Max Seltmann - Erlebnisse mit Jakobus – Band 1

 

INHALT  1

Band I 2

1 Personenbeschreibung  3

2 Jakobus Heimkehr von Edessa  4

3 Bei Mauritius  5

4 Kamillo - Antonio – Baltasar  9

5 Arminus und Hendrick  11

6 Bei Kaspar  13

7 Andree  17

8 Iwan  19

9 Erlebnisse bringen Erfüllung  21

10 Bei Joram   24

11 Darius  26

12 Arnaut 27

13 Levi 30

14 Bei Rake  33

15 Ludmilla  36

16 Ein herrlicher Sieg  38

17 In Rakka  41

18 Bei Amalie und Amelia  43

19 Wurka  45

20 Bei Arius im Tempel 47

21 Sabbat in Rakka  49

22 Bei der alten Wurka  52

23 Bei Annuschka  55

24 Miriga  58

25 Bei Adonis  61

27 Bei Petro  64

28 Sabine  66

29 Laurentius  68

30 Ein geistiges Schauen  71

31 Eine Episode des Herrn  73

32 Benediktus  75

33 Der Liebe Lohn  78

 

 

 

Band I

Lieber Leser, 

was Sie hier in Händen halten ist die Abschrift einer Kopie, von der wir ausgehen, dass sie von der Originalausgabe stammt, die Max Seltmann mit der Schreibmaschine noch selbst geschrieben hat.  Inzwischen sind die Originale schon so oft kopiert worden, dass sie stellenweise nicht mehr zu lesen sind und handschriftlich ausgebessert wurden. Auf Anregung eines Lorber-Freundes aus der Schweiz habe ich mich bereit erklärt, die insgesamt vier Bände der „Erlebnisse mit Jakobus“  neu zu schreiben.  

Um den Text flüssiger und leichter lesbar zu gestalten, habe ich folgende Änderungen vorgenommen:

·        alle Wörter, die s p e r r i g, unterstrichen oder in GROSSBUCHSTABEN  geschrieben wurden, habe ich in normalem Schriftfluss geschrieben,

·        die wörtlichen Reden wurden in „ Anführungszeichen“ gesetzt,

·        Erlebnisse in der Geisterwelt /Träume sind in kursiv,

·        die persönliche Ansprache des Herrn wurde in kursiv  fett geschrieben,

·        einzelne Sätze habe ich in sinnvolle Abschnitte zusammengefasst.

Am Originaltext  wurden keine Veränderungen vorgenommen, so dass Sie die Sprache Seltmanns unverändert erleben können. 

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen der „Erlebnissen mit Jakobus“ auf seiner Pilgerreise zu König Abgarus nach Edessa.

 

I.      Wahlster

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1 Personenbeschreibung

 

Jesus , Der Herr -  Jakobus, Jünger und Apostel, - Maria, Mutter Jesus

Mauritius - Herbergswirt

Kamillo und Antonio - zwei römische Soldaten

Baltasar - ein alter Grieche

Hendrick - ein schwerverletzter Soldat

Andree - ein Freund des Griechen

Gabriele - sein Weib

Arminius - beider Sohn, ist schwachsinnig

Kaspar - ein Herbergswirt

Vera - seine Frau

Andree und Krischan - ihre Söhne

Salome - ihre Tochter

Iwan - ein Taubstummer

Herminius - sein Vater

Horem - Herbergswirt, zuvor jüdischer Priester

Ilonka 

Rake - ihre Mutter

Veit - ein Todgeweihter

Darius - ein römischer Kommissar

Fabian  - sein Begleiter

Levi  - ein jüdischer Händler

Arnaut - ein Teppich- und Menschenhändler

Ludmilla - eine Gefangene

Amalie - Magd in der Herberge

Amelia - ihre kranke Mutter

Obeth - ein Jesu -freundlicher Händler

Arius - ein Heidenpriester

Wurka - eine betagte Mutter, holt alle Aussätzigen

Danilos  - ein römischer Kaufmann

Barabäus - ein Grieche

Anuschka - eine Schwerkranke

Miriga - ihre Tochter

Semja - Mirigas Vater

Stani - Mirigas Mann

Adonis - ein Heidenpriester

Schaba  - ein Kranker

Petro - ein Herbergswirt

Sabine - seine Tochter

Achmet - der Händler

Armino  - ein Händler

Laurenzius  - kaiserlicher Amtsverwalter

Benediktus - ein gefallener Heidenpriester

Kasimir und Oron  - zwei Heidenpriester im Jenseits

Krischan  - ein Schwerkranker – seine Frau und zwei Schwestern

Bonja - ein feindlicher Heidenpriester

Die alte Mirja - und ihr Enkel, zwei Aussätzige

Claudius - ein Römer und Christ

 

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2 Jakobus Heimkehr von Edessa

Im Hause der Maria war eitel Sonnenschein, Jakobus Heimkehr stand bevor. In diesem Glück vergaßen sie sogar die nötige Vorsicht, denn die Templer umkreisten wie Aasgeier das Haus. In der frühen Stunde bekam Maria den Zuruf: Jakobus wird heute noch allen Freude bereiten. So wurden die Freunde geladen und alles zum Empfang vorbereitet. Als die Sonne sich neigte, betritt Jakobus das Haus, zur Freude aller, denn auch seine Augen leuchteten in seltenem Glanz. Maria, als erste, umarmte ihn und spricht: „Deine Freude ist auch unsere Freude. Im Geiste standen wir dir immer helfend zur Seite. Wir hatten immer Freude, wenn der Meister in Seiner Liebe und Gnade uns erleben ließ - deine Freude und Glück“.

Er musste sich viel gefallen lassen, dann aber sagte er: „Ihr alle seid ganz anders geworden in diesen zwei Jahren, so seid ihr doch früher nicht gewesen“. Spricht Maria: „Mein Jakobus, diese Zeit, in der wir heute leben, hat uns in dieser Liebe freudiger und freier gemacht. Siehe, wir mussten viel lernen, obwohl die Liebe wunderbares schuf. Wir waren gewohnt, immer Liebe zu nehmen, der Meister hat uns verwöhnt. Jetzt aber, im Ernst der Zeit, möchten wir nur immer Liebe geben, damit in keiner Weise das Werk des Herrn Abbruch leidet.“ „Wo sind die Brüder“, fragt Jakobus, „ich sehne mich nach ihnen, möchte in ihren Augen den Glanz der Freude nicht vermissen, den ich in vielen Brüdern erschaute“. –

„Die Brüder sind noch in ihrem Dienst. Erst wenn es dunkel ist, kommen sie, da die Gefahr eine zu große ist, denn die  Templer sind unsere Feinde“. - „Gewesen, Maria. Wir haben nur einen einzigen Feind, es ist unsere eigene Angst und Furcht und damit hat es ein Ende. Sie alle neiden uns um unserer Freude willen und können nicht verstehen, dass wir Auserwählte sind für das ewige Werk, um dessentwillen Er Selbst unter uns lebte. Es war eine herrliche Zeit, Maria und doch brachte sie uns innerliche Sorgen, Angst und Leid, weil wir Ihn nicht erfassen konnten nach Seinem Liebewollen. Wie aber hat Sein Geist uns belebt, und, Maria, was dürfen wir den anderen sein? . Was wir sind, sind wir aus Ihm, darum gibt es kein Verstecken und Verbergen mehr! - Er ist unser Schutz und Schirm!“

„Jakobus, ich verstehe dich voll und ganz. Aber was leide ich, so man den einen oder anderen in das Gefängnis wirft, gewöhnlich ist es ihr Untergang.“ - „Es ist nicht dein, sondern des Herrn Leid, - wie kann es sich anders offenbaren, als nur in denen, die Ihm ganz gehören! Wie gerne würde Er alles verhindern, wenn nicht Größeres auf dem Spiele stände. Darum nicht kleiner werden, sondern größer, denn es geht ja um das Heil aller.“ Die Brüder und viele neue Freunde kommen. Leider fehlten auch einige, die dem Feind zum Opfer fielen, aber die Freude war groß, als sie ihren Jakob in alter Gesundheit und Frische  begrüßten. Andreas, der Ruhige und Stille, sagte: „ Bruder, deine Freude kann nicht größer denn die unsrige sein. Deinem Aussehen nach muss es dir gut gegangen sein, und nach dem Glanz deiner Augen musst du Herrliches hinter dir haben.“ –

„Du hast recht gesagt, nur kann man es nicht so recht in Worte kleiden, aber seid versichert, der Herr und Meister war immer mit mir“. Nach dem Abendmahle, welches wie immer in aller Stille und in gewohnter Weise verlief, schilderte Jakobus seine Erlebnisse. Er erzählte: „Ihr wisst um meine Berufung nach Edessa. Wie gerne folgte ich dem Ruf des Meisters. Was aber kein Mensch ahnte, wurde mir. In Tyrus blieb ich bei den Brüdern. Es waren erbauliche Stunden, wo wir so recht aus der Herrlichkeit Gottes belebt wurden. Ein Schiff des römischen Dimetrius, welches nach Cilicien fuhr, nahm mich mit und landete in Issus, einem schönen kleinen Hafenstädtchen, wo man mich zu Freunden brachte.

Es ist nicht nötig, alle Einzelheiten zu erzählen, aber dort erlebte ich die erste Krankenheilung. Ein Weib lag schwer an Gicht danieder, Schmerzen hatten ihre Glieder gelähmt, die Hände gekrümmt. Dieses Weib sagte unter Tränen: „Ja, ihr Menschen in Judäa habt es gut gehabt, es gab ja keinen Kranken, den euer Heiland und Meister nicht geheilt hätte. Aber wir hier in Cilicien hofften und hofften - aber kein Heiland kam, sondern größere Schmerzen und größere Sehnsucht nach Erlösung vom Übel“. Ich verstand dieses Weib. Da wurde mein Inneres froh, denn der Meister sagte: - „Nun ist auch deine Stunde gekommen, Ich und du sind Eins. Handle nach deiner Liebe, denn deine Liebe ist ja Mein Leben in dir. Alles, was du in dieser Liebe tust, wird sein, als hätte Ich es getan“. Eine Glut wurde in mir angefacht. Ich ergriff die kranken Hände, strich darüber und sagte:

„Weib, so du nur glauben könntest, dass der Heiland, der gestorben und wieder vom Tode lebendig wurde, auch dich noch heilen könnte, würdest du alle Sehnsucht in dir gestillt finden.“ Da sagte sie unter Zittern und Tränen: „Wenn Er im Tode wieder lebendig wurde, dann kann Er mich gesund machen, dies ist meine Zuversicht.“ Da wurden ihre Hände wieder gerade, ihr Aussehen änderte sich im Nu, kerzengerade stand sie vor mir und sagte: „Ja, Herr, Du lebst, Deine Kraft ist die selbe, Du hast mich gesund gemacht, nie werde ich Dir den gebührenden Dank schuldig bleiben. Meine Hände sollen sich nur noch rühren für Dich, meine Liebe aber wird alles tun, was mich Deine Liebe heißen wird.“ Da konnte ich sagen:

„Sehet, welche Gnade der Herr auch heute noch walten lässt, überall, wo Seine Liebe erwidert wird, wird Seine Kraft offenbar. Darum vergesset das Denken und Dienen nicht, wie der Herr und Meister uns auch immer dient.“ Dieses Geschehen brachte Freude, Aufregung und auch Verdruss. Wie auf der einen Seite das größte Verlangen lebendig wurde nach Beweisen des lebendigen Gottes, so wurde von Seiten der Priester der Hass größer. Aus der einen Krankenheilung wurden Hunderte, der Ruf eilte vorwärts. Kam ich in ein Dorf oder einen Flecken, wurde ich freudig begrüßt und bewillkommnet und um Krankenheilungen gebeten, die auch in allen Fällen erfolgte. So sagte ich zum Meister: „Mein Jesus, wenn ich überall so aufgehalten werde, wie soll ich nach Edessa kommen?“ Da sprach der Herr: „Mein Jakob, sorge dich um alles dessen nicht, denn du weißt um alle Kraft und Herrlichkeit. Handle nur nach dem Zug deiner Liebe in dir, alle Wege wirst du geebnet finden.“

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3 Bei Mauritius

Es war auch so. Kaum hatte ich mich dem Gedanken hingegeben, an kein Ziel mehr zu denken, sondern nur die Einsprache des Meisters zu beachten, wurde auf wunderbare Weise Hilfe, denn der Weg nach Mesopotamien war weit. In einer Herberge war wiederum die Gnade des Herrn lebendig geworden. Der Wirt, da ich noch in jüdischer Kleidung ging, hatte mich ungern als Gast aufgenommen. Da ich aber sagte: „Nicht das Gewand, sondern die Gesinnung adeln den Menschen“, sagte er: „Junger Mann, schlage keine solchen Töne an, denn einem Juden ist kein Wort zu glauben. Wer solche Verbrechen, wie in Jerusalem geschehen sein soll, noch als Gott-gewollt hinstellt, ist nicht wert, dass man ihnen Labung und Quartier gibt.“ –

„Du magst recht haben, Mauritius, aber man darf nicht alle in einen Topf werfen, denn ich bin gerade einer von denen, der am meisten unter diesen Verbrechen litt, denn Jesus von Nazareth war mein Bruder und dann unser Meister.“ „Mann, wenn du die Wahrheit sprichst, dann kannst du so lange du willst mein Gast sein, denn alles, was ich bisher hörte, war nur Gerede. Was liegt mir an den Reden, sehen und erleben möchte ich es, damit aller Zweifel, alles Suchen und Forschen endlich aufhört.“ „Mauritius, wenn dein Sehnen und Verlangen wahrhaftig aus dem Herzen kommt, dann sollst du die ganze Wahrheit erfahren. Aber wie viele sind voller Neugier, wenn aber die Lehre in die Tat umgesetzt werden soll, versagen sie“. - „Was verlangt Jesus von Nazareth?“, entgegnete Mauritius. - „Nichts weiter, als den vollen Glauben an Ihn und Seine Lehre, die in wenigen Worten eingefasst ist: Liebe deinen Nächsten nach all deinen Kräften und gebe nur allein dem wahren Gott die Ehre“.

Erwiderte Mauritius: „Gut gesagt, junger Mann, nur einen Haken hat die ganze Geschichte. Fast jeder sein wollende Priester, sei er Jude, Grieche oder Römer, behauptet dasselbe und jeder hat einen anderen Gott, an den man glauben soll“. Es traten zwei römische Soldaten in das große Gastzimmer und fragten, ob sie mit ihren Leuten und Pferden Quartier bekommen könnten. Der Wirt bejahte mit sichtlicher Freude. Darum wurde unsere Unterhaltung beendet, denn er wollte wissen, wie viel ihrer waren und was ihre Wünsche wären. Erst war es mir unangenehm, aber wie ich die kraftvollen Männer ansehe, zog wieder eine warme Welle über mein Herz, die mich ganz frei machte. Als die beiden ihre Wünsche dem Wirt mitgeteilt hatten, brachte dieser einen Krug Wein und drei Becher, Brot und Salz und sagte: „Stärket euch zuvor, denn bis zum Mahle wird eine geraume Zeit vergehen, ihr werdet zufrieden sein“.

Der Wirt winkte mir auch zu. So setzten sich die beiden an meinen Tisch und ohne viel zu fragen, schenkten sie sich ein und stillten ihren Durst. Ich aber nahm das Brot, zerbrach es und legte jedem einen Teil hin und sagte: „Lasset es euch gut schmecken, auch ich habe Hunger und Durst auf dem Wege nach hier bekommen“. Sagte der Eine: „Wo kommst du her und wohin geht dein Weg, denn du bist ja ein Jude“. - „Du hast recht“ - erwiderte ich - „mein Ziel ist Edessa in Mesopotamien, bis Issus hatte ich ein Schiff und jetzt bin ich hier“. Wir aßen gemeinsam unser Brot. Es kamen noch andere Soldaten herein, holten sichAnweisungen, sie gingen und andere kamen, da wurde nichts mehr gesprochen. Mich aber interessierte die Art, wie die beiden ihre Soldaten behandelten. Es kam die Wirtin und zwei Töchter mit Geschirr und richteten die Tische. Die Wirtin begrüßte uns mit freundlichen Worten, die Töchter dagegen nahmen gar keine Notiz von uns. Es dauerte keine Stunde, so war die ganze Schar im Gastzimmer an den Tischen, wir aber blieben an unserem Tisch.

Nach kurzer Zeit war auch das Essen auf dem Tisch. So segnete ich alle und das einfache Mal, da fragte der Eine: „Warum bist du so andächtig, ehe du zu essen anfängst, dies habe ich bei anderen Juden noch nie beobachtet“. - „Es ist mir Bedürfnis, jede Speise zu segnen“ - erwiderte ich - „es ist der Dank für die Gabe und die Bitte, dass es allen zur Kraft gereiche.“ „So hast du auch meine Speise gesegnet?“ fragte der Eine. Ich antwortete: „Ja, ein Segen kann nur Wirkung haben, so niemand ausgeschlossen wird“. - „So möchte ich dir danken, du gehörst wahrscheinlich zu der Sekte der Nazarener, doch nun lasst uns essen“. Es wurde mir zu laut, die vielen Menschen, doch ich blieb, obwohl ich gerne die Ruhe aufgesucht hätte. Nach dem Essen spricht der Römer: „Ich liebe den geraden Weg, ich bin Kamillo und dieser ist Antonio. Du gabst mir keine Antwort, als ich die Bemerkung machte, du gehörst zur Sekte der Nazarener“. - „Du hast recht gesagt, nur gehöre ich nicht zur Sekte der Nazarener, sondern ich bin einer. Jesus von Nazareth war mein Bruder, mein Meister, jetzt aber mein Gott und Herr, in dessen Diensten ich stehe.

Mein Name ist Jakobus, wir wohnten bis jetzt in Nazareth“. Erwiderte Kamillo: „Es ist mir versagt geblieben, nach Judäa zu kommen. Viel, sehr viel hörte ich von Jesus, dem Wundermann, aber auf Gehörtes gebe ich wenig, denn so man an der Quelle nach der Wahrheit forscht, bleibt gewöhnlich nicht mehr viel übrig“. - „ Du magst recht haben, Kamillo, aber trotzdem versichere ich dir, dass du viel zu wenig gehört hast. Aber unser Meister gibt dir auch jetzt noch Gelegenheit, Ihn zu suchen und zu prüfen, ob, nach allem deinem Gehörten, Glauben zu schenken ist“. - „Ich zweifle, mein Freund Jakobus, mit Toten ist schlecht von Lebensauffassungen zu reden. Dein Meister gehört zu den Toten und ein lebendig geworden sein geht über meine Begriffe“. - „Für dich ja, Kamillo, aber für mich und die vielen Tausende nicht, weil sie alle Ihn sahen, mit Ihm redeten und Er dann uns, Seinen Jüngern, Seinen Geist, Seine Kraft gab, zu denen ich gehöre.“

Da sagte Kamillo: „Jakobus, wenn du im Ernst diese weittragenden Worte zu uns sprichst, dann bist du auch verpflichtet, den Beweis zu erbringen. Ich als Römer habe andere Ehr- und Wahrheitsbegriffe als ihr Juden. Ich will dich durchaus nicht beleidigen, aber es ist einmal so“. - „Ich wäre ein schlechter Jünger, so ich noch beleidigt werden könnte. Ich würde obendrein meinem Meister einen schlechten Dienst erweisen“ - antwortete ich - „um aber den Beweis zu erlangen, brauchst du niemand weiter, als dich selbst“. - „Inwiefern?“, fragte der Römer. Da sagte ich: „Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerem Gepränge oder großen Zeremonien, sondern es ist inwendig in dir. Sobald du dir bewusst bist, dass du nur einen kleinen Funken jenes großen gewaltigen Gottesgeistes, der alles ins Dasein stellte, in dir trägst, muss auch eine Verbindung möglich sein mit dem Ur- oder Gottgeist. Wenn ich behaupte:

Er gab uns Seinen Geist und Seine Kraft, so ist dieses nicht eine Redensart oder ein Schlagwort, sondern reine Wahrheit! Würde ich dir und euch allen erzählen, was wir erlebten, ihr würdet es kaum glauben. Aber um dir zu beweisen Gottes Kraft und Herrlichkeit, bitte ich dich um etwas Vernünftiges, was ich dir aus Seiner Kraft und Macht tun soll“. Entgegnete Kamillo: „Ich wüsste nicht, um was ich dich bitten soll. Höchstens darum, dass der Wein im Becher nicht so schnell alle wird“. Da sagte ich: „Dann trinke so viel du willst, dein Becher wird heute nicht mehr leer werden, obendrein soll der Wein noch viel besser sein. Doch bitte ich dich, halte Maß, denn du hast heute noch große Unannehmlichkeiten“. Kamillo trank, der Becher wurde nicht leer. Er gab Antonio, er gab dem Wirt, der hinzugetreten war, sie lobten den Wein, aber der Becher blieb voll. Spricht Mauritius, der Wirt: „Junger Mann, verzeihe mir, weil ich dir die gebührende Achtung nicht entgegen brachte. Ich bin überzeugt, du bist der Mann, der mir volle Wahrheit bringt und alle meine Zweifel zunichte macht. Darum bitte ich dich, bleibe so lange du willst mein Gast, es soll dir nichts abgehen“. - „Nicht länger als nötig, Mauritius, denn der Herr und Meister bestimmt mein Tun, Sein Wille ist auch der meine“.

Die anderen Soldaten waren aufmerksam geworden. Sie interessierte der Wein, der nicht alle wurde. Sie fragten, ob sie auch davon trinken könnten. Kamillo bejahte mit einem Blick auf mich. Sie waren einfach rein weg und schauten mich an, was ich sagen würde, wenn der Becher leer würde, aber er wurde nicht leer, sondern blieb voll. Wie ein Wunder betrachteten sie den Becher. Als sie aber alle getrunken hatten, sagte Kamillo: „Lieber Freund, nimm das Wunder von dem Becher zurück, sonst sind alle tüchtig betrunken, denn solchen Wein bekommt man nicht alle Tage. Es bedarf keines weiteren Beweises mehr, du bist wahrhaftig voll der Kraft von deinem Meister. Aber wenn ich dich bitten würde, möchtest du uns nicht etwas erzählen, wer war und was wollte dein Meister und warum dieser traurige Tod? Nach all dem Gehörten war Jesus ein Großer, wie noch keiner auf Erden. Sein Tod aber hat allen große Enttäuschung gebracht“. Ich aber sagte: „Kamillo und ihr alle, denkt nicht, dass ich euch gewinnen möchte zu einem Jünger Jesu, o nein, sondern zeugen will ich von Ihm, der unser aller Heiland, Freund und Bruder ist.

Sein Leben glich dem unsrigen, Seine Bedürfnisse waren auch die selben wie die unseren. Bei meinem Vater lernte Er den Zimmermannsberuf, nur mit dem Unterschied, dass niemand eine solche Arbeit leisten konnte, wie Er! Was uns nicht gelang, brachte Er fertig! Als Kind versprach Er, Großes zu werden, aber ab Seinem 12. Jahre glich Er einem jeden Kinde. Als Er älter wurde und ein Jüngling war, ging die Not mit Ihm los. Er ging Seine eigenen Wege, Seine Reden waren kurz, aber Sein Wesen war immer liebreich. Wir aber verstanden Ihn nicht und nannten Ihn einen Sonderling. O, waren dieses schlimme Zeiten. Es schien, als wollte aller Friede von meines Vaters Hause weichen. Da sagte Er einmal zu Maria, Seiner Mutter: - Weib, wie lange willst du noch Gott betrüben, oder sollte Gott Seinen Heilsplan ändern, damit ihr euren Frieden habt? Nicht einen Zoll darf Ich  von dem Mir vorgezeigten Weg abirren!“

Unter Tränen sagte Maria: „Aber Jesus, zu allen bist du gut. Deine Augen leuchten allen entgegen, nur zu uns bist du hart, ja grausam. Bedenke, der alte greise Joseph sehnt sich nach Ruhe und Frieden, und du wirst immer unverständlicher“. Da sagte Jesus: „Es ist bitter für Meinen VATER, weil ihr alles vergessen habt, was Er euch allen offenbarte! Noch keinem Menschen wurde so viel Kunde als gerade euch, und nun verlangt ihr, Ich solle Mir untreu werden?! Lieber gehe Ich zu den wilden Tieren im Walde und suche dort in Mir zu einen, was das Leben ist und bleiben wird ewig!“ Er tat es auch, und tagelang mied Er das Elternhaus. Kam Er aber wieder zurück, sah man Ihm die Spuren Seines inneren Kampfes an“. Da fragte Kamillo: „Welche Kämpfe hatte denn Jesus zu bestehen, es fängt an, mich zu interessieren, denn meines Wissens hat noch kein Jude sich großen Zwang auferlegt?“.

Antwortete ich: „Sein Kampf war nur ein innerer, Er prüfte alles auf das Genaueste, was in Ihm lebte und schied aus oder veredelte, was sich in Ihm nicht ganz mit dem Gottesmenschen deckte, welches Ihm Sein eigener Geist offenbarte. So läuterte Er Seine Seele bis Er ein ganz Vollendeter war und Sein eigener Geist mit dem ewigen Gottgeist Eins wurde. Menschlicherseits ist es ein Geheimnis geblieben, aber jetzt, wo ich zeugen darf von Seinem Wesen, von Seiner Kraft und Macht, ist es mir so natürlich, als wenn nicht ich, sondern Er in mir lebt und in allen Dingen nur Er die Erfüllung ist“. „Ich kann euch gut verstehen“ - spricht Kamillo - „dass ihr mit Ihm nicht ganz so gehen konntet, da ich auch mit dir nicht ganz gehen kann, trotz der Beweise deiner in dir wirkenden Kraft. Mir wäre es etwas Unnatürliches, so nicht ich selbst, sondern ein anderer das Bestimmende und Ausführende wäre. Auch ich bin ein Diener meines Kaisers, aber ausführen tue ich selbst die mir gegebenen Befehle“. „Du hast recht, aber es ist ein Unterschied.

Du bist und bleibst der Diener deines Kaisers und wirst demgemäss auch gelohnt. Wir tun es ohne Anrecht auf Lohn oder Dank, sondern aus dem Drängen des eigenen Geistes heraus, der alles Unerlöste, sei es in uns oder bei anderen, in ein freies Dasein überführen möchte, um alle, alle Menschen auf eine höhere Lebensstufe zu stellen, die ihnen immer größere Freude, größeren Frieden und größeres Lebensbewusstsein gibt! Dieses erlebten wir an Jesus und erleben es auch an uns. In diesem Lebensbewusstsein kenne ich keine Krankheit, keine Sorgen, kein Leid, da ja unsere erdgebundene Seele vom Geist alles Lebens getragen wird. Es ist dem Herrn und Meister gelungen, Ihm war alles untertan, ob Elemente oder andere Kräfte, sogar der Tod musste seine Beute heraus geben. Er war und ist unser Erlöser bis in alle Ewigkeit und wird auch allen Erlöser werden, die an Ihn glauben und Seine Lehre annehmen, die in nichts anderem besteht, als nur die Liebe zum Nächsten zum Lebensprinzip zu machen“. Spricht Kamillo:

„Jakobus, deine Darstellung ist gut, aber wer könnte dir folgen, die Liebe zum Nächsten soll wahres Lebensprinzip sein, es hieße ja, aus dem Löwen ein Lamm zu machen“. Jakobus: „Menschlicherseits sieht es so aus, Kamillo, aber sagte ich nicht, dass Er uns Seinen Geist und Seine Kraft gab, ohne Ihn vermag ich nichts, mit Ihm aber alles. Dass dieses aber nicht mit einem mal geschehen kann, sagt uns schon der eigene Verstand. Es gehört schon ein Wollen dazu, wie auch du deinen Willen anwenden musst, um die dir übertragenen Befehle auszuführen“. Spricht Kamillo: „Jakobus, jetzt verstehe ich dich vollkommen, aber Jesus nicht. Wenn Er der Erlöser ist, wenn Er sich alle Kraft und Macht zu Eigen machte, warum rottete Er nicht alles Böse, alles das, was sich Seinem Lebensbewusstsein feindlich gegenüberstellte, aus? Nur so wird mein Sieg über meine Feinde, wenn ich alles feindliche vernichte“.

Jakobus: „So spricht nur ein Soldat, der mit dem Schwert umzugehen weiß, aber Jesus war Mensch, alle Menschen aber betrachtete Er als Brüder. Ihnen allen die Menschenwürde wieder zu bringen, war Sein höchstes Ziel! Nicht vernichten, sondern neu beleben, die Wurzel allen Übels in eine Wurzel des Lebens zu veredeln, war Sein heiligstes Bestreben. Und in diesem folgen wir Ihm gerne nach, da Seine Beihilfe ja die größte Gnade ist“. Spricht Mauritius: „Ich habe das allergrößte Interesse an diesem Menschen. Sage mir, wie sahet ihr Ihn, als Er von den Toten wieder lebendig wurde, denn drei Tage im Grabe gehen doch nicht spurlos an einem vorüber“. „Liebe Freunde“ - erwiderte ich - „eure Frage ist berechtigt, doch in dieser sehe ich noch eure falsche Vorstellung von unserem Meister und Heiland Jesus! Die Kreuzigung und Sein Sterben - und ich war Zeuge dessen - haben Ihn arg mitgenommen, wie jeden anderen Menschen.

Uns, seinen Jüngern, war alles so unfassbar, dass wir selber trostbedürftig waren, obwohl Er manches mal Andeutungen Seines Sterbens und Auferstehung machte. Ich war nicht einer von den Esten, die Ihn sahen. Wir waren voller Angst und Zweifel, bis endlich Er selbst in unserer Mitte erschien. Sein Körper war genau so gediegen wie früher, die Nägelmahle waren sichtbar, und doch verschwand Er vor unseren Augen, wie Er gekommen war!“ Spricht Kamillo: „Dieses ist ja wie in einem Märchen. Einem natürlichen Menschen ist das alles unglaubhaft, da möchtest du schon eine Erklärung geben“. - „Gern“, erwiderte ich „Jesus ist nicht verwest, wie ein anderer Leichnam, sondern Sein in Ihm wohnender Geist, der ja nichts anderes wie Gott Selbst war, vergeistigte Seine Seele und den Leib, so dass Er nicht Seinem Fleischleibe, sondern ganz als Geist unter uns erscheinen konnte.

Der Gottgeist in Seiner Schöpfermacht schuf sich einen materiellen Leib, so Er ihn für uns brauchte, und löste denselben wieder in seine Urstoffe auf, wenn sein Zweck erfüllt war. Überall, wo Er erschien, sichtbar unter Vielen weilte, heilte Er die gebrochenen Herzen und machte sie  fähig, dass sie sich ganz in Seinem Willen bewegten“. Dann fragte Kamillo: „Hat der lebendig gewordene Jesus auch Kranke geheilt und Tote lebendig gemacht?“ Da musste ich antworten: „Nein, denn all diese Kraft hat Er ja uns übergeben, wenn wir in Seinem Namen den heiligen Vater bitten“. Spricht Kamillo: „Jakobus, ich glaube dir jedes Wort, aber mein Verstand wehrt sich dagegen, jedenfalls ist mir Jesus das Unbegreiflichste in meinem Leben“. - „Mir weniger“ – erwiderte Mauritius - „wie viele kehrten hier ein und erzählten Dinge, die mir unbegreiflich waren. Aber Römer, verständige Männer, schilderten es derartig wahrheitsgetreu, dass ich glauben musste. War ich wieder allein, kam der Zweifel. Neue Dinge erfuhren wir - so lebte ich zwischen Zweifel und Neugier. Dann kam die Kunde Seiner Kreuzigung und Auferstehung - und ich war ein geschlagener Mann. Ich hätte so gerne geglaubt, aber ich konnte nicht, kam über das „Warum“ nicht hinaus und lebte dann zwischen Hoffnung und Zweifel. Du, junger Mann, hast recht getan, uns Seine Macht zu beweisen, darum danke ich dir mit vollem Herzen. Alles andere wirst du, als Jünger und Zeuge des Herrn, wohl noch geben können“.

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4 Kamillo - Antonio – Baltasar

Die Soldaten gingen zu ihren Pferden: es war eine Unterbrechung gekommen. Auch kamen wieder neue Gäste, sodass der Wirt sich von uns trennte. Wir unterhielten uns über das Gesprochene, dann kam ein Soldat und bat Kamillo, mit hinaus zu kommen, ein Unglück sei geschehen. Eilends ging er hinaus, so war ich mit Antonio allein. Dieser sagte: „Ich habe dich gut verstanden, aber da nun Jesus nicht mehr ist, wird es schwer zu  beweisen sein, dass Seine Jünger auch wirklich in Seinem Geiste die Lehre verbreiten. Was versuchen nicht eure Priester mit ihrem Jehova. Ihr Tun spricht Jehovas Gesetzen Hohn, aber sie sind eben Priester und das Volk hat eben zu glauben. Hier in Cilicien, überhaupt in Asien, herrscht völliges Heidentum und wird beherrscht von gar schlauen Priestern. Juden wirst du auch antreffen, aber von einer neuen Lehre werden sie nicht viel wissen wollen, da ja ihre Lehre ihnen ein ganz nettes Einkommen und Ansehen gibt.

In den größeren Handelsstädten ist ja auch die Kunde des Heilandes durchgedrungen, kommst du aber mehr nördlich, hört dieses auf. Wir Römer haben Anweisungen, den Ausbreitern der neuen Lehre keine Schwierigkeiten zu machen! Wie aber wollen wir feststellen, dass es auch die rechte Jesuslehre ist? Ich bin ganz dafür, dass die Menschen in ihrem finsteren Aberglauben das rechte Licht bekommen, aber was nützt alles gute Licht, wenn die Leuchter nichts taugen?! Auf Wunderwerke lege ich wenig Wert, meistens ist es Blendwerk. Ich liebe die Wahrheit. Bei einem Künder der ewigen Wahrheit möchte ein jedes Wort ein Strahl von Wahrheit sein! Siehe, ich kenne euren Moses wie auch die Propheten. Es ist alles gut, aber wie stehen die Priester da? Wenn es nach mir ginge, wären sie alle ausgerottet, auch die wenigen Guten. Darum bin ich sehr kritisch, auch mit den Kündern der neuen Lehre.“ „Du bist im Recht Antonio, denn wären diese Zustände nicht, brauchte Gott Seinen Sohn nicht auf diese Erde zu den Menschen, die keine Menschen mehr sind, zu senden.

Aber bedenke, wenn kein Erlöser, kein Retter gekommen wäre, könntest du dir vorstellen, was aus der Menschheit werden würde? Es wird trotz dem Kommen des Menschen- und Gottessohnes, trotz Seines Todes und Auferstehung, die Seine überherrliche Lehre besiegelte, noch überaus schlimm werden, von deren Zuständen wir uns nichts vorstellen könnten.“ -“Wieso, Freund Jakobus, sind unsere Gesetze nicht aus der Gerechtigkeit hervorgegangen?“ „Wohl ist es so, aber in einem hat sich der Gesetzgeber geirrt: dass sich alles Falsche und Böse nicht mit den härtesten Strafen ausrotten lässt und dass die Saat des Falschen und Bösen hundertmal  besser aufgeht, als die Saat des Guten und Wahren. Wenn du den Menschen durchblicken könntest, wäre dein Verlangen nach einem Erlöser größer, als nach guten Gesetzen“.

Spricht Antonio: „Jakobus, was siehst du in mir, weil ich nach deinem Ausspruch einen Erlöser brauche?“ Da sagte ich: „Antonio, deine Ehre, dein Wahrheits- und Gerechtigkeitssinn ist härter wie Stein, was wir, und vor allem der Meister als Liebe bezeichnen, betrachtest du als Schwäche. Du hast noch kein Weib gebraucht, du glaubtest es sei Erniedrigung und es vereinbart sich nicht mit deinen Ehr- und Wahrheitsbegriffen. In Wahrheit ist es aber Eigenliebe, die nahe an Hochmut grenzt. Errege dich nicht, Antonio, denn einmal muss es doch gesagt werden, da du es doch von selbst nicht finden wirst. Wie wahr ich aber gesprochen habe, soll beweisen, dass ich dir noch sage, dein Pferd hat einen deiner Leute schwer verletzt, man kommt, um dich zu holen“. Ehe Antonio etwas erwidern konnte, tritt ein Soldat ein und bittet Antonio zu Kamillo, ein Unglück sei geschehen. Antonio steht schnell auf und folgt dem Soldaten. Die Gäste aber hatten unsere Unterhaltung gehört und fragten mich, wie ich das wissen könnte, da ich das Zimmer doch nicht verlassen habe. Da sagte ich: „ Liebe Männer, es ist nichts besonderes, da mir der Geist Gottes, von dem ihr nichts wisset, es mir offenbarte. Eure Götter können euch leider keine Offenbarungen geben, da sie ohne Leben sind. Ich als Zeuge des ewigen und lebendigen Gottes kann und darf es euch sagen, weil ich auch die Beweise nicht schuldig bleibe“.

Spricht einer, ein alter Grieche: „Auf die Beweise wäre ich aber neugierig, denn bis jetzt hat noch niemand gewagt, unseren Göttern das Leben abzusprechen.“ „Ja, dieses stimmt, einesteils aus Furcht und anderenteils, weil niemand etwas besseres und lebendigeres hat“, erwiderte ich. „Wir aber, die wir Zeugen sind von der Menschwerdung des lebendigen Gottes, dürfen aus dem Reichtum des ewigen Gotteslebens doch anders reden, als eure Priester, weil wir mit dem ewig wahren Leben doch verbunden sind - in unserem Inneren!“ Erwiderte der Grieche: „Junger Mann, sei nicht so selbstbewusst, denn meistens hält die Prüfung nicht stand. Worte sind immer billig, aber auf den Erfolg kommt es an. Mir liegt nichts an den Worten oder an einer neuen Lehre, sondern an dem Beweis, ob meine oder deine Götter leben“. Sage ich: „Nur einen Gott kennen wir, Jehova Zebaoth ist Sein Name. Sichtbar aber ist Er allen Geschaffenen und fühlbar im eigenen Herzen, wer aber ganz in den von Ihm geoffenbarten Willen eingeht, kann auch Seine Einsprache vernehmen“. Entgegnete der Grieche: „Mein Freund, dies sind alles nur Worte, mir liegt an Beweisen.

Kannst du den mir vor drei Tagen gehabten Traum erzählen und deuten, dann will ich gerne deinen Worten glauben“. Da sagte ich: „ Nichts leichter, als das. Du hattest am Tage viel Ärger, einer deiner Leute hatte dich belogen um eines geringen Vorteiles willen, da konntest du nicht gleich einschlafen, da du zu keinen Resultaten kamst, ob du den Mann behältst oder nicht. Endlich schliefst du ein und hattest folgenden Traum: Du gingest eine lange Straße, die rechts und links von Bäumen bewachsen war und kamst doch an kein Ziel. Lange dehnte sich der Weg, dann hörten die Bäume auf und du kamst an ein großes Feld. So weit das Auge schaute ging das Feld, aber es war unbebaut, alles war Unkraut, jedes erdenkliche Gestrüpp wucherte, dass du kaum weiter gehen konntest. Da sagtest du `Warum stehet hier kein Weizen oder Gerste?`, aber du sahest niemand und wolltest umkehren. Da stand hinter dir einer deiner Knechte und sagte: `Herr, nur um ein weniges Land von diesem Unkrautfelde bitte ich dich, es würde mir gelingen, dass ich mich loskaufen könnte`. Da sagtest du: `Nie und nimmer, ich kann keinen Herrn neben mir gebrauchen.

Zur Strafe aber sollst du ganz allein diesen Boden zu einem Weizenfelde umarbeiten`. Als du aufwachtest, hattest du den Traum vergessen, im Laufe des Tages fiel er dir wieder ein, als du den Knecht sahest. Sein scheues Wesen fiel dir sofort auf, da fragtest du ihn, ob ihm etwas fehle. Da sagte er zu dir: `Ja, Herr, ich suche eine Möglichkeit, von hier fortzukommen, ich möchte nicht immer bei dir als Knecht verbleiben, da du keine Verheirateten duldest`. Du aber sagtest ihm: `Gehe an deine Arbeit und komme mir nicht mehr mit solchen Reden`. Siehe, dies war dein Traum und seine Begebenheit, zuvor und darnach, - und was will dir dieser Traum sagen? Du bist reich, groß ist deine Welt, doch zu einem Weizenfeld hat es deine Nächstenliebe noch nicht gebracht, da du nur an dich denkst. Die Straße mit den Bäumen stellen deine erfüllten Pflichten dar, aber zum Ende bist du gefangen in deinem eigenen Unkraut. Da sich in dir das Gottesleben regt und dich bat, den Anfang zu machen zu einem Weizenfeld, lehntest du ab. Deine Liebe soll nur dir und keinem anderen dienen. Habe ich nun recht gesprochen, oder verlangst du noch andere Beweise?“ –

„Du hast recht gesprochen - erwiderte der Grieche - genau so war es. Nun verpflichtet mich mein Wort, deinem Gott zu glauben.“ - „Nein Baltasar“, sage ich , „du bist frei. Wenn du nicht ganz freiwillig aus dir selbst heraus an den lebendigen Gott glauben willst, dann lebe in deinem alten Irrtum weiter. Gott will einem jeden Menschen oder Wesen seine vollste Freiheit lassen. Es muss den Menschen selbst Bedürfnis werden, nach dem lebendigen Gott zu suchen und zu forschen!“ Erwiderte der Grieche: „Mag sein, aber wo finde ich den lebendigen Gott?“ - „In dir“, erwiderte ich, „in deinem eigenen Herzen. Die Wege zu Ihm sind Liebe zum Nächsten, Liebe zu den Armen und Verlassenen!“ Es kommen Antonio mit einigen Soldaten, die den Verunglückten tragen, der völlig bewusstlos ist. Sie legen ihn in eine Ecke, wo Decken und Teppiche rasch zu einem Lager bereitet wurden. Dann kommt Kamillo und spricht: „Holt einen Priester ehe er stirbt, dem vermag niemand mehr zu helfen“. Da stand ich auf und sagte zu Kamillo: „Kamillo, jetzt wäre für dich und die anderen Gelegenheit, die wunderbare Heilkraft des von den Toten erstandenen Heilandes Jesus zu erleben, wenn ihr wollt“.

Ganz aufgeregt erwiderte er: „Jakobus, du könntest, du wolltest diesem helfen?“ - „ Nicht ich, sondern Jesus in mir kann es, so es euer Wunsch ist, denn ohne eure Bereitwilligkeit  sind mir die Hände gebunden“. Spricht Kamillo: „Tue nach deinem Willen, Jakobus, es ist einer meiner besten Leute, er würde uns allen fehlen. Aber wenn er leben bleiben würde, würde er ein Krüppel bleiben und lebenslang große Schmerzen ausstehen müssen, er hat ja das Kreuz gebrochen“. Ohne etwas zu erwidern ging ich hin zum Leblosen, legte meine Hand auf sein blasses Gesicht, betete, bis ich in voller Harmonie mit dem Meister war und sagte laut: „Hendrick, stehe auf, mein und auch dein Heiland will, dass du lebest und gesund seiest. Dir aber, mein Jesus und mein Herr und mein Gott, danke ich für Deine Gnade, Liebe und Erbarmung, Amen“. Da erhob sich der Soldat, blickte verwundert um sich und sagte: „Was ist mit mir geschehen?

Hättet ihr mich doch lieber gelassen, wo ich war. Ein freundlicher Mann, der fast aussah, wie du - hier zeigte er auf mich - sagte: `deine Stunde ist noch nicht gekommen. Lebe, sei gesund, aber suche fürderhin Mein Leben!´“ Spricht Kamillo: „Jakobus, du machst uns zu einem Schuldner, wie könnten wir dir nur danken?“ Da sagte ich: „Mit nichts anderem, als dass ihr an den glaubet, dessen Liebe, Macht und Herrlichkeit ihr eben erlebt habt! Es ist für euch der beste Beweis: Jesus lebt und wird ewig leben und auch alle die, die an Ihn glauben, mit Ihm leben und von dem Reichtum Seiner Liebe, Gnade und Kraft erfüllt werden nach dem Maße ihres Glaubens und ihrer Liebe“. Da spricht Antonio: „Jakobus, dies ändert die ganze Situation. Wir waren Suchende, Kritische, nach Beweisen Fordernde. Jetzt sind wir Bittende, aber nicht um Beweise bittende, sondern um Licht, Klarheit und Gewissheit“.

Der Grieche ist stumm vor Bewunderung, dann aber spricht er: „Ihr Männer, hier ist mehr denn alle Priester und Altäre. Hier ist der unbekannte Gott, der ohne Worte jedem sagt: `ICH bin das Leben`. O, wer auch dieses sagen und erleben könnte: einen Todgeweihten in die vollste Gesundheit zurückversetzen, kann nur ein Gott, der wahrhaft Leben ist! O du treuer Zeuge deines Gottes, mache uns bekannt mit dem lebendigen Gott, damit wir alle toten Götter entbehren können“. Es waren der Wirt, sein Weib und seine Töchter in das große Zimmer gekommen, um dem Verunglückten eine Erleichterung zu geben. Als sie aber das große und herrliche Wunder erlebten, war es ganz aus. Jedes Wort nahmen sie auf als die höchste Himmelsspende. Als aber die Worte des Baltasar gehört waren, sagte Mauritius: „Kinder, traget alle Götter hinaus in den Hof, der gegenwärtige Gott soll ein gereinigtes Haus als Zeichen unseres Glaubens an Ihn finden! Ist schon das Weinwunder ein herrlicher Beweis Seiner Macht und Kraft, - dieses Heilwunder aber ist Liebe über Liebe! Ihr seid heute alle meine Gäste, und die Stunde, die wir noch zusammen sind, wollen wir dem lebendigen Gott weihen und als Dank darbringen. Dich aber, du Zeuge und Betreuer lebendiger Liebe bitte ich, öffne deinen Mund und sei der Mittler des wahren Gotteslebens“.

Sehet nun, an diesem Abend habe ich bis zum frühen Morgen das Leben des geliebten Meisters dargestellt und habe einen Samen gelegt, mit Hilfe des Herrn, der herrliche Frucht bringen wird“. Maria: „Jakobus, warum ist es in Jerusalem so schwer. Es ist mir, als wenn ich den Herrn so wenig verstehe, wie in der Zeit, wo wir im Hause Josephs lebten.“ - „Maria, noch oft wirst du so denken. Wann wird die Zeit kommen, wo du denken wirst, wie der Herr. Ist Sein Opfer nicht die Zusage, dass Er uns Alles sein will? - Gerade in Jerusalem, wo die Hölle und der tiefste Hass uns verfolgt, wird der Liebe höchster Lebenssieg offenbar werden. Wo noch Angst und Furcht sich einschleichen, kann der Meister uns nicht Alles sein, denn wir stellen ja nur hinaus, was wir von Ihm überkommen haben!“. Maria: „Du hast in allem recht, lieber Jakobus, es ist das Leid der anderen, das meine Seele traurig macht, obwohl mein Geist sich mit Jesus ganz eins fühlt und weiß, wir sollen recht wachen, damit wir in Seiner Liebe nichts versäumen. Gehen wir alle zur Ruhe, du aber Jakobus, segne uns heute, mir ist, als wenn unser Jesus viel herrlicher wäre!“ Jakobus tat, wie Maria geheißen. In dieser Nacht konnte der Feind die Ruhe nicht stören.

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5 Arminus und Hendrick

Begleiten wir Jakobus weiter auf seinem Wege, die Liebe will weiter schildern, was im Geiste der Liebe alles geschah. Mauritius ließ ein Gastmahl richten, trotz Sträuben des Kamillo, da der morgige Tag ein anstrengender sei, aber Mauritius sagte: „der Gott, der Todgeweihten das Leben wieder gibt, wird wohl auch Kraft geben, um alles Schwere zu überwinden. Es geht ja um den lebendigen Gott und Seinen vom Tode erstandenen Sohn. Ich könnte ja sagen, du lieber Gottesbote, bleibe einige Tage und lehre mich den lebendigen Gott erkennen. Ich tue es aber nicht, denn dieser Gott ist es wert, dass Ihn alle erkennen und so rasch wie möglich. Schade um jede Stunde, die unnötig in Zweifel, Sorge und Leid verbracht wird! Allen soll Gott gehören und der lebendige Gott soll Eigentum aller werden!“ Kamillo: „Habe Dank, lieber Hausvater, du hast mir jetzt viele Steine aus dem Wege geräumt, deine Liebe betrachte ich als Gottesliebe.“

Unter den Gästen war ein Freund des Baltasar. Dieser hatte einen kranken Sohn, der seit frühester Kindheit schwachsinnig war. Er trat hin zu Jakobus und sagte: „Du lieber Gottesbote, darf ich morgen früh mein Weib und meinen kranken Sohn, ehe du weiter reisest, einen Augenblick hierher bringen, damit auch sie die Stärkung erhalten?“ Jakobus: „Andree, warum fürchtest du dich vor Gott und bittest nicht für deinen kranken Sohn, oder vermagst du nicht den Glauben aufzubringen an den ewigen und lebendigen Gott?“ „Ich wollte zu den vielen Torheiten keine weiteren hinzu machen, denn ich bin ja der großen Wunderliebe nicht wert“. - „ Andree, jetzt hast du wieder eine Torheit begangen, indem du deinen eigenen Wert herab setzest. Denn vor Gott sind wir alle Sünder und nicht einer ist ohne Fehler, aber Gott will ja, dass allen geholfen werde. Darum sandte Er Seinen Sohn in diese Welt, auf dass alle Gott erkennen und an Ihn glauben und Ihn lieben!“ „O könnte ich, o dürfte ich?! O Gott, wie musst Du gut sein! Ich halte es nicht mehr aus, ich muss die Meinen holen!“ Rasch eilte Andree aus dem Hause.

Da sagte Baltasar: „Wenn dessen Sohn gesund wird, dann können die Priester ihre Tempel zu machen, denn Andrees Sohn ist manchmal schlimmer als ein Tier. Die Familie wird von allen bedauert.“ Mauritius brachte Wein, Kamillo sagt: „Lieber Hausvater, wird es dir nicht leid tun um deinen Keller, den du heute plünderst, denn meine Kameraden haben einen guten Zug und einen gesunden Appetit.“ - „ Es soll allen schmecken und alle sollen recht fröhlich sein, denn wir feiern das Kommen einer neuen Zeit! Wenn ich bis jetzt nicht ärmer wurde, wo ich im Unsegen stand, werde ich auch nicht weniger werden, seit ich im Segen des lebendigen Gottes stehe!“ Spricht Jakobus: „Mauritius, im Namen des lebendigen Gottes sage ich dir: Jede Liebe, die du ausübest im Geiste Seiner Liebe, wird dir wunderbaren Segen bringen, denn in diesem Geiste öffnest du dich Ihm und nimmst Ihn in dir auf. So, wie du Seine Sachen zu den deinen machst, so wird Er auch deine Sache zu den Seinen machen.“ Der Wein schmeckte allen, aber trotzdem wollten sie Jakobus hören, aber dieser sagte: „Liebe Brüder, wir wollen unserem Wirt etwas zu Händen gehen, er ist so eifrig und möchte jedes Wort mithören, darum warten wir bis nach dem Mahl.

Alles, was ich euch sagen möchte, soll ja von euch in der Ruhe eures Herzens aufgenommen werden. Die Tische werden wir zusammen stellen, so dass alles nur ein Tisch sein wird. Dann wird auch Bruder Andree mit seinem Weibe und seinem  Sohn Armino kommen.“ In kurzer Zeit war dies geschehen. Mauritius war hocherfreut. Gerade wollte er mit seinen Töchtern die Speisen bringen, als Andree erschien. „Hier bringe ich mein Weib und unser Sorgenkind und empfehle sie dir. Tue nach deiner Liebe, denn ich weiß, dem lebendigen Gott wird  es recht sein.“ „Was sagt nun dein Weib, Bruder Andree?“ - „O, warum fragst du, wo du doch längst die Antwort weißt. Ist dieser unser erstgeborener Sohn nicht die Strafe, dass sie um meinetwillen denGlauben verließ und meinen Göttern hörig ward?“ „Du irrst, Andree. Im Geheimen betete sie doch zu Jehova und dein Sohn Armino lud freiwillig dieses Kreuz auf sich, um zu gegebener Zeit den ewig wahren Gott zu verherrlichen.

Jetzt verstehst du die Sprache freilich noch nicht, aber wenn du erst den wahren ewigen Gott erkannt haben wirst, wird dein Sohn dich in allen Dingen unterrichten.“ Weinend kniet Andrees Weib vor Jakobus und spricht unter Tränen: „O du Mann Gottes! Wer hat dir verraten mein geheimes Weh, meine Reue, meine Sorgen und mein Beten? Sage es mir, damit ich unter Tränen wieder aufschauen kann zu Jehova, den ich verleugnete.“ - „Gabriele, stehe auf, Jehova Selbst kündet dir volle Verzeihung und selige Verheißung, so du wieder ganz frei dein Herz Ihm schenken willst. Aber du darfst Ihn nicht mehr verleugnen, sondern lebendig bekennen in der Liebe, denn Gott heißt Treue um Treue, Liebe um Liebe!“ Das Weib stand auf mit Tränen in den Augen und spricht: „O du heiliger Gottesmann, du nanntest mich wieder bei meinem Kindesnamen! Mir ist es Beweis genug, dass Jehova, der heilige Gott, meine Schuld gestrichen hat. O Du Heiliger Gott, gib mir einen neuen Mund und ein neues Herz, damit ich Dir danken kann mit Worten aus meinem Herzen!“ –

„Gabriele, deine Bitte ist erfüllt, wenn du des ewigen Gottes Neugebot erfüllest, es lautet: Liebet euch, wie Ich euch geliebt habe!“ Gabriele spricht: „Liebet euch, wie ich euch geliebt habe, o wie leicht machst du es Deinen Menschenkindern, Du großer Heiliger Gott. Nie mehr sollst Du bitten, liebet euch, denn meine Liebe soll werden ein Feuerbrand, dass alle schauen an mir, dass ich Dich in meinen Mitmenschen liebe. Und nun weiß ich auch, dass du Armino gesund machen wirst, wie du den armen Soldaten gesund machtest! O Andree, warum zauderst du noch und gibst nicht unserem Gott die Ehre? Fühlst du nicht den Sonnenschein Seiner Liebe? Komm, lass uns danken, weil wir nun endlich geeint einem Gott gehören.“ Andree spricht: „ Mir fehlen die Worte, doch du herrlicher Bruder, bitte Gott für uns um unseres Armino willen!“ Jakobus spricht: „Es sei, da ihr glaubet, dass Gott euren Sohn heilen kann. So bitte ich dich, o mein Jesus, Du unser aller Heiland und Erlöser, erweise Dich auch hier als der Herr über alles Leben und Gericht! Du aber, Arminus, sei fortan gesund im Namen des Herrn Jesu!“ Arminus, ein Mensch von 20 Jahren, welcher schon vom Ansehen verriet, dass er schwach im Sinnen war, hatte teilnahmslos allen Reden gelauscht.

Als aber Jakobus sagte `sei fortan gesund im Namen des Herrn Jesu ` da ging ein Ruck durch seinen Körper, seine Gestalt straffte sich, seine Augen leuchteten, und so sah er alle an mit Blicken, die das ganze Wunder verrieten. Da sagte er langsam: „Vater, Mutter, was ist geschehen mit mir, ich könnte singen und jubeln, alles ist ganz anders, alles sehe ich anders, darf ich in diesem Zustande verbleiben?“ Andree und Gabriele konnten nichts sagen, sie weinten laut vor Freude, es waren die ersten vernünftigen Worte aus ihres Sohnes Mund - sie wiesen auf Jakobus. Arminus verstand und fragte: „Bist du der Wohltäter, der von meinen Augen den Schleier und von meinem Mund die Fessel nahm, dann habe herzlichen Dank, du hast einen anderen aus mir gemacht, als ich bisher war.“ - „Arminus“, spricht Jakobus , „bald wirst du deinen Wohltäter erkennen, es ist Jesus, der wahre Sohn aus Gott! Lerne fleißig, damit du nachholest, was das Schicksal dir vorenthielt. Und bleibe Ihm getreu, nicht, weil Er dich gesund an Leib und Seele machte, sondern weil Er einlösen will Sein an dich gegebenes Versprechen!“

Bei den Römern war es aus, die Soldaten waren stumm vor Bewunderung. Baltasar aber sagte: „Es ist genug an Wundern. O Gott, lass uns Dich ganz erkennen, damit auch wir Dich lieben können!“ Mauritius aber ließ Speisen bringen, die in der Küche schon bereitet waren, und nun aßen alle vereint am Vatertische. Er sagt: „Dir zur Ehre, Du gnadenvoller Gott, und Dir zum Dank, weil Du volle Gewissheit gegeben hast über Dein Leben, Deine Macht und Herrlichkeit. Wie soll ich Dich gebührend ehren? Nimm diese Liebe, die ich Deiner Liebe zu verdanken habe, als Ausdruck meines Dankes an, und bleibe Du immer gegenwärtig, wie Du jetzt gegenwärtig bist.“ Sagte Jakobus: „Mauritius, der Meister hat deine Liebe gesegnet und lässt dir sagen: Öffne noch mehr dein Herz den Armen und Bedrängten, denn was du denselben tust, hast du Ihm getan! Und Segen über Segen wird über dein Herz gehen, dass du vollkommen selig bist schon hier und dereinst dort. Seid gesegnet in Seiner Liebe, sei gesegnet du Liebesmahl und gesegnet eure Liebe!“ Wunderbar schmeckte allen dieses Liebesmahl und die Stimmung wurde immer besser durch den guten Wein.

Nun setzte sich Hendrick zu Jakobus und sagte: „Ich bin noch ganz benommen von dem Geschehen. Sage mir doch offen, wie war eigentlich der ganze Vorgang. Ich weiß, dass ich von dem Pferde geschlagen worden bin, mir wurde schwarz vor den Augen, dann wurde es um mich Nacht. Ich hörte immer Stimmen, die mir ganz fremd waren, und doch fühlte ich mich so frei, so wohl. Ich denke, was ist denn dieses für eine Finsternis und rufe meine Kameraden, aber niemand hörte mein Rufen. Ich erhebe mich, so gut ich konnte, dann ging ich, so gut ich konnte, ein paar Schritte. Da wurde meine Hand erfasst, dann fühlte ich, wie über meine Augen gestrichen wurde und es ward hell. Ich erschaute einen schönen Garten, wo viele arbeiteten und mir zuwinkten. Da sehe ich den Mann an, freundlich lächelte er mir zu und spricht: „Deine Stunde ist noch nicht gekommen. Lebe, sei gesund, aber suche fürder Mein Leben!“ Wie soll ich dieses alles verstehen? Wer war der Mann, denn du warst es nicht. Seine Hände waren durchbohrt, aber Seine Augen waren das Köstlichste, was ich bisher gesehen!“

Aller Augen hatten sich auf Jakobus und Hendrick gerichtet, alle Unterhaltung schwieg, da sagte Jakobus: „ Siehe, mein im Herrn gewordener Bruder, du warest eingegangen in das Reich des Lichtes und der Wahrheit, der Herr brauchte dich, um zu verherrlichen Sein Werk, Sein Leben und Seine Wahrheit und Wesenheit, die ich ja bezeugte. Deine Kameraden sahen dich leiden, deine Seele löste sich von deiner Leibeshülle - und Finsternis war dein Los, bis der Herr Selbst dich heraus führte in das Reich der Gnade und des Lichtes, du konntest sehen und hören. Deine Stunde ist noch nicht gekommen, das heißt, du bist noch unreif für das Leben in jenen Sphären. Darum sollst du dir Sein Leben aneignen, was du in Seinen Augen erlebt hast. Lebe fortan ein Leben der Liebe in Seinem Geiste. So, wie du heute Seine Liebe erlebt hast, sollen alle deine Mitmenschen deine Liebe erleben. Trage Sein Bild in dir, nicht im Kopfe oder in Erinnerung, sondern im Herzen. Lasse es immer lebendiger werden, dann wirst du auch die Segnungen erleben, die heute Mauritius erlebt.“ Spricht Hendrick: „Wenn du nicht mehr verlangst, dann nimm mein Versprechen hin, es wird geschehen nach deinen Worten, weil es die Worte des Herrn sind.“

Jakobus spricht: „Leicht gibst du dein Versprechen, aber sei versichert, ohne des Herrn Hilfe ist es unmöglich, dasselbe zu halten. Darum nimm die Verheißung aus Seinem Geist: `Die Mich lieben, zu denen werde Ich kommen und werde sie erfüllen mit Kraft und Freude und werde Mich täglich mehr und mehr offenbaren, damit alle inne werden, dass Ich das Leben bin, ohne das keiner leben kann!` - So segne ich dich, der Herr und Meister Jesus sei von nun an dein Ziel! Jesus mit dir!“ Noch lange blieben die Freunde zusammen. Immer Neues wusste Jakobus zu erzählen. Ohne dass man es bemerkte, begann der neue Tag. Kamillo ordnete an, dass die Pferde gefüttert und alles für die Tagesreise hergerichtet wurde. Dann sagte er zu Jakobus: „ Wir nehmen dich auf unserer vorgeschriebenen Tour bis über das Gebirge mit. Ehe es Nacht wird, bist du ein ganz Teil deinem Ziele näher gekommen.“ So wurde es auch. Gleich nach dem Frühmahl brachen die Soldaten auf. Es war eine Weihestunde für das Haus des Mauritius, aber auch für die Soldaten. Lange noch lag Armino auf den Knien, dankend für die große, große Gnade.

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6 Bei Kaspar

Der Weg der Soldaten war beschwerlich. Jakobus, des Reitens ungewohnt, musste sich anfangs rechte Mühe geben. Dann aber siegte die Kraft des Herrn und er blieb frisch und munter. An einer Herberge setzten sie Jakobus ab, mit schweren Herzen trennten sie sich. Jakobus aber segnete, so lange er sie noch sehen konnte. Dann kam der Wirt und fragte, warum er den Soldaten so lange nach schaute, es sei doch keine Seltenheit, römische Soldaten. „Nein“, spricht Jakobus, „ aber seltene Menschen sind es, die mit einem leichten Kampf den Sieg über das Falsche und Verkehrte errungen haben.“ Spricht der Wirt: „Ich glaube, du bist ein noch viel seltenerer Mensch, denn mit diesen Worten ist bei mir noch keiner eingekehrt, aber trotzdem heiße ich dich willkommen!“ „Wirst du mich auch willkommen heißen, wenn ich mit leeren Taschen komme. Siehe, ich habe nicht einmal einen Stecken, nur ein Herz voll der heiligsten Güter!“ Spricht der Wirt: „Für dich mag es viel sein, für mich aber wenig. Aber dessen ungeachtet, sei willkommen.

Vielleicht kannst du doch etwas bringen, wonach ich mich sehne. Tritt ein!“ Jakobus tritt ein, in der geräumigen Stube war die ganze Familie beisammen, bei einem Mahl. Der Wirt sagt kurz: „Nimm Platz und nimm mit dem fürlieb, wir haben jetzt nur frische Milch und gutes Brot.“ - „Ich danke dir, Hausvater, und gerne setze ich mich an deinen Tisch, und so segne ich euch im Namen meines Gottes!“ Das Brot und die Milch waren wirklich gut, es war auch genug vorhanden. Die Mahlzeit wurde schweigsam eingenommen, dann verließen die Söhne und Töchter die Stube, nur der Wirt blieb mit seiner Frau am Tisch sitzen. Beide waren betagt, und so schauten beide erwartungsvoll Jakobus an. Er sagte: „Ihr wundert euch, dass ich euch im Namen meines Gottes segnete, diesen kennt ihr ja nicht. Wie ich sehe, besitzt ihr mehrere Götter, wie die Bildnisse in dieser Stube bezeugen.“ „Du hast recht gesehen“, spricht der Wirt, „wo sollen wir die Kunde von anderen Göttern hernehmen.

Unsere Herberge ist klein, selten kommen Fremde durch unseren kleinen Ort, wir besitzen nicht einmal einen Priester. So erinnern uns die Bilder an unsere Götter, denen wir alle Ehrfurcht entgegen bringen.“ „Du bist Kaspar, und dein Weib Vera gleicht dir in deinen Glaubensansichten, nur deine Söhne machen dir Sorgen, weil sie deinen Göttern nicht genug Ehrfurcht entgegen bringen.“ Kaspar spricht: „Wer hat dir dieses verraten? Du bist doch ein Fremdling und deinem Kleide nach ein Jude. Dann habe ich über diese meine Sorgen noch zu keinem Menschen gesprochen, als mit meinem treuen Weibe.“ Jakobus spricht. „Sagte ich nicht, dass ich ein Herz voll der heiligsten Güter habe, und eben mein Herz sagte mir dieses dein Geheimnis. Sei aber deswegen nicht ungehalten, ich könnte dir noch mehr sagen, aber du könntest es nicht fassen. Du hast gehört von dem Wundermann aus Judäa, du hieltest es für ein Gerede. Deine Söhne aber hungerten nach der Wahrheit, die allen Gerüchten noch fehlte. Hättest du deinen Söhnen Verständnis entgegen gebracht, würdest du viel reicher in der Wahrheit dastehen.“

Kaspar spricht: „Du bist nicht nur ein seltener, sondern auch ein geheimnisvoller Mensch, aber ich muss dir auch recht geben. Siehe, die wenig Fremden sind meistens Kaufleute, denen ist ihre Wahrheit die Ware. Juden kehrten selten hier ein, weil ich nicht so viel habe, um Freitische gewähren zu können.“ Jakobus spricht: „Ja, aus diesem Grunde hat man dich gemieden. Doch hoffe ich, dass es bald anders werden wird, denn ich bin ein Jünger des Wundermannes Jesus und mein Herz drängt es gewaltig, dir und den Deinen die Wahrheit über Jesus von Nazareth zu übermitteln!“ Kaspar spricht: „Du wirst einen schweren Stand haben, denn der Tod am Kreuze ist eines Wundermannes unwürdig. Wohl soll er von den Toten auferstanden sein, aber wer sollte denn dieses glauben? Du als Jude wurdest von der Lehre eures Gottes von Kindesbeinen an vertraut, eure Priester taten das ihrige. Aber besser seid ihr deswegen nicht geworden, als wir Heiden, eher schlechter. Denn wenn ich Schaden oder Verlust erlitt, so geschah es meistens nur von den Juden. Es mag als Jude für dich nicht gerade löblich klingen, aber es ist dieses auch eine Wahrheit.“

Jakobus spricht: „Jawohl, ich gebe dir ganz recht und habe noch viel mehr Schlechtes von meinen Stammesgenossen erleben müssen. Aber eines ist das Judenvolk allen Völkern voraus: sie haben noch Verbindung mit dem wahren Gott, dem Schöpfer und Erhalter Himmels und der Erden! Eben weil das Judenvolk im Besitze dieser Wahrheit ist, sandte Gott Seinen Sohn, um eben vorerst den Juden und dann allen Menschen dieser Erde, die verloren gegangene Wahrheit wieder zu bringen und allen den Weg zu ebnen zu dem alleinigen Gott und Erhalter! Dass sich dabei die seinwollen- den Priester nicht so verhalten haben, wie es ihre Pflicht als Priester war, ist ein Beweis, wie groß schon der Widersacher war, obwohl im Heiligen Buche der Propheten die Ankunft des Gottessohnes an hundert Stellen geweissagt war.“ Kaspar spricht: „Es ist dies alles schön und gut, mir ist aber dabei nicht gedient, da ich alles dieses nicht erfasse.

Ich meine, wenn schon Gott da ist, warum denn da noch Seinen Sohn schicken, der auch noch zu Seinem Unglück am Kreuze enden muss. Da bleibe ich lieber meinen Göttern getreu und bleibe frei von aller Blutschuld.“ Jakobus spricht: „Es ist wohl löblich dieser dein Grundsatz, wenn nur deine Götter Leben hätten, - anders bei meinem Gott! Er ist das Leben Selbst, und wer an Ihn glaubet und Seinen Willen tut, wird Sein Leben in sich überkommen! Es wird sich offenbaren als Freude und Glückseligkeit!“ Kaspar spricht: „Klingt alles ganz schön junger Mann. Auch ich kann dieselben Eigenschaften nach außen bekunden, so ich will, und leide doch am Übel aller Menschen.“ Jakobus spricht. „Dieses wäre Selbstbetrug und keine Wahrheit, denn Gott gibt einen Frieden, den diese Welt nicht kennt, und eine Freude, wie sie in Seinen Himmeln lebt. Alles Alte im Menschen umstaltet sich zu Neuem, Wahren und Vollkommenen!

Der ganze Unterschied ist: der Gott will im Herzen aufgenommen sein! Wer Gott im Kopfe trägt, ist genau ein Heide, wie du und viele Tausende. Würdest du deine Götter in dir zum Leben und Bewusstsein bringen, wärest du derselbe Gläubige, wie ich und viele Tausende.“ Kaspar: „Dies verstehe ich nicht, aber ich möchte dich bitten, heute Abend mit meinen Söhnen von deinem Gott zu reden, denn ihnen fehlt der Friede und auch die Freude.“ Spricht Vera, Kaspars Weib: „Ja, tue dieses, denn nichts ersehne ich mehr, als das Glück meiner Kinder.“ Jakobus: „ Welche Mutter möchte wohl dieses nicht. Solange sie dieses nicht restlos sieht, ist sie auch nicht glücklich. Und ebenso verhält es sich mit dem lebendigen und ewigen Gott. Ist Er doch der Vater aller Menschenkinder. Immer trug und trägt Er den Wunsch in sich, Seine Menschenkinder frei und glücklich zu machen von dem Druck der Erdenmaterie. In der Geschichte der Menschen bis zum heutigen Tage wirbt der lebendige Gott, dass der Mensch wieder zum wahren Menschen werde.“

Kaspar: „ Würdest du nicht mit mir hinaus zu meinen Söhnen kommen? Wir müssen noch tüchtig schaffen, unser Brunnen versagt, unsere Sorge ist die, Wasser zu versorgen für uns und unser Vieh. Durch die lange Dürre ist das Wasser im Brunnen immer weniger geworden.“ Jakobus nickt Vera zu und verlässt mit Kaspar die Stube. Ein Stückchen über den Hof arbeiten die Kinder in und an dem Brunnen. Jakobus als Zimmermann kennt auch diese Arbeiten, er möchte mit schaffen. Da bekommt er den Zuruf: „Nicht weiter arbeiten, vergebliche Mühe. Zehn Schritte rechts einen neuen Brunnen graben, dieser gibt immer und für alle Zeiten Wasser in Fülle.“ Er geht die zehn Schritte rechts, da fühlt er in sich eine starke Quelle. Er geht auf Kaspar zu und spricht: „Würdest du einen guten Rat von mir annehmen? Das tiefer machen deines alten Brunnens ist zwecklos. Dort, zehn Schritte rechts, befindet sich eine starke Quelle, leget dort einen neuen Brunnen an. Ihr seid dann versorgt für alle Zeiten mit Wasser.“ Kaspar: „

Dieses ist schnell gesagt, wer gibt uns die Gewähr, dass es so ist? Du gehst morgen weiter, wir aber graben und graben und es wird doch zwecklos sein.“ Jakobus: „Mit dir ist schlecht reden, weil du nur mit dem Kopfe arbeitest. Glaubst du, ich würde dir den Vorschlag machen, wenn ich nicht im Voraus wüsste, dass es von Erfolg sei? Was ich im Herzen fühle und empfange, ist aus dem Urborn göttlicher Liebe und Gnade gegeben und bestimmte Wahrheit! Noch nie wurde ich irregeführt! Kaspar: „ Lasse mich mit meinen Söhnen sprechen.“ Kaspar rief seine Kinder und sagte: „Dieser Fremdling ratet ab, weiter zu graben, und meint dort, zehn Schritte weiter rechts sei eine starke Quelle.“ Spricht der Älteste: „ Ist dieses dein Ernst, Fremdling, wie willst du wissen, dort sei eine Quelle?“ Jakobus: „ Ich weiß es nicht, aber mein Gott, der der Ewige und Wahre ist, hat es mir mitgeteilt. Ich bin ein Zeuge des Wundermannes aus Judäa und bin gekommen, euch die Wahrheit über eure toten Götter und über den wahren und ewigen Gott zu bringen.

Ich würde ein schlechter Zeuge sein, so ich euch die Gnade meines Gottes vorenthielte, denn gerade in diesen Liebes- und Gnadenbeweisen sollet ihr ja erfahren, wie Gott die Liebe und das Leben ist, was nie von euren Göttern gesagt werden kann.“ „Vater“, spricht der Älteste, „ich denke wir hören vorerst einmal auf und lassen unseren Gast einmal zu Worte kommen, mich interessiert der Mann. Endlich mal einer, der den Wundermann gekannt hat.“ - „Wir brauchen aber Wasser, Andree“, erwiderte Kaspar. Andree spricht: „Holen wir nochmals beim Nachbar, Vater, der Mann flößt mir Vertrauen ein.“ - „Mir auch“, spricht Krischan, der Jüngste, „ wir kommen sowie so nicht mehr weiter, wir kommen auf Felsen.“ - „Na dann gut, ihr Mädchen helft der Mutter zu einem guten Nachtmahl.“ Vera ist verwundert, als alle in das Haus treten und fragt: „Habt ihr Wasser, weil ihr schon kommt?“ –

„Lass gut sein, Mutter, morgen werden wir weiter sehen, für heute ist Feierabend und dieser unser Gast wird uns von dem Wundermann erzählen.“ - So wurde es auch. Jakobus schilderte die Gnade und Liebe Gottes und die Menschwerdung des Herrn und wurde von niemand unterbrochen. Nach dem gemeinsamen Mahl blieben alle am Tisch sitzen, Gäste kamen keine. Da fragt Andree: „ Wie kommt es eigentlich, dass sich nun Gott, der nach deinen Darlegungen die ewige Urkraft, Allmacht und Vollkommenheit ist, Er sich heute kleiner Menschen bedienen muss? Warum kommen nicht Engel oder Gottesboten aus Seinem Reiche und klären die Menschen auf? Siehe, deine Worte klingen wahr und schön, aber beweise mir die Wahrheit! Längst bin ich unzufrieden mit unseren Göttern, alles ist nur Erschwerung unseres Lebens, wir sind Sklaven unseres eigenen Leibes und alle Sehnsucht bleibt ungestillt.“

Jakobus: „ Andree, deine Frage ist die Frage der ganzen Menschheit und nie wird die Antwort befriedigen, wenn sie von Menschen kommt. Meine Antwort soll aber nicht von mir, sondern von dem ewigen und wahren Gott sein und sie lautet: Würden Engel die Menschen belehren, würden sie es auch nicht glauben und obendrein als Lüge hinstellen. Würden sie ihre Macht entfalten, wären die Menschen ihrer Freiheit beraubt und blinde Maschinen, denn dann würden sie sich nicht freiwillig zu dem lebendigen Gott bekennen, sondern unter dem Zwange unerträglicher Gesetze stehen. Dieses will Gott auch nicht, sondern die Erlösung aller vom Gesetz und Gericht.“ Andree: „ Die Antwort ist gut, ich habe dich verstanden. Denn so Gott wirklich Liebe ist, kann Er mich nicht zu etwas zwingen. Aber wie konnte Gott es zulassen, Seinen Sohn am Kreuze verbluten zu lassen, dies kann doch nicht Liebe sein?“„O Andree, gerade dieses war die allergrößte Liebe! Als Jesus geboren war, wurde ich damit bedacht, Ihn zu pflegen, und habe dabei Herrlichkeiten erlebt, die zu schildern ich Tage brauchte. Da war der Beweis erbracht, dass Er zu Größerem berufen war und wir sahen in Ihm den Messias, den Verheißenen!

Als Er älter wurde, verloren sich die herrlichen Begabungen und Er erlernte gleich uns das Zimmermannshandwerk. So, wie sich die Begabungen verloren, verschwand auch bei uns die Hoffnung, dass Er der erwartete Messias sei. Dann kamen schlimme schwere Jahre für mein Elternhaus. Jesus ging Seine eigenen Wege, ja Er mied uns, weil wir Ihn nicht verstanden. Es war eine schlimme und böse Zeit, schlimm für Ihn, weil wir Ihm niemals recht gaben, und böse für uns, weil wir uns um das Herrlichste, was ja Gott zu geben vermag, betrogen. Bis nun endlich die Erlösungsstunde schlug und Jesus voll des göttlichen Geistes sagen konnte: `Nun ist der größte Kampf überwunden, was später kommt wird nicht so schwer sein.` Nun kam die Zeit, von der ihr hörtet: Tote wurden lebendig, Blinde sehend, Taube hörend, Lahme gehend und alle Kranken gesund! Elemente gehorchten Ihm, es gab nichts, was nicht Seinem Willen untertan war. Dabei verbreitete Er eine Lehre, die nur Liebe zum Grund und Leben zum Inhalt hatte. Er starb am Kreuze, wir alle wussten es aus Seinem eigenen Munde, und am dritten Tage stand Er mit unzerstörbarem Leibe unter uns!

Festigte unseren Glauben und ging dann nach 40 Tagen in Seine Urheimat zurück, um von dort aus uns alle und die an Ihn glauben, zu erfüllen mit Seinem Geiste, Seiner Lebenswahrheit und Seinem ewigen Leben!“ Spricht Vera: „O ihr glücklichen, glücklichen Menschen, und du noch glücklichere Mutter, was ist euch alles geschenkt worden, und dieser Mensch musste sterben? O Erde, warum hast du die Menschen nicht verschlungen?“ Jakobus: „ Weil alle erlöst und errettet werden sollten! Deswegen bin ich auch bei euch, um euch den Weg zu ebnen, der zum großen, heiligen Ziele - eure Erlösung - in und durch Christi Jesu führt . Denn der Menschheit Lauf endet nicht mit dem Leibestode, sondern gehet ewig und ewig fort, damit sie vollbringen ihre Aufgaben.“ Andree: „Lieber Freund, werde nicht undeutlich. Der Mensch hat eine Aufgabe, sie zu erfüllen sei ihr Erdenlauf, und wer sie hier nicht erfüllt, soll es nach dem Tode?“ „Du hast recht verstanden“, erwiderte Jakobus, „unser Erdenleben ist nur der kleinste Teil von dem großen Lebensabschnitt, den wir durchleben.

Aber gerade dieses Erdenleben ist der wichtigste Teil, weil alles, was wir in uns tragen und um uns finden, seine Erlösung durch uns finden soll. Versäume ich dieses alles als Mensch, hängt mir diese Materie an und muss im Leben nach dem Tode diese ihrer Bestimmung zuführen, welche lautet: Alles Daseiende in den nächst höheren Grad der Vollkommenheit einzuordnen.“ Spricht Kaspar: „ Das ist dunkel, noch nie hörte ich solche Worte.“ Spricht Andree: „Vater, ich verstehe diesen Freund ganz und gar, es ist leicht, ihm zu folgen. Er sagt mit wenig Worten: alles ist gefangen auf der Erde. Der Mensch ist der Gefangenenwärter, die Erde das Gefängnis und alles Gefangene soll durch den Menschen erlöst werden oder ihre Erlösung finden.“ Spricht Jakobus: „ Sehet liebe Freunde, um alles dieses braucht es wenig. Gott, als die ewige  Liebe, hat einem jeden Menschen diesen Seinen Liebesfunken ins Herz gelegt. Lasse diesen Funken zur Flamme werden, und du liebst Gott und alle deine Mitmenschen! In dieser Liebe wächst der  Geist und das Leben aus Gott in dir und du wirst innewerden, dass du ein anderer wirst.

Dein Leben hat Inhalt und Wert, dein Inneres wird frei und froh, was dunkel war wird licht und du empfängst in dir die Beweise, dass du wahrhaft einem lebendigen Gott gehörst, da ja Gottesleben dir zu Eigen wurde! Was kein Mensch je gesehen und gefühlt, wird in dir, in deinem eigenen Herzen Wahrheit!“ Andree spricht: „Ich danke dir, lieber Gottesbote, es bedarf keiner Worte weiter. Ich glaube auch, dass wir morgen Wasser finden werden. Aber lass es genug sein für heute, ich kann so viel Freude nicht vertragen. Nur um eins bitte ich deinen Gott, dass Er dieses Sein Leben mir nicht vorenthalten werde.“ Jakobus spricht: „Andree, sei versichert, wer Gott erfasst hat mit dem Herzen, ist angenommen von Ihm, für Zeit und Ewigkeit!“ Kaspar spricht: „Andree, hast du dir überlegt, dass du unsere Götter tief beleidigst. Hüte dich, so voreilig zu sein. Denke an unseres Nachbarn ältesten Sohn!“ Spricht Andree: „ Gut Vater, dass du mich daran erinnerst. Ich werde den Iwan holen, da es noch nicht zu spät ist. Einmal muss doch die Zeit kommen, da die Wahrheit offenbar wird.“

Bittet Kaspar: „Bleibe, Andree, bringe nicht noch größeres Unheil über uns, es ist genug an dem Bestehenden.“ Spricht Andree: „Vater, mir ist so eigen, ich war immer ein guter Sohn, aber diesmal bleibe ich bei meinem Vorsatz, was meinst du, lieber Freund?“ Jakobus spricht: „ Handle nach dem Zuge deines Herzens. Übrigens bist du nicht Schuld an der Stummheit deines Freundes, sondern der Schreck war es, weil du versehentlich an den toten Götzen auf dem Sims gestoßen bist. Werfe deinem Freund alle toten Götzen vor die Füße im Namen des ewigen und heiligen Gottes, und der Schreck wird seine Zunge lösen. Glaube und handle, und du wirst die Kraft des Herrn erleben!“ Andree spricht: „ Freund, das wäre der volle Bruch mit all den Göttern und der Bruch mit den ganzen Nachbarn. Aber ich tue es, denn dadurch würden ja auch alle - auch mein Vater - von den toten Götzen befreit. Wenn dann noch das Wasser gefunden ist, hat es keine Gefahren mehr. Einmal muss doch die Wahrheit an den Tag kommen.“

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7 Andree

Andree verließ eilends das Haus, Kaspar aber sagte: „ Wenn das gut geht, lieber Freund, denn mein Nachbar, Iwans Vater, hält auf seine Götter noch größere Stücke, denn ich.“ Spricht Jakobus: „ Du wirst noch manche Enttäuschung an deinen Göttern erleben, aber sei deswegen unbesorgt um die Anderen. Wenn der ewige Gott dir Seinen Segen nicht geschenkt hätte, wäret ihr längst nicht mehr hier. Gott ist ja nicht nur Liebe, sondern auch Geduld. Und darum lasse dein Herz recht weit offen, damit du den rechten und neuen Geist aus Gott in dir aufnehmen kannst.“ Erwidert Kaspar: „ Lieber Fremdling, du redest mit einer Bestimmtheit, dass ich deinen Gott zu dem meinen mache. Ahnst du denn nicht, dass mich nichts von meinen Göttern trennen kann? Eher geht eine Welt zu Grunde, ehe ich anders denke.“ –

„Du hast recht, Kaspar, deine Welt wird in Trümmer gehen. Verlassen wirst du sein von deinen Göttern, da sie nicht da sind. Dann wirst du mit Freuden die Hand des Heilandes Jesu ergreifen und wirst erleben die Liebe, die Gnade und die Erbarmung Jesu.“ Spricht Vera: „ Lieber Fremdling, nimm es meinem Kaspar nicht übel, er ist ein Dickkopf und nimmt nicht gern Belehrung an. Aber ich bitte deinen Gott für ihn, dass Er Seine Hilfe nicht zurück ziehe. Mit Freuden gäbe ich mein Leben, so Kaspar wieder ein froher Mensch wäre. Seit Iwans Unglück trägt er doppelt schwer.“ „Mutter Vera, wer so liebt, wie du, trägt unbewusst das Heilandsleben in sich. Freue dich der Gnade des lebendigen Gottes! Bald wird dein Mund nicht laut genug rühmen können, was euch  allen Gutes widerfahren ist.“ Salome, die Tochter, tritt zagend zu Jakobus und spricht: „ Du musst mir verzeihen, Fremdling, ich habe solche Angst um Andree, denn wenn Andree sich wirklich an den Göttern vergreift, dann gibt es ein Unglück. Du hättest Andree nicht auffordern sollen.“

Jakobus spricht: „ Salome, warum sperrst du dich auch für den lebendigen Gott, der nur Liebe ist und auch dein Bestes will? Nicht die Angst um Andree öffnet dir den Mund, sondern die Angst um Iwan. Was soll denn Gott tun, um euren Sinn zu ändern, oder glaubst du wirklich, dass deine Götter Iwan heilen können? Niemals, aber nun versichere ich dir, Iwan ist gesund! Eile hin zu ihm, damit du, die du an Iwans Leid den größten Anteil nimmst, auch die erste Freude erleben kannst.“ Nach wenigen Minuten kommt Andree zurück. Aufgeregt wie noch nie, spricht er: „Freund komme, lass dich an meine Brust drücken, denn für das, was ich jetzt erlebt habe, gibt es keine Worte. O Du lebendiger Gott, warum lerne ich Dich erst heute kennen?“ Er drückt Jakobus stürmisch an seine Brust, schwieg dabei einige Minuten. Dann ging er zu seinem Vater und sagte: „ Vater, erlaube mir, dass ich unsere Götter hinaus in den toten Brunnen trage, der uns sowieso kein Wasser mehr gibt. Jetzt beginnt eine neue Zeit, eine Zeit des Lebens aus Gott, der da ewig und wahrhaftig ist!“ Kaspar spricht: „ Andree, du bist ein Narr geworden, lasse doch erst die Beweise sprechen.“

Andree spricht: „Vater, Beweise verlangst du noch, wo in mir alles zum Durchbruch drängt? Jeder Augenblick, den ich noch zögere, deucht mir Sünde gegen Gott. Vater, nun bitte ich dich, störe mich nicht in meinem Wirken, denn ich muss, sonst hätte ich jeden Anspruch an Gott verwirkt.“ Vera, die alles genau verfolgt hatte, sagte: „ Andree, so habe ich dich noch nie gesehen. Was ist in dich gefahren, wie sprichst du auf einmal gegen deinen Vater?“ „Mutter, Mutter, verzeihe deinem Sohn, so er in seinem Drang nicht die überzeugenden Worte fand, aber ich muss. Mir ist, als wenn durch mein Zögern ich euch an dem Glück, den lebendigen Gott kennen zu lernen, große Schuld aufladen würde. Komm, Krischan, hilf mir, wir beide haben immer die größte Sehnsucht nach Wahrheit gehabt.“ Spricht Krischan: „ Ja, Andree, wir machen das Haus rein, es ist genug geredet.“ Kaspar war wie gelähmt, als die beiden Söhne die toten Götzen von Simsen und Konsolen nahmen und hinaus in den Brunnen warfen, öfter mussten sie gehen.

Als sie ihr Werk beendet hatten, tritt Andree hin zu Jakobus und spricht: „ Freund, das Haus ist gereinigt für deinen Gott, offenbare uns, wie Er der Unsrige werde.“ Jakobus spricht: „ Andree, in deiner Schwester Kammer befindet sich noch eine Figur. Beende auch dort noch das von dir angefangene Werk.“ - „ Davon weiß ich aber nichts“, erwiderte Andree, „aber ich will nachschauen, denn auf dein Wort hin tue ich es. Weißt du davon, Mutter?“ - „ Nein Andree, ich weiß auch nichts davon. Willst du nicht erst Salome fragen?“ erwiderte Vera. Da sagte Jakobus: „ Es ist wirklich so. Ganz heimlich verschaffte sich Salome diesen Götzen, den sie täglich bat, er solle Iwan die Sprache wieder geben. Hebe den Deckel von ihrer Truhe, dann kannst du dein begonnenes Werk vollenden.“ Andree ging, in wenigen Minuten hatte er die kleine Figur in den Händen und sagte: „Sehet, wie wir Menschen noch so dumm sind.

Ich könnte dieses in meiner Hand zerdrücken, und dieses sollte Iwan heilen? Ich verstehe dich, lieber Freund und Wohltäter, dass es uns Menschen größte Pflicht ist, das Leben zu suchen, wo es ist, nämlich im eigenen Herzen, und nicht in toten Dingen!“ Andree ging mit der Figur hinaus, in diesem Augenblick kommt Salome mit Iwan. Sie fragt Andree: „ Wo willst du noch hin?“ Da spricht Andree: „ Deinen toten Gott in den Brunnen werfen, weil er doch kein Leben hat. Wartet noch einen Augenblick, ich muss die Freude mit Vater und Mutter erleben.“ Spricht Salome: „ Andree, gib mir die Figur zurück, ich selbst will sie versenken, wo sie niemand mehr finden wird, denn damit begrabe ich auch meine Dummheit.“ Andree gibt dieselbe Salome zurück, nimmt Iwan bei der Hand, dann geht sie mit ihm zum Brunnen und wirft die Figur hinein. Gemeinsam treten sie ins Haus, da spricht Iwan: „Große Freude lebt in mir, ich kann wieder richtig sprechen. Darf ich euer Sohn sein, der euch lieben wird, solange ihr noch seid? Ich liebe Salome und begehre sie als mein Weib.“

Kaspar spricht: „ Was ist mit dir geschehen, Iwan, du hast die Sprache wieder gewonnen, wie ging dieses zu?“  Iwan spricht: „ O, was soll ich sagen, Andree ist ganz aufgeregt. Er kommt in unsere Stube, Vater war gerade mit mir darinnen, da spricht er: `Herminus, wir haben einen lebendigen Gott, in Seinem Namen begehe ich den ersten Gottesdienst und opfere Ihm deine toten Götter`. Ehe mein Vater etwas sagen konnte, langt Andree über die Tür auf den Sims und wirft unseren Hausgott vor  unsere Füße. Ich schreie auf vor Schreck, da kann ich reden und sage Andree, `was bedeutet das alles?` Da umarmt mich Andree und spricht: `Iwan, das größte Glück bedeutet dieses, nur die toten Götzen sind uns noch im Wege`. Ohne zu fragen, greift er nach den anderen Götzen. Da sagt mein Vater: `Andree, bist du in deinem oder in meinem Hause. Die Götter bleiben, sonst schlage ich dich nieder, wie du meinen Hausgott zerschlagen hast`.

Da sagt Andree: `Herminus, du hast recht, du musst selbst dein Haus reinigen von den toten Dingen, wenn dich der lebendige Gott mit Seiner Liebe und Gnade beglücken soll. Siehe, die wiedergewonnene Sprache Iwans ist Gottes erstes Werk unter uns. Morgen wird das zweite Werk Gottes offenbar werden: wir werden einen Brunnen graben, der nicht nur uns, sondern der ganzen Gemeinde gehören soll und uns allen zu einem dauernden Segen werden wird. In meines Vaters Haus ist ein Bote von Ihm eingekehrt. Die Heilung des Iwans geschah im Auftrage des wahren und lebendigen Gottes! ` Da betritt Salome unsere Stube, auch Mutter kommt aus dem Stall, da sagte ich: `Salome, nun ist der Weg frei, ich darf um dich werben! O, welch großes Glück, dass du gekommen bist!` Da spricht Andree: `Nun Salome gekommen ist, kann ich gehen, denn Salome kann besser die Wahrheit über den lebendigen Gott bekunden, wie ich`.

Mein Vater ist stumm und Mutter nimmt Salome ans Herz, nun ist sie meine Braut.“ Kaspar spricht: „ Iwan, Iwan, mir ist alles wie ein böser Traum, ich weiß gar nicht, was ich denken soll, aber schau, ich vertraue dir Salome an. Denn dass Salome dich liebt, hat sie uns nie offenbart, aber dieser Fremdling tat es, denn er verriet, dass sie täglich ihren Gott für deine Heilung anflehte.“ Da drehte sich Salome um und sagte zu Jakobus: „ Woher wusstest du dieses? Habe ich es doch mit keinem Wort verraten, mein süßes Geheimnis.“ Spricht Jakobus: „ Mein und nun auch euer Gott offenbarte mir dieses. Und darum empfange du nun auch den Segen von dem lebendigen Gott für deinen Lebensbund, auf dass ihr als Gesegnete auch Segen verbreiten könnt. Du aber, mein lieber Hausvater, gib mir eine Kammer, ich sehne mich nach Ruhe, denn morgen sollt ihr alle die Herrlichkeit Gottes erleben.“ Jakobus ging, von Salome geleitet, in das Gemach. Die Familie aber blieb noch lange wach, denn Iwan hatte viel zu erzählen. Ganz in der Frühe gingen die Kinder des Kaspars ans Werk. Zuvor aber holte man Jakobus und ließ sich die Stelle anweisen, wo gegraben werden soll. Da gingen sie, von Jakobus geleitet, an die Stelle und Jakobus sagte: „Hierher kommt der Brunnen, aber ihr müsst noch für einen Ablauf sorgen und eine Tränke für euer Vieh anlegen, denn es ist eine mächtige Quelle, die euch viel zu schaffen machen würde, wenn nicht zuvor ein Ablauf geschaffen ist.“

Da sperrte Kaspar seinen Mund auf und sagte: „ Mir wird Angst vor deinem Gott, wie werde ich dann bestehen können?“ - Spricht Jakobus: „ Ganz gut Kaspar, du wirst Ihn lieben und ein treuer Diener sein. Deinen Kindern aber ist Größeres beschieden, sie werden Seine Kinder werden!“ Sieben Stunden grub man, dann wurde das Erdreich feucht. Mit Eimern hatte man die ausgegrabene Erde in den alten Brunnen geworfen. Da sagte Jakobus, der auch tüchtig mitarbeitete: „ Jetzt Vorsicht, macht mit Steinen noch einen hohen Rand, damit niemand hinein fallen kann. Und hier lasset eine Öffnung zu dem Graben, in wenigen Minuten wird sich euer Glauben krönen! Du Kaspar, hole deine Freunde, deine Nachbarn, vor allem Herminus, der sich gegen den lebendigen Gott wehrt.“ Mit den Steinen des alten Brunnens war in kurzer Zeit die Umfassung fertig. Nachbarn kamen, schüttelten mit dem Kopf über die Dummheit des alten Kaspars. Als aber Iwan mit gewaltiger Stimme die Bemerkungen verbat, schwiegen sie und staunten, dass Iwan reden konnte. Mit vieler Mühe gelang es Kaspar, Herminus an den neuen Brunnen zu bringen.

Da sagte Jakobus: „ Liebe Freunde, ihr seid erstaunt über das, was sich hier abspielt. Kaspars Brunnen versiegt, in Kürze versiegen auch eure Brunnen. Eure Götter haben euch noch in keiner Weise geholfen, da sie auch nicht helfen können, denn sie sind ohne Leben! Ich, Jakobus, bin ein Zeuge des alleinigen und wahren Gottes und bringe euch allen die Wahrheit über den wahren und ewigen Gott, der eure Not im voraus sah und nun mit Seiner Hilfe euch entgegenkommt! Ihr braucht diesen lebendigen Gott zu eurem Leben, und dass Er das Leben ist, wird euch dieser Brunnen beweisen! - Andree, stoße noch einmal tief in die feuchte Erde, im Namen des lebendigen Gottes, und mit dem Herausziehen deiner Eisenstange wird die Quelle laufen“. Andree nimmt die schwere Stange, wuchtig stößt er im Namen des Heiligen Gottes. Da zieht er die Stange zurück und das Wasser spritzt viele Meter hoch. Der Brunnen füllte sich schnell, in kaum einer viertel Stunde lief das Wasser schon in den Ablaufgraben. Jakobus spricht: „ Bringet einen Becher. Kostet nun das Wasser und betrachtet diesen Brunnen als das Geschenk, welches Gott euch allen gegeben hat! –

Du aber, Du herrlicher Gott, habe Dank für all Deine Liebe und Treue, Amen!“ Da betrachteten alle - es waren an dreißig Menschen - das große Wunder und bestaunten das Wasser, welches sich inzwischen geklärt hatte. Krischan, einen Krug in den Händen, sagte: „ Jakobus, hier ist ein Krug, gib du als erster von uns von dem Brunnen, er heißt von nun an Jakobus-Brunnen!“ Jakobus aber sagte: „Salome, gib allen von dem Brunnen zu trinken, denn du hast geglaubt, ohne zu fragen.“ Es tranken alle von dem wohlschmeckenden Wasser, da tritt Herminus zu Jakobus und sagt: „Fremder, ich ahne Großes von deinem Gott. Was muss ich tun, um Ihn zu verehren?“ Spricht Jakobus: „ Herminus und ihr alle, höret!

Dieser lebendige, für euch unbekannte Gott fordert viel, welches in dem besteht, dass ihr Ihm alle eure Götter opfert. Sonst aber bittet Er euch durch mich: Liebet Ihn und liebet euch, betrübet keiner den anderen und seid voll Erbarmung und Barmherzigkeit gegen die, die euch noch nicht ganz verstehen. Dieser Brunnen verpflichtet zu nichts. Er sei Eigentum der ganzen Gemeinde, wie auch der lebendige Gott das Eigentum aller werde! Nun aber geht wieder zurück in eure Hütten und kommet am frühen Abend, da will ich euch mit dem lebendigen Gott bekannt machen.“ Es blieben trotzdem noch einige, die das Wunder betrachteten. Dann kam eine Herde Schafe und Ziegen, welche das frische Wasser tranken aus dem Graben. Da sagte einer: „ Die Tiere wissen es auch schon und bleiben doch nicht stehen. Es wird besser sein, sich mehr um den unbekannten Gott zu kümmern!“

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8 Iwan

Es war Abend geworden, die Arbeit war getan. Da kamen alle Männlein und Frauen mit ihren großen Kindern. Bei Kaspar ging es auf einmal recht enge zu, die Wirtschaft konnte fast niemand mehr aufnehmen. Als Letzter kommt Herminus mit seinem Weibe und bringt einen Sack, den er Jakobus vor die Füße stellt. Da sagte Jakobus: „ Herminus, ich danke dir im Namen meines und auch deines Gottes, weil du als erster vor deinen Mitbewohnern dein Haus gereinigt hast. Krischan mag deine Götter hinaustragen. Rein soll in Zukunft Kaspars, wie auch deines und der anderen Häuser von den toten Götzen sein. Vernehmet die Botschaft, die ich euch allen zu übermitteln habe von dem wahren und ewig lebendigen Gott: Ihr alle lebtet in einem Sein und Leben, welches Gott, der Ewige, allein wusste. Eure Tagesmühen lohnten auch nur mit dem Nötigsten, und eure Götter brachten auch keine Freuden, nur Opfer. Von nun an wird es anders sein.

Mein ewiger Gott und Schöpfer Himmels und der Erde will der Eurige sein. Er hat längst vorgesorgt für alle eure Bedürfnisse, Er will euch allen sogar noch mehr geben, damit ihr auch den anderen, die zu euch kommen, von dem Segen reichen könnt. Alles ist Sein Werk, alles Seine Liebe, die euch schützt vor Not und schlimmen Zeiten, wenn ihr in treuer Hingabe und Glauben an Ihn, Sein Gebot der Liebe in euer tätiges Leben umsetzt! Sehet Andree, euren Bruder, dieser wohl einer der Jüngsten unter euch, höret auf ihn, denn er hat Ihn, den wahren Herrn und Gott, am besten erfasst und Ihm geopfert sein Herz, er sei euer Priester. Du aber Andree, sei du der Diener aller. Lasse dein Herz offen für alle, die zu dir kommen, schließe es aber fest zu, so man dir dein Heiligtum nehmen möchte. Und nun erfahret die reine Wahrheit über Gott: Gott ist Gott über alles Bestehende. Fremd und unbegreiflich wird euch Seine Allmacht, Seine Allkraft und Seine Herrschaft bleiben. Darum sandte Er Sein ewiges Wort aus Seinen Himmeln und wurde Fleisch.

Als Jesus - den Menschensohn - lernten wir Ihn kennen, als Gottessohn offenbarte Er den in Ihm wohnenden Gott und nannte Ihn VATER. Angefeindet, verfolgt von den Priestern, die wohl Gott kannten, aber treulos handelten, brachte Er das größte Opfer: Sein Leben! Vergessen war Sein Leben, Sein Lieben, Sein Wirken, von dem ihr gehört habt. Die Armen und Kleinen durften sich nicht dagegen wehren. Er wurde ein Opfer und in diesem Opfer der Retter aller, auch für euch! - Ja, staunt weiter über meine Worte! Sein vergossenes Blut ist die ewig zur Tatsache gewordene Wahrheit geworden, dass alle, die daran glauben, Eigentum des Sohnes Jesus werden, die Er Selbst vertritt vor Gott, Seinem Heiligen Vater! Aber nun höret weiter: dieser Jesus verblieb nicht im Tode, sondern nach drei Tagen bekundete Er Selbst Seinen Sieg über allen Tod und hat das Leben zu Seinem ewigen Eigentum gemacht! Hier fließet euer Brunnen, nie wird diese Quelle versiegen, er bleibt euch als Eigentum für euch, und die nach euch kommen.

So, wie diese Quelle fließt, fließt auch Sein Leben euch zu! Wir taten nichts, als nur das Erdreich beseitigen, dass wir zum Quell stießen, so dass es fließen kann, allen zum Segen. - Beseitigt nun auch bei euch und in euch alles Erdreich falscher und toter Götter, dann wird in euch der Strom des wahren Lebens fließen und euch nähren und sättigen aus Seinem Geist, der Liebe und wahres Leben ist! Liebe sei euer Leben, Liebe sei euer Streben und Liebe das Band, das alle umschlingt, weil in dieser Liebe Jesus, der Heiland und Erretter, euer Eigentum sein will. Reiniget eure Herzen, aber zuvor alle eure Behausungen, denn Jesus will euch ganz, damit ihr Ihn auch ganz besitzen könnet, zu eurem und aller Heil. So übermittle ich euch Seinen Segen und die Verheißung, dass Er sich weiter offenbaren wird durch Seine lebendige Gnade und Erbarmung.“ Sie schwiegen alle, kein Laut war vernehmbar in der vollen Stube.

Da sagte Iwan: „ Verzeihe, Jakobus, wenn ich dich unterbreche, ich kann nicht mehr schweigen vor dieser gewaltigen Liebe. Mir brennt mein Herz vor Sehnsucht, diesem uns neu Gewordenen meinen Dank auszusprechen. In meiner Stummheit hätte ich das größte Opfer gebracht, um meine Sprache wieder zu gewinnen, und nun höre ich nichts von opfern, nichts von der Schuld, die ich zu begleichen habe, sondern empfange Segen Seiner Liebe. Ja, ich danke es diesem Gott, dass ich Salome als mein Weib an mein Leben binden kann. Wie kann ich ein froher Mensch sein in dem Bewusstsein, ein Schuldner zu sein? Sage auch darin die Wahrheit, du lieber Gottesbote und Menschenfreund.“ Spricht Jakobus: „ Iwan, und ihr alle, höret und vernehmet das Köstlichste, was ein Vater seinen Kindern geben kann: Vor Ihm seid ihr befreit von aller Schuld, da ja Er Selbst das Lösegeld am Kreuze bezahlte und Sein Blut ist eure Freiheit für eure Seelen.

Wenn ihr aber ganz in Seiner Liebe erwachet zum eigenen freien Leben, dann drängt Sein Geist in euch auch so zu handeln, wie Er handelte. Die noch Gebundenen machet frei, indem ihr ihnen helfet als Bruder! Die Armen und Schwachen traget, auf dass ihnen geholfen werde! Nur denen seid recht ernst, die den, nun euch gewordenen lebendigen Gott, wieder nehmen wollen. - Er ruft euch allen durch mich zu: Er will euer Vater sein, ihr aber sollt Seine Kinder werden. Bereichert euch an Seinem Heilandsleben, dann seid ihr schon Kinder hier auf Erden, bis fort in alle Ewigkeit, Amen!“ Am anderen Tage, schon in der Frühe, kamen einige, um noch einmal das Wunder zu beschauen. Unter anderem kam auch eine Mutter mit ihrem kleinen Kinde mit bösem Aussatz im Gesichte. Jakobus, der sich zu der Gruppe gesellte, wurde von der Mutter gefragt, ob es wahr sei, dass dieser Heiland auch Kranke gesund gemacht habe. Da sagte Jakobus: „ o Weib, warum fragst du, wo dich dein Herz drängt, den Heiland Jesu zu bitten, dass Er dir helfe.

Ist Er nicht gekommen, um euch zu erlösen von allem, was euch drückt? Glaube, glaube und du wirst die Herrlichkeit Gottes sehen. Glaube, dass dieses Wasser dein Kind heilen wird von diesem Aussatz, und Jesus wird dich nicht enttäuschen, denn Er ist Liebe und Treue denen, die Ihm in Liebe und Treue zu Eigen sind!“ Ohne ein Wort zu sagen, ging sie hin an den Graben, wo das Wasser floss, wusch ihr Kind und sagte: „ Herr und nun mein Gott! Nicht, dass ich Deine Liebe prüfen möchte, sondern weil ich weiß, Du wirst meinem Kinde helfen durch dieses Dein uns geschenktes Wasser, denn was von Dir kommt, ist gut!“ Da fielen die eitrigen Geschwüre von dem Kindesgesicht, in wenigen Minuten war das Kind rein. Da kniete das Weib nieder und betete: „Herr und Gott, wie soll ich Dir danken für das Glück, welches mir geworden ist. Du hast mir alle Sorgen für mein Kind genommen und hast meinen Glauben gelohnt über alles Verstehen. Lasse Dich recht lieben und verlasse uns nie mehr. Denn nun wir die Wohltat Deiner Liebe erlebten, möchte ich nicht mehr ohne Deine Liebe leben. Habe  innigen Dank, dass wir zu Dir beten dürfen!“

Da war es bei den anderen aus. Erst neugierig über dieses Wunder, besehen sie das Kind. Dann sagte einer: „ Ungern trennte ich mich von meinen Göttern, aber nun bin ich froh, dass ich doch dem Wunsch des Gottesboten entgegen gekommen bin. Du, Jakobus, möchtest du nicht gerne einmal in meinem gereinigten Hause einkehren?“ Spricht Jakobus: „ An meiner Einkehr ist nichts gelegen, denn mit dem Wegschaffen deiner Götter ist ja schon der Herr und Heiland bei dir eingekehrt. Ich aber werde weiterziehen, denn die Herrlichkeit Gottes sollen noch viele erfahren.“ So verging noch ein Tag im herrlichen Wirken, wo Andree nicht von der Seite des Jakobus wich. Reich belohnt im Herzen, nimmt Jakobus Abschied von allen und weiter drängt ihn der Geist im Dienst der ewigen Liebe.

Andree aber sagte: „Bruder Jakobus, ich habe mit Vater und Mutter gesprochen, ich bleibe mit dir noch einige Tage zusammen. Der Weg über das Gebirge ist beschwerlich, ich aber kenne jeden Weg bis an die Karawanenstraße, die nach Rakka führt. Vater wollte nicht recht, aber Mutter sagte, es wäre für uns alle das größte Geschenk Gottes, so ich mit dir noch länger zusammen bliebe. Ich müsste noch viel von dem wahren lebendigen Gott erfahren, wenn ich Priester sein soll.“ - „Du kommst meinen Wünschen entgegen, Bruder Andree, es wird dir und allen zum Segen gereichen, denn zu der Erkenntnis des wahren und lebendigen Gottes fehlt noch viel.“

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9 Erlebnisse bringen Erfüllung

Die beiden wanderten schon zwei Tage, ohne in Berührung mit Menschen gekommen zu sein. Der Mundvorrat neigte sich dem Ende zu, da sagte Andree: „ Bruder, auch in dieser Nacht werden wir kein Dach über uns haben, denn wir haben uns etwas zu viel Zeit genommen, oder wollen wir die Nacht zum Tage machen?“ Spricht Jakobus: „ Andree, bereust du, dass wir auf dem Wege zögerten? Was du erfahren und aufnehmen konntest, ist anderen erst in Wochen möglich.“ Spricht Andree: „Ach Bruder, nicht um meinet- sondern um deinetwillen war ich besorgt. Nun bin ich es aber nicht mehr, denn wahrlich, ich wünschte, ich brauchte mich von dir nicht mehr zu trennen.“ Spricht Jakobus: „Andree siehe, ich bin nur ein schwacher Diener Seiner Liebe, du aber darfst dich nicht an mich hängen, sondern der Herr allein sei dein Heil! Von Ihm wirst du empfangen das Licht, die Klarheit, wie ich es auch von Ihm empfange. Aber eins fehlt dir noch, die rechte Geduld! Gierig saugst du jedes Wort von mir in dir auf, als sei es das Wort des Herrn.

Du musst aber auch bedenken, dass ich auch nur ein Mensch bin, dessen Seele auch noch an irdisches gebunden ist, wie du an irdisches gebunden bist. Ich fühle gerade das Bedürfnis nach Ruhe. So denke ich, wir bleiben hier bis zum Sonnenaufgang und die ewige Liebe wird uns geben nach unserem Sehnen.“ „Bruder Jakobus, ist die Sehnsucht, den Herrn und Meister einmal zu schauen, und sei es nur von ferne, Sünde gegen Seine Liebe? Ich kann mir nicht helfen, je mehr du mir erzählst von Ihm, der euch allen Herr, Freund und Bruder wie auch Heiland war, brennt in mir das Verlangen, nur einmal Ihn zu schauen und Sein Bild mir einzuprägen in mein Herz, das mir niemand mehr nehmen könnte.“ Spricht Jakobus: „ Andree, du nennst es Sünde gegen Seine Liebe, was dein eigener Geist dir gibt. Siehe, diese Sehnsucht ist der Beweis, dass sich dein Geist regt und deiner trägen faulen Seele Schwingungen gibt. Bis jetzt warst du in deiner Seele gebunden.

Nun aber, wo dein Geist reger wird, liegt es an dir, zu erkennen, was von deinem Geist und was von deiner Seele kommt. Alles Seelische ist erdgebunden und bedarf einer großen Läuterung, damit es sich auf eine höhere Stufe stelle und sich ganz dem Einfließen des Geistes aus Gott in dir hingebe.“ Andree: „Bruder, wie ist das möglich, das ist ja eine ganz neue Lehre.“ Spricht Jakobus: „Nein Andree, du darfst dir kein falsches Bild machen, denn ohne den Geist aus Gott in dir bliebest du Geschöpf und dem Gesetz untertan. Der Mensch aber ist schon seit seiner Erschaffung berufen als Krönung alles Geschaffenen, er ist die höchste Stufe alles Geschöpflichen.“ Andree: „ Wieso, Bruder Jakobus, du verwirrst meine Gedanken, denn ich kenne mich als Mensch - als ganz armseliges Geschöpf.“ Spricht Jakobus: „ Bis heute, mein Bruder.

Von nun an sei dir bewusst, dass du ein Träger zweier Welten bist! Alles Seelische ist eine Welt für sich und trägt in sich von allem Geschaffenen ein Teilchen. Dein eigener Geist aber trägt eine Welt in sich, die erst erschlossen werden muss durch die Gaben, die Gottes Liebe, Gnade und Erbarmung deinem Geist offenbaren. Eben darum wurde Gott Mensch, um Möglichkeiten zu schaffen, dass dem Geist aus Gott im Menschen wieder das Recht werde, Führer und Leiter zu werden in der erdgebundenen Seele, damit das Gebundene frei und der wahren Erlösung entgegen gehe.“ Andree: „Du sagst mir viel Neues, Jakobus, da sieht es bei mir, der ich Priester sein soll, noch böse aus. Es wäre besser gewesen, Iwan wäre der von dir bestellte Priester.“ Jakobus: „Andree, was der Herr will, sei dir angenehm. Fürchte dich dessen nicht, noch nie hat der Herr Unmögliches verlangt. Sei dir bewusst, der Herr ist bei dir.“

Andree: „Jakobus, diese Worte flößen mir Beruhigung ein, aber ich bin wirklich noch recht dumm.“ Jakobus: Jesus lieb haben, allen Diener und Bruder sein ist mehr, denn alles Wissen! In der Liebe zum Bruder bereicherst du in dir deinen Geist, während du im größten Wissen deine Brüder vergessen könntest. So, nun wollen wir schweigen und Einkehr halten in uns, damit die Seele in der Ruhe sich labe an dem Reichtum des Geistes aus Gott in uns.“ Lange schwiegen beide, aber Andree kommt zu einer Ruhe. Er betrachtete Jakobus, der zu schlafen schien, aber die Augen nicht geschlossen hielt. Da sagte er: „Jakobus, in mir ist alles durcheinander, ich finde keine Ruhe in mir. Ein Gedanke jagt den anderen, ich finde keine Ruhe, habe gebeten, aber umsonst. An was liegt es denn, was habe ich falsch gemacht?“

„Du willst mit Gewalt erreichen, was nur mit Geduld möglich ist. Damit dir aber bewusst wird, was alles in deiner inneren Welt laufend vorgeht, will ich dir meine Hände auflegen, und du sollst wie von außen sehen die Vorgänge, die dich nicht zur Ruhe kommen lassen. Lasse es zu, Herr Jesus, Du lieber treuer Meister Du, dass dieser mein Bruder Dich und Deine herrliche Liebe erlebe, Amen.“ So legte er dem Andree beide Hände auf das Haupt, dann auf die Brust und sprach: „Im Namen des Herrn sei hellwach und hellsehend.“ Alles drehte sich um Andree. Jakobus verschwand, das Lager unter den Bäumen war nicht mehr. Er befand sich in seinem Vaterhause, das wie ausgestorben ihm vorkam. Er ging von einem Gemach in das andere, seinen Vater zu suchen, er fand ihn aber nicht. Als er hinten an die Ställe eintrat, die für die Reisenden waren, war viel Volks darinnen, die gar keine Notiz von ihm nahmen.

Ihre Sprache verstand er nicht, sie mussten verschiedene Zungen reden, denn als er einige ansprach, wurde er verwirrter, sie hatten ihn, er aber sie nicht, verstanden. Durch allerhand Gebärden konnten sie ihm verständlich machen, sie hatten Hunger und Durst. Schon wollte er sie in die Gaststube führen, da kommt sein Vater uns spricht: `Andree, lasse sie vorläufig im Stall, bis du sie verstehen kannst. Denn wisse, sobald sie einmal unsere gefüllten Kammern aufgefunden, ist alle Ruhe vorbei, denn diese sind noch reine Tiere.` Andree: `Aber Vater, sie haben Hunger und Durst, es wären die ersten, denen wir Wegzehrung versagten.` Kaspar: `Andree, diese sind keine Hausgenossen und ernten, wo sie nicht gesät haben. Sie sollen aber doch in deinem Hause nützliche Hausgenossen werden, dann wird ihnen nichts versagt werden, Denn wisse, nun bin ich nicht mehr der Herr im Hause, sondern du.` Kaspar ging hinaus und wartete die Antwort gar nicht ab. Andree folgte, um mit dem Vater weiter zu reden, denn noch nie sagte er, dass er nicht mehr Haus- und Herbergsvater sein wollte, fand ihn aber nicht. Nun geht er in die Küche, wo Vera, seine Mutter, sich am Herd zu schaffen macht.

Andree :`Mutter, was ist denn mit euch? Vater sagt, ich sei der Herr im Hause, das geht doch nicht, ihr seid doch noch da.` Vera: `Es wird wohl gehen müssen, mein Kind, denn du bist nun unserer Pflege entwachsen und stehst auf eigenen Füssen. Wir bleiben trotzdem im Hause und werden uns an deiner Arbeit erfreuen, die ja allen zum Segen gereichen soll. Du hast das Haus von den toten Götzen gereinigt, aber deine Hausbewohner werden sie vermissen. Du musst dich nun bemühen, und ihnen Leben und Inhalt geben.` - `Wie soll ich dieses, Mutter, sie verstehen wohl meine Sprache, ich aber die ihre nicht, was gehen mich überhaupt die Fremden an?` - `Sehr viel, denn es sind keine Fremden, sondern sehr gute Bekannte, von denen du dich sehr schwer trennen wirst können. Bis jetzt hast du es freilich nicht gewusst, aber nun, da du selbst Hausvater bist, wird es Zeit, dich mit allem, was in deinem Hause vorgeht, vertraut zu machen.`

`Mutter hör auf, ich will nicht Hausvater sein, mir fehlt ja noch die rechte Erfahrung.` Vera: `Mein Sohn, freue dich der großen Aufgabe, die deiner harrt, denn hinter dir liegt die Zeit, die dich zu dem machte, was du heute bist, vor dir aber liegt ein großes heiliges Ziel. In deinem Hause soll man gerne einkehren und, wenn möglich, auch verbleiben.` Andree: `Ach Mutter, nun fängst du auch noch mit Dingen an, die ich nicht verstehen kann. Ich will doch lieber mit dem Vater reden.` Wieder ging Andree hinaus, den Vater zu suchen, betrat wieder den Stall, wo die Fremden waren, sie aber waren nicht mehr da. `Ist auch gut, denkt er, sind vielleicht bei dem neuen Brunnen`. In der Hoffnung, den Vater dort zu finden, geht er hinaus an den Brunnen, aber niemand war da, als nur ein Fremder. Andree fragt: `Bist du allein und wo sind die anderen hin?` Dieser aber sagt: `Noch bin ich allein, Andree, und warte auf dich, denn ich habe Durst nach langer Wanderung.` Andree: `Ja warst denn du mit den anderen nicht mit im Stalle? Wer bist denn du, da du meinen Namen kennst? Warum bleibst du am Brunnen sitzen und kommst nicht ins Haus?` `

Andree, konnte und durfte Ich denn, wo man Mich noch nicht begehrte, denn wisse, es ist schwer, an verschlossene Türen zu klopfen. Darum setze ich Mich lieber an den Brunnen, denn der Quell erfrischt, ohne dass der Besitzer ein Opfer bringt.` Andree: `Fremdling, du sprichst eine traurige Sprache. Mir fällt ein, dass mein Vater hart und lieblos gegen solche war , die keinen Stater bei sich hatten. Aber das wird anders werden, denn nun bin ich Herr im Hause.` - `Andree , mit guten Vorsätzen wird der Hunger und Durst nicht gestillt, sondern mit der tätigen Liebe. Was weißt du von Hunger und Sehnsucht? Nichts, dein Leben ging in einer Form, was darüber hinaus war, ging dich nichts an. Denn wisse, ein Fremder kann mehr wie Hunger und Durst haben, er kann auch eine Bleibe suchen, aber welcher Herbergswirt fragt danach?` `Daran habe ich noch nicht gedacht, aber nun komm, tritt ein in das Haus. Du bist der erste Gast, den ich begrüße. Ruhe dich gut aus, fühle dich ganz zu Hause.` - `Andree, würdest du Mich auch mit der Freude begrüßen, wenn Ich der Hundertste wäre, und du hättest viel Arbeit und auch Verdruss?

Denn wisse, in Ruhe und Frieden ist es leicht. Wie willst du aber bestehen, wenn du im notwendigen Kampf stehst? Es ist Not, die Sicherheit deiner Ruhe und das Bewusstsein, du kannst vor allem bestehen, weil dein Haus auf gutem Boden stehet.` Andree: `Aber nun komm und stärke dich einmal, sonst vergesse ich noch bei den Reden, was ich meinem ersten Gaste schuldig bin.` Er ging in die Küche, niemand war da, nahm das Brot, füllte aus einem Schlauch einen Krug Wein und stellte es seinem Gaste hin. Dann holte er zwei Becher, schenkte ein und sagte: `Auf dein Wohl, mein lieber Gast, mag es dir zur Stärkung gereichen`. Andree reicht dem Gast einen Becher hin, da sieht er Nägelmahle an der Hand. Der Fremde aber spricht: `Erschrecke deswegen nicht, lieber Andree, segnen kann man auch mit durchbohrten Händen.

So segne Ich dieses Brot und diesen Wein, und diese Meine Liebe soll Erfüllung deiner Sehnsucht sein`. Andree will rufen, da erwacht er und spricht: „Jakobus, was habe ich nur geträumt, ist denn dieses alles Wirklichkeit gewesen? Ich habe den Herrn gesehen, Er war mein Gast, warum musste ich aus dem Traum erwachen?“ „Es war kein Traum mein Bruder, sondern ein Blick in deine Welt, die dir bis heute fremd war. Habe ich dir nicht gesagt, du solltest die Vorgänge erschauen, die dir die Unruhe machen? Und nun wirst du fragen, was nützen mir die Erlebnisse, wenn ich sie mir nicht deuten kann. Um dir aber im voraus zu sagen, was es bedeutet, so wisse, ich habe die Vorgänge mit erlebt. Dein Vaterhaus, gleichbedeutend deine innere Welt, ist der Schau- und Tummelplatz vieler Bewohner. Es schaut aus, als wenn niemand im Hause wäre, da gehst du suchen und findest die Fremden im Stall, wo dieselben ihre Tiere unterbringen.

Du verstehst ihre Sprache nicht, aber sie verstehen dich. Es bedeutet, dass dieselben schon lange deine inneren Bewohner sind, ohne dass du es wusstest. Du triffst deinen Vater, der dich belehrt, dass du der Herr im Hause bist. Er entspricht deinem in dir ruhenden Gottesgeist, der da hinweist, dass du alles in deiner Seele erkennen und in dir dienstbar machen sollst. Fremd ist dir noch die Sprache deines Vaters und du kommst zu deiner Mutter, als Entsprechung, dass die göttliche Liebe in deinem Geist erwacht und Zuflucht bei der Liebe sucht und auch findet, obwohl du noch nicht recht begreifen willst ihre werbende und aufklärende Sprache. Unbefriedigt suchst du weiter, um den Vater - deinen Geist in dir - zu befragen und gehest in die Kammern und Räume deines Hauses, findest aber niemanden mehr. Da drängt dich deine Unruhe hin zu dem Brunnen und begenest Dem, der dich längst erwartete und das andere kannst du dir leicht selber erklären“. Spricht Andree: „Ich kann dich verstehen, Jakobus, bei deiner Erklärung ist mir vieles klar geworden.

Aber um eins bitte ich dich, war der Herr auch eine Erscheinlichkeit, oder war Er Wirklichkeit? Schone mich nicht und sage mir die Wahrheit!“  „Andree, es war der Herr Selbst, denn wo der Herr einem jeden Erfüllung gibt, sendet Er keinen Vertreter! Sein herrliches Wort : `Siehe, Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende` findet täglich und stündlich seine Erfüllung! Solltest du dich aber von Ihm trennen, dann muss Er sich auch von dir lösen. Im Augenblick aber, wo du dich mit Ihm wieder verbindest, ist auch alle Trennung vorüber. Denn siehe, das ist der Sieg aller Siege, Er lässt dir und allen Menschen die Freiheit! Der Herr ging in Seine Urheimat zurück und stehet doch in Seinem Geist jedem nach seiner Sehnsucht und Verlangen zur Verfügung. So wie du Ihn sahest, wirst du Ihn jederzeit sehen. Bist du in Leid und Schmerz, wird Er mit dir leiden, bist du in Freude, wird Er sich mit dir freuen und dein eigener Geist in dir nimmt die Eindrücke des Herrn in sich auf und sie werden fühlbar in deiner Seele. Nun aber ist die Zeit gekommen, wo du ruhen musst.

Schlafe einige Stunden gut, denn der kommende Tag braucht ausgeruhte Menschen.“ Mit Sonnenaufgang wanderten beide in den werdenden Tag hinein. Eine Quelle spendete Labung und der Rest im Beutel wurde verzehrt. Da fragte Andree: „Hast du keine Sorge um dein Mittagbrot, denn vor Abend kommen wir in keine Herberge?“ - „Nein, Andree, auf den Wegen des Herrn ist Sorgen überflüssig, ist Er doch unser Begleiter und Zuhörer! Ist Er doch der Geber von dem Herrlichen, was man erlebt, und darum ist man auch mit Ihm aller Sorgen entbunden. Er hat Engel in Überfülle, und auch Menschen und Tiere, die Er zu Seinen Diensten nutzbar macht. Freilich, wenn es der Mensch nicht merkt, was Gott in Seiner Fürsorge tut, sind auch alle Wunder überflüssig, denn Gottes Liebe muss ja allen Menschen ein Wunder sein.“ Beide wanderten im glühenden Sonnenbrand, ohne einmal zu ruhen, aber immerzu sprach Jakobus von dem herrlichen Heiland, von Seiner Geburt bis zu Seiner Auferstehung.

Sie merkten keinen Hunger, keinen Durst, aber auch kein Bedürfnis, zu ruhen, bis nun Jakobus sagte: „Andree, nun sei es genug, du bist angefüllt mit geistigem Brot in Hülle und Fülle. Bist du noch in einigen Punkten unklar, so frage, denn ich glaube, wir haben nicht mehr viel Zeit.“ Spricht Andree: „Jakobus, um was soll ich dich noch fragen, ist nicht jedes Wort eine Klarheit für sich? Die Schilderungen Seines Erdenlebens sind so ergreifend, ich glaube, ich werde sie in meinem ganzen Leben nicht mehr vergessen können. Aber du sagtest, wir haben nicht mehr viel Zeit, hat der Herr in dir gesprochen?“ „Nein Andree, mein Geist löst in mir das Gefühl aus. Denn wisse, würde in allen Dingen der Herr sprechen und Anweisungen geben, wäre dieses doch ein Zwang. Für mich, als einem Seiner Jünger, hätte es wenig zu sagen, aber viel für dich, da du dich ja selbst als Sein Kind entwickeln sollst und aus freier Liebe zu deinem himmlischen Vater werktätig sein sollst.

Jünger und Knechte kann Er sich Selbst erziehen, aber freie Kinder nicht! Darum werde ganz Sein Kind. Alles, was du tust in diesem freien Kindesgeist, wird dem heiligen Vater ein herrliches Geschenk sein!“ Sie kommen an die Karawanenstraße. Weit reicht der Blick, von einem lebenden Wesen ist nichts zu sehen. Da spricht Andree: „In zwei Stunden kommen wir an eine große Herberge. Der Wirt ist ein geiziger Jude, der sich auch das Salz bezahlen lässt. Ich habe einige Stater bei mir, da wird er uns nicht abweisen.“

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10 Bei Joram

Schon von weitem sehen sie die Herberge mit vielen Menschen und Tieren. Eine richtige Wagenburg hat man errichtet. Nun sie dort sind sehen sie, dass dieselbe bewacht sind, Netze sind über die Wagen gezogen. Als die beiden in einen solchen Wagen schauen wollten, hindert sie der Wächter daran. Jakobus wusste sofort, hier sind Menschen gefangen. Jakobus spricht: „ Komm ins Haus, Andree, ich muss klar sehen, alles andere wollen wir dem Herrn anheim stellen, denn umsonst lässt Er uns dieses nicht erleben. In der großen Wirtsstube geht es toll zu. Fast alle Tische sind besetzt von laut sprechenden Menschen in fast allen Zungen. Sie suchen sich einen etwas ruhigen Tisch, da kommt auch schon der Wirt auf Jakobus zu und sagt: „Ist dein Wagen schon versorgt und deine Tiere? Ich habe dein Kommen überhört“. –

„Wir sind zu Fuß gekommen und begehren für die Nacht ein Lager, wir müssen nach Rakka weiter“. - „Zu Fuß, das wird kaum möglich sein, denn es sind viele Wegstunden dahin und du bist nicht in Israel“. Jakobus spricht: „Joram, lass das deine Sorge nicht sein, denn der Herr, der mich bis hierher führte, wird mich auch bis dahin bringen. Lasse uns etwas Brot, Salz und frisches Wasser bringen, denn dieses wirst du uns doch nicht versagen?“ „Nein, eine Wegzehrung ist frei, aber für morgen habt ihr dann selbst zu sorgen. Übrigens, ich habe dich noch nie gesehen, woher kennst du meinen früheren Namen?“ Spricht Jakobus: „Ich kenne dich auch nicht, habe dich auch noch nie gesehen. Aber ich weiß doch, dass du der frühere Priester Joram bist, dem der Zwang im Tempel zu Jerusalem nicht gefiel“. Spricht der Wirt: „Dann schweige, dafür kannst du so lange mein Gast bleiben mit deinem Begleiter“.

Spricht Jakobus: „Nein Joram, auf dieses Geschäft gehe ich nicht ein. Sei aber versichert, dass ich in keinerlei Weise dir schaden werde, denn auch du bist, gleich mir, aus dem Stamme Davids“. Kopfschüttelnd schaute er Jakobus an, dann eilte er in die Küche, um selbst Brot und Wein zu holen. In dem Tumult merkten die Gäste nicht, dass der Wirt die beiden selbst bediente, wo dagegen die anderen von den beiden Töchtern bedient wurden. Der Wirt hatte keine Zeit mehr, mit Jakobus zu sprechen, der Betrieb war zu groß. Auch weil es auf den Abend zu ging, wollten alle essen. Aber Jakobus störte es nicht, ihn beschäftigten die vielen Menschen. Er hatte sich mit dem Brot und dem Wein gestärkt, dann fragte er Andree, ob er die Sprachen verstehe, die da durcheinander gesprochen wurden. Andree verstand sie nur halb, aber dieses fand er heraus, römische Kaufleute waren es nicht, sondern Persianer und Juden.

Hier wurde von den Persern Ware übernommen von den Juden, und umgekehrt. Jakobus fühlte sich eingeengt unter den vielen Menschen. Ihm war so traurig zumute, am  liebsten wäre er weiter gewandert, wenn es morgens gewesen wäre. Er verließ die Gaststube mit Andree, um sich in dem kleinen Ort etwas umzusehen, er musste eine andere Luft atmen. Es waren arme Hüttenbewohner mit einigen Ziegen, Schafen und Hühnern. Am Brunnen wurde das Wasser mit Eimern herausgezogen, und diese einfache Vorrichtung interessierte Andree. Die schweren Eimer wurden mit Leichtigkeit empor gezogen. So kamen auch zwei betagte Frauen Wasser holen. Andree zog ihnen das Wasser herauf und erbot sich, dasselbe ihnen in ihre Behausung zu tragen, und löste große Freude aus. Er blieb lange, dann kommt er und bittet Jakobus, ihm doch zu folgen, da im Hause ein junger Mann liege, der dem Tode nahe sei. Als sie eintraten, waren die Bewohner vollzählig beisammen.

Für sie war es ein Wunder, dass sich Fremde für einen Kranken interessierten, der auch ein Fremder war. Eine Karawane setzte ihn ab. Da der Wirt keine Zeit hatte, erboten sich die alten Leute, den Mann so lange zu pflegen, bis sie wieder nach hier kämen, was ungefähr einen Monat dauern könnte. Nun sei die Zeit längst vorüber, und alle Liebe und Arbeit sei doch umsonst gewesen, er müsse doch sterben. Jakobus fühlte, hier ist menschliche Hilfe vergebens, wenn der Herr nicht hilft. So sagte er zu Andree: „Was fühlst du in dir, mein Bruder?“ - „Ach Jakobus, wenn ich doch dem armen Menschen helfen könnte, seine Augen blicken so bittend und treu“. Spricht Jakobus: „Ja, mein Bruder, warum zögerst du noch, wo du doch in dir den Zug des Heilandes fühlst. Der glaubst du, dass der Zug in dir, dem Armen zu helfen, aus deiner Seele ist? Verbinde dich doch ganz lebendig mit Dem, der immer bei dir sein will, und du wirst das Wunder Seiner Liebe erschauen!“ Da geht Andree hin zum Kranken, schaut ihn lange an.

Mächtig arbeitet es in ihm, da geht er auf die Knie und betet: „Du Jesus, Du herrlicher Vater und Heiland, ich komme, Dich zu bitten um Deine Hilfe für diesen armen Bruder. Du hast mich Dich drei Tage erleben lassen, ich habe keine Zeit gefunden, Dir zu danken für das Große, was ich von Dir erlebte. Lasse mich Dich herzlich bitten, schenke mir Deine Kraft, dass ich Dich ganz verherrlichen kann, wie Du Deinen Vater verherrlichst hast! Durchdringe mich mit Deiner Kraft und gib diesem armen Bruder die Gesundheit wieder! - Ich fühle Deinen Strom, ich fühle Deine Kraft, ich sehe Dich, o mein Jesus. Du winkst mir zu, habe herzlichen Dank! Und du, mein armer Bruder, mein und dein Heiland will, dass du lebest!“ Da legte Andree beide Hände auf das Haupt des Kranken. Das Todesfieber wich und Andree sagte: „Im Namen Jesu sei gesund und Sein Leben werde das deinige. Stehe auf, dir ist geholfen!“

Der Kranke schaute ganz anders aus. Er erhob sich und sagte: „Wo ist der Schmerz und die Qual nur hin, ich bin ganz frei und wohlauf, wem verdanke ich diese Wohltat?“ Jakobus: „Nimm erst einige Bissen Brot und etwas Milch zu dir, dann sollst du alles erfahren“. Die Bewohner staunten über diese Begebenheiten, sie konnten nicht die rechten Worte finde für dieses Wunder. Die alte Mutter brachte Brot und Milch, welches der Genesende auch sogleich verzehrte. Da sagte die alte Mutter zu Jakobus: „Dein Kleid sagt mir, du bist ein Jude. Diese sind verhasst bei uns, weil sie nur Bitternis brachten“. Jakobus: „Nicht nur den Glauben an Menschen, sondern an Gott, den Wahren und Lebendigen, den ihr heute das erstemal richtig erlebt habt und Ihn nun auch kennen lernen sollt“. Sagt die alte Mutter: „Wir haben genug von den Göttern, an die wir glauben und ihnen opfern sollen. Wir sind arm, wünschen auch nicht, dass wir mit Glücksgütern gesegnet sein wollen, wenn wir nur so viel haben, was wir zum Leben brauchen.

Bei dem Herbergswirt freilich, da häuft sich der Reichtum, dafür werden sie aber auch immer geiziger. Nicht ein einziges Brot haben sie uns gebracht, aber Geld hat er viel bekommen“. Jakobus: „Liebe Mutter, ist dir dein Herzensfrieden nicht mehr wert, als das Hasten und Jagen nach Gewinn? Auch meine Eltern waren arm, kam aber Geld ins Haus, dann war der Friede hin. Bist du nicht reicher, als der Wirt? Bedenke nun noch, dass ich dir die Bekanntschaft mit dem ewigen Gott vermittele, der diesem armen Bruder aufs Neue das Leben schenkte. Du bist an Alter dreimal so alt, wie ich, aber Erfahrungen über den wahren Gott habe ich tausend male mehr, wie du. Hast du, und ihr alle, noch nichts von dem Wunderheiland Jesus gehört, der in ganz Judäa die Kranken gesund machte, sogar Tote erweckte?“ „Gehört schon“, erwiderte die Mutter, „aber drüben der Wirt sprach nicht gut von ihm, da verlor ich jedes Interesse.

Aber Ilonka kann erzählen, da sie oft zum Arbeiten geholt wurde in die Herberge“. Jakobus: „Also ist euch der Heiland doch nicht so ganz fremd!“ Ilonka: „Er wird uns fremd bleiben, weil er zu den Toten zählt. Gekreuzigt soll man ihn haben. Wenn du, als Jude, etwas von dem Gott der Juden bringen willst, da musst du weit ausholen, denn an den Juden haben wir noch nichts göttliches, sondern nur verwerfliches erfahren. Darum bin ich sprachlos, dass dieser dein Begleiter zu Jesus betete und im Namen Jesus unseren Kranken gesund machte“. Jakobus: „Du freust dich doch am meisten, dass Veit nun wieder gesund ist, obwohl gerade du es an Liebe und Ausdauer nie hast fehlen lassen. Aber da du es als einzige bemerkt hast, dass Veit im Namen Jesus geheilt wurde, sollst du auch diejenige sein, die die Wahrheit am besten aufnehmen wird“. Ilonka: „Ich habe keine Lust, über Tote mich zu unterhalten, denn grausam ist der Tod und machtlos die Menschen“. Jakobus: „Nicht so, Ilonka, der Tod ist nichts Schreckliches mehr, sondern nur ein Übergang in ein ewiges unvergängliches Sein! Unser aller Erdenleben, von der Geburt bis zur Sterbestunde, ist wohl ein Kampf, aber eben durch Jesus erhält alles eine andere Bedeutung.

Jawohl, Jesus ist den Kreuzestod gestorben, aber am dritten Tage wieder auferstanden! Die dortigen Priester verbreiteten Gerüchte, die Auferstehung sei Lüge. Aber ich bin einer Seiner Zeugen und Seiner Jünger , die in Seinem Auftrag von Ort zu Ort ziehen, um die Botschaft zu verkünden: - der Tod ist überwunden und alles Leben wäret ewig durch den Heiligen Jesus! Wer an Ihn glaubet und sich an Seine Lehre hält, wird leben, aber ein Leben nach dem Tode, für das die Welt keine Worte hat, es zu beschreiben!“ Ilonka: „Welches ist nun Seine Lehre, um an Ihn zu glauben, muss man Seine Lehre kennen“. Jakobus: „Nur Liebe soll alle Menschen beleben, und in dieser Liebe soll einer dem anderen dienen. Dies ist Seine ganze Lehre! Ehe ich an mich denke, soll ich erst an die anderen denken und mich bemühen, der Kleinste zu sein!“ Ilonka: „O weh, da hapert`s aber gleich, denn der Kampf um das bisschen Leben hat uns hart und für die Nächsten misstrauisch gemacht, du wirst wenig Freude bei uns finden“. Jakobus: „Ich bin vom Gegenteil überzeugt, wenn ich euren Irrtum beleuchte. Bis jetzt lebtet ihr eure eigene Welt und hattet gar kein Verlangen nach euren Mitmenschen. Die Fremden brachten euch viel Verdruss und dieses macht euch noch verbitterter.

Habt ihr euch jemals Mühe gegeben, die Fremden zu verstehen? Nein, kamen Kamelreiter und holten Wasser für ihre Tiere, da ärgertet ihr euch, weil es manchmal einen gab, der ein Flegel war. Aber daran habt ihr nicht gedacht, dass 99 Anständige auf ihren freundlichen Gruß auch das Anrecht auf einen freundlichen Dank hatten. Alle diese Menschen, die hier vorüberziehen, haben dasselbe Anrecht auf das ewige Leben, weil Jesus, der übergute Heiland, für alle, alle Menschen Sein Leben auf das Spiel setzte und Seiner Liebe die Krone aufsetzte, indem Er sich opferte für alle ihre Sünden! Es geschah, wie ihr richtig vernommen habt. Was ihr aber nicht wusstet war dieses, dass Er lebt! Aber ein Leben, was unzerstörbar ist! Wir sahen Ihn, wir sprachen mit Ihm und sind auch jetzt mit Ihm verbunden. Ja, Bruder Andree sah Ihn, wie Er winkte, um dem Veit das Leben wieder zu geben!“ Spricht Ilonka: „Du Mutter, könnten die beiden nicht bei uns bleiben, wir haben Platz genug? Jesus fängt an, mich zu interessieren und es wird Zeit zum Nachtmahl“.

Die Mutter nickt und spricht: „Bleibet in dieser Nacht bei uns, dort drüben vermisst euch niemand. Wir sind auch euch zu Dank verpflichtet, weil alle Sorge um Veit in Freude verwandelt wurde“. Spricht Jakobus: „Wir bleiben gerne, aber der Wirt hat uns als Gast aufgenommen und dort ist meine Anwesenheit wichtiger, als hier bei euch. Bruder Andree mag bei euch bleiben. Wenn ich weiter gezogen bin, wird er euch weiter unterrichten, denn ich gehöre nicht mir, sondern dem lebendigen Gott und Herrn, der uns durch Jesus offenbart wurde. Um euch allen aber die Herrlichkeit Gottes zu beweisen, so stellt einen Krug frischen Wassers aus dem Brunnen auf den Tisch. Der Herr wird ihn segnen und euch einen Wein geben, der euch überfröhlich machen wird. Alles weitere folgt, denn es drängt mich hin zu unserem Wirt.

Komm, Andree, des Herrn Ruf ist geschehen, so geschehe auch Sein Wille, ihr aber seid gesegnet in Seiner Liebe!“ Eilig verlassen beide die armselige Hütte. Als sie aber in die Herberge kommen, hatte nicht einmal der Wirt das Fehlen gemerkt, denn es war wieder eine Karawane angekommen, mit vollgeladenen Wagen. Der Wirt hatte alle Hände nötig, um mit seinen Knechten und Töchtern die Menschen und Tiere zu versorgen. Ohne zu bestellen, wurde auch ihnen das Mahl, bestehend aus Fleisch, Gemüse und Brot, gereicht. Da sagte Andree: „Bruder, ich glaube, dass wir hier völlig überflüssig sind, wir hätten doch bei  den anderen bleiben sollen“. Spricht Jakobus: „Nein Andree, des Herrn Ruf ist erfolgt. Warten wir ab, es wird bestimmt etwas eintreten“

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11 Darius

Da kommen wieder frische Ankömmlinge, geführt von dem Wirt, und suchen einen bequemen Platz. Da sieht der eine den Jakobus an und spricht: „Beim Zeus, ich muss dich doch kennen, bist du nicht einer von denen, die mit dem Wundermann herumgezogen sind?“ Spricht Jakobus:“ Ja Herr, du hast recht, ich aber habe dich noch nicht gesehen. Unser Meister ist nicht mehr im Fleische, aber in Seinem Geiste wirke ich in Seinem Auftrage“. „Setzen wir uns hierher“, sagte er zu seinen Begleitern, „der Mann ist mir jetzt das Wichtigste“. Während sich die drei platzierten, schaute Jakobus den Mann an, dann kam die Erleuchtung. Nach dem Abendmahl bestellten die Anderen Wein, auch für Andree und Jakobus. Dann sagte der Mann: „ Ich bin Darius, ein römischer Kommissar, und habe einmal im Gefolge des Statthalters ganz Judäa bereist, aber nur ein einziges Mal den Heiland und Meister gesehen, am See Genezareth.

Leider rief die Pflicht, da war es nicht möglich, mich ganz zu orientieren, aber was ich hörte, war groß! Leider war der Abschluss dieses seltenen Mannes nicht erfreulich. Aber diese Gerüchte hören nicht auf, was geht denn in Judäa vor?“ Spricht Jakobus: „Herr, große Dinge haben sich ereignet. Es ist in Wirklichkeit wahr, unser Meister starb am Fluchholz, aber Er ist wahrhaftig nicht im Tode verblieben und hat uns zu Sendlingen Seiner Lebenslehre gemacht“. Spricht Darius: „Man sagt, dies sei der größte Volksbetrug, darum liegt mir daran, Licht und Klarheit zu erhalten. Habe ich mit Juden gesprochen, wurde der Meister als Volksbetrüger hingestellt, redete ich aber mit meinen Stammesgenossen, klang es ganz anders. Bist du aber, nach deinen Worten, ein Sendling deines Meisters, musst du dieses auch belegen können. Siehe, hier ist meine Beglaubigung meines Kaisers mit allen erdenklichen Vollmachten, was kannst du aufweisen? Es ist mein Recht, dich danach zu fragen, obwohl ich den Nazarenern gut gesinnt bin“.

Spricht Jakobus: „Herr, ich kann nichts aufweisen als nur das, was mein Meister, Herr und Gott in mich legte, obwohl dasselbe auch in dir liegt. Es ist auch schwer zu beweisen, da ja der Glaube an den Meister und Seine Lebenslehre sich nicht auf Beweise stützen soll, anderseits ist es kaum möglich, den Gegner zu gewinnen. Wir, als die Sendboten Seiner Lebenslehre, handeln nur auf Geheiß des Meisters, Herrn und Gott, der uns jederzeit Anweisungen gibt, die ich in mir vernehme“. Spricht Darius: „Das ist mir neu, in dieser Art habe ich noch von niemanden etwas gehört. Du aber hast mich recht neugierig gemacht und hätte gerne gewusst, welche Anweisungen dein Meister für mich gibt?“ Jakobus: „Herr, es ist wenig und doch viel. In deiner Macht liegt es, den 19 Gefangenen die Freiheit wieder zu geben, die ein gewinnsüchtiger Händler hier verkaufen will“. Darius: „Was sagst du, es kann unmöglich wahr sein“.

Jakobus: „Herr, noch nie hat mir mein Meister etwas gesagt, was nicht zugetroffen wäre. Dort links, am dritten Tisch, sitzen die Händler“. Darius: „Kannst du mir auch sagen, wo die Gefangenen sind, hast du sie gesprochen?“ Jakobus: „Ich habe sie weder gesehen, noch gesprochen, aber die Wagen sind es, die bewacht werden“. Darius: „Wenn deine Angaben stimmen, soll auch dein Meister zufrieden sein. Nun sage mir noch deinen Namen, deinen Worten bringe ich keinen Zweifel entgegen“. Jakobus: „Ich bin Jakobus, der Bruder des Menschensohnes Jesu, ein Jünger aber des Gottessohnes Jesu!“ Darius: „Es genügt mir. Bleibet ruhig am Tisch sitzen. Du Fabian, gehe hinaus ins Zelt, alle Mann haben sich sofort ohne Pferd zur Verfügung bereit zu halten“. Darius geht hin zu dem bezeichneten Tisch, reicht den beiden Händlern die Vollmachten und bittet um ihre Ausweise. Die beiden erschrecken, aber sofort fassen sie sich und holen ihre Ausweise hervor.

Darius, als er die Ausweise längere Zeit studiert hat: „Es ist aber nicht zu ersehen, welcher Art euer Handel ist. Habt ihr noch andere Schriftstücke bei euch?“ Levi, ein jüdischer Händler: „Herr, in meinem Wagen befindet sich alles Wünschenswerte, ich werde es gleich holen gehen“. Darius: „Nein, bleibe hier, meine Soldaten werden schon alles besorgen. Und, was wirst du sagen, Arnaut?“ - „Nichts“, erwiderte Arnaut, „ich kann dich bloß bitten, sei nicht allzu streng mit uns, denn für meine Ladung habe ich keinerlei Ausweise“. Darius: „Welcher Art ist dein Handelsgut?“ Arnaut: „Herr, persische Teppiche, Stoffe und 19 junge Menschen, denen ich eine Heimat und einen gütigen Herrn versprochen habe“. Darius: „Ich werde deine Angaben prüfen. Ehe ich mit euch weiter verhandle, wollen wir erst einmal die 19 Menschen herein holen“. Arnaut: „Herr, dein Wille geschehe, aber die Menschen sind in fast nacktem Zustand, Sklaven werden nicht anders transportiert“. Darius: „Ganz gleich, sofort herein holen.

Aber du, Arnaut und du, Levi, ihr bleibet hier und verlasset das Zimmer nicht. Bitte, Fabian, rufe unsere Leute herein“. Welch eine Aufregung in diesem großen Gastzimmer, zusammengedrückt sitzen die Anderen da. Der Wirt hätte etwas unternommen, aber es war zu spät. Es kommen an 20 Soldaten herein, da spricht Darius zu seinem Unterführer: „Niemand verlässt dieses Zimmer. Mit zehn Mann sicherst du die Wächter und bringst dann die Gefangenen herein, aber in dem Zustand, wie du sie antriffst. Behandle sie als Menschen, es sind unschuldig Gefangene“. Der Unterführer gab einige Anweisungen, teilte seine Leute ein, ließ sich Fackeln geben und eilte mit den anderen hinaus. Es dauerte keine Viertelstunde, da kommt der Unterführer und spricht: „Herr, bestehst du darauf, die gefesselten Menschen herein zu bringen, sie sehen erbärmlich aus. Wir haben noch ein Zelt, darin könnte ich sie menschlich unterbringen“.

Darius: „Du hast recht Humbert, tue, was dich dünkt, ich werde sie dann morgen in der Frühe vernehmen. Was hast du mit den Wächtern erzielt?“ Humbert: „Herr, sie sind froh, von uns abgelöst zu werden, denn sie hätten in jüdischen Tempeldiensten weiter verbleiben müssen, so sei es vereinbart“. Darius winkt Arnaut zu sich und fragt: „Bist du bereit, die Wächter in deinen Diensten zu behalten, denn sie sind froh, nicht länger Wächter zu sein?“ Arnaut: „Herr, was du anordnest wird geschehen, ich habe nun keine Verwendung mehr für sie“.

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12 Arnaut

Levi wird es eigentlich bange, die ganze Geschichte gefällt ihm nicht recht. Gut, dass er die Ware noch nicht übernommen hat, so hat er wenigstens keine großen Verluste. Aber warum darf niemand seinen Platz verlassen? Von den brennenden Fackeln angezogen, kamen auch die Leute von den Nachbargrundstücken. Auch Ilonka und Veit kamen und wollten schauen, was in der Herberge los ist. Als sie hinkommen, werden sie von den Soldaten gefragt, was sie hier zu suchen hätten. Ilonka will daraufhin weggehen, aber der Unterführer spricht: „Halt, hier geblieben. Mag der Richter euch befragen, marsch hinein in die Stube. Betroffen betreten sie die Gaststube und erschrecken über die vielen Leute, die ganz ruhig da sitzen. Da meldet der Unterführer dem Darius: „Hier sind zwei, die recht neugierig waren, ich mag aber keine Zuschauer vor den Gefangenen“. Darius: „Wer seid ihr und warum stehet ihr bei nachtschlafender Zeit vor der Herberge?“ Spricht Ilonka: „Herr, wir haben heute Großes erlebt, da blieb der Schlaf uns ferne.

Dort, die beiden Männer, brachten uns das Erlebnis“. Darius: „Welches Erlebnis? Rede du, junger Mann, ein Manneswort ist wichtiger, als das eines Weibes“. Veit: „Herr, seit Wochen lag ich krank im Hause von Ilonkas Mutter, die der Wirt sehr gut kennt. Heute auf den Abend, besuchten uns die beiden Freunde, bringen mir volle Gesundheit im Namen eines gewissen Jesus und beim Abschied der beiden wird uns ein Krug reinen Brunnenwassers als bester Wein geschenkt, der uns in gute und frohe Stimmung brachte. Wir sahen vom Hause aus den Schein der Fackeln, da gedachten wir der beiden Freunde, und wollten schauen, was hier für ein Wunder geschieht. Dies ist alles“. Darius: „Nehmt am Tisch der beiden Freunde Platz, ich möchte noch mehr erfahren. Bist du hier beschäftigt?“ Veit: „Nein, ich bin ein Viehtreiber, meine Heimat ist die Landstraße, ich gehöre zur Karawane Melchior. Bei einem Sandsturm wurde ich von rasenden Tieren fast zu Tode getreten, aber Melchior nahm mich bis hierher mit, der Wirt sollte mich gesund pflegen.

Da aber in dieser Herberge doch nicht die rechte Ruhe und Pflege war, brachte man mich zu Ilonkas Mutter. Alles andere kann Ilonka erzählen“. Ohne Aufforderung spricht Ilonka: „Ja Herr, es war so. All unsere Mühe und Pflege war nutzlos, von Tag zu Tag wurde der Kranke schwächer und heute wäre er gestorben, wenn uns nicht von den beiden Hilfe geworden wäre!“ Darius: „Ich danke dir, Ilonka, aber sag, hast du gewusst, dass die beiden dem Kranken helfen konnten?“ Ilonka: „Nein Herr, im Gegenteil, ich habe mich gewehrt, etwas von Jesus anzunehmen, da ich hier in diesem Hause viel Gutes, aber noch mehr Schlechtes von Ihm gehört habe. Nun aber bin ich in Ordnung und weiß, an wen ich zu glauben habe. Nicht, weil Veit gesund wurde, oder uns ein Krug Wein geschenkt wurde, sondern weil alles in mir umgewendet ist“. Darius: „Mädchen, behalte diesen Platz am Tisch. Ich freue mich, dieses Zeugnis über Jesus zu hören. Nur über Veit bin ich noch nicht so recht im Bilde. Sag, war Veit wirklich so krank, dass ihr das Schlimmste befürchtet hattet?“ Ilonka: „Herr, seit Wochen pflegen wir ihn, aber mit jedem Tag wurde er schwächer. Wir konnten ihm nichts Besonderes bieten, denn wir sind arme Leute, und so erwarteten wir mit Trauer sein Ableben“.

Sich an Jakobus wendend spricht Darius weiter: „Lieber Freund, wertvoll ist mir dieser Bericht, aber trotzdem muss ich dich immer noch mehr befragen. Wie äußert sich eigentlich der von den Toten erweckte Jesus?“ Jakobus: „Herr, vor allem muss ich glauben, dass Jesus Christus, der eingeborene Sohn, allen Tod überwunden, und nun Leben über Leben ist, aber ein Leben, welches nicht mit dem Verstand, sondern in der vollen Hingabe an Christus Jesus gefühlt und erlebt wird. Dieses Leben schult mich, dass sich in mir trennt mein eigenes Ich vom Gottes-Ich. Alles, was sich vom Gottes-Ich in mir offenbart, sei es, um helfend in der Liebe zu wirken, oder um Aufklärung oder Zeugnis zu geben, oder in geistige Sphären zu schauen, sind eben Mitteilungen von Jesus, meinem Meister, Herrn und Gott, dem ich unbegrenzt glaube und sofort werktätig umsetze. Denn aller Glaube ist tot und kann nur durch die Liebe lebendig werden. Diesen armen Bruder Veit habe nicht ich, sondern mein Begleiter Andree geheilt. Du siehst also, dass Jesu Geist durch alle wirken kann, wenn eben die Bedingungen erfüllt worden sind“.

„Darius: „Das ist mir neu, wie lange kennt Andree den Heiland Jesus?“ Jakobus: „Kaum fünf Tage, aber in ihm ist wahrhaftig Jesu Geist lebendig geworden“. Es tritt der Unterführer hin zu Darius und spricht: „Herr, ich habe die Überführung in das Zelt, welches ich aufstellen ließ, durchgeführt. Aber es sind Gewänder nötig für die Mädchen. Ich würde die jungen Mädchen, es sind ihrer 9, von den jungen Männern trennen. Sie alle scheinen sehr gutmütig und ängstlich zu sein“. Jakobus: „Herr, der Wirt hat Töchter. Er hat viel verdient in den Jahren, ihm würde es geringen Verlust bedeuten, so er die Mädchen bekleidete“. Darius rief den Wirt zu sich und bat ihn, die 9 Mädchen mit Gewändern zu versehen, damit es keinen Anstoß errege, wenn sie sich frei bewegen. Spricht der Wirt: „Herr, sollen denn die Sklaven frei gelassen werden? Das ist ja gegen jeden Brauch, ich habe es noch nie erlebt!“ Darius: „Arnaut kann keinen Nachweis erbringen, dass sie ehrlich erworben sind. Aber willst du meiner Bitte kein Gehör geben?“ Spricht der Wirt: „Ich will meinem Weibe und meinen Töchtern Anweisungen geben, aber wie komme ich wieder zu meinen Gewändern?“

Spricht Jakobus: „Herr, es ist nicht mehr nötig, darüber zu sprechen, der Wirt bekleidet alle Gefangenen. Ilonka und Veit mögen mithelfen, damit es schneller geht. Und einen Verlust bedeutet es für den Wirt nicht, da Melchior mehrere Pfund Silber für Veits Pflege hinterlegte, deren Zahlung hinfällig ist, weil Ilonka und deren Mutter die Pflege aus purer Nächstenliebe taten“. Darius: „Woher weißt du dieses, Jakobus, hat dir dieses dein Herr und Meister mitgeteilt?“ „Ja, sogar noch mehr. Ein Mädchen ist noch im anderen Wagen, die noch der Freiheit bedarf, denn unfreiwillig musste sie Arnaut folgen“. Darius: „Stimmt dies, Arnaut?“ Spricht Arnaut: „Herr, sie soll nicht verkauft werden, sie ist keine Ware, sondern“ - hier stockt Arnaut. Aber Darius spricht: „Warum redest du nicht weiter, hast du Angst vor die selber?“

Arnaut: „Herr, was soll mit mir werden, du lässt uns bewachen, lässt die Ladungen ausräumen und glaubst diesem jüdischen Menschen, was er sagt“. Darius: „Du bist im Irrtum, mein Freund, ich habe lediglich mit den Gefangenen ein Ziel im Auge, an deiner Ware vergreife ich mich nicht. Dass nun dieser Jude im hellseherischen Zustand mir Manches mitteilt, was dir unangenehm ist, kann ich nicht ändern. Aber willst du nicht freiwillig diese deine persönliche Gefangene herein holen, Humbert mag dich begleiten. Ich gebe dir den guten Rat, versuche nicht, mich zu hintergehen, denn dann müsste ich mit ganzer Strenge vorgehen. Eben dieser Jude hat mich gebeten, dich zu bewahren vor den Galeeren“. Arnaut: „Herr, ich will das Mädchen holen, aber lasse Milde walten, es war das erste und letzte Mal, dass ich Menschen transportierte“.

Der Wirt ging in die Küche, Ilonka und Veit folgten. Dann ging Arnaut mit Humbert und brachte in wenigen Minuten ein Mädchen von auffallender Schönheit. „Herr, hier ist das Mädchen, ich hatte die besten Absichten“, sagte Arnaut. Darius sagte mit ruhigen Worten: „Arnaut, wenn dieses Mädchen ganz freiwillig mit dir ziehen will, wird dir nicht das Geringste in den Weg gelegt werden. Es wäre besser, du würdest Vertrauen zu mir haben, denn ein gütiges Geschick führte mich hierher Ehe wir aber zu weiteren Verhandlungen schreiten, möchte ich von dir eine Auskunft erhalten, davon hängt auch viel für dich ab. Du bist doch weit und breit im Lande herumgekommen, du warst gewiss auch in Judäa. Hast du etwas gehört und erlebt von dem Wunderheiland Jesus von Nazareth, der große Wunder vollbrachte und einen schmählichen Kreuzestod starb - und hernach wieder auferstanden wäre?“

Arnaut: „Herr, gehört habe ich das Unglaublichste, gesehen habe ich noch gar nichts. Ich muss aber gestehen, ich habe den Gerüchten wenig Glauben geschenkt und mich nie darum gekümmert. Ich habe zu viel gesehen von den Priestern aller Gattungen und habe kein Interesse für die mannigfaltigen Götter“. Darius: „Du hast nie gehört von dem ewig wahren und alleinigen Gott, den ihr den Unbekannten nennt?“ - „Herr, wir sind Menschen der Landstraße. Zu was wäre uns ein Gott nütze, der doch unbekannt wäre. All die Götter sind nur da, um von uns Opfer zu erpressen“. Darius: „Hast du schon jemals dem Unbekannten Gott ein Opfer gebracht? Wenn nicht, dann würde ich dich bitten, es zu tun und zwar, opfere deine Abneigung gegen das Göttliche und Erhabene. Wir Römer haben tiefst erkannt, dass alle Gesetze nur bestehen können, wenn sie von den göttlichen Gesetzen abgeleitet werden, darum will ich auch nicht nach den puren menschlichen, sondern nach göttlichen Gesetzen handeln. Freilich werde ich mich nach dir richten müssen, ob du gewillt bist, Göttliches anzuerkennen“. Arnaut: „Herr, du hast die Macht, ich bin in deiner Hand.

Deine Handlungsweise ist aber ein Zwang gegen meine innere Freiheit. Ich soll Göttliches erkennen, welches ich noch nie erkannt habe. Was ich von all den Göttern halte, will ich nicht sagen, denn es würde das Kreuz bedeuten, und der unbekannte Gott wird auch nichts anderes sein. Bringe mit einen Gott, der gütig und weise, liebreich und huldreich ist, dann werde ich der Erste sein in dieser Herberge, der das größte Opfer zu bringen vermag“. Darius: „Ist dies dein Manneswort, Arnaut?“ - „Ja Herr, ich schwöre es bei dem Andenken meiner geliebten Mutter“. Darius, sich an Humbert wendend, spricht: „Lasse deine Leute in das Zelt gehen, aber sie können auch hier bleiben, die Bewachung ist aufgehoben. Dich aber hätte ich lieber in meiner Nähe, da dich die weiteren Unterhaltungen auch interessieren werden. Aber zuvor bringe den Gefangenen die Botschaft, dass sie sich frei bewegen können. Es darf keinem der Zutritt in dieses Zimmer gewehrt werden. Mit dir, Arnaut, verhandle ich morgen, d.h. wenn es noch nötig sein sollte. Betrachte dich als freien Mann und als Gast dieser Herberge, aber hole mir den Levi an unseren Tisch, auch mit ihm habe ich zu reden“.

Levi, der die Veränderung in der Gesinnung des Römers merkte, frohlockte innerlich. Als er aber an seinem Tisch Platz nehmen sollte, war es ihm einerlei. Darius fragte das Mädchen nach Stand und Namen, diese aber war verschüchtert und getraute sich kein Wort zu sagen. Da sagte Arnaut: „Ludmilla, sprich ruhig, dieser Herr ist ein hoher Römer und ein Gesandter des Kaisers. Er ist dir gut gesinnt und will dein Bestes“. Spricht das Mädchen: „Hoher Herr, ich bin Ludmilla, eines Teppichwebers Tochter, habe noch eine Mutter und noch mehrere Geschwister. Seit dem Tode meines Vaters ist es uns allen nicht gut gegangen, darum suchte ich ein Unterkommen bei meinem Onkel.

Leider habe ich kein Glück gehabt, denn auch dort war die Sorge und die Not ständiger Gast. Da sollte ich mir mein Brot selber suchen und bin dabei zu Arnaut gekommen. Er versprach, mich unterzubringen“. Darius: „Schön Ludmilla, hattest du bisher Grund, dich zu beklagen über Arnaut, oder ist er dir einmal zu nahe getreten?“ Ludmilla: „Nein Herr, Arnaut war wie ein Freund und Beschützer, ich habe nur Grund, ihm zu danken“. Darius: „Ich danke dir, Ludmilla, aber noch eine Frage möchte ich beantwortet haben. Möchtest du in Arnauts Dienste treten und ihn immer auf seinen Reisen begleiten?“ - „Nein Herr, unter diesen rohen Menschen möchte ich auf keinen Fall bleiben und Arnaut ist noch ledig. Ich sehne mich nach einem festen Heim“. Darius spricht zu Arnaut: „Also, mein Freund, mit Ludmilla wirst du wohl andere Verfügungen treffen müssen, denn ihre Antwort hast du ja gehört. Nun zu Levi sich wendend, spricht er weiter:

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13 Levi

„Levi, was hattest du für Pläne mit den Gefangenen? Du brauchst mir nicht zu antworten, wenn du nicht willst, denn ich erfahre doch die Wahrheit, und zwar von dem Manne mit Namen Jakobus, der ein Bruder und Jünger des Heilandes Jesus von Nazareth ist“. „Herr, wenn du dich auf den Nazarener oder Seinen Jünger berufst, dann bist du schlecht beraten, denn von einem Volksbetrüger und einem Tempelschänder ist ja kein Heil, sondern Unheil ausgegangen. Darum geschah es recht, dass Er am Kreuze endete“. Darius: „Levi, ist das Gesagte deine eigene Meinung, oder ist es dir übermittelt worden von deinen Stammesgenossen. Es ist nämlich das Merkwürdige: Frage ich deine Stammesgenossen nach Jesus von Nazareth, erhalte ich fast regelmäßig die ungünstigsten Antworten, frage ich aber Römer, Griechen oder andere, ist die Antwort das Gegenteil, nur Gutes erfahre ich dann. Nach deiner Antwort wäre auch Jakobus ein Betrüger und ein Schänder deines Glaubens. Wie kommt es aber, dass gerade heute im Namen Jesus ein dem Tod geweihter seine volle Gesundheit erhielt?

Du hast mich schwer enttäuscht durch deine Antwort. Rede nun du!“ „Herr, was soll ich reden, wenn sich ein hoher Römer noch von Belzebubs Künsten breit schlagen lässt. Ich habe den machtlosen Nazarener gesehen, wie er unter dem Kreuze zusammen brach, in den Gassen Jerusalems, ein würdiger Vertreter Jehovas, das muss ich sagen“. Darius, sich an Jakobus wendend, spricht: „Nun Jakobus, was sagst du nun zu dieser Rede?“ Jakobus: „Herr, ich hätte die Macht, ihn zu schlagen mit Stummheit oder einem anderen Gebrechen, aber eingedenk der herrlichen Mahnung meines Herrn und Meisters, alles Schlechte mit Gutem zu vergelten, vergebe ich ihm, denn er ist ja blind in seinem Hass. Als er selbst noch Priester war, ist es sein bestes Geschäft gewesen, ja den Zehnten von allen einzuziehen. Als aber durch den Herrn und Meister viele zur besseren Einsicht gelangten, wurde ihm der Boden zu heiß, nahm sein Gold und Silber und wurde Handelsherr.

Der Hohepriester weiß bis heute noch nicht, dass er ein Abtrünniger des Tempels ist, man hält ihn für tot“. Darius: „Jakobus, wie willst du diese Beschuldigungen beweisen, wir sind tief in Syrien, also weit weg von Jerusalem. Mir ist es aber zur Pflicht gemacht, über eines jeden Ehre zu wachen. Also bitte deinen Herrn und Meister, damit du gerechtfertigt aus diesem Kampfe hervor gehst, denn du stehest ja an Stelle deines Meisters hier!“ Jakobus: „Herr, verbinde mir die Augen mit dem Tuch, jetzt, in später Abendstunde will ich den Beweis erbringen. Bestimme einen deiner Begleiter, und aus Levis Eigentum will ich mit meinen Händen den Beweis erbringen“. Darius spricht zu Fabian: „Da bin ich neugierig, was da zu Tage gebracht wird. Es wäre schon des Wunder genug, unter den vielen Wagen Levis Eigentum festzustellen, aber nimm trotzdem ein Licht und sorge, dass Jakobus nicht gehindert wird. Nimm aber noch zwei Mann mit“.

Nun nimmt er ein großes Tuch und bindet es selbst dem Jakobus an die Augen, aber so, dass auch die Nase und die Ohren verbunden waren, nur der Mund war frei. Dann sagte er: „Nun gehe und rechtfertige dich“. Jakobus ging durch die Tische, als wenn er sehend wäre. Dann rief Fabian: „Halt, erst muss ich mir ein Licht besorgen“, da blieb Jakobus stehen. Bald war eine Laterne zur Hand. Ohne zu warten eilte er, gefolgt von Fabian, nach den Wagen der Karawane des Levis. Die Hüter protestierten, aber Fabian sagte: „Ruhe Leute, sehet ihr nicht, dass dem Mann die Augen verbunden sind. Er hat einen Auftrag auszuführen, ihr dürft zusehen, ihn aber nicht hindern“. Jakobus ging an einen der Wagen, wo viele Kisten abgeladen waren, schob einige zur Seite, dann hatte er gefunden, was er suchte. Von einer großen Kiste löste er die Verschnürung, die viele Mühe machte.

Dann öffnete er die Kiste und nahm einige Gewänder heraus und einen Pack, verschloss und verschnürte die Kiste wieder und sagt: „Lass uns gehen zu den anderen, damit die Ehre des Meisters wieder hergestellt werde“. Rasch eilte er voraus, dass kaum Fabian mit dem Licht folgen konnte, und brachte dem Darius die Gewänder und den Pack. Darius, auf den Erfolg neugierig, ist erstaunt, in den Händen eine volle Priesterbekleidung zu sehen. Da sagte Jakobus: „Herr, überzeuge dich über diese Gewänder, sie sind Levis Eigentum. Nimm mir aber das Tuch wieder ab, dein Begleiter mag bezeugen, wie ich das gefunden habe“. Darius fragte Levi: „Erkennst du diese Gewänder als dein Eigentum an?“ Levi: „Herr, was heißt Eigentum, ich habe noch viele Gewänder, warum soll ich nicht ein Priestergewand mit mir führen?“

Fabian: „Darius, du hättest Jakobus sehen sollen, mit welcher Sicherheit und Schnelligkeit er in der Finsternis zu den Wagen eilte. Es waren mehrere Kisten abgeladen und die richtige musste erst frei gemacht werden, die Verschnürung war das einzige, was länger dauerte. Mit sicherem Griff nahm er die Gewänder und den Pack, verschnürte wieder die Kiste, und du siehst, was er in den Händen hat“. Jetzt wurden alle in der Gaststube lebendig. Man sah Jakobus mit verbundenem Kopf hinaus und herein kommen. Man glaubte an einen Scherz, aber nun machte das Priestergewand doch ein Aufsehen. Sie umstanden den Tisch, ja einige traten sogar auf die Bänke, um alles übersehen zu können, und Darius ließ es zu. Jakobus: „Herr, in diesem Pack ist der beste Beweis, es ist die priesterliche Kopfbedeckung. In dieser Kopfbedeckung ist ein Segensspruch seiner Mutter eingestickt. Er lautet: `Elis, halte stets den Glauben fest, dass dich Gott nicht fallen lässt, deine Mutter Elisabeth`. Da Levi nur ein angenommener Name ist, wird durch den Spruch auch sein richtiger Name bekannt, er hieß Elis, nach seiner Mutter Elisabeth“.

Darius: „Weißt du, Jakobus, dass man sich vor dir fürchten möchte, da dir alles offenbar wird? Ich glaube, dass es so ist, aber zuvor frage ich dich, Levi, trifft alles zu, was Jakobus sagt?“ Levi: „Was fragst du, hoher Herr, wenn du es weißt, es ist doch kein Kunststück, dieses Blendwerk der Hölle“. - „Unsinniger und Verblendeter, wie weit willst du noch mit deinem Hass dein Spiel treiben mit uns? Ich will wissen, ob alles das von Jakob gesagte zutrifft. Ich verlange ein Ja oder Nein“. Levi schweigt. Da öffnet Darius selbst den Pack, es war so, wie Jakobus darstellte. „Levi“, sagte er, „Hier brauche ich nichts mehr zu sagen. Was du als Priester tatest, kümmert mich nicht, dass du aber unter falschem Namen mit Sklaven handelst, bringt dich auf die Galeeren. Darüber habe ich nicht zu entscheiden, sondern das römische Gericht. Wir Römer lieben Gerechtigkeit, ihr Juden aber liebt nur euch. Wärest du offen und wahr wie Arnaut gewesen, wir hätten Milde walten lassen. Den schönen Spruch deiner Mutter scheinst du nicht beherzigt zu haben, sonst wärest du Priester geblieben. - Fabian, lasse den Mann in ein Gewahrsam bringen, mich ekelt vor solchen Menschen“.

Das war ein Aufsehen unter den vielen Gästen, an Schlaf dachte niemand. Da sagte Darius: „Leute, gehet zur Ruhe, morgen ist auch noch ein Tag, und du Jakobus, bleibst noch lange hier, ich könnte dich gebrauchen“. Der Wirt wurde nun freigebig, wie war er auf einmal besorgt um seine Gäste, ja er bot Veit an, er solle bei Ihm bleiben, aber Ilonka sagte: „nein, er bleibt bei uns“. Es wurde wenig geschlafen. Andree, der solches noch nie erlebte, war aufgeregt, aber Jakobus sagte: „Du darfst dich nicht wundern, denn wir stehen an des Meisters Stelle hier, da gilt es, den Meister zu verherrlichen. Gleich am frühen Morgen kommt Arnaut zu Jakobus und spricht: „Mann, du bist ein Jude, warum ließest du zu, dass Levi zu schaden wurde, ich kann dich nicht recht verstehen. Ja, du mit deinen Beweisen bist ja direkt schuld, er ist doch ein Stammesgenosse. Jakobus: „Arnaut, du magst als Mensch recht haben, aber ich bin nicht von der Art wie Levi. Mein Leben gilt der Ehre meines Gottes, und meine Liebe gilt allen Menschen. Siehe, ich habe alles im Stich gelassen, um meinem ewigen Herrn und Gott zu dienen. Ich will nicht, dass Levi zugrunde gehen soll, sondern dass er lebe.

Hätte er nur gestern Abend etwas Reue gezeigt, er wäre noch ein freier Mann wie du. Sein Vergehen ist nicht größer als das Deine, und du bist und bleibst ein freier Mann und wirst dein Eigentum behalten. Aber weißt du auch, wem du es zu verdanken hast? Nur Jesum, dem Gekreuzigten und Auferstandenen. Dass der Mensch Fehler macht, ist nicht zu ändern, aber Fehler nicht einsehen wollen und  Behauptungen aufstellen, die die Fehler noch zu Tugenden machen, ist gewagtes Spiel. Levi weiß als Priester mehr, wie du ahnst, aber seine Geldgier, sein Geiz und Hass ließen es nicht zu, dass die Botschaft der Liebe und Barmherzigkeit auch in ihm Eingang finden konnte. Noch ist nichts verloren, an ihm liegt es selbst, denn mein Herr und Gott hat nicht Gefallen am Tode der Sünder, sondern dass ein jeder lebe und volle Erlösung empfange!“ Arnaut: „Mann, du redest von einem Herrn und Gott, andermal von einem Heiland, der dein Meister ist, wie soll ich dich verstehen? Ich habe die ganze Nacht nachgedacht, bin aber zu keinem Ziele gekommen.

Wer ist dein Gott, und wer ist dein Meister? Ist es etwa Jesus, der Wundermann, denn kein anderer könnte ja in Frage kommen. Aber sein Tod am Kreuze, wie soll ich das in eine Ordnung bringen?“ Jakobus: „Arnaut, hast du nicht gehört von dem Römer wie er sagte, ich stände an Stelle meines Meisters? Du hast gestern Abend beim Andenken an deine Mutter geschworen. Du hast deine Mutter heiß geliebt, sag, lebt deine Mutter noch in dir, oder ihre Liebe, oder ihr Geist?“ Arnaut: „Ihre Liebe wird immer in meinem Herzen fortleben, denn sie war die beste aller Mütter“. Jakobus: „Siehe Arnaut, wie deiner Mutter Liebe und Leben dich belebt, so belebt mich Jesus von Nazareth, der unser Meister war. Nur mit dem Unterschied, deine Mutter ging ein in die Ewigkeit und lebt in deiner Erinnerung, und du bleibst der selbe wie du warst. In mir lebt aber Jesus nicht in Erinnerung, sondern als Kraft, Liebe und Leben, denn Sein Eingang in die Ewigkeit öffnete allen Menschen die Tore zu ewigen Leben, da Er Selbst das Leben ist! Sein Tod ist unsere Geburtsstunde ins Leben! Und durch Seine Auferstehung ist dem Tod alle Macht genommen.

Es wird für Ewigkeiten keinen Tod mehr geben, sondern nur ein Verwandeln“. Arnaut: „Das ist mir zu viel, da kann ich dir nicht so recht folgen. Aber sage mir, wie konntest du im Finstern alles so finden? Ich stehe vor einem Rätsel“. Jakobus: „Arnaut höre, mein Meister ist Licht und Leben, was ich tue, geschieht auf Drängen Seines Geistes in mir. Als das Tuch meine Augen bedeckte, war um und in mir hellster Tag. Seine Stimme vernahm ich in mir, und so war alles so einfach, als wenn du bei hellstem Tage in deinem Eigentum etwas suchst. Wir sind heute und morgen noch zusammen, da wird dir volle Klarheit werden. Aber wenn du von mir einen Rat annehmen willst, so suche Darius recht bald auf, denn das weißt du aus Erfahrung, die Römer arbeiten gründlich“. Arnaut: „Ja, was soll ich bloß mit den vielen Menschen machen, die mich die vielen Pfunde Silber gekostet haben, ich weiß ja gar nicht, wohin damit. Dann bin ich ja auch gar nicht auf die Ernährung eingestellt, die wollte ja Levi übernehmen“. Jakobus: „Stelle sie doch dem Römer zur Verfügung. Dein Silber ist freilich verloren, dafür aber gewinnst du einen lebendigen und wahren Gott, der dir aus Seiner Liebe und Gnade neue Wege und ewiges Leben anbietet. Lasse doch einmal alle materiellen Dinge laufen und halte dich vorerst an Göttliches, d.h., wenn du willst.

Denn Gott ist wohl die reinste Liebe, aber Er zwingt keinen, auch Levi nicht. Da schau, dort kommen schon deine Sorgenkinder. Sie werden Hunger haben und wissen mit ihrer Freiheit nichts anzufangen“. Arnaut wies sie alle in die Wirtsstube, die noch leer war. Die Treiber und Wächter hatten mit ihren Tieren zu tun, die Soldaten waren bei ihren Pferden und die anderen in ihren Gemächern. In der Küche war die Wirtin mit ihren Töchtern. Da ging dann Arnaut, als sich die 20 platziert hatten, in die Küche und bestellte ein Morgenmahl, bestehend aus Brot und Suppe, und setzte sich dann zu ihnen. Als sie sich gesättigt hatten, fragte er, ob sie noch ein mehreres brauchten. Sie schwiegen, aber ein Jüngling sagte: „Herr, wir sind frei gelassen worden, was ist nun unser Schicksal? Wir brauchen einen Herrn, der uns Brot und Arbeit gibt, sind wir schon am Ziel?“ - „Nein, es wird anders über euch verfügt werden, denn der Herr, der eich übernehmen sollte, ist ein harter, strenger Herr. Ihr aber sollet einen guten Herrn erhalten, dieses ist mein Wunsch. Sorget euch vorerst nicht, sondern bleibet recht ruhig, über euch wacht ein guter Stern“.  Arnaut fragt nach den Gemächern des Darius. Als er sich hinbegeben wollte, kommt gerade Darius mit Fabian.

Die Begrüßung war kurz, aber herzlich. Da sagte Arnaut: „Herr, gerade wollte ich zu dir. Die 20 Menschen liegen mir am Herzen, die versorgt werden müssen, ich weiß nicht, wohin mit ihnen“. Darius: „Auch mir geht es so, wenn ich daran denke, dass sie keine Heimat mehr haben, entrechtet und der freien Willkür hartherziger Herren ausgesetzt sind. Da möchte ich jeden, der mit Sklaven handelt, selbst zu einem Sklaven machen. Darum ist das Gesetz scharf gegen die, die ohne die Zustimmung der römischen Behörden mit Menschen handeln. Darum frage ich dich, Arnaut, seit wann handelst du mit Menschen?“ - „Herr, es ist das erste mal, auf Drängen des Levi tat ich es. Ich war mir gar nicht bewusst, welches Vergehen ich eigentlich beging, mir sind erst heute Nacht die Augen richtig aufgegangen“. - „Was gedachtest du nun mit den vielen Menschen zu tun, du hast doch keine Abnehmer“. - „Herr, ich weiß es nicht, am liebsten würde ich sie deiner Liebe und Fürsorge empfehlen, denn dann hätte ich Gewähr, dass sie gerechte Herren bekämen“. –

„Wenn es dein Wunsch ist, wird sich schon ein Weg finden, vorerst will ich mich mit den Leutchen etwas unterhalten. Hast du Jakobus und seinen Begleiter schon gesehen? Ohne seinen Rat möchte ich eigentlich nichts unternehmen“. - „Ich sprach mit ihm, nur kann ich ihn nicht recht verstehen, denn was er sprach ist etwas ganz Neues“. „Arnaut, danke du dem ewigen Gott, dass Er es so fügte, dass Sein Jünger hier ist, denn du und Levi hättet die ganze Schwere des Gesetzes tragen müssen. Der Auferstandene Jesus, den ich nur ein mal sah und hörte, hat in mir meinen Sinn gewandelt und mein Herz bewegt, dass ich euch die Hände reiche und ihr gute Staatsbürger und fühlende Menschen werden könnt. Leider hat Levi keinen Sinn für Ehrlichkeit und Nächstenliebe“. - „Herr, wenn ich nochmals versuche, ihn umzustimmen, würdest du Milde walten lassen?“ - „Aber gerne, Arnaut, aber ich zweifle, dass es fruchten wird, der Mensch ist blind in seinem Hass und bar aller Nächstenliebe. Versuche es immerhin“. Jakobus ging mit Andree hinüber in die Kate der Ilonka, die beim Morgenbrot saßen. Wie freuten sich die armen Menschen über Jakobus.

Die alte Mutter weinte vor Freude und drückte ihn einige male an ihre Brust und sagte: „O du Liebes- und Freudenbote, wie sonnig hat der heutige Tag begonnen. Veit will hier bleiben, Ilonka liebt diesen Menschen längst , obwohl sie wusste, er wird sterben, und nun diese Freude. O erzähle noch etwas von diesem wunderbaren Heiland, der solchen Sonnenschein in unser Haus und in unser armseliges Leben brachte. Wo ist die Sorge und die Not? Hinweg hat Er sie genommen. Darum ist die Sehnsucht nach Ihm groß und wir möchten noch sehr viel von Ihm wissen“. Jakobus: „Mutter Rake, dein Wunsch wird erfüllt werden, doch nicht in diesen Morgenstunden, sondern heute Abend. Ich möchte nur mit meinem Bruder Andree das Morgenmahl mit euch einnehmen, denn drüben wird es mir zu bunt“.

Zu gerne brachte Ilonka Brot und Milch, als aber Jakobus betete: „O Jesus, Du treuer herrlicher Vater, wir danken Dir für Deine Liebe, Güte und den sichtbaren Segen. Erfülle mich mit der ganzen Liebesglut und Deiner Lebenskraft. Sei bei uns, um uns und in uns und segne uns dieses Mahl, damit wir zum Segen aller werden. Deine Liebe sei unser Leben und unsere Liebe Deine Freude, Amen“. Da weinten sie, denn auf einmal schauten sie alle, in der Tür stehend, den segnenden Heiland und Herrn. Rake wollte aufstehen und hineilen, da verschwand der Herr. Da sagte Jakobus: „Nun haben eure Augen Ihn gesehen, Er ist immer noch hier und nimmt Teil an eurer Freude. Freuen wir uns dessen, denn freuen ist danken“.

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14 Bei Rake

Darius und Fabian nahmen am Nebentisch Platz. Arnaut bat um die Erlaubnis, mit Levi zu sprechen, sein Inneres drängte ihn, da erlaubte es Darius. Inzwischen kamen aber auch die Treiber und Soldaten, die ihr Morgenbrot verzehren wollten. Da wurde es bald lauter und lauter in der großen Wirtsstube. Darius war bald fertig mit seinem Morgenbrot, dann besprach er sich mit den befreiten Menschen, vor allem mit Ludmilla, die einen freien offenen Blick hatte. Da sagte Darius zu ihnen: „Ich wüsste schon einen Herrn, er wohnt weit weg von hier. Aber nicht als Sklaven würdet ihr dort sein, sondern als ganz freie Menschen. Nur eins hält mich noch zurück, euch dort hin zu senden: ihr seid Menschen, die tote Götter anbeten“. Spricht Ludmilla: „Herr, ich habe noch nie gehört, dass unsere Götter tot sind, im Gegenteil.

Die Priester machen uns Angst und Bange, weil die Götter furchtbar zornig werden können. Zu wem betet denn der Herr, den du für uns wüsstest?“ Darius: „Höret, was ich euch sage, jener Herr betet zu dem wahren und lebendigen Gott, den eure Priester den Unbekannten nennen. Ich kenne den wahren und lebendigen Gott, Er ist Liebe, Liebe und wieder Liebe, und die Menschen, die zu Ihm beten, sollen auch Liebe und immer mehr Liebe werden! Darum ist dieser Herr, wie es Sitte ist, kein Herr, sondern ein Vater, dem das Wohl aller seiner Knechte und Mägde am Herzen liegt“. Ludmilla: „O muss das schön sein, lieben dürfen und geliebt zu werden ist meines Herzens Sehnsucht. Mein Leben gäbe ich, wenn es nötig wäre, um der wahren Liebe willen. Herr, nenne mir den Ort und den Herrn, ich möchte zu ihm gehen“. - „Ich auch, ich auch“, sagten die Mädchen.

Einer aber spricht: „Herr, lehre uns den lebendigen und wahren Gott. Am Eifer soll es bestimmt nicht fehlen, denn unsere Götter sind uns längst fremd geworden“. Darius: „Hört, ich kann es nicht tun, aber heute noch mache ich euch mit einem Boten des lebendigen Gottes bekannt. Bis dahin seid ihr ganz frei und Gäste dieser Herberge. Bleibet aber zusammen, damit ich euch habe, wenn ich euch brauche“. Darius und Fabian verlassen den Raum. Da kommt eine der Töchter, die da bediente, und spricht: „Herr, Herr, mein Vater möchte euch gerne sprechen, aber unter vier Augen, er hatte eine schlaflose Nacht“. - „Wo ist dein Vater“, fragte Darius. „In seiner Kammer, er ist voller Verzweiflung“, antwortete das Mädchen, „so habe ich ihn noch nie gesehen“. - „Führe mich hin zu ihm“, spricht Darius.

Da ging das Mädchen voran, Darius folgte. In einem schönen Wohnraum erwartete der Wirt den hohen Römer. Da spricht er langsam: „Herr, ich habe dich rufen lassen, ich möchte mich dir anvertrauen. Die Sache mit Levi ist mir sehr nahe gegangen“. - „Wieso“, fragte Darius, „du hast doch nichts mit ihm zu tun, oder arbeitest du mit ihm Hand in Hand?“ - „Nein Herr, aber es ist etwas anderes, nämlich ich bin auch Priester gewesen und dem Tempel untreu geworden. Ich konnte das verbrecherische Treiben der Oberpriester und des Hohenpriesters nicht länger ertragen“. - „Welches verbrecherische Treiben meinst du? Wollte man dich zwingen, ein Verbrechen zu begehen?“ - „Ja Herr, wir Priester und Diener sollten Jesus von Nazareth, an dem viel Volk hing, unschädlich machen. Da nahm ich mein Gold, Silber und alle meine Kostbarkeiten, und floh aus dem Tempel und baute mir ein anderes Leben auf. Durch bezahlte Boten ließ ich mein Weib und meine Töchter holen und wir führen nun ein Leben, wie die Heiden“. „Was du tatest, musst du selbst mit dir abmachen und sehen, wie du mit Gott fertig wirst. Eine ungesetzliche Tat hast du dir nach unserem Gesetz nicht zuschulden kommen lassen, höchstens, dass der Tempel zu Jerusalem sich an dir rächen wird, und da gibt es ein Mittel: werde römischer Staatsbürger.

Dass du Jesus von Nazareth kein Leid antun wolltest, und deswegen dich vom Tempel frei machtest, ist ein Milderungsgrund, der alle deine Vergehen, deinen Geiz und auch deine Hartherzigkeit in einem anderen Lichte erscheinen lässt. Ich hoffe, du wirst dieses einsehen, und als römischer Untertan ein vorbildlicher Herbergsvater werden, und Vieles gutmachen, was sich gutmachen lässt, oder hast du dich am Menschenhandel beteiligt?“ - „Nein Herr, ich liebe Gold und Silber, aber so weit ist es noch nicht gekommen. Ich verspreche feierlich, meine Hände sind rein von diesem Fluch, nur meinen Namen trage ich zu unrecht“. - „Lege deinen Namen ab und sei ab heute wieder der selbe, der du warst. Zwingen kann ich dich nicht, und auch kein Gesetz, wieder Priester zu werden“. - „So will ich ab jetzt wieder Joram heißen und römischer Untertan sein“. „Es sei, im Namen des Kaisers wird dir Fabian das Schild an deine Tür heften. Was hinter dir liegt sei begraben, vor dir liegt ein Leben in Pflichterfüllung und Ehrsamkeit!

Dann sei dir bewusst, dass die neue Lehre jenes Nazareners keinerlei Schwierigkeiten erfahren darf, es ist der Wille des Statthalters“. Joram: „Herr, ich danke dir, du nimmst alle Last von meinem Herzen und hast mich zu einem freien Menschen gemacht“. Darius: „Joram höre, danke mit den Händen und mit den Füßen. Ich sehe so viel Not und Elend, dass es einen jammert. Aber nun komme und führe mich zu dem Menschen, der dem Tode geweiht war und nun gesund ist, ich möchte ihn sprechen“. Als Jakobus und Andree das Morgenmahl bei den armen Leuten eingenommen hatten, sieht Rake den Wirt und die Römer kommen. Sie sagt: „Ja seit wann kommen denn die Männer zu uns, wollen sie Veit holen?“ Da tritt Joram ein und spricht: „Rake, zwei Römer möchten in deinem Hause einkehren, hast du etwas dagegen?“ - „Nein, nein“, sie geht den Römern entgegen und spricht: „Willkommen die Herren, es ist wohl eine armselige Kate, aber wir sind seit gestern Abend recht glücklich“. Darius: „Dann freue ich mich auch. Freilich, da ihr ja die Gottesboten aufgenommen habt, ist es ja erklärlich. Dich Jakobus, hätte ich am wenigsten hier vermutet, du wolltest wohl mein Gast nicht länger sein? Dich Hausmutter möchte ich fragen, was hast denn du erlebt, weil deine Augen so strahlen?“

Rake: „O Herr, unsagbar glücklich hat uns der Herr und ewige Gott gemacht, denn auf Augenblicke durften wir Ihn schauen, wie Er mit segnenden Händen unter dieser Türe stand. Dann koste diesen Wein. Noch nie ist ein solch herrlicher Wein über meine Lippen gekommen“. Sie nimmt einen Becher und reicht ihn hin. Darius nimmt ihn und kostet, trinkt einige Schluck und spricht: „Fabian koste einmal, noch nie habe ich solchen Wein getrunken. Auch du Joram, verkoste ihn, solchen wirst du nicht in deinem Keller haben“. Beide mussten den Wein loben. Da sagte Darius: „Ich habe genug gesehen und gehört, ich verlange nun keine weiteren Beweise mehr. Jesus muss Gott gewesen sein, denn einem Menschen ist dieses alles unmöglich. Nun ist Seine Auferstehung aus dem Grabe auch kein Wunder mehr, denn Gott, der ewig ist, konnte ja nicht sterben“. Fabian: „Darius, aber Sein Tod am Kreuze, wie soll ich das mir erklären?“

Darius: „Das mag uns Jakobus erklären, aber nicht jetzt, sondern wenn alles erledigt ist, was uns Ärgernis macht. Dürfte ich eine Bitte an dich, Hausmutter, richten? Ich möchte heute Abend mit vielen, denen ich Freude bereiten möchte, dein Gast sein. Erschrecke nicht, du sollst kein Opfer bringen, sondern du sollst auch eine Freude sein. Denn solche Liebe, die ihr seit Wochen einem fremden kranken Menschen entgegen brachtet, soll ihre Krönung finden. Ich könnte euch einladen als meine Gäste, aber es ist in mir so gekommen und dabei bleibe es“. Sich an Veit wendend, spricht er: „Mein Sohn, um deinetwegen komme ich in dieses Haus, und da ich in allen Dingen klar sehen will, frage ich dich, kannst du dich jetzt noch besinnen auf die letzten Stunden, ehe du verwundet wurdest? An den Grenzen zwischen Tod und Leben ist wenig beschieden, genaue Angaben zu machen“. Veit: „Herr, ich weiß nur, mir war sehr heiß, ich litt qualvollen Durst und hatte merkwürdige und wüste Träume. Aber besinnen kann ich mich auf nichts. Auf einmal steht ein Mann vor mir, es war dort, Andree, dann war mir, als wenn ein anderer vor mir stand.

Von dem ging eine wohltuende Kühle aus, die mich belebte. Dann war es wieder Andree und ich konnte aufstehen“. Darius: „Wie sah der Mann aus, von dem das Leben ausging, kannst du Genaues sagen?“ Veit: „Nein Herr, doch jetzt kommt die Erinnerung. Es muss der Herr gewesen sein, denn vor einer viertel Stunde sahen wir Ihn dort an der Tür stehen!“ Darius: „Veit höre, was ich dir sage. Wenn du es nicht genau sagen kannst, dann schweige so lange, bis du Gewissheit hast, damit die Neugierde anderer nicht befriedigt wird. Wie fühlst du dich heute, würdest du Jesum, dem lebendigen Gott, ein Opfer bringen und für einige Monate Sein Diener sein? Ich habe 20 junge Menschen, die ich sicher versorgt hätte. Es sind ungefähr 30 Tagereisen, ein mir lieber Freund bedarf dringend guter Arbeitskräfte, und für die Heimatlosen wäre es eine Heimat und sicheres Brot“. Veit: „Herr, bestimme die Stunde, ich bin bereit. Mein Leben gehört nicht mehr mir, sondern Dem, der es mir wieder schenkte, Jesus, der lebendige Heiland, ist es!“ Darius: „Dann ist es gut, mein Freund, es wird dein Schaden nicht sein. Betrachte dich von jetzt an als einen freien Römer. Wenn du einen Wunsch hast, ich erfülle denselben gern, so es in meiner Macht liegt. Überlege es dir gut, denn heute und morgen sind wir noch hier“. Der Tag brachte viel Angenehmes, aber auch viel Unangenehmes.

Die Versorgungsfrage wurde geregelt, bis ins Kleinste der Transport organisiert. Nur Levi blieb hart und unbeugsam. Er wurde in Obhut der Soldaten gegeben, sein Gut kam den Menschen zu gute, die durch ihn ihre Heimat verloren hatten. Arnaut ging Darius zur Hand, so dass er sagte: „Arnaut,deine Bereitwilligkeit macht meinem Herzen Freude. Du hast großen Verlust erlitten, den ich dir leider nicht ersetzen kann infolge deiner verkehrten Handlungsweise. Aber als Römer hast du gewisse Vorrechte, die dich in einen besseren Stand versetzen werden“. Arnaut: „Herr und großer Menschenfreund, was ist mein Verlust gegen das, was ich hier gewonnen habe. Ich vermache den jungen Menschen meine Wagen und Tiere, und will noch ein paar Zentner Silber dazu geben, die in meinem Wagen liegen“. Darius: „Arnaut, nun hast du dein Wort erfüllt, denn dieses Opfer habe ich nicht erwartet. Mit dem Silber kann viel geschafft werden, was diese jungen Menschen brauchen. Es ist eine große Hilfe für den neuen Brotgeber. Der ewige Gott wird es dir mit doppeltem Segen lohnen! Was wirst du beginnen?“

Arnaut: „Herr, ich bin kein sesshafter Mensch, ich bin und bleibe ein Händler“. Darius: „Höre lieber Freund, wir brauchen ehrliche Männer an festen Plätzen. Die Art des heutigen Handelns gefällt mit nicht. Wir brauchen mehr Handelsherren, die von einem Ziel zu einem anderen ihre Ware bringen. Der Statthalter möchte in den Städten große feste Handelshäuser sehen, um dem Handel eine neue feste und ehrliche Form zu geben, wie es schon in einigen großen Städten ist. Dann können auch solche Geschäfte, wie du und Levi es wolltet, mehr unterbunden werden. Der Menschenhandel hat Formen angenommen, die geradezu erschreckend und teuflisch sind. Aus Kleinasien werden junge Menschen geraubt und zu hohen Preisen verkauft. Und aus Judäa beginnt ein Menschenhandel, der vom Tempel organisiert ist. Wir sind machtlos, weil es keine Kläger gibt, darum muss eine Kontrolle kommen, damit das Übel gebunden wird“. Arnaut: „Herr, der Plan ist gut, aber es fehlt an Vermögen. Es gibt viele Ware, auch genug Karawanen, nur ganz Reiche können dieselben an den Abnehmer absetzen, wir tauschen untereinander. Freilich gehen viele auf Abwege, wie es auch bei mir und Levi der Fall war, wenn es der Herr Selbst nicht verhindert hätte“.

Darius: „Es freut mich, dies zu hören, auch bin ich glücklich, dass mein Wanken nun zu Ende ist und es nur noch einen Gott und Heiland gibt, der meinem Beruf und meiner Mission eine ganz andere Richtung gibt. Manchmal habe ich den Statthalter der Schwäche bezichtigt, so er Verbrecher mit einer noch nie da gewesenen Milde behandelte, jetzt verstehe ich sein Handeln. Des Statthalters Blick war darauf gerichtet, einem jeden, der vom Gesetz abirrte, noch Gelegenheit zu geben, dass er sich bessern konnte. Vielleicht gelingt es doch noch, den Levi zu retten“. Es kamen heute keine Fremden, darum lud Darius auch den Joram ein, zur alten Häuslerin zu kommen. Alle zwanzig, die da frei wurden, nahm Darius selbst mit, und Arnaut brachte seine alten bewährten Leute ins Haus der Rake. Veit und Ilonka richteten Sitze und Ruhebänke in genügender Anzahl, so dass trotz der Raumschwierigkeiten doch alle Platz hatten. Mit sichtbarer Freude segnete Jakobus all die Kommenden, die da an diesem Tage schon viel vorbereitet waren, die Kunde und die Botschaft des lebendigen Gottes zu hören. Nur verschiedene Nachbarn waren als Neugierige gekommen, da sie von dem Wunder an Veit gehört hatten. Darius sprach einige Worte zu den Versammelten und machte sie aufmerksam, dass sie etwas hören werden, was ihnen unglaubhaft erscheint.

„Es hat ein jedes das Recht, sich zu äußern, mag es dafür oder dagegen sein. Fürchte sich ja niemand, dass ihm etwas geschehe, ihr alle seid unter meinem Schutz, denn ich habe gefunden, dass diese Tage von dem ewigen Gott gewollt sind. Sammelt euch, dann mag uns Jakobus etwas erzählen“. „Liebe Freunde, liebe Mitmenschen, die ihr mir alle Brüder und Schwestern seid, der Friede Gottes sei mit euch! Ich möchte euch nicht sagen, was ihr in Zukunft tun oder lassen sollt, dieses ist nicht meine Mission, sondern ich bin ein Zeuge und Jünger des Herrn Jesus, dessen leiblicher Bruder und treuester Freund ich war. Meine Eltern und auch ich erlebten während der Kinderjahre Jesu die größten Herrlichkeiten, die zu schildern ich Tage brauchte. Die Entwicklung des Kindes war schon ein Wunder, und mit zwölf Jahren war man im Tempel zu Jerusalem bestürzt über die Weisheit des Knaben, der nie eine Schule besucht hatte. Solange wie die Pflege meiner Eltern, und meistens auch durch mich, nötig war, war Jesus ganz willig und gehorsam. Mit den Jahren aber, wo Er mit uns zur Arbeit ging – Er wurde gleich uns ein Zimmermann - ging ein Wechsel in Ihm vor. Jesus fand in sich den Erzieher, der Ihn zu dem Werke erzog, zu dem Er gedungen war. Von dieser Zeit an konnte niemand mit Ihm auskommen, der nicht auf Seine Ideen und Gedanken einging.

Wir erlebten Tage des größten Schmerzes. Jesus ging Seine eigenen Wege, Er war liebreich, aber auch streng. Für Ihn gab es kein Gebot, so es nicht auf Liebe gegründet war. Wie schwer mein Vater litt, säßt sich nicht schildern, und Seine Mutter Maria beschwor Ihn oft mit Tränen im Auge, doch abzulassen von Seinen verkehrten Anschauungen. Die Folge war, noch größere Entfremdung, bis Er das 30. Lebensjahr erreicht hatte. Nach einer selbst auferlegten Prüfung in der Wüste, trat Er in die Öffentlichkeit und bekundete den wahren lebendigen Gott in einer Art und Weise, die Ihm die Feindschaft des Tempels und das Vertrauen des ganzen Volkes brachte. Überall, wohin Er kam, brachte Er Freude und Zufriedenheit. Kranke wurden gesund, ja sogar Tote wurden lebendig, es gab nichts, was Ihm nicht möglich war. Alle Elemente gehorchten Ihm, aber das größte Wunder waren Seine Worte. So einfach, so schlicht, so wahr, nicht ein einziger Mensch konnte Ihm etwas widerlegen. Immer zeugte Er von Sich und Seinem Gott und heiligen Vater, der in Ihm lebte! Immer größer wurde die Zahl der Anhänger. Was hat nicht der Tempel alles versucht, Ihn zu vernichten, aber nie gelang es. Wir nannten Ihn nur Herr und Meister, und nun höret genau zu: Der Meister legte uns klar, dass Er viel leiden und einen schmählichen Tod sterben müsse.

Wir wollten es nicht glauben, wollten es nicht hören, aber Er sagte bestimmt: `Wenn der Menschensohn dieses Kreuz nicht annehmen will, wird alles Bestehende der Auflösung und dem Verderben entgegen gehen`. Deswegen wurde das Wort Fleisch und lebte unter uns und wir erlebten unsagbare Herrlichkeiten. Es geschah, Jesus wurde gekreuzigt. Überlasset es mir, zu schweigen von dem, wie es uns allen war. Sein Tod war unser größtes Unglück. Da erscheint Er uns, wie Er lebte, hier und da besuchte Er die geschlagenen Herzen und machte sie wieder froh. Da wurde in uns etwas lebendig durch Seine Auferstehung, und dieses Leben ist geblieben und wird auch bleiben. Dann erfolgte Sein Scheiden von uns, sichtbar, wo Er wieder zurückkehrte in Seine Urheimat, in Seine Urhimmel, aber Seinen Geist ließ Er zurück. In diesem Geiste und in Seiner Kraft diene ich euch. Sein schönstes Wort: `Kommet her zu Mir, die ihr mühselig und beladen seid, Ich will euch erquicken`. Machet es euch zu Eigen, denn Er ist wahrhaftig Liebe und heiliges Leben.

Wer in dieser Liebe bleibet, bleibet in Gott und Gott in ihm! Hier war Er der Menschensohn und wurde durch Seinen Gehorsam zum Gottessohn. Jetzt aber ist Er das Leben, welches allen Tod überwunden hat. Wer an Ihn glaubt und in tätiger Liebe Sein Leben aufnimmt, wird auch leben mit Ihm bis in alle Ewigkeit“. Eine heilige Ruhe überkam die Zuhörer. Da steht der Wirt auf und spricht: „Wenn ich einige Worte sage, so tue ich es um der Nachbarn willen. Ich muss jedes Wort bejahen, was Jakobus, der treue Diener und Gottesbote schilderte, denn ich war auch Priester. Mir wurde es zu arg, die Hetzereien gegen Jesus von Nazareth wurden immer schlimmer. Tot oder lebendig sollten wir Ihn bringen, so dass ich aus dem Judenlande floh und hier einen anderen Erwerb suchte und fand. Seit gestern, wo ich den wahren Gott erst richtig erkannte, bin ich wieder ein anderer.

Ich will euer Freund und Bruder sein. Keiner soll sich mehr über mich beklagen brauchen, über Lieblosigkeit von meiner Seite. Ich bitte euch um Vergebung, wo ich hart war. Jesus hat aus mir einen anderen, einen dienenden Joram gemacht. Auch kann ich manches von Jesum erzählen, was heute in mir lebendig wurde“. Ludmilla steht auf und spricht: „O ihr Lieben, lieben Menschen, in welchen Himmel sind wir versetzt worden! Wie trostlos war unsere Vergangenheit. Liebe war nur etwas für die Hohen und Reichen, und jetzt heißt es: `Wer an Ihn glaubt und Sein Leben in tätiger Liebe aufnimmt, wird ein Leben aufnehmen, welches bis in Ewigkeit währet`. Ja, warum jubeln wir nicht und bleiben immer noch stumm?

O ihr armen Götter, euch wird man nicht nachtrauern, denn vor dieser Jesusliebe vergehet ihr in Nichts. Du aber, Du Jesus der heiligsten Liebe, habe Dank, dass Du uns in Deiner Liebe nicht weniger, eher größer und herrlicher bist. O komme zu uns und erquicke uns, das Wort Deines Boten hat eine Sehnsucht entfacht, o komme und stille unsere Herzenssehnsucht. Öffne unsere Augen, dass wir Dich schauen und unsere Herzen, dass wir Dich fühlen. Du hast uns herausgerissen aus einem Leben der Angst und Not, wir gehören Dir jetzt und allezeit!“

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15 Ludmilla

Nach einigen Augenblicken spricht Jakobus: „Fürchtet euch nicht, die ewige Liebe ist ja unter uns in unserer Mitte. Schaut hin, an der Tür steht Er und spricht: `Sehet Meine Hände und Füße, sie sind das Zeichen Meiner sichtbaren Liebe. Durch dieses Opfer seid ihr alle Mein ewiges Eigentum geworden. Lasset euch dieses Bewusstsein nicht mehr nehmen, bemühet euch durch Meinen Heilandsgeist, dass auch Ich euer ewiges Eigentum werde, dann leben wir ein Leben der Freude und Seligkeit bis in Ewigkeit. Amen`. Segnend breitet Er die Arme aus und mit freundlichem Lächeln vergehet langsam die von Licht durchflossene Gestalt. Niemand sprach ein Wort in dieser Stille. Endlich spricht Darius: „Freund Jakobus, hast du etwas beigetragen zu dem Erscheinen des Herrn, ich war völlig unvorbereitet“.

Jakobus: „O Darius, nur dieser Mädchenblume ist es zu danken, die in glühender Sehnsucht ihr Leben Ihm weihte, ohne Ihn zu kennen. Bist du enttäuscht?“ Darius: „O nein, im Gegenteil, hoch beglückt. Sein Auge ist milder und Sein Gesicht ernster geworden“. Aber nun ging ein Reden los, es war die reinste Judenschule. Da sagte Darius: „Höret Freunde, so verlieren wir das schöne Erlebnis! Bleiben wir doch recht schön in der Ruhe unseres Herzens, denn der Herr und Meister ist doch noch unter uns und wir wollen Ihn alle recht bitten, dass Er uns noch etwas schenke. Er als das Leben, kann uns auch Einblicke in das Leben gewähren. Darum Bruder Jakobus, bitte du den Herrn, da du mit Ihm am engsten verbunden bist, Er möchte uns aus Seiner Liebe, uns allen noch etwas schenken, was zu unserem Heile dient“.

Jakobus: „Eure Bitte ist zu verstehen. Seit heute lebt ihr mit eurem Herzen in einem Himmel und mit eurem Kopf in der Welt. Nun kann aber ein jedes nur den Himmel in sich tragen, den die Liebe schuf. Jesus, der Herr und Meister, schuf einen Himmel, der alle und alles in der ganzen Unendlichkeit einschloss. Wir Menschen aber, die wir nur einen Teil Seiner Liebe unser eigen nennen, können darum auch nur in einem Teilhimmel leben, der aus Seiner Liebe in uns geworden ist. Um nun keine langen Erklärungen zu geben, wird der Herr und Meister einen jeden von euch den Himmel erleben lassen, der in eurer Innenwelt seinen Grund und Anfang hat. Schließet die Augen und versenket euch in die Stille und in den Herrn, der euch so liebevoll segnete“. Jakobus machte das Zeichen des Kreuzes, dann sah er, wie die Menschen völlig entrückt und andere, welche völlig enttäuscht waren. Er sagte: „Unterhaltet euch mit euren Lieben, es sind keine Truggestalten, sondern genau so voll Leben, wie wir“.

Ein Reden ging los, ein Fragen und Wundern, und doch störte keiner den anderen. Dieser Gnadenakt dauerte eine Stunde, kontrolliert von Jakobus und einem Stab von Engeln, damit der Feind des Lebens keinen Schaden anrichten konnte. „Erwachet alle wieder in die Wirklichkeit“, mit diesen Worten waren sie alle wieder in ihrem natürlichen Zustand. Da fragte Darius: „Jakobus, ich habe viele und große Dinge gehört von dem Herrn und Meister Jesus, dass Er sich liebenden und sehnenden Herzen offenbart, und das ist Liebe, große und heilige Liebe. Dass Er aber Dinge offenbaren lässt von denen, die längst nicht mehr sind, ist mehr als ein Wunder, denn hier geht der Verstand einfach nicht mehr mit. Siehe, mein Vater trug ein Geheimnis mit sich herum. In seiner Sterbestunde verlangte er nach mir, seinem einzigen Sohne.

Durch die allergrößten Anstrengungen meiner Mutter gelang es, mich holen zu lassen, der Vater habe mir etwas anzuvertrauen, aber ich kam zu spät. Bei meiner Ankunft war er schon verschieden. Und jetzt offenbarte er mir in Gegenwart meiner Mutter, dass seine letzte Bitte an mich heute seine Erfüllung gefunden habe. Ich solle mich von den toten Göttern lossagen, da er auch an den lebendigen, den uns unbekannten Gott glaube, den er durch einen alten Freund gefunden habe. So weilte ich in seiner Welt und, o heilige Liebe, der Herr und Meister war dort sein Gast. Es war alles so gediegen, so einfach und doch so schön, ganz dem Charakter meines Vaters angepasst. So führte er mich, trotzdem ich diese Stube nicht verlassen habe, durch große Ländereien, wo viele Menschen ein glückliches Leben führten. Auf meine Frage: `Vater und auch du Mutter, ihr seid doch gestorben, um euch ist aber alles Leben, was ist denn geschehen?`

Da wurde mir gesagt: `Seit Jesus, der Gekreuzigte, uns Erlösung brachte, ist Leben über Leben uns geworden, aber nur nach dem Grade, wie wir Liebe gegen unsere Mitmenschen und auch Tiere hatten. Mir ist vieles geschenkt worden, aber es gibt auch viele, denen wenig Freude beschieden war, da sie dem Jesus keinen Glauben entgegenbrachten`. Dann sagte er noch: `Darius, heute ist mein Geburtstag im Leben, ihr nennt es immer noch Sterbetag. Darum dieses Fest, wo der Herr, mein Alles, unser Gast und Freude ist. Die größte Freude aber ist die, dass du nun endlich den gefunden hast, der dein und unser aller Heil ist`“. Auch andere wollten Jakobus ihre Visionen anvertrauen. Jakobus aber sagte: „Meine Freunde, seid ruhig und voller Freude. Behaltet es für euch und bemüht euch, recht in der Liebe tätig zu sein. Ihr vor allem, die ihr euer Glück, eure Freiheit, nur dem Herrn und Meister zu danken habt, seid getreu, seid bewusst, dass euch allen viel, viel Größeres noch erwartet, denn der Herr will euer Vater sein und ihr sollet Seine Kinder werden.

Was ihr jetzt erschauen durftet, war Gnade über Gnade, und Vorgänge in und um euch. So ihr aber in der Liebe tätig und ganz in Seinem Geiste lebendig seid, werdet ihr Herrlichkeiten aus Seiner Vaterliebe erleben, für die es keine Worte gibt. Vergesset ja das Danken nicht, denn noch nie ist ein solches Opfer gebracht worden, wie es Jesus, der herrliche Heiland, brachte. Vergebt einer dem anderen, liebet die Liebe und das Leben, dann wachset in Seinem Geist, damit ihr freie und frohe Kinder werdet“. Ludmilla hielt es nicht mehr aus, glühend vor Liebe spricht sie: „Ich kann nicht mehr schweigen, denn zu viel Freude hat sich in mir aufgespeichert. Ich muss über meine Lippen fließen lassen, was mich erfüllt. Ich sah meinen armen Vater, wie er mich trostlos anschaute und sagte: `Ludmilla, ich habe viel leiden müssen, denn meine toten Götter waren ohne Leben, und ich glaubte doch nie an ein Fortleben nach dem Tode.

O, wie arm bin ich noch, um mich ist Freude, aber ich kann sie nicht fassen. Es ist alles so schwer, es ist niemand da, der mir Hilfe und Befreiung aus meiner Verwirrung bringt. Auch ich habe die Botschaft des Gekreuzigten vernommen, aber ich blieb taub, bis endlich durch viel Leiden und schwere Mühen sich doch ein guter Geistesbote meiner annahm. O hätte ich doch mit beiden Händen nach der Botschaft des Gekreuzigten gegriffen, mir wäre viel erspart geblieben. O Ludmilla, wir haben oft von Liebe gesprochen, wie du noch ein junges kleines Mädchen warst, aber was ich heute von Liebe vernehme, von meinem Geistesboten und Führer, ist etwas ganz anderes. Nicht Liebe fordern, sondern Liebe üben und geben ist das Grundgesetz in dieser Welt. O, wer es nur fassen und verstehen könnte, da bin ich eben noch zu dumm und blöde. Mein Führer belehrt mich und die anderen, dass ich nicht so denken soll, sondern dass ich auch berufen sei zu der Gemeinde der Seligen, die der Auferstandene gegründet hat. Eins ist das Schlimme hier in diesem Leben, dass alles so tausendfach erschwert ist, während es als Mensch so leicht gegangen wäre.

O, waren die gehörten Worte von dem Menschenbruder schön, und in mein Herz drangen sie wie Wunderbalsam. Wenn du kannst, und du wirst es können, ergreife die Botschaft des Lebens, damit all das Schwere dir erspart bleibt. Sag es allen, die es hören, schrecklich ist der Tod, aber süß das Leben“. Ludmilla schwieg, dann sagte sie zu allen: „Mag das Opfer noch so groß sein, um zu dem neuen Herrn zu kommen, eins aber ist gewiss, es lohnt sich, da es um das Leben geht. In meinem Herzen will ich eine Glut schüren, dass das Feuer der Liebe immer leuchtender werde. Und Du, Herr Jesus, Du uns allen wohlbekannter Gott, nimm unsere kleine schwache Liebe an, die aus unseren schwachen Herzen kommt. Du gabst Dein Leben für uns alle, nimm das unsrige, es ist dein, nicht nur heute, sondern allezeit!“ Jakobus: „Liebe Schwestern und auch liebe Brüder, es ist genug der Worte. Was ihr erlebt habt, ist aus Seiner unermesslichen Liebe und Gnade geschehen. Verlangt nicht mehr danach, damit ihr euch nicht wieder verlieret, sondern wacht und seid tätig im Geiste Jesu, der eure einzige Liebe sein soll und alles nur in dieser Liebe lieben soll.

Du, Bruder Veit, und du, Schwester Ilonka, eure Herzen brennen zueinander, aber liebet euch wahr und wahrhaftig in der Liebe, die den anderen glücklich machen will. Der Herr und Meister segnet euren Bund. Du Joram, sei wieder Priester, aber für den lebendigen Christus, und deine erste Handlung sei die, dass du morgen in der Frühe ihren Lebensbund segnest. Mein treuer Darius, im Namen des Herrn und Meisters danke ich dir für deine Mühe, unendlicher Segen wird aus dieser deiner Handlung hervorgehen. Nur noch eine Bitte hätte ich persönlich an dich: Ludmilla mag mit Andree zu dessen Eltern gehen, wo er sich eine kleine, aber gute Gemeinde gründen wird für Jesu. Wird es dir recht sein, Ludmilla?“ Ludmilla: „Recht sein? Schrecklich bist du, denn vor dir ist das Verborgenste nicht sicher. Wenn Andree will, ich habe ihm überhaupt noch kein Wort gegönnt“. Jakobus: „Nun, Andree, sprich ruhig vor allen aus, was dein Herz bewegt. Als Priester deiner Gemeinde musst du ganz frei sein, einmal musst du doch anfangen und dein Herz öffnen“.

Andree: „Bruder Jakobus, es ist genug der Gnade und Liebe in diesen Tagen über mich gekommen, ich fange an, mich als Schuldner zu fühlen. Freilich, Ludmilla wäre die rechte Priesterin für mich, ich würde es als das größte Gottesgeschenk betrachten“. Darius: „Jakobus, du lieber Bote und Künder der wahren und reinen Liebe, segne uns alle durch die Kraft des Herrn in dir. Es ist so viel geschehen an diesem Tage, wir wollen diesen Tag beschließen. Nur um diese Liebe bitte ich dich noch, dass du mich und Arnaut zu Levi begleitest, denn ich möchte ihn um jeden Preis retten“. Jakobus: „Darius, der Meister dankt dir für dieses Wort, nun wird es auch gelingen. Und ihr alle, begebt euch zur Ruhe, und so wünsche ich euch eine gesegnete Nacht. Segen über euch und eure Herzen, Segen über euch und über eure Liebe, Segen über euch und über eure Werke, dass sie zeitigen die Frucht der Jesusliebe. Amen“.

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16 Ein herrlicher Sieg

In einem finsteren Gelass flucht Levi, dann pocht er an die feste Tür und der wachhabende Soldat fragt nach seinem Begehr. „Öffne, Soldat, ich möchte mit dir reden“ - „Nein Gefangener, nur durch dieses kleine Fenster kannst du mit mir reden, aber mach es kurz, jede Unterhaltung ist  verboten“. Als der Soldat das Fenster geöffnet hatte, spricht Levi: „Mann, ich bin reich, viel reicher als dein Herr. Lass mich fliehen, mit Gold will ich es dir lohnen“. - „Nein Gefangener, der Tod wäre mir sicher und dein Gold wäre die Ursache dazu. Aber warum willst du fliehen, da sich dir doch Möglichkeiten bieten, frei zu sein? Darius sagte, sobald der Gefangene Reue zeigt, lass es mir melden, ich möchte nicht sein Unglück. Siehe, deine Freiheit würde dich nicht so viel Geld kosten, wie du mir bietest. Auch Arnaut sagte betrübt zu mir: `Schade um Levi, dass er in seinem Starrsinn beharrt, Darius will sein Bestes“. Levi: „Melde Darius, ich möchte ihn sprechen“.

Es dauerte noch zwei Stunden, da ließ Darius durch zwei Soldaten Levi holen. Ein kleines Zimmer hatte Joram zur Verfügung gestellt. Darius. „Levi, es freut mich. Dass du den Wunsch hast, mich zu sprechen, doch nur eine Bedingung stelle ich: Ehrlichkeit! Denke nicht, dass du mich hintergehen kannst, du weißt, einen Helfer habe ich, Jesus ist sein Name“. Levi: „Herr, ich bin dein Gefangener. Wie kann ich wissen, dass du ehrlich bist, so ich mit gebundenen Händen vor dir stehe. Es ist das erste mal, als Gefesselter vor Menschen zu stehen“. Eigenhändig nahm Darius dem Levi die Fesseln ab, dann sagte er: „Levi, euch Juden ist nicht zu trauen, doch sei versichert, dein Leben ist verwirkt, so du fliehen wirst. Merke dir, Ehrlichkeit ist meine Haupttugend, aber ich bin auch vorsichtig. Ehe du etwas sagst sei versichert, mir liegt nichts an deinem Untergang, sondern an deiner Rettung. Deine Rettung aber bedeutet, dass du dich frei machst von deinem Hass gegen Jesus, den Gekreuzigten und Auferstandenen, Änderung deiner Gesinnung, die sich nur bereicherte auf Kosten anderer“.

Levi: „Herr, leicht gesagt, aber was kann ich anderes tun, als versprechen, so ich in Freiheit bleiben will. Ich soll meinen Hass begraben gegen Jesus. Nun, ich meine, einen Toten zu hassen ist ja ein Unding und an seiner Auferstehung zweifle ich. Bringst du mir Beweise, dass Er wirklich lebt, dann war eben mein Leben ein großer Irrtum. Über meine Gesinnung kann ich nicht urteilen, da ich mir noch nie Mühe gab, dieselbe kennen zu lernen, es liegt eben so im Blut“. Darius: „Levi, deine Sprache gefällt mir besser als gestern, und ich soll dir Beweise bringen, dass Jesus wirklich lebt. Hast du denn vergessen, wie Jakobus, der Jünger und Bruder Jesu, den Beweis brachte?! Sei versichert, Jesus hätte Jakobus nicht erleuchtet und geführt, so Er dich untergehen lassen wollte. Denke an den Spruch deiner nun auch seligen Mutter: `Elies, halte deinen Glauben fest, dass dich Gott nicht fallen lässt`, oder was verlangst du noch für Beweise? –

Nun ich gefestigt bin im Glauben an den Herrn und Meister Jesu, sage ich dir aber auch, spiele nicht mit der Gnade Gottes, denn furchtbar würde dich der Ernst und die Strafe Gottes treffen. Halte dir deine jetzige Lage vor Augen, wenn auch nicht der Tod, aber die Galeeren sind dir sicher. Für alle Zukunft bist du ein geschlagener und erledigter Mann. Dein Vermögen, welches sehr groß sein muss, wie du den Soldaten unterrichtet hast, ist für dich bestimmt verloren. Änderst du deine Gesinnung, ja dein ganzes Leben, versuchst du, gut zu machen, was an Schuld du dir bisher  aufgebürdet hast, würdest du wieder ein freier, ja sogar geachteter Mann. An Jesu zu glauben, verlange ich ja nicht, nur deinen Hass sollst du begraben“. Levi: „Herr, du bist gnädig, ich wäre ein Tor, so ich auf deine Wünsche nicht einginge. Ich kann dir nur versprechen, dass ich mein Leben so einrichten will, wie du es verlangst und nur darum, weil du nicht verlangst, dass ich an Jesus glauben soll. Ich verspreche, kein Wort mehr gegen Jesus zu äußern und bitte dich um Verzeihung , weil ich dich gestern beleidigte, da ich Jesus als Genossen des Beelzebubs hinstellte“.

Darius: „Gut Levi, du bist wieder ein freier Mann. Nun vernimm: Die Sklaven, die du erwerben wolltest, sind durch mich freie Menschen geworden. Durch einen Vertrauensmann lasse ich sie an den Moran-See zu einem Freund bringen. Der Transport verlangt größere Mittel, würdest du etwas beitragen, die Hauptlast trägt sowieso Arnaut“. Levi: „Herr, wie kommt Arnaut dazu, ich war der Veranlasser. Ich gebe dir die Versicherung, dass ich nicht nur den Transport übernehme, sondern sie alle noch beschenken werde, damit sie nicht als Arme dahin kommen“. Darius: „Levi, ist das dein Ernst?“ Levi: „Ja Herr, beim Andenken an meine Mutter, die wahrhaft mein Bestes wollte, gelobe ich es“. Darius: „Dann ist es gut, dein Gut gehört dir wieder. Nun wollen wir wie Freunde reden, wir werden schon einig werden. Doch du wirst den Wunsch haben, mit deinem Freunde Arnaut zu reden, so werde ich schlafen gehen. Wenn ich aber eine Bitte an dich hätte: Lass dir die Freundschaft des Jakobus nicht entgehen, denn er ist nicht nur liebevoll, sondern auch weise“. Am frühen Morgen gab es wieder das gewohnte Bild.

Die Tiere wurden versorgt, alles wurde zur Abreise fertig gemacht, und Levi gab die Anweisungen. Mit ihm war wirklich eine Änderung vor sich gegangen. Nun kommt Veit zu Levi, der noch keine Ahnung hatte, dass Levi den Transport übernimmt. Spricht Levi: „Freund, dich muss ich doch kennen, bist du nicht Melchiors Vertrauter?“ Veit: „War ich, durch einen schweren Unglücksfall musste ich hier zurück bleiben und wäre gestorben, so Jesus, der Heiland, mich nicht gesund gemacht hätte“. Levi: „Rede kein solch dummes Zeug. Wie kann ein Toter dich gesund machen, es muss ein Irrtum vorliegen“. Veit: „Nein, es ist kein Irrtum. Jakobus` Begleiter, namens Andree, legte mir im Namen Jesu die Hände auf, so wurde ich gesund. Und gestern früh um die selbe Stunde stand Jesus unter der Türe und segnete uns, ebenso gestern Abend, als wir bei Rake gemeinsam versammelt waren“. Levi: „Bist du geschickt, mir dieses zu sagen? Warum kommst du überhaupt hierher?“ Veit: „Mich schickt niemand hierher, nur das Interesse für die befreiten Gefangenen, die ich im Auftrag des Römers Darius nach dem Moran-See transportieren soll, ist es, warum ich hier bin.

Auch ich habe wenig Zeit, da in zwei Stunden Joram, der Wirt und nun Priester, mich mit Ilonka, Rakes Tochter, fürs Leben verbinden wird“. Levi. „Ach; du bist der Mann namens Veit, Arnaut erzählte mir gestern Abend. Jetzt ändert sich das ganze Bild. Aber höre, ich werde den Transport übernehmen und dein Dienst ist hinfällig geworden“. Veit: „Mit Darius habe ich noch nicht gesprochen. Wenn dem so ist, möchte ich mit meinem Weibe und ihrer Mutter doch mitkommen, da ich unter meinen Glaubensbrüdern und Schwestern eine neue Heimat finden möchte“. Levi: „Dem steht nichts im Wege. Jedenfalls habe du Dank für deine Mitteilungen, die mir sehr wichtig sind. Du kannst Darius alles erzählen, aber zu deiner Hochzeitsfeier lade ich mich selber ein, um meines Heiles willen“. Alle befreiten Menschen fanden sich bei Rake ein, um die Hochzeit des Veit zu feiern. Joram im Priesterkleide erschien, dann kommen in Darius Begleitung Fabian, Arnaut, Levi, Jakobus und Andree. Noch nie sahen die Nachbarn Joram im Priesterkleide.

Neugierig fragten sie nach dem Grund, und in denkbar kurzer Zeit sind alle in Rakes Stube, um der Trauung zuzuschauen, die in ganz kurzer Zeit vollzogen wurde. Bei den Glückwünschen staunte Darius über Levi, der da sagte: „Der Transport geht erst morgen in der zeitigen Frühe ab. Für heute und bis zum Ziele seid ihr meine Gäste. Ich bitte euch alle, insbesondere euch, die ihr Jesus angenommen habt, dass ihr mir Vertrauen entgegenbringt. Ich bin so voll Freude, dass ich das erste Mal etwas aus Liebe tue, von der ihr schon so viel erlebt habt, und diese Freude kannte ich noch nie. Als du vor ein paar Stunden so ahnungslos von deiner Heilung erzähltest, da glaubte ich, ich sei wieder in jene Zeit versetzt, wo der Heiland Jesus in Judäa die vielen Kranken heilte. Als du, Veit, weg warst, da fühlte ich in mir. Dass ich dir danken musste, denn noch nie glaubte ich an eine Auferstehung des Herrn. Wohl hatte ich viel Groll gegen den Herrn, warum?

Weil der Tempel und wir, als Priester, immer mehr verloren. Jetzt zeigt sich erst, dass unser Einkommen pures Geschenk des Heilandes Jesu war. Hätte Er gesagt, löst euch vom Tempel, von euren Priestern, wahrlich, das Volk hätte es getan. Aber nichts davon, sondern Er ermahnte, dass ja alle in der Treue und im Glauben ausharren sollen, bis Sein Werk vollendet wäre. Ich bitte euch, habet rechte Geduld mit mir, dann werdet ihr auch alle mit mir recht zufrieden sein. Denn jetzt ist es mir unmöglich, den Heiland Jesus anzunehmen, da ich ja an Seinem Tode die größte Freude hatte“. Jakobus: „Liebe Schwestern und Brüder und du, neuvermähltes Ehepaar! In meinem Herzen drängt sich die ewige Liebe, euch zu künden die Freude des Herrn, der im Geiste unter uns ist. Voller Segen sollen alle eure Handlungen sein. Volles Leben soll sich um euch entfalten, und in diesem neuen Leben soll sich offenbaren die allzeit gegenwärtige Liebe des Herrn und Meisters. Aus dem Füllhorn Seiner Liebe seid gesegnet, dass sich eure Liebe mit des Heilands Liebe ganz eine und einer dem anderen leuchtendes Beispiel werde.

Euer Leben sei geweiht im Dienste für den Geist, der euch erlöste. Wie Er die Himmel erschloss für ein ewiges Leben, sollt ihr auch einen Himmel erschließen, aber in euch, in dem alle wahrhaft glücklich werden sollen. Dir aber, Levi, sage ich, begrabe, was du begraben kannst, sonst bleibst du Knecht deines Verstandes. Es ist des Herrn und Heilands größter Liebeszug, alles, was man Ihm antat, mit Liebe zu vergelten! Alles, was war, ist vergangen. In einem neuen Leben und in einem neuen Geist wirst du geführt und geleitet werden, dass dich die Aufgaben der Liebe so erfüllen, und dass du dich mehr und mehr erkennen wirst! Darum sage ich dir auch nicht, suche Jesum, damit dir Vergebung werde, sondern verwirkliche Sein Leben in dir und du wirst inne werden, dass Jesus, der Heiland, Herr und Gott auch ewige Vergebung und Erbarmung ist.

Dir, mein lieber Joram und Priester, eine Bitte hätte ich an dich: Sei deiner Gemeinde Freund und Vater. Und lasse einen Brunnen graben, der an deiner Herberge liegt, damit die Bewohner dieses kleinen Fleckens nicht mehr beunruhigt werden von den wüsten Gesellen der Landstraße. Ungern trenne ich mich von euch, aber die ewige Liebe mahnt mich an meinen Dienst. Ihr habt Gnade über Gnade empfangen und nun danket mit Liebe an euren Nächsten, denn nur in tätiger Liebe sichert ihr euch den Frieden und das Heil eurer Seele. Ziehet hin in Frieden. Amen“. Noch einen Tag blieben alle zusammen. Als der Abend hereinbrach, sagte Jakobus zu Andree: „Komme du mit Ludmilla zu Rake, ich habe ein Drängen in meinem Herzen“. In der Gaststube des Joram war viel Leben, fast zu viel des Guten bot Levi. Veit und Ilonka blieben bei Rake, die dem Treiben fern geblieben war.

Da wurde niemand gewahr, wie Andree und Ludmilla die Gaststube verließen. Jakobus hatte keinen festen Platz. Bald war er hier, bald dort, den einen dieses, den anderen wieder etwas anderes sagend. So war er auch still gegangen, um bei Rake den Abend zu beschließen, der der letzte in diesem Ort war. Ganz ernst und feierlich saßen die Fünf am Tische, auf Jakobus wartend, endlich war die Sehnsucht erfüllt. Jakobus spricht: „Friede, Friede und nochmals Friede erfülle euch, denn die ewige Liebe ist unter uns. Morgen scheide ich von euch, doch in dieser Stunde, mein Andree, will der Herr durch mich dir Ludmilla anvertrauen und dir zum Weibe geben. Eure Herzen liegen offen vor mir, ich brauche nichts zu fragen, sondern ich lese in euch die Antwort, dass ihr in treuer Liebe verbunden sein wollt, bis in Ewigkeit. Macht euch bereit für die Gnade, denn der Herr und Meister wird euch segnen“. Da stand der Herr sichtbar unter ihnen und allen hörbar sagte Er: „Kindlein, freuet euch der Gnade, die sich in dieser Stunde über euch ergießet.

Es ist Meinem Herzen Bedürfnis, euch persönlich zu dienen. Dir, du treue Rake und Hüterin dieses kleinen Hauses, die du Mir dienest, ohne Mich zu kennen. Dir, Veit und Ilonka, gab Ich Meinen Segen zu eurem Bund. Jetzt aber sage Ich noch aus Meiner heiligsten Liebe: Vergesst diese heilige Gnadenstunde nicht, denn Ich kann nicht immer so zu euch kommen, wie in dieser Stunde. Traget Mich in euren Herzen, dann wird Mein Geist alles in euch ersetzen. Du Andree, du Feuergeist in Meiner Liebe und du, Ludmilla, in strahlender Liebe steht dein Herz zu Mir. Ich führte euch zusammen, um in euch Kinder zu finden, die ganz in Meinem Liebesgeist nichts Größeres wollen, als zu dienen in dieser Kindesliebe. Ich segne euch als Mann und Weib, doch dies sei noch euer Geheimnis. Ich selbst werde euch beide, wenn auch unsichtbar, begleiten, es soll eine Probe dem Lebensfeind gegenüber sein. Lasst euch nicht begeifern von der Schlange, und wartet mit der Zeugung, bis ihr auch nach dem Gesetz vor aller Welt ehelich verbunden seid. Alle Himmel sind Zeugen dieser Weihestunde, alle schauen auf euch, die ihr Erlöser werden sollt denen, die noch Gebundene sind. Ich könnte euch alle Himmel erschauen lassen, aber nun ihr Mich geschauet habt, ist euch Größeres geschehen.

Und warum? Weil Ich auch Großes von euch erwarte. So nehmet hin Meinen Vatersegen, dass er in euch Kraft und Leben werde. Meine Liebe und ;ein Friede erfülle euch zum Heil für alle. Amen. Amen. Amen“. Der Herr war unsichtbar geworden, da sagte Ludmilla: „O Andree, dies war eine selige Stunde. Wie leuchteten die Augen des Herrn. In meinem Herzen hatte ich einen Drang, Ihn zu umarmen. So will ich aber trotzdem dir im Angesicht des Herrn und Seines Jüngers und vor den Freunden geloben, dass ich dir ein treues Weib sein will, wie es der Herr erhofft für dein Lebensglück. Sollte ich schwach werden, stütze mich, denn vor dieser Liebe wird mir bange, es ist zu viel der Liebe“. Jakobus: „Beruhige dich, Ludmilla, der Lebensernst kommt auch zu seinem Rechte. Um den Herrn lieben zu können, musst du frei, ganz frei sein. Die kleinste Rücksicht, die du noch dem Weltlichen opferst, schmälert dich an der Kraft, zu lieben. Es ist die höchste Liebe, und du sollst streben, dieser Liebe zu ähneln. Nun aber beschließen wir den Abend, denn in der Frühe müssen wir scheiden. Bleibet aber noch zusammen, denn man sucht mich bereits“. Es war auch so.

Arnaut tritt ein, kommt auf Jakobus zu und spricht: „Bruder, ich habe dich gesucht seit einer Stunde, warst du bei Rake und Ilonka?“ Jakobus: „Fa Bruder, Andree und Ludmilla sind durch den Herrn ehelich verbunden worden. Doch soll es ein Geheimnis bleiben, da der Herr den weltlichen Gesetzen nicht vorgreifen will“. Arnaut: „Ich danke dir für diese Mitteilung und gönne ihr das Glück, und Andree scheint ein reiner Charakter zu sein“. Jakobus: „Habe Dank für dieses Wort, es wird auch dir zur Freude gereichen“. Arnaut: „Jakobus, darf ich Ludmilla, die mir mehr als eine Tochter war, ein Heiratsgut mitgeben, denn ich liebe dieses Mädchen“. Jakobus: „Wenn es dich drängt, dann ja, denn Andree kann es gut gebrauchen im Dienst der Liebe. Dort, Darius winkt, wir wollen zu ihm gehen“. Noch lange waren alle beisammen in rechter Freude. Dann aber sagte Levi: „Kinder, ruht noch ein paar Stunden, denn vor uns liegen unruhige Tage. Ich habe das Bedürfnis, noch mit Jakobus allein zu sein“. Jakobus und Levi schliefen nicht in dieser Nacht.

Obwohl wenig geredet wurde, konnte Jakobus doch guten Samen legen und viel Unkraut sichten. Levi, der nie ein Freund von Zärtlichkeit war, umarmte und küsste Jakobus. In diesem Liebesakt zerschmolz der letzte Rest von falschen Begriffen, und das Bild von Jesus stand in Reinheit vor Levis Augen Kurz war das Morgenmahl, kurz der Abschied. Da nahm Arnaut Andree und Ludmilla bei den Händen und führte sie an einen bepackten Wagen mit zwei Pferden und sagte: „Bruder Andree, betrachte diesen Wagen als dein. Du sollst in Ludmilla kein armes Mädchen an dein Herz nehmen. Betrachte es als Geschenk der ewigen Liebe“. Andree wollte nicht, aber Jakobus sagte: „Andree, nimm es an, was aus Liebe kommt, soll auch wieder der Liebe dienen. Und dann betrachte dich nur als Verwalter, und der Segen wird groß sein“.

So fuhren die Wagen los, nachdem Darius nochmals die Liebe Jesu als herrlichstes Liebesgeschenk pries. Viele Händedrucke, Rake und Ilonka aber segneten, was ihnen bisher Heimat war. Auch Darius rüstete zur Abreise mit seinen Leuten. Arnaut, der nur noch einen Wagen und einen Treiber hatte, nahm Jakobus noch zwei Tagesreisen mit bis Rakka, wie sie in einer großen Herberge abstiegen. Hier verabschiedeten sich die beiden, Arnaut mit schwerem Herzen, denn in den zwei Tagen war ihm Jakobus ein wahrer Bruder, Jesus aber wahrer Vater geworden.

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17 In Rakka

Jakobus, der an dem lauten Treiben in der Herberge kein Wohlgefallen hatte, ging, da der Abend hereingebrochen war, in das Schlafgemach, welches Arnaut bestellt und auch bezahlt hatte. Auch für sein leibliches Wohl war gesorgt worden. Es war eigenartig, in dieser Nacht konnte er keine Ruhe finden, der Lärm hielt die ganze Nacht an. Es war ein Kommen und Gehen. Schon frühzeitig nahm er das Morgenmahl, welches eine Magd ihm bereitete. Die war allein in dieser großen und öden Gaststube, ein Bild voller Schmutz und Abfall. Da entschuldigte sich die Magd, weil sie es Jakobus ansah, dass es ihm nicht gefiel. Jakobus: „Es kommt ja weniger auf den Schmutz in dieser Stube an, sondern auf den Schmutz im inwendigen Menschen. Was ich hier erlebe, übersteigt alle Grenzen“. Die Magd: „Ja, wir müssen nur arbeiten und arbeiten für karges Essen und die paar Kittel, die wir auf dem Leibe tragen. Nicht einmal einen Groschen habe ich, um meiner kranken Mutter ein paar Früchte kaufen zu können“.

Jakobus: „Ist deine Mutter in der Nähe, könntest du mich zu ihr führen? Geld habe ich auch keines, aber ich trage einen Gottesschatz an Kraft in mir, die sie aller Leibesnot entbinden könnte“. Die Magd: „Auch du wirst ihr nicht helfen können, denn der Priester Arius hat sich schon viel Mühe gegeben. Für uns gibt es eben nur Arbeit, Kummer und Trübsal bis zur Todesstunde“. Jakobus: „Aber Amelia, warum siehst du das Leben von der schwarzen Seite, hast du nicht eine sonnige Kindheit und manche frohe Stunden gehabt? Freilich, wenn du verzagst, unterbrichst du ja den Lebenswillen in dir“. Amelia: „Fremdling, du kennst unser Leben nicht. Es ist auch besser, mit vergrämtem Gesicht umherzulaufen, als mit einem fröhlichen, denn schnell ist man ein Opfer der Händler, was aber dann geschieht, weiß man nicht. Erst vor zwei Tagen sind über 100 im Hofe gewesen, welch ein Elend“. Jakobus: „Ich weiß um dieses und noch mehr.

Es wird auch noch längere Zeit dauern, bis hier rechte Ordnung wird. Aber gerade deswegen sollst du ganz froh sein, um deiner Mutter willen, die heute noch ganz gesund werden wird, wenn sie will“. Amelia: „Bist du ein Arzt oder Priester? Zu Arius habe ich kein Vertrauen mehr, in seiner Nähe wird mir unheimlich“. Es kamen Treiber von Karawanen in die Stube, die ungestüm ihre Suppe verlangten, es waren rohe Menschen. Da die Magd allein war, dauerte es natürlich viel länger. Sie verwünschten die Magd, obwohl dieselbe sich die größte Mühe gab, was auch alle sahen. Immer lauter wurden die  wüsten Gesellen. Da ging Jakobus hin und sagte: „Es ist nicht fein von euch, auf dieses arme Menschenkind euren Zorn und eure Rohheit auszugießen. Ihr seht es ja, dass sich ihre Hände und Füße lebhaft bewegen“. - „Sei du ja stille, du Tagedieb von einem Juden. Erschlagen müsste man einen jeden von euch, ihr seid ja nichts anderes wert“, spricht einer. Jakobus: „Klebt noch nicht genug Blut an deinen Fingern, oder willst du, dass deine Schandtaten offenbar werden?“ Da sprang der Mann auf und wollte sich an Jakobus vergreifen.

Dieser aber sah ihn fest an, da wich er zurück, Schritt um Schritt, Jakobus aber folgte ihm. An der Türe drehte er sich um und eilends war er hinaus. Die anderen waren entsetzt, entgeistert sahen sie Jakobus an. Dieser aber sagte: „Ziehet daraus eine Lehre, und befleckt euch nicht mit dem Blut von euren Brüdern, denn einmal kommt die Stund, wo alles offenbar wird“. Spricht einer: „Ja, wer bist du denn, dass du den Ausbund von Wut gebändigt hast?“ Jakobus: „Nichts anderes, als ihr, ein Mensch von Fleisch und Blut, aber erfüllt mit dem Gedanken, allen Menschen zu helfen und sie glücklich zu machen. So, wie ihr heute steht, lauft ihr Gefahr, bei nächster Gelegenheit erschlagen zu werden. Ein Sinn für Höheres, sogar für ein ewiges Leben, geht euch gänzlich ab, denn ihr hättet fühlen müssen, dass diese arme Maid dort sehr schweren Kummer hat. Statt eines freundlichen Grußes verflucht ihr sie noch“. Spricht einer: „Freilich hast du recht, aber es ist mit uns eben so, sind die Herren nicht da, dann sind wir die Herren.

Es liegt eben so in uns“. Jakobus: „Ich möchte euch auch keinerlei Vorschriften machen, aber ich fühle mich verpflichtet, das Mädchen vor eurer Brutalität zu schützen“. Antwortet ein anderer: „So, seit wann sind denn die Juden Helden geworden. Nach meinen Erfahrungen seid ihr Juden nur Helden im  Betrügen, aber nicht im ehrlichen Kampf“. Die Magd bringt die Morgensuppe und einige Brote, vergessen ist ihr aller Streit. Mit Hast verzehren sie ihr Morgenmahl. Jakobus aber schaute wortlos zu. Er war unbefriedigt, weil es nicht gelang, eine Verbindung herzustellen, auch wollte er den Schimpf nicht auf sich sitzen lassen. Andere Männer kamen und verlangten ihre Morgensuppe. Es war wieder genau der rohe Ton, wie bei den anderen. Einer aber starrte ihn mit finsteren und unfreundlichen Augen an. Nach einer Weile steht er auf, geht hin zu Jakobus und spricht: „Was tust du hier in Rakka, bist wohl einer, den der Tempel zum Raub geschickt?“ Jakobus: „Im Gegenteil, ich bin in der Mission des Gekreuzigten und Auferstandenen hier.

Ich bin niemanden verpflichtet, Rede und Antwort zu stehen, als nur meinem Herrn und Meister“. Spricht der Frager: „Wenn du die Wahrheit sprichst, dann entschuldige meine unfreundliche Art. Ich könnte ja jeden Juden in das Gesicht schlagen, dem ich begegne, weil sie ihren Stammesgenossen, der anderer Art war, an das Kreuz lieferten. Wie viel habe ich von dem Heiland und Wundertäter gehört, Er interessiert mich. Was macht das elende Judenpack, liefert Ihn an das Kreuz, damit ja niemand weiter diese von Ihm ausgeführten Wohltaten erhalten könne. Ich kann nur nicht verstehen, dass Er sich alles dieses gefallen ließ, denn Er soll auch im Besitz von großer Kraft und Weisheit gewesen sein“. Jakobus: „Du hast recht vernommen, es ist alles so gewesen. Dass Er am Kreuze endete, war ja Vorausbestimmung. Du wirst es nicht so leicht fassen können, denn für uns, Seine Jünger, war es auch unfassbar, bis Er Selbst als Auferstandener uns anderer Meinung machte. Sein Sterben am Kreuze wurde zum Heil aller Menschen.

Dieses Heil aber zu verkünden ist meine und anderer Jünger Mission“. - „Es klingt sehr geheimnisvoll, ja fast unglaublich“, erwiderte der Mann, „wäre es nicht richtiger gewesen, Er hätte Seine Macht und Kraft gebraucht und Seine Feinde umgebracht. Seine Feinde sind geblieben, ja, es sind ihrer mehr geworden, die Folgen Seiner Unterlassung aber müssen Seine Anhänger tragen, auch du wirst nicht verschont bleiben. Ich habe genug gesehen, ich könnte jeden Juden erschlagen, der des Wundertäters wegen seine Stammesgenossen ins größte Elend bringt“. Jakobus: „Obeth, ich könnte dir noch viel mehr sagen, aber es würde dir nicht zum Heile gereichen. Sei aber versichert, der Herr und Meister Jesus ist von allem unterrichtet. Er weiß um alles, nicht das Kleinste und Geringste entgeht Ihm. Unser Leid ist auch Sein Leid. Darum bin ich stille und bin mir bewusst, wenn es nicht im Plane der Erlösung liegen würde, würde es nicht zugelassen werden“. Obeth: „Wie kommt es, dass du meinen Namen weißt, wir sehen uns doch erst seit wenigen Minuten?“ Jakobus: „Ich weiß noch um mehr, ich weiß sogar, dass deine Mutter eine Jüdin war und viel vom kommenden Messias erzählte, dein Vater aber nannte dieses blinde Schwärmerei“.

Obeth: „Mann, du wirst rätselhaft, kein Mensch in dieser Umgebung weiß um dieses. Die Eltern sind tot, für mich sind es alte Geschichten“. Jakobus: „Mag sein, Obeth, der Mutter Sehnsucht aber liegt in dir, denn es gab eine Zeit, wo du auf den Wundermann Jesus große Hoffnung gesetzt hast“. Obeth: „Leugnen ist zwecklos, aber was nützt mir Sein Tod? Was ein Lebendiger nicht vermochte, bringt ein Toter gleich gar nicht fertig“. Jakobus: „Wieder ein Irrtum deinerseits, denn mit Jesu Sterben ist der Weg zum Leben frei. Du sagtest, was ein Lebendiger nicht vermochte, bringt ein Toter gleich gar nicht fertig. Bist du überhaupt imstande, dir ein Bild von Jesu Macht, kraft und Herrlichkeit zu machen? Du kannst es nicht, weil du Jesu Liebe nicht in Rechnung stellst. Dir ist es einfach unbegreiflich, im Besitze der Macht zu sein und im entscheidenden Moment zu versagen. O, mein Freund, da haben andere damit gerechnet, und warum? Damit das Erlösungswerk zunichte geworden wäre. Bei Seinem Tode triumphierten alle Seine Feinde, bei Seiner Auferstehung aber hatte das Leben den Sieg über allen Tod errungen. Darum werden alle, die an Ihn glauben, leben, obgleich sie sterben“.

Obeth: „Jetzt hast du aber wieder daneben gehauen. Machst das Leben deines Meisters interessant, und zum Schluss stellst du alles auf den Kopf. Sie werden leben, obgleich sie sterben, dies ist totaler Widerspruch. Du bist halt auch schwärmerisch veranlagt, wie meine Mutter“. Jakobus: „Obeth, besser ein Schwärmer für das Leben, als ein kalter Verstandesmensch gegen das Leben, denn einmal muss es doch offenbar werden. Einem Schwärmer stehen immer noch Türen zum Leben offen, während ein Verstandesmensch sie zuschlägt. Lass dir aber gesagt sein, den Nachfolgern Jesu ist alle Schwärmerei ein Greuel, ihnen ist das Leben heiliger Ernst. Das Leben aber will gesucht und erfasst sein, bedeutet mitunter größte Hingabe und festen Willen. Was du lebst, ist kein Leben, nur ein Vegetieren im Weltgeist. Weltgeist ist gerichtet, und die Folge ist der Tod. Leben aber ist befreites Sein aus dem Geiste der Barmliebe, mit dem Erfolg einer nie aufhörenden Glückseligkeit“.

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18 Bei Amalie und Amelia

Die Magd kommt und spricht zu Jakobus: „Ich darf zu meiner Mutter gehen für die Zeit von ein bis zwei Stunden, die Hausmutter hat es mir erlaubt. Wenn du willst, so komme mit“. Jakobus: „Ich komme mit, Amelia, und du, Obeth, für dich würde der Gang sehr segensvoll werden“. Obeth: „Nur wenige Minuten Geduld, ich will meinen Leuten einige Anweisungen geben. Aber eins sei auch dir gesagt, wenn ich nicht befriedigt bin, mache ich dir ein Feuer“. Als die Drei nach fünf Minuten Weges bei Amelias Mutter eintreten, ist auch gerade Arius, der Priester, gekommen, der die Drei überaus freundlich begrüßt. Es war ihm nicht recht, zwei Fremde bei Amalia zu sehen. Da sagte Amelia: „Mutter, hier bringe ich dir einen Freund, er wird dir gewiss die ersehnte Hilfe bringen“. Amalie: „O Amelia, du gutes Kind, ich habe die Hoffnung aufgegeben. Die ganze Nacht hätte ich vor Schmerzen schreien können, und der Schlaf floh meine Augen und mein Lager. Wie besorgt ist der gute Arius, auch ihm machen meine Schmerzen Sorgen“.

Arius: „O liebe Amalie, rede nicht so viel. Die Götter soll man nicht betrüben oder ihnen etwas abringen wollen. Es ist eben dein Schicksal, leiden zu müssen“. Spricht Jakobus zu Amalie: „Ich habe deiner Tochter Hoffnung gemacht, dass du gesunden könntest, wenn du nur wolltest, darum bitte ich dich hier“. Arius: „Da wäre ich neugierig, wie du dieses anfangen willst, denn diese verkrüppelten Glieder können unmöglich wieder gerade werden“. Jakobus: „Warum nicht, lieber Freund? Sind denn deine Götter nicht imstande, einem Menschen die geraden Glieder wieder zu geben, die sie ihnen erst genommen haben? Überhaupt, was sind und wie sind deine Götter, als Vertreter und Priester musst du es wissen?“ Arius: „Wer und was bist du, welchen Ton erlaubst du dir als Fremder, mir, einem Priester gegenüber? Mit welchem Recht fragst du überhaupt?“ Jakobus: „Mit dem Recht der Menschlichkeit, die einem Jeden das Beste geben will, was sie kann.

Du stellst dich auf einen ablehnenden Standpunkt und siehst in mir einen Feind, dem ist nicht so. Ich bin nur deinen falschen Gottesbegriffen und der Art, wie du dienst, nicht gut gesinnt und bin bereit, dir die Augen zu öffnen über diene Götter, die völlig tot und nur ein Mittel sind, die Menschen nieder zu halten, ja noch mehr, zu binden. Ich aber bin gekommen, um die Botschaft des wahren und lebendigen Gottes und Herrn zu verkünden, die in dem besteht, dass alle Menschen erlöst werden sollen von aller Knechtschaft, und ein freies und ewiges Leben erhalten sollen“. Arius: „Ach, du bist ein Jude, einer von denen, die behaupten, sie seien die Auserwählten ihres Jehova, der ihr Gott sein soll, und dürfen dafür die Menschen ausbeuten in ihrer Habgier und Geldgier. Frage Amalie, ob ich jemals den geringsten Stater für meinen Dienst beansprucht habe“.

Jakobus: „Darum dreht es sich jetzt nicht, was wir Menschen tun oder getan haben, sondern um den wahren und lebendigen Gott, von dem ich behaupte, Er will die Menschen zu den Glücklichsten machen, jetzt und bis in alle Ewigkeit, während deine Götter scheinbar nur auf ihr eigenes Wohl bedacht sind“. Arius: „Ich wage gar keine Antwort zu geben, denn deine Worte sind reine Gotteslästerung“. Jakobus: „Freund, du möchtest mich los werden, darum werde ich auch nicht in dich dringen. Ich bin geladen von der Tochter des Hauses, um der Mutter Hilfe zu bringen. Darum bitte ich dich, mich nicht zu stören, damit das Übel nicht über dich komme. Dich aber, Mutter Amalie, frage ich, könntest du an einen ewigen und lebendigen Gott glauben?“ Amalie: „Warum nicht, lieber Menschenfreund, wenn dieser Gott Liebe und Güte ist? Immer sehne ich mich nach etwas, was mich froh und zufrieden machen soll, aber es bleibt beim Sehnen.

Siehe meine verkrüppelten Hände und Füße, ich muss stundenlang warten, bis gute Menschen kommen und mir mein Los erleichtern, und dazu gehört in erster Linie Arius! Noch nie hörte ich, dass ein Mensch mich fragte, ob ich an einen ewigen und lebendigen Gott glauben könne. Hier schaue, in der Ecke ist mein kleiner Hausgott. Seine Augen verfolgen mich auf Schritt und Tritt, ja, es ist mir, als wenn sie manchmal zornig blickten“. Jakobus: „Amalie, deine Antwort befriedigt mich. Um dich aber zu befreien von deinem Irrtum, und dass der Weg zum wahren Gott dir frei gemacht werde, werde ich deinem Hausgott ein anderes Plätzchen geben, bis du so weit bist, ihn ganz frei zu vernichten“. Jakobus nahm die kleine Figur, wickelte sie in ein da liegendes Tuch und legte das kleine Bündel unter ihre Liegestatt. Arius wollte auffahren, aber Obeth sagte: „Lass diesen Menschen frei handeln, ich bin begierig, wie das enden wird“.

Jakobus: „Amalie höre, deine Sehnsucht ist dem wahren Gott bekannt. Durch mich will Er dir Hilfe geben. Nur eine Bedingung knüpft Er daran, dass du fest glaubst, dass nicht ich, sondern Er Selbst dir helfen kann und du Ihm allein die Ehre gibst“. Amalie: „Nichts weiter? Dieses wäre ja der Liebe Höchstes. Ja, deine Worte klingen so verheißungsvoll, ja, ich fühle, ja, ich glaube, dass mir Gott helfen wird“. Jakobus: „Liebe Amalie, auf deine Worte hin wollen wir zu dem seligen Werk schreiten. Du aber, Du herrlicher Meister, Du, mein Jesus, mein Gott und Vater, erfülle mich ganz mit Deiner Kraft und mit Deinem Geist“. Jakobus legte seine beiden Hände auf Amalies Haupt und betete: „Mein Jesus, Deine Liebe in mir drängt mich, diesem Deinem Kinde zu helfen. Durchdringe mich ganz mit Deiner Kraft und verherrliche Dich in diesem Kinde. Amen. Du aber, Amalie, dir geschehe nach deinem Glauben. Stehe auf und sei von nun an Dienerin der Liebe, die sich jetzt an dir so herrlich offenbart. Jesus mit dir. Amen“.

Da ging ein Blitz, den auch Arius und Obeth sahen, durch Amalie. Ein Aufschrei, und Amalie sah auf ihre Hände, dann auf ihre Füße, wie sie gerade waren. Stand auf, reckte und streckte sich und sagte mit einem Tränenausbruch: „Ich bin gesund, o Du wahrer Gott gabst mir meine Gesundheit wieder. Was soll ich tun, um dir zu danken für dieses Geschenk?“ Jakobus: „Nichts, als zu glauben an den ewigen Gott und an Seinen eingeborenen Sohn Jesus Christus, alle Götter als nicht da seiend betrachten und Seiner Lehre, die da lautet: Liebe Gott über alles und deinen Nächsten, wie dich selbst, den größten Eifer entgegen bringen“. Da war es aus bei Arius. Er besah sich die Hände und Füße der Amalie und sagte: „O Freund, welch ein Abgrund tut sich mir auf, was habe ich getan, wie kann ich mich mit deinem Gott versöhnen?“ Jakobus: „Arius, werfe alle deine Götter ins Feuer und ergreife du mit ganzem Herzen Gott, den Herrn und Seinen Sohn Jesu, dann wirst du glücklich machen können, jetzt und allezeit“.

Amalie war außer sich. Unter Freuden und Weinen rief sie: „Diese Freude, diese Freude, das müssen alle erfahren“, und schnell war sie zum Hause hinaus. Nur Minuten dauerte es, da kamen auch schon die Nachbarn, beschauten das Wunder und wollten wissen, wer es vollbrachte. Da war es Arius, der sich zum Sprecher machte und dem wahren Gott die Ehre gab. Unter den Neugierigen war auch eine alte betagte Mutter. Es war schwer, mit ihr zu reden, denn sie hatte zwei aussätzige Enkel, die noch mit anderen weit draußen, außer der Stadt, isoliert waren. Dieses Wunder war ihr eine Botschaft aus einer anderen Welt. Sie betrachtete das Wunder größer als den Gott, der es vollbrachte. Wiederum war es Arius, der die alte Mutter nach dortiger Art überzeugen konnte, dass diese Heilung kein Wunder, sondern der Ausdruck der großen Gottesliebe sei, von der sie heute erst erfahren. Da ging ein Lächeln über ihr altes runzliges Gesicht. Aus ihrem zahnlosen Mund sprudelten die Worte: „Wenn dieser Gott solche Liebe besitzt, dann sollen auch die anderen diese Liebe erfahren“.

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19 Wurka

Sie verließ, ohne noch ein Wort zu sagen, das Haus. Die anderen aber sagten: „Was ist denn in die alte Wurka gefahren, so viel hat sie in ihrem Leben noch nicht zusammenhängend gesprochen“. Spricht Jakobus: „Ja, liebe Leute, wundert euch nicht, sie bringt alle Aussätzigen, damit sie gesund werden sollen“. Da rissen die anderen schnell aus, denn ein Schrecken war in sie gefahren, sie hatten Angst vor der schrecklichen Krankheit. Nur einige wenige waren geblieben. Zu ihnen sagte Jakobus: „Warum geht ihr nicht mit den Furchtsamen, denn auch euch trieb die Neugierde ins Haus zu Amalie“. Sagte eine: „Nun ist es nicht mehr Neugierde, sondern Verlangen, auch diesen Gott kennen zu lernen“. Jakobus: „Dann bleibet, ihr alle werdet dann die Herrlichkeit Gottes schauen und Seine große Liebe erfahren“.

Es kamen immer mehr, Angst und Entsetzen packte sie, als sie hörten, die alte Wurka bringe die Aussätzigen. Da sagte Jakobus: „Liebe Leute, fürchtet euch nicht um Dinge, die euch allen dem ewigen Heil dienen sollen. Schauet eure Amalie an, sie ist gesund durch die Kraft und Liebe des wahren und lebendigen Gottes, der euch bisher unbekannt war. Ihr habt gehört von dem Heiland und Wundermann Jesu aus dem jüdischen Land, dessen Bote ich bin. Ich darf euch die Botschaft des ewigen Gottes und Seines Sohnes Jesus überbringen, welche lautet: `Ich lebe und alle, die an Mich glauben, werden auch leben`. Denket ja nicht, wir leben ja, was soll uns diese Botschaft. O liebe Leute, ein Leben aus Gott ist ein anderes Leben, da Jesus Christus, der Sohn Gottes, uns erlöst hat vom Tod und Gericht, und allen Fluch, der auf dem Menschengeschlecht lag, gesühnt hat“. Arius: „Lieber Mann, was ist das für ein Fluch, der auf allen Menschen lastete, was ist es mit dem Tod und Gericht, es müssen doch alle Menschen sterben“.

Jakobus: „Arius, was wisset ihr alle vom Leben, nichts. Jeder Pulsschlag deines Herzens zeugt wohl auch vom Leben, aber ein Leben, welches jederzeit ausgelöscht werden kann, da es gerichtet ist. Dieses Leben aber ist der Fluch, der auf dem Menschengeschlecht liegt, dass es dem Fleische zinspflichtig ist, und alles geistige Leben schwer erkämpft werden muß. Darum braucht das gesamte Menschengeschlecht einen Erlöser, sonst wäre es dem ewigen Tode verfallen. In Jesus, dem Menschen- und Gottessohn, ist der Retter erstanden, und der Weg und das Tor zum ewigen Leben frei geworden für alle Menschen, die da eines guten Willens sind“. Arius: „Aber Freund, du schilderst das Menschengeschlecht, als ob es am Abgrund stünde. Was wird aus denen, die schon im Grabe ruhen und aus denen, die deine Botschaft nicht erreicht?“ Jakobus: „Sorge dich dessen nicht. Gott ist Liebe und der Retter und Erlöser hat auch den Weg zu denen gefunden, die das irdische Sein verlassen haben. Seine Liebe und Weisheit findet auch Mittel und Wege, dass sie alle diese Botschaft erfahren“.

Arius: „Freund, noch eine ganz wichtige Frage, sie lastet schwer auf mir. Wer gibt mir Garantie, dass, so ich an Gott und Seinen Sohn glaube, auch wahrhaft das ewige Leben überkomme. Bis jetzt sind alle gestorben und keiner konnte sein Leben beweisen noch offenbaren“. Jakobus: „Arius, und ihr alle, höret: Jesus Christus ist der Garant für euer ewiges Leben und Sein, denn, obwohl Er Mensch war, erfüllte Er das Gesetz bis zum letzten Buchstaben und ließ es zu, dass man Ihn verfolgte, verschmähte und zuletzt an das Kreuz heftete und Sein Leben opferte für die Wahrheit Seiner Lehre. Sein in Ihm geeinter Geist mit dem Gottesgeist aber überwand den Tod, und nach drei Tagen stand Er im unzerstörbaren Leibe unter uns und brachte die Kunde: `Ich lebe, und die an Mich glauben und Meine Lehre ausleben, werden auch leben`. Sehet, so lebt in allen, die an Ihn glauben und in Seinem Geiste, Seiner Liebe leben, Seine Kraft und Herrlichkeit, und alles wird möglich, so ich recht glaube und mit Ihm verbunden bin im Geiste“.

Obeth: „Lieber Menschenfreund, jetzt habe ich nicht nur dich, sondern auch deinen Gott und den Retter und Heiland Jesus verstanden. Ich wollte keine Einwendungen machen, und ich wünschte, ich könnte Manches ungeschehen machen in meinem Leben. Da schaut ja die Menschheit und die gesamte Welt ganz anders aus. Was habe ich wohl zu tun, dass ich das ewige Leben erringe?“ Jakobus: „Glaube an Jesus, den Lebendigen, dann wird Sein Geist in dir lebendig werden. Und hemme diesen Geist nicht, denn er führt zu Gott, dem Ewigen“. Amelia kommt ganz erhitzt und spricht: „Die halbe Stadt weiß um dieses Wunder, du wirst dir viele Fragen gefallen lassen müssen, du edler Menschenfreund!“ Jakobus: „Amelia, was wird wohl die ganze Stadt sagen, wenn der ewige Gott eure Aussätzigen heilen wird, die die alte Wurka bringt, denn sie ist schon auf dem Weg nach hier“. Amelia: „Die alte Wurka, die kaum zehn Worte sagen konnte? O, Du unbekannter Gott, lass Dich nicht so lange suchen, verbirg Dich nicht hinter Deinem Priester, damit wir Dir den gebührenden Dank entgegenbringen können“.

Jakobus: „Amelia, würdest du im rechten Glauben dem dir noch unbekannten Gott ein Opfer bringen und Ihm einen Dienst erweisen, der deinen kranken und aussätzigen Schwestern und Brüdern zum Heile werden würde?“ Amelia: „Bedingungslos tue ich, was dein Gott, der auch der meine sein soll, von mir verlangt“. Jakobus: „Dann fülle einen Kübel mit reinem Wasser und einem reinen Lappen, damit wäschst du einen jeden Kranken. Tue es im Namen deines Herrn und ewigen Gottes, dann wirst du Seine Herrlichkeit sehen“. Amelia: „Ja, ich tue es. Es genügt mir zu wissen, dein Gott ist auch mein Gott“. Eilig füllte sie einen Kübel mit reinem Brunnenwasser, die Mutter gab ihr ein Tuch. Da kommt auch schon die Wurka mit einer großen Anzahl Aussätziger, alt und jung. Vor dem Hause warten sie auf Geheiß der Wurka. Von weitem verfolgten die Neugierigen die Kranken, aber die Wurka nahm keine Rücksicht.

„Kommet, der Retter ist da“ waren ihre Worte. Im nächsten Augenblick war das Häuschen leer, alle waren sie auf die Straße geeilt, Jakobus und Amalie als die Letzten. Spricht Jakobus: „Wurka, hast du die Überzeugung, dass dich der wahre und heilige Gott nicht  enttäuscht, denn ohne zu fragen, bist du von hier geeilt?“ Wurka: „Wenn der wahre Gott Liebe ist, wie ich an Amalie erlebte, dann wird mich keine Enttäuschung berühren, denn Liebe will ja allen helfen“. Jakobus: „Auf deinen Glauben hin sage ich dir, du treue Wurka, dass der heilige Gott und Vater aller Menschenkinder dich für würdig befunden hat, Dienerin der heiligen und erlösenden Liebe zu sein, dir geschehe nach deinem Glauben. Euch aber, ihr Kranken und Leidgeprüften, lasset euch sagen, dass eure Zeit des Leidens vorüber sein soll, so ihr an den Gott, der Liebe und ewiges Leben ist, glauben wollt. Wer da nicht glauben kann, mag ruhig zurücktreten.

Wer da glauben kann, setze sich auf den Boden, damit Amelia mit dem Wasser, welches ich im Namen des Herrn segnen werde, euch waschen kann. Bist du bereit, Amelia?“ - „Ja, mein Herr und Gott“, rief Amelia mit lauter Stimme. Da kniete Jakobus nieder und betete: „O, Herr und Meister, Deine Liebe führte es, dass viele Kranke Hilfe bei Dir suchen, der Du die Kraft, Macht und Herrlichkeit bist. Erfülle mich ganz mit dem Strom Deiner Kraft und Macht und lass das Werk Deiner Liebe gelingen. Wir danken Dir mit kindlichem Herzen und bitten Dich, sei unter uns und offenbare Deine Liebe, Macht und Herrlichkeit. Amen“. Sei gesegnet im Namen des Herrn Jesu, du Wasser, sei belebt durch die Kraft des Herrn und ewigen Gottes und so erfülle sich der Wille Gottes an diesen Kranken. Du, Amelia, des Herrn Segen über dich und deine Liebe! Vollbringe im Glauben, was Liebe sich ersehnt. Jesus mit euch“.

Da wollte Amelia das Tuch in das Wasser tauchen, da kam Wurka und sagte: „So nicht, Amelia, mit einer Schüssel schöpfe ich dir, denn diese Tat erfordert doppelten Glauben“. Schnell war eine Schüssel zur Hand. Amelia wusch die ersten Drei mit Beten und Bitten, o Wunder, das Wasser nahm den Aussatz. Da jubelten die Drei, aber Wurka sagte: „Kinder, danket und bittet, alle sollen gereinigt werden, so will es der wahre Gott“. Zehn mal brauchte Wurka Wasser, alle wurden rein, da knieten noch alle 30 auf dem Boden. Sagte Jakobus: „Bruder Arius, walte deines Amtes als Priester und Diener des lebendigen Gottes. Amen“ Da besah Arius die Gereinigten und sagte: „Ihr seid rein durch die Gnade des Herrn und Gottes. Ihr dürft wieder dort hingehen, wohin ihr wollt. Vergesst das Danken nicht, und eingedenk dieser großen Gnade, bleibt diesem wahren Gott getreu“. Da wich die Menge bestürzt zur Seite.

Vor diesem allgewaltigen Werk der unbekannten Gottheit wagte niemand ein Wort zu sagen. Aber Wurka, ihre beiden Enkel bei den Händen nehmend, sagte zu Jakobus: „Du Bote der Liebe und Vertreter deiner Gottheit, gib uns ein Wort, wie ich zu leben habe. Was uns hier geschehen ist, kann nur einem lebenden Gott möglich sein“. Spricht Jakobus: „Kinder, schaffet erst einmal Ruhe in euch. Es sind noch viele unter euch, die noch an den toten Göttern hängen, denn der wahre Gott, der auch der Schöpfer Himmels und der Erde ist. Will ganz und gar nicht angenommen sein. Heute Abend werde ich euch dienen wie ein Bruder, werde euch hineinführen in den Geist, der unser aller Glück und Leben will, und euch Kunde geben von dem Sohne Jesu, der uns allen der Weg zum Vater ist. Reinigt zuvor eure Herzen von den Anhängseln falscher und toter Götter, damit Jesus, der Heiland, ein gereinigtes Herzenshaus vorfinde. Wer sich aber nicht trennen kann und mag von seinen toten Göttern, bleibe ruhig dabei“.

Wurka: „Dein Wort, du Bote Gottes, ist wie ein Licht, was da erstrahlt in einer Nacht und mir leuchtet in froher Hoffnung. Ich wollte, ich wäre noch jung, um ganz Dienerin der Liebe zu sein. Nun aber sterbe ich gerne, da ich diese Armen der Armen, Ausgestoßenen vom Glück, wieder glücklich sehe. Nur so lange lass mich noch leben, Du herrlicher und unbekannter Gott, bis ich Dich ganz erfasst habe und dir danken kann für die Erfüllung meiner Sehnsucht“. Jakobus: „Wurka, bleibe mit deinen Sorgenkindern, dein Herzenstor ist offen, ihr anderen aber tut nach meinen Worten“. Es kommt die Wirtin, um Amelia zu holen, denn die Arbeit häufte sich an. Aber Amalie sagte: „Lass heute Amelia hier, denn vor diesem großen Gotteswunder muss alles stille stehen. In treuem und doppeltem Fleiß wird sie alles wieder einholen“. - „Ach was, Gotteswunder, wenn man vor Arbeit nicht weiß, wo aus und ein. Für mich gibt es nur ein Wunder, wenn die viele Arbeit nicht mehr wäre, auch ich sehne mich nach Ruhe“. Jakobus: „Beschaue dir Amaliens Hände und Füße, sie hatte bis jetzt Ruhe“. Amalie: „Frage die Wurka, die alle Aussätzigen holte.

Sie alle wurden rein“. Die Wirtin: „Ach, darum dieser Auflauf, so etwas hat Rakka noch nicht gesehen. Aber nun weiß ich immer noch nicht, was geschehen ist“. Wurka: „Gott ist zu uns gekommen, der wahre, wirkliche und lebendige Gott, von dem uns kein Priester und Mensch je eine Mitteilung machte“. Wirtin: „Haben wir noch nicht genug Götter? Aber von dem Gott möchte ich etwas erfahren“. Jakobus: „Jetzt nicht, die Pflicht bindet dich an dein Haus. Dein Mann ist ungehalten, weil du überall fehlst, aber morgen sollst du mehr erfahren. Mache dich aber mit dem Gedanken vertraut, der wahre Gott möchte auch in dein Haus einkehren“. Wirtin: „Da muss ich aber eilen, sonst ist der Unfriede eher da, als der wahre Gott“. Auch Obeth verließ das Haus der Amalie. Aber zuvor dankte er Jakobus noch und sagte: „Ich habe noch mehr Verlangen nach dem lebendigen Gott, der allen Erlöser sein will. Ich weiß nur, dass Er da ist, aber ich finde noch nicht den rechten Weg zu Ihm“. Jakobus: „Obeth, die alte Wurka hat allen den Weg zu Ihm gezeigt. Liebe ist Sein wahres Wesen und Liebe Sein Vermächtnis, das Er allen, allen Menschen als Trieb in das Herz legte. Darum liebe die Liebe und werde ihr Diener, dann hast du den ewigen Gott nicht nur gefunden, sondern bist Sein Diener und mit Ihm verbunden“.

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20 Bei Arius im Tempel

An diesem Tage war das Haus der Amalie der Mittelpunkt von Rakka, Jakobus spürte das Wehen der heiligen Liebe. Sein Herz war übervoll, er musste zurückhalten, denn die Menschen hatten noch große Furcht vor den toten Göttern. Abend war es, viele, viele waren gekommen und trugen eingewickelt ihre toten Götter. Wer sie noch nicht hatte, holte sie schnell, denn Arius sagte: „Unseren toten Göttern opfern, ist kein Opfer, sondern ein Eintauschen von Gaben, die der lebendige und ewige Gott allen denen gibt, die sich frei gemacht haben vom Götzentum“. Es war unmöglich, die vielen, vielen im Hause unterzubringen. Da sagte Arius: „Gehen wir in unseren Tempel, und du, Jakobus, weihe ihn für unseren Gott, der uns heute so viel schenkte. Die beiden anderen Priester sind auch auf dem Wege zu Ihm, der zum wahren Leben führt“.

Da es schnell Nacht wurde, brachten auch Einige Fackeln mit. So bewegte sich ein Zug in Rakka zu den Tempeln vor der Stadt, wie noch keiner gesehen wurde. Die treibende Kraft war Wurka mit den Gereinigten, von denen die Hälfte Fackeln hatten und den Platz vor dem Haupttempel beleuchteten, der eine Halle mit einem Altar mit einer Götzenfigur darstellte. Auf diesen Altar legten auf Geheiß der Wurka alle ihren Götzen. Auch Amalie hatte ihren Götzen mitgebracht und geopfert. Arius tritt vor den Altar und spricht: „In einem anderen Geiste stehe ich vor euch. Noch nie waren wir bei Nachtzeit hier versammelt, aber die Dinge, die geschehen sind, erfordern große Entschlüsse. Da uns Rakkaer ein großes Gnadengeschenk geworden ist, indem der wahre Gott sich offenbarte, möchten wir auch diesem wahren Gott unseren Dank darbringen. Ich, als euer Priester, lege meine Würde nieder, da ihr euch frei gemacht habt von dem, was ein Irrtum war.

Aber zu meiner letzten Handlung erbitte ich eure Liebe. Sehet, die toten Götter will ich vergraben, nicht nur in eurem Beisein, sondern im Angesichte des lebendigen Gottes, der uns in Jakobus entgegen gekommen ist. So will ich zu dem Werke schreiten. Ihr aber, ihr Gereinigten, bringet alles, was auf dem Altar liegt, damit es begraben sei für unsere Augen und auch für unsere Herzen“. Wenige Schritte vor der Halle war ein Grab ausgeschaufelt, dahinein wanderten diese Figuren. Arius selbst schaufelte es im Licht der Fackeln zu. Dann trat er vor seine Gemeinde und sagte: „Jakobus, das Haus ist gereinigt, der Weg zu Gott ist geebnet. Offenbare du uns alles, was wir brauchen, um den wahren Gott als unseren Gott anzunehmen“. Jakobus, voll der seligsten Wonne, spricht: „Liebe Männer, Frauen und auch Kinder, ich grüße euch alle im Namen der ewigen Liebe, die unser aller Gott und Vater ist!

Ich will euch hineinführen in Sein Reich, welches ein ewiges und bleibendes ist. Im Anfang war das Wort, Gott war das Wort und alles, was geschaffen wurde, geschah durch dasselbe. So gingen große Welten, Sonnen, Sterne und Erden, welche alle belebt wurden, in ein Dasein, wovon wir Menschen noch keine Kenntnis hatten. Diese Schöpfungen waren der Anfang zu dem größten Werke, welches noch hervor gehen musste, es war der Mensch. Gott schuf den Menschen nach Seinem Bilde, angefüllt mit allem, was in Gott lag. Gott brauchte einen Vermittler zwischen Sich und Seinen Schöpfungen. So waren die Schöpfungen wegen des Menschen, und der Mensch wegen der Schöpfung da. Der Mensch verlor sich aber in all dem Geschaffenen, und verlor dabei den Schöpfer und die in Ihm ruhenden Kräfte.

Für die Gottheit, die den Menschen so herrlich, in der größten Freiheit bleibend, schuf, war das Irren des Menschen ein Durchkreuzen Ihrer Pläne, und der Mensch hörte auf, ein Vermittler zu sein. Wohl blieben Einzelne im Besitz der Weisheit Gottes und Seiner Offenbarungen, aber der Lebensfeind, der ja die Trennung des Menschen von Gott verstand, brachte noch mehr fertig, denn er setzte sich an Gottes Stelle und wurde zum Fürsten dieser Welt! Mit all den Dingen, die der Mensch als Geschenk Gottes ursprünglich in sich trug, verlor er sich mehr und mehr und stand am Untergang. Da erbarmte sich Gott Seiner irregeleiteten Menschenkinder, und wurde Selbst Mensch. Mensch wie wir, nicht besser und auch nicht schlechter wie wir, erfüllte alle Bedingungen, die nötig waren und erreichte die Vollkommenheit, die der erste geschaffene Mensch besaß, und wurde zum Vermittler zwischen Gott und Mensch.

Es war Jesus von Nazareth. Liebe Männer und Frauen, ich, Jakobus, war Zeuge der Geburt, lebte in dem Hause, wo Er lebte, habe alle Entwicklungen erlebt, die Jesus durchmachte. Ich sage euch, dass es noch keinem Menschen gelang, in den tausend mal tausend Kämpfen mit sich und seiner eigenen Seele so viel zu erringen, dass der Lebensfeind keine Macht, keinen Einfluss mehr auf ihn hatte, und er als Vermittler oder als Gottessohn in die Öffentlichkeit treten konnte. Um nun einige Beispiele Seines Ringens zu geben, will ich euch einige Episoden schildern: Im Hause Josefs, meines Vaters, lebte Jesus mit seiner Mutter. Josefs Glaube und Ehrfurcht vor Gott war beispiellos, und Marias Hingebung ist einmalig. Da kommen Freunde meines Vaters, es waren Templer und mein Vater war ein Ältester.

Sie machten ihm Vorwurf, dass Jesus keine bessere Erziehung im Tempel erhalte. Jesus, der dabei war, fragte, was Er noch im Tempel erlernen solle. Da sagte der eine Priester: `Mein Junge, du musst noch viel lernen, vor allem Lesen und Schreiben, und dann sollst du für den Tempel geweiht sein, wie deine Mutter geweiht war`. Spricht Jesus: `Alles dieses habe ich gelernt ohne den Tempel. Und dann will ich nicht für den Tempel, sondern für die Menschen da sein, die einen Wegweiser brauchen zu dem wahren Gott, der auch dem Tempel verloren gegangen ist`. Darüber war großes Entsetzen bei den Priestern, wie auch bei meinem Vater Josef und bei Maria. Aber Jesus sagte: `Warum entsetzt ihr euch über Mich? Ist der Geist, um den Ich ringe, der Feind der Menschen? Mit euren Gesetzen zerbrecht ihr den Menschen und liefert ihn den Zweifeln und der Unkenntnis aus. Denket nicht, dass Ich von dem Mir gestellten Zeile abweiche.

Lieber von den Menschen verkannt und verachtet sein, als Gott und Seiner Mission untreu werden`. Spricht der Priester: `Jesus, mein Wohlwollen hast du, aber weißt du nicht, dass Kinder den Eltern gehorsam sein sollen?` Erwidert Jesus: `Gehorsam sein ja, aber nicht in Dingen, die das Unglück vergrößern. Um Gott und den Menschen zu dienen, muss Ich Mich trennen von dem Weltgeist, der alle Herzen belebt`. Was nun folgte, könnt ihr euch vorstellen, denn von dieser Zeit an war der Friede des Hauses stets in Gefahr. Noch ein anderes möchte ich darstellen. Im Hause Josefs war das Beten ein heiliges Gesetz. Wehe, wer sich dem entzog, der ganze Zorn des Vaters entlud sich. Was folgte, könnt ihr euch vorstellen. Jesus aber ging aus dem Hause, für Ihn war das Beten vor dem Altar ein Zwang und unsympathisch.

Einmal entlud sich der Unwillen des alten Vaters Josef auf Jesus. Da demütigte sich Jesus und sagte: `Josef, wenn Ich nun in dem Geiste, wie du in Mir etwas zerstören willst, deinen Altar, deinen Herzensfrieden zerstören würde, wie könnte Ich da noch mit euch beten? Zu wem betest du, zu wem soll Ich beten? Siehe, dein Glaube ist groß, aber Gott ist dir unbekannt. Du kennst Sein Wort, Seine Offenbarungen, Seine Gesetze, aber Ihn zu erfassen, ist dir unmöglich, weil du mit keinem Zoll vom Gesetzesweg abirren möchtest. Siehe, Ich will dir ein wahres Gebet vorbeten, wenn in einer Stunde die Römer einen Verbrecher bringen`. Richtig, eine Stunde später kommt ein Trupp Soldaten geritten, an einem Pferde ist ein Mensch angebunden und muss in der selben Gangart gehen, wie die Reiter gehen, wenn er nicht geschleift werden will.

Um den Nazarenern ein abschreckendes Beispiel zu geben, jagen sie in einer Gangart, die es dem Gefangenen unmöglich macht, zu folgen. Was tut Jesus? Zum Entsetzen aller stellt Er sich mitten auf den Weg und unwillkürlich muss der Trupp halten, wollen sie Ihn nicht über den Haufen reiten. Der Truppführer flucht, aber Jesus greift nach dem Zügel und spricht: `Danken sollst du Mir, weil du nicht zum Mörder deines Bruders werden sollst. Dein Gefangener ist kein Verbrecher aus Mutwillen, sondern aus den Verhältnissen heraus geworden und verdient Gnade und Erbarmung, damit er sich bessern und gut machen kann`. Da springt der Führer ab und brüllt: `Was erlaubst du dir, du Missgeburt eines Menschen?` Jesus aber spricht: `Nur das, was ein Mensch dem anderen tun soll. Um dir aber zu beweisen, dass Ich keine solche Missgeburt bin, wie du mich nanntest, sollst du drei Tage lang keinen Bissen und keinen Tropfen über deine Lippen bringen, und die Zunge soll dir in dieser Zeit den Dienst versagen`.

Es war tatsächlich so geworden, keinen Ton konnte der Truppführer hervor bringen. Die anderen Soldaten bekamen Furcht, dass es ihnen auch so erginge. Nach drei Tagen kam der Truppführer und wollte Jesus sprechen, aber Jesus war aus dem Hause gegangen. Was sich aber noch alles abspielte, wird einst die Nachwelt erfahren. Es gelang Jesus, sich ganz mit Gott zu einen. Als Er Sein Lehramt antrat, ahnte noch kein Mensch, was in Jesus lebte. Aber als die Kranken gesund, Blinde sehend und Taube hörend, ja, sogar Tote lebendig wurden, erkannten unsere Stammesgenossen die Heimsuchung Gottes, nur der Tempel nicht, sie wurden Feinde Jesu. So geschah, was geschrieben und offenbart war: Jesus endete am Kreuz!

Alle Feinde jubelten, aber zum Entsetzen aller stand Er nach drei Tagen wieder unter uns und brachte die Botschaft vom Siege des Lebens über den Tod. Meine lieben Freunde, uns wurde froh und leicht! Vorbei alles Leid und Kummer. Wir erlebten den größten Sieg aller Zeiten, denn Sein Geist des Lebens wurde uns zu Eigen gegeben. In diesem Seinem Geiste stehe ich vor euch, in diesem Seinem Geiste bin ich nur Vermittler und Diener Seiner Liebe. Er ist das A und O, der Ausführende und der Vollender. In diesem Geiste segne ich euch! Und eure Liebe weihe dieses Fleckchen Erde für Ihn und für euch, auf dass sich erfülle euer Sehnen und Wollen. Du, Arius, bleibe Priester. Nimm auch du hin den Segen unseres Herrn und Meisters Jesu und Gott, auf dass Sein Geist in dir Zeugnis gebe deinem Geist, in dem du dienen kannst allen nach der Liebe, die du in dir trägst.

Ihr Gereinigten, freut euch der Gnade, die durch euch verherrlicht werden konnte! Der herrliche und heilige Gott, der da Leben, ewiges Leben ist, will durch Seine Gnade allen Leben geben, die eines guten Willens sind. Noch ist es Nacht in euch, entzündet eure Liebe an dem heiligen Liebesfeuer, welches ich euch offenbare. Und bauet ein Kreuz, welches euren Altar schmücken soll. Denn von nun an soll kein anderes Opfer mehr brennen, als das Opfer in euren Herzen. Opfert eure Eigenliebe, opfert, was sich dem Geist der Liebe hemmend in euch entgegenstellt, dann wird das Licht Seines Geistes euch erhellen und ihr werdet Kinder Gottes, ihr aber untereinander Brüder und Schwestern werden. So eine euch die Liebe, die reine und herrliche. Niemand sei größer oder kleiner unter euch, nur lieben und dienen sei die herrliche Aufgabe, und dann ist Gott, der Ewige und Heilige, euer Vater für Zeit und Ewigkeit geworden. Sein Friede erfülle euch mit Ruhe, Seine Liebe werde euer Leben und Sein Segen der Segen für eure Brüder. Amen, Amen, Amen“.

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21 Sabbat in Rakka

Es waren zu dieser Feier auch Fremde zugegen, die erst gegen Abend in der großen Herberge eingekehrt waren. Da sich die Heilungen schnell herumsprachen, war die Neugierde umso größer. Unter den Zugewanderten war auch ein römischer Kaufmann, der sehr viel von Jesus gehört hatte auf seinen großen Reisen, aber nie Wert darauf gelegt hatte. Heute war Gelegenheit, einen Jesusjünger zu hören, darum ging er dahin, wo die anderen hineilten. Die Rede des Jakobus war ihm eine Enttäuschung, er hatte gehofft, ein Wunder zu erleben. Nun kam in später Abendstunde dieser Jakobus und erbat sich ein Nachtmahl, da er den ganzen Tag noch nichts weiter genossen hatte. Die Wirtin bediente ihn selbst und hoffte, von ihm noch einige Worte zu vernehmen. Aber der römische Kaufmann hatte ihn mit Beschlag belegt und fragte ihn gerade, ob er behaupten könne, alles das, was er rede und tue, dass es auch aus dem Geiste wäre.

Jakobus: „Lieber Freud, wenn du am heutigen Abend meine Worte hingenommen hast, als wenn sie aus mir kämen, dann wird dich auch meine Antwort nicht befriedigen, denn wer das Wort nicht als Wunder oder Offenbarung aus Gott annehmen kann, mit dem ist schwer reden. Du hast ein Wunder erwartet, weil dich ja nie die Lehre des Herrn und Meisters interessierte, sondern nur Seine Wunderwerke“. Der Römer: „Du magst recht haben, Lehren und Worte bedürfen einer Prüfung, Werke aber nicht, sie sprechen für sich und halten jeder Kritik stand. Mir ist ja immer das Reale und Natürliche lieber als das Übersinnliche. Dein Meister hat aus einer unfruchtbaren Gegend eine fruchtbare gemacht. Dieses Wunder hält eben jeder Kritik stand, und seine Feinde müssen es zweifellos als Wunder anerkennen. Warum soll ich mich um die neue Lehre kümmern, denn ein Jude werde ich doch nie und nimmer“.

Jakobus: „Lieber Danilos, deine Rede beweist mir, wie wenig du dich um Jesus von Nazareth bekümmert hast. Es war nicht klug von dir. Andere Römer suchten die Bekanntschaft mit Jesus und haben 1000 Segnungen dabei gehabt. Du sprichst, du bist für das Reale und Natürliche und weist das Übersinnliche, sagen wir, das Göttliche, von dir. Nun sage ich dir aber, Jesus war das Natürlichste, was sich nur erkennen lässt. Seine Reden, Seine Taten so einfach, so natürlich, dass an Übersinnliches gar nicht zu denken ist. Sein Innenleben war die Gottheit. Alles was Er lehrte und tat geschah eben aus dem göttlichen Urgeist. Gott und Wunder sind eins, denn ohne Gott ist kein Wunder denkbar. Da auch Gott das natürlichste Wesen ist, müssen auch die Wunder, wie alle Offenbarungen, natürlich sein. Freilich ist es ohne Weisheit und Kraft nicht möglich, aber diese sind ja der Gottheit eigen“.

Spricht der Römer: „Du nanntest mich bei meinem Namen, wer offenbarte dir diesen? Dann will ich deine Ausführungen gerne anerkennen, aber was hat das direkt mit Jesus zu tun? Sein Innenleben war die Gottheit, sagst du, aber nun frage ich dich, hat denn die Gottheit nötig, sich hinter einem Menschen zu verstecken? Das kommt mir unnatürlich vor, dass eine Gottheit, die Liebe, Weisheit und Kraft ist, sich einen Menschen erwählt, ihren Willen demselben aufzwingt und hinter diesem Menschen Deckung nimmt. Ist denn unter diesen Umständen Jesus ernst zu nehmen, denn das Treibende ist ja Gott. Wie viele Götter gibt es eigentlich?“ Jakobus: „Lieber Freund, mit diesen deinen Gedankengängen wirst du kaum das Lebensziel erreichen. Der heutige Abend hätte dir mehr geben müssen. Dies kommt aber daher, weil du alles menschlich betrachtest. Gott und Mensch sind zwei, Gott, der Schöpfer und Mensch der Geschaffene.

Gott ist Gott und Mensch ist Mensch. Gott wurde Mensch nur, um den Menschen auf die Stufe der Vollkommenheit zu stellen, damit der Mensch wieder in den Besitz der göttlichen Liebe, Weisheit und Kraft gelange, die er verloren hatte, als er sich festigen sollte in der von Gott verliehenen Freiheit. Jesus tat dieses nicht aus Zwang, sondern aus dem Drängen Seines eigenen Geistes heraus, der ja göttlichen Ursprungs ist. Auch dein innerer Geist ist göttlichen Ursprungs und wohnt in deiner Seele, die wieder in deinem Fleischleib ihren Wohnsitz hat. Dein eigener Geist ist direkt aus Gott, deine Seele aber geschöpflich hervorgegangen. Dein eigener Geist bewegt sich in der allergrößten Freiheit, deine Seele aber ist an Gesetze gebunden. Dein Geist kann deine Seele zur höchsten Stufe der Vollkommenheit führen, das heißt, wenn du festen Willens bist. Dein Geist kann aber auch, wenn du willst, zur größten Trägheit verurteilt werden, dann geht eben deine Seele in all dem Geschöpflichen zu Grunde. Auf der Stufe der Vollkommenheit eint sich die Seele mit unserem Geist und wird göttlich, d.h., der ewige Gott kann deinen Geist dienend fördern.

Wenn aber deine Seele ganz vertiert, dann ist alles Tierische und Niedrige zu ihrem Element gemacht. Nun mache dir ein Bild um den Stand eines Menschen. Der Römer: „Ich fange an, dich zu begreifen. Aber warum lässt die Gottheit, da sie alles erschaffen hat, den Menschen fallen, dass er zum Tier, ja zum Teufel wird? Hier bin ich noch im Unklaren.“ Jakobus: „Weil Gott den Menschen frei erschaffen hat, und denselben als Herr über alle Dinge auf unserer Erde zu Seiner Freude sehen wollte, damit der Mensch, mit dem Erbgut aus Gott, alles Geschaffene und Vergängliche zum Vollkommenen und Ewigen umgestalten sollte. Der Mensch aber versagte. Darum musste Gott selbst Mensch werden, um die Schöpfung zu retten, damit dieselbe nicht zum Opfer des Welt- und Lebensfeindes werde. Um aber Mensch zu werden, brauchte Er ein Gefäß, und dieses war der Mensch Jesus. Diesem gelang es, Seine Seele auf die Stufe der Vollkommenheit zu stellen und darum konnte der in Ihm wohnende Geist sich ganz mit Gott einen, so dass zwischen Gott und Jesus kein Unterschied mehr war.

Nun aber war der Mensch Jesus immer noch frei. Darum wirkte Er aus den Kräften der Gottheit, die ja in Ihm zusammengeballt waren, und schuf in Seiner Liebe ein für alle Menschen neues Leben, welches jeden Tod überdauert und die Krone der Vollkommenheit ist. Darum ging ja Jesus wieder aus dem Tode hervor, um allen, allen den Beweis zu geben: Er lebt und wird ewig leben, und alle, die an Ihn glauben und nach Seiner Lehre tun, mit Ihm“. Der Römer: „Lieber Freund, nun lass mich allein, es zu viel für heute, ich muss alles nochmals überdenken“. Die beiden waren in ihrer Unterhaltung so vertieft, dass sie nicht bemerkt hatten, wie viele ihren Reden lauschten und völlig befriedigt waren, denn über allem lagerte ein Schein von Glückseligkeit. Am Morgen war Ruhe. Nur das Nötigste taten die Fremden an ihrem Vieh und an ihren Wagen.

Es war Sabbat. Es waren am Abend vorher auch Fremde gekommen, die ihre Ruhe aufsuchten und von dem Geschehen in Rakka keine Ahnung hatten. Ein griechischer Handelsherr ging nun am Vormittag zum Tempel, um zu opfern, wie er es jeden Sabbat tat, um die Götter nicht zu betrüben. Er erstaunte aber, am Tempel viel Volks anzutreffen, er war dieses Bild nicht gewohnt. Er brachte sein Opfer, mehrere Pfund Silber, aber der Priester nahm es nicht an und sagte: „Lieber Freund, wir haben den unbekannten Gott zu unserem Gott gemacht, da wir die Erfahrung machten, dass der bisher unbekannte Gott Leben über Leben ist, die anderen Götter aber nur Sinnbilder und völlig tot sind“. Spricht der Grieche: „Aber was soll das heißen, wollt ihr das ganze Land in Not und Trauer bringen, wie kann man so die Götter betrüben?“ - Arius: „Im Gegenteil, lieber Freund, nun ist der Anfang gemacht, dass alles Elend schwinden wird. Dort, schaue dir die kleine Schar an, gestern waren sie noch aussätzig und heute geben sie dem wahren Gott die Ehre“.

Der Grieche: „Aber hört doch auf, in ganz Judäa ist die Hölle los, da sie diesen Jesus, den man kreuzigte, auf einmal wieder lebendig machten und man behauptet, er sei Gott. Was ich da erlebte, ist grauenvoll. Die alten Priester behaupten, Gott zu dienen und verfolgen die, die da glauben, Jesus sei Gott und lebe. Von Jesus aber merkt man nichts, denn alle die Verfolgten werden doch ein Opfer ihres Glaubens und gehen elendig zu Grunde“. Arius: „Lieber Freund, was du erlebtest, kann ja wahr sein, und ich kann dir deswegen nichts dagegen halten. Aber wahr ist es auch, dass gestern diese 30 geheilt wurden, und eine mit schwerer Gicht beladene Frau wieder ihre volle Gesundheit im Namen des Herrn Jesus von einem Jünger des Herrn wieder zurück erhielt“. Der Grieche: „Lass mich mit den 30 reden, damit ich sie befragen kann. Ich habe wohl viel reden gehört von den Wundern des Jesu, aber sein Tod ist eine unleugsame Tatsache“. –

Arius: „Es ist nicht nötig, andere zu befragen, denn dort kommt der Jünger des Herrn Jesus und noch viele kommen mit“. Es war auch so. Jakobus hatte kaum sein Morgengebet beendet, kommt auch Danilos. Schweigend setzte er sich zu Jakobus und nimmt auch schweigend sein Morgenmahl ein. Jakobus belässt ihn in seinem Schweigen, denn er fühlt, alles ist noch im Gären. Mit der Zeit füllte sich die Gaststube, aber es wurde nicht laut, denn alle sahen auf Jakobus und erwarteten ein Wort von ihm. Spricht Jakobus: „Liebe Freunde, nehmt eure Suppe ein. Da heute Sabbat ist, können wir ja nach dem neugeweihten Tempel gehen, wohin noch viele kommen werden und auch Kranke mitbringen. Aber nur, wer da will und wem an dem Heil seiner Seele liegt“. So erlebte man in Rakka, dass aus der Herberge eine Schar Männer nach dem Tempel gingen und sich leise unterhielten, auch treffen sie andere, sogar welche mit Wagen, worauf Kranke gebettet liegen. Es füllt sich schnell der Tempelplatz, als auch Jakobus mit Danilos kommt.

Arius geht auf Jakobus zu und spricht: „Bruder, du wirst erwartet. Hier ist ein Freund, der sich noch an vielem stößt, was in deiner Heimat geschieht. Du übernimmst doch den Dienst der Liebe?“ - Jakobus. „Arius, heute bist du wie immer Priester. Lass dich ganz durchdringen vom Geist des Dienens, dann wird alles gut werden. Wenn der Geist dich drängt, dann stehe ich dir bei“. Arius begrüßte die Besucher, schilderte nochmals die erlebte Liebe und Gnade von gestern, die nun immer und immer geschenkt wird, wenn der Glaube und das Vertrauen zum wahren und ewigen Gott immer lebendiger wird. Darum wird der Sendbote dieses wahren Gottes uns denselben noch mehr schildern, damit keiner mehr bereue, seine toten Götter verlassen zu haben. Hier tritt Jakobus vor und spricht mit lauter Stimme: „Brüder und Schwestern, unsagbare Freude lebt in mir, da ich in euch den Zug erlebe, ganz dem wahren und lebendigen Gott zu dienen. Mit dem Verlassen eurer toten Götter müsst ihr aber auch das euch angewöhnte Leben verlassen, das ihr bisher lebtet. Ihr lebtet nur für euch, der andere mochte sehen, wie er weiter kam. Euer Priester musste Opfer fordern, um seinen Verpflichtungen nachzukommen.

Dieser Zustand machte euch unfrei. Ihr lerntet nun den wahren Gott und Herrn kennen. Ich, als Sein Bote, möchte euch noch mehr mit Seinem Willen bekannt machen, der mit wenigen Worten gesagt ist. Er lautet: Liebet euch, wie Ich euch geliebt habe! Diese Liebe soll nicht Gesetz werden. Wer in dieser Liebe lebt, wird in Gott und Gott in ihm leben. Ein jeder sei für den anderen da, und keiner sei mehr und größer als der andere. Lebet ihr in diesem Geiste der Liebe, dann kommt der Segen sichtbar, und alle Not und leiden werden nur selten Gast bei euch sein. Darum bringt nun eure Kranken, damit alle Herzen von der Freude übervoll werden und Gott, der Lebendige und Ewigwahre sich ganz offenbaren kann“. Schwerkranke, einige Blinde und ein Krüppel wurden vor den Altar gebracht, auf dem ein einfaches Holzkreuz stand. Mehrere Lampen standen darauf. Jakobus bat, die Lampen anzubrennen, da ja Sabbat sei und dieser Tag immer eine besondere Weihe und Ruhe geben soll.  Schnell brannten die Lampen.

Ein eigenartiges Bild für die Rakkaer, ein grobes Kreuz und sieben brennende Lampen am hellen Tag. Jakobus: „Im Namen Gottes und Seines Sohnes Jesu Christi diene ich euch. Vor allem euch, die ihr Erlösung von euren Leiden sucht. Eure Hoffnung soll nicht zuschanden werden. Doch müsst ihr glauben können, dass nicht ich, sondern der wahre Gott und Herr, der Vater aller Menschenkinder es ist, der da Leben und Gesundheit gibt. In Seinem Auftrag segne ich euch, in Seiner Liebe diene ich euch und Sein Geist erfülle euch, wie ich erfüllt bin!“ Jakobus berührte jeden mit seinen Händen, seine Augen leuchteten, der Strom von Kraft durchdrang ihn, bis er den letzten berührt hatte. Dann sagte er: „Steht auf von eurem Lager und dankt mit den Herzen für die Gnade und verherrlicht die große Gottesliebe, indem ihr euch gegenseitig dient“. Alle standen auf. Da brach das Schweigen der großen Menge. Alle wollten sie die Kranken und nun Gesunden sehen. Jakobus aber sagte: „Nicht so, meine Geliebten, lasst den Dank keinen Rausch sein.

Es ist die Art des Herrn, nur Glückliche zu sehen. Macht euch vertraut mit Seinem Vater- und Heilandsgeist, dann werdet ihr wahre Schwestern und Brüder. Des einen Freude sei auch des anderen Freude, des einen Leid sei aber auch des anderen Leid. Dann kommt der rechte Himmel zu euch und ihr erlebt Freuden, die ihr noch nicht kennt. Es ist genug für heute. Geht wieder in eure Behausung zurück, der Sabbat wird nicht nur im Tempel, sondern im Herzen und im Tun gefeiert und soll nicht Opfern, Beten und Entsagen sein, sondern Freuen und immer neue Freuden den anderen bereiten. Da aber euer Herz nach einem Wort der Gnade und Liebe dürstet, so spricht der Herr zu euch: „Endlich ist für Mich und auch für euch die Stunde gekommen, wo wir in den rechten Verkehr treten können. Immer musste Ich von der Ferne sehen euer Ringen, euer Tun und Schaffen.

Aber trotz eures Schaffens waret ihr gebunden vom falschen Geist. Nun aber hat die Befreiungsstunde geschlagen. Ich Selbst wollte es, dass die Nacht zum Tage werde und ihr im Licht Mich suchen und erkennen könnt. Nie werde ich euch verlassen noch versäumen, solange ihr an Mich glaubt und von den Gaben meiner Liebe, Gnade und Erbarmung Gebrauch macht. Meine Liebe sei auch die eure, Mein Segen das sichtbare Zeichen und Mein Geist das belebende in euch für die anderen. Legt ab das Niedere und ziehet den neuen Menschen an, den Ich als Jesus vorlebte. So ziehet in Frieden, mein Segen und Mein Frieden sei mit euch allen. Amen“. Die Feier war kurz, aber beglückend. Alle wollten Jakobus danken, der aber wehrte ab. „Liebet euch“ war sein Wort, „es ist der beste Dank!“ Die alte Wurka sah alles mit Freuden, sie schien neu belebt zu sein. Sie sagte nur: „Ach, nur noch einmal jung sein und diese Liebe leben zu dürfen!“

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22 Bei der alten Wurka

 

Danilos und Barabäus kannten sich. Sie begrüßten sich, aber das Wunder war zu offenbar. Danilos sagte: „Hier muss jede Stimme schweigen. Mir wird schwindlig, wenn ich an das Geschehene und Gehörte denke!“ Barabäus spricht: „Aber Freund, ich werde irre, wenn ich an die Verfolgten denke, wo bleibt da Gott? Mit meinen Augen sah ich die Gefangenen, die der Tempel einfing. Ihre Leiden rührten mich, aber wo bleibt ihr Gott, ihr Jesus? Was ich heute erlebte, kann nicht Menschenkunst sein, sondern nur wahrhaft Gott tun, obwohl die Worte des Sendboten wirklich erfreuend waren. Es wird gut sein, unsere Vermutung totzuschweigen und uns Klarheit zu holen bei dem Boten“. Noch lange weilte Jakobus bei Arius und den nun Gesundgewordenen, denn Jakobus dachte an Abschied. Die alte Wurka bat ihn, er solle doch, und wenn es nur Minuten wären, einmal ihr Haus betreten. Ihre Freude sei so groß, dass sie es nicht aussprechen könnte, aber ihre Sehnsucht nach Gott sei viel, viel größer, und sie sähe doch in ihm den Stellvertreter Gottes.

Da die beiden, Danilos und Barabäus, auch bei den Zurückgebliebenen mit weilten, baten sie, die alte Mutter mit begleiten zu dürfen, was auch gerne gewährt wurde. O, wie armselig war die kleine Hütte, aber sauber und reinlich. Wurka war überglücklich, Jakobus in ihrem Heim zu sehen. Es war ihr gelungen, die heute Geheilten bei ihr einzukehren, die nun voller Freude etwas getan hätten, was Jakobus erfreuen sollte. Aber sie waren arm, so arm, denn nichts anderes besaßen sie, als was sie auf dem Leibe hatten, und dieses war sehr wenig. Noch nie waren in Wurkas Hütte so viele beisammen. Da kommt auch noch Amalie und Amelia, die erfahren hatten, dass Jakobus bei Wurka eingekehrt war. Wurka hatte für Jakobus ein Brot, etwas Fleisch und auch einen Becher Wein sich von der Herbergswirtin geben lassen. Sie wollte es abarbeiten, so gut sie konnte, denn sie wollte dem Herrn ein Opfer ihrer Liebe bringen. Als nun die vielen in ihrer Wohnung dicht gedrängt am Boden kauerten, denn Sitzgelegenheiten hatte sie nur für Jakobus, Danilos und Barabäus, fing sie an zu weinen und sagte: „Siehe, du lieber Gottes- und Sendbote, für dich habe ich ein kleines Mahl bereitet.

Aber nun fühle ich meine Armut wie noch nie, denn auch die anderen haben Hunger, aber ich habe nichts, rein gar nichts weiter. Siehe, Liebe spendete diese geringe Gabe und nun macht sie mir Schmerz“. Da sagt Jakobus: „Wurka, weine nicht, denn deine Tränen sind der Ausdruck deiner großen Liebe, die der Herr und ewige Gott besonders lohnt. Du wolltest nicht mich, sondern den Herrn erfreuen. Da aber der Herr in jedem Armen so überherrlich zu Hause ist, da fange nur an auszuteilen im rechten Glauben und Vertrauen, dann werden alle froh und satt werden. Wo der Herr einen Menschen sieht, der das Letzte gibt, meinst du, dass Er, als die größte und heiligste Liebe, tatenlos zusieht? Bitte Ihn in Seinem Geist um den Segen, dann wird dir Seine Liebe noch mehr offenbar!“ Wurka: „Ach Freund, ich glaube es, und nun danke ich Dir, Du großer, großer Gott und bitte Dich um Deinen Segen und um Deine Gegenwart“.

Wurka nimmt Brot und Fleisch und reicht zuerst Jakobus und dann den anderen davon. Aber es wird nicht weniger, ja, es blieb noch übrig. Dann nimmt sie das kleine Krügel und lässt jeden trinken. Auch hier erlebt sie, es wird nicht leer. So wurden alle satt. Dann dankte Wurka auf den Knieen und spricht: „Herr, nun ist alle meine Sehnsucht gestillt, Du bist gegenwärtig unter uns, wenn auch meine Augen Dich nicht sehen, so fühle ich Deine Nähe. Lass mich noch einige Zeit auf dieser Erde, ich möchte das versäumte Leben nachholen, da ich erst seit gestern weiß, was Liebe ist und Liebe für die anderen bedeutet“. Da steht der Herr im weißen Gewand mitten unter ihnen, mit Seinen Händen sie alle segnend sagt Er: „Wurka, deine Liebe drängte Mich, dich und die du um dich hast, sichtbar zu segnen. Sehet Meine Hände, immer sollt ihr sie vor euren geistigen Augen sehen, spenden immer Liebe und Segen. Um euretwillen ließ ich es zu, dass sie vom Feinde durchbohrt wurden.

Mein Leben gab Ich für euch, damit alle, alle Anteil haben an dem Sieg, den Ich im Kampfe für euch alle errungen habe. Mag auch in diesem eurem Leben so vieles unverständlich sein, aber die Wege zum freien ewigen Leben sind geebnet. Alle Tore sind offen, die ewige Heimat, die ich für euch schuf, erwartet euch. Was sind aber alle Herrlichkeiten ohne Meine Kinder. Die Himmel sind voll der schönsten Engel, eine Schönheit überstrahlt die andere, aber Meine Augen suchen das Kind, um das ich im Todeskampf gerungen habe, und Meine Kinder werden die Verwalter Meiner Himmel, soweit sie Träger sind von Meinem Geiste. Wurka, Mein Kind, dein Herz suchte Mich zu beglücken, und du hast vergessen, an dich zu denken, als du die Gabe Meiner Liebe austeiltest. Als sichtbare Gnade nimm nun aus Meinen Händen dieses Brot und diesen Wein. Ich will mit dir teilen zur bleibenden Erinnerung hier und dort für ewig“ So nahm der Herr das Brot, aß und trank einige Schluck, dann sprach Er: „Nun iss auch du, Wurka. Sehet, alle Himmel waren Zeugen dieser herrlichen Minuten. Um euretwillen nahm Ich Meine Allmacht in Anspruch, weil Ich durch diesen Akt etwas sagen will, was Mein Mund verschweigen muss.

Bleibt in dieser Liebe Mir getreu, dann werde Ich auch euch getreu verbleiben können. Dir aber, Wurka, sei die Gabe des Schauens und des Heilens. Lass dich nicht beirren vom falschen Schein, denn Ich allein bin das ewige Sein. Dein Wort, es sei wie das Meine, doch zuvor soll es geboren sein in dir aus Meiner Liebe. Machet frei euer Herz vom trügerischen Wahn, damit Ich in euch wohnen kann als Liebe, Wahrheit, Kraft und Leben! Du, Barabäus, zweifle nicht länger, denn Meine Gedanken sind andere und Meine Führungen beweisen, dass Ich und nur Ich allein das Leben bin für ewig. Mein Segen und Mein Friede sei mit euch. Amen“. Verschwunden war der Herr, aber der Abglanz der Freude lag auf allen Gesichtern. Da sprach Jakobus: „Wo der Herr in Seiner Liebe so eindringlich sich offenbarte, muss unser Mund eigentlich schweigen, aber darum wollen wir uns desto mehr im Geiste dienen“.

Spricht Barabäus: „Jakobus, würdest du mir und den anderen noch etwas von Jesus erzählen, wenn es für uns die größte Gnade bedeutet, dass er, als Jesus, Sein Leben opferte für uns und alle Menschen. In Seiner Größe und Herrlichkeit haben wir Ihn heute erlebt. Dieses zu beweisen ist leicht, nach diesem Wunder und offenbar werden Seiner Macht, Kraft und Liebe. Es wäre mir größtes Glück, auch von Seiner Niedrigkeit als Mensch, von Seiner Arbeit und auch von Seinem Kampfe etwas zu erfahren, da ich auf keinen Fall zu den alten Göttern zurückkehren will. Ich war gewohnt, jeden Sabbat ein Opfer zu bringen. Der wahre Gott verlangt für sich kein Opfer, aber, dass wir die anderen erfreuen sollen. Darum werde ich dir, liebe Wurka, noch heute 10 Pfund Silber und 1 Pfund Gold übergeben lassen, zu deiner freien Verfügung für die Armen“. Jakobus: „Für diese Gabe drängt es mich, dir zu danken, lieber Barabäus.

Und damit kann ich dir auch gleich sagen, dass es dem Meister Jesus größtes Bedürfnis war, die Menschenherzen froh und glücklich zu machen, was Ihm, da ja Ihm alle Kräfte zur Verfügung standen, nicht schwer fiel. Denke aber ja nicht, dann war es kein Kunststück, ein Helfer zu sein, sondern folge mir in die Zeit, wo Er als Mensch nach dieser Einung rang, ganz eins zu sein mit Gott, dem Ewigen. Du weißt, wir Juden hatten strenge Gesetze, große Opfer erforderte unser Glaube, die Priester taten das Übrige. Für uns waren die Priester die Stellvertreter Gottes. Mein Vater war einer der Strengsten und Gläubigsten. In dieser Zeit wurde Jesus von Seiner Mutter Maria, die noch lebt, geboren. Um die Geheimnisse der Geburt, um die Vorgänge in der Natur lasst mich schweigen, da sie nicht das Größte sind.

Der Knabe Jesus fiel schon als Kind auf und Sein Mund sprach viel von heiligen Dingen. Er entwickelte nach und nach einen Willen, gegen den wir machtlos sein mussten, weil die größte Weisheit zu Grunde lag. Ich, als Sein Bruder, erlebte mehr, als die anderen, wurde Zeuge von manchen Geschehnissen, von denen heute noch niemand eine Ahnung hat. Mein Mund aber musste schweigen. Mit älteren und weisen Männern verkehrte Jesus viel. Nicht, um von ihnen zu lernen, sondern um ihnen Dinge zu offenbaren, die ihnen noch Geheimnis waren. Meine Eltern litten furchtbar unter dieser Entwicklung des Jünglings Jesus. Vor allem fürchtete Josef jede Übertretung der Sitten und Gebräuche und der Gesetze, die der Tempel vorschrieb. Jesus war nicht zu bewegen, in die Synagoge zu gehen.

Mit Worten: „Ich will nicht vorzeitig zum Gericht werden“, oder „Vater Josef, wenn dir der Frieden deines Hauses lieb ist, dann lass Mir Meine Freiheit, wie ich auch dir Freiheit lasse“. Die Priester, die gerne mit Josef verkehrten, da er ein rechtlicher und ehrlicher Charakter war, sahen mit scheelen Augen Jesus an. An einem Vorsabbat kommt ein Oberpriester mit noch einem anderen in Nazareth wohnenden Priester und will Jesus in die Schranken weisen. Jesus, der tagelang schweigen konnte, wurde von Maria, Seiner Mutter, in die Stube geholt, da der Oberpriester mit Ihm reden wollte. „Wenn ihr euch nicht an Mir ärgern wollt, dann will Ich es tun“, war Seine Antwort. Da sagte Maria: „Aber Jesus, sie haben dein Bestes im Auge, der Oberpriester macht einen guten Eindruck“. Da erwiderte Jesus: „Mutter, warum lässt du dich auch von außen beeinflussen? Weißt du nicht, dass man große Dinge, die noch nicht reif sind, nicht vorzeitig an die Öffentlichkeit bringt. Wann werdet ihr die rechte Klugheit besitzen? Aber um dich nicht zu kränken, will ich dir den Gefallen tun“. Als Jesus mit Maria eintrat, neigte nur Jesus Seinen Kopf, mit Seinen hellen Augen sieht Er den Oberpriester an.

Dann spricht dieser: „Jesus, ich bin gekommen, um dich zu fragen, wie lange du noch ein Abtrünniger Jehovas sein willst, und was hast du gegen Jehova Zebaoth? Eine Diener sind für dich nicht da, Moses und die Propheten sind dir gleichgültig. Wenn du so weiter machst, muss man dich aus der Gemeinde der Gläubigen ausstoßen!“ Jesus: „Simon, wärest du wirklich in das Haus Josefs gekommen, um Mich aus Meinem für euch scheinbaren Irrtum in die rechte Wahrheit zu führen, so würde ich dir demütig alle Meine Gründe Meines Lebens und Strebens darlegen. Da du aber mit einer Lüge im Herzen kommst, bist du keiner Antwort wert als nur der: Verlass wieder dieses Haus, das Josef zu einem Haus des Herrn gemacht hat und wisse: Ihr fürchtet, dass Ich euch unbequem werden könnte! Euer Leben steht im Widerspruch zu Moses und den Propheten. Eure Gesetze und Anweisungen binden die Menschen und machen sie willig für eure Ziele, die im Wohlleben liegen“.

Ganz erbost spricht der Oberpriester: „Josef, was du versäumt hast an diesem Ausbund des Beelzebubs, wirst du vor dem hohen Rat verantworten müssen. Mit diesem da weiter zu reden, verbietet mir meine priesterliche Würde!“ Spricht Jesus: „Nimm diese Anschuldigung Josefs zurück. Mich kannst du beleidigen, das vergebe Ich dir, weil du Mich nicht kennst. Josef aber, den du seit vielen Jahren kennst als einen der treuesten Menschen, möchtest du auf einmal erledigt sehen. Damit du aber Zeit gewinnst, deine Blindheit zu erkennen, soll dir so lange das Augenlicht genommen sein, bis du gewillt bist, keinem, sei es, wer es auch sei, den Frieden des Herzens und des Hauses zu stören. Sucht Mich nicht umstimmen zu wollen. Ich werde zur Arbeit wieder da sein, da es mich graut, euer Wehklagen zu hören“. Mit diesen Worten verließ Jesus das Haus. Was aber in unserem Hause geschah, könnt ihr euch wohl vorstellen.

Dieser Simon wurde wirklich blind, kam nach 4 Wochen, geführt von dem dortigen Priester zu Josef und Maria und bat demütig um Verzeihung. In diesem Moment kommt Jesus zur Tür herein und spricht: „Simon, der Herr und ewige Gott will nicht den Tod des Sünders, sondern, dass er sich bekehre und nach dem erkannten Gotteswillen lebe. Bist du willens, ein rechter Diener Jehovas zu sein, dann sehe und bleibe Gott getreu, damit dir nicht Ärgeres widerfahre“. Mit diesen Worten verlässt Jesus die Stube und Simon kann sehen. „Ich sehe wieder“, spricht er dann, „Josef, du alter Freund und Bruder im Herrn, wie kann ich dir die Wohltat deines Sohnes Jesus danken?“ Josef: „Rede nicht davon. Danke dem Herrn und sei eingedenk der Worte Jesus und bleibe einige Tage mein Gast. Stoße dich aber nicht an Jesus, denn Sein Leben, Sein Ringen und Kämpfen ist uns allen ein Rätsel, direkt unbegreiflich, aber Seine Liebe und Sein Wandel sind vorbildlich. Wir haben gerungen und gekämpft, es blieb alles nutzlos.

Sein Wille ist unerschütterlich und Seine Ruhe ist unser Frieden“. Eine volle Woche blieb dieser Oberpriester unser Gast, uns diese ganze Woche blieb Jesus dem Elternhaus fern. Gerne hätte der Oberpriester mit Jesus gesprochen, aber ich vernahm in mir die Stimme, es ist noch nicht an der Zeit. Solange Simon im Hause bleibt, darf ich nicht zurückkommen, um seines Heiles willen. So verließ Simon mein Vaterhaus. Zwei Stunden später kehrte auch Jesus zurück mit den sichtbaren Spuren von Entbehrungen. Wir waren gewohnt, nicht mit Fragen in Ihn zu dringen. Da kommt Jesus zu mir und spricht: „Jakob, der Kampf wird immer schwerer, kannst du nicht ein wenig mit mir gehen?“ Da antworte ich: „Jesus, du weißt, dass ich Dich lieb habe, aber gutheißen kann ich Dein Fernbleiben nicht.

Simon hätte Dich gerne gesprochen. Statt ihn zu gewinnen, hast du ihn verloren“. Da spricht Jesus die inhaltsschweren Worte: „Jakob, wenn dieses deine Meinung ist, kann Ich nichts dagegen sagen. Aber es tut weh, weil auch du noch wie ein Fremdling zu Mir stehst“. Diese Worte haben in mir einen Sturm entfacht. Aber trotzdem, verstehen konnte ich Ihn auch noch nicht. Einige Zeit bekamen wir Besuch, eine Base mit ihrer 15-jährigen Tochter Maria, ein lebensfrohes Menschenkind. Diese Blume versteht Jesus schon in der ersten Stunde. Es war daher nicht verwunderlich, dass Jesus viel mit ihr allein war. Als der Sabbat kommt, gehen wir alle gewohnheitsmäßig in die Synagoge. Was tut Jesus? Beim ersten Morgengrauen geht Er mit der jungen Maria außer Haus, und beide kommen erst bei eintretender Dunkelheit wieder zurück. Da wird Josef böse und spricht: „Jesus, Du ungeratener Sohn Deiner Mutter Maria, welche Schande bringst Du über mein Haus. Weißt Du nicht, dass auch Du uns Rücksichten schuldig bist?

Was habe ich schon um Deinetwillen tragen müssen, aber was zuviel ist, ist zuviel. Du wirst mir immer rätselhafter. Wenn Du schon den Sabbat nach Deiner Art feiern musst, so halte wenigstens andere nicht davon ab, ihrem Gott und Herrn zu dienen“. Spricht ganz traurig Jesus: „Vater Josef, dieser Vorwurf wird dich viel Kampf kosten, da du Meine Ziele kennst. Hättest du dich überwinden und deine übergroße Gerechtigkeit vom Geist der Liebe umweben lassen, wäre dir eine Freude widerfahren, wie noch nie in deinem Leben, denn der heutige Tag hat Mir einen großen Fortschritt gebracht“. Sich an Maria wendend, spricht Jesus: „Maria, weine nicht. Wenn Ich Mein großes Werk beginnen kann, dann wird dir zum Bewusstsein kommen, welchen Dienst du Mir, dir und den Menschen geleistet hast“. Dann suchte Jesus Seine Lagerstatt auf. In den nächsten Tagen war Er noch schweigsamer.

Die Mutter Maria nahm das weinende Mädchen an ihre Brust. Dann fragte sie: „Wo seid ihr gewesen und was habt ihr den ganzen Sabbat getan“. Da sagte die junge Maria: „O Mutter, wir sind weit gelaufen, dann sind wir auf einem hohen Berg angekommen und dort blieben wir. Während dieser Zeit bat mich Jesus, ich solle schweigen und Ihn in Seiner Arbeit nicht stören. Er wollte Sich und mich durchschauen. Ich tat Ihm Seinen Willen. Erst wollte es langweilig werden, dann aber kam ein Träumen über mich, wo ich die schönsten und herrlichsten Dinge erlebte, die ich schwer schildern könnte. Ich sah schöne Städte, schöne Menschen, schöne Ländereien, hörte herrliche Gesänge und wurde wunderbar gespeist. Als Jesus mich aus meinen Träumereien weckte, wurde ich am Stand der Sonne gewahr, dass viele Stunden vergangen sein mussten. Da sagte Er: Komm, Mädchen, wir müssen heim, deine Mutter soll sich nicht ängstigen.

Habe Dank für deinen Dienst, denn nun weiß Ich, der Menschenleib ist ein Tempel, ein Heiligtum, den man für Gott dazu machen muss. Schweige über diese Stunden, dann wird dir manche Freude werden“. Wir aber verstanden den ringenden Jesus immer noch nicht, bis Er endlich das Elternhaus überzeugen konnte von der Mission, die Seiner harrte. Mit diesem will ich von den Kämpfen Jesu schließen und zeugen von der Liebeskraft, die ihr alle so herrlich erlebtet. Sein Tod ist ja unser Leben geworden, da Er im Tode alle Schuld beglich, die auf der Menschheit lastete. Sein Leben ist der Freibrief für alle Menschen, und Sein Geist die Besiegelung, dass wir Sein sind, Sein bleiben bis in Ewigkeit!“ Barabäus: „Jakobus, mit diesen einfachen Worten hast du mir viel offenbart. Es reicht für mein Leben zu. Ich bekenne mich gerne zu Jesus, dem wahren und liebenden Gott, den ich nun schauen durfte, und bitte Dich, o Herr, lass mich Dich noch mehr erkennen und verstehen“.

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23 Bei Annuschka

Barabäus bat Jakobus zu sich in seinen Wagen, und nahm ihn einige Tagereisen weit mit. Dann kam Jakobus wieder in belebtere Gegenden, wo ihm durch die Gnade des Herrn viel Freude geschenkt wurde. Nun trennten ihn noch drei Tagesreisen von seinem Ziele. In einem armseligen Dorfe suchte er eine Herberge, leider war keine vorhanden. Da kommt eine junge Frau mit einem kleinen Kinde auf dem Arm. Diese fragt er, wo man diese Nacht eine Liegestatt bekommen könnte. Da spricht die junge Frau: „Dich habe ich schon den ganzen Tag erwartet. Meine Mutter sah dich im Traum kommen. Du seiest der Mann, der uns allen zum großen Heile würde, darum komme und folge mir“. Jakobus aber spricht: „Wenn ich aber der Erwartete nicht bin, was dann?“ Die Frau: „Du bist es, die Beschreibung meiner Mutter passt auf dich. Auch fühle ich es, dass nur du es sein kannst, darum heiße ich dich willkommen. Leider ist unser Haus ein Haus der Sorgen, aber du bringst uns allen das große Heil“.

Als Jakobus die armselige Stube betritt, ist ihm feierlich zu Mute, denn hier hatte ihn der Herr angemeldet, er wurde erwartet. Mit dankerfülltem Herzen begrüßt er die auf einem Lager liegende Frau und spricht: „Deinen Willkommensgruß habe ich schon von deiner Tochter empfangen. Mache dich bereit, den Segensgruß meines Herrn und Gottes zu empfangen. Der Friede des Herrn und ewigen Gottes sei mit dir und deinem ganzen Hause, Sein heiliger Geist durchstrahle dich und erhelle dein Inneres. Weil du deinem Gesichte geglaubt hast, spricht der Herr: Stehe auf und wandle, fortan soll keine Schwäche dich kraftlos machen, denn der Herr hat dich zum Zeugen Seiner Macht und Liebe erwählt“.

Da stand die alte Mutter auf. Des Stehens noch ungewohnt, reicht sie Jakobus die Hand und spricht: „O du, der ich nicht wert bin, dich anzuschauen, wie soll ich dich begrüßen und empfangen? Hier ist unser kleines Heim, betrachte es als das Deine. Wie kann ich Dank abtragen, weil ich wieder stehen kann?“ Jakobus: „Im Namen Jesu, dessen Diener und Bote ich bin, sage ich dir: Nur keine falschen Hoffnungen hegen und lasst alles Danken für heute, bis ihr den wahren Gott und Seinen Willen erkannt habt. Eure Not ist nun zu Ende, eure Sehnsucht, Den kennen zu lernen, Der ein Heiland aller ist, bin ich hier. Ich bin Jakobus, ein Apostel des Herrn und Heilandes Jesus und ein Diener Seiner Liebe“. „O Jakobus, wie groß und gut muss dein Herr sein, dass Er Menschen zu denen schickt, die sich schon lange nach Ihm sehnen.

O Wunder der Liebe, die ich nun an mir erfahren habe, du bist es wert, dass alle es erfahren, was Liebe ist“. Jakobus: „Freue dich nun mit dem Herzen, nicht nur das Wunder der großen Liebe Gottes, sondern Ihn, den Herrn und Gott Selbst, der das ewige Leben ist und für ewig sein wird, sollt ihr kennen lernen, auf dass euer Sehnen und eure Hoffnungen sich erfüllen“. Ein einfaches, aber stärkendes Abendmahl bereitete die Tochter. Jakobus fühlte sich wohlgeborgen. Die zwei Frauen waren vielleicht das erste Mal wunschlos glücklich. Da fragte ihn Annuschka, ob er schon das Lager aufsuchen möchte. Jakobus: „ Annuschka, nun ist alle Müdigkeit verschwunden. Ich sehe in dir den Wunsch, du möchtest noch einige, die ebenso voll Sehnsucht sind wie du, hier haben. Handle nach dem Zug deines Herzens, dann wird die Freude noch größer werden“.

Da ward die Alte froh, gab ihrer Tochter mit leisen Worten einen Auftrag und sagte: „Jakobus, ich habe Miriga zu einigen gesandt, um die Freude jene erleben zu lassen, die meinem Herzen nahe stehen. Sie waren in meinem Leid so gut zu mir, sollen sie sich auch in meiner Freude mit uns freuen können“. Jakobus: „So ist es recht, der Herr und Heiland hat große Freude über deine Liebe. Darum sage ich dir, morgen um diese Zeit wird dein Schwiegersohn, den du und Miriga als tot betrauert, hier unter deinem Dache weilen. Doch schweige vorderhand, damit der Herr vorerst einen Einzug in euch halten kann“. Annuschka: „Jakobus, du Freudenbringer, es ist genug der Liebe. So war die Kunde des großen Heilandes, die wir aus Edessa erhielten, doch wahr, dass, wo Er hinkam, alle Not und Leiden sich in Freude verwandelten. Und dieser Heiland sollte tot und wieder lebendig sein? O Jakobus, schweige vor mir, aber rede, wenn die anderen da sind, denn Er lebt ja, dieses erfahre ich ja an mir“. In kurzer Zeit sind nicht nur die Freunde, sondern auch mehrere Bekannte gekommen.

Dann später brachte Miriga ihre betagten Schwiegereltern, die vor Verwunderung, weil Annuschka wieder gehen konnte, sprachlos waren. Voll Erwartung schauten sie auf Jakobus. Da spricht er: „Liebe Männer, liebe Frauen, was verwundert ihr euch über die Heilung eurer Schwester. Ist die Sehnsucht, den großen Heiland aus Judäa kennen zu lernen, nicht schon ein Wunder? Heute, wo dieser Heiland mich als Seinen Wahrheitszeugen zu euch gesandt hat, ist dieses nicht ein größeres Wunder? O, freut euch, eure Sehnsucht wird gestillt und euer Hunger nach der wahren Kunde recht gesättigt werden. Ihr habt recht erfahren, dass der Heiland Jesus von Land zu Land zog. Von Stadt zu Stadt wanderte Er und brachte das Heil, das allen, allen Menschen Erlösung bringt. Auch dieses ist wahr, man hat diesen Heiland gekreuzigt und Seinen Namen mit Schande bedeckt, aber nach drei Tagen ging Er mit einem neuen und für ewig haltbaren Leib aus dem Grabe hervor, besuchte alle Seine Getreuen, die in tiefer Trauer waren und machte sie alle froh und frei. Auch ich war unter denen, die unter der Wucht dieser Schicksalsschläge zusammengebrochen waren.

Aber Er, der Sieger über allen Tod, brachte uns dann Sein Leben, welches Sein Geist der rechten Liebe ist. Er sandte alle seine Getreuen hinaus zu den Trauernden, damit sie alle frei und froh werden. Nicht nur die Kunde Seiner Auferstehung zu bringen, ist unsere Aufgabe, sondern allen Seine Liebe, Seine Macht und Herrlichkeit zu offenbaren“. Da spricht der alte Semja, Mirigas Schwiegervater: „O, du Freund des Heilandes aus Judäa, welch eine Wohltat bereitest du unseren Herzen, die da voll Verlangen und Sehnsucht sind. Deine Worte sind voll des Friedens und noch Größeres verheißend. Ja, wir sind voller Trauer, nicht nur um meinen Sohn, der nicht wiederkommt, weil es im Buche des Schicksals steht, sondern weil uns die Gnade versagt war, den Heiland kennen zu lernen, der ganz Judäa und andere Lande beglückte.

Wir haben die Sehnsucht begraben müssen, weil wir erfuhren, Er sei tot, wir aber konnten nicht glauben, dass Er wieder lebendig geworden sei. Nun erleben wir dieses heilige Wunder, du, Sein heiliger Bote, bist an Seiner Statt gekommen, o, welch ein neues Leben bringst du uns! Sag, was sollen wir tun, um Ihn würdig zu ehren? Welches Opfer verlangt Er von uns?“ Jakobus: „Semja, noch machst du dir falsche Begriffe von Jesus, dem guten Heiland. Um Ihn kennen zu lernen, bin ich hier. Seht, alle Menschen lebten in Nacht und Finsternis, ihr Welttum kannte keinen Gott, darum mussten sie auch alle verloren gehen. Gott aber, der die Liebe und das Leben ist, sandte Boten und Seher. Die Menschen hörten wohl, glaubten aber nicht. Da erbarmte sich Gott und wurde Mensch, nahm Knechtsgestalt an, war gehorsam und getreu bis zum Tode und brachte allen Menschen den Gott, von dem nur noch ganz einzelne wussten, dass dieser das Leben Selbst und der Schöpfer Himmels und der Erde ist. Jesus war Sein Name.

Voll heiliger Liebe erfüllte Er den Willen Gottes, den Er in Sich klar erkannte, einte in Sich Seinen Willen mit dem erkannten Gotteswillen und wurde zum Sohn des wahren und ewigen Gottes. Als wahrer Sohn Seines ewigen Vaters und Gottes tat Er die Werke, von denen ihr gehört habt. Aber Er tat noch mehr, Er offenbarte den wahren Gott, offenbarte uns den Himmel in seinen verschiedenen Arten und ließ uns auch Höllen erleben, von denen wir keine Ahnung hatten. Mit Bewohnern der Himmel verkehrten wir und konnten ihre Seligkeiten und Wonnen erleben, bis wir die Überzeugung hatten, es gibt ein ewiges Sein und Leben. Er nahm uns den Schrecken des Todes und zeigte uns das Leben, wie es in Wirklichkeit ist, nach den ewigen Urgesetzen der heiligen Liebe und Erbarmung“.

Semja: „O Freund, höre auf, du könntest unsere Sehnsucht nur noch erhöhen, statt sie zu stillen. Es ist genug für uns, dass wir nun wissen, der Heiland lebt und wird ewig leben. Seine Heilandsliebe ist offenbart an Annuschka, wollen wir noch mehr, ihr Lieben?“ Die anderen schwiegen. Da sagte Jakobus: „Semja, du bist bescheiden und begnügst dich mit der Offenbarung an Annuschka und meinen Worten. Aber eines hast du vergessen, dass du im Glauben an den ewig wahren Gott Verpflichtungen übernimmst. Nicht Verpflichtungen dem ewigen Gott gegenüber, sondern zu deinen Menschenbrüdern. Dazu aber brauchst du ja den heiligen Gottesgeist, der da ausgeht von Gott, dem heiligen Vater und von Seinem Sohne Jesus. Gerade dieser Geist ist das drängende, stärkende, beseligende und niemand kann den anderen dienen, ohne diesen Geist, den jeder empfängt, der nach Seinen Worten, Seiner Liebe tut.

Diese lauten: Liebe Gott über alles und deinen Nächsten wie dich selbst. Nicht der ist würdig, den Geist zu empfangen, der da selig werden will, sondern nur der, der da glücklich und selig machen kann. So lebte und handelte der Mensch Jesus, so handeln auch wir, die wir Seine Boten sind. Auch ihr alle sollt so handeln, dann hat das ewige Leben aus Gott in euch seinen Anfang genommen und wird auch kein Ende mehr nehmen, da es nicht abhängig ist von dem Fleischleib, den wir alle nach der rechten Gottesordnung wieder ablegen werden“. Semja: „Freund, mir wird bange. Was sagtest du uns, unser Leben wird kein Ende nehmen, obgleich wir sterben? Ja, wo werden wir dann leben und wie wird sich alles gestalten? Wo sind aber die Verstorbenen, die keine Kunde von dem Heiland Jesus vernehmen?“ Jakobus: „Mein Freund und nun auch Bruder, sorge dich dessen alles nicht, der Herr ist auch Herr über alles Leben. Seine unermessliche Liebe, die so herrlich für uns sorgte, hat auch Vorsorge getroffen für die im ewigen Geisterreiche.

Hier im Erdenleben hat Er seine Wahrheitszeugen, dort aber stehen Ihm Legionen der herrlichsten Engel und Diener zur Verfügung. Was uns im Erdenleben unmöglich erscheint, ist dort im ewigen Reiche Wirklichkeit. Es besaß der Mensch im Anfang jene Gaben, mit seinem in ihm wohnenden Geiste sich hin zu versetzen nach seinem Willen. Da aber der Mensch sich verlor, das Gottesleben zu gering und unscheinbar betrachtete, öffnete er seine Innenwelt dem Weltgeist und geht dem Verderben langsam und sicher entgegen. Um den Menschen aber wieder Gelegenheit zu geben, sich dem ewigen und heiligen Gottesleben zuzuwenden, vollbrachte Jesus das größte Liebeswerk und schuf die Erlösung am Kreuz, die alle die erfahren, die da glauben und wahrhaft nach Seinem Worte leben“. Semja: „O. du Freund und Bote des Herrn, in deinem Wort liegt eine Schwere und auch eine Verheißung. Trostlos ist unser Leben und Sein. Wir ringen hart um unser Leben, an ein ewiges Sein klammern wir uns nicht, da es in unerreichbarer Ferne liegt.

Wohl lehren uns die Priester von dem Leben der Götter, aber es macht uns nicht froh und frei, es bindet uns an das Leben, das im harten Kampfe errungen werden muss. Siehe, mein Sohn Stani, kaum dass er Miriga als Weib nahm, ging er deswegen in die weite Ferne, um sich ein leichteres Leben zu verschaffen, bis die Kunde kam, er sei gestorben“. Jakobus: „Nun wird alles anders werden in eurem Sein und Leben, denn nun habt ihr ein festes Ziel und heilige Aufgaben. Euer Leben dürft ihr als die größte Gnade betrachten, denn in diesem Erdenleben ist ja die erste Stufe zu erringen, wo man seinem Gott, seinem Schöpfer, Gott und Vater begegnen kann. Von diesem Augenblick an ist der Mensch nicht mehr allein, denn Gott ist ja mit ihm, so der  Mensch sich nicht mehr trennt von Gott, seinem Schöpfer und Vater. Um euch aber inniger an Gott zu verweisen, sollt ihr Einblicke tun in die ewige und heilige Welt, die ihr einmal bewohnen werdet, da sie ja in euch ihren Anfang hat.

So schließt eure Augen, im Namen Jesu tue sich eure Welt auf, damit ihr erstehen möchtet im Geiste Seiner Liebe“. Nur eine Viertelstunde wurden sie in diesem Zustand belassen. Dann sagte Jakobus: „Kehret  zurück in eure Wirklichkeit, und das Erlebte bleibe euch zur dauernden Erinnerung“. Alle sahen sich versonnen an. Dann sagte Semja: „O Freund, welche Wunderwelt ließest du mich erschauen. Zuerst war alles trübe und neblig, dann aber erschien ein starkes Licht, so dass alles klar zu erkennen war. An einem klaren Wasser waren viele versammelt. Ich habe sie nicht erkannt, aber sie müssen mich erkannt haben und hatten rechte Freude, dass sie mit mir reden konnten. Einer sagte, er sei mein Vater, ich habe ihn nie gekannt. Dieser war glücklich, dass ich die Kunde von Jesus als wahr annahm und sagte: Alles, was du hier siehst, danken wir Jesus und Seiner unendlichen Liebe, die auch deinen Sohn wieder in deine Arme führen wird.

Dann gingen wir in ein Haus, wo viele beisammen waren. Diese wurden unterrichtet, wie in einer Schule, damit auch sie zu tätigen Arbeitern im Reiche des Herrn würden. Nun bin ich wieder um vieles reicher geworden, lieber Freund. Es war alles so schön, wie ich es noch nie erschaut hatte. Aber um eins bitte ich dich: Kannst du mir auch Auskunft geben über meinen Sohn, den Jesu Liebe wieder in meine Arme führen will?“ Jakobus: „Semja, warum zweifelst du an Gottes Liebe, die sich so in reichem Maße offenbart? Glaube, und wenn alles dagegen spricht, glaube! Im Glauben ist das Tor zum Leben offen, im Unglauben geschlossen. Siehe, auch ich tue alles im rechten Glauben. Unerschütterlich ist das Bewusstsein, welches mir niemand entreißen kann. Auch vor den härtesten Proben werde ich derselbe sein, der ich jetzt bin, wo ich aus dem Füllhorn der großen Vaterliebe austeilen kann. Es ist das Vorrecht der Menschen dieser Erde, dass sie sich im rechten Glauben auf eine hohe Lebensstufe aufschwingen können, ja, zur höchsten Vollendung sind sie fähig.

Wo aber der Glaube fehlt oder tot ist, bleibt der Mensch ein Geschöpf, wo jede Hoffnung unerfüllt bleibt. Darum glaube, glaube und liebe, dann bist du recht und erwirbst Sohnesrechte!“ So blieben die Freunde noch lange beisammen, bis endlich die Müdigkeit zum Schlafen drängte. Was tat Semja am nächsten Morgen? Er sandte seine Leute in die nächsten Orte, wo Jakobus durch musste, und ließ sagen: Der Bote Gottes kommt, er hat uns bewiesen, dass der Heiland lebt. Glaubet, er macht euch alle eure Kranken gesund.

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24 Miriga

Schon am frühen Morgen brachte man einige Kranke zu Annuschka. Durch die Botschaft des Semja war das ganze Dorf auf den Beinen. Man wollte Jakobus sehen, der Kranke gesund machen kann, der aber auch die Wahrheit über den Wundermann Jesus bringt. Annuschka, ganz verwundert über diese vielen Leute, weiß sich keinen Rat, bis endlich Jakobus kommt und nach kurzen Worten auch die wenigen Kranken heilt. Semja ist voller Leben und fragt, ob er auch Kranke heilen könne. Jakobus: „Semja, wenn du glauben kannst, dass der Herr wirkend bei dir ist, dann ist es auch dir möglich, denn nicht ich kann heilen, sondern der Herr in mir. Der Glaube ist das Bedingende, die Liebe das Ausführende!“ Unter Belehrungen wurde der Tag ausgenützt. Die Leute eilten in ihre armselige Hütten, versorgten das Vieh und kamen wieder mit etwas Brot, sie wollten nichts versäumen.

Jakobus zu Miriga: „Gehe mit deinem Kinde an diese Stelle, wo du mich antrafest, dein Mann ist auf dem Wege nach hier. Erwarte ihn, wie du mich erwartet hast, damit eure Wiedersehensfreude von niemand getrübt wird“. Miriga: „Auf dein Wort hin warte ich, denn nun weiß ich, dass Stani lebt“. Sie nahm ihr Kind und eilte schnell nach der bezeichneten Stelle. Es dauerte an zwei Stunden, dann kommen strahlenden Auges Stani und Miriga, freudig begrüßt von allen. Nach der ersten Freude spricht Stani zu Jakobus: „Ich könnte viel erzählen von dir, lieber Freund, denn die ganze Gegend bis hierher ist voll der lebendigen Freude über den lebendigen Gott, von dem auch ich überzeugt bin, nur trage ich noch zuviel des Widersprechenden über Jesus von Nazareth mit mir herum. Die einen behaupten, Er sei Gott, andere sagen, Er war nur ein Mensch, wieder andere erklären, Er ist unser himmlischer Vater. Die meisten behaupten, Er sei der Heiland und Messias, und zuletzt gibt es noch welche, die Ihm übersinnliche Kräfte zusprechen“.

Fragt Jakobus: „Was sagst du nun?“ - Stani: „Er ist ein Heiland gewesen. Sein Tod war für viele ein Schrecken, Seine Auferstehung aber hat bewiesen, Er ist Gottes Sohn“. - Jakobus: „Stani, bleibe bei deinem Glauben. Werde tätig in diesem Gottessohnesgeist, dann wird dir das andere hinzugegeben werden“. Semja: „Jakobus, wenn schon die Meinungen über Jesus so verschieden sind, was sollen wir tun? Es geht ja nicht an, dass wir Seine erlebten Herrlichkeiten verdunkeln oder herabsetzen. Gib du uns zum Abschied noch das rechte Bild von Jesus“. Jakobus: „Gerne, aber bringt erst alle eure Häuslichkeiten in Ordnung. Dann kommt wieder, damit wir ungestört den Abend verbringen können. Ich werde mit dir in dein Haus einkehren, weil auch die beiden, Annuschka und Mirigia, vieles mit Stani besprechen möchten“. Alle waren wiedergekommen. Das Haus der Annuschka war voll, aber für Jakobus hatte man einen Platz freigehalten. Als die Letzten kommen Jakobus und Semja. Voll Erwartung schauen alle auf Jakobus.

Jakobus spricht: „Liebe Männer, Frauen und Kinder, gerade so wie heute haben wir oft um den Herrn und Meister Jesu gesessen und auf Seine Worte gelauscht, die uns allen so viel gaben. Ihr wisst nun um den wahren Gott und Herrn, aber in euch brennt die Sehnsucht, ganz mit Ihm bekannt zu werden, auf dass in euch volle Klarheit und Verbindung mit Ihm werde, die nun eurem Leben vollen Inhalt und den rechten Sinn geben. Über die Gesetze der Natur, der Tiere und Menschen brauche ich nichts zu sagen, da sorgen eure Priester, aber um die heiligen Dinge des Lebens mangelt es euch allen noch. Euer Bruder Semja wird euch in Zukunft dienen, denn ihm wurde das Meiste offenbart. Denkt immer daran, der Mensch ist Bewohner zweier Welten, einer vergänglichen und einer ewigen. Um das Vergängliche brauche ich euch nichts zu sagen, aber um das Ewige sind wir nochmals zusammengekommen. Wer konnte uns wohl besseren Aufschluss geben über die geistige und ewige Welt, als nur der Herr und Meister Selbst?

Wenn ihr jetzt die heiligen Sterne seht, kommt heilige Ehrfurcht über euch, und gerade diese Sterne sind Welten, riesig, riesig groß. Diese sind bewohnt gleich dieser Erde, aber in diesen Sphären sind die Wohnstätten auch bewohnt von vielen, vielen seligen Geistern, von denen sehrviele auf dieser Erde lebten, und nun heute den Menschen dienen. Eure Schwester Mirigia, welche in ihrer Kindheit oft von schönen Menschen erzählte, die so durchsichtig wie Sonnenstrahlen waren, soll auch von jetzt an, um ihres Glaubens willen, wieder die Sehe erhalten, womit sie euch allen viel dienen kann. Und Mirigia, bist du bereit, deinen Mitmenschen uneigennützig zu deinem und ihrem Heil zu dienen? Du bist bereit. So will ich dir im Namen des Herrn Jesus die Hände auflegen, und so empfange nach deiner Liebe und deinem Glauben. Amen. - Mirigia, nun überwinde alle Scheu und erzähle, was du schaust.

Fürchte dich nicht, denn der Herr ist die ewige Liebe“. Erst langsam, dann immer fließender spricht Mirigia: „Unsere Stube wird immer größer und größer. Wir sind nur ganz wenige, aber viele, viele sind gekommen, um zu sehen, um zu lauschen dem Gottesboten. O, es sind welche mit lichten Kleidern und ihre Augen leuchten wie funkelnde Sterne. Es sind aber auch welche da im grauem Gewand mit unruhigen Blicken. Dort winkt der Vater, er winkt mir zu und hat, wie ich sehe, sehr große Freude. Immer mehr und mehr Wesen kommen, ja, ist denn dieses möglich, so viele Menschen gibt es doch gar nicht. Lieber Jakobus, ist dieses ein Trugbild oder Wirklichkeit?“ Jakobus: „Mirigia, glaube. Das Ewige lässt sich nicht vortäuschen, es zeigt sich in realer Wirklichkeit. Wir Menschen sehen es nur nicht, nur die dazu Berufenen und Erwählten“. Mirigia: „Ja, ich will glauben, selbst auf die Gefahr hin, dass man mir nicht glaubt. Ja, die vielen Tausende kommen immer näher. Wo wollen sie denn hin, sie werden uns ja erdrücken. Jetzt machen sie Halt. Auch sie werden geführt von strahlenden Wesen. Alle schauen auf uns, jetzt knien sie sogar nieder“. Da sieht Mirigia neben sich den Herrn stehen, wie Er die übergroße Menge segnet.

Erst will sie erschrecken, doch da spricht Jakobus: „Der Herr ist in unsere Mitte getreten, Er segnet uns und die vielen, die Mirigia schaut. Vernehmet nun durch meinen Mund, was der Herr und Meister uns allen, allen sagen will. Er spricht: „Meine Kinder, endlich ist die Stunde da, wo auch Ich, euer Vater und Gott, Mich euch offenbaren kann. Wohl seid ihr an Zahl klein, die ihr noch im Fleische lebt, gegen jene Zahl, die bereits Bewohner der geistigen Welt sind. Die Botschaft, die Ich bringe, ist für alle die gleiche. Wohl bin Ich der Herr, ihr aber seid alle Meine Geschöpfe. Um euch vom Geschöpflichen zu entbinden, wurde Ich auch Mensch und trug das vergängliche Erdenkleid. Nicht um Meinetwillen, sondern um der Menschen Heil und Rettung nahm Ich auf Mich alle Lasten und Bürden dieser Erde. Auch Ich musste ringen und kämpfen um die Befreiung von den Fesseln, die Meine Entwicklung zu dem Vollkommenen aufhalten wollten. Aber es gelang Mir mit dem Aufgebot Meiner in Mir liegenden Kräfte doch so frei zu werden, dass Mir alle Himmel, alle Kräfte untertan waren, und die niederen Mächte vor Mir zitterten.

Doch nicht in der Machtentfaltung göttlicher Kräfte sollte sich der Sieg offenbaren, sondern in dem Geist der Demut und Duldsamkeit. Was noch kein Mensch ertragen musste, ertrug Ich. Alle Kräfte zog die Gottheit in Mir zurück. Ich war nur auf Meine eigene Liebe angewiesen, die Mir den Weg zeigte, den der Erlöser zu gehen hatte, durch den Tod, durch finstere Nacht zum Licht. Kindlein, die Qualen des Todes waren nichts gegen diejenigen, die in Meiner ringenden Seele aufstiegen, denn Ich war allein und unverstanden. Die seit Ewigkeiten Mir treueste Diener und Helfer waren, verhüllten ihre Angesichter. Alle die, denen Ich Bruder und Freund war, wurden irre an Mir, und doch gab es keinen anderen Ausweg. Ich musste durch, musste den letzten Blutstropfen opfern, damit alles lebe und sich aufwärts entwickeln kann, zum Vollkommenen. Es gelang; der Sieg in den Höllen wurde schnell erreicht, denn gleich Hammerschlägen pochte ich an die Pforten und offenbarte den Sieg des Lebens. Meine an Mir irre gewordenen Brüder und Freunde richtete Ich wieder auf und erfüllte sie mit froher Zuversicht, dass das Leben, welches nun von Mir ausgeht, für ewig unantastbar bleibe.

Doch das Höchste, was errungen wurde, ist dieses: Ich bin nun kein unnahbarer Gott und Schöpfer mehr. Mein Erdenleben zeitigte den Erfolg, dass alle, die Mich schauen wollen, nun auch schauen können, dass alle, die Mich lieben, auch sichtbar mit Mir verkehren können, und dass alle, die da guten Willens sind, auch Meinen Geist empfangen können. Nun sind alle Tore offen, kein Feind kann euch mehr schaden, wenn ihr Mir, eurem Gott und ewigen Vater die Treue entgegenbringt, die Ich euch entgegenbringe. Ich nenne euch alle Kinder und gebe euch auch Kindesrechte. Und es darf sich jeder bereichern aus dem Füllhorn Meiner Liebe und Gnade, soviel er will und mag, doch nur in Meinem Geist. Mein Geist aber wird eurem Geist Zeugnis geben, dass Ich euch nicht nur Kinder nenne, sondern, dass ihr es auch seid, und seid Meine Stellvertreter geworden, weil Ich um eures Heiles willen erst wiederkommen kann, wenn ihr alle reif geworden seid. So nehmt hin Meine Liebe, Meinen Segen und Meinen Frieden. Amen“.

Jakobus schwieg, aber Mirigia sagte: „Noch ist der Herr unter uns, aber die vielen, vielen ziehen sich zurück mit dem Zeichen größter Freude. Sie winken uns immer zu, weil sie wissen, der Herr ist unter uns geblieben. O, Du treuer und ewiger Gott, die Stimme versagt mir. Ich möchte Dich loben, wie es noch kein Mund vermochte, ich möchte Dich lieben, wie es noch niemand konnte. O, bleibe bei uns, weil wir nur einen ewigen Vater in Dir empfangen haben. Du lächelst, und nun vernehme ich auch in mir Deine liebliche Stimme, sie spricht: bleibe in dieser Liebe, im kindlich reinen Glauben. Je mehr du Mir Kind bist, desto mehr kann Ich dir Vater sein. Immer sollst du Meine Worte in dir vernehmen, wenn du in Meinem Geiste, Meinem Heilandsgeiste aus dir stellen willst als nur Liebe und wieder Liebe. Sage deinen Geschwistern: Immer werde Ich unter euch sein, wenn ihr euch gegenseitig dient in Meinem Geiste! O, Mutter Annuschka, welch herrliche Krone leuchtet über deinem Kopfe, sie ist dein, wenn du deinen Erdenlauf vollendet hast. Du, Vater Semja, ein großes Licht ist über dir, es wird dich immer mehr erleuchten, und ihr Lieben alle, in euch sehe ich ein Lichtlein, welches eine große Flamme werden soll, damit wir alle niemals mehr im Dunkeln verharren sollen. Die Liebe des Vaters möchte unser Leben sein und Sein Leben hat Er Selbst offenbart!“

Jakobus: „Nun ist bei euch meine Mission beendet. Ganz in der Frühe werde ich weiter ziehen, meine Liebe bleibt hier. Du Semja, sei der Diener aus Seiner Gnade, du Mirigia, aber Dienerin Seiner Liebe. Ihr anderen wacht über diese beiden, damit der Feind des Lebens keinen falschen Samen streuen kann“. Semja: „Jakobus, habe du uns immer lieb, aber noch ein paar Worte schenke nun dieser neu gegründeten Gemeinde über das Leben unseres Heilandes, aus Seiner Erdenzeit. Wir wissen so wenig und doch sagte Er durch deinen Mund, wie schwer Er ringen musste“. Jakobus: „Ja, ihr Lieben, es ist auch so gewesen. Schon seit Seiner Kindheit wusste Er um Seine Mission. Sein Geist offenbarte sich Ihm so, wie sich die ewige Liebe durch Mirigia offenbarte. Er glaubte und folgte jeder Offenbarung, ja, Er wartete auf die göttliche Einsprache und richtete Sein ganzes Leben danach ein, bis endlich Sein eigener Geist mit dem ewigen Gottesgeist eins war. Da gab es viele, viele Kämpfe. Bedenket, in welchem Geist wir erzogen waren durch die Priester, welche Opfer wir dem Tempel zu bringen hatten und welche harten Gesetze zu halten waren. Unser Vater Josef war einer der treuesten im Glauben an Gott und den Tempel. Wir durften keine Gemeinschaft mit Andersgläubigen haben.

Was aber tat Jesus? Er kannte keinen Unterschied, Ihm war es gleich, ob der Mensch Jude oder Andersgläubiger war. Er legte nur Wert auf die innere Gesinnung. Da gab es viele Auseinandersetzungen, aber Jesus ließ sich nicht belehren. Wir waren Zimmerleute, arbeiteten manchmal Wochen auswärts und kamen mit vielen Menschen zusammen. Einmal brannte einem Griechen der Schweinestall nieder, ein Blitz hatte eingeschlagen. Händeringend bat dieser meinen Vater Josef, er solle ihm seinen Schweinestall gegen guten Lohn wieder aufbauen. Josef lehnte entschieden ab, aber Jesus bat meinen Vater, doch den Stall zu bauen. Auch diese Bitte des Jesus wurde abgelehnt. Da sagte Jesus: `So werde Ich den Stall allein bauen und werde auch die Folgen zu tragen wissen. Dieses Mal werdet ihr mit eurer Arbeit nicht eher fertig werden, bis Ich mit dem Stall fertig bin`, sprach`s und ließ uns alle stehen.

Mit Seinem Werkzeug ging Er zu dem Griechen und baute mit den Leuten des Griechen in drei Tagen einen viel größeren und schöneren Stall. Natürlich blieb dies kein Geheimnis und, obwohl Josef ganz unschuldig war, wurde er von dem Priester mit schweren Strafen belegt. Jesus ging zu dem Priester in die Synagoge und legte den  Sachverhalt klar, dass Josef zu Unrecht die Strafe abarbeiten solle. Der Priester aber war für die Worte des Jesus unempfänglich, nicht einen Jota ließ er abhandeln. Da sagte Jesus: `Weil dein Herz so hart wie ein Stein ist , du einen Unschuldigen aber mit harter Strafe belegst, sollst du dich auf deinem Lager nicht mehr bewegen können. Bis du zu der Überzeugung gelangst, dass du ein treuer Diener Jehovas sein sollst und dich unter göttliche Gesetze stellst`. Nach 10 Tagen ließ der Priester Josef kommen und bat ihn um Verzeihung, dann konnte auch der Priester seinen Dienst tun. Jesus aber hat er nicht mehr belästigt. Für Josef aber war es wieder eine Lehre, und der Friede war in unserem Hause wieder eingekehrt.

Wieder ein andermal kommt ein Freund des Hauses Josefs zu uns und macht Jesus Vorwürfe, er schände das Haus Josefs und verderbe die Jugend, weil er immer des Abends und des Nachts außer dem Hause zubringe. Es war aber für Jesus ein Bedürfnis, jeden Abend 1 bis 2 Stunden unter freiem Himmel Selbstbetrachtung zu pflegen. Dieses war Sein Gottesdienst, und Er war mit keiner Bitte zu bewegen, diese Gewohnheit abzulegen. Da sagte Jesus zu dem alten, ehrlichen Mann: `Du meinst es ehrlich und wirklich gut mit Mir, aber was du verlangst, ist rein menschlich. Nicht Ich verderbe die Jugend, sondern ihr selbst seid es, weil ihr Riegel vor ihre jungen Herzen legt. Was weißt du von Mir, nicht. Möchtest du aber nur ein einziges Mal mit Mir gehen, es würde dir zu einem großen Segen sein`. Spricht meines Vaters Freund: `Aber Jesus, das hieße ja, Dich in Deiner Schwäche zu unterstützen. Siehe, wir sind alt, haben keine Kinder, nur eine Enkelin. Wenn Du nun in mein Haus kämst, wir würden Dich gleich einem Sohn halten.

Du würdest der Erbe meines nicht kleinen Besitzes sein und eine andere Zukunft haben, als bei deinen Brüdern, die da alle gleich so arm sind, wie Dein Vater Josef `. Da sagte Jesus: `Du bietest Mir dein Haus, deine iebe an, dies soll dir unvergessen bleiben. Ich bedarf aber dieser solcher Liebe nicht, da Ich nach Schätzen dieser Erde kein Verlangen habe `. Über diese Absage waren meine Brüder entsetzt. Es gab deswegen viel Unfrieden, aber Jesus blieb fest bei Seinen Vorsätzen, bis endlich Josef fragte: `Jesus, hast Du über Dein und Deiner Mutter Zukunft recht nachgedacht? Dein Verhalten gibt keine Garantie für eine sorgenfreie Zukunft`. Da sagte Jesus: `Josef, höre. Das, was aus dir spricht, ist nicht Liebe, die im Herzen geboren wird, sondern Einfluss des Fürsten dieser Welt. Würde Ich nachgeben und deiner Sorge Rechnung tragen, dann wäre nicht nur deine, sondern die Zukunft aller gefährdet. Statt Mir zu helfen, hindert ihr Mich, statt Mich zu verstehen, verratet ihr die göttliche Liebe, die in Mir um das Lebensdasein ringt.

O, Josef und Maria, wenn des ewigen Gottes Geduld so kurz wäre, wie eure, so stände längst keine Sonne mehr am Himmel `. Nach diesen Worten verließ uns Jesus wiederum für eine volle Woche. Er blieb fern ohne jede Nahrung, was Ihn tüchtig mitnahm. Ließen wir Jesus gehen, ging unsere Arbeit aus den Händen. Er, als der Jüngste, brachte mehr fertig, als einer von uns. Versäumte Er ein oder zwei, drei und mehrere Tage, holte Er alles wieder ein. Nur mit Vorwürfen durften wir nicht kommen, sofort war die Freude hin. Seht, ihr Lieben, so rang Jesus nach jener Reife, die Ihn fähig machte zum Heiland, zum Gottessohn. Auch während Seiner Lehramtstätigkeit, im Besitz göttlicher Macht und Kraft, blieb Er sich treu und suchte die Einsamkeit auf, um sich immer noch mehr zu vertiefen mit dem in Ihm wohnenden Gottesgeist.

Ach, wie groß war das Unrecht, weil wir Ihn so wenig unterstützten, wie klein war unsere Liebe gegen Seine Liebe! Nun sahen wir die große Herrlichkeit, die sich täglich aufs Neue offenbarte, und diese Herrlichkeit ist uns geblieben und wird euch verbleiben, wenn ihr alle in Seinem Geiste liebend tätig bleibt. Gott ist dieses Leben Selbst, um dieses Leben musste Jesus ringen. Auch uns kann dieses Leben nicht zugeworfen werden, alle müssen danach ringen, und dazu schenkt Er Seine Kraft, Seinen Geist, Seinen Frieden und Seine Freude. So, wie Er uns durch Seine Liebe alles Schwere vergessen macht, so wollen auch wir alle durch Seine Gnade die anderen alles vergessen machen, damit das Herz für Jesus, unseren Gott, frei werde“.

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25 Bei Adonis

Nur von Semja begleitet, verließ Jakobus am frühen Morgen das Dörflein. Er wusste: Wieder war eine Gemeinde gegründet, die den Ansturm aushält. Semja war ein anderer geworden. Er umarmte Jakobus und sagte: „Nun bist du mir Bruder, bis jetzt warst du mir Heiland“. Im nächsten Dorf erwartete man Jakobus. Man hatte einige Kranke in ein Haus gebracht, Semjas Botschaft hatte Erfolg gehabt. Aber nicht nur die Bewohner waren in Erwartung, sondern auch der Priester des dortigen heidnischen Tempels. Als die Leute Jakobus freudig begrüßen wollten, kam auch der Priester. Sofort zog eine Furcht ein, die sich lähmend auf alle legte. Jakobus, der Leute nicht achtend, ging hin zum Priester, grüßte und fragte ihn, warum er ihm feindlich entgegen komme. Spricht der Priester: „Wer unsere Götter missachtet und einen neuen Gott preisen kommt, kann doch mein Freund nicht sein. Die Freude, mit der man dich erwartet, ist eine Beleidigung unserer Götter, die ich nicht dulden kann“. Jakobus: „Adonis, ich hindere dich nicht, deine Götter zu vertreten. Aber du musst auch im Bilde sein, dass mich nichts hindern kann, Meinen Gott zu vertreten.

Da es aber nur einen Gott geben kann, muss einer davon keine Realität sein. Es liegt nun an uns beiden, wer den Beweis von der Realität des wahren Gottes bringt. Ohne meinen Willen hat Semja die Kunde verbreitet. Ich bringe Botschaft des wahren Gottes und heile eure Kranken. Bitte deine Götter um Heilung der Kranken, dann gehe ich still, ohne ein Wort zu sagen, meinen Weg“. Der Priester: „Das kann ich nicht, die Götter lassen sich nichts vorschreiben. Wir haben ihren Willen zu erfüllen, sie aber nicht den unseren“. Jakobus: „Adonis, warum bist du unehrlich im Angesichte Gottes. Du weißt genau, deine Götter sind tot. Du hast längst Kunde von dem wahren und lebendigen Gott der Juden, aber deine Götter sichern dir ein sorgenfreies Einkommen. Darum hindere mich nicht in meiner Mission, den Menschen das wahre Heil zu bringen, das sie längst ersehnen. Ich komme auch zu dir als Freund und taste deine Götter nicht an. Stellst du dich mir aber als Feind entgegen, bist du auch der Feind meines Gottes, dann brauche ich keine Rücksicht auf dich zu nehmen“.

Adonis: „Du nennst mich bei meinem Namen, ich kenne den deinen nicht. Ich habe Anweisung, alles zu verhindern, was das Ansehen unserer Götter schadet. Darum bitte ich dich, ziehe weiter“. Jakobus: „Mein lieber Adonis, wir haben Gott zu gehorchen und nicht den blinden, herrschsüchtigen Menschen. Gott gab mir den Auftrag und kein Mensch. Du aber bist Beauftragter von Menschen. Willst du den Kampf, dann wirst du zerbrechen, willst du aber das Heil, dann wirst du leben. Halte mich aber nicht auf, denn der wahre, lebendige Gott ist mit mir“. Sehr viele hatten das Gespräch gehört. Da sagte Jakobus: „Bringt mich zu euren Kranken, auf dass die Liebe Gottes und Seine Kraft und Herrlichkeit offenbar werde“. Der Priester: „Nein, ich bringe dich selbst hin. Wer so bewusst ist, wie du, kann kein Heuchler oder Wortmacher sein“. Jakobus: „Du wirst es nicht bereuen, Adonis, ich fühle es, du wirst Großes erleben“.

Nun war die Menge froh, dass ihr Priester keine Feindschaft mehr zeigte, und sie begrüßten Jakobus mit Freuden. Dieser aber sagte: „Ihr lieben Leute, lasst mich erst mir euren Kranken reden, auf dass eure Freude vollkommen sei“. Da machten sie ehrerbietig Platz. Adonis führte wortlos den Jakobus in ein nahes Haus. In einem Zimmer, auf Lagern und auf dem Boden kauernd, hatte man die Kranken platziert. Die Angehörigen warteten ruhig, bis Jakobus sagte: „Der Friede Gottes sei mit euch. In Seinem Namen komme ich zu euch, um euch zu dienen. Aber ich bin nicht gekommen, um eure Kranken zu heilen, sondern um die Kunde und die Lehre des wahren und ewigen Gottes zu verkünden. Dieser Gott kann euch die Gesundheit wieder geben. Darum frage ich euch, könnt ihr an den wahren und lebendigen Gott glauben? Könnt ihr auch glauben, dass Er euch die Gesundheit wiedergeben kann? Dann seht auf, und es geschehe nach eurem Glauben“. Alle standen auf, bis auf einen, der ein schlimmes Bein hatte.

Da fragte Jakobus: „Aus welchem Grunde konntest du nicht glauben an den wahren und lebendigen Gott? Sieh, wie die anderen voller Freude sind, warum du nicht?“ Da fing der Mann an zu zittern. Dann sagte er: „Ich hatte Angst vor unserem Priester und fürchtete seinen Zorn“. Spricht Jakobus zu Adonis: „Siehe, eine Frucht deiner Liebe, dauert dich der Mann nicht? Mache deinen Fehler im Angesicht des lebendigen Gottes wieder gut, auf dass auch dir der Heilige Gott gnädig sei und Seine Augen auf dir mit Wohlgefallen ruhen“. Adonis zu dem Kranken: „Schaba, ich hindere dich nicht, an den Gott der Juden zu glauben, von mir aus hast du nichts zu befürchten. Wenn ich krank wäre, würde ich mit heißem Verlangen den wahren Gott um Gesundheit bitten, darum glaube!“ Noch traute Schaba seinem Priester nicht. Da sagte Jakobus: „Du armer Bruder, fürchte dich nicht mehr vor Adonis, denn er glaubt nun auch der Botschaft, die ich euch bringe, und wird euch weiterhin Priester sein, doch Priester für den wahren Herrn und Gott. Darum stehe auf und wandle, und gib dem wahren Gott die Ehre“.

Da ging ein Ruck durch Schaba, er konnte gehen. Er sagte: „Adonis, diesem Gott wollen wir dienen und opfern“. Adonis: „Schaba, wir wollen gut machen, was wir versäumt haben. Der wahre Gott soll unser Gott sein, unsere Götter aber wollen wir vergessen. Du aber, du Bote des Herrn und wahren Gottes,  gib uns allen die Wahrheit, die wir nicht kannten. Bitte du Gott, dass Er unsere Verfehlungen und Sünden vergibt und uns annimmt als Seine Diener“. Schaba eilt hinaus zu den Wartenden und spricht ganz aufgeregt: „Freut euch, wir sind alle gesund. Aber freut euch noch viel mehr, denn Adonis hat sich zu dem wahren Gott bekannt, wir sollen unsere Götter vergessen“. Jakobus tritt nun mit Adonis zu den anderen und die Gesundeten folgen ihnen. Schon wollte ein Jubel beginnen, da sagte Jakobus: „So nicht, liebe Leute, freut euch. Der wahre Gott hat nicht Wohlgefallen an dem Lob eures Mundes, Er sieht das Herz an. Der Dank eures Herzens ist Seine Speise und die Liebe zu euren Mitmenschen soll das Opfer sein, nach dem Er sich sehnt. Ihr alle sollt leben wie rechte Schwestern und Brüder, da ihr ja alle Kinder des lebendigen Gottes seid.

Er will nicht nur euer Gott, sondern auch für ewig euer Vater sein. Schließt um euch das rechte Band der Liebe, dann habt ihr den ewigen und wahren und herrlichen Gott erfasst. Wie ihr euch in dieser Liebe dient, so wird Er euch dienen! So nahe, wie euch der ärmste Bruder, die ärmste Schwester steht, so nahe wird euch Gott stehen. Macht euer Hauswesen in Ordnung, dann kommt nach dem Tempel, wo ich und Adonis euch erwarten. Ladet alle ein, die noch keine Kunde haben. Dann wird Gott durch meinen Mund euch allen Seinen Willen und Seine Liebe offenbaren. Du, Schaba und Adonis, bleibt bei mir, damit euch der rechte Schlüssel zum Gottesherzen werde“.  Gehorsam taten die vielen Menschen nach den Worten des Jakobus. Dann sagte dieser zu Adonis: „Bruder, mach den Tempel zu einem Tempel des Herrn, Schaba wird dir helfen. Ich aber werde dein Gast sein“. Adonis: „Nicht Gast, sondern helfender Bruder“. Jakobus: „So ist es recht, Adonis, mit diesen Worten hast du viel gewonnen. Ich werde dir gerne Bruder sein“.

In den Tempel waren einige Götzenbilder sowie auch einige Figuren. Adonis nahm sie ohne Bedenken von dem Platz und trug sie in ein Gelass, das sich noch im Tempel befand. Adonis: „Bruder Jakobus, was könnte ich wohl noch tun, um dieses Haus dem wahren lebendigen Gott ganz würdig zu machen, mir kommt alles so öde und leer vor“. Jakobus: „Mein Bruder, sorge dich um nichts anderes, als um das, wie du noch mehr Diener Seiner Liebe wirst. Beseitige noch diesen Altar, denn von nun an bedarf der Herr diese Opfer nicht mehr. Nur an dem Opfer in euren Herzen hat Er Wohlgefallen, wenn dieses aus dem Geiste der Liebe hervorgegangen ist“. Adonis: „Aber Bruder, jetzt verstehe ich dich nicht ganz. Im Tempel zu Jerusalem wird doch auch noch geopfert, ebenso auf Garizim“. Jakobus: „Ja, du hast recht, aber seit Jesus, der wahre Gottessohn sich Selbst als Opfer gab, bedarf es keines Sühneopfers mehr. Die Gesetzesschranken sind gefallen, die den Menschen von Gott trennten! Der Weg zu Gott ist frei für alle“. So verschwand mit einiger Mühe auch dieser Opferaltar. An dessen Stelle setzte Jakobus ein Kreuz, welches er von Balken und Sparren, die er im Gelass vorfand, zusammenbaute. Schaba betrachtete das Kreuz mit Andacht, dann sagte er zu Jakobus: „Man müsste dieses Kreuz schmücken, es sieht so armselig aus“.

Jakobus: „Schaba, als Symbol genügt es vollkommen. Alle Verehrung ist dem Herrn ein Gräuel. So wie Seine Liebe alles belebt, so soll auch unsere Liebe, unser Dank und Verehrung alles beleben! Sieh, alles, was du siehst, ist dem Tode und Vergehen geweiht, nur die Liebe Gottes gibt allem Geschaffenen die ewige Entwicklung und Vollkommenheit“. Schon sind die Ersten gekommen. In ihrer Dankbarkeit brachten sie Brot und Fleisch, der Gottesbote sollte nicht hungern. Die Nacht brach herein, es waren sehr viele gekommen. Adonis entzündete eine Fackel, die Schaba trug. An dem Kreuz nahm er seinen Platz ein. Die Menge harrte in Geduld auf Jakobus. Dieser aber sprach noch mit anderen, die besondere Fragen hatten, dann sagte er zu Adonis: „Bruder, sage der Gemeinde, eine Mutter mit ihrem kranken Kinde ist auf dem Wege zu uns, wir wollen auf sie warten, damit dann jede Störung vermieden wird“. Adonis sagt: „Bruder, wie kannst du wissen, was sich außer unserem Kreise bewegt? Es hat doch niemand etwas gesagt, aber ich glaube, dass es so ist“. Endlich kommt eine junge Mutter. Schweißgebadet tritt sie vor Adonis mit ihrem Kinde auf den Armen, kann aber kein Wort sagen.

Sie legt das Kind nieder und spricht: „Es stirbt, wenn keine Hilfe kommt!“ Jakobus sagt: „Dein Kind wird leben, aber du musst es glauben! Mit einer Götzenfigur im Gewande ist jedoch keine Heilung möglich“. Da riss die junge Mutter aus ihrem Gewand die verborgen gehaltene Figur, als wenn es eine giftige Natter wäre, warf sie dieselbe auf den Boden. Die harrende Menge entsetzte sich über das Wissen des Gottesboten. Da sagte Jakobus: „Nimm dein Kind, es ist gesund. Aber glaube nun fortan an Jesus Christus, denn nur Er ist der Heiland und Retter deiner Seele!“ Die junge Mutter nahm ihr Kind in den Schoß, setzte sich auf den Boden zu Jakobus Füssen und blieb sitzen. Jakobus: „Die Gnade und die Liebe Gottes und der Frieden und die Ruhe sei mit euch. Die Liebe rief, ihr seid gekommen. Sie rief, um euch allen die große Sehnsucht zu stillen, die in euch schon so lange lebt. So mancher von euch, der die Kunde vernahm, in ganz Judäa sei ein Prophet und Heiland, wird sich danach gesehnt haben, Ihn einmal zu sehen und zu sprechen.

Wie werdet ihr die beneidet haben, die Seine große Liebe erlebt haben, aber an eins werdet ihr nicht gedacht haben: Was verlangt dieser Heiland und Prophet von denen, die Er mit Seiner himmlischen Liebe beglückt? Vernehmt nun die Antwort und erschreckt nicht! Er verlangt alles! Auch an euch geht das Verlangen, alles Ihm zu geben, was in euch liegt, sei es rein oder unrein, sei es groß oder klein. Auch an uns erging Sein Ruf. Wir verließen Weib und Kind, Haus und Hof, Schwestern und Brüder und folgten Ihm, dem herrlichen Heiland und Gottessohn. Zu Hause vermisste man uns nicht, unendlicher Segen lag auf unserem Tun. Was aber das Wichtigste ist, wir lernten den wahren und ewigen Gott kennen. Durften hineinschauen in Sein urewiges Wesen und lernten uns selbst dabei kennen. So offenbarte sich die allerhöchste Liebe in Jesus, dem Menschen- und Gottessohn, und Sein Geist machte unseren Geist frei.

In dieser Freiheit stehe ich vor euch, die ihr noch Gebundene seid. Wohl sind die groben Hindernisse beseitigt durch das Offenbaren Seiner Wunderkraft. Wollt ihr aber frei sein und die Segnungen Seiner Vater- und Heilandsliebe erleben, dann schenkt euch mit allem, was in euch lebt, dem Herrn Jesus Christus. Dann wird Sein Geist über euch kommen und euch in alle Seine Wahrheit und Weisheit einführen! Macht euch ganz frei von euren toten Göttern, werft weg alle eure Furcht. Dient in Demut und Liebe euch untereinander, dann habt ihr Jesus angezogen, und Er wird in euch Sein heiliges Liebeswerk vollenden! Durch mich spricht Er zu euch: „Meine Kindlein, Ich habe euch längst geliebt. Mein Vaterherz brannte vor Verlangen, euch entgegen zu gehen, aber die Stunde war noch nicht da. Nun Ich Mein Werk vollendet habe, kann ich zu allen kommen, die sich nach Mir sehnen, und ich verkündige euch die selige Botschaft, dass Ich in diesem Bruder zu euch gekommen bin. Wenn ihr Mir glaubt, Meine leichten Gebote haltet, euch liebt, wie Ich euch liebe, dann bin Ich in jedem Einzelnen, und euer Wort wird sein wie das Meine! Und euer Segen wird die selbe Wirkung haben, wie Mein Segen. Dir, Adonis, übergebe Ich die Gemeinde, von nun an pflege sie in Meinem Geist.

Du, Schaba, sollst Mein Herold sein und Gesichte haben, die euch allen die tiefsten Geheimnisse offenbaren. Jetzt bist du Fackelträger, von nun aber sei Liebesträger. Vergiss nie im Leben diese heilige Stunde! Sei immer eingedenk der großen Gnade. Als Menschensohn war Ich an Zeit und Raum gebunden, obwohl Mein Geist ganz ungebunden war! Aber nun das größte Werk vollbracht ist, bin Ich außer Raum und Zeit und kann jedem zu jeder Zeit und Stunde auch Vater, Bruder, Freund und Heiland sein, je nach eurer Liebe und Verlangen! Wohl bin Ich als Gott reich an Welten und Dienern, alles ist aus Mir geworden! Aber Mein Herz sehnt sich nach Kindern, die gleich Mir der Welt den heiligen Vater, Freund oder Bruder bringen möchten. Ich bin euch allen noch nicht schaubar, muss Mich verhüllen um eurer Entwicklung willen, aber schaut auf das Kreuz, es ist das Symbol Meiner siegenden Liebe. Darum nehmt Mein Kreuz auf euch, es ist zu eurem Heile nötig. So nehmt hin Meinen Geist, Meine Liebe und Meinen Segen zu eurem und der anderen Heil! Amen“. Als Jakobus geendet hatte, war eine Stille eingetreten, aber Schaba war lebendig.

Er fragte Jakobus, ob er reden dürfe, in ihm dränge alles zum reden. Jakobus nickte, dann sagte Schaba: „Höret mich alle an, die ihr von dem seltenen Menschen diese verheißungsvollen Worte hören durftet. Ich sah den Herrn und ewigen Gott! Er war mitten unter uns, in einem schneeweißen Gewand, und hatte die Hände erhoben, als wenn Er uns segnete. Ganz genau sah ich an Seinen Händen die Male, die Henkersknechte Ihm, als Er noch Mensch war, zufügten. Dann trat Er hinter Jakobus. Als uns nun die inhaltsschweren Worte geschenkt wurden, die nur ein Vater sagen kann, gingen Strahlen aus Jakobus Munde, und diese Strahlen wurden kleine leuchtende Sterne, die sich bei euch auf eure Häupter niederließen. Die Sterne wurden immer größer und schöner, fast wie ein halber Kopf, und strahlten ein so herrliches Licht aus, welches sie aus Jakobus Munde empfingen.

Als die Worte Seines Segens unser Geschenk wurden, ging das Leuchten der Sterne zu Ende, das Licht wurde aufgesogen von euren Körpern. Mit dem Amen war alles erloschen! Der Herr war wieder unsichtbar geworden. Bei dir, Adonis, war der Stern kein Stern, sondern eine Gestalt, die immer schöner wurde, je länger wir die Worte vernehmen konnten. Mit dem Amen war die herrliche Gestalt verschwunden“. Da bestaunten alle den Schaba, weil er auf einmal so viel reden konnte, denn er war immer ein sogenannter Ruhiger gewesen. Jakobus: „Aber liebe, liebe Herzen, staunt nicht über euren Schaba, der auf einmal ein anderer geworden ist. Es ist die unendliche Liebe, die euch allen den Schaba zubereitete, dass er euch mit dieser Gabe dienen solle. Wäre er, gleich euch, immer gesund gewesen, wäre die Gabe des Schauens und Sprechens nicht zum Durchbruch gekommen.

Schaba sei nichts anderes, als euer Bruder, dem Adonis aber Diener, Freund und Helfer. Ich bin glücklich, euch mit dem Bewusstsein verlassen zu können, denn ich weiß, ihr werdet, geführt von Adonis und Schaba, noch tiefer eindringen in das Wesen der heiligen und ewigen Liebe, die das Leben der Gottheit ist, und von nun an auch euer Leben sein wird. Ziehet hin in Frieden, des Herrn Leben ist der Lohn für eure Liebe“. Noch viele blieben in dieser Nacht bei Jakobus, denn sie wollten von dem Leben Jesu hören,  wie Er als Mensch lebte, was auch Jakobus gerne schilderte.

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27 Bei Petro

Nach einigen Stunden Schlaf zog er von dannen, begleitet von Vielen, die ihn am liebsten ganz behalten hätten. Der Tag wurde sehr heiß. Da kam er in ein Dorf, welches in der Mitte eine große Herberge hatte. Hier wurde ihm der Zuruf, einzukehren. Wie in jeder Herberge, war es auch hier. An der Straße und im Hofe viele Wagen und Menschen, die noch tätig waren. In der großen Gaststube saßen nur Einzelne, die noch verhandelten. Einer schaut auf und spricht: „Was hat denn der zu verkaufen, das ist doch ein Jude“. Spricht ein anderer: „Wahrscheinlich einer der Nazarener, der sein Leben in Sicherheit bringen will“. - „Wieso – fragt der andere - die Römer tun ja keinem etwas“ „Die Römer nicht, aber die Tempelpriester, welche die neue Lehre des Nazareners ausrotten wollen. Ich rufe ihn an unseren Tisch“. Er winkte Jakobus und sagte: „Bist du allein, weil du zu Fuß kommst? Welches ist dein Woher  und Wohin?

Wenn du nach Edessa willst, kannst du mit uns gehen“. Jakobus: „Von Jerusalem komme ich und will nach Edessa, auf Umwegen gelangte ich hierher. Ein Begehren habe ich nicht, im Gegenteil: Ich bringe die Kunde vom wahren und ewigen Gott, dessen Jünger ich bin“. „Da wirst du wenig Freude erleben, denn an Göttern fehlt es hier nicht, aber an Ware, die schlecht abzusetzen ist, weil die Leute arm sind“, erwiderte der Händler. Jakobus: „Mitnichten, mit Freuden nimmt man die Lehre des Heilandes Jesus an, weil sie das Leben der armen, geknechteten Menschen froh und friedvoll macht. Außerdem wurden auch alle ihre Kranken gesund“. Antwortet Achmet, der Händler: „Da bin ich begierig, denn der Wirt hat eine Tochter, die schon seit Jahren krankt“. Jakobus: „Es ist noch nicht erwiesen, ob das Mädchen gesund wird, da ohne den Glauben an Jesus, den Heiland, eine Heilung unmöglich ist“. Achmet: „Das ist sehr gut gesagt.

Wenn kein Erfolg zu sehen ist, dann wird es auf mangelnden Glauben geschoben. Mir musst du schon mit anderen Argumenten kommen, wenn ich an deinen Gott glauben soll“. Jakobus: „Ich bin nicht gedungen, um Glauben zu erwecken, sondern um Kunde zu bringen vom wahren und ewigen Gott, der die Menschen erlöste vom Fluch, vom Tode, vom Gericht. Gerade du, Achmet, brauchst am nötigsten einen Erlöser, denn dich hat der Weltgeist ganz eingenommen! Keiner ist so gefangen, wie du. Alle Götter sind für dich gute Einrichtungen, da sie ja zur Versklavung und Verdummung des an sich schon geknechteten Volkes beitragen. Aber an einen wahren und ewigen Gott magst du nicht denken, obwohl du das Dasein eines wahren Gottes nicht leugnen kannst“. Spricht Amino: „Achmet, jetzt bist du an den Rechten gekommen. Dieser kennt nicht nur deinen Namen, sondern er scheint dich auch zu durchschauen. Ich rate dir, sei vorsichtig, mit Göttern ist nicht zu spaßen“. Jakobus: „Ich lese nicht nur bei dir, Achmet, sondern auch bei dir, Amino, in deiner Seele, als wenn alles offen vor mir liegt.

Auch du bist dem Weltgeist verfallen. Es bedarf ganzer Kraft von deiner Seite, willst du dereinst ewig leben. Euer Leben ist kein Leben, ihr gleichet einem Schlinggewächs, das alles in seine Umarmung zieht, wenn aber der Tod kommt, muß alles sterben. Das Gute in euch habt ihr selbst getötet, ihr tragt nur noch einen Schein nach außen“. Achmet: „Du, ich verbitte mir deine Vorwürfe. Ich brauche deinen Erlöser nicht. Ihr Juden habt der ganzen Menschheit bewiesen, dass sie ohne Erlöser leben wollen, da sie ja den seinwollenden Erlöser an das Kreuz brachten. Mit deinem Gott aber konntest du hübsch zu Hause bleiben, denn mit einem Gott, der seinen Sohn schutzlos seinen Feinden überlässt, kannst du nicht viel von Kraft und Herrlichkeit anpreisen“. Jakobus: „O, du armer verblendeter Mensch, dein Wissen ist die größte Unwissenheit. Einen Narren wirst du dich selber schelten, wenn du hineinschauen lernst in die Größe und Erhabenheit Gottes. Was wirst du mir aber antworten, wenn ich dir sage: Eben dieser Gottessohn war Gott Selbst, dieses gebrachte Opfer aber ist ja die Rettung und der Weg zur Erlösung aller“. Achmet: „Was soll ich antworten?

Ich habe kein Verlangen nach einem Gott, ich bin mir selbst genug“. Jetzt kommt der Wirt, der schon länger zuhörte, und sagte: „Achmet, würdest du auch so reden, wenn du, wie Sabine, jahrelang auf dem Krankenbette lägest? Gewiss, du brauchst keinen Erlöser, da du keine Gebrechen an dir findest. Aber wie viele wird es wohl geben, die einen Erlöser ersehnen?“ Achmet: „Petro, dich lässt das Leid so sprechen. Denke an den König in Edessa, wie hatte er auf den Heiland und Erlöser gehofft, und sein Sohn ist doch gestorben. Wer zum Leiden geboren ist, das ist eben Schicksal, gegen das Schicksal kannst du nicht anrennen“. Jakobus: „Achmet, deine Anschauung in Ehren, aber sie weicht ab von der Ordnung. Alles, auch das Geringste, ist den ewigen Urgesetzen untergeordnet, die geringste Abweichung vom Urgesetz trägt Folgen. Der Mensch ist längst nicht mehr, was er sein soll und wie er war von Anbeginn seiner Erschaffung an. Nur der kann vom Schicksal reden, der Gott und seine Gesetze kennt.

Ist aber der Zustand eingetreten, wo wirklich Schicksal das Vorbestimmende war, dann, sei versichert, ist auch Gott mit Seinen Kräften da, der tragen und ausharren hilft. Du, Petro, bist Beweis genug, hast du doch oft gesagt: Ich wundere mich, wo ich die Kräfte hernehme. Dein Weib krank, Sabine noch elender dran, trotzdem warst du immer voll Hoffnung. Als aber dein Weib starb, warst du am Ende deiner Kraft, und bist doch noch! Siehe, dies war Schicksal, welches nicht Gott, sondern du dir selber aufgebürdet hast. Du wolltest einmal die wahre Herrlichkeit Gottes offenbaren, und heute ist die Stunde da, wo du den Lohn für deine Treue erhältst. Noch kannst du mich nicht verstehen, aber so du wahrhaft Gott erkennst, wird dir alles offenbar werden!“ Petro: „Fremdling, so sprach noch kein Mensch, kein Priester. Du gibst mir eine Verheißung, die vom Gotterkennen abhängt. Sag, wie kann man Gott wahrhaft erkennen?“ Jakobus: „Du musst dich erst erkennen, musst in dir eine Grenze ziehen, wie weit du Mensch und wie weit du Tier bist.

Wenn du all dein Tierisches vermenschlichen kannst, dann sei als Mensch edel, hilfreich und gut zu allen, allen Menschen und Tieren, und du bist auf der Ebene, wo du Gott erkennen kannst. Du denkst, Gott erkennen, ja, wo ist eigentlich Gott? Ja, sage ich dir, Gott ist überall dort, wo du Ihn sehen willst. Und ist nirgends, wo du Ihn nicht sehen willst. Es gibt ja nichts in der ganzen Unendlichkeit, was nicht Zeugnis von Ihm ablegt, da alles aus Ihm und durch Ihn geworden ist. Der Mensch aber, als Produkt Seiner Vollkommenheit, wurde freigestellt und sollte das Bindeglied sein zwischen allem Geschaffenen und Ihm Selbst! Er sollte allem den Stempel der Göttlichkeit aufdrücken, damit sich alles entwickele zum Vollkommenen. Der Mensch versagte, zerschlug alle die Hoffnungen, die Gott auf ihn setzte und verlor sich in seiner Ichsucht, Habsucht und seinem Hochmut. Um den Menschen nicht ganz verloren gehen zu lassen, wurde Gott Mensch, nahm alles an, was den Menschen hoch und nieder ziehen kann, und heiligte alles, was unheilig war.

Er offenbarte das Reich des ewigen Lebens, welches im Menschenherzen seinen Anfang nimmt und zeigte die Wege, die in das Reich des Lebens und der Wahrheit führen. Als Jesus, als Menschensohn lebte Er unter uns, tat Zeichen und Wunder, wie ihr oft genug gehört habt, aber noch Größeres gab Er uns! Es war Sein Wort, so einfach, so schlicht und lebenswahr, dass in diesem Seinem Wort uns Sein vergöttlichtes Leben entgegenkam. Wer an dieses Wort glaubt und es sich zu Eigen macht, macht sich Gottesleben zu Eigen. Es offenbart sich als Kraft, Weisheit und Frieden! Es kann sich aber nur offenbaren, wenn die Bedingungen erfüllt sind. Sie lauten: Liebe Gott und deinen Nächsten mehr, als dich!“

Petro: „Es könnte nicht schwer sein, Gott zu lieben, wenn Er nicht mehr verlangt, als Liebe zum Nächsten! Ich glaube dir, Fremdling, und so sei nicht mehr mein Gast, sondern mein Allernächster. Betrachte dieses mein Haus als das deine und lehre mich, wie ich recht lieben kann. Ich bin müde von den vielen Sorgen und vom Ringen. Mein Leben war ein restloser Kampf, da verlernt man die Liebe“. Jakobus legt seine Hände auf Petros Haupt und spricht: „Petro, mein Bruder, die Liebe Jesu sei mit dir. Sein Geist erleuchte dich und lasse dich vergessen alles Vergangene. Von nun an schaue das Leben als Liebe, Licht und Sonne, und bald wird dir Freude über Freude werden“. Achmet: „Na Petro, jetzt hast du dir aber einen richtigen Schwärmer ins Haus gesetzt. Ich gönne dir die Freude, du wirst froh sein, wenn er wieder fort ist, der arme Faun“. Jakobus: „Achmet, schweige, ich tat dir nur Gutes, du aber bist beleidigt, weil ich dir zeigte, wie du bist. Sei aber in Zukunft klüger und versperre dir nicht den Weg, den ich dir zeige. Nun komm, Petro, zu Sabine, damit dein Herz frei und froh werde“.

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28 Sabine

In einer Oberstube lag Sabine mit bleichen und abgezehrten Wangen, des Wirtes einzige Tochter. Das schleichende Gift hatte ihren Körper fast zersetzt, aber ihre Augen bitten um Erlösung. Als die beiden an das Lager treten, sagt Petro: „Sabine, eine große Verheißung ist mir geworden, wir sollen alle recht froh werden“. Sabine: „Ja Vater, wenn ich endlich in das Grab zur Mutter gefolgt bin, dann wirst du froh sein“. Jakobus: „Mitnichten, meine Tochter, du sollst leben. Leben zur Freude Gottes und zur Freude deiner Mitmenschen. Dein Heiland und Erlöser, den du schon so oft in schlaflosen Nächten schautest, kommt in mir zu dir und spricht: `Glaube endlich, dass Ich Wirklichkeit und kein Traumbild bin. Stehe auf und lasse dich von niemand irre machen, denn Ich bin das Leben, die Liebe und das wahre Sein!“.

Da erhob sich Sabine mit großer Mühe. Jakobus legte ihr die Hände auf, zusehends kam Farbe und Leben in sie. Da sagte sie: „Ja, ich fühle das Leben, aber wo ist Er, den ich so oft schaute, den ich liebe unaussprechlich? Wie kann ich zu Ihm gelangen?“ Jakobus: „Sabine, kleide dich an und komme zu uns herunter, du sollst alles erfahren, was deine Sehnsucht ist, doch vor Fremden schweige“. Die beiden Händler waren ganz verwirrt, als Sabine an der Hand Petros durch die Gaststube in die Küche ging. Jakobus aber setzte sich zu den Händlern. Da fragte Achmet: „Was ist geschehen mit Sabine?“ - „Nichts - erwiderte Jakobus - nur das wurde ihr, wonach sie sich sehnte: Gesundheit! Freilich, du wirst keinen Nutzen davon haben, denn Gott ist dir ja gleichgültig“. Armino: „Fremder, lass dich doch nicht bitten.

Was ist mir Sabine geschehen, denn das ist das größte Wunder, was ich mir denken kann, von dieser Krankheit ist noch niemand genesen“. Jakobus: „Du hast recht, aber bei Gott ist eben nichts unmöglich, Sein heiliger Wille vermag alles“. Petro kommt an den Tisch und spricht: „Lasst alle Geschäfte ruhen. Sabine ist mir neu geschenkt worden, darum feiern wir diesen Tag, der mir so viel Glück brachte. Und du, der du mich Bruder nanntest, sei auch den anderen Bruder und offenbare uns den rechten Gott!“ Da wurden die anderen alle aufmerksam, die noch in der Stube sich befanden. Sie sahen auf Petro, der ganz anders war. Sie fragten: „Was ist geschehen?“ Petro aber sagte: „Sabine ist gesund geworden durch den Gott, den wir nicht kannten“.

Da schauten die anderen ungläubig auf Petro, dieser aber sprach: „Bald werdet ihr es sehen. Sabine lässt nur ein Mahl richten, denn heute ist der Tag der Freude. Sagt es euren Kameraden, beendet euer Tagewerk, heute sind alle zahlfrei und alle Schulden sind gestrichen“. Achmet: „Petro, bist du ein Narr geworden. Was soll das heißen: zahlfrei und alle Schulden gestrichen, bist du denn so reich geworden?“ Petro: „Ja, ja und wieder ja, denn das Leben ist zu uns gekommen. Die Freude braucht Betätigung, sonst würde mit alles tot erscheinen. Wenn du aber nichts davon sehen willst, dann störe mich wenigstens nicht in meiner Freude“. Jakobus: „Schön gesagt, Petro, dieser Tag wird dir viel Freude machen, aber nun sage Sabine, sie solle kommen“. Mit einiger Scheu kommt Sabine in das Gastzimmer, niemand sah ihr die Spuren des jahrelangen Krankseins an. Petro war überrascht über seine Tochter.

Er weinte laut und sagte: „Sabine, wenn das die Mutter erlebt hätte!“ Sabine: „Vater, sie sieht uns und ist selig, denn vorhin sah ich sie, obwohl ich nicht träumte“. Sie gab Jakobus die Hand und sagte: „Ich weiß deinen Namen nicht, aber ich muss dir danken. Ich bin wie im Traum und frage mich, bin ich denn noch am Leben? Wie oft ersehnte ich den Tod, er wäre mir süß gewesen in meinen Schmerzen. Aber nun fühle ich das Leben und bitte dich, lehre mich, wie ich recht dankbar sein kann“. Jakobus: „O Sabine, sorge dich um nichts als nur um dieses, dass die wahre und heilige Liebe dich erfüllen möge, denn der wahre Gott ist ja die Liebe und das Leben Selbst. Wer in dieser Seiner Liebe lebt, lebt in Gott und Gott in ihm. Sein Geist wird dir alles offenbar machen“. Die anderen waren sprachlos über die Lieblichkeit dieser jungen Menschenblume, wie ruhig und frei sie um sich schaute. Da sagte sie zu Achmet: „Aber Freund, warum blicken deine Augen trübe und Schatten verdecken dein Gesicht? Hast du mir doch so oft Trost zugesprochen.

Freue dich doch mit Vater und mir. Ich bin wirklich ganz gesund und fühle neue Kraft und neue Freude, dass ich Berge abtragen möchte“. Achmet: „Sabine, Sabine, ich möchte mich freuen mit euch, aber hier innen ist etwas, was mich bindet. Lass mich gehen, ich brauche Zeit“. Sabine: „Nein Achmet, wie ein Vater voller Teilnahme warst du zu uns. In der großen Not warst du uns Freund, und nun musst du dir gefallen lassen, dass wir dich in deiner Not nicht alleine lassen. Auch dir wird Gott helfen, wie Er mir geholfen hat, dieser Freund wird dir dazu verhelfen“. Sabine verließ die Gaststube, um in der Küche zu helfen den beiden Mägden. Da sagte Achmet: „Petro, Ist das wirklich deine Sabine?! Wie ein Engel sieht sie aus und ihre Sprache, ist die nicht wie ein Ton aus den Himmeln? Ich muss mich vor ihr schämen, weil ich mich so wenig in der Gewalt hatte“. Petro: „Du bist unser aller Freund und bleibst es auch.

Nur das Glück wirst du mit uns teilen müssen, denn nun hat aller Kampf und Sorge ein Ende“. Jakobus: „Petro, heute schaust du das Leben von der Lichtseite, trotzdem wird das Leben ein Kampf bleiben. Ein Stillesein und Stillestehen würde die Entwicklung hemmen. Aber das Leben bekommt von heute an einen anderen Sinn und einen anderen Inhalt. Sage deiner Sabine, sie solle noch für 30 Mann mehr zubereiten, denn heute bekommst du noch viele Gäste in dein Haus“. Petro „Wenn du es sagst, dann muss es auch wahr sein, es verdoppelt nur meine Freude“. Armino: „Freund, bist du allwissend, weil du Dinge voraussagst, die mir unbegreiflich sind. Kannst du mir sagen, wer diese 30 Mann sind, und was wollen denn die gerade hier bei Petro?“ Jakobus: „Es wäre schlimm, wenn ich als Bote der ewigen Liebe und als ein Willenträger Gottes nichts weiter hätte, als nur das, was man im Kopfe trägt! Schon durch das Verbundensein mit hm, dem wahren und lebendigen Gott, offenbart Er mir Dinge, die den anderen unbegreiflich sind.

Gerade du wirst sehr große Freude erleben an den Römern, die aus Edessa kommen, denn es ist einer darunter, dem du dein Leben zu verdanken hast, als man dich überfiel und deine Habe rauben wollte“. - „Was, Benediktus, der gefallene Priester? Er kommt mit Römern hierher?“ Jakobus: „Ja, gerade der. Es ist aber möglich, dass du ihn nicht verstehen wirst, weil er das Evangelium der Liebe Jesu als etwas Unbegreifliches hinstellt“. Es war auch so. Kaum dass die Zeit hinreichte, um das Essen fertig zu bringen, kommt der Tross von Römern, um bei Petro zu übernachten, wie sie es schon so oft taten. Laurentius, der Führer und kaiserlicher Amtswalter, begrüßt Petro wie einen alten Freund und verlangt Quartier für sich und alle seine Leute. Lachend begrüßt ihn Petro und spricht: „O Laurentius, alles ist schon bereitet. Komme mit deinen Leuten, heute seid ihr meine lieben Gäste“.

Laurentius: „Was ist dir Gutes widerfahren, du lachst ja und siehst aus wie der Glücklichste der Glücklichen?“ Petro: „Bin ich auch, Laurentius, du kennst mich ja seit Jahren und ebenso Sabine, willst du sie sehen?“ Laurentius: „Nein Petro, kranke Menschen machen mich traurig. Es ist schon genug Elend, was ich auf Straßen, in Dörfern und Städten sehe, an einem Krankenbett erlebe ich keine Freude“. Petro: „Laurentius, diesmal wirst du meine Freude teilen, Sabine ist gesund, ich werde sie holen“. Freudig eilt sie herbei und spricht: „Vater, ich habe jetzt keine Zeit, was hast du für mich?“ Da sieht sie Laurentius stehen, geht hin zu ihm und, ihm die Hand reichend, sagt sie: „Lieber, edler Freund, du kommst zur rechten Stunde. Heute ist bei uns der Tag der Freude und des Dankes, ich bin richtig gesund“.

Laurentius: „Bist du wirklich Sabine, Petros Sorgenkind? Beim Zeus, so schön sah ich noch keine Mädchenblume“. Sabine: „Ich bin es, edler Freund, ein Bote Gottes machte mich gesund. Aber noch Besseres brachte er mir, den Heiland, den ich schon lange als Unbekannten liebe. Aber, verzeihe lieber Freund, dort wartet Arbeit, du wirst alles erfahren durch den Gottesboten“. Laurentius: „Petro, war das wirklich Sabine? Nun verstehe ich deine Freude, ich gönne sie dir. Aber stelle mich dem Gottesboten vor, ich bin recht neugierig geworden“. Petro ruft Jakobus und spricht: „Bruder, dieser Freund möchte mit dir bekannt werden, schenke ihm auch deine Freundschaft“.

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29 Laurentius

Er sah Laurentius lange an und sagte: „Ich bin Jakobus, des Heilandes Jesu Bruder“. Laurentius: „Es wird mir schwer werden, mit dir Freundschaft zu schließen, denn dein Bruder ist ein Geächteter, ich aber bin ein Römer. Aber sag, hast du wirklich Sabine geheilt?“ Jakobus: „Ja und nein, ich war nur der Vermittler, geheilt hat sie der Geächtete, der aus diesem schmachvollen Tod als Sieger hervorging“. Laurentius: „Du machst mich verwirrt, Jakobus. So ist also die Totenauferstehung Wirklichkeit und kein Betrug von den Nazarenern?“ Jakobus: „Der Betrug ist das Werk der Templer. Ich bin Zeuge dessen, der da lebt und leben wird ewig und bin gesandt, Zeugnis zu geben von diesem Leben, was da ausgehet von Ihm. Sabine ist nur ein kleiner Beweis dieses neuen Lebens“. Laurentius: „Wenn ich Sabine und ihr Leiden nicht so genau kennen würde, ich würde dich als Betrüger in die Galeeren stecken, doch hier ist mehr, als Verstand, hier ist Unmögliches möglich geworden“.

Jakobus: „Laurentius, warum unterordnest du dich toten Götzen, wo der Lebendige, Wahre und Ewige dir schon so viele Beweise Seines Seins, Seiner Liebe und Weisheit gegeben hat? Du glaubst, jene Götter haben den Irrtum aufgeklärt, als deiner Mutter jenes Schmuckstück abhanden gekommen war“. Laurentius: „Jakobus, was weißt du davon, damals war ich noch ein junger Mann und du ebenfalls“. Jakobus: „Alles weiß ich, Laurentius! Deine Mutter war eine Griechin, die es mit ihren Göttern nie ernst nahm, da ihr Vater viel mit Juden handelte. Euer Priester aber fürchtete, sie ganz verlieren zu können, darum versteckte er bei Gelegenheit das Schmuckstück und beließ deine Mutter in dem Glauben, es sei gestohlen oder abhanden gekommen. Zur Freude deiner Mutter überraschte er sie eines Tages mit der Kunde, das Schmuckstück befinde sich im Hause, sie solle es auf dem Dache in einem Mauerriss suchen lassen.

Deine Mutter fragte, woher er die Kenntnis habe. Da sagte der Priester, du warst selbst Zeuge, die Götter sind dir wohlgesinnt, sie offenbarten mir den genauen Fundort. Da gingst du mit dem Priester hin und richtig, der Priester hatte recht, das Schmuckstück hatte sich wiedergefunden. Aber nie ist dir der Gedanke gekommen, dass es der Priester gewesen sein könnte“. Laurentius: „Du behauptest, der Priester sei es gewesen, um auch mich und meine Mutter den Göttern zu verpflichten?“ Jakobus: „Er hat auch sein Ziel erreicht, denn mit einer seltenen Hingabe und Treue blieb deine Mutter ihrem Glauben getreu. Auch du kannst dich bis heute noch nicht entschließen, an den wahren und lebendigen Gott zu glauben, dessen Sohn Jesus von Nazareth war!“ Laurentius: „Aber, mein Freund, was du mir erzählst, klingt genau so wahr wie des Priesters Darstellung. Wie willst du mir beweisen den Betrug jenes Priesters?“ Jakobus: „Beweisen kann ich es nicht, aber jener Priester kann sich diese Tat nicht vergeben, sie verschließt ihm den Weg zu Jesus“.

Laurentius: „Aber Jakobus, seit wann sind denn Tote bemüht, Handlungen - im Erdenleben begangen - sich vergeben zu wollen, du wirst mir immer rätselhafter“. Diese, im lauten Ton gehaltene Unterhaltung, hatten alle gehört. Sie bedauerten, das Ende nicht erfahren zu können, denn Petro ließ das Mahl auf den Tisch bringen. Sabine in ihrer strahlenden Frische, eilte, mit noch zwei Mägden, mit einer Behändigkeit von der Küche durch das große Gastzimmer, die jede Unterhaltung unterband. So war in kurzer Zeit alles gerichtet, alle hatten Platz genommen. Da sieht auch Armino seinen Lebensretter. Er steht auf und nimmt an Benediktus` Seite Platz, der große Freude hatte, Armino zu sehen. Leider konnte Armino nichts sagen, denn Petro sprach: „Freunde, liebe Freunde, verwundert euch nicht über mich, denn mein Herz ist voll Freude und Dankbarkeit. Ich habe Sabine wieder, die, wie ihr wisst, seit Jahren an der Auszehrung litt.

Nun ist sie gesund durch den Boten, den uns Gott gesandt hat, an den ich nun glaube und Ihm getreu folgen werde. Mit welchen Opfern suchte ich die Götter zu bewegen, noch mehr hätte ich getan, so es gefordert worden wäre, nur um ihr Leben zu erhalten. Nun kommt uns Gott, der Wahre, der Lebendige und Ewige in diesem schlichten Menschen entgegen und macht mir Sabine ohne Opfer gesund. Darum genießt alles recht froh, denn heute wollen wir uns freuen und des rechten Gottes in unserer Freude gedenken. Du aber, du wahrer Gott von Ewigkeit, du kamst in der Not zu uns, bleibe auch in der Freude bei uns. Dir alles Lob, allen Preis und Dank und Dir alle Herzen, Amen“. Herrlich schmeckte das Mahl, aber der Wein war sauer, darum kam die rechte Stimmung nicht auf. Auch Laurentius konnte die Worte des Jakobus nicht verdauen. Armino, der wieder mit Benediktus ganz eins war, sagte: „Was sagst denn du zu der Heilung der Sabine?“ Benediktus: „Lass mich mit dem Judengott zufrieden.

Ich habe wieder in Edessa viel gehört, was ist denn wahr? Hier und da große Wunderheilungen, wo es aber darauf ankommt, versagt der Nazarener. Frage doch in Edessa, der Thronerbe ging, trotz aller Anstrengungen, die man machte, um den Nazarener herbei zu holen, doch ins Grab. Ich bin eigentlich zufrieden, ich habe mich von den Göttern losgesagt, liebe ein Glas guten Wein, da vergisst man gerne alle Sorgen“. Armino: „Du weichst mir aus, um Sabine fragte ich dich. Was meinst du, könntest du glauben, dass Jesus, der Heiland, dieses Kind geheilt haben könnte?“ Benediktus: „Nein, Armino, weißt du, ich war lange genug der Betrüger und Betrogene gewesen. Du aber bedenke, Jesus ist tot, alles andere sind für mich Märchen“. Armino: „Jakobus, dieser Gottesbote, ist mit Kräften ausgerüstet, die man Jesus nachsagt. Höre, auch dieses hat Jakobus vorausgesagt, dass ihr hier einkehren werdet und du, als mein früherer Lebensretter, wärest darunter, und noch etwas, was kein Mensch wusste“. Benediktus: „Armino, du bist zu leichtgläubig.

Gewiss gibt es Menschen mit großen Begabungen, aber deswegen bleibe ich auf meinem natürlichen Boden und lasse die Götter Götter sein, und wo sie sind, in den Gehirnzellen der Menschen. Lieber wäre mir, der Wein wäre nicht so sauer“. Laurentius war auf Armino aufmerksam geworden, der mit Benediktus sich unterhielt. Er wusste, Benediktus ist schlecht auf die Götter zu sprechen. In seinem Leben war ein Vorgang, der ihn zum Abtrünnigen machte, darum wurde er Soldat. Das Essen war vorüber, die Tische wurden abgeräumt, nur die Krüge und Becher blieben. Da spricht Petro: „Freunde, wer unter euch nicht ganz meine Freude teilen kann, schließe sich dem Jakobus an, denn in diesem Bruder ist der ewige Gott zu uns gekommen“. Da lächelt Benediktus, aber Laurentius sagt: „Benediktus, sei nicht so erhaben über das, was Petro spricht, denn in Jakobus ist mehr wie ein Mensch hierher gekommen.

Du weißt, ich bin ein harter Mann und dulde keinen Betrüger“. Benediktus: „Herr, ich kann wohl vieles verstehen, aber ist mein früheres Leben wegzuwischen? Warum halfen mir die Götter nicht, wo ich sie brauchte? Ist es nicht genug, dass ich mein Leben, solange ich weiß, den Göttern opferte, mir so manche Freude des Lebens versagte? Kam ich mir nicht wie ein Betrüger vor, wo ich der Betrogene war? Nein Herr, lasst mich in Ruhe, ich habe kein Verlangen, mich mit Göttern zu beschäftigen. Auch mit Jesus war es dasselbe. Sein Leben schenkte Er Jehova, und zum Schluss ließ Ihn Jehova genau so untergehen, wie ich untergegangen wäre, wenn ihr Römer nicht gewesen wäret“. Laurentius zog Jakobus hin zu sich und sagte: „Jakobus, wir beide sind nicht fertig geworden mit unserer Unterhaltung. Ich habe hier einen Untergebenen, dem viel Unrecht geschehen ist. Du hast Sabine geholfen, kannst du auch Benediktus helfen?“ –

„Nein“ erwiderte Jakobus, „weil er kein Verlangen nach Hilfe hat. Aber da ihm der Wein zu sauer ist, so soll der Wein im Namen des Herrn süß sein, denn nur der Wein ist sein Tröster“. Benediktus will lachen, da spricht Jakobus: „Benediktus, um der Wahrheit willen versuche den Wein und dann sage mir, ob der Wein süß genug ist“. Da trinkt Benediktus und sagt: „Ja, wirklich, das ist guter süßer Wein, aber wie ist denn dieses möglich?“ Jakobus: „Mein armer Freund, dem wahren und lebendigen Gott ist nichts unmöglich, doch glauben muss man an Ihn können. Aber da der Wein gut ist, sei genügsam, dass du keinen Rausch bekommst, denn im Rausch könntest du Dinge verraten, die dich später reuen würden“. Benediktus: „Sei nicht so geheimnisvoll, ich wüsste nicht, was ich ausplaudern könnte. Übrigens, mir gegenüber brauchst du nicht so geheimnisvoll zu sein, ich bin lange genug Priester gewesen. Von Göttern habe ich vorläufig genug, da möchte ich ganz in Ruhe gelassen werden“. Jakobus: „Ganz recht, Benediktus, aber du musst auch Gott in Ruhe lassen. Es geht auf keinen Fall, dass du Gott angreifst und Seine Führungen unterbindest.

Es war deine eigene Schuld, dass du einen Menschen auf dem Gewissen hast, der bestimmt noch leben würde“. Benediktus: „Was weißt du, Jakobus, willst du mich noch elender machen, als ich bin, konnte ich denn als Priester anders handeln?“ Jakobus: „Ich will dich nicht richten, auch deine Handlungsweise nicht verurteilen, aber ein Mensch soll Helfer sein, auch wenn die Umstände es verbieten. Dich elender machen hieße ja, meinen Gott schlagen. Nein, frei sollst du werden, ganz frei, und dazu kann dir nur der Herr Jesus verhelfen. Siehe, die kraft des Herrn tat dir Gutes, indem du einen süßen Wein trinken kannst. Ebenso hätte ich auch die Kraft des Herrn, dir den Wein so zu versauern, dass du ganz nüchtern bliebest. Mir aber liegt daran, dir Freude zu machen, dich für Stunden vergessen zu machen, was jede frohe Regung in dir nieder hält. Aber nun sei mit den anderen fröhlich“. Sabine setzte sich an Jakobus` Seite und sprach: „Du lieber Gottesbote, bleibe recht lange bei uns und erzähle uns recht viel von dem herrlichen Heiland Jesus.

Seit wann kennst du Ihn?“ Jakobus: „Seit Seiner Geburt, liebe Sabine, Er war mein Bruder. Sein ganzes Leben, Seine Entwicklung vom ersten bis zum letzten Atemzug ist in mein Inneres eingebrannt, was kein Mensch der Erde mir wieder nehmen könnte. Die Welt erfuhr nicht den 10 000. Teil von dem, was ich und durch Ihn erlebte“. Sabine: „O ihr glücklichen Menschen, wie seid ihr zu beneiden, welch herrliches Leben müsst ihr geführt haben. Wenn ich mir vorstelle, Er, als die Liebe und die Lebenssonne, wie müsst ihr euch unter den Strahlen dieser Liebe wohlgefühlt haben, es muss ein Himmel auf Erden gewesen sein. Nichts von Not, nichts von Leid, Kummer, wie muss Er euch fehlen!“ Jakobus: „ O Sabine, du bist in einer großen Irre, weil du von deinem großen Sehnen, von deiner menschlichen Erkenntnis ausgehst. Bei uns im Hause Josefs war alles, bloß kein Himmel. Jesus war Liebe, aber Er war auch hart und streng. Sein Leben war pur Kampf mit Sich, während Er mit uns größte Nachsicht übte. Mein alter Vater war einer der gerechtesten und streng gläubigsten Juden.

Für ihn gab es die Erfüllung aller Gesetze, die der Tempel vorschrieb. Streng mit uns hielt er auch darauf, dass alles Vorgeschriebene streng befolgt wurde, z.B. die Speisen, das Beten, Andachten, Zehnten und vor allem das strenge Einhalten des Sabbats und der Festtage. Jesus aber entwickelte Sich schon in Seiner Kindheit zu einem Freigeist. Nie besuchte Er die Schule oder die Synagoge und war doch klüger, als wir alle. Nie betete Er vor uns, sondern nur für  sich allein. Alle Gesetze waren Dinge, die gehalten wurden, um kein Ärgernis zu erregen. Wenn es aber galt, einen Liebesdienst zu tun, hielt Ihn kein Gesetz oder Sabbat zurück. Auch vom Gegenteil weiß ich. Man verlangte eine Arbeit von Ihm, Er war hart und lehnte ab mit den Worten: `Ich tue es nicht, Ich will Meine Seele nicht beschweren`. Je älter Er wurde, um so schwerer wurde es für uns. Wir verstanden Ihn nicht und machten Ihm das Leben schwer. Wie weinte Seine Mutter über Sein Verhalten und beschwor Ihn, sich doch uns und allen anzupassen. Er aber lehnte ab, wich aus, und warum?

Weil Er schon frühzeitig den in Sich klaren Geist aus Gott zu Seinem Führer und Leitstern machte, um eben jenen Reifegrad zu erreichen, der Ihn, den Menschensohn, zum Gottessohn machte. Es gelang Ihm. Mit 30 Jahren tritt Er Sein Lehramt an und offenbarte allen, die Ihn hören wollten, den wahren und ewigen Gott und tut Wunder und Zeichen allerorts, die ihr vernommen habt. Viel Volks lief Ihm nach und glaubte. Der Tempel aber war und blieb Sein Feind und hatte auch seinen Zweck erreicht, Ihn unschädlich zu machen“. Sabine: „O du blindes Volk, warum ließt ihr es zu, dass dieser Wohltäter sterben musste?“ Jakobus: „Jesus unterordnete Sich dem Willen Gottes, Sein Tod ist ja eben unser Leben. Nur durch das größte Liebesopfer konnte eben dieser zur Vollreife gelangte Geist allen, allen Menschen zum Eigentum angeboten werden. Nur durch diesen Geist aus Ihm war es möglich, dich gesund zu machen, und in diesem Geist ist Er auch unter uns. Kannst du dieses verstehen?“ Sabine: „o ja, ganz gut. Aber ob dich unsere Freunde verstehen, bezweifle ich, denn sie haben eine gewisse Abneigung gegen euch Juden. Ich wäre glücklich, wenn es dir gelänge, sie zu überzeugen“. Laurentius: „Freund, deine Vorstellung in Ehren, aber sie hält meiner Kritik nicht stand.

Es macht Gott wenig Ehre, Seinen Sohn schutzlos den Feinden zu überlassen. Eine schwache Stütze, so du sprichst, Jesus unterordnete Sich dem Willen Gottes. Dieser Gehorsam ist wohl Jesus sehr hoch anzurechnen, aber ich komme da mit Gott in Konflikt“. Jakobus: „Du magst als Römer, nach deinen Ehrbegriffen, recht haben, aber es galt eine Erlösung zu schaffen, und nur der geringste Einfluss göttlicher Kräfte hätte das Erlösungswerk beendet“. Laurentius: „Wieso? Jesus starb doch und blieb als der Besiegte am Platze“. Jakobus: „Was starb, lieber Freund, war nur die Hülle oder das Vergängliche, denn nach drei Tagen stand Er mit einem unzerstörbaren und unvergänglichen Leibe unter uns! Nicht als Besiegter, sondern als Sieger über allen Tod und alles Gericht. Eben, um dem Tod die Macht zu nehmen und um alles zu erfüllen mit Seinem Leben, musste Er sterben. Gott wusste seit Ewigkeiten, dass ein allergrößtes und allerschwerstes Opfer nötig war, um die Macht des Bösen zu brechen, damit ein Weg gefunden werde zur Erlösung und Errettung aller, die von der Macht des Bösen gefangen waren. Darum wurde Gott Selbst Mensch, nahm Knechtsgestalt an blieb Sich gehorsam bis zum Tode am Kreuz. Nicht Gott ließ den Menschensohn im Stich, sonder Gott als Menschensohn trennte Sich von Seiner Gottheit und brachte als Mensch das allergrößte und allerschwerste Opfer“.

Laurentius: „Das verstehe, wer kann, ich nicht! Habt ihr denn gewusst, dass Gott, euer Jehova, in einem simplen Menschen unter euch lebte, ich bin begierig auf deine Antwort“. Jakobus: „Ja und auch nein. Oft waren die Beweise so überwältigend, dass wir wussten, Jesus ist Gott. Sahen wir aber wieder Sein Menschliches, dann wurden wir irre. Oft wunderte sich Cyrenius, der Statthalter, dass wir an Jesus irre wurden, denn für euch Römer war und blieb Jesus Gott“. Laurentius: „Ich danke dir, Jakobus. Jetzt ist mir wenigstens klar, warum wir Römer euch Nazarenern nicht hinderlich sein sollen. Cyrenius ist tiefer eingedrungen, als ich und viele andere, aber deswegen bin ich noch nicht ganz klar über Gott und Jesus. Es wurde durch Jesus ein Weg gefunden zur Erlösung aller. Schön und gut. Waren denn alle Menschen Verlorene, die erlöst werden mussten? Siehe, ich bin mir keiner Schuld bewusst, jemals Handlungen getan zu haben, die mich zum Verlorenen machen. Musste Jesus auch um meinetwillen sterben?“ Jakobus: „So hart wie es klingt, lieber Laurentius, auch für dich starb Er. Für alle, alle Menschen, wie auch für die seufzende Kreatur gab Er Sein Leben.

Denn alles Materielle, wie auch alles Fleisch, ist ja nicht aus der Hand des Schöpfers hervorgegangen, wie es jetzt ist, sondern wurde durch die Untreue und den Ungehorsam des ersten geschaffenen Urerzengels seines hohen Lebensstandes beraubt und dem Tod und Gericht ausgeliefert. Gott aber, als Liebe und Erbarmung, suchte einen Weg, eine Lösung, und fand sie im Geiste der Demut und hingebenden Liebe. An diesem Geiste scheiterte die Macht des Bösen und gab den Menschen den Geist der erlösenden  Liebe zum freien Eigentum. Darum musste Gott dieses Opfer bringen“. Laurentius: „Jakobus, du magst recht haben, doch ich kann ohne weiteres deine Erklärungen, die mir einleuchtend sind, nicht als pure Tatsache hinnehmen, denn mit der Annahme deiner Glaubensmaximen müsste mein Glaube ausgelöscht sein. Es ist aber nicht so leicht, was mir 30 Jahre liebe Gewohnheit war, ohne weiteres auszulöschen. Kannst du Beweise erbringen, dass das Blutopfer Jesu oder deines Gottes wirklich Erlösung brachte? Es ist leicht zu sagen, geht den Weg der Demut und Liebe, dann werdet ihr erlöst sein vom Tod und Verderben. Meines Wissens werden jetzt 100.te dem Tode preisgegeben, und warum? Weil sie an einen Erlöser glauben. Auch meine Rede klingt hart, aber die Tatsachen, die wir leider nicht verhindern können, sprechen das Gegenteil“.

Jakobus: „Für mich klingt es nicht hart. Auch ich würde mein irdisches Leben in die Waagschale legen, denn ich bin ja der Welt so gut wie gestorben durch die erlösende Liebe Jesu. Nicht mehr ich lebe, sondern Jesus in mir. Nehmt mir meinen Leib, dann werde ich getragen in das ewige Reich des Lebens, dessen Friede, Freude und Seligkeit kein Ende haben wird. Während die, die an das ewige Leben nicht glauben und in ihrem alten Ich-Leben verbleiben, hinüber gehen in Nacht und Grauen, in Finsternis und Schrecken, und dieses zu beweisen, ist nicht schwer. Hier sitzt Sabine, ihre Seele ist gereinigt durch das entsetzliche Leiden, und kann schauen mit ihren geistigen Augen, was den anderen Menschen nicht möglich ist. Es ist dieses kein Wunder, sondern die natürliche Folge dieser dir nun geoffenbarten Wahrheit aus Jesus. Was der alte Mensch in sich abnimmt, nimmt der neue Mensch aus Gott zu. Es ist dabei nicht nötig, zu wissen, Jesus, der Herr ist mein Helfer, sondern die Gnade des Herrn offenbart sich, ohne dass der Ringende und Leidende davon weiß“. Laurentius: „Jakobus, jedes Wort ist ein neues Rätsel. War dein Jesus auch so geheimnisvoll und rätselhaft?“

Jakobus: „Lieber Herr und Freund, für die, die nicht mit Ihm gingen, war Er das größte Rätsel und Fragezeichen. Für die aber, die Ihn liebten und mit Ihm gingen, war Er das Einfachste und Natürlichste. Seine Worte waren klar und nicht zu widerlegen. Ja, Sein Wort ist das Wort eines wahrhaftigen Gottes und wird nie und nimmer vergehen. Eher gehen Welten zu Grunde, ehe nur ein Tippelchen eines Seiner Worte vergehen wird!“ Laurentius: „Jakobus, ich weiß nicht, soll ich deinen Glauben, oder deine Sicherheit bewundern. Jedenfalls werde ich Gebrauch machen von deinem Hinweis auf Sabine“.

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30 Ein geistiges Schauen

Laurentius: „Also, Sabine, du hast jedes Wort gehört, das Jakobus mit einer Sicherheit aussprach. Ich bin nicht gegen ihn, sondern ich möchte Klarheit um jeden Preis. Was kannst du mir sagen?“ Sabine: „Aber, lieber Freund, werde ich dich auch nicht enttäuschen, denn ich bin ja Jesus zu 1000 Dank verpflichtet. Du weißt und kennst mich, dass ich nur Erlösung ersehnte und bin nun eine Erlöste, aber anders, als ich wollte. Jakobus hat recht, dass ich schaue, denn um mich sind jubelnde Wesen inmitten des Herrn, der mir freundlich zunickt. Freilich, ich kann es dir nicht beweisen, du musst es nur glauben. Doch halt, lieber Freund, der Herr hebt die Hand und vor mir ist eine felsige Gegend, die ganz finster ist. Aus der Hand des Herrn leuchtet ein Lichtschein, der mich nur so viel erkennen lässt, dass ich sehe, was  vom Licht beleuchtet ist. Jetzt sehe ich auch Menschen, ach, sind die aber elend, nur Haut und Knochen.

Sie sind vom Lichtschein erschrocken und auf den Boden gefallen. Einer spricht: `Was war denn das, sollten sich endlich die Götter erbarmen und uns aus dieser Wirrnis und Not erretten?` Sagt der andere: `Ich würde es dankbar hinnehmen, aber ich glaube nicht mehr daran, denn seit die Lichtgestalt uns zurief, wir sollten uns von den toten Göttern abwenden, ist es uns nur schlechter gegangen. Seit wann haben wir nur einen Brosamen gefunden, geschweige einen Bissen gegessen? Ich fürchte, wir haben den größten Fehler unseres Lebens begangen, weil wir die Lichtgestalt abwiesen`. Ein Dritter: `Was hättest du davon, es sind doch alles Truggestalten!` `Rede nicht mehr davon Kasimir`, erwiderte der andere, `ich glaube dir nicht mehr. Sobald wieder ein solcher Lichtträger erscheint, gehe ich ihm nach, denn elender kann ich nicht mehr werden, als ich schon bin`. `Das wirst du nicht tun, Oron, was soll aus unserer Gemeinde werden. Bis jetzt konnten wir sie hinhalten, wenn du dagegen bist, kommt das Ende`.

`Ich werde es tun, Kasimir, oder soll ich die selbe Schuld aufladen, wie du? Zum Dieb und Lügner bist du, um der Götter willen, geworden, und, hast du dabei etwas gewonnen? O wir Toren, wie dumm sind wir doch gewesen`. Jetzt blitzt es auf, aber noch heller, eine Lichtgestalt tritt an die beiden Priester und spricht: `Oron, wenn du Mut hast, dich von deinen toten Göttern abzuwenden, bin ich bereit, dir den Weg zu ebnen, der zum Leben führt, aber unter einer Bedingung, sie lautet: Glaube an den Gekreuzigten und Auferstandenen, von dem du so viel gehört hast, und beginne ein neues Leben nach Seiner Lehre`. Spricht Oron: `Wie kann ich an den glauben, den ich verworfen habe, wie kann ich ein neues Leben beginnen, da ich mir nie Mühe gab, Seine Lehre kennen zu lernen?` `Du kannst es noch, Oron, denn in mir reicht nicht nur dir, sondern euch allen Jesus, der Gekreuzigte und Auferstandene die Hand zur Hilfe. Seine Lehre kennst du, sie lautet: Liebe Gott über alles und alle Menschen wie deine Schwestern und Brüder`.

Kasimir: `Oron, lass dich nicht blenden von der Truggestalt und ihren trügerischen Reden`. Die Lichtgestalt: `Kasimir schweige, das Maß deiner Sünden ist längst voll. Der Herr in Seiner Liebe und Geduld hoffte, du würdest dich in deinem und der anderen Elend wiederfinden, aber vergebens. Ich aber werde nicht dulden, dass du länger den anderen hinderlich bist. Hier bist du nicht mehr Priester und Mensch, sondern ein ganz armer und Verlorener, der am Abgrund steht, um ganz verloren zu gehen`. Kasimir lacht auf und sagt: `Du Narr, ich möchte sehen, wie du mir hinderlich sein kannst, denn Hunderte lauern auf einen Wink von mir, und du wanderst ins Feuer`. Da hebt die Lichtgestalt die Hand, ganz hell wird es, als sie spricht: `Alle, die ihr hier seid, höret. Dieses ist die letzte Gelegenheit, wo ihr euch entscheiden könnt, um frei zu werden von eurer Not. Wer mit mir geht, wird in das Leben eingehen können durch den Glauben an Jesus, den Auferstandenen. Eure Götter sind nichts denn Truggestalten, eure Priester nichts als Diener verkehrter Lebensanschauungen.

Du aber, Kasimir, seiest von nun an allein, kein Diener, kein Wesen soll in deine Nähe kommen, bis du bereust deine Schuld, denn du bist ein Dieb, ein Lügner und ein Meineidiger. Und du Kamilla, höre: Längst könntest du wandeln auf den Pfaden des Lichtes und des Lebens, denn Jehova war dir näher, als deine Götzen. Aber Kasimir wurde an dir zum Dieb und Lügner und verstand es, dich im betrügerischen Geiste an die toten Götter zu binden. Willst du dies leugnen, Kasimir? `Kasimir, zornglühend: `Wer bist du, der meine Handlungen als Betrug hinstellt? Um der Götter willen war mir jede Handlung richtig. Verflucht seiest du, so du es wagst, mich länger zu brandmarken`. Ganz ernst spricht die Lichtgestalt: `Kasimir, du hast dir dein Urteil selbst gesprochen: Öffne dich, du Abgrund, und halte fest, bis Reuetränen die Zornesglut kühlen!. Euch aber steht es frei, den Weg zu gehen, der euch jetzt sichtbar wird`.

O, o jetzt hat wirklich die Erde den Priester verschlungen. Entsetzt sahen die anderen den Vorgang, da spricht Oron: `Lasst und eilen auf dem schmalen sichtbaren Weg, damit uns nicht das Unglück erreicht wie Kasimir`. Die Lichtgestalt ist noch hier und nähert sich dem Herrn, der still und ernst der Szene zuschaute! So, lieber Freund Laurentius, habe ich getreu geschildert, was ich durch die Gnade des Herrn schaute“. Schon ist Laurentius bei Jakobus und sagt: „Jakobus, hast du Sabine beeinflusst durch die dir innewohnenden Kräfte? Kamilla war meine Mutter und Kasimir unser Priester“. Jakobus: „Nein, Bruder Laurentius, die Gnade des Herrn ließ es zu, dass Sabine mit ihrem Gesicht die Not und die Zustände derer schildern konnte, die in Not, in Nacht und in Finsternis stehen und der Herr um des ewigen Heiles willen einen Engel sandte, der die Rettung der Verirrten versuchte, die aber nur zum Teil gelang“.

Laurentius: „Es ist gut, Jakobus, mir genügt es vollauf. Aber nun muss ich allein sein, damit ich mit mir fertig werde“. Sabine: „Nein, lieber Freund, bleibe ruhig bei uns, denn noch ist der Herr unter uns, und wo Er ist, ist Ruhe und Frieden!“ Laurentius: „Sabine, wie sah meine Mutter aus?“ Sabine: „O frage nicht, bester Freund. Sei mit dieser Antwort zufrieden: sie gehen den Weg, der zur Erlösung führt“. Laurentius: „So muss ich mich begnügen, doch in mir ist es wie ausgebrannt. Was ist nun das Schicksal meiner Mutter? Kannst du mir einen Hinweis geben, Jakobus?“ Jakobus: „Ich könnte es, Laurentius, aber Sabine  wird auch hier dir Dienerin sein. Lasse noch einige Stunden vergehen, da sich die Irregeführten erst ganz entscheiden müssen. Eines aber ist sicher, sie sind in der Hut und Fürsorge des Herrn!.

Trage auch du dazu bei, dass es ihnen recht rasch gelingen möge, sich von den alten toten Göttern zu  lösen“. Alle Gäste waren recht aufmerksam geworden. Sabine in ihrer Lieblichkeit strahlte vor Freude. Nun sagte sie: „O ihr lieben Freunde, die ihr das Glück habt, diese seligen Stunden zu verleben. Wenn ich euch nur alle recht überzeugen könnte von der Wahrheit und Lieblichkeit des Herrn, der immer noch unter uns ist und viele, viele Selige mit Ihm! Nun frage ich euch, was soll ich denn noch tun, um euch alle zu überzeugen von der Wahrheit meiner Worte, es ist noch nicht die rechte Überzeugung in euch. Eure Freude ist die, dass ich ganz gesund bin. Lieber wäre mir, ihr würdet euch freuen, dass der Herr unter uns ist“. Spricht Achmet: „O Tochter Petros, du bist selig, weil du gesund bist. Gerne glauben wir dir, denn deine Augen leuchten wie die Sonne und deine Rede ist wie ein Quell, der den müden Wanderer labt und neues Leben verheißt! Aber in uns ist noch Schatten, weil wir nicht sehen, was du siehst, und wir nicht fühlen, was du fühlst. Ich leugne die Tatsache nicht, aber mir wäre lieber, ich würde ganz klar sehen“.

Sabine: „Dies wirst du, liebster Freund. Wer wie du in seinem Herzen vor dem Leid anderer hilfreich und teilnehmend war, hat ja schon den Anfang gemacht, in sich den  Weg anzunehmen, der das Leben ist! Nun ist das Leben selbst unter uns und durch Seinen Boten wird es offenbar. Habe diesmal doch das rechte Vertrauen“. Achmet: „Jakobus, du Bote des Herrn, Sabine macht mir Mut, von dir noch mehr zu erfahren von Dem, Der das Leben ist, und jetzt unsichtbar für uns unter uns weilt. Ich habe sehr viel von Ihm gehört, es geht bis an die Grenzen des Unmöglichen. Aber warum versagte dieser Heiland bei dem König in Edessa? Es wäre für alle hinreichend Beweis gewesen, an Ihn zu glauben. Aber das Gegenteil geschah, der Thronerbe starb und viele, viele mussten später schweres Leid tragen durch die Seuche, die Edessa heimsuchte. Kannst du mir rechtes Licht geben?“ Jakobus: „Ich kann es durch die Gnade des Herrn, aber warum willst du nicht frei aus dir heraus dich zu dem Glauben an den wahren Gott aufschwingen, der dir keinerlei Schwere, keine Lasten auferlegt, nur eine Bitte hat: deinen Nächsten zu lieben, wie dich selbst.

Achmet, wenn du dich an allem stößt, dich aus deinem Gerechtigkeitsgefühl von so manchem abwenden musst, hast du es noch nicht einmal versucht, der Größere und Erhabenere zu sein? Vor dem Leid anderer warst du stumm, weil du nicht helfen konntest. Glaubst du, wenn Gott so gehandelt hätte, dass da eine Erlösung möglich gewesen wäre? Eben, was du nicht tatest, bewog ja den Herrn, Mensch zu werden, damit offenbar werde der Weg, die Wahrheit und das Leben. Du bist ein Mann großer Erfahrungen, aber in dir bist du unerfahren. Denn so sich Gott als das Leben offenbaren soll, kann Er es doch nur dort, wo die Bedingungen erfüllt sind, oder glaubst du, weil Gott Gott ist, liegt alles nur an Seinem Willen? O nein, Gott offenbarte sich zu allen, allen Zeiten durch Vermittler, und diese mussten dafür zubereitet sein.

Den besten Beweis brachte uns ja Jesus Selbst!“ „Wieso“, fragte Achmet, „war Er nicht der Gesalbte Gottes?“ Jakobus: „Wohl, mein lieber Achmet, aber wie verstehst du die Salbung Gottes? Lass dir gesagt sein, dass Jesus einen Lebenskampf in und mit Sich führte, für den wir alle kein Verständnis hatten, bis endlich am Jordan bei der Taufe aus den Wolken allen hörbar wurde eine Salbung: Dies ist Mein lieber Sohn, an dem Ich Wohlgefallen habe“. Sabine: „O du treue Seele von einem Diener Gottes, würdest du uns nicht die Art Seines Kampfes schildern, die Art Seines Ringens und vor allem, wie offenbarten sich Ihm die Kräfte, die mir die Gesundheit und das Leben gaben! Wohl sehe ich Ihn in Reinheit und in Klarheit. Aber so, wie Er jetzt ist, wird Er wohl als Kind, als Mensch nicht gewesen sein“.

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31 Eine Episode des Herrn

Jakobus: „Du hast recht, Sabine, gerne will ich euch allen dienen, da ich ja Sein Leben vom ersten Atemzuge kenne und mich ganz selten von Ihm trennte, bis Er von uns allen ging. Viele von euch können sich kein Bild machen von dem Leben, welches ein rechter Jude zu leben verpflichtet ist. Auch dort haben sich die Priester manches erlaubt, was sie als „göttliche Anweisungen“ hinstellen. Ein Vater nahm es besonders streng, und im Elternhaus duldete er keine Vernachlässigung. Durch eigenartige Führungen kam Maria in unser Haus und wurde, da sie gesegneten Leibes war, Josefs Frau im zarten Alter von 15 Jahren. Von diesen Tagen will ich nicht reden, da sie eine Prüfung waren, die von Millionen nur einer besteht. So wurde Jesus geboren. Nichts unterschied sich bei Ihm von den anderen Kindern. Aber schon in jüngsten Kinderjahren sprach Er Offenbarungen, die sich steigerten, bis Er 12 Jahre alt wurde.

Die Offenbarungen hörten auf, aber Jesus war ein willensstarker Mensch geworden, der sich niemandem, als nur dem Geist unterordnete, mit dem Er in steter Verbindung war und alle Anweisungen befolgte. Dass dieses manche Harmonie störte und manchen Konflikt mit anderen brachte, könnt ihr glauben. Es war manchmal große Trauer im Hause um Jesus und viel Sorge für Sein Wohlergehen unter uns. Am meisten litt Seine Mutter“. Sabine entgegnete: „Aber das ist ja nicht möglich, Seine Augen verraten die größte Milde!“ Jakobus: „Es war aber doch so, wie ich es erzähle. Ich, als der jüngste von meinen Brüdern, war am engsten mit Ihm verbunden, und doch gab es eine Zeit, wo auch ich Ihn nicht verstand. Für Arme und Leidende war Er die Liebe und Erbarmung selbst, für Harte und Lieblose aber unbeugsam wie härtester Granit“. „Wieso“, fragte Achmet, „dies wäre  doch ein Widerspruch in Seiner Erlöserliebe.

Den Leidenden ein Helfer und den Hartherzigen ein noch Härterer, wie verhält sich das?“ „Dein Einwurf ist gut, lieber Freund“, antwortete Jakobus, „und doch ist es kein Widerspruch, da Jesus das Heil aller als Ziel in Sich trug. Um es zu erläutern, will ich eine Episode schildern. Josef war ein beliebter ehrlicher Zimmermann. Seine Arbeiten waren gesucht, wir als seine Söhne wurden, wie auch Josef, Zimmerleute, Jesus nicht ausgeschlossen. Wir waren oft wochenlang fort von Nazareth, da uns Arbeiten übertragen wurden, die ein Zimmermann wie Josef mit vielen Hilfskräften ausführen konnte. Wieder einmal waren wir eine Tagesreise entfernt mit dem Bau eines Wohnhauses beschäftigt. Die Arbeit ging gut von statten, Josef war guter Dinge. Zwei Stunden entfernt hatte ein biederer Grieche seine Besitzung. Da dieser mit Josef in inniger Verbindung stand, bat er Josef, einen Tag zu ihm zu kommen mit uns allen, um den Schweinestall zu erneuern, der durch und durch baufällig sei. Josef lehnte entschieden ab, alle Bitten und Versprechungen waren nutzlos, Josef blieb hart. `Willst du, dass unsere jahrzehntelange Freundschaft zu Grunde geht um eines Schweinestalles willen?`, fragte der alte Grieche.

Da antwortete Josef: `und wenn ich dich selbst verlieren müsste, ich tue es nicht. Wie soll ich wohl vor meinen Glaubensbrüdern bestehen können?` Da sagte der alte Grieche: `Josef, du warst mir wie ein Rettungsanker in meiner Not. Nun weiß ich mir keinen Rat mehr, denn das letzte Hoffnungsseil hast du zerschnitten`. Da sagte Jesus zu Josef: `Vater Josef, warum willst du einen solchen ehrlichen Freund wie Valerius verlieren um eines Schweinestalles willen?` Da erwiderte Josef mit harten Worten: `Schweige du, Jesus, und versuche nicht, mich umzustimmen, nie und nimmer baue ich einen Schweinestall!` `Dann werde Ich ihm einen bauen, Vater Josef. Die Freundschaft eines alten biederen Mannes ist mehr wert, als die Meinung deiner zweifelhaften Glaubensbrüder!` `Das wirst du sein lassen`, erwiderte heftig Josef, `ich habe nicht Lust, die Folgen deines unüberlegten Entschlusses zu tragen`. `Ich baue den Stall, Vater Josef, und Mein Entschluss ist nicht unüberlegt, sondern der Zug in Mir, unseren alten Freund nicht zu verlieren`.

Josef erregte sich, aber Jesus sagte: `Du weißt doch, dass ich stets vor meinen Worten gerade stehe, aber nun möchte Ich den sehen, der Mich hindern will! Komm Valerius, Ich gehe gleich mit  dir. Du aber, Josef, sollst keine Stunde arbeiten können, bis Ich zurück bin`. Jesus ging mit Valerius eilend von dannen. Dann aber setzte ein Regen, Sturm und Gewitter ein, dass wir keine Stunde arbeiten konnten. Das Gewitter und der Sturm gingen vorüber, aber der Regen dauerte drei Tage lang. Josef grollte Jesum, wir aber mussten schweigen. Nach drei Tagen, mit Anbruch der Nacht, kommt Jesus wieder und spricht: `Vater Josef, der Freund blieb uns erhalten! Alle seine Wünsche sind erfüllt. Den Lohnausfall für die drei Tage wird Valerius tragen, da er nach Meinem Willen morgen mit dir abrechnen wird. Danke Gott, dass Er dir drei Tage Zeit gab, deine Lieblosigkeit und Härte einzusehen, denn es könnte eine Zeit kommen, wo du es nicht mehr kannst`.

Josef aber schwieg, er fastete weiter. Richtig, am anderen Tage kommt Valerius. Da weigert sich Josef, den Lohn für die Arbeit zu nehmen. Da kommt Jesus und spricht: `Josef, warum forderst du Mich heraus? Du weißt doch, dass Ich von dem Gegebenen nicht ein Jota zurücknehme, du müsstest Mich doch kennen!` Da nahm Josef Vernunft an und alles wurde geregelt, wie es Jesus wollte. Die verloren gegangenen Tage aber wurden nicht heraus geholt, denn Jesus war schweigsam geworden. Er mied uns alle! Als wir wieder in Nazareth waren, hielt es Josef für seine Pflicht, sofort den Zehnten von dem Verdienst an die Synagoge abzuliefern, aber diesmal war ihm der Priester zuvor gekommen. In Josef stieg wohl Bitterkeit auf, darum sagte er zu dem Priester: `Bin ich jemals in Rückstand mit dem Tempelanteil geblieben? Eure Art ist beleidigend für mich, da ich stets den Pflichten voll und ganz nachkam. Darum werde ich auch mein Opfer bemessen, wie es Moses vorschreibt`. Der Priester war dieses Mal nicht einverstanden, es war ihm zu wenig. Josef beteuerte es, da drei Tage die Arbeit ruhte, darum der geringe Verdienst.

Der Priester wurde wütend. Jesus kommt dazu und spricht: `Vater Josef, seit wann ist es Sitte, dass man deinen Worten nicht glaubt? Mache doch Gebrauch von deinem römischen Bürgerrecht und weise ihn zurück in die Schranken der Anständigkeit oder gib Mir das Recht, für dich zu handeln`. Ganz erbost spricht der Priester: `Mit Dir habe ich nichts zu reden, Du Abtrünniger. Jehova und der Tempel sind Dir Dinge, die Du meidest. Gibt es aber Schweineställe zu bauen, kommt Dir keiner gleich und du, Josef, wirst hart büßen müssen`. Jesus: `Wieso Josef? - Ich baute den Stall ohne Genehmigung des Josef und du willst Josef, den alten ehrlichen und allzu reinen Menschen hart büßen lassen? Nimm dieses Wort zurück, sonst wird dir werden, was du Josef zugedacht hast!` Da ereiferte sich der Priester und sagte: `Josef, du hast die Drohung deines Sohnes gehört. Das Tempelgericht mag entscheiden, was mit dir und dem da geschehen soll`. Da stellte sich Jesus hin vor den Priester und spricht: `Nichts geschieht ohne Meine Zustimmung.

Damit dir aber die Lust vergeht, noch länger alte und ehrliche Menschen zu beleidigen und mit kaltem Herzen sie ins Unglück zu stürzen, soll dir die Stimme genommen sein und nur einem Schweinegrunzen Platz machen, bis du bittend und voll Reue den alten Vater um Verzeihung bittest. Denke aber nicht, dass du Mich täuschen kannst. Dein Herz ist voll Gift und Galle gegen Mich und seit Monaten überwachst du Mich. Dieses hat nun ein Ende`. Josef protestierte, aber Jesus sagte: `Kein Wort, Vater Josef, dieser ist an der Grenze des Schlechten angelangt, darum gehe auch Ich bis an die Grenze des Erlaubten`. So war es auch. Der Priester mied die Menschen. Nach Monaten aber bat er händeringend Josef um Verzeihung, die ihm auch gewährt wurde, aber Jesum mied er, so gut er konnte“. Achmet: „Jakobus, deine Vorstellung gefällt mir, ich könnte nicht sagen, dass Jesus über Gebühr hart gewesen sei. Freilich, für einen Juden ein starkes Stück, einen Schweinestall zu bauen. Wie verhielt sich denn Jesus dem Tempel und den Priestern gegenüber?“ Jakobus: „Ach, ihr Freunde, da blieb Jesus ganz auf Seinem Boden.

Er suchte ihre Bekanntschaften nicht, und war in keine Synagoge zu bringen. Den Sabbat verlebte Er nach Seiner Art in der Natur und blieb auch an diesen Tagen den Menschen fern, um mit dem ewigen Gottesgeist in Sich ganz in Verbindung zu bleiben, und davon konnte Ihn auch niemand abhalten, wer es auch war. Trotzdem Er keine Schule und keine Synagoge besuchte, war Er allen überlegen. Wie oft kamen Freunde des Josef, alte Weise und biedere Männer, die sich Rat von Jesus holten. Ich denke, dass ihr lieben Freunde und auch du, Sabine, euch nun ein rechtes Bild von Seinem Leben machen könnt. So gut und liebevoll Er alten und gebrechlichen Leuten gegenüber war, so hart war Er auch den Hochmütigen gegenüber.

Er ließ aber auch nicht handeln, so Vater oder Mutter oder wir von Ihm etwas abringen wollten, und begründete es: `Ich handle nicht aus Mir, sondern aus dem Geiste in Mir, der Mich erziehen will bis zum wahren Heile`.“ Achmet: „Jakobus, ich bin im Bilde, aber sage mir noch das Ende. Warum ließ Jesus den Thronerben von Edessa sterben, reichte Seine Heilkraft nicht bis dahin? Ich kenne Abgarus und dessen Glauben an den Heiland, kannst und vermagst du mir Antwort zu geben?“ Jakobus: „Ich könnte es, aber der Geist in mir legt mir Schweigen auf. Die Antwort wir Abgarus aus meinem Munde erfahren, begnüge dich mit dieser Antwort“: Achmet: „Es ist mir recht, ich danke dir, nun soll sich mein Herz freuen. Ich werde auch Jesum lieben und verstehen können“:

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32 Benediktus

Benediktus drängte sich heran und sagte: „Lieber Freund, deine Schilderungen und die Erzählung dieser holden Blume haben mich verlangend gemacht nach Erlösung von dem Druck, der mich fast zur Verzweiflung treibt. Jakobus: „Du tust recht, so du dich verlangend fühlst nach der rechten Erlösung. Diese aber kann nur Jesus, der Gekreuzigte und Auferstandene geben, von dem du ja nichts wissen willst. Siehe, lieber Freund, du richtest dich selbst. Gewiss war deine Handlungsweise eines weisen und guten Menschen unwürdig, aber schuldig warst du nicht. Hat dein Freund nicht auch einen freien Willen und einen rechten Verstand? Bei einer rechten Überlegung musste dein Freund sich sagen: Benediktus kann als Priester nicht anders handeln. Er aber konnte anders handeln, indem er sich zum rechten und wahren Lebenswillen aus sich heraus durchrang und dir, und allen Göttern zum Trotz, sein Mädchen ehelichen.

Als du von seinem Tod erfuhrst, war es zu spät für dich, ausgleichend zu wirken. Du beschuldigst deine Götter, die dich im Stich ließen, in Wirklichkeit aber warst du verlassen von der Kraft deines Glaubens und dem Weg zu dir selbst. Du suchtest Trost im Wein und wirst immer elender, und der letzte Trost, den du in deinem Tode, gleich deinem Freunde suchst, wird dir erst recht keine Erlösung bringen“. Benediktus: „Jakobus, du bist unheimlich, meine geheimsten Gedanken scheinst du zu kennen. Aber rate mir, was soll ich tun? Wie ich das bisschen Leben satt habe, ich kann schauen, wie ich will, überall das gleiche Aussichtslose, ich habe alles Vertrauen verloren“. Jakobus: „Benediktus, wenn du dieses glaubst, kann es auch nicht anders sein. Warum schaust du das Leben nicht einmal von der anderen Seite? Du hast von dem Wunderheiland gehört. Gegen Seine Taten hattest du nichts, aber Seine Liebelehre war dir Ausdruck von Schwäche. Darum konntest du dich nie zur rechten Liebe aufschwingen und alles Leben in dir war und blieb tot.

Aus Trotz und aus Angst vor dir selbst wurdest du Soldat und flohest vor dir selbst. Aber die erbarmende Jesusliebe gab dich noch nie auf und führte es so, dass du heute in das Haus des Petro kamst und Dinge erlebst, die dem Leben angehören. Du schaust Sabine in ihrer Frische und hörtest Worte aus dem Leben der Liebe aus ihrem Munde, der vor Stunden noch Seufzen nach Erlösung hatte. Was Jesus Sabine tat, kann Er auch dir tun, aber dazu gehört ein Sichfinden und ein Sichbekennen zu Ihm, da Er nur da wirken kann, wo Ihm lebendiger Glaube entgegen gebracht wird. Siehe, dein Freund war klüger, als du. Dort, in seinem Elendsjammer nahm er die Botschaft von der erlösenden Heilandsliebe an und änderte sich in seiner Gesinnung. Heute ist er ein Geretteter und seine Dankbarkeit kennt keine Grenzen.

Frage Sabine nach ihm, sie wird dir Auskunft geben“. Benediktus: „Wirklich, dann wäre ja auch der Tod keine Erlösung“. Da sagte Sabine: „O du armer Freund, wie freudlos war und ist dein Leben. Ich in meinen Schmerzen hatte Sehnsucht nach Erlösung, da ich körperlich litt. Meine Seele aber sehnte sich nach Ihm, den ich so oft schaute. Du aber lebtest in Nacht und Grauen und flohst vor dir selber. Glaubst du, der wahre Gott kann helfen, ohne dass du Ihn erkennen willst? Nun ist aber Gott, der Wahre und Lebendige, offenbar geworden. Warum glaubst du Seinem Boten nicht und forderst Beweise . Siehe, der, den du tot glaubst, ist lebendig, aber du bist tot. Immer denkst du an dich und deinen Herzensfrieden. Darum lässt dir dein Freund sagen: Weiche ab von der Straße, auf der du gehst, denn nie wirst du dein Ziel erreichen. Ein hundertfaches Wehe musst du durchleben, wenn du die Hilfe des Erlösers und ewigen Herrn nicht annimmst, die ich dir als Freund und Bruder anrate. Als  ich von deiner Lieblosigkeit und deinem harten Herzen bis zur äußersten Verzweiflung getrieben war, fluchte ich dir. Vera, die Gläubige, aber ging den Weg der Entsagung, da ein Leben, ohne den wahren Gott, doch kein rechtes Leben sei. Noch einmal versuchte ich, dass du mich überzeugen solltest von der Wahrhaftigkeit der Götter, aber du ließest mich in meiner Not.

Das Schlimmst aber war, dass du für Veras Hochherzigkeit harte und verdammende Worte hattest. Da wurde ich irre an dir, an den Göttern und an mir und ich forderte das Schicksal heraus. Das Andere weißt du. Was du aber nicht weißt, ist das harte, übergroße, übertraurige Leben nach dem Leibestode. Alle Reue, alle, alle Tränen, alles Fluchen und Toben ist umsonst. Nicht einmal ein Lichtstrahl erhellt dein Dasein in finsterer Nacht und macht die Minuten zu Ewigkeiten. Nach endlosen Qualen und unsagbaren Leiden wurde Hilfe durch den Gekreuzigten, der da mir und vielen, vielen Rettung brachte und nichts anderes verlangte, als Hingabe und Glauben. Da endlich, vor solch großer Liebe, die meine ganze große Schuld auf sich nahm, erkannte ich meinen großen Irrtum. Noch einmal erlebte ich die ganze große Schwere meines Vergehens gegen das Leben, bis endlich des Gekreuzigten Liebe wie Balsam auf mein ganzes Ich überströmte.

Da wurde ich klein und kleiner. Ihm zu Füssen liegend, vernahm ich Seine Worte: `Noch ist es nicht zu spät, was die Welt an dir sündigte, habe Ich gesühnt, du aber werde lebendig im Glauben an Meine Liebe und Mein Erbarmen. Von nun an höre die, die von Meinem Geist getragen werden`. Ich glaubte. Licht ist um mich und auch in mir! Wunder der großen Gotteslebensliebe machten mich wieder zu einem Wesen voller Hoffnung und Sehnsucht! Darum sei endlich klug und wirf alles Dunkle und Trübe in dir weit hinter dich. Lebe von nun an ein Leben der Gegenwart und Zukunft. Kurz ist das Leben welches wir gelebt haben, aber in der Ewigkeit scheint überhaupt keine Zeit zu vergehen`“. Benediktus: „Sabine, ist denn dieses wirklich Wahrheit, was du mir gesagt hast, warum sehe ich Kaminski nicht? Deine Worte klingen wie ein Strafgericht, und doch liegt ein Bitten um Verstehen darin. Kannst du mich aus dem Zweifel erlösen?“ Sabine: „Armer Freund, wie tot musst du sein, wenn das Werben der Liebe dich noch kalt lässt!

Würdest du deinen Freund Kaminski sehen, stände die Ewigkeit als unumstößlicher Beweis vor dir, dann gäbe es nur noch ein Entweder - Oder. So aber lässt dich der Herr in deiner Freiheit und überlässt dir selbst die Entscheidung“. Da wendet Armino ein: „Bruder Benediktus, was überlegst du dir noch, liegt nicht alles offen vor dir? Nicht das ist das Gewaltige, dass du nun im Bilde bist über Kaminski, sondern das Übergroße ist, dass du weißt, Kaminski trägt dir nichts nach. Im Gegenteil, er bittet dich, Freund zu bleiben und an deine Rettung zu denken. Ich danke dir mein Leben, dass du mich von meinen Gegnern befreitest, ich weiß deine Liebe und Mut zu schätzen. Warum willst du die Liebe und Freundschaft deines Bruders Kaminski verlieren? Dass dieser in der Ewigkeit ist, kann doch das Hindernde nicht sein, im Gegenteil, es wird dir nur förderlich, da dir die Liebe deines Bruders nie mehr verloren gehen kann“. Benediktus sieht alle mit flackernden Augen an, steht auf und stürmt hinaus. Da sagt Jakobus: „Lasst euch nicht stören, jetzt hat er den letzten Sturm in sich zu ertragen! Wollen wir ihm unsere Liebe nicht versagen, er wird ein herrlicher Bruder werden!“ - „Soll ich ihm nachgehen?“ fragt Sabine. Jakobus: „Nein, Sabine, der Herr Selbst geht ihm nach.

Vertrauen wir ganz der ewigen Liebe und Erbarmung, es wird alles gut werden“. Laurentius, der der ganzen Szene aufmerksam gefolgt war, sagte: „Du, Jakobus, und du, Sabine, ihr brachtet Dinge zum Vorschein, die beim richtigen Nachdenken Unfassbares offenbaren. Was diesen Kaminski betrifft, das ist erschütternd. Nach seinen Worten muss ich annehmen, er ging freiwillig in den Tod, er muss Entsetzliches ausgehalten haben. Der Erlöser kam auch zu den Unglücklichen! Jakobus, dieses kann ich noch nicht recht fassen. Kasimir, ein Betrüger, meine Mutter die Betrogene. Sag mir nur das Eine, warum verhindert der ewige Gott den Betrug nicht? Jetzt, nach vielen, vielen Jahren kommt die Wahrheit an den Tag. Für mich könnte es von Nutzen sein, aber wie steht es mit meiner Mutter?“ Sabine antwortet: „O, du treuer Freund, sorge dich um das nicht mehr! Lichtwesen, mit strahlenden Augen, betreuen sie.

Mir ist, als wenn der Herr das Maß Seiner Liebe voll ausschüttet über die Vielen. Sie alle haben die Botschaft von dem Heiland angenommen und schicken sich an, ihren traurigen Ort zu verlassen. O, du treuer, guter Heiland Du, endlich ist diese trübe Gegend verschwunden“. Laurentius: „Sabine, ich glaube dir und deinen Gesichten. Ich werde mich nie mehr hindernd zwischen Gott und den Menschen stellen! Habt alle herzlichen Dank. Du, Jakobus, sollst von mir aus Vollmachten erhalten, die dir dein Reisen erleichtern“. Jakobus: „Lieber Bruder, es bedarf alles dessen nicht. Der Herr ist mein Auftraggeber, in Seiner Mission reise ich von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt. Er, der mir in allem getreulich hilft, ist mein Schutz und Schirm, und all mein Tun und Schaffen erfolgt nur nach Seiner Anweisung. Es ist eben der Beweis, mit Gott, dem Ewigen und lebendigen, verbunden zu sein, da ich ja ohne Ihn nichts vermag. Siehe, wie gerne hätte ich noch mehr meine brüderliche Liebe dem Benediktus angedeihen lassen, aber der Herr will, dass er sich selber findet.

Ja, er findet sich und wird uns allen noch große Freude machen. Du wunderst dich, Laurentius, auch du musst ganz allein das Hemmende in dir beseitigen, dann erst entsteht in dir das wahre Gottesleben. Wo noch eine Nötigung erforderlich ist, hat der Feind noch großen Anteil, es gilt die Freiwerdung aller, auch die des Lebensfeindes“. Petro, der allen Reden und Gegenreden aufmerksam folgte, sagte: „Meine lieben, lieben Freunde, lasst doch einmal das viele Fragen und Reden. Sind es nicht schon Beweise genug? Wie muss der Herr, der das Maß Seiner Liebe so reichlich bemessen hat, traurig sein, wenn immer noch gefragt wird. Ist das auch Liebe? Ich muss gestehen, wir würden noch ein Vieles mehr erleben, wenn wir uns alle recht dankbar freuen würden, wenn aus uns die wahre dankbare Freude strahlen würde!

Könnte es dann geschehen, dass ein ringender Bruder das Alleinsein sucht? O nein, alle Herzen wären weit offen, wie das Herz des wahren Gottes und Heilandes offen ist! Nur Er allein hat uns frei und glücklich gemacht, bemühen wir uns, ebenso zu tun! Ich glaube, wir erreichen dadurch mehr, als durch stundenlanges Fragen und Forschen“. Ein bedrückendes Schweigen erfolgte, dann sagte Jakobus: „Petro, deine Worte kommen aus befreitem Herzen, das in sich Sehnsucht fühlt, alle frei zu sehen. Aber denke daran, dass auch du lange, lange dulden und leiden musstest, um die Liebe und Gnade des Herrn ganz zu erkennen. Zu allem aber gehört die rechte Reife! Schon des Herrn Wege waren unverständlich, so dass wir manchmal fragten, warum tut der Herr Dieses oder Jenes. War aber das Werk gelungen, dann kam die Erleuchtung, dass der Herr alles so wunderbar geführt hatte, nur müssen wir es von selbst erkennen.

Die Reife aber besteht ja darin, dass wir die übergroße Liebe und Gnade des Herrn nicht, wie erst gegeben, sondern wie längst da seiend von allein finden, und in diesem Finden verwachsen wir dann mit dem Gottesleben aus Seiner Liebe und Gnade. Nur eines ist beim Herrn maßgebend, wie ein Jeder den Herrn findet. Es ist allergrößte Freiheit, die einem jeden Menschen oder Geist zu Eigen gegeben ist. Finden wir den Herrn und Gott als Schöpfer oder als Richter, so wird alles in diesem Sinne von Ihm zeugen. Darum ist auch bei so vielen alles so begrenzt, während bei denen, die Ihn als den ewigen Vater mit Seiner unendlichen Liebe und Erbarmung finden, alles so frei und ungebunden ist und sie kennen nur den Wunsch, sich ganz der ewigen Vaterliebe würdig zu erzeigen. Dieses geschieht aber nur durch die Bruder- und Nächstenliebe“. Sabine, die jedes Wort von des Jüngers Mund wegnahm, ging unbemerkt hinaus.

Ihr Inneres drängte sie, Benediktus zu suchen und ihm zu helfen. Hell schien der Mond. Als sie nach dem Brunnen schaute, gewahrte sie, wie ein Mann auf und ab ging. Sie ging langsamen Schrittes hin, erkennt den Gesuchten und spricht: „Aber, lieber Freund, warum fliehst du uns, die wir alle so froh und glücklich sind? Schmerzt dich unsere Freude oder dein eigenes Leid?“ Benediktus: „Du bist es, Sabine? Warum du und nicht der Gottesbote? In meinem Zustand kann ich nicht zu euch kommen, in mir ist alles zerbrochen“. Sabine: „Aber Benediktus, will der Heiland nicht alle heilen, die zerbrochenen Herzens sind? Ist es denn gar so schwer, die helfende und erlösende Liebe des Heilandes und Gottes anzunehmen? Sieh mich an, heute Morgen ersehnte ich den Tod als Erlösung und in dieser Stunde ersehne ich, dass alle, alle das Leben ergreifen möchten, wie ich es ergriffen habe!“ „Sabine, du bist jung, vor dir liegt noch ein langes Leben, hinter dir wenig, was du zu bereuen hast. Ich bin ein verbrauchter Mensch mit einem verpfuschten Leben, wie kann ich das Verkehrte wieder gut machen?“ - „Gar nicht, lieber Freund, das wird schon der übergute Heiland Jesus tun, wenn Er dich annimmt.

Und dafür setze ich mein mir neu geschenktes Leben ein. Und Er nimmt dich, wie du bist, und macht dich brauchbar für Seine Dienste. Darum bitte ich dich, komme zu den anderen und öffne dein Herz für den Strom von Liebe, der ausgeht von Ihm, dem Heiligen und lebendigen Heiland“. Benediktus: „Mädchen, du meinst es gut. Ich will dir vertrauen, denn in dem alten Elend vermag ich nicht mehr länger zu leben“. - „Dann komme und vertraue! Ein neues Leben wird dich wieder zu einem frohen Menschen machen, wie auch ich ein neuer und froher Mensch durch Seine unsagbare Liebe wurde“. Alle erstaunten, als Sabine mit dem Benediktus in die große Stube trat. Da sagte Petro: „Sabine, du hast nach dem Zug der Liebe gehandelt, während wir nur von der Liebe sprachen. Aber nun Kinder, freuet euch, erfreuet euch, solange wir noch beisammen sind, damit sich auch der Herr erfreuen kann. Heute schlafen wir nicht. Jakobus, erzähle du noch etwas aus deinem Leben mit dem  Herrn“.

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33 Der Liebe Lohn

„Gern, liebe Freunde, doch zuvor lasst die Becher füllen, einen Wein wird uns der Herr schenken, den ihr alle noch nicht verkostet habt“. Rasch waren die Becher gefüllt, übervoll waren noch die Kannen, da sagte Jakobus: „Nun Freunde, trinken wir auf das Wohl aller Menschen, die eines guten Willens sind, damit ihre Herzen die Wahrheit aus Gott, unserem ewigen Heiland und Vater, ganz aufnehmen“. Da tranken alle, ihre Augen glänzten, denn solch guten Wein hatten sie alle noch nicht getrunken. Jakobus stand auf und sagte: „Liebe Freunde und nun auch Brüder, habe ich zuviel gesagt, dass der ewige Gott und Herr die ewige Liebe Selbst ist? Nun wir alle den guten Willen haben, Ihn als Den zu erkennen und zu lieben, der Er in Wirklichkeit ist, kann Er uns auch mit Seinem übervollen Herzen beglücken. Als der Herr uns allen durch den schrecklichen Kreuzestod genommen war, waren wir alle wie zerschlagen. Zweifel durchsetzte uns, alle Freude am Leben war uns genommen. In der größten Traurigkeit kommt uns die Kunde, der Herr ist auferstanden!

Zweifel und Freude rang in mir, ich musste allein sein, ich hätte vergehen mögen vor Schmerz. Da, liebe Freunde, erklangen Seine klaren Worte in mir: `Jakobus, Mein Bruder, warum verlierst du dich? Weißt du nicht, dass wir beide uns nie mehr trennen können? Ist es nicht genug, dass Ich unter größten Schmerzen ein Leben ausgebären konnte, was allen zum ewigen Heile dient? Darum schaue für Augenblicke, was jetzt in der geistigen Welt vorgeht. Sei nicht traurig, sondern stark in der Freude. Nicht Zweifel, sondern groß im Bewusstsein, dass Ich der Überwinder und Sieger bin und allen das ewige Leben geben kann!` Da wurde ich ganz ruhig, ich dachte, wo Sein Wort erklingt, ist Er nicht weit, ist Wirklichkeit. Und ich schaute riesige Geisterheere, die das große Wunder der Liebe als herrlichste Offenbarung annahmen.

Engel waren bereit, sie aus ihrem Elend heraus zu führen. Andere riefen: `Du Sohn Davids, erlöse uns von all dem Übel, wie Du andere erlöst hast`. Da zeigte Er ihnen die Wundmale an Seinen Händen und sagte: `Aus Meinen Händen floss das Blut, welches euch allen Erlösung bringt! Verlasset alles, was euch noch bindet, und gehet ein in eine Bindung mit Mir, denn Ich bin das Leben und alles Sein!` Keiner widersprach, sondern gläubig beugten sie ihre Häupter! Und eine Wolke von Licht und Helle kam über sie, dass sie Engel erschauen konnten, die sie nun aus ihrem Elend fortführten. Da, liebe Freunde, schämte ich mich vor mir selber. Ich richtete mich auf und sprach zu mir: `Nie soll der Herr mehr Grund haben, traurig zu sein über mich!` Da überkam mich eine Freude, in der alles Glück lag. Und sehet, liebe Freunde, auch wenn der Herr uns allen nicht persönlich erschienen wäre, ich wusste, der Herr lebt! Sein Sterben ist mein Gewinn.

Sein Tod die Stunde, wo die Ewigkeit alle ihre Pforten öffnete, allen zum Heile, allen zum Glück! Auch denen, die nicht im Verderben verbleiben wollen. In dieser Freude bin ich bis zu dieser Stunde! Als der Herr sichtbar in unsere Mitte trat, war ich nicht seliger denn jetzt, da ich die größte Seligkeit in mir trage, die ich nur steigern kann, wenn ich mit der Liebe des Herrn, wie z.B. euch, beglücke. Nun hätte ich euch nichts mehr zu sagen, alles andere liegt an euch. Was in mir liegt, das selbe werdet ihr auch in euch finden. Vielleicht noch herrlicher, denn es kommt ja nur darauf an, wie ihr das Leben in euch gestaltet. Du Sabine, bleibe in deiner kindlichen Liebe, dann wird Der, Der dir zum Heiland wurde, dir ganz Vater werden. - Du Petro, steigere deine Liebe ganz in Seinem Sinn, in Seinem Geiste, dann wird der Ewige und Herrliche dir zum Freund und Bruder. Seine ganze Liebe, Sein ganzes Herz ist Sein Vermächtnis, werdet ganz Sein Eigentum, dann gehört Er auch euch, und der Himmel wird allen offenbar. So nehmet nun hin Seinen Geist.

Ertraget euch in Seiner Liebe und Geduld, dann seid ihr entbunden von dem Geist, der euch hinderte, mit dem Höchsten zu verkehren. Er aber spricht in mir: `Öffnet eure Herzen für die Not der Armen, das ist der Weg zu Meinem Vaterherzen. Sollten aber Zweifel kommen, da schaut im Geiste Meine segnenden Hände, die euch jetzt allen sichtbar werden. Meine Liebe und Gnade bleibe bei euch immerdar, damit ihr zum Segen für die anderen werdet`“. Alle sahen die Hände, die sich ihnen zeigten. Da sagte Sabine: „O Du treuer Heiland, ich sehe auch Dich. Hilf mir, dass ich auch Dein Kind werde“. Die Erscheinung verging, sie genügte dem Benediktus. Er sagte mit tränenerstickter Stimme: „O ich Tor, der ich war, ein halbes Leben schleppte ich mich mit meiner Last herum, jetzt erst ist mir leicht. Deine Hände habe ich gesehen, o Herr, habe Dank für diese Offenbarung, denn wo Deine Hände sichtbar werden, ist auch Dein Herz nicht mehr weit. Und verwehre mir nicht, wenn ich von nun an an Deinem Herzen Trost suche“.

Laurentius spricht: „Meine Freunde, der heutige Abend ist der Abschied aus einer alten, und der Eingang in eine neue Welt. Nacht ist es in uns. Wie aber wir einem neuen Tag entgegen gehen, so ist es auch in unserem Glaubensleben. Da Größte, was ich heute erlebte, ist dieses, dass keinem von uns allen je ein Vorwurf wurde, sondern: `Nehmet die Verheißung Meiner Liebe und Gnade, die euch schon immer gehörte`. Wir Römer, die wir die Ehre als das Höchste ansehen, können die Fehler und Vergehen anderer nicht so leicht verzeihen, und betrachten dieselben als ehrlos. Dieser Jesus aber, in Seiner Liebe und mit Seinem großen Herzen, deckt alles und bittet: `Nehmet Mich als euren Herrn, als Gott und Vater, dann werdet ihr Mein Eigentum`. O meine Freunde, dieses ist viel, fast zu viel. Aber nun kein Wort, denn jedes Wort ist Verkleinerung Seiner Liebe“. Jakobus: „Endlich ist die Schranke gefallen und voller Freude ist das Herz des Vaters! Verkostet nochmals den Wein, den wir mit kindlichem Dank genießen wollen.

Du aber, Du herrlicher Vater und Jesus, erfülle unsere Bitte und bleibe auch sichtbar in unserer Mitte“. Da wurden nun allen die Augen aufgetan. Sie sahen den Herrn im schneeweißen Gewand, wie Er segnend die Hände ausbreitet und über alle hält. Und hörbar werden Seine Worte: „Bleibet in Meiner Liebe und gedenket derer, die noch in Not und Armut leben! Für das Werk Meiner Liebe gab Ich Meinen Kindern das Vorrecht. O nützet die Zeit und die Stunde! Denn zur Zeit der größten Zeiten wird eine Not und Armut werden, der ihr schon heute vorbeugen sollt. Ich habe eure Schuldgetilgt, und suche Kinder, die in Meinem Geiste ebenso handeln können. Dann wird der Himmel sich zur Erde senken und alles Weh und Leid tilgen. Nicht dieses wird zum Himmel, wenn Ich unter euch treten kann, sondern wenn ihr Mich verkörpert und durch euer Handeln und Tun beweist, dass Ich in euch bin Liebe und Leben, Geduld und Barmherzigkeit! So verbleibet in Meiner Liebe. Mein Segen und Meine Gnade sei euer Teil. Amen!“ Lange blieb der Herr sichtbar, den einen über den Kopf streichend, dem anderen die Hand drückend.

Die Herzen aber waren noch unfrei, bis auf Sabine. Sabine sagte: „O mein Heiland, mein Gott und Vater, nimm den letzten Rest von Furcht von den Brüdern, damit sie ganz Deine Liebe erfahren“. Da sagte der Herr: Sabine, Ich habe die Macht, Welten zu erschaffen und zu zerstören, aber vor einem unfreien Kinde bin Ich machtlos. Nur mit Liebe kann Ich es umwerben, damit es die ganze Süße Meiner Vaterliebe verkoste, aber weiter nichts, um nicht dem Gegner neue Waffen zu geben. Ich darf nur Mein nennen, was sich ganz frei zu Mir bekennt! Und wenn Ich verbluten müsste unter Weh, Ich darf die Grenzen der eingeräumten Freiheit nicht verletzen, da es die Erlösung aller und allem gilt. Meine Kraft aber fließt allen zu, und Meine Liebe ist ein Quell für alle. Sorget dafür, dass ihr ganz Meine Liebe zu der euren macht. Bedenket aber auch, wo Ich bin, ist auch Mein Gegner! Um eure Sehnsucht zu stillen, öffne ich eure Augen, eure Herzen aber müsst ihr selbst öffnen. Dies künde Ich euch als euer Vater, Gott und Erlöser. Amen“. Langsam verschwand das Gesicht, nur bei Sabine nicht.

Im Geiste reichte sie Ihm den Becher, da sagte Er zu ihr: „Sabine, so wie du Mich jetzt erfreust, so sollst du noch viele erfreuen. Die Heilkraft soll dir werden, aus deinen Händen soll die Kraft strömen, die Kranken Genesung bringt. Aus deinem Herzen aber sollen sich Ströme ergießen, die, so sie in Meiner Liebe geboren sind, sich überall als Meine Gnade und Mein Segen offenbaren“. Sabine trug diese Worte, diese Verheißung, still in sich. Jakobus sagte: „Sabine, glaube und handle nach Seinem Willen, dann wirst du die Herrlichkeit des Vaters erleben und andere durch dich. Bleibe aber in rechter Liebe und Demut, dann kann dir kein Lebensfeind die Gabe rauben“.

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34 Krischan, Mirga und Bonja

An Schlaf dachte niemand. Sabine richtete noch ein Mal für den anbrechenden Tag, denn es galt, voneinander zu scheiden. Nur Jakobus blieb auf inneres Geheiß noch einen Tag, die Freunde aber schieden, da die Pflicht es erforderte. Petro war erfreut, Jakobus noch einen Tag bei sich zu haben, aber Jakobus sagte: „Petro, der Herr will es. Großes wirst du noch heute erfahren, denn die Freunde werden nicht schweigen über das Wunder des Herrn, denn du wurdest von vielen bemitleidet um deines Weibes und Sabine willen. Viele werden dich besuchen und sich erkundigen, aber auch geheim, um Linderung ihres Leiden zu erfahren. Sei dir bewusst, dass ein jeder Gast, sei es ein Fremder oder nicht, ein Gott-Suchender und Ringender ist, dann wird dir der Herr die rechten Worte und Sabine die rechte Hilfe geben“.

Was Jakobus voraus sagte, traf ein. Schon am Nachmittag kamen die ersten Gäste, getrieben von Neugierde, wie auch von Sehnsucht nach Hilfe. Sabine war allen ein Wunder. Zu ihr hatte man Zutrauen, während man Jakobus mit einiger Scheu betrachtete. Sabine hatte alle Mühe, um alle Fragen zu beantworten. Petro aber war klüger, er ließ Brot und Wein auf den Tisch bringen. Ein Eselskarren kommt angefahren, begleitet von zwei Frauen, die recht zaghaft in das Gastzimmer eintreten. Petro, der diese bemerkte, geht hin, begrüßt dieselben auf das Freundlichste und fragt nach ihren Wünschen. Ob sie recht seien, ein Prophet sei hier und könne alle Kranken gesund machen. Petro: „Ihr seid schon am rechten Ort, aber ob der Prophet euch helfen kann, hängt von euch ab, denn dieser Prophet ist ein solcher Mensch wie wir, aber erfüllt von einem Glauben an einen lebendigen Gott. Bringt erst einmal eure Kranken herein und führt euer Tier in den Stall, denn es ist hungrig und durstig“.

Spricht die Eine: „Petro, du Lieber, das Tier können wir versorgen, aber meinen Mann muss ich auf dem Karren lassen, da er Schmerzen hat, die ihn ganz schwach machen. Vielleicht könnte doch der gute Mann an den Karren kommen“. Jakobus, welcher gerade auf dem Hof war, sieht das Eselsgespann, geht hin und betrachtet den darauf befindlichen Menschen, der auf Stroh gebettet war- Die Sonnenhitze, wie auch das Fahren auf den schlechten Wegen bewirkten, dass eine wohltuende Ohnmacht ihn befiel. Er streichelte das von Schmerzen verzerrte Gesicht und ließ durch seine Hände den Strom von Liebe auf ihn wirken. Da erwachte der Mann und spricht: „Welche Wohltat tatest du mir, ich habe doch gar keine Schmerzen mehr. Würdest du mir von dem Wagen helfen? Meine Frau und meine Schwestern müssten in das Haus gegangen sein, um sich nach dem Propheten umzusehen“. Jakobus: „Mann, wenn du an den lebendigen Gott glauben könntest, würdest du meine Hilfe nicht benötigen, da ja Er der eine und wahre Gott von Ewigkeit ist“.

Da fragt der Mann: „Darf ich denn noch wagen, die Götter zu verlassen, die mich so empfindlich straften?“ „Du bist im Irrtum“, erwiderte Jakobus, „Nicht die Götter straften dich, sondern dein eigener Ehrgeiz. Du wolltest deinen Nachbarn beweisen, dass du ohne ihre Hilfe und ohne die Götter dein Haus bauen konntest. Dabei fielest du vom Dache und hast das Rückgrat gebrochen. Du aber warst der Meinung, die Götter haben dich gestraft!“ Der Kranke: „Wie kannst du dieses alles wissen, bist du doch ein Fremdling. Haben die Frauen dir dieses gesagt?“ Jakobus: „Nein, aber der wahre Gott, dessen Diener ich bin. Darum habe du Vertrauen zu mir, auch ich möchte, dass du wieder froh und glücklich wirst“. Der Kranke: „Ich will vertrauen, guter Mann, ich muss dir ja glauben, wenn ich leben will, denn mit diesen Schmerzen ist ein Leben unmöglich“. Jakobus berührte ihn mit der Hand und sprach: „Stehe auf und steige vom Wagen im Namen des Herrn! Glaube fortan an den wahren, lebendigen Gott! Und betrachte von nun an alle Menschen als deine Brüder und Schwestern. Gott will, dass du gesund wirst!“

Der Kranke stand auf, stieg vom Wagen und sagte: „Verlange, was du willst, was in meiner Kraft und in meinem Willen liegt, werde ich tun, denn vor dieser Macht und Kraft muss alle menschliche Torheit weichen!“ Jakobus nimmt ihn an der Hand und spricht: „Komm ins Haus, die Frauen sind um dich in Sorge. Du hast an dir die Kraft Gottes erlebt, nun sollst du auch um deiner Brüder willen Seine Liebe erleben!“ Da kommen auch schon die Frauen. Eine stürzt hin und schreit: „Krischan, Krischan, was ist mit dir geschehen?“ - „Nichts, Omelie, der ewige Gott gab mir die Gesundheit zurück, die ich mir verscherzte“. Die andere Schwester wusste nicht, wie ihr geschah, ganz still ging ein Leuchten aus ihren Augen. Sie ging zu dem Esel, spannte ab und sagte: „Was sind wir für Esel gewesen, hielten die Kunde von dem Heiland für ein Märchen und hängten uns an tote Götzen!“ Immer mehr Menschen kamen.

Die, welche den Krischan kannten, entsetzten sich über diese Heilung, aber Omelie mit ihrer sanften Art, beruhigte die Neugierigen. In der großen Gaststube war ein Durcheinander. Jakobus konnte zu keiner segensreichen Wirkung kommen, die Wucht dieser Heilungen waren Sensation. Da kommt noch ein Besucher. Die Leute waren ganz still geworden bei seinem Eintritt, denn er war ein fanatischer Heidenpriester. Ohne zu grüßen, geht er auf Krischan zu und spricht: „Krischan, musste das sein, dass du diesen Juden zur Hilfeleistung aufsuchst? Warum fandest du den Weg nicht zu mir? Was dieser launische Judengott vermag, ist jedem unserer Götter Leichtigkeit“. Sabine, die jedes Wort hörte, war entsetzt über diese Anmaßung. Sie kannte diesen Priester zur Genüge. Ihr ganzes Innere drängte, aber die ewige Liebe mahnte zur Ruhe! Krischan sagte: „Bonja, du kommst mit deinen Vorwürfen zu spät. Seit Tagen weißt du um mein Unglück, es wäre deine Pflicht gewesen, zu mir zu kommen. Wenn es etwas zu holen gibt, bist du ja auch gekommen.

Dass ich den Göttern nicht mehr meine ganze Aufmerksamkeit zuwandte ist nicht meine, sondern deine Schuld. Wundert es dich, wenn wir die Kunde von der Heilung der Sabine erhielten, dass wir unter den größten Anstrengungen hierher eilten? Es war nicht vergebens, denn nicht ich bettelte um Heilung, sondern der von dir verachtete Judengott bot mir Seine Hilfe an, wenn ich an Ihn glauben könnte. Ich tat es, und im nu war ich geheilt!“ Petro trat hin zu dem Priester und sagte: „Bonja, du bist in einem freien Hause und nicht in deinem Heim! Deine Art, über meine Gäste zu herrschen, ist eine Beleidigung des lebendigen Gottes, der gerade mir Seine größte Liebe und Gnade schenkte. Für Sabines Leiden hattest du ein Achselzucken! Beim Tode meines Weibes war in dir kein fühlendes Herz. Kalt waren deine Worte, aber noch kälter war dein Wesen! Da, schau dir Sabine recht an. Warum versagten die Götter – und du als ihr Priester? Zu jedem Opfer war ich bereit. Alles hätte ich dahingegeben, um Sabine und um meines Weibes willen“. Da spricht Bonja: „Petro, ich habe dir kein Recht gegeben, über meine Wesensart zu kritisieren. Was ich bin, bin ich durch die Götter, deren Priester ich bin und bleiben werde“.

Petro legte seinen Arm auf Bonja`s Schulter und sagte: „Bonja, dann müssen wir uns trennen. Mit dir länger zu verkehren hieße ja, den lebendigen Gott schlagen. Oder meinst du, deine toten Götter könnten Ähnliches oder Größeres vollbringen? Jedenfalls ist eine Gemeinschaft mit dir, solange du in deinem Irrtum verbleibst, nicht mehr denkbar“. Bonja erwiderte: „Petro, ich verstehe dich nicht, mir die Gefolgschaft aufzusagen! Was ich tat, geschah es nicht zum Nutzen der Götter?“ Petro: „Zu deinem Nutzen, wolltest du sagen, denn man kann für niemand was tun, der nicht da ist“. Bonja, höhnisch lächelnd: „Ach, sieh einer an, auf einmal sind unsere Götter ein Nichts, ein Niemand - und nur darum, weil ein zweifelhafter Jude es verstand, mit seinen Künsten einige Heilungen zu vollbringen. König Abgarus hätte ein noch viel größeres Opfer dem Judengotte gebracht, wenn sein Sohn gesund geworden wäre. Trunken seid ihr alle, darum ist es meine Pflicht, euch wieder nüchtern zu machen“. Jakobus, der zu allem schwieg, trat hin zu Bonja und sagte: „Ich bin der zweifelhafte Jude, was gedenkst du mit mir zu tun?“ Bonja: „Was habe ich mit dir zu schaffen? Mit Juden verkehre ich nicht. Das Wohl meiner Gemeinde liegt mir am Herzen“.

Jakobus: „Eben, weil das Wohl aller mein Lebenszweck ist, musst du dir gefallen lassen, dass ich mich mit dir beschäftige. Auch dein ewiges Wohl liegt mir am Herzen, denn es geht nicht an, dass ich, als Diener des lebendigen Gottes, einen oder den anderen ausschließen würde. Deine herabwürdigende Art tut mir nicht weh. In einer halben Stunde kannst du ja die Kraft deiner Götter beweisen! Die alte Mirja mit ihrem Enkelkind kommt, um Heilung zu erbitten“. Entsetzt schauen die meisten der Anwesenden auf Jakobus. Da spricht Bonja: „Was weißt du von Mirja und ihrem Enkelkinde, die draußen im Kalten hausen?“ Jakobus, dem Priester fest in die Augen sehend, spricht: „Mirja ist mit ihrem Enkelkind auf dem Wege nach hier. Gute, hilfsbereite Menschen brachten ihr die Kunde meines Hierseins und die Heilung von Sabine. Warum entsetzt du dich darüber? Freuen müsstest du dich darüber, denn nun hast du Gelegenheit, mit deinen Göttern ihre lebendige Kraft zu beweisen. Mein ewiger Gott lässt dir das Vorrecht!

Wird es dir durch die Kraft deiner Götter möglich sein, ihren Aussatz zu heilen, dann will ich lebenslang ein Aussätziger bleiben. Vermagst du aber mit deinen Göttern nichts, sollst du so lange aussätzig bleiben, bis du dich vor dem lebendigen Gott gedemütigt, und dein herrisches Wesen abgelegt hast! Denke ja nicht, dass du dem lebendigen Gott entfliehen kannst. Seine Macht und Kraft kennst du!“ Bonja ist entsetzt. „Teufel, du“, schreit er laut auf, „was habe ich mit dir zu schaffen?“ Da spricht Petro: „Bonja, ich bin der Vorsteher dieser Gemeinde und ein römischer Untertan. Den Vorschlag des Jakobus finde ich sehr gut, denn sollte es dir gelingen, wird Jakobus lebenslang ein Aussätziger sein, während du nur so lange, bis du dich zu dem wahren Gott bekennst. Ich wüsste nicht, wie du dich darüber entsetzen könntest“.

Sich zu den anderen wendend, spricht er weiter: „Freunde, habet keine Angst, euch wird nichts geschehen. Wer von euch schwach ist, mag sich ruhig entfernen, ehe Mirja kommt. Ich kann euch aber versichern: Keinem wird ein Leid geschehen, wer gläubig den wahren Gott annimmt!“ Sabine: „Auch ich schließe mich meinem Vater an, ja ich will die beiden umarmen und ihnen eine Bleibe in unserem Hause anbieten“. Jakobus: „Bonja, ich will dir weiter entgegen kommen, im Sinne des lebendigen Gottes. Sabine soll die beiden Unglücklichen im Namen des Herrn heilen, damit auch nicht der geringste Zweifel von geheimnisvollen Kräften aufkommen kann. Sabine, bist du bereit, diese Liebe den Heiden zu schenken? Lasse nicht den Gedanken aufkommen, dass es nicht gelingen könnte, sondern glaube, dann wirst du allen ihre Sehnsucht stillen!“ Bonja gebärdete sich wie ein Wilder. Er möchte fliehen, kann aber nicht, er möchte brüllen, muss aber stumm sein.

Sabine sieht diesen Kampf, geht zu ihm und spricht: „Bonja, warum willst du die Liebe des wahren Gottes nicht sehen? Dir wird ja nichts genommen, sondern gegeben! Wie viele in deiner Gemeinde fürchten sich vor dir, da deine unbarmherzige Härte ihnen unverständlich ist. Wenn nun der wahre und barmherzige Gott sich über uns erbarmt und durch Seinen Boten uns allen Seine heilige Liebe offenbart, uns allen Seine helfende Hand anbietet, kann doch nur Grund zum Freuen und Danken sein, und nicht Hass, wie er sich durch dich offenbart! Wir möchten dich doch nicht verlieren, sondern du sollst weiter unser Priester sein, aber im Geiste der erlösenden Liebe Jesus, des lebendigen Gottes, der uns im Jakobus Seine Liebe, Sein Leben, Seine Macht und Seine Herrlichkeit anbietet!“ Mirja mit ihrem Enkelkind war angekommen. Weit vom Hause standen sie, da sie sich nicht näher getrauten. In  noch größerer Entfernung standen noch etliche, die sich Mirjas wegen nicht heranwagten. Jakobus: „Bonja, sie sind gekommen. In ihren Herzen ist Hoffnung und Zweifel.

Bist du bereit, sie hereinzuholen oder bestimme du, wer zu den beiden gehen soll. Noch liegt die Entscheidung bei dir. Einen größeren Beweis von der Liebe Gottes wirst du nicht verlangen können!“ Bonja schwieg. Sabine aber eilte hinaus zu den Wartenden, nahm ihre Hände und sagte: „Mutter Mirja, komme schnell mit Katinka ins Haus. Nun sollst du erlöst sein von allem Übel, uns allen ist Großes widerfahren“. - „Darf ich noch hoffen, du gutes Kind? Dort sind vorn noch welche, die sich vor mir fürchten“. - „Das hat nun keine Not mehr, Mutter Mirja. Kommt mit mir herein, ihr werdet erwartet, denn der wahre, ewige Gott ließ uns wissen, dass du auf dem Wege - mit Katinka - zu uns bist.“ Vor der Türe zögerten die Mutter Mirja mit Enkelkind. Sabine sagte, allen hörbar: „Tretet ein als Gereinigte in unser Haus nach dem Willen des Herrn! Sein Name sei hochgelobt und gepriesen!

Seine Macht und Seine Liebe aber soll unsere Liebe werden! - Gehet hin zu Bonja, dem Priester, damit ihr euch wieder frei bewegen könnt.“ Die beiden Kranken sahen sich an, ihr Aussatz war verschwunden. Mirja wollte vorwärts gehen, da wurde sie ohnmächtig und fiel vor Sabine, die sie nicht aufhalten konnte, auf den Boden. Da drängten sich die anderen heran, doch Jakobus sagte: „Sabine, lege deine Hände auf den Kopf, die Freude war zu groß über die Wohltat, dann wird sie wieder zu sich kommen“. Sabine tat, wie Jakobus ihr geraten hatte. Da erwachte die alte Mirja, kniete, lange um sich sehend, und sagte: „O welch eine Freude, welche Großtat der Liebe dürfen wir erleben, wir sind rein! Komm, Katinka, auf den Knien wollen wir danken dem Gott, den wir nicht kannten, der aber Leben sein muss, weil wir ein neues Leben leben dürfen! O Du lebend Wesen Du, lasse uns durch Deinen Priester erfahren, wie wir Dich gebührend loben und preisen können!

Dein Wille sei unser Gesetz für immer!“ Sie stand auf, ging, Katinka bei der Hand nehmend, zu Bonja und fragte, ob sie noch immer unrein sein sollen. Bonja besah die beiden, sein Auge konnte nicht das Geringste erblicken. Da sagte er: „Ihr seid rein, eure Schritte sind frei, aber ich werde dafür büßen müssen. An meinen Händen fühle ich schon das fressende Übel“. Jakobus sprach: „Nur so lange, bis du den wahren Gott findest, denn auch du sollst leben! Denke an die Liebe, die dir Sabine anbot. Da du dich aber noch nicht entschließen kannst, dich zu demütigen, zwingt dich dein eigenes Gesetz, uns zu verlassen. Im kalten Winkel kannst du Gericht mit dir halten. Eine Gnade schenkt dir der rechte Gott! Um deinen Lebensunterhalt sollst du nicht betteln, wie Mirja und Katinka, sondern Mirja wird dir jeden Tag bringen, was du benötigst. Es liegt an dir, deine Leidenszeit abzukürzen! Durch Sabine kann dir dann Gottes Hilfe werden.

Mit deinen Göttern konntest du deine Mitmenschen beherrschen, mit dem wahren Gott aber sollst du dienen! Deine Götter ließen sich betrügen, da sie nicht sind. Der ewige Gott sieht aber einem jeden ins Herz und weiß um alle Gedanken. Darum entferne aus dir, was sich noch entfremdend zwischen dich und Gott stellt, und du wirst angenommen werden. Aber nun gehe, damit dir nicht noch Ärgeres widerfahre“. Bonja ging, ohne sich umzusehen, aus dem Hause. Er war unfähig, auch nur ein Wort zu sagen. Jakobus sagte: „Nicht traurig sein, bald werdet ihr rechte Freude erleben. Für ihn gibt es keinen anderen Weg! Er muss das Leid am eigenen Leibe kennen lernen, um für das Leid anderer Verständnis aufzubringen, denn eines Menschen innerer Wert wird offenbar, wie er sich zum Leid anderer stellt“. Da sagte Mirja: „Jeden Tag werde ich bei ihm sein. Ich werde nicht aufhören ihn zu bitten, dass er auch den Weg nach hier zurückfindet“.

Petro: „Kinder, nun schließet euch aber zusammen in der Liebe, die uns geoffenbart wurde. Sabine wird ein Mahl richten, ihr alle seid für heute meine Gäste“. Es dauerte eine ganze Weile, ehe sich die Gemüter beruhigten und zur rechten Freude aufschwangen. Krischan und Mirja wurden nicht müde, immer Neues von dem guten Heiland zu hören. Es kommt eine Störung. Ein Trupp Römer hält vor der Herberge. Ihr Führer lässt absitzen und betritt die große Gaststube. Petro eilt hin und ruft: „Claudius, du kommst zur guten Stunde. Heute musst du mit deinen Leuten hier bleiben, wir sind alle zusammen deines Glaubens geworden!“ Claudius: „Ich hörte große Dinge von euch, und um die rechte Überzeugung zu haben, machte ich einen Umweg nach hier. Endlich, Bruder Jakobus, sehe ich dich wieder. Deine treuen Augen sind noch dieselben! Die Mühe lohnte sich, da muss ich schon bis morgen hier bleiben“.

Als er Sabine sah, sagte er: „Hast du noch Sehnsucht, deiner Mutter ins Grab zu folgen?“ Sabine: „O Herr, du warst es, der mich auf Jesus, den guten Heiland, aufmerksam machte. Du warst es, der die Sehnsucht in mir weckte, zu Dem, der heute mein Gott und Vater ist. O, habe auch du den Anteil an Freude, wie wir uns so unendlich freuen. Da schau Krischan, heute morgen noch ein Mann mit gebrochenem Rückrat. Und die Mutter Mirja mit ihrer Katinka, war noch vor einer Stunde unrein! Soll da unser Herz nicht jubeln?“ Claudius gab seinen letzten Befehl, die Pferde zu versorgen, denn wir bleiben bis morgen früh. Seine Leute, die schon halb überzeugt waren von der Lehre des Herrn, staunten nicht wenig über die Heilungen. Aber noch mehr erstaunten sie, als sie erfuhren, dass Bonja, der Priester der heidnischen Gemeinde, plötzlich vom Aussatz befallen wurde. Claudius sagte: „Es wundert mich, dieses zu hören.

Es ist der erste Fall, wo Gott strafend wirkt. Bis heute erlebte ich nur Beweise der  allergrößten Liebe!“ Jakobus: „Aber Claudius, Bonja erlebt heute die größte Liebe, denn nur dadurch entgeht dieser Bruder seinem Untergang und wird, was ich glaube, noch eine rechte Säule! Sabine als Vertreterin der Liebe, und Bonja als Vertreter de