Emanuel Swedenborg im Jenseits

Empfangen durch Franz Schumi  - 1901, 18.- 28. Juli, Graz. 
 
 Geschichte Emanuel Swedenborgs, welche Vater Jesus durch Franz Schumi gab, und worin die geistige Führung dieses für die echte Lehre Christi hochverdienten Mannes im Geisterreich bis zu seiner Vollendung als Großer und Fürst unter den Großen und Fürsten des Neuen Jerusalems beschrieben ist.

 
INHALT

Swedenborgs geistige Vorgeschrittenheit 2

Die Merkmale des inneren Wortes. 3

Swedenborg aus dem oberen Paradiese in die zweite Hölle versetzt 4

Versündigung gegen das Gebot der Nächstenliebe. 6

Der Arme und Unvermögende wirkt Barmherzigkeit durch seinen guten Willen.. 8

Rohe Lieblosigkeit mit der tiefsten Hölle bestraft 11

Gute Erfahrung in wahren Tugenden der Nächstenliebe. 13

Der rätselhafte neue Bruder namens "Liebe". 15

Wie der himmlische Vater liebreich für seine Kinder sorgt!. 17

Mohammed trat im Jahre 1653 zum Christentum über. 20

Wiederholtes Wunder durch Vermehrung der Speisen und Getränke. 25

Swedenborg erkennt in Bruder Liebe den Vater Jesus. 27

Überfall von bösen Geistern.. 29

Die antichristliche Order von Rom... 30

Bericht über abscheuliche Fragen im Beichtstuhle. 31

Guttun, ohne Vorwürfe für getanes Unrecht zu machen.. 34

Römisch- katholisch heißt soviel als antichristlich.. 36

Ursprung der römischen Christengemeinde. 38

Römisch- katholische Priester werden von ihrer Gemeinde ‘Satansdiener’ genannt 40

Du sollst nicht töten. Ungewitter sind Geisterkriege. 42

Das Mittel zur Eintracht ist die Nächstenliebe. 47

Das wunderschöne Urweib Satana. 50

Das Mein und Dein unter himmlischen Vaterskindern

Maria als Zeugin erfüllter Weissagungen über den Messias

Das Lied von der Ewigen Liebe. 58

Wunder des göttlichen Segens

Die göttliche Verklärung Jesu

Martin Luther, komm herauf!

Das große Lied von Jesus Jehova. 64

Orientalische Demutsbezeugung dem Vater Jesus. 67

Emanuel Swedenborg als Großer und Fürst im Neuen Jerusalem... 68

Swedenborgs geistige Vorgeschrittenheit

 
 
(Swedenborg ein Liebling Gottes. Seine Worte sind durch Liebesgeister diktiert worden. Er kam nach dem Tode ins Mittelparadies unter seine Bekannten und Freunde. Unterschied zwischen Swedenborg und den Vatermedien, sein inneres Wort eine Ausnahme der Gnade für seine Liebe zur göttlichen Wahrheit.)


Es ist die größte Aufgabe eines echten Christen, zu erkennen, was Wahrheit und was Lüge ist. Also haben wir einen Mann vor uns, der Mein Liebling war und lange nach dem Lichte der Wahrheit strebte, bis es ihm gelang, tatsächlich dieses Licht zu erschauen. Emanuel Swedenborg war eine fromme Seele und als solche war er stets eifrig im Gebet zu Mir, dem Vater Jesus: Ich möge ihm doch ein reines Licht in die Widersprüche der Bibel und ihre Ausdeutungen geben.

 

Da niemand bei Mir abgewiesen wird, der redlichen Herzens die Wahrheit sucht, also ist auch er nicht abgewiesen worden, sondern Ich Selbst ließ Mich herbei und erschien ihm eines Abends in Meiner Heilandsgestalt, damit er Mich gleich erkannt hatte. Darauf hin ließ Ich ihm durch hohe Geister aus Meinem Liebeshimmel mehrere Werke diktieren, die euch bekannt sind. Daher will Ich Mich nicht mit irdischen Verhältnissen und Tatsachen seiner Zeit aufhalten, sondern bloß das geistige Leben beschreiben, daß er durchwandert hat seit seinem Eintritt in das Geisterreich bis zu seiner Vollendung. Und zwar deshalb, weil niemand sogleich in den Himmel kommt, wenn er das Zeitliche verläßt, sondern alle Stufen des geistigen Lebens durchwandern muß, die er hier auf Erden noch nicht durchgewandert ist. 
 
Emanuel Swedenborg starb eines ruhigen Todes, wie sein Leben ein Mir ergebenes und ruhiges war. Im Geisterreich angekommen, empfing ihn eine große Schar guter Geister, die schon lange auf ihn sehnsuchtsvoll wartete. Und daher war sein Eintritt ein freudevoller, da er mehrere Bekannte antraf, die vor ihm dahin gekommen waren, sowie viele, die sich diesem Ereignisse gerne beigesellt hatten, um über die verschiedenen Verhältnisse auf der Welt sich besprechen zu können. Also war der Empfang ein liebe und freudevoller und währte längere Zeit, da man sich ja gar so vieles von da und dort zu erzählen wußte und wollte, so daß sie ganz in den Lauf der: Ereignisse der geistigen Sklaverei auf der Welt geraten waren. Endlich ermahnten sich die Geister, daß es nicht gut sei, so viel über weltliche Zustände zu plaudern, da die Aufgabe eines Geistes von der des Menschen auf Erden eine verschiedene, ja streng geschiedene ist, welche Ernst und Arbeit verlangt, um geistig vorwärts zu schreiten.

 
Da ermahnte sich auch der Swedenborg und fing an nachzudenken über seine neue Umgebung und seine eigenen Seelenzustände. Sein Eintritt geschah in das Mittelparadies, denn bis da war seine Seele schon reif, aber es hing noch immer manch Menschliches an ihm, was er hier abzulegen hatte, um in das oberste Paradies zu kommen. Daher fing er an auszufragen, ob man noch nicht im Himmel sei und Mich sehen könne. Darauf erwiderten ihm die Geister, daß dies noch kein Himmel sei, sondern Paradies oder Sommerland seliger Geister, die aber noch nie den Vater Jesus gesehen hatten, obwohl ihnen manche hohe Geister viel davon erzählt hätten. Man wird sich wundern, daß Ich dem Swedenborg nicht erschien, als er ins Geisterreich trat, da er doch viel für Mich schrieb und erduldete. Auch wird manches der jetzigen Medien sich darüber befragen, warum Ich nicht Selber mit dem Swedenborg verkehrte und ihm Selber diktierte, wie Ich es heutzutage mit Medien zu tun pflege.

 

Swedenborg war zwar ein hoher Geist, aber trotzdem nicht so hoch wie die heutigen Medien es sind; außerdem hatte er seine Schwächen, die er nicht mit Ernst bekämpfte, und so konnte Ich nicht mit ihm direkt verkehren, sondern überließ diese Arbeit Meinen Engeln. Was die innere Erleuchtung bei Swedenborg betrifft, so war es eine Ausnahme der Gnade, weil das eigentliche innere Wort erst im oberen Paradiese oder im unteren oder ersten Himmel gegeben wird, damit nicht niedere Geister sich eines solchen Mediums bedienen und falsche Lehren hierdurch der Welt kundgeben, weil das Mittelparadies noch kein absolut reines Licht in göttlichen Wahrheiten hat. Daher waren dem Swedenborg zugleich hohe Geister zum Schutz und als Sprecher und einer darunter als suggestiver Redner zu der Seele des Swedenborgs, durch welches die innere Erleuchtung erfolgte, wo der Swedenborg spricht.

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Die Merkmale des inneren Wortes

 
(Merkmale zwischen den Diktaten Swedenborgs und denen der Vatermedien. Klarheit und Verständlichkeit der Diktate als Beweis der inneren Beschaffenheit des Mediums. Das innere Wort wird durch Verstand und Vernunft beeinflußt. Swedenborgs Wunsch, zum Vater Jesus zu kommen und sein diesbezügliches Gebet.)

 
Geisterdiktate zeigen die Merkmale, daß sie nicht so klar und kurz ausgedrückt sind wie die Meiner Medien. Auch Meine Medien unterscheiden sich stark: Je höher das Medium steht, desto reiner und entscheidender ausgedrückt sind die Diktate, weil Ich immer so die Worte geben kann, wie das Medium geistig entwickelt und vorgeschritten ist. Je ruhiger und entwickelter das Medium, desto leichter und verständlicher sind die Diktate seiner Medialität, weil es höher in Erkenntnis der göttlichen Wahrheit steht und weniger persönliche Mitarbeit an Ansichten leistet, daher das Diktat auch reiner und fehlerfreier an sich ist. Wo Widersprüche oft vorkommen, da ist das Medium noch nicht geistig rein und genügend vorgeschrittene aber Ich werde zur rechten Zeit alles Unrichtige entfernen und dadurch es rein herstellen, daß ihr euch nicht daran stoßen werdet.

 

Freilich ist auch die Schulbildung für die Satzstellung bei manchem daran schuld, weil das innere Wort mit der Vernunft und dem Verstand früher in Berührung kommt, bevor es im Munde sprechend erscheint, also leicht und oft an Reinheit und Richtigkeit des Ausdruckes leidet. Dieses fand Ich zeitgemäß euch aufzuklären, damit ihr die Werke des Swedenborg und den Unterschied in der Aufklärung zwischen Swedenborg und Lorber, Mayerhofer und anderer erkennet. Nun kehren wir zum Swedenborg zurück.  Seine geistigen Freunde erzählten ihm wohl die Ordnung, wie sie im Mittelparadiese besteht, aber diese paßte ihm nicht. Er wollte Mich sehen, für den er sich ja viele Jahre geplagt hatte und manche Unannehmlichkeit von Seiten seiner Zeitgenossen hinnehmen mußte. Daher war er traurig, daß er Mich nicht sehen konnte. Eine Zeitlang beobachtete er das Leben und Treiben des Mittelparadieses, wo noch so mancher Irrtum in Begriffen und Handlungen, mit unterläuft. Daher ersah er, daß da nicht alles paßte mit den Lehren, die er geschrieben hatte, und daß sie höhere und geistigere Zustände erheischten.

 

Darum wandte er sich bittend an Mich und bat Mich recht inbrünstig: »O mein liebevollster Vater Jesus, ich bitte Dich recht demütig, lasse mir ein Licht aus Deiner himmlischen Gnadensphäre werden, damit ich weiß, was ich tun soll, um zu Dir, Meiner einzigen Liebe zu kommen! Denn siehe, lieber Vater, mir ist langweilig ohne Dich, an den Mein ganzes Denken und Sinnen hängt. Daher, o mein vielgeliebter Vater Jesus, lasse Dich doch herbei und komme zu mir und kläre mich auf, was ich doch tun soll, um ehestens zu Dir zu gelangen! Meine Seele trauert nach Dir und will zu Dir und kann nicht, weil sie die Wege nicht kennt, welche dahin führen.

 

Es muß sicher etwas Besonderes in mir stecken, daß ich nicht das rechte Licht habe, da ich doch selber soviel Lichtvolles für die Bekehrung der Welt schrieb. Komm, komm, lieber Vater und lasse mich nicht in meiner traurigen Lage schmachten, sondern hilf mir das Licht und den Weg der Wahrheit finden, denn ich will alles tun, was Du mir auftragen wirst zu tun, um nur zu Dir zu kommen. Ich weiß um meine Schwächen und Fehler, daher weiß ich auch, daß in mir die Kraft ist, durch die Liebe, die ich zu Dir habe, dieselben auszumerzen und ganz nach Deinen Lehren zu leben. Daher rufe ich Dir, Du ewige Liebe und Erbarmung, zu, lasse Dich herbei und nimm mich auf in Deine Liebe und Gnade. Amen.«

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Swedenborg aus dem oberen Paradiese in die zweite Hölle versetzt

 
 
(Swedenborg in das obere Paradies versetzt. Angenehme und unangenehme Erfahrungen. Die Zumutung, einen schweren Baumstamm tragen zu helfen und wegen Zögerns in die zweite Hölle versetzt.)

 
Als er dieses inbrünstige Gebet beendet hatte, befand er sich plötzlich in einer anderen herrlichen Gegend, wo alles viel edler und hochgeistiger war und freundliche Geister lustwandelnd ihn herzlich willkommen begrüßten. Erstaunt blickte er herum, daß seine frühere Gegend sich so plötzlich verändert hatte und seine früheren Freunde und Bekannten verschwunden waren. 

 

Doch war ihm das ein gutes Zeichen, daß sein Gebet doch in einer Weise erhört wurde, welches das Beste zu erhoffen versprach, und er dachte, es wird wohl noch der liebe Heiland kommen und meinen Sehnsuchtswunsch erfüllen. So stand er eine Weile und schaute nach allen Seiten, ob er Mich nicht irgendwo erblicken könne, doch nichts zeigte sich, was seinen Wunsch in Erfüllung zu bringen versprach. Nach langem Warten wandte er sich an eine Gruppe fröhlich dahin wandelnder Menschen und fragte sie, wo er sich denn eigentlich befinde, da er niemand kenne. Er erzählte ihnen, wer er im Leben war, was er schrieb und wie er ins Geisterreich kam und unter seine Freunde und Bekannten von gleicher Gesinnung ins Mittelparadies gelangte, dort aber nicht seine innere Befriedigung finden konnte und daher zum Gebet seine Zuflucht nahm und nach der Beendigung des Gebetes in diese herrliche Gegend versetzt wurde.

 

Die seligen Geister freuten sich über seine Berichte und sagten: »Hier ist das obere Paradies, der Vorort des Himmels, und es wird sich schon finden, daß auch dir der liebe Heiland Jesus erscheinen wird, wenn du so großes Verlangen nach Ihm hast. Denn im oberen Paradiese kommt dies hin und wieder vor, daß der liebe Heiland persönlich unter diejenigen kommt, die eine große Sehnsucht nach Ihm haben.« Darauf entfernten sie sich und der Swedenborg befand sich wieder allein in der herrlichen Gegend, die er bewundernd mit seinen Augen musterte. Doch nicht lange konnte er ruhig bleiben, sondern die Liebe zu Mir trieb ihn entlang eines silberklaren Baches, der voll Edelfische war, zu wandeln und die schönen Gewächse, Blumen und Früchte, die an Bäumen und Gesträuchen in großer Fülle zu sehen waren, zu beschauen und sich des Wohlgeruches, der zu ihm drang, zu erfreuen. Endlich kam er zu einer Bachkrümmung, die wie in ein anderes Land zu führen schien.

 

Neugierig gemacht, was das für ein Land sein möchte, ging er hinein in die veränderte Landschaft, die aber nicht so schön war, wie die frühere, weil seine Liebe zu Mir zu stark zur Bewunderung der Natur sich hinneigte und dadurch die Lieblichkeit des geistigen Seins sich in ihm verminderte. Dies war eine unangenehme Überraschung für ihn und er wollte daher umkehren. Aber o wehe! die schönen Gegenden, die er im Rücken zu haben glaubte, waren weg und verschwunden und der Weg zurück nicht besser wie nach vorwärts.

 
Das machte ihn stutzen, woher und warum diese plötzliche Veränderung. Da stand er wieder traurig und wußte nicht, was er machen sollte, da die Landschaft viel unansehnlicher war, als im Mittelparadiese und er sich allein und verlassen sah. Nun stieg ihm der Gedanke auf: Du hast ja den lieben Vater Jesus ganz vergessen vor lauter Beschauung und Bewunderung der herrlichen Gegenden und hast Ihm nicht einmal einen Dank und Lob dafür gesagt, daß Er dich so herrlich in die obere Sphäre des Paradieses versetzt hatte. Ein Seufzer der Wehmut überkam ihn und Tränen der Reue wegen seines Undankes und seiner Vergessenheit traten in seine Augen und tiefbewegt fiel er auf seine Knie und bat um Vergebung der Sünde, die er eben begangen hatte.

 

Plötzlich sah er einen Menschen den Bach aufwärts gegen ihn zugehen, der einen schweren Baumstamm auf seiner Schulter trug. Als der fremde Mensch näher kam, sah Swedenborg, daß er ganz in Schweiß gebadet war wegen der Schwere des Baumstammes, den er trug. Als dieser ganz in seine Nähe kam, bat er ihn, ob er ihm nicht helfen möchte den schweren Baumstamm zu tragen, da er ihn schon lange und von weit her trug. Swedenborg schaute den Träger, den Baumstamm und seine eigenen, feinen schwarzen Kleider an und wußte nicht, was er ihm antworten solle, da er sich die Kleider zu beschmutzen und zu zerreißen fürchtete. Da schaute ihn der Träger traurig an und sagte: »Lieber Bruder, hast du mehr Liebe zu deinem Salonanzug als zu mir, der ich müde und nahe ermattet bin und doch fort muß, wohin mir beschieden ist, den schweren Baumstamm zu tragen?« Da erbarmte sich Swedenborg und sagte: »Weißt du was, ich will dir helfen, aber lasse mich meinen schwarzen Salonrock ausziehen, damit er nicht beschmutzt oder zerrissen, wird.«

 

Da erwiderte ihm der Träger: »Was nützt dir da dein Salonrock in dieser Wüste ohne Leben und Freude? Mag der Rock zerrissen oder ganz sein, wer schaut dich an, wo wir zwei allein in dieser traurigen Landschaft sind? Überlege nicht viel, sondern nimm die Hälfte der Last auf deine Schulter, indem du mir hilfst sie dort hinaufzutragen, um einen Steg über den tiefen Bach zu machen, damit wir hinüber kommen und uns dort auf der anderen Seite umschauen, ob da nicht eine schönere Gegend sich vorfindet, wo wir zufriedener mit unserem Los werden.« Auf diese Zurede wollte Swedenborg zugreifen und den schweren Baumstamm tragen helfen, aber sein Salonanzug stand ihm im Wege und er zauderte, den schmutzigen und knorrigen Baumstamm auf seine Schultern zu nehmen.

 
Plötzlich wurde es finster um ihn herum und eine unheimliche Gesellschaft umgab ihn, während der Träger und der Baumstamm verschwunden waren. Wohl trug er hoch den schwarzen Salonanzug, aber was bedeutete dieser in dieser gemeinen und garstigen Gesellschaft, die sich recht gemein betrug und unschöne Reden unter sich führte wie in einer gemeinen Schnapsbude. Wie vom Blitzstrahl getroffen stand Swedenborg da und konnte sich die seltsame Veränderung der schönen in immer traurigere Gegenden nicht enträtseln. Besonders ekelhaft kam ihm das Reden seiner neuen Gesellschaft vor, welche ihm recht höllisch erschien. Hier stand er traurig und beschaute beim Abenddämmerungslichte seine Umgebung, die kahl, unfruchtbar, garstig, ja unheimlich, wie ihre Bewohner war.

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Versündigung gegen das Gebot der Nächstenliebe

 
(Höhnische Aufklärung der Höllengeister über die Versündigung wegen Lieblosigkeit. Swedenborg erkennt seine Sünde. Der Höllenteufel mit himmlischen Salonanzug. Höllische Unterhaltung. Versetzung auf einen Wüstenweg. Begegnung mit einem zerlumpten Menschen.)

 
Einige der neuen Gäste traten zu ihm und musterten ihn von oben nach unten und fragten ihn: »Wer bist du denn und woher kommst du, daß du dich zu uns in die Hölle unter die Teufel verirrt hast? Denn du scheinst ein besserer Mensch gewesen zu sein, das besagt uns dein schöner Anzug unzweideutig. Was hast du denn angestellt, daß dich das böse Schicksal in die Hölle verstoßen hat? Wahrscheinlich warst du lieblos wie wir und daher traf dich dasselbe Los wie uns. die wir schon auf Erden Teufel unter Menschen waren und kamen daher gleich nach dem Tode mit unseren schmutzigen und zerrissenen Kleidern hierher.

 
Du aber scheinst dich erst hier versündigt zu haben, weil dein Anzug einen besseren Menschen zeigt als wir es sind. Sage uns, was hast du angestellt, daß du mit einem himmlischen Anzug in die Hölle kamst?!« Wie ein Donnerstrahl durchdrang dieses Gerede seiner neuen Umgebung sein trauriges Herz und er dachte bei sich selbst: Also diese erkennen an meinem Anzug, daß ich mich hier durch Lieblosigkeit versündigt habe und daher in die Hölle kam. Und ich, ein Werkzeug des Herrn, der soviel Schönes schrieb, wußte das nicht, was Höllengeister sogleich an mir erkannten! O wehe mir, jetzt weiß ich, wie und warum ich mich versündigt habe.

 
Die Liebhaberei mit den Naturschönheiten und die Lieblosigkeit gegen den armen Mann, der so schwer seine Baumlast trug, ist die Schuld meines traurigen Zustandes in dieser unheimlichen höllischen Gegend und Gesellschaft. Swedenborg schaute nach seinen unheimlichen Gästen, soviel er beim Dämmerlichte an ihnen sehen konnte und war sichtlich aufgeregt, plötzlich ein Höllengeist geworden zu sein. Besonders mißfiel ihm die heimliche Schadenfreude seiner neuen Gäste, die höhnisch lachten und witzige Geringschätzungen über den Höllenteufel mit himmlischem Salonanzug hervorbrachten.

 

Tiefgebeugt und in Trauer versunken stand er da und schwieg auf alles, was er hörte, denn er fühlte, daß dieser Zustand seiner begangenen Lieblosigkeit entsprach und daher auch die Verhöhnung und Geringschätzung eine verdiente war. Ohne etwas zu erwidern, wandte er sich ab von der Gesellschaft und ging weg von ihr an einen einsamen Ort, wo er allein sein konnte. Hier setzte er sich nieder und dachte über die Ereignisse nach, die er bisher im Geisterreich erlebt hatte, und dachte darüber nach, wie er wieder aus der Hölle, in die er zufolge seiner Lieblosigkeit geriet, kommen könnte.

 
Jetzt hätte er wohl mögen den schweren Baumstamm tragen, aber wo ist diese Gegend, wo der Träger hin verschwunden, damit er ihm helfen könnte? Diese Gedanken durchschwirrten sein Inneres, aber er sah keine Auskunft auf seine Fragen, er sah keine Möglichkeit, die begangene Lieblosigkeit gutzumachen in seinem Höllenzustande und daher war er sehr niedergeschlagen über das traurige Los, das ihn infolge seines Mangels an Bruderliebe traf. So saß er versunken in träumenden Tiefen seiner Gedanken, die ihm kein Aus und kein Ein zu raten wußten. Plötzlich kam ihm ein lichter Gedanke, der ihn aus seiner Gedankenvertiefung herausriß.

 

Wie wäre es, wenn ich wieder einen Fußfall der Reue und Bitte um Vergebung meiner Sünde des Mangels an brüderlicher Nächstenliebe machen möchte!? Diesen Gedanken hielt er nun fest und dachte nach, wie er es nun recht anstellen könnte, um zum Ziele seines Wunsches zu gelangen. Aber je mehr er darüber nachdachte, desto schwieriger erschien ihm die Demütigung, der er sich unterziehen wollte, um wieder in Gnade bei seinem lieben Heiland Jesus zu kommen. Denn er wußte nun, daß die Proben, die von jetzt ab an ihn herantreten würden, größer und schwieriger sich gestalten dürften und das verlangte Überlegung und Prüfung der Geisteskraft, die dazu nötig wird, um jede unangenehme Zumutung mit Ruhe und Liebe entgegenzunehmen.

 
Plötzlich hörte er einen großen Lärm und Laute, welche riefen: »Wo ist der neue Gast, den müssen wir in unsere Gesellschaft einführen und einweihen in unser Leben, damit ihm nicht langweilig unter uns wird.« Dunkle Gestalten näherten sich ihm und sprachen: »Hier muß er irgendwo sein, denn dahin zog er sich zurück.« Kaum war dies ausgesprochen, so standen sie schon vor ihm und fragten ihn, warum er so einsam und traurig da sitze. Ohne etwas darauf zu antworten, stand er auf und wollte sich von ihnen entfernen. Allein die wilden Gesellen folgten ihm und wollten sich nicht abweisen lassen, sondern drangen in ihn, er solle mit ihnen gehen und sich mit ihnen unterhalten.

 

Sie wollten Karten spielen, damit ihnen die Zeit nicht langweilig werde. Ganz in Angst geraten vor den zudringlichen Gesellen schrie er förmlich auf im Herzen nach Mir, Ich solle ihn erretten aus dieser Höllengesellschaft, die ihn verfolgte. Plötzlich stand er allein an einem einsamen Wege ohne Menschen, noch Bäume, noch sonst etwas zu sehen. Es war ein förmlicher Wüstenweg. Hier nahm er sich zusammen und machte ein Gelübde, er wolle alles tun, was Ich nur wolle, nur solle Ich ihn wieder in Gnade aufnehmen und ihm Meinen Wunsch auftragen, den er nach Möglichkeit erfüllen würde, und bat zerknirschten Herzens, aber bloß um die Vergebung seiner Sünde der Lieblosigkeit.

 
Ich ließ ihn da eine längere Zeit allein stehen und sich beraten, wohin er denn seine Schritte lenken soll, um aus dieser Wüste zu gelangen. Aber es ließ sich nichts erraten. Er sah wenig, weil er noch immer in der Höllenfinsternis zweiten Grades war und nirgends ein Leben bemerkte. Als er schon ziemlich lange da hin und her sann, was er tun oder anfangen solle, sah er in der Entfernung etwas Dunkles sich bewegen, welches sich bald als eine menschliche Gestalt erwies, aber welche!? Ein ganz zerlumpter Mensch, der die Blößen seines Leibes nicht bedecken konnte, so daß er wie ein Wilder, mehr nackt als angezogen vor dem Swedenborg stand. Entsetzt wich Swedenborg einige Schritte vor ihm zurück und wollte ihm ausweichen. Allein der Halbnackte ging ihm nach und bat ihn um Nahrung, und da er so schön angezogen sei, möchte er ihm doch soviel von seinem Anzug geben, damit er die Blöße seines Unterleibes bedecken könnte.

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Der Arme und Unvermögende wirkt Barmherzigkeit durch seinen guten Willen 

 

(Swedenborg gibt dem Armen den Salonanzug und bettelt für beide in der Hölle. Die dargereichten Höllenalmosen. Gespräch zwischen Swedenborg und dem Armen und der Wert des demütigen Gebetes vor Gott. Erhörtes Gebet. Swedenborg wieder im Mittelparadiese unter seinen Bekannten und Freunden.) 


Hier wird Swedenborg inne, daß er einen Bedürftigen vor sich hat, den er nicht so lieblos wie den ersten behandeln darf, daher blieb er stehen und sagte: »Lieber Bruder, zu essen kann ich dir nichts geben, denn ich bin schon selber hungrig und habe nichts in den Mund zu nehmen, aber deine Blöße könnte ich doch bedecken. Nimm da meinen langen Rock, zieh ihn an und gehe mit mir! Vielleicht finden wir irgendwo etwas zu essen und Menschen.«

 

Der Arme ließ sich das nicht zweimal sagen, nahm den dargebotenen Rock und zog ihn an, dem Geber herzlich dankend für diese unerwartete Wohltat. Und Swedenborg war herzlich froh, des Rockes los zu sein, der ihn in die Hölle brachte. Nun machten sich beide auf gut Glück auf und schritten auf dem holperigen Wüstenwege dahin, nach Menschen und Nahrung suchend. Nach langem Hin- und Herirren, weil der Weg sich später ganz verlor, erblickten sie kleine Häuser auf einer Anhöhe, die sich in dieser Wüste befand. 


Nun sagte Swedenborg: »Bruder, wir beide sind müde und hungrig, daher lasse mich nachschauen gehen, was für Menschen da wohnen und ob nicht etwas Nahrung aufzutreiben ist, die uns den schon sehr empfindlichen Hunger stillen möchte. Du bleibst draußen, ich aber gehe hinein und werde sehen, was sich für uns zwei machen läßt.« Also ging Swedenborg in das erste Häuschen, während sein Begleiter draußen sich niedersetzte und den Erfolg erwartete. Als Swedenborg in das Haus trat, fand er zwei Menschen, Mann und Weib, welche kaum etwas besser daran waren, wie sein Begleiter, doch verlor er nicht den Mut und fragte sie, ob sie ihm und seinem Begleiter nicht mit etwas Nahrung dienen könnten, da beide sehr müde und hungrig seien. 


Da antwortete der Mann: »Lieber Freund, wenn du und dein Begleiter gute Menschen wären, so wäret ihr nicht in die Hölle gekommen, so wie ich und meine Frau, die wir auf der Welt in Saus und Braus gelebt, uns nichts versagt, aber die Armen und Hungernden wie Vieh und Kanaille betrachtet haben, die krepieren sollen, wenn sie nichts zu leben haben, und damit hört der Hunger und das Elend auf. So, siehst du, haben wir gelebt, gedacht und gehandelt, und das ist die ganz gerechte Belohnung für unsere Lieblosigkeit. Wir haben selber nichts zu essen und so können wir auch dir und deinem Begleiter nichts geben. Gehe weiter deine Wege, hier ist nichts, denn wir haben selber nichts.« Wie ein Messer durchdrang den Swedenborg diese kurze und barsche Abweisung.

 
Er ging aus dem Häuschen und ein tiefer Seufzer entstieg seinem Inneren ob dieser, wie er dachte, doch etwas zu ungerechten Abweisung. Er wollte in die anderen Häuschen treten, aber der Anblick von außen versprach ihm dasselbe Elend und dieselben höllischen Zustände. Nun ging er zurück zu seinem Begleiter und erzählte ihm das Resultat seiner Bemühung. Dieser aber sagte: »Freund, hier in der Hölle bemühst du dich umsonst nach Mildtätigkeit und Brot zu suchen; denn hier hausen Teufel und nicht Menschen, und diese kennen keine Liebe und Barmherzigkeit.

 

Sage du mir doch, wie kamst du zu einem so feinen Anzug? Dieser zeigt, daß du kein Höllenbewohner bist, sondern es scheint, daß du bloß zufällig in sie geraten bist. Hast du dich verirrt oder suchst du andere Ziele hier unter den Teufeln?« Bei diesen Worten erwachte Swedenborg in seinem Inneren und sagte: »Ja, Freund, ich habe mich verirrt durch eine Lieblosigkeit, die ich begangen habe, als es mir gut ging im Paradiese. Diese ist schuld, daß ich im Salonanzuge in der Hölle bin, deshalb gab ich dir gerne den Rock, denn dieser ist daran schuld, daß ich hier bin, weil ich aus Furcht, den Rock zu beschmutzen oder zu zerreißen, einem Armen nicht helfen wollte einen schweren Baumstamm zu tragen.«

 
Ah so, lieber Freund, mit der Lieblosigkeit hast du dich in die Hölle hineingearbeitet, nun hast du aber schon wieder eine Wohltat an mir gewirkt, und so dürfte deine Schuld doch einigermaßen ausgeglichen sein, denn du batest ja auch um Nahrung für mich, und das ist wieder Mitleid: Gut tun zu wollen, aber nicht zu können. Weißt du nicht, daß bei Gott ein guter Wille, den man aus Liebe zum Nächsten in Bewegung setzt, soviel gilt, wie eine vollbrachte Tat, wenn man sie aus eigenem Unvermögen nicht ins Werk setzen kann!?« »Ja, das weiß ich, Bruder, aber was nützt mir das hier in der Hölle? Ich kann mir doch nicht helfen, denn ich bin zu tief gefallen und weiß nicht, wie ich es anstellen soll, um das verschuldete Unrecht zu tilgen und in bessere Zustände zu kommen, um dann an mir weiter arbeiten zu können.«

 
Da erhob sich sein Begleiter und sagt: »Freund, weißt du nicht, daß das Gebet eines Gerechten viel vermag!? Hast du etwa vergessen zu beten und dich zu demütigen vor deinem Gott und Vater?« Beschämt stand Swedenborg vor seinem Begleiter, der ihm die Wahrheit so derb ins Gesicht sagte, daß er sich eines zweiten Vergehens schuldig fühlte, nicht demütig um Verzeihung gebeten zu haben und dadurch um Wiederaufnahme zum Vater Jesus gekommen zu sein. Daher erwiderte er dem Freund der Wahrheit: »Bruder, du hast recht, ich vergaß die Hauptsache, mich zu demütigen und um Vergebung meiner Sünden zu bitten. Nun will ich das unverzüglich tun, daher lasse mich nun sammeln, daß ich es recht gut tun werde.« »Gut, gut, lieber Freund, tue, was du für gut findest, ich werde derweil ein wenig mich entfernen, um dich nicht zu stören.

 
Also tue deine Schuldigkeit und es wird sich zeigen, ob mein Rat gut war.« Darauf entfernte sich der Freund und Swedenborg stand wieder allein da, in Gedanken vertieft, wie er es am besten anstellen solle. Nun warf er sich auf die Erde (wie einst Elias, als er um den Regen nach der drei und einhalbjährigen Dürre bat) und flehte so inbrünstig, daß er das härteste Herz erweichen müßte, um Verzeihung und Wiederaufnahme in Meine Gnade. Als er das lange Gebet beendet hatte, stand wieder sein Begleiter vor ihm und sagte: »Lieber Freund, komme mit, denn es scheint, dein Gebet wurde erhört, denn derweil habe ich eine schöne Landschaft und recht gute Leute gefunden, welche mich liebreich aufnahmen und als ich ihnen mein und dein Schicksal erzählte und daß du recht schön betest und Gott um Verzeihung deiner Sünden bittest, trugen sie mir auf, zu dir zu gehen und dich mitzubringen.

 
Also bin ich hier und so komme nun mit mir zu den guten Leuten.« Hocherfreut über diese Nachricht stand er auf und ging mit seinem Begleiter in die besagte schöne Gegend. Da angekommen, schaute er begierig nach allen Seiten, denn die Gegend schien ihm bekannt, als hätte er sie schon einmal gesehen. Als er noch neugierig herumschaute, ruft eine bekannte Stimme: »Bruder Swedenborg, bist du wieder da! Wo warst du die ganze Zeit, wir dachten, du bist auf Erkundung unserer Landschaft ausgegangen, da du plötzlich von uns verschwunden bist. Nun bist du wieder bei uns, und das freut mich, ich will dich gleich anmelden, daß du zurück gekommen bist und einen Freund mitgebrachte hast.« 

 

Darauf entfernte sich der Freund und Swedenborg erkannte, daß er wieder bei seinen Freunden im Mittelparadiese war. Nach einigen Minuten strömten seine Freunde und Brüder aus allen Häusern und bewillkommneten ihn auf das Herzlichste und freuten sich, daß er wieder zu ihnen gekommen war. Sie bemerkten aber auch, daß er ohne seinen Rock war und diesen sein Begleiter anhatte. Gleich fingen sie an auszufragen, wo er war und was ihm alles begegnet sei, und wo er seinen neuen Freund, dem er seinen Rock abgetreten, gefunden hätte.

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Rohe Lieblosigkeit mit der tiefsten Hölle bestraft 

 

(Swedenborg erzählte ihnen seine Erlebnisse und von dem neuen Bruder. Die Freunde zogen ihn neu an und bewirteten beide. Der Arme riet ihnen, Werke der Nächstenliebe zu üben. Sie gingen, bedürftige Brüder suchen und gerieten unter lieblose Räuber, die sie ausrauben und ausziehen wollten, darauf spaltete sich die Erde und verschlang die Räuber.)

 
Treuherzig beichtete er nun seine Begebenheiten, wie es ihm ergangen bis zu der Zeit, wo ihm sein neuer Begleiter und Bruder aus der Hölle geholfen hatte, indem er ihm den rechten Weg der Demütigung zeigte, wodurch er aus der Hölle wieder in das Mittelparadies zurückkam. Voller Neugierde hörten die Freunde ihn an und betrachteten den guten Freund, der ihn aus einer so traurigen und mißlichen Lage der zweiten Hölle, die höchst erbärmlich und lieblos aussieht, gerettet und zurück zu ihnen brachte.

 
Als sie hörten, daß der neue gute Freund nur durch den langen Rock Swedenborgs seine Blöße bedecke, erboten sie sich, ihn sogleich neu anzuziehen und dem Swedenborg seinen Rock zurückzugeben. »Gut,« sagte der neue Bruder, »tuet das, ich werde euch dankbar sein und vielleicht finde ich auch für euch noch etwas Schöneres als es hier ist, denn ich wandere immer herum und suche böse und gute Leute auf und belehre sie, wenn sie sich gar nicht auskennen, was sie zu tun haben.« Sogleich brachten die Brüder einen neuen Anzug und zu essen und zu trinken für beide und freuten sich sehr, daß sie etwas tun konnten für die Hilfebedürftigen.

 
Also labten sich Swedenborg und sein Begleiter nach Herzenslust an der guten Nahrung, die sie von ihren Mitbrüdern erhielten und dankten Gott und den Gebern dafür. Darauf sagte der neue Bruder: »Liebe Brüder und Freunde, ich kenne viele schöne und schlechte Gegenden in eurem Umkreise, und es wäre angezeigt, den armen Bewohnern mancher Gegend beizuspringen und sie zu bewirten und ihnen Gutes zu tun von eurem Überfluß. Denn nur durch die Werke der Nächstenliebe könnet ihr höher im Geistigen steigen. Wenn ihr dies schnell zu erreichen wünschet, so bin ich gern bereit, euch in solche Gegenden zu führen, wo arme Menschen wohnen, die sehr hilfebedürftig sind.

 
Aber erwartet nicht Dankbarkeit von ihnen, wenn sie das Gute nicht anerkennen, sondern wirket Gutes um des Guten willen, aus Liebe zu Gott, eurem Vater in Jesus. Es ist euer Vorteil, wenn ihr mir folget, denn ich weiß recht gut, daß Gott Wohltaten immer gut belohnt, also hat es ja der liebe Bruder Swedenborg lebendig an sich erfahren, wie man durch Werke der Nächstenliebe und Demut aus der Hölle in das Paradies kommt, und so könnet auch ihr euer Glück probieren. Schaden kann es euch nie, sondern nur nützen, wenn ihr aus Liebe zu Gott Werke der Nächstenliebe ausüben wollet.«

 
Mit diesem Antrage waren alle zufrieden und rüsteten sich zur Reise in die Gegenden, wohin sie der neue Bruder zu führen gedachte. Sie nahmen viel Lebensmittel mit, um Gutes zu tun, und also erhoben sie sich und gingen mit, ohne zu fragen wohin, sondern nur auf gute Hoffnung, solche Brüder anzutreffen, die bedürftig sind, und daher dankbar das Dargebotene annehmen werden. So machte sich die Gesellschaft mit Swedenborg, dem auch Lebensmittel mitzutragen gegeben wurden, auf die Reise auf gutes Glück.

 
Es dauerte nicht lange und die Landschaft, die sie passierten, fing an sehr düster zu werden, daher dachten sie, da müssen wohl sehr arme Menschen wohnen und so wird unsere Suche, um Wohltaten zu erweisen leicht erfüllt werden. Der Weg aber wurde immer schlechter, die Landschaft kahler und finsterer und noch immer sah man keinen Menschen. Plötzlich tauchten etliche hagere, garstige Gestalten auf und schrien die swedenborgsche Gesellschaft an, was sie da suche und wohin sie gehe. Diese antworteten offenherzig, weswegen sie eigentlich da seien und fragten sie, ob sie auch Unterstützung bedürften.

 
»O ja!« sprachen die Männer und lachten höhnisch dazu und sagten: »Wir sind viele da, die hungrig sind, kommet nur mit und wir wollen euch den Weg zu unserem Ort zeigen.« Nichts Arges denkend, ging die Gesellschaft den besagten Männern nach, bis sie in einen unansehnlichen und schmutzigen Ort ankam.

 
Hier angekommen, klatschten die Männer in die Hände, und aus allen Häusern traten garstige, schmutzige und in Fetzen gehüllte Gestalten heraus und fragten: »Wo habt ihr denn diese schöne Gesellschaft erwischt!? Da wird sich wohl eine Visitation ihrer Reisegepäcke bezahlt machen. Nur her damit, was habt ihr in euren Säcken, wohin traget ihr es denn?« Die Gesellschaft antwortete ihnen: »Zu armen und bedürftigen Menschen.« »Gut, das sind wir, und so gebet es nur her im Guten, sonst nehmen wir es euch mit Gewalt.« »Ja, warum denn mit Gewalt, wenn wir euch aus Liebe und Barmherzigkeit geben wollen?« »Ist schon gut, wir kennen keine Liebe und Barmherzigkeit, wir sind Räuber und als solche sind wir nicht gewohnt von Almosen, sondern von dem Überfluß anderer Menschen zu leben.«

 
Auf diese Erwiderung hin war die Gesellschaft erschrocken und sagte: »Nun sind wir in eine schöne Landschaft gekommen, wo man das Dargebotene nicht nehmen, sondern rauben will. Was machen wir jetzt, was sagst du, der du uns in dieses Räubernest geführt hast?« Dieser aber war still und sagte nichts, sondern entledigte sich seines Sackes und gab es hin: »Da habet ihr meinen Sack, nehmet ihn und verzehret den Inhalt im Namen unseres guten Gottvaters Jesus, der euch dies zukommen läßt, damit ihr ein wenig euren Hunger stillet.«

 
Ein lautes Gelächter folgte diesen Worten und einer unter ihnen sprach: »Das muß schier ein guter Kirchenlapp sein, der so balsamisch sein Hab und Gut hergibt. Ihr anderen aber schauet nicht so staunend drein, sondern gebet her, was ihr uns hergebracht habet, aber auch eure schönen Anzüge gebet uns, denn wir sind ja weniger bedeckt, als es anständig für eine so noble Gesellschaft ist, wie ihr seid.«

 
Hier machte die Gesellschaft große prüfende Augen auf die Räuber und sagte: »Aber liebe Freunde, ist es nicht genug, daß wir euch zu essen und zu trinken geben? Warum wollet ihr uns noch unsere Kleider vom Leibe rauben? Wir sind ja nicht eure Gefangenen, sondern freiwillige Wohltäter.« »Schau, schau, wie klug ihr seid mit eurer Wohltätigkeit, wir sind ja keine armen Bettler, sondern Räuber, die nicht betteln, noch Almosen nehmen, sondern rauben, wo man uns nicht gutwillig gibt, was wir verlangen.« Darauf trat der neue Bruder, der die Gesellschaft zu den Räubern führte vor und fragte sie, ob sie wirklich so unbarmherzig mit ihren Wohltätern verfahren und sie ihrer Kleider berauben wollten.

 
Diese Frage war den Räubern zuviel und nun verlangten sie barsch: »Ausziehen eure Kleider und hergeben, damit auch wir einmal unsere Blößen bedecken!« Als dies die Gesellschaft hörte, war sie ganz verzweifelt und bat die Räuber um Erbarmen und daß sie sollen sie wieder heimziehen lassen, sie wollen ihnen dafür dankbar sein und noch mehr Nahrungsmittel bringen, nur der Kleider sollen sie sie nicht berauben. Aber die Räuber lachten sie aus und machten Miene, sie mit Gewalt auszuziehen. Da trat der neue Bruder vor und sagte: »Freunde, tut das nicht, was ihr nicht wollet, das wir euch tun!«

 
Ein Hohngelächter folgte diesen Worten, und die Räuber machten sich daran, mit Gewalt und Grobheit die Gesellschaft auszuziehen. In diesem Moment spaltete sich die Erde und die ganze Räuberbande kugelte in die finstere Tiefe, welche sich wieder über ihren Häuptern schloß. Mit Entsetzen starrte die Gesellschaft auf dieses Ereignis, das sich so schnell vor ihren Augen abspielte und die ganze Räuberbande verschlang. Der neue Bruder aber sagte: »Sehet, liebe Brüder, so straft Gott die Undankbarkeit und Lieblosigkeit mit Roheit gepaart. Diese verdienten die unterste oder dritte Hölle, wo es überschrecklich zugeht.« 

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Gute Erfahrung in wahren Tugenden der Nächstenliebe

 
 
(Gute Erfahrung, nach gutem Willen Barmherzigkeit zu üben. Swedenborg belehrt die Freunde in wahren Tugenden der Nächstenliebe. Neue Suche unter Führung Swedenborgs um Armen zu helfen. Ankunft in einem abgeschlossenen Bergkessel, worin Swedenborg eine Predigt über die Liebe und ihre Pflichten hielt.)

 
»Wir aber haben unsere Pflicht getan gegen die Nächsten, und so wollen wir wieder zurückgehen, von wo wir hergekommen sind.« Und so machte sich sogleich die ganze Gesellschaft auf und ging nach Hause. Als sie aber nach Hause kam, war die ganze Landschaft verändert und viel schöner als früher, auch ihre Häuser waren größer und schöner als bei der Abreise. Das verursachte ein großes Staunen unter der Gesellschaft und jeder war neugierig, wie sein Haus wohl innerlich aussehen möchte. Und so ging ein jeder sogleich in sein Haus, es zu beschauen. 


Aber wie erstaunt waren sie, als statt der alten Einrichtung eine ganz neue, und in den schönsten Farben ausgeführt, dastand. Jeder durchsuchte sein ganzes Haus, um die große und sonderbare Veränderung zu besehen. Endlich kamen wieder alle aus ihren Häusern und jeder lobte bewundernd sein neues Haus mit der schönen innerlichen Einrichtung, die ihnen ganz neu erschien. Nun sagte der neue Bruder: »Liebe Brüder, jetzt sehet, wie der liebe Vater im Himmel jede gute Tat belohnt, wenn sie aus reinem und liebevollem Herzen, ohne Selbstsucht oder gegen Bezahlung geschieht. Nur eine kurze Zeit dauerte euer Schrecken und eure Angst vor der Bosheit der Räuber. Und sehet, welche Belohnung euch dadurch wurde!

 
Seid immer bereit, Gutes zu tun, und euer Fortschritt wird sich gewiß schnell steigern. Aber nicht aus irgend welcher Rücksicht oder der Belohnung wegen sollt ihr Gutes tun, sondern immer nur aus uneigennütziger Liebe zu Gott und zum Nächsten. Wenn es euch recht ist, wird man nächstens wieder unterstützungsbedürftige Brüder und Schwestern aufsuchen gehen, damit der Fortschritt im Geistigen nicht stehen bleibe, sondern wachse,« was alle mit Freuden annahmen. »Du aber, Swedenborg, sollst deine Brüder und Schwestern belehren, wie man in wahren Tugenden leben und handeln soll, denn du hast viel geschrieben darüber und so kannst du schon etwas zum Besten geben.«

 
Dies ließ sich Swedenborg nicht wiederholen, sondern ergriff sogleich das Wort und hielt eine große Rede an die Brüder und Schwestern, welche selbstverständlich immer bei allem dabei waren, wenn sie auch nicht extra genannt wurden. Es waren aber in der Rede hauptsächlich die Pflichten der Nächstenliebe in verschiedenen Vorkommnissen des Lebens klargelegt und beleuchtet, wodurch ein jeder wußte, was er zu tun hatte, wenn die Gelegenheit sich darbote, Gutes zu tun.

 
Nach der Rede aber nahmen alle einen Imbiß ein, welches wieder ein Staunen hervorbrachte, da alles besser und schmackhafter war, als sie es früher gewöhnt waren. Und so bestärkte sie auch das Essen, daß man Gutes tun muß, wenn man selbst Gutes erhalten und im Guten wachsen will. Nach einigen Tagen veranstaltete der neue Bruder wieder eine Reise in die unbekannte Umgebung, um Armen und Bedürftigen zu helfen.

 
Diesmal aber übergab er die Führung dem Swedenborg und war nur Mitbegleiter des Zuges, der ins Blaue hinein neue Menschen und Orte suchte, um die Not zu lindern und Gutes zu tun. Es hatte nicht lange gedauert, als sie in eine tiefe Einsenkung, in einen Bergkessel kamen, wo kein Ausweg mehr zu finden war und sie daher genötigt waren umzukehren. Doch dieses verhinderte der neue Bruder und sagte: »Bruder Swedenborg, fange an zu predigen von der Liebe und ihren Pflichten, sowie neulich, aber selbstverständlich mit anderen Bildern.« Nun ergriff Swedenborg das Wort und beleuchtete nach allen Seiten die Pflichten der Liebe und wie man lieben und leben muß, um das höchste Ziel des Lebens, zu Gott zu kommen, zu erreichen. 

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Der rätselhafte neue Bruder namens »Liebe«

 
(Böse Geister wollten die Gesellschaft gefangen nehmen, Swedenborg predigte ihnen von der Liebe und Barmherzigkeit. Verteilung der vom Bruder Liebe gesegneten Mahlzeit, daß alle genug davon hatten, Liebesdank vor dem Essen. Die bösen Geister wurden eingeladen, christlich zu leben und bei der Gesellschaft zu bleiben, was sie auch annahmen.)

 
Während alle in die Rede Swedenborgs vertieft waren, stiegen auf allen Seiten schwarze Wolken über den Bergkessel und hatten ihn sozusagen ganz eingehüllt. Und bevor die Gesellschaft noch dessen recht gewahr wurde, was da vorging, fing es ganz gewaltig zu blitzen und zu donnern an, und der einzige Zugang zum Bergkessel war voll besetzt von bösen Geistern, die sich anschickten, die Gesellschaft wie Gefangene zu betrachten, und nicht mehr herauszulassen.

 
Alle schauten nun besorgt den neuen Bruder an, was er wohl sagen würde zu dieser Bedrängnis; dieser aber blieb ruhig und schaute phlegmatisch dem Treiben der bösen Geister zu. Das aber verwunderte die besorgte Gesellschaft und daher wandte sie sich an ihn und fragte ihn, was sie tun solle, um sich zu retten. Allein der neue Bruder blieb ruhig und still und zeigte hin auf den Swedenborg, der aber selber ganz in Angst dastand und keinen Rat wußte. Während die Gesellschaft noch beratend dastand, näherten sich die bösen Geister und wollten die ganze Gesellschaft gefangen nehmen. Da ermahnte sich Swedenborg und donnerte sie an: »Im Namen Gottes Jesu Christi, weichet von uns!«

 
Als die bösen Geister dies hörten, blieben sie stehen und getrauten sich nicht weiter zu gehen und so standen die beiden Parteien unentschlossen, sich gegenseitig anschauend, am Platze. Nun sagte der neue Bruder zu Swedenborg: »Lieber Bruder, du kennst doch die Heilige Schrift und darin heißt es: ‘Tue Gutes dem, der dir Böses tut’. Gib ihnen geistige und dann materielle Kost, vielleicht läßt sich etwas machen mit ihnen. Sie sind von Selbstsucht und Haß erfüllt, predige ihnen von der Liebe und Barmherzigkeit« Sogleich machte sich Swedenborg daran und predigte den bösen Geistern eine Stunde lang und benutzte alle seine geistige Kraft dazu, um sie zur Einsicht der Wahrheit zu führen.

 
Als er mit der Predigt zu Ende war, sagte er ihnen: »Sehet, liebe, aber sehr unglückliche Brüder, wir haben da Nahrung mit und ihr seid hungrig, das sieht man aus euren Gesichtern und Leibern. Möchtet ihr nicht eine Liebestat von uns, im Sinne wie ich euch gepredigt habe, annehmen? Denn ich sehe, daß ihr sehr hungrig seid.«

 
Die bösen Geister, die durch die Güte, die ihnen entgegengebracht wurde, sogleich ihr Donnerwetter einstellten, das sie schon zu entwickeln begonnen hatten, zogen ihr böses Fluidum ein, wodurch die Wolken verdunkelt wurden und lauschten aufmerksam, was Swedenborg predigte. Als Swedenborg mit der Predigt zu Ende war und ihnen auch Nahrung anbot, um den Hunger zu stillen, wurden sie ganz fröhlich und baten, man solle ihnen zukommen lassen, was man habe, denn sie spürten großen Hunger.

 
Nun machte die Gesellschaft ihre Säcke auf, nahm die mitgebrachten Nahrungsmittel heraus und stellte sich an, sie zu verteilen. Da stand der neue Bruder auf und sagte: »Liebe Brüder, zu allem, was man tut, muß man den Segen von Gott, dem lieben Vater, erbitten, damit es, wie einst auf dem Berge gegenüber Kapernaum, auch den Segen habe und sättige die Menge. Denn ihr sehet ja, daß die Zahl der Hungrigen ehe sehr große ist und der Vorrat nicht für alle ausreicht, also stellet den ganzen Vorrat zusammen und ich will ihn segnen im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, und wir wollen im guten Glauben leben, daß er für alle genügen wird; denn der Glaube vermag vieles, also tut ihr so, wie ich euch rate.«

 
Alle schauten den neuen Bruder staunend an, wie er, den sie ja selbst angezogen und in guten anständigen Zustand versetzt hatten, einen solchen Glauben haben kann, daß durch sein Segnen eine Vermehrung der Lebensmittel stattfinden könnte.
Dieser aber sagte: »Wisset ihr nicht den Wahrspruch Christi, daß Er sprach: Wenn ihr soviel Glauben habet wie ein Senfkorn groß ist, und ihr saget zu einem Berge: Stürze dich ins Meer und er wird stürzen. Also wollen auch wir den festen Glauben pflegen, wenn wir unsere Nahrungsmittel segnen, daß diese genug werden, um alle zu sättigen.« Darauf sagte die Gesellschaft: »Gut, Bruder, wenn du einen so großen Glauben und Vertrauen hast, dann segne es, damit alle gesättigt werden.« 


Und der neue Bruder (der Ich, Jesus, Selber war) segnete die Nahrungsmittel und ließ sie verteilen und es blieb noch für die ganze Gesellschaft so viel übrig, daß sie es nicht aufessen konnte. Als die Nahrungsmittel verteilt waren, sagte der neue Bruder: »Bevor ihr esset, muß dem himmlischen Vater dafür gedankt werden im Herzen durch ein Liebesgebet oder Liebesdank und dann verzehret die Nahrungsmittel«, was sogleich geschah. Nun fingen sie an zu essen und konnten sich nicht genug wundern über die Güte der Nahrungsmittel. Auch die Gesellschaft sah verwundert drein, weil diese Speisen vom Hause aus viel geringer an Wohlgeschmack und Wohlgeruch waren.

 
Daher schauten sie staunend auf den neuen Bruder, der aber so tat, als wenn er nichts merkte und betrachtete nur die Speisen, die er aß wie die ganze Gesellschaft. Auch Swedenborg war im Zwiespalt mit seinen Gedanken über den neuen Bruder, den er beinahe ganz nackt in der finsteren Hölle gefunden und der jetzt alle in Erstaunen setzte. Endlich konnte er es nicht mehr aushalten und ging zum neuen Bruder und fragte ihn: »Höre, lieber Bruder! Ist dir dieser Wohlgeschmack und Wohlgeruch der Speisen nicht auffallend? Ist nicht da der Segen Gottes sichtbar mit uns?«

 
Der neue Bruder aber tat recht phlegmatisch dazu und sagte: »Schau, lieber Bruder, die Menschen sind Kinder Gottes, soll der liebe Vater im Himmel nicht seine Freude an ihnen haben, wenn sie nach Seinen Liebesgeboten handeln? Ihr habt die bösen Geister mit Gutem belohnt und also tut auch euer Vater täglich, und so ist es kein Wunder, daß er uns die Speisen nach Seiner Liebe gesegnet, vermehrt und wohlschmeckend gemacht hat.«

 
Diese Worte, so laut gesprochen, daß sie alle gehört hatten, brachten eine große Begeisterung auf beiden Seiten, sowohl bei den bösen, als auch bei den guten Geistern in der Gesellschaft hervor, und dadurch war auch der Anschein, daß in dem neuen Bruder etwas Besonderes verborgen sei, beseitigt, und man aß weiter. Als alle mit dem Essen fertig waren und noch genug übrigblieb, meldete sich wieder der neue Bruder und sagte: »Den Überfluß soll man aufbewahren, für die gute Mahlzeit aber sich beim Gottvater innig bedanken, damit Er uns auch künftig in Seiner Güte mit einem besonderen Wundersegen komme, wie diesmal«, was auch sogleich alle taten.

 
Darauf wandte sich der neue Bruder zu den bösen Geistern und fragte sie: »Liebe Brüder, wäre denn euch nicht lieber, bei uns zu bleiben und nach Gottes Geboten zu leben, damit auch ihr glücklich würdet und es euch an nichts fehlen möchte?« »O ja, wir möchten schon gern bei euch bleiben, aber wir sind in so schmutzigen Fetzen gehüllt, daß es eine große Schande für euch wäre, mit einem solchen Lumpengesindel zusammen zu leben. Dann verstehen wir uns nicht auf so feine Sitten und Liebestätigkeiten wie ihr, und so wären wir rohe Klötze, recht unanständige Leute unter euch. 


Was meinst du nun dazu?« Der neue Bruder, den wir von nun an Bruder Liebe nennen wollen, erwiderte ihnen: »Die feinen Sitten und Manieren werden durch Liebe und Ehrfurcht anerzogen, und bessere Kleider bekommt ein jeder Geist, wenn er gut und liebetätig ist gegen seine minderen und bedürftigen Brüder, durch Gott Selber, denn wie eure Liebe tätig ist, so ändern sich auch eure Kleider und Zustände und wir machen keine anderen Anforderungen an euch, als daß ihr gleich uns liebetätig und demütig seid. Gefällt euch das, so könnt ihr bei uns bleiben und wir werden euch in allem unterrichten.« Die Geister berieten sieh nun, was zu tun sei, und kamen endlich überein, daß es doch am besten sei, sich in die neuen Zustande zu begeben, da es doch viel besser und schöner sei, wie es bisher war. Und so trat eine sehr große Menge Höllengeister zu der Gesellschaft über und wurde sogleich in den wichtigsten Verhaltensregeln unterrichtet.

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Wie der himmlische Vater liebreich für seine Kinder sorgt!

 
(Neue Überraschung als Folge des Nächsten Liebewirkens. Wie der Vater liebreich für Seine Kinder sorgt. Lobspruch dem Vater. Neue Suche nach hilfebedürftigen Armen. Ankunft in eine mohammedanische Ortschaft und feindliche, Gesinnungsänderung gegen Christen. Frage, warum die Verheißungen Mohammeds nicht in Erfüllung gingen. Beweis, daß der christliche Glaube der echte ist. Zweifel der Mohammedaner)

 
Als der Unterricht zu Ende war, brach die ganze Gesellschaft auf und ging zurück in ihre Gegend, von wo sie ausgegangen war. Als sie zurückkam, fand sie die Gegend ganz verändert und wieder viel schöner hergestellt als das erste Mal. Nun ging ein Jubel los und alles lief, die Neuigkeiten in Augenschein zu nehmen, welche außerordentlich hübsch und zierlich in Wohnhäusern, wie in Gärten und Anlagen sich darstellten.

 
Die neuen Brüder hatten die Gnade, die neuen Zustände mit ansehen zu können, obwohl ihr geistiger Zustand noch nicht reif dazu war aber wo sich der eine freut soll der andere nicht traurig und zurückgesetzt sein, und so trat der Bruder Liebe vor und sagte: »Ich sehe, daß viel mehr neue Wohnungen, Gärten und Anlagen da sind, als es deren bei der Fortreise waren, und so glaube ich, daß sie der himmlische Vater für die neuen Brüder und Freunde herstellen ließ, daher lassen wir sie dieselben beziehen und sich so mit unserem Glück mitfreuen.«

 
Mit diesem Antrage waren alle einverstanden und so gingen die neuen Freunde, die für sie bereiteten Häuser zu beziehen. Aber wie erfreuten sie sich, als sie eintraten, dafür jeden neuen Bewohner nicht nur alles Nötige da war, sondern es lagen auch neue und so schöne Anzüge für sie in Bereitschaft, wie sie die Gesellschaft anhatte. Sogleich zogen sie dieselben an und kamen heraus zu den Freunden aus der Gesellschaft und zeigten ihnen die neue Bekleidung, was allen eine große Freude verursachte, daß kein Unterschied mehr unter ihnen bestehe.

 
Wieder trat Bruder Liebe unter sie und sprach: »Alles Lob, aller Dank, alle Ehre und alle Liebe sei von uns allen dem guten himmlischen Vater dargebracht, daß Er uns so gütig mit allem versorgt und ausgestattet hat; daher wollen wir nun Ihm dienen und Seinen Kindern Gutes tun, da Er, wie ihr alle augenscheinlich vor euch habet, daran die größte Freude hat, wenn Seine Kinder Ihn lieben und aus dieser Liebe ihre Brüder und Schwestern lieben und ihnen Wohltaten erweisen.«

 
Von allen Seiten hörte man bejahende und zustimmende Laute und also ward durch diesen guten Fischzug die ganze Gesellschaft bedeutend größer, denn die Zahl der neuen Freunde betrug viele tausend Köpfe, die durch diese Belohnung des guten Willens ganz Herz und Kopf für die neue Ordnung des Lebens geworden waren. Es wurde nun beschlossen, nicht lange untätig zu bleiben, sondern bald wieder eine neue Reise zu unternehmen, um wieder Gutes tun zu können, dort, wo unterstützungsbedürftige Menschen sich aufhalten.

 
Also brach schon nach einigen Tagen die ganze Gesellschaft der alten und neuen Brüder, die nun bloß eine Gesellschaft bildeten, auf, und ging auf neue Suche aus, wo sich solche Menschen aufhalten, denen geistig und materiell beigesprungen werden kann. Nicht lange dauerte es und schon trafen sie auf einen großen Ort, der mit den ärmsten Bewohnern voll besetzt war, welche sogleich an die neuen Ankömmlinge sich heranmachten und fleißig um Nahrungsmittel und Kleider baten.

 
Der Bruder Liebe aber beschied sie, ein wenig zu warten, denn es seien noch andere Sachen früher zu besprechen, bevor sie das Erwünschte bekommen könnten. »Vor allem saget uns, wie steht es mit eurem Glauben?« Sie antworteten: »Mit unserem Glauben steht es ganz gut, wir sind Mohammedaner und beten täglich dreimal Allah an und das ist gut und recht, wie uns unser Prophet Mohammed gelehrt hat.«

 
Darauf sagte der Bruder Liebe: »Ja, was werdet ihr sagen, wenn wir euch kundtun, daß wir Christen sind?« »Was, Christen seid ihr? Ungläubige Giaur! Na, schöne Bande, euch soll man gleich ordentlich durchhauen, das wäre die schönste Gelegenheit, uns an euch zu rächen. Ihr Hunde, dir ihr den einzig wahren Glauben nicht annehmen wollet und sogar gegen uns gesinnt seid. Saget uns, woher kommet ihr und was suchet ihr hier in unserem Ort, wo lauter echte Gottesgläubige sind? Ihr kommet uns nicht mit heiler Haut durch.« Da hob der Bruder Liebe an zu sprechen und sagte: »Liebe Freunde! Wir sind gute Leute und sind gekommen, euch Gutes zu tun, nicht aber uns mit euch blutig zu schlagen. Außerdem wisset, daß wir im Geisterreich sind, wo für die Leiden der Welt, wenn wir im Sinne der göttlichen Gebote gelebt haben, die Belohnung erfolgt.

 
Nun, liebe Freunde, wenn euer Glaube der rechte ist, saget mir, warum gehen die Verheißungen eures Propheten nicht in Erfüllung? Warum seid ihr hungrig und halbnackt und zerrissen und sogar sehr garstig!?« Hier stutzten die rechtgläubigen Mohammedaner und wußten keine Antwort zu geben.

 
Diese Verlegenheit benützend, fragte sie der Bruder Liebe weiter: »Ihr Mohammedaner saget uns, daß wir Christen Ungläubige und Hunde sind aber schauet uns an, wie schön wir angezogen sind, wie voll unsere Leiber und wie garstig ihr seid und dieser Vorzug auf unserer Seite ist der sichtbare Vorzug unseres Glaubens, daß er der echte und der eure der unechte ist. Denn hier sprechen die Beweise und können die Worte schweigen, wo eine Verdrehung der Wahrheit als Lüge sich herausstellt Schauet uns nur gut an und euch, und der Beweis wird euch entscheidend sein.«

 
Auf diese Worte konnten die Mohammedaner nichts erwidern, daher fragten sie weiter: »Wie könnet ihr uns beweisen, daß euer Glaube tatsächlich der echte und unser der unechte ist, da wir bisher noch immer gehört haben, daß unser Glaube der, allein echte ist, alle anderen Religionen aber als Ketzerei, zu betrachten sind. Es ist wohl wahr, daß ihr sehr schön am Kleide und Leibe seid, aber das ist uns nicht entscheidend, es gibt auch auf der Erde schön angezogene und gut gemästete Menschen, und doch sind sie schlecht und ungläubig, daher kann in diesem der Beweis nicht liegen.«

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Mohammed trat im Jahre 1653 zum Christentum über

 
(Verlangen des Mohammed als Glaubenszeugen. Mohammed wurde vom Bruder Liebe ein Volksbetrüger genannt, worauf große Entrüstung und Drohen mit Dreinhauen unter den Mohammedanern. Mohammed, vom Bruder Liebe heruntergerufen, erschien und hielt eine schöne Beichtrede über sein einstiges falsches Prophetentum, sein Lohn dafür die unterste Hölle und die Rettung daraus durch Bruder Liebe.)

 
»Gut«, sagte der Bruder Liebe, »saget mir also, welcher Beweis wäre für euch maßgebend oder unanfechtbar, daß bloß ihr die Rechtgläubigen seid, wir Christen aber Irrgläubige und Ketzer, da ihr uns mit Giaur tituliert?«

 
Diese Frage brachte sie wieder in Verlegenheit, da sie für den ersten Moment, nicht darauf gefaßt waren, Doch erholten sie sich bald und sagten: »Das könnte uns nur unser Prophet Mohammed sagen, aber wo steckt er jetzt, wer weiß den Ort, um ihn aufzusuchen und sein Urteil zu hören?« Der Bruder Liebe meinte nun: »Euer Prophet, der übrigens kein Prophet, sondern ein Religionsschwärmer und Volksbetrüger zugleich war, da er euch eine Religion zusammenpfuschte daß alle Türken und Mohammedaner, wenn sie sterben, in so armselige und viele in noch armseligere Zustände wie ihr nach dem Leibestode kommen, wäre mir leicht aufzufinden, da ich weiß, wo er sich befindet, aber es ist die Frage, ob ihr mir und ihm glauben werdet, da ihr ihn nie persönlich gekannt habet.

 
Also saget mir, was ist eure Antwort darauf?« Die Bezeichnung Volksbetrüger und Stifter einer falschen Religion reizte sie, daher sagten sie: »Du wirst uns nicht mehr von dannen gehen, bis du uns deine Behauptung erwiesen hast, sonst hauen wir dich zusammen, daß du liegen bleibst, du christlicher Maulheld und böser Hund!« »Na, ich wußte ja gut, was euch nicht schmecken wird darum sprach ich die Wahrheit und bin auch bereit, euch nachzuweisen, daß ich die Wahrheit sprach und daher frage Ich euch wieder: Was wünschet ihr von mir, als einen vollgültigen Beweis dessen, was ich sagte?« Da stutzen die Mohammedaner neuerdings, da der Bruder Liebe diese Worte fest betonend und wie herausfordernd sprach und daher zogen sie sich ein wenig zurück und besprachen sich.

 
Nach einigen Minuten kehrten sie sich um und traten wieder vor und sagten: »Wer sonst, wie Mohammed, könnte uns das vollwahr kundgeben, denn deinen Worten als Giaur können wir unmöglich glauben, also schaue zu, daß du uns den Mohammed herschaffst, sonst kommst du unter unsere bearbeitenden Hände, damit du ein anderes Mal wissen wirst, wie man mit Mohammedanern spricht, um sie nicht zu beleidigen in ihrem Glaubensgefühl.«

 
Diese Worte aber sprachen sie in voller Überzeugung, daß es dem Bruder Liebe nicht möglich sei, den Mohammed herzuschaffen oder zu finden. Der Bruder Liebe fragte sie nun, ob sie wirklich den Mohammed wünschen und ob sie vorbereitet sind, ihn zu befragen und anzuhören. Denn Mohammed hat sich bekehrt und ist im Jahre 1653 ein Christ geworden und ist im obersten Himmel beim Christengott Jesus, den ihr nur für einen kleinen Propheten haltet.

 
»Was! Wie!« schrien sie auf, »das getraust du dich auch noch uns zu sagen! Soll man dich nicht sogleich durchhauen, daß dir Hören und Sehen vergeht, du elender Wicht von einem Lügenmaul! Du kommst immer tiefer in die Fallstricke, die du dir selber legst. Warte du nur, du bist in unseren Händen, und daher bereite dich vor auf unsere Fäuste, die dich breit schlagen werden. Jetzt verlangen wir um so entscheidendere Beweise von dir.

 
Also gib uns Beweise, bevor wir die Hände an dich legen.« »Also Beweise wollet ihr?« sagte der Bruder Liebe, »ich habe euch ja gesagt, daß ich euch den Mohammed auffinden kann, aber ihr seid nicht bereit, ihn zu befragen; denn er ist jetzt ein herrliches, himmlisches Wesen, und ihr würdet euch erschrecken, wenn er plötzlich vor euch käme, um euere Fragen zu beantworten. Sammelt euch und denket nach, was ihr ihn befragen werdet, ohne euer Ziel des Verlangens zu erreichen. Es handelt sich zugleich darum, euch dann auch zu bekehren, aus diesem elenden Zustande zu erlösen und glücklich zu machen, wie wir es sind.«

 
Diese entscheidenden Worte wirkten wie eine Dusche auf sie und nun fingen sie an zu beraten, was sie anfangen sollten, wenn er wirklich käme. Da trat ein türkischer Geistlicher vor und sagte: »Brüder! Die Sache ist ernst, ich habe immer mit meinen Brüdern von der Seite zugehört, was vorgeht und sehe nun ein, daß es Zeit ist sich für die Sache ernst zu interessieren, damit kein Schwindel und Betrug herauskomme. Da wir als Geistliche und eure Religionslehrer in erster Linie interessiert sind, die Wahrheit zu erfahren, um zu wissen, wie wir mit diesem Menschen, der so siegesbewußt mit euch sprach, daran sind. Lasset einmal mich mit ihm sprechen, dann werde ich schon herausbringen, wie uns was er mit uns beabsichtigt. Ich werde schon mit ihm fertig werden. Überlasset daher mir euren Streit, damit die Sache einen wahren Ausgang findet.«

 
Gleich darauf trat der mohammedanische Geistliche zu Bruder Liebe und sagte ihm: »Höre junger Mensch, deine Rede mit den Männern aus meinem Glaubenskreise war sehr herausfordernd, und daher komme ich als Glaubenslehrer zu dir, um von dir die angebotenen Beweise zu sehen. Also beweise uns, was du behauptest, damit uns der Wahrheitsbeweis geliefert wird, so können wir deine Behauptungen nicht glauben, also mache dich dazu, denn ich bin bereit, die Wahrheit zu prüfen.«

 
Der Bruder Liebe sagte nun zum Geistlichen: »Mache dich bereit, und nimm dich sehr zusammen, damit du vor Schreck und Staunen nicht am Ende stumm verbleibst. Rufe noch deine Mitbrüder und Geistlichen dazu, damit ihr mehr Mut haben werdet, wenn Mohammed erscheinen wird.« Der Geistliche rief sogleich noch die übrigen Geistlichen herbei und sagte: »Nun, mache deine Behauptungen zur Wahrheit!« Der Bruder Liebe sagte nun laut, daß alle deutlich hörten: »Bruder Mohammed, komme herunter!« In diesem Moment schoß ein Blitzstrahl aus der Höhe herunter und Mohammed stand im schönsten türkischen Anzuge, mit dem Turban auf dem Kopfe vor den erschrockenen Geistlichen und fragte sie: »Liebe Brüder, saget mir nun, was wünschet ihr denn vor mir?«

 
Die Priester aber waren so erschrocken, daß sie keinen Laut hervorbringen konnten und starrten ihn immerfort an. In dieser Verlegenheit meldete sich der Bruder Liebe und sagte: »Ihr wollet Beweise und hießet mich Maulheld, einen elenden Wicht, der ob seiner Lügenmäulerei breitzuschlagen sei. Nun, ihr Maulhelden, wo ist euer Mut, dreinzuhauen? Möchtet ihr nicht euren Propheten Mohammed ergreifen und als Betrüger durchhauen? Er ist da und da mit der Beweis geliefert, den ihr verlangtet. Du Bruder Mohammed aber, sprich selber die Wahrheit, damit diese, rechtgläubigen Hitzköpfe sich abkühlen!«

 
Darauf ergriff Mohammed das Wort und sagte: »Liebe Brüder und Glaubensgenossen nach meinem einstigen Glauben, der Bruder der mich herunterrief aus den himmlischen Höhen, ist ein sehr hoher Geist, der allen Glaubens wert ist, was er spricht, und so hat er auch die Wahrheit gesagt, daß ich einst als euer Glaubensstifter ein Volksbetrüger war, weil ich nicht nach göttlichen Eingebungen, sondern nach meinen Ansichten eine neue Religion zusammenpfuschte, welche dem Charakter und den Sitten des orientalischen Volkes entsprach.

 

Ich benützte alles, von dem ich wußte, daß es dem Volke gefallen würde, denn ich wollte in meinem Ehrgeize ein großer Mann werden, und daher log ich zusammen, was ich für gut fand. Ich war im vollsten Sinne des Wortes ein Lügner oder falscher Prophet, so lange ich auf der Erde lebte. Als endlich mein Tod kam, ging der große Prophet Allahs in die tiefste Finsternis der untersten Hölle und nicht in den siebenten Himmel!

 
Hier in der tiefen Finsternis und unter Qual und Schmerzen hatte ich genug Zeit nachzudenken, daß ich eine Hauptsünde begangen habe, weil ich gar so stark gestraft worden bin dafür. Die Religion Jesu Christi war mir gut bekannt, denn ich entnahm ja manches daraus, nur wußte ich nicht, ob Jesus wirklich Gott oder bloß ein göttlicher Gesandter als Religionslehrer war; denn ich konnte mich nicht aus dem Tagesmenschen herauswinden und ein höheres Licht sehen, weil ich zu finster im Geiste war, denn Christusglaube und Hochmut und Ehrgeiz, die in mir steckten, vertrugen sich nicht. 


Denn es wird einem kein Licht, solange man diesen Hauptsünden huldigt. Ich blieb lange Jahrhunderte, die mir Ewigkeiten zu sein schienen, unter einer fürchterlichen Ausgeburt von allerbösesten Teufeln wohnend und konnte mir nicht helfen. Ich rief zu Allah, aber es schien, als wenn es keinen Allah gäbe. Ich blieb unerhört und litt fürchterliche Schmerzen und geistige Leiden und Gewissensbisse, die unbeschreiblich waren. Ich wußte nun, daß meine Religionsstiftung im Auge des Allahs den größten Widerwillen erzeugt hatte und es schien, als hätte mich Allah ganz verstoßen und in die ewigen Flammen des Leidens der Hölle verdammt.