebeten, Hilfsdienste zu übernehmen; denn weit über hundert Sieche und Kranke waren darunter und alle waren Christen. Nur an einen Wagen ließ Julius niemand, denn es waren Templer, die schwer gefesselt waren.

 

Jakobus war ergriffen von dem Leid, aber noch ergriffener von der Gnade und der Führung seines Bruders und Meisters Jesus. Stunden dauerte es, bis endlich daran gedacht werden konnte, sich zu sammeln, nun erst konnte das große Elend übersehen werden. Baltasar übernahm nun die ganze Regelung, während Jakobus sich der Kranken annahm. Noch wusste keiner der Befreiten, dass Jakobus derjenige war, der ihnen Linderung an Leib und Seele gab. Er wollte es ja Andree und Ludmilla überlassen. Diese aber stützten sich noch auf Jakobus. Da sagte Jakobus: „Andree, du bist hier der Priester und dein Weib deine Helferin, so ist es des heiligen Vaters Wille!“ Da wollte Andree Widerspruch geben, aber Ludmilla sagte: „Andree, ist das Wort des Jakobus nicht für uns das Wort des Vaters, Der uns so wunderbar gewürdigt hat! Wir können dem Bruder Jakobus keine größere Freude machen, wenn wir selbständig handeln aus dem Geiste der Liebe!“

 

Julius war erschüttert, in ihm kämpften Wut, Zorn, aber auch Mitleid. Er trat zu Baltasar und sagte: „Bruder, ich komme nicht weiter, am liebsten möchte ich die Tempelbrut nackt der heißen Sonne aussetzen ohne Brot und Wasser. So etwas an Verstocktheit, Hochmut und Hass habe ich noch niemals erlebt. Was mache ich mit dieser Tempelbrut?“ Baltasar: „Werde erst einmal ruhig, Julius. Alles Ding braucht seine Zeit. Alles musst du aus dir selbst regeln. Denke immer daran, dass es auch Menschen sind, die zu dem Hass erzogen wurden um Jesus und Seine Bekenner zu vernichten.“ Es war nur gut, dass es auch genug Lebensmittel gab, die der große Transport mit sich führte, denn für so Viele hatte das Dorf noch niemals gesorgt. Am Abend waren alle untergebracht in Zelten, bei den Nachbarn und in der Herberge. Das ganze Dorf war ein einziges Krankenhaus. An eine stille Andacht konnte noch nicht gedacht werden; aber Andree ging von Haus zu Haus um zu einer Besprechung einzuladen – wer abkommen konnte.

 

Alle Männer kamen – Frauen konnten nicht abkommen. Baltasar übernahm nun die Besprechung und bat alle Brüder, sich zu beteiligen an der Aussprache, die nun folgte. Andree bat Baltasar, da er der sei, der genügend Erfahrung habe, einen Vorschlag zu machen was zu tun sei, mit den Brüdern zu sprechen, denn Julius habe seine Not mit den Templern. Baltasar sagte: „Brüder, wir wollen nichts überstürzen, vor allem lasset euch allen die Mühe nicht zuviel werden – einer trage den anderen; aber soviel Machtbefugnisse habe ich als ein Römer doch nicht, dass es nach meinem Willen gehen soll. Vor allem, wir wollen Brüder sein, weil uns unser Vater, Gott und Herr in Jesus auch Bruder geworden ist. Lasset keine Sorgen aufkommen, dass die Not der Armen und Befreiten euch zu einer Not werde.

 

Ich bin nicht arm an Gütern, ich stelle alles Meinem Vater Jesus zur Verfügung – ihr aber seid auch reich, aber reich an Liebe und um diese geht es jetzt zur Stunde. Da es noch nicht abzusehen ist, alle zusammen zu vereinigen um sie zu befragen wegen ihrer Zukunft, müssen wir uns in Geduld üben; aber ihr könnt euch nach ihren Wünschen erkundigen. Ich plane, hier eine Siedlung zu gründen, wie es auch an anderen Orten geschehen ist. Ich werde die Vorsteherstelle übernehmen und euch um das Vertrauen bitten. Seid ihr alle gewillt, mir alles zu übertragen – mit meinem Leben und Dienen will ich es euch danken.“ Eine volle Einstimmigkeit war vorhanden. Da sagte Herminus: „Bruder bestimme – wir folgen dir wortlos, denn vor diesem Geschehen sind wir ohnmächtig. Wer hier nicht die größte Gnade Gottes und die Führungen sieht, ist nicht wert der großen Liebe, die wir erfahren durften. Mir deucht, dass unser herrlicher Gott nicht nur Gehorsam, sondern mehr von uns erwartet, nämlich Liebe, wahre lebendige Liebe!“ Nun war alles geordnet im Sinne der Liebe – nur Julius war nicht weitergekommen, denn die drei Templer blieben was sie waren – Sklaven des Tempels.

 

Es war Sabbat, alle hatten sich eingefunden um Sabbat zu feiern, aber auf einem freien Platz, weil kein Haus da war, wo man sich versammeln konnte. Nur eine Erhöhung hatte Andree geschaffen, wo er als der Priester zu allen sprechen konnte, weil es Jakobus so wollte. Er erschrak, als er die Menge Menschen sah, wo waren denn all die Menschen hergekommen? Die Stimme wollte ihm versagen, da sieht er auf einmal Jesus, Seinen geliebten Jesus, so natürlich wie Er bei Rake erschien und er Ludmilla als seine Priesterin erhielt. Er wollte es allen laut sagen; aber Jesus hielt Seinen Zeigefinger an Seinen Mund. Da sagte Andree: „Brüder und Schwestern, es ist für mich ein Geschenk aus Gott, dass ich zu euch allen sprechen kann. Vor allem seid im Namen und im Geiste unseres Herrn und Gottes, Der uns in dem Auferstandenen Jesus offenbar wurde, herzlich gegrüßt und ein Willkommen im Herrn, die ihr alle zu uns geführt worden seid.

 

Die Liebe, die wir erleben durften, drängt uns alle, euch eine Heimat zu schaffen, nachdem ihr euch entschlossen habt, bei uns zu bleiben. Da wir aber ohne Hilfe des liebevollsten Vaters nicht weiterkommen, wollen wir Ihn recht innig bitten um Seine Gegenwart. Euch, die ihr hier noch krank seid, noch Schmerzen und Sorgen um eure Zukunft habt, bitte ich, vertraut uns und seid versichert, dass wir nur nach dem Willen des Herrn handeln wollen. Darum bitten wir Dich, Du unser Vater der Liebe, Du Vater der übergroßen Barmherzigkeit, komm zu uns, lehre uns Selbst, was wir aus Deiner Liebe, aus Deiner Weisheit und aus Deiner Erbarmung tun sollen. Du siehst in unsere Herzen, Du weißt um unseren guten Willen, Du weißt auch um unsere Schwäche und auch um unsere Armut, obwohl Du uns durch Deine Liebe so überreich gemacht hast. Mein Vater – Deine heilige Helferliebe habe ich sooft erfahren, ich bitte Dich, stärke mich, denn vor solcher Not müsste ich verzagen, wenn ich nicht wüsste Du bist bei uns! Darum bitte offenbare Dich allen, dass ein jeder gestärkt werde mit dem Bewusstsein, Du bist unter uns mit Deiner Liebe, Kraft und Herrlichkeit. Amen.

 

Liebe treue Schwestern und Brüder, wir sind hier versammelt, um die Gegenwart Jesus und Seine Liebe zu erleben. Hinter euch liegen sehr schwere Prüfungen, aber ihr seid Gerettete und in Seiner Liebe Geborgene, eure Not hat nun ein Ende, aber die innere Not ist noch nicht beseitigt und euer Glaube ist schwankend geworden durch eure Leiden und Prüfungen. Wenn ihr gleich mir und den Brüdern und Schwestern glauben könntet, dass Er euch gesund machen kann, wahrlich es würde im Nu geschehen. Saget nicht mehr: Wo blieb Jesus, an den wir glaubten, sagt nicht mehr – wir sind Seiner unwürdig – deshalb ist das Unglück herbeigekommen, sondern werdet einmütig im Glauben und in der Zuversicht auf Seine Hilfe! Komm Ludmilla, wir wollen vereint mit unseren Kranken beten, vereint Seinen Liebewillen kund tun, damit verherrlicht werde Seine Liebe, Gnade und Erbarmung!“

 

Ludmilla sagte: „Schwestern und Brüder! Heilig ist die Stunde, aber noch heiliger das Geschenk, das wir aus Seiner Hand erhalten, denn Er will, dass ihr alle gesund werdet, so ihr im Herzen mit mir bittet: O du heilige Liebe, du unser Vater Jesus, erfülle uns ganz mit Deinem Geiste, damit alle Schatten weichen und alle Angst und Sorge in Freude und Zufriedenheit umgewandelt werde. Dank, heiliger Vater Jesus, Dank! Ich fühle den Strom deiner Kraft, ich erlebe Dich als den persönlichen Heiland, aller Heilande – nochmals habe Dank für Deine Gegenwart! Ihr aber, ihr Leidgeprüften, erhebet euch, denn ich soll euch zurufen: "Seid gesund nach eurem Glauben" – Amen.“ Sie waren gesund! Ein Schrecken, ein Freuen, ein Weinen erschütterte auch die Gesunden, da sagte Jakobus, getrieben aus dem Geiste Jesus: „Schwestern und Brüder, beruhigt euch, denn noch größere Gnade steht euch bevor. Lasset diese Liebe, die ihr alle nun erleben durftet, nicht zu einem Zwang werden, an Ihn zu glauben. Ja, ihr habt ja euren Glauben unter Beweis gestellt.

 

Ist da noch von einem Glauben an Ihn zu reden? O nein – sondern nur geprüft wurde euer Glaube und warum? Weil ihr alle eure Liebe unter Beweis stellen und ausleben sollt. Es hat sich so Mancher irre machen lassen, darum sind auch manche irrende Glaubensbegriffe unter euch entstanden und zwar in der Hauptsache der, ihr suchet Gott außer euch, ihr wähnet Gott im Himmel droben und erwartet von dort Hilfe, Kraft und Seligkeit! O lasset es nicht zu einem Irrtum werden, denn seid Seiner sichtbaren Auffahrt, deren Zeuge ich auch bin, ist allen, die in Seinem Liebegeiste erfüllt wollen sein, die überherrliche Gnade zuteil geworden zu wirken, zu leben und zu dienen aus Seinem Geiste! Seid Seiner Kreuzigung, seid Seiner Auferstehung von den Todesbanden und seid Seiner Auffahrt in Sein urewiges Sein hat alles Sichtbare von Außen aufgehört; aber ein etwas viel Herrlicheres, ein Etwas, was nicht gelehrt, was nur erlebt werden kann, ist geworden denen, die, wie ich schon sagte, von Seinem Geiste erfüllt, worden sind. Wie wollt ihr es erklären, dass ihr alle gesund geworden seid ohne der sichtbaren Gegenwart des Herrn – ihr sagt, weil ihr geglaubt habt.

 

Ja, ihr habt Recht, ich aber sage, weil Er unser Herr, unser Vater und Gott persönlich unter uns ist. Wäre Er sichtbar bei eurer Heilung, würde es euer Herz unfähig machen, Ihn so zu lieben, wie Er es ersehnt. Noch seid ihr nicht reif dazu, es so zu erkennen wie es erkannt werden muss, denn der Lebensfeind ist wütend, weil vom Jesusgeist erfüllte Menschen seiner Bosheit ein Ende machen. Darum muss Sich der überherrliche Vater, Gott und Herr hinter der Liebe Seiner Kinder verbergen. Der ganze Schöpfungsraum ist voll der Herrlichkeiten, die vom Lebensfeind unantastbar sind, da aber in Seinen Kindern eine neue Schöpfung hervorgehen soll, die nicht aus Seiner Allmacht, sondern aus der Kindesliebe und der wahren Demut hervorgehen soll. Mehr kann ich euch noch nicht sagen, weil erst in euch allen aus eurer Liebe und Demut ein Licht, ein Erkennen erstehen muss, da euer Handeln, Tun und Lassen aus allerfreiester Liebe geschieht. Licht und Erkenntnis bringt euch den Vater nicht näher, es gibt euch nur das Wissen um Gut und Böse, um Falsch und Richtig, um eure Stellung zu Ihm, unserem Gott, überhaupt ganz zu erkennen.

 

Nun habt ihr eine Liebe durch Andree und Ludmilla erlebt, eine Liebe voller Kraft und Herrlichkeit, die euch frei und voller Dank gemacht hat; aber diese Liebe wurde den beiden nicht heute geschenkt, sondern sie mussten sich dieselbe erringen, mussten allen zum Trotz festhalten an der Lehre, an den Bitten, die ich ihnen offenbaren durfte. Was ihr erlebtet, war Frucht, Samen, dazu war das Wort "Offenbarungen" und "erlebte Liebe". Da sich nun alles als Frucht oder ein Leben in Gott offenbart hat, ist der Beweis erbracht, dass der wahre und ewige Gott lebt in ihren Herzen, der da wirkt und alles heiligt! Auch ich bezeuge nur Sein Leben in mir und Sein Leben in mir spricht zu euch: „Schwestern und Brüder, würdet ihr alle Vorgänge in und um uns erahnen, ihr würdet jubeln, in euch hätten Sorgen und Kummer keinen Platz mehr. Eure Augen würden sehen was noch kein Auge sah und eure Ohren würden hören, was noch kein Ohr hörte. In euch würde sich ein Leben entfalten, welches von nichts mehr begrenzt werden kann. Eure Innenwelt würde euch zu einer neuen Schöpfung werden, deren Auswirkungen euch unfassbar wären.

 

Ihr würdet nicht mehr fragen nach Vergangenem, auch nicht nach Zukünftigem, denn eine immerwährende Gegenwart würde euch beleben mit dem, was nur dem ewigen Vater ist. Denn was dem ewigen Vater ist, das gehört euch, was aber ihr Ihm schenkt, das bereichert euch für ewig! Er gab Sein Herzblut für uns Menschen und bei Seinem Sterben am Kreuz wurde diese Liebe, die unser aller Leben sein soll, geboren. Er ging zur Erde um für uns zu sterben und mit Seinem Sterben löschte Er alle Schuld der Menschen. Mit Seinem Tode öffnete Er alle Tore zum Leben aus Gott und ebnete den Weg zu Seinem Vaterherzen. Er ebnete aber auch den Weg für Sich und Seinen Kindern und will Wohnung nehmen in den Herzen Seiner Kinder, will sie erziehen zu einer Selbständigkeit, zu einem freudigen und freien Kinde und zu einem Gefäß Seines heiligen Geistes? Wie wir 50 Tage nach Seiner Auferstehung von diesem Geiste erfüllt worden sind und es auch bleiben. Damit ihr alle aber frei werdet von allen Zweifeln, will Er dass ihr Ihn alle einen Augenblick erschauet – wie Er auf euch schaut in sehnender Liebe, mit der Sein Herz erfüllt ist! So nehmet mit diesen seligen Augenblicken entgegen Seinen Segen und die Gewissheit – Er ist in Seinem Geiste, in Seiner Liebe, Gnade und Erbarmung immer bei unter euch in dem Grade ihr bei und mit Ihm sein werdet! Seid gesegnet und ersehet im Geiste Seiner Liebe! Amen.“

 

Langes Schweigen – dann aber brach die Freude durch. Nun hatten sie den Bruder Jakobus erkannt, von dem die Welt soviel Falsches und Verkehrtes sprach. Er konnte sich kaum der Fragen erwehren, die an ihn traten. Jakobus sagte: „Ich bleibe einige Zeit bei euch, ich will euch helfen mit den Brüdern, damit ihr froh werdet und entschädigt für das, was euch blinde und verirrte Brüder zufügten!“ Was hatten nun Andree und Ludmilla für Arbeit, als es bekannt wurde, es ist euer Priester und eure Priesterin. In allen war ein Regen und Streben, als aber Baltasar schilderte von den Siedlungen die erstanden sind durch die Gemeinschaftsarbeit, wie sie alle Arbeit und Brot hatten, da wollten alle hier bleiben und sich gern ihm unterordnen und ein Klein-Bethanien errichten.

 

Was ging nun in Julius vor? Mit den drei Priestern wurde er nicht fertig. Jakobus lehnte alles ab mit der Begründung "das ist Sache des weltlichen Gerichts" – weil sie sich nicht unterordnen wollten. Endlich kam ein römischer Kommissar mit einigen Begleitern. Jakobus sehen und auf ihn zugehen war eins. Jakobus die Hand reichend sagte er: „Du bist einer der Zwölfen – was treibt dich aus der Gottesstadt?“ „Die Sache meines Meisters Jesus, lieber Freund!“ „Du kennst mich Freund und kennst mich nicht, bist du so sicher, dass du dich nicht täuschst in mir?“ „Mein Inneres hat mich noch nie getäuscht, lieber Freund, gerade du hast die größte Sehnsucht nach der Wahrheit um Jesus!“ „Du hast dich nicht getäuscht aber vorerst geht es um meine Pflicht. An wen muss ich mich wenden – hier ist ja alles in einer Tätigkeit, die mich direkt wundert!“ Komm mit mir, Julius, der Bevollmächtigte meines Kaisers, ist unterwegs. Baltasar, ein früherer Handelsherr, hat sich hier ansässig gemacht und fühlt sich berufen um Jesus willen hier eine Ansiedlung zu errichten aus seinen Mitteln. Er will ein römisches Klein-Bethanien schaffen. Komm, wir gehen zu Kaspar, dem alten Herbergsvater.“

 

Der Römer mit seinen Begleitern machte es sich bequem, der alte Kaspar aber begrüßte sie in seiner alten treuen Weise, die dem Römer gefiel. Die alte Vera-Mutter war bemüht um Speise und Trank, der Römer aber sagte: „Mutter noch nicht, denn wir sind kaum zwei Stunden unterwegs.“ Die Pferde waren versorgt. Gesprochen wurde so gut wie nichts, da auf Julius gewartet wurde, der auch nach einer Stunde mit seinen Leuten kam. Nun änderte sich das Bild. Rein sachlich schilderte Julius sein Erlebtes. Er beschönigte nichts, ohne jede Übertreibung legte er alles klar, auch dass die Kranken gesund und alle Wunden geheilt sind durch den Glauben und die Bitten zu Jesus dem Auferstandenen; „aber die drei Priester lehnen jede Gerichtsbarkeit ab und darum ersuchte ich um Bereinigung durch ein Gericht.“ Der Römer sagte zu Julius: „Lasse die drei vorführen, ob sie uns als Gericht anerkennen oder nicht wird sich ergeben.“

 

Die drei standen nun vor dem Kommissar und er sagte: „Ihr steht vor einem römischen Richter, dem Anzeige erstattet wurde, dass ihr euch gegen römische Gesetze vergangen habt. Ihr seid Priester eines Gottes, den ihr "den Gott der Liebe" nennt, wie kommt es, dass ihr Handlungen begeht, die mit den Geboten eures Gottes im Widerspruch stehen?“ Da sagt einer: „Wir sind Priester und haben das Recht, uns als "die Herren" anzusehen; denn die Erde ist Gottes und wir sind Seine Stellvertreter!“ Der Römer: „Betrachtet ihr uns als die Stellvertreter unseres Kaisers, die die Aufgabe haben, auf Ordnung zu sehen und dass alle Untertanen den nötigen Schutz haben gegen solche, die den kaiserlichen Gesetzen sich nicht unterordnen!“ „Herr, was geht uns der Kaiser mit seinen Gesetzen an! Wir unterstehen den Gesetzen, die der Tempel aus und von Gott erhalten hat!“

 

„So steht also eure Sache schlecht! Ich gebe euch den guten Rat, dass ihr euch an euren Gott haltet, denn ich halte mich an meine Vollmachten und an unsere Gesetze. Mit Wissen ist eurem Tempel nur innerhalb eures Tempelbereiches die Gerichtsbarkeit gegeben. Eure Versprechen bringen euch ans Kreuz. Aber nun frage ich euch, was haben diese Nazarener euch getan. Den Gründer dieser Sekte habt ihr gekreuzigt. Ein direktes Verbot dieser Sekte gibt es nicht von uns aus. Glaubensfreiheit ist allen Bürgern der jüdischen Länder zugestanden und euer Tempel, wie auch ihr, habt keinen Schaden erlitten. Es wäre schon von einer Humanität aus richtig, in Glaubenssachen die Freiheit allen zu gewähren. Was tatet ihr?? Ihr habt Andersgläubige als Gefangene behandelt, seid ertappt worden, wie ihr sie der Heimat beraubt habt. Es ist festgestellt, dass ihr sie als Sklaven verkauft und was das Verderblichste ist, ihr habt sie misshandelt, schlimmer wie störriges Vieh! Nun, das wäre schon genug, euch zeitlebens auf die Galeeren zu schicken. Was sagt ihr nun dazu?“

 

„Nichts weiter als ihr habt kein Recht zu richten, schickt uns zurück nach Jerusalem, der Tempel mag uns richten.“ „Ist das euer letztes Wort. Bedenket, es geht um eure Freiheit, um euer Leben! Wir Römer lieben Gerechtigkeit und wollen alle zu Freunden.“ „Wir erkennen euch nicht als Richter an, wir wollen vor das Tempelgericht“ „So offen war eure Antwort – offen ist auch meine Antwort an euch. Ihr werdet euren Tempel nicht mehr wieder sehen. Weit über 100 Ankläger stehen euch gegenüber. Ich werde nicht mehr mit euch verhandeln, es genügt mir, was der Römer Julius und Baltasar berichtet hat. Ab heute erhaltet ihr nur Wasser und Brot und den Entzug vom Tageslicht.“

 

Julius war erstaunt, mit welcher Ruhe dieser Kommissar sich alles berichten ließ, aber niemals mit Jakobus sprach. Jakobus war einfach nicht da für ihn, während er sich sonst mit allen unterhielt. Da klagte Julius Bruder Jakobus seine Gedanken. Jakobus aber lächelte und sagte: „Bruder Julius, mir ist es lieb, der kennt den Meister besser wie du, obwohl er sich nicht zu ihm bekennt. Ich bin froh, dass er mich wie nicht anwesend behandelt, denn er beachtet mich mehr als ihr ahnt, ja er lässt mich sogar beobachten, was mich sehr freut.“

 

Julius: „Aber Bruder Jakobus, das könnte ich nicht vertragen, sucht "er" etwas an dir?“ Jakobus: „Ja, er sucht den Meister an und in mir. Viel hat er von mir gehört, Wahres und Unwahres, aber seine Zeit ist noch nicht gekommen. Er als Gerechtigkeitsmensch nennt die Liebe Jesus Schwäche und ist irre, dass Jesus nichts tut, um dem Tempel das Handwerk zu legen.“ Julius: „Jakobus, jetzt kann ich den Kommissar verstehen, aber mit dir hat er auch noch nicht über Jesus gesprochen.“ Jakobus: „Bruder, warte nur ab, nimm alle deine Leute und reite zu deinem Weib. Dort ist wieder Arbeit und ich werde den Kommissar bitten, mit seinen Begleitern solange zu verweilen, bis du wieder zurück kommst; aber lasse dich segnen, denn der Meister erwartet von dir nicht wenig!“

 

Zwei Wochen sind vorübergegangen. Baltasar unterhielt sich mit dem römischen Kommissar über das vergrößerte Dorf und den Möglichkeiten, das Land zu kultivieren, wenn noch mehr Ansiedler nach hier geschafft werden könnten – doch dazu gehören Mittel. Da spricht der Römer: „Baltasar, ich bewundere euch. Bisher schwieg ich zu allem. Meine Aufgabe geht nun aber zu Ende. Mit den Templern habe ich mich nicht mehr unterhalten. Was kann ich dir oder vielmehr was soll ich euch tun in meiner Vollmacht aus dem Kaiser?“ „Lieber Freund“, spricht Baltasar, „wäre es nicht besser, wenn wir eine größere Aussprache hielten? Ich bin so gut wie der Vorsteher, aber alles ist doch noch im Werden, obwohl ich über große Mittel verfüge – doch alles hat seine Grenzen.“ So wurde nun eine große Versammlung einberufen, alle durften ihre Wünsche äußern und fast alle kamen.

 

Der alte Kaspar, als der Älteste, hieß alle herzlich willkommen und bat Baltasar, im Namen Gottes zu beginnen, „denn ich habe keine Übersicht über das, was alles getan wurde und noch zu tun ist.“ Baltasar hat mit wenigen Worten über den Stand der Arbeit berichtet und vergaß auch nicht, zu sagen, dass die Ernährung bis zur nächsten Ernte nicht ausreichen würde. „Was ist zu tun“ – fragte er die Versammlung?“ Da sagte einer der Geretteten: Brüder, ist es nicht wunderlich, dass unser Bruder Baltasar fragt, was zu tun sei? Ist nicht unser treuer Gott immer der gewesen, Der für alles sorgte?“ Da tritt Jakobus auf und spricht: „Brüder, Schwestern und Freunde! Ich bin solange unter euch und habe mit euch geschafft. Durch meine Anweisungen sind eure Wohnstätten fast soweit, dass sie bezogen werden können, aber mit der Ernte kann nicht eher begonnen werden bis alles ausgereift ist.

 

Deine Einwendung "unser Gott sorgt, so wir glauben" ist schön und gut, aber Gott ist nicht mehr Der, der Er war als Er Sein Volk durch die Wüste mit Moses führte. Dort war Moses, der für alles sorgte und so er in Nöte geriet, handelte er mit Gott, weil er wusste, das Volk steht hinter ihm. Hier aber ist es anders; denn die Menschen haben sich geändert und Gott stellt Sich immer auf den Standpunkt Seiner Menschenkinder. Seid der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus, hat Er es aufgegeben, Sich durch Propheten zu offenbaren, denn Er hat einen jeden Menschen ermächtigt, mit Ihm zu verkehren. Durch Jesus, den Menschen- und Gottessohn, wurde uns allen Sein allein – heiliger Wille offenbart. Durch Seine Liebe und Seine Liebetaten wurde der Wille Gottes immer mehr und mehr zum Ausdruck gebracht. Mit Jesus haben wohl die direkten Offenbarungen durch Propheten aufgehört und der alte Bund hat seine Erfüllung gefunden.

 

Jesus starb und mit Seiner Auferstehung ist eine neue Zeit, der neue Bund angebrochen. Der alte Gott ist in Seine Urmitte, in Sein Urheiligtum zurückgegangen und hat Seinen Sohn Jesus Christus alle Macht und Herrlichkeit übertragen. Es ist das für uns nichts Neues, denn Gott wurde Mensch in Jesus, dem Menschensohn, aber nicht ausgerüstet mit den Machtvollkommenheiten eines Gottes, sondern Jesus musste sich diese Machtvollkommenheit erringen. Er hat es erreicht, den erkannten Willen Gottes zu dem Seinen zu machen und wurde mit Gott eins. Diese Einigung Jesus mit Gott, den Er Vater nannte und seine innerste Liebe war, erlebten wir weit über drei Jahre. Ich, als der jüngste Sohn des alten Josef, habe die ganze Entwicklung Jesus erlebt. Von Kindesbeinen an war ich um Ihn, habe Sein Ringen, Sein Kämpfen, Seine Versuchungen, Seine Trauer, weil wir Ihn nicht verstehen wollten, mit angesehen, ja ich habe oft gezweifelt an Seine Sendung. So wurde ich als der Einzige der Söhne Josefs auch Sein Jünger und Nachfolger. Nun höret: Jesus starb, ja Er starb aber nicht als Der mit Gott geeinigte Gottmensch, sondern als der Mensch wie ich und ihr alle.

 

Darum Sein Ausspruch: O Gott, warum hast Du Mich verlassen? Wir alle, außer Johannes, waren geschlagen, wir verstanden unseren Meister nicht und eine Trauer wurde in uns zu einer unübersteigbaren Mauer. Da erstand Er wieder zum Leben und richtete uns wieder auf und gab uns das rechte Verständnis Seiner Sendung, Seines Todes, Seiner Auferstehung und auch gleichzeitig Seiner Himmelfahrt mit der Verheißung, dass Er Seinen Geist ausgießen will über alle, die an Ihn glauben. Es ist geschehen, Sein Geist überkam uns und füllte unser Herz mit Frieden und Zuversicht und dem herrlichsten Geschenk, mit Ihm in Verbindung zu treten in unserem Herzen. Was ich jetzt zu euch allen sagen darf, bin nicht ich, sondern Jesus der Wahre und Lebendige, spricht es in mir und ich teile es euch mit. Was ich höre in mir – könnt auch ihr hören, aber eines hat aufgehört, die äußere Hilfe von Ihm, da Er, unser Gott in Jesus Christus, einen Jeden ermächtigt von Seiner Liebe, Seiner Kraft Gebrauch zu machen. Also mit anderen Worten in den Bund, den Er mit Seinen Menschenkindern geschlossen hat, liegen in jedem Menschen die Möglichkeiten, alles das zu tun, was eigentlich wir von Gott erbitten im Glauben.

 

Ihr habt erlebt, wie Ludmilla euch gesund machen durfte durch die Kraft und Macht Gottes, ihr erlebt in jeder Andachtsstunde die Gegenwart Gottes und höret Sein Wort, wie ich jetzt Sein Wort an euch richte Gotteshilfe, die ihr erlebtet, war Hilfe durch den Menschen. Morgen um diese Zeit werdet ihr alle den Beweis erhalten, dass Gott nur noch durch Menschen sich offenbaren und auch helfen kann! Darum sage ich euch allen aus Seinem Geiste – gehet heute in eure Hütten und morgen stehen wir vor neuen Aufgaben. Du lieber Freund und Bruder, der du glaubtest, deine Aufgabe erfüllt zu haben, stehst morgen noch vor größeren Aufgaben. Wie du sie lösest ist deine Aufgabe, aber Gott hat dich dazu berufen, weil du aus meinen Worten vernommen hast, dass Gott nicht mehr äußerlich, sondern durch das Gottesleben in Seinen Kindern Helfer ist.“ Jakobus konnte sich der Brüder kaum erwehren, nun hatte er den Schleier gelüftet, wer er war, vor allem der Römer, ihn fragte, was seine Rede zu bedeuten habe. Jakobus sagte: „Lieber Freund, warte bis morgen, der Herr hat mir nur gesagt, was ich dir sagen musste.“ Jakobus stand auf einmal im Mittelpunkt. Durch sein Schweigen bei den Arbeiten, im täglichen Verkehr mit allen blieb er zurückhaltend, aber seine tiefe Frömmigkeit löste bei allen Vertrauen aus.

 

Andree und Ludmilla schlossen sich ganz eng an ihn. Der andere Tag stellte das ganze Dorf auf eine harte Probe, denn nichts ereignete sich. Nun aber, da sich die Sonne dem Untergang neigte, kamen einige Reiter und meldeten die Ankunft einer Karawane, der eine zweite folgte. Sofort bekam alles Leben. Die Karawane "Levi" fuhr langsam in den Hof. Die Tiere waren ermattet, sofort eilten Nachbarn herbei im zu helfen. Levi sah sich erst einmal um. Er wunderte sich, dass er erwartet wurde. „Von wem habt ihr erfahren, dass ich komme?“ Von Jakobus ging die Kunde aus. „Von Jakobus? Wo ist er?“ Jetzt sah er Andree und Ludmilla. „Wo ist Jakobus“, fragte er nach der ersten kurzen Begrüßung. Andree hieß ihn erst einmal richtig willkommen. Dann sagte er: „Jakobus arbeitet in der neuen Siedlung, der lässt sich nicht abhalten, mitzuschaffen, denn er ist ja der einzige Zimmermann.“ Levi sagte: „Andree, ich bringe euch harte Arbeit, weit über 100 kranke Menschen brauchen Hilfe. Ein römischer Trupp hat wieder einmal einen Transport Menschen aufgegriffen, die Führer gefesselt und mir Anweisung gegeben, zu euch zu kommen. Nun bin ich da, aber es kann noch zwei Stunden dauern ehe sie da sind, denn wir mussten lange rasten in der Hitze unter schattigen Bäumen, wir haben kein Wasser, unsere Tiere sind am Ende.“

 

Nun kam der Römer. Mit seinen scharfen Augen schaute er auf Levi, dann lächelte er und sagte: „Levi bist du mit Absicht hierher gekommen, oder bist du in Not?“ Levi: „Du bist Claudius der Jüngere, dir begegnet man nicht gern, aber diesmal wirst du keinen Grund haben, Klage gegen mich zu erheben. Ich musste hierher kommen, weil es der wahre Gott will.“ Der Römer: „Wieso will es der wahre Gott, du bist doch Händler, seid wann bist du Gott hörig – mir ist das ein Wunder!“ „Kein Wunder, Claudius, nur Führung; aber in ungefähr zwei Stunden beginnst du das, Wunder zu erkennen, denn mit dem lebendigen Gott wirst du dich auch noch befassen müssen. Oder hat Jakobus dich noch nicht in seine Liebe eingeschlossen?“ Claudius lächelte und sagte: „Levi, ob ich will oder nicht, ich muss mich mit Gott befassen, nur weiß ich noch nicht, was ich mit den Gottesdienern machen soll und Jakobus schweigt.“

 

Nun war Levi außer Sorge. Wasser gab es genug hier in dieser Herberge. Wie es so zugeht, wurde langsam Ruhe und das Vieh war auf der Weide. Es wurde dunkel. Endlich kam die erwartete Karawane. Alles war besorgt um die vielen Kranken. Julius, der Führer, suchte und fand Jakobus. Sofort wurden die Römer, ja das ganze Dorf verständigt. „Die Kranken müssen isoliert werden, denn einige Aussätzige sind unter ihnen. Aussätzige, die aber keine Nazarener sind, wurden mitgenommen, um ein Angstgefühl unter den Nazarenern hervorzurufen.“ „Und wo sind die Priester“, fragte der Römer Julius. „Im letzten Wagen liegen sie festgebunden mit Stricken, die kein Mensch zerreißt – diese Bestien von Menschen!“ In dieser Nacht konnte kein Mensch zur Ruhe kommen, so nötig wurden alle gebraucht. In Zelten lagen die Kranken, betreut von den Bewohnern und erst am Morgen war alles zu überschauen. Alle waren gewaschen und gesättigt. Ludmilla, die von Amalie und Amelia unterstützt wurde, war die Seele der kranken Frauen und Mädchen. Andree und Iwan betreuten die Männer. O welch ein Elend – erst mussten alle zur Ruhe kommen, die da nötig war. Nun war Julius erlöst, er hatte pflichtgemäß alle und alles übergeben und dem römischen Kommissar Claudius alles auf dessen Schultern gelegt. Nun erst begann Claudius, sich der Priester anzunehmen, die durch Hunger und Durst und den Fesseln ganz klein geworden waren.

 

Als Claudius gefragt wurde, wohin mit den 5 Priestern, sagte er: „Noch zu den Dreien, damit wir sie behorchen können.“ Claudius stellte einen Vertrauensmann in die Nähe mit dem Auftrag, sie zu belauschen, „vielleicht erfahren wir etwas Neues von ihnen.“ Die Aussätzigen wurden getrennt in einem Zelt gehalten und von Amelia in Obhut genommen. Baltasar und Levi hatten Gespräche, die niemand hörte. Claudius und Julius und einige ihrer Vertrauten, saßen zusammen und redeten und redeten. Claudius wollte hart bleiben, Julius aber riet zur Mäßigung. „Ziehe Jakobus zu denen Beratungen hinzu“, war sein Rat. Davon aber wollte Claudius nichts wissen. So neigte sich der Tag und Baltasar ließ wiederum alle zusammenrufen zu einer Ansprache. Nun erst war alles zu übersehen und das Elend wurde erst richtig offenbar. Ganz offen fragte Baltasar Jakobus, welchen Rat er gäbe, da sagte Jakobus: „Brüder, erst müssen die Kranken gesund werden, viele liegen im Fieber. Als Kranker kann man nicht verlangen, sich für etwas zu entscheiden, sie müssen erst gesund werden.“

 

Da sagte Andree: „Jakobus, ich habe es noch nicht gewagt, dem Drängen in mir Folge zu leisten, das Elend ist zu groß.“ Jakobus: „Andree, je größer die Not, desto herrlicher die Erfüllung deiner Sehnsucht.“ Andree: „Jakobus, darf man denn einen Klagenden Hoffnung machen, ich bin mir nicht sicher, weil es so Viele sind.“ Jakobus: „Andree, verbanne deine Zweifel, unser heiliger Gott und Vater stellt Sich hinter die Liebe Seiner Kinder. Sein Geist in dir ist auch Seine Kraft, Macht und Herrlichkeit. Wir alle stehen auch hinter dir, darum lasse deine in Gott geeinte Liebe wirken!“ Es war ein recht heißer Tag, da sagte Baltasar: „Brüder, wenn es kühler wird, wollen wir versuchen, dass alle draußen sich lagern vor dem großen Zelt, keiner soll vergessen werden – damit wir einmal zur rechten Ruhe kommen und zur inneren Stille.“ Da es noch Stunden dauerte, wurde natürlich den Kranken Hoffnung gemacht von denen, die gesund geworden sind. Da wurde nun unter den Kranken manche Hoffnung laut und auch verraten, dass ein Jünger Jesus anwesend sei.

 

Claudius war in allem unzufrieden. Er versuchte, mit den gefangenen Priestern in ein Gespräch zu kommen. Julius aber sagte: „Claudius, nicht zu erzwingen suchen. Der Herr hat sie in unsere Hände gegeben, ich bin überzeugt, Jesus würde anders handeln wie du!“ Claudius. „Julius, was habe ich mit Jesus zu schaffen, warum hat Er nicht diese Verbrechen verhindert, wie kann Gott diesen Tempel noch stützen, der doch nichts weiter als eine Brutstätte der gefährlichsten Teufel ist! Was du erlebt hast mit Gott, glaube ich, weil du dich gläubig an Ihn anlehnst. Du kennst unsere Götter, eine solche Milde hat noch keiner erlebt. Nun kommst du und sprichst "Jesus würde anders handeln", hast du vergessen das Blutgericht auf Golgatha?“ „Claudius, eben Golgatha ist meine Stärke. ‚Von dort aus ist diese Liebe erstanden und diese Liebe ist Leben, göttliches Leben!“ „Beweise, lieber Julius, Beweise sind nötig. Ich stehe Jesus nicht ablehnend gegenüber, was ich gehört habe, ist in das Wunderbare zu verweisen, aber es kann auch etwas anderes sein, was ich noch nicht fassen kann.“

 

Julius: „Claudius, wenn aber Dinge geschehen, die für dich ein Wunder sind, wie stellst du dich dann gegen Jesus?“ „Julius, wenn es in Ordnung vor sich geht, dann bin ich der eure für alle Zeit, denn längst befriedigen mich unsere Götter nicht mehr.“ „Das ist ein Wort, Claudius, darum bitte ich dich, schalte dich mit ein an diesem Abend. Wie, das ist deine Sache, weil auch unser Gott es einem jeden gläubigen Kinde überlässt, als Sein Kind zu handeln. Nicht aus dem Gesetz, sondern aus der allerfreiesten Liebe sollen unsere Handlungen geboren sein.“ Geschäftig waren alle bemüht, genügend Lagerstätten für die Kranken und Gesunden zu schaffen. Ein kleiner Tisch sollte der Altar sein und rechts von dem Tisch wollte Claudius einen kleinen Platz für sich und seine Begleiter haben. Es wurde alles getan was möglich war, freilich Sitzgelegenheiten konnte kaum für die Hälfte beschafft werden. Endlich war es soweit. Wer sich nicht setzen konnte, ging eben auf den Erdboden und Viele warten stehend auf den Anfang. Andree und Jakobus standen an dem Tische und Claudius hatte mit seinen Leuten und den gefesselten Priestern sich in die Nähe des Tisches platziert, sodass nicht nur er, sondern auch seine Begleiter und die Priester alles übersehen konnten.

 

Da kommt noch ein Fremder und stellt sich neben den Tisch, keiner kennt ihn und es wird auch so gut wie gar keine Kenntnis von dem Fremden genommen – nur Jakobus wusste, wer der Fremde war. Sein Herz war zum Zerspringen voll. Andree begann: „Freunde, Brüder und Schwestern, die Verhältnisse und alles was geschehen ist, zwingt uns, zusammenzukommen, um die Not, die um und in uns ist, nicht zur Not werden zu lassen. Ich will nicht hinweisen auf unseren Herrn und Gott, der im Geiste unter uns ist, aber hinweisen muss ich, dass wir zu keinem Resultat kommen, wenn wir nicht den guten Willen haben. Fast zuviel wurde gesprochen über das Hin und Her, aber solange noch unsere kranken und leidenden Schwestern und Brüder in Schmerzen und Sorgen ringen, kommen wir nicht weiter.

 

So wende ich mich an euch Kranke und vor allem an euch Aussätzige, die wir auch nur als Kranke ansehen, wollt und könnt ihr glauben, dass euch Gott, der in Jesus uns allen als der Menschensohn das Köstliche brachte, euch gesund machen könnte?! Wir Menschen vermögen es nicht, aber Christus in uns. Aber dazu gehört der Glaube und das Vertrauen. Bitte gebt mir die Antwort.“ Ehe die Kranken antworteten, trat der Römer Claudius neben Andree und sagte: „Ich bitte um Gehör für einige Minuten. Ich will die heilige Handlung nicht stören, ich weiß um eure Antwort. Sie lautet: Ja – wir glauben! Ich glaube es auch, obwohl ich ein Heide bin, da ich von dem auferstandenen Jesus so Vieles hörte. Aber hier sind Priester eures Jehovas, die angeben, an Gottesstatt zu handeln – sie haben euch in das große Unglück gebracht. Ich muss auf dem Beweis bestehen und will, dass diesen Priestern das Recht zuerstanden wird, den Beweis anzutreten, dass sie die wahren und rechten Priester eures Gottes sind. Wenn der Gott Jesus allen Gesundheit geben könnte und noch kann, dann müsste es ja Jehova, der Gott der Juden, erst recht fertig bringen.

 

Darum ihr Priester, es geht um euren Gott, dem ihr dient und um euer Leben und eure Freiheit. Darum du, der du am meisten behauptest an Gottesstatt zu handeln, trete den Beweis an, oder tuet es gemeinsam, keinem soll es vorbehalten sein an Gottessstelle hier zu handeln. Weigert ihr euch, dann mag Andree oder Jakobus an Gottesstelle das tun, was ihr Gott in ihrer Brust tun würde vor dem Forum eines weltlichen und eines göttlichen Gerichtes. Es sei!“ Alle Augen waren auf Claudius gerichtet, aber die Templer schwiegen, sie wagten kein Wort zu sagen. Da sagte Claudius: „Jakobus und Andree die Priester schweigen, also kann ihr Gott doch nicht der Rechte sein, obwohl Er auch euer Gott ist. Von diesem Forum was ich als ein weltliches und ein göttliches Gericht bezeichnete; bekenne ich mich öffentlich zu eurem Gott Jesus und bitte euch mich in eure Gemeinschaft aufzunehmen. Währet ihr Priester nur willig gewesen, auch wenn die Heilungen nicht geglückt wären, ich hätte euch freigelassen, als der jüngste Nazarener, aber so werdet ihr gerichtet werden nach unseren, wie auch nach Mosis Gesetzen.“

 

Da trat Jakobus, Andree an der Hand nehmend vor und sagte: „Brüder, Schwestern. Im Angesicht Gottes, der gegenwärtig ist, wollen wir zu dem seligen Werke schreiten. Unser Bruder Claudius hat für euch das Ja gesprochen, lasset uns gemeinsam danken und bitten: Du ewig treuer Gott, Herr und Vater! Unsere Herzen brennen zu Dir, Der Du alle Not, Angst und Furcht in das Gegenteil verwandeln kannst und danken Dir aus unserem tiefsten Herzensgrunde. – Es wäre Vermessenheit Dich an Deine Verheißungen zu erinnern, Dich zu bitten halte das Wort, das Du allen gegeben hast zu helfen, die da bittend kommen. Ja, wir bitten Dich aus dem tiefsten Herzensgrunde; o Herr hilf, hilf allen Kranken und Traurigen, aber noch mehr bitten wir Dich, öffne Deinen Feinden die Augen, dass sie Dich erkennen und den Abgrund sehen, an dem sie stehen. O Herr, sei Du ihnen gnädig und rechne ihnen ihre Blindheit nicht an, auf dass Deine Liebe offenbar werde.

 

So danke ich Dir, weil Du mir wieder Deine Kraft und Herrlichkeit fühlbar werden lässt. Habe innigen Dank. Ihr Kranken aber erstehet in Gesundheit; denn unser herrlicher Gott und Vater will, dass ihr alle gesund seid und eure Herzen mit dem Dank erfüllet werden, der sich an euren Schwestern und Brüdern auswirket. O mein Jesus, Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit bis in Ewigkeit! Darum Dir alles Lob und aller Preis! Amen!“ Alle waren gesund, auch die Aussätzigen. Es brauchte eine lange Zeit bis alle einer Sprache fähig waren, denn das war kein Beten mehr, das war ein Jubeln, ein Weinen, ein Umarmen, kein Herz blieb stumm, nur die Templer schwiegen. Da sagte der Römer: „Da ihr wie tote Götzen da stehet lasse ich euch nicht mehr fesseln, denn die Macht und Herrlichkeit Gottes habt ihr erlebt, ihr werdet eurer Strafe nicht mehr entgehen. Licht sollt ihr wieder haben, aber sonst bleibt alles wie es bisher war. Habt ihr mir etwas zu sagen? Dann bitte säumet nicht, denn ab heute bin ich Nazarener.“ Die Priester wurden wieder in ihr Gewahrsam geführt. Von der Versammlung aber wollte sich keiner trennen. Der Fremde wendet sich an Claudius und sagte: „Freund, du warest aber sehr schnell mit deinem Urteil über den Gott, den du zu dem Deinen gemacht hast. Du bist wohl ein Römer, aber als Nazarener wirst du vieles ändern müssen in deiner Gesinnung und vor allem in deinem Standesbewusstsein.“

 

Claudius: „Ja, Freund, das wird mir gewiss nicht so leicht sein, aber hat der wahre Gott nicht auch anderen Römern geholfen. Waren Baltasar und Andree, wie auch alle anderen, als sie sich zu dem wahren und lebendigen Gott bekannten, schon im Geiste Jesus erfüllte Menschen? Ich habe keine Bange, dass mich mein Gott und Herr sitzen lässt, wenn ich Ihn von Herzen bitte, oder bist du anderer Überzeugung?“ „Claudius, um was willst du den ewigen Gott und Herrn bitten? Wohl darum. dass dir dein harter Gerechtigkeitssinn, dein hochmütiger Standesdünkel aus dir schwinde, oder dass Er dir eine Liebe ins Herz legt, wo du deinen Feinden noch Gutes tun kannst? Ich aber sage dir, das alles kann dir Gott nicht tun, weil du alles selbst in dir bereinigen musst, Gott kann dir nur den Willen stärken, aber auch nur soweit, als du demütig geworden bist. Da du aber dich bekannt hast als den jüngsten Nazarener, musst du dich auch beeilen der Gesinnung nach ein Nazarener zu sein. Morgen schon wird an dich die Probe kommen, weil die gefangenen Priester Morgenluft wittern.“

 

Claudius: „Wer bist du lieber Freund, wie kommst du so unangemeldet zu uns, denn zu dieser Siedlung gehörst du ja nicht? Mein lieber Freund Claudius frage nicht, sondern nehme den Geist wahr, aus dem Jakobus, Andree und sein Weib dienen. Ich bitte dich, halte Augen und Ohren offen, damit dir nichts entgehe, was du mit deinen Leuten hier erlebst. Da, schaue nur hin wie das Weib des Baltasar mit den geheilten Aussätzigen umgeht, beachte Ludmilla, das Weib des Andree, wie sie mit den Geheilten wie eine Mutter umgeht. Das muss dir doch wichtig sein und werden, wie sie alle leben.“ Da staunt Claudius über die Veränderung in allen Gesichtern, das hat er noch gar nicht erlebt. Den Glanz in den Augen der Geheilten, die da noch vor Minuten weinten vor Freude und Dankbarkeit und sich jetzt an Jakobus und Andree wandten mit der Frage: „Wo ist der Herr, Der mitten unter uns sein soll.“

 

Da sagte Ludmilla: „Schwestern und Brüder, wenn ihr Ihn auch nicht sehet, aber ist eure Heilung nicht der schönste Beweis, dass Er mit Seiner ganzen Liebe mitten unter uns ist! Wo sind eure Schmerzen, wo sind eure Sorgen geblieben, hat Er sie nicht weggenommen? Darum machet dem Herrn die Freude und machet eure Herzen weit, weit offen, damit Er nicht nur unter uns, sondern auch in uns allen gefühlt und empfunden wird! Vor allem, ihr seid doch alle gesund, das andere überlassen wir den Brüdern, nun werdet stille, stille, ganz stille. Sehet doch wie gut unser Herr Jesus ist, ihr seid geborgen und aus den Händen derer gerettet die den Untergang unseres Herrn Jesus wollten, darum störet das Werk unseres Herrn Jesus nicht, denn Er will, dass auch Seine Feinde gerettet werden sollen!“ Nach einer langen Auseinandersetzung mit den Römern wurde nun beschlossen erst einmal alle richtig schlafen zu lassen um sich zu sammeln; denn eine große Aufregung war dieses für sie alle.

 

Der neu beginnende Tag brachte die Treiber, wie auch die Soldaten zeitig auf die Beine und in der Küche wurde geschafft, damit ja alle ihre Morgensuppe bekämen. Und über allen lag ein Schein von Freude, nur Claudius war in tiefes Nachdenken versunken. Der Fremde kam ihn nicht aus dem Sinn. Ebenso erging es auch den Priestern, da sagte einer: „Der gestrige Tag brachte mir eine schlaflose Nacht. Innerlich schrie ich zu Jehova und bat um Klarheit. Jesus, den wir verfolgten, muss doch leben, denn wie ist es möglich, dass alle Kranken gesund geworden sind.“ Sagte der, der immer der Wortführer war: „Kunststück, wo Belzebub seine Hand im Spiele hat – alles ist Zauberei.“ „Nein, ich komme nicht mehr mit“, antwortete der eine, „hier ist mehr denn Jehova, denn sonst wäre mir Antwort geworden. Ich fühle in mir das große Unrecht. Wir haben nicht nur Menschen und ihr Lebensglück zerstört, wir haben auch gemordet, ja gemordet, nämlich das Gute in uns! Heute bitte ich den Römer um Nachsicht und Gnade, er solle mir Möglichkeiten geben um zu sühnen und gutzumachen.“

 

„Das wirst du nicht tun“, sagte der andere, „wir sind in unserem Recht.“ „Recht hin oder her, ich will an dem Gekreuzigten gutmachen, denn Er lebt!“ Da öffnet sich die Tür und ein Soldat spricht: „Wer ist der, der an dem Gekreuzigten gut machen will, er komme mit mir.“ Ohne etwas zu bedenken geht der Priester mit dem Soldaten, dieser heißt ihn warten, bis er gerufen wird. Dann geht er in den Raum wo Claudius weilt und spricht zu ihm: „Von den Priestern ist einer, der da Nazarener werden möchte. Ich habe ihn getrennt von dem anderen, damit er nicht anderer Überzeugung werde.“ „Es ist gut mein Freund“, spricht Claudius, „bringe mir denselben hierher.“ Claudius war nachdenkend in der Stube umher gegangen, da wird der Priester gebracht.

 

Claudius spricht: „Mein Freund, einer meiner Wachposten meldete mir du seiest anderer Meinung, ist es so?“ „Es ist so Herr, habe Geduld mit mir, ich muss mit mir ins Reine kommen. Wie Hammerschläge hämmern deine Worte mir auf der Seele, dann, das Wunder war zu groß mit den Kranken. Ich spreche mich schuldig und bitte dich, liefere mich nicht den Gerichten aus, sondern bestimme du die Strafe. Ich will sühnen und solange den Auferstandenen bitten, mich Ihn erkennen zu lassen und dann den verdienten Kreuzestod hinnehmen.“ Claudius ist ruhig, aber in seinem Inneren arbeitet es, dann spricht er: „Freund hier hast du meine Hand, du willst den Tod unseres Meisters hinnehmen? Er aber sagte doch: `Wer an mich glaubet, der wird leben ewig mit Mir!`

 

„Freund du machst mir mein Amt leicht, aber ohne weiteres kann ich dir nicht glauben, denn ihr Priester seid auch schlau. Darum komm erst einmal mir dir ins Reine, nach deinem Wunsch. Du bist frei, aber fliehe nicht, sondern halte dich immer bereit von mir vernommen zu werden.“ Claudius war tief beeindruckt und die Worte des Fremden wurden wieder lebendig. Und nun der reuige Priester, der da sterben wollte den Tod des Meisters Jesus, es erschütterte ihn und langsam sagte er zu sich: Mein harter Gerechtigkeitssinn, mein Standesdünkel muss sterben, ja, aber wie? Wie ist die wichtigste Frage. Bin ich nicht genau so krank wie die Geheilten krank waren, oder gar so krank wie die Priester?

 

O, Jesus, jetzt komme ich bittend zu Dir; helfe mir aus meiner Not! Ich soll richten und bin selber schuldig an Deinen Liebesgeboten. Julius hat Recht, Jakobus hat Recht, ich lege mein Amt nieder und gehe mit Jakobus. Schon einmal klopfte es an die Tür, dann klopfte es wieder, Claudius ging und öffnete und wer tritt herein? – Der Fremde! „Ich wollte dich begrüßen mein lieber Freund, oder störe ich, da du mein klopfen überhört hast?“ Claudius: „O, nein, stören tust du nicht, es ist mir sogar sehr lieb, dass du gekommen bist, denn deine Worte von gestern sind Hämmerschläge in mir. Denke dir ein gefangener Priester sagte zu mir dieselben Worte wie ich dir offenbare, ich muss mit mir ins Reine kommen, wie der Priester. Kannst du mir helfen wie ich am schnellsten meinen harten Gerechtigkeitssinn und meinen Standesdünkel beseitigen kann?!“

 

„Claudius“, sagte der Fremde, „nur du selbst kannst es, Gott kann dir nur nach dem Grad deiner Liebe und Demut – deinen Willen stärken. Du hast dich gestern als Nazarener bekannt, heute wird dir soviel Gelegenheit gegeben werden nach der Gesinnung des Nazareners zu handeln, weiter kann ich dir nichts sagen.“ Claudius: „Lieber Freund, bleibe heute an meiner Seite, ich glaube, wenn ich dich bei mir habe kann ich nicht in das alte Übel verfallen, willst du mir das versprechen?“ Der Fremde: „Ja, mein Claudius, ich bleibe bei dir!“ Das Morgenmahl war beendet, mit Hilfe vieler Schwestern ist es Ludmilla gelungen alle zu sättigen. Die Männer besprachen wie alle zu einem Unterkommen kämen. Alle versprachen alles aufzuwenden damit alles in eine Ordnung und Übersicht kommt. Wieder waren Jakobus und Baltasar der Mittelpunkt, denn ihre Anweisungen waren die Besten. Claudius aber ließ Julius und die Priester holen, er wollte endlich mit allen reinen Tisch machen. So oder so. Auch der schon freigelassene Priester musste mit anwesend sein.

 

Claudius begann: „Heute ist die letzte Sitzung, die ich mit euch halte, kommen wir zum Ziele ist es gut, kommen wir nicht zum Ziele, wird es für euch sehr, sehr schwer werden. Eines aber sage ich euch, ich bin nicht euer Feind. Ich frage dich, der du dich schuldig gesprochen hast, hältst du aufrecht, was du mir versprachst? Erkennst du mich als das Gericht an?“ „Ja Herr, ich bekenne mich schuldig, bitte aber um Nachsicht! Ich habe in einem Blindglauben gehandelt und nehme jede Strafe auf mich.“ Claudius sagte: „Es ist gut, wenn du willst kannst du hier bleiben, oder dich entfernen, aber ich bitte dich dein gegebenes Versprechen zu halten.“ Zu den anderen: „Ihr habt gehört, was euer Kollege sagte, er bekennt sich schuldig, nun frage ich euch, erkennt ihr mich als das Gericht an, zu dem mich der Kaiser verpflichtet hat? Wenn nicht, ist die Verhandlung zu Ende, dann müsset ihr gewärtig sein ich lasse euch in Eisen legen. Wollet ihr mich anerkennen, dann könnt ihr gerettet werde, körperlich und geistig.“

 

Nur einer lehnte ab, der immer der Wortführer war. Da stand Claudius auf und befahl einen Soldaten ihn abzuführen, doch nicht zu fesseln. Dann sagte er zu den Willigen: „Angeklagte, nochmals betone ich, ich bin nicht euer Feind. Schuldig habt ihr euch gemacht, das ist erwiesen, aber der Nazarener ist für die Sünden aller, an das Kreuz gegangen, darum blieb "Er" nicht im Tode. Welche Strafe wollet ihr erleiden? Nicht ich will euch richten, sondern ihr, sollt euer Urteil selbst sprechen. Das ich euch die Freiheit nicht so einfach gebe, werdet ihr verstehen, denn ich muss die Gewissheit haben, dass es euch ernst ist, also was wollet ihr dass ich euch tue.“

 

Spricht einer: „Herr, Herr, ich nehme jede Strafe an, aber verlange nicht, dass ich Nazarener werde. Lasse mir Zeit, ich nehme alles hin; denn nach Moses habe ich den Tod verdient.“ Ein anderer sagte: „Herr, wir haben uns ausgesprochen und nehmen alles auf uns, richte uns nicht nach unseren Verbrechen, sondern nach deinem Herzen, denn wir haben erkannt, dass wir zum Hass erzogen, im Hass gehandelt haben.“ Spricht Claudius: „Gut, so unterwerfet ihr euch jedem Urteil, lasse den Vorsteher Baltasar holen und den Priester Andree.“ Da erbat sich der eine Priester die beiden zu holen und solange war es still geworden in der Stube. Erstaunt kamen die Beiden.

 

Da sagte Claudius: „Höret, ihr stehet nun auch an Gerichtsstelle, da dieser Ort echt römisch geworden ist, so seid ihr bestimmt worden zu Anwaltern, laut kaiserlicher Vollmacht. Nun habe ich als erstes bestimmt, dass ihr das Urteil sprechet über diese Verbrecher, die im blinden Hass und im Blindglauben gehandelt haben und jede Strafe annehmen, die ihr nun zu sprechen habt. Du Baltasar als Vorsteher, du Andree als Priester. Du Baltasar als Vertreter des Kaisers, du Andree als Vertreter unseres Meisters Jesus. Es sei!“ Baltasar erhebt seine Hand, grüßt wie ein Römer und spricht: „Im Namen des Kaisers, 10 Jahre Zwangsarbeit hier in dieser Siedlung, vornehmlich unter denen, die sie gequält hatten. Sie dürfen sich ein Weib nehmen und sich unterordnen den Befehlen, die ich ausgebe. Ich habe gesprochen!“

 

Andree stellte sich neben Baltasar hob die Hand und sprach: „Gesegnet seid im Namen Jesus Christus, damit in euch diese Strafe nicht zur Strafe, sondern zur Schule werde und bitte euch werdet uns und allen Bruder im Geiste der verzeihenden und erbarmenden Liebe! Du aber Herr Jesus bleibe bei uns in Deiner Liebe und Erbarmung! Amen!“ Claudius reichte nun jedem die Hand und sagte: „Freunde, erkennet ihr nun die Liebe des von euch gehassten Nazareners, euer Los wird ein liebliches und eure Strafe ein Geschenk werden.“ Die Sitzung war geschlossen. Baltasar sagte zu den Verurteilten: „Wir wollen Freunde werden, denn Jesus will, dass alle gerettet werden. Eine Wohnung werdet ihr euch selbst bauen und richten müssen. Kost erhaltet ihr von der Küche Andrees. Gebt euch Mühe, dass ihr nicht lange Sträflinge seid und holt euch die Verzeihung eurer Untaten bei denen, die ihr geschädigt habt. Einen Mann teile ich euch zu, der immer bei euch und mit euch arbeitet, ihr wollt doch?“ „Ja wir wollen ernstlich, eine Lasst ist von unseren Herzen genommen, wir wollen!“

 

Alle gingen, Claudius blieb mit dem Fremden allein. „Bist du zufrieden mit mir, du mein lieber unbekannter Freund?“ „Gewiss, lieber Claudius, aber was wird mit dem Einen?“ „Lass mich überlegen, lieber Freund was ratest du mir?“ „Claudius, wie würde dein Meister Jesus handeln? Der der Ehebrecherin Schuld in den Sand schrieb, der fast jedem Geheilten zurief: Sündige nicht mehr! Willst du nicht deinem Jesus die Freude machen und einem verirrten Bruder einen Weg ebnen, der zum Leben führt?“ „Lieber Freund, du bringst mich in die größte Verlegenheit, was soll ich tun, bitte gib mir einen Rat?“ „Vor allem, lieber Claudius, sehe diesen Menschen nicht mehr als einen Verbrecher an, sondern als einen Kranken, einen Aussätzigen, der im Grunde doch auch dein Bruder ist.“ „Freund! Höre auf, höre auf, dass muss ich erst noch lernen, einen Verbrecher als meinen irrenden Bruder anzusehen, das ist zuviel verlangt, doch nicht zuviel. Lasse dich nur einmal umarmen, mein unbekannter Freund, du treibst mich in die Enge, aber von dir geht eine Kraft aus, komm lasse dich umarmen!“ Da umarte er den unbekannten Freund und sagte: „Welch wunderbares Gefühl gehet von dir aus, lasse dich einmal küssen, o Freund, Du bist mehr denn ein Mensch, Du bist Jesus!

 

Verzeihe mir, dass ich Dich nicht erkannt habe, nun lasse ich Dich nicht mehr los. Jesus, verzeihe mir meine Härte, verzeihe mir, dass ich Dich nicht sofort erkannt habe.“ „Claudius, verrate niemand, dass du Mich als Den erkannt hast, Der das Heil aller will, wisse das eine, Ich habe viel gewagt als Person unter euch zu weilen, wenn du aber bedenkst, was alles auf dem Spiele steht, dann würdest du Meine grenzenlose Liebe verstehen. Ich werde dich nun verlassen, im Geiste bleiben wir verbunden, doch dies eine bedenke, dass auch der Lebensfeind dir noch allerhand zu schaffen machen wird. Erlebe nun noch einmal Meine Liebe und komme an Meine Brust auf dass du fähig werdest auch Meinen Feind zu lieben!“ Innig umschlungen erlebte nun Claudius eine neue, für ihn noch unbekannte Welt. Dann löste sich Jesus von ihm sagend: „Vergesse diese Stunde niemals, aber schweige bist du reif geworden bist, Mich als Liebe zu vertreten.“ Noch ein inniger Kuss und Claudius war allein.

 

Lange, lange blieb er allein, in Seiner Seele war das Geschehen wie eingebrannt, er sagte ganz leise zu sich: „Ja, mein Jesus, ich will Dir ähnlich werden!“ Claudius ging hinüber zu Andrees Haus, er hörte von außen seinen Namen, so betrat er das Haus und findet Jakobus, Andree, Ludmilla im regen Gespräch. Claudius spricht: „Störe ich?“ Ludmilla: „Bruder komme und bleibe bei uns, wir bedürfen deiner. Denke dir, die Verurteilten sind noch ganz beengt und wissen nicht wie sie sich verhalten sollen, den anderen gegenüber. Werden sie uns glauben, sagte der eine, wir waren doch wie wilde Tiere.“ Claudius: „Ist es nicht Sache des Andree, er ist doch Priester und du seine Priesterin. Morgen würde ich einmal zu allen sprechen, und allen klarlegen wie ich dazu komme, wie ein Jünger Jesu zu handeln hat, damit übermorgen, zum Sabbat, alles bereinigt ist; denn offen gesagt, ich habe noch keinen so rechten Gottesdienst erlebt als Christ.“

 

Claudius begab sich hin zu dem gefangenen Priestern und sagte: „Höre du starrsüchtiger Mensch, ich verlange von dir dass du mich überall hin begleitest, bewacht von einem Soldaten, aber mit einem eisernen Gewicht an deinem rechten Fuß. Mit keinem Wort werde ich dich belästigen, aber du kannst fragen. Alles musst du erleben, wie Nazarener unter einander leben, jeden Gottesdienst musst du mitmachen, du musst aber schweigen. Benimmst du dich wie sich alle benehmen, wird dir kein Leid geschehen. Bist du störrisch, erhältst du halbe Kost und das Nachtlager wird dir entzogen. Genügt das noch nicht, so wirst du behandelt wie du deine Gefangenen behandelt hast.“ Alles war tätig, es gab keine Zeit zu Besprechungen, Jakobus arbeitete wie all die anderen, es gab keine Hand die müßig gewesen wäre. Baltasar gab bekannt, dass sich alles versammeln solle zu einer großen Aussprache mit anschließender Andachtsfeier. Alle nahmen daran teil, weil es doch um die Zukunft ging. Baltasar eröffnete die Versammlung mit dem Wort: „Ein jeder sehe in dem anderen das Ebenbild Jesu! Mit diesem Wort trete ich an euch alle, da wir so nicht vorwärts kommen zu unserem Ziel, welches heißt: "Eine Gemeinschaft im Geiste Jesu Christi!"

 

Wer von euch allen Wünsche hat, melde sich zum Wort. Der eine Priester bat reden zu dürfen, es wurde erlaubt. Er sagte: „Ich bin in eurer Gemeinschaft aufgenommen worden, aber als ein Gebundener. Ich möchte euch alle bitten mich zu verstehen, denn es ist meine Strafe unter euch zu bleiben und zu arbeiten. Ich habe den ernsten Willen zu sühnen, was ich allen angetan habe. Ich kann es aber nicht; denn zwischen mir und euch allen steht – Jesus. Ich habe ihn als Mensch nicht gekannt. Ich kam nach Jerusalem und man hat mir ein Bild von Ihm gegeben – eurem Heiland, welches abstoßend war. Was wurde mir alles geschildert von den Beauftragten des Hohenpriesters – und ich glaubte. Sein Tod am Kreuz bestätigte welch ein Verbrechen Er am ganzen Volk begangen hat und wie Er den Tempel geschändet habe. Ich glaubte, und der Hass, den man mir predigte, zeitigte wieder Hass.

 

Ihr waret nicht die ersten die ich mit in das Elend trieb, ich glaubte Gott zu dienen. Nun hat sich das Blatt gewendet, in den wenigen Stunden habe ich mich erkennen dürfen als der Verbrecher – der Jesus sein sollte. Habe erlebt, welche Liebe Er gewesen sein muss, weil mir statt Strafe ein Weg geebnet wurde, wo ich gut machen, sühnen und ein anderer Mensch werden kann. Ich bereue tief was ich euch allen tat, einen jeden möchte ich einzeln bitten, lasset es mich gut machen, aber gebet mir Gelegenheit dazu, ich will es jedem einzelnen danken! Nur um eines bitte ich demütig, glaubet meinen Worten! Da ich der Erbe eines großen Vermögens bin, wovon der Tempel keine Ahnung hat, bitte ich dich Baltasar als den Vorsteher dieser Gemeinde es anzunehmen. Es genügt, um allen feste Wohnung zu bauen und eine große Herde Vieh als Gemeingut zu unterhalten.

 

Nun noch eine Bitte, was ihr mir gnädig gewähret, gewähret es auch meinen Kollegen, denn sie sind genau so wie ich blinde und gebundene Menschen, die der Hass zum Verbrecher gemacht hat. Ich erbat mir die Strafe, die man über euren Meister Jesus verhängte, ich wurde begnadigt durch den Römer Claudius, der auch Christ geworden ist, aber zu einem Christ zu werden, reicht meine Reue noch nicht aus, habt Geduld mit mir und verzeihet mir!“ Still wurde es um alle. Baltasar fragte: „Wer hat etwas zu sagen, oder wer hat noch Wünsche?“ Eine Schwester, der man noch das ausgestandene Leid ansah, erhob sich und trat hin zu Baltasar, sie sagte: „ Schwestern und Brüder, ich will nicht gehört haben was der arme und noch unerlöste Bruder eben uns allen sagte. Aber etwas anderes habe ich in mir vernommen: Richtet ein großes Kreuz auf, nicht um andere Schuldige zu töten, sondern um uns alle zu fragen, kannst du vergeben?

 

Wie gern wäre ich, während der Leidenszeit gestorben, und ein Ende meiner Leiden wäre mir geworden. Willig wäre ich in den Tod gegangen, durch das Kreuz. Bruder, du hast mich fast bis zum Tode gequält, ich allein hätte das Recht dich schuldig zu sprechen, - hier hast du meine Hand, ich danke dir, denn du gibst mir Gelegenheit dir öffentlich zu vergeben. Schwestern, wir haben geklagt, wir haben gebeten um Hilfe und Rettung, wir haben gelitten und uns getröstet, hier ist mehr, hier ist das Größte zu finden, andere Schuld auf uns zu nehmen! Ich bitte den großherzigen Römer um Gnade für unsere noch gebundenen Brüder, wer mir nicht meine Bitte bejahen will erhebe den Arm!“

 

Kein Arm regte sich, da sagte sie: „Schwestern und Brüder, wir sind nun eine Gemeinschaft geworden und nun bitte ich im Namen aller, gebt den Sträflingen die volle Freiheit, lasset sie unter uns als freie Menschen, freie Brüder leben. Dir aber Bruder, der du dein Vermögen uns allen schenken willst, behalte es, denn wahre Liebe kann nicht gekauft werden! Was du tuest, sollst und darfst du als ein freier Mann tun. Ich habe gesprochen!“  Claudius meldete sich zu Wort, er spricht: „Freunde, ein solches Wort habe ich noch nicht erlebt, es erschüttert mich eine solche Liebe zu erleben. Du Schwester hast gelitten, das zeigt uns allen dein Aussehen, deine Herzensgröße aber zeigt uns welch liebliches Bild du in deinem Herzen trägst von deinem und unserem Liebemeister Jesus den du Schwester erlebt hast.

 

Auch ich habe ihn erlebt, weiter darf ich nichts sagen, darum Baltasar wärest du bereit dein Urteil zurückzunehmen und Gnade vor Recht walten zu lassen?“ Baltasar erhob sich und sagte: „Claudius und ihr lieben Brüder und Schwestern, das Gesetz verlangt Sühne, da aber in dir Schwester ein Jesusleben sich offenbarte, gebe ich deiner Bitte Gehör und nehme das Urteil zurück. Euch aber, die ihr durch die Liebe Jesu volle Verzeihung erhalten habt, bitte ich tretet unserer Gemeinschaft bei, aber was soll mit eurem Bruder werden? Der da nicht will die wahre und ewige Liebe. Da sagte ein Bruder, voll der seligen Freude: „Brüder, wir richten ein Kreuz auf, vor dem Kreuz bauen wir ein ganz kleines Häuschen, richten es ein zum Sitzen und Schlafen und machen einen Ring um das Häuschen damit er sich nicht entfernen kann und lassen ihm nur soviel Freiheit, wie es die Kette an seinem Fuß ist und dann mag er solange er es will über unsern Meister Jesus grollen, bis er erkannt hat, was seine Liebe ihm eingebracht hat.“

 

Spricht Claudius: „Brüder, wenn sich niemand dagegen meldet, soll es geschehen, da er ja noch nicht verurteilt ist. Gefangener nimmst du das Urteil an?“ „Nein und abermals nein, ich will vor ein Tempelgericht gestellt werden!“ „Gefangener, verscherze dir die Anteilnahme dieser Gemeinschaft nicht, was ich erlebt habe verpflichtet mich dich als einen Kranken und Aussätzigen anzusehen und so ist dieses Volksgericht für mich –Gottesgericht – nur mit dem Unterschied, die erste Zeit darfst du mit niemanden sprechen. Gehalten wirst du wie ein Aussätziger und Nahrung erhältst du von denen, die in ihrer freien Liebe dir etwas bringen. Genau wie ihr Templer die Aussätzigen behandelt habt. Bist du gesund geworden, dann werden dir die Fesseln gelöst und kannst hingehen wohin du willst. Dass aber kein Tempel dir helfen wird garantiere ich dir, denn ab heute ist hier alles römisch, nur du Aussätziger nicht. Es sei!“ Ruhe herrschte nach diesen, im Heiligen Ernst, gesprochenen Worten, da erhob sich Andree und sagte: „Beendet ist der weltliche Teil, bitte lieber Claudius, lasse den Gefangenen nach seinem Gewahrsam bringen, damit wir in Andacht unsere Feier beenden können.“ Es geschah.

 

Da sagte Andree: „Bruder Jakobus, bitte gebe uns einem jeden das rechte Wort, damit in unseren Herzen die Ruhe und der Friede wieder einkehre.“ Jakobus steht auf, erhebt die Hände und spricht: „Schwestern und Brüder, nur wenige Worte will ich zu euch heute sprechen; denn morgen ist Sabbat für uns alle. Bereinigt ist nach außen alles und was wir in unserer Liebe tun sollen und auch werden, dazu wird uns auch die Kraft gegeben. Vor allem danke ich euch allen, weil ihr euch willig den Anforderungen unterstellt habt, nur wenige Tage noch und dann wird es ruhiger um uns. Eine schwere Last lag auf meinem Herzen und sie ist nicht mehr da, denn die gefangenen Priester lagen mir sehr schwer am Herzen. O, du ewige Liebe Du, wie sollen wir Dir danken weil Du es ermöglicht hast der Außenwelt zu beweisen, dass wir als Deine Kinder nicht richten, sondern aufrichten und Gelegenheit geben eine Liebe zu leben, die verheißungsvoll wirkt.

 

Ihr Brüder, die ihr durch die erbarmende Liebe wieder zu freien Menschen geworden seid, errichtet das Kreuz noch in dieser Nacht, damit morgen zur Sabbatfeier das Kreuz als Symbol seine Weihe erhalte. Du Bruder Amram sei und bleibe du der Hüter, da du freiwillig dir den Tod am Kreuz als Strafe gewählt hast, es wird dir zum höchsten Glück gereichen, da du am Kreuz sühnen wolltest. Sühne unter dem Kreuz und du wirst ein lebendiger Priester Seiner Liebe werden, die am Kreuz offenbar wurde. Ihr anderen Brüder aber helfet eurem Bruder Amram, damit auch ihr mit helfen könnt Den zu verherrlichen, Der heute so herrlich im Geiste Seiner unsagbar herrlichen Liebe sich offenbaren konnte. Mit diesen wenigen Worten begnügt euch und suchet eure Lagerstellen auf. Doch vergesset das Danken nicht und so seid gesegnet und erstehet in diesem Geiste Jesu, damit euer Glaube zu Jesus – zu einem Leben mit Jesus werde! Seid gesegnet, ihr Gesegneten damit auch ihr alle zu Segnenden werdet! Amen! Amen! Amen!“

 

Sabbat. Nur in der Küche wurde geschafft und in den Ställen, wo das Vieh seine Wartung erhielt. Auf einem freien Platz war in einer künstlichen Erhöhung ein Kreuz errichtet worden, wo es von allen gesehen werden konnte, rau und ungehauen. Viele Brüder halfen den neuen Brüdern bei der nicht leichten Arbeit. Die Soldaten staunten über das Wunder, welches sich am frühen Morgen offenbarte, denn über Nacht war auch wieder Julius mit seinen Leuten gekommen, die fast zwei Tage unterwegs waren. Da es keine Kranken mehr gab, wurde ein kleiner Hocker unten am Fuße des Kreuzes angebracht, damit sich ein jeder ausruhen konnte, so es einer brauchte und jetzt wurde dieser Hocker zum Rednerplatz.

 

Still und feierlich kamen alle zum Kreuz und still unterhielten sich die Angekommenen und waren in Erwartung kommender Dinge. Die dortigen Bewohner waren die Letzten und viele waren es die sich vor dem Kreuze eingefunden hatten, auch der geheimnisvolle Fremde. Andree und Jakobus waren die Letzten, aber mit Absicht, sie wollten niemanden Gelegenheit geben, dass sie angesprochen wurden, denn Jakobus hätte sich ja zerteilen können. Andree als der Priester, bat alle Brüder und Schwestern um Entschuldigung, weil es noch keine Bänke und Sitze gab, da ja erst gestern die Bitte unterbreitet wurde, ein Kreuz zu errichten. „Nun seht ihr ein Kreuz als das Symbol der Schande, gefürchtet von allen die ein schlechtes Gewissen hatten. Ein jeder zitterte, so er an das Kreuz geschleppt wurde. Nun Jakobus, bitte gebe du das Beste dazu, an diesem Sabbatmorgen.“

 

Jakobus segnete die versammelte Gemeinde und sagte: „Unser Bruder Andree bezeichnete das Kreuz als das Symbol der Schande, ich aber will euch allen aus der Tiefe meines Herzens das Kreuz als das Symbol der höchsten Liebe bezeichnen! Unser geliebter Jesus, unser Heiland und Erlöser war verurteilt an einem solchen Kreuz, umgeben von Spott und Hohn sein Leben zu lassen. Er starb, weil es Sein allein heiliger Wille war. Ich bin sein Zeuge von Seiner Geburt an bis zum Tode am Kreuz. Oft sprach Er mit uns, Seinen Getreuen, von Seinem Tode, wenn wir aber Ihn baten, doch davon abzustehen, da sagte Er: Nur so kann Ich dem Tod die Macht nehmen, weil es Gott will, mit Dem Ich eins werden muss! Er starb aber nicht wie ein Verbrecher, sondern wie ein zum Tode Gewürdigter. Seine Worte waren: "Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun. " Und seine letzten Worten waren: "Vater in Deine Hände befehle ich Meinen Geist!"

 

Brüder, bedenket die ersten Worte und die letzten Worte am Kreuz, welch ein Geist wurde allen Blinden und hasserfüllten Menschen offenbar und voll Schrecken verließen sie alle den Hügel Golgatha, weil die Erde bebte und alle glaubten das Weltende wäre gekommen. Nun aber will ich vor aller Augen das Kreuz weihen und bitte euch, segnet meine Worte! Amen! O du einfaches Holzkreuz, hergestellt von Männern die voller Sehnsucht sind, die Anerkennung Gottes zu erhalten, sei geweiht im Namen und im Geiste Jesu und alle, die voll Hoffnung sich an dieses Kreuz lehnen, oder unter diesem Kreuz Zuflucht suchen, sollen erleben den Geist der an einem solchen Kreuz ausgeboren wurde.

 

Du Kreuz, als Symbol einer Liebe die alle Schuld auf sich nimmt, die Liebe, die Hilfe allen denen gibt die zerbrochenen Herzen; Ruhe und Frieden schenkt, einer Liebe die sich im heißesten Ringen Kraft schenkt und einer Liebe die jeden reuigen Sünder volle Vergebung zusichert! Diese Liebe wird jeder innerlich erleben der im vollen Glauben an Seinen Heiland und Erlöser glaubt und wird ein freier und froher Mensch werden. Du einfaches und doch heiliges Kreuz, vertrete so wie man dich sieht mit deinem Längsbalken den ewigen und herrlichen Gott und Heiland und Erlöser, Der Seine beiden Arme sehnend so ausstreckt als wolle Er alle umarmen. Trotze allen Stürmen, Wind und Wetter und werde zum Segen all derer, die unter dir sich sammeln, wie wir uns hier versammeln.

 

Meine Schwestern und Brüder: Die Stunde ist da, wo ein ganz neues Leben in uns zum Durchbruch gekommen ist. Die Stunde ist da, wo wir verherrlichen können und dürfen Seine unsagbare Liebe. Die Stunde ist da, wo alle Angst, Not und Sorge vergehen muss wie der Schnee in der heißen Sonne. Und die Zeit ist da, wo Gott Seinen Fluch an die ersten Menschen in einen Segen umgewandelt hat. Und warum? Weil das Kreuz, an dem Jesus starb und uns allen Menschen den Weg zeigt zu Seinem Vaterherzen. Er, unser heiliger Gott, litt noch größere Schmerzen als Sein Sohn Jesus, weil Er, als Gott, dem ringenden und sterbenden Menschensohn Jesus, keine Hilfe, keine Kraft spenden durfte und diesem herrlichen Erlösergeist, durch Jesu Liebe, keine Schranken setzen wollte. Darum ist es gelungen, dem Tod und der Sünde ein Ende zu bereiten; denn wer da glaubt und in diesem Geiste sich bemüht ein Helfer und Erlöser aller Gebundenen zu werden, wird zu einem Kinde Seiner herrlichen Liebe, die am Kreuze ihre Geburtsstunde erlebte. Mit diesen Worten soll diese Feier beendet sein. Ziehet in Frieden, und gesegnet sei all euer Tun für die Zeit und Ewigkeit. Amen!“

 

Noch niemals wurden solche Worte von einem Menschen gehört, einige Minuten blieb alle still, dann tritt Amalie bis an das Kreuz und spricht: „Schwestern und Brüder, heilig ist diese Stunde! Haltet alles Gehörte und Geschaute fest in euch. In unserem Herzen soll das hier sichtbare Kreuz wie ein Denkmal leuchten und alle gehörten Worte sollen es umkränzen und warum?

 

Weil unser herrlicher Vater Jesus, sichtbar wie im Fleische, mitten unter uns ist. Frage keiner wo Er ist, fraget euer Herz und es wird euch hinziehen zu Ihm, Der sich sehnt von eurer Liebe erkannt zu werden. Nicht das ist das herrliche Ihm die Hände zu drücken, oder Ihn zu hören, denn das uns geschenkte Wort aus Jakobus Mund ist dasselbe Wort so Er es persönlich zu uns spräche. O Du lieber und herrlicher Vater, Deine persönliche Gegenwart ist uns allen das allergrößte Geschenk Deiner Liebe und der Beweis Deiner Sehnsucht zu uns Deinen Kindern. Ich muss an mich halten, um Ihn nicht zu verraten. O, meine Schwestern und Brüder, die Freude, Ihn von selbst zu erkennen soll ja eure Seligkeit erhöhen, darum säumet nicht, denn die Stunde, das sagt mir mein Herz, wird nicht mehr wiederkehren und warum? Weil Er in einem jeden von uns im Herzen aufgenommen werden will!

 

O mein lieber treuer und geliebter Vater! Am Kreuz hast du uns ermöglicht Dich zu lieben, wie Du uns schon seit Ewigkeiten geliebt hast. Was Dir heißester Kampf war und allergrößter Schmerz, sollen wir Dir wieder bringen als Freude, Wonne und Seligkeiten. Und Du, o allerliebster Vater musst zu uns wie ein Fremder kommen, musst den Mund eines Deiner Söhne benutzen, nur darum, weil Du nicht genötigt, erkannt sein willst und keines Deiner Kinder zum kindlichen Dank verpflichten willst. Habe Dank mein Heiliger und ewiger Vater! Mein Mund mag schweigen, aber mein Herz wird umso mehr mich drängen Dich immer mehr zu lieben!“ Amalie weinte leise, die anderen aber schauten sich um, als wollte ein jedes das andere fragen: „Hast du Ihn erkannt der persönlich unter uns sein soll?“

 

Da tritt Claudius vor und spricht: „Liebe Freunde, ist die persönliche Gegenwart des Herrn wichtiger als im Geiste? Die persönliche Gegenwart und das Ihn erkennen legt mir Pflichten auf und das will unser Heiland und Erlöser Jesus nicht. Bis auf diese Tage war ich ein Mensch von Gerechtigkeit und Pflichten, ich habe Ihn erkannt in Seiner Liebe im Geiste und habe Ihn erlebt in mir und war überzeugt, dass Er in mir das gibt, was ich so nötig brauche, das Erkennen meines eigenen Ichs. Es geht nicht ohne Kampf ab und Er wurde mir zum Helfer, aber als der Persönliche. Er kam als Fremder und berührte gerade das, was mich hinderte Ihn zu erkennen. Freunde, ich schließe mich der Worte an, die die Schwester zu uns sprach: `Er ist es wert, erkannt zu werden!` Weil mir auf einmal alles so leicht wie selbstverständlich geworden ist, denn nun kann keine Macht der Erde mehr das Verhältnis unterbinden, meine Augen haben Ihn gesehen, an Seiner Brust habe ich geruht und das, o meine Freunde, bleibt mir solange ich lebe, das Herrlichste und Heiligste Erleben. Was sind die Gefühle des Herzens, gegen das leiblich körperliche Erleben, wie Mond und Sonne. Und heute habe ich erkannt die Liebe, die für uns sterben konnte am Kreuze. Darum Freunde, suchet, suchet mit Ihm in Berührung zu kommen! Er ist unter uns!“

 

Ludmilla spricht: „Amalie und Claudius, ihr habt ein Feuer angezündet und ich danke euch, ja Er ist wahrhaftig unter uns, auch wir haben Ihn persönlich erlebt und Er brachte mir das allergrößte Geschenk. Aber seid fröhlich und voll der heiligsten Erwartung, denn wo die Sehnsucht nach Ihm am größten ist, dort lässt Er sich erkennen. In mir ist alles so lichtvoll und klar. Unser kleines Dörfchen ist eine große Gemeinde geworden, durch die Führungen Seiner Liebe sind wir unter weltlichen Schutz gekommen. Weise Männer, erfüllt und durchdrungen von Seinem Liebegeist, garantieren, dass nicht so leicht sich ein falscher Geist einschließen kann und nun kommt zum größten Glück, was uns Menschen beseligen kann: Er Selbst wie ein Mensch unter uns! Und besiegelt Seine Liebe zu uns wie ein Vater, der sein Testament macht und Seine Kinder zu glücklichen Erben. Du Claudius wirst und bleibst uns das Vorbild einer Pflicht und Ordnung, du Amalie das Vorbild der Liebe. Unvergessen sollen auch die Brüder sein, die wieder von hier fortgehen, aber bleiben wird der Vater Jesus unter uns und auch in uns. So sollen wir auseinander gehen, und wünschen euch allen eine gesegnete Ruhe. Du aber, Du ewige Liebe lasse Dich finden und bleibe bei uns und auch in uns um Deiner Liebe Willen. Amen!“

 

Nun war der Weg frei zur offenen Aussprache, alle Hemmungen waren weg, die Männer scharten sich um Jakobus und die Frauen um Amalie. Ludmilla sagte zu den Frauen: „Wir wollen nicht nach der Juden Art den Sabbat feiern, sondern uns bemühen den Tag zu heiligen in der dienenden Liebe. Durch die Gnade Jesu gibt es keine Kranken, da ist Zeit genug einander zu besuchen und in offener Art gemeinsam alle Mängel zu beseitigen suchen, die das tägliche Leben mit sich bringt. Dienet einander, keine sei mehr oder weniger. Ich, als die Berufene vom Herrn, bitte euch, machet mir meinen Dienst leicht; denn im Dienen verherrliche ich meinen und euren Jesus.“ Die Brüder hörten auf Jakobus wie er sagte: „Brüder machet aus dem Sabbat kein Gesetz, denn ein jeder Tag sei ein Tag des Herrn, er sei aber der Ruhe gewidmet und der Tag, wo wir Zeit finden uns zu besprechen, wo wir helfend und erleichtern können die Dinge, die uns oft Sorgen machen.

 

Du Baltasar und Andree seid euch bewusst der großen Verantwortung, denn die persönliche Gegenwart des Herrn ist der beste Beweis. Es ist nicht zu verhindern, dass versucht wird Unstimmigkeiten entstehen zu lassen, darum wachet und betet, damit ihr gefestet bleibt. Meine Anwesenheit hat nun das gezeitigt, dass der Wille des Herrn nicht zum Gesetz gemacht wird. Ihr Brüder aber wachet über eure beiden Brüder, denn sie sind die Berufenen die alle kommenden Stürme aufhalten sollen. Sage keiner ich werde nicht gebraucht, ihr seid euch der Aufgabe noch gar nicht bewusst, die ihr zu erfüllen habt, getreulich zu wachen über den Geist, der in diesen Tagen offenbar wurde. Mit großer Freude kann ich euch berichten und Bruder Baltasar ist Zeuge, wie der Feind alles Lebens in jeder Gemeinde furchtbar gewütet hat und es ist so schwer das Unkraut, im Weinberge des Herrn, zu beseitigen, doch es ist uns gelungen, mit Hilfe des Herrn, die nötige Ordnung wieder herzustellen.

 

Es muss für den Herrn vieles auf dem Spiele stehen, wenn Er sich soweit herab lässt und Seine Himmel verlässt um sehnenden Herzens in einem noch innigeren Verband mit Seinen werdenden Kindern zu kommen. O der heiligen Liebe und Demut des Herrn, wie muss Sein Herz voller Liebe bangen, so sich Seine Sehnsucht nicht erfüllt. Blicket nicht nur mit Ehrfurcht auf das Kreuz, sondern erfasset den Geist, den Jesus, den Menschensohn, trieb das Opfer zu bringen. Und durch dieses Opfer ist der Weg geebnet für Ihn zu Seinen Kindern zu kommen und für uns alle ist das Tor offen und der Weg geebnet zu Ihm zu kommen an das heilige Vaterherz! Reichen wir uns die Hände, schließen wir einen Bund: "Nur eine Einheit zu werden im Geiste Seiner herrlichen Liebe und keinem Feind kann es gelingen Zwietracht zu säen.."“ Der Abend einte wieder alle zusammen, wie immer jeden Sabbat, aber an diesem Abend brauchten Jakobus, Andree und Ludmilla nichts zu sagen, denn der Fremde war vielen kein Fremder mehr, Amalie war es die nun den Fremden aufforderte einige Worte zu sprechen.

 

Er sagte: „Kinder Meiner Liebe, Kinder Meines Herzens, ist es denn so schwer Mich zu erkennen? Warum gebt ihr, die ihr Mich noch nicht erkannt habt, euren Herzen nicht die Erfüllung, die euer Herz braucht? Denke ja keiner oder keines, dass Ich euch mit einem Vorwurf käme. Nun an Meinen Händen und Füßen sehet ihr das Merkmal, aber das herrlichste ist es noch nicht, was ihr erlebt hättet. Denn es kann und wird, wenn Ich persönlich nicht mehr anwesend bin, offenbar werden was eigentlich geschehen ist im Zusammensein mit Mir. Zu welcher Zeit waren wir zusammen Mein Claudius? Zu welcher Zeit bei dir Mein Baltasar? Zu welcher Zeit bei dir Andree? Und zu welcher Zeit saß Ich bei dir unter dem Kreuz meine Schwester  Hanna? O der großen Gnade die ihr erlebt habt, dass Ich zu gleicher Zeit bei den genannten weilte, im ersten Gespräch. Doch nun erschauet ihr Mich alle, erschauet Mich aber mehr mit den Augen der Liebe, damit Mein Bild in euch allen immer lebendiger und leuchtender werde. Euer Glaube ist belohnt wie auch eure Treue, aber es soll nicht beim Lohn bleiben da Ich in Meiner Liebessehnsucht mit Meinen Kindern noch viel Größeres und Gewaltigeres vorhabe. Doch dazu müsset ihr erst reifer werden und Mein Geist in euch, wird euch vieles offenbaren. Nur eine Bitte spreche Ich noch aus und sie lautet:

 

Lasset ein jedes Meiner gesprochenen Worte zu euch zu einem Brot des Lebens werden, welches ihr immer

in Fülle haben werdet, wenn ihr in Meiner Liebe verbunden bleibet. So wie noch viele fremde Menschen zu euch kommen werden, so werden auch Anfechtungen kommen, darum gedenket immer dieser Stunde und in diesem Gedanken werde Ich euch immer gegenwärtig sein. Je mehr ihr in diesem Geiste Meiner Liebe wachset und zunehmet, desto größer werden auch die Kraft- und Segensströme aus euch beglückend und stärkend werden. Und eine jede Kraft- und Segenswelle wird von vielen eurer geistigen Helfer weit hinaus getragen werden, wo Sehnsuchtsgebete um Kraft und Hilfe zu Mir aufsteigen. Bleibet in der Ruhe, in der helfenden und erlösenden Liebe, in der wahren Demut und Hingabe und immer lieblicher werde Ich euch dienen können, so wie Ich es jetzt tue.

 

Ich könnte euch noch vieles sagen, doch es würde das erstehende Gottesleben in euch schwächen. Seid und bleibet Stellvertreter Meiner Liebe und Mein Wort, als der Gottessohn werde zu euren Wort für alle Menschen: "Kommet her zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid"! In eurem erstandenen Gottesleben kommt euch allen der Heiland und Erlöser entgegen. Reichet euch die Hände, schließet keinen aus, wir wollen eine Kette bilden. Du Andree nimm Meine Rechte und du Ludmilla, nimm Meine linke Hand und nun sind wir in Eins verbunden und wollen es verbleiben bis in alle Ewigkeiten! Und nun nehmet hin aus Meinem Herzen den Strom einer Liebeskraft, die euch bleiben wird solange ihr Mir in diesem Liebesgeiste getreu verbleibet. Schließet für einige Augenblicke eure Augen, damit ihr erlebet was Meiner Liebe möglich ist. Es ist genug: "Seid gesegnet aus Meinem Vatergeist. Seid gesegnet und erstehet als Meine geliebten Söhne und Töchter. Seid gesegnet als Meine wahren Nachfolger, damit Ich euer Vater und Gott für bleibend eine Wohnung in euch habe. Amen!"“

 

Noch ein Händedruck und langsam wurde Er unsichtbar. In allen Augen glänzte noch der Freudenschimmer. Dann sagte Jakobus: „Schwestern und Brüder, viele Herrlichkeiten habe ich erlebt, doch eine solche Stunde noch niemals. Ich nehme Abschied von euch allen, meine Liebe bleibt hier, doch diese Stunde wird in mir lebendig bleiben und wird mir einmal den Tod versüßen. So wollen wir still auseinander gehen damit nicht verwischt werde, was uns in dieser Stunde geschenkt wurde. Seid auch von mir aus gesegnet aus dem Geiste dieser Liebe, die uns allen soviel schenken konnte. Bleibet in diesem Frieden. Amen!“ Doch aus der Abreise wurde noch nichts, denn Claudius belegte Jakobus so, dass es unmöglich war fort zu kommen. Fragen des Rechts, Fragen der Ehe und Kindererziehung, Fragen sozialer Art stürmen über Jakobus herein und Baltasar, Andree und Iwan ernten noch vieles was im Erdenleben doch so wichtig war und noch manche Stunde erlebten sie alle, in der sichtbar werdenden Liebe. Claudius ließ einen Wagen mit Begleitung für Jakobus richten, denn er selbst konnte nicht mit nach der Küste reisen. Der Abschied wurde schwer für alle, doch auf Wiedersehen hofften alle.

 

 

 

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Rückkehr nach Jerusalem und Heimgang des Jüngers Jakobus ins himmlische Reich

Ohne jede Gefahren kam Jakobus heim, erwartet von vielen denen es der Herr offenbarte. Wenn nun die Brüder zusammen kamen, konnte Jakobus immer die Führungen verherrlichen. Die gegründeten Gemeinden blieben, im Geiste besuchte er manches gewonnene Herz und die Erlebnisse wurden immer herrlicher und so erlebte er Seligkeiten, wovon kein Mensch eine Ahnung hatte. War es zu verwundern, wenn Jakobus in seiner Liebe alle hinriss? Die Gemeinden hatten nur einen Wunsch, dass dieser Apostel ihr Hirte sei. Er blieb es, und viele Jahre konnte er das Amt bekleiden, bis auch er dem Feinde zum Opfer fiel. Es war ein sonniger Tag, da werden die Besucher des Tempels aufgeschreckt. Jakobus der Vielgeliebte und vom Tempel Gehasste war im Tempel, eine Meute um ihn, die Priester zogen ihn auf die Zinne nach oben.

 

Jakobus wusste was ihm geschehen würde, aber getragen von der Liebe die ihn belebte, stand er himmelhoch über ihren Hass. Und dort oben sollte er seinen geliebten Meister verleugnen. „Lieber lasse ich mich hinabstürzen“, waren seine Worte, da ergriffen ihn die Schergen des Tempels und warfen ihn hinunter. Erschreckt wichen die Zuschauer zurück, als sie aber Leben in dem herabgestürzten Jakobus bemerkten eilten viele, viele, alle Vorsicht vergessend, hin zu dem Sterbenden. Einige Beherzte hoben ihn empor, brachten ihn in eine bequeme Lage und wollten ihm Erleichterung bringen. Laut weinten die Frauen, wie auch die Männer, ob all diesem Leid und Unglück. Da öffnete Jakobus die Augen, ein leuchten ging über sein Angesicht, da sagte er mit leiser Stimme: „Weinet nicht, ihr Getreuen und Geheilten unseres Gottes und Vaters. Ich bin am Ende meiner Erdenbahn. Ich sehe die Tore offen, die zur Heiligen Stadt führen und höre den Jubel vieler Tausende. Sie sind alle gekommen, mich heimzuführen in das ewige Vaterhaus! Der Herr aber befindet sich an der Spitze!

 

Ich sehe die herrlichen Straßen, die herrlichen Bauten, herrliche Auen mit ihren herrlichen Bewohnern, die herrlich geschmückt sind und ihre Augen bekunden die größten Wonnen. O du Erde, mit deinen noch viel ärmeren Bewohnern, wie blind sind deine Menschen, die dich bewohnen, dass sie die ihnen geoffenbarte Liebe und Erbarmung nicht erfassen wollen. Wie froh würdet ihr in eurem Leben sein, das Leid würdet ihr nicht kennen lernen und die mächtig gewordene Liebe würde euch allen sichtbar sein. Was ich jetzt erlebe ist größtes Glück, denn Jesus unser herrlichster Meister, hat nicht nur die Entgegenkommenden eingeladen, sondern sie auch herrlich geschmückt und sie zur Brautgemeinde gemacht. O könntet ihr nur einen Blick in die herrlichen Wohnungen tun, die Er, der Herr Selbst, in Seiner unendlichen Liebe für Seine Getreue schuf. Ja, das größte Leid verschwindet vor dieser überirdischen Schönheit und vor dem Anblick dieser überseligen Bewohner.

 

Sie alle bereiten einen Tisch für die, die dem Weltgeist zum Opfer gefallen sind und ihre Treue mit dem Tod besiegelten. Ihren Händen aber entströmen Kräfte, die aus ihrer Liebe geboren sind, die die Menschen stärken und festigen. Bereitet euch vor, meinen letzten Segen zu empfangen, denn, wenn der Totschläger kommt, werde ich schon Hand in Hand mit dem Herrn, unserem geliebten Jesus und Vater, durch das Tor des ewigen Lebens gegangen sein. Nehmet hin den Segen, den die Heilige Liebe durch mich euch reicht, auf dass eure Herzen erstarken, bis zur letzten Probe, damit entsühnt werde alle Schuld. Nehmet hin den Segen, den mein Herz als Letztes euch noch gibt, damit uns nichts trenne bis in Ewigkeit! Und nehmet hin den Dank für eure Treue, denn ihr seid mein und trage euch in meinem Herzen dorthin wo die Heilige Liebe das Denkmal Seiner Vaterliebe baute.“ Stumm lehnte sich Jakobus zurück, er gab das Zeichen des Kreuzes und mit einem letzten Blick in den Umkreis schloss er die Augen. Er war nicht mehr, –  dann kam ein Mann und zertrümmerte mit seiner Keule den Schädel. Entsetzt wichen die Menschen zurück. Dann aber lobten sie den Herrn, denn schon war Jakobus eingegangen in den Schoß heiligster Vaterliebe.

 

 

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Ursula Köhler

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