Der Vater an meiner Seite

Angela Jarah

Vorwort

Es gibt Menschen, die sich ganz auf bestimmte Hilfsmittel wie Pendel, Karten, Glaskugel u.dgl. verlassen, um die Dinge zu ergründen, die ganz verborgen in seiner Seele ruhen. Dabei hören sie nicht auf das Gewissen, die leise Stimme im Herzen, sondern schauen ganz begeistert auf den Pendelausschlag, ob er die momentane oder zukünftige Situation bejahen oder verneinen wird. In welche Tiefen man dadurch geraten kann, zeigt die wahre Lebensgeschichte der Autorin. Angelika wurde immer wieder in den höllischen Bann der niederen Geistwesen gezogen, die sie mit ihren Stimmen fast zum Wahnsinn trieben. Nur derjenige, der jemals in eine ähnliche Lage geraten ist, weiß von ungeheuren negativen Kraft, die von diesen ausgeht. Man wird förmlich zum Spielball der höllischen Elemente mißbraucht!

Die eigentliche und größte Bedeutung der vorliegenden Schrift ist aber nicht die böse Art der Geistwesen zu beschreiben, die ständig versuchen, den Menschen in ihre Gewalt zu ziehen, sondern die wunderbare Führung und Nähe des himmlischen Vaters mitzuerleben, wie Er ständig alles mögliche unternimmt, um kein Menschenkind fallen zu lassen. Seine Liebe, Treue und barmherzige Gnade wird jeder in seinem ganzen Denken, Fühlen und Handeln wunderbar erleben, der sich in seiner Liebe und Sehnsucht Ihm ganz hingibt und sein irdisches Leben nach Ihm und Seinen Geboten richtet. „Wer Mich liebt, der hält auch Meine Gebote!" hat Jesus gesagt. Diese Wahrheit kann jeder erfassen und erleben - man muß nur danach handeln.

Angela lernte das wiedergeoffenbarte Wort Jesu durch die Schriften unseres Bruders und 'Schreibknecht Gottes', Jakob Lorber, kennen und lieben und damit auch den Vater tief in ihrem Herzen. Es war ein langer und sicherlich ein beschwerlicher Weg. Aber er hat sich gelohnt, denn heute ist alle Angst und Verzweiflung verschwunden wie auch die Stimmen derjenigen, die jede Seele in die Geistesnacht zu ziehen versuchen. Es ist auch gleichzeitig eine frohe Botschaft und eine echte Hoffnung für all diejenigen, die ebenfalls in solche Situation gelangen und oft nicht mehr wissen, wo der Weg ist, der sie wieder ans Licht und wahre Seligzeit durch die Geborgenheit und Nähe Jesu bringt. Jeder, der durch die Liebe und Sehnsucht zu Jesus in seinem Herzen von Jeder menschlichen Bedrücktheit frei wird, wird sicher spüren und erleben: Der Vater ist an meiner Seite!

Der Herausgeber

 

DER VATER AN MEINER SEITE

 

KAPITEL 1

Lieber Leser, ich fühle mich veranlaßt, Dir einmal zu erzählen, wie ich durch das Benutzen eines Pendels und später durch das Hören von Stimmen, das geistige Schauen und durch die Gewalt von Geistwesen über meinen Körper in tiefste Tiefen gezogen wurde und aus diesen mit Hilfe unseres himmlischen Vaters wieder herausfand. Dabei half mir zu guter Letzt auch die Neuoffenbarung Jakob Lorbers sehr, zu der mich, wie ich fühle, auch der Vater geführt hat. Ich bin dafür sehr dankbar, denn in diesem Werk fand ich alle Antworten auf die vielen Fragen, die sich mir während der schweren Zeit stellten, und darüber hinaus noch vieles mehr. Ich kenne jetzt meinen Weg, der nur im Herzen seinen Ursprung und sein Ziel hat und haben kann.

Ich hörte, daß es Menschen gibt, die gerade Ähnliches erleben. Diesen möchte ich mit meinen Erfahrungen helfen, ihre Situation zu erkennen und aus ihr wieder herauszufinden. Manche kennen die Neuoffenbarung, gegeben durch Jakob Lorber, aus der sie an Wissen alles haben, was sie brauchen, und geraten dennoch wieder auf Abwege, indem sie den Kontakt zur Geisterwelt herstellen wollen. Sie versuchen, aus dem jenseits noch mehr zu erfahren, sei es durch den Besuch von Medien oder, wie bei mir, durch die Zuhilfenahme eines Pendels sowie anderer Gerätschaften, obwohl der einzig wahre Weg in diesem wunderbaren Werk so klar aufgezeigt wurde - der Weg über und durch das Herz. Diesen Menschen möchte ich die Gefahren, die sich auf diesen Abwegen befinden, deutlich machen und sie somit davor bewahren.

Den Menschen, die bereits geistig so geöffnet sind, daß ihnen das geistige Hören und Sehen gegeben ist, möchte ich helfen, sich selbst und die Geister einzuschätzen. Denn durch die schwere geistige Schule, durch die ich gehen mußte, lernte ich, wie wichtig es ist, sich selbst mit allen Übeln zu erkennen und die Geister unterscheiden zu lernen, zu merken, wessen Geistes Kind es ist, das wir Hören, sehen oder dem wir unseren Körper zur Verfügung stellen. Je früher es erkannt wird und je eher wir uns wieder an das reine Wort unseres Vaters halten und danach leben, um so leichter ist es, aus diesen gewaltsamen äußeren Einflüssen herauszufinden, denn der Vater läßt diese Beeinflussung zu, solange wir es wollen und es zulassen. Er stellt uns aber auch eine Hilfe zur Seite; wir müssen diese Hilfe jedoch erkennen und dann annehmen. Ich hatte es erst sehr spät erkannt, wodurch ich großen Qualen unterworfen war. Und ich weiß, ohne Jesu Hilfe hätte ich es nie geschafft, denn er gab mir die enorme Kraft, die ich für diesen Kampf brauchte, zeigte mir den Weg und führte mich hinaus.

 

KAPITEL 2

Vor ca. vier Jahren faßte ich den Entschluß, mich von meinem Mann zu trennen und wieder eigene Wege zu gehen. Da ich zu dem Zeitpunkt bereits seit ca. sechs Jahren nicht mehr berufstätig war und kein eigenes Geld besaß, um eine Wohnung zu finanzieren, wäre der erste Schritt demnach der gewesen, mir wieder eine Anstellung zu suchen. Doch es kam noch ein weiteres Problem hinzu, und dieses war psychischer Art. Ich litt unter einer Angst, einer sogenannten Phobie. Von dieser Angst muß ich vorab erzählen, da sie im später Erlebten auch eine Rolle spielte. Denn ich schließe heute nicht aus, daß auch da bereits Geistwesen wirkten, was ich damals jedoch nicht erkannte.

In mir hatte sich irgendwann der Gedanke festgesetzt, daß meine Hände anfingen zu zittern, sobald ich mit diesen etwas tat und dabei beobachtet wurde. Wann und wodurch ich das erste Mal auf diesen Gedanken kam, weiß ich nicht mehr. Die Angst, die sich daraufhin einstellte, ist vom Verstand her nicht zu erklären, und doch war sie da und überfiel mich. Anfangs geschah es nur in Gegenwart von mir fremden Menschen, später jedoch auch im Freundes- und Familienkreis. Ich konnte nicht mehr in Gesellschaft essen oder eine Tasse oder ein Glas erheben, zuletzt nicht einmal mehr in Gegenwart meines Mannes. Ebenso konnte ich nichts mehr unterschreiben, während jemand zusah, nicht mehr beim Einkauf Geld geben oder entgegennehmen; und so gab es noch viele Situationen, in die ich mich nicht mehr begeben konnte, ohne in Angst zu geraten.

Am schlimmsten war für mich der Gedanke, in einem Restaurant oder Cafe Speisen zu mir nehmen zu müssen. Da ich nicht jeder unangenehmen Situation aus dem Wege gehen konnte und nicht wollte, daß jemand etwas bemerkte, gewöhnte ich es mir an, vorher jedesmal ein Glas Sekt zu trinken. Durch den ,Sekt wurde ich ruhiger, und die Angst blieb aus, wodurch ich erst einmal in der Lage war, ein einigermaßen normales Leben führen zu können, denn einen anderen Weg sah ich noch nicht. Später jedoch befürchtete ich, zur Alkoholikerin zu werden, und zog mich, um den Konsum auf ein Minimum zu reduzieren, immer mehr zurück, indem ich das Zusammentreffen mit anderen Menschen, soweit es nur ging, vermied. Dadurch wurde ich aber auch immer mehr zu einer Gefangenen.

Wie sollte ich so ein Vorstellungsgespräch durchstehen, wie mit Kollegen zurechtkommen? Ich wußte es nicht, und so wußte ich auch nicht, wie und wo ich anfangen sollte, diese Probleme in den Griff zu bekommen. Dennoch hatte ich tief in mir das Gefühl, daß ich es schaffen würde, was mich aufrecht erhielt. Um erst einmal einen Anfang zu machen, begab ich mich nach einiger Zeit in psychotherapeutische Behandlung. Nach der sechsten Sitzung jedoch stellte ich fest, daß die Gespräche mit der Therapeutin mir nicht halfen, da sie mich nicht vorwärts brachten, jedenfalls nicht in kurzer Zeit. Ich hatte eher das Gefühl, daß ich einen Schritt vor und zwei zurück ging, denn außerhalb dieser Sitzungen war ich mit meinen Problemen allein und mußte diese auch selbst bewältigen. Da meine Lage eine schnelle Lösung erforderte, konnte ich nicht Jahre bis zur Heilung warten.

Als mir dieses bewußt wurde, brach ich die Sitzungen ab und überlegte weiter, was ich tun konnte. Ich erinnerte mich an die Meditationskassetten und Lehrbücher, die mit positivem Denken und Stärkung des Selbstbewußtseins zusammenhingen und die ich noch aus der Zeit besaß, in der ich mich mit Esoterik beschäftigt hatte. Damals, ca. zehn Jahre zuvor, hatte ich einige Seminare besucht, in denen ich mit positivem Denken, Meditation, Kraft der Gedanken, Unterbewußtseinsprogramination und unter anderem auch mit dem Pendel vertraut gemacht worden war. Mit diesen Kassetten begann ich zu meditieren und mich auf das Gelingen meiner Pläne, auf die Beseitigung meiner Ängste und Erfüllung meiner materiellen Wünsche zu programmieren. Ich glaubte, es damit schaffen zu können, und erhoffte mir eine schnelle Wirkung. Diese Aussicht machte mich wieder etwa s zuversichtlicher. Heute weiß ich, daß ich viele Fehler dabei gemacht habe.

Bald darauf entschloss ich mich, einen ersten Versuch zu machen, und rief bei einem Zeitarbeitsunternehmen an, um mich zu bewerben. Das Telefonat verlief sehr positiv. Man zeigte sich sehr erfreut, da man dringend Mitarbeiter suchte, und ich hatte bereits am nächsten Tag einen Vorstellungstermin. Voller Hoffnung freute ich mich auf das Gespräch. Am nächsten Tag jedoch, als ich für diesen Termin bereits hergerichtet war und auf die Uhr schaute, überkam mich wieder diese Angst. Es war wie immer. Zuerst war der Gedanke an ein Versagen da, gefolgt von einem Gefühl der Unsicherheit, danach verspürte ich ein Strömen in den Armen. Der Gedanke des Versagens schlug in einen Angstgedanken um, der mich nicht mehr losließ. Ein Umdenken war nun nicht mehr möglich. Dann begann das Zittern, und alles zusammen steigerte sich zur Panik. Ich trank wieder ein Glas Sekt und dachte, damit könnte ich es, wie schon so oft, bewältigen, doch dieses Mal verschwand es nicht, sondern wurde immer schlimmer. Aus diesem Zustand kam ich nur dadurch heraus, daß ich meinen Plan aufgab und den Termin platzen ließ. In diesem Moment brach ich zum ersten Mal verzweifelt zusammen, und mir wurde bewußt, wie gefangen ich war. Um nicht mehr denken zu müssen, legte ich mich hin und erhoffte einen baldigen Schlaf. Dann schoß mir jedoch plötzlich ein Gedanke durch den Kopf, und dieser war: Hypnose.

 

KAPITEL 3

Mit einem Schlag war ich wieder hellwach und voller neuer Hoffnung, was mich bewog, aufzuspringen und nach einer Zeitung zu suchen. Dort fand ich auch gleich die Anzeige eines Hypnotiseurs, der angab, bei Ängsten, Sucht und anderen Problemen helfen zu können. Ich nahm das Telefon und rief ihn sofort an. Nachdem ich ihm von meinen Problemen erzählt hatte, versprach er, mir in ca. fünf bis zehn Sitzungen helfen zu können. Bei der ersten Sitzung hatte ich das Gefühl, daß auch dieser Weg ein vergeblicher war, denn ich fühlte mich nicht hypnotisiert, da ich nicht entspannt war und kein Gefühl der Schwere in den Armen und Beinen empfand. Zu Beginn dieser Sitzung forderte mich der Hypnotiseur auf, mir vorzustellen, wie sich mein Unterbewußtsein öffne, worauf ich ein großes, sich öffnendes Tor sah. Nun gab er mir alles ein, was erforderlich war, um meine Angst loszuwerden.

Ich hatte Schwierigkeiten mit dem Zuhören, denn viele Gedanken schossen mir durch den Kopf. Bei dem anschließenden Gespräch beruhigte er mich, indem er mir erklärte, daß die meisten Menschen, die zu ihm kommen, bei der ersten Sitzung Schwierigkeiten und daß es den Erfolg nicht beeinträchtige. Anschließend; gab er mir noch Ratschläge, mit welchen Schritten ich versuchen sollte, das von ihm Eingegebene umzusetzen. Als ich im Wagen war, auf dem Weg nach Hause, erlebte ich etwas sehr Merkwürdiges an mir. Mich überkam ein überwältigendes Glücksgefühl, und ich strahlte über das ganze Gesicht, lachte jeden an und hätte die ganze Welt umarmen können. So ein Frohgefühl hatte ich schon lange nicht mehr erlebt und ich kam mir selbst fremd vor. Ich wunderte mich, zumal für diese Freude kein Grund vorlag, denn ich war ja noch keinen Schritt weiter. Ich versuchte mich zu beherrschen, aber es ging nicht.

Später machte ich mir hierüber noch einige Gedanken. Hei der zweiten Sitzung schlug die Hypnose schon besser an, und ich hatte auch das Gefühl der Entspannung und war ruhiger, doch das anschließende Hochgefühl stellte sich nicht mehr ein. Als ich dem Hypnotiseur davon erzählte, zeigte auch er sich verwundert, denn von einem solchen Hochgefühl nach der ersten Sitzung hatte er noch nie etwas gehört. Nach diesem Gespräch vergaß ich es dann auch für längere Zeit. Als ich mit der Hypnosebehandlung anfing, hatte ich bereits seit einiger Zeit regelmäßig gependelt, um mir, was die Zukunft betrifft, Mut zu machen, denn die Antworten fielen stets recht positiv aus, so daß ich für die Zukunft keine allzu großen Befürchtungen mehr hatte. Obwohl ich wußte, daß die Antworten nicht als 100 % ig zu bewerten waren, bauten sie mich doch auf. Ich pendelte jeden Abend und konnte gar nicht genug erfahren über diese schöne Zukunft, die mir zeigte, daß ich alle derzeitigen Probleme hinter mir lassen würde. Dabei merkte ich nicht, wie ich langsam in eine Abhängigkeit geriet.

Anfangs pendelte ich über für diesen Zweck vorgefertigtem Papier, welches ich noch aus der Zeit der Seminarbesuche besaß. Auf diesem waren Ja/Nein-Antworten sowie Jahreszahlen, Monate und Zahlen für die Abfrage von Daten aufgezeichnet. Ich stellte viele Fragen nach Arbeits- und Wohnungsaussichten, Partnerschaften und ähnliches mehr. Es waren die üblichen, naheliegenden Fragen, die ich aber bis ins kleinste Detail beantwortet haben wollte, um mir über die Zukunft ein genaues Bild machen zu können. Ich fragte auch nach den genauen Daten, wann alles eintreffen würde, und schrieb es sorgfältig auf. Da ich finanziell nie mehr abhängig sein wollte und mir ein sorgenfreies Leben wünschte, fragte ich auch nach einem Lottogewinn. Als mit Ja geantwortet wurde, wollte ich mehr wissen. Ich fragte nach der Art des Loses, das ich kaufen sollte, in dem ich alle mir bekannten Lotteriearten durchging, bis mein Pendel zum ja ausschlug. Danach erfragte ich das Datum, an dem ich es kaufen sollte, was mir auch angegeben wurde. Ich notierte mir das Datum, um den Tag nicht zu vergessen. Das Los habe ich nie gekauft. Weshalb nicht, erzähle ich der Reihenfolge wegen - später.

Wie die Antworten entstanden, woher sie kamen, darüber hatte ich mir bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Gedanken gemacht. Irgendwann genügten mir die einfachen Antworten aber nicht mehr, und ich fertigte einen Alphabetkreis an. Als dann die erste Antwort buchstabiert wurde, kam es mir doch recht merkwürdig vor, und ich fühlte, daß mehr dahinter steckte, als ich zuerst annahm. Erst jetzt dachte ich an den Kontakt mit Geistwesen und wurde neugierig. Ich nahm wieder den Zettel mit ja und Nein und stellte zuerst einmal die Frage „Bist du ein Geistwesen?", worauf mein Pendel zum ja ausschlug. Ich war im ersten Moment etwas erschrocken und überlegte, ob ich weitermachen solle, doch die Neugierde war stärker. Als Nächstes erkundigte ich mich, ob ich den Namen erfragen dürfe, was auch mit ja beantwortet wurde. Ich nahm wieder den Alphabetkreis und hielt mein Pendel darüber.

Es wurde der Name Otto buchstabiert, was mich fassungslos machte, denn ich kannte nur ein Geistwesen mit Namen Otto, meinen Vater, der 1973 verstorben war. Um sicherzugehen, fragte ich nach: „Bist du mein Vater?", worauf wieder das Ja erschien. Ich war so überwältigt und glücklich, daß ich nicht mehr allein war, denn damals fühlte ich mich sehr allein. Dennoch wußte ich anfangs nicht so recht, was ich aus dieser Verbindung machen sollte, denn es war zusätzlich ein unheimliches Gefühl da, welches sich auch im Laufe der Zeit nur schwerlich gab. Ich bezog es auf die mir befremdliche Art des Kontaktes zu meinem Vater und ignorierte es deshalb. Überwiegend beschränkte sich unsere Unterhaltung weiterhin auf meine Zukunft, und auch sonst ging es in erster l.inic stets um mich.

Obwohl mein Vater mir auf meine Frage einmal erlaubt hatte, auch bezüglich des jenseits Fragen an ihn zu richten, stellte ich anschließend nie derartige Fragen. Sobald ich überlegte, was ich darüber wissen wollte, war ich wie blockiert. Es kamen einfach keine Fragen in mir auf. Obwohl ich sie hatte, fand ich sie zu dem Zeitpunkt nicht mehr. Ebenso entstanden auch keine persönlichen Fragen bezüglich meines Vaters. In dieser Hinsicht stellte sich keine Vertrautheit ein; und dennoch glaubte ich, daß er es war, denn ich hatte keinen Grund, es anzuzweifeln. Ich hatte erst jetzt richtig das Gefühl, daß mir geholfen wurde, und das machte mich glücklich und vertrauensselig. Die Entdeckung, daß mein Vater bei mir war, geschah nach der zweiten Hypnosesitzung. Nach späteren Überlegungen jedoch kam es mir in den Sinn, daß nicht ich ihn entdeckt hatte, sondern er hat mich dahin geführt, ihn zu entdecken. Schritt für Schritt. Mein Vater sagte mir, daß er seit ca. einem Jahr bereits bei mir war, u in mir zu helfen.

Nachdem er mir dieses erzählt hatte, erinnerte ich mich an einige Merkwürdigkeiten und Veränderungen an mir, die ihren Anfang auch ca. ein Jahr zuvor genommen hatten . Ich hatte z. B. begonnen, mich von der Welt zurückzuziehen, und langsam das Interesse an ihr verloren, zumindest in der Form, wie es vorher bestanden hatte. Oft gab ich mich sehr intensiven Tagträumen hin, die mich stundenlang festhielten. Diese Träume drehten sich um Gott, Nächstenliebe, Kirche, Bibel, Sinn des Lebens, Wahrheit, Welttum, Liebe zu Gott und noch vieles mehr in dieser Richtung. Mein Vater sagte mir, alles das seien Eingaben von ihm gewesen. Eine körperliche Merkwürdigkeit zeigte sich darin, daß auch ca. ein Jahr zuvor meine Beine zu jucken anfingen. Obwohl ich sie oft nach Bläschen oder Rötungen untersuchte, welche dieses jucken evtl. verursacht haben könnten, fand ich nichts. Nach dieser Erinnerung stellte ich fest, daß mit dem Entdecken meines Vaters auch das Jucken der Beine verschwunden war. Seine Erklärung war daraufhin: „Das kam, weil ich bei dir war und du es nicht wußtest.

Einige Fragen beantwortete er mit „geheim", wie z. B. die Frage, wie lange er noch bei mir bliebe. Ebenso meine Erkundigung nach den starken Rückenschmerzen, die ich seit geraumer Zeit hatte, und durch die ich hin und wieder kaum gerade stehen konnte. Als ich ihn fragte, warum so vieles geheim sei, sagte er, es sei besser so. Dann verriet er mir auch, daß er mir die Hypnose eingegeben hätte. Ich bat ihn, mir anzugeben, wie viele Sitzungen ich benötigte, um meine Angst zu verlieren. Er kündigte mir vier an, worauf ich fragte, wieso ich es in vier Sitzungen schaffen könne; wenn der Hypnotiseur von fünf bis zehn sprach. Er antwortete: „Weil ich dir helfen werde." Genauso geschah es. Ich war nach der vierten Sitzung zum ersten Mal allein in einem Restaurant, und er hat mir geholfen, aber auch dazu später mehr. Am ersten Tag des Kontaktes fragte ich zum Schluß: „Möchtest du noch etwas sagen?" Er bat mich, meine Mutter von ihm zu küssen, was ich dann ein paar Tage später auch tat."

 

KAPITEL 4

Als wir uns am folgenden Tag wieder unterhielten, war das Gespräch anders. Ich verstand die Antworten nicht, und sie wurden ständig mit dem Buchstabieren von „Hihi" unterbrochen, was mich verunsicherte. Dennoch machte ich weiter. Am Ende des Tages bekam ich den Auftrag, meine ältere Schwester von ihm zu küssen. Danach fragte ich ihn, ob ich meiner Mutter noch etwas von ihm ausrichten solle, und er antwortete mit „Ätsch", das war alles. Ich war irritiert und fragte, warum „Ätsch", und er sagte: „Weil ich kein Mensch mehr bin, weil ich für immer hierhergehöre." Zuerst verstand ich die Antwort nicht, da auch hier ständig mit einem „Hihi" unterbrochen wurde. Mein ungutes Gefühl verstärkte sich; ich bekam sogar etwas Angst, worauf ich die Unterhaltung abbrach. Am nächsten Tag nahm ich wieder mein Pendel zur Hand, erkundigte mich jedoch als erstes nach seiner Identität und fragte: „Vater, bist du es?" Er antwortete mit ja. Danach erzählte ich ihm, das das Gespräch vom Vortag mir merkwürdig vorkam, daß es anders war und ich ein ungutes Gefühl hatte.

Er sagte nur: "Ich weiß." An diesem Tag stellte ich scherzhaft die Frage an ihn: „Und wer küßt mich von dir?" Es kam die Antwort „Ich küsse gefährlich", worauf ich erst einmal erschrak. Da ich diese Antwort nicht verstand, fragte ich dann aber auch nach dem Warum, worauf er wieder sagte: „Geheim." Ich weiß bis heute nicht, was damit gemeint war. Dann wollte ich wissen, ob alles das, was mir am Anfang über mein Pendel gesagt worden war, auch so eintreffen werde, was er bestätigte. Er sagte: „Es wird alles so kommen, du wirst eine wunderschöne Zukunft haben." Ganz speziell wollte ich natürlich auch noch erfahren, ob ich wirklich Geld gewinnen würde, worauf er meinte: „Geld gewinnt man nicht, Geld verdient man sich." Da ich aber dieses Geld gewinnen sollte, interessierte es mich, warum ich es verdient hätte, und er begründete es damit, daß ich seiner zweiten Frau nach seinem Tode mehrere Monate lang mein ganzes Lehrlingsgehalt gegeben hatte, damit sie einen Grabstein kaufen konnte. Da es so war, glaubte ich ihm.

Nach einiger Zeit merkte ich, daß die Antworten etwas verzögert kamen, und ich hatte das Gefühl, daß ich zu viele materielle Fragen stellte, was mit ja bestätigt wurde. Mein Vater forderte mich auf, mehr nach Gefühlen zu fragen. Ich dachte nach, wußte aber nicht, was er meinte. Er sagte daraufhin: „Gefühle über heilige Dinge." Ich verstand wieder nicht. Es kam die Antwort: „Heilige Dinge sind Ehe." Ich bezog es auf die mir vorhergesagte zukünftige Ehe, was er mir bestätigte. Diesbezüglich richtete ich dann meine Fragen an ihn. Mir wurde sehr viel prophezeit und dies wie bereits erwähnt mit Zeitangaben. Die angegebenen Daten sind dann verstrichen, und nur einiges hat sich bewahrheitet. Anfangs war ich noch enttäuscht, als ich wieder mal feststellte, daß etwas nicht eingetroffen war, aber heute ist es mir egal. Ich weiß jetzt, wie unwichtig es ist. Und ich weiß auch, daß man nicht alles glauben darf, was einem aus dem jenseits kundgegeben wird. Doch damals war ich noch voller Glauben daran. Ebenso war ich so mit Freude und Stolz über diese Verbindung erfüllt, daß in mir der Wunsch aufkam, mein Erlebnis mit jemandem zu teilen.

Ich wollte wissen, wem ich davon erzählen darf. Mir wurde meine Mutter genannt, meine Schwester und der Name einer Freundin, mit der ich mich auch schon früher oft über geistige Dinge jedoch mehr aus dem Bereich der Esotherik – unterhalten hatte, und die dafür sehr aufgeschlossen war. Die Frage, ob ich auch den Lebenspartnern von ihnen etwas berichten darf, wurde verneint. Nur sie selbst dürften mit ihnen darüber sprechen, ich nicht. Auch mein Mann durfte nichts erfahren, was mich später noch in eine große Bedrängnis brachte. Doch zuerst nahm ich es einfach so hin. Ich entschloß mich, meine Freundin einzuweihen. Auf meine Frage, ob ich in ihrer Gegenwart auch pendeln dürfe, sagte er: „Nein, denn unsere Verbindung ist heilig." Als ich meiner Freundin von ihm erzählte, zeigte sie sich begeistert, sie beneidete mich sogar und bat mich, für sie auch einiges zu erfragen. Sie sagte mir, was sie wissen wollte, und ich versprach ihr, meinen Vater um Beantwortung zu bitten. Mein Vater gab alle Antworten. Jetzt jedoch kann ich sagen, daß auch da nichts eingetroffen ist. Ich weiß bis heute nicht, warum er das tat und ob er es überhaupt war. Später bekam ich darüber meine Zweifel und entwickelte verschiedene Theorien, doch dazu später. Zunächst einmal berichte ich weiter so, wie ich damals die Dinge erlebte und empfand.

 

KAPITEL 5

Mich beschäftigte plötzlich die Erinnerung an ein länger zurückliegendes Erlebnis, welches ich bis dahin verdrängt hatte: Meine erste eigene Wohnung befand sich in einem Haus, welches auf einem Hügel mitten im Wald stand. Der Parkplatz war am Fuße dieses Hügels, und ich mußte, um von dort zur Wohnung zu gelangen, eine schmale Holztreppe hinaufsteigen, die von dichten Tannen umsäumt war.

Angst davor hatte ich nie, selbst, wenn ich in der Nacht nach Hause kam. Doch eines Nachts, als ich gerade mit einem Bein aus dem Wagen ausgestiegen war, überkam mich ein starkes unheimliches Gefühl, das mich fast lähmte. Ich fühlte mich beobachtet und war nicht in der Lage, ganz auszusteigen. Als es unerträglich wurde, zog ich mein Bein wieder zurück, schlug die Tür zu und verriegelte sie sogar. Dann gab ich Gas und fuhr schnellstens weg. In dieser Nacht bin ich nicht mehr nach Hause gefahren, sondern habe an einer hell erleuchteten Straße im Wagen geschlafen. Erst als es hell wurde, bin ich zurückgefahren. Als ich meinen Vater daraufhin befragte, sagte er: „Es war gut, daß du auf dein Gefühl gehört hast, denn du solltest verbrannt werden!" Über diese Aussage war ich sehr erschrocken und wollte wissen, warum, aber auch hier sagte er: „Geheim". Diese Erklärung des Verbrennens sollte mir später noch schwer zu schaffen machen.

Auch weitere für mich unerklärliche jedoch positive Erlebnisse in meinem Leben wurden von meinem Vater näher erklärt. Irgendwann bemerkte ich, daß ich die Antworten zu Beginn des Buchstabierens bereits wußte. Zuerst waren es nur Wörter, doch dann war es bereits der ganze Satz. Ich hörte es in meinen Gedanken. Doch wußte ich von Anfang an, daß es nicht meine Gedanken waren, denn oft vermutete ich selbst eine andere Antwort als die, die ich dann gleich anschließend hörte und die dann auch buchstabiert wurde. Von da an sagte ich meinem Vater immer schon die Antwort, sobald ich sie hörte und bevor er fertig buchstabiert hatte, um so schneller miteinander kommunizieren zu können. Da das Halten des Pendels bei längeren Gesprächen sehr anstrengend war, wurde es uns so erleichtert, denn sobald ich die Antwort gedanklich ausgesprochen hatte, brach mein Pendel sofort ab, und wir konnten uns einer weiteren Frage oder einem weiteren Satz zuwenden.

Die Intensität der Fremdgedanken nahm mit der Zeit zu, und sie wurden immer deutlicher. Da ich jedoch auch oft unsicher war, ob ein Gedanke von meinem Vater oder mir selbst kam, fragte ich in diesen Fällen noch einmal nach, ob die Antwort, die ich gehört hatte, richtig war. Das wurde dann mit ja beantwortet oder ich bekam die ganze Antwort noch einmal mit dem Pendel. Als ich diese Veränderung bemerkte, fragte ich, ob mein Pendel irgendwann nicht mehr benötigt würde und ob ich dann immer hören könne. Die Antwort war ja. In meiner Unwissenheit war ich froh darüber, mit meinem Vater in ständigem Kontakt stehen zu können, ohne pendeln zu müssen: Ich ahnte ja damals nicht, auf was ich mich da eingelassen hatte, was alles passieren konnte und wie belastend es werden sollte. Mit diesem Eindringen in meine Gedanken ging auch eine immer stärker werdende körperliche und gefühlsmäßige Inbesitznahme vor sich. Oft entstand ein heiteres Gefühl in mir, gefolgt von einem Lachen, Glucksen oder Kichern. Ich wußte sofort, daß es nicht von mir kam, da ich es nicht so empfand, wie ich es von früher her kannte, sondern ich fühlte mich dazu gegen meinem Willen genötigt.

Oft verzog sich mein Mund auch zu einem Lächeln, und obwohl ich versuchte, mit meiner ganzen Konzentration dagegen anzugehen, gelang es mir nicht. Kam ein Lachen in mir auf, bat ich meinen Vater oft, aufzuhören, da ich befürchtete, daß z. B. mein Mann, der im Nebenzimmer war, etwas hörte und mich dann vielleicht für sonderbar hielt oder sogar nachfragte, worüber ich mich so amüsierte. Ich versuchte dann, ernst zu bleiben, doch unterlag ich einem Zwang und konnte nur beide Hände vor den Mund pressen, um das Lachen so zu unterdrücken, daß es nicht zu laut wurde. Ebenso erging es mir mit der Traurigkeit. Plötzlich überkam sie mich, und die Tränen stiegen auf. Obwohl ich selbst nicht traurig war und auch keinen Grund dafür hatte, konnte ich auch hier nichts dagegen tun. Es wurde durch mich gelacht, gelächelt und geweint.

Ich wollte diese Traurigkeit und dieses Weinen nicht, denn es machte mich unsicher, obwohl ich in diesen Momenten stets auch eine Liebe, von meinem Vater ausgehend, verspürte, die mich jedes mal überwältigte und in mir das starke Band zwischen uns verdeutlichte. Ebenso empfand ich auch die Ursache, die ihn zu diesen Gefühlsausbrüchen veranlaßte. Es war Mitleid und hin und wieder Rührung. Da ich aber kein Selbstmitleid kannte und gerade zu dem Zeitpunkt aufgrund der Aussicht, daß er mir half, zuversichtlicher war denn je, wollte ich auch nicht, daß er Mitleid empfand. Dennoch wußte ich, daß ich es durch einen Gedanken oder ein Gefühl bei ihm ausgelöst hatte, was in mir dann stets Schuldgefühle hervorrief. Ich richtete mich dann innerlich auf und brachte meine Zuversicht hervor, um ihm diese zu zeigen und ihn damit zu trösten, was mir auch jedesmal gelang. Es war ein wirklich neues und merkwürdiges Erlebnis, zu wissen und zu spüren, daß gewisse Gefühlsausbrüche nicht im eigenen Inneren entstanden sind, und trotzdem alles von der Ursache bis zur Äußerung mitzuempfinden.

Die körperlichen Einwirkungen bestanden anfangs darin, daß ich anfing, oft mit den Augen zu zwinkern, ohne zu wissen, warum. Ebenso zogen sich meine Mundwinkel häufig skeptisch nach unten, auch ohne einen für mich verständlichen Grund. Dies alles geschah stets während unserer Unterhaltungen und anfangs auch nur, solange ich allein im Raum war, nie während der Anwesenheit anderer Menschen. In Gesellschaft war ich wieder ich selbst und empfand mein Lachen und Lächeln als von mir ausgehend. Noch fand ich alles spaßig, wenn auch manchmal etwas unheimlich, aber ich dachte, daß ich mich mit der Zeit daran gewöhnen würde. Ich fand es einfach schön, meinen Vater bei mir zu haben und mit ihm reden zu können, wenn ich ihn auch nicht sah. Zudem hatte ich ein großes Vertrauen zu ihm und wußte, er würde nichts tun, was mir schaden könnte.

Dann begann er, mir bezüglich meiner Zukunft andere Dinge zu erzählen. Er sagte mir, was ich erlebe sei einmalig. Niemals zuvor hätte jemand so etwas erlebt, und kein Mensch nach mir würde es je erleben. Er sagte auch, er sei ein hohes Geistwesen und solle mich auf einen Auftrag vorbereiten, den ich später für Gott erfüllen sollte; daß ich auserwählt sei, weil ich nie an Gott gezweifelt hätte, und daher könne nur ich es ausführen. Dieser Auftrag sollte darin bestehen, ein Buch über die Wahrheit Gottes zu schreiben. Weiter gab er mir kund, daß ich auch irgendwann den Menschen im Namen Gottes helfen solle, und hierzu würde ich viele Reisen machen. Er sei da, um mich darauf vorzubereiten. Dann gab er mir die ersten Anweisungen, wie ich mich zu ändern hätte, indem er sagte, daß ich anfangen müsse, positiv zu denken, Ich sollte versuchen, den Menschen in die Augen zu sehen, um deren Seele zu erfassen, ohne auf das Äußere zu achten.

Dann würde ich auch beginnen, sie zu lieben. Ich sollte den Menschen zuhören, ohne auf die Aussprache, Formulierung oder Ausdrucksweise mein Augenmerk zu richten, sondern nur den Inhalt aufnehmen. Ich dürfe mich an nichts mehr stoßen, denn ich würde noch viel mehr zu sehen und zu hören bekommen. Ich müsse für alles Verständnis aufbringen und dürfe vor nichts mehr Angst haben, denn ich würde noch viele Dinge erleben. Zuletzt hieß es, ich solle nur noch geben und nicht mehr nehmen. Ich hörte das alles und war hin- und hergerissen zwischen Glauben und Zweifel. Glauben deshalb, weil ich immer an Gott geglaubt habe, an einen liebenden, nie an einen strafenden. Für mich war es klar, daß der Mensch für alles selbst die Schuld trägt, daß das Leben hier der Schulung dient, daß alles eine Lehre, aber keine Strafe ist. Zweifel deshalb, weil ich mir in meinem Leben nie weiter Gedanken über Gott gemacht hatte. Es war soweit weg für mich, unerreichbar, einfach nur eine Macht. Als Wesenheit konnte ich ihn mir nicht vorstellen. Ich war einfach nur überzeugt, es gibt etwas, was über allen Menschen steht, jenseits und diesseits. Zweifel auch deshalb, weil ich nicht mehr wußte, ob ich nie in meinem Leben an Gott gezweifelt hatte, ob es wirklich so war, wie mein Vater es mir sagte.

Glaube, weil ich in einigen Dingen die Bibel angezweifelt hatte, obwohl ich sie nur vom Konfirmandenunterricht her kannte, und das lag bereits viele Jahre zurück. Es geschah einfach aus dem Gefühl heraus. Ich war überzeugt, daß einiges im Laufe von fast 2000 Jahren umgeschrieben, dazugefügt und weggelassen worden war. Ebenso glaubte ich auch an eine falsche Auslegung, da sie sehr schwer zu verstehen war. Zweifel hatte ich auch deshalb, weil ich mir nicht vorstellen konnte, daß ich die einzige sein sollte, die für die angesprochene Aufgabe in Frage kam, denn ich war nie etwas Besonderes gewesen und hatte auch nie etwas getan, was mich hätte auszeichnen können. Ich war sicher, daß es viele Menschen gab, die frommer waren, die Gott näher waren als ich, da sie mehr für ihre Mitmenschen getan hatten. Was die Nächstenliebe betraf , war ich nicht gerade überaus tätig gewesen und hatte auch im Gegenteil sogar stets sehr große Probleme mit den Menschen. Dennoch wollte ich für Gott tätig werden, und der Wunsch danach wurde immer größer. Ich konnte es mir jedoch in dem von meinem Vater kundgegebenen Umfang nicht vorstellen. Dabei überkam mich sogar Angst, denn ich sah mich und meine Situation.

Ich war nicht einmal in der Lage, in ein vergleichsweise einfaches Vorstellungsgespräch zu gehen - und sollte mich mit einer derart großen Aufgabe vertraut machen! Das überstieg meine Vorstellungskraft, und ich wußte, es überstieg auch meine Fähigkeiten. Selbst wenn mir durch die Hypnose geholfen wurde, meine Probleme zu bewältigen, so war ich dennoch immer schon ein unsicherer Mensch gewesen, der nie gerne im Mittelpunkt stand. Ebenso bin ich auch ständig Konfrontationen aus dem Weg gegangen. Doch gerade solche erwartete ich bei der Erfüllung dieses Auftrages, sei es beim Zusammentreffen mit un- oder andersgläubigen Menschen, insbesondere aber mit der Kirche, wenn an der Bibel etwas verändert oder anders ausgelegt werden sollte. Ich war überzeugt, daß dazu sehr viel Kraft erforderlich sei, und zweifelte nicht nur, ob dieses mir zuzutrauen war, sondern ich dachte sogar angstvoll daran. Aufgrund dieser Angst wünschte ich mir oft, nicht für diesen Auftrag ausgesucht worden zu sein. Trotzdem verspürte ich auf der anderen Seite einen starken Wunsch, Gott und den Menschen zu helfen. Mein Vater beruhigte mich und sagte mir, ich bräuchte keine Angst zu haben, denn er bereite mich ja darauf vor, und wir hätten viel Zeit.

Ich wußte, daß meine Zweifel und Ängste mangelndes Vertrauen zu Gott waren, aber ich kannte ihn ja nicht. Ständig versuchte ich, mir ein Bild von ihm zu machen. Es gelang mir nicht; nicht so wie hei einem Menschen. Ich fragte mich, was er sei, wie er sei, wie er aussehe und wie er das alles mache, was ist und was geschieht. Kann man ihn sich wie eine große Seele vorstellen? Ich wußte es nicht. Viele Fragen, und ich hoffte, irgendwann einmal die Antwort von ihm zu bekommen - und sollte es erst dann sein, wenn ich vor ihm stehe. Gott war für mich von einer solchen Größe, daß ich glaubte, kein Mensch kann ihn sich bildlich vorstellen. Der Wunsch in mir wuchs jedoch, und ich wollte ihm so nahe sein, wie es nur immer ging.

 

KAPITEL 6

Zur dritten Sitzung beim Hypnotiseur ging ich voller Freude, denn ich wußte ja, daß ich auch da in Begleitung meines Vaters war. Und mir war es jetzt noch wichtiger, mein Angstproblem in den Griff zu bekommen. Mein Vater redete beruhigend auf mich ein, während ich mich auf die Hypnose vorbereitete, so daß es mir ein leichtes war, mich zu entspannen. Ich fühlte mich beschützt und geborgen. Zum Einkaufen konnte ich schon wieder gehen, ohne mir Mut anzutrinken, denn mein Vater half mir auch hier. Wenn an der Kasse die Unsicherheit in mir aufkam, beruhigte er mich. Er sagte dann: „Es wird gutgehen, ich helfe dir." Beim Bezahlen vertraute ich ganz auf ihn, und es geschah nichts, meine Hände blieben ruhig. fa war seit langem wieder einmal ein Erfolgserlebnis und ein Stück Freiheit, wenn auch noch nicht selbst errungen. Aber ich wußte, daß ich so mit der Zeit meine Sicherheit zurückgewinnen würde.

Mein Vater baute mich auf, wenn er sagte: „So wird es Schritt für Schritt weitergehen, du wirst es schaffen." Meine Zuversicht wuchs, er sprach stets nur behutsam, tröstend und sehr lieb mit mir. Bisher hörte ich nur ihn in meinen Gedanken. Doch eines Abends, als ich gerade im Begriff war einzuschlafen, hörte ich zwei Stimmen, die sich miteinander unterhielten. Die eine war die meines Vaters, das wußte ich, aber ich wunderte mich über die andere Stimme, die ich nicht kannte. Ich fragte meinen Vater: „Unterhältst du dich mit jemandem?" Die Unterhaltung hörte abrupt auf, und es folgte Stille. In mir machte sich ein ungutes Gefühl breit, da ich dachte, etwas entdeckt zu haben, was ich nicht entdecken sollte. Ich fragte ängstlich: „Was ist los, warum antwortest du nicht?" Plötzlich wurde ich gefragt: „Was hast du gehört?" Ich traute mich anfangs nicht zu antworten, da ich noch nicht wußte, ob ich das Vernommene hören durfte. Mein Vater beruhigte mich und meinte: „Es ist nicht schlimm, du hast nur etwas entdeckt. Sage ruhig, was du gehört hast." Ich sagte es ihm. Daraufhin machten sie einige Tests mit mir, um zu sehen, ob ich alles verstehen konnte. Ich hörte alles und konnte jedes Wort wiedergeben.

Nach diesem Test gab er seinen Gesprächspartner zu erkennen. Er sagte mir, daß er sich mit Gott unterhalten habe und sie nur deshalb nach meiner Frage so plötzlich schwiegen, weil ich sie sehr in Erstaunen versetzt hätte, da sie nie vermutet hätten, daß ich sie hören könnte. Dann meinten sie, ich sei talentiert, und zeigten sich sehr begeistert darüber, da ich nach ihrer Meinung mehr Fähigkeiten besaß, als sie in dieser kurzen Zeit für möglich gehalten hatten. Sie behaupteten sogar, kein anderer Mensch könnte das schaffen. Diese Belobigungen hörte ich noch oft, und ich empfand jedesmal Stolz. Es blieb auch nicht aus, daß ich mich hin und wieder für etwas Besonderes hielt und einige Mühe hatte, mich hier zurückzuhalten. Daß mein Vater sich mit Gott unterhielt, daran zweifelte ich keinen Augenblick, was mich heute doch sehr verwundert. Ich nahm es damals so auf, als wäre es das Selbstverständlichste von der Welt. Ebenso stellte ich auch keine Fragen an oder über Gott, was ich jetzt auch nicht mehr verstehen kann.

Er war bei meinem Vater und bei mir, und ich nahm alles einfach so hin. Am Tage war er nur eine Macht für mich, und abends hörte ich seine Stimme in der Unterhaltung mit meinem Vater, und ich fragte ihn nie, wie das möglich sei. Heute kann ich mir dies nur so erklären, daß ich damals schon nicht mehr ich selbst war. In mir kamen keine diesbezüglichen Fragen auf, keine Zweifel, keine Verwunderung. Alles geschah einfach mit mir. Von da an hörte ich sie ständig. Das Weghören fiel mir sehr schwer, und ich schaffte es nur, wenn ich mich auf etwas anderes konzentrierte, was mir aber auch nur für kurze Zeit gelang. Ich versuchte es verzweifelt, da sie mich anfangs oft ausscholten und meinten, ich würde extra lauschen, wenn sie sich über Dinge unterhielten, die ich nicht hören sollte. Darauf bekam ich ein schlechtes Gewissen, aber ich konnte machen, was ich wollte, ich hörte sie fast immer: Zu Beginn sagten sie oft: „Verdammt, sie hört uns, sie hört alles." Auch sie versuchten, Möglichkeiten zu finden, nicht mehr für mich hörbar zu sein, doch auch vergebens.

Sie fanden sich damit ab und meinten: „Du kannst ruhig zuhören; wir wissen, daß du nicht lauschen willst." Ab diesem Zeitpunkt unterhielten wir uns ständig auf diese Weise, doch pendelte ich zwischendurch auch wieder mehr, da es für mich mit dem Zuordnen von drei verschiedenen Gedanken noch schwieriger wurde. Auch beim Pendeln verspürte ich eine Veränderung: Bei der Kommunikation mit meinem Vater schwang mein Pendel stets bedächtig und weit zu den Buchstaben aus. So fing es auch diesmal an, doch plötzlich mitten in einem Satz bewegte es sich ruckartig und sehr schnell mit sehr kurzen, abgehackten Ausschlägen, wobei der Satz aber weiter-buchstabiert wurde. Ich fragte, ob Gott jetzt gependelt habe. Mein Pendel blieb plötzlich stehen. Dann fragte mein Vater, woran ich es gemerkt hätte. Ich berichtete, daß sich der Ausschlag des Pendels verändert hatte. Es wurden wieder Tests mit mir gemacht. Anfangs veränderte es sich wie vorher mitten im Satz, dann mitten im Wort und am Schluß Buchstabenweise.

Jedesmal konnte ich angeben, wann eine Veränderung eintrat. Sie waren auch darüber sehr erstaunt, obwohl ich dieses Erstaunen nicht verstehen konnte, da es für mich offensichtlich und somit nicht schwierig war. Doch bereits am Beginn der gedanklichen Einwirkung durch meinen Vater hatte mir dieser erklärt, daß er nicht sieht, was ich sehe und nicht hört, was ich höre; er vernimmt nur meine Gedanken und Gefühle. Vielleicht zeigten sie sich deshalb begeistert und erstaunt, weil sie es nicht sehen konnten. Oft, wenn ich sagte: „Jetzt pendelt Gott wieder", hörte ich: „Gott pendelt nicht." Dann kam wieder dieses zwanghafte Lachen in mir hoch. Lache ich, lacht er? Ich wußte es nicht. Durch diese Aussage und das anschließende Lachen, dachte ich, wollten sie mich verulken, war mir doch klar, daß ich pendelte, und ich erhielt ja auch Antwort. Deshalb erwiderte ich: „Ihr wißt doch, wie ich es meinte." Sie gaben zur Antwort: „Ja, wir wissen, wie du es meintest; Gott liebt dich sehr und will nur Spaß machen." Ich lernte ihn überhaupt als sehr humorvoll kennen, was ich hin und wieder doch recht merkwürdig fand.

Aber ich dachte dann, er zeige sich mir so, damit mein Vertrauen zu ihm wachse. Ich sollte ihn von einer menschlichen Seite kennenlernen, da er bislang wesenlos für mich gewesen war. Nach dieser Aussage - Gott pendelt nicht - fragte ich mich, wie denn die Einwirkung auf mein Pendel zustande kam. War es vielleicht eine gedankliche Einwirkung? Diese Frage beantworteten sie mit einem Bild, welches sie vor mein geistiges Auge stellten. Es zeigte meine Hand mit dem hängenden Pendel, auf die sich dann eine andere Hand legte, worauf mein Pendel sich in Bewegung setzte. Mit diesem Bild gab ich mich zufrieden und dachte nicht weiter darüber nach. Wie ich schon erzählte, hatte ich meinen Vater stets beim Buchstabieren unterbrochen, damit wir schneller vorankamen. Auch bei Gott hatte ich, nachdem der erste Buchstabe angezeigt wurde, das Wort schon in meinen Gedanken. Ich bekam aber hier die Anweisung, nicht zu unterbrechen, und mir wurde gesagt, Gott unterbreche man nicht. Die meiste Zeit unterhielt ich mich mit meinem Vater, doch immer, wenn es um den Auftrag ging, den ich noch erfüllen sollte, sprach Gott und erzählte davon.

Ich hatte große Mühe, hier mit den Augen den schnellen und ruckartigen Bewegungen meines Pendels zu folgen. Sobald ich den Anschluß verlor, zeigte ich es ihm an, und mein Pendel blieb abrupt stehen. Ich sagte, bis wohin ich hatte folgen können, und mein Pendel setzte sich wieder in Bewegung und begann genau bei dem Buchstaben, den ich angezeigt hatte, weiter zu buchstabieren. Obwohl wir sehr viel Spaß hatten, empfand ich, sobald vom Auftrag berichtet wurde, einen tiefen Ernst in mir. Ich fühlte, daß ich jetzt nicht spaßen durfte. Eines Tages jedoch wollte ich wissen, ob dieses Gefühl des Ernstes von mir kam oder nicht, und versuchte es zu verdrängen, um mich und mein mir befremdliches Gefühlsleben zu erproben. Es gelang mir nicht. Ich hatte das Gefühl, als befinde sich eine Wand oder Sperre vor meiner Gefühlsebene, die ich mit meinem Willen nicht durchbrechen konnte. So merkte ich immer mehr, daß ich nicht mehr ich selbst war, doch noch war ich voller Vertrauen und hielt alles für eine notwendige Hilfe für mich. Hin und wieder versuchten sie, mich zu necken, indem sie bei einer normalen Unterhaltung mit meinem Vater, während der ich ständig unterbrach, zwischendurch den Ausschlag meines Pendels veränderten.

Sobald ich dieses wahrnahm, hörte ich sofort auf zu unterbrechen, worüber sie sich königlich amüsierten. Ich sagte dann:„ Ihr könnt mich nicht reinlegen, ich merke es." Wir führten neben den sehr ernsthaften Gesprächen bezüglich des Auftrages auch sehr viele dieser lockeren und spaßigen Unterhaltungen, in denen ich versuchte, meine Schlagfertigkeit unter Beweis zu stellen. Ich empfand stets ein Glücksgefühl, so ich sie zum Lachen bringen konnte. Aber eine besondere Freude war es für mich, wenn mir mein Vater anschließend sagte: „Wir lieben dich" oder „Gott liebt dich", was ich auch oft zu hören bekam. Da ich Gott gefallen wollte und mich diese Liebesbezeugungen auch anspornten, bemühte ich mich sehr, mich im Umgang mit anderen Menschen innerlich positiv zu verändern. Ich konnte es gar nicht abwarten, dieser andere Mensch zu werden, der mir in vielen Tagträumen gezeigt und durch mein Pendel und die Stimmen geweissagt wurde. Trotz meiner Bemühungen war es sehr schwer, und ich war oft traurig und enttäuscht, da ich mich selbst nie für gut genug hielt, egal, wie ich mich auch den Menschen gegenüber verhielt. Mein Vater und Gott lobten mich jedoch und beteuerten mir jedesmal ihre Liebe. Und wenn einmal etwas wirklich nicht gut gelaufen war, trösteten sie mich: „Macht nichts, beim nächsten Mal wird es besser gehen."

Ich hatte nun längere Zeit an mir und mit ihnen gearbeitet und war auch ernsthaft bereit, geduldig alles zu tun und hinzunehmen, was mich zur Erfüllung des Auftrages vorbereitete; auch ermuntert dadurch, daß sie mir immer wieder sagten, ich lerne sehr schnell. Da unterbrach mein Vater eines Abends unsere Unterhaltung und sagte: „Höre jetzt gut zu, denn Gott hat dir etwas sehr Schönes zu sagen." Ich wartete gespannt, daß sich mein Pendel wieder in Bewegung setzte, und mir war plötzlich sehr ernst und feierlich zumute. Mein Pendel fing an, in der mir schon bekannten Schnelligkeit zu schwingen, und ich traute meinen Augen nicht, als ich las, was dort buchstabiert wurde: Gott sprach mich heilig! Was in diesem Moment in mir vor sich ging, ist schwer zu beschreiben. Ich glaubte es, weil er es sagte, und konnte es dennoch nicht glauben, da ich trotz Überlegung nichts fand, was mich zur Heiligen gemacht hätte. Einerseits hielt ich mich nun noch mehr für etwas Besonderes, doch gleichzeitig lehnte ich mich gegen den emporkommenden Hochmut auf, da ich ein normaler, einfacher Mensch bleiben wollte.

Nach dieser Verkündigung versuchte ich, im weiteren Gespräch locker damit umzugehen und auch ein paar Späßchen darüber zu machen, um besser damit zurechtzukommen. Denn ich wollte das schwergewichtige Gefühl, ausgezeichnet worden zu sein, loswerden. Noch längere Zeit hatte ich schwer damit zu tun, da ständig, sobald ich mit Menschen zusammentraf, dieses „Du bist heilig" bei mir im Hinterkopf auftauchte. Ich versuchte, das Wissen darüber zu verdrängen, und wünschte mir während dieser Zeit oft, Gott hätte es mir nie gesagt. Ich empfand es als Belastung auf dem Weg, alle an mich gestellten Kriterien zu erfüllen. Irgendwann gelang es mir, es zu vergessen. Auf jeden Fall wurde mein Hochmut damit ganz schön geschürt, den ich aber - Gott sei es gedankt - nach einer gewissen Zeit wieder besiegt hatte. Meine Probleme hatten mich nach relativ kurzer Zeit auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht, obwohl ich einen weiteren Erfolg erzielen konnte:

Nach der dritten Sitzung beim Hypnotiseur war ich zum ersten Mal allein Kaffeetrinken. Ich selbst hatte große Bedenken und schlich erst einmal um das Cafe herum, um Zeit zu gewinnen. In mir vernahm ich die Stimme, die sagte: „Du mußt es machen und du wirst es schaffen. Wir helfen dir, du wirst sehen." Nach einiger Zeit faßte ich Mut, ging hinein, setzte mich und gab meine Bestellung auf. Die Tasse Kaffee wurde gebracht, doch ich starrte sie nur an. Dann schaute ich um mich, um zu sehen, ob ich beobachtet wurde. Als ich feststellte, daß mich hin und wieder flüchtige Blicke streiften, traute ich mich nicht, die Tasse in die Hand zu nehmen.

Auch hier hörte ich wieder: „Wir helfen dir, du brauchst keine Angst zu haben, du wirst es schaffen." Ich spürte wieder dieses Strömen in den Armen, das ich schon von meinen Angstzuständen her kannte. Doch dieses Mal hatte es eine entgegengesetzte Wirkung. In meinen Armen und Händen verspürte ich von dem Moment an eine ruhige Kraft. Nach einer weiteren Aufmunterung griff ich zur Tasse, vorsichtshalber noch mit beiden Händen. In mir waren Angst und Zweifel, aber meine Hände blieben ruhig. Um mich zu üben, ging ich noch öfters in Cafes, aber stets hatte ich vorher diese Kämpfe mit mir und wagte es nur aufgrund des geistigen Zuspruches. Tief in mir fühlte ich jedoch: Irgendwann werde ich es ohne ihre Hilfe schaffen.

 

KAPITEL 7

Die körperliche Einflußnahme nahm noch weiter zu.

Eines Tages, beim Haarewaschen, konnte ich nicht mehr aufhören, meinen Kopf zu massieren. Ich versuchte mich darauf zu konzentrieren, meine Hände wegzunehmen, doch es ging nicht. Erst nach einer längeren Zeit konnte ich aufhören, allerdings nicht aus eigenem Impuls heraus. Meine Hände bewegten sich, und ich hatte das Gefühl, sie würden gesteuert. Auch ging ich öfters in irgendeine Richtung, ohne es zu wollen. Meine Augenbraue zog sich hoch, ich tippte mir an die Stirn, zog Grimassen und streckte die Zunge heraus, alles während den Unterhaltungen und ohne einen für mich ersichtlichen Grund. Die Zunahme der Einwirkungen machte mich nervös. Es war mir fremd und ab und zu sogar unheimlich, und dennoch versuchte ich, mich daran zu gewöhnen. Sonderbar war außerdem, daß ich einige Nächte lang während des Schlafes außerordentlich geschwitzt hatte, obwohl es noch eine kühle Jahreszeit war. Jeden Morgen wachte ich in durchgeschwitztem Nachthemd und Bettzeug auf. Als ich sie fragte, weshalb ich so schwitze, gaben sie mir als Erklärung, daß ich jede Nacht auf Reisen ginge. Ich fragte nach dem Grund dieser Reisen, und sie antworteten: „Wir führen dich mit einer anderen Seele zusammen, damit ihr euch später, wenn ihr euch begegnet, wiedererkennt."

Ich gab mich mit dieser Antwort zufrieden, und ein paar Tage später war das Schwitzen vorbei. Außerdem fiel mir auf, daß sich seit dem Kontakt mit Gott meine sehr starken Rückenschmerzen verminderten und dann ganz verschwanden. Ob es einen Zusammenhang gab, weiß ich nicht, denn die Frage hierzu wurde mit „Geheim" beantwortet. Die Stimmen in meinem Kopf wurden immer deutlicher. Ich hörte sie jetzt meistens von morgens bis abends. Ab und zu gab es Momente, in denen ich das Gefühl hatte, allein zu sein, allein zu denken und zu fühlen, ganz da zu sein. Da für mich dieser Zustand mittlerweile schon ungewohnt geworden war, fragte ich mich dann, wo sie seien, horchte in mich hinein und wartete. Wenn ich dann immer noch nichts vernahm, bekam ich anfangs sogar noch Angst, daß sie mich vielleicht aus Enttäuschung verlassen hätten. Das wollte ich damals auf gar keinen Fall, da ich im Glauben an das Gute war. Jedesmal verzog sich anschließend mein Mund wie von selbst zu einem Lächeln, und ich hörte dann: „Nein, wir sind noch da, du brauchst keine Angst zu haben, wir verlassen dich nicht." Mir fiel ein Stein vom Herzen, denn ich wollte sie nicht enttäuschen. Auch abends, kurz vor dem Einschlafen, war es meistens ruhig, und ich war meinen Gedanken überlassen.

Oft konnte ich die Gedanken nicht trennen. Sie verschwammen ineinander, und ich hatte das Gefühl, ich antworte mir selbst. Mir wurde dann gesagt: „Dein Gedanke ist unser Gedanke, und mein Gedanke ist unser Gedanke, wir denken zusammen, du mußt dich daran gewöhnen." Doch das fiel mir sehr schwer. Zwischendurch jedoch verspürte ich deutliche Unterschiede, eine Trennung der Gedanken, bei der ich genau die Fragen und Antworten dem Richtigen zuordnen konnte, ohne mich zu irren. Außerdem gab es einen Unterschied zwischen den Fremdgedanken und den Stimmen. Sie nahmen Einfluß durch Gedanken, die in mir waren, und durch Stimmen, die von außen kamen, obwohl ich sie nicht mit meinen Leibesohren hörte. Mein Vater war stets rechts von mir, Gott links. Eines Abends fragte mich mein Vater, ob er mir einen Kuß geben solle, da ich ihn ja einmal darauf angesprochen hätte, wenn auch scherzhaft. Ich erinnerte mich, daß er damals antwortete, er küsse gefährlich, was mich unsicher machte.

Doch er sagte: „Jetzt darf ich es, ich erkläre es dir später." (Diese Erklärung habe ich nie bekommen.) Einerseits wollte ich es, andererseits hatte ich doch ein ungutes Gefühl, da ich nicht wußte, wie es sein würde bzw. was auf mich zukommen sollte. Ich versuchte gelassen zu sein und wartete. Nach einiger Zeit sagte er: „Ich spüre deine Angst, und solange du diese Angst hast, wird nichts geschehen." Einige Tage später jedoch spürte ich einen kühlen Hauch in meinem Gesicht. Ob es ein Kuß war, weiß ich nicht, denn ich habe seltsamerweise nie danach gefragt, und mir wurde es auch nie gesagt. Danach nahm ich diesen kühlen Hauch immer öfter wahr, später auch an den Armen und Beinen, was mir jedoch nie ein Unbehagen bereitete. Ungefähr von diesem Zeitpunkt an wurde auch das geistige Schauen intensiver. Mir wurde eine Szene vor mein geistiges Auge gestellt, deren Bildbeschaffenheit allerdings weder den eigenen bildlichen Vorstellungen noch dem Sehvermögen der Fleischesaugen entsprach.

Sie lag irgendwo dazwischen. Ein geistiges - Bild und doch klar und deutlich wie real: Zwei Personen saßen hinter einem Tisch, wobei ich aber nur die Tischplatte, nicht die Beine sehen konnte. Beide hatten braune Kutten an. Die Gesichter waren mir zugewandt. Ich schaute sie wortlos an, da ich noch nicht wußte, was ich daraus machen sollte. Ich überlegte noch, ob es nun Einbildung war oder nicht, als meine Stimmen sagten: „Wir zeigen dir das, was ist." Dann fragten sie mich, ob ich wüßte, wen ich da sehe. Vom Gefühl her nahm ich an, daß die Person links Gott sei und die rechts mein Vater. Sie bejahten es. Ich wunderte mich aber, daß Gott nur Zahnstummel im Mund hatte; ansonsten sah er so aus, wie ich mir Jesus vorstellte. Er hatte schulterlange, leicht gewellte, braune Haare, in der Mitte gescheitelt, braune Augen und einen dünnen Vollbart. Seine Augen waren sehr gütig, sehr liebevoll. Alles war vollkommen und schön, nur die Zahnstummel störten mich. Ich wollte sie mir genau ansehen und herausfinden, was es zu bedeuten hätte, doch ich fand nie eine Erklärung.

Anfangs sah ich nur Gott mit einem vollständigen Gesicht. Bei meinem Vater sah ich nur die braune Kutte und als Kopf eine helle Kugel, ohne Augen, Mund und Nase. Dieses Bild bzw. diese Szene bekam ich mehrere Tage lang öfters zu sehen, und das Aussehen meines Vaters veränderte sich während dieser Zeit. Zuerst sah ich zusätzlich nur Haare. Sie waren ebenfalls schulterlang und in der Mitte gescheitelt, doch fast schwarz und dünner als die von Gott. Dann zeigte sich im Gesicht ein rotes klaffendes Loch, wo der Mund sein sollte. Ich hatte den Eindruck, daß seine Gedanken dort herauskamen, denn, ohne daß sich dort etwas bewegte, sprach er zu mir. Ab und zu hielt er es sich mit beiden Händen zu, und ich hörte nichts mehr bzw. nahm keinen Gedanken von ihm mehr wahr. Er sagte mir, er werde mir später erklären, was dieses Loch zu bedeuten habe (auch diese Erklärung kam nie). Danach bildeten sich auch bei ihm so nach und nach Augen, Nase und Mund. Er trug ebenfalls einen Bart, nur war dieser noch dünner als der von Gott. Sein Aussehen war nicht das meines Vaters zu Lebzeiten. Auch bei Gott nahm ich eine Veränderung wahr. Am zweiten oder dritten Tag waren die Zahnstummel verschwunden, und er hatte ebenmäßige Zähne.

Sie sprachen auch jetzt immer wieder von dem Auftrag, wie sie mich vorbereiten würden und was ich tun müsse, um den Auftrag ausführen zu können. Wie schon erwähnt, sollte ich positiv werden. Ich sollte auf jeden Menschen zugehen können, in der freundlichsten Weise, aufgeschlossen mit dem größten Verständnis, durfte mich über nichts mehr ärgern, mußte meine Ängste, Zweifel und Unsicherheiten loswerden, hatte mich zu üben in der Gedankenzuordnung, damit ich später keinen Fehler mache, und sollte Vertrauen aufbauen zu der geistigen Führung. Alles Negative mußte aus mir heraus.

Ich wollte mitmachen und alle Kriterien erfüllen. Da ich aber wußte, daß ich bei jedem Schritt, bei jedem Wort, jeder Geste und jedem Gedanken beobachtet wurde, kam in mir auch eine große Unsicherheit auf. So setzte ich mich sehr unter Druck, weil ich keinen Fehler machen und nicht versagen wollte. Für mich war es sehr schwer, alles das, was sie mir vorgaben, zu erfüllen, da ich genau dem Gegenteil entsprach. Und es war so viel auf einmal, was ich zu bewältigen hatte. Ich bemühte mich dennoch, und sie lobten mich häufig. Vor meinem geistigen Auge sah ich sie jetzt oft. Wenn ich z. B. mit dem Wagen fuhr, saßen sie auf dem Rücksitz. Später sah ich sie schwebend über mir. Sie befanden sich stets nebeneinander und redeten mit mir. So wurden sie auch sichtbar zu meinen ständigen Begleitern.

 

KAPITEL 8

Bei der vierten Sitzung beim Hypnotiseur sah ich sie schwebend unter der Zimmerdecke, und sie sagten wieder: „Wir helfen dir." Ich fühlte mich wohl und beschützt und hatte das Gefühl, alles würde gut. Ich wußte, ich würde es schaffen, meine Angst zu besiegen. Der Hypnotiseur sagte mir während der Sitzung, ich würde auf die Menschen zugehen, ich würde ihnen offen ins Gesicht schauen. Alles so, wie es mir mein Vater zuvor auch erklärt hatte. Ich stutzte und wunderte mich, denn es waren fast die gleichen Worte. Mein Vater und Gott sagten mir anschließend, sie hätten sie dem Hypnotiseur eingegeben.

Ich zweifelte immer noch, ob vier Sitzungen bei mir ausreichen würden, um meine Ängste zu verlieren, und konnte es mir einfach nicht vorstellen. Aber sie erklärten mir daraufhin, daß sie nachts, wenn ich schlafe, weitermachten; deshalb würde ich es in so kurzer Zeit schaffen und ohne sie würde ich mehr Sitzungen benötigen. Nach dieser vierten Sitzung forderten sie mich auf, in ein Restaurant zu gehen, um dort zu essen. Ich wollte es einerseits schon ausprobieren, doch meine Unsicherheit hielt mich noch zurück. Sie machten mir abermals Mut und sagten, sie würden mir helfen. Ich wußte, ich mußte es tun, um wieder Vertrauen zu bekommen, und ging dann auch mit gemischten Gefühlen hin. Als ich das Restaurant betrat, schaute ich mich schnell um, und als ich feststellte, daß es fast leer war, fiel mir wieder ein Stein vom Herzen. Ich wollte mir bereits einen Tisch in irgendeiner Ecke aussuchen und mich mit dem Rücken zum Raum hinsetzen, als sie mich bedrängten, mir einen Tisch in der Mitte des Raumes zu nehmen. Ich tat es und bestellte mein Essen. Während ich wartete, beobachtete ich mit Entsetzen, daß sich das Lokal füllte.

Langsam wurde Tisch für Tisch besetzt, und in mir kroch wieder die Angst hoch. Meine Überlegung ging dahin, wie ich aus dieser Situation am besten wieder herauskäme, ohne essen zu müssen, denn dieses wollte ich jetzt möglichst umgehen. Am liebsten wäre ich geflohen, so wie ich es früher oft getan hatte. Doch bevor sich meine Gedanken überschlugen, redeten sie beruhigend auf mich ein. Das Essen kam, und ich griff zaghaft zur Gabel. Meine Hände blieben ruhig. Sie hatten mir wohl wieder geholfen. Im Lokal begab sich noch, daß eine Behinderte an meinem Tisch vorbeiging und ich wie immer wegschauen wollte, als sie mir sagten: „Schaue nicht weg, sieh ihr offen und freundlich ins Gesicht, denn es ist wichtig; du darfst nicht mehr wegsehen." Ich tat es, lächelte sie an. So gaben sie mir in dieser Zeit meistens Anweisungen, wie ich mich zu verhalten hatte, und ich empfand es wirklich als Hilfe. Nach diesem Restaurantbesuch freute ich mich schon auf den Hypnotiseur, um ihm von meinem Erfolg zu erzählen.

Er freute sich mit mir, schlug mir jedoch noch eine fünfte Sitzung vor, um alles zu festigen. Ich war so glücklich und erleichtert, daß dieses Problem endlich gelöst war, und merkte auch, wie ich innerlich wieder stärker wurde, mich freier fühlte. In der nachfolgenden Zeit ging ich noch öfters in Cafes oder Restaurants, um das Gefühl zu bekommen, daß ich es auch ohne weitere Hilfe schaffe, denn ich mußte wieder Vertrauen zu mir selbst bekommen. Ein weiteres Problem war, daß ich immer noch von Tagträumen stundenlang festgehalten wurde, so daß ich nicht in der Lage war, die alltäglichen Dinge zu bewältigen. Mein Haushalt entglitt mir, und es war schwer für mich, das Nötigste zu erledigen. Es gelang mir nur, wenn ich mich sehr zusammenriß. Ebenso vergaß ich Verabredungen und andere Termine. Oft erschrak ich, wenn ich wieder zu mir kam, auf die Uhr schaute und merkte, wieviel Zeit vergangen war.

Ich versuchte mich davon zu lösen, um wieder mein normales Leben aufnehmen zu können, doch es gelang mir nicht. Immer wieder wurde ich in diese Tagträume hineingezogen. Als ich anfing, bereits Schwierigkeiten zu bekommen, bat ich meine beiden Helfer, mir diese Tagträume zu nehmen. Sie taten es nach meiner Bitte prompt, denn von dem Moment an hatte ich keine mehr. Hin und wieder passierte es jedoch, daß ein Tagtraum seinen Anfang nehmen wollte, doch kaum, daß ich es wahrnahm, wurde er mir schon wieder genommen; er wurde einfach weggeschoben, aber nicht von mir. Als Test versuchte ich, ihn mir wieder zurückzuholen, doch war dieses nicht möglich. Auch hier hatte ich das Gefühl, als befinde sich eine Wand oder Sperre davor. Ich wurde aktiver, und als mein Mann mir das Angebot machte, in seiner Firma drei Wochen in Urlaubsvertretung einer Kollegin zu arbeiten, nahm ich erfreut an, denn ich sah die Möglichkeit, auch in dem Bereich wieder sicherer zu werden. Der erste Arbeitstag verlief sehr positiv. Eine Kollegin erklärte mir, was ich zu tun hatte. Ich ging offen auf die Menschen zu, scherzte mit ihnen und lächelte den ganzen Tag.

Ich war bemüht, so zu sein, wie ich sein sollte nach den Belehrungen durch Gott und meinen Vater, denn ich wollte vorwärtskommen. Noch war es oft aufgesetzt, erzwungen, und mir war klar, daß dieser neue Mensch mir erst einmal in Fleisch und Blut übergehen mußte. Nur in einem Punkt blieb meine Unsicherheit: Ob das, was ich sagte oder tat, auch richtig und gut war. Stets horchte ich etwas ängstlich in mich hinein, ob da vielleicht ein Lob oder Tadel zu vernehmen war. Manchmal, wenn etwas nicht so in ihrem Sinne verlief, sagten sie: „Überdenke das noch einmal!" Doch meistens erhielt ich Lob. In dieser Zeit fing ich auch an, mich zu beobachten, innerlich zu beschauen, wahrzunehmen und zu korrigieren. Aber die Unsicherheit, die Zweifel an mir selbst, an der Ehrlichkeit meiner Gedanken und Gefühle und meine Ängstlichkeit in bezug auf ein Versagen waren große Steine, die sehr schwer aus dem Weg zu räumen waren.

 

KAPITEL 9

Nach meinem ersten Arbeitstag rief ich bei meiner Freundin an, um ihr davon zu berichten. Wir verabredeten uns für den übernächsten Tag, da ich seit unserem letzten Treffen bereits wieder sehr viel mit meinem Vater erlebt hatte und ihr auch davon ausführlich erzählen wollte. Da mir verboten worden war, zu erzählen, daß auch Gott bei mir war, erwähnte ich nur meinen Vater. Zu diesem Treffen sollte es jedoch nicht kommen: In der folgenden Nacht wurde ich nachdrücklich aufgefordert - um nicht zu sagen, gezwungen, - über Gott nachzudenken. Mir wurden Fragen gestellt über meine Gefühle zu Gott, über Glauben, über mich und meine Vergangenheit. Ich mußte zu allem Stellung nehmen. Sie wollten sehen, ob meine Gefühle auch wahr seien. Ab und zu stellte auch ich Fragen, doch sie erwiderten dann jedesmal: „Du mußt die Antworten selbst suchen." Sie erklärten, es sei alles in mir, ich müsse es nur finden. Ich strengte mich an, suchte und fand fast immer nach einiger Zeit die Antworten.

In dieser Nacht war ich sicher, selbst die Antworten gefunden zu haben, doch später bekam ich auch hier meine Zweifel und schließe nicht aus, daß sie mir eingegeben wurden. Dann sollte ich herausfinden, worauf es gegenüber Gott und den Menschen im Leben ankommt. Es tauchten immer mehr Erinnerungen aus meinem Leben auf. Ich wußte, ich hatte nicht so gelebt, wie ich sollte, um Gott wohlgefällig zu sein, und bekam bei jeder Erinnerung ein schlechtes Gewissen. Immer wenn etwas Negatives aus meinem Leben auftauchte, versuchte ich sofort, den Gedanken wieder zu verdrängen, doch hörte ich dann: „Moment mal, was war das eben?" Ich mußte mich rechtfertigen, erklärte und entschuldigte mich. Danach wurde mir tröstend gesagt: „Es ist nicht so schlimm, wir wissen, warum es so war, wir verstehen. Du hast schlimme Dinge erlebt, deshalb hast du so gedacht, so gefühlt, so reagiert." Sie zeigten sich sehr verständnisvoll, trotzdem bekam ich immer wieder dieses schlechte Gewissen, sobald etwas Unschönes auftauchte. Sie beruhigten mich und erklärten: „Ehrlichkeit ist wichtig, egal, was ist, nur die Ehrlichkeit zählt." Ich bereute vieles, aber ich konnte es nicht mehr ändern. Was war, ist geschehen; ich konnte nur lernen und versuchen, es in Zukunft besser zu machen.

Das nahm ich mir auch fest vor, obwohl ich immer wieder auf Schwierigkeiten stieß und auch heute noch stoße. Sie sagten, daß es eine Prüfung sei, die sehr ernst wäre. Es wurde auch nicht mehr gescherzt und gelacht. Ich spürte diesen tiefen Ernst in mir. Die Prüfung fand zwei Nächte und einen Tag lang statt. Während dieser Zeit habe ich weder geschlafen noch gegessen. Ich empfand weder Müdigkeit noch Hunger. Manchmal, wenn ich mich darüber wunderte, überkam mich kurz die Müdigkeit, meine Augenlider wurden schwer und fielen zu, doch im nächsten Moment war ich wieder hellwach. Einmal geschah dieses ein paar Mal hintereinander, müde, hellwach, müde, hellwach, innerhalb von Sekunden. Ebenso war es mit dem Hunger. Sie zeigten mir dadurch, daß es an ihnen lag, daß ich weder Müdigkeit noch Hunger verspürte. Langsam wuchs meine Unsicherheit Gott gegenüber. Sie schlug sogar manchmal in Angst um, was ich nicht verstehen konnte, denn ich hatte nie Angst vor ihm gehabt.

Ich lernte Gott jedoch von einer anderen Seite kennen. Zuvor war er humorvoll, aber jetzt war davon nichts mehr zu vernehmen. Irgendwann hörte ich von links, wo Gott sich befand, ein Knurren, ich kann es nicht anders beschreiben. Es war jedenfalls ein tierischer Laut. Dieser Laut trat immer dann auf, wenn ich bei einer Frage von seiten meines Vaters Angst hatte, Stellung zu nehmen, wenn ich nach guten Formulierungen suchte oder wenn nach der Antwort Zweifel in mir aufkamen, ob die Antwort auch ehrlich war. Obwohl ich wußte, daß die Antworten der Wahrheit entsprachen, kamen immer wieder Zweifel in mir auf, wuchs meine Unsicherheit. Mein Vater sagte mir: „Du brauchst vor Gott keine Angst zu haben und du brauchst auch nicht unsicher zu sein, denn Gott kennt dich." Mit dem Knurren wolle er mir nur helfen und mich darauf aufmerksam machen, daß ich etwas falsch gemacht hätte, weil ich unsicher war, Angst hatte oder zweifelte.

Er sagte auch, Gott verstehe mich, er habe für alles Verständnis. Ich erschreckte mich trotzdem jedesmal, zuckte regelrecht zusammen, wenn dieses Knurren ertönte. Die Fragen stellte stets mein Vater und ermutigte mich zu antworten, sobald ich zögerte. Gott warf oft Zweifel ein, Zweifel an mir. Er rief dann: „Sie lügt", wodurch meine Unsicherheit ihm gegenüber wuchs und meine Zweifel an mir selbst verstärkt wurden. Mein Vater half mir jedesmal, indem er antwortete: „Nein, sie lügt nicht, ihr Gefühl ist echt, ich spüre es." Vorher schon hatte er mir gesagt, daß er für mein Gefühl zuständig sei und spüre, ob es ein wahres Gefühl ist. Deshalb konnte er es Gott immer bestätigen, wenn dieser an mir zweifelte, und ihn somit beruhigen. Irgendwann stellte ich mir die Frage, wieso Gott es selbst nicht erkennen konnte, ob mein Gefühl ein wahres sei, weshalb mein Vater es ihm sagen mußte. Ich erklärte es mir so, daß mein Vater vielleicht gefühlsmäßig enger mit mir verbunden war. Heute weiß ich, daß auch das Unsinn ist, doch damals war es die einzige Erklärung, die ich fand.

Trotz des ganzen Zuspruches meines Vater verlor ich Angst, Zweifel und Unsicherheit nicht, obwohl ich ihm glaubte, daß Gott mir nur helfen wollte und es gut mit mir meinte. Trotz meiner Bemühungen, mein Vertrauen wachsen zu lassen, wurde ich immer wieder umgeworfen. Es gelang mir nicht, diese Gefühle loszuwerden, sie wurden sogar noch stärker. Während dieser Prüfung schossen mir auch immer wieder negative Gedanken durch den Kopf. Es waren negative und zweifelnde Gedanken über Gott. Sie sagten, daß sie das machten, um mich auf etwas vorzubereiten, was später einmal geschehen kann, von anderer Seite, von einer Seite, die nicht will, daß ich den Auftrag erfülle. Doch jedesmal, wenn ein solcher Gedanke aufkam, erschrak ich, schaute ängstlich zu Gott, denn Gott knurrte. Mein Vater sagte, ich müsse aufhören, Angst davor zu haben, und erkennen, daß die Gedanken nicht von mir sind. Wenn sie da sind, sollte ich sie ignorieren und darauf vertrauen, daß Gott es weiß. Sie erklärten mir, daß später diese Störungen geschehen können. Danach verrieten sie mir, daß mein Zweifel nicht von mir komme, sondern von ihnen. Es diene einer Vorbereitung und ich `dürfe mich dadurch nicht beirren lassen. Trotzdem ließ ich mich immer wieder umwerfen und sah mich stets veranlaßt, mich zu rechtfertigen und zu entschuldigen, um sie zu besänftigen.

Durch diese negativen Gedanken bekam ich Angst vor den Gedanken, da ich bald nicht mehr wußte, welches meine Gedanken waren, und auch nichts machen konnte, damit sie nicht mehr kamen. Sie schossen einfach in den Kopf, anders kann ich es nicht beschreiben. Mein Wissen, meine Gedanken und meine Gefühle liefen nicht mehr konform. Alles widersprach sich gleichzeitig. Mein Wissen war nicht identisch mit meinen Gedanken und diese wieder nicht mit den gleichzeitigen Empfindungen. Einmal bemerkte ich während der Unterhaltung ein Zucken in Armen und Beinen, das nicht mehr aufhörte. Auf die Frage, was das zu bedeuten habe, sagte man mir, es sei nichts Schlimmes.

Nach einiger Zeit war dieses ununterbrochene Zucken zunächst vorbei, trat jedoch bei fast jedem Gedanken in dem einen oder anderen Gliedmaß wieder auf. Sie erklärten mir, daß es eine Hilfe für mich und für sie sei. Anfangs zuckte jeweils nur ein Bein. Ihre Erklärung war, daß beim rechten Bein der Gedanke der Wahrheit entspräche, beim linken Bein sei er eine Lüge, egal, ob ich dachte oder mein Vater. Beim Befragen zuckte hin und wieder das linke Bein, was Lüge bedeutete, obwohl ich wußte, daß das, was ich gesagt hatte, der Wahrheit entsprach. Mein Vater sagte auch hier zu Gott: „Sie hat nicht gelogen, ihr Gefühl sagt es mir." Als dieses ein paar Mal geschah, vermuteten sie eine Störung. Erst dachten sie, ich sei es, die störte, die ab und zu mit Gedankenkraft das falsche Bein zucken ließ, um sie zu verwirren. Dann testeten sie mich und stellten fest, daß ich es nicht war. Auch ich konnte es nicht verstehen. Die weitere Vermutung von ihnen war, daß die Störungen von außen kamen. Sie wußten jedoch selbst nicht, von wem.

Von nun an zuckten meine Beine auch bei den Unterhaltungen nach dieser sogenannten Prüfung und auch, wenn wir uns nicht miteinander unterhielten und sie mich mit meinen Gedanken alleine ließen. Auf meine Nachfrage hin teilten sie mir mit, daß sie in dem Moment alle mir vorher gestellten Fragen noch einmal durchgingen, um festzustellen, ob die Antworten der Wahrheit entsprächen. Sie meinten auch, auf diese Weise hätten sie noch einmal feststellen können, daß ich nicht gelogen hätte, obwohl das linke Bein zuckte. Später begannen auch die Hände zu zucken. Mein Vater gab nun an: Wenn das rechte Bein zuckt, denke ich, beim linken Bein denkt er, und wenn dazu die linke Hand zuckt, entspricht es der Wahrheit, die rechte Hand ist eine Lüge.

Von dem Zeitpunkt an beobachtete ich es im Zusammenhang mit den Gedanken sehr genau, doch wurde es dann immer wieder umgeändert. Sie sagten, sie könnten es auch umpolen. Später bekam ich meine Zweifel, daß die Beschreibung, die sie mir anfangs gaben, richtig war. Nachdem es einige Male sozusagen umgepolt wurde, erklärten sie mir, daß es wichtig sei, herauszufinden, was das Zucken meiner jeweiligen Gliedmaßen zu bedeuten habe. Ich habe lange Zeit versucht, es herauszufinden, doch jedesmal, wenn ich glaubte, es gefunden zu haben, wurde es erst mit Bravorufen bestätigt, danach aber wieder umgeworfen. Nach einiger Zeit kam ein Zucken in den Armen dazu, was auch eine Bedeutung haben sollte, die ich herauszufinden hatte. Eine lange Zeit bemühte ich mich, sah aber dann die Vergeblichkeit und wollte es ignorieren, doch war es mir nicht möglich, da meine Gedanken dort immer wieder hingezogen wurden. Ich sträubte mich und versuchte, mich mit anderen Gedanken abzulenken. Erst sehr viel später sollte es mir gelingen. Auch heute noch verspüre ich dieses Zucken. Es ist nicht mehr so stark wie zu jener Zeit und auch seltener geworden, erscheint nicht mehr bei jedem Gedanken, sondern nur ab und zu, wenn ich mich innerlich mit dem Geistigen beschäftige. Heute registriere ich es zwar, aber beachte es weiter nicht mehr. Die Ursache kenne ich immer noch nicht, aber aus dem Gefühl heraus weiß ich, daß es irgendwann vorbei sein wird.

Doch nun erst einmal zurück zu den Nächten der Prüfung, denn es ist dabei noch einiges geschehen. In der zweiten Nacht war meine Verwunderung noch stärker, daß ich trotz dieser Anstrengung nicht müde wurde. Ich sehnte mich zwar nach Schlaf, aber nur, um meine Ruhe zu haben, doch war ich hellwach, sie ließen mich einfach nicht zur Ruhe kommen. Der Tag und die Nacht davor waren schon sehr anstrengend gewesen, denn ich mußte Frage und Antwort stehen, suchen und finden, mußte mir den Kopf zermartern ohne Pause. Es nahm kein Ende. Ich wechselte von Freude über in Verzweiflung und wieder zurück zur Freude. Zwischendurch sagten sie oft: „Du hast es bald geschafft, nur noch diese letzte Frage." Nach meiner Antwort dachte ich, damit wäre es überstanden, doch dann schoß mir wieder etwas in den Kopf und ich mußte abermals Stellung nehmen, und so ging es weiter und weiter. Ich machte mit, weil ich das Gefühl hatte, daß es sehr wichtig für mich war. Ich wollte diese Prüfung auch bestehen, um Gott nicht zu enttäuschen, so schwer es auch war. Erst am Morgen durfte ich eine Pause machen. Doch zuvor hatte ich noch ein sehr schlimmes Erlebnis.

Mit einem Male bekam ich das Gefühl, in ein tiefes schwarzes Loch zu sinken, besser gesagt, als ziehe mich etwas in die Tiefe. Ich spürte diesen Zug nach unten und war sehr erschrocken, da ich nicht wußte, was jetzt wieder mit mir geschah. Mich überkam eine enorme Angst, doch dann hörte ich die verzweifelten Zurufe meines Vaters: „Du mußt kämpfen, schaue in Gottes liebevolle Augen!" Plötzlich fühlte ich, daß ich verloren sein würde, wenn ich nicht kämpfte. Dieses Gefühl weckte in mir den Kampfgeist. Ich suchte Gottes Augen. Doch zuerst sah ich nichts, meine Verzweiflung wuchs. Dann mit einem Male sah ich ein Gesicht mit wundervollen Augen vor mir, die mich voller Liebe ansahen. Diese Augen schienen mich festhalten zu wollen. Ich war überzeugt, daß es Gott war, und schaute voller Verzweiflung hinein, um sie nicht zu verlieren. Nebenbei ertönten stets die Zurufe meines Vaters: „Du mußt kämpfen, du schaffst es!"

Der Zug nach unten ließ etwas nach, aber ich kämpfte weiter, wie ich noch nie gekämpft hatte, obwohl ich immer noch nicht wußte, wogegen, und folgte nur den Zurufen. In dem Augenblick hatte ich das Gefühl, es sei der Kampf meines Lebens. Jetzt und hier entschied es sich, wo ich hingehöre bzw. wo ich hinkommen werde, wenn ich sterbe. Als es mir bewußt wurde, kämpfte ich noch stärker, denn nur Gott wollte ich angehören. Ich hielt mich an seinen Augen fest und dachte immerzu, Gott liebt mich. Mein Vater rief: „Ja gut, mach weiter so!" Nur diesen einen Gedanken ließ ich zu, da ich befürchtete, mit einem eingegebenen Gedanken abgelenkt zu werden, und dieser eine Gedanke - Gott liebt mich - gab mir Kraft. Doch plötzlich verlor ich seine Augen und wurde wieder in die Tiefe gezogen. Ich kämpfte noch stärker, und mein Vater schrie noch verzweifelter: „Du mußt kämpfen, du mußt zurückkommen, du schaffst es, schaue in Gottes liebevolle Augen!" Ich suchte sie, fand sie zuerst nicht und wurde weitergezogen. Dann hatte ich sie wieder, schaute hinein, hielt mich fest, und der Zug in die Tiefe hörte auf. Ich stieg sogar auf, doch hatte ich noch das Gefühl, daß etwas an mir hing, mich festhielt. Ich verlor die Augen abermals, sank wieder ab.

So ging es hin und her, ich weiß nicht wie lange. Meine Kräfte ließen nach, und mich überkam eine Gleichgültigkeit, wodurch ich mich einfach fallen ließ, jedoch nur für einen kurzen Augenblick, denn ich hörte immer diese verzweifelten Zurufe: „Nein, du darfst nicht aufgeben, gib nicht auf, du schaffst es!" Nun kämpfte ich gegen diese Gleichgültigkeit an und schaffte es auch, fand Gottes Augen wieder und stieg aus diesem schwarzen Loch auf. In dem Moment entsann ich mich, daß sie einmal gesagt hatten auf die wahren Gefühle komme es an. Ich horchte in mich hinein, ob ich da nicht ein Gefühl von Liebe zu Gott fände. Zuerst fand ich nichts und wurde noch verzweifelter, denn ich war sicher, Gott zu lieben. Aber dann durchströmte mich und mein Herz eine unbeschreibliche Wärme. Nun sah ich nicht nur Gottes Augen, ich verspürte auch Liebe zu ihm. Das Ziehen nach unten ließ ganz nach, und etwas löste sich von mir, so daß ich nicht mehr das Gefühl hatte, festgehalten zu werden. Ich fühlte mich frei und von einer Last erlöst.

Danach machte sich jedoch erst richtig die körperliche Zerschlagenheit bemerkbar, und ich war schweißgebadet, fühlte mich kraftlos und ausgelaugt. Das Absinken in diese Tiefe war wohl das Schlimmste, was ich bisher erlebt hatte, das Gefühl, verloren zu sein, wenn ich es nicht schaffte. Bis heute weiß ich nicht, ob ich wirklich in die Tiefe gezogen wurde, ob es tatsächlich um mein Seelenheil ging oder mir nur das Gefühl des Verlorengehens eingegeben wurde, damit ich beweisen sollte, inwieweit ich bereit war und die Kraft hatte, für Gott zu kämpfen. Mir wurde es einmal so und einmal so bestätigt, wodurch sie mich schlußendlich im ungewissen ließen. Daraufhin stellten sich mir erneute Fragen, und ich dachte darüber nach, ob eine Seele wirklich verlorengehen kann. Bisher glaubte ich nicht daran und hatte mich bis dahin auch noch nie mit dem Bösen (ich nenne es einmal so) auseinandergesetzt. Es wurde mir immer klarer, wie wenig ich darüber wußte, was zwischen Himmel und Erde geschieht oder geschehen kann. Ich fragte mich, was es außer Gott noch gibt, ob eine Gegenseite zu ihm besteht, die auch Macht über die Menschen ausüben konnte.

An Seelen Verstorbener, die arger Natur sind und den Menschen zusetzen können, glaubte ich zwar bislang, aber an einen persönlichen Teufel, wie er in den Vorstellungen einiger Menschen vorkommt, glaubte ich nicht. Allerdings überlegte ich nun, weshalb ich mich so sehr zu Gott zurückkämpfen mußte und was mich in die Tiefe ziehen konnte. Es mußte etwas Stärkeres sein als nur die arge Seele eines Verstorbenen. Ich sollte auch hierüber noch keine Antwort bekommen. An einem dieser Prüfungstage wäre auch die Verabredung mit meiner Freundin gewesen. Meine Zeit wurde jedoch derart beansprucht, daß ich an diese Verabredung gar nicht mehr dachte, nicht denken konnte. Das ganze Leben um mich herum existierte nicht mehr. Auch einen anderen Termin hatte ich an diesem Tage vergessen. Am Abend der Verabredung ging das Telefon. Es war meine Freundin, die wissen wollte, wo ich bliebe. Während des Gespräches wurde mir gesagt, daß ich nicht erzählen dürfe, was passiert sei.

Ich war unsicher und hatte Angst, da ich nicht wußte, wie ich es ihr erklären sollte. Als Begründung schob ich dann eine Übelkeit vor, die mich die ganze Nacht geplagt hatte, weshalb ich den ganzen Tag geschlafen hätte und somit nicht anrufen konnte. Später am Abend rief die Freundin nochmals an. Mein Mann ging ans Telefon und als er mich holen wollte, weigerte ich mich, mit ihr zu sprechen, da ich ahnte, daß sie jetzt gezieltere Fragen stellen wollte. Ich beauftragte ihn, ihr zu erzählen, daß es mir immer noch nicht gut gehe und ich sie am nächsten Tag anrufen würde. Als ich sie dann anrief, erzählte sie mir, daß sie sich große Sorgen gemacht hätte und nicht an meine Übelkeit glaubte. Sie vermutete einen Zusammenhang zu dem Kontakt mit meinem Vater und fragte hartnäckig danach. Ich wich ihr aus und beharrte weiter auf der Übelkeit. Langsam hörte sie auf zu fragen, doch sagte sie noch: „Ich dachte schon, dir sei Luzifer begegnet." Dabei ging mir nur durch den Kopf: „Vielleicht hast du sogar recht", was ich jedoch nicht aussprach. Wir verabredeten uns erneut, doch dieses Mal freute ich mich nicht auf das Treffen, denn ich ahnte, daß sie mir viele Fragen stellen wollte. Und ich hatte noch keine Ahnung, wie ich antworten durfte. Meine Befürchtung, irgendetwas zu verraten, war sehr groß, und am liebsten hätte ich gar nicht mehr mit ihr über diese ganzen Dinge gesprochen.

Mein Vater beruhigte mich und sagte: „ Wir werden dir bis dahin sagen, was du erzählen kannst und was nicht, denn es ist ja noch Zeit." Während der Prüfungen hatte ich Gott als sehr streng kennengelernt, und meine Unsicherheit wuchs. Von da an konnte ich mit keinem Menschen mehr frei und ungezwungen reden, da ich perfekt sein und keinen Fehler machen wollte. Deshalb prüfte ich jeden Gedanken, bevor ich ihn aussprach. Wenn ich z. B. telefonierte, war von seiten meines Vaters Stille, und ich war wieder mir selbst überlassen. Durch die hohen Anforderungen, die an mich gestellt wurden, wußte ich auch nicht mehr, wie ich auf die Erzählungen meiner Gesprächspartner reagieren sollte, denn auch da befürchtete ich, Fehler zu machen. Ich wollte mehr denn je, daß Gott zufrieden mit mir war; doch das Wissen, daß er mich persönlich beobachtete, hemmte mich so stark, daß ich zu einem ungezwungenen Gespräch nicht mehr fähig war. Ich wußte nicht mehr, wie ich mich verhalten sollte, und fühlte mich wie zwischen zwei Stühlen sitzend.

Die Angst vor meinen Gedanken wurde auch immer größer. Obwohl ich nie an einen strafenden Gott glaubte, hatte ich doch Angst. Ich fühlte mich unter Druck stehend, da ich dachte, jetzt müsse ich alles Gute beweisen, wodurch die Zweifel an mir selbst auch stets größer wurden. Denn ich spürte, daß alles, jeder Gedanke, jedes Wort, jede Geste von mir erzwungen war. Meine Angst bezog sich darauf, daß meine Gefühle und Antworten nicht ehrlich waren und Gott dies wisse. Ich wußte bald selbst nicht mehr, was ehrlich war und was nicht, obwohl ich mich ständig bemühte, alles zur Ehrlichkeit zu bringen. Mein Vater sagte mir: „Du brauchst keine Angst vor deine Gedanken zu haben, du wurdest schon immer beobachtet, jeder Mensch wird es. Gott liebt dich und will dir helfen zu verstehen, ihn zu verstehen."

Ich war hin- und hergerissen. Obwohl er immer wieder sagte: „Gott ist da und hilft dir', blieb meine Angst. Ständig versuchte ich, mich in meine anfängliche Sicherheit zurückzubringen, indem ich mir selbst immer wieder sagte: Gott straft doch nicht, er kennt mich und sieht mein Bemühen und weiß auch, wie schwer es ist, alle alten Gewohnheiten abzulegen, denn was man sich ein Leben lang angeeignet hat, kann man nicht von heute auf morgen loswerden. Ich hielt mir mein bisheriges Leben vor Augen und stellte immer wieder fest, daß Gott mir sehr oft geholfen hat, obwohl ich wahrlich kein rühmliches Leben geführt hatte. Weshalb also diese Angst vor ihm, Angst, es nicht richtig zu machen, Angst zu versagen? So gelang es mir stets, mich innerlich aufzurichten, und ich empfand dann ein unendliches Vertrauen zu Gott. In solchen Momenten konnte ich meine vorherigen Ängste, Zweifel und Unsicherheiten nicht mehr verstehen.

Spätestens am nächsten Tag jedoch war alles so wie vorher. Ich war wieder unsicher, ob ich alles richtig machte, hatte Angst davor, daß er mir nicht glaubte, wenn ich gut über ihn dachte oder für ihn empfand, und zweifelte auch wieder an mir selbst, daß das, was ich an Gutem ihm gegenüber dachte oder empfand, nicht von mir kam und somit nicht wahr wäre. So ich Liebe und Wärme für ihn in mir verspürte, waren meine Gedanken nicht gläubig, sondern zweifelnd. Das verwirrte mich stets, denn ich wußte nicht mehr, ob nun die Gedanken oder die Empfindungen von mir kamen. Ich suchte mich ständig und war bemüht, mich darin zurechtzufinden. Obwohl mein Vater auch hier sagte, daß diese Gefühle wahr und von mir seien, und Gott dies auch bestätigte, konnte ich es ihm nicht glauben, und die Zweifel blieben. Ich konnte nicht verstehen, daß ich an einem Tage so stark im Glauben und im Vertrauen war und am nächsten Tage genau das Gegenteil. Es stellten sich mir erneute Fragen: Was verursacht dies, wer oder was stört und wirft mich immer wieder um? Bin ich es, ist es Gott, um mich zu lehren und zu stärken, ist es schon die Gegenseite, so es sie gibt? Fragen, die mich später veranlaßten, ernsthaft auf die Suche nach den Antworten zu gehen. Bis dahin verging jedoch noch eine lange Zeit.

 

KAPITEL 10

An einem Sonntag saß ich mit meinem Mann beim Mittagessen und empfand auch Hunger und Appetit. Nachdem ich jedoch zwei oder drei Bissen zu mir genommen hatte, bekam ich plötzlich ein Völlegefühl und schob den Teller beiseite. Dann wurde mir mit einem Male schwindelig und ich wußte, irgendetwas war geschehen, doch verstand ich es nicht. Sie sagten mir, daß ich mich hinlegen sollte, was ich auch tat. Es ging mir nach dem Hinlegen besser, aber ich war ziemlich verstört, da ich nicht wußte, was geschehen war. Nach einiger Zeit stand ich auf, um mich abzulenken, und entschloß mich, das Fenster zu putzen. Kurz darauf wurde mir wieder schwindelig, und ich legte mich abermals hin. Dieses Mal fragte ich meinen Vater nach dem Grund, und er sagte mir, etwas Schönes sei geschehen und ich solle mir keine Sorgen machen. Etwas sei in mich hineingefahren, es ist etwas Gutes, es ist Gott! Danach teilten sie mir mit, daß ich jetzt auf meinen Körper besonders aufpassen solle. Er müsse langsam giftfrei werden. Dieses wurde gesagt, da ich seit über 20 Jahren rauche. Sie forderten mich auf, langsam damit aufzuhören, nicht abrupt, denn mein Körper müsse langsam entwöhnt werden. Schon vorher mußte ich jedesmal fragen, ob ich eine Zigarette rauchen dürfe. Mein Vater sagte dann stets: „Warte, ich frage Gott."

Manchmal gestatteten sie es mir gnädig, manchmal verboten sie es mir streng. Ich bemühte mich, das Rauchen auf ein Minimum zu reduzieren, doch war es zu der Zeit aufgrund der psychischen Belastungen sehr schwer. Mir wurde auch verboten, jemals wieder Alkohol zu trinken. Sie meinten, nichts dürfe dem Körper zugeführt werden, was ihm schaden könne. Anfangs durfte ich nicht einmal Malzbier trinken, was ich nicht verstand, dennoch gehorchte ich. Später sagten sie, daß sie gegen ein Glas Sekt oder Wein nichts hätten, ich dürfe nur nicht betrunken werden. Von dem Zeitpunkt an war ich anfangs voller Glück und Freude. Diese Gefühle waren von einer solchen Intensität, wie ich sie vorher selten und nicht so dauerhaft erlebt hatte. Ich wunderte mich sehr darüber, und sie sagten mir daraufhin: „Deine Gefühle sind überdeckt, und wir lassen nur die positiven Gefühle nach oben, bis du selbst nur noch positive hast, denn auf die wahren Gefühle kommt es an. Wenn alle deine Gefühle wahre Gefühle sind, geben wir dich wieder frei. Es ist eine Hilfe für dich."

Ich bemerkte auch, daß ich nun ständig lächelte. Meine Mundwinkel waren nach oben gezogen, wie eingemeißelt. Obwohl ich versuchte, sie nach unten zu ziehen, da es mir unnatürlich erschien, gelang es mir nicht. Oft stellte ich mich vor den Spiegel und war fasziniert, denn ich lächelte immer. Auch vor dem Spiegel versuchte ich, die Mundwinkel herunterzuziehen, aber auch dort ging es nicht. Es war nicht von mir, das wußte ich. Sie erklärten mir: „So wirst du später auf die Menschen zugehen." Dieses Lächeln blieb auch, wenn ich mit Menschen zusammentraf, aber es bestand keine Verbindung zum Herzen. Mein Gesicht empfand ich während der Zeit als eine Maske. Seit diesem Sonntag hatte ich Probleme damit, Nahrung zu mir zu nehmen. Ich hatte kaum noch Hunger und wenn, war ich bereits nach ein oder zwei Bissen nicht nur satt, ich hatte jedesmal ein Völlegefühl. Deshalb aß ich nur noch einmal am Tage diese ein bis zwei Bissen, und auch nur dann, wenn ich ein Hungergefühl verspürte. Nach einigen Tagen fing ich an, mir Sorgen zu machen, denn ich war mittlerweile bis auf 44 kg abgemagert. In mir machten sich Zweifel breit, ob das, was mit mir an dem Sonntag geschehen war, eut sei, obwohl sie mich anfangs noch zu beruhigen versuchten und mir sagten: „Du brauchst keine Angst zu haben, du wirst nicht verhungern, wir machen es schon. Es ist, weil du nicht mehr allein in dir bist und der Körper sich erst daran gewöhnen muß."

Nach einiger Zeit jedoch zeigten auch sie sich besorgt und meinten, sie würden mir helfen. Von da an verspürte ich, sobald ich mit dem Essen anfing, ein Ausströmen an der linken Halsseite und bekam die Anweisung, langsam zu essen. Nach ein paar Bissen bekam ich wieder ein Völlegefühl und dachte, jetzt bekomme ich wieder nichts mehr herunter, doch das Ausströmen setzte wieder für einen Moment ein, und das Völlegefühl verschwand. So war es mir möglich, wieder ein paar Bissen zu mir zu nehmen.Dieses wiederholte sich einige Male, doch den Teller bekam ich nie leer, und meine Sorge, langsam zu verhungern, blieb. Nach dem Essen wurde mir gesagt, daß ich sitzenbleiben oder mich hinlegen solle, auf jeden Fall dürfe ich nicht aufstehen. Ich blieb sitzen und verspürte daraufhin, wieder an der linken Halsseite, ein Einströmen, worauf mir gleichzeitig auch wieder schwindelig wurde. Sobald das Gefühl des Einströmens vorbei war, verschwand auch das Schwindelgefühl. Mir kam es jedesmal so vor, als wenn das, was in mir war, mich nie ganz verließ. Nachdem ich, obwohl ich wieder mehr aß, nicht mehr zunahm, machte ich mir noch mehr Sorgen, und die Zweifel in mir verstärkten sich. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, daß Gott mich verhungern lassen würde.

Sie versuchten mich wieder zu beruhigen und bestätigten: „Gott läßt dich nicht verhungern, du brauchst keine Angst zu haben, es wird sich wieder geben." Daraufhin stellte sich mein Vertrauen zu ihnen wieder ein, und meine Zweifel und Ängste wurden erst einmal beseitigt. Eines Abends, ich lag schon im Bett, sagte mein Vater mir, daß Gott jetzt selbst, und zwar sichtbar, erscheinen wolle. Die Tür zu meinem Zimmer war nie geschlossen, und es wurde mir gesagt, daß er hereinkommen würde. Daraufhin spürte ich das Herausströmen aus mir, und mein Vater sagte, daß ich mich zur Wand drehen solle. Denn ich dürfe Gott nicht sehen, und wenn ich mich zurückdrehe und ihn ansehe, würde etwas Schreckliches geschehen. Ich drehte mich zur Wand und wartete. Mir wurde gesagt: „Bleibe ganz ruhig, er kommt gleich."

Plötzlich überfiel mich eine panische Angst. Ich fing fürchterlich an zu schwitzen, mein Atem ging immer schneller, mir blieb fast die Luft weg, und ich zitterte am ganzen Körper. Mein Vater fragte mich: „Weshalb hast du solche Angst? Es ist doch Gott, du darfst dich nur nicht umdrehen." Ich verstand meine Angst selbst nicht, denn mein Kopf war frei von Angst, und ich versuchte, dieses Angstgefühl zu bekämpfen, doch es gelang mir nicht. Meine ganze Aufmerksamkeit war auf die Tür gerichtet, und ich war sicher, daß ich keine Angst hatte. Mein Vater meinte jedoch: „Ich spüre deine Angst." Danach kam in mir auch das Bedürfnis auf, mich umzudrehen, sobald er das Zimmer betrat. Ich wollte mich nicht umdrehen, doch dieses Bedürfnis wurde zum Zwang, und die Angst, diesem Zwang nicht mehr widerstehen zu können, wurde immer stärker. Ich versuchte, auch dagegen anzukämpfen. Es war, als wollte mich jemand zwingen, mich umzudrehen, aber wer und warum?

Dann wurde plötzlich abgebrochen, und mein Vater sagte: „Du kannst dich wieder umdrehen, denn Gott kommt nicht. Solange du solche Angst hast, wird er nicht kommen. Gott ist sehr enttäuscht, er versteht deine Angst nicht und ist darüber sehr traurig." Ich war ebenfalls von mir enttäuscht, verstand es selbst nicht und empfand auch eine große Traurigkeit in mir. Von da an kündigten sie oft ihr Erscheinen an und fragten mich dann jedesmal, ob ich es wolle. Ich wollte es, aber immer, wenn es geschehen sollte, überkam mich diese Angst, begleitet von einem unheimlichen Gefühl. Es blieb mir unbegreiflich, denn ich wollte es, da ich doch wußte, daß es mein Vater war, den ich liebte, und Gott, den ich liebte. Obwohl ich ihnen immer wieder beteuerte, daß ich keine Angst hatte, brachen sie dann stets ab und sagten: „Wir kommen nicht, da du Angst hast. Wir werden dich erst Schritt für Schritt darauf vorbereiten und kommen erst, wenn deine Angst verschwunden ist, denn es wird nichts geschehen, wovor du Angst hast."

Während dieser Zeit versuchten sie auch, Gedankenübungen mit mir zu machen. Sie sagten, ich müsse es lernen, da es wichtig für später sei, wenn ich den Auftrag erfülle. Ich sollte lernen, die Gedanken auseinanderzuhalten, weil später bei belanglosen Dingen ich sprechen würde, bei wichtigen mein Vater, und, wenn es um den Auftrag ginge, Gott. Es sollte mir in Fleisch und Blut übergehen, damit ich später, so ein anderer spreche, mit meinen Gedanken nicht stören könne, denn diese Gefahr bestünde. Es war sehr schwer, und ich schaffte es nicht immer. Sie zeigten mir die verschiedenen Standpunkte der Gedanken und erklärten mir dann, daß mein Gedanke in der Mitte sei, der Gedanke meines Vaters rechts und der Gottes links. Diese verschiedenen Standpunkte nahm ich in meinem Kopf auch wahr. Wenn sie mir dann sagten: „Jetzt denkst du", vernahm ich diesen Gedanken von der Mitte her und hatte auch das Gefühl, daß ich denke. Hinzu kam, daß sich dann beim Denken automatisch meine Zunge zum Sprechen bewegte. Das gleiche tat sich auch, sobald mein Vater ankündigte, daß jetzt er spreche, und der Gedanke dann von rechts kam; ebenso bei der Ankündigung: „Jetzt spricht Gott", und der Gedanke von links zu vernehmen war. Dieser Gedanke war vom Klang her dunkler als meiner und der meines Vater. Die Zunge bewegte sich automatisch, ohne daß ich darauf einen Einfluß hatte. Mein Gedanke war dann weiterhin in der Mitte, jedoch als sei er in den Hintergrund getreten. Obwohl ich ihn noch wahrnahm, so erschien er mir doch sehr weit weg, wie außerhalb meines Körpers. Danach kam er wieder näher heran, wurde deutlicher und lauter vernehmbar, und ich hatte das Gefühl, daß er sich wieder in meinem Kopf befindet. Es ist sehr schwer, dieses so zu beschreiben, daß es einigermaßen vorstellbar wird.

Dann zeigten sie mir, daß sich die Zunge wirklich nur bewegte, wenn der Angekündigte sprach. Kam ein Gedanke von einem anderen hinzu, bewegte sie sich nicht mehr. Ich hatte auch hier das Gefühl , daß ab und zu jeweils zwei Gedanken zusammenflossen und zu einem wurden, dann aber wieder auseinandergingen. Nach dem Trennen der Gedanken hatte ich dann auch die Möglichkeit, an zwei verschiedene Dinge gleichzeitig zu denken. Als nächsten Schritt verlagerten sie die Standpunkte der Gedanken und sagten dazu, sie wollten mir zeigen, was sie alles könnten. Ich vernahm plötzlich einen Gedanken im Hals, dann anschließend im Bauch. Mein Kopf war dabei absolut frei von Gedanken. Trotz meines Bemühens, auch im Kopf einen Gedanken wahrzunehmen, gelang es mir nicht und ich empfand nur eine Leere. Das alles war mir doch ziemlich unheimlich, und ich war froh, als der Gedanke sich wieder im Kopf befand. Während dieser ganzen Übung merkte ich, daß ich beim Denken oder Sprechen durch meinen Vater oder Gott ab und zu blockierte und somit für ein Durcheinander sorgte, was mich wieder unsicher machte. Sie beruhigten mich und sagten: „Das macht nichts, wir haben noch viel Zeit zum Üben, du mußt nur lernen, einfach fließen zu lassen."

Ich versuchte es, blokkierte aber immer wieder den Redefluß Gottes oder meines Vaters. Mit diesem Gedankentraining wurde ich immer verwirrter und suchte ständig meinen eigenen Gedanken. Denn sie sagten auch, daß es wichtig sei, meine Gedanken zu finden und ein Gefühl dafür zu bekommen. Ich verlor mich oft und wußte nicht mehr, wo ich innerlich war. Als Hilfe versuchte ich, mich zu erinnern, wie es war, bevor alles begann, als ich mich noch allein wähnte. Ich konnte es nicht mehr. Mir kam es vor, als sei es schon eine unendlich lange Zeit her, daß ich allein gewesen war. Es wurde auch immer anstrengender und lästiger, ständig in Gespräche verwickelt zu sein oder Gespräche zu hören. Sie gingen auf jeden meiner Gedanken ein und wurden immer stärker. Wenn ich mich einmal ablenken wollte, hielten sie mich fest. Ich sehnte mich danach, wieder einmal allein zu sein, Ruhe zu haben, nur meine Gedanken wahrzunehmen, wieder so zu sein wie früher. Und ich fing an, die Menschen zu beneiden, die unbeschwert waren, von all diesen Dingen nichts wußten, die nicht diesen Weg zu gehen hatten.

Sie sagten mir: „Du mußt dich daran gewöhnen, so wird es jetzt immer sein, wir werden für immer bei dir bleiben." Ich hatte Momente der Verzweiflung, wurde zunehmend nervöser und wußte auch nicht mehr, ob ich mich über ihre Gesellschaft freuen sollte oder nicht, denn ich empfand sie mehr als eine Belastung, die mich niederzudrücken drohte, und fühlte mich einfach überfordert. Mit einem Male zeigten sie ein Einsehen und sagten: "Du brauchst Ruhe, deshalb werden wir dich für einige Zeit verlassen." Sie fragten mich, für wie lange, und ich bat um ein paar Tage, womit sie einverstanden waren. Die Stimmen entfernten sich, wurden immer leiser und kamen nur noch von weit her. Skeptisch lauschte ich, ob sie ganz verschwanden. Als ich nichts mehr hörte, verspürte ich eine Leere in mir, wie ich sie noch niemals empfunden hatte. Es kam mir vor, als wäre ich nur noch eine Hülle, ohne Innenleben, nur das Gefühl der Leere und Verlassenheit war vorhanden. Ich saß einfach da und starrte vor mich hin. Dann machte sich Angst breit. Als ich diese Angst spürte, kamen sie zurück, wurden wieder lauter und deutlicher. Sie zeigten eine große Freude und meinten: „Du willst ja gar nicht, daß wir gehen, du willst uns bei dir behalten." In dem Moment, als sie wieder anwesend waren, verschwanden auch die Leere und die Angst.

In mir verspürte ich Erleichterung und Freude. Auch diesen Wandel verstand ich zuerst nicht. Trotz der Erleichterung und Freude empfand ich daneben aber auch Resignation und Traurigkeit, wenn auch nur sehr schwach. Dies schrieb ich mir selbst zu und glaubte, das Gefühl der Erleichterung und Freude ginge nicht von mir aus und sollte meine wahren Gefühle überdecken. Ich wußte, daß ich meine Ruhe wollte. Einmal wieder so sein wie früher, einfach nur ich, wenn auch nur für einige Zeit. Es ging nicht, und ich mußte mich damit abfinden. Das Lernen ging weiter, nur wurde es mir immer mehr erschwert. Wenn ich dachte, eine Sache gelernt oder erledigt zu haben, da mir gesagt wurde, ich hätte es geschafft, war jedesmal ein paar Tage später wieder alles ganz anders, und ich mußte von vorne mit dem Suchen und Finden beginnen. Da ich ständig durcheinandergebracht wurde, dachte ich, es nie zu lernen und nicht in der Lage zu sein, eine Aufgabe zur Vollgültigkeit ausführen zu können, wodurch sich auch meine Ängste, Zweifel und Unsicherheit weiter verstärkten. Immer wieder sagten sie mir, wie wichtig es sei, diese loszuwerden, doch wurden diese Gefühle trotz meines weiteren Bemühens stets größer.

Mit der Zeit zeigte sich auch mein Vater darüber besorgt und meinte, daß diese Ängste, Zweifel und Unsicherheit ihm schwer zu schaffen machten. Langsam fragte ich mich, weshalb ich das alles durchmachen und aufarbeiten mußte. Ich schlug meinem Vater vor, diese Gefühle einfach zu überdecken, da er es doch konnte. Er antwortete: "Ja, ich könnte es machen, aber die Gefühle sind ja trotzdem da, und sie müssen ganz verschwinden." Dann machte er mir wieder Mut, indem er sagte: „Du wirst es schaffen, wir haben Zeit."

 

KAPITEL 11

In der Zwischenzeit hatte ich auch einige Bewerbungen an Firmen abgeschickt, denn die Angst davor hatte ich mittlerweile verloren. Eine Firma lud mich zu einem Vorstellungsgespräch ein. Ich ging, zwar etwas aufgeregt, aber ohne Angst hin, und das Gespräch verlief sehr positiv. Dabei legte sich auch die anfängliche Aufregung. Auch mit dem Schreibtest, den ich absolvieren mußte, waren sie zufrieden. Zwar war ich auch hier zu Beginn aufgeregt, und meine Hände zitterten etwas, doch bezeichnete ich dieses als normal. Da ich während dieses Tests allein im Zimmer war, legte sich auch das bald. Ich fühlte, daß ich mein Angstleiden nun ganz überwunden hatte. Mein Gesprächspartner sagte mir zum Schluß, daß ich von ihm hören würde, und so wartete ich. Während dieser Zeit arbeitete ich immer noch in der Firma meines Mannes. In einer weiteren Nacht hatte ich ein Erlebnis, welches meine Zweifel und Ängste wieder vergrößerte. Ich lag da und sprach wieder mit ihnen. In dieser Nacht wurde ich an alle meine parapsychologischen Erfahrungen und Kentnisse erinnert.

Ich mußte erklären, wann, wo und durch wen ich das, woran ich mich erinnerte, gehört, gelesen oder gesehen hatte. Sie fragten mich danach oft, ob ich dabei Angst empfunden hätte, was ich verneinte. Dann mußte ich ihnen sagen, ob ich an das, was ich zu dieser Thematik vernommen hatte, glaubte. Ich ließ es so ziemlich offen und sagte, daß ich das nur gehört oder gelesen hätte. Damals in den Seminaren hatte ich sehr viel gehört und viele Bücher gelesen. Ich hatte alles erst einmal angenommen und wohl auch geglaubt, wußte aber, daß da noch mehr oder anderes dahinterstecken mußte. Die Antwort dazu blieben sie mir schuldig. Oft zeigten sie sich auch entsetzt über das, was in meinen Erinnerungen auftauchte, und ich hörte dann, wie sie sagten: „Mein Gott, was die alles verbreiten!" Unter anderem erinnerte ich mich, daß einmal ein Seminarleiter gesagt hatte, daß man mit Angst vor dem Bösen das Böse anzieht. Sie waren auch hier entsetzt über den Leiter und fragten mich, ob ich das Gefühl hätte, daß er ein guter Mensch war, daß er Gutes im Schilde führte und daß das, was er tat, gut war. Ich bejahte es und fügte hinzu ich hätte nicht das Gefühl, daß er den Menschen schaden wolle.

Daraufhin teilten sie mir mit, daß sie jemanden zu ihm schicken würden, um ihn beobachten zu lassen. In mir machte sich ein ungutes Gefühl und ein schlechtes Gewissen breit, da ich befürchtete, diesem Menschen jetzt Unannehmlichkeiten bereitet zu haben. Das wollte ich nicht und bereute, mich an ihn erinnert zu haben. Auch hier konnte ich dem nicht entfliehen, und alles nahm seinen weiteren Verlauf. Ich erinnerte mich weiter an zwei Szenen aus einem Film, der während eines Seminars gezeigt worden war. Diese Szenen hatten in mir ein ungutes Gefühl geweckt und waren auch mit ein Grund gewesen, weshalb ich danach keine Seminare mehr besuchte. Mein Gefühl sagte mir damals: bis hierher und nicht weiter. Die eine Szene behandelte den Exorzismus und die andere eine Geistererscheinung der übelsten Art. Daraufhin sagten sie: „Jetzt wissen wir auch, weshalb du Angst hast vor unserem Erscheinen. Kein Wunder." Nachdem ich mich noch an einiges erinnert hatte, schoß plötzlich der Name „Assisi" in meinen Kopf. Als dieser Name erschien, hörte ich nur noch Schreie um mich herum. Ich war zutiefst erschrocken und wußte nicht, was geschehen war.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich zwar den Namen Assisi schon einmal gehört, aber wer und was er war, wußte ich nicht mehr. Als sie aufgehört hatten zu schreien, sagten sie mir ganz aufgeregt: „Du darfst nie wieder an ihn denken, das, was er gemacht hat, war nicht gut, es war furchtbar." Ich wußte nicht, ob er ein guter oder schlechter Mensch gewesen war, hatte jedoch nach diesem Erlebnis Angst vor ihm. Sein Name schoß jedoch immer wieder in meinen Kopf. Ich versuchte es zu verhindern, aber es gelang mir nicht. Dann registrierte ich ein Geräusch im Zimmer, worüber ich aber weiter nicht nachdachte, da in der Wohnung oft Geräusche waren. Doch sie sagten mir: „Sei still, da ist jemand, sei ganz still." Erst da wurde mir unheimlich. Ich blieb aber ruhig liegen und hörte, wie sie sich unterhielten. Mein Vater sagte dann: „Hab keine Angst, wir sind bei dir, wir beschützen dich, Gott sieht nach." Ich spürte ein Ausströmen und hörte immer wieder: „Bleib ganz ruhig, Gott macht das schon." Nachdem das Ausströmen vorbei war, hörte ich plötzlich Kampfgeräusche neben mir. Es war fürchterlich, doch ich versuchte, ruhig zu bleiben, obwohl ich mich ängstlich fragte, was da vor sich ging. Während der ganzen Zeit hörte ich meinen Vater, ganz dicht rechts von mir, beruhigend auf mich einreden.

Er sagte ständig nur: „Bleib ganz ruhig, du brauchst keine Angst zu haben, es ist gleich vorbei." Nach einiger Zeit war es dann auch vorbei. Mir wurde erklärt, daß er fort sei, nur dürfe ich nicht mehr an Assisi denken, da ich ihn angeblich mit meiner Angst angezogen hätte. Meine Angst vergrößerte sich, denn der Gedanke blitzte immer wieder ein und ich konnte nichts dagegen machen. Als sie mein vergebliches Bemühen sahen, hielten sie es für besser, daß Gott draußen bliebe, um aufzupassen und mich zu beschützen. Später erkundigte ich mich nach Assisi und erfuhr, daß er sehr viel Gutes getan hatte. Damit verschwanden die Angst vor ihm und die Gedanken an ihn. Jedoch schossen von da an immer mehr negative Gedanken oder Bilder ein, wodurch ich erst richtig Angst vor meinen Gedanken bekam, obwohl sie auch hier sagten: „Es sind nicht alles deine Gedanken, und du brauchst keine Angst zu haben, du mußt nur lernen, deine Gedanken von den einschießenden zu unterscheiden." Ich merkte, daß manchmal Gedanken oder Bilder von links und manchmal von rechts einblitzten. Sie meinten, die Bilder, die von rechts kämen, wären die meinen, die von links seien nicht von mir.

Ich orientierte mich daran und mußte abermals bei jedem Gedanken sagen, ob ich glaubte, daß er von mir oder nicht von mir sei. Jedesmal, wenn ich es richtig hatte, riefen sie Bravo, doch meine Unsicherheit verlor sich nicht. Anfangs erklärten sie mir noch, daß sie mich damit auf etwas vorbereiteten, was später geschehen könne, doch nach einiger Zeit erzählten sie mir, daß die Gedanken, Bilder, Ängste und Zweifel nicht von ihnen kämen. Sie vermuteten erst, daß sie von mir seien, doch ich wußte, ich bin es nicht, und verneinte. Sie glaubten mir auch, denn sie sagten zueinander: „Da ist doch was, da stört doch jemand. Das ist nicht sie, irgendeiner will uns verwirren, will, daß wir ihr nicht glauben, daß wir an ihr zweifeln." Sie beruhigten mich wieder und sagten: „Wir schauen nach, du brauchst dir keine Sorgen zu machen." Trotz mehrfachen Nachforschens hatten sie aber nie etwas gefunden.

 

KAPITEL 12

Langsam keimte in mir der Gedanke auf, daß nicht das Gute, sondern das Böse in mir war. Ich fragte mich, wie das Böse mich attackieren könne, wenn doch Gott bei mir war. Damit begann in mir das totale Durcheinander, und das Positive kippte ins Negative um. Zu dieser Zeit erschien vor meinem geistigen Auge eine Gestalt, die von da an längere Zeit um mich war. Diese Gestalt sah folgen dermaßen aus: Sie war aufrechtstehend, obwohl sie einem Tier glich, pechschwarz, und der Kopf erinnerte mich an einen Schakal. Sie trug einen schwarzen Umhang, der innen rot war. Zuerst sah ich sie stets nur in der Duschkabine stehen. Sobald ich vor dem Waschbecken war, kam sie heraus. Ich versuchte sie zu ignorieren, ruhig zu bleiben und keine Angst in mir aufkommen zu lassen. Manchmal tat sie so, als greife sie nach mir. An einem Abend stand sie neben mir, und ich versuchte gerade mir einzureden, daß diese Gestalt nur ein Phantasiegebilde sei, als ich sah, wie sie ihren Umhang schwang. Dabei spürte ich sofort einen Windzug um meine Beine; also war sie doch da! Diese Gestalt erschreckte und ängstigte mich. Aber meine Angst verlor ich schnell, denn sie wirkte zwar stets befremdlich, aber nicht bedrohlich auf mich.

Doch ein Mißtrauen ihr gegenüber blieb. Wenn ich mich jetzt an sie erinnere, sehe ich sie nur noch undeutlich, schemenhaft. Doch vorher erkannte ich sie so deutlich, daß ich sie hätte zeichnen können. Anfangs, als ich Gott und meinen Vater geistig sah, und seit den zwei Nächten, in denen ich angeblich geprüft wurde, hatte auch Gott stets einen Moment lang diesen Schakalkopf, wenn er über etwas, das ich sagte, ärgerlich war. Ich hatte mich zwar gleich darüber gewundert, doch nicht weiter darüber nachgedacht, bis ich dann diese Gestalt neben mir sah. Da ich sie für etwas hielt, was nicht mit Gott im Einklang stand, suchte ich aufgrund dessen, daß sich auch Gott mir vorher mit diesem Tierkopf gezeigt hatte, eine Verbindung zu ihm. Ich fand sie aber nicht. In mir entstand der Verdacht, daß mir etwas vorgegaukelt wurde, daß niemals Gott bei mir war, doch schwankte ich anschließend gleich wieder in meinem Glauben hin und her. Als ich so überlegte, wer diese Gestalt sein könnte, woher sie kam und was sie wollte, sagte mein Vater zu mir: „Er ist das Gute, er soll dich beschützen, du mußt es nur erkennen und einsehen, und du mußt die Angst vor ihm verlieren."

Nach einigen Tagen sah ich diese Gestalt auch an Orten, die ich damals aus Angst nicht gerne aufsuchte, z. B. im Keller. Mußte ich diesen aufsuchen und kam Angst in mir auf, erschien sie auf der Kellertreppe. Ich überwand meine Angst und ging. Die Gestalt begleitete mich, und ich versuchte sie zu ignorieren, obwohl ich ihr gegenüber mißtrauisch blieb, da ich nicht wußte, was geschehen könnte. Doch es geschah nichts, sie folgte mir nur. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, daß sie mein Beschützer sein sollte. Und wovor sollte sie mich beschützen? Später wurde mir gesagt, daß es dieses Wesen war, welches damals in mein Zimmer kommen wollte. Ich hatte mich zur Wand drehen sollen, damit ich wegen seines Aussehens keinen Schreck bekäme. Deshalb wurde mir auch verboten, mich umzudrehen. Nach dieser Auskunft fragte ich mich: Wenn es so war, wer oder was verursachte die Angst in mir, und wer oder was wollte mich zwingen, mich doch umzudrehen? Nach einiger Zeit verschwand die Gestalt; ich sah sie jedenfalls in dieser Form nicht mehr. Erst später wurde sie mir beim automatischen Schreiben in einer Zeichnung wieder gezeigt.

Die Stimmen nahmen immer üblere Formen an. Es begann, als ich anfing, an dem Guten in mir, bei mir, zu zweifeln. Sie rissen mich hin und her, versuchten, mich einzuschüchtern, und es gelang ihnen. Einmal hatte ich das Gefühl, daß das Gute da war, fühlte mich bestärkt, es zu glauben, und nichts hätte mich in dem Moment vom Gegenteil überzeugen können. Doch dann, von einer Sekunde auf die andere, fiel alles zusammen, kippte einfach um, und ich war vom Gegenteil überzeugt, verspürte Angst und Zweifel in mir. Nichts hätte mich in dem Moment glauben machen können, daß das Gute anwesend war. Dieses geschah einige Male am Tag, und ich war großen Gefühlsschwankungen ausgesetzt, die ich nicht verstand. Alles geschah einfach mit mir. Immer, wenn ich innerlich umgeworfen wurde, also an das Böse in mir, bei mir, glaubte, riefen sie mir zu: „Du mußt kämpfen, du mußt zurückkommen, du mußt an das Gute in dir glauben, sonst bist du verloren!" Zwischendurch bekam ich auch Angst davor, daß das Gute mich verläßt, weil ich diese ständigen Zweifel in mir hatte, weil ich nicht standhaft in meinem Glauben war, darin, daß das Gute bei mir war, und nur das Gute. Doch dann verspürte ich wieder den kühlen Hauch, und er wirkte jedesmal beruhigend und tröstend auf mich. Gleichzeitig hörte ich dann: „Wir sind noch da, wir verlassen dich nicht." Ebenso auch, als ich mich später vor dem Bösen zu fürchten begann, verspürte ich ihn in beruhigender Weise, und es wurde hier gesagt: „Du brauchst keine Angst zu haben, wir sind bei dir und beschützen dich." Obwohl es so war und obwohl es mich beruhigte, fiel ich innerlich um und glaubte zwischendurch wieder an das Böse. Ich konnte es nicht verstehen. Warum war es mir nicht möglich, standhaft zu bleiben? Ich wußte es nicht. Es war so schwer, zu spüren, daß in einem und um einen etwas geschieht, ohne es richtig zu sehen, ohne es richtig zu hören, ohne zu wissen, was möglich ist, was es alles gibt, einfach nur glauben zu müssen. Es konnte so vieles möglich sein; was war die Wahrheit? Was war wirklich in mir, um mich? Zu viele Möglichkeiten waren mir seitdem durch den Kopf gegangen und verwirrten mich zunehmend. Es wurde mir gesagt: „Du mußt kämpfen. Wir kämpfen um dich, du mußt mithelfen, du weißt nicht, was hier los ist. Du mußt an das Gute in dir glauben, du darfst nicht umkippen, du schaffst es, wir helfen dir."

Dann wiederum wurde mir gesagt: „Es ist nur eine Hilfe, damit du deine Angst verlierst, denn du mußt deine Angst verlieren. Es ist weiter nichts. Das, was geschieht, kommt von uns, um dir zu helfen, deine Angst vor dem Bösen zu verlieren. Aber das Böse gibt es nicht." Ich wollte das alles so gerne glauben und verzweifelte langsam an mir selbst, daß es mir nicht gelang. Jedesmal, wenn es mir gut ging, ich also an das Gute in mir glaubte, nahm ich es mir fest vor, so zu verbleiben, und versprach es ihnen auch. Doch anschließend drängten sich mir wieder Zweifel und negative Gedanken auf, wodurch mein guter Wille abermals ins Schwanken geriet, um dann ganz umzukippen. Mein Glaube an das Gute war dahin, und so war ich ständigen Wechselspielen ausgesetzt, mit einem ewigen Auf und Ab. Nach jedem Umkippen hörte ich verzweifelte Zurufe: „Du darfst nicht umkippen, laß dich nicht immer umwerfen, du mußt zu uns zurückkommen!" Danach nahm-ich den Kampf immer wieder auf.

Ich fragte mich nur, warum ich mit dem Bösen konfrontiert werde, wenn es das Böse nicht gibt. Dann genügte es doch, sie sagten es mir, und fertig. Aber sie machten mir immer wieder Angst. Sie konfrontierten mich ständig damit - wenn sie es überhaupt waren., Ich fing an, mir darüber Gedanken zu machen, wodurch es so plötzlich umgeschlagen war. Ich suchte in der Vergangenheit, ab, dem Zeitpunkt der Kontaktaufnahme, nach einer Erklärung, fand jedoch nichts Konkretes. Auch erklärten sie mir, daß etwas passiert sei, doch was, wann und wodurch, verrieten sie nicht. Nur einmal meinten sie, daß sie einen Fehler gemacht hätten, wonach es zu diesem Durcheinander gekommen sei. Ich wurde jedoch das Gefühl nicht los, daß ich Fehler gemacht hatte, und suchte deshalb auch stets bei mir eine Erklärung. Denn ich konnte mir einfach nicht vorstellen, daß Gott Fehler beging. Beim Zweifel, ob Gott bei mir war, fragte ich mich: Wenn er bei mir war, warum mußte ich dann gegen das Böse kämpfen? Ich konnte mir nicht vorstellen, daß das Böse sich in die Nähe Gottes wagte. Ich glaubte, daß Gott stärker war. Also konnte Gott nicht bei mir sein, jedenfalls nicht so, wie ich bislang gedacht hatte. Und dennoch wurde ich auch in solchen Momenten das Gefühl nicht los, daß mir jemand half, daß ich diesem Übel nicht allein entgegenstand.

Eines Tages bemerkte ich beim Lösen eines Kreuzworträtsels eine Veränderung in der Schrift. Die Buchstaben wurden verzerrt, die Schrift krickelig. Ich beobachtete meine Hand eine Zeitlang und stellte fest, daß ich sie nicht mehr wie sonst fühlte. Es war noch eine Kraft in ihr, die ich verspürte. Ich versuchte dagegen anzugehen und in meiner Schrift zu verbleiben, aber es ging nicht. Anfangs konnte ich es nicht glauben und wollte es nicht wahrhaben. Nach einiger Zeit versuchte ich es wieder. Es war unverändert, die Schrift wurde verzerrt. Einige Tage später kam in mir der Wunsch auf, meine Hand führen zu lassen. Sie sagten mir, ich solle den Stift locker in meiner Hand halten und auf das Papier setzen. Als ich es tat, hörte ich hinter mir ein Knurren und sah kurz einen dunklen Schatten auf mich zuschießen. Dieses Knurren in Verbindung mit dem kurzen Auftauchen des Schattens vernahm ich seit den beiden Nächten der Prüfung oft. Ich wußte nicht, ob es eine Warnung war oder eine andere Bedeutung hatte. Bisher hatte ich mich jedesmal geduckt, wenn es auftrat, und darüber nachgedacht, was ich kurz vorher gedacht oder getan hatte. Doch dieses Mal war meine Neugierde stärker, obwohl ich ein ungutes Gefühl hatte. Ich stellte meine Hand also zur Verfügung, nahm den Stift, setzte die Mine auf das Papier und wartete. Plötzlich fing meine Hand an, sich zu bewegen, ganz langsam. Es war ein unheimliches Gefühl. Zwischendurch zitterte sie auch einige Male. Sie sagten mir dann: „Du hast Angst." Aber ich glaubte nicht, daß ich Angst hatte, denn ich war gespannt, was dort entsteht. Jedesmal, wenn gesagt wurde, daß ich Angst hätte, blieb der Stift stehen. Nachdem ich beteuert hatte, daß es nicht der Fall war, setzte er sich wieder in Bewegung. Zuerst wurde ein Herz gemalt und dieses dann durch zackige Striche unterbrochen. Es sah somit aus wie ein gesprungenes Herz.

Dahinter entstand, etwas versetzt, noch ein Herz. Anschließend sollte ich den Stift an die linke Seite des gesprungenen Herzens, setzen, wonach er sich nur in einer geraden Linie nach oben bewegte. Ich dachte nach, was es zu bedeuten haben könnte, und mir kam nur ein gebrochenes Herz in den Sinn. Beim Strich nach oben dachte ich an Gott. Doch was es wirklich zu bedeuten hatte, fand ich nicht heraus. Später wurde ein Herz mit Augen und einem lächelnden Mund gemalt. Dieses entstand immer, wenn ich an Gott, also an das Gute dachte, und das zerbrochene Herz stets, wenn ich an das Böse dachte. Oft war es so, daß, sobald das lächelnde Herz fertig war, ich an das Böse dachte. Daraufhin ging der Strich vom Herzen nach unten. Als ich ein besseres Gefühl für den Stift bekam, wurde ein anderes Bild gemalt. Es fing an mit zwei Herzen, die auf der Seite lagen. An diese Herzen wurde ein Haken angebracht. Am anderen Ende des Hakens befand sich der Schakalkopf. Er zog die Herzen nach unten. Von den Herzen ging ein Strich nach oben. Die Bedeutung war wohl, daß ich kämpfen mußte, ansonsten wäre ich verloren, denn etwas wollte mich herunterziehen:

Nach dieser Zeichnung bekam ich erstmal einen gehörigen Schreck und legte den Stift beiseite, doch nach einiger Zeit überkam mich wieder die Neugierde. Der innere Drang, den Stift abermals zur Hand zu nehmen, wurde stärker. Als ich es tat, wurde eine Faust gemalt. Die Faust eines Menschen, bei der der Daumen nach unten zeigte. Anschließend ein weiterer Daumen, der ebenfalls nach unten zeigte, jedoch einen langen Daumennagel besaß. Ich weiß auch hier bis heute nicht, was dies zu bedeuten hatte. Sie sagten, ich müsse es herausfinden. Nach dieser Zeichnung war der Schreck jedoch so groß, daß ich mich von da an weigerte, den Stift noch einmal für jemanden zu halten, von dem ich nicht wußte, wer es war und was er von mir wollte. Obwohl hinterher noch oft ein starkes Bedürfnis aufkam, den Stift wieder einmal zur Hand zu nehmen, tat ich es nicht. Doch von da an hatte ich noch sehr häufig Probleme mit dem Schreiben. Meine Handschrift wurde weiterhin gestört, und ich mußte mich beim Schreiben sehr konzentrieren. Nach diesem Erlebnis bekam ich die Befürchtung, daß ich, so ich mich für ein Buch über die Wahrheit Gottes hergeben sollte, für ein „Antibuch" mißbraucht würde. Darauf stand für mich fest, daß ich dieses nichtzulassen würde.

 

KAPITEL 13

Eines Tages fingen auf einmal meine Beine an zu zittern und zu zucken. Dies ging dann über in ein regelrechtes Schlottern. Es war wie ein Anfall und verlief in Schüben. Zu Beginn war es sehr stark, wurde dann weniger, hörte ganz auf und fing erneut an. Zwischendurch zuckte mein ganzer Körper oder wurde regelrecht geschüttelt. Sie fragten mich erschrocken: „Was ist das? Was ist mit dir los?" Ich sagte: „Ich weiß es nicht." Merkwürdigerweise hatte ich keine Angst, sondern war nur verwundert, da ich nicht wußte, was geschah. Ich versuchte zu gehen, sackte jedoch fast zusammen. Sie forderten mich auf, mich hinzusetzen, und zeigten sich ebenfalls sehr verwundert und besorgt über das, was mit mir geschah. Ich hielt mich fest und versuchte, zum Sessel zu kommen. Auch als ich saß, hörte das Zucken nicht auf und ging weiter durch meinen ganzen Körper. Mich wunderte nur, daß ich keine Angst, keine Panik in mir hatte. In mir war alles absolut ruhig. Als es nicht aufhörte, sagten sie mir, daß ich mich hinlegen solle, was ich auch tat. Das Zucken wurde weniger und hörte dann ganz auf. Sie meinten, daß es vielleicht die Nerven wären, doch schlossen sie auch nicht aus, daß mich jemand zum Zusammenbrechen bringen wollte. Später hatte ich dieses Erlebnis noch einmal.

Die Gedanken, die mir in den Kopf schossen, wurden weiterhin immer schlimmer, und ich bekam Schwierigkeiten, mich in der Firma meines Mannes auf meine Arbeit zu konzentrieren. Ich versuchte, die Gedanken zu ignorieren, doch das strengte mich sehr an, da das Negative immer gewaltiger wurde. Als ich zu der Zeit Menschen ansah, war nicht mehr die Rede davon, daß ich verständnisvoll und aufgeschlossen auf sie zugehen sollte, sondern es schossen mir Beschimpfungen und obszöne Ausdrücke in den Kopf, worüber ich sehr erschrocken war. Ich wußte, sie kamen nicht von mir, denn nie zuvor hatte ich so schreckliche Dinge gedacht. Trotzdem schämte ich mich und kämpfte dagegen an. Nach einiger Zeit fingen sie auch an, mich zu beschimpfen und mit Obszönitäten zu attackieren. . Auch hier wurde mir einmal gesagt: „Das bist du." Dann sagten sie wieder, daß sie es seien, um mich auf etwas vorzubereiten, und zum Schluß waren es wieder Störungen von außen.

Es kam mir langsam so vor, als ob Schabernack mit mir getrieben würde. Sie bestätigten es auch und meinten noch hinzu, daß sie mich verrückt machten wollten. Ich konterte, indem ich sagte: „Das schafft ihr nicht." Jedesmal, wenn ich den Kampf gegen sie aufnahm, sagten sie: „So geht es nicht, du darfst nicht kämpfen, du mußt einfach zu dir zurückfinden." Ich versuchte es, konzentrierte mich mehr auf die Dinge um mich herum und bemühte mich, die Gedanken und Stimmen auszuschalten. Zeitweise gelang es mir auch, aber nicht für lange, denn sie holten mich immer wieder zurück. Durch diesen ständigen Kampf gegen Gedanken und Stimmen und mein starkes Bemühen dagegen begann ich, unter stetigen Kopfschmerzen zu leiden, anfangs sogar oft begleitet von Nasenbluten. Während dieser Zeit bekam ich auch große Konzentrationsprobleme. Ich konnte nicht mehr lesen bzw. das Gelesene aufnehmen, konnte Fernsehsendungen nicht mehr verfolgen, und bei Gesprächen fiel es mir schwer, zuzuhören. Ich nahm nur Bruchstücke auf, obwohl ich versuchte, mich zu konzentrieren, doch meine Aufmerksamkeit wurde immer wieder abgezogen, und ich horchte oder schaute nach innen.

Nach einiger Zeit merkte ich, daß mein Blick etwas damit zu tun hatte. Er war die meiste Zeit nach innen gekehrt. Ich bemühte mich, z. B. bei Gesprächen, ihn nach außen zu kehren und so zu halten, doch es gelang mir immer nur für einen kurzen Moment; dann wurde er wieder nach innen gezogen. Wenn er nach innen gekehrt war, hörte ich die Stimmen, sah die Bilder und konnte mich auf das, was außer mir war, nicht konzentrieren, sah es nur leicht verschwommen. Wenn ich meinen Blick nach außen kehrte, hörte ich die Stimmen und sah die einblitzenden Bilder nicht mehr. Die Schrift auf dem Papier, auf das ich schaute, wurde klarer, und ich konnte das Gelesene aufnehmen; doch war es mir nicht möglich, diesen äußeren Blick lange zu halten. Es war, als wenn ich mit offenen Augen träumte, aus diesem Traum erwachte und wieder in die Wirklichkeit kam - nur daß ich ständig gezwungen wurde, in diesen Traum zurückzukehren. Sie sagten auch hier: „Du darfst nicht kämpfen, es muß von ganz allein kommen, du mußt zu dir zurückfinden. Es muß gleichzeitig kommen, das Wegdenken und den Blick nach außen kehren." Ich versuchte es, aber es war schwer, auf beides zu achten, denn entweder zogen sie meinen Blick nach innen oder sie lenkten meine Gedanken bzw. mein Gehör auf sich. Am leichtesten gelang es mir noch, wenn ich mit anderen Menschen zusammen war.

Zwar hatte ich auch in solchen Momenten Probleme, doch wurde ich durch Menschen noch am besten abgelenkt. Sie zwangen mich unwissentlich, aufmerksamer und somit nach außen gerichtet zu sein. Meine Bemühungen empfand ich deshalb in Gesellschaft nicht so anstrengend. Das Bedürfnis, mit anderen Menschen zusammen zu sein, wurde immer größer. Langsam empfand ich es als sehr unangenehm, allein zu sein, da ich auch befürchtete, ganz verloren zu gehen. Ich verlor bereits immer mehr das Gefühl für mich. Egal, was ich fühlte, sei es Glück und Freude, Wärme und Liebe oder Angst und Zweifel, mein Kopf war unberührt. Ich registrierte und beobachtete es nur, als beträfe es mich nicht. Nach einiger Zeit fragte ich mich sogar, wer ich war. Empfand ich und registrierte, und beobachtete ein anderer - oder war es umgekehrt? Diese Frage stellte ich mir auch oft bezüglich meiner Ruhe und Gelassenheit, die ich trotz der ganzen Erlebnisse nach außen hin zeigte und über die ich mich selbst oft genug gewundert hatte. War ich ruhig, oder wurde ich ruhig gehalten?

Ich merkte auch, daß ich oft Schwierigkeiten hatte, mich an einen Gedanken zu erinnern, selbst wenn ich ihn gerade erst gedacht hatte, und das ganz bewußt. Er war verschwunden, und es fiel mir schwer, ihn wiederzufinden. Nur mit größter Anstrengung gelang es mir. Manchmal dachte ich eine ganze Zeitlang sehr intensiv über eine Sache nach, und im nächsten Moment war keine Erinnerung mehr daran vorhanden. Ich bemühte mich, mein Erinnerungsvermögen wiederzufinden, aber es war, als sei eine Wand davor. Zur Erprobung versuchte ich oft, an etwas Bestimmtes zu denken oder mir ein Bild vor Augen zu führen. Ich versuchte z. B., mir meine Schwester vorzustellen, doch der Gedanke bzw. das Bild blitzte nur kurz auf und wurde dann regelrecht weggeschoben und aus meinem Kopf verbannt. Anschließend schaute ich wieder auf diese schwarze Wand bzw. in die Leere, und es war mir nicht möglich, den Gedanken oder das Bild wiederzuholen. In dieser Zeit wurde ich auch immer vergeßlicher und gewöhnte es mir an, alles aufzuschreiben, was mir einfiel und wichtig war bzw. was ich erledigen mußte.

Ich hatte das Gefühl, stets mehr und mehr in den Hintergrund zu geraten, und bekam eine immer größere Angst davor, irgendwann ganz verschwunden zu sein. Sie sagten mir: „Du brauchst keine Angst zu haben, du gehst nicht verloren, du bist allzeit bei uns und bekommst alles mit. Du lernst ja von uns und mußt nur gut aufpassen und Vertrauen haben." Schon ziemlich zu Beginn hatten sie mir oft gesagt, daß sie mich ganz übernehmen müßten, da ich doch nicht in der Lage war, den Auftrag in ihrem Sinne auszuführen, und sie es daher selbst machen müßten. Ich sollte mich ganz zurückziehen. Sie beteuerten mir immer wieder die Notwendigkeit dessen. Ich schwankte damals noch hin und her, ob es gut war oder nicht. Doch bei dem Gedanken daran bekam ich stets ein ungutes Gefühl und ich konnte mich nicht damit vertraut machen, in meinem Körper nicht mehr zu agieren. Es überkam mich oft sogar Angst, daß es ihnen gelingen würde, ohne daß ich es merkte. Dadurch suchte ich immer intensiver nach mir und hörte erst auf, wenn ich das sichere Gefühl hatte, daß eine Sache, die ich dachte, sagte oder tat, von mir ausging und ich mich somit selbst wieder spürte. Erst da kehrte ich in meine innere Ruhe zurück. Doch mit der Zeit wurde es immer schwieriger für mich.

 

KAPITEL 14

Sie bestimmten, wann ich müde war, wann ich Hunger hatte, wann ich mich gut und wann schlecht fühlte. Sie verboten und erlaubten, scholten mich aus und lobten mich, versetzten mich in Angst und beruhigten mich. Ich fühlte mich ihnen ausgeliefert und war immer noch hin- und hergerissen zwischen Glauben und Zweifel. Denn ich spürte sowohl das Gute als auch das Böse in mir sowie um mich herum. Nur hatte ich oft Mühe, beides auseinanderzuhalten oder zuzuordnen, da ich zu wenig wußte über Gott und über die Beschaffenheit des wirklich Bösen. Ich versuchte immer noch, einen Zusammenhang zu finden zwischen dem, was alles geschah, und Gott. Ich suchte eine Erklärung, fand sie jedoch nicht. Ich wurde immer mißtrauischer, sogar dem gegenüber, was ich bisher als positiv, als eine Hilfe empfunden hatte. Manchmal, wenn ich kämpfte, konnte ich auch nicht ausschließen, daß es ab und zu gegen das Gute ging. Denn ich nahm keinerlei Ratschläge mehr an, da ich in meiner Verwirrtheit auch das Gute für schlecht hielt und vermutete, daß das Böse mich nur einwickeln und mein Vertrauen gewinnen wolle, um dann irgendwann in seiner eigentlichen Beschaffenheit wirken zu können, sobald es ihm gelang, mich ganz zu unterdrücken. Doch bekam ich anschließend oft ein schlechtes Gewissen, wenn sie mir dann traurig sagten: „Du wirst irgendwann alles erfahren und dann noch bitterlich weinen."

Ich war sicher, daß ich viele Fehler machte, sei es durch das nicht standhafte Erkennen des Guten oder das mangelnde Vertrauen Gott gegenüber, und so war ich auch sicher, daß ich, so ich alles erfahren würde, noch bitterlich weinen würde. Ich kam jedoch aus dieser Misere erst einmal nicht heraus. Sie versuchten weiter, mich zum Aufgeben zu bewegen, indem sie sagten, ich solle einsehen, daß kein Gedanke mehr von mir komme. Ich bräuchte das nur zu akzeptieren und solle aufhören zu kämpfen, dann wäre alles gut. Selbst in den Momenten, in denen ich wieder einmal an das Gute in mir glaubte und voller Vertrauen war, sträubte sich weiterhin etwas in mir dagegen, mich ihnen ganz auszuliefern und alles einfach so hinzunehmen. Ein Fünkchen Eigenständigkeit war noch vorhanden, und das wollte ich nicht aufgeben, denn ich brauchte das Wissen, selbst auch noch anwesend zu sein. Ständig versuchten sie, mich zu überreden, anfangs auf die sanfte Art, später mit Drohungen. Zwar gelang es ihnen, mich immer wieder zu verunsichern und mich diesbezüglich zum Nachdenken zu bewegen, doch hielt ich an dem verbliebenen Fünkchen Eigenständigkeit fest.

Währenddessen rückte auch das Datum näher, an dem ich laut Vorhersage das Glückslos kaufen sollte. Bei dem Gedanken, es zu kaufen, geriet ich ebenfalls ins Schwanken, da ich nicht sicher war, was sich da bei mir befand und von wem ich diese Vorhersage erhalten hatte. In den Momenten, in denen in mir und um mich herum alles positiv war, sah ich keinen Grund, es nicht zu kaufen, zumal mir hinzugesagt wurde, daß ich es mir verdient hätte. Jedoch, als alles plötzlich wieder umschlug, änderte sich auch hierzu meine Überzeugung. Ich bekam die Befürchtung, daß meine Seele gekauft werden sollte. Sie sagten mir zwar, daß ich nicht gekauft werden könne, doch blieben die Zweifel in mir und wurden noch dadurch verstärkt, daß ich hin und wieder hörte: „Ja, wir wollen dich kaufen." Ich wußte nicht mehr, was ich machen sollte. Einerseits war ich neugierig darauf, ob ich wirklich gewinnen würde, wobei ich an das Geld kaum noch dachte, auf der anderen Seite hatte ich jedoch Angst, einen Fehler zu begehen. Zu den Zeiten, wo in mir keinerlei Zweifel waren, daß das Gute und nur das Gute bei mir war, nahm ich mir jedesmal fest vor, mich bezüglich des Loskaufs nicht mehr umwerfen zu lassen.

Doch geschah auch dieses immer wieder, wodurch meine Unsicherheit wuchs. Nach einigen Tagen dieses inneren Kampfes sagten sie mir, daß, so ich an das Böse in mir glaube und das Gefühl hätte, gekauft zu werden, ich es lassen sollte. So ich aber an das Gute in mir glaubte, könnte ich das Los ruhig kaufen. Mir leuchtete dieser Rat sofort ein, denn wenn ich im Glauben daran, daß das Böse mir diesen Gewinn ermöglichen würde, losginge, um das Los zu kaufen, täte Gott recht daran, so er sich von mir abwendete. Da ich jedoch mit dem, was bei mir war, nicht ins Reine kommen konnte, verwarf ich den Gedanken des Loskaufs, ließ das Datum verstreichen und dachte anschließend auch nicht mehr daran, denn die Ereignisse nahmen ihren weiteren Verlauf.

 

KAPITEL 15

In der Firma meines Mannes erlebte ich einen zweiten Anfall. Ich wollte Feierabend machen und merkte, daß meine Beine schon leicht zitterten, worauf ich hörte, wie sie sagten: „Es geht wieder los." Sie beruhigten mich und sagten: „Bleib ganz ruhig, versuch dagegen anzukämpfen und geh langsam zu deinem Wagen!" Ich versuchte, das leichte Zucken der Beine in den Griff zu bekommen, ging ganz vorsichtig durch das Büro. Auf der Treppe wurde es schlimmer, und sie sagten abermals: „Kämpf dagegen an, du schaffst es!" Ich konzentrierte mich, gelangte zum Wagen und setzte mich hinein. Sie sagten: „Fahr noch nicht los, wart ab!" Im Wagen nahm es an Stärke zu und erfaßte wieder meinen ganzen Körper. Nach einiger Zeit wurde es weniger und hörte auf. Ich startete den Wagen und fuhr los. Sie sagten: „Fahr langsam!" Kaum war ich ein paar Meter gefahren, als es wieder anfing. Ich konnte kaum noch die Pedale halten und fuhr sofort rechts ran. Es hörte nicht auf, wurde nur schwächer und wieder stärker.

Dann stand mein Mann plötzlich mit seinem Wagen neben meinem und schaute verständnislos zu mir herüber. Ich sagte ihm, daß mir schwindelig geworden sei und ich deshalb hier stehe. In mir hörte ich in dem Moment: „Laß deinen Wagen stehen, fahr nicht mehr, fahr mit deinem Mann!" Im Wagen meines Mannes verspürte ich nur ein leichtes Zucken; er hatte nichts gemerkt. Als ich zu Hause ausstieg, wurde es wieder stärker, und ich brauchte meine ganze Kraft und Konzentration, damit mein Mann nichts merkte. In meinem Zimmer wurde es dann wieder so stark, daß ich fast zusammenbrach. Sie sagten, sie verstünden nicht, warum es in diesem Zimmer so stark sei, und forderten mich auf, es zu verlassen. Ich nahm abermals meine ganze Kraft zusammen und tat es. In der Küche angekommen, war es vorbei. Anschließend ging ich wieder zurück, und es begann erneut. Daraufhin ging ich in das Schlafzimmer; es wurde weniger; ich ging zurück, und es wurde wieder stärker. Sie sagten, daß ich mich hinlegen solle. Nach einiger Zeit hörte es dann ganz auf. Auch bei diesem Anfall blieb ich innerlich ganz ruhig, ohne Angst. Seitdem habe ich so etwas nicht mehr erlebt.

Ich erzählte ja schon, daß ich mich damals, nach der sogenannten Prüfung, erneut mit meiner Freundin verabredet hatte. Der Tag der Verabredung kam, und ich war unsicherer denn je. Einerseits wurde mir gesagt, ich dürfte ruhig erzählen, dann wurde es mir wieder verboten. Dieses Treffen stand mir regelrecht bevor, dennoch ging ich hin. Die koboldhaften Stimmen, die schon bei mir waren, brachten mich total durcheinander. Sie waren es, die mir ständig drohten, indem sie sagten, daß ich es bereuen würde, so ich etwas erzählte. Ich hatte Angst, wollte mir jedoch vor meiner Freundin nichts anmerken lassen. Wir gingen essen, und ich versuchte, über belanglose Dinge zu sprechen. Doch dann begann sie zu fragen, da sie neugierig und besorgt war. Sie wollte wissen, was geschah, und ich sagte ihr, daß ich noch nicht reden könne. Aber sie fragte weiter, da sie mich nicht verstand und nicht wußte, was alles in der Zwischenzeit geschehen war. Und sie hörte auch die Stimmen nicht, die mich ständig bedrohten und abwarteten, was ich tat. Ich traute mich nicht, ihr zu beschreiben, was in mir und um mich vor sich ging, da ich befürchtete, etwas Falsches oder zuviel zu erzählen und dann das Nachsehen hätte.

Ich empfand ein starkes Bedürfnis in mir, mich einmal mitzuteilen, alles raus zu lassen und einen Mitwisser zu haben. Durfte ich nun oder durfte ich nicht? Ich wußte es nicht mehr, spürte nur Angst und war verunsichert. Als meine Freundin keine Ruhe gab und mich langsam mit ihren Fragen in die Enge trieb, so daß ich nicht mehr wußte, wie ich ihr alles erklären sollte, entschloß ich mich, doch ein wenig zu erzählen. Ich versuchte jedoch, mich so vorsichtig wie möglich auszudrücken und nicht zuviel zu erzählen, nur so viel, daß sie wenigstens etwas verstand und zu fragen aufhörte. Ich erzählte, obwohl ich ständig die Drohungen hörte und ein sehr ungutes Gefühl dabei hatte. Nach dem Essen fuhren wir noch zu ihr nach Hause und tranken ein Glas Wein. Da ihr Mann anwesend war, unterhielten wir uns über andere Dinge, und ich war froh darüber. Durch all die Erlebnisse und Drohungen hatte ich mittlerweile Angst vor der Dunkelheit bekommen, obwohl sie mir stets sagten, daß die Dunkelheit nichts damit zu tun hat. Denn es sei egal, ob es dunkel ist oder hell; wenn etwas geschehen soll, geschieht es auch am hellichten Tage. Dennoch blieb die Angst vor der Dunkelheit.

Bei meiner Freundin schaute ich deshalb immer wieder aus dem Fenster, ob es bereits dunkel wurde, denn ich hatte noch einen weiten Weg vor mir. Gleichzeitig erinnerte ich mich wieder an den Anfall im Wagen und dachte ständig daran. Meine Angst wuchs, und ich wollte gehen, doch meine Freundin und ihr Mann ließen mich nicht. Sie überredeten mich, noch zu bleiben, da es noch früh war. Ich versuchte, mich rege an der Unterhaltung zu beteiligen, um mich abzulenken. Als ich dann nach einiger Zeit wieder aus dem Fenster schaute, war es fast dunkel. Ich erschrak, verabschiedete mich schnell und ging zum Wagen. Im Wagen sah ich, kaum daß ich eingestiegen war, eine Teufelsgestalt auf der Rückbank sitzen, wohl bemerkt, auch mit dem geistigen Auge, aber wieder sehr real. Ich versuchte, sie zu ignorieren und ruhig zu bleiben, dachte, daß es auch nur ein Bild sei, das sie mir vorgaukelten, startete den Wagen und verließ den Parkplatz. Mit einem Male beugte sich die Gestalt nach vorne und griff nach mir. Ich hörte die Zurufe: „Halt an, fahr nicht weiter, geh wieder zu deiner Freundin ins Haus!" Ich fuhr so ruhig wie möglich rechts ran und stieg aus.

Bei meiner Freundin wieder angelangt, fingen meine Beine fürchterlich zu zittern an. Doch es war anders als bei den Anfällen; es war der Schreck, der jetzt seine Auswirkungen zeigte. Ich erzählte ihr kurz, was geschehen war, und sie nahm mich in die Arme. In mir kam das starke Bedürfnis auf zu weinen, ich konnte es aber nicht und saß einfach nur da. Ich wollte meiner Freundin noch mehr erzählen, jedoch konnte ich auch das nicht, denn es kam nichts mehr aus mir heraus. Ich war innerlich wie gelähmt. Als ich mich etwas beruhigt hatte, rief ich meinen Mann an und bat ihn, mich abzuholen. Am nächsten Tag holten wir dann gemeinsam meinen Wagen. Später sah ich die Gestalt noch öfters in der Wohnung. Anfangs behagte es mir nicht, mit ihr allein zu sein. Doch ich zwang mich, denn ich wollte mich nicht mehr einschüchtern lassen. Nach einigen Tagen wirkte sie auf mich nicht mehr bedrohlich, da sie nur herumkasperte und mich angrinste, das war alles. Ich beachtete sie nicht weiter, worauf sie nach einigen Tagen verschwand. Die innere Tortur ging jedoch weiter. Sie hielten mich weiter in ihrer Gewalt und schüchterten mich auch weiterhin ein. Eines Tages, ich saß in meinem Zimmer und ließ gerade wieder einmal einige Maßregelungen über mich ergehen, schaute ich in mich hinein.

Dies konnte ich seit einiger Zeit in der Form, daß ich nicht nur Stimmen dort wahrnahm, sondern auch Wesenheiten oder Gestalten in mir sah. Aber an diesem Tag erblickte ich mich selbst, ganz klein und ängstlich zusammengekauert in einem Winkel meines Körpers. In diesem Moment hatte ich das Empfinden eines gescholtenen, gedemütigten und verängstigten Kindes, und mir wurde bewußt, daß die Tonlage meiner gedanklichen Stimme bei meinen Antworten bereits in den vorangegangenen Tagen die eines Kindes gewesen war. Als ich mich so sah und empfand, erschrak ich und dachte, es kann nicht angehen, daß ich mich so demütigen lasse, daß ich mich wie ein unmündiges Kind fühle und daß ich nicht mehr Herr meines Körpers bin. Ich machte mir wieder bewußt, daß ich ein selbständiger erwachsener Mensch bin. Danach wurde mir immer klarer, daß es mein Körper ist und mein Leben, welches ich leben muß. Ich sagte zu mir selbst: „Es kann nicht Gottes Wille sein, daß ein anderer meinen Körper benutzt, mein Leben lebt und mich zu einem Zuschauer degradiert." Ich merkte, daß ich bereits viel zuviel zugelassen hatte, und erkannte auch den großen Fehler. Durch diese ganzen Erkenntnisse ermutigt, bäumte ich mich innerlich auf und spürte auch, wie ich langsam nach und nach meinen ganzen Körper wieder einnahm. Ich bekam wieder ein besseres Empfinden für mich und fühlte mich auch stärker. Um dieses zu fördern, widersetzte ich mich einige Zeit lang jeder Anordnung und tat genau das Gegenteil von dem, was sie von mir verlangten. Es war ein schönes Gefühl, sich selbst immer mehr zu empfinden und zu wissen, daß ich wieder eigene Entscheidungen traf, wenn sie auch nicht immer richtig waren.

Doch das war damals nicht wichtig für mich; wichtig war nur, daß ich das Empfinden für mich selbst wieder stärkte. Ich ging in den totalen inneren Kampf über, ohne mich ständig zu fragen, ob es richtig war oder nicht, ob ich zu weit ging oder nicht oder ob ich den Richtigen treffe. Ab und zu überkam mich dennoch ein schlechtes Gewissen Gott gegenüber, denn ich hatte immer noch das Gefühl, daß mir etwas zur Seite stand und half, wenn auch nicht Gott persönlich, so doch ein Schutzgeist, der von ihm gesandt war. Ich beruhigte mich damit, daß ich mir sagte, er wird sicherlich wissen, was bei mir los ist, und wird meine Reaktion verstehen. Ich versprach ihm und nahm mir auch fest vor, so ich einmal von den Plagegeistern befreit sein würde, ganz von vorne anzufangen, an mir in seinem Sinne zu arbeiten. Denn mein Ziel war es immer noch, ihn zu verstehen, ihm näherzukommen und die Wahrheit zu finden. Es war mir ja bislang nicht möglich gewesen, da ich aufgrund des inneren Durcheinanders nicht mehr wußte, welcher Stimme ich folgen sollte. Nur in brenzligen Situationen hörte ich noch auf die mir schon vertraute mahnende, beruhigende, tröstende und behilfliche Stimme, die mich stets zum Kampf ermunterte und weiterhin an meiner Seite blieb.

Nach diesem inneren Aufbäumen und dem Entschluß zum totalen Kampf wurde jedoch für mich alles noch viel schlimmer. Zu den negativen Gedanken und einblitzenden Bildern kamen noch Fratzen hinzu, die manchmal tierkopfähnlich aussahen und von allen Seiten auf meinen Kopf zuschossen. Sie fauchten und grinsten mich an, streckten mir die Zunge raus. Ich merkte, daß ich sie von innen beeinflussen konnte. Kam eine Stimme oder Fratze z. B. von links, und ich drückte von innen links dagegen, hörte bzw. sah ich sie nicht mehr, jedoch kam sie dann von rechts. Ich drückte rechts dagegen, hörte sie nicht mehr, worauf sie aber dann von oben kam, und so ging es ständig hin und her. Nach einiger Zeit gab ich auf, und sie lachten, amüsierten sich über meine Bemühungen, sie loszuwerden. In mir kam wieder Verzweiflung auf. Ich versuchte jedoch auch hier, mir nach außen hin nichts anmerken zu lassen.

Zu der Zeit hörte ich viele Stimmen, männliche, weibliche, kindliche und koboldhafte. Ich hatte das Gefühl, daß viele um mich waren und daß jeder, der es wollte, Zugang zu mir hatte. Wann immer-ich konnte, flüchtete ich in den Schlaf, denn das war die einzige Ruhepause, die ich hatte. Ansonsten bestand mein Innenleben nur noch aus Kampf. Ich kämpfte gegen die Gedanken, die Bilder, die Stimmen, die Fratzen, gegen mein Gefühlsleben, gegen den Blick nach innen und gegen alle körperlichen Veränderungen. Irgendwann konnte ich nicht mehr, sackte völlig in mir zusammen und war bereit, mich aufzugeben, mit mir alles geschehen zu lassen, was geschah, egal, ob es negativ oder positiv war. Ich hatte einfach keine Kraft mehr, wollte nicht mehr kämpfen und auch nicht mehr die Wahrheit finden. Ich wollte nur noch meine Ruhe.

Dieser Zustand dauerte jedoch nur kurz, denn im nächsten Moment durchströmte mich eine unbeschreibliche Kraft, und ich spürte verwundert, wie ich innerlich aufgerichtet wurde, worauf ich auch wieder eine große Zuversicht empfand. Ich hatte zuvor, als ich anfing, zwischen Gut und Böse hin- und herzuschwanken, schon einmal darum gebeten, so Gott bei mir war, daß er mir ein äußeres Zeichen zum Beweis gebe. Daraufhin war ich gefragt worden, was für ein Zeichen es sein sollte. Nach längerer Überlegung war ich zu dem Schluß gekommen, daß auch ein äußeres Zeichen für mich kein Beweis sein konnte, da ich zwar annahm, daß Gott wohl jedes Zeichen wirken konnte, aber nicht wußte, zu welchen Zeichen der Teufel vielleicht fähig war, und somit hatte ich keine Unterscheidungsmöglichkeit. Deshalb hatte ich meine Bitte wieder verworfen.

 

KAPITEL 16

Dieses plötzliche Einströmen der Kräfte war für mich jedoch das größte Zeichen, welches Gott in mir wirken konnte. Ich erkannte sofort ihn darin, denn ich wußte, daß arge Geister Menschen zwar Kraft entziehen, aber keine Möglichkeit haben, sie ihnen wieder zukommen zu lassen, da sie die einzige Kraftquelle „Gott" nicht kennen oder kennen wollen. Ich wußte nun, daß er bei und mit mir war und mich, so es darauf ankam, auch tatkräftig unterstützte. Mein Vertrauen wuchs wieder, und ich bekam das Gefühl, ihn jetzt erst richtig kennenzulernen. Gleichzeitig erkannte ich aber auch die Notwendigkeit meines Kampfes, und daß es einen weisen Grund hatte, wenn ich Gott auch noch nicht sah und es auch noch nicht verstand. Mein Gefühl sagte es mir, und es sagte mir auch, daß ich es schaffen würde, ich mußte nur den richtigen Weg finden. Ich war wieder bereit zu kämpfen, mich zu Gott zurückzukämpfen, und sollte es ein Leben lang andauern. Ich wollte das Gute in mir, das noch vorhanden war, nicht verlieren. Der Kampf ging weiter.

Sie versuchten immer wieder, mich von Gott abzubringen, indem sie mir den Gedanken „Gott gibt es nicht" eingaben. Ich spürte dann zwar diesbezüglich ein Glaubensgefühl in mir, vernahm aber gleichzeitig auch eine Stimme, die sagte, daß man nicht von Gott weggebracht werden kann. Daher war ich mir dessen nicht so sicher und wollte den negativen Gedanken und dieses Gefühl nicht zulassen, sondern setzte sofort dagegen mit „Gott gibt es doch!" Ich begründete auch, weshalb ich an Gott glaubte. Gleichzeitig suchte ich in mir mein Glaubensgefühl und hielt es fest, verstärkte es sogar, so gut ich konnte. Danach sah ich jedesmal ein sehr helles Licht, welches aussah wie eine Sonne. Dieser Vorgang geschah öfters über mehrere Tage. Zum Schluß passierte es mir auch ab und zu, da ich wohl wieder etwas geschwächt war, daß ich mit dem Kontern etwas zögerte. Daraufhin verspürte ich sofort ein starkes Brennen, als stünde ich innerlich in Flammen. Es war sehr unangenehm, und ich erschrak jedesmal.

Voller Angst wurde ich wieder aktiv und suchte meinen Glauben an Gott, fand ihn und hielt ihn fest. Als ich ihn hatte, verschwand das Brennen, und alles war wieder normal. Eine weitere Begebenheit war, daß sie mir Impulse eingaben, die mich zum Selbstmord bringen sollten. Ich wußte auch hier sofort, daß diese Impulse nicht von mir ausgingen, weil mein Glaube, der fest war, diesen Schritt nicht zuließ. Meine Überzeugung war es von je her, daß man seinen Weg bis zum Ende gehen muß, egal, was einem im Leben widerfährt. Alle Schwierigkeiten sind dazu da, um zu lernen, und nur Gott ist befugt, dieses zu unterbrechen. Mir war auch klar, daß man durch den selbsterwählten Tod den Schwierigkeiten des Lebens nicht entrinnen kann. Ich stellte mir das Dasein eines Selbstmörders im Jenseits sehr traurig vor. Beim ersten Mal vernahm ich nur den Gedanken an Selbstmord, und mein Körper war von einem unbeschreiblichen Glücksgefühl ausgefüllt, als wäre es die schönste Sache von der Welt. Ich war zwar zuerst verwirrt, doch dann kam das Erkennen, daß es nicht von mir war, und ich versuchte, den Gedanken hinauszuschaffen und das Glücksgefühl niederzudrücken. Es gelang mir.

Zweimal geschah es dann im Wagen, mit dem ich gerade unterwegs war. Als ich beim ersten Mal an einem Brückenpfeiler und beim zweiten Mal an einem Baum vorbeifuhr, kam in mir der Impuls auf, das Lenkrad herumzureißen und dagegenzufahren. Auch in meinen Händen verspürte ich eine Bewegung, diesem Impuls nachzukommen. Doch automatisch schlossen sich meine Hände fester um das Lenkrad, und ich drückte leicht in entgegengesetzter Richtung dagegen, um den Wagen gerade zu halten. Ob diese Kraft in meinen Händen von mir kam oder ob mir geholfen wurde, weiß ich nicht. Von da an schlossen sich meine Hände stets automatisch fester um das Lenkrad, sobald ich unter oder über einer Brücke fuhr bzw. beim Vorbeifahren an Bäumen. Ich bemerkte auch öfters rechts neben mir im Wagen kurz einen schwarzen Schatten, worauf sich ebenfalls meine Hände wie automatisch fester um das Lenkrad legten und meine innere Aufmerksamkeit geschärft wurde.

Ein weiteres Mal geschah es beim Kartoffelschälen. Ich bekam den Impuls, mir das Messer in den Leib zu stechen, wogegen ich aber sofort ankämpfte, indem ich diesen Impuls ignorierte und mich noch mehr auf das Schälen konzentrierte. Das Messer legte ich nicht beiseite, da ich mich nicht schon wieder in eine Angst treiben lassen wollte. Nach einer Weile verschwand der Impuls. Zwar bekam ich noch längere Zeit ein ungutes Gefühl, sobald ich ein Messer zur Hand nahm, war jedoch besonders auf der Hut, was sich in mir tat. Der Impuls des Erstechens trat aber nicht mehr auf. Nebenbei hatte ich immer noch mit den Stimmen und Fratzen zu tun. Ich hielt es bald nicht mehr aus, da sie mich sehr quälten und ein Ende nicht abzusehen war. Bisher war ich der Meinung gewesen, ich müsse es allein schaffen, doch nun beschloß ich, etwas dagegen zu unternehmen, um sie loszuwerden. Ich überlegte, an wen ich mich wenden konnte, um über derartige Begebenheiten zu sprechen und vor allen Dingen ernstgenommen zu werden. Der einzige, der mir einfiel, war der Hypnotiseur, denn ich erinnerte mich daran, daß er in seinem Schrank sehr viele Bücher über Grenzwissenschaften hatte. Ich hielt ihn von daher zumindest für aufgeschlossen, und sollte er darüber selbst nichts wissen, so kannte er vielleicht jemanden, der mir helfen konnte.

Ich mußte irgendwo anfangen, also rief ich ihn an und bat um einen Termin. Ich war fest entschlossen, dem Ganzen ein Ende zu machen. Die Stimmen drohten mir und sagten: „Da wirst du nicht hinkommen, du darfst es nicht tun, wir werden es verhindern." Ich blieb standhaft und sagte ihnen: „Ihr könnt mich nicht davon abhalten." Sie erwiderten daraufhin: „Gut, fahr nur, du wirst nicht ankommen, du weißt nicht, was wir können." Ich bekam Zweifel, ob ich selbst fahren sollte, denn ich erinnerte mich wieder an den Anfall, den ich schon einmal im Wagen hatte. Daher überlegte ich, ob ich mir ein Taxi nehmen sollte. Aber was würde ich dann meinem Mann sagen, wenn ich meinen Wagen vor der Firma stehen lasse und mit dem Taxi wegfahre? Ich überlegte hin und her und wußte nur eines: Ich mußte irgendwie hinkommen. Sie lachten, weil ich unsicher war und nicht wußte, wie ich es anstellen sollte. Dann war mir mit einem Male alles egal. Ich beschloß, meinem Mann einiges zu erklären und ihn dann zu bitten, mich zu fahren. Bisher wußte er ja nichts, da es mir anfangs verboten worden war, mit ihm darüber zu sprechen. Ich mußte es aber tun, weil ich allein damit nicht mehr fertig wurde. Neben diesen Stimmen, die mich davon abhalten wollten, vernahm ich dann noch eine Stimme, die mir sagte: „Ja, tu es, sag es deinem Mann, du mußt es tun, du kannst nicht fahren, du brauchst seine Hilfe."

Ich überlegte noch lange, wie ich anfangen sollte, doch dann begann ich einfach, indem ich sagte: „Du mußt mich zum Hypnotiseur fahren." Er fragte, warum, und ich antwortete: „Weil ich besessen bin und seine Hilfe brauche." Mein Mann schaute mich sehr verwirrt an, was für mich nicht verwunderlich war, denn ich wußte, daß er an derartige Dinge nicht glaubte. Ich erzählte ihm einiges, war aber auch hier besonders darauf bedacht, nicht zuviel preiszugeben, da ich noch unsicher war. Er sah meine Angst und glaubte mir wohl, denn er fuhr mich, ohne weiter zu fragen. Ich nahm mir vor, mit dem Hypnotiseur auch über Exorzismus zu sprechen, denn darin sah ich die einzige Möglichkeit, daß mir geholfen würde. In mir schrien die Stimmen zwar, daß ich nicht zu einem Exorzisten gehen sollte, doch je mehr sie schrien, um so mehr war es für mich eine Bestätigung, daß es der einzig richtige Weg war. Weshalb hätten sie sonst eine solche Angst davor haben sollen? In das Haus des Hypnotiseurs ging ich allein, mein Mann wartete im Wagen. Dem Hypnotiseur erzählte ich alles, so gut es ging, außer von Gott und vom Auftrag, denn da hatte ich noch Bedenken. Ich erzählte ihm vom Pendeln und von meinem Vater, worauf er mit Bestimmtheit sagte: „Das war auch Ihr Vater." Ich wunderte mich zwar über diese Bestimmtheit, denn ich selbst hatte schon leichte Zweifel, da ich mir nicht vorstellen konnte, daß mein Vater mir all diese Qualen antat. Zwischen uns war schon zu seinen Lebzeiten ein besonderes Band gewesen, und das hatte sich bei mir nicht geändert.

Ich konnte mir nicht vorstellen, daß es bei ihm anders sein sollte. Ich wußte immer, daß er mich liebte, und ich liebte ihn. Meine Vermutung war deshalb, daß sich vielleicht ein anderer für meinen Vater ausgab und sein ganzes Wissen über mich aus meinen Erinnerungen hatte, die er nun verwendete, um mich zu täuschen, oder aber, daß mein Vater doch da war, jedoch das Gute verkörperte und mir half. Ich schwankte zwischen diesen Theorien in meinem Glauben hin und her und hoffte, irgendwann einmal eine Erklärung zu bekommen. Doch nun zurück zum Gespräch beim Hypnotiseur. Ich war in erster Linie erst einmal froh darüber, daß er mir glaubte. Er sagte mir, daß es für labile Menschen nicht gut sei, mit derartigen Dingen in Berührung zu kommen, und daß sich daraus Probleme entwickeln können. Wie recht er hatte. Doch war bei mir das Kind bereits in den Brunnen gefallen, und die Belehrung kam zu spät. Zu meiner Erleichterung gab er mir jedoch kund, daß er mir mit Hypnose helfen könne, aber ich müsse auch mitarbeiten.

Er erzählte mir von einer Frau, die auch mit einem solchen Problem bei ihm gewesen war und der er mit drei Sitzungen helfen konnte. Sie hatte mitgeholfen, indem sie die Stimme einfach ignorierte, und nach der dritten Sitzung war die Stimme verschwunden. Diese Erzählung machte mich zuversichtlicher, und ich wollte es auch versuchen. Von einem Exorzisten riet er mir ab. Er meinte, daß es gefährlich sei, da dabei schon Menschen gestorben seien, und daß Priester nur „Bodenpersonal" seien, bei dem man auch nicht wußte, ob sie alles richtig machten. Ich versuchte, mit ihm über Gott zu sprechen, doch er sagte: „Gott gibt es nicht." Ich entgegnete: „Ich glaube an Gott", worauf er antwortete: „Ja, Gott ist die Natur. An einen Gott, wie er in der Bibel steht, glaube ich nicht." Ich ließ mich nicht weiter auf das Gespräch ein, da ich damals selbst so gut wie nichts über Gott wußte und somit auch nicht gegenhalten konnte.

Wir fingen mit der Hypnose an, und er gab mir ein, daß die Stimmen sich entfernen, leiser werden und dann verschwinden. Ich bemühte mich, mitzuhelfen, doch diese Hypnosesitzung war für mich keine Hypnose, es war der absolute Kampf.

Es fing damit an, daß ich es nur mir großer Kraftanstrengung schaffte, meine Augen geschlossen zu halten. Irgendeine Kraft riß sie immer wieder auf, und hatte ich es einmal geschafft, daß sie geschlossen waren, flatterten die Augenlider wie verrückt. Dann begann ich, ständig zu schlucken. Ich bemühte mich, das abzustellen, aber es gelang mir nicht. Während dieser Sitzung sah ich auch, wie ehemals, Gott und meinen Vater über mir schweben. Sie gaben mir Anweisungen, was ich tun sollte. In mir vernahm ich auch Stimmen, die mir sagten, was zu tun war. Diese empfand ich jedoch später als Schabernack. Doch in dem Moment nahm ich alles an, was mir gegeben wurde und vielleicht helfen könnte. Vor der Sitzung wurde mir gesagt, daß das Böse in mir sei. Während der Sitzung konzentrierte ich mich darauf, es ausströmen zu lassen. Ich spürte dieses Ausströmen in der Halsbeuge. Gott und mein Vater riefen mir immer wieder zu: „Du schaffst es, wir haben ihn gleich!" Sie schienen auf ihn zu warten. Immer wieder wurde ich aufgefordert: „Mach weiter, du hast es gleich geschafft, er verliert an Kraft." Gleich darauf vernahm ich eine Stimme, die sagte: „Du mußt nach jedem abgeschlossenen Schritt dreimal kräftig schlucken, wobei kein unsicheres Schlucken dabei sein darf, denn damit holst du es zurück, und es gewinnt wieder an Kraft." Ich versuchte es, hatte jedoch diesmal ein unsicheres Schlucken dabei. Voller Verzweiflung kämpfte ich dagegen an, ich wollte es schaffen.

Die Stimmen und Fratzen schossen an fünf verschiedenen Stellen auf meinen Kopf zu. Entweder links oder rechts in Ohrhöhe, links oder rechts zwischen Ohrhöhe und Scheitel, oder von oben. Mir wurde gesagt, es gebe fünf Kanäle, eben an diesen Stellen, und ich müßte sie alle schließen, damit sie nicht mehr eindringen könnten. Ich versuchte es wieder auf die Weise, daß ich von innen gegendrückte und gleichzeitig dreimal schluckte. Damals tat ich alles, was mir gesagt wurde, so lächerlich es mir heute selbst vorkommt. Aber in der Verzweiflung ist man meistens nicht in der Lage zu unterscheiden, was gut und wahr ist und was nicht. Sobald eine Fratze und Stimme von rechts kam, vollzog ich meine Prozedur, bis hier Ruhe war, doch dann kam es aus einer anderen Richtung, und ich tat wieder das Gleiche, bis ich nach den Anweisungen und nach meiner Meinung jeden der sogenannten Kanäle geschlossen hatte. Danach stellte ich fest, daß tatsächlich Ruhe war. Genauso stellte ich es mit dem an, was angeblich in mir war. Nach dem abermaligen Ausströmen wartete ich, bis ich nichts mehr spürte, wodurch ich annahm, daß das Negative mich verlassen hatte. Ich drückte auch hier an der Stelle, an der ich das Ausströmen verspürte; von innen dagegen und schluckte wieder dreimal, doch plötzlich abermals ein unsicheres Schlucken. Mir wurde gesagt: „Das hättest du nicht tun sollen, es ist wieder da."

So ging es während der gesamten Sitzung vom Anfang bis zum Ende. Was der Hypnotiseur in der Zwischenzeit alles sagte, wußte ich anschließend nicht, da ich so sehr mit diesen Kämpfen beschäftigt war, daß ich alles um mich herum nicht mehr aufnahm. Als die Sitzung beendet wurde, spürte ich nichts mehr und dachte, ich hätte es geschafft. Es war eine solche Ruhe in mir und um mich herum, wie ich sie schon lange nicht mehr erlebt hatte. Dennoch war ich unsicher, ob es das nun wirklich schon war. Der Hypnotiseur und ich redeten noch darüber, was von mir aus jetzt zu tun sei. Er sagte mir noch einmal, ich müßte jetzt mithelfen. Wenn sie wiederkämen, sollte ich einfach weghören, sie ignorieren und ihnen nur sagen: „Ihr könnt mich nicht mehr stören. Verschwindet!" Erleichtert verließ ich ihn. Jedoch waren wir noch nicht lange gefahren, als sie alle plötzlich wieder da waren! Ich hörte wieder die Stimmen, sah die Fratzen und spürte etwas in mir. Sofort dachte ich an die Frau, die Gleiches erlebt hatte, und hoffte, es auch zu schaffen, hörte dann aber: „Bei dir ist es anders, du wirst uns nicht los, wir werden immer bei dir bleiben, und du weißt es."

Ich setzte wieder dagegen und sagte: „Ich werde euch schon los." Dann versuchte ich, sie zu ignorieren, sie einfach schimpfen zu lassen, ohne darauf zu hören. Um sie nicht mehr zu hören, versuchte ich, meinen Blick nach außen zu halten, doch es ging immer noch nicht, er wurde ständig wieder nach innen gezogen. Zur Unterstützung nahm ich die Gebrauchsanweisung des Wagens zur Hand und versuchte, darin zu lesen. So sehr ich mich auch bemühte, das Gelesene aufzunehmen, gelang es mir stets nur für kurze Zeit. Die Sitzung hatte nichts bewirkt, und ignorieren konnte ich sie auch nicht, denn sie ließen es nicht zu. So sehr ich mich auch bemühte, sie hielten mich fest. Neben diesem Hin und Her hörte ich immer wieder Zurufe: „Kämpfe, du schaffst es, du mußt kämpfen, du wirst immer stärker!" Ich kämpfte, als ginge es um mein Leben, aber ich schaffte es nicht und gab resigniert auf. Die Stimmen wurden immer lauter, und der eigentliche Kampf ging weiter.

Kurz bevor wir zu Hause ankamen, fingen sie wieder an, mich zu bedrohen. Sie sagten, wenn ich nach Hause fahre, würde ich sterben. Ich bekam Angst und wurde unsicher. Plötzlich dann wieder Zurufe: „Fahr nicht nach Hause, fahr zurück zum Hypnotiseur! Du mußt sie loswerden, du darfst nicht nach Hause fahren." Ich zögerte noch, da wir fast zu Hause waren, eine Stunde Fahrt hinter uns hatten und es bereits Abend war, doch meine Angst wuchs. Ich sagte zu meinem Mann: „Dreh um, ich muß noch einmal zum Hypnotiseur, sie drohen mir." Er war zwar sehr verstört, drehte jedoch um. Er spürte wohl, daß es sehr wichtig für mich war. Als wir wieder beim Hypnotiseur ankamen, war es bereits 21.00 Uhr. Es war mir sehr unangenehm, ihn so spät noch einmal mit meinen Problemen zu belästigen, doch ich konnte nicht anders. Ich wußte, ich verlangte sehr viel, sowohl von meinem Mann als auch vom Hypnotiseur, aber die Angst trieb mich. Nachdem ich mich entschuldigt hatte, sagte ich nur: „Sie sind wieder da." Er erklärte mir nochmals, daß ich sie einfach ignorieren solle.

Ich antwortete: „Ich kann es nicht", worauf er meinte: „Das sind Sie, Sie holen sie immer wieder zurück, Sie lassen sich hin- und herziehen." Ich erzählte ihm, daß sie mir auf dem Nachhauseweg gesagt hatten, daß wir bei der Sitzung etwas vergessen hätten, nämlich mit hineinzunehmen, daß mein Blick nach außen geht. Der Hypnotiseur sagte: „Dann machen wir es noch einmal und nehmen auch das mit dem Blick hinein." Er zeigte sich belustigt, und irgendwie konnte ich ihn verstehen. Er fragte mich dann: „Was sagen sie denn jetzt gerade?" Ich horchte in mich hinein und vernahm ein koboldhaftes Kichern. Darauf meinte er nur: „Das scheinen ja lustige Wesen zu sein." Es störte mich, daß er es so humorvoll nahm, doch wünschte ich, es auch zu können. Nur fühlte ich mich seitdem von ihm nicht mehr ernstgenommen. Ich kannte jedoch keinen anderen Menschen, mit dem ich darüber reden konnte, und zusätzlich hoffte ich, bei ihm Hilfe zu finden. Er begann mit der Hypnose und nahm den Blick mit hinein. Für mich begann erneut der Kampf mit dem Schlucken. Auch nach dieser Sitzung war wieder Ruhe, doch auch dieses Mal nicht für lange. Sie kamen wieder und meinten, wir hätten wieder etwas vergessen, und zwar, die Kanäle zu schließen. Das Gegendrücken und Schlucken hätte nicht gereicht, das war nur Humbug.

Wieder zu Hause, entschloß ich mich dieses Mal, einen genauen Schlachtplan auszuarbeiten, bevor ich zur nächsten Sitzung ging. Denn ich wollte nun nichts mehr vergessen. Wie schon gesagt, hatte ich während der ganzen Zeit das Gefühl, daß auch ständig etwas bei mir war, was mir half, diesen Schabernack oder das Böse (was immer es war) zu bekämpfen. Daher versuchte ich, beim Aufschreiben der einzelnen Punkte darauf zu hören. Ich bedachte alle Punkte, die möglicherweise wichtig waren; und bei jedem Gedanken hörte ich: „Ja, das mußt du mit hineinnehmen," oder: „Nein, so ist es nicht richtig," oder: „Da muß noch etwas mit hinein, denk nach!" Hinzu kam, daß ich auch noch das Zucken der Beine verspürte, wobei das Zucken des linken Beines hieß, es ist falsch, und des rechten Beines, es ist richtig. Auch hierauf achtete ich. Bei den verschiedensten Ideen, die ich hatte, zuckte manchmal das linke, manchmal das rechte Bein. Beim linken verwarf ich den Gedanken wieder, beim rechten schrieb ich es auf.

Anschließend rief ich den Hypnotiseur noch einmal an und sagte ihm, daß ich dieses Mal viele Punkte aufgeschrieben hätte, die berücksichtigt werden müßten, da sie wichtig seien. Er forderte mich auf, vorbeizukommen. Als ich dann bei ihm im Wohnzimmer saß, war ich die erste Zeit allein, da er im Nebenzimmer zu tun hatte. Meinen Zettel mit den einzelnen Punkten legte ich auf den Tisch. Plötzlich gab es einen sehr starken Wind um mich. Es war kein Zugwind, denn er wirbelte nur um mich herum. Ich mußte den Zettel festhalten, sonst wäre er weggeweht. Ich bekam Angst, kämpfte aber dagegen an, da ich mich nicht beirren lassen wollte.

Als der Hypnotiseur das Zimmer betrat, war der Wind mit einem Schlag vorbei. Ich zeigte ihm den Zettel, und er las ihn durch, meinte jedoch abermals, daß ich mich nicht ständig hin- und herzerren lassen dürfe und dagegen ankämpfen müsse. Er sagte: „Sie sehen ja, jedesmal haben wir etwas anderes vergessen, und wenn wir jetzt diese Dinge mit hineinnehmen, gibt es danach wieder etwas, das wir vergessen haben." Ich wußte, daß er recht hatte, aber was sollte ich tun? Ich wußte auch, daß ich nicht erwarten konnte, verstanden zu werden. Das konnte nur jemand verstehen, der so etwas selbst erlebt hatte. Ich wollte nur nichts unversucht lassen. Mein Hypnotiseur versetzte mich abermals in Hypnose, und es war ein abermaliger Kampf für mich. Auch diese Sitzung bewirkte keine Veränderung. Ich hatte jetzt sogar das Gefühl, daß es immer schlimmer wurde, und beschloß, mich ab jetzt in keine Behandlung dieser Art mehr zu begeben. Ich bekam nach dieser dritten Sitzung auch stets ein ungutes Gefühl, sobald ich an Hypnose dachte, und sah ein, daß sie nicht der richtige Weg war. Deshalb nahm ich mir vor, es erst einmal wieder aus eigener Kraft zu versuchen.

 

KAPITEL 17

Von der Firma, bei der ich mich vorgestellt hatte und die sich bei mir melden wollte, hatte ich immer noch nichts gehört. Ich beschloß nach zwei Wochen Wartezeit, noch eine andere Möglichkeit des Berufseinstiegs heranzuziehen, und rief abermals bei einem Zeitarbeitsunternehmen an. Man zeigte sich sehr interessiert und bestellte mich zu einem Gespräch. Es verlief wieder sehr positiv, doch bevor man mich einstellen wollte, sollte ich mich auch dort einem Schreibtest an der Schreibmaschine unterziehen. Ich bekam zwar etwas Herzklopfen, war aber dennoch zuversichtlich. Zuerst sollte ich mich etwas einschreiben, was sehr gut verlief, denn mein anfängliches Herzklopfen legte sich, und ich wurde ruhiger. Anschließend folgte die Erstellung eines Formbriefes, auch dieses gelang mir problemlos. Zum Schluß war ein Zeitschreiben angesagt, wodurch ich wieder aufgeregter wurde, da man bei einem solchen doch sehr unter Druck steht. Meine Hände zitterten zu Beginn, doch hielt ich dies ebenfalls für normal und hoffte nur, daß es sich mit der Zeit legen würde. Ich begann langsam und vorsichtig, versuchte lockerer zu werden und wollte erst richtig loslegen, sobald das Zittern aus meinen Händen verschwunden war. Die Frau, die mich angewiesen hatte, entfernte sich, nachdem sie mir den Start zum Zeitschreiben gegeben hatte, und wollte erst nach zehn Minuten zurückkehren. Während dieser Zeit war ich also allein und glaubte von daher, daß ich meine Ruhe zurückgewinnen würde. Doch das Zittern in meiner linken Hand wurde immer heftiger. Mit einem Male zogen sich die Finger zusammen und verkrampften sich dermaßen, daß ich zum Schreiben nur noch den Zeigefinger benutzen konnte. In meinem Kopf war ein totales Durcheinander. Ich konnte weder meine linke Hand in den Griff bekommen, noch konnte ich mich auf den zu schreibenden Text konzentrieren.

Mit der rechten Hand war es mir möglich, einwandfrei zu schreiben, sie zitterte nicht einmal. So etwas hatte ich noch nie erlebt. Verzweifelt bemühte ich mich, alles wieder zu normalisieren, doch es gelang mir nicht. Nach einiger Zeit des Bemühens wuchs in mir der Gedanke, aufzugeben, wohl hervorgerufen durch die Verzweiflung, denn ich hatte das Gefühl, es nicht mehr zu schaffen. Doch ich hörte eine Stimme in mir: „Du mußt kämpfen, du darfst nicht aufgeben!" Ich bäumte mich gegen das Gefühl der Resignation auf und schrieb nicht mehr nur, sondern kämpfte an der Schreibmaschine. Immer wieder sagte ich mir: Du wirst es schaffen, egal wie. Mir ging es plötzlich nicht mehr darum, den Schreibtest zu bestehen, das war mir inzwischen gleichgültig. Mir war es nur noch wichtig zu kämpfen und zu siegen, gegen wen oder was auch immer, mich nicht kleinkriegen und zur Aufgabe zwingen zu lassen. Nach dem Test stellte sich heraus, daß ich einen ganzen Absatz zu schreiben vergessen hatte, aber auch das war mir egal. Ich war nur froh, daß ich es hinter mich gebracht hatte. Obwohl ich im Zeitschreiben nicht bestanden hatte, wollten sie mich zu meiner Verwunderung einstellen. Ich hätte mich freuen sollen, doch ich konnte es nicht. Denn mir war klar, daß jetzt meine alten Ängste wiederkommen würden, da ich wußte, daß mich dieses Erlebnis zurückgeworfen hatte. Ich bekam schon Panik bei dem Gedanken, den Vertrag zu unterschreiben. Bis zum darauffolgenden Tag sollte ich mir überlegen, ob ich dort anfangen wollte. Am nächsten Tag rief ich an und sagte zu. Wir vereinbarten einen Termin zur Vertragsunterzeichnung. Der Termin stand mir bevor, und um ihn zu überstehen, griff ich wieder zu dem alten Mittel, nämlich Alkohol. Anschließend fuhr ich erleichtert nach Hause.

Nach dem Erlebnis beim Schreibtest überlegte ich mir, daß ich etwas unternehmen mußte, denn ich war sicher, daß ich bewußt gestört worden war. Ich wollte es nun nicht mehr nur loswerden, ich wollte vor allen Dingen herausfinden, was mit mir geschah, durch wen und warum. Bis dahin glaubte und hoffte ich, die Lösung würde mir irgendwann auch so noch gegeben werden. Doch jetzt konnte ich darauf nicht mehr warten. Ich mußte nun selbst etwas unternehmen, um es herauszufinden, und ich mußte mein Leben wieder in den Griff bekommen. Es sollte nicht mehr zerstört werden. Meine Freundin erzählte mir von einem Zeitungsartikel, den sie kurz zuvor gelesen hatte, in dem von einem Institut für Grenzwissenschaften berichtet wurde. Ich hatte davon auch schon während meiner Seminarbesuche gehört. Kurzerhand entschloß ich mich, dorthin zu schreiben. In dem Brief beschrieb ich, so gut es ging, mein Problem und bat um eine Adresse in oder um Hamburg, an die ich mich wenden konnte. Ich wußte nicht, ob das, was ich tat, gut für mich war. Aber irgendetwas mußte ich unternehmen, denn so konnte ich nicht weiterleben. Obwohl ich so schlimme Erlebnisse gehabt hatte, kam in mir immer wieder das Gefühl auf, daß es für mich gut war. Ich wußte auch nicht, weshalb, jedoch ahnte ich einen Sinn hinter dem ganzen Geschehen; und den wollte ich herausfinden. Ich mußte Wochen auf Antwort warten und in der Zwischenzeit kämpfte und suchte ich weiter.

Am Nachmittag des Tages der Vertragsunterzeichnung beim Zeitarbeits-unternehmen rief mich die Firma an, bei der ich mich zuerst vorgestellt hatte, und bot mir ebenfalls einen Vertrag an. Da ich dort mehr verdienen konnte, stornierte ich den Vertrag beim Zeitarbeitsunternehmen und unterzeichnete den bei der anderen Firma. Hier bin ich auch heute noch, drei Jahre später, tätig. Anfangs bewältigte ich auch in dieser Firma die vielen Situationen mit den Kollegen nur mit Hilfe von Alkohol, den ich in den ersten Tagen vor Arbeitsbeginn täglich trank. Langsam jedoch gewann ich eine gewisse Sicherheit zurück und beschränkte diese „Hilfe" nur noch auf bestimmte Situationen, von denen ich vorher wußte, daß sie auf mich zukamen. Als ich bereits einige Tage in der Firma tätig war, kam mein Chef plötzlich mit dem Vertrag ins Zimmer, um ihn mir zur Unterzeichnung vorzulegen. Ich war nicht darauf vorbereitet und mußte so, ohne Hilfsmittel, in diese Situation gehen, da es keine Möglichkeit gab, sie zu umgehen. Ich versuchte ruhig zu bleiben. Doch als ich den Stift zur Hand nahm, zitterte meine Hand nicht nur, sondern sie ruckte und zuckte fürchterlich, als würde sie hin- und hergerissen; meine Unterschrift war vollkommen entstellt. Ich wußte nicht, was es sollte, ich wußte nur, es kam nicht von mir. Nach einiger Zeit merkte ich, daß meine Kollegen etwas von meinem Alkoholkonsum ahnten, obwohl ich immer bemüht war, nicht allzusehr in ihre Nähe zu kommen. Ich wußte, so geht es nicht weiter, zumal auch noch hinzukam, daß sich in mir ein enormer Ekel vor Alkohol entwickelte und ich Schwierigkeiten bekam, ihn hinunterzuschlucken.

Ich entschloß mich, einen Arzt aufzusuchen und mir Beruhigungstabletten verschreiben zu lassen. Der Arzt erfüllte meinen Wunsch jedoch nicht, ohne mich vorher vor der Suchtgefahr zu warnen. Ich nahm mir fest vor, trotz der Einnahme der Tabletten nicht damit aufzuhören, an mir zu arbeiten, um irgendwann meine Angst ganz zu verlieren. Zum einen wußte ich, es war nur eine Sache des Glaubens (der mir zu diesem Zeitpunkt allerdings fehlte), zum anderen wollte ich mir nicht noch eine neue Sucht einhandeln.

Auch in der neuen Firma wurde ich von der geistigen Seite geplagt. Ich hatte noch lange Zeit Konzentrationsprobleme. Da meine Aufmerksamkeit immer wieder abgezogen wurde, war es für mich schwierig, das Neue meines Aufgabengebietes aufzunehmen. Ich kämpfte auch hier ständig dagegen an, schaffte es auch irgendwie, die Probezeit zu bestehen, und wurde fest übernommen. Das war für mich eine große Erleichterung, denn es bedeutete wieder einen Schritt nach vorn und bestärkte mich. Aber auch gegen andere Dinge hatte ich noch zu kämpfen, z. B. verzog sich mein Gesicht immer wieder zu Grimassen. Ich versuchte, sie nicht entstehen zu lassen, doch in unachtsamen Momenten geschah es immer wieder. Meine Befürchtung war, daß meine Kollegen etwas bemerkten und mich für sonderbar hielten.

Da es auch so schon für einen Neuling schwer war, in die Gemeinschaft hineinzukommen, hätte mir das gerade noch gefehlt. Deshalb rettete ich mich aus solchen Situationen, indem ich die Grimasse zuließ und weiterführte. Dann schaute ich meine Kollegin, die mich beobachtete, an und gab ihr eine Begründung in bezug auf das, was ich gerade geschrieben oder gelesen hatte. Dadurch versuchte ich, dem Ganzen eine Natürlichkeit zu verleihen, was mir meistens gelang. Anschließend lachten wir gemeinsam darüber, und ich war gerettet. Ebenso machte ich es mit dem Lachen, das immer noch in mir aufkam, aber nicht zu mir gehörte und mich quälte, und ebenso mit dem Lächeln, zu dem sich mein Mund immer wieder verzog. Wenn ich das aufkommende Lachen zu heftig in mir verspürte, verließ ich schnell das Zimmer und kam erst zurück, wenn ich wieder die Oberhand gewonnen hatte. Seit längerer Zeit bemerkte ich auch, daß ich nicht mehr sicher und gerade gehen konnte, und mußte mich auch hier sehr konzentrieren, um nicht zu sehr zu schwanken. Während des Gehens machte mein rechtes Bein immer wieder plötzlich einen weiten Schritt nach rechts.

Einige werden jetzt vielleicht denken, daß dies vom Alkohol kam, aber dem muß ich entgegentreten, denn dieses Schwanken trat am heftigsten auf, wenn ich nichts nahm. Im Gegenteil, sobald ich Alkohol oder später Beruhigungstabletten zu mir genommen hatte, ging es mit dem Gehen und auch allen anderen Beeinflussungen besser. Ich merkte schon früh, daß gerade durch die Einnahme dieser Hilfsmittel, wahrscheinlich durch die Beruhigung der Nerven, die bei mir sehr schwach waren, die Wahrscheinlichkeit und die Stärke der Beeinflussung nachließ. Trotzdem beschränkte ich die Einnahme wegen der Gefahr, abhängig zu werden, nur auf bestimmte Situationen, vergrößerte stets die zeitlichen Zwischenräume und verringerte auch von Mal zu Mal die Menge. Heute bedarf ich dieser Hilfsmittel nur noch in äußerst seltenen Fällen, die aber auch immer weniger werden.

Das Ausrücken des rechten Beines hatte ich schon eine sehr lange Zeit, und es kostete mich eine große Kraft und Konzentration, einigermaßen normal zu gehen. Es geschah oft gerade dann, wenn ich durch einen Zimmereingang oder um eine Ecke gehen wollte, so daß ich, wenn ich nicht aufpaßte, gegen den Türpfosten bzw. gegen die Ecke lief. Auch hier fürchtete ich, daß meine Kollegen etwas merkten, und gewöhnte mir deshalb einen langsamen und behutsamen Gang an. So bemerkte ich es am ehesten und konnte dann gegensteuern.

 

KAPITEL 18

Wie ich bereits schrieb, hatte ich auch Angst vor den Nächten, vor der Dunkelheit und vor allem davor, nachts allein zu sein, da sie mir stets mit ihrem Erscheinen gedroht hatten und damit, daß ich sterben und am nächsten Tag nicht mehr aufwachen würde. Ich sah dann auch oft die Wohnung oder das Bett brennen und erinnerte mich daran, daß mein Vater mir anfangs gesagt hatte, ich sollte schon einmal verbrannt werden, was meine Angst noch schürte. Ebenso hörte ich: „Ja, wir werden dich verbrennen." Ich hatte Angst einzuschlafen, da ich nicht wußte, was ihnen möglich war, und versuchte mich wachzuhalten. Schon immer glaubte ich daran, daß es nach dem Tode weitergeht, und hatte von daher auch keine Angst davor. Doch jetzt überkam mich Angst vor dem Sterben, da ich nicht wußte, wo ich mich geistig befand und wo ich somit hinkommen würde. Obwohl ich noch so gut wie nichts von den geistigen Bereichen wußte, erschien es mir sehr wichtig, diese Sache noch hier zu Lebzeiten zu bereinigen, es zu schaffen, aus diesem negativen Einfluß herauszufinden. Ich fürchtete mich auch davor, ihnen nach dem Tode allen zu begegnen und schutzlos ausgeliefert zu sein. Ich hatte schon das Gefühl, leichter hier einen Weg in die Freiheit zu finden, und wollte aus diesem Grunde noch nicht sterben.

Nachdem sie mir mehrere Abende vor dem Einschlafen mit Verbrennen und Sterben gedroht hatten, ich aber dennoch jeden Morgen wieder aufwachte, verlor sich langsam meine Angst. Ich gewann die Überzeugung, daß sie mir leiblich nichts anhaben könnten. Öfters hörte ich auch eine Stimme, die sagte: „Nein, wir können nichts machen, es ist nur deine Angst." Dann hörte ich aber auch wieder: „Wir werden es machen, wenn du allein bist, dann passiert dir Schreckliches." Ich hatte fast jeden Abend Einschlafschwierigkeiten, da immer etwas geschah. Hörte eine Sache nach einiger Zeit auf, fing darauf eine neue an. Eines Abends, ich lag schon im Bett, schoß mit einem Male eine teufelsähnliche Gestalt vom Flur her durch die Schlafzimmertür auf mich zu. Ich hörte Zurufe: „Du mußt ihn wegdenken, Gott hilft dir, aber du mußt ihm auch helfen!" Ich versuchte es verzweifelt, doch die Gestalt kam immer wieder zurück. Nach einiger Zeit spürte ich ein Ausströmen und sah kurz darauf jemanden neben dem Bett, den ich für Jesus hielt, denn er sah aus wie Jesus. Er stand mit dem Rücken zu mir und mit dem Gesicht zur Schlafzimmertür und wartete. Die Teufelsgestalt schoß auf ihn zu, und Jesus breitete die Arme aus und drängte sie zurück.

Die Gestalt verschwand, kam jedoch nach kurzer Zeit wieder und versuchte, an Jesus vorbeizukommen und zu mir zu gelangen, doch Jesus fing sie abermals ab und drängte sie wieder zurück. Ich hörte eine Stimme, die sagte, ich solle mit meinen Gedanken mithelfen, sie einfach wegdenken. Ich tat es, versuchte, sie über den Flur verschwinden zu lassen, so daß sie nicht wiederkäme. Plötzlich jedoch schoß sie vom Schlafzimmerfenster herein. Jesus wehrte die Gestalt abermals ab, da verschwand sie. Daraufhin drehte sich Jesus um und legte sich mit ausgebreiteten Armen quer über meine Bettdecke. Ich wußte, er bildete somit einen Schutzschild für mich, und ich konnte beruhigt einschlafen. Einige Nächte lang konnte ich gut schlafen, doch dann geschah etwas Neues: Mein Mann schlief schon, und ich war im Begriff, es auch zu tun, als ich im Flur ein raschelndes Geräusch hörte, wie es z. B. ein Gewand oder ein Umhang beim Gehen macht. Schritte direkt hörte ich nicht, nur das Rascheln im Rhythmus von Schritten. Es kam langsam näher in Richtung Schlafzimmer. Dann vernahm ich es vor dem Schlafzimmereingang, auf das Bett zukommend. Ich versuchte, eine natürliche Erklärung dafür zu finden oder es meinen strapazierten Nerven zuzuschreiben. Aber ich fand keine natürliche Erklärung, und es gelang mir auch nicht, es mit meiner Phantasie abzutun, denn ich hörte es deutlich und konnte es dem Geräusch nach verfolgen. Und ich hörte es nicht mit meinem geistigen Ohr, sondern mit meinen leiblichen Ohren. Während der ganzen Zeit hörte ich jedoch, wie gehabt, mit meinem geistigen Ohr: „Du brauchst keine Angst zu haben, es ist Gott." Ich verstand es nicht umi fragte mich, weshalb ich Angst und so ein ungutes Gefühl hatte, wenn es wirklich Gott sei. Zwar versuchte ich es zu glauben, jedoch gelang es mir nicht. Ich mußte stets an den schwarzen Schakal denken, den ich längere Zeit zuvor mehrmals gesehen hatte und der einen Umhang trug.

Mein Herz schlug immer schneller, meine Angst nahm zu, und ich fing an zu schwitzen, lauschte jedoch stets wie gebannt auf das Rascheln. Es bewegte sich vor dem Fußende des Bettes hin und her, als ginge jemand ganz langsam und bedächtig, blieb stehen und ging weiter. Während der ganzen Zeit hörte ich: „Du brauchst keine Angst zu haben, beruhige dich, es ist Gott, du mußt Vertrauen haben. Wir bereiten dich Schritt für Schritt auf etwas vor, aber du mußt deine Angst verlieren." Ich bemühte mich, es zu glauben und die Angst zu bekämpfen, aber es ging nicht. Mein Herz ging rasend schnell. Nach einiger Zeit hielt ich es nicht mehr aus und rang mit mir, ob ich Licht machen sollte oder nicht. Ich hätte es einerseits gerne getan, zwang mich andererseits jedoch, nicht zum Lichtschalter zu greifen. Ich wollte es so überstehen, um mich nicht weiter in die Angst vor der Dunkelheit drängen zu lassen. Dann hörte ich: „Mach ruhig Licht, wenn es dich beruhigt, du kannst alles machen, was dir die Angst nimmt." Daraufhin erst knipste ich das Licht an und dachte, daß es damit vorbei wäre, doch ich sollte mich täuschen. Ich hörte das Rascheln noch immer. Es kam langsam um das Bett herum und dann seitlich am Bett entlang auf mich zu.

Ich wußte nicht mehr, was ich machen sollte, befürchtete, daß etwas Schlimmes geschieht, und überlegte schnell, ob ich meinen Mann wecken sollte. Ich wußte jedoch nicht, wie ich ihm die Situation erklären sollte, und zögerte noch. Dann hörte ich: „Wecke deinen Mann!", was wiederum ein Anstoß für mich war, und ich tat es. Ich wollte nur, daß er wach ist, und sagte ihm zuerst, daß mir schlecht sei, was auch nicht gelogen war. Meine Hoffnung war, daß es damit vorbei sei, aber die Geräusche blieben. Sie waren jetzt wieder vor dem Bett und gingen hin und her. Ich wunderte mich, daß mein Mann sie nicht hörte. Mir wurde daraufhin gesagt: „Er kann sie nicht hören, nur du." Ich wollte es nicht glauben, denn ich ' wußte wohl, was nur ich hörte, aber die anderen nicht hören konnten und was andere auch hören müßten. Daher fragte ich ihn danach. Er lauschte und sagte: „Ich höre nichts." Als das Rascheln besonders laut war, machte ich ihn darauf aufmerksam. Er fragte, wo ich es hörte, und ich beschrieb es ihm, worauf er mich bat, aufzuhören, da er eine Gänsehaut bekäme. Ich konnte ihn verstehen, denn mir war es auch unheimlich.

Dennoch verspürte ich nach diesem Ausspruch ein Heiterkeitsgefühl in mir aufsteigen, und ich mußte mich zusammennehmen, um nicht loszulachen. Mein Mann lauschte weiter und sagte schließlich: „Ja, jetzt höre ich es auch." Mir fiel ein Stein vom Herzen, also bildete ich es mir nicht ein. Nach kurzer Überlegung machte er jedoch die Bemerkung: „Das sind die Vorhänge." Im ersten Moment schien mir das eine gute Erklärung, und ich nahm sie dankbar an, da sie mich etwas beruhigte. Mein Mann stand auf und schloß das Fenster. In der Zwischenzeit hatte das Rascheln aufgehört. Ich dachte noch über die Erklärung nach und konnte mich dann doch nicht damit zufriedengeben, denn das Fenster befand sich in einiger Entfernung in derselben Wand, gegen die auch das Kopfteil des Bettes stand, also seitlich von mir. Das Rascheln war aber vom Flur durch die Tür gekommen, die sich genau dem Fenster gegenüber befand. Ich konnte mich nicht so getäuscht haben. Ich habe dann noch einige Zeit gelesen, um mich abzulenken, und schlief irgendwann ein. Am nächsten Tag sprachen wir noch einmal darüber, und mein Mann gab jetzt die Erklärung, daß es eine Motte gewesen sei. Was war es denn nun? Er war wohl selbst nicht so überzeugt davon, und es schien mir, als wollte er sich damit nur selbst beruhigen. Einige Tage lang herrschte dann wieder Ruhe, und ich bemühte mich, dieses letzte Erlebnis zu vergessen und nicht immer auf Geräusche zu achten oder wieder neue zu vernehmen. Beim Einschlafen drückte ich die Bettdecke fest gegen meine Ohren, denn sonst wäre meine Aufmerksamkeit stets darauf gerichtet gewesen, ob nicht irgendetwas Merkwürdiges zu hören wäre.

Ein paar Nächte später schlief ich im Wohnzimmer. Kaum war das Licht aus, bemerkte ich eine leichte Übelkeit. Mir wurde gesagt: „Dir ist schlecht, weil du weißt, daß etwas kommt." Ich bekämpfte die Übelkeit und setzte dagegen: „Es kommt nichts." Die Übelkeit verschwand mit einem Mal, und ich wollte gerade einschlafen, als sie plötzlich wieder auftrat. Gleich anschließend hörte ich wieder dieses Rascheln im Rhythmus von Schritten. Sie kamen abermals vom Flur. Im ersten Moment dachte ich, mein Mann ginge leise über den Flur, und wartete, daß er etwas sage, doch es blieb von daher still. Das unerklärliche Geräusch kam durch die Wohnzimmertür und bewegte sich langsam zur Zimmermitte. Mein Herz schlug mir wieder bis zum Hals, und ich wurde aufgefordert, Licht zu machen, was ich auch tat. Das Rascheln hörte auf, und nach einiger Zeit versuchte ich, bei Licht einzuschlafen, was mir nicht gelang, da ich immer noch auf Geräusche lauschte. Zusätzlich machte ich den Fernseher an, um mich abzulenken. Endlich schlief ich bei Licht und laufendem Fernseher ein.

Seitdem habe ich dieses Rascheln nicht mehr gehört. Ich hatte damals Angst vor der Dunkelheit gehabt und besonders davor, nachts allein zu sein. Die Anwesenheit meines Mannes gab mir zwar Sicherheit. Aber diese Tatsache machte mich nicht froh, sondern verzweifelt, weil ich immer noch ausziehen wollte. Ich hatte das Gefühl, nie mehr allein bleiben zu können, ständig auf Menschen angewiesen zu sein, die mir Schutz gaben, und ich fühlte mich gefangener denn je. Ich wollte eine eigene Wohnung, doch war mir dies, wie ich damals glaubte, wohl nie mehr möglich. Ein geregeltes Einkommen hatte ich inzwischen und konnte mir eine Wohnung leisten, doch der Weg dorthin war mir durch die Drohungen und die daraus resultierende Angst versperrt. Ich überlegte, wie ich dennoch ausziehen könne, und mir fiel zuerst nur meine Freundin ein, die ein Haus hat. Ich überlegte, ob ich nicht dort nach einer Wohnmöglichkeit fragen sollte. Da meine Freundin jedoch eine vierköpfige Familie hat, war das auf Dauer auch nicht möglich, und so überlegte ich weiter. Ich dachte sogar daran, mich in ein Sanatorium einweisen zu lassen, nur um mit Menschen zusammenwohnen zu können. Doch auch diesen Weg verwarf ich nach einiger Zeit wieder und fand mich erst einmal damit ab, daß ich bei meinem Mann bleiben mußte, und ich hoffte weiter, einen Weg zu finden, daß mir geholfen würde.

 

KAPITEL 19

Irgendwann begann ich, alle Erlebnisse, Gefühle und Gedanken in einem Tagebuch niederzuschreiben, weil ich hierzu ein starkes Bedürfnis verspürte. Zuerst hatte ich das Gefühl, daß es mir ein wenig dabei helfen könnte, die Dinge besser zu verstehen und zu verarbeiten. Dann jedoch war ein weiterer Grund, alles festzuhalten, um nichts zu vergessen, denn ich bekam auch das Gefühl, daß es später noch sehr nützlich sein würde. In welcher Form, wußte ich damals noch nicht. Ich hatte durch das, was ich bisher erlebt hatte, so viele Fragen und wollte die Antworten finden, wollte wissen, nicht mehr nur glauben. Doch wo anfangen? Wer wußte soviel, daß er behaupten konnte, die Wahrheit zu kennen? Selbst wenn ich mich an Menschen wandte, die sich nur mit diesen Dingen beschäftigen - was wissen sie? Wissen sie schon alles? Ich glaubte nicht. Ist das, was sie bisher herausgefunden haben, richtig und wahr? Ich wußte, daß es gerade über diese Dinge viele Theorien gibt. Welche entspricht der Wahrheit? Ich fragte mich, ob mir ein Geistlicher erklären konnte, was es in der geistigen Welt gibt. Weiß er, ob es das Böse gibt oder nicht, oder ob es nur Gott gibt? Ich dachte, nein, er weiß nur, was in der Bibel steht. Ich überlegte weiter, ob mir ein Parapsychologe diese Fragen beantworten könne. Auch hier kam ich zu der Überzeugung, daß es ein solcher nicht sein konnte, denn auch diese Wissenschaft steht erst am Anfang.

Mit wem konnte ich also so darüber reden, daß ich nicht nur glauben könnte, sondern wüßte? Ich bekam das Gefühl, daß es niemanden gab. Trotzdem wollte ich versuchen, soviel wie möglich herauszubekommen, denn selbst diese Menschen wußten mehr als ich. Sie konnten mich zwar nicht wissend machen, doch konnten sie mich ein Stück weiterbringen. Ein Stück weiter auf dem Weg des Suchens. Zuerst sprach ich nur mit meiner Freundin darüber, doch nach einer gewissen Zeit half mir das nicht mehr. Denn ich wollte nicht mehr nur reden, ich wollte Antworten und Erklärungen, die sie mir natürlich nicht geben konnte. Die Gespräche mit meinem Mann führten auch zu nichts, denn er riet mir nur immer wieder, zu einem Arzt zu gehen. Er war überzeugt, daß ein Arzt mir helfen konnte, was ich anzweifelte, denn ich war ja nicht im Sinne der Schulmedizin psychisch krank. Was wußte ein Arzt von diesen Dingen? Er hätte mich nur für krank erklärt und vielleicht sogar in eine Anstalt eingewiesen, da er es nicht besser wußte. Ich wollte keinesfalls zulassen, daß man mich schon am Anfang für psychisch krank hielt. Wenn überhaupt dann nur als letzte Möglichkeit, nur durch mich selbst und nur, wenn sich keine andere Erklärung mehr für diese Erlebnisse finden würde als eine psychische Krankheit. Manchmal wünschte ich sogar, daß es so einfach wäre - einfach nur psychisch krank zu sein, mich in die Hände eines Arztes zu begeben, vielleicht auch in ein Sanatorium zu gehen, um irgendwann als geheilt entlassen zu werden und mein Leben normal weiterführen zu können, als wäre nichts gewesen.

Das wäre für mich greif- und überschaubarer, da ich den Weg und das Ziel in diesem Fall schon vor Augen gehabt hätte und den Weg nur zu gehen bräuchte. Doch ich wußte, so einfach war es nicht. Ich war nicht verrückt oder psychisch krank. Ich wußte auch, daß ich einen anderen Weg gehen mußte, einen, der noch nicht greifbar und überschaubar war, den ich noch nicht kannte und dessen Ende für mich noch ungewiß war. Ich konnte nur gehen, vertrauend auf mein Gefühl, aber auch mit äußerster Vorsicht, um den richtigen Weg nicht zu verfehlen. Es wurde in mir mit einem Mal das Bedürfnis wach, in eine Kirche zu gehen. Anfangs zögerte ich noch, da ich stets, wenn ich an die Kirche dachte, ein Bild vor mein geistiges Auge bekam, in dem ich mich vor einer Kirche zusammenbrechen sah. Sie sagten dabei, daß ich nicht hineinkommen würde, sie würden es verhindern. Nach einiger Zeit des Zögerns und nachdem die Drohungen immer schlimmer wurden, faßte ich Mut und wollte es jetzt, da sie es so sehr zu verhindern suchten, erst recht tun. Ich war fest entschlossen, in eine Kirche zu gehen, und - sollten sie mich zum Zusammenbrechen bringen - wenn es sein mußte, auch auf allen Vieren hineinzukriechen, egal, was die Leute denken würden. Nach diesem festen Entschluß zog ich mich an und ging. Je näher ich der Kirche kam, desto beklommener wurde mir ums Herz, doch ich wollte keinen Rückzieher machen und versuchte, ganz gelassen zu bleiben.

Ich betrat die Kirche, und nichts war geschehen. Erleichtert setzte ich mich hin, doch von der Predigt habe ich nur sehr wenig vernommen, da meine Gedanken immer wieder abschweiften und nach innen gezogen wurden. Beim Singen hatte ich erst nur in Gedanken mitgesungen (zuvor war ich nur selten in der Kirche gewesen, und mitgesungen hatte ich nie). Nach einiger Zeit wurde der innere Drang immer stärker, laut zu singen. Anfangs sträubte ich mich noch, weil ich Text und Melodie nicht kannte, aber ich konnte dem Drang nicht mehr standhalten und sang dann laut mit. Als dieses geschah, kamen Tränen in mir hoch und liefen mir über das Gesicht. Ich wußte nicht, was geschah, denn ich hatte auch hier nicht das Gefühl, daß die Tränen von mir kamen. Sie waren mir fremd, und ich wußte nicht, weshalb geweint wurde, konnte es aber auch nicht verhindern. Es waren keine Tränen der Traurigkeit, es waren eher Tränen der Freude und Erleichterung. Am Schluß des Gottesdienstes sollten wir alle für ein Gebet aufstehen und uns an den Händen fassen. Ich kannte die Menschen links und rechts von mir nicht. Dennoch war es ein schönes Gefühl, sie an den Händen zu halten, und ich fühlte mich mit einem Male nicht mehr wie verloren. Als ich die Kirche verließ, war ich nach langer Zeit zum ersten Mal wieder froh und heiter. Ich besuchte dann noch einige Gottesdienste, doch diese Freude empfand ich nicht mehr. Die Kirche zeigte mir zwar einen Weg, aber Antworten auf meine Fragen fand ich auch dort nicht, weswegen ich die Besuche schließlich einstellte.

Bereits vor den Kirchenbesuchen hatte ich angefangen, in der Bibel zu lesen. Obwohl ich in der Kirche keine Antworten fand, hatte ich dennoch weiterhin das Gefühl, auf dem rechten Weg zu sein, zumal es mit mir, in mir und um mich besser wurde. Langsam verschwanden die Fratzen und die Stimmen, die mich koboldhaft ankicherten, beschimpften und bedrohten. Zwar fanden weiterhin Störungen und Verwirrungen statt, und auch die Blockaden empfand ich noch, doch wurde es wesentlich ruhiger um mich, wofür ich schon sehr dankbar war. Ich dachte über das, was ich in der Bibel las, sehr viel nach. Aber es war sehr schwer, sie zu verstehen, und unmöglich, Schlüsse für mich und für meine Situation daraus zu ziehen. Antworten bekam ich auch dort nicht, dennoch las ich jeden Abend darin. Sie wurde für mich zu einem Strohhalm, an dem ich mich festhalten konnte, und vielleicht sogar zu einem Rettungsanker. Ich fühlte mich durch sie mit Gott verbunden, auch wenn ich sie nicht so verstand, wie ich sie verstehen wollte oder sollte. Dann erhielt ich Antwort von dem Institut, welches ich angeschrieben hatte. Man lud mich zu einem persönlichen Gespräch ein. Da ich nicht den Mut hatte, allein mit dem Wagen zu fahren, weil ich nicht wußte, ob während der Fahrt wieder etwas passieren könnte, bat ich meinen Mann mitzukommen, und er erklärte sich dazu bereit. Insgeheim hoffte ich, durch die Vermittlung des Instituts an ein Medium zu kommen, um direkt und außerhalb von mir mit den Wesenheiten, die bei mir waren, in Kontakt treten zu können. Ich wollte sie richtig hören, nicht nur in meinen Gedanken, sondern so, als würde ich mit einem anderen Menschen reden, denn ich hatte immer noch keine Sicherheit in den Gedanken und hoffte, auf diesem Wege für vieles, vielleicht sogar für alles, eine Erklärung zu bekommen.

Wir fuhren hin, und ich unterhielt mich dort fast vier Stunden lang mit zwei Psychologen. Vorher hatte ich mir alles aufgeschrieben, was geschehen war, um nichts Wichtiges zu vergessen. Die meiste Zeit redete ich, denn es war für mich die erste richtige Gelegenheit, alles zu erzählen. Ich setzte voraus, daß alles das, was ich erlebt hatte, diesen beiden Psychologen nicht fremd war. Nachdem ich einige Zeit berichtet hatte und auch meine eigenen Theorien mit hineinbrachte, zeigten sie sich sehr verwundert darüber, daß ich so klar über diese Dinge reden konnte. Sie wunderten sich auch über meine ruhige und aufrechte Verfassung. Nach meinem ausführlichen Brief hatten sie ein Häufchen Elend, in Tränen aufgelöst, erwartet. Ich war aber kein Häufchen Elend. Darüber habe ich mich während der ganzen Zeit des Erlebens selbst sehr oft gewundert und mich auch gefragt, wie ein Mensch das alles aushalten und trotzdem nach außen hin gegenüber anderen Menschen ein verhältnismäßig normales und ruhige Leben führen kann, so daß sie nichts merken. Während der ganzen Zeit jedoch waren in mir eine enorme Kraft und Zuversicht, die mich aufrechterhalten hatten. Schon damals fühlte ich und weiß heute, daß ich gehalten wurde durch Gott, und nur durch ihn. Hätte er es nicht getan, dann wäre ich zu dem Häufchen Elend geworden, das die beiden Psychologen erwartet hatten, denn kein Mensch kann so etwas ohne Gottes Hilfe und ohne seinen Halt durchstehen. Dies konnte ich den Psychologen jedoch damals nicht sagen, da es mir auch erst später recht klar wurde.

Zwischendurch fragten sie mich nach meiner Kindheit, meinem Verhältnis zur Familie und ob meine Eltern geschieden seien, was ich nicht verstand; denn was hatte das mit meinen Erlebnissen zu tun? Ich lenkte deshalb das Gespräch immer wieder zum Eigentlichen zurück, denn ich wollte Antworten haben. Ziemlich zum Schluß sagten sie mir, daß ich schon sehr stark in der Gewalt der dunklen Mächte sei, was mich sehr erschreckte. Sie erzählten mir daraufhin von Menschen, die von ihrer Persönlichkeit her durch die Beeinflussung jener Mächte ganz verschwunden waren. Ich nahm an, sie meinten, daß Menschen von Geistwesen in ihrem Körper so verdrängt wurden, daß sie selbst über ihren Körper keine Gewalt mehr hatten und sich somit nicht mehr durch diesen äußern konnten. Das war bei mir ja auch versucht worden, ich hatte es jedoch nicht zugelassen. Am Schluß rieten sie mir, eine tiefenpsychologische Therapie mit Atemübungen durchführen zu lassen, und gaben mir die Adresse eines psychologischen Instituts in Hamburg. Als ich sie verließ, war ich nicht zufrieden, denn ich hatte immer noch keine Antworten und war keinen Schritt weitergekommen. Sie gaben mir zwar noch eine Literaturliste zu diesem Thema und empfahlen mir ein Buch, welches ich mir noch am Ort kaufte, doch auch dieses half mir nicht weiter.

 

KAPITEL 20

Wieder in Hamburg angekommen, erinnerte ich mich an einen früheren Bekannten, den ich aus der Zeit der esoterischen Seminarbesuche kannte und der, wie ich wußte, selbst ein esoterisches Institut in Hamburg führte. Ich setzte mich mit ihm in Verbindung und erzählte von meinen Problemen. Da er glaubte, mir helfen zu können, verabredeten wir uns. Bei dem Treffen erklärte er mir vieles über Körper, Seele und Geist; jedoch wußte ich das alles selbst schon, denn ich hatte ja auch die Seminare besucht. Meine Hoffnung war, das er inzwischen mehr wußte. Irgendwann während dieses Gesprächs gab er mir kund, daß er ein Medium sei und mit dem Geist, der bei mir war, Verbindung aufnehmen könne, so daß ich dann durch ihn mit dem Geistwesen eine Unterhaltung führen könne. Wir verabredeten uns zu diesem Zweck erneut, und meine Hoffnung wuchs, denn es war genau das, was ich suchte. Ich bereitete mich zu diesem Treffen sehr gut vor, indem ich mir einige Fragen aufschrieb, die wichtig für mich waren. Nachdem er dann einige dieser Fragen beantwortet hatte, mir jedoch die Antworten recht merkwürdig vorkamen, konnte ich mir ein innerliches Schmunzeln nicht verkneifen. Denn ich hatte plötzlich das Gefühl, vor mir ein„ Möchtegern-Medium" zu haben, und ich entschloß mich, ihn auf die Probe zu stellen.

Die Geistwesen, die mit mir kommunizierten, hatten mir von Anfang an einen Spitznamen gegeben, mit dem ich nie zuvor von einem Menschen angeredet worden war. Da mein Bekannter meinte, in Kontakt zu einem dieser Geistwesen zu stehen, bat ich ihn, mir diesen Spitznamen zu nennen. Er nannte mir einen anderen, was ihn, als ich ihm den richtigen sagte, sehr verlegen machte. Er gab mir hierfür eine fadenscheinige Erklärung. Ich wußte nun, daß auch hier keine Wahrheit zu finden war, egal, ob er ein Medium wäre oder nicht. Auch von ihm bekam ich eine Buchempfehlung. Es waren die Bücher von Johannes Greber („Das neue Testament" und „Der Verkehr mit der Geisterwelt Gottes"). Ich setzte sofort alles daran, diese Bücher so schnell wie möglich zu bekommen, da die Titel mir schon vorher versprachen, Licht ins Dunkel zu bringen. Diese Bücher las ich nicht nur, ich verschlang sie, immer auf der Suche nach Antworten. Sie halfen mir zwar ein Stück weiter in bezug auf das Verstehen, doch wurden auch hier nicht alle Fragen beantwortet. So suchte ich weiter, denn ich war immer noch nicht zufrieden und wurde das Gefühl nicht los, daß es noch mehr und Besseres geben mußte. Da ich weiterhin von den Geistwesen belästigt wurde, suchte ich auch weiterhin nach Möglichkeiten, sie loszuwerden. Ich rief bei dem psychologischen Institut an, welches mir empfohlen worden war, und vereinbarte einen Termin. Dem Psychologen erklärte ich mein Problem nur in groben Zügen, denn ich wußte: Hier mußte ich wieder vorsichtiger sein, da er kein Parapsychologe war wie die vorherigen.

Auch er befragte mich nach meiner Kindheit, Familienverhältnissen etc., und auch ihn versuchte ich stets auf das Eigentliche zurückzuführen, indem ich mich bemühte, ihm klarzumachen, daß nur das Pendel die Ursache ist und nicht, ob mein Elternhaus intakt war. Nach ca. 20 Minuten sagte er mir, daß er mir nicht helfen könne. Ich schaute ihn verwirrt an und fragte ihn, weshalb er mir nicht helfen kann. Der Grund für ihn war meine Nichtbereitschaft, das anzunehmen, was er mir sagte. Anschließend stand er auf, gab mir die Hand und entließ mich. Das alles ging so schnell, daß ich nichts mehr sagen konnte. Ich war nur fassungslos, daß ein Mensch, dessen Beruf es ist zu helfen, es mir verwehrte, es nicht einmal versuchen wollte. Als ich länger über seinen Satz „Ich kann Ihnen nicht helfen" nachdachte, stellte ich fest, daß er recht hatte. Er konnte mir nicht helfen, und ich kam zu der Überzeugung, daß kein Mensch es kann, egal, wen ich noch aufsuchen oder ansprechen würde. Ich würde immer anecken, denn wer sollte das auch verstehen, geschweige denn, mir Antworten geben?

Mir wurde mit einem Mal bewußt, daß es nur einen gibt, der mich versteht, der weiß, was mit mir geschieht und warum, der alles kennt und alles weiß, und dieser eine ist Gott. Er ist der einzige, der mir helfen kann, der auch als einziger weiß, wie mir zu helfen ist und wodurch. Ihn mußte ich suchen, den Weg zu ihm finden! Aber wie? Denn beten konnte ich nicht, das wurde blockiert. Von dem Moment an sprach ich mit keinem Menschen mehr über mein Problem, und wenn ich befragt wurde, durch meinen Mann oder durch meine Freundin, antwortete ich nur kurz, es ginge schon besser. Dafür dachte ich um so intensiver nach und suchte innerlich nach Antworten. Heute weiß ich, daß ich zu jener Zeit auch Antworten bekam, die der Wahrheit entsprachen, da sie mit denen der Neuoffenbarung identisch sind. Damals hatte ich die Wahrheit der inneren Antworten nicht erkannt. Ich befürchtete, wieder irregeleitet zu werden, worauf ich diese Antworten stets verwarf. Nach einiger Zeit wurde mir klar, daß ich etwas von außen brauchte, was ich als Wahrheit annehmen konnte, weil mein Inneres zu verwirrt und zu verunsichert war.

Während dieser Zeit verlor sich meine Angst vor dem Alleinsein. Anfangs kostete es mich Überwindung, doch ich bereitete mich schrittweise darauf vor. Mein Mann mußte hin und wieder für einige Tage auf Geschäftsreise, und ich schlief anfangs zu jener Zeit stets bei meiner Mutter. Bei einer weiteren Geschäftsreise zwang ich mich, allein zu Hause zu bleiben. Als ich mich zu Bett begab, wurde es mir doch mulmig, und ich machte in der ganzen Wohnung Licht. So schlief ich ein. Als ich am nächsten Morgen aufwachte und nichts geschehen war, wurde ich mutiger. Beim nächsten Mal ließ ich nur das Licht im Flur und im Schlafzimmer brennen. Als wieder alles gut ging, ließ ich nur im Flur Licht. Zum Schluß nahm ich meinen ganzen Mut zusammen und ließ die Lampen aus. Als auch danach nichts geschah, war meine Angst verschwunden. Ich konnte von dem Zeitpunkt an nachts wieder allein sein, was mich sehr befreite.

Es wurde immer ruhiger um mich, dennoch wußte ich, daß ich noch nicht allein war, denn ich hörte weiterhin Stimmen. Aber sie waren wieder von ruhigerer und freundlicherer Natur, wie am Anfang. Ich hatte das Gefühl, daß ich langsam aus diesem tiefen Loch herauskam, nur ab und zu traten noch negative Störungen auf. Ich hatte zwar meine Angst vor dem Alleinsein verloren, doch war mir immer noch im Gedächtnis, daß sie sagten: „In der neuen Wohnung wird der große Kampf stattfinden." Ich wußte, das war die letzte Hürde, die ich nehmen mußte, um meine Angst ganz zu verlieren. Nachdem ich mich einige Zeit lang damit auseinandergesetzt hatte, sah ich ein, daß ich nicht davor weglaufen konnte und es doch irgendwann auf mich zukommen würde. Ich entschloß mich, den Schritt zu gehen und mich dem, was immer da kommen mochte, zu stellen.

 

KAPITEL 21

Ich war bereit, in diesen Kampf zu gehen, um dem Ganzen ein für allemal ein Ende zu setzen. Ich nahm meinen Mut zusammen und ging auf Wohnungssuche. Zwei Wochen später fand ich eine Wohnung, die mir gefiel. Als ich die Schlüssel erhielt, nahm ich mir vor, bereits am darauffolgenden Wochenende die Nacht dort zu verbringen. Ich freute mich über die Wohnung, doch die erste Nacht stand mir bevor. Als in dieser Nacht abermals nichts geschah, wurde ich sicherer und zog voller Begeisterung ein. Jetzt wohne ich bereits seit zwei Jahren hier und hatte nur einmal nach einiger Zeit einen Alptraum, in dem ich mit argen Geistern kämpfte. Dieser Traum war sehr intensiv und klar und kam mir so real vor, daß ich bis heute noch nicht weiß, ob es wirklich nur ein Traum, zusammen-geschustert aus meiner Phantasie, oder ein wirkliches Erlebnis der Seele war. Seitdem ist nichts mehr geschehen, und ich fühle mich sehr wohl hier. Obwohl es immer friedvoller in mir wurde, nahm ich mein früheres Leben nicht wieder auf, welches ich geführt hatte, bevor alles begann. Denn ich war nicht mehr die, die ich vorher einmal gewesen war. Ich wollte es nicht mehr und konnte es auch nicht mehr sein und werden, denn meine Einstellung gegenüber der äußeren Welt, dem Leben und vor allen Dingen meinem Inneren hat sich vollkommen verändert. Ich betrachtete nun alles mit anderen Augen, durchschaute viele Dinge mehr denn früher, sah und empfand die Nichtigkeit des früheren oberflächlichen Lebens und erkannte immer mehr die Bedeutung des eigentlichen Lebens. Ich wollte nicht mehr zurück, sondern immer weiter.

Ich fing an, sehr viel zu lesen, und kaufte mir ein Buch nach dem anderen. Alles Bücher, die direkt oder indirekt versprachen, Auskünfte über Jesus und sein Wirken zu geben. Da über Gott nur wenig Wissen und sehr geringes Verständnis vorzufinden war, versuchte ich, über Jesus mir Gott begreifbarer zu machen. Damals bildeten von meinem Glauben her Gott und Jesus noch keine direkte Einheit. Dennoch verspürte ich, daß ich nur über Jesus zu Gott gelangen konnte; verstehe ich Jesus und seine Lehren, so verstehe ich auch Gott. Jesus war derzeit für mich eine Verbindungsperson zu Gott. Er stand Gott nahe aufgrund seiner besonderen Lebensweise und seines tiefen Verständnisses gegenüber der Lehre. Da er es geschafft hatte, zu diesem tiefen Verständnis zu gelangen und dieses in sein Leben hineinzubringen, hoffte ich, es durch ihn auch zu schaffen, wenn auch nicht in dieser Vollkommenheit, aber doch so gut ich es konnte. Jeder kleinste Schritt zu ihm hatte für mich eine große Bedeutung. Beim Lesen stellte ich fest, daß es über Jesus, sein Leben sowie seine Lehre viele verschiedene Theorien gab. Ich nahm sie zwar erst einmal auf, doch zufrieden war ich damit nie. Als ich dann auf diesem Wege kein Weiterkommen mehr sah, ging ich dazu über, mir Bücher über Engel und Schutzgeister zu kaufen, und hoffte, so zu einem besseren Verständnis über die geistige Welt zu gelangen.

In einem Buch über Engel wurden Swedenborg, Jakob Lorber und die Neuoffenbarung erwähnt und kurz beschrieben. Die Neuoffenbarung erweckte sofort mein Interesse, und ich begab mich auf die Suche nach ihr. Im Autorenverzeichnis einer großen Buchhandlung wurde ich fündig und bestellte die ersten Bände. Als ich einen Teil des ersten Buches gelesen hatte, wurde mir klar, daß ich das, was ich suchte, gefunden hatte. Es tat sich mir eine vollkommen neue Welt auf, und ich konnte sofort alles als Wahrheit annehmen. Auch brachte die Neuoffenbarung mich zu einem tieferen Verständnis meiner Situation, beantwortete mir sehr viele Fragen und zeigte mir die Fehler, die ich begangen hatte. Aber was das Wichtigste war: Sie zeigte mir den direkten Weg zu Jesus, den ich jetzt für nichts auf der Welt mehr verlassen werde. Durch sie verlor ich alle Ängste, auch die vor der argen Geisterwelt, da ich mich dieser nicht mehr schutzlos ausgeliefert sah. Mir wurde die Geisterwelt erschlossen, und ich lernte, die meinige zu verstehen, einzuordnen und mit ihr umzugehen. Sie gab mir das einzige Mittel in die Hand, durch welches ich in der Lage war, dieser finsteren Sphäre zu entkommen und mich vor ihr zu schützen - welches ist die reinste Liebe zu Jesus und zum Nächsten. v+ Anfangs, als ich von der Notwendigkeit der Nächstenliebe gegenüber unseren Feinden las, dachte ich sehr viel darüber nach, wie es mit den argen Geistern ist, die uns quälen und sogar versuchen, uns von Gott wegzubringen. Wie ist es mit den ärgsten Teufeln bis hinunter zu Luzifer? Etwas sträubte sich in mir, Luzifer und seinen Anhang lieben zu müssen, nach dem, was ich erlebt hatte und andere erleben mußten und noch müssen.

Doch je mehr ich darüber nachdachte, um so mehr machte sich Mitleid breit, auch für die, die bei mir waren. Ich erkannte mehr und mehr, daß ich sie ohne weiteres lieben konnte, ohne Gefahr zu laufen, von ihnen mitgerissen zu werden. Wenn ich in der absoluten Liebe zu Jesus verbleibe und nur den einen Weg über mein Herz zu ihm gehe, kann ich auch sie in meine Liebe mitaufnehmen. Nur darf ich ihnen nicht folgen, wenn sie versuchen, mich von diesem Wege abzubringen. Heute ist es nicht mehr nur eine Erkenntnis, ich empfinde auch so. Durch die Lehre Jesu bin ich in der Lage, nicht nur keinen Groll gegen sie zu haben, sondern sie auch mit meiner Liebe zu umfassen. Und ich hoffe, daß sie, sollten sie noch bei mir sein, ebenfalls den Weg durch mich und mit mir gefunden und vor allen Dingen angenommen haben. Dann können sie meine ständigen Begleiter sein und weiterhin mit mir lernen. Es werden sicherlich nicht alle sein, aber so es auch nur einer ist, wäre ich froh. Durch die Neuoffenbarung erkannte ich auch die Hölle, in der ich gewesen war, und mir wurde bewußt, daß ich selbst die Erschafferin meiner Hölle war - und das schon lange, bevor mir diese eröffnet wurde.

Durch die Beseitigung der Schranke zwischen der materiellen und der geistigen Welt wurde ich nur in Kenntnis gesetzt darüber, wo ich mich geistig befinde. Ich weiß, daß ich die Verursacherin der Beseitigung der Schranke war. Doch wurde es von Jesus zugelassen, wofür ich ihm heute sehr dankbar bin, obwohl ich diese Hölle nicht noch einmal erleben möchte und es auch keinem anderen Menschen wünsche, im Gegenteil, nur jeden inständig davor warnen kann. Wir alle wissen, daß es einen wesentlich besseren Weg gibt, der leichter und friedvoller ist, ohne Gefahren, ohne Schmerzen und ohne Qualen. Einen Weg, auf dem nur die Liebe herrscht, aber nicht die Angst, wo gebeten wird und nicht befohlen, auf dem jeder aufgerichtet und nicht unterdrückt wird. Einen Weg, der befreit, aber nicht fesselt, einen Weg voller Barmherzigkeit und ohne Gewalt. Der einzige Weg, den jeder gehen sollte und der nur im eigenen Herzen zu finden ist. Für mich war es damals gut und heilsam - nicht, daß ich in dieser Hölle war, sondern, daß ich sie bewußt erleben durfte. Nur so war es mir möglich, sie zu erkennen und ihr zu entfliehen. Ich weiß, daß das der Grund war, weshalb Jesus es zugelassen hatte, und dafür bin ich ihm dankbar. Ich weiß heute auch, daß ich schon vor der Begegnung mit meiner Hölle bereits weiter auf dem Weg nach unten war, und kann es von daher als eine Errettung ansehen.

Schon damals hätte es mir bewußt werden können, zumal ich während der Zeit, in der ich öfters einen schwarzen Schatten neben mir im Wagen wahrgenommen hatte, zweimal einen Schwefelgeruch verspürte, obwohl sich nichts Schwefelartiges im Wagen befand. Doch ich wollte es nicht wahrhaben, und es ging über meine Verwunderung kein Erkennen hinaus. Durch die Neuoffenbarung erst erkannte ich, daß die Hölle, in der ich mich befand und deren Beeinflussung ich ausgesetzt war, inwendig zu finden und zu erkennen war und mit dem Erkennen auch nur dort zu beseitigen ist. So ich die Hölle nicht in mir gehabt hätte, in all meiner Beschaffenheit, so hätte sie sich auch niemals in ihrer Beschaffenheit mir zeigen und auf mich einwirken können. Früher ging mein Glaube auch dahin, daß die Hölle ein Ort oder eine Ebene ist, wohin die Seele des Menschen kommt, so sie sich irgendetwas Schwerwiegendes hat zuschulden kommen lassen. Dieses habe ich jedoch stets dem Äußeren nach betrachtet, in den Taten der Menschen. Über die innere Beschaffenheit hatte ich mir wenig Gedanken gemacht, auch nicht über die meinige, da ich meine Eigenschaften für normal hielt, zumal sie bei fast jedem Menschen zu finden waren.

Da ich mich aus diesem Blickwinkel trotz alledem für einen guten Menschen hielt, machte ich mir auch um die Hölle keine Gedanken, zumal ich nie einem Menschen je etwas zuleide getan hatte. Ich sage deshalb dem Äußeren nach, weil ich im Inneren meistens einen Gegensatz dazu bildete. Ich verfolgte die Menschen im Herzen mit Ärger, Zorn und Neid. Auch wenn ich es ihnen nicht zeigte, so brodelte es doch mächtig in mir, und der Hochmut sowie die Eigenliebe waren fest verankert. Liebe war wenig in mir zu finden, und wenn, dann war sie eigennützig. Durch mein Erlebnis bekam ich zu verkosten, wie schädlich und gefahrvoll derartige Eigenschaften und somit die Ferne von Jesus, dem Menschen sein können. Durch die Lehre Jesu erkannte ich erst, welches Scheinleben ich gegenüber den Menschen geführt hatte. Mein Inneres entsprach nicht meinem Äußeren, und somit war ich keine Wahrheit. Mir wurde klar, daß das äußere Sein eines Menschen nicht so wichtig ist, sondern, daß das ganze Gewicht auf dem Inneren liegt. Bin ich innerlich in allen guten Eigenschaften bewandert, so dürfte es mir schwerfallen, nach außen hin schlechte an den Tag zu legen, bin ich aber dem Inneren nach mit schlechten Eigenschaften behaftet, so ist es mir ein leichtes, nach außen hin positiv zu wirken.

Ich schreibe das Vorangegangene nicht, um mich öffentlich anzuklagen, denn das habe ich mir selbst und Jesus gegenüber bereits sehr oft getan. Es soll nur dienlich sein dazu, Euch anhand meiner Person das Verhältnis zwischen menschlicher innerer Beschaffenheit und geistigem Umfeld erkenntlich zu machen. Durch das Erkennen dieser Gleichbeschaffenheit und durch die Lehre Jesu wurde mir auch bewußt, daß das eigene jenseitige Leben keine Zeitenfolge ist, sondern daß wir uns ständig in diesem durch unsere Außenlebenssphäre befinden, nur getrennt durch den Körper, der als einziger das Diesseits ausmacht und den Unterschied bildet. Mir wurde die geistige Sehe und das geistige Gehör geöffnet, so daß ich meine Sphäre bereits im hiesigen Lebensabschnitt wahrnehmen konnte. Da Gleiches stets Gleiches anzieht, ist es also verständlich, daß ich diese geistige Begebenheit in einer sehr negativen Form erleben mußte. Wie innen, so außen. Hätte meine Sphäre eine lichtvollere Beschaffenheit gehabt durch ein edleres Inneres, so wäre das Eindringen niederer Wesen ein Unding gewesen, da die meinige nicht der ihrigen entsprochen hätte. Denn wir wissen durch die Neuoffenbarung, daß das Höhere sich wohl bis in die tiefste Ebene, sprich unterste Hölle, begeben kann, welches jedoch nur im Geiste Jesu, also im vollkommenen Zusammenschluß mit ihm, gefahrlos vorgenommen wird. Das Niedere jedoch hat niemals die Möglichkeit, nach oben zu steigen, wenn es sich nicht zuvor selbst zum Guten hin verändert.

In jeder Sekunde unseres Lebens hier in der materiellen Welt gestalten wir demnach unsere jenseitige geistige Welt. So ich mir die Jenseitswerke der Neuoffenbarung vor Augen führe und die dort beschriebenen verschiedenen Landschaften und Umgebungen betrachte, erkenne ich, daß es keine Welt ist, die erst auf mich zukommt, sondern daß sie (meine jenseitigen Umgebungsverhältnisse) bereits schon ebensolange bestehen wie ich. Ich durchwandere sie, wie die jenseitigen Bewohner die ihrige, in jedem Moment meines Lebens, je nach Richtung entweder zum Licht oder zur Finsternis, so daß sie sich somit auch in jeder Sekunde verändert und neu formt, wenn ich mich verändere und neu forme. Meine Bewußtseinsschranke zum Geistigen hin wurde durch mein eigenes Bestreben soweit geöffnet, daß ich meiner geistigen Welt gewahr wurde, und das lange vor der Zeit. Dies wird aber, so das Bestreben, ob bewußt oder unbewußt, vorhanden ist, zugelassen bei einem jeden Menschen - was jedoch nicht bedeutet, daß sich der Mensch, bei dem es eintritt, damit bereits in einem der höchsten Himmel befindet und es eine besondere Gnade des Vaters in Form einer Erhöhung ist. Eine Gnade kann es aber sein, so der Vater es vor der Zeit zuläßt und der Mensch auf rechte Weise die Gnade darin erkennt. Leider wird es jedoch oft auch von den Menschen falsch verstanden.

Die Gnade besteht darin, daß sie der Selbsterkenntnis dient und auch in der Form als solche angesehen wird. Sie ist jedoch keine, so dahinter vermutet wird, mit ihr gleichzeitig zu den Auserwählten oder Erhöhten zu gehören. Denn es ist gleich, wann uns diese Begebenheit zuteil wird; wir verbleiben dennoch stets in unserer Sphäre, die wir allzeit in uns, durch unsere eigene Beschaffenheit erkennen können und müssen. Und so hängt unsere geistige Erhöhung nicht von der Zugabe irgendwelcher besonderer Fähigkeiten ab, sondern von der inneren Erhöhung unserer selbst durch die Beseitigung aller uns anhaftenden argen Eigenschaften. Und durch die Vermehrung der reinen geistigen Liebe zu Jesus und zum Nächsten in allen Lebensbereichen und Lebenslagen sowie in der absoluten Demut. Das Öffnen unserer Sehe kann selbst in der untersten Hölle über uns kommen und ebenso auch in jeder anderen Sphärenbeschaffenheit, und so bin ich natürlich auch, wie jeder andere Mensch, nur bewußter, ebenso deren Beeinflussung ausgesetzt.

 

KAPITEL 22

Wenn wir aber mit dieser Einflußnahme umgehen, als seien wir f bereits auf einer viel höheren Ebene, und alles das, was uns von dort, sprich unserer Sphäre, zugeführt wird, vollgläubig als Wahrheit annehmen, so laufen wir Gefahr, durch diese Selbstüberschätzung in die Irre geleitet zu werden. Denn wir selbst haben es dann noch nicht erkannt, wo wir uns so ganz eigentlich befinden. Das bedeutet aber auch, daß wir uns selbst noch nicht in unserer ganzen Wahrheit mit allen argen Eigenschaften, die uns anhaften, erkannt haben. Solange wir in unserer Überheblichkeit meinen, uns bereits mit oder durch eine sogenannte besondere Fähigkeit in einem der höheren oder sogar im höchsten Himmel zu befinden, werden wir alles als Wahrheit annehmen. Wir werden dann nur schwerlich merken, daß wir langsam von diesem Wege wieder fortgebracht werden, wenn wir der Stimme folgen, die nicht von oben her kommt, sondern der Sphäre entspringt, in der wir uns der Wahrheit nach befinden. Dieses ist möglich, solange sich auch u nur ein Sonnenstäubchen irgendeines Übels in uns befindet.

So wir aber dieses erkannt haben und bereit sind, uns der Wahrheit nach selbst innerlich zu beschauen, ohne Beschönigung unserer eigenen Person, d. h., das feinsäuberlich über alle Argheiten ausgebreitete Tuch hinwegzuziehen, ohne Angst vor dem, was dort zum Vorschein kommt, sondern der absoluten Selbsterkenntnis die ich, dann können wir uns selbst auch der größte Wächter sein . Wir müssen Jesus und uns selbst gegenüber der ehrlichste Mensch werden, denn nur so können wir erkennen, was in uns der Wahrheit nach vorhanden ist. Auch wenn uns das, was wir zur Beschauung bekommen, nicht gefällt, ist es doch der einzige Weg, zu dem zu werden, was wir werden wollen und sollen, ein in der Liebe Jesu aufgehender Mensch. Wenn wir auf diesem Wege verbleiben und es vielleicht sogar zur Vollkommenheit darin bringen, wird Jesus allein wissen, wann es an der Zeit ist, uns ein Mehr hinzuzugeben, also sogenannte Fähigkeiten, wie das geistige Sehen, Hören oder sogar Sprechen. Wenn wir es aber nicht erkennen, in unserer Selbstüberschätzung verbleiben und einen abseits gelegenen Weg einschlagen bzw. uns in unserer Vollgläubigkeit dort hinziehen lassen, dann haben wir die Konsequenzen daraus auch selbst zu tragen, solange, bis wir unseren Irrtum erkennen und schleunigst zurückkehren.

Solange aber diese Reinigung nicht vollzogen wurde, haben wir auch noch negative Einflußnahmen zu befürchten. Wenn uns in einem solchen Stadium eine besondere Fähigkeit zu eigen wird, so können wir davon ausgehen, daß es vor der Zeit geschah. In dem Fall ist es besser, sich selbst in einer niedrigeren Sphäre zu wähnen als vor der Zeit in einer höheren. Nur so kann man alle Gefahren erkennen und ihnen entfliehen, und auch nur so kann die vor der Zeit gegebene Fähigkeit zur Gnade werden. Solange wir uns in einer höheren Sphäre vermuten, halten wir die weitere Arbeit an uns selbst nicht mehr für erforderlich und bleiben somit in unserem Selbstbetrug auf der Strecke. In der Erkenntnis des Eigentlichen verbleiben wir dagegen stets in der Bewußtheit unserer selbst und in der Tätigkeit an uns selbst, was nie aufhören darf. Der einzige Weg nach oben ist und bleibt nun einmal der über das eigene Herz, der Beschauung und Läuterung desselben und Erweckung der Liebe in ihm, egal ob mit besonderen geistigen Fähigkeiten oder nicht. Im Gegenteil denke ich, sollten die Menschen mit diesen Fähigkeiten besonders auf der Hut sein bezüglich dessen, was sie von dem Vernommenen nach außen tragen zur vermeintlichen Erkenntnis anderer, solange sie nicht selbst in der absoluten Ordnung sind.

Ich selbst hatte mir das, was ich erlebte, demnach auch selbst zuzuschreiben und kann somit niemanden zur Verantwortung ziehen, nicht einmal jene, die mich quälten. Denn alles entsprach in a erster Linie erst einmal meinem eigenen Inneren, ansonsten, wie ` bereits gesagt, es in der negativen Weise nicht möglich gewesen wäre. Solange wir auch nur noch eine Schwäche, in uns haben, sind wir angreifbar, d. h., in eben dieser Schwäche in negativer Weise beeinflußbar. Viele, bei denen gewisse geistige Fähigkeiten noch nicht zur Erweckung gekommen sind, meinen vielleicht, es sei ein Segen, wenn dieses geschieht. Sie neigen zum Teil wohl auch dazu, derartige Menschen zu bewundern und in die Höhe zu heben, ja sogar zum Mittelpunkt ihres Lebens zu machen. Aber dem ist nicht so! Dabei spreche ich immer nur davon, daß es vor der Zeit geschieht, wie bei mir. Denn ich weiß, daß Jesus einem jeden Menschen, der sich auf dem Weg befindet und in seiner Liebe und Demut und der daraus resultierenden Reinigung seiner selbst im entsprechenden Reifegrad gewachsen ist, gewisse Fähigkeiten zukommen läßt. Das ist dann, aber auch nur dann, die rechte Zeit und nur in diesem Falle als Segen anzusehen, da auch nur dann das Wirken daraus in all seiner Beschaffenheit, dem Inneren und geistig Äußeren, ein segensreiches ist.

 

KAPITEL 23

Ich möchte mich jetzt in der Folge einzelnen Personengruppen zuwenden, um ihnen aufgrund meiner gemachten Erfahrung und den daraus resultierenden und aus der Neuoffenbarung erworbenen Erkenntnissen mit gutgemeintem Rat zur Seite zu stehen. Den Menschen, die bereits mit irgendwelchen Gerätschaften experimentieren oder dazu neigen, möchte ich noch einmal besonders ans Herz legen, daß auch sie nur den einen Weg wählen sollen, den über und durch das eigene Herz, den Weg der Liebe zu Jesus. Denn nur dort ist er zu finden und zu vernehmen. Sollte es Euch noch nicht gegeben sein, so faßt Euch in Geduld und weicht keinen Zoll von diesem Weg ab. So wird auch Euch dieses eines Tages zuteil, und das im gerechten Maß und ohne Gefahren. Gebt Euch !;nicht mit Geringerem denn Jesus zufrieden. Er naht sich Euch jedoch doch niemals über ein Pendel oder Ähnlichem, sondern nur im Herzen, ebenso ein jeder in seinem Geiste befindlicher Engel.

Mit derartigen Gerätschaften werdet ihr nie wissen, wen oder was ihr ansprecht und wem ihr vielleicht sogar verfallt. Neigt nicht zur Selbstüberschätzung, denn die Einflußnahme geht schneller als Ihr denkt. Wenn es anfangs noch hilfreich und positiv klingt, was ihr vernehmt, weil es Euren Wünschen entspricht, dann laßt Euch nicht täuschen. Denn das ist die Phase, in der sie durch Eure Vollgläubigkeit zur Kraft in Euch gelangen, und ehe Ihr Euch verseht, (ist es zu spät. Solange Ihr bei ihnen verbleibt und ihnen Gehör verschafft, wird es wohl gut gehen, doch sobald Ihr durch irgendetwas zu einer besseren und gesünderen Erkenntnis dessen gelangt, was mit Euch geschieht und Euch von ihnen entfernen wollt, dann werden sie Euch schon zeigen, was sie davon halten und nach und nach ihr wahres Gesicht zeigen. Doch dann bedarf es eines enormen Kampfgeistes und einer ebensolchen Kraft, denn mit einem einfachen „Hinweg mit euch!" ist es dann nicht mehr getan. Und glaubt mir, der Mensch wird Euch nur insoweit helfen können, daß er Euch wieder den rechten Weg vor Augen führt. Aber die Kraft und die geistige Führung, die wahrliche Hilfe sein wird, können nur von Jesus kommen. Er allein wird Euch hinausführen und keiner sonst. Ihr meint vielleicht, so zu einer besseren Erkenntnis zu kommen als in Euch selbst; dem ist jedoch nicht so.

Kein Geistwesen, mit dem Ihr kommuniziert, kann Euch zu der tiefen Erkenntnis verhelfen, nur Jesus allein, und zwar in Euch. Meine wahren Erkenntnisse, selbst zu jener Zeit, habe ich nicht durch mein Pendel erhalten und meinen Weg nicht durch mein Pendel gefunden, sondern allein nur in mir. Auch könnt Ihr Euch den Weg zu Jesus damit nicht verkürzen. Gegenteil kann er durch die unnötige Belastung und Irreführung, die Ihr Euch auferlegt, zu einem wesentlich längeren werden. Denn Ihr entfernt Euch damit wieder von Jesus. Nur der eine Weg, der des Herzens, hat Vollgültigkeit bei ihm. Alles andere ist als mangelndes Vertrauen zur Herzenssprache und somit zu ihm anzusehen. Auch aus Neugierde sollten derartige Experimente nicht betrieben werden, denn glaubt mir, der Preis ist sehr hoch. Ein jeder Mensch sollte nur den einen Wunsch in sich verspüren, den, in der Liebe zu Jesus und zum Nächsten zu wachsen. Ich kannte damals diesen einzigen wahren Weg nicht und mußte daher den beschwerlichen gehen, um auf den einzig richtigen zu gelangen. Nur von daher kann ich ihn in Dankbarkeit annehmen und die Gnade darin erkennen. Ihr jedoch kennt aus der Neuoffenbarung bereits den Weg, den Ihr zu gehen habt. Ihr würdet Euch von dem leichtesten Weg wieder auf sehr beschwerliche begeben, deren Ausmaß Ihr noch nicht abschätzen und deren Ziel Ihr nicht bestimmen könnt.

Wenn Ihr dennoch einen solchen Weg wählt, dann klagt anschließend nicht, nicht einmal über jene, die Ihr auf diesem Weg zu Euren geistigen Führern erwählt habt und ihnen blind vertrautet, mehr denn Jesus im eigenen Herzen. Denn ihr habt sie gerufen und ihnen Wohnung gegeben. Mit derartigen Praktiken gebt Ihr der geistigen Seite die Möglichkeit, die Bewußtseinsschranke zu durchbrechen, die dem Menschen von Jesus zum Schutze beigegeben ist, damit die Seele nicht durch bewußtes Einwirken von uns bedrängenden Geistwesen unterschiedlichster Art einen Schaden nimmt. Durch meine Erfahrung erkannte ich, daß dies eine sehr weise Einrichtung ist, die der Mensch niemals, nicht einmal in spielerischer Weise, antasten sollte. Diese Schranke ist und bleibt nur von Jesus zu öffnen, denn er allein weiß, wann es für den Menschen zu einem Segen, nicht aber zu einer Qual wird.

 

KAPITEL 24

Nun möchte ich mich in meinem Herzen denen zuwenden, die diesen unachtsamen Schritt bereits gegangen sind oder bei denen auf sonstigem Wege die innere Schranke bereits zum Durchbruch ins Geistige geraten ist, so daß sie jetzt dadurch den negativen, gewaltsamen und irreführenden Einflüssen ausgesetzt werden. Also jenen, bei denen somit, wie es auch bei mir war, das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. In erster Linie ist es erst einmal wichtig, daß Ihr zu Euch selbst zurückfindet, in der Erkenntnis, daß das Leben des Euch bedrängenden Geistes und das Eurige voneinander getrennt sind und bleiben müssen, so es für einen jeden zum Heile gereichen soll. Es darf zu keinem Abhängigkeitsverhältnis kommen, was einen Stillstand in der Entwicklungsphase bedeuten würde, und zwar für alle Beteiligten. Wichtig ist, daß Ihr erst einmal erkennt, daß es Euer Sein ist, welches Ihr hier zu Eurer Schulung und Läuterung fristet, und nicht das irgendeines erdgebundenen Geistes. Dieser hat sein Leben hier in diesem Abschnitt bereits verwirkt, und seine Bestimmung ist es, auf anderen Wegen fortzuschreiten. Es ist nur seiner mangelnden Erkenntnis zuzuschreiben, so er noch ein Vergnügen darin findet, durch Euch und Euren Körper hier weiterwirken zu können, was Ihr ihm jedoch durch Eure Zulassung und Euer Nichterkennen ermöglicht. Euer Leben ist ein freies, welches auch als solches zu handhaben ist und durch keinen Geist in eigennütziger Weise verändert werden darf.

Ihr selbst müßt aus Eurer freien Erkenntnis heraus unterscheiden lernen, was im Sinne Jesu ist und was nicht, und ebenalso auch selbst aus Euch danach handeln und wandeln, ohne Euch von einem Geist abhängig zu machen, der Euch sagt, was Ihr zu tun und zu lassen habt, der in alle Eure Entscheidungen eingreift, und Euch vielleicht sogar noch bedrängt oder zwingt, die seinigen auszuführen bzw. zu befolgen. Auch wenn er Euch bekundet hat, aus den höchsten Engelsscharen zu sein oder auch Gott persönlich, glaubt ihm nicht, wenn er sich in der beschriebenen Weise zeigt. Denn so naht sich weder Jesus noch ein sich in einem Geiste befindlicher Engelsgeist uns. So Euer Leben ein freies bleiben und ein noch freieres werden soll, müßt Ihr Euch aus einem solchen Abhängigkeitsverhältnis lösen und dürft nicht weiter einem erdgebundenen Geist untertan sein. Mit dem ständigen Ausführen seines Willens geht Ihr am eigenen eigentlichen Leben vorbei, was Euch auch kein Stückchen weiterbringt, da alle Tätigkeit aus einer Unselbständigkeit heraus geschieht, womit es aufgesetzt, aber kein Eigentum ist. Wir kommen nur weiter aus der eigenen Erkenntnis im Sinne Jesu und aus der eigenen Entscheidung, nach dieser tätig zu werden. Nur dies allein macht unser Wachstum aus, nicht der Gehorsam einem uns beeinflussen wollenden Geist gegenüber.

Wenn es auch in einer für Euch positiv erscheinenden Form oder sogar unter dem Aspekt, Richtiges und Gutes zu wirken, geschieht, so ist es dennoch nicht unser Eigentum. Sondern es ist nur ein Zulassen des uns bedrängenden Geistes, der durch uns wirken will, und ist und bleibt für einen jeden (Euch und dem sich im geistigen Bereich Befindlichen) von Nachteil gegenüber Jesus. Denn weder ist es für den Euch heimsuchenden Geist der richtige Weg, Euch in einer bedrängenden und beeinflussenden Weise zu führen, noch für Euch, Euch in ein Abhängigkeitsverhältnis von ihm bringen und vor allen Dingen in einem solchen von ihm führen zu lassen. Für ein noch erdgebundenes geistiges Wesen ist der einzig richtige Weg, um voranzukommen, der, sich von den hier verbleibenden Menschen und der Welt zu lösen, um auf seinem geistigen fortzuschreiten. So er jedoch nicht in dieser Erkenntnis ist, sollten wir ihn nicht noch darüber hinaus festhalten, indem wir ihm die Möglichkeit der Wiedereingeburt hier auf Erden durch unseren Körper ermöglichen. Denn dieses ist sowohl für ihn als auch für uns sehr schadensreich an Geist und Seele.

Ein jeder muß seinen eigenen Weg beschreiten, der aber ein unterschiedlicher ist und sein muß. Aus diesem Grunde solltet Ihr bemüht sein, nicht mehr festzuhalten, sondern Euch von ihm zu lösen. Er liebt es, durch Euch weiter wirken zu können, da die Erdgebundenheit seiner Liebe entspricht. So wird er sicherlich keine Anstalten dazu machen, Euch in Ruhe zu lassen. Deshalb müßt Ihr mit Eurer Erkenntnis aus der Neuoffenbarung zu Taten schreiten, ansonsten Ihr ihn nicht loswerdet. Wie dieses geschieht, werde ich versuchen, Euch in der Folge aufzuzeigen. Als Erstes und Wichtigstes kann ich Euch nur die reine Lehre Jesu ans Herz legen, von der Ihr keinen Zoll abweichen dürft. Für die Erkenntnis von außen her habt Ihr die Neuoffenbarung, die Ihr Euch aber ständig für eine tiefere Erkenntnis verinnerlichen müßt, durch die Tat nach ihr. Sie ist die verläßlichste Richtschnur, die Ihr habt. Richtet allzeit Euer Herz auf Jesus aus! Er ist der einzige, der Euch hinausführen kann, doch müßt Ihr auch das Eurige dazu tun, indem Ihr den festen Entschluß faßt, nur noch die Liebe Jesu anzustreben und aus dieser heraus tätig zu werden, d. h. auf dem Wege, den er uns durch die Neuoffenbarung aufgezeigt hat. So Ihr im Sinne und nach der Lehre Jesu verfahrt, und zwar aus Euch selbst heraus, so könnt Ihr allzeit darauf vertrauen, daß er weiß, wie er Euch zu führen hat auf all Euren Wegen, und ebenso auch Möglichkeiten findet, Euch dieses kundzutun, damit Ihr dahin gelangt, wohin Ihr gelangen sollt, was Ihr dann auch ganz sanft im Herzen vernehmen werdet.

Seid bemüht, wieder Herr im eigenen Hause zu werden und zu bleiben und aus diesem wieder selbständig zu agieren, nach dem Willen Jesu, in der Liebe zu ihm und in der klarsten Überzeugung sowie freiesten Annahme seines Willens im eigenen Herzen. Beginnt wieder auf Euer eigenes Herz zu vertrauen und danach zu handeln, egal, was die Geister Euch sagen oder versprechen! Trefft wieder Eure eigenen Entscheidungen, ohne Angst, die nur Zwang und Druck ausübt, in der jedoch keine Liebe zu finden und keine Freiheit zu erringen ist! Versucht, keine Dialoge mehr zu führen, sprecht sie weder an, noch befragt sie um etwas! Wartet auch auf keinerlei Antworten, bittet um nichts und fordert nichts mehr! Nehmt keinen Gedanken an, der nicht in die Ordnung Jesu gehört, egal, ob er von Euch kommt oder nicht. Befördert ihn hinaus und wandelt ihn ins Positive um, stets in der Liebe zu Jesus und zum Nächsten! Ich weiß, daß auch während dieser Zeit nicht nur ein Euch bedrängender Geist bei Euch ist, sondern allzeit auch eine Hilfe von oben, die ebenfalls bemüht ist, auf Euch einzuwirken in dem Bestreben, Euch wieder auf einen besseren Weg zu bringen. Sie tut sich Euch jedoch auf eine andere Weise kund als der Euch bedrängende Geist. Ich gehe davon aus, daß Ihr das, was Euch von oben in einer sehr unaufdringlichen Weise dargereicht wird, dennoch wahrnehmet, es jedoch in Eurer Verwirrung dem zuschreibt, der Euch fälschlich führt, und somit auch alles annehmt, was von ihm kommt, ohne zu unterscheiden, und deshalb auch das Unwahre als Wahrheit.

Ich weiß auch, daß es schwer ist, in dieser Phase beides auseinanderzuhalten; dennoch; nehmt nur das an, worin Ihr selbst anhand der Lehre Jesu aus der Neuoffenbarung die Wahrheit unzweifelhaft erkennen könnt, je nach Eurem Erkenntnisstand. Wenn nun aber doch eine Wahrheit in Euch aufkommt, Ihr jedoch diese darin noch nicht erkennen könnt, dann schiebt sie beiseite. Es ist besser, ein Stück Wahrheit erst einmal nicht anzunehmen, als ein Stück Unwahrheit zuviel. Die Wahrheit wird immer wieder neu dargereicht und je nach Erkenntnisstand auch früher oder später als solche erkannt. Für Euch ist der Läuterungsweg jetzt besonders wichtig, um von den Plagegeistern freizukommen. Ihr braucht nicht gegen die Geister zu kämpfen, weil sie durch Kampf nicht aus Eurer Sphäre hinauszuschaffen sind. Sie werden es auch allzeit in ihrer Arglist verstehen, Euch wieder zu besänftigen und sich abermals Gehör zu verschaffen. Dennoch müßt Ihr beginnen, in Euch zu kämpfen, doch nur mit Euch selbst und gegen Eure eigenen Argheiten. Ihr werdet Euch nur auf dem einen Wege von ihnen lösen können bzw. werden sie sich von Euch lösen müssen, indem Ihr Eure Sphäre verändert. Dieses wird jedoch nur durch die Verbesserung Eurer eigenen inneren Beschaffenheit bewerkstelligt.

Ich habe die Erfahrung gemacht, daß Geister uns nur über unsere eigenen Schwächen beikommen können und in der Lage sind, diese nicht nur festzuhalten, wenn wir es nicht erkennen und dagegenwirken, sondern sie auch zu verstärken, sind sie auch noch so gering oder bislang verborgen. Niemals können sie uns etwas einpflanzen, ist der Urgrund nicht in uns schon vorhanden. Aus diesem Grunde ist für einen jeden wichtig, die Schwächen, wie sie in der Lehre Jesu dargelegt sind, in Stärken eben dieser Lehre zu verwandeln, sprich Hochmut in Demut, Ärger, Zorn und Wut in Liebe gegenüber dem Nächsten. Denn nur so findet kein arger Geist einen Anknüpfungspunkt mehr in uns, an den er sich hängen kann, und muß somit weichen. Alles Negative muß hinaus, alles das, was der Liebe zu Jesus und zum Nächsten zuwiderläuft. Je bewußter und intensiver Ihr diesen Weg geht, um so besser wird es in Euch und um Euch werden, und um so schneller kommt Ihr heraus. Zu fürchten braucht Ihr Euch nicht, denn Jesus wird Euer Beschützer sein, so Ihr auf ihn vertraut, wie er auch in der schweren Zeit der meinige war. Auch ich bin nur durch die wachsende Liebe zu Jesus freigeworden, durch das immer tiefere Erkennen seiner Lehre und durch mein ständiges Bemühen, durch die Tat im Innern und nach außen hin in diese hineinzuwachsen.

Richtet Euer Augenmerk stets nach innen auf Eure eigene Beschaffenheit, reißt das alles beschönigende Tuch fort, und beschaut Euch in der absoluten Aufrichtigkeit Euch selbst und Jesus gegenüber! Wendet Euch allzeit an ihn im Herzen, so wird er Euch auf all Euren Wegen und bei Euren Bemühungen, die Schwächen in Euch zu beseitigen, behilflich sein. Denn auch diese wunderbare Erfahrung habe ich gemacht und mache sie noch. Erweckt die wahre reine Liebe in Euch, denn diese können Geister Euch weder nehmen noch sie verfälschen! Seid stets bemüht, Euch nicht mehr aus den Augen zu verlieren. Habt aber dennoch Geduld mit Euch und setzt Euch nicht zu sehr unter Druck, sondern erfreut Euch in gerechter Weise eines jeden kleinsten Schrittes, den Ihr wieder auf Jesus zugeht. Ihr braucht nicht zu fürchten, daß Ihr mit Eurem angenommenen Geist (so er es geschafft hat, Euch in eine Abhängigkeit zu bringen) etwas Wertvolles verliert, denn die wahren Helfer, welche im Geiste Jesu sind, und vor allen Dingen Jesus selbst, werden Euch nie verlassen und Euch auch stets Hilfe zukommen lassen, wenn Ihr dieser bedürft.

Das Einwirken der Engel im Geiste Jesu ist kein bedrängendes, nötigendes und schon gar kein zwingendes. Ich kann es nur als ein Darreichen bezeichnen, wie eine helfende Hand, die sich mir entgegenstreckt. Sie zieht sich aber sofort sanft wieder zurück, wenn ich zögere oder auch ein leichtestes Gefühl des Argwohns in mir habe, um sich mir dann aber zu einem späteren Zeitpunkt erneut und ebenso sanft wieder entgegenzustrecken, um mich weiter zu einer tieferen Erkenntnis der Dinge zu führen. Es ist kein zwingendes, ängstliches und bedrückendes Gefühl mehr in mir. Ich fühle mich auch nicht mehr gefangen, sondern es ist ein seliges, beglückendes, friedvolles und vor allen Dingen freies Gefühl, kein Fordern von irgendeiner Seite, sondern ein Geben der geistigen Seite, ohne Einwirken auf meinen freien Willen, und ein dankbares Annehmen meinerseits, je nach meiner Erkenntnis. Dennoch bin ich weiter bemüht und muß es auch sein, in der Liebe zu Jesus zu wachsen, und höre nicht auf, mich ständig selbst zu beleuchten und Argheiten ausfindig zu machen, um sie zu beseitigen. Auch ich kann noch nicht alles, was da kommt, zweifelsfrei als Wahrheit annehmen und muß von daher auch noch auf der Hut sein, d. h. ein Wächter im eigenen Hause. Denn auch ich bin noch nicht vollkommen, da meine Beschaffenheit noch keine reine ist, und ich unterliege somit auch weiter leichten Störungen. Jedoch ist da niemand mehr, der Macht über mich hätte. Ich denke, ich habe es geschafft, zumindest aus den dunkelsten Sphären herauszukommen. Und ich hoffe von ganzem Herzen, mit der Darlegung meines Weges und meiner daraus gewonnenen Erkenntnisse, Euch ein wenig helfen zu können. Ein Weiteres muß auch ich Jesus überlassen, dem ich aber ganz besonders ans Herz lege, sich Eurer ebenso anzunehmen, wie er auf diesem beschwerlichen Wege sich meiner angenommen hat.

 

KAPITEL 25

Ich weiß, daß es auch Menschen gibt, die sich mit ihren Fähigkeiten bereits in lichteren Sphären befinden, wo die Einwirkungen der Geister auch positiver sind. Oft meinen sie jedoch, aufgrund dessen nicht mehr auf sich selbst achten und die Eingebungen nicht mehr unterscheiden zu müssen. Doch ich denke, wir dürfen damit niemals aufhören, um verantwortungsbewußt handeln zu können. Was nützen uns alle Fähigkeiten, wenn wir den inneren Weg nicht in aller Liebe und Demut gehen und uns selbst nicht immer wieder dazu berufen? Ich denke, daß mit einer falschen Erkenntnis über den eigenen Stand, mit der wir uns selbst erheben, auch Hochmut und Eigenliebe nicht ferne sind und wir Gefahr laufen, uns von diesen wieder gefangennehmen zu lassen, ohne uns dessen vielleicht bewußt zu werden. Es ist zwar für einen jeden Menschen wichtig, sich selbst allzeit kritisch zu beschauen, um seine noch vorhandenen Argheiten zu erkennen und diese hinauszuschaffen. Dennoch glaube ich, daß gerade einem Menschen mit einer besonderen geistigen Fähigkeit auch eine besondere Sorgfalt gegenüber seinem Inneren obliegt. Er sollte sich auch seiner Verantwortung gegenüber anderen Menschen stets bewußt sein, wenn er mit dem Vernommenen oder einer Sprachbegabung nach außen tritt. Denn wenn wir uns aufgrund unseres eigenen Irrglaubens noch im Inneren irreleiten lassen, so laufen wir auch Gefahr, andere Menschen, denen wir das Vernommene verkünden, ebenso in die Irre zu leiten - aus unserem eigenen Glauben heraus, nur die Wahrheit zu vernehmen und weiterzutragen.

Ich denke, mit der Hinzugabe besonderer Fähigkeiten durch den Vater bekommen wir eben diese große Verantwortung gegenüber den Menschen auf die Schulter gelegt. Wir müssen lernen, damit allzeit sorgsam und nur in seinem Sinne umzugehen, denn nur so werden wir zu gerechten Werkzeugen in seiner Hand. Da auch wir noch ständig Gefahren ausgesetzt sind, solange wir noch nicht in der absoluten Reinheit unseres Herzens sind, ist es besonders wichtig, sich immer wieder in Einklang zu bringen mit dem reinen Wort aus Jesus und auf diese Weise mit Jesus in uns. Denn solange noch ein Fünkchen Eigenliebe in uns verborgen ist, besteht auch noch die Gefahr, von außen her durch Gleichartiges in uns bedrängt zu werden. Aus diesem Grunde ist es hier besonders wichtig, das, was gegeben wird, genau in Augenschein zu nehmen und nur mit dem hinauszugehen, was wir selbst im Sinne der gegebenen Lehre Jesu als Wahrheit erkennen können. Denn solange aufgrund unserer eigenen inneren Beschaffenheit noch Falschheiten in uns auftreten können, denen wir selbst aufgesessen sind, werden auch alle anderen Menschen um uns herum diesen ebenso aufsitzen, da sie durch unsere Stellung als Wahrheitsverkünder alles von uns Ausgesprochene als ungezweifelte Wahrheit annehmen werden, womit ihr Augenmerk von allem Wesentlichen abgezogen wird und auch sie ihre Objektivität verlieren, so wie wir in einem solchen Verhältnis der Dinge die unsrige verloren haben. Ich weiß zwar, daß ein jeder unterschiedlichen Einwirkungen unterliegt, und kann daher nur aus meinem Erfahrungsschatze schöpfen, dennoch denke ich, daß auch dieser hilfreich sein kann. Es darf alles angenommen werden, was in der reinsten Weise für das Wachstum in der Liebe zu Jesus und zum Nächsten hilfreich ist. Wenn jedoch in diesem Zusammenhang ein persönlicher Titel mitgegeben wird, wie z. B. Auserwählter, Heiliger etc., oder uns ein sonstiger Lohn versprochen wird, so ist Vorsicht geboten.

Denn da verbirgt sich eine Arglist dahinter, weil unsere diesbezügliche Schwäche allgemein bekannt ist und somit, so wir nicht aufpassen, unsere Tat danach zu einer Hochmutstat bzw. einer Tat des Lohnes wegen wird. Diese rührt allzeit aus dem berechnenden Verstande her, jedoch nicht aus einem aufrichtigen liebenden Herzen. Sie gereicht uns mehr zum Schaden denn zum Heile, weil damit allzeit unser Hochmut geschürt und mit diesem der Weg zum Herzen versperrt wird. Nehmen wir diese Titel mit einem gläubigen Herzen an, so werden wir aufgrund unserer größten Schwäche, welche der Hochmut ist, nur tätig, um diesem Titel gerecht zu werden, jedoch nicht aus wahrer Liebe zum Nächsten und schon gar nicht aus wahrer Liebe zu Jesus seiner selbst wegen.Jesus würde uns nie einen höheren Titel verleihen und ebenso auch keinen Lohn versprechen, da er am allerbesten weiß, wie wir allzeit mit unserem größten Übel, dem Hochmut, zu kämpfen haben. Er legt von daher nicht umsonst einem jeden, der im wahrsten Sinne für ihn tätig wird, ans Herz, sich allzeit für den geringsten unter den Menschen zu halten, jedoch aus der Vollgläubigkeit des Herzens heraus und nicht dem Anscheine wegen vom Verstande. Ebenso ist es, wenn wir zur Liebestat gegenüber den Mensch angeregt werden, mit dem Hinweis, daß uns, so wir diese nicht ausführen, etwas, was uns sehr wichtig ist, vielleicht sogar die Liebe des Vaters, entzogen wird oder Schlimmes droht.

Wir wissen alle, daß ein solches niemals vom Vater ausgehen kann, da er mit seinem übergroßen liebenden Herzen niemals unter Bedrohung einen Menschen zur Tat zwingen würde, sondern allzeit nur aufbauend und hilfreich ihm in seinen Schwächen zur Seite steht. Er führt ihn langsam dahin, daß er aus freier Entscheidung und Wachstum seiner wahren Liebe zu ihm und zum Nächsten eines Tages voll und ganz in seinem Namen tätig werden kann. Auch würde er nie auch nur einem Menschen seine Liebe entziehen, da er pur Liebe ist und nur aus dieser heraus ewig selbst tätig sein wird. Eine Tat, ausgeführt aufgrund einer Bedrohung, ist eine Tat aus Angst heraus und ein Mißtrauen gegenüber dem liebenden Vater in uns. Sie kann somit nicht als Tat aus wahrster Liebe bezeichnet werden. Angst verhindert, daß die wahre Liebe in uns wachsen kann, und ist somit ein Hindernis, welches uns auf den Weg zum Herzen und somit zu Jesus gelegt wird. Der Hochmut, unser größtes Übel, ist auch am feinsten in uns verstreut. Wenn wir damit beginnen, in uns aufzuräumen, werden wir eines groben und nicht übersehbaren Hochmutes gewahr, der zwar leicht zu erkennen, aber dafür schwer hinauszuschaffen ist.

Wenn wir es dennoch mit einiger Mühe geschafft haben, so unterliegen wir einem Irrtum, wenn wir glauben, daß es damit schon geschafft ist und wir uns somit schon für fast vollkommen halten können, besonders dann, wenn wir vielleicht sogar noch die Fähigkeit der geöffneten Sehe und des Gehörs erhalten, was uns darin bestärken könnte. Wir wissen, daß sich gerade der Hochmut als feinster, kaum wahrnehmbarer Staub auf jede Faser des geistigen Herzens legen kann und dieses weiter in Unreinheit hält. Dieser ist, so er erkannt wird, leicht hinauszuschaffen, aber eben auch schwerer zu erkennen. Und dann bedarf es einer großen Liebe zum Vater und absoluter Demut, um auch das kleinste Körnchen in der äußersten Ecke ausfindig zu machen und zu vertilgen. Nur durch die wachsende Liebe zum Vater ist dieses nach und nach möglich. Ebenso denke ich, ist es auch zum Heile aller Menschen wichtig, sie stets darauf hinzuweisen, daß das, was sie durch uns hören, sowohl für uns als auch für sie nur als Denkanstoß gegeben wird. Um auf dem eigentlichen inneren Weg voranzukommen, sollte jeder aber allzeit wieder seine Augen auf diesen richten, um dort nach weiterem Suchen des Jesus im eigenen Herzen auch fündig zu werden und von ihm alles zu vernehmen, dessen er zu seinem Heile bedarf. Menschen mit besonderen Fähigkeiten dürfen nur ein Leitfaden im gerechtesten Sinne sein für jene, die noch auf der Suche sind, jedoch keine Quelle, aus der ein anderer Mensch unermüdlich schöpft, wenn er glaubt, auf diesem Wege seinen eigenen Heilsweg zu verkürzen. Denn schöpfen soll ein jeder aus seiner ihm dargebrachten eigenen Quelle.

 

KAPITEL 26

Zu guter Letzt möchte ich mich denen zuwenden, die gerne medial veranlagte Menschen aufsuchen, was ich zum Teil verstehen kann, wenn Ihr das Bedürfnis nach Nähe zum Vater habt. Ich denke, daß auch aus diesem Grunde oftmals die sprachbegabten Brüder oder Schwestern aufgesucht werden, um durch sie Vaterworte zu vernehmen. Doch solltet Ihr Euch auch darüber bewußt werden, daß Ihr Euch mit jedem Entfernen von einem Vaterworte empfangenden Medium auch wieder vom Vater entfernt, so ihr Ihn nicht in Euch selbst zur Auferstehung bringt. Wenn dieses aber geschehen ist, so habt Ihr eine Nähe zum Vater, wie sie sonst nirgends zu finden ist und wie sie Euch auch kein Vater in einem anderen Menschen geben kann. Diese Nähe wird bleibend sein, denn wo immer Ihr Euch hinbegebt, so ist er mit Euch. - Auch solltet Ihr bemüht sein, nicht durch Euer Zutun einen mit besonderen Fähigkeiten ausgerüsteten Menschen in Hochmut und daraus resultierende Eigenliebe verfallen zu lassen dadurch, daß Ihr beginnt, ihm einen höheren Wert beizumessen, als ihm in der Tatsache zusteht. Ein jeder, so er in der absoluten Liebe und Ordnung Jesu verbleibt, kann in sich mehr vernehmen als ein Sprach-, Seh- oder Hörbegabter ihm kundgeben könnte. Somit hat auch ein solcher keinem anderen Menschen etwas voraus, da auch er nicht umhin kommt, den Weg dem Inneren nach zu beschreiten, den wir alle gehen müssen, mit all seinen Schwierigkeiten und Kämpfen in uns und mit uns selbst. Auch er wird nicht über alle Phasen durch seine Fähigkeit hinweggehoben.

Wenn wir bei einem medial begabten Bruder oder einer Schwester etwas nicht im Einklang mit der reinen Liebe Jesu Stehendes vernehmen, so sollten wir ihn bzw. sie in geschwisterlicher Liebe darauf aufmerksam machen und versuchen, auch ihn bzw. sie wieder in Einklang mit der Lehre Jesu zu bringen. Sollte ein solches nicht fruchten, denke ich, ist es auch hier für einen solchen Menschen heilsamer, wenn wir uns von ihm zurückziehen, als weiter seinen Worten zuzuhören. Ich denke, wir alle haben untereinander, gerade mit dem Wissen aus der Neuoffenbarung und dem daraus resultierenden Aufnehmen der Lehre Jesu, eine große Verantwortung und sollten uns auch in diesem Sinne in der aufrichtigsten Liebe zu ihm gegenseitig behilflich sein. Grollen wir niemals auch nur einem Menschen, der irgendeine Argheit in unserer Beschaffenheit schürt und somit in uns aufdeckt, sondern seien wir ihm allzeit dankbar, denn nur so können wir ihrer ansichtig werden und sie vernehmen, erkennen und in der Liebe zum Vater aus uns hinausschaffen. Solange sie jedoch in uns ruht und nicht zur Ansicht gelangt, werden wir sie nicht los und tragen sie weiterhin im verborgenen mit uns herum.

In diesem Sinne kann auch ein Mensch, der uns in unseren Argheiten (Ärger, falscher Stolz usw.) trifft, in uns zu einem Diener Gottes erstehen. Ob mein leiblicher Vater zu jener Zeit wirklich an meiner Seite war, weiß ich bis heute nicht. Doch weiß ich, daß mein geistiger Vater sich allzeit an meiner Seite befand, schützend seine Hand über mich hielt, mich an die Hand nahm und aus meiner Bedrängnis hinausführte. Beenden möchte ich dieses Buch mit einem Wort des Vaters, welches seinem Herzen entsprang und uns in der Neuoffenbarung gegeben wurde. Ich verbleibe in engster geistiger Verbundenheit mit unserem uns über alles liebenden Vater Jesus Christus und aus ihm heraus mit Euch.

 

Suche du vor allem nur Mich

durch die wahre Selbstverleugnung, innere Liebe, Geduld und Sanftmut! Denn so du Mich allein suchest, wirst du Mich auch finden. Und hast du Mich gefunden, dann hast du alles gefunden. Denn Ich allein bin der größte Schatz aller Schätze und bin mehr als alle Welten und alle Himmel. So Du Mich suchest, da mußt du Mich aber bei dir und nicht bei anderen suchen! Denn kann der in der Fremde gesucht werden, der da beständig in dir Zuhause ist und deiner harret? - Wie du dein Leben nicht lebest in einem fremden Leibe, sondern in deinem eigenen, so mußt du auch Mich in dir zu leben beginnen und Mich in dir suchen! Dann wirst du Mich sicher finden! Denn für dich lebe Ich nur in dir! Und wäre es nicht also, wie möchtest du leben, atmen, denken, fühlen, wahrnehmen, empfinden und dann zu Mir beten!? Siehe, das ist der rechte Weg zu Mir! Jeder andere leitet stets auf Abwege. Daher wandle diesen frei, mutig und ohne Furcht, so wirst du das ersehnte Ziel gar leicht und bald finden und wirst dann erst auch einsehen und erkennen, wie sanft Mein Joch und wie leicht Meine Bürde ist!

[Hi.G. 1. Bd, 408; 4 – 8]

Lorber-Gesellschaft e.V. - Auflage 1996 - © by Lorber-Gesellschaft e.V. 83734 Hausham

Alle Rechte vorbehalten

 


Aktualisiert am: 02.12.2008 - Home