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Jakobus Wirken in Edessa Band II Empfangen
und niedergeschrieben von Max Seltmann 1941 i.W. INHALT 1 Personen:
Jesus,
der Herr Abgarus
- der König und seine Familie Brachus - sein Diener Hethmann
- Hausmeister Zeno
- Oberpriester eines heidnischen Tempels Jakobus - der Jünger und Apostel Helena
- eine Witwe mit zwei Kindern Irene
- mit ihrer Mutter Ilona Omar
- der verstorbene Sohn des Abgarus Zuriel
- dessen geistiger Führer Hermes
- ein Priester Rudomin
- ein Geheilter von Besessenheit Herminus - ein alter Mann Darius
- dessen Sohn Gabriele
- Darius` Weib Ebraim
- ein Geheilter
In Edessa, einer kleinen Stadt in Mesopotamien, residierte Abgarus. Sein Königreich war gut in Ordnung. Da er Kenntnis von dem Dasein Jesu erhielt, suchte und fand er auch Verbindung mit Ihm. Leider wurde sein Wunsch, Jesus von Nazareth ganz in sein Land als Bürger zu bekommen, nicht erfüllt, aber etwas Größeres wurde ihm zuteil, nämlich die Gnade und das Wohlwollen Jesu. Mehrere Male reiste Brachus, sein Diener, nach Judäa und brachte herrliche Verheißungen mit. Aber der Wunsch, ihm und dem kranken Sohn Heilung zu bringen, wurde ihm versagt, da der Herr und ewige Gott andere Absichten mit ihm hatte. So ging dieser Sohn und Thronerbe mit dem Bewusstsein des freien und ewigen Lebens aus dieser Welt, um in der Ewigkeit ein Leben anzufangen, das für die damalige Zeit vollständig neu war. Die Zeit der Trauer um den Sohn war noch nicht vorüber, als sich König Abgarus und sein ganzes Haus zu einer noch größeren Trauer vorbereiten musste, denn er hatte durch seinen Diener in Erfahrung gebracht, dass man Jesus, den Wundermann, kreuzigen wollte. Alle Bemühungen des König Abgarus, Jesus zu bewegen, Judäa zu verlassen, scheiterten an der Bereitschaft Jesu, das größte Opfer zu bringen. Es war an einem Freitag, nachmittags, als Brachus zu seinem Herrn kam und ihm meldete, dass sich die Sonne verfinstere und ihren Schein verlöre.
Da befahl Abgarus, Trauer anzulegen für drei Tage, da Jesus von Nazareth am Kreuze verstorben sei nach dem Willen der Tempelpriester. „Wie kannst du das wissen, mein Herr“, erwähnte Brachus, „sind doch seit der letzten Botschaft nur wenige Tage verflossen. Nach dem, was ich erlebt und gesehen habe, ist es eine Unmöglichkeit“. – „Brachus gehorche, veranlasse die Trauer, bald wirst du die Bestätigung erhalten. Damit aber in unseren Herzen nichts, als nur reine Trauer um den großen Heiland Jesu lebt, wollen wir uns von allem enthalten und nur das Nötigste tun und zu uns nehmen“. So geschah es nach dem Willen des Königs. Dieser aber blieb in seinen Gemächern, nur des allerfrühesten Morgens und des späten Abends ging er auf das Dach, um zu beten und sich zu verinnerlichen. So auch am Sonntag früh. Mit dem Sonnenaufgang hatte er sein Gebet beendet, da sieht er, wie aus der Luft zwei Jünglinge in weißem Gewand auf ihn zukommen. Er schaut und schaut, da erkennt er in dem einen seinen verstorbenen Sohn. Er möchte rufen, hineilen, aber da seine Füße gelähmt waren, musste er bleiben.
Ehe er sich von dem Schmerze in seinem Fuße erholt hatte, sind die beiden Gestalten bei ihm, grüßen ihn mit erhobener Rechten. Da spricht sein Sohn: „Vater, freue dich, eben kommen wir vom Grabe des Herrn, es ist leer, nichts ist eine Beute des Todes geblieben“. – „Bist du es wirklich, mein tiefbetrauerter Sohn? So gesund und strahlend habe ich dich noch nie gesehen, komme in meine Arme, ich möchte dich an meine Brust drücken“. – „Es geht nicht, mein Vater, aber nach eine kleinen Zeit darfst du, wie mir mein Führer sagte, einmal in unsere Welt einkehren und die großen Wunder der Liebe und Gnade Gottes schauen. Eines aber darf ich dir sagen: alle Tore des Lebens stehen offen. Was die Erde an Wundern die letzten drei Jahre erlebte, ist dem Geisterreich in drei Tagen geworden. Überall, wo der Name Jesus genannt wird, ist eine Lichtquelle geworden. In diesem Licht ist so viel gewandelt worden, dass es für Erdenbegriffe unmöglich ist, dieses zu schildern.
Nur was böse war ist finster geblieben. Auch um und in dir soll Licht und Freude sein. Darum vernimm die frohe Kunde: Jesus ist vom Tode erstanden, alle Herrschaft des Lebens ist Ihm zugefallen. Für Ewigkeiten wird nur noch dort der Tod sein, wo man das Leben meidet, welches der Auferstandene gibt. Schaue uns beide an, nicht eine Spur der Zersetzung wirst du an uns finden, da das Leben uns ergriffen hat durch die unendliche Gnade des Herrn. Leget nun alle Trauer für immer ab, das Leben hat den Sieg über allen Tod davongetragen“. „Sahest du den Herrn, unseren ewigen Gott, unser Licht aus dem Urlicht?“ – „Ja, mein Vater, nicht nur gesehen, sondern gesegnet und geweihet für das ewige Leben. Aus Seiner Liebesfülle durften wir empfangen nach unserem Sehnen. Wir sind durch Ihn, den Ewigen und Lebendigen eine neue Schöpfung geworden. Künde allen diese frohe Botschaft, damit alle Anteil an diesem Leben haben. Dir aber, mein Vater, alles Heil aus Jesu, dem Lebendigen“. „Mein Sohn, wer ist dieser dein Begleiter, warum blickt er so ernst auf mich?“ – „Mein Vater, es ist mein Führer und Lehrer. Nie hätte ich mich in der ewigen Gotteswelt zurechtfinden können. Licht und überall Licht umgab mich, meine Augen waren dieses Lichtes ungewohnt.
So nahm mich dieser Führer bei der Hand und führte mich in eine Welt, die mir vollständig fremd und doch so überschön ist. Herrliche Ländereien, blaue Seen und strahlende Menschen zogen meine Aufmerksamkeit auf sich, dann aber wurde ich begrüßt von den Ältesten, als wenn man mich längst erwartet hätte. Meine Freude war riesengroß. Als ich aber von dem Heiland, der nichts anderes, als Gott von Ewigkeit ist, erzählte, hat man mich nicht so recht verstanden. Nun ist es anders geworden. Seit Er selbst die Botschaft von Seinem Ringen und Sterben brachte, warf sich alles auf den Boden und weinte überlaut. Als Er aber sagte, dass Er nicht im Tode bliebe und alle von Seinem Leben beleben wolle, erhoben sich alle und der Jubel wollte kein Ende nehmen. Wir erhielten von Ihm die rechte Weihe, wir durften aber auch Blicke tun, die schrecklich waren. Dorthin eilte Er mit seinem Anhang, um auch denen die Botschaft des Lebens zu bringen“.
„O, mein Sohn, du Glücklicher durch des ewigen Gottes Gnade, am liebsten eilte ich an eurer Seite zu Ihm, der meines Lebens Stütze und meiner Seele Trost und Inhalt ist“. – „Vater, gedulde dich noch eine kleine Zeit, denn bald wird kein Unterschied zwischen Menschen und Geistern sein, denn Gott, als der Ewige und nun vom Tode Erstandene, wird wieder in Seine Urhimmel zurückkehren und im Geiste überall dort sein, wo man sich an Seinem Heilandsleben bereicherte, welches Er uns allen offenbarte. Auch du wirst gar bald ganz eingeweiht werden. Bleibe in dieser deiner Liebe, bleib in diesem deinem Frieden, dann kann Sein Geist, der ein Geist allen Lebens ist, sich einen mit deinem Geiste. Amen“. Hier verschwanden die beiden Lichtgestalten, Abgarus aber zitterte vor Freude. Seine Schmerzen nicht mehr achtend, eilte er nach unten in seine Gemächer, um seinem Weibe und Kindern die eben erlebte Gnade, den Besuch des Sohnes und Bruders, zu schildern, und dass es gerade sein Sohn war, der die Auferstehung des wahren Heilandes übermittelte.
Abgarus ließ seine Getreuen, Diener und Freunde laden zwecks Übermittlung der Freudenkunde, aber er wurde enttäuscht, man glaubte ihm nicht. Hethmann, der Hausmeister, dem auch alle Diener, Knechte und Mägde unterstellt waren, sagte: „Herr, bis jetzt habe ich geschwiegen, ich wollte dir nicht wehe tun, weil du ein guter Herr und guter Vater deiner Landeskinder bist. Es ist schwer, dich zu verstehen, da manchmal deine Handlungen dem rechten Verstand widersprechen. Du klammerst dich an den Heiland fest, der weder dir, noch deinem Sohn helfen konnte. Menschen, die die schwerste Strafe verdient hätten, gibst du Vertrauensposten. Landestrauer ordnest du an, weil man deinen Heiland gekreuzigt hatte. Und jetzt willst du uns glaubhaft machen, dein verstorbener Sohn sei gekommen und habe die Botschaft, dein Heiland sei wieder zum Leben erstanden, gebracht. Herr, was zu viel ist, ist zu viel. Wir sind keine Kinder mehr, die jedes Wort glauben, was aus des Vaters Munde kommt“.
„Ich bin betrübt, Hethmann, solche Worte aus deinem Munde zu hören. Nur dem Heiland Jesu hast du es zu danken, dass ich dich in deinem Dienst belasse. In all den Jahren müsstest du mich kennen, dass ich das Gute vom Schlechten, das Falsche vom Richtigen unterscheiden kann. Wenn du mir, deinem Herrn und König, nicht glauben kannst, so hättest du wenigstens dem Freunde trauen können“. – „Herr verzeihe mir, es lag mir ferne, dich zu betrüben. An mir liegt nichts, aber deinem Volk kann nicht zugemutet werden, Dinge zu glauben, die im reinen Phantastischen liegen. Du machst dir die Priester zu Feinden. Solange du nicht mit Beweisen kommst, ist uns und deinem Volke nicht gedient“. „Hethmann, es ist gut, die Beweise werden noch erbracht werden, es kommt nur darauf an, ob du und alle deine Leute auch die Beweise annehmen. Aber da du offen und ehrlich bist, so will ich dich ebenso fragen, welcher Art sollen denn die Beweise sein, da es sich um große Dinge handelt, müssen auch die Beweise groß sein“. – „Gewiss, Herr, mit der Stunde, wo du gesund bist und dich ohne Schmerzen bewegen kannst, will ich deines Glaubens sein und alles daran wenden, dass alle sich zu deinem Glauben bekehren“. –
„Gut, Hethmann, es sei. Die Stunde ist nicht mehr fern, wo mir, euch und allem Volk das größte Heil widerfahren wird. Bis dahin aber wollen wir nicht mehr davon reden“. So vergingen Wochen, Monate. Abgarus änderte seine Ordnung nicht, der früheste Morgen und der späte Abend gehörte Jesu und seinem Sohn Omar. Hethmann beobachtete seinen Herrn unausgesetzt. Keine Veränderung in seinem Wesen gewahrte er, aber die Ruhe und das Zielsichere machte ihn unsicher. Darum suchte er eines Tages den Oberpriester des dortigen Tempels auf und gab ihm ein getreues Bild seines Herrn. Der Oberpriester, ein älterer erfahrener Mann, eingeweiht in manche Wissenschaft, sagte: „Hethmann, es ist gut, dass du gekommen bist und mir alles getreulich offenbart hast. Ich fürchte, wir müssen alle unsere Götter verlassen und uns dem Einen und Wahren, uns unbekannten Gott, nähern. Deine Nachrichten stimmen mit denen des Königs überein. Aus Rom ist strengste Anweisung da, den Verkündern der neuen Lehre des jüdischen Wundermannes nicht feindlich entgegenzutreten.
Der Statthalter Cyrenius hat allen Priestern der heidnischen Religionen die Lehre des unbekannten Gottes anempfohlen“. – „Empfohlen ist aber noch nicht annehmen, haben wir nicht genug Götter und Priester?“ – „Hethmann, verkenne die Lage nicht. Ich kenne den Gott der Juden, auch zum Teil die Lehre, siehe, es ist mein Brot. Wenn ich meine Götter verlassen könnte, ich würde es sofort tun, aber wie würde ich vor dem Volk bestehen? Darum warten wir, was der König tun wird, von ihm hängt alles ab“. Erwiderte Hethmann: „Da wäre es wohl gut, sich mit den wenigen Juden in Edessa zu befreunden?“ – „Da rate ich dir ab, es sind nur Händler und Geschäftemacher. Ihre Religion ist das Verdienen, ihr Handeln ist das Gegenteil von der Lehre des Judengottes. Der Wundermann aber soll ein Feind des Tempels gewesen sein“. „Mein Oberpriester, Abgarus behauptet aus sich heraus, der Wundermann sei von den Templern gekreuzigt und vom Tode wieder erstanden zu neuem Leben. Dieses habe ich als phantastisch hingestellt“. – „Hethmann, ich hätte Abgarus geglaubt. Nach der Lehre des unbekannten Gottes soll ein Sohn von Ihm kommen, alle Schulden und Missetaten auf sich nehmen und durch Sein trauriges Ende die Gottheit und die Menschheit wieder versöhnen. Für uns Menschen kann daraus nur Gutes entstehen, denn in dieser Lehre ist viel, viel Liebe verborgen, die bei unseren Göttern nicht zu finden ist. Du kannst dich aber schon mit dem Gedanken vertraut machen, dass der Gott der Juden unendlich mehr ist, als alle unsere Götter zusammen.
Nun, wo ich alt geworden bin, sehe ich alles mit anderen Augen an. Wie froh wäre ich, wenn ich die reine Wahrheit erfahren könnte. Komme doch wieder zu mir“. – „Gerne, wenn Abgarus gesund ist, sollst du der Erste sein, den ich an des Königs Hof bringe“. Die Unterredung mit dem Oberpriester Zeno hat Hethmann zu vielem Nachdenken veranlasst. Dann hatte Brachus auf die Fragen des Hethmann, was eigentlich früh und abends der König auf dem Dache tue, geantwortet: „Er betet“. Erstaunt spricht Hethmann: „Er betet? Seit wann ist es denn Sitte, des morgens und abends allein zu sein und zu beten, dazu ist ja der kleine Bettempel da“. Antwortet Brachus: „Siehe Hethmann, unser Herr ist anderer Religion geworden. Du weißt von meinen Reisen nach Judäa, du weißt, dass der Heiland Jesus kein Märchen, sondern Tatsache ist. Du weißt aber auch, dass ich dem König, unserem Herrn, in allen Dingen recht gebe, weil ich selbst mit dem Heiland Jesus und seinen Jüngern gesprochen habe. Du weißt aber auch, dass unser König ein anderer, ein gerechter und liebevoller Fürst geworden ist. Siehe, wir alle erlebten die Umwandlung unseres Herrn.
Ist es da nicht Pflicht, nach den Gründen zu forschen? Ich bin froh, es getan zu haben, denn dadurch bin ich auch getrieben worden, ein anderer zu werden“. „Du magst Recht haben, Brachus, aber wie stehen wir da? Wo soll ich meine Götter hintun, die mir lieb und teuer sind? Ich kann doch nicht einem Phantom nachjagen, denn etwas anderes ist doch euer Heiland Jesus nicht. Ich möchte euch ja so gerne glauben. Tag und Nacht habe ich keine Ruhe, ich möchte vor mir selber fliehen“. – „Aber Hethmann, ist dies nicht für dich der beste Beweis, dass du einen Heiland brauchst? Warum gaben dir deine so lieb gewordenen Götter die Ruhe und den Frieden nicht? Bei mir ist es anders, in mir ist Ruhe, Frieden, selige Gewissheit, dass ich einen lebendigen und keinen toten Gott habe. Das unaussprechlich Große ist geschehen, dass ich mit meinem Gott reden kann und Seine tröstliche Antwort vernehme.
Begrabe
ruhig deine Götter. Werden sie wieder lebendig, wie Jesus, der Heiland und
Wundermann lebendig wurde, dann bleibe ihnen getreu, verbleiben sie aber in
ihrem Grabe, dann sind sie nicht einmal den Gedanken des Nachtrauerns wert“.
– „Brachus, du verlangst viel, ich kann doch nicht mit dem, was mir heilig
ist, brechen!“ – „Doch, Hethmann, die Wahrheit um das ewige Sein und Leben
verlangt es, oder kannst du für das Leben deiner Götter einstehen? Ich kann es
für Jesus, den Heiland, weil ich Ihn fühle, empfinde, Sein mir so liebes und
trautes Wort in mir höre und nur den einen Wunsch habe, Ihn nie mehr zu
verlieren“. „Ach Brachus, ich kann dich auch nicht mehr verstehen. Statt dass du mir
entgegenkommst, entfernst du dich von mir. Deine Worte haben nicht den Erfolg
gebracht, den ich von dir erwartete, im Gegenteil, du hast mich noch verwirrter
gemacht“. – „Mit diesen Worten offenbarst du mir aufs neue den Wert deiner
Götter. Darum ist es auch nicht mehr nötig, noch länger davon zu sprechen.
Ich vertraue meinem Gott, es wird sich alles so fügen, dass du und alle in
Edessa sich zu meinem Gott bekennen“.
An einem frühen Morgen, wo, wie immer, Abgarus seine Morgenandacht verrichtete, hörte er auf einmal die Worte: „Abgarus, Ich habe deinen Glauben geprüft, deine Treue und deine Geduld macht Meinem Herzen große Freude. Darum will ich auch Mein dir gegebenes Wort einlösen. Meine Gnade hast du erlebt, nun soll sich Meine Herrlichkeit an dir und deinem ganzen Hause offenbaren, damit der Feind alles Lebens nicht mehr den geringsten Boden finde. In drei Tagen wird Mein Bote Mein lebendiges Wort zu euch bringen“. Abgarus schaut rechts und links, niemand ist zu sehen. „Herr ich hörte Deine Worte, sah Dich aber nicht, ich glaube Deinen Worten“, spricht er, stieg vom Dache und sagte zu Brachus: „Höre, des Herrn Wort kündete mir, dass in 3 Tagen der erwartete Bote kommt, sorge, dass er nicht aufgehalten wird auf dem Wege zu mir“. Spricht Brachus: „Herr, auch ich weiß, dass ein Jünger kommt. Ich habe deswegen große Freude. Soll ich den Torhüter benachrichtigen?“ –
„Nein, Brachus, alles bleibe, wie es ist, der Herr weiß ja um alles“. Endlich war der erwartete Tag gekommen. Abgarus änderte nichts in seiner Ordnung. Als aber die Sonne am höchsten stand, und sich noch kein Jünger sehen ließ, wurde er doch unruhig. Darum sandte er Brachus in die Stadt, um Erkundigung einzuziehen. Unweit des Stadttores war ein kleines Haus, welches einer Witwe gehörte. Im Garten spielten zwei Kinder, da nahte sich ein Fremder. Einige Hunde, die frei herumliefen, verbellten die Kinder, die in ihrer Angst zu dem Fremden liefen, und machten viel Geschrei. Die Hunde aber zogen vor dem Fremden den Schwanz ein und winselten. Dies sah die Mutter der Kinder. Als sie aus dem Hause zu ihren Kindern eilte, waren die Kinder in der Obhut des Fremden. Sie dankte ihm mit vielen Worten. Dieser aber sagte: „Der Friede sei mit dir. Was ich tat ist nicht des Dankes wert. Doch so du mir etwas tun willst, reiche mir einen Trunk frischen Wassers, denn es ist sehr heiß heute“. –
„Dann tritt ein in mein Haus, doch zuvor lasse es zu, dass ich dir die Füße reinige“. Sie nahm ihre Kinder, ging dem Gast voran. Mitten unter der Tür reinigte sie ihm die Füße und sagte: „Sei willkommen, wer du auch seiest, ich vertraue dir. Betrachte dieses Haus als das deine, denn noch kein Mensch wünschte mir den Frieden, um den ich so ringe“. Sie brachte eilends einen Krug frischen Wassers, ein Stück Brot, und sprach: „Stärke dich, du meines Hauses Gast. Ein mehreres kann ich im Augenblick nicht bieten, für die Nacht werde ich etwas besorgen“. – „Ich danke dir, Helena. Weil du mir dein Heim als eigen angeboten und mir volles Vertrauen entgegenbringst, sollst du herrlich belohnt werden, doch nicht mit Schätzen dieser Erde, sondern mit solchen, die dir den wahren Frieden bringen. Ich bin ein Bote des Friedens und ein Künder der ewigen Heilswahrheit“. Andächtig hörte die Frau diese Worte. Dann segnete der Gast Wasser und Brot und stillte seinen Durst, dann nahm er noch etwas Brot. Da sagte die Frau: „Wie wusstest du meinen Namen, du bist ja kaum in die Stadt gekommen?“ – „Helena, wer mit dem wahren und ewigen Gott verbunden ist, weiß um manches, was andere nicht wissen.
Ich weiß auch, dass dein Mann vor sechs Monaten an einer tückischen Krankheit verstorben ist. Du sollst aber nicht mehr traurig sein, denn der Gott des Friedens ist auch ein Gott des Lebens. Du wirst ihn noch näher kennen lernen, und alle Traurigkeit soll in Freude umgewandelt werden. Ich bringe euch allen die Botschaft des Lebens, des Lichtes und der ewigen Wahrheit, die uns durch Jesus, den Heiland offenbart wurde“ Brachus, auf dem Wege zum Stadttor, sieht Jakobus im Hause der Helena sitzen, schnell tritt er ein. Er bleibt betroffen stehen, denn Helena saß auf dem Fußschemel, ihre beiden Kinder lehnten an ihr und lauschten andächtig den Worten des Langersehnten. Jakobus drehte sich um und sprach: „Brachus, der Friede des Herrn sei mit dir“. – „Bruder Jakobus, endlich bist du gekommen, dem Herrn Jesus allen Dank, alles Lob und alle Ehre, Abgarus erwartet dich, wirst du mitkommen?“ – „Ja, ich komme mit. Da mir aber Helena ihr Heim angeboten hat, werde ich für die Dauer meines Hierseins hier wohnen. Helena, es werden viele in dein Haus kommen, bist du bereit, dieses Opfer auf dich zu nehmen? Viele Kranke werden kommen, und du wirst viel Geduld haben müssen, da ich viel abwesend sein werde“. –
„Herr, alles will ich tun und ganz deine Magd sein“. – „So nicht, Helena, ich bin kein Herr, sondern ein Bote des Herrn. Nenne mich Bruder Jakobus, wie Brachus es tat. Bemühe dich nicht um mein Leibeswohl, ich benötige nur die kleine Kammer für meine Leibesruhe, alles andere wird dir gebracht werden, und du sei mir ganz Schwester“. Noch ein paar Segensworte, dann ging Jakobus mit Brachus nach dem Besitztum des Königs Abgarus. „Der Friede des Herrn sei mit dir“, so begrüßte Jakobus den Fürsten, der allein im Vorgarten den Jünger in einem Lehnstuhl erwartete. Dieser aber konnte kein Wort hervorbringen. Er drückte beide Hände des Jüngers an seine Brust und wollte sich erheben, da sagte Jakobus: „Der Herr will, dass du gesund seiest, erhebe dich, fortan soll dich keine Krankheit mehr behindern“. Da stand der König auf und sagte: „Gelobet und gepriesen seiest Du, Herr Jesus. Du hast Dein Wort wahr gemacht, hast mich kranken, elenden Menschen frei von meinem Leibesübel gemacht. O Du Herr alles Lebens, Du Licht alles Lichtes, Du Sieger über alles Leid, wie soll ich Dir wohl danken?“ – „Indem du vorderhand schweigst und nur dein Herz reden lässt. Der Herr sieht dein Herz und kennt alle deine Gedanken. Die Zeit ist gekommen, wo Er Seinen Geist allen schenken will, die eines guten und reinen Herzens sind“.
„Wie soll ich dich nennen, du herrlicher Bote meines Gottes und Herrn?“ – „Nenne mich Bruder Jakobus, eines anderen bedarf es nicht. Dass ich unserem Herrn Jesus dienen darf, ist Seine übergroße Gnade, dass ich lieben darf, ist Sein herrliches Leben. In diesem Leben folge ich dem Ruf des Herrn und wünsche, dass alle in deinem Lande, mit denen ich in Berührung komme, dieses Leben erkennen und erfassen möchten“. „Auch dieses ist mein Wunsch. Doch, Bruder Jakobus, in meinem Hause ist viel Platz, wähle dir das beste Gemach. Ich will dich halten, wie meinen Sohn, du sollst dich ganz wie zu Hause fühlen“. – „Abgarus, mein Bruder im Herrn, ich habe schon gewählt, bei der Witwe Helena habe ich ein Daheim gefunden. Es werden viele aus der Stadt und Umgebung kommen, teils aus Not, teils aus Neugierde. In diesem kleinen Häuschen werden die vielen Leute viel freier und froher sein, als in deinem königlichen Hause. Denn bedenke, Abgarus, ich bin zu allen gesandt, das Heil soll keinem vorenthalten werden“. „Heute gebietet der Herr kein Schweigen mehr, sondern zu zeugen aus Seinem Geist und von Seiner Wahrheit, die alle frei machen wird. Mein Brachus, gehe voraus, um die Freude vorzubereiten, denn das große Heil ist zu uns gekommen“. – „O gerne, mein König, dann aber soll Hethmann der erste sein, der die Beweise des lebendigen Gottes erfährt“. – „Ja, tue dieses, Hethmann wird Augen machen, wenn ich als Gesunder umhergehe“.
Jakobus verneigte sich ganz leicht vor der königlichen Familie, dann sagte Abgarus: „Diana, ich kann allein gehen, der lebendige Heiland hat mir geholfen. Nun ist alle Trauer vorüber, das Heil ist bei uns eingekehrt“. Jakobus hatte den Ehrenplatz einnehmen müssen. Die Weigerung hatte zur Folge, dass Abgarus sagte: „Bruder Jakobus, nicht dir gilt der Ehrenplatz, sondern Dem, Den du uns im Geiste bringst. Wenn wir jetzt ein Ehrenmahl halten, gilt es nicht dir, sondern Jesus, dem Lebendigen und Ewigen! Dem Sieger über allen Tod“. Jakobus: „Ich verstehe dich, Abgarus, deine Liebe zu dem wahren Christus ist ein heller Feuerbrand geworden. Ich darf dir versichern, die Freude des Herrn ist groß. Schaust du aber mit Augen der Liebe und Erbarmung um dich, so wirst du manchmal traurig werden, denn unwissend sind die Menschen. Aberglaube und Dummheit beherrschen noch ihre Gedanken, vom wahren und ewigen Leben wissen sie nichts und wollen auch nichts erfahren. Sein urewiger Geist aber, der durch das große Opfer des Lebensmeisters entbunden wurde, soll allen, allen zum Eigentum werden, damit der Mensch sich wiederfinde auf dem Wege und auf dem Boden der rechten Gottesordnung“.
Hethmann wird von Brachus geholt. Abgarus geht ihm mit schnellen Schritten entgegen und spricht: „Hethmann, was willst du nun tun? Denn siehe, ich bin nun gesund und alle Schmerzen haben mich verlassen“. – „Herr, deinen Gott will ich zu dem meinen machen, versage mir deine Hilfe nicht“. – „Hethmann, wende dich an Jakobus, den Boten des ewigen und lebendigen Gottes, er ist Sein Zeuge und Sein Vertreter“. Die Begrüßung war formell, aber Jakobus sagte: „Mein Bruder, die Liebe ist ein sanftes Weben, da sie aus dem Herzen der ewigen Liebe kommt. Sie wird auch tief in eure Herzen dringen, wenn sie dafür geöffnet sind. Nicht Gesetzesbande sollen vereinen Gott und Mensch, sondern nur Sein heiliges Leben. Dieses Leben will sich aber allen offenbaren durch den Geist aus Gott, der den Menschen wieder zu einem wahren Menschen macht. Auch wir mussten viel ringen um den rechten Geist, da uns alle viel Falsches und Irrtümliches gebunden hielt, obwohl wir Kenntnis besaßen von Jehova, dem lebendigen Gott, aber durch Jesum wurde uns alles klar.
Wir erlebten Seine Führungen, Sein Wachsen und Werden zum Gottessohn, bis zu Seinem Tod auf Golgatha am Kreuze. Wenn alles, was Er lehrte und tat, rein ans Wundertätige grenzte, so war aber Seine Auferstehung vom Tode zum Leben das allergrößte Wunder. Was die Erde noch nie gesehen und erlebt, war Wirklichkeit geworden. Der auf die grausamste Art aus dem Erdenleben Gegangene, ist mit einem unzerstörbaren Leib zur Erde zurückgekehrt, um Seinen Zeugen, und durch diese allen Menschen, den Beweis zu geben: Er lebt. Du, mein getreuer Abgarus, gabst dir viel Mühe, dieses Sein Leiden und Sterben zu verhindern. Er wusste darum und konnte und durfte dieses Opfer nicht annehmen, denn das Gericht und der Tod brauchten einen Erlöser. Wir alle waren entsetzt, verzweifelt und geschlagen. Als Er aber Selbst uns wieder aufrichtete, wurde Seine Liebe unsere Liebe und Sein Leben unser Leben. Aus diesem Leben wirke ich, zu bezeugen Seine Lehre und zu verherrlichen Seinen Geist. Sieben Wochen der größten Gnade erlebten wir noch mit Ihm, dann kehrte Er in Seine Urheimat zurück, um von da aus alle zu überschütten mit Seinem heiligen Geist , die an Ihn glauben und nach Seinen Worten tun“.
Fragt Hethmann: „Welches sind Seine hauptsächlichen Worte?“ Jakobus antwortet: „Liebe Gott über alles, deinen Nächsten aber wie dich selbst, denn Gott ist die Liebe und das Leben. Wer diese Liebe zu seinem Leben macht, in dem ist Gott das Wirkende geworden“. Fragt Hethmann: „Was ist zu Seiner Anbetung nötig, um meinen Glauben zu bekunden?“ Jakobus: „Wir haben das Wort des Herrn, dass weder im Tempel, noch woanders, als nur im innersten Herzen die innigste Verbindung stattfinden kann. Wer in seinem Inneren den wahren Grund des Lebens gefunden hat, wird überall, wohin das Auge schaut, Werke der Allmacht und der Weisheit Gottes erblicken, und alle Menschen wie seine rechten Brüder betrachten und im rechten Geiste des wahren ewigen Lebens ihnen dienen. Wer aber innerlich der alte Mensch verbleibt, nur nach seinem alten Menschlichen lebt, für den ist alles, was er schaut `Natur`. Und die Menschen sind und bleiben Produkte der Natur, mit denen man verfahren kann, wie man will. Darum ist die größte Anbetung Gottes die, wenn man arme, kranke Menschen glücklich und gesund macht“. „Glücklich und gesund machen, wer das könnte, wenn dies möglich ist, dann soll es an Eifer nicht fehlen“, erwiderte Hethmann. „Eins habe ich herausgefunden durch die wenigen, aber desto inhaltsreicheren Worte, dass der Glaube an den unbekannten Gott etwas Großes sein muss. Alle Menschen glücklich machen, muss ja zum größten Glück werden.
Abgarus, mein König und Herr, dein Land wird das glücklichste werden, denn der lebendige Gott ist ja das Mittel!“ „Hethmann“, erwiderte Abgarus, „was ist größer, die Beweise von Gottes Macht und Herrlichkeit, oder die Lebenslehre?“ – „Herr, die Lehre, denn dadurch können alle Menschen glücklich werden, während durch den Beweis nur einzelne vom Glück erfasst werden“. Diener hatten Speisen und Wein gebracht, darum sagte Abgarus: „Bruder, der du der Abgesandte des ewigen Herrn und Gottes bist, segne dieses Mahl, damit es ganz dem Herrn zur Ehre gereiche“. Jakobus betete: „O Herr, der Du im Geiste und in Deiner herrlichen Liebe unter uns bist, segne Du als Geber diese Speise und habe Dank, damit es uns zur Labe gereiche. Du aber sei gelobt und bedankt für Zeit und Ewigkeit. Amen“. Beim Mahle fragte Abgarus, wie die Reise verlaufen sei, ob ihm Not und Schwierigkeiten die Reise erschwert hätten. Jakobus: „Bruder Abgarus, mein Weg nach hier war eine Kette von Beweisen Seiner ewigen Liebe. Jeden Abend durfte ich die Gnade und die Liebe Jesu Christi bezeugen, so manchem Kranken wurde das Heil, gesund zu werden.
Das Geschehen um die Kreuzigung und um die Auferstehung des Herrn ist ja in aller Menschen Mund, nur die rechte Wahrheit mangelt allen noch“. – „Wie stellen sich denn die Priester zu Seiner Lehre und Botschaft?“ forschte Abgarus weiter. Jakobus: „Ja, Bruder, würden wir nur die Lehre bringen, wäre es um das Werk des Herrn geschehen. Da uns aber der Geist treibt, Werke der Barmherzigkeit nur aus Ihm zu tun in großer Kraft und Herrlichkeit, müssen sie verstummen. Erst heute, in einem größeren Orte, war ein Junge von einer Otter gebissen. Von weitem sah ich aufgeregte Menschen und einen Judenpriester. Als ich näher kam, beschwörte gerade die Mutter den Priester, ihrem Sohn zu helfen. Da hörte ich die Worte aus des Priesters Mund: `Er ist mit dem Tode gezeichnet, alle Hilfe ist vergeblich, nur Gott allein vermag zu helfen`. Schreit das Weib mit weinender Stimme: `Du bist doch Sein Gesalbter und Sein Stellvertreter, bitte Ihn, doch zu helfen`. Der Priester wollte weggehen, da trat ich hin und sagte: `Mutter dieses Knaben, weine nicht. So du an die Kraft Gottes glaubst, sollst du Seine ganze Herrlichkeit erschauen`. Das Weib stürzt mir zu Füßen und spricht unter Weinen: `Deine Worte, o Fremdling, klingen wie Verheißung, wie Gottesworte. Ja, ich glaube an Deine Kraft, Du großer Gott und Herr Zebaoth`.
Da nahm ich das Weib bei der Hand, zog sie empor, berührte den Knaben mit meinen Händen und sagte: `Herr Jesus, Du Lebendiger, Du Leben alles Lebens, erweise Dich auch hier als der Herr über Leben und Tod und gib dieser Mutter ihren Sohn gesund wieder. Dir, Ahab, sage ich: stehe auf und wandle durch die Kraft und Gnade Jesu Christi`. Da stand der Knabe auf, er war gesund. Der Priester aber sagte: `Was tatest du, oder bist du einer von der Sekte der Nazarener?` - `Ich tat, was mich die Liebe gebot`, sagte ich, `es wäre gut, so auch du dich mehr nach der Liebe Gottes, als nach dem Gesetze Mosis richten würdest. Alle Welt ist voll von der Gnade und den Wundern des lebendigen Gottes`. Da ließ mich der Priester bei der Menge stehen und ging schweigend davon, ich aber durfte reiche Ernte halten, alle nahmen die Lehre an“. Als das Mahl beendet war, bat Hethmann seinen Freund, den Oberpriester holen zu dürfen, doch Jakobus sagte: „Bruder, bemühe dich nicht, morgen ist noch ein Tag. Kranke und Arme habt ihr genug, der Tag geht zur Neige. Du hast in dir noch vieles zu ordnen. So der Herr in dir Wohnung nehmen soll, möchte alles bereinigt sein“. – „Ist dies eure Art, alle Menschen Brüder zu nennen,“ entgegnete Hethmann, „oder bin ich dir wahrhaft Bruder geworden? Ich kenne dich so gut wie nicht, nur deinen Worten muss ich glauben, ich kann nicht anders“.
Jakobus: „Bruder, der Geist Christi, der mich belebt, sieht alle Menschen als Bruder oder Schwester, die Liebe aber, als Sein Leben in mir, schlägt zu allen, allen Brücken. So eine ich mein Leben mit dem euren, und will euch geben aus der Fülle des Geistes, damit euer Geist belebet werde und euch wachend macht. Es ist dem Herrn nicht gedient, so ihr aus den Beweisen glaubet, sondern so ihr selbst suchet das Licht, die Wahrheit und das Leben! In Jesus wurde es aller Welt offenbar und aller Welt gebracht. Er es annimmt, wird leben, wer es aber nicht achtet, wird im Tode verbleiben“. Hethmann: „Das verstehe ich nicht, lebten wir doch bisher ohne diesen Jesusglauben“. Jakobus: „Dein Leben ist kein Leben, nur ein notwendiges Gericht, denn dein Fleisch und Blut hat kein Leben, es ist die Hülle deiner Seele. Eine Seele aber, ohne den lebendigen Gottesgeist, ist tot und kann nur durch den beigegebenen Gottesgeist zu höherem Leben erzogen werden. In den folgenden Tagen wird sich noch Gelegenheit genug ergeben, den Unterschied zwischen Leben und Tod kennen zu lernen.
Alles, was wir mit unseren Augen schauen, ist dem Vergehen geweiht. Durch den Geist alles Lebens aus Gott wird alles Vergehen auf eine höhere Stufe gestellt. Wäre Gott Selbst nicht Mensch geworden, hätte Er Selbst durch Sein Sterben dem Tod die Macht nicht genommen, würden wenige zum wahren eben gelangen. Du wolltest Abgarus, als er bekundete, dass er mit seinem Sohne gesprochen hat, nicht glauben, du zweifeltest an der Botschaft, die für alle Himmel größte Seligkeit war. Es wird dir deswegen nicht zur Sünde gerechnet werden, aber du hast dir dadurch einen Riegel vor deine Herzenstüre geschoben. Leben kann nur mit Lebendigem geeint werden. Jesus, der Lebendige, kann nur, wo das Tor des Lebens geöffnet ist, aufgenommen werden. Der Herr alles Lebens reicht durch uns einem Jeden die Hand, damit alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit und des Lebens kommen. Es war viel, was wir, als Seine Jünger, erlebten. Was aber nun, wo der Herr nur noch in Seinem Geiste bei und in uns ist, erlebt wird, geht in das Wunderbarste über. Wir bringen nicht nur die Lehre, sondern auch das Leben. Leben aber kann nur aus Dem kommen, der das Leben Selbst ist. Dieses Leben kann nur aufgenommen werden durch den Geist der Liebe, wovon in einer jeden Menschenseele ein Fünkchen lebt. Jesus und Sein Leben aufnehmen heißt, den Liebes- und Lebensfunken in uns beleben durch die tätige Bruder- und Nächstenliebe“. Hethmann: „Da sieht es noch mager aus, denn die Menschen lieben, will gelernt sein.
Es ist noch zu viel, an dem man sich stößt, aber ich glaube, es könnte erreicht werden. Da muss ich dich, mein König und Herr, um Verzeihung bitten, denn in deiner vorbildlichen Liebe bin ich an dir irre geworden“. Abgarus: „Hethmann, sorge dich um dein Heil. Lerne den Heiland und den Herrn Jesus kennen und lieben, dann wird dich Sein Geist in alle Wahrheit führen. Nun bin ich ganz gesund, im ganzen Lande soll keinem das Heil vorenthalten werden. Wer den neuen Glauben annehmen will, soll es tun, wer nicht will, den wollen wir auch nicht mit scheelen Augen ansehen. Vor Jahren hätte ich es als die größte Gnade angesehen, so der Herr und Heiland Jesus in unsere Stadt gekommen wäre, heute aber beherbergen wir Ihn bleibend in uns. Dieses ist tausendmal mehr, da wir von nun an nur aus Seiner Gnade und Liebe leben. O, Du mein Jesus, Du Licht und Lebenssonne, Du Urquell aller Freude und Seligkeit, nimm hin mein Herz, es schlägt nur noch für Dich und Deine Liebe. Dein Leben ist wie ein Strom, der uns belebt von Deiner Liebe, uns stärkt mit Deiner Kraft, lasse uns ganz zu Liebe werden“. Jakobus: „Siehst du, Bruder Hethmann, der König hat das Leben ergriffen, der Tod kann keine Ernte mehr in ihm halten.
Alles,
was der Erde gehört, ist schon geheiligt, es wird dereinst offenbar werden. Für
heute möchte es genug sein, morgen werde ich deinen Freund Zeno besuchen. Der
Wille des Vaters ist in mir wie ein Licht und Wegweiser, diesen Willen zu
erfüllen, ist meine größte Freude. Du, Bruder Abgarus, freue dich der Gnade,
Außerordentliches hält die ewige Liebe für dich und die Deinen in
Bereitschaft. Rufe mich nicht, ich bin da, wenn die ewige Liebe es wünscht, gib
mir auch keinen Boten mit. Der Herr ist mein Führer, Er gibt mir sicheres
Geleit. Aber versichern soll ich euch nochmals aus dem Geiste Christi: Er ist
bei euch, mit euch, und möchte ganz in euch sein. Sein heiliger Friede bleibe
euch“. Helena schaute nach ihrem Gast aus. Trotz ihrer Armut war der Tisch mit Brot, Milch und gekochten Früchten gedeckt. Immer und immer schaute sie die Straße entlang, endlich, wo es dunkelte, sieht sie ihn kommen. Vor dem Häuschen geht sie ihm entgegen und spricht: „Mir war bange, dass du den Weg verfehlst, da ich etwas einsam wohne. Komm, das Nachtmahl ist bereit, deine Lagerstatt wartet auf dich“. – „Helena, du sollst dich nicht sorgen, denn der Herr, Dem ich diene, sorget überreichlich. Nur ein Wort an den König hätte genügt, und du wärst aller Not enthoben. Aber ich hoffe, dass deine Errettung ganz der Herr Jesus Christus sein wird, dessen Herrlichkeit du bald erleben wirst. Um deiner Liebe und Bereitwilligkeit willen, will ich gerne mit dir und deinen Kindern das Nachtmahl einnehmen“. Helena bat ihren Gast, die Lagerstätte aufzusuchen, er müsse doch müde sein nach dem vielen Wandern in der heißen Sonne. „Vor deiner Türe errichtete ich mein Lager, damit deinen Schlaf niemand störe“. – „Helena, tue dieses nicht, schlafe bei deinen Kindern. Dieses Haus ist von heute an in besonderem Schutz, Engel halten Wache, damit der Feind allen Lebens keinerlei Schaden anrichte.
Der Herr Jesus ist unser Schirmherr und unsere Burg, in Ihm ist gut ruhen. Sein Wille ist aber auch Macht, der sich alles beugen muss“. Ganz in der Frühe besorgte Helena das Frühmahl. Als sie aber in ihren Schrank schaute, um das Brot herauszunehmen, war sie erstaunt, noch ein frisches Brot vorzufinden. Sie wäre sofort zu Jakobus geeilt, um diesen Befund zu berichten, aber da kamen ihr die Worte in den Sinn, dass sie die Herrlichkeiten Jesu Christi erleben solle. Ja, wer war denn Jesus Christus, sie war Heidin, von einem Gott der Juden hatte sie gehört. Aber noch größer war das Staunen, sie hatte Mehl, Öl, Feigen und Datteln, wovon gestern in ihrem Schrank nicht das Geringste vorhanden war. Sie besah alles. Da stand Jakobus vor ihr und sagte: „Helena, warum bist du voll Staunen, sagte ich nicht, du sollst die Herrlichkeiten Gottes schauen? Gott, der Ewige, will nicht dein Schuldner sein. Du gabst dein Letztes, darum segnete Er dein Tun mit großer Freude“. Spricht das Weib: „Jakobus, es ist alles wie ein Traum, aber wir erfuhren bisher noch nichts von Gott. Wenn alle Menschen diese Herrlichkeiten erleben würden und schon erlebt hätten, ich glaube, alle würden deinem Gott dienen“. „Helena, nicht nur diese, sondern noch ganz andere Herrlichkeiten erlebten die Menschen, doch sie haben Gott vergessen, denn wer Gott liebt, kann die Welt nicht lieben. In dieser Welt hat der Fürst der Lüge und des Todes sein Regiment aufgeschlagen. Er hat es verstanden, allen einen Schleier umzuhängen.
Alles ist Täuschung, Schein und blinder Glanz, es ist dem Verderben preisgegeben. So musste Gott, der Ewige, der auch die Erhaltung ist, für die Rettung und Erhaltung Sorge tragen. Er tat es, indem Er Seinen eingeborenen Sohn in diese Welt sandte und verkünden ließ die Wahrheit über alles Gericht und die neuen Wege, die zur Errettung und Erlösung führen. Du wirst noch Zeuge von Vielem sein, darum nehmen wir das Frühmahl und forschen nach dem Willen des Herrn“. Die Kinder waren schon am Tische, da segnete Jakobus die Speise und den Trank und sprach: „O Du mein Jesus, mein Herr und Gott, Du Spender aller Himmelsgaben, habe Dank, dass wir Deine Gaben genießen dürfen, habe Dank, dass wir in Deinem Geiste dienen dürfen. Sende uns nach Deinem Willen dort hin, wo Du uns brauchst. Dein Geist sei unser Führer, Deine Liebe unser Leben, Deine Kraft unsere Kraft. So geschehe heute und allezeit Dein heiliger Wille. Amen“.
Beim Weggehen sagte Jakobus: „Helena, bald werden welche kommen und nach mir fragen. Bescheide sie auf morgen, auch ihre Kranken sollen sie mitbringen. Den Armen gibst du Labung und Stärkung im Namen Dessen, Der da heilig und lebendig ist. Damit gibst du den Dank zurück, der in deinem Herzen brennt. Gelobt sei Jesus Christus“. Zeno war von Hethmann unterrichtet worden, darum wartete er mit Ungeduld auf das Kommen des Jüngers. Ihm war unbehaglich, denn er fühlte, er kam mit dem unbekannten Gott in Berührung. Es war ihm gar nicht recht, dass sich schon Besucher einstellten, die ein Opfer brachten und im Tempel Erhörung hofften. Noch an keinem Tage waren so viele erschienen, ausgerechnet auch eine Frau mit ihrer gichtkranken Mutter. Schon wollte er sie auf einen anderen Tag bescheiden, da kommt Jakobus und bleibt vor dem Tempel stehen, beschaut die menge Leute, die in stummer Andacht und Ehrfurcht auf den Oberpriester warten. Da die Menge ruhig ist, ist er auch ruhig, aber ängstlich schauen sie ihn an, da er in jüdischer Kleidung ist.
Endlich hat ein Diener dem Oberpriester berichtet, dass ein Fremder in jüdischer Kleidung draußen vor dem Tempel mit den anderen warte. Da ließ Zeno den Tempel öffnen, er selbst trat hinaus zu der wartenden Menge. Mit einem Blick aus seinen Augen überflog er alle, da bemerkte er Jakobus. Wie gerne wäre er auf ihn zugegangen, aber die Füße versagten ihm den Dienst. Da ging Jakobus auf ihn zu und sagte: „Zeno, der Friede des Herrn sei mit dir. Erwarte nicht, dass ich deinen Tempel besuche, der toten Göttern dient, außer du beweist mir, dass sie lebendig sind“. - „Sei willkommen, Fremdling, den Frieden deines Herrn kann ich gebrauchen. Hethmann berichtete mir von deinem Kommen und von der Heilung des Königs. Dass unsere Götter keine Wunderwerke mehr verrichten, ist ja der große Jammer, darum kann ich ihr Lebendigsein nicht beweisen. Sehe ich aber die Not und das Verlangen der Menschen, erkenne ich meine Ohnmacht und muss doch dem Verlangen der Menschen nachkommen“. Jakobus: „Zeno, ich glaube, wir werden uns besser verstehen, wenn du zu einem großen Opfer bereit bist. Von Hethmann hast du vernommen dass der König ein Geheilter ist durch die Kraft und Macht des lebendigen Gottes. Diese Wohltat kannst du allen zukommen lassen, wenn du dem Herrn selbst, dessen Diener ich bin, die Wege ebnest“.
„Fremdling, du erwartest viel. Wer gibt mir die Gewähr, dass allen ihr Verlangen gestillt wird?“ – „Dein eigener Glaube, Zeno, dir ist der Gott der Juden nicht fremd, von den Wundertaten Seines Sohnes hast du übergenug gehört. Du aber glaubtest dem Neuen und Gewaltigen nicht, dein Herz blieb voller Zweifel. In mir kommt dir der ewige Gott entgegen und bietet dir Befreiung von altem toten Götzentum an und reicht dir das Leben, welches der Grund alles Seins und Bestehens ist. Überlege nicht lange, denn die Besucher schauen recht unbehaglich auf uns beide“. Da sagte Zeno, allen hörbar: „Ihr lieben Leute, euer Verlangen und eure Not lese ich von euren Augen, aber in dieser Stunde komme ich als ein anderer zu euch. Seit gestern haben sich unerhörte Dinge in unserer Stadt ereignet. Der König, unser gerechter Herr, ist kein Gelähmter mehr, sondern ganz gesund geworden durch die Kraft und Herrlichkeit des uns unbekannten Gottes. Dieser Gott sucht uns Menschen und will allen helfen, verlangt aber ein allergrößtes Opfer. Kein Opfer an Gold, Vieh oder anderem Gut, sondern dass wir uns von unseren Göttern abkehren, Ihn als den alleinigen Gott anerkennen, Ihm dienen und Ihm ganz zu eigen sind. Tut mir euren Willen kund, ich will euer Diener sein“.
Da trat Irene, die Tochter der gichtkranken Mutter Ilona vor und sagte: „Oberpriester, schon oft haben wir geopfert und heiliges Verlangen nach Hilfe erbeten, es war immer nutzlos. Die Schmerzen meiner alten Mutter, die auch meine Schmerzen sind, drängen mich immer wieder zu den Göttern um Hilfe. Wenn der unbekannte Gott es vermag, meine Mutter gesund zu machen, warum sollen wir dann den toten Göttern länger dienen? Oder hast du Angst, dass sie sich rächen an uns und an dem unbekannten Gott?“ Zeno: „Irene und du, kranke Ilona, und ihr alle, die ihr gekommen seid, ich kann und vermag euch keine Antwort zu geben. Aber dieser Fremdling, der ein Bote des unbekannten Gottes ist, wird sie euch geben. Ich selbst will der aufmerksamste Zuhörer sein und die Botschaft prüfen“. Jakobus hebt grüßend und segnend die Hand und spricht: „Ihr Männer und Frauen, der Frieden und alles Heil aus Gott, dem Ewigen und Lebendigen, sei euer Heil. Es hat in den letzten Jahren genug Gelegenheit gegeben, über die Wahrheit des Lebendigen, für euch unbekannten Gottes, zu forschen.
Diesem Gott hat es gefallen, Seinen Sohn zu uns zu senden, um Zeugnis allen Menschen zu bringen von dem wahren und lebendigen Gott, und Seinen Willen den Menschen aufs neue zu offenbaren. Die Priester des lebendigen Gottes, die den Willen ihres Gottes kannten, verflachten und tragen viele Schuld, dass sich die Menschen von dem lebendigen Gott trennten. So musste der Sohn Gottes große Dinge vollbringen, um Seine Sendung und die Göttlichkeit und das Dasein Seines Vaters, des lebendigen Gottes, unter Beweis zu stellen. Er tat es drei Jahre, zog von Stadt zu Stadt, von Ort zu Ort, verkündete das neue Heil aus Gott und bekräftigte Seine Botschaft, die nur eine Botschaft der Liebe ist, durch die größten Wunder. Tote wurden lebendig, Kranke gesund, Blinde sehend und Taube hörend. Man müsste glauben, dass der Priesterstand Ihn mit offenen Armen aufgenommen hätte. O nein, das Gegenteil geschah, man verfolgte Ihn, ja sogar ans Kreuz heftete man Ihn, sie glaubten, mit Seinem Tod wäre alles aus. Das Gegenteil geschah, nach drei Tagen erstand Er von den Toten und hat dem Tod die Macht genommen. Alle, die an Ihn glauben und nach Seiner Lehre tun, werden Sein Leben überkommen und keinen Tod mehr sehen, fühlen und schmecken.
Sein heiliges Leben ist Liebe, Friede und Kraft, und alle, die in Seinem Geiste der Liebe, des Friedens und der Kraft tätig sind, werden den Segen des lebendigen Gottes erleben“. Hier geht Irene zu Jakobus und spricht: „Wenn du wahrhaft ein Bote Gottes bist, und ich glaube es, denn aus deinem Munde vernahm ich Worte, die einen Brand von Sehnsucht in mir entfachen , auch zu erleben diese heilige Liebe, den Frieden und die Kraft. Siehe, die Glieder meiner Mutter sind krumm, vor Schmerzen flieht der Schlaf, kein Priester oder Gott hat bisher geholfen. Gelingt es dir, meiner Mutter nur den Schmerz zu nehmen, dann will ich deinem Gott die treueste Magd und Dienerin sein und mich ganz abwenden von unseren Göttern“. Jakobus: „Irene und auch du, Ilona, der Heiland Jesu sagte ein schönes Wort, es lautet: `Alles, was ihr Meinen Vater in Meinem Namen bittet, will Ich euch tun`. Darum liegt es nicht an mir, sondern an euch selbst. Wenn ihr glauben könntet, dass Er euch helfen kann, so bittet ernstlich, und ihr werdet Seine ganze Herrlichkeit erschauen“. Spricht Irene: „Mutter, wie leicht macht es uns der lebendige Gott, nur bitten sollen wir. O Du lebendiger Gott, der Du in diesem Deinem Boten zu uns gekommen bist , wir bitten Dich um ein klein wenig Liebe, Frieden und Kraft, und dass Mutter frei von ihren Schmerzen sei“.
Jakobus legte seine Hände Ilona auf das Haupt und spricht: „Ilona, im Namen des Herrn und Heilandes Jesu sage ich dir, sei vollkommen gesund und gib nur Ihm allein die Ehre“. Ilona stand auf, ein Ruck war durch ihren Leib gegangen, ihre Glieder waren gerade, ihr Aussehen ein gesundes. Da wollte sie vor Jakobus hinknien, dieser aber sprach: „Nicht ich, sondern der ewige Gott berührte dich. Danke Ihm mit dem Herzen, Mund und Händen, dann wird dein ferneres Leben ein von Ihm getragenes sein“. Irene weinte vor Freuden, sie hätte geschrieen vor Glück, aber Jakobus sagte: „Der Frieden des lebendigen Gottes erfülle dein Herz mit Freude und Dank. Du sollst dich nicht als Schuldner des ewigen Gottes betrachten, sondern als ein freies Kind, was sich Ihm ganz schenken will“. Zeno war sprachlos. Alles drängte zu Ilona, die ja bekannt war. Er sah ihre glatten Glieder und ihre Freudentränen machten ihn ganz stumm. Endlich raffte er sich auf und sagte zu Jakobus: „Fremdling, warum kommt Gott, der Lebendige, erst heute zu uns, warum das viele Leid und die große Not, wie leicht wäre es deinem Gott gewesen, uns zu helfen“. Jakobus: „Du redest, wie du es verstehst und möchtest die eigene Schuld damit zudecken. Gott war zu allen Zeiten den Menschen nahe, aber die Menschen trennten sich von Ihm, von Seinem Geiste und schufen Gesetze, sogar tote Götzen. Der Gott des Lebens aber will nur durch das Leben erfasst und erkannt sein und überließ den Menschen sich selbst.
Darum mag alles sich dem Leben zuwenden, es liegt in jedem tief verborgen. Weckt es durch die heilige Liebe, und in euer Sein kann der ewige und lebendige Gott wieder treten“. Ein alter Mann, gebeugt von der Last der Jahre, tritt herzu und spricht: „O, du Mann Gottes, ich flehe um meinen Sohn, der todkrank in meinem Hause liegt. Darf ich auch mit der Bitte um Hilfe kommen? An mir liegt nichts, denn das Leben liegt hinter mir, aber bei dem Jungen liegt das Leben noch vor ihm“. Jakobus: „Ja, du darfst bitten, du alter, treuer Vater deines Sohnes. Gehe heim in Frieden und komme morgen mit deinem Sohn und seinem Weibe zu Helena, unweit des Stadttores, dein Sohn wird leben“. – „Ich glaube dir, du Mann Gottes. Du, Tempel, hast mich heute das letzte Mal gesehen. Gelobet sei dein Gott und gepriesen Sein Name“. Nun drängten alle an Jakobus, aber er sagte: „Meine Freunde, gehet alle friedlich nach euren Hütten, der Herr und ewige Gott ist euch gnädig und wohlgesinnt. Wendet euch ab von euren Göttern, bereinigt euer Haus und euer Herz, damit die Wahrheit über den lebendigen Gott und Sein Leben von euch ergriffen werden kann. Er wird euch geben nach euren Wünschen. Alle, die ihr krank seid, gehet gesund von dieser Stätte im Namen des Herrn und Sein Wille werde euer Leben“. Alle waren gesund, aber keiner wollte gehen.
Da sagte
Zeno: „Folget den Worten dieses Boten, er bleibt länger in Edessa. Vergesst
ja das Danken nicht“. Trotzdem drängten die Gesundgewordenen hin zu
Jakobus und wollten ihm die Füße, den Saum des Kleides küssen, aber er sagte:
„Freunde und Brüder, gehet heim nach euren Hütten. Zeno wird euer Priester
bleiben und euch dienen. Ihr aber müsst euch ganz frei von euren Göttern
machen, eher könnt ihr nicht in die Gemeinschaft Gottes treten. Das Leben ist
zu euch gekommen, um in euch frei und froh zu machen, was gebunden ist. Jesus,
der Heiland und Meister über alles Leben, möchte sich euch zu eigen geben,
wenn ihr an Ihn glaubt und nach Seinem Willen tut. Er lautet: Liebet euch
untereinander, wie Er euch immer geliebt hat, damit alles Fremde und Harte in
euch zur wahren Lebensfreude sich gestalte. Jesus lebt, wer Sein Leben sich
aneignet, wird auch leben“. Ilona
spricht nochmals: „Lieber Gottesbote, der lebendige Gott gab mir meine
Gesundheit, meine geraden Glieder wieder. Nun ist ein noch größeres Verlangen
in mir lebendig geworden, Ihn recht bald kennen zu lernen und Seinen Willen
näher zu erfahren. Wo bist du zu Hause, wann dürfen wir kommen?“ Jakobus:
„ Bei der Witwe Helena. Willkommen seid ihr immer, denn der heilige Gott
kündet es mir, so ich für euch da sein soll. Heute will ich noch zu König
Abgarus, am Sabbat würde ich euch die Weihe geben, wenn ihr euch von den
Fesseln des Heidentums frei gemacht habt. Ziehet in Frieden euren Weg, gelobet
sei Jesus Christus. Amen“.
Jakobus lud Zeno zum König Abgarus ein. Dieser erwartete ihn schon mit großer Freude, er hatte schon von den Wundern am Tempelhain alles erfahren. „Bruder, sei gegrüßt in der Liebe, die uns zu frohen und zu neuen Menschen macht. Unsere Zunge kann nicht genug rühmen die Gnade und die Erbarmung des Herrn, die allen, allen gereicht wird“. – „Ja, Bruder Abgarus, wer das Leben erfasst hat, sieht, hört, fühlt und erlebt die Gnade des Herrn und ewigen Gottes, aber mit sehen, hören, fühlen und erleben bin ich noch nicht Träger Seines Geistes und Vollstrecker Seines Willens. Es bedarf noch viel Eifer und noch mehr Hingabe, um ganz für Ihn zu leben und für ein Werk zu arbeiten“. Diener luden zum Mittagsmahl. Ohne langes Zaudern wurde es eingenommen, die Unterhaltung drehte sich um Jesus, den Heiland. Man betrachtete das Bild, welches Abgarus im Besitz hatte, denn die Sehnsucht war groß, um Ihn zu schauen. Jakobus fragte Abgarus, ob er getauft sein möchte, als äußeres Zeichen, dass er sich dem Lebensmeister ganz zu eigen gebe. Da antwortete Abgarus: „Nicht nur ich, sondern mein ganzes Haus“. – „Auf dieses dein Versprechen hin“, erwiderte Jakobus, „will der Herr, dass ihr Einblicke erhaltet in die ewige und wahre Welt, die in euch ihren Anfang, aber kein Ende hat. Schließt eure Augen, es geschehe des Herrn heiliger Wille“. Eine ganze Stunde erlebten sie die lebendige Gnade und Liebe.
Dann sagte Jakobus: „Erwachet wieder in euren natürlichen Zustand, denn länger zu verweilen, trägt euer eigener Geist noch nicht“. Alle sahen sich erstaunt an, dann sagte Abgarus: „Bruder, war dies ein Traum, oder ein Gang in die Ewigkeit?“ Jakobus: „Keines von beiden, sondern ein Umsehen, ein Verweilen in eurer eigenen inneren Welt. Es liegt ja in einem Jeden das ewige und vollkommene Leben, wie in einem jeden Saatkorn das Leben unsichtbar liegt, lege es in ein Erdreich, und bald wirst du das keimende Leben erschauen. Übergib dich ganz der ewigen Gottesordnung und nicht nur du, sondern alle Menschen werden an dir das neue Leben aus dem lebendigen Gott erschauen, welches in dir seinen Anfang und für ewig kein Ende haben wird“. Abgarus: „Ja, Bruder, jetzt verstehe ich dich aber nicht. Als ich mein Auge schloss, wurde es finster. Dann erschien ein Licht, es wurde immer größer, dann kam das Licht auf mich zu und hüllte mich ganz ein. Ich denke, was ist das für ein Vorgang, da gewahre ich, wie sich eine wunderschöne Gegend auftut. In den Fernen waren Gebirge, dessen Spitzen weit in den Himmel ragten, der ganz blau und hell sich abzeichnete. Ich sehe mich um, da kommen zwei Männer auf mich zu, begrüßen mich auf das freundlichste, da erkenne ich in dem einen meinen verstorbenen Sohn.
Ich sage: `Omar, bist du es wirklich?` Da erwiderte er: `Ja Vater, dieses ist mein Führer Zuriel. Durch die Gnade des Herrn und ewigen Gottes dürfen wir dich führen in unsere Welt, die auch die deine ist`. Ich wollte ihn umarmen, da sagte Zuriel: `Komm Bruder, es ist am Erkennen genug, wir wollen diese Gnadenstunde recht nützen zum Heil aller`. Da gingen, nein wir flogen, nach dem Abend zu. Dort war es weniger hell, die Gegend scheint recht unfruchtbar zu sein, denn überall sehe ich große Steine. Beim Durchgehen sehen wir auch einige Männer, die an den Steinen hauen und meißeln. Die Männer waren fast nackt und bemerkten uns nicht. Ich fragte: `was tun diese Menschen hier an den Steinen?` Antwortet Zuriel: `Bruder, diese versuchen, diesen Steinen Form und Leben zu geben, denn ihre Liebe galt ja auf Erden den toten Steinen und Götzen. Solange sie noch an ihren Steinen arbeiten, wäre unsere Hilfe zwecklos. Erst wenn sie anfangen, ihre Steine, die gleich ihrer Lieb sind, zu zerschlagen, können wir ihnen die erste Hilfe geben`. Ich fragte: `darf man diese Menschen ansprechen?` Da sagte Zuriel: `Lieber nicht, denn sie sehen uns nicht. Diese sind keine verlorenen Brüder. Bald wird ihnen die Kunde von der Auferstehung des Herrn gebracht werden, wenn sie an ihren Steinen irre geworden sind. Wenden wir uns nach dem Abend hin, dort wirst du manches schauen`. Bald waren wir in einer Gegend, die fast dunkel war, aber unsere Augen konnten noch alles gut erkennen.
Wir kommen an eine alte Burg, deren Tore eingefallen waren. Wir gehen hinein, sehen einen Schwarm Männer und Frauen, fast nackend und ganz elend aussehend. Sie sind erbittert und trostlos, ihre schöne Burg ist kein sicheres Asyl mehr, alle Speisevorräte sind aufgegessen. Der eine sagte mit grollender Stimme: `Nun sitzen wir in der Falle und haben gar nichts mehr. Wir hätten die anderen halten sollen, als sie mit den seinwollenden Gottesboten abgewandert sind`. Ein anderer spricht: `Du Großmaul du, wie die Boten da waren, da hattest du Angst, als sie nur unsere Burg berührten, weil sie einzustürzen drohte. Ich wollte, ich wäre mit den anderen gegangen, ihr Los wird ein bestimmt besseres sein, als das unsere. Was soll nun eigentlich werden? Hierher findet sich kein Wesen mehr, seit jener Stunde, wo der Gekreuzigte die Botschaft des Lebens brachte`. `Fange nicht schon wieder an, sonst fühlst du meine Fäuste. Jedenfalls brauchen wir keinen, der am Kreuz endete und allerhand verspricht, was nie werden kann. Hier sind wir die Herren und wir bleiben sie auch`. Da lacht einer hell auf und schreit: `Ja, die Herren ohne Knechte, ein schönes Leben zum Verhungern und Erfrieren. Nur zu, mich freut, wenn ihr genau so hungert und friert, wie ich`. `Ruhe`, brüllt ein anderer, `sehet zu, wo wir etwas zu essen bekommen`. `Kommt weiter`, spricht Zuriel, `die Zeit drängt. Hier schlagen sie sich noch fast tot und wissen nicht, welche Toren es sind. An 100 Brüder wurden gerettet, als der Herr Selbst ihnen ihre Blindheit und Torheit schilderte und ihnen den Weg zur Erlösung zeigte.
Diese werden noch lange, lange warten müssen, denn sie waren harte Herren, ihre Sklaven waren wie Lasttiere`. Wir eilten weiter, kamen an einen breiten Strom. Ein kleines Schiff war am Ufer, wir stiegen ein. Schnell ging es stromabwärts nach dem Süden zu, wo es schön hell und sonnig war. In der Nähe einer großen Stadt stiegen wir aus und gingen landeinwärts. Da reiße ich meine Augen auf, solch eine Pracht habe ich noch nie gesehen. Es kamen auch sehr schöne Menschen beiderlei Geschlechts, die da an schönen Anlagen und Blumenbeeten lustwandelten. Wir gingen nach einem Tempel. Dort schien eine Versammlung zu sein, denn viel, viel Volk war da. Leider konnten wir nicht noch näher heran, da zu viele da waren. Zuriel sagte: `Ein Priester hält einen Vortrag über das Licht, der euch weniger interessieren wird, denn diese Menschen sind sehr weise und lieben das Leben nach ihrer Art. Hier gibt es viele Künstler, das seht ihr an den Bauwerken und an den Tempeln. Sie kennen Gott als den Weisesten, reden tagelang um eine Sache, bis alles auf das gründlichste klar ist. Hier gibt es nie Not, nie ein Klagen, aber auch kein Freuen, es hält schwer, einen zum Liebesbegriff zu bringen. Schaut euch recht um, denn diese Leute zeugen auch von Willenskraft und Ausdauer, auf der Erde wird so etwas fast unmöglich sein.
Diese schnurgeraden Straßen, die Genauigkeit in den Maßen, alles, alles entspricht ihrer Weisheit. Nun wollen wir noch nach Omars Heimat gehen und darum wird uns Omar führen`. Wir fuhren wieder mit dem Kahn nach Süden, bis an ein Gebirge. Wir steigen aus, gehen über einen Berg, schauen kleine Dörflein, kleine Hütten, und Omar spricht: `O, meine Geliebten, hier bin ich daheim. Wie armselig war mein Erdenleben gegen dieses Leben hier. Wohin das Auge schaut, nur Schönheiten, die aber Wirklichkeiten sind. Kommet, kommet und schauet selbst, wie gut der ewige Gott und heilige Vater ist. Hier gibt es nur einen Glauben, und zwar den an die Liebe, und nur ein Leben, das für den Anderen da ist. Schauet diese kleinen Häuschen, sind sie nicht allerliebst? Wohl haben sie kleine Türen, man muss sich beugen, so man eintritt, und innen. Kommt nur und schauet, schon wird es lebendig. Meine Schwestern und Brüder kommen, sie haben eure Absicht erkannt und werden euch begrüßen kommen. Da sehet, sie sind schon hier, da dürft ihr aber Wunder der Liebe schauen. Erkennst du, lieber Vater, das erste Paar, die mit leuchtenden Augen dir entgegen kommen?` Ich staune, ich denke, mein Herz zerspringt vor Freude. Es war mein Vater und meine Mutter. Sie begrüßen mich mit den Worten: `Vielgeliebter Abgarus, und auch du, Bruder im Herrn, seid herzlich willkommen daheim. Unsere Sehnsucht galt euch allen. Nur ein einziges Mal solltet ihr erschauen, wie der Herr und ewige Gott die Treue und den Glauben lohnt. Was ihr hier seht, ist Eigentum unserer Liebe, auch ihr gehört dazu.
Und soweit unsere Gedanken reichen, so weit gehen die Gefilde dieser Welt. So groß aber unsere Liebe ist, so groß ist auch die Kraft, zu wirken im Geiste alles Lebens aus Gott, dem lebendigen und heiligen Vater. Siehe, hier gibt es keinen mehr, der mir Vater und Sohn war, nur Brüder. Einer ist unser aller Vater, Jesus, der Lebendige und Ewige, dessen Leben und Liebe du nur ganz wenig erkannt hast. Wirst du sie erkennen im Vollmaße, dann ist deine Seele zu schwach, den Geist in dir zu tragen, der mit aller Kraft verwirklichen will, was nicht nur dir, sondern allen Erfüllung bringt. Da schau, dieses Türlein ist geöffnet, aber erschrecke nicht beim Eintreten, denn es ist das Reich des wahren Lebens, welches sich deinen Blicken zeigt. Auch möchte ich dich nur hineinschauen lassen, da deine Zeit erst kommen muss, um alles zu ertragen`. Was ich nun erschaute, war zu viel. Ich sagte: `Lasset mich umkehren und wieder zur Erde gehen. Was ich hier erlebe, ist für mich Erdenbürger noch nicht zu ertragen. Da sagte mein Vater: `Abgarus, in dir liegt alles noch viel herrlicher, denn alles ist Geschenk der ewigen Liebe an alle, die wir hier verweilen dürfen aus der Gnade Gottes. In dir aber kristallisiert sich noch viel Herrlicheres, da deine Liebe dein eigener Schöpfer ist. Was wir hier unsere Welt nennen, ist uns durch die Gnade Gottes geworden.
Was aber in dir lebt, ist durch deine kindliche Liebe zum Herrn, Gott und Vater, schon jetzt dein Eigentum. Nach deiner Liebe, nach deinem Willen wird sich alles gestalten. Hier, schaue Omar an. Noch ist alles im Werden, wenn aber seine Liebe ganz sein Leben geworden ist, dann ist alles Erdenleid nicht umsonst gewesen. Begnüge dich mit dem Geschauten, wenn es nach uns ginge, würdest du mit uns an einem Mahle teilnehmen, aber deine Stunde ist noch nicht gekommen. Ziehet hin in Frieden. Euer Leben sei das Leben der Liebe, eure Liebe aber sei das Leben des Herrn. Ziehet im Namen dessen, der als Erster und Letzter in euch leben will zum Heile aller für ewig`. Vorbei ist das Erleben, und dieses soll ein Vorgang in mir gewesen sein? Ganz deutlich war ich mit Omar, mit meinen Eltern zusammen. Dieses bedarf noch einer Erklärung, Bruder Jakobus“. Jakobus: „Richtig, Bruder Abgarus, nur Zeno mag noch kurz berichten, was er schaute, denn ihm erging es schlimmer, als dir“. Zeno: „Ich weiß nicht, wo ich anfangen und aufhören soll. Ich bin auf einmal in der Welt der toten Steine. Die Menschen erkenne ich alle, es waren Glieder meiner Gemeinde. Ich wundere mich über alle Maßen, dass man so ein Narr sein kann und mit den toten Steinen sich solche Mühe gibt. Auf einmal bemerken mich die Menschen. Einer gibt mir einen Hammer und ein Eisen in die Hand, ich solle den Stein lebendig und gefügig machen, ich sei ja ihr Lehrer und ihr Priester gewesen.
Ich sagte: `Liebe Leute, dieses sind doch tote Steine und bleiben auch für ewig welche, lasst doch ab von der unnützen Arbeit`. Da kam ich schön an, sie seien froh, mich endlich hier zu haben, ich solle sie lehren, wie man die Steine lebendig mache. Das ganze Leben hätte ich doch von den Göttern, die auch nur Steine waren, das Wunderbarste gerühmt. Ich saß fest, drohend schwangen sie den Hammer. Gerne wäre ich geflohen, aber der Boden hielt mich fest. Da kam ein lichter Mann mit einem breiten Hut auf dem Kopfe und sagte: `Halt, keine weiteren Torheiten. Wenn ihr schon euren Unmut mit dem Hammer ableiten wollt, so tut es an den Steinen, euer Priester aber steht unter dem Schutz des lebendigen Gottes, dessen Diener ich bin. Verlangt nach dem lebendigen Gott, und eure Steine werden verschwinden. Bauet euch Tempel in den Herzen eurer Brüder, dann wird ein Leben in euch erwachen, was euch alle Torheiten eures Lebens vergessen macht. Suchet Gott, den ewigen Schöpfer und Erhalter, aber nicht mit Eisen und Hammer, sondern mit demütigem Herzen, Er wird sich finden lassen. Eure Götter ließen euch allein nach eurem Leibestode, Gott, der Ewige, aber möchte euch allen das Leben geben, welches froh und glücklich macht.
Du, Zeno, hast jetzt erlebt, was es bedeutet, an falschen und toten Göttern zu hängen. Erfasse die Gnade, die dir der Herr und Gott bietet, und nütze deine Erdentage, denn hier bei den Gliedern deiner Gemeinde wird dein Erdenleben seine Fortsetzung finden. Ziehe hin in Frieden, Christus aber werde dein Führer und Lebensweg. Diese aber werden das Leben bald erfassen durch die erlösende Liebe und Gnade des Herrn, der uns allen Leben gab, Leben ist und bleibt für ewig`. Dies ist mein Erleben. Was ich damit anfangen soll, musst du, Bote des Herrn, mir erklären“. Jakobus: „Gern tue ich dieses, denn ihr habt nun Kenntnis von einer Welt in euch, die nach außen hin euch noch unsichtbar und unbekannt ist. Eure Liebe und euer Lebensstandpunkt sind die Grundlagen eurer Innenwelt. Ist eure Liebe so, dass sie im Geiste der Liebe und des Lebens schöpferisch sein kann, dann vollziehen sich Dinge, die für euch wohl Wunder, in Wirklichkeit die Auswirkung eurer eigenen Liebe sind. Durch den Herrn Selbst wurde alles offenbar, was nur ganz einzelnen Menschen eigen war. Nun aber, da der Herr allen Menschen zum ewigen Heile Weg und Ziel geworden ist, soll auch keiner mehr im Unklaren sein, denn Sein Geist, den sich jeder aneignen kann, wird alle Wahrheit offenbar machen und in die Tiefen alles Gotteslebens führen, die auch in Menschen tief verborgen sind. Was ihr schautet, war ein Blick in eure Welt, ein Blick in die Heimat eurer Liebe und Lebens.
Wie unendlich schwer es ist, sich von etwas zu lösen, was im Menschen Eigentum geworden ist. In der ewigen Welt, die in euch ihren Ausgangspunkt hat, ist das Bestimmende der Geist. Ist er göttlicher Art, wird er sich zum `Göttlichen` halten, ist er menschlich oder gar tierisch oder teuflisch, wird er sich nach dem halten, was seine Liebe ist“. Spricht Zeno: „Du Bote Gottes, deine Worte sind wie feurige Pfeile, wo sie treffen, entzünden sie ein Licht. Wohl war ich mir bewusst, dass unsere Religion nicht die richtige sein kann, weil das Herz von allem dem unberührt blieb. Dass es aber ein Fortleben gibt, in dem man alle Torheiten abbüßen muss, war mir nicht bewusst. Wohl diente ich den Menschen zum Nutzen und Frommen, aber nie kam mir ein Gedanke, dass dieses verkehrt sei, bis endlich die Kunde des Wundermannes und Seiner Lehre mich erreichte. Wie kann ich nun aber die Lage derer erleichtern, die durch mich in den Irrtum geraten sind?“ Jakobus: „Indem du Jesus Christus anerkennst, Seine Lehre zu der deinigen machst und nur noch deinen Brüdern in Seinem Geiste dienst. Was dir schrecklich erscheint, ist in Wirklichkeit nicht so schrecklich, so nicht Wut und Hass die Triebkraft ist. Dort, im jenseitigen Leben, sind immer Engel und Boten des Herrn tätig, um aufzuklären. Keinem wird verwehrt, das Alte aufzugeben und das Neue anzunehmen. Seit Gott Mensch wurde und allen den rechten Erlösergeist offenbarte, ist auch jedem die Möglichkeit gegeben, diesen Erlösergeist anzunehmen.
Dies hast du heute an deinem Tempel erlebt. Die Liebe zum Herrn ist tätige Liebe an den Menschen. Je nach der Liebe und dem Glauben an Den, der alles Leben ist, wird deine Kraft zum Erlösen sein. Wir, als Zeugen Seiner Liebe und Kraft, sind nicht die Täter, sondern Vollbringer, es ist der Herr, dessen Geist in uns lebt und wirkt“. Abgarus: „Bruder Jakobus, deine Worte sind Licht und Leben. Nun ist mir klar, dass es nur des Herrn Geist ist, der in dir lebt und spricht. Offenbare mir nur das eine, werde ich jederzeit in die Welt schauen können, in der ich heute weilte? Es wäre mir ein unendlicher Trost, dürfte ich es öfter erleben“. Jakobus: „Bruder Abgarus, du kannst es, so es der Herr für richtig findet, da ja dieses alles in dir sich befindet. Im Geiste Jesu aber, der dich belebt, hast du an dem Herrn volles Genüge, denn Er ist der Anfänger und Vollender deines Lebens, Gestalter aber bist du durch deine Liebe. Ist der Herr deine ganze Liebe, dann, Bruder, wirst du keinen Trost, kein Verlangen haben, etwas zu schauen, was in dir sich herrlich gestaltete, sondern du wirst das Verlangen haben, zu geben aus dem schöpferischen Leben und Geist des Herrn, der ganz deine Liebe ist.
Deine Freude wird es sein, so an anderen sich die Frucht als Liebe offenbart“. Abgarus: „Nun bin ich befriedigt. Deine Worte sind Lichtstrahlen, die in das Dunkel meines Ichs drangen und mir so Schönes und Großes zeigten, dass es weiterer Hinweise nicht mehr bedarf. O, Du mein Jesus, Du Sonne der Sonnen, Du Licht alles Lichtes, wie reich und wie groß macht uns Deine Liebe. Jetzt verstehe ich Dein Zögern, nach Edessa zu kommen, wir sollten alles ohne Deine persönliche Gegenwart von selbst in uns finden, damit unsere Freude eine noch viel größere sei, und in dieser Freude einem Geist Raum gegeben wird, der nur der Deine ist. O, jetzt schaue ich das Wunder Deiner Liebe und bin erfüllt von seliger Wonne. Du aber, Zeno, mache keinen Hehl von dem Erlebten, es gilt für alle. Diese Lebenswahrheiten, diese Strahlen von Liebe halten jeden Ansturm aus, den ein Gegner unternehmen würde. Nun ist der Geist Jesu, des Lebendigen und Ewigwahren, keine Legende mehr, sondern eine Kraft, die da Erfüllung bringt allen, die da wahrhaft glauben“. Jakobus: „Abgarus, verbleibe in diesem Leben, dann offenbart dir dein Geist in dir noch viel Größeres, was du heute noch nicht fassen könntest. Bedenke aber immer: Alles kommt vom Herrn, alles ist Seine Liebe, damit alles in dir zur Liebe werde“. Hethmann, der immer nur beobachtete und ein jedes gesprochene Wort mit Heißhunger aufnahm, sprach: „Nehmet mir ja nicht übel, so ich eine Erwiderung und einige Fragen diesem Gottesboten unterbreite.
Es ist alles so geheimnisvoll und doch natürlich, es grenzt alles an Phantasie, und doch muss ich an Wirklichkeit glauben. Auch ich hatte ein Erlebnis, möchte es aber lieber Traum nennen, da mir alles so geheimnisvoll erscheint. Vor allem möchte ich betonen, ich bin von der Göttlichkeit überzeugt, schon deswegen, weil dieser Gottesbote keinerlei Opfer verlangt und nur aus einem inneren Drang heraus beglücken, gesunde und wahrhaftig zufriedene Menschen machen will. Aber nun kommt meine Kernfrage: Wie kann ich in Wirklichkeit feststellen, dass der Drang, zu helfen, wahrhaft der Geist Jesu ist, denn zu allen Zeiten gab es auch Menschen, die von dem Zug und Drang durchdrungen waren, anderen zu helfen. Auch unsere Priester wollten das Gute. Es gab deren nicht wenige, die die Liebe und die Wahrheit selbst waren, ich denke dabei an unseren Zeno“. Zeno wollte abwinken, aber Jakobus sagte: „Bruder, es ist gut, dass du dein Herz befreit hast. Um dir aber die Göttlichkeit des Geistes in mir zu beweisen, will ich dir dein Erleben, was du dir als Traum einbildest, schildern: Du schlossest die Augen, um dich war es finster. Da wurde ein Licht in der Nähe immer größer. Du wolltest auf das Licht zugehen, aber es entfernte sich so weit, als du auf dasselbe zugingst. Komisch, dachtest du, ich sehe niemand, der das Licht trägt, und doch ist das Licht da, wo mag es nur hergekommen sein? Wie du so dachtest, ging ein Wind. Du warst bange, dass dir dieses Licht ausgelöscht werden könnte.
Da hörtest du eine Stimme sagen: `Willst du im Lichte wandeln, so erhalte dir dies Licht, noch niemand konnte dieses Ziel erreichen ohne Licht`. Da schautest du um dich, du wolltest den Sprecher sehen, da kam ein Windstoß und verlöschte das Licht. Finster war es wieder um dich. Da dachtest du an deine Götter, aber alles blieb stumm, du suchtest nach Worten in dir und fandest keine. Da kam dir der getreue Zeno entgegen und sagte: `Mensch, Hethmann, was suchst du im Finstern, komm doch ans Licht, so wirst du das Fehlende finden. Da sagtest du: `Zeno, wenn ich nur wüsste, was mir fehlte, die schreckliche Finsternis hat mich ganz dumm gemacht. Bringe wenigstens ein Licht, damit ich dich anscheuen kann. Ich weiß nicht einmal, wo ich bin`. Antwortet Zeno: `Öffne dein Herz dem Judengott, dann wird dir Sein Sohn entgegen kommen und alle Finsternis hat ein Ende`. Endlich, nach langem Zögern sprichst du: `O Gott, lass mich an Dich glauben. Meine Götter haben mich verlassen oder waren überhaupt nicht da. Gib mir Gelegenheit, Dir zu opfern, damit Dein Sohn den Weg zu mir finde`. Da fing es an zu donnern und zu blitzen. Da wurde dir wohl, Freude zog in dich ein. Da sagtest du: `Sei willkommen, wenn auch unter Donner und Blitzen, Du rechter Gottessohn, Dein Gott soll mein Gott und Dein Vater soll mein Vater sein`. Da zerriss ein Blitz alle Finsternis.
Du
befandest dich auf einer schönen Wiese, schöne Menschen gingen vorüber, sie
sangen Hosianna dem Sohne, der das Licht und Leben aller wurde. Dann erwachtest
du und glaubtest, es sei ein Traum“. Hethmann: „Du hast recht erzählt, genau so war es. Das ist aber wieder
ein neues Wunder. Weißt du noch mehr solche verborgenen Dinge?“
Jakobus: „Bruder Hethmann, ich weiß nicht mehr, denn du. Aber der Geist
Gottes offenbart diese Dinge, diesem Geist ist alles offenbar. Der Geist kann
nur göttlich sein, der Göttliches herausheben will in dir, in deiner eigenen
Welt, an die kein Weltmensch glaubt. Siehe, das
Licht, welches dir leuchtete und welches du dir nicht aneignen konntest, war
die Kunde des fleischgewordenen Gotteswortes. Dein fleischlicher Sinn
verlöschte es wieder. Dein eigener Geist musste weiter in seinem Gefängnis
bleiben und wurde dir offenbar als Finsternis. Da kam Gott als Zeno zu dir und
rüttelte dich auf. Gott konnte nicht als Gott zu dir kommen, da du ja keinen
kennst. Aber Zeno, der deine Liebe und dein Vertrauen besitzt und dem du blind
glaubst, ist das Symbol, hinter dem sich Gott verbergen konnte. Siehe Bruder,
die ewige Gottesliebe wählte diesen Weg, denn sonst hättest du nie den Weg zu
Jesus, dem Gottessohn, gefunden. Du
hast nun die Verbindung hergestellt zwischen dem ewigen und lebendigen Gott in
dir. Erfasse ganz Seine Liebe und Sein Leben, dann wird dir alles gegeben
werden, was du brauchst, um andere glücklich, froh und sehend zu machen. So,
wie der Herr in Seiner unendlichen Liebe allen Licht und Leuchte wurde, wird Er
dir Licht und eben werden zu deinem ewigen Heile“. Es dunkelte bereits, als Jakobus sich nach seinem Quartier begab, sehnsüchtig erwartet von Helena, denn kaum konnte sie sich erwehren der vielen Fragenden und Neugierigen, die die Kunde vernommen hatten von den Heilungen am Tempelhain. Da sie selbst unwissend war, blieben die Leute und warteten auf Jakobus. Da erinnerte sie sich der Worte des Jüngers, ihnen Labung und Stärkung im Namen des Herrn zu geben und, o Wunder, das Brot und die Früchte wurden nicht weniger. Wohl verschwieg sie den Wartenden das Wunder, aber sie fragten doch, da sie arm sei, wo sie das gute Brot her hätte. Da sagte sie: „Der heilige Gott, dem dieser Jünger dient, lässt ihn nicht darben. Doch so ich eine Bitte hätte, gehet und kommt morgen wieder, und vergesst eure Kranken nicht“. Die Meisten gingen, aber einige blieben und lagerten sich vor dem Haus. Endlich war Jakobus gekommen. Voll Scheu, wagten die vor dem Haus Wartenden nicht, ins Haus zu treten. Da sagte Jakobus: „Der Friede des Herrn und ewigen Gottes sei mit euch. Eure Neugier muss einem herzlichen Verlangen in euch Platz machen, das Wort des ewigen und lebendigen Gottes ist für einen Zeitvertreib zu schade. Prüfet euch ernstlich, ob ihr willens seid, die Botschaft des Friedens und ewigen Lebens anzunehmen, dann wird euch nichts vorenthalten werden. Doch zuvor müsst ihr mit euren Göttern brechen, denn der wahre und ewige Gott will nicht neben euren toten Göttern angenommen sein.
Seine Liebe und Gnade sei euch Weckruf und Kraft für euer ferneres Beginnen. Amen“. Jakobus ging wieder ins Haus. Helena, die jedes Wort hörte, war erstaunt, wie der Jünger die Besucher erkannt hatte, darum sagte sie: „Dein Gott ist nun auch der meine. Ein Strom von Segen ergoss sich über mein Haus, sodass alle Not und Sorge vorüber ist und einer Freude in mir Platz gemacht hat, dass ich immer danken möchte. O du Jünger und Verkünder deines Gottes, lehre mich, wie ich zu Ihm beten darf, denn sichtbar ist die Gnade und der Segen. Das Brot reichte für alle, das Nachtmahl ist bereit, ohne dass im Schrank etwas fehlt“. „Helena, sagte ich nicht, du solltest die Herrlichkeit Gottes sehen? Der ewige und heilige Gott sieht dein hilfsbereites Herz, dieses ist Ihm, der größte Dank. Willst du aber in aller Inbrunst mit Ihm sprechen, so versenke dich in aller Stille in dein eigenes `Ich`. Wenn alle Gedanken sich nur auf Ihn, den Ewigen und Lebendigen einen, dann sage: `O, Du Vater aller Liebe und des Lebens, der ich Dich bleibend in meinem Herzen tragen möchte, komme zu mir und zu allen Menschen und errichte Dein ewiges Reich des Lebens, darin nur Dein Wille geschehe, den uns Deine Liebe offenbarte. Unser täglich Brot für Leib und Seele schenke Du uns, und vergib all unser Irren und alle Schuld, die sich in uns ansammelte, wie auch wir vergeben, die in unserer Schuld stehen.
Dein Geist lasse nicht zu, dass Versuchungen kommen, die mich von Dir trennen könnten und von Deinem Leben, und mache uns frei von noch in mir lebenden Übeln, denn Dein Reich ist das Ewige und alle Kraft und Herrlichkeit die Deine. Amen`. Siehe Helena, wenn du solches zu Ihm sagst mit reinem, gläubigem Herzen, dann sei gewiss, Er wird alle deine Sehnsucht erfüllen und sich als Der erweisen, der alles erfüllt und jede Sehnsucht stillt, was deinem Heile dient. So wollen wir das Nachtmahl nehmen und dann ganz in Seinem Schutze der Ruhe pflegen. Morgen wird sich vieles offenbaren“. Es war so, wie Jakobus sagte. Gleich nach dem Sonnenaufgang kamen schon Besucher, um den Jünger zu sehen, der am Tempelhain so viele Kranke gesund machte. Aber sie gingen nicht ins Haus, sondern warteten auf noch andere, die auch wirklich kamen, mit Wagen und Tragen, worauf Kranke lagen. Auch Ilona mit ihrer Tochter war mitten unter ihnen, ja sie war gerade die Treibende, denn sie war bekannt und in Edessa beliebt, ihre Heilung ging von Mund zu Mund und von Haus zu Haus. Irene ordnete die Kranken vor dem Hause und bat, dass alle recht ruhig bleiben sollten. Sie sei überzeugt, dass alle das große Glück erleben werden, mit dem lebendigen Gott in Berührung zu kommen. Ilona und Irene gingen ins Haus, wo Jakobus mit Helena und den Kindern noch beim Morgenmahl saßen. Da begrüßte ihn Ilona und sagte: „Dem ewigen und heiligen Gotte alles Heil und allen Dank, dir, du lieber Gottesbote unseren Gruß.
Unser Herz drängt es gewaltig, zu groß ist das Geschenk Seiner Liebe und Gnade. Wenn ich nicht davon reden darf, wird mir mein Herz zu eng und die Freude zum Kummer. Ich möchte es hinausschreien, was der Herr Großes an mir getan hat und an anderen. Darum bringe ich meine kranken Freunde, empfehle sie dir und dem lebendigen Gott. Wenn du uns aber allen recht viel von dem Lebendigen und Auferstandenen künden würdest, wäre es uns die größte Seligkeit. Wohltaten aufnehmen ist etwas Köstliches, den Wohltäter aber nicht näher kennen, ist etwas Betrübendes“. „Ilona, sorge dich nicht, der Gott, der die Kraft hat, alle Übel zu beseitigen, wird wohl auch die Kraft haben, in dein Inneres zu schauen und alles Unausgesprochene restlos zu erfüllen. Du tatest recht, dass du deine kranken Freunde mitbrachtest, dafür danke ich dir im Namen meines Gottes. Du aber, Irene, lass nie mehr den Gedanken aufkommen, dass es dem ewigen lebendigen Gott zu viel sein könnte. Im Gegenteil, bringe herbei, was sich nach Erlösung sehnt, allen, allen soll geholfen werden. Alle Fried- und Freudlosen sollen erfahren, dass es ein Glück gibt, alle Zweifler sollen in Ordnung kommen. Kannst du dieses als Wahrheit anerkennen?“ Irene: „O, du Bote des Friedens, du Künder des Lebens vom Leben. Was soll ich antworten, ist nicht ein jedes Wort so, als wenn Gott Selbst spricht? Dass du gestern meiner Mutter und vielen Gesundheit gabst, war ein gewaltiges Wunder. Dass du aber in mein Herz schautest, meine geheime Angst und Gedanken fandest, ist noch viel mehr, denn es ist ein Offenbaren von jener Liebe, für die der Mensch noch zu arm ist.
O, Du heiliger Gott, Du heiliges Leben, wie eine aufgehende Morgenröte entzündest du Dein Licht und Leben und machst uns reif für Deine Liebe. Allen soll geholfen werden, allen soll Deine Liebe gehören, darum will ich Dir danken mit meinem Leben“. Irene weinte. Da sagte Helena: „Irene, du weißt erst einen kleinen Teil von der Liebe Gottes und bist so ergriffen? Wie wird es dir sein, wenn du erst mitten unter Seinen Wundern stehst? Gestern war ich noch arm und musste zu anderen betteln gehen, heute aber wurden alle gesättigt aus meiner Hand. Hier, schau in meinen Schrank, es ist alles bis oben gefüllt, ohne etwas verlangt zu haben. Ich kann allen geben, solange Jakobus unter uns ist. Willst du noch ein größeres Wunder Seiner Herrlichkeit? Aber das Schönste wirst du erst erleben, wenn du die Wunder Seiner Liebe erlebst“. Jakobus: „So ist es. Seine Macht in der Herrlichkeit soll allen Menschen geoffenbart werden, Seine heilige erlösende Liebe aber soll Eigentum derer werden, die nur in Ihm den heiligen Vater erkennen, und als Seine Kinder in Seinem Geist und in Seiner Liebe leben. Die Wartenden werden ungeduldig, wir wollen uns zu ihnen begeben“. Alle treten vor das Haus. Jakobus machte das Zeichen des Kreuzes und spricht: „Der Friede Gottes und Seine helfende Liebe sei mit euch, und Seine Gnade sei immerdar bei euch. Es ist gut, dass ihr das Verlangen habt, den lebendigen Gott kennen zu lernen. Er hat mich berufen zu eurem Dienst.
Ich war ein Zeuge Seiner Macht und Herrlichkeit, als Er im Kleide eines Menschensohnes unter uns lebte. Bedenket, welche Liebe in Gott, dem Schöpfer Himmels und der Erden sein muss, wenn Er alle Seine Himmel verlässt, um als Mensch unter Menschen zu leben, alles getreulich tut, was nötig ist, um alle göttlichen und menschlichen Gesetze zu erfüllen. Ich habe Ihn von Seinem ersten bis letzten Atemzuge erkannt, war Zeuge Seiner Taten, Seines Lebens. Es war eine Kette von Beweisen Seines göttlichen Seins, und trotzdem hat Ihn die Welt nicht erkannt, hat Ihn verachtet, ja sogar ans Kreuz geschlagen. Wenn ihr erschauert unter meinen Worten, so ist es begreiflich, aber nun kommt das Tröstliche. Er ist nicht im Tode verbleiben, sondern herrlich erstanden. Allen, allen, die an Ihn glauben werden, wird dasselbe Leben, welches Er jetzt lebt. Ich bin ein Zeuge dieses Seines Lebens, es offenbart sich allen als Liebe. Aber nicht einer Liebe, was ihr als Liebe versteht, sondern einer Liebe, die erlösen, erretten, beglücken will und von einem Frieden begleitet ist, den auch ihr, als Menschen dieser Erde, nicht kennt. Gestern sagte ich zu einigen von euch, ihr müsst mit euren Göttern brechen. Heute sage ich noch dazu, brechet auch mit euren falschen und verkehrten Anschauungen, damit Gott euch ganz erlösen, ganz glücklich machen kann. Dort kommen noch welche, darum wollen wir noch etwas warten und ihnen den Gruß der Liebe Gottes nicht vorenthalten“.
Viele waren es, darunter einige Priester, die wohl etwas hörten, aber nicht die ganze Wahrheit erfuhren. Sie wollten den Jünger hart anfahren, aber Jakobus trat auf die Straße und sagte: „Der Friede und die Gnade des lebendigen Gottes sei mit euch. Lagert eure Kranken auf diese Seite, wo die anderen Kranken schon liegen, euer Verlangen wird erfüllt werden“. Da trat ein Priester vor und sagte: „Was ich gestern Abend hörte, hat mich veranlasst, hierher zu kommen. Ich kann euch alle nicht begreifen, wie ihr eure Götter so beleidigen könnt. Habt ihr alle Wohltaten vergessen, die euch wurden, wollt ihr denn euren Untergang heraufbeschwören, indem ihr einem Manne nachlauft, der nur ein Zauberer sein kann?“ Tritt Irene hervor und spricht: „Hermes, du kennst mich und meine Mutter, schaue ihre Glieder an, schau ihr in die Augen, dann sage, ist dieses einem Zauberer möglich? Du kommst, verurteilst, ohne geprüft zu haben, redest von einem Untergang, den wir heraufbeschwören. Während dieser Bote nur Worte des Lebens gab, die noch nie aus deinem Munde kamen, bist du mit deinem Urteil fertig. Dadurch hast du uns bewiesen, dass du ganz arm und ohne Liebe sein musst“. Hermes: „Wer erlaubt dir, in diesem Ton mit mir, einem Priester, zu reden und meine Würde in den Schmutz zu ziehen? Sei froh, dass ich dich nicht strafe“. Irene: „Ich fürchte deine Strafe nicht mehr, denn ich bereue, dass ich falschen Göttern meine Zeit geschenkt habe. Hier erleben wir einen lebendigen Gott, der nicht nur Worte, sondern auch Taten hat“.
Jakobus tritt hin und spricht: „Hermes, du bist gekommen, Gericht zu halten, hast aber nicht bedacht, dass der lebendige Gott, von dem du Kunde hast, im Besitz aller Macht und Kraft ist. Es wäre mir ein leichtes, dich im Namen dieses Gottes taub und stumm zu machen, ich tue es aber nicht, weil es ein Gericht wäre. Ich will gern zurücktreten und für immer taub und stumm sein, wenn du im Namen deiner Götter diesen Kranken die Gesundheit gibst. Ja, noch mehr, dein Knecht will ich sein und dein Wille soll der meine sein. Also tue nach meinen Worten, du bist gerechtfertigt und die Ehre deiner Götter ist gerettet“. Hermes: „Fremdling, man soll die Götter nicht versuchen, zu Taten zwingen wollen, die nicht ihren eigenen Entschlüssen entspringen“. Jakobus: „Also, mit anderen Worten: du kannst es nicht, mein Priester Hermes. Wäre es nicht richtiger, du würdest die Ohnmacht deiner Götter öffentlich anerkennen, denn persönlich bist du ja davon überzeugt. Hier wird dir ein lebendiger Gott offenbart, der für ewig nur der Eine und Wahre, dem wir auch unser Dasein danken. Es ist eine unglückliche Stunde für dich, denn siehe, über 100 sind gekommen, die von dem lebendigen Gott Kunde erwarten, und über 20 Kranke wurden gebracht, die ihre Gesundheit zurückerhalten möchten. Du willst oder kannst ihnen nicht helfen, da deine Götter nicht existieren.
So muss ich es tun, weil der lebendige Gott in Seinem Geist lebendig unter uns ist. Weil aber ein Kranker nicht fähig ist, Worte des Lebens so aufzunehmen, dass sie wieder Leben erzeugen, so wollen wir erst einmal die Kranken besehen und du, Hermes, sollst Zeuge sein, was Gott in einem Seiner Diener vermag“. Hermes wäre gerne auf und davon gegangen, aber eine Macht hielt ihn fest. Er wusste, jetzt kommt die Entscheidung. Jakobus sagte: „Hermes, ich will zurücktreten, wenn du es vermagst, diesen Kranken zu helfen, noch ist es Zeit für dich“. Hermes schwieg. Nach einigen Minuten trat Jakobus hin zu den Kranken, segnete sie und sprach: „Höret, der Gott alles Lebens, aller Macht und Kraft will nicht den Niedergang der Menschen, sondern dass sie erstehen in Freude und Zufriedenheit, damit sie erkennen, dass Er einer ist, der Anteil an eurem Leben nimmt. Denket darum nicht, dass ich es bin, der euch Hilfe bringt, sondern glaubt, dass Gott es ist, der in Seinem Erlösergeiste, im Geiste Seiner erlösenden Liebe unter uns ist. Ich vermag ohne Ihn gar nichts, darum bittet auch ihr, wie ich Ihn bitte, um Seine Hilfe und um Seine Liebe und Gnade. Du aber, Du ewiger und herrlicher Gott, Du Leben alles Lebens, Du Gott der Macht und Kraft, in Deine Hände lege ich das Geschick dieser vor mir liegenden Kranken. Du gabst Dein Wort: `Um alles, was ihr Mich bittet, will Ich euch tun`. So bitte ich Dich, als Dein Diener und Sendling, erweise Dich auch an diesen Kranken als der Herr über alles Leben und Sein. Erfülle uns mit Deiner Kraft durch Deine herrliche Gnade. Amen. Ihr aber alle, die ihr gekommen seid und gebracht wurdet, erstehet in Gesundheit durch Seine Kraft und Liebe. Amen“. Wie ein Blitz durchdrang es die Kranken, die Anwesenden fühlten auch den Strom. Da stand einer nach dem anderen auf und wollte auf Jakobus zueilen. Dieser aber sagte: „Meine lieben Brüder, meine lieben Schwestern, danket ja nicht mir, sondern Dem, der euch die Gesundheit wiedergab. Es ist Ihm aber der Dank in euren Herzen viel lieber, als der Dank aus eurem Munde. Da ihr aber schon seit Tagen nichts genossen habt, so sollt ihr euch erst einmal sättigen und dann die Kunde vernehmen von Seiner erlösenden Liebe und Erbarmung. Du aber, Helena, bringe Brot, Feigen und Datteln, damit wir diese schwachen Seelen stärken“. Helena, die am ganzen Leibe zitterte, weil sie von der lebendigen Gnade so ergriffen war, schaute auf Jakobus. Dann wurde sie ruhiger, ging ins Haus und holte das Brot und die Schüsseln mit den Früchten. Jakobus brach unter Segensworten das Brot und nahm aus der Schüssel einige Früchte und reichte jedem nacheinander Brot und Früchte. Das Brot wurde aber nicht alle, die Schüssel bleib immerzu voll. Hermes, der alles beobachtete, das Gesundwerden, die Austeilung des Brotes und der Früchte, sagte: „Du musst entschuldigen meine Härte und meinen Eigenwillen. Was ich mit meinen Augen jetzt sah, ist noch nie da gewesen. Was Millionen Worte vielleicht nicht vermocht hätten, hat diese Tat deines Gottes fertiggebracht. Ich gebe mich dir zu eigen, damit ich deinen Gott wahrhaft erkennen kann“. Jakobus: „Hermes, dieses brauchst du nicht, sondern lerne an den lebendigen Gott glauben und Ihn lieben, dann erfüllst du alles, was Er von dir fordert. Doch entschuldige, meine Zeit gilt diesen da, die sich noch nicht getrauen, zu essen“.
Sich an die Geheilten wendend, spricht Jakobus: „Esset ruhig, es soll euch zur Stärkung eures Leibes und der Seele dienen, denn diese Speise ist euch gegeben aus der Liebe des Herrn und ewigen Vaters, der im Geiste unter uns weilt, euch stark und aufnahmefähig machen will für Sein Wort und Seinen Liebegeist. Wer aber von euch noch Hunger verspürt, kann ruhig von dem Brot bekommen, es wird für alle reichen“. Nur Ilona bat um etwas Brot, die anderen waren noch unfrei. Als aber Ilona das Brot verkostete, brach sie in Tränen aus und sagte: „O, du guter Gott, was musst Du für ein Herz voll Liebe haben, wenn schon das Brot von Dir solch wunderbaren Geschmack hat. O, könnte ich Dich doch sehen und vor Deine Füße hinsinken. Warum bin ich so arm und kann Dir nichts geben, als nur mein Stammeln. O, Du guter Gott, lass Dich erkennen, lass Dich erfassen, denn ohne Dich ist mir das Leben undenkbar“. Ilona konnte nicht mehr weiterreden. Sie sank auf den Erdboden, ihre Hände verdeckten ihr Gesicht. Jakobus hob sie empor und sagte: „Ilona und ihr alle, vernehmet, was mein Wort, welches ein Wort des Herrn ist, euch jetzt geben wird.
Dieser Gott hat sich geoffenbart im Menschensohne Jesus, dessen Zeuge und Jünger ich bin. Sein Leben war ein heiliges, Sein Wandel ein vorbildlicher und Sein Tun die Erfüllung des heiligen Gotteswillens, den Er in Sich vernahm. Es gab kein Ding, von dem Er nicht wusste. Ihm war die entfernteste Sonne so bekannt, wie ein Sandkörnchen an Seinen Füßen. Es gab kein Leid, was Er nicht beseitigen konnte, ja der Tod musste nach Seinen Worten die Beute wieder herausgeben. Alle Elemente waren Ihm gehorsam, mit kurzen Worten, Er war ein Herr über alle Dinge. Diesen herrlichen Menschen tötete man am Kreuze, weil es nach dem Heilsplan der ewigen Liebe der einzige Weg war, um die Menschen vom sicheren Tode und Untergang zu erretten.
Weil
Jesus dies alles an Sich geschehen ließ, ist der Weg zu Gott frei. Es gibt
keine Hindernisse mehr vor Gott, denn alles dieses schuf Jesus. Nur eins konnte
Er nicht, die Hindernisse beseitigen, die ein jeder in sich trägt, die ihn von
Gott und Seinem Erlösergeist trennen. Suchet in euch, in eurem Inneren ist eine
Welt, die euch allen noch fremd und unbekannt ist. Darum sprach auch Sein Mund
die Worte: `das Himmelreich ist in euch`, und ein andermal: `die ärgsten Feinde
werden eure Hausgenossen sein`, die eigenen weltlichen Wünsche und Begierden.
Es ist darum so wichtig für euer ganzes zeitliches wie ewiges Leben, dass ihr
euch selbst erkennt, und in diesem Erkennen werdet ihr auch Gott finden.
Es wäre falsch, wollte ich euch einen
Gott künden, dem ihr pur untertan sein sollt. Da ich aber Gott kenne,
durchdrungen bin von Seinem Wesen, kann auch mein Zeugnis nicht anders sein, wie
Gott, der Ewige und Heilige, in mir lebt. Betrachtet mich nicht als einen Diener
Seiner Gottheit, sondern als einen Vertreter Seines Geistes, Seiner Liebe und
Erbarmung“. Zwei Männer brachten auf einem zweirädrigen Wagen einen Mann. Mit festen Stricken hatte man ihn an einen Holzklotz gebunden. Seinem Munde entquoll Schaum, seine Augen waren wie gebrochen. Die Menge entsetzte sich vor diesem Elend, was sich ihnen hier zeigte. Da sagte der eine zu Hermes: „Wir haben von der Heilung vieler Kranken gehört und haben erfahren, dass Kranke hierher gebracht wurden. Unser armer, wirrer Bruder hatte heute einen besonders schweren Anfall. Wir waren gezwungen, ihn an das Holz zu binden, sonst hätte großes Unglück geschehen können. Dürfen wir auch auf Hilfe rechnen? Oder wo ist der Wundermann, damit wir mit ihm sprechen können?“ Hermes: „Dort, dieser ist es, der Ilona an der Hand hält. Aber warum kommt ihr zu mir, da ihr doch Juden seid und an euren Gott glaubt?“ – „Verzeihe mir, in meiner Not habe ich es übersehen, dass du das Gewand eines heidnischen Priesters trägst“. Jakobus, der diese Szene beobachtete, ging hin und sagte: „Befreit diesen Kranken von seinen Fesseln. Er leidet furchtbare Qualen, denn nicht Liebe zu eurem leidenden Bruder ist es, warum ihr ihn brachtet, sondern Furcht, es könnte euch Übles geschehen“. Da sagte der andere: „Es ist gefährlich, ihn frei zu lassen, in seiner Wut weiß er nicht, was er tut“. – „Weil ihr ihn nicht behandelt wie einen Kranken, sondern wie ein wildgewordenes Tier.
Dabei kennt ihr den Moses und die Propheten. Es muss sehr schlecht um euren Glauben stehen, sonst wäre euer Bruder längst gesund“. Beide schwiegen. Als aber der Kranke aufs neue an zu stöhnen fing, sagte der erste: „Auf deine Verantwortung hin mache ich ihn los, vielleicht kannst du uns noch helfen“ In wenigen Minuten war er frei. Er lag nun auf der Straße, blutunterlaufen waren die Striemen, ein Bild des Mitleids, denn er war fast nackend. Er war zu schwach, sich empor zu richten, aber seine Augen blickten so bittend, so dass Jakobus sagte: „Im Namen Jesu, des lebendigen Gottes und ewigen Herrn, erstehe in voller Gesundheit und sei vollkommen frei. Du aber, du finsteres Wesen, gehe zurück in deine finstere Sphäre, werde demütig vor Gott, dem Herrn, dessen Güte du missbrauchtest“. – „Nie“, brüllte das Wesen durch des Kranken Mund, „Er sei verflucht“. – „Halt! Kein Wort weiter“, sagte mit fester Stimme Jakobus, „nun gebiete ich dir im Namen und im Geiste Jesu, verlasse augenblicklich diesen Menschen, sonst kommt noch größere Verdammnis über dich“.
Da riss es nochmals den Kranken herum, dann stand er auf, kindlich war sein Blick. Dann sagte er: „O Gott und Herr Zebaoth, wie leicht ist es mir jetzt. Darf ich dir danken, du guter Mann, oder dem lichten Wesen, was ich in dir erschaue?“ Jakobus: „Stärke dich vorerst mit diesem Brot und diesen Früchten, damit dein Hunger gestillt und du in dir zur Ruhe kommst. Du aber, Helena, bringe Wasser, um den Schmutz von seinem Leibe zu entfernen und um die Wunden zu reinigen, die die Lieblosigkeit seiner Brüder verursachte“. Rasch war eine Schüssel mit Wasser zur Stelle. Ohne zu fragen, wusch Helena dem Geheilten, der niedergekniet war, den Schmutz von seinem Leibe. Dann holte sie etwas Öl und betupfte die wunden Stellen. Jakobus verwies den Brüdern, die da Einspruch gegen das Waschen erhoben, ihre Rede und sprach: „Schweiget vorläufig, denn nicht um euer Heil seid ihr gekommen. Dieser euer Bruder bleibt nun hier und wird woanders eine Unterkunft finden. Nehmet euren Wagen und gehet wieder nach eurer Behausung, denn nur denen diene ich, die da hungern und dürsten nach der ewigen Wahrheit aus dem lebendigen Gott. Ihr seid reich, und tut vor den Menschen, als wäret ihr arm. Euer Streben war und ist nur nach dem Mammon. Für solche Menschen ist die Botschaft des Friedens und der Liebe nicht an der Zeit. Ändert euren Sinn und werdet wieder getreu eurem Gott, dann wird das Evangelium des heiligen Gottes euch nicht vorenthalten werden.
Du aber, Rudomin, iss, dein Leib braucht Stärkung und Labung. Lasse deine Brüder ziehen, die nie deine Brüder waren. Die ewige Liebe, die für deine Erlösung sorgte, wird auch für deine weitere Unterkunft sorgen“. Die anderen waren froh, ihren Bruder auf diese leichte Art los zu werden, nahmen ihren Karren und zogen von dannen. Die Anwesenden murrten über diese Lieblosigkeit, Jakobus aber sagte: „Lasset euer Murren, sondern Erbarmung soll euch erfüllen. Ihr wart Zeugen dieser wunderbaren Errettung, euer Herz wäre voll Freude gewesen, so die anderen auch recht dankbar gewesen wären. Aber was euch Schmerzen machte, macht auch dem gegenwärtigen Gott Schmerzen. Darum wollen wir doppelt dankbar sein für diese Gnade, den Zug in uns lebenswahrer gestalten, nur helfen und wieder helfen wollen, wo Elend, Not und großes Leid ist“. Rudomin hatte etwas Brot und einige Früchte genommen, dann sagte er: „Ich habe vorläufig genug. Warum sind denn diese vielen Menschen hier. Ihre Gesichter strahlen doch vor Freude, was ist ihnen Schönes geschehen? Könnte ich doch auch wieder so froh werden, wie ich es früher war“. Jakobus: „Du wirst noch froher werden, als alle diese hier, denn der Heiland, den diese gefunden und auch angenommen haben, wird auch dein Heiland sein. Er allein machte dich wieder gesund, auch dieses Brot schickte Er dir“. – „Wo ist dieser Heiland, damit ich Ihm danken kann. Wo ist Er hingegangen, ich möchte zu Ihm und Sein treuer Knecht sein“.
Jakobus: „Dieses ist nicht so einfach, da dieser Heiland unsichtbar ist. Er kann nur gefühlt und erlebt werden im Herzen. Du glaubst doch an Gott, den Herrn Zebaoth?“ – „Eigentlich nicht mehr, lieber Mann, denn schon lange ist es her, seit ich nichts mehr von Gott hörte. Meine Brüder mochten den Priester nicht, er kostete zu viel. Aber nun kann ich doch nicht hier bleiben, ich habe nichts, was ich dem Heiland zum Opfer geben könnte. Auch kann ich eure Liebe nicht entschädigen“. Jakobus: „Sei ohne Sorge, Rudomin, dieser gute Heiland verlangt nur nach einem Opfer welches das Herz freiwillig gibt. Du musst aber alles hingeben, was als falsche Liebe in dir lebt. Je nach dem Maße du hingibst, empfängst du, nur mit dem Unterschied, was du empfängst, bleibt dir ewig, während du nur Zeitliches geben könntest“. Eiligen Schrittes kam der alte Mann, der am Tage vorher für seinen Sohn bat. Er hatte seinen Sohn und dessen Weib mitgebracht. Jakobus sah dieselben. Er sagte zu Rudomin: „Rudomin, jetzt wirst du eine Freude erleben. Nun kannst du gleich erfahren, was der Heiland zu geben vermag“. Mit Tränen in den Augen tritt der alte Mann hin zu Jakobus und sagt: „Dank und Freude erfüllt mein Herz. Hier ist mein Sohn, er ist gesund durch deinen Gott. Wie sollen wir die Guttat deines Gottes lohnen?
Worte können es nicht ausdrücken, was ich für deinen Gott empfinde. In mir ist alles wie neu, alles hat ein anderes Gesicht, ja die Sonne am Himmel scheint viel heller. Schau meinen Sohn, ist er nicht so frisch, als wäre er nie krank gewesen? Schaue sein Weib an, welche Freude leuchtet aus ihren Augen, wo bisher nur Angst und Sorge war? Komm, Gabriele, und du, Darius, wir wollen niederknien und anbeten den unbekannten Gott“. Da knieten die Drei nieder. Dann aber knieten auch Rudomin und alle Geheilten nieder. Herminus, der alte Vater aber betete: „O, Du heiliges Gotteswesen, Du uns unbekannter Gott. Mit Deiner Dir eigenen Liebe hast Du uns aller Angst, Not und Sorge ledig gemacht. Wir möchten danken Deiner würdig. Unsere Liebe, unsere Gedanken möchten wir Dir geben, aber wir kennen Dich nicht, wissen nicht, was Deiner Liebe, Deiner Kraft und Macht als Zeugnis aus unserem Mund dienen soll. O lasse uns Dich erkennen. Wir glauben an Dich, ohne zu wissen, wer Du bist, wir vertauen Dir, weil Deine Liebe, Macht und Kraft sich so wunderbar und herrlich an uns offenbart hat.
Du gabst uns so viel, o schenke uns dies eine noch, dass wir Dich begreifen können. Und nimm uns die Furcht vor Deiner Heiligkeit, damit wir Deine Liebe mit Liebe erwidern können. Alles Heil nur Dir!“ Jakobus war ergriffen von diesem Bild und von dem Erleben. Er sagte: „Brüder, Schwestern, stehet auf. Im Namen des Herrn und in Seinem Geiste verkündige ich euch die Botschaft des heiligen Gottes, der euch allen so nahe ist und sich euch durch mich offenbaren lässt. Durch Seine Kraft und Macht und Erbarmung seid ihr geheilt an eurem Leibe. Auch habt ihr schon Worte des Lebens gehört, aber es darf nicht beim Hören bleiben, sondern in euch, in eurer inneren Welt, von der ich schon kündete, sollen sie das Fundament und das Grundleben eurer Gotterkenntnis sein, damit ihr immer und immer in Verbindung bleibt mit dem ewigen und lebendigen Gott. Gott wurde Mensch und erhob dadurch den Menschen zum Träger Seines Geistes und Vollender Seines Erlösungswerkes. Durch mich kam Er in Seinem Geiste der Liebe zu euch. Es wäre Ihm ein Leichtes gewesen, durch Seine Allmacht eure Götter zu vernichten, oder durch harte Gerichte euch zu zwingen, Ihn anzubeten. Er tat es nicht. Mit Liebe will Er wecken das in euch ruhende Geistesleben. In Liebe trägt Er euch und will warten, ob ihr Ihn auch lieben und Ihm vertrauen könnt.
Wenn ihr bedenkt, alles ist aus Ihm, alles ist Sein Eigentum, Er könnte fordern. Er tut es nicht, Er bittet, dass ihr euch bekehrt und Raum in euch frei macht, damit Sein Geist der Liebe und des Lebens euch belebe und ihr zu frohen, glücklichen Kindern Seiner Liebe werdet. Dieser Gott der Liebe hat nur einen Feind, es ist das Böse im Menschenherzen. Dieser Feind ist das Trennende und das Gottesleben Vernichtende. Solange dieser Feind das Herrschende und Belebende in euch ist, kann sich Sein Leben nicht durchsetzen. Weil der Mensch das Ebenbild Seiner Selbst ist, soll er auch Gestalter seiner eigenen inneren Welt sein. Nun wählet, prüfet euch, und alles weitere offenbart euch euer eigener Geist, der das ewige Geschenk Seiner Gottheit in euch ist“. Jakobus schwieg. Herminus aber, ergriffen bis ins Innerste, sagte: „O, ihr Kinder und ihr lieben Freunde, was durften wir vernehmen! Nicht genug, dass der Heilige Gesundheit eurem Leibe gab, alle Angst, Sorge und Kummer von euch nahm, nun hören wir die Botschaft, dass Er uns Vater sein will und uns zu Seinen Kindern macht. Denkt an die vergangenen Tage, Wochen und Jahre, endlos war die Angst, trostlos die Zukunft. Die Priester waren unwürdige Vertreter ihrer Götter, kalt und tot waren ihre Worte, und hier lebt alles, sogar die Worte sind Leben aus Gott.
O Du ewiger Gott, Deine Macht hätte mich zu einem Sklaven gemacht, so Du es gefordert hättest, weil Du meine Bitte erfüllt hast. Deine Liebe aber, die uns Dein Bote kündete, macht uns zum Kinde. So nimm mich auf in Deinen Liebesbund, mein Denken und Tun soll Dir immer gehören“. Jakobus geht ins Haus, bringt eine Schüssel reinen Wassers, begibt sich hin zu dem in Andacht verharrenden Herminus und spricht: „Auf dein Gelübde hin bestätige ich den Liebesbund zwischen dem ewigen und heiligen Vater und weihe dich mit dem äußeren Zeichen, dem reinen frischen Wasser für Gott, den Herrn und heiligen Vater. Sein Geist durchwehe deine Seele, Seine Liebe werde dein Leben und Seine Gnade und Sein Friede erweise sich täglich an dir, zum Heile deiner Mitmenschen. Amen. Ihr alle aber, die ihr Zeugen dieser Handlung wart, geht nach euren Hütten und dorthin, wo euch die Pflicht hinstellte. Wer in sich der festen Überzeugung ist, dass es ohne diesen lebendigen Gott kein rechtes Leben ist, tue dasselbe, was Herminus tat. Gelobet euch Gott, dem Ewigen und Herrlichen an, dann will ich euch auch gerne dienen und euch weihen zum Zeichen vollständiger Bindung. Prüfet euch ernstlich, lasst nicht eure Liebe ein flackerndes Feuer sein, sondern ein Brand, der nie verlöschen kann. Ziehet hin in Frieden, die Gnade Gottes und Seine Liebe bleibe bei euch und in euch jetzt und allezeit! Herminus, du bleibst mit deinen Kindern.
Ilona,
nimm dich des Rudomin an und bleibe. Irene mag mit Helena ein Mahl richten, Gott
zur Ehre und euch zum Segen“. Da
tritt Hermes hin zu Jakobus und spricht: „Willst du mich auch fortschicken,
jetzt, wo du die Beweise gegeben hast von der Kraft und Macht Gottes? Nun ist in
mir die Frage brennend geworden: `Wer und was ist Gott?` Wohl kenne ich die
Schrift der Juden, aber sie ist zu geheimnisvoll und voller Widersprüche“.
Jakobus: „Hermes, wenn du willst, bleibe, das heißt, wenn du ernstlich
verlangend nach Wahrheit suchst. Bedenke aber auch, dass du deine Götter,
deinen Dienst lassen musst, denn der alleinige und ewige Gott will dich ganz. In
Gott gibt es nur Vollkommenes, nichts Halbes, darum erwäge recht ernstlich“.
Hermes: „Ist schon geschehen, denn vor deinem Gott gibt es kein Entrinnen.
Früher oder später muss sich doch ein jeder zu Ihm bekennen, da Er doch alle
Macht und Kraft ist. Führe mich ein in die rechte Lebenslehre, damit ich bald
ein rechter Priester werde, aber ein Priester nach dem Willen des ewigen Gottes“. Viele verabschiedeten sich von Jakobus mit
Tränen in den Augen. Das Glück, ihre Gesundheit wiedererlangt zu haben, war zu
groß. Jakobus ließ sie auch ziehen, denn er wusste, die Kraft der Liebe Jesu
wird sie weiter tragen und doch noch rechte Nachfolger aus ihnen machen. Es
vergingen aber trotzdem einige Stunden. Inzwischen hatte Helena mit Irene ein
Essen bereitet, welches den Dagebliebenen recht mundete. Es war die ersehnte Ruhe eingetreten, da legte Jakobus dem Rudomin die Hände auf. Rudomin kam in Verzückung und fing an zu sprechen: „O Gott, musst Du gut sein! Dieser herrliche Garten, diese schönen Blumen und Sträucher, o diese Bäume, es ist, als wenn sie sprechen und miteinander reden, nur verstehen kann ich sie nicht. Es ist eine Sprache, gleich gedämpfter Musik, aber wer versteht wohl diese? O, in der Ferne dieses herrliche Haus, die Fenster glitzern wie die herrlichste Morgenröte. Ich komme dem Haus näher oder das Haus kommt zu mir. Jetzt bin ich da, aber die Tür ist verschlossen, ich kann sie nicht öffnen“. Nach einigen Minuten spricht er weiter: „Ich kann suchen wie ich will, ich finde keinen Menschen. Das Haus und der Garten muss ja jemand gehören. Es muss ja jemand sein, der die Arbeit macht, oder sollte Gott es tun, den ich nicht sehe? Da hinten ist noch ein kleines Haus, ich gehe dort hin, vielleicht treffe ich jemanden. Es ist sehr schön hier, aber allein ist es unangenehm. Gott sei Lob und Dank, aus dem Häuschen kommt ein Mann auf mich zu. Er spricht: `Sei willkommen. Wenn du auch noch ein irrender Bruder bist, und deine Heimat dich noch nicht aufnehmen kann, sollst du doch schauen, wie noch alles in der alten Ordnung ist. Bis jetzt war dein Erdenleben noch verfehlt, trotz der ernsten Prüfungen. Aber nun die Gnade Gottes übermächtig geworden ist und dich zu einem Diener Seiner Erbarmung berufen will, sollst du hier die herrlichen Gnadenführungen schauen, die nur Auserwählte verstehen.
Komm, tritt ein in mein mir von der ewigen Vaterliebe geschenktes Heim, aber wundere dich nicht, denn jetzt bewegst du dich im Heim der Liebe`. - `Ach, du meine Seele, das soll ein Haus sein? Das ist ja eine Stadt. Leben da auch Menschen, oder bist du allein?` - `Komm und siehe, die Liebe vollbringt Dinge, die keine andere Macht vermag. Ich werde dich aber nur in dieses große Haus führen, dann hast du übergenug gesehen`. Ein großes weißes Haus, große offene Fenster, eine große breite Tür, schon bin ich mit dem Manne in einer großen Halle. Da kommen viele, viele Männer in weißen Gewändern und heißen uns willkommen, begrüßen mich als ihren Bruder. Ihre Worte sind so freundlich, aber sie halten sich zurück. Da schaue ich das erste Mal den Mann richtig an. Ich wollte fragen, da kommt ein Erinnern, mit dem habe ich doch irgendwo gelebt. `Quäle dich doch nicht mit Vergangenem, mein Bruder, diese können dir nicht mit der Liebe entgegenkommen, die ihnen eigen ist, da du ja wieder zur Erde zurück musst. Dein Besuch soll ja nur ein Schauen sein, ich will dir alles erklären.
Diese Brüder sind alle Diener der Liebe. Ihr Erdenleben war ein Leben der Prüfung und ein Kampf, doch war es ihr eigener Wunsch, um zur Zeit der Zeiten würdig befunden zu werden zum Dienst der Liebe. Da die Erde sich im größten Aufruhr befindet, ihre Bewohner gefangen sind vom Fürsten der Welt, reicht doch die Liebe und Erbarmung bis in die tiefste Hölle, die du ja auch durchwandern musstest. Nun kommen wir schon weiter. Dort schau, da sind junge Mädchen, die im Elend umgekommen sind und hier ihrer Vollendung entgegengehen sollen. Sie waren schuldlos und sind Opfer des Feindes geworden, aber die Liebe und Erbarmung hat Mittel und Wege zur Genüge. Dort, rechts siehst du junge Buben, die ebenfalls, wie die Mädchen, eine hohe und herrliche Schule durchleben. Gehen wir eine Treppe höher. Da, hier wohnen alle die, die da ausruhen und ihre Innenwelt bereichern von dem Geist der Gnade. Ich wollte, dass gerade niemand hier anwesend ist, um deinetwillen, sonst würdest du alle Lebensfreude in deinem Erdenleben verlieren, die man dir bis zu deiner Rettung zunichte machte. Präge dir alle diese Worte ein in deinem Herzensschrein. Was du aber hier siehst, soll dir nach dem Willen der ewigen Liebe verbleiben. Nun aber komm, die Zeit ist um, ich will dich aus meinem Haus führen`. O Gott, welche Süßigkeiten erlebe ich hier auf dem Wege. Jetzt sehe ich Menschen. O tausend und noch mehr sind es. Wie sind sie schön, ihre Gesichter strahlen vor Freude. Sie winken, ihre Sprache ist Musik, wie von Hunderten von Harfen. Schade, dass dieser Traum ein Ende hat. Ich sehe alles noch so, als wenn es natürlich wäre“.
Jakobus: „Rudomin, vergiss dieses Erleben nicht. Für dich sei es ein Traum, für euch aber soll es Erleben sein. Was euch Rudomin schilderte, ist nur für euch bestimmt, nicht für die anderen, da ihr ja gleich mir ein Träger des Gottesgeistes und ein Diener der Liebe werden wollt. Da Rudomin durch die Qualen in seinem Leben viel geläuterter ist denn ihr, konnte die Führung durch die Gnade geschehen. Rudomin, höre, nur diesen deinen Schwestern und Brüdern darfst du dein Schauen erzählen, keinem anderen, da sie nicht verstehen und das Werk der Liebe herabsetzen würden. Was Rudomin erlebte, war ein Blick in seine Welt. Alles ist unverständlich, sogar die Sprache, und warum? Weil seine Welt verschlossen ist, wie in einem Weizenkorn die neue Pflanze, die hundert Körner bringt, verschlossen ist. Du, Hermes, wolltest erfahren, wie und wer Gott ist. Rudomins Erlebnis ist die Antwort, denn Gott ist nicht allen ein und derselbe, sondern wie dein Geist, deine Liebe, deine Hingabe Ihn in dir gestalten. Deine bisherigen Götter stellten Entsprechungen dar, unverrückbar sind ihre Formen und eure Begriffe.
Der ewige Gott aber, als Schöpfer und Erhalter alles Geschaffenen, ist Gott denen, die Ihn als Gott anerkennen, ist Richter denen, die Ihn zum Richter machen. Ich könnte dir noch so manches Bild geben. Mir ist Er die höchste Liebe und Erbarmung, und ich bin auch von Seiner Liebe und Erbarmung durchdrungen, die mir auch bleiben wird, so ich auf dem Boden der Demut und Hingabe verbleibe. Ich glaube, dass dieses Erleben, diese meine Erklärung, den Weg in euch ebnen wird, um Den zu erkennen, der da wahrhaftig und ewig ist. Suchet aber nicht mit Gewalt, dieses Gotterkennen bei anderen zu erreichen. Denn wie Gott die ewige Liebe und Erbarmung ist, sollen auch Seine Jünger liebend und erbarmend sein. Wo keine Gewalt und kein eisernes `Muss` etwas vermag, kann diese erbarmende Liebe doch noch Großes vollbringen“. Hermes: „Wie Wetterleuchten ist es in mir, es ist, als ob von gestern an ich ein ganz neues Leben lebe. Wie trostlos sah es um uns aus, und heute? Ich vermag es kaum in Worte zu fassen. Mir winkt nicht nur ein neues Herrliches, o nein, es ist schon da, hüllt uns ein wie die Strahlen der aufgehenden Sonne. Wenn du uns aber noch etwas erzählen willst, du lieber treuer Liebesbote, so schildere noch etwas von dem Heiland, der ein Freund und Diener aller Menschen war“. Jakobus: „Gerne, mein Hermes, so höre. In meinem Vaterhaus wuchs dieser Heiland als Kind auf. Ich war der jüngste meiner Brüder und hatte die Aufgabe, Ihn zu beaufsichtigen. Es war ein schwer zu behandelndes Kind, einen Eigenwillen hatte Er, der unbeugsam war. In allen Dingen war Er gehorsam, nur beten wollte Er nicht.
Keine Strafe brachte es fertig, dass Er nur einmal betete. Gab es eine gute Speise oder eine schöne Frucht, da hielten die kleinen Hände eine Weile still, ungesegnet nahm Er nie etwas zu sich. Da fragte ich Ihn: `Mein Jesus, Du machst mir schon frühzeitig rechten Kummer. Du weißt doch, dass der alte Vater Joseph nie von seinem Gebet Abstand nehmen wird, Du aber weigerst Dich hartnäckig. Beten dürfen alle die anderen, auch ich, nur Du willst nicht. Sage mir, mein Jesus, warum?` Da lächelte dieser zweijährige Knabe und spricht: `Jakob, du weißt doch, wer Ich bin. Genügen denn dir die Herrlichkeiten nicht, die du schon erlebtest? Ich habe es schon schwer genug, so Ich euer Lippengeplärr ertragen muss`. Ich sagte: `Jesus, was sagst Du, Du hättest es schwer, wo wir Dich mit der größten Liebe umgeben, und nennst unser Beten Lippengeplärr? Heute bist Du fast nicht zu ertragen`. Da spricht Jesus: `Jakob, Ich weiß, ihr liebt Mich, aber ihr liebt noch nicht den rechten Geist in Mir. Wenn aber einmal die Zeit kommen wird, wo Ich ganz mit dem ewigen Urgeist eins sein werde, dann werdet ihr Mich mit ganz anderer Liebe umgeben. Eure Augen werden die Dinge ganz anders sehen und euer Herz wird lebendig werden für diesen Geist, um den Ich schon frühzeitig ringe`. Es vergingen die Jahre, aber Jesus verstanden wir nicht. In Ihm hatte sich alles Göttliche durchgerungen. Seine Augen hatten einen stillen, aber ernsten Glanz. Und höret und staunet, Jesus ging beten, aber ein anderes Beten, nicht mit den Lippen, sondern mit ganzem heißem Herzen.
Als ich Ihn darum fragte, ob Er sich noch an die Worte erinnerte, wo Er als Kind unser Beten als Lippengeplärr hinstellte und es Ihm schwer war, es zu ertragen, da sagte Er: `Mein Jakob, euer Beten ist auch heute noch dasselbe, aber Mein Beten ist ein Vereinigen mit dem ewigen Vater in Mir. Wie soll Ich denn Meinen Vater hören in Mir, wenn das Maß der weltlichen Pflichten immer größer wird? Um mit dem Vater eins zu werden, bedarf es der größten Harmonie, diese erringe Ich Mir in der Stille. Glaubst du, mein Jakob, diese Harmonie mit dem Gottesgeiste aufrecht zu erhalten, wenn du deinem eigenen Geist in dir keine Gelegenheit gibst, sich an den Gottesgeist anzulehnen? Noch stehe Ich im Kampfe mit Mir Selbst, ist aber die Einung erreicht, werde Ich den Kampf mit der Außenwelt aufnehmen können. Einen Kampf, der zum Sieg führen wird. Ich wollte auch, es wäre schon vollbracht`. Als Er Sein Lehramt antrat, wo nur Liebe und wieder Liebe die größten Dinge vollbrachte, da wurde mir erst alles klar, wer Jesus war, der rechte Sohn vom ewigen Vater, Der in Sich die ewige Gottheit verkörperte und uns einen Geist schenkte, der alles und alle zur herrlichen Vollendung führt. Es wäre noch Vieles zu schildern, aber da in Seinem Geiste, den ihr euch durch die Liebe zum Nächsten aneignen sollt, euch derselbe noch alles offenbaren wird, mag es für heute genug sein“.
Spricht Ilona: „O, ihr überglücklichen Menschen, welche Seligkeiten müsst ihr schon erlebt haben. Die Erde muss euch zum Himmel und euer Leben eine Seligkeit gewesen sein, für die ich keinen Begriff habe, es darzustellen. Nur einen einzigen Tag hätte ich bei euch leben mögen, während wir in Sorge, Qual und Schmerzen dahinsiechten“. Jakobus: „Schwester Ilona, jawohl, wir haben Seligkeiten erlebt. Aber denke keiner, dass uns der Erbfeind in Ruhe ließ, schwere Kämpfe und manche Niederlage mussten uns ausreifen, um eben die Seligkeiten ertragen zu können. Wir waren ja auch nur Menschen und verwachsen mit dem Gesetz und den Propheten, nur Jesus war frei. Ich weiß, wie ein Trupp Gefangener durch Nazareth marschierte. Es durfte unter keinen Umständen den Gefangenen etwas gereicht werden. Vor dem Brunnen tränkten die Soldaten ihre Pferde und taten sich an dem frischen Wasser gütlich, während die Gefangenen fast vor Durst verschmachteten. Da ging Jesus, zum Schrecken aller, hin, hob einen Eimer Wasser aus dem Brunnen und ließ die Gefangenen aus einem Becher trinken. Der Führer des Transportes wollte Jesus anfahren, aber mit großen Augen sah Jesus ihn an und sagte: `Seit wann stellt denn ihr Römer die Menschen unter das Vieh? Muss dich ihre Not nicht erbarmen, wo du besorgt bist um deine Pferde? Es stehet geschrieben, der Gerechte erbarmet sich des Viehes, wie viel mehr muss der Mensch aber gerechter sein, wenn die Not der Mitmenschen ihn zu Handlungen treibt, die nur das Herz gut heißt`. `Du musst ein gutes Herz haben`, erwiderte der Römer, `darum will ich dich nicht tadeln.
Ich
wollte, alle Menschen wären wie du, dich könnte man lieb haben`. - `Tue es
immerhin, und eingedenk sei dir Mein Name, Ich bin Jesus`. Da ließ der Römer
rasten und den Gefangenen wurden Erleichterungen gegeben. Lange noch unterhielt
sich der Römer mit meinem Vater Joseph und mit Maria, Jesus Leibesmutter. Jesus
aber war gegangen, Ihn störte es, so man Ihn lobte“. Helena:
„Ach, ihr Lieben, beschäftigt euch doch nicht so sehr mit dem, was war. Liegt
die Gegenwart und Zukunft nicht viel herrlicher vor uns? Ist nicht Not über Not
unser ständiger Begleiter gewesen, und jetzt ist alles nur Wonne. Es ist ein
Glück, dass dieser Jesus, dieser übergute Heiland und Menschenfreund, nicht
als Mensch hier ist, ich würde meinem Herzen und Gefühlen vollständigen
freien Lauf lassen und an Seiner Brust mich entschädigen für das vergangene
Leid. So ist es aber gut, ich kann mich vorbereiten zum schönsten Dienst für
Ihn. Meine Augen werden in jedem Menschen Seine Liebe suchen, meine Ohren werden
lauschen auf jedes Wort, welches das Leben kündet. Aber mein Herz soll offen
sein für jedes Weh und alles Leid, denn ich fühle es lebendig, nur dort finde
ich Seine Liebe, Seine Gegenwart, wo ich dem Weh und dem Leid den Stachel nehme
und Freude hintrage“. Jakobus:
„Helena, du hast das Leben der Liebe erfasst. Freue dich dessen, denn wer das
Leben aufgenommen hat, der ist auch von Ihm, unserem herrlichen Gott und Vater,
angenommen und aller Tod ist überwunden. Jesus lebt, trotz Tod und Todespein,
und alle, die an Ihn glauben, mit heißem Herzen Ihn erfassen, werden ewig mit
Ihm leben in Seinem Reiche, wo es kein Leid und kein Geschrei mehr geben wird.
Fürchtet euch nicht vor den Menschen, die euch rauben möchten diesen, nun
euren Glauben, sondern seid euch bewusst, dass der Vater um alles weiß, dass Er
keinen vergisst, der Ihm die Treue gelobt, und der Lohn wird nicht ausbleiben.
Ihr werdet geliebt werden von Ihm, und Er gibt Sich Selbst als Lohn“. Vor dem Hause wurden Stimmen laut, einige Männer kamen und fragten nach dem Wundermann. Es waren Abgesandte der Kranken, die am Tempelhain bei dem Oberpriester Trost und Heilung suchten. Zeno aber gab unumwunden zu, dass er unfähig sei, zu heilen. Er verwies auf den Gottesboten, der bei der Witwe Helena in der Stadt sei und die Botschaft des wahren und ewigen Gottes bringe, und seine Worte mit Wundertaten beglaubigte. Jakobus: „Der Friede sei mit euch. Euer Wunsch ist mir bekannt, kehrt um und sagt den anderen, dass ich zu ihnen kommen werde“. – „Wie kannst du wissen, du Fremdling, um unser Begehren, es ist doch noch kein Wort darüber gesprochen worden“. Jakobus: „Ich weiß noch mehr, ich weiß sogar, dass noch viele auf dem Wege zum Tempelhaine sind. Da dieselben aber länger als vorgenommen bleiben werden, möchte ich euch bitten, einen Speisevorrat zu kaufen und denselben hinzubringen“ – „Wie kommen wir dazu, Speise für andere zu kaufen, sollen sie doch selber dafür sorgen“. Jakobus: „Es war nur eine Bitte, ihr lieben Männer. Wenn ihr nicht wollt, dann lasst es bleiben. Aber ich glaubte, wenn euch Wohltaten gereicht werden sollten, es doch billig wäre, dass auch ihr etwas beitragen könntet.
Gehet voraus, in einer Stunde bin ich dort“. Helena, die Jakobus an die Türe folgte und jedes Wort hörte, sagte: „Lieber Jakobus, sind dies harte Menschen. Lass mich Brot und Früchte hintragen, denn es geht nicht an, dass dort, wo diese herrliche Liebe geoffenbart wird, die Zuhörer hungern sollen“. Jakobus: „Sie werden nicht hungern. Die Männer werden Brot und Früchte kaufen und alle werden satt werden. Möchtest du mit deinen Kindern nicht mitkommen?“ Alle gingen mit Jakobus zum Tempelhain. Sehnsüchtig erwarteten die Anwesenden den Jünger Jesu. Durch Zeno vorbereitet, waren ihre Herzen schon aufnahmefähig und warteten geduldig der Dinge. Zeno ging dem Jünger entgegen, drückte dessen Hände an sein Herz und sagte: „Meine Seele freut sich, weil ich an meinem Lebensabend noch die ewige Heilswahrheit erfahren und erfassen durfte. So gut es ging, sind alle vorbereitet, doch sind einige Kranke darunter, die schon jahrelang leiden“. Jakobus: „Zeno, vertraue ganz und dein Glaube wird dir herrlich gelohnt werden. Im Namen Jesu und in Seinem Geiste bist du Sein Vertreter, was du in diesem Glauben anfängst, wird Er vollenden“. Zeno: „Ich bin glücklich, diese Worte zu hören, aber noch glücklicher wäre ich, so alle den Herrn zu ihrem Herrn machen würden“. Jakobus wurde umringt, alle waren begierig, Worte aus seinem Munde zu hören, aber er sagte mit schlichten Worten nur: „Friede sei mit euch und die Liebe und Gnade des Herrn Jesu sei euer Teil“.
Dann ging er zu den vier Kranken, die auf leichte Wagen gebettet waren, und sagte: „Wenn ihr festen Willens seid, eure Götter zu verlassen und den ewigen Gott annehmt, von dem schon euer Oberpriester zeugte, dann stehet auf und seid im Namen des ewigen und wahren Gottes gesund, und Seine Gnade sei mit euch immerdar“. Da standen sie auf von ihren Wagen, gingen hin zu Jakobus und drückten ihm die Hand. Einer aber sagte: „Wie sollen wir dir danken, du Bote des ewigen Gottes. Nicht das ist das Wunder, dass ich gehen kann, sondern, dass meine Ahnung vom Dasein eines wahren. lebendigen und allmächtigen Gottes Wirklichkeit geworden ist. Wohl trug ich schwer an meinem Leiden, aber noch schwerer trug ich, weil mich die Götterlehre nicht befriedigte. Was Zeno erzählte, war schön und gut, aber noch besser müsste es sein, so ich, und wir alle, aus deinem Munde von dem wirklichen und wahren Gott die reine Wahrheit erführen. Zeno war unfähig, uns Gutes zu tun zur Besserung unserer gelähmten Glieder, du aber sagtest, wenn ihr glauben wollt, dann seid ihr gesund. Ich, und wir alle, wollen gerne glauben, ja, wir wollen gerne tun, was dein Gott von uns begehrt, aber du musst uns ein Bild von Ihm geben, damit wir Ihn uns vorstellen können“.
Jakobus: „Ebraim, dein Wunsch ist schon erfüllt, denn es ist Sein Wunsch, dass Er, der Herr des Himmels und der Erden, erkannt sein will von allen Seinen Menschenkindern. Das Bild, welches ich euch gebe, ist dies eines Menschen, aber in allem Guten und Wahren die höchste Vollkommenheit. Vollkommen in der Liebe, Macht und Weisheit, Er ist das Leben und alles Leben kommt aus Ihm. So ihr alle an Ihn glaubet und nach Seinem Willen tut, wird auch Sein Leben in euch sein, die aber nicht an Ihn glauben, verbleiben im Tod und im Gericht. Als Mensch unter Menschen offenbarte Er uns Sein ureigenes Leben. Es war Liebe und Erbarmung, gepaart mit der herrlichsten Weisheit. Seinem Willen musste sich alles beugen. So erwarb Er als Mensch uns Menschen das ewige Leben. Kein Tod hat mehr Macht über das Leben. Ihr werdet denken, dann stirbt auch niemand mehr, aber dieses ist anders. Wohl werden wir alle den Leib ablegen nach dem Willen des ewigen Gottes, aber unsere Seelen, welche das Leben aufnehmen, werden vom Leben aus Gott getragen und in Seinem Reiche, welches in uns seinen Anfang hat, mit Ihm leben. Ihr staunet ob dieser Worte, aber fragt Rudomin.
Vor Stunden noch ein armer Kranker, durfte er Vorgänge in der ewigen Welt erleben, die die Gnade und Liebe Gottes ihm schenkte“. Spricht Ebraim: „Guter Freund, es müsste herrlich sein, Blicke in das Jenseits des Grabes zu tun, aber wichtiger wird es wohl sein, dass wir zum rechten Glauben kommen. Durch jahrelanges Leiden hat man nur den einen Wunsch gehabt, gesund und froh zu werden. Wir lebten auch, aber welch ein trauriges Leben. Du kündest uns ein Leben, welches bis jetzt nur in unserer Sehnsucht lag. Sage mir, wie ich am schnellsten dieses Leben erringe, denn schon allzu lange lebte ich ein Leben, welches nur Qual war“. Jakobus: „Ebraim, und ihr alle, höret, der schnellste und einfachste Weg ist der Weg der Liebe. Liebe deinen Nächsten mehr, als dich, und suche zu beglücken, wo du nur kannst, hilf, wo du nur kannst und wo Hilfe Not tut, allen Elenden und Armen reiche deine Hände. Aber alles dieses tue im Geiste Jesu, des ewigen und lebendigen Gottes, dann hast du das Leben und das Leben hat dich für ewig. Es ist die höchste Gnade Gottes, so der Mensch sich diesen Geist der Liebe aneignet, den ihr eben so wunderbar erlebt habt“. Einige Wagen mit Begleitung kamen, es war Abgarus mit seinem Gefolge. Ihn trieb es zu dem Jünger Jesu, es waren verlorene Stunden für ihn, wo er ihn nicht um sich hatte.
Durch Boten erfuhr er, dass im Hause Helena viele Kranke ihre Gesundheit erhalten hatten. Unterwegs gedachte er Zeno, den Oberpriester, mitzunehmen, um denselben ganz für das Werk Jesu zu gewinnen. Wie groß war sein Erstaunen, den Jünger beim Tempelhain anzutreffen. Jakobus, der ihn zuerst sah, ging auf ihn zu und sagte: „Bruder, nicht umsonst trieb dich die Liebe Jesu. Ich danke dir, dass du dem Ruf des Meisters folgtest. Aber nun komm und sieh, wie glücklich die Menschen durch Jesus geworden sind“. Die Anwesenden wollten vor ihrem König auf ihre Knie niedergehen, aber Abgarus sagte: „Höret auf, heute bin ich zu euch als euer Bruder gekommen, der dem ewigen Gott die Ehre geben möchte. Dir aber, Herr Jesus, Du Leben alles Lebens, Du Liebe aller Liebe, danke ich aus tiefstem Herzensgrunde, weil Du mit die Freude bereitet hast, glückliche Menschen um mich zu sehen. O Du Heiland aller Heilande, Du Meister aller Liebe, schenke uns Deinen Geist, der uns in die Herzen Deiner Kinder einen Weg bahnen lässt“. Als die anderen ihren König so reden hörten, jubelten sie ihrem König zu. Aber Jakobus sagte: „Liebe Männer, es ist recht, so ihr rechte Freude habt, im Freuen wird das Herz groß und weit. Es ist noch Großes zu vollbringen, solange aber noch die alten Götter mahnend und warnend zwischen euch und dem lebendigen Gott stehen, ist noch eine Wand, die euch wahrhaft hindert, den wahren Gott Jesu walten zu lassen. Machet diesen Tempel zu einem Tempel des wahren und lebendigen Gottes, dann habt ihr eine Stätte, wo ihr euch einen könnt, um euch gegenseitig zu stärken und zu fördern.
Der Herr aber, als die Liebe, ist bereit, euch ganz nach eurer Liebe zu dienen mit Seinen Gaben, damit keinem etwas abgehe“. Spricht Abgarus: „Bruder Jakobus, ich danke dir für den Hinweis. Sofort soll mit dem Errichten begonnen werden, zum Sabbat sollst du ihn weihen können, wenn wir die Taufe begehren“. Was nun folgte, grenzte ans Wunderbare. Abgarus selbst überwachte die Arbeiten, und immer mehr Volkes kam zum Tempel, um sich zu überzeugen von der Änderung ihres geliebten Tempelhaines. Es warteten viele, dass die Götter sich wehrten und die Handwerker straften, aber nichts von alledem. Noch nie hatten Zeno und Hermes so viel zu reden, wie in den beiden Tagen. Die Geheilten aber sorgten, dass die Kunde ihrer Heilung nicht nur in Edessa, sondern weit hinaus getragen wurde. Es war aber dabei das Wunderbare: Abgarus sorgte, dass alle auch beköstigt wurden, keiner litt Hunger oder Durst. Als am Freitag die Sonne sich neigte, war das Werk vollendet. Jakobus war dem Tempel ferngeblieben. In der Stadt, in den Herbergen, bezeugte er in den zwei Tagen die große erbarmende Liebe Jesu und heilte dabei viele Gebrechliche und Kranke. Die Heilung des Königs und der Kranken wurde ja viel höher bewertet, als seine Predigten, aber sein Herz war voller Freude, immer lebendiger wurde sein Zeugnis, dass ihm niemand widerstehen konnte. Bei Helena hielt der Zuzug nicht auf, immer wieder kamen Kranke und warten und warten auf den Jünger.
So kam der Sabbat heran. Abgarus mit Zeno besuchten ihn noch am Abend. Sie werden wiederum Zeuge von der wunderbaren Kraft der erlösenden Liebe Jesu, die ihre Herzen ganz freudig machen zum Werke, welches am morgigen Sabbat öffentlich beginnen soll, zu dem Zeno mit seinen Priestern eingeladen hatte. Der letzte Rest vom alten Göttertum verschwand beim Zeno, als er das Brot, welches Helena allen Besuchern mit Früchten vorsetzte, genossen hatte. Ein solches Brot hatte er noch nie gegessen. Helena, in ihrer dankbaren und dienenden Liebe, hatte nicht genug Worte, dieses Wunder mit dem Brot und den Früchten zu bekennen, für Zeno aber war es die Reinigung vom alten Göttertum. In der Stadt aber rüstete man zur feierlichen Einweihung des Tempels, um den Sabbat würdig zu feiern. Als die ersten Strahlen der Sonne den werdenden Sabbat begrüßten, zogen schon Massen nach dem Tempelhain. Zeno hatte die Tore zum Tempel offen, zögernd gingen sie hinein. Feierliche Stille umgab die schnell den Tempel füllenden Menschen. Alle Opferaltäre waren verschwunden, nur ganz vorn war ein Altar mit sieben brennenden Leuchtern, jeder Leuchter hatte sieben brennende Lampen. Ein drei Meter hohes Kreuz ragte empor. Auf dem Altar war, zwischen blühenden Blumen, das Bild des Herrn, welches Abgarus dem Tempel stiftete. Die Tempelhalle war in zwei Teile geteilt, wo weiche Teppiche lagen, die zum Sitzen einluden. Die Gasse bleib frei für kommende und gehende Besucher. Viele Hunderte waren darinnen und noch viele wollten hinein, aber es war schon überfüllt.
Da kommt Abgarus mit seinem ganzen Hause, sie werden freudig von allen begrüßt. Man will Platz machen, damit sie in den Tempel hinein können, er wehrt ab und bleibt mit den vielen vor dem Tempel. Nun kommen Sänger mit Harfen und Flöten und anderen Instrumenten. Sofort beginnen sie mit einem Jubellied, und unter den Klängen des Liedes kommt Jakobus. Mit leuchtenden Augen, mit den Händen rechts und links grüßend, geht er durch die schmale Gasse, die man bis zum Altar machte, wo schon Zeno mit Hermes und den anderen, die die Lehre fest erfasst hatten, harrte. Stille trat ein. Jakobus, vor den Altar tretend, hebt die Hände zum Segen und spricht: „Die Gnade Gottes und die Liebe des Herrn Jesus Christus sei mit euch. In Seinem Namen grüße ich euch. Ich danke euch, dass ihr mir Gelegenheit gebt, in Seinem Liebegeist zu dienen, den ihr in den letzten Tagen so herrlich erlebt habt. Eure Liebe schuf diesen Tempel zu einer Stätte, wo ihr euch zusammenfinden wollt, so die Liebe euch treibt. Herrlich habt ihr die Stätte geschmückt, ganz würdig eurer Liebe. So weihe ich euch diesen Tempel. Denket immer daran, dass nicht der Herr und Gott in diesem Tempel wohnt, sondern mit dem Herrn sollt ihr euch in diesen Hallen zusammenfinden in Freud und Leid. Einer sei dem anderen immer das, was der Herr und Heiland, der treue Gott und Vater, euch sein soll.
Du Zeno, der Herr bedarf deiner. Sei ein Diener aller, deinen Helfern aber sei immer ein Vorbild in der Liebe. Alles aber, was ihr den Begehrenden reicht, wird euch Sein Geist geben, und so empfanget Seinen Geist, der euch in alle Wahrheit leiten wird. Du aber, Du treuer Herr und Gott, sei in dieser Stunde unter uns, lasse Deinen Lebensstrom fließen, damit er alle belebet. Erfülle alle mit Deinem Geist, die ihr Herz für Dich offen halten und segne uns aus der Fülle Deiner erbarmenden Liebe, damit wir wieder segnen können. Amen! Du Zeno, du Hermes und du Rudomin, nehmet hin den heiligen Geist, der euch für ewig zu Dienern Seiner Liebe macht. Amen. Amen. Amen“. Zeno, ganz ergriffen, spricht: „O Herr, der Du mich würdig machst Deiner Gnade und Barmherzigkeit, lasse mich ganz Dein Diener sein, um das Heil aller willen. Ihr aber, liebe Männer und Frauen, Jünglinge und Jungfrauen, in heiliger Stunde kann ich nicht anders, als das verkünden, was in mir lebendig geworden ist. Jesus hat Seinen heiligen Liebesplan offenbart. Wir sollen alle mit Ihm leben, ein Leben der Freude. Aus Seinem Geist sollen wir uns untereinander lieben, wie Er uns liebt. So segne ich euch, als euer Diener aus der sich in mir offenbarenden Kraft. Euer Wollen und des Herrn Friede sei mit euch“. Hermes: „Es sei hinfort keine Schranke mehr zwischen den Priestern und euch, sondern wir dienen euch mit der herrlichen Liebe, die uns so reichlich geschenkt wurde und auch weiterhin verbleiben wird.
Kein Gesetz, keine Vorschriften, sondern der freie Liebeszug aus Gott, dem Ewigen und Lebendigen, soll uns gemeinsam verbinden und dem Herrn immer näher bringen. Du aber, Du Vater aller Deiner Kinder, hilf uns, damit wir auch Deine rechten Kinder werden. In meinem Herzen fühle ich das Leben. Ich möchte euch alle damit erfüllen, damit des Herrn Liebegeist ganz unser Eigen werden“. Jakobus: „Heilig ist die Stunde, weil Leben über Leben sich zu euch allen drängt. Doch schauet hin aufs Kreuz, das Zeichen unserer Erlösung. An dem Kreuze errang der Meister unsere Freiheit. Er machte uns frei von der Macht des Todes. Lasset das Kreuz stets zu euch sprechen, denn es verkündet den Sieg. Frei dürft ihr sein, das Leben gehört euch allen, damit ihr wahrhaft Seine Kinder werdet. So wollen wir hin an den nahen Bach, um das Werk, das heilige, zu vollenden und allen die Taufe geben, die sie begehren. Geht im Namen des Herrn, Sein Wille sei auch der unsere!“ Alle, alle gingen, es war ein Singen, ein Jubel. Jakobus, Zeno und Hermes treten in das kühle Wasser. Abgarus, als der erste, Hethmann, als der zweite, begehren die Taufe, dann kommen alle, erst die Männer, dann die Frauen. Helena, Ilona und Irene gleichzeitig, dann alle, und in zwei Stunden war das heilige Werk beendet. Alle gingen auf die Knie. Jakobus, mit beiden Händen segnend, spricht: „Schwestern Brüder, es ist jetzt kein Unterschied zwischen Himmel und Erde.
Der
Herr, unser Jesus Christus, ist mitten unter uns und spricht: `Kindlein, seid
gesegnet aus Meiner Liebe, die alles trägt, aus Meinem Leben, welches ewig
neues Leben zeugt und aus Meinem Geist, der ganz euch erfüllen soll, damit Mein
Werk durch euch seine Erfüllung finde. Ich suchte euch, ihr ließet euch
finden, Ich kam zu euch, ihr habt Mich aufgenommen. Haltet Mich fest durch eure
Liebe, denn Ich in euch und ihr in Mir sollen krönen das Werk Meiner Liebe und
Erbarmung. Meine Liebe habt ihr erlebt. Es sei euer Streben, dass auch alle
anderen Meine Liebe durch euch erleben und Mich als Den erkennen, der das Leben
ist und sein wird ewig. Wie der Liebe
heiliges Leben Mich erfüllt, so wird euch Mein Leben erfüllen. Darum bleibet in
Mir, damit Ich euch verbleiben kann. Mein Geist in euch wird euch noch vieles
offenbaren, was ihr jetzt noch nicht erfassen könnt. Aber seid euch dessen
bewusst, was ihr heute noch nicht ahnt, wird bald eure Herzen mit Seligkeit
erfüllen. Ein jeder liebe Mich, aber mit dem Herzen. Vergesset nicht, dass auch
in jedem Menschen eine Heimatstätte Meiner Liebe zu errichten ist, damit uns
alle ein Geist verbindet, der allen, allen Erlösung und Beseligung bringt.
Ziehet hin in Frieden, jeder an seinen
Platz. Mein Vatersegen verbleibe bei euch und Mein heiliger Friede sei euer
Teil. Amen. Amen. Amen`“. Jakobus ging durch die Menge, um dem einen oder anderen ein paar aufmunternde Worte zu sagen. Dann kommt er zu Abgarus und spricht: „Mein Bruder, mit übervollem Herzen danke ich dir für die Arbeit für den Herrn. Sieh nur, wie sie alle dich lieb haben, kannst du dir eine noch größere Freude wünschen? Ich sage dir, noch viel, viel mehr Freude wirst du erleben, denn Zeno hat das Leben erfasst, Rudomin ist sein treuer Helfer, denn seine Gabe ist das Schauen. Es werden euch Dinge offenbart werden, von denen ihr alle noch keine Ahnung habt. Die Feier ist beendet. Nach und nach wird der Platz leer werden, den Tempel lasst Tag und Nacht offen. Es genügt, so des Nachts eine kleine Lampe brennt als Symbol“. Abgarus: „Bruder, eine Herzensbitte habe ich an dich. Komme heute noch in mein Haus, ich lade Zeno und seine Priester, du aber bringst die drei Frauen mit. Ich muss euch heute noch um mich haben, denn ohne ihre Arbeit wäre nicht der Erfolg geworden“. Jakobus: „Gerne erfülle ich deine Bitte, Bruder Abgarus, es gilt auch an den Abschied zu denken. Meine Mission ist erfüllt, an anderen Orten ist meine Anwesenheit wichtiger. Aber, Bruder, keine großen Ehrungen, die Liebe sei das Band, was uns bindet“.
Ach, wie viele sehnten sich noch nach einem Worte von dem Jünger, alle wollten ihm so gerne danken. Helena war nicht erfreut, beim König zu erscheinen, da aber Ilona und Irene zuredeten, ging sie mit. So wurde am Nachmittag geruht. Als die Sonne sich neigte, empfing Abgarus seine Gäste. Zeno, Hermes und Rudomin waren schon anwesend. Der große Speisesaal war in einfacher Art für ein Abendmahl gedeckt, zu dem alle die geladen waren, die sich um das Werk Jesu besonders hervorgetan hatten. Abgarus war voller Freude, begrüßte alle in herzlichster Freude mit den einfachen Worten: „Meine lieben Freunde, es ist meinem Herzen Bedürfnis, an Stelle des Herrn und ewigen Gottes Jesus Christus, euch zu danken. Wie einsam war ich oft, da ich mit wenigen nur sprechen konnte von Dem, Dem wir alle zu danken haben, und heute erlebe ich die Liebe meiner Landeskinder. Wundert euch deswegen nicht, dass ich gerade heute euch mit meiner Liebe und meinem Dank beglücken möchte. Wie wunderbar ist alles geordnet. In langen Nächten habe ich oft nachgedacht, wie kann meinem Volk die rechte Wahrheit beigebracht werden, und das Ergebnis heute? Fast alle begehrten die Taufe. Wir wollen ohne Zwang das Abendmahl einnehmen, aber zuvor bitten: Herr Jesus, sei Du unser Gast und segne uns alles, was Deine Liebe bescheret hat. Amen“.
Nach dem Essen bleib man an der Tafel sitzen. Da sagte Jakobus zu Rudomin: „Bruder, lege alle Scheu ab. Denke, es sind alle deine Brüder und Schwestern, und du willst allen dienen mit dem, was dir der Herr schenkte. Nicht umsonst hat dich der Herr berufen und dir eine neue Heimat gegeben, darum mache dich würdig der Gnade, ein Berufener zu sein“. Erst langsam, dann immer sicherer schilderte Rudomin sein Schauen. Rudomin begann: „Ich bin kein Redner, darum bitte ich um Nachsicht, so ich Fehler begehe. Ich sah heute im Tempel den Herrn das erste Mal, als der Jünger die Worte des Herrn übermittelte. Ich habe weniger den Worten gelauscht, der Herr war mir wichtiger. Als die Worte beendet waren, war auch mein Schauen beendet. Als die vielen zu uns ins Wasser kamen, sah ich, wie auf einem Schleier sitzend, viele schöne Gestalten. Ganz deutlich erkannte ich auch deinen Sohn, mein Herr und König. Als der Jünger dein neigendes Haupt mit Wasser benetzte, machte dein Sohn das Zeichen des Kreuzes über dich. Sein Gesicht glänzte wie die Sonne. So immer neue zu uns ins Wasser kamen, sah ich auch neue Gestalten. Es war mir, als wenn die getauften Brüder und Schwestern die Gestalten mitnahmen. Darum passte ich auf, wie Helena, unsere Wohltäterin, sich mit den anderen taufen ließ. Ihr verstorbener Mann, den ich sehr gut kannte, war bei ihr und blieb auch lange, bis zwei Lichtgestalten ihn in ihr Licht einhüllten. Die Taufe war beendet.
Zum Danke lagerten sich die Glücklichen, und nun kommt ein schönes Erleben. Ungefähr 50 herrliche Gestalten bringen oder schweben mit einer herrlichen Girlande über die Betenden und schlingen uns alle ein. Dann kommt der Herr Selbst, nimmt in jede Hand ein Ende und spricht die herrlichen Worte, die wir durch den Jünger hörten. Als Er Amen. Amen. Amen spricht, lässt Er ein Ende los und wirft uns allen die Blumen zu, bis die Girlande alle war. Und, o Wunder, jeder hatte eine Blume, und auch jetzt noch, an der linken Seite, wo das Herz sitzt. Du, mein König, hast eine große weiße Blume, die ich leider nicht mit Namen bezeichnen kann, während Helena die selbe Blume, aber in rot hat. Jeder hat eine andere Farbe, aber wie ich feststelle, sind bei den Frauen alle ins rötliche. Dann segnete uns der Herr. Beim Entschwinden nimmt er alle Gestalten mit oder in Sein Licht auf. Dies ist mein Schauen gewesen“. Zeno, ganz aufgeregt über das Schauen seines Helfers, spricht: „Aber Rudomin, du hast doch noch gar nichts gesagt über dein Schauen“. – „Nein, mein Oberpriester, ich hätte auch heute nichts gesagt, wenn der Jünger des Herrn nicht gemahnt hätte“. Jakobus: „Es ist so, Rudomins Wesen muss sich erst noch ganz klären. Noch ist er nicht so frei, um vertreten zu können, was er schaut. Durch jahrelange Besessenheit war er nicht sein eigener Herr in seiner Welt, sondern die, die ihn beherrschten. Aber freut euch mit ihm, er wird euch noch vieles übermitteln.
Du, Bruder Zeno, bediene dich immer seiner, denn bei Kranken wird er dir immer gute Dienste leisten. Jede Besessenheit wird erkannt, da er ja die Geistwesen sieht, die da den einen oder anderen belasten. Auch beim Verscheiden eines Menschen wird er alle Vorgänge schauen und euch als Priester wertvolle Dienste leisten. Auch dir, Abgarus, wird er großer Helfer sein. Jeden Menschen, der es nicht ehrlich und offen meint, wird er sofort erkennen und dich aufmerksam machen können“. Abgarus: „Das ist mir ganz neu, dass auch hier der Herr so wunderbar vorsorgt. Da sind ja mit einem Schlag alle Sorgen zu Ende, wenn wir in allen Dingen klar sehen dürfen“. – „Du wirst noch genug Arbeit bekommen, mein Bruder im Herrn, aber der Herr, als der immer Sorgende, wird dir in deinem Geiste offenbaren, was du tun sollst. Helena wird die Gabe einer Wehmutter empfangen und viel Segen stiften, wenn die Neugeborenen mit dem Segen des Herrn ihren Erdengang antreten. Liebe Freunde, wünscht euch keine Gabe vom Herrn, sondern machet frei, was so herrlich in euch liegt. Keinem wird etwas neu geschenkt, sondern es liegt alles in euch. Jede, auch die kleinste Liebe aus dem Reichtum eurer Innenwelt, ist Geschenk des himmlischen Vaters und ist dazu da, um zu beglücken und sich zu bereichern am Heilandsleben.
Du Hethmann, denkst, `ja, es ist alles schön und gut, aber was nützt es dem Menschen, so er es nicht weiß? Was nützt mir der Schatz in meinem Hause, wovon ich nichts weiß? Wie vieles besser wäre es, so allen bekannt wäre, was in uns liegt`. Bruder Hethmann, was du jetzt dachtest, ist noch auf deinem Grund gewachsen. Lasse erst den Christus in dir dein Grund werden, dann wirst du dir der Schätze in deinem eigenen Hause bewusst werden. Ihr alle, meine Brüder und Schwestern, seid euch alle bewusst, die Gnade des Herrn gleicht einem Vorratshause, die Liebe ist der Schlüssel dazu. Beides ist gegeben, um den Geist des Herrn zu verwirklichen, nur mit dem Unterschied, Vergängliches gibt sich aus, Ewiges vermehrt sich je nach dem Maße, nachdem man austeilt. Aber nun mag Rudomin euch noch beglücken mit dem, was sich eben im Geiste hier abspielt“. Jakobus nickt ihm zu, dann sagte Rudomin: „Mein Herr und mein König, gut muss es der gute Gott mit dir meinen, denn Omar, dein Sohn kommt in Begleitung des Herrn, dahinter folgen viele Wesen. Die Wände deines Hauses sind vor meinen Augen völlig verschwunden, ich schaue nur mit geistigen Augen. Mir ist, als wenn wir im Hintergrund sitzen, wo es noch sehr dunkel ist. Omar, dein Sohn, segnet uns alle. O Wunder, eine große Festtafel ist auf einmal da, in Form eines großen Kreuzes. Die seligen Gestalten schmücken die Tafel mit den schönsten Blumen. Ja, was ist denn das, sie formen ja Buchstaben und Worte. Sie lauten: Jesus Christus, Du bist die vollendete Liebe, in dieser Liebe die vollkommene Gottheit und die ewige Erhaltung.
O, wie schön diese Farbenpracht. Jede Blume besingt die Liebe des anwesenden Gottes Jesus Christus. Omar spricht: `o Abba Immanuel, wie glücklich machst du mich in dieser Freudenstunde mit dem Geschenk, dass meine Eltern und Geschwister, sowie die Brüder, alles erfahren dürfen, was sich jetzt in meiner Welt vollzieht`. Spricht der Herr: `Mein Sohn, auch Ich bin glücklich, denn nicht die Meine, sondern deine Liebe ist es, die dieses Festmahl ermöglicht`. Omar: `Wenn es meine Liebe ist, o mein Immanuel, mein Abba, dann wage ich etwas ganz Großes, bitte Dich aber im voraus um Deinen Segen`. Der Herr: `In deiner Liebe ist schon alles recht gesegnet, darum handle ganz frei`. Omar drückt die Hände, die Nägelmale tragen, an seine Brust und spricht: `Dank, mein Abba, in Deinem Namen versuche ich mein Heil. Entschuldige mein Fortgehen, bald bin ich wieder zurück`. Omar verschwindet, der Herr segnet ihn. Nun sehe ich Omar in einer Welt voller Steine, da er niemand sieht, ruft er. Da schauen aus den Löchern Bewohner heraus. Omar geht hin und spricht: `Brüder, kennt ihr mich nicht mehr?` - `Doch, du bist des Königs Sohn, was suchst du hier und störst unsere Ruhe?` - `Nicht stören, sondern um zu erlösen aus eurer Steinwelt, die tot und ohne Leben ist`. - `Bist du gekommen, uns zu predigen von dem Gott, der Liebe sein soll, dann gehe ruhig wieder.
Noch haben wir keine Sehnsucht nach einem Gott, von dem wir bisher nichts wussten`. `Ich bin nicht gekommen, um zu predigen, sondern um euch hinauszuführen zu Ihm, wo Er euch erwartet. Unsere Erdenbrüder haben ihren Tempel dem lebendigen Gott geweiht. Die Taufe ist ihnen geworden als Zeichen der Zugehörigkeit zum ewigen und lebendigen Gott und ewigen Vater`. - `Wie willst du uns dieses beweisen? Mit der Erde und ihren Bewohnern sind wir fertig, wir sind für sie ausgelöscht`. - `Aber nicht für den lebendigen Gott. Kommt mit mir, wenn es nicht so ist, dann könnt ihr jederzeit zurück`. - `Wenn dem so ist, dann versuchen wir es. Aber wehe dir, so es sich anders verhält, unsere Hämmer nehmen wir mit`. Da ruft der eine, und nun kommen sie alle und hören die Botschaft und den Versuch, den ewigen Gott, der lebendig sein soll, kennen zu lernen. Es wurden sehr viele. Omar kommt strahlenden Auges und bringt diese große Schar in den herrlichen Festsaal und spricht: `O mein Jesus, mein Heiland, mein Vater und Immanuel, ganz leicht ging es, diese Schar hierher zu bringen. Wenn Du sie nicht magst, so lass sie wenigstens einmal an Deinem Tische essen. Ich will so lange ihr Diener sein, bis sie Dich erkennen`. - `Omar, verraten darfst du Mich nicht, tue, als wenn ich nicht da bin, es sind ja deine Gäste`. Omar nötigt, Platz zu nehmen.
Da spricht der eine: `Höre, dies ist ja ein Götterhimmel! Wer sind denn diese strahlenden Wesen, du wolltest uns ja zum lebendigen Gott führen`. - `Nehmet erst einmal Platz, genießet mit Freude die herrlichen Gaben, alles weitere kommt von selbst`. - `Nun, Hunger haben wir mehr als zuviel, setzen wir uns, unsere Hämmer legen wir zu unseren Füßen`. Sie legen die Hämmer zu ihren Füßen, wo sie sich hinsetzen, und Omar spricht: `Meine Freunde, greift zu, im Reiche des ewigen Lebens gibt es kein Hungern und Darben, alles ist da, um zu beglücken`. Sie langen zu. Der eine, der ihr Anführer ist, sitzt neben dem Herrn. Er spricht: `Bist du schon lange hier beim Omar und mit seinem Gott, der ewig sein soll, einverstanden?` - `So lange Omar hier ist, bin ich auch hier. Mit dem lebendigen Gott bin ich ganz einverstanden`. - `Da bin ich neugierig, Den kennen zu lernen. Weißt du, in unserer Steinwüste ist auf die Dauer kein Leben. Dies Brot ist das erste, was ich seit meinem Erdenabschluss zu mir nehme`. - `Dann verkoste auch diesen Wein, den kann nur der lebendige Gott keltern. Wer davon genießt, wird nicht berauscht, sondern vom Leben erfasst`. - `Wenn es erlaubt ist, gerne, es ist aber kein Becher da`. - `Tut nichts, Ich habe doch einen, trinken wir zusammen`. Da trank der Herr und gibt ihn dem anderen.
Dieser trinkt und spricht: `Du, höre, das ist aber ein Wein! Wenn schon der Wein so gut ist, wie muss erst der Gott sein, der ihn macht. Kannst du Ihn mir nicht einmal zeigen, denn um des lebendigen Gottes willen sind wir hier`. - `Ja, mein Freund, da kann ich dir nicht helfen. Hast du die Blumen noch nicht recht betrachtet, sie sagen doch mehr, als das Predigen`. `Du hast auch recht, wo habe ich denn meine Augen gehabt? Jesus Christus, Du bist die vollendete Liebe. Ja, lieber Freund, die fehlt uns allen noch. Da scheint Omar doch besser daran zu sein, als wir. Sein Gesicht strahlt vor Wonne, während wir... o, nicht mehr daran denken. Dürfen wir hier bleiben und uns nützlich machen, bei den Steinen ist doch verlorene Zeit?` - `Omar hat euch geholt für dauernd, es fragt sich, ob ihr wollt. Eure Steine werden euch nicht vermissen, ohne wahres Leben ist auch euer Leben ein verlorenes. Ich bin Omars Freund, was Ich sage, gilt so viel als das seine, und Meines Freundes Wort als das Meine. Darum frage Ich dich, wollt ihr hier bleiben und ein neues Leben beginnen? Frage deine Brüder, ob sie auch wollen`. - `Ja, sie wollen`. Nun geht aber der Becher von Hand zu Hand, immer fröhlicher werden alle, da spricht der eine: `Du, ich glaube, wir werden auch gute Freunde werden. Aber um eines bitte ich Dich, lerne mich den Jesus Christus, der die vollendete Liebe ist, recht bald kennen, denn unter dieser Liebe möchte ich nicht länger ohne Liebe sein`. Jetzt ist dieses Erleben zu Ende“.
So
endete dieser Sabbat in herrlicher Weise. Vieles wurde noch geschildert, Jakobus
konnte allen gerecht werden und die Segnungen blieben nicht aus. Bei
Helena war nun alle Not behoben, nur dienen und helfen war ihr Leben. Ilona und
Irene waren die Sängerinnen, die das Leben der Heilandsliebe besingen konnten,
auch in ihrem Tun und Handeln. Zeno war ein rechter Priester, der immer das
Rechte fand durch die Liebe und Gnade des Herrn und durch die Mithilfe des
Rudomin. Die Saat, die Jakobus
gesät hatte, war herrlich aufgegangen, besonders bei Abgarus. Dieser hatte auch
als Letztes von Jakobus die Verheißung bekommen, dass der Herr und Liebemeister
ihm noch zwei Jünger senden werde, die die Aufgabe haben, seinem Volke die
Liebesbotschaft zu bringen, damit auch diese seine Sehnsucht erfüllt
werde. Sie wurde erfüllt. Abgarus erlebte noch glückliche Jahre. Immer
größer wurde bei allen das Verlangen nach dem rechten Gott. Durch die Gnade
Gottes wurde sein Land zu einer Gemeinschaft, die nur einen Herrn kannte: Jesus
Christus, den Ewigen und Lebendigen. Wenn
ich nur Dich habe, so frage ich nicht nach Himmel und Erde, denn
Du, als Gott, willst als Liebe aller Liebe unter uns leben als
Mensch und Sohn willst gerade richten das Verkehrte, und
als Freund und Bruder das Gute lohnen. Doch
das Allergrößte hast Du Deinem werdenden Kinde vermacht, dass
Dein heiliger Geist unserem Geist das Zeugnis gibt, und
uns belehrt und Licht bringt in das Dunkel unserer Nacht, damit
alle erfahren, wie Du Dein Kind hast geliebt. Wenn
Du in mir lebst, ist jeder Tag ein Geschenk, und
eine jede Stunde ein Zeugnis Deiner erbarmenden Liebe. Mein
ganzes Tun und Lassen wird von Deinem Geist gelenkt, und
wird zum Segen für mich und viele. Doch
arm sind alle, die ihr Herz verschlossen halten, weil
Du nicht einkehren kannst in ihr Herz, Dein
lieblich Wort und Wesen hat ihre Zunge gespalten, und
das erfüllt mich und Dich mit heißem Schmerz.
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Aktualisiert
am: 02.12.2008 Home