Aktualisiert am:
10.05.2007
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JAKOB BÖHME: AURORA oder Morgenröte im Aufgang ( 1612) Das ist: Die Wurzel oder Mutter der Philosophiae,
Astrologiae und Theologiae aus
rechtem Grunde oder Beschreibung der Natur, wie alles gewesen und im Anfang
worden ist: wie die Natur und Elementa kreatürlich worden sind, auch von
beiden Qualitäten, bösen und guten; woher alle Ding seinen Ursprung hat, und
wie es jetzt stehet und wirket, und wie es am Ende dieser Zeit werden wird;
auch wie Gottes und der Höllen Reich beschaffen ist, und wie die Menschen in
jedes kreatürlich wirken. Alles aus rechtem Grunde und Erkenntnis des Geistes und im Wallen
Gottes mit Fleiß gestellet durch Jakob Böhmen in Görlitz, im Jahr Christi 1612,
seines Alters 37 Jahr. Dies Pfingsten. Gedruckt im Jahr des
ausgebornen Heils 1730. Inhaltsverzeichnis der einzelnen Kapitel
Von
Erforschung des göttlichen Wesens in der Natur- Von beiden Qualitäten Von
der Luft und des Wassers Qualifizierung Von
der herben oder gesalzenen Qualität Anleitung,
wie man das göttliche und natürliche Wesen betrachten soll Von
der Substanz und Eigenschaft des Vaters Von
der heiligen Dreifaltigkeit Von
Erschaffung der heiligen Engel - Eine Anweisung oder offene Porte des Himmels Von
der körperlichen Substanz, Wesen und Eigentum eines Engels Von
der Qualifizierung eines Engels Wie
ein Engel und Mensch Gottes Gleichnis und Bild sei Von
der holdseligen und freudenreichen Liebe der Engel gegen Gott, aus rechtem
Grunde Von den Nativitäten der englischen Könige,
wie die worden sind Von
den Nativitäten der englischen Könige, wie die worden sind Von
dem ganzen Corpus eines englischen Königreichs; die große Geheimnis Von
der andern Umstände oder Species Von
der dritten Umstände oder Species Von
der vierten Umstände oder Species Von
der fünften Umstände oder Species Von
der freundlichen Liebe, Holdseligkeit und Einigkeit dieser fünf Quellgeister
Gottes Von
dem sechsten Quellgeist in der göttlichen Kraft Nun
merke hie weiter vom Marcurio, Ton oder Scballe Von
dem siebenten Quellgeist in der göttlichen Kraft Von
der göttlichen und himmlischen Natur, Wirkung und Eigenscbaft Von
der ganzen himmlischen Wonne aller drei Königreiche der Engel Von
dem königlichen Primat oder Gewalt der drei englischen Könige Von
der großen Herrlichkeit und Schönheit der drei englischen Könige Von
dem Könige oder Großfiirsten Micha-El Von
dem andern Könige, Luzifer itzo genannt, um seines Falles willen Von
dem dritten englischen Könige, Uri-El genannt Von
der wunderlichen Proporz, Veränderung und Aufsteigen der Qualitäten in der
himmlischen Natur Von
dem schrecklichen, kläglichen und elenden Falle des Königreichs Luzifers Von
der herrlichen Geburt und Schönheit des Königs Luzifer Von
dem erschecklicben hoffärtigen und nunmehr kläglichen Anfang der Sünden, die
höchste Tiefe Von
dem Falle aller seiner Engel Von
der andern Species oder Geist der Sünden Anfang im Luzifer Von
der dritten Species oder Gestalt der Sünden Anfang im Luzifer Von
der vierten Species oder Gestalt der Sünden Anfang im Luzifer Von
der fünften Species oder Gestalt der Sünden Anfang im Luzifer und seinen
Engeln Von
der sechsten Species oder Gestalt der Siinden Anfang im Luzifer und seinen
Engeln Von
der siebten Species oder Gestalt der Sünden Anfang im Luzifer und seinen
Engeln Von
der Anzündung des Zornfeuers Von
der Hoffart, dem ersten Sohn Von
dem anderen Sohn, dem Geize Von
dem endlichen Streite und Verstoßung des Königes Luzifer samt aller seiner
Engel Von
der Schöpfung Himmels und Erden und des ersten Tages Von
der Scböpfung des Lichtes in dieser Welt 170 Die
freudenreiche Porten der Menschen Die
Tiefe im Centro der Geburt Die
Tiefe im Zirkel der Geburt Von
der Geburt der Sternen und Schöpfung des vierten Tages Von
der siderischen Geburt und Geburt Gottes 225 Die
Porten der heiligen Dreifaltigkeit Von
der großen Einfältigkeit Gottes Von
der Zusammenkorporierung der Sternen Von
dem ganzen Leibe der Sternengeburt, das ist die ganze Astrologia oder der
ganze Leib dieser Welt Von
der Anziindung des Herzens oder Lebens dieser Welt Der
höchste Grund der Sonnen und aller Planeten Die
rechte Geburt und Herkommen der Sonnen und Planeten Das
Centrum oder Zirkel des Lebens Geburt – Die große Tiefe Beschluß
des Autoris – Epist. 10, 38 Vorrede des Autoris Günstiger Leser! Ich vergleiche die ganze Philosophiam, Astrologiam
und Theologiam samt ihrer Mutter einem köstlichen Baum, der in einem schönen
Lustgarten wächst. 2. Nun gibt die Erde, da der Baum inne stehet, dem
Baum immer Saft, davon der Baum seine lebendige Qualität hat; der Baum aber
in sich selbst wächst von dem Saft der Erden und wird groß und breitet sich
aus mit seinen Asten. 3. Nun, gleichwie die Erde mit ihrer Kraft an dem
Baum arbeitet, daß derselbe wachse und zunehme, also arbeitet der Baum stets
mit seinen Ästen aus ganzem Vermögen, daß er möchte immer viel guter Früchte
bringen. 4. Wenn aber der Baum wenig Früchte bringet, dazu
ganz klein, madig und wurmstichig, so ist die Schuld nicht an des Baumes
Willen, daß derselbe vorsätzlich begehre böse Früchte zu tragen, dieweil er
ein köstlicher Baum guter Qualität ist, sondern die Schuld ist, daß oft große
Kälte, Hitze, Mehltau, Rauben und Ungeziefer auf ihn fällt; denn die Qualität
in der Tiefe, von den Sternen ausgeworfen, verderbet ihn, daß er wenig guter
Früchte bringet. 5. Nun hat aber der Baum diese Art an sich, daß je
größer und älter der Baum wird, je süßere Frucht träget er. In seiner Jugend
träget er wenig Früchte, denn das macht die rauhe und wilde Art des Erdbodens
und überlei Feuchte in dem Baum. Und ob er gleich schön blühet, so fallen
doch im Gewächse seine Äpfel meistens ab, es sei denn Sache, daß er gar in
einem gutem Acker stehet. 6. Nun hat der Baum auch eine gute, süße Qualität
an sich, dagegen auch drei andere dem zuwider, als bitter, sauer und herbe.
Nun, wie der Baum ist, also werden auch seine Früchte, bis sie die Sonne
wirket und süße machet, daß sie einen lieblichen Geschmack bekommen, und
müssen seine Früchte bestehen im Regen, Wind und Ungewitter. 7. Wenn aber der Baum alt wird, daß seine Aste
verdorren, daß der Saft nicht mehr in die Höhe kann, so wachsen unten um den
Stamm viel grüne Zweiglein aus, letztlich auch auf der Wurzel, und verklären
den alten Baum, wie er auch ein schönes grünes Zweiglein und Bäumlein gewesen
ist und nun gar alt worden. Denn die Natur oder der Saft wehret sich, bis der
Stamm gar dürre wird. Dann wird er abgehauen und im Feuer verbrannt. 8. Nun merke, was ich mit diesem Gleichnis
angedeutet habe: Der Garten dieses Baums bedeutet die Welt, der Acker die
Natur, der Stamm des Baumes die Sterne, die Äste die Elementa, die Früchte,
so auf diesem Baume wachsen, bedeuten die Menschen, der Saft in dem Baume
bedeutet die klare Gottheit. Nun sind die Menschen aus der Natur, Sternen und
Elementen gemacht worden. Gott der Schöpfer aber herrschet in allen, gleichwie
der Saft in dem ganzen Baume. 9. Die Natur aber hat zwo Qualitäten in sich bis
in das Gerichte Gottes, eine liebliche, himmlische und heilige, und eine
grimmige, höllische und durstige. 10. Nun qualifizieret und arbeitet die gute immer
mit ganzem Fleiß, daß sie gute Früchte bringe. Darinnen herrschet der Hl.
Geist und gibt dazu Saft und Leben. Die böse quillet und treibet auch mit
ganzem Fleiße, daß sie immer böse Früchte bringt. Dazu gibt ihr der Teufel
Saft und höllische Loh. 11. Nun dieses beides ist in dem Baum der Natur,
und die Menschen sind aus dem Baum gemacht und leben in dieser Welt, in
diesem Garten zwischen beiden in großer Gefahr, und fällt auf sie bald
Sonnenschein, bald Regen, Wind und Schnee. 12. Das ist, so der Mensch seinen Geist erhebt in
die Gottheit, so quillet und qualifizieret in ihm der Heilige Geist und der
höllische Saft. 13. Gleichwie der Apfel auf dem Baum madig und
wurmstichig wird, wenn Frost, Hitze und Mehltau auf ihn fällt, und leicht
abfällt und verdirbet, also auch der Mensch, wenn er läßt den Teufel mit
seinem Gift in ihm herrschen. 14. Nun gleichwie in der Natur Gutes und Böses
quillet, herrschet und ist, also auch im Menschen. Der Mensch aber ist Gottes
Kind, den er aus dem besten Kern der Natur gemacht hat, zu herrschen in dem
Guten und zu überwinden das Böse. Ob ihm gleich das Böse anhanget, gleichwie
in der Natur das Böse am Guten hanget, so kann er doch das Böse überwinden.
So er seinen Geist in Gott erhebet, so quillet in ihm der Heilige Geist und
hilft ihm siegen. 15. Gleichwie die gute Qualität in der Natur
mächtig ist zu siegen über die böse, denn sie ist und kommt aus Gott und der
Heilige Geist ist Herrscher darinnen, also auch ist die grimme Qualität
mächtig zu siegen in der boshaftigen Seelen; denn der Teufel ist ein
mächtiger Herrscher in der Grimmigkeit und ist ein ewiger Fürst derselben. 16. Der Mensch aber hat sich selbst in die
Grimmigkeit geworfen durch den Fall Adams und Hevas, daß ihm das Böse
anhänget, sonst wäre sein Quell und Trieb allein in dem Guten. Nun aber ists
in beiden und heißet nun, wie St. Paulus saget: Wisset ihr nicht welchem ihr
euch begebet zu Knechten in Gehorsam, des Knecht seid ihr, dem ihr gehorsam
seid, entweder der Sünde zum Tode oder dem Gehorsam Gottes zur Gerechtigkeit
(Rom 6,16). 17. Weil aber der Mensch in beiden den Trieb hat,
so mag er greifen, zu welchem er will; denn er lebet in dieser Welt zwischen
beiden und sind beide Qualitäten Bös und Gut in ihm, in welches der Mensch
wallet, damit wird er angetan in heilige oder höllische Kraft. 18. Denn Christus spricht: Mein Vater will den
Heiligen Geist geben denen, die ihn darum bitten (Luk 11,13). Auch so hat
Gott dem Menschen das Gute befohlen und das Böse verboten und lässet noch
täglich predigen, rufen und schreien und den Menschen vermahnen zum Guten.
Dabei man ja wohl erkennet, daß Gott das Böse nicht will, sondern will, daß
sein Reich zukomme und sein Wallen geschehe, wie im Himmel als auch auf
Erden. 19. Weil aber der Mensch durch die Sünde
vergiftet, daß die grimme Qualität sowohl als die gute in ihm herrschet und
nun halb tot und mit großem Unverstand Gott seinen Schöpfer sowohl auch die
Natur und ihre Wirkung nicht mehr erkennen kann, so hat die Natur ihren
höchsten Fleiß vom Anfang bis auf heute angeleget, dazu hat Gott seinen
Heiligen Geist gegeben, daß sie je und allewege hat weise, heilige und
verständige Menschen geboren und zugerichtet, welche die Natur sowohl Gott,
ihren Schöpfer haben lernen erkennen, welche allezeit mit ihrem Schreiben und
Lehren der Welt Licht sind gewesen. Damit hat Gott seine Kirche auf Erden
zugerichtet zu seinem ewigen Lobe. Dagegen hat der Teufel gewütet und getobet
und manchen edlen Zweig verderbet durch die Grimmigkeit in der Natur, welches
Fürst und Gott er ist. 20. Wenn die Natur hat oft einen gelehrten,
verständigen Menschen zugerichtet mit schönen Gaben, so hat der Teufel seinen
höchsten Fleiß daran geleget, daß er denselben verführet in fleischliche
Lüste, in Hoffart, in Begierde reich zu sein und Gewalt zu haben. Damit hat
der Teufel in ihm geherrschet und hat die grimme Qualität die gute überwunden
und ist aus seinem Verstande und aus seiner Kunst und Weisheit Ketzerei und
Irrtum gewachsen, welcher der Wahrheit gespottet und große Irrtum auf Erden
angerichtet hat und ist dem Teufel ein guter Heerführer gewesen. 21. Denn die böse Qualität in der Natur hat vom
Anfang und noch immer mit der guten gerungen und sich emporgehoben und manche
edle Frucht im Mutterleibe verderbet, wie solches klar zu sehen ist erstlich
bei Kain und Habel, die aus einer Mutter Leibe kamen. Kain war von
Mutterleibe ein Verächter Gottes und hoffärtig, dagegen Habel ein demütiger
Gott-fürchtiger Mensch. So siehet mans auch bei den Söhnen Noae sowohl auch
bei Abraham mit Isaak und Ismael, sonderlich aber beim Isaak mit Esau und
Jakob, welche sich im Mutterleibe gestoßen und gerungen, darum auch Gott
saget: Jakob habe ich geliebet und Esau gehasset (Gen 25,23). Ist anders
nichts, denn daß beide Qualitäten in der Natur haben heftig miteinander
gerungen. 22. Denn als Gott in der Natur zur selben Zeit
wallete und wollte sich der Welt offenbaren durch den frommen Abraham, Isaak
und Jakob und wollte ihm eine Kirche auf Erden zurichten zu seiner Glorie und
Herrlichkeit, so wallete in der Natur auch mit die Bosheit und derselben
Fürst Luzifer. Weil
denn in dem Menschen Böses und Gutes war, so konnten beide Qualitäten in ihm
regieren. Derowegen ward ein böser und ein guter Mensch in einer Mutter auf einmal
geboren. 23. Auch so ist es bei der ersten Welt, sowohl
auch an der andern bis ans Ende unserer Zeit klar zu sehen, wie das
himmlische und höllische Reich in der Natur hat je und allewege miteinander
gerungen und in großer Arbeit gestanden, als ein Weib in der Geburt. 24. Bei Adam und Heva ist es am lautersten zu
sehen; denn da wuchs ein Baum im Paradies auf von beider Qualität, Böses und
Gutes. Da sollten Adam und Heva versucht werden, ob sie könnten in der guten
Qualität, in englischer Art und Form bestehen. Denn der Schöpfer verbot Adam
und Heva, von der Frucht zu essen. Aber die böse Qualität in der Natur rang
mit der guten und brachte Adam und Heva in Lust, von beiden zu essen. Darum
bekamen sie auch bald zur Stunde tierische Art und Form und aßen von Bös und
Gut und mußten sich auf tierische Art mehren und leben, und verdarb mancher
edler Zweig, von ihnen geboren. 25. Hernach sieht man, wie Gott in der Natur
gewirket, als die heiligen Väter in der ersten Welt geboren, als Abel, Seth,
Enos, Kenan, Mahalalel, Jared, Henoch, Methusalem, Lamech und der heilige
Noah. Die haben der Welt des Herren Namen verkündiget und Buße geprediget,
denn der Hl. Geist hat in ihnen gewirket. 26. Dagegen hat der höllische Gott auch gewirket
in der Natur und Spötter und Verächter geboren, erstlich Kain und seine
Nachkommen, und ist mit der ersten Welt gegangen wie mit einem jungen Baume;
der wächset, grünet und blühet schön, bringet aber wenig guter Früchte von
wegen seiner linden Art. Also brachte die Natur in der ersten Welt wenig
guter Früchte, ob sie gleich schön blühete in weltlicher Kunst und Üppigkeit;
denn das konnte der Hl. Geist nicht ergreifen, der auch diesmal in der Natur
sowohl als jetzt hat gewirket. 27. Darum sprach Gott: Es reuet mich, daß ich die
Menschen gemacht habe (Gen 6,6), und erregte die Natur, daß alles Fleisch
starb, was im Trocknen lebet bis auf die Wurzel und Stamm, der blieb stehn,
und hat hiemit den wilden Baum gedünget und angerichtet, daß derselbe sollte
bessere Früchte tragen. Aber als derselbe wieder grünete, brachte er bald
wieder gute und böse Früchte bei den Söhnen Noah. Da fanden sich bald wieder
Spötter und Verächter Gottes und wuchs kaum ein guter Ast in dem Baum, der
heilige, gute Früchte brachte; die andern Äste trugen und brachten die wilden
Heiden. 28. Als aber Gott sah, daß der Mensch also in
seiner Erkenntnis erstorben war, bewegete er die Natur abermal und zeigete
den Menschen, wie in derselben wäre Böses und Gutes, damit sie das Böse
fliehen und in dem Guten leben sollten, und ließ Feuer aus der Natur fallen
und zündete an Sodom und Gomorrah zum schrecklichen Exempel der Welt. 29. Als aber der Menschen Blindheit überhand nahm
und sich Gottes Geist nicht wollten lehren lassen, gab er ihnen Gesetze und
Lehre, wie sie sich halten sollten, und bestätigte die mit Wunder und
Zeichen, damit nicht erlösche die Erkenntnis des rechten Gottes. 30. Aber das Licht wollte hiemit auch nicht an Tag
kommen, denn die Finsternis und Grimmigkeit in der Natur wehrete sich und
derselben Fürst regierete gewaltiglich. 31. Als aber der Baum der Natur in sein
Mittelalter kam, da hub er an und trug etliche milde, süße Früchte,
anzuzeigen, daß er hinfort würde liebliche Früchte tragen. Denn da wurden die
heiligen Propheten geboren aus dem süßen Ast des Baumes. Die lehreten und
predigten von dem Licht, welches künftig die Grimmigkeit in der Natur
überwinden würde. 32. Auch so ging unter den Heiden ein Licht in der
Natur auf, daß sie erkenneten die Natur und ihre Wirkung, wiewohl dieses nur
ein Licht in der wilden Natur war, und noch nicht das heilige Licht; denn die
wilde Natur war noch nicht überwunden und rang Licht und Finsternis so lange
miteinander, bis die Sonne aufging und zwang diesen Baum mit ihrer Hitze, daß
er liebliche, süße Früchte trug. 33. Das ist, bis da kam der Fürst des Lichts aus
dem Herzen Gottes, und ward ein Mensch in der Natur und rang in seinem
menschlichen Leibe in Kraft des göttlichen Lichts in der wilden Natur. 34. Derselbe Fürsten- und königliche Zweig wuchs
auf in der Natur und wurde ein Baum in der Natur und breitete seine Äste aus
von Orient bis in Occident und umfassete die ganze Natur, rang und kämpfte
mit der Grimmigkeit, die in der Natur war, und mit derselben Fürsten, bis daß
er überwand und triumphierte als ein König der Natur und nahm den Fürsten der
Grimmigkeit gefangen in seinem eigenen Hause (Ps 68,19). 35. Als dieses geschah, da wuchsen aus dem
königlichen Baume, der in der Natur gewachsen war, viel tausend Legionen
köstlicher süßer Zweiglein, die hatten alle den Geruch und Geschmack des
köstlichen Baums. Und ob gleich auf sie fiel Regen, Schnee, Hagel und
Ungewitter, daß manches Zweiglein vom Baum gerissen und geschlagen ward, noch
wuchsen immer andere Zweiglein. Denn die Grimmigkeit in der Natur und
derselben Fürst erregete groß Ungewitter mit Hageln, Donnern, Blitzen und
Regen, daß ja oft viel herrlicher Zweiglein von dem süßen und guten Baum
abgerissen wurden. Aber dieselben Zweiglein schmeckten also holdselig, süß
und freudenreich, daß keines Menschen noch Engels Zunge aussprechen kann;
denn sie hatten große Kraft und Tugend in sich. Sie dieneten zur Gesundheit
der wilden Heiden. Welcher Heide von den Zweiglein dieses Baums aß, der ward
entlediget von der wilden Art der Natur, darinnen er geboren war, und ward
ein süßer Zweig in dem köstlichen Baum und grünete in dem Baum und trug
köstliche Früchte wie der königliche Baum. 36. Darum liefen viele Heiden zu dem köstlichen
Baum, da die köstlichen Zweiglein lagen, welche der Fürst der Finsternis
hatte mit seinen Sturrnwinden abgerissen, und welcher Heide an diese
abgerissene Zweiglein roch, der ward gesund von der wilden Grimmigkeit, die
ihm von seiner Mutter geboren war. 37. Als aber der Fürst der Finsternis sah, daß
sich die Heiden um die Zweiglein rissen und nicht um den Baum und sah seinen
großen Verlust und Schaden, so ließ er ab vom Sturm gegen Aufgang und Mittag
und stellete einen Kaufmann unter den Baum, der las die Zweiglein auf, die
von dem köstlichen Baume waren gefallen. 38. Und wann denn die Heiden kamen und frageten
nach den guten und kräftigen Zweiglein, so bot der Kaufmann dieselben an, ums
Geld zu verkaufen, damit er Wucher von dem köstlichen Baum hätte. Denn
solches forderte der Fürst der Grimigkeit von seinem Kaufmanne, darum weil
ihm der Baum in seinem Lande gewachsen war und verderbete seinen Acker. 39. Als nun die Heiden sahen, daß die Frucht von
dem köstlichen Baume ums Geld zu verkaufen feil war, liefen sie haufenweise
zu dem Kramer und kauften von der Frucht des Baumes und kamen auch von fernen
Insulen dahin zu kaufen, ja von der Welt Ende. 40. Als nun der Kramer sah, daß seine Ware so viel
galt, auch so angenehm war, erdachte er ihm eine List, damit er seinem Herrn
möchte einen großen Schatz sammeln und schickte Kaufleute aus in alle Lande
und ließ seine Ware feilbieten und hochloben. Aber er verfälschte die Ware
und verkaufte andere Frucht für die gute, die nicht auf dem guten Baum
gewachsen war, darum daß seines Herrn Schatz nur groß würde. 41. Die Heiden aber und alle Insulen und Völker,
die auf Erden wohneten, waren alle aus dem wilden Baume gewachsen, der da gut
und böse war. Darum waren sie halb blind und sahen den guten Baum nicht, der
doch seine Äste ausstreckte vom Aufgang bis zum Niedergang, sonst hätten sie
die falsche Waren nicht gekauft. 42. Weil sie aber den köstlichen Baum nicht
kannten, der doch seine Äste über sie alle ausstreckte, so liefen sie allen
den Krämern nach und kauften vermengte falsche Ware für gute und vermeineten,
sie dienete zur Gesundheit. Weil sie aber alle so hart nach dem guten Baum
lüsterten, der doch über ihnen allen schwebete, machte sie gesund von ihrer
Grimmigkeit und wilden Geburt und nicht des Krämers falsche Ware. Das währete
eine lange Zeit. 43. Als nun der Fürst in der Finsternis, der da
ist der Quell der Grimmigkeit, Bosheit und Verderbens, sah, daß die Menschen
gesund wurden von seinem Gift und wilden Art, von dem Geruch des köstlichen
Baums, ward er zornig und pflanzete einen wilden Baum gegen Mitternacht, der
wuchs aus der Grimmigkeit in der Natur, und ließ ausrufen: Das ist der Baum
des Lebens; wer davon isset, der wird gesund und lebet ewiglich! Denn an dem
Orte, da der wilde Baum wuchs, war eine wilde Stätte; und die Völker daselbst
hatten das rechte Licht aus Gott von Anfang bis zur selben Zeit, und auch
noch heute nicht erkannt; und der Baum wuchs am Berge Hagar, in dem Hause
Ismaels, des Spötters. 44. Da aber ausgerufen war von dem Baum: Siehe,
das ist der Baum des Lebens, da liefen die wilden Völker zu dem Baum, die
nicht waren aus Gott geboren, sondern aus der wilden Natur, und liebeten den
wilden Baum, und aßen von seiner Frucht. Und der Baum wuchs und ward groß von
dem Saft der Grimmigkeit in der Natur, und breitete seine Äste aus von
Mitternacht gegen Morgen und Abend. Der Baum aber hatte seinen Quell und
Wurzel aus der wilden Natur, die da bös und gut war; und wie der Baum war,
also war auch seine Frucht. 45. Weil aber die Menschen dieses Orts alle aus
der wilden Natur waren gewachsen, so wuchs der Baum über sie alle, und ward
also groß, daß er mit seinen Ästen reichete bis in das werte Land unter den
heiligen Baum. 46. Das war aber die Ursache, daß der wilde Baum
so groß ward: Die Völker unter dem guten Baum liefen alle den Krämern nach,
die die falsche Ware verkauften, und aßen von der falschen Frucht, die auch
bös und gut war, und vermeineten, sie würden dadurch gesund werden; und
ließen den heiligen guten, kräftigen Baum immer stehen. Indes wurden sie
immer blinder, matter und schwächer und konnten dem wilden Baum gegen
Mitternacht nicht wehren, daß er nicht wuchs. Denn sie waren viel zu matt und
schwach. Sie sahen wohl, daß es ein wilder, böser Baum war, aber sie waren zu
matt und schwach und konnten ihm sein Gewächses nicht wehren. So sie aber
nicht wären den Krämern mit der falschen Ware nachgelaufen und hätten von der
falschen Frucht gessen, sondern hätten von dem köstlichen Baum gessen, so
wären sie kräftig worden, dem wilden Baum Widerstand zu tun. 47. Weil sie aber der wilden Natur im Menschentand
nachhureten in ihres Herzens Gelüste, in Heuchelei, so herrschete auch die
wilde Natur über sie und wuchs der wilde Baum hoch und weit über sie, und
verderbte sie mit seiner wilden Kraft. 48. Denn der Fürst der Grimmigkeit in der Natur
gab dem Baum seine Kraft, zu verderben die Menschen, die von des Kramers
wilder Frucht aßen. Dieweil sie verließen den Baum des Lebens und suchten
eigene Klugheit wie Mutter Heva im Paradies; so herrschte ihre angeborne
eigne Qualität über sie und gerieten in solchen kräftigen Irrtum, wie St.
Paulus saget (2.Thess 2,11). 49. Und der Fürst der Grimmigkeit erregte Krieg
und Sturmwinde von dem wilden Baum gegen Mitternacht über die Völker, die
nicht aus dem wilden Baum geboren waren; und sie fielen in ihrer Mattigkeit
und Schwachheit für Ungewitter, das aus dem wilden Baum ging. 50. Und der Kaufmann unter dem guten Baum
heuchelte mit den Völkern gegen Mittag und Abend und gegen Mitternacht und
lobete seine Ware hoch und betrog die Einfältigen mit List. Und die Klugen
machte er zu seinen Kaufleuten und Krämern, daß sie ihren Gewinn auch davon
hatten, bis daß ers dahin brachte, daß niemand den heiligen Baum mehr recht
sah und erkannte, und er das Land zum Eigentum kriegte. 51. Da ließ er ausrufen: (2.Thess 2,4) Ich bin der
Stamm des guten Baums und stehe auf der Wurzel des guten Baums und bin
eingepfropft in den Baum des Lebens. Kaufet meine Ware, die ich euch
verkaufe, so werdet ihr gesund werden von eurer wilden Geburt und ewig leben.
Ich bin aus der Wurzel des guten Baums gewachsen und habe die Frucht des Hl.
Baums in meiner Gewalt und sitze auf dem Stuhl der göttlichen Kraft und habe
Gewalt im Himmel und auf Erden; kommet zu mir und kaufet euch ums Geld von
der Frucht des Lebens! 52. Da liefen alle Völker zu und kauften und aßen,
bis sie verschmachteten. Alle Könige von Mittag, Abend und gegen Mitternacht
aßen von des Kramers Frucht und lebeten in großer Ohnmacht; denn der wilde
Baum von Mitternacht wuchs je länger je sehrer über sie und vertilgete sie
eine lange Zeit. Und er war eine elende Zeit auf Erden, als nicht gewesen
war, weil die Welt gestanden. Aber die Menschen meineten, es wäre gute Zeit,
so hart hatte sie der Kaufmann unter dem guten Baum verblendet. 53. Am Abend aber jammerte die Barmherzigkeit
Gottes der Menschen Elend und Blindheit und bewegte abermal den guten Baum,
den herrlichen göttlichen Baum, der die Frucht des Lebens trug. Da wuchs ein
Zweig nahe bei der Wurzel aus dem köstlichen Baume und grünete, und ihm ward
gegeben des Baums Saft und Geist, und redete mit Menschenzungen und zeigete
jedermann den köstlichen Baum und seine Stimme erscholl weit in viel Länder. 54. Da liefen die Menschen, zu sehen und hören,
was da wäre. Da ward ihnen gezeiget der köstliche und tugendreiche Baum des
Lebens, davon die Menschen im Anfang gessen hatten, und waren entlediget
worden von ihrer wilden Geburt. 55. Und sie wurden hoch erfreuet und aßen von dem
Baum des Lebens mit großer Freude und Erquickung, und kriegten neue Kraft von
dem Baum des Lebens, und sungen ein neu Lied von dem wahrhaftigen Baum des
Lebens, und wurden entlediget von der wilden Geburt und hasseten den Kaufmann
mit seinen Krämern und falscher Ware. 56. Es kamen aber alle, die da hungerte und
dürstete nach dem Baum des Lebens, und die im Staube saßen, und aßen von dem
heil. Baum, und wurden gesund von ihrer unreinen Geburt und von der Natur
Grimmigkeit, darinnen sie lebeten, und wurden eingepfropft in den Baum des
Lebens. 57. Allein die Krämer des Kaufmanns und ihre
Heuchler, und die ihren Wucher hatten mit der falschen Ware getrieben und
ihre Schätze gesammlet, kamen nicht; denn sie waren im Wucher der Hurerei des
Kaufmanns ersoffen und im Tode erstorben und lebeten in der wilden Natur; und
die Angst und Schande, die da aufgedeckt ward, hielt sie zurück, daß sie
hatten mit dem Kaufmann so lange gehuret und die Seelen der Menschen
verführet; da sie doch rühmeten, sie wären in den Baum des Lebens eingepfropft
und lebeten in göttlicher Kraft, in Heiligkeit, und trügen die Frucht des
Lebens feil. 58. Weil nun offenbar ward ihre Schande, Betrug,
Geiz und Schalkheit, verstummten sie und blieben zurücke und schämten sich,
daß sie hätten Buße getan für ihre Greuel und Abgötterei und wären mit den
Hungerigen und Durstigen zu dem Brunnquell des ewigen Lebens gegangen. Darum
verschmachteten sie auch in ihrem Durste, und ihre Qual steiget auf von
Ewigkeit zu Ewigkeit und ihr Gewissen naget sie. 59. Da nun der Kaufmann sah mit der falschen Ware,
daß sein Betrug war offenbar worden, ward er sehr zornig und verzagt und
richtete seinen Bogen wider das heilige Volk, das seine Ware nicht mehr
kaufen wollte, und tötete viel des heiligen Volks und lästerte wider den grünen
Zweig, der aus dem Baum des Lebens war gewachsen. Aber der Großfürst Michael,
der vor Gott stehet, kam und stritt für das heilige Volk und siegete. 60. Als aber der Fürst aus der Finsternis sah, daß
sein Kaufmann war gefallen und sein Betrug offenbar worden, erregte er das
Sturmwetter von Mitternacht aus dem wilden Baum gegen das heilige Volk, und
der Kaufmann von Mittage stürmete auch wider sie. Da wuchs das heilige Volk
sehr und hoch im Blute. Gleichwie es war im Anfang, da der heilige und köstliche
Baum wuchs, der überwand die Grimmigkeit in der Natur und ihren Fürsten, also
war es auch zu der Zeit. 61. Als, nun der edle und heilige Baum allem Volk
war offenbar worden, daß sie sahen, wie er über ihnen allen schwebete und
seinen Schmack über alle Völker ausstreckte und mochte davon essen, wer da
wollte; da ward das Volk überdrüssig zu essen von seiner Frucht, die auf dem
Baum wuchs, und lüsterten nach der Wurzel des Baumes zu essen, und die Klugen
und Weisen suchten die Wurzel und zanketen um dieselbe. Und der Streit um die
Wurzel des Baumes ward groß, also daß sie vergaßen, von der Frucht des süßen
Baums zu essen, von wegen des Zanks um die Wurzel des Baums. 62. Es war ihnen aber nicht um die Wurzel noch um
den Baum zu tun, sondern der Fürst in der Finsternis hatte ein anders im
Sinne, weil er sah, daß sie nicht mehr von dem guten Baum essen wollten,
sondern zankten um die Wurzel, sah wohl, daß sie gar matt und schwach worden
und daß die wilde Natur wieder in ihnen herrschete. Darum bewegte er sie nun
zur Hoffart, daß ein jeder meinete, er hätte die Wurzel beim Stiele, man
sollte auf ihn sehen und hören und ihn ehren. Damit baueten sie ihre
Palast-Häuser und dieneten heimlich dem Abgott Mammon. Dadurch wurde der
Laienstand geärgert, und lebeten in ihres Fleisches Lust, in Begierde der
wilden Natur und dieneten dem Bauch in Üppigkeit, verließen sich auf die
Frucht des Baumes, die über ihnen allen schwebete, ob sie gleich in Verderben
gerieten, daß sie dadurch möchten wieder gesund werden. Und dieneten
unterdessen dem Fürsten der Finsternis nach der wilden Natur Trieb. Und der
köstliche Baum mußte ihnen nur zum Schauspiegel dastehen, und ihrer viel
lebeten gleich den wilden Tieren und führeten ein böses Leben in Hoffart,
Pracht und Üppigkeit; und der Reiche verzehrte dem Armen seinen Schweiß und
Arbeit und drängte ihn noch dazu. 63. Alle bösen Taten wurden durch Geschenke gut.
Die Rechte flossen aus der bösen Qualität in der Natur; ein jeder trachtete
nach viel Geld und Gut, nach Hoffart, Prassen und Prangen. Der Elende hatte
keine Errettung. Schelten, Fluchen, Schwören wurde für kein Laster gehalten,
und fühleten sich in der grimmen Qualität wie eine Sau im Kote. Solches taten
die Hirten mit den Schafen und behielten nicht mehr den Namen von dem edlen
Baume. Seine Frucht, Kraft und Leben mußte ihrer Sünden Deckel sein. 64. Also lebete die Welt zur selben Zeit bis auf
ein kleines Häuflein. Das ward geboren mitten unter den Dornen, in großer
Trübsal und Verachtung, aus allem Volk auf Erden, von Orient bis in Occident.
Da war kein Unterschied; sie lebeten alle im Trieb der wilden Natur in
Ohnmacht bis auf ein kleines Häuflein, das ward errettet aus allen Völkern.
Wie es war vor der Sintflut und vor Aufgang des edlen Baums in die Natur und
in der Natur, also auch zu der Zeit. 65. Daß aber die Menschen am Ende also hart nach
des Baums Wurzel lästerten, ist ein Geheimnis, Mysterium, und den Klugen und
Weisen bisher verborgen gewesen, wird auch nicht in der Höhe aufgehen,
sondern in der Tiefe in großer Einfalt, gleichwie der edle Baum mit seinem
Kern und Herzen allezeit ist den Weltklugen verborgen gewesen, ob sie gleich
gemeinet haben, sie stünden auf des Baums Wurzel und Spitze, so ist es doch
nicht mehr als ein lichter Dunst vor ihren Augen gewesen. 66. Es hat aber der edle Baum vom Anfang bis auf
heute mit höchstem Fleiß in der Natur gearbeitet, daß er möchte offenbar
werden allen Völkern, Zungen und Sprachen. Dawider hat der Teufel in der
wilden Natur gewütet und getobet und sich gewehret als ein grimmiger Löwe.
Aber der edle Baum brachte je länger je süßere Früchte und offenbarte sich je
länger je sehrer wider alles Wüten und Toben des Teufels, bis ans Ende; da
ward es lichte. 67. Denn es wuchs ein grünes Zweiglein auf der
Wurzel des edlen Baums und kriegte der Wurzel Saft und Leben, und ihm ward
gegeben des Baums Geist, und verklärete den edlen Baum in seiner herrlichen
Kraft und Macht, dazu die Natur, darinne er gewachsen war. 68. Als nun dieses geschah, da gingen in der Natur
beide Türen auf: die Erkenntnis beider Qualitäten, Böses und Gutes, und ward
offenbar das himmlische Jerusalem, sowohl der Höllen Reich, allen Menschen
auf Erden. Und das Licht und die Stimme erscholl in die vier Winde, und der
falsche Kaufmann vom Mittage ward ganz offenbar und die Seinen hasseten ihn
und rotteten ihn aus von der Erden. 69. Als nun dieses geschah, da verdorrete auch der
wilde Baum gegen Mitternacht, und alles Volk sah den heiligen Baum auch in
fernen Inseln mit Verwundern. Und der Fürst in der Finsternis ward offenbar
und seine Geheimnisse wurden aufgedeckt und seine Schande und Spott und
Verderben sahen und erkenneten die Menschen auf Erden, denn es war lichte
worden. Aber das währete eine kleine Zeit, so ließen die Menschen das Licht
und lebeten in ihres Fleisches Lust zum Verderben; denn gleichwie sich die
Tür des Lichts hatte aufgetan, also auch die Tür der Finsternis, und gingen
aus beiden allerlei Kräfte und Künste, was darinne war. 70. Gleichwie die Menschen vom Anfang her hatten gelebet
im Gewächse der wilden Natur, und nur nach irdischen Dingen getrachtet, also
wollte es auch am Ende nicht besser, sondern nur ärger werden. 71. Im Mittel dieser Zeit wurden viel große
Sturmwetter erreget vom Abend gegen Morgen und Mitternacht, von Mitternacht
aber ging ein großer Wasserstrom aus gegen den heiligen Baum und verderbete
viel Zweige an dem heiligen Baume, und mitten im Strom ward es lichte, und
verdorrete der wilde Baum gegen Mitternacht. 72. Und der Fürst in der Finsternis ward ergrimmet
in der großen Beweglichkeit der Natur; denn der heilige Baum wallete in der
Natur, als der sich jetzt bald erheben und in Glorifizierung der heiligen
göttlichen Majestät anzünden wollte und den Grimm von sich gebären, der ihm
so lange war entgegengestanden und mit ihm gerungen hatte. 73. Desgleichen wallete der Baum der Finsternis,
Grimmigkeit und Verderbens auch grausam, als der jetzt bald sollte angezündet
werden und darinnen der Fürst mit seinen Legionen ausging, zu verderben die
edle Frucht von dem guten Baume. 74. Und es stund in der Natur schrecklich in der
grimmen Qualität, in der Qualität, darinnen der Fürst der Finsternis wohnet,
menschlidi zu reden: gleich als wenn man siehet ein grausam schrecklich
Wetter aufziehen, das sich greulich und schrecklich erzeiget, mit vielen
Wetterleuchten und Sturmwinden, da man sich entsetzet. 75. Dagegen stund es in der guten Qualität, in
welcher der heilige Baum des Lebens stund, gar lieblich, süße und wonnereich,
gleich der himmlischen Freuden-Reich. Dieses beides wallete heftig
widereinander, also hart, bis da angezündet wurde die ganze Natur, beide
Qualitäten in einem Augenblick. 76. Und der Baum des Lebens ward angezündet in
seiner eigenen Qualität mit dem Feuer des Hl. Geistes, und seine Qualität brannte
im Feuer der himmlischen Freuden-Reich, die in der guten Qualität waren von
Ewigkeit gewesen; und das Licht der heiligen Trinität leuchtete in dem Baum
des Lebens und erfüllete die ganze Qualität, darinnen er stund. 77. Und der Baum der grimmen Qualität, welches ist
das ander Teil in der Natur, ward auch angezündet, und brannte im Feuer des
Zorns Gottes mit höllischer Lohe; und der grimme Quell stieg auf in Ewigkeit,
und der Fürst der Finsternis mit seinen Legionen blieb in der grimmen
Qualität, als in seinem eigenen Reiche. In diesem Feuer verging die Erde, die
Sterne und Elementa; denn es brannte alles zugleich, ein jedes in dem Feuer
seiner eigenen Qualität, und wurde alles schiedlich. 78. Denn der Alte bewegte sich, in dem da ist alle
Kraft und alle Kreaturen und alles, was genannt mag werden. Und die Kräfte
von dem Himmel, von den Sternen und Elementen wurden wieder dünne und in die
Gestalt formieret, wie sie vorm Anfang der Schöpfung waren. Allein die zwei
Qualitäten bös und gut, die in der Natur waren ineinander gewesen, die wurden
voneinander geschieden, und war die böse dem Fürsten der Bosheit und
Grimmigkeit zur ewigen Behausung gegeben, und das heißt die Hölle oder
Verwerfung, welche die gute Qualität in Ewigkeit nicht mehr ergreift oder
berühret, eine Vergessung alles Guten, und das in seine Ewigkeit. 79. In der andern Qualität stund der Baum des
ewigen Lebens, und ihr Quell rühret her aus der Hl. Trinität und der Hl.
Geist leuchtet darinnen. Und es gingen herfür alle Menschen, die von Adams
des ersten Menschen Lenden kommen waren, ein jeder in seiner Kraft und in der
Qualität, darinnen er auf Erden gewachsen war. Die da hatten auf Erden von
dem guten Baum gessen, der da heißt Jesus Christus, in denen war die
Barmherzigkeit Gottes gequollen zur ewigen Freude, die hatten die Kraft der
guten Qualität in sich; die wurden aufgenommen in die gute und heilige
Qualität und sungen das Lied ihres Bräutigams, ein jeder in seiner Stimme
nach seiner Heiligkeit. 80. Die aber im Licht der Natur und des Geistes
waren geboren und auf Erden den Baum des Lebens nie recht erkannt hatten,
waren aber in seiner Kraft gewachsen, der über alle Menschen auf Erden hatte
geschaltet, als da sind viel Heiden und Völker und Unmündige; die wurden auch
aufgenommen in derselben Kraft, darinnen sie gewachsen waren und damit ihr
Geist bekleidet war, und sungen das Lied ihrer Kraft von dem edlen Baum des
ewigen Lebens; denn ein jeder wurde nach seiner Kraft glorifizieret. 81. Und die heilige Natur gebar freudenreiche, himmlische
Früchte, gleichwie sie auf Erden hatte in beider Qualität irdische geboren,
die da bös und gut waren. Also gebar sie jetzt himmlische, freudenreiche. Und
die Menschen, die jetzt den Engeln gleich waren, aßen ein jeglicher von der
Frucht seiner Qualität und sungen das Lied Gottes und das Lied von dem Baum
des ewigen Lebens. Und das war in dem Vater wie ein heiliges Spiel, eine
triumphierende Freude; denn dazu waren alle Dinge im Anfang aus dem Vater
gemacht und bleibet nun in seine Ewigkeit also. 82. Die aber auf Erden waren in Kraft des
Zorn-Baums gewachsen, das ist, die die grimme Qualität hatte überwunden und
waren verdorret in der Bosheit ihres Geistes in ihren Sünden, die gingen auch
alle herfür, ein jeder in seiner Kraft, und wurden aufgenommen in das Reich
der Finsternis. Und ein jeder ward angetan in der Kraft, darinnen er
gewachsen war, und ihr König heißt Luzifer, ein Verstoßener aus dem Licht. 83. Und die höllische Qualität brachte auch
Früchte herfür, wie sie auf Erden hatte getan; allein das Gute war von ihr
geschieden, darum brachte sie jetzt Früchte in ihrer eigenen Qualität. Und
die Menschen, welche jetzt auch den Geistern gleich waren, aßen ein jeglicher
von der Frucht seiner Qualität, sowohl auch der Teufel; denn gleichwie ein Unterschied
ist in den Menschen auf Erden in den Qualitäten und nicht alle einer Qualität
sind, also auch bei den verstoßenen Geistern, also auch in der himmlischen
Pomp, in Engeln und Menschen, und das währet in seine Ewigkeit. Amen. Günstiger Leser, dieses ist ein kurzer Bericht von
den zwei Qualitäten in der Natur, vom Anfang zum Ende, wie daraus zwei Reiche
entstanden sind, ein himmlisches und ein höllisches, und wie sie in dieser
Zeit gegeneinander wallen und streiten und wie es zukünftig mit ihnen ergehen
wird. 84. Nun habe ich aber diesem Buch den Namen
gegeben: Die Mutter oder Wurzel der Philosophia, Astrologia und Theologia.
Damit du aber wissest, wovon dies Buch handelt, so verstehe: Durch die Philosophia wird gehandelt von der
göttlichen Kraft, was Gott sei und wie im Wesen Gottes die Natur, Sterne und
Elementa beschaffen sind und woher alles Ding seinen Ursprung hat, wie Himmel
und Erden besdiaffen sind, auch Engel, Menschen und Teufel, dazu Himmel und
Hölle und alles, was kreaturlich ist; auch was da sind beide Qualitäten in
der Natur; aus rechtem Grunde in Erkenntnis des Geistes, im Trieb und Wallen
Gottes. 85. Durch die Astrologia wird gehandelt von den
Kräften der Natur, der Sterne und Elemente, wie daraus alle Kreaturen sind
herkommen und wie dieselben alles treiben, regieren und in allem wirken, und
wie Böses und Gutes durch sie gewirket wird in Menschen und Tieren,
daraus" herkommt, daß Böses und Gutes in dieser Welt herrschet und ist,
auch wie der Höllen und Himmel Reich darinnen bestehet. 86. Nicht ist das mein Fürnehmen, daß ich wollte
aller Sterne Lauf, Ort oder Namen beschreiben oder wie sie jährlich ihre
Conjunction oder Gegenschein oder Quadrat und dergleichen haben, was sie
jährlich und stündlich wirken.
88. Durch die Theologia wird gehandelt von dem
Reich Christi, wie dasselbe sei beschaffen, wie es der Höllen Reich sei
entgegengesetzt, auch wie es in der Natur mit der Höllen Reich kämpfet und
streitet und wie die Menschen durch den Glauben und Geist können der Höllen
Reich überwinden und triumphieren in göttlicher Kraft und die ewige Seligkeit
erlangen und als einen Sieg im Streit davonbringen. Auch wie sich der Mensch
durch die Wirkung der höllischen Qualität selbst in die Verderbung wirft und
endlich, wie es einen Ausgang mit beiden nehmen wird. 89. Der oberste Titul Morgenröte im Aufgang ist
ein Geheimnis, Mysterium, den Klugen und Weisen in dieser Welt verborgen,
welches sie selbst werden in kurzem müssen erfahren. Denen aber, so dieses
Buch in Einfalt lesen, mit Begierde des Hl. Geistes, die ihre Hofnung allein
in Gott stellen, wird es nicht ein Geheimnis sein, sondern eine öffentliche Erkenntnis.
90. Ich will diesen Titul nicht erklären, sondern
dem unparteiischen Leser, der da in dieser Welt in der guten Qualität ringet,
zu urteilen geben. 91. Wenn nun Meister Klügling, der da in der
grimmen Qualität qualifizieret, über dies Buch kommen wird, der wird
Widerpart halten, gleichwie das Himmel- und Höllenreich widereinander wallet
und ist. Erstlich wird er sagen, ich sei viel zu hoch in die Gottheit
gestiegen, mir gezieme solches nicht. Danach wird er sagen, ich rühme mich
des Hl. Geistes, ich müsse auch also leben und solches mit Wunderwerken
beweisen. Zum dritten wird er sagen, ich tue solches aus Begierde des Ruhms;
zum vierten wird er sagen, ich sei nicht gelehrt genug dazu. Zum fünften wird
ihn die große Einfalt des Autoris sehr ärgern, wie denn der Welt Brauch ist,
nur auf das Hohe zu sehen und sich an der Einfalt zu ärgern. 92. Denen parteiischen Klüglingen will ich
entgegensetzen: die Altväter in der ersten Welt, die waren auch nur geringe
verachtete Leute, wider welche die Welt und der Teufel wütete und tobete, als
zur Zeit Henoch, da die heiligen Väter haben erstlich gewaltig von des Herrn
Namen geprediget; die sind auch nicht mit dem Leibe in Himmel gestiegen und
haben alles mit Augen gesehen; allein der Hl. Geist hat sich in ihrem Geiste
offenbaret. Hernach sieht mans in der andern Welt auch bei denen heiligen
Altvätern, Patriarchen und Propheten, die waren allesamt nur einfältige Leute
und ein Teil nur Viehhirten. 93. Audi als Messias Christus, der Held im Streit,
in der Natur ein Mensch ward, ob er gleich ein Fürst und König der Menschen
war, so hielt er sich doch in dieser Welt in großer Einfalt und war nur der
Welt Hausgenoss; sowohl auch seine Apostel waren allesamt nur arme,
verachtete Fischerknechte und Leutlein. Ja, Christus selbst danket seinem
himmlischen Vater, daß ers den Klugen und Weisen in dieser Welt hatte
verborgen gehalten und den Unmündigen offenbaret (Matth 11,25). 94. Dazu sieht man, wie sie auch in gleicher Weise
sind arme Sünder gewesen und haben beide Triebe, bös und gut, in der Natur an
sich gehabt; daß sie aber gleich wider die Sünde der Welt, ja wider ihre
eigene Sünde haben geprediget und die gestraft, die haben sie durch den Trieb
des Hl. Geistes getan und nicht aus Ruhmsucht. Auch so haben sie aus eigenen
Kräften und Vermögen nichts gehabt oder in den Geheimnissen Gottes lehren
können, sondern es ist alles im Trieb Gottes geschehen. 95. Also auch kann ich von mir selbst nichts
sagen, rühmen oder sdireiben, als das, daß ich bin ein einfältiger Mann, dazu
ein armer Sünder und muß alle Tage bitten: Herr, vergib uns unser Schuld!
auch mit den Aposteln sagen: 0 Herr, du hast uns durch dein Blut erlöset (Kor
1,14). Ich bin auch nicht in Himmel gestiegen und habe alle Werke und
Geschöpfe Gottes gesehen, sondern derselbe Himmel ist in meinem Geiste
offenbarer, daß ich im Geist erkenne die Werke und Geschöpfe Gottes; auch so
ist der Wille dazu nicht mein natürlicher Wille, sondern es ist des Geistes
Trieb. Ich habe auch manchen Sturz des Teufe müssen hiermit erleiden. 96. Es ist aber der Geist des Menschen nicht
allein aus den Sternen und Elementen herkommen, sondern es ist auch ein Funke
aus dem Licht und Kraft Gottes darinnen verborgen. Es ist nicht ein leer Wort,
das in Genesis (1,21) stehet, Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, ja zum
Bilde Gottes schuf er ihn; denn es hat eben den Verstand, daß er aus dem
ganzen Wesen der Gottheit ist gemacht worden. 97. Der Leib ist aus den Elementen, darum muß er
auch elementische Speise haben. Die Seele hat ihren Ursprung nicht allein vom
Leibe. Und ob sie gleich in dem Leibe entstehet und ihr erster Anfang der
Leib ist, so hat sie doch ihren Quell auch von außen in sich durch die Luft;
auch so herrschet darinnen der Hl. Geist nach Art und Weise wie er alles
erfüllet und wie in Gott alles ist und Gott selber alles ist. 98. Darum, weil der Hl. Geist in der Seelen
kreatürlich ist als der Seelen Eigentum, so forschet sie bis in die Gottheit
auch in der Natur; denn sie hat aus dem Wesen der ganzen Gottheit ihren Quell
und Herkommen. Wenn sie vom Hl. Geiste angezündet wird, so siehet sie, was
Gott ihr Vater machet, gleichwie ein Sohn im Hause wohl siehet, was der Vater
machet. Sie ist ein Glied oder Kind in des himmlischen Vaters Hause. 99. Gleichwie das Auge des Menschen siehet bis in
das Gestirne, daraus es seinen anfänglichen Ursprung hat, also auch die Seele
siehet bis in das göttliche Wesen, darinnen sie lebet. 100. Weil aber die Seele auch aus der Natur ihren
Quell hat und in der Natur Böses und Gutes ist und sich der Mensch auch hat
durch die Sünde in die Grimmigkeit der Natur geworfen, daß also die Seele
täglich und stündlich mit Sünden befleckt wird, so ist ihre Erkenntnis nur
stückweise; denn die Grimmigkeit in der Natur herrschet nun auch in der
Seelen. 101. Der Hl. Geist aber gehet nicht in die
Grimmigkeit, sondern herrschet in dem Quell der Seelen, der in dem Licht
Gottes ist, und streitet wider die Grimmigkeit in der Seelen. 102. Darum kann die Seele zu keiner
vollkommenen Erkenntnis in diesem Leben kommen bis ans Ende, da sich Licht
und Finsternis scheidet, und wird die Grimmigkeit mit dem Leibe verzehret in
der Erden, dann siehet die Seele hell und vollkommlich in Gott ihren Vater.
Wenn aber die Seele vom Hl. Geist angezündet wird, so triumphieret sie in dem
Leibe, wie ein groß Feuer aufgehet, daß also Herz und Nieren für Freuden
zittern. Es ist aber nicht bald große und tiefe Erkenntnis da in Gott ihrem
Vater, sondern die Liebe gegen Gott ihren Vater triumphieret also in dem
Feuer des Hl. Geistes. 103. Die Erkenntnis Gottes aber wird in dem
Feuer des Hl. Geistes gesäet und ist erstlich klein wie ein Senfkorn, wie es
Christus vergleichet (Matth 13,31). Hernach so wächst sie groß wie ein Baum
und breitet sich aus in Gott ihrem Schöpfer, gleichwie ein Tröpflein Wassers
in dem großen Meer nicht kann sehr wallen, soll aber ein großer Strom darein
gehet, der kann etwas mehr tun. 104. Es ist aber das Geschehene,
Gegenwärtige und Zukünftige, sowohl die Weite, Tiefe und Höhe, nahe und weit
in Gott als ein Ding, eine Begreiflichkeit. Und die heilige Seele des
Mensdien sieht solches auch, aber in dieser Welt nur stückweise. Es entfällt
ihr auch oft, daß sie nichts siehet, denn der Teufel setzet ihr heftig zu in
dem grimmen Quell, der in der Seelen ist und verdeckt oft das edle
Senfkörnlein, darum muß der Mensch immer im Streit sein. 105. Auf eine solche Weise, in solcher
Erkenntnis des Geistes will ich in diesem Buch von Gott unserem Vater
schreiben, in dem alles ist und der selber alles ist, will ich handeln, wie
alles schiedlich und kreatürlich ist worden und wie sich alles treibet und
beweget in dem ganzen Baum des Lebens. 106. Allhie wirst du den rechten Grund der
Gottheit sehen und wie es ein Wesen gewesen ist vor den Zeiten der Welt, auch
wie die heiligen Engel sind erschaffen worden und woraus; auch von dem
schrecklichen Fall Luzifers samt seinen Legionen, auch wo aus Himmel, Erde,
Sternen und Elementa sind worden, sowohl in der Erden, Metallen und Steine
und alle Kreaturen; wie da sei die Geburt des Lebens und die Leiblichkeit
aller Dinge, auch was da sei der rechte Himmel, da Gott und seine Heiligen
inne wohnen, und was da sei der Zorn Gottes und das höllische Feuer und wie
alles anzündlich worden sei: in Summa, was oder wie da sei das Wesen aller
Wesen. 107. Die ersten sieben Kapitel handeln ganz
schlecht und begreiflich vom Wesen Gottes und Engeln mit Gleichnissen, damit
der Leser möchte von einer Stufe zur andern endlich in tiefen Sinn und rechten
Grund kommen. Im achten Kapitel fähet sich an die Tiefe im göttlichen Wesen,
und so fort je weiter je tiefer. Es wird manche Specie oft wiederholet und
immer tiefer beschrieben, um des Lesers, auch meiner selbst zähen
Begreiflichkeit willen. 108. Was du aber in diesem Buch nicht genug
erkläret findest, das wirst du im zweiten und dritten hell und klar finden;
denn von wegen unserer Verderbnis ist unsere Erkenntnis Stückwerk und nicht
auf einmal ganz vollkommen, wiewohl dieses Buch ein Wunder der Welt ist,
welches die heilige Seele wohl verstehen wird. 109. Hiemit tue ich den Leser in die sanfte
und heilige Liebe Gottes empfehlen. Das 1. Kapitel Von Erforschung des
göttlichen Wesens in der Natur- Von beiden Qualitäten Wiewohl Fleisch und Blut das
göttliche Wesen nicht ergreifen kann, sondern der Geist, wenn er von Gott
erleuchtet und angezündet wird, so man aber will von Gott reden, was Gott
sei, so muß man fleißig erwägen die Kräfte in der Natur, dazu die ganze Schöpfung,
Himmel und Erden, sowohl Sternen und Elementa und die Kreaturen, so aus
denselben sind herkommen, sowohl auch die heiligen Engel, Teufel und
Menschen, auch Himmel und Hölle. 2. In solcher Betrachtung findet man zwo
Qualitäten, eine gute und eine böse, die in dieser Welt in allen Kräften, in
Sternen und Elementen, sowohl in allen Kreaturen ineinander sind wie ein
Ding, und bestehet auch keine Kreatur im Fleische in dem natürlichen Leben,
sie habe denn beide Qualitäten an sich. 3. Allhier muß man nun betrachten, was das Wort
Qualität heißt oder ist. Qualität ist die Beweglichkeit, Quallen oder Treiben
eines Dinges, als da ist die Hitze, die brennet, verzehret und treibet alles,
das in sie kommt, das nicht ihrer Eigenschaft ist. Hinwiederum erleuchtet und
erwärmet sie alles, was da ist kalt, naß und finster und machet das Weiche
hart. Sie hat aber noch zwo Species in sich, als nämlich das Licht und die
Grimmigkeit, davon zu merken ist. 4. Das Licht oder das Herze der Hitze ist an ihm
selber ein lieblich, freudenreicher Anblick, eine Kraft des Lebens, eine
Erleuchtung und Anblick eines Dinges, das da ferne ist, und ist ein Stück
oder Quell der himmlischen Freudenreich. Denn es machet in dieser Welt alles
lebendig und beweglich, alles Fleisch, sowohl Bäume, Laub und Gras wächset in
dieser Welt in Kraft des Lichts und hat sein Leben darinnen als in dem Guten.
5. Hinwiederum hat sie in sich die Grimmigkeit,
daß sie brennet, verzehret und verderbet; dieselbe Grimmigkeit quellet,
treibet und erhebet sich in dem Licht und machet das Licht beweglich, ringet
und kämpfet miteinander in seinem zweifachen Quell als ein Ding. Es ist auch
ein Ding, aber es hat einen zweifachen Quell. 6. Das Licht bestehet in Gott ohne Hitze, aber in
der Natur bestehet es nicht; denn in der Natur sind alle Qualitäten
ineinander wie eine Qualität nach Art und Weise, wie Gott alles ist und wie
von ihm alles herkommt und ausgehet: Gott ist das Herze oder Quellbrunn der
Natur, aus ihm alles herrühret. 7. Nun herrschet die Hitze in allen Kräften in der
Natur und erwärmet alles und ist ein Quell in allem; sonst wo das nicht wäre,
so wäre das Wasser viel zu kalt und die Erde erstarrete, auch so wäre keine
Luft nicht. 8. Die Hitze herrschet in allem, in Bäumen, Kraut
und Gras. Darum heißt sie eine Qualität, daß sie in allem quillet und alles
erhebet. 9. Das Licht aber in der Hitze gibt allen Qualitäten die Kraft, daß alles lieblich und wonnereich wird. Die Hitze ohne das Licht ist den andern Qualitäten kein Nutz, sondern ist eine Verderbung des Guten, ein böser Quell; denn es verdirbet alles in der Hitze Grimmigkeit. Also ist das Licht in der Hitze ein lebendiger Quellbrunn, darein der Hl. Geist gehet, aber in die Grimmigkeit der Hitze nicht. Die Hitze aber macht das Licht beweglich, daß es quallet und treibet, als man siehet im Winter. Da ist das Licht der Sonnen gleichwohl auf Erden, aber der Sonnenhitze Strahlen kann den Erdboden nicht erreichen, darum wächset auch keine Frucht. Von der Kälte Qualifizierung
10. Die Kälte ist auch eine Qualität wie die
Hitze. Sie qualifiziert in allen Kreaturen, was aus der Natur worden ist, und
in allem, was sich darinnen beweget: in Menschen, Tieren, Vögeln, Fischen, Würmen,
Laub und Gras, und ist der Hitze entgegengesetzt und qualifizieret in
derselben, als wäre es ein Ding. Sie wehret aber der Hitze Grimmigkeit und
stillet die Hitze. 11. Sie hat aber auch zwo Species in sich, davon
zu merken ist, als nämlich daß sie die Hitze besänftiget und alles fein
lieblich machet, und ist in allen Kreaturen eine Qualität des Lebens; denn es
kann keine Kreatur außer der Kälte bestehen; denn sie ist eine quellende,
treibende Beweglichkeit in allen Dingen. 12. Die andere Species ist die Grimmigkeit; denn
so sie Gewalt kriegt, so druckt sie alles nieder und verderbet alles wie die
Hitze. Es kann kein Leben in ihr bestehen, so ihr die Hitze nicht wehret. Die
Grimmigkeit der Kälte ist eine Verderbung alles Lebens und ein Haus des Todes,
gleichwie der Hitze Grimmigkeit auch ist.
Von der Luft und des Wassers Qualifizierung
13. Die Luft hat ihren Ursprung von der Hitze und
Kälte; denn die Hitze und Kälte treiben gewaltig von sich und erfüllen alles;
davon wird eine lebende und webende Bewegung. Wenn aber die Kälte die Hitze
besänftiget, so wird beider Qualität dünne und die bittere Qualität zeucht es
zusammen, daß es tröpflich wird. Die Luft aber hat ihren Ursprung und größte
Bewegung aus der Hitze, und das Wasser von der Kälte. 14. Nun ringen die zwo Qualitäten stets
miteinander. Die Hitze verzehret das Wasser und die Kälte zwinget die Luft.
Nun ist aber die Luft eine Ursache und Geist alles Lebens und aller Bewegung
in dieser Welt, es sei gleich dem Fleische oder in allem dem, was aus der
Erden wächset, so hat es alles sein Leben von der Luft und kann nichts außer
der Luft bestehen, das in dieser Welt ist, das sich beweget. 15. Das Wasser quellet auch in allen lebendigen
und webenden Dingen in dieser Welt. In dem Wasser bestehet der Leib aller
Dinge und in der Luft der Geist, es sei gleich im Fleische oder in den
Gewächsen aus der Erden, und dieses beides kommt aus der Hitze und Kälte und
qualifizieret untereinander wie ein Ding. 16. Nun aber sind in diesen beiden Qualitäten auch
zwo sonderliche Species zu merken, als nämlich die lebendige und tödliche
Wirkung. Die Luft ist eine lebendige Qualität, so sie sänftig in einem Dinge
ist, und der Hl. Geist herrschet in der Sanftmut der Luft, und alle Kreaturen
sind fröhlich darinnen. Sie hat aber auch die Grimmigkeit in sich, daß sie
tötet und verderbet durch ihre grausame Erhebung. Die Qualifizierung nimmt
aber von der grimmen Erhebung ihren Ursprung, daß es in allem quellet und
treibet, davon das Leben Ursprung hat und stehet, darum muß es beides in
diesem Leben sein. 17. Das Wasser hat auch einen grimmen, tödlichen
Quell in sich, denn es tötet und verzehret; dazu muß alles Lebende und
Webende in dem Wasser verfaulen und verderben. 18. Also ist die Hitze und die Kälte eine Ursache
und Ursprung des Wassers und der Luft, darinnen alles wirket und stehet.
Alles Leben und Beweglichkeit stehet darinnen, davon ich von Erschöpfung der
Sternen klärlich schreiben will.
Von den Einflüssen der andern Qualitäten in die drei Elementa: Feuer, Luft und Wasser – Von der bittern Qualität 19. Die bittere Qualität ist das Herze in allem
Leben, gleichwie sie in der Luft das Wasser zusammenzeucht und auch
zertreibet, das es scheidlich wird, also auch in allen Kreaturen, sowohl auch
in Gewächsen der Erden; denn Laub und Gras hat seine grüne Farbe von der
bittern Qualität. So nun die bittere Qualität in einer Kreatur sänftig
wohnet, so ist sie ein Herze oder Freude in derselben; denn sie zerschneidet
alle anderen bösen Einflüsse und ist ein Anfang oder Ursache der Freuden oder
des Lachens. 20. Denn so sie beweget wird, machet sie eine
Kreatur zittern und freudenreich und erhebet dieselbe mit ganzem Leibe; denn
es ist gleich ein Anblick der himmlischen Freudenreich, eine Erhebung des
Geistes, ein Geist und Kraft in allen Gewächsen aus der Erden, eine Mutter
des Lebens. 21. Der Hl. Geist wallet und treibet mächtig in
dieser Qualität, denn sie ist ein Stück der himmlischen Freudenreich, wie ich
hernach beweisen will. Sie hat aber auch noch eine Species in sich, als
nämlich die Grimmigkeit, die ist ein wahrhaftig Haus des Todes, eine
Verderbung alles Guten, eine Verderbnis und Verzehrung des Lebens im
Fleische. Denn so sie sich in einer Kreatur zu sehr erhebet und entzündet
sich in der Hitze, so scheidet sie Fleisch und Geist und muß die Kreatur des
Todes sterben; denn sie quallet und zündet an das Element Feuer, darinnen
kann kein Fleisch bestehen in der großen Hitze und Bitterkeit. So sie sich
aber in dem Element Wasser entzündet und darinnen quellend wird, so bringt
sie das Fleisch in Siechtage und Krankheit und endlich in Tod. Von der süßen Qualität 22. Die süße Qualität ist der bittern
entgegengesetzet und ist eine holdselige liebliche Qualität, eine Erquickung
des Lebens, eine Sänftigung der Grimmigkeit; sie machet alles lieblich und
freundlich in allen Kreaturen. Die Gewächse aus der Erden machet sie wohlriechend
und schmeckend mit schönen gelben, weißen und rötlichen Farben. Sie ist ein
Anblick und Quell der Sanftmut, eine Wonne der himmlischen Freudenreich, ein
Haus des Hl. Geistes, eine Qualifizierung der Liebe und Barmherzigkeit, eine
Freude des Lebens. Hinwieder hat sie auch einen grimmen Quell des Todes und
des Verderbens in sich; denn so sie in der bittern Qualität entzündet wird in
dem Element Wasser, so gebäret sie Krankheit und aufgeschwollene Pestilenz
und Verderbung des Fleisches. So sie aber in der Hitze und Bitterkeit
entzündet wird, so infizieret sie das E1ement Luft, davon gebäret sich die
geschwinde, fliegende Pestilenz und jählinger Tod. Von der sauren Qualität 23. Die saure Qualität ist der bittern und süßen
entgegengesetzt und temperieret alles fein, eine Erquickung und Löschung, so
sich die bittere und süße Qualität zu sehr erhebet. Eine Begierde in dem
Geschmack, eine Lust des Lebens, eine quellende Freude in allen Dingen, eine
Begierde, Sehnen und Lust der Freudenreich, eine stille Wonne des Geistes,
solches temperiert sie in allen lebendigen und quellenden Dingen. Sie hat
aber auch in ihr einen Quell des Bösen und Verderbens; denn so sie sich zu
sehr erhebet oder in einem Dinge zu sehr quellet, daß sie sich entzündet, so
gebäret sie Traurigkeit, Melancholie, in dem Wasser einen Gestank, rührig und
brüchig, eine Vergessung alles Guten, eine Traurigkeit des Lebens, ein Haus
des Todes, ein Anfang der Traurigkeit und ein Ende der Freuden. Von der herben oder gesalzenen Qualität
24. Die gesalzene Qualität ist eine gute Temperanz
in der bittern, süßen und sauren und machet alles fein lieblich, wehret dem
Aufsteigen der bittern Qualität, sowohl auch der süßen und sauren, daß sie
sich nicht entzünden. Sie ist eine scharfe Qualität, eine Lust des
Geschmackes, ein Quell des Lebens und der Freuden. Hinwider hat sie auch in
ihr die Grimmigkeit und Verderben. Wenn sie in dem Feuer entzündet wird, so
gebäret sie eine harte, reißende, steinernde Art, eine grimmige Quall, eine
Verderbung des Lebens. Davon wächset in dem Fleische der Stein, davon das
Fleisch große Marter leidet. So sie aber in dem Wasser entzündet wird, so
gebäret sie in dem Fleische böse Rauden, Geschwüre, Franzosen, Krätze und
Aussatz und ein Trauerhaus des Todes, ein Elend und Vergessung alles Guten. Das 2. Kapitel Anleitung, wie man das göttliche
und natürliche Wesen betrachten soll Dieses alles, wie oben
erzählet, heißt darum Qualität, daß es alles in der Tiefe über der Erden, auf
der Erden und in der Erden ineinander qualifizieret wie ein Ding, und hat
doch mancherlei Kraft und Wirkung, aber nur eine Mutter, daraus alles Ding
herkommt und quillet. Und alle Kreaturen sind aus diesen Qualitäten gemacht
und herkommen und leben darinne als in ihrer Mutter. Auch so hat die Erde und
Steine daraus sein Herkommen und alles, was aus der Erden wächset, das lebet
und quillet aus der Kraft dieser Qualitäten. Das kann kein vernünftiger
Mensch verneinen. 2. Dieser zweifache Quell, bös und gut in allen
Dingen, rühret alles aus den Sternen her; denn wie die Kreaturen auf Erden
sind in ihrer Qualität, also auch die Sterne. Denn durch seinen zweifachen
Quell hat alles seine große Beweglichkeit, Laufen, Rennen, Quellen, Treiben
und Wachsen. 3. Denn die Sanftmut in der Natur ist eine stille
Ruhe, aber die Grimmigkeit in allen Kräften machet alles beweglich, laufend
und rennend, dazu gebärend. Denn die treibenden Qualitäten bringen Lust in
alle Kreaturen zum Bösen und zum Guten, daß sich alles untereinander
begehret, vermischet, zunimmt, abnimmt, schön wird, verdirbet, liebet,
feindet. 4. Es ist in allen Kreaturen in dieser Welt ein
guter und böser Wille und Quell, in Menschen, Tieren, Vögeln, Fischen,
Würmen, sowohl auch in allem dem, was da ist, in Gold, in Silber, Zinn,
Kupfer, Eisen, Stahl, Holz, Kraut, Laub und Gras, sowohl in der Erden, in
Steinen, im Wasser und in allem, was man forschen kann. 5. Es ist nichts in der Natur, da nicht Gutes und
Böses innen ist; es wallet und lebet alles in diesem zweifachen Trieb, es
sei, was es wolle, ausgenommen die heiligen Engel und die grimmigen Teufel
nicht, denn dieselben sind entschieden, und lebet, qualifizieret und
herrschet ein jeglicher in seiner eignen Qualität. Die heiligen Engel leben
und qualifizieren in dem Licht in der guten Qualität, darinnen der Hl. Geist
herrschet; die Teufel leben und herrschen in der grimmen Qualität, in der
Qualität des Grimmes und Zornes oder Verderbens. 6. Sie sind aber beides, böse und gute Engel aus
den Qualitäten der Natur gemacht worden, daraus alle Dinge worden sind;
allein die Quallfizierung ist in ihnen ungleich. 7. Die heiligen Engel leben in Kraft der Sanftmut
des Lichtes und der Freudenreich; und die Teufel leben in Kraft der
aufsteigenden oder erhebenden Quall der Grimmigkeit, Erschrecken und
Finsternis und können das Licht nicht ergreifen, darein sie sich denn selber
gestoßen haben durch ihre Erhebung, wie ich hernach von der Schöpfung
schreiben will. 8. So du aber nicht glauben willst, daß in dieser
Welt alles von den Sternen herrühre, so will ich dirs beweisen, so du aber
nicht ein Klotz bist und ein wenig Vernunft hast, so merke wie nachfolget: 9. Erstlich schaue an die Sonne, die ist das Herze
oder der König aller Sterne und gibt allen Sternen Licht vom Aufgang zum
Niedergang und erleuchtet alles und erwärmet alles, alles lebet und wächset
in ihrer Kraft, dazu so stehet die Freude aller Kreaturen in ihrer Kraft. 10. So nun dieselbe würde weggenommen, so würde es
ganz finster und kalt, auch so wüchse keine Frucht, auch so würde sich weder
Mensch noch Tier können mehren, denn die Hitze verlösche und der Same würde
in allen kalt und erstarret. Von der Sonnen Qualität 11. Willt du ein Philosophus und Naturkündiger
sein und Gottes Wesen in der Natur erforschen, wie dies alles beschaffen sei,
so bitte Gott um seinen Hl. Geist, daß er dich mit demselben wolle
erleuchten. 12. Denn in deinem Fleisch und Blute kannst du
solches nicht ergreifen, ob du es gleich siehest, so ists nur ein Dunst oder
Dünkel vor reinen Augen. Allein in dem Hl. Geiste, der in Gott ist und auch
in der ganzen Natur, daraus alle Dinge worden sind, kannst du forschen bis in
den ganzen Leib Gottes, welcher ist die Natur, sowohl auch bis in die heilige
Trinität; denn der Hl. Geist gehet von der heiligen Trinität aus und
herrschet in dem ganzen Leibe Gottes, das ist in der ganzen Natur. 13. Gleichwie der Geist eines Menschen in dem
ganzen Leibe, in allen Adern herrschet und erfüllet den ganzen Menschen, also
auch der Hl. Geist erfüllet die ganze Natur und ist das Herze der Natur und
herrschet in den guten Qualitäten in allen Dingen. So du nun denselben in dir
hast, daß derselbe deinen Geist erleuchtet und erfüllet, so wirst du
verstehen, was hie nachfolgend beschrieben ist; wo aber nicht, so wird dirs
gehen wie den weisen Heiden, die sich in der Schöpfung vergaffeten und
wolltens aus eigener Vernunft erforschen, und kamen in ihrem Dichten bis vor
Gottes Antlitz und konnten dasselbe doch nicht sehen und waren in der
Erkenntnis Gottes stockblind. Wie auch die Kinder Israel in der Wüste das
Angesicht Moses nicht konnten sehen, darum mußte er eine Decke vor sein
Angesicht machen, wenn er zu dem Volk trat. Das machte es, daß sie den
rechten Gott und seinen Willen nicht verstanden noch kannten, der doch unter
ihnen wandelte. Darum war die Decke ein Zeichen und Vorbild ihrer Blindheit
und Unverstandes. So wenig ein Werk kann seinen Meister ergreifen, so wenig
kann auch ein Mensch Gott, seinen Schöpfer, ergreifen und erkennen, es sei
denn, daß ihn der Hl. Geist erleuchte. Welches allein denen geschieht, die
sich auf sich selbst nicht vertrauen, sondern setzen ihre Hoffnung und Willen
allein in Gott und wallen in dem Hl. Geiste, die sind ein Geist mit Gott. 14. So man nun will die Sonne und Sterne recht
betrachten mit ihrem Corpus, Wirkungen und Qualitäten, so findet man recht
darinnen das göttliche Wesen, als das der Sterne Kräfte sind die Natur. 15. So man das ganze Curriculum oder den ganzen
Umzirk der Sterne betrachtet, so findet sichs bald, daß dasselbe sei die
Mutter aller Ding oder die Natur, daraus alle Dinge worden sind und darinnen
alle Dinge stehen und leben, und dadurch sich alles beweget, und alle Dinge
sind aus denselben Kräften gemacht und bleiben darinnen ewiglich. Und ob sie
gleich am Ende dieser Zeit werden verwandelt werden, indem sich das Gute und
Böse scheiden wird, so werden gleichwohl Engel und Menschen in der Kraft der
Natur, daraus sie ihren ersten Anfang haben genommen, in Gott ewiglich
bestehen. 16. Du mußt aber deinen Sinn allhie im Geist
erheben und betrachten, wie die ganze Natur mit allen Kräften, die in der
Natur sind, dazu die Weite, Tiefe, Höhe, Himmel, Erde und alles, was darinnen
ist und über dem Himmel, sei der Leib Gottes; und die Kräfte der Sterne sind
die Quelladern in dem natürlichen Leibe Gottes in dieser Welt. 17. Nicht mußt du denken, daß in dem Corpus der
Sterne sei die ganze triumphierende heilige Dreifaltigkeit, Gott, Vater, Sohn
und Hl. Geist, in welchen ist kein Böses, sondern ist der lichtheilige, ewige
Freudenquell, der unzertrennlich und unveränderlich ist, das keine Kreatur
genug ergreifen oder aussprechen kann, welcher wohnet und ist über dem Corpus
der Sterne in sich selbst; seine Tiefe kann keine Kreatur ermessen. 18. Aber nicht also zu verstehen, daß er gar nicht
sei in dem Corpus der Sterne und in dieser Welt; denn wenn man spricht: alles
oder von Ewigkeit zu Ewigkeit, oder alles in allem, so verstehe hiemit den
ganzen Gott. Nimm dir ein Gleichnis an einem Menschen, der ist gemacht nach
dem Bilde oder Gleichnis Gottes, wie in Mose geschrieben stehet Genesis 1,27.
19. Das Inwendige oder Hohle im Leibe eines
Menschen ist und bedeut die Tiefe zwischen Sternen und Erde. Der ganze Leib
mit allem bedeut Himmel und Erde. Das Fleisch bedeut die Erde und ist auch
von Erde. Das Blut bedeut das Wasser und ist auch vom Wasser. Der Odem bedeut
die Luft und ist auch die Luft. Die Blase, darinnen die Luft qualifiziertet
und die Wärme, Luft und Wasser qualifizieren auch in der Blasen wie in der
Tiefe über der Erden. Die Adern bedeuten die Kraftgänge der Sterne und sind
auch die Kraftgänge der Sterne; denn die Sterne mit ihrer Kraft herrschen in
den Adern und treiben den Menschen in ihre Gestalt. Das Eingeweide oder
Därmer bedeut der Sterne Wirkung oder Verzehrung. Alles was aus ihrer Kraft
worden ist, was sie selber gemacht haben, das verzehren sie selber wieder und
bleibet in ihrer Kraft, und die Därmer sind auch die Verzehrung alles des,
was der Mensch in seine Därmer schiebet, alles was aus der Sterne Kraft
gewachsen ist. 20. Das Herze im Menschen bedeut die Hitze oder
das Element Feuer und ist auch die Hitze; denn Hitze hat im Herzen seinen
Ursprung im ganzen Leibe. Die Blase bedeutet das Element Luft, und die Luft
herrschet auch darinnen. Die Leber bedeut das Element Wasser und ist auch das
Wasser; denn aus der Leber kommt das Blut in ganzen Leib und in alle Glieder;
die Leber ist des Blutes Mutter. 21. Die Lunge bedeut die Erde und ist auch
derselben Qualität. 22. Die Füße bedeuten nahe und weit; denn in Gott
ist nahe und weit ein Ding, und der Mensch kann durch die Füße nahe und weit
kommen, er sei, wo er wolle, so ist er in der Natur weder nahe noch weit,
denn es ist in Gott ein Ding. 23. Die Hände bedeuten die Allmacht Gottes; denn
gleichwie Gott in der Natur kann alles verändern und daraus machen, was er
will, also auch kann der Mensch mit seinen Händen alles das, was aus der
Natur gewachsen oder worden ist, verändern und aus demselben mit seinen
Händen machen, was er will. Er regieret mit den Händen der ganzen Natur Werk
und Wesen, und sie bedeuten recht die Allmacht Gottes. 24. Nun merke hie weiter: Der ganze Leib bis an
Hals bedeut und ist der runde Zirkel des Umganges der Sterne, sowohl auch die
Tiefe zwischen den Sternen, darinnen die Planeten und Elementa regieren. Das
Fleisch bedeut die Erde, die ist erstarret und hat keine Beweglichkeit; also
auch das Fleisch hat in sich selbst keine Vernunft, Begreiflichkeit oder
Beweglichkeit. Allein es wird von der Sternen Kraft, welche in dem Fleische
und Adern regieret, beweget. 25. Also auch die Erde brächte keine Frucht, auch
so wüchse darinnen kein Metall, weder Gold, Silber, Kupfer, Eisen noch Stein,
so die Sterne nicht darinnen wirketen. Es wüchse auch kein Gräselein daraus
ohne Wirkung der Sterne. Das Haupt bedeut den Himmel; dasselbe ist mit den
Adern und Kraftgängen an Leib gewachsen, und gehen alle Kräfte aus dem Haupt
und Hirn in Leib, in die Quelladern des Fleisches. 26. Nun aber ist der Himmel ein lieblicher Freudensaal,
darinnen alle Kräfte sind, wie in der ganzen Natur, in Sternen und Elementen,
aber nicht also hart, treibend und quallend. Denn jede Kraft des Himmels hat
nur eine Species oder Gestalt der Kraft, helle und ganz sänftig quellend,
nicht bös und gut miteinander, wie in den Sternen und Elementen, sondern
lauter und rein. Er ist aus dem Mittel des Wassers gemacht, aber nicht auf
eine solche Weise qualifizierend, wie das Wasser in den Elementen; denn die
Grimmigkeit ist nicht darinnen. 27. Aber nichts desto weniger gehöret der Himmel
zu der Natur; denn aus dem Himmel haben die Sterne und Elementa ihren
Ursprung und Kraft; denn der Himmel ist das Herze des Wassers. Gleichwie in
allen Kreaturen, sowohl in alledem, was da ist in dieser Welt, das Wasser sein
Herze ist, und bestehet nichts außer dem Wasser, es sei gleich im Fleische
oder außer dem Fleische, in Gewächsen der Erde oder in Metall und Steinen, so
ist in allen Dingen das Wasser der Kern und das Herze. 28. Also ist der Himmel das Herze in der Natur,
darinnen alle Kräfte sind wie in Sternen und Elementen, und ist eine weiche
und sanfte Materia aller Kräfte, gleichwie das Hirn im Haupt des Menschen. 29. Nun zündet der Himmel mit seiner Kraft die
Sternen und Elementa an, daß sie quallen und treiben; also auch ist das Haupt
des Menschen wie der Himmel. Gleichwie im Himmel alle Kräfte sänftig und
lieblich, dazu freudenreich sind und qualifizieren, also sind im Haupt oder
Hirn des Menschen alle Kräfte sänftig und freudenreich. Und gleichwie der Himmel
einen Schluß oder Festung hat über den Sternen, und gehen doch alle Kräfte
aus dem Himmel in die Sterne, also hat das Hirn einen Schluß oder Festung vor
dem Leibe, und gehen doch alle Kräfte aus dem Hirn in den Leib und in den
ganzen Menschen. 30. Das Haupt hat in sich die fünf Sinne, als
Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen; darinnen qualifizieren die
Sterne und Elementa und entstehet darinnen der siderische Sternen oder
Naturgeist in Menschen und Tieren. In diesen quillet Böses und Gutes, denn es
ist ein Haus der Sterne. Solche Kraft nehmen die Sterne von dem Himmel, daß
sie im Fleische können einen lebendigen und bewegenden Geist machen in
Menschen und Tieren. Die Bewegung des Himmels macht die Sterne beweglich;
also macht das Haupt den Leib beweglich. 31. Allhier tue nun die Augen deines Geistes auf
und schaue deinen Schöpfer. Allhier ist nun die Frage, woher denn der Himmel
solche Kraft hat oder nimmt, daß er solche Beweglichkeit in der Natur machet?
32. Hie mußt du nun sehen über und außer die Natur
in die licht-heilige, triumphierende, göttliche Kraft, in die unveränderliche
Hl. Dreifaltigkeit, die ist ein triumphierend, quallend, beweglich Wesen, und
sind alle Kräfte darinnen wie in der Natur. Denn das ist die ewige Mutter der
Natur, davon Himmel, Erden, Sternen, Elementa, Engel, Teufel, Menschen, Tiere
und alles worden ist und darinnen alles stehet. 33. So man nennet Himmel und Erden, Sternen und
Elementa und alles, was darinnen ist, und alles, was über allen Himmeln ist,
so nennet man hiemit den ganzen Gott, der sich in diesem oberzählten Wesen in
seiner Kraft, die von ihm ausgehet, also kreatürlich gemacht hat. 34. Gott aber in seiner Dreifaltigkeit ist
unveränderlich, sondern alles, was da ist im Himmel und auf Erden und über
der Erde, das hat seinen Quell und Ursprung von der Kraft, die von Gott
ausgehet. 35. Nicht mußt du denken, daß darum in Gott Böses
und Gutes quälle oder sei, sondern Gott ist selber das Gute und hat auch den
Namen von dem Guten, die triumphierende ewige Freude. Allein alle Kräfte
gehen aus ihm aus, die du in der Natur erforschen kannst und die in allen
Dingen sind. 36. Nun möchtest du sagen: Es ist ja Böses und
Gutes in der Natur; weil denn alles Ding von Gott kommt, so muß ja das Böse
auch von Gott kommen. 37. Siehe, ein Mensch hat in sich eine Galle, das
ist Gift, und kann ohne Galle nicht leben; denn die Galle machet die
siderischen Geister beweglich, freudenreich, triumphierend oder lachend, denn
sie ist ein Quell der Freuden. So sie sich aber in einem Element entzündet,
so verderbet sie den ganzen Menschen, denn der Zorn in den siderischen
Geistern kommt von der Galle. 38. Das ist: wenn sich die Galle erhebet und zu
dem Herzen läufet, so zündet sie das Element Feuer an, und das Feuer zündet
die siderischen Geister an, welche im Geblüte in Adern in dem Element Wasres
regieren; denn zittert der ganze Leib für Zorn und Gift der Gallen. Eben
einen solchen Quell hat auch die Freude, und auch aus dieser Substanz wie der
Zorn. Das ist: wenn sich die Galle in der liebhabenden oder süßen Qualität
entzündet, in dem, was dem Menschen lieb ist, so zittert der ganze Leib für
Freuden, in welchem manchmal die siderischen Geister auch angestecket werden,
wenn sich die Galle zu sehr erhebet und in der süßen Qualität entzündet. 39. Aber eine solche Substanz hats in Gott nicht,
denn er hat nicht Fleisch und Blut, sondern er ist ein Geist, in dem alle
Kräfte sind (Joh 4,24), wie wir im Vaterunser beten: Dein ist die Kraft
(Matth 6,13). Und wie Esaias von ihm schreibet: Er ist Wunderbar, Rat, Kraft,
Held, ewig Vater, Friedefürst (Jes 9,6). 40. Die bittere Qualität ist auch in Gott, aber
nicht auf Art und Weise wie im Menschen die Galle, sondern ist eine ewig
währende Kraft, ein erheblicher, triumphierender Freudenquell. 41. Und obgleich in Mose geschrieben stehet (Ex
20,5; Deut 4,24): Ich bin ein zorniger, eiferiger Gott, – so hat es darum
nicht die Meinung, daß sich Gott in sich selbst erzürne oder daß ein
Zornfeuer in der Hl. Dreifaltigkeit aufgehe. Nein, das kann nicht sein; denn
es stehet: über die, so mich hassen; in derselben Kreatur gehet das Zornfeuer
auf. 42. So sich aber Gott in sich selbst sollte
erzürnen, so würde die ganze Natur brennen, welches einmal am jüngsten Tage
in der Natur und nicht in Gott geschehen wird. In Gott aber wird die
triumphierende Freude brennen, wie es denn von Ewigkeit nicht anders gewesen
ist, auch nicht anders werden wird. 43. Nun macht aber die erhebende, quellende,
triumphierende Freude in Gott den Himmel triumphierend und beweglich, und die
Sterne und Elementa machen die Kreaturen beweglich. 44. Aus den Kräften Gottes ist worden der Himmel;
aus dem Himmel sind worden die Sterne; aus den Sternen sind worden die
Elementa; aus den Elementen ist worden die Erde und die Kreaturen. Also hat
alles seinen Anfang bis auf die Engel und Teufel, die sind vor der Schöpfung
Himmels und der Sterne und Erden aus derselben Kraft worden, daraus Himmel
und Sterne und Erde worden ist. 45. Dieses ist also ein kurzer Eingang oder Anleitung,
wie man das göttliche und natürliche Wesen betrachten soll. Hinfürder will
ich nun den rechten Grund und Tiefe beschreiben, was Gott sei und wie im
Wesen Gottes alles beschaffen ist. 46. Dieses ist zwar von der Welt her ein Teil
verborgen blieben und hat es der Mensch mit seiner Vernunft nicht können
fassen. Weil sich aber Gott in der Einfalt in dieser letzten Zeit will
offenbaren, lasse ich seinen Trieb und Willen walten; ich bin nur ein
Fünklein. Amen. Das 3. Kapitel Von der hochgebenedeiten
triumphierenden heiligen, heiligen, heiligen Dreifaltigkeit, Gott Vater,
Sohn, Heiliger Geist, einiger Gott Günstiger Leser, allhie will
ich dich treulich vermahnet haben, daß du deinen Dünkel fahren lassest und
dich nicht nach heidnischer Weisheit vergaffest, dich auch an der Einfalt des
Autoris nicht ärgerst; denn das Werk ist nicht seiner Vernunft, sondern des
Geistes Trieb. Schaue du nur, daß du den Hl. Geist, der von Gott ausgehet, in
deinem Geiste habest, der wird dich in alle Wahrheit leiten und sich dir
offenbaren. Alsdann wirst du in seinem Lichte und Kraft wohl sehen bis in die
Hl. Dreifaltigkeit und verstehen, was hienach geschrieben ist.
2. Als unser Heiland Jesus Christus seine Jünger
lehrete beten, so sprach er, wenn ihr wollet beten, so sprecht: Unser Vater,
der du bist im Himmel (Matth 6,9). Dieses hat nicht den Verstand, daß der
Himmel könnte den Vater begreifen oder umfassen, denn er ist selber aus der
göttlichen Kraft gemacht. 3. Denn Christus spricht: Mein Vater ist größer
denn alles (Joh 10,29) und im Propheten spricht Gott: Der Himmel ist mein
Stuhl und die Erde ist mein Fußschemel (Jes 66,1). Items: Was wollt ihr mir
für ein Haus bauen? Ich umfasse den Himmel mit einer Spanne und den
Erdenboden mit einem Dreilinge (Jes 40,12). Item: In Jakob will ich wohnen
und Israel soll meine Hütte sein (Ps 135,4; Sir 24,13). 4. Daß aber Christus seinen Vater einen
himmlischen Vater nennet, damit meinet er, daß seines Vaters Glanz und Kraft
ganz lauter, hell und rein im Himmel erscheine und daß über dem Zirk oder
Schluß, den wir da mit unsern Augen sehen, das wir Himmel heißen, erscheine
die ganze triumphierende Hl. Dreifaltigkeit, Vater, Sohn, Hl. Geist. 5. Auch so unterscheidet Christus hiemit seinen
himmlischen Vater von dem Vater der Natur, welcher ist die Sterne und
Elementa. Dieselben sind unser natürlicher Vater, daraus wir gemacht sind und
in dessen Trieb wir allhie in dieser Welt leben und von welchem wir unsere
Speise und Nahrung nehmen. 6. Er ist aber darum unser himmlischer Vater, daß
unsere Seele sich stets nach ihm sehnet und ihn begehret. Ja, sie dürstet und
hungert stets nach ihm. Der Leib hungert und dürstet nach dem Vater der
Natur, welches sind die Sterne und Elementa, und derselbe Vater speiset und
tränket ihn auch. Die Seele aber dürstet und hungert stets nach dem
himmlischen heiligen Vater, und er speiset und tränket sie auch mit seinem
Hl. Geist und Freudenquell. – Nun aber haben wir nicht zwei Väter, sondern
nur einen: der Himmel ist aus seiner Kraft gemacht und die Sterne aus seiner
Weisheit, die in ihm ist, die von ihm ausgehet. Von der Substanz und
Eigenschaft des Vaters
9. Es hat aber ein jeder Stern am Himmel eine
andere Kraft und Qualität als der andere, welche auch machen so vielerlei
Unterschied in und unter den Kreaturen auf Erden in dem ganzen Geschöpfe. Nun
aber herrühren alle Kräfte, die in der Natur sind, aus Gott, dem Vater, alles
Licht, Hitze, Kälte, Luft, Wasser und alle Kräfte der Erden, bitter, sauer,
süß, herbe, hart, weit und das man nicht erzählen kann, das hat alles seinen
Ausgang vom Vater. 10. Wenn man aber den Vater mit etwas vergleichen will, so muß man ihn der runden Kugel des Himmels vergleichen. Nicht mußt du denken, daß jede Kraft, die in dem Vater ist, an einem besondern Teil und Orte in dem Vater stehe wie die Sterne am Himmel; nein, sondern der Geist zeiget, daß alle Kräfte in dem Vater ineinander sind wie eine Kraft, wie man dessen ein Bild hat im Propheten Hesekiel Kap. 1,15, der sieht den Herrn im Geist und Vorbild gleich einem Rade, da vier Räder ineinander sind und waren alle viere eines wie das ander, und wenn sie gingen, so gingen sie schlechts für sich, auf welche Seite der Wind ging, da gingen sie alle viere für sich und durfte keines keiner Umwendung. Also ist auch Gott der Vater, es sind alle Kräfte in dem Vater ineinander wie eine Kraft, und alle Kräfte bestehen in dem Vater in einem unerforschlichen Licht und Klarheit. 11. Nicht mußt du denken,
daß Gott im Himmel und über dem Himmel etwa stehe und walle wie eine Kraft
und Qualität, die keine Vernunft und Wissenschaft in sich habe, wie die
Sonne. Die lauft an ihrem Zirk herum und schüttet von sich die Hitze und das
Licht, es bringe gleich der Erde und den Kreaturen Schaden oder Frommen,
welches denn freilich geschähe, so die andern Planeten und Sterne nicht
wehreten. Nein, so ist der Vater nicht, sondern ist ein allmächtiger,
allweiser, allwissender, allsehender, allhörender, allriechender,
allfühlender, allschmeckender Gott, der da ist in sich sänftig, freundlich,
lieblich, barmherzig und freudenreich, ja die Freude selber. 12. Er ist aber von Ewigkeit zu Ewigkeit also
unveränderlich. Er hat sich in seinem Wesen noch nie verändert, wird sich
auch in alle Ewigkeit nicht verändern. Er ist von nichts herkommen oder
geboren, sondern ist selber alles in Ewigkeit, und alles, was da ist, das ist
von seiner Kraft worden, die von ihm ausgehet. Die Natur und alle Kreaturen
sind aus seiner Kraft worden, die von ihm ist von Ewigkeit ausgangen. Seine
Weite, Höhe und Tiefe kann keine Kreatur, auch kein Engel im Himmel
erforschen, sondern die Engel leben in des Vaters Kraft ganz sänftig und
freudenreich, und singen immer in des Vaters Kraft.
Von Gott dem Sohne
14. Der Vater ist alles und alle Kraft bestehet in
dem Vater. Er ist der Anfang und das Ende aller Dinge, und außer ihm ist
nichts; und alles, was da worden ist, das ist aus dem Vater worden. Denn vor
Anfang der Schöpfung der Kreaturen war nichts als nur allein Gott, und wo nun
nichts ist, daraus wird nichts. Alles Ding muß eine Ursache oder Wurzel
haben, sonst wird nichts. Nun aber mußt du nicht denken, daß der Sohn ein
ander Gott sei als der Vater. Du darfst auch nicht denken, daß der Sohn außer
dem Vater sei und sei ein besonder Teil, als wenn zwei Männer nebeneinander
stehen, da einer den andern nicht begreift. Nein eine solche Substanz hat es
nicht mit dem Vater und Sohne, denn der Vater ist nicht ein Bild, mit etwas
zu vergleichen, sondern der Vater ist der Brunnquell aller Kräfte, und sind
alle Kräfte ineinander wie eine Kraft. Darum heißt er auch ein einiger Gott,
sonst wo seine Kräfte zertrennt wären, so wäre er nicht allmächtig. Nun aber
ist er der selbständige, allmächtige und allkräftige Gott. 15. Der Sohn aber ist das Herze in dem Vater. Alle
Kräfte, die in dem Vater sind, die sind des Vaters Eigentum, und der Sohn ist
das Herze oder der Kern in allen Kräften in dem ganzen Vater. Er ist aber die
Ursache der quellenden Freuden in allen Kräften in dem ganzen Vater. Von dem
Sohn, der da ist des Vaters Herze in allen seinen Kräften, steiget auf die
ewige himmlische Freude und quillet in allen Kräften des Vaters. Eine solche
Freude, die kein Auge gesehen und kein Ohr gehöret hat und in keines Menschen
Herze nie gestiegen ist, wie St. Paulus saget 1.Kor 2,9. 16. So aber ein Mensch allhie auf Erden mit dem
Hl. Geist erleuchtet wird aus dem Brunnquell Jesu Christi, daß die Geister
der Natur, welche bedeuten den Vater, angezündet werden, so gehet eine solche
Freude in seinem Herzen auf in alle Adern, daß der ganze Leib zittert und der
animalische Geist triumphieret, als wäre er in der Hl. Trinität, welches
allein die verstehen, die an dem Orte sind zu Gaste gewesen. 17. Dieses aber ist nur ein Vorbild oder Anblick
des Sohns Gottes in dem Menschen, dadurch der Glaube gestärkt und erhalten
wird; denn die Freude kann in einem irdischen Gefäße nicht also groß sein als
in einem himmlischen, da die vollkommene Kraft Gottes völlig ist. 18. Hie muß ich nun im Gleichnis schreiben.
Allhier will ich dir ein Gleichnis in der Natur zeigen, wie da sei das hl.
Wesen in der hl. Trinität: Schaue an den Himmel, der ist eine runde Kugel und
hat weder Anfang noch Ende, sondern es ist überall der Anfang und das Ende,
wo du ihn nur ansiehest. Also ist auch Gott in und über dem Himmel, der hat
weder Anfang noch Ende. Nun siehe weiter an der Sterne Zirk, die bedeuten des
Vaters mancherlei Kraft und Weisheit, und sie sind auch aus des Vaters Kraft
und Weisheit gemacht worden. Nun der Himmel, die Sterne und die ganze Tiefe
zwischen den Sternen samt der Erden bedeuten den Vater; und die sieben
Planeten bedeuten die sieben Geister Gottes oder die Fürsten der Engel, unter
welchen Herr Luzifer auch einer gewesen ist vor seinem Fall, welche alle aus
dem Vater gemacht sind im Anfang der Schöpfung der Engel vor der Zeit der
Welt. 19. Nun merke: Die Sonne
gehet mitten in der Tiefe zwischen den Sternen in dem runden Zirk, und sie
ist das Heer der Sterne und gibt allen Sternen Licht und Kraft, und temperieret
aller Sterne Kraft, daß alles fein lieblich und freudenreich wird. Auch so
erleuchtet sie den Himmel, die Sterne und die Tiefe über der Erde, und wirket
in allen Dingen, was in dieser Welt ist, und ist der König und das Herze
aller Dinge in dieser Welt, und die bedeutet recht Gott den Sohn. 20. Denn gleichwie die Sonne mitten zwischen den
Sternen und Erden stehet und erleuchtet alle Kräfte und ist das Licht und
Herze aller Kräfte, und alle Freude in dieser Welt, dazu alle Schönheit und Lieblichkeit
stehet in der Sonne Licht und Kraft, also auch der Sohn Gottes in dem Vater,
der ist das Herze in dem Vater und leuchtet in allen Kräften des Vaters, und
seine Kraft ist die bewegliche, quellende Freude in allen Kräften des Vaters,
und leuchtet in dem ganzen Vater, gleichwie die Sonne in der ganzen Welt. So
man könnte die Erde wegnehmen, welche bedeutet das Haus der Trübsal oder der
Hölle, so wäre die ganze Tiefe gar licht an einem Ort wie am andern. Also ist
auch die ganze Tiefe im Vater gar licht an einem Orte wie am andern, von dem
Glanze des Sohns Gottes. Und gleichwie die Sonne ist eine selbständige
Kreatur, Kraft oder Licht, die nicht aus allen Kreaturen scheinet, sondern in
alle Kreaturen, und alle Kreaturen freuen sich in ihrer Kraft, also ist auch
der Sohn in dem Vater eine selbständige Person und erleuchtet alle Kraft in
dem Vater und ist des Vaters Freude oder Herze in seinem Centro oder Mitten. 21. Hie merke die große Geheimnis Gottes: Die
Sonne ist aus allen Sternen geboren oder gemacht, und ist das Licht aus der
ganzen Natur genommen und scheinet wieder in die ganze Natur dieser Welt und
ist mit den andern Sternen verbunden, als wäre sie mit allen Sternen ein
Stern. 22. Also ist auch der Sohn Gottes aus allen
Kräften seines Vaters von Ewigkeit immer geboren und nicht gemacht, und ist
das Herze und Glanz aus allen Kräften seines himmlischen Vaters, eine
selbständige Person, das Zentrum oder in der Tiefe das Corpus des Glanzes.
Denn des Vaters Kraft gebäret den Sohn von Ewigkeit immerdar. So nun der
Vater würde aufhören zu gebären, so wäre der Sohn nicht mehr, und so der Sohn
nicht mehr in dem Vater leuchtete, so wäre der Vater ein finster Tal; denn
des Vaters Kraft stiege nicht auf von Ewigkeit zu Ewigkeit, und könnte das
göttliche Wesen nicht bestehen. 23. Also ist der Vater das selbständige Wesen aller Kräfte, und der Sohn ist das Herze in dem Vater, das aus allen Kräften des Vaters immer geboren wird, und der des Vaters Kräfte wieder erleuchtet. Nicht mußt du denken, daß der Sohn in dem Vater vermischt sei, daß man seine Person nicht sehe oder erkenne; nein, wenn das wäre, so wäre es nur eine Person. So wenig als die Sonne aus den andern Sternen scheinet, und ob sie gleich aus andern Sternen ihren Ursprung hat, so wenig scheinet auch der Sohn aus den Kräften des Vaters, was sein Corpus anlanget. Und ob er gleich aus den Kräften des Vaters immer geboren wird, so scheinet er doch wieder in die Kräfte des Vaters; denn er ist eine andere Person als der Vater, aber nicht ein anderer Gott. Er ist ewig in dem Vater, und der Vater gebäret ihn von Ewigkeit zu Ewigkeit immerdar, und ist der Vater und der Sohn ein Gott, gleiches Wesens in Kraft und Allmacht. Der Sohn siehet, hört, schmecket, fühlet, reucht und begreift alles wie der Vater. In seiner Kraft lebet und ist alles, was da gut ist, wie in dem Vater; aber das Böse ist nicht in ihm. Von Gott dem Hl. Geist 24. Gott, der Hl. Geist, ist die dritte Person in der
triumphierenden hl. Gottheit, und gehet vom Vater und Sohne aus der heilige
wallende Freudenquell in dem ganzen Vater, ein lieblich, sanftes und stilles
Sausen, aus allen Kräften des Vaters und des Sohnes, wie beim Propheten Elia
am Berge Horeb (1.Kön 19,12) und am Pfingsttage bei den Aposteln Christi zu
sehen ist (Apg 2,2). 25. So man aber seine Person, Substanz und
Eigenschaft aus rechtem Grund beschreiben will, so muß mans auch im Gleichnis
vorbilden; denn den Geist kann man nicht schreiben, dieweil er keine Kreatur
ist, sondern die wallende Kraft Gottes. 26. Nun siehe aber einmal die Sonne und Sterne an,
die manchund vielerlei Sterne, die unaussprechlich oder unzählig sind, die
bedeuten den Vater. Aus denselben Sternen ist worden die Sonne, denn Gott hat
sie daraus gemacht, die bedeutet den Sohn Gottes. Nun sind von der Sonne und
Sternen worden die vier Elementa, Feuer, Luft, Wasser, Erde, wie ich hernach
klar beweisen will, wenn ich von der Schöpfung schreiben werde. 27. Nun merke: Die drei Elementa, Feuer, Luft und
Wasser, die haben dreierlei Bewegung oder Qualifizierung, aber nur ein
Corpus. Siehe, das Feuer oder Hitze empöret sich aus der Sonne und Sternen,
und aus der Hitze empöret sich die Luft und aus der Luft das Wasser. Und in
dieser Bewegung oder Qualifizierung stehet aller Kreaturen Leben und Geist,
auch alles, was in dieser Welt genannt mag werden, das bedeutet den Hl.
Geist. 28. Gleichwie die drei Elementa Feuer, Luft und
Wasser von der Sonne und Sternen ausgehen und sind ein Corpus ineinander und
machen die lebendige Bewegung und den Geist aller Kreaturen in dieser Welt,
also auch gehet der Hl. Geist vom Vater und Sohne aus, und machet die
lebendige Bewegung in allen Kräften des Vaters. Und gleichwie die drei
Elementa in der Tiefe wallen als ein selbständiger Geist, und machen Hitze,
Kälte, Wolken und fließen aus aller Sterne Kraft, und alle Kräfte der Sonne
und Sterne sind in drei Elementen, als wären sie selber die Sonne und Sterne,
daraus denn aller Kreaturen Leben und Geist wird und darinnen bestehet, also
gehet der Hl. Geist aus vom Vater und Sohne und wallet in dem ganzen Vater,
und ist aller Kräfte Leben und Geist in dem ganzen Vater. 29. Hie merke die tiefe Geheimnis: Alle Sterne,
die man siehet und nicht siehet, die bedeuten die Kraft Gottes des Vaters;
nun aus denselben Sternen ist geboren die Sonne, die ist das Herze aller
Sterne. Nun gehet aus allen Sternen aus die Kraft, die in jedem Sterne ist,
in die Tiefe. Nun gehet der Sonne Kraft, Hitze und Schein auch in die Tiefe,
und in der Tiefe ist aller Sterne Kraft mit der Sonne Schein und Hitze ein
Ding, eine bewegende Wallung, gleich eines Geistes oder einer Materia, allein
daß es nicht Vernunft hat, denn es ist nicht der Hl. Geist. Auch so gehöret
das vierte Element auch zu einem natürlichen Geiste, soll er aber Vernunft
haben. Also gehet aus Gott dem Vater aus aus allen seinen Kräften und
gebietet den Glanz, das Herze oder den Sohn Gottes in seinem Centro. Den
vergleicht man der runden Kugel der Sonne, der leuchtet über sich, unter sich
und neben sich, und gehet der Glanz samt allen Kräften aus dem Sohne Gottes
in den ganzen Vater. 30. Nun ist in der ganzen Tiefe des Vaters außer
dem Sohne nichts denn die vielerlei und unermeßliche oder unerforschliche
Kraft des Vaters. Und die unerforschliche Kraft und Licht des Sohnes, das ist
in der Tiefe des Vaters ein lebendiger, allkräftiger, allwissender,
anhörender, allsehender, allriechender, allschmeckender, allfühlender Geist,
in dem alle Kraft und Glanz und Weisheit ist wie in dem Vater und Sohne. 31. Gleichwie in den vier Elementen ist der Sonne
und aller Sterne Kraft und Glanz, also auch in der ganzen Tiefe des Vaters,
und das ist und heißt recht der Hl. Geist, der die dritte selbständige Person
ist in der Gottheit. Von der heiligen
Dreifaltigkeit 32. Wenn man nun redet oder schreibet von drei
Personen in der Gottheit, so darfst du nicht denken, daß darum drei Götter
sind, da ein jeder für sich herrschet und regieret gleich den irdischen
Königen auf Erden. Nein, eine solche Substanz und Wesen hat es nicht in Gott;
denn das göttliche Wesen stehet in Kraft und nicht im Leibe oder Fleische. 33. Der Vater ist die ganze göttliche Kraft,
daraus alle Kreaturen worden sind, und ist von Ewigkeit immer gewesen. Er hat
keinen Anfang noch Ende. Der Sohn ist in dem Vater des Vaters Herze oder
Licht, und der Vater gebäret den Sohn von Ewigkeit zu Ewigkeit immerdar, und
des Sohns Kraft und Glanz leuchtet wieder in dem ganzen Vater, gleichwie die
Sonne in der ganzen Welt. 34. Und ist der Sohn eine andere Person als der
Vater, aber nicht außer dem Vater, und auch kein ander Gott als der Vater.
Seine Kraft, Glanz und Allmacht ist nichts kleiner als der ganze Vater. 35. Der Hl. Geist gehet vom Vater und Sohne aus
und ist die dritte selbständige Person in der Gottheit. Gleichwie die
Elementa in dieser Welt von der Sonne und Sternen ausgehen und sind der
bewegliche Geist in allen Dingen in dieser Welt, also auch ist der Hl. Geist
der bewegliche Geist in dem ganzen Vater und gehet von Ewigkeit zu Ewigkeit
immer von dem Vater und Sohne aus und erfüllet den ganzen Vater. Er ist
nichts kleiner oder größer als der Vater und Sohn. Seine webende Kraft ist in
dem ganzen Vater. 36. Alles Ding in dieser Welt ist nach dem
Gleichnis dieser Dreiheit worden. Ihr blinden Juden, Türken und Heiden, tut
die Augen eures Gemütes auf, ich muß euch an eurem Leibe und allen
natürlichen Dingen zeigen, an Menschen, Tieren, Vögeln und Würmen, sowohl an
Holz, Steinen, Kraut, Laub und Gras, das Gleichnis der Hl. Dreiheit in Gott. 37. Ihr saget, es sei ein einig Wesen in Gott;
Gott habe keinen Sohn. Nun tue die Augen auf und siehe dich selber an: Ein
Mensch ist nach dem Gleichnis und aus der Kraft Gottes in seiner Dreiheit
gemacht. Schaue deinen inwendigen Menschen an, so wirst du das hell und rein
sehen, so du nicht ein Narr und unvernünftig Tier bist. So merke: In deinem
Herzen, Adern und Hirne hast du deinen Geist. Alle die Kraft, die sich in
deinem Herzen, Adern und Hirne beweget, darinne dein Leben stehet, bedeutet
Gott den Vater. Aus derselben Kraft empöret sich dein Licht, daß du in
derselben Kraft siehest, verstehest und weißt, was du tun sollst; denn
dasselbe Licht schimmert in deinem ganzen Leibe und beweget sich der ganze
Leib in Kraft und Erkenntnis des Lichtes, das bedeutet Gott, den Sohn. Denn
gleichwie der Vater den Sohn aus seiner Kraft gebäret und der Sohn leuchtet
in dem ganzen Vater, also auch gebäret die Kraft deines Herzens, deiner Adern
und deines Hirnes ein Licht, das leuchtet in allen deinen Kräften, in deinem
ganzen Leibe. Tue die Augen deines Gemütes auf und denke ihm nach, so wirst
du es also finden. 38. Nun merke: Gleichwie vom Vater und Sohn
ausgehet der Hl. Geist und ist eine selbständige Person in der Gottheit, und
wallet in dem ganzen Vater, also gehet auch aus den Kräften deines Herzens,
Adern und Hirn aus die Kraft, die in deinem ganzen Leibe wallet, und aus
deinem Lichte gehet aus in dieselbe Kraft, Vernunft, Verstand, Kunst und
Weisheit, den ganzen Leib zu regieren und auch alles, was außer dem Leibe
ist, zu unterscheiden. Und dieses beides ist in deinem Regiment des Gemütes
ein Ding, dein Geist, und das bedeutet Gott, den Hl. Geist. Und der Hl. Geist
aus Gott herrschet auch in diesem Geiste in dir, bist du aber ein Kind des
Lichts und nicht der Finsternis. 39. Denn von wegen dieses Lichts, Verstandes und
Regiments ist der Mensch unterschieden von den Tieren, und ein Engel Gottes,
wie ich klar beweisen will, wenn ich von Erschaffung des Menschen schreiben
werde. 40. Darum merke eigen und habe acht auf die
Ordnung dieses Buches; du wirst finden, was dein Herze begehret oder immer
lüstert. 41. Also findest du in einem Menschen drei
Quellbrunnen: erstlich die Kraft in deinem ganzen Gemüte, das bedeutet Gott
den Vater; danach das Licht in deinem ganzen Gemüte, das erleuchtet das ganze
Gemüte, das bedeutet Gott den Sohn. 42. Danach so gehet aus allen deinen Kräften und
auch aus deinem Lichte ein Geist aus, der ist verständig; denn alle Adern
samt dem Lichte in dir, sowohl Herz und Hirn und alles, was in dir ist, das
macht denselben Geist, und das ist deine Seele und bedeutet recht den Hl.
Geist, der vom Vater und Sohne ausgehet und regieret in dem ganzen Vater;
denn die Seele des Menschen regieret im ganzen Leibe. 43. Der Leib aber oder das tierische Fleisch im
Menschen bedeutet die tote verderbte Erde, daß ihm der Mensch durch seinen
Fall selber also zugerichtet hat, wie hernach folgen wird an seinem Orte. 44. Also findest du auch die Dreiheit der Gottheit
in den Tieren; denn wie der Geist eines Menschen wird und entstehet, also
auch in einem Tier, und ist in dem kein Unterscheid, allein in diesem ist der
Unterscheid, daß der Mensch ist aus dem besten Kern der Natur gemacht von
Gott selber zu seinem Engel und Gleichnis, und herrschet in dem Menschen mit
seinem Hl. Geist, daß der Mensch kann reden und alles unterscheiden und
verstehen. 45. Das Tier aber ist allein worden aus der wilden
Natur dieser Welt; die Sterne und Elementa haben die Tiere durch ihre
Bewegung geboren nach dem Willen Gottes. 46. Also entstehet auch der Geist in Vögeln und
Würmen im Gleichnis der Dreiheit und hat alles seinen dreifachen Quell im
Gleichnis der Dreiheit der Gottheit. Also siehest du auch die Dreiheit in der
Gottheit in Holz und Steinen, sowohl in Kraut, Laub und Gras, allein daß
dasselbe alles irdisch ist. Noch gebäret die Natur nichts, es sei in dieser
Welt, was es wolle, und wenn es gleich kaum eine Stunde stehen oder bleiben
soll, es wird alles in der Dreiheit oder nach dem Gleichnis Gottes geboren. 47. Nun merke: In einem Holze, Steine und Kraut
sind drei Dinge, und kann nichts geboren werden oder wachsen, so unter den
dreien sollte in einem Dinge nur eines außen bleiben. Erstlich die Kraft,
daraus ein Leib wird, es sei gleich Holz oder Stein oder Kraut. Hernach ist
in demselben ein Saft, das ist das Herze eines Dinges. Zum dritten ist
darinnen eine quellende Kraft, Geruch oder Geschmack, das ist der Geist eines
Dinges, davon es wächst und zunimmt. So nun unter den dreien eines fehlet, so
kann kein Ding bestehen. 48. Also findest du die Gleichnis der Dreiheit in
dem göttlichen Wesen in allen Dingen, schaue an, was du willst; und soll sich
niemand stockblind machen und vermeinen, es sei anders, oder denken, Gott
habe keinen Sohn und Hl. Geist. Ich will solches hinfüro, wenn ich werde von
der Schöpfung schreiben, viel heller, klärer und lauterer beweisen, denn ich
nehme mein Schreiben und Buch nicht von andern Meistern. Und ob ich gleich
viel Exempel und Zeugnisse der Heiligen Gottes darinnen führe, so ist mir
doch solches alles von Gott in meinen Sinn geschrieben, daß ichs ganz
ungezweifelt glaube, erkenne und sehe, nicht im Fleisch, sondern im Geiste,
im Trieb und Wallen Gottes. 49. Nicht also zu verstehen, daß meine Vernunft
größer wäre als aller derer, die da leben, sondern ich bin des Herrn Zweig
nur ein kleines und geringes Fünklein aus ihm. Er mag mich setzen, wo er hin
will, ich kann ihm das nicht wehren. Auch so ist dieses nicht mein
natürlicher Wille, den ich aus meinen Kräften vermag; denn so mir der Geist
entzogen wird, so kenne oder verstehe ich meine eigene Arbeit nicht, und muß
mich auf allen Seiten mit dem Teufel kratzen und schlagen und bin der
Anfechtung und Trübsal unterworfen wie alle Menschen. Aber du wirst in den
nachfolgenden Kapiteln den Teufel mit seinem Reiche bald bloß sehen. Es soll
ihm seine Hoffart und Schande bald aufgedeckt werden. Das 4. Kapitel Von Erschaffung der heiligen Engel - Eine Anweisung oder offene Porte des Himmels 1. Es haben die Gelehrten und
fast alle Skribenten viel und große Bekümmernis, Nachforschen, Dichten und
Trachten in der Natur gehabt, auch viel und mancherlei Meinung
herfürgebracht, wenn und wie oder woraus doch die heiligen Engel geschaffen
sind. Hinwiederum was doch der schreckliche Fall des Großfürsten Luzifer sei
gewesen oder wie er doch so ein böser und grimmiger Teufel sei worden wo doch
solcher böse Quell herrühre oder was ihn doch dazu getrieben habe. 2. Wiewohl dieser Grund und große Geheimnis von
der Welt her verborgen blieben und auch menschlich Fleisch und Blut solches
nicht fassen oder begreifen kann, so will sich doch der Gott, der die Welt gemacht
hat, jetzo am Ende offenbaren, und werden alle großen Geheimnisse offenbar
werden, anzuzeigen, daß der große Tag der Offenbarung und endlichen Gerichts
nun nahe und täglich zu gewarten sei, an welchem wir herwieder gebracht
werden, was durch Adam ist verloren worden, an welchem sich wird scheiden in
dieser Welt das Reich der Himmel und das Reich der Teufel. 3. Dieses alles, wie es beschaffen, will Gott in
höchster Einfalt offenbaren, welchem niemand widerstehen kann, und mag ein
jeder seine Augen emporheben, darum daß sich seine Erlösung nahet, und nicht
nach schändlichem Geiz, Hoffart und üppigem Prassen und Prangen trachten und
vermeinen, es sei hier das beste Leben, da er doch in seinem Übermut mitten
in der Hölle sitzet, den Luzifer zu hüten, welches er bald mit großen
Schrecken, Angst und ewiger Verzweifelung, dazu Spott und Schande wird sehen
müssen; wie man dessen ein schrecklich Exempe1 an solchen Teufeln hat, welche
sind die schönsten Engel im Himmel gewesen, wie ich bald hernach schreiben und
offenbaren will. Ich lasse es Gott walten, ich kann ihm nicht widerstehen. Von der göttlichen Qualität 5. Wie ich vor auch gemeldet habe, daß in Gott dem
Vater sei alle Kraft, die kein Mensch mit seinen Sinnen kann erreichen,
allein an den Sternen und Elementen, sowohl an den Kreaturen in dem ganzen
Geschöpfe dieser Welt erkennet man das klar. 6. Es ist alle Kraft in Gott dem Vater, und gehet
von ihm aus als Licht, Hitze, Kalt, Weich, Süße, Bitter, Sauer, Herbe, Schall
und das unmöglich zu reden oder zu begreifen ist. Dieses alles ist in Gott
dem Vater ineinander wie eine Kraft, und bewegen sich doch alle Kräfte in
seinem Ausgange. Es sind die Kräfte in Gott nicht auf eine solche Art und
Weise qualifizierend wie in der Natur in Sternen und Elementen oder in
Kreaturen. 7. Nein, so mußt du nicht denken; denn Herr
Luzifer hat in seiner Erhebung die Kräfte der unreinen Natur also brennend,
bitter, kalt, herbe, sauer, finster und unrein gemacht, sondern in dem Vater
sind alle Kräfte linde, weich, gleich dem Himmel ganz freudenreich; denn alle
Kräfte triumphieren ineinander und der Schall derselben steiget auf von
Ewigkeit zu Ewigkeit. Darinnen ist nichts denn Liebe, Sanftmut,
Barmherzigkeit, Freundlichkeit, eine solche triumphierende, aufsteigende
Freudenquelle, da alle Stimmen der himmlischen Freudenreich ergehen, das kein
Mensch sagen, auch mit nichts vergleichen kann. So mans aber will
vergleichen, so muß mans der Seele des Menschen vergleichen: Wenn dieselbe
vom Hl. Geiste angezündet wird, so ist sie also freudenreich und
triumphierend; alle Kräfte steigen auf in ihr und triumphieren, daß sie den
tierischen Leib erheben, daß er zittert. Das ist ein rechter Anblick der
göttlichen Qualität, wie die Qualität in Gott ist; in Gott ist alles Geist. 8. Die Qualität des Wassers ist nicht auf solche
laufende und qualifizierende Art und Weise in Gott wie in dieser Welt,
sondern es ist ein Geist, ganz hell und dünne, in welcher der Hl. Geist
aufsteiget, eine Kraft. Die bittere Qualität qualifizieret in der süßen,
herben und sauren, und die Liebe steiget darinnen auf von Ewigkeit zu
Ewigkeit; denn die Liebe in dem Licht und Klarheit geht aus dem Herzen oder
Sohn Gottes in alle Kräfte des Vaters, und der Hl. Geist wallet in allem. 9. Und dieses ist in der Tiefe des Vaters gleich
wie ein göttlicher Salitter, welches ich nothalben muß der Erde vergleichen,
die vor ihrer Verderbung ein solcher Salitter gewesen, aber nicht also hart,
kalt, bitter, sauer und finster, sondern gleich der Tiefe oder dem Himmel,
ganz helle und rein, darinnen alle Kräfte sind gut, schön und himmlisch
gewesen, aber Fürst Luzifer hats also verderbet, wie hernach folgen wird. 10. Dieser himmlische Salnitter oder Kräfte
ineinander gebären himmlische freudenreiche Früchte und Farben, allerlei
Bäume und Stauden. Darauf wächst die schöne und liebliche Frucht des Lebens;
auch so gehen in diesen Kräften auf allerlei Blumen mit schönen himmlischen
Farben und Geruch. Ihr Schmack ist mancherlei, ein jedes nach seiner Qualität
und Art, ganz heilig, göttlich und freudenreich; denn jede Qualität träget
seine Frucht, gleichwie in der verderbten Mordgrube oder Finstertal der Erde
aufgehen allerlei irdische Bäume, Stauden, Blumen und Früchte, dazu in der
Erde schöne Gesteine, Silber und Gold; das ist alles ein Vorbild der
himmlischen Gebärung. 11. Die Natur arbeitet mit höchstem Fleiße an der verderbten und toten Erde, daß sie möchte himmlische Form und Art gebären, aber sie gebäret tote, finstere und harte Früchte, die nicht mehr als nur ein Vorbild sind der himmlischen; dazu sind sie ganz grimmig, bitter, sauer, herbe, hitzig, kalt, hart und böse, und ist kaum ein guter Funke darinnen. Ihr Saft und Geist ist vermischet mit der höllischen Qualität, ihr Geruch ist ein Gestank. Also hat sie Herr Luzifer zugerichtet, wie ich hernach klar beweisen will. 12. Wenn ich nun schreibe von Bäumen, Stauden und
Früchten, so mußt du es nicht irdisch, gleich dieser Welt verstehen; denn das
ist nicht meine Meinung, daß im Himmel wachse ein toter, harter, hölzern Baum
oder Stein, der in irdischer Qualität bestehe; nein, sondern meine Meinung
ist himmlisch und geistlich, aber doch wahrhaftig und eigentlich also; ich
meine kein ander Ding als wie ichs im Buchstaben setze. 13. in der göttlichen Pomp sind fürnehmlich zwei
Dinge zu betrachten: erstlich der Salitter oder die göttlichen Kräfte, die
sind eine bewegende, quellende Kraft; in derselben Kraft wächst aus und
gebäret sich die Frucht nach jeder Qualität und Art als himmlische Bäume und
Stauden, die ohne Aufhören ihre Frucht tragen, schön blühen und wachsen in
göttlicher Kraft also freudenreich, daß ich das nicht reden oder schreiben
kann, sondern ich stammele daran wie ein Kind, das da lernet reden und kanns
nirgend recht nennen, wie es der Geist zu erkennen gibt. 14. Die andere Gestalt des Himmels in der
göttlichen Pomp ist der Marcurius oder der Schall, gleichwie in dem Salitter
der Erde ist der Schall, davon wächst Gold, Silber, Kupfer, Eisen und
desgleichen, davon man kann allerlei Instrumenta machen zum Schall oder zur
Freude, als da sind Glocken, Pfeifen und alles, was da schallet; auch so ist
derselbe Schall in allen Kreaturen auf Erden, sonst wäre alles stille. 15. Nun durch denselben Schall im Himmel werden
alle Kräfte beweget, daß alles freudenreich wächst und sich ganz zierlich
gebäret. Nun gleichwie die göttlichen Kräfte viel und mancherlei sind, also
ist der Schall oder Marcurius auch viel und mancherlei. Wenn nun die Kräfte
in Gott aufsteigen, so reget eine die andere und wallen ineinander und ist
ein stetes Vermischen, alsdann gehen aus denselben allerlei Farben, und in
denselben Farben wächst allerlei Frucht; das gehet in dem Salnitter auf und
der Marcurius oder Schall vermenget sich auch und steiget auf in allen
Kräften des Vaters; alsdann gehet auf Tönen und Schallen in der himmlischen
Freudenreich. So
du in dieser Welt viel tausenderlei Instrumenta und Saitenspiel
zusammenbrächtest und zögest sie alle aufs künstlichste ineinander und
hättest die allerkünstlichste Meister dazu, die sie trieben, so wäre es doch
nur wie ein Hundegebell gegen den göttlichen Schall und Musica, das durch den
göttlichen Schall aufgehet von Ewigkeit zu Ewigkeit. 16. So du nun dies himmlische göttliche Pomp und
Herrlichkeit willst betrachten, wie sie sei, was für Gewächse, Lust oder
Freude da sei, so schaue mit Fleiß an diese Welt, was für Früchte und
Gewächse aus dem Salniter der Erde wächst von Bäumen, Stauden, Wurzeln,
Blumen, Öle, Wein, Getreide und alles, was da ist und dein Herze nur forschen
kann, das ist alles ein Vorbild der himmlischen Pomp. 17. Denn die irdische und verderbte Natur hat von
Anfang ihrer Schöpfung bis auf heute immer gearbeitet, daß sie möchte
himmlische Form herfürbringen, beides in der Erde und in Mensehen und Tieren,
als man das denn gar wohl siehet; wie alle Jahr neue Künste herfürgehen; das
hat vom Anfang bis auf dato gewähret, aber sie hat nicht göttliche Kraft und
Qualität können herfürbringen, darum ist ihre Frucht halb tot, verderbet und
unrein. 18. Nicht mußt du denken, daß in der göttlichen
Pomp Tiere Würme oder Kreaturen im Fleische herfürgehen wie in dieser Welt;
nein, sondern ich meine allein die wunderbarliche Proporz, Kraft und
Geschicklichkeit in derselben. Die Natur arbeitet mit höchstem Fleiß, daß sie
möge in ihrer Kraft himmlische Figuren oder Formen herfürbringen, als man
denn siehet in Menschen, Tieren, Vögeln und Würmen, sowohl in den Gewächsen
der Erden, daß sich alles aufs künstlichste gebärdet; denn die Natur wäre
gern der Eitelkeit los, daß sie möchte himmlische Form in heiliger Kraft
gebären. 19. Denn in der göttlichen Pomp gehet gleichwohl
herfür allerlei Gewächs von Bäumen, Stauden und allerlei Frucht, und ein
jedes träget seine Frucht, aber nicht auf irdische Qualität und Art, sondern
in göttlicher Qualität, Form und Art. 20. Die Früchte sind nicht ein tot, hart, bitter,
sauer,und herbe Aas, die verfaulen und zu einem Gestank werden, wie in dieser
Welt, sondern es stehet alles in heiliger, göttlicher Kraft; ihre
Zusammenfügung ist aus göttlicher Kraft, aus dem Salnitter und Marcurio der
göttlichen Pomp, eine Speise der Hl. Engel. 21. Wenn es des Menschen greulicher Fall nicht hätte
verderbet, so sollte er in dieser Welt auch auf eine solche Weise sein zu
Gaste gangen und haben von solchen Früchten gessen, wie sie ihm denn im
Paradies beiderlei fürgestellt worden. Aber die infizierte Lust und Sucht des
Teufels, der den Salitter infizieret und verderbet hatte, daraus Adam gemacht
ward, der brachte den Menschen in böse Lust, von beiden Qualitäten Bösen und
Guten zu essen, davon ich hernach klar schreiben und solches auch beweisen
will. Von Erschaffung der Engel 23. Der Locus oder der Ort und Raum dieser Welt
samt dem kreatürlichen Himmel, den wir mit unsern Augen sehen, sowohl der
Locus oder Ort der Erde und Sterne samt der Tiefe ist eine solche Forma
gewesen, wie es noch heute über den Himmeln der göttlichen Pomp ist. 24. Es ist aber des Großfürsten Luzifer Königreich
worden in der Erschaffung der Engel. Der hat mit seiner stolzen Erhebung in
seinem Königreich die Qualitäten oder den göttlichen Salitter, daraus er
gemacht war, angezündet und brennend gemacht. 25. Er meinte hiemit also hochlichte und
qualifizierend zu werden über den Sohn Gottes, aber er ward ein Narr. Darum
konnte dieser Locus nicht in seiner brennenden Qualität bestehen in Gott,
darauf denn die Schöpfung dieser Welt erfolget ist. Es wird aber diese Welt
am Ende in Gott bestimmter Zeit wieder in ihren ersten Locum gesetzt werden,
wie es war vor Erschaffung der Engel, und Herr Luzifer wird eine Höhle, Gruft
oder Loch zu seiner ewigen Behausung darinnen bekommen und ewig in seiner
angezündeten Qualität bleiben. Das wird sein eine ewige Schandwohnung, ein
wüst und finster Tal, eine Höhle der Grimmigkeit. 26. Nun merke: Gott hat in seinem Wallen die
heiligen Engel alle auf einmal geschaffen, nicht aus fremder Materia, sondern
aus ihm selber, aus seiner Kraft und ewigen Weisheit. Es haben die Philosophi
die Meinung gehabt, als hätte Gott die Engel nur aus dem Lichte gemacht. Aber
sie haben geirret, sie sind nicht allein aus dem Lichte gemacht, sondern aus
allen Kräften Gottes. 27. Wie ich vor angezeiget, es sind in der Tiefe
Gottes des Vaters sonderlich zwei Dinge zu merken, erstlich die Kraft oder
alle Kräfte Gottes des Vaters, des Sohnes und des Hl. Geistes, die sind
lieblich, wonnesam und mancherlei, und sind doch alle ineinander wie eine
Kraft. 28. Gleichwie in der Luft aller Sterne Kraft
regieret, also auch in Gott. Es erzeiget sich aber in Gott jede Kraft mit
ihrer Wirkung insonderheit. Darnach so ist der Schall in jeder Kraft, und der
Schall tönet nach jeder Kraft Qualität, und darinnen stehet die ganze
himmlische Freudenreich. Aus diesem göttlichen Salitter und Marcurio sind
alle Engel gemacht worden, verstehe aus dem Leibe der Natur. 29. Du möchtest aber nun fragen: Wie sind sie
gemacht oder geboren, oder was ist das für eine Form? Ja, wenn ich eine
Engelszunge hätte und du einen Engelsverstand, so wollten wir wohl fein davon
reden, aber so siehet es nur der Geist und die Zunge kanns nicht erheben,
denn ich kann keine andere Worte als die Worte dieser Welt. So aber nur der
Hl. Geist in dir ist, so wird’s deine Seele wohl begreifen. 30. Siehe, die ganze Hl. Dreifaltigkeit hat mit
ihrem Wallen ein Corpus oder Bild aus sich zusammenfigurieret gleich einem
kleinen Gotte, aber nicht also hart ausgehend als die ganze Trinität, doch
etlichermaßen nach der Kreaturen Größe. 31. In Gott ist kein Anfang noch Ende. Die Engel
aber haben einen Anfang und Ende, aber nicht abmeßlich oder begreiflich, denn
ein Engel kann erwan groß sein und auch klein; ihre geschwinde Veränderung
ist also geschwinde wie der Menschen Gedanken. Es sind alle Qualitäten und
Kräfte in einem Engel wie in der ganzen Gottheit. 32. Du mußt aber dieses recht verstehen: Sie sind
aus dem Salitter und Marcurio gemacht und zusammenfigurieret, das ist, aus
dem Ausgange. Siehe ein Gleichnis: Aus der Sonne und Sternen gehen aus die
Elementa, und die machen in dem Salnitter der Erden einen lebendigen Geist,
und die Sterne bleiben an ihrem Zirk, und der Geist kriegt gleichwohl der
Sterne Qualität. 33. Nun ist aber der Geist nach seiner
Zusammenfügung ein sonderliches und hat eine Substanz wie alle Sterne, und
die Sterne sind und bleiben auch ein sonderliches, ein jedes für sich frei.
Aber nichts desto weniger herrschet der Sterne Qualität in dem Geiste, aber
der Geist kann und mag sich in seinen Qualitäten erheben oder senken oder mag
in den Einflüssen der Sterne leben wie er will, denn er ist frei, denn er hat
seine Qualitäten, die er in sich hat, zum Eigentum gekriegt. 34. Und ob er sie gleich anfänglich von den
Sternen hat, so sind sie doch nun seine, gleich als wenn die Mutter den Samen
in ihr hat; weil sie den hat und daß es ein Same ist, so ist er der Mutter.
Wenn aber ein Kind draus wird, so ist er nicht mehr der Mutter, sondern des
Kindes Eigentum. Und obgleich das Kind in der Mutter Hause ist und die Mutter
ernähret es von ihrer Speise und das Kind könnte ohne die Mutter nicht leben,
noch ist der Leib und der Geist, der aus der Mutter Samen gezeugt ist, sein
Eigentum und behält sein körperlich Recht für sich. 35. Also hats auch eine Gestalt mit den Engeln.
Sie sind auch alle aus dem göttlichen Samen zusammenfigurieret worden, aber
sie haben jeder den Corpus nun für sich. Und ob sie gleich in Gottes Hause
sind und essen die Frucht ihrer Mutter, daraus sie worden sind, so ist doch
ihr Corpus nun ihr Eigentum. 36. Aber die Qualität außer ihnen oder ihrem
Corpus, als ihre Mutter, ist nicht ihr Eigentum. Gleichwie auch die Mutter
nicht des Kindes Eigentum ist und auch der Mutter Speise ist nicht des Kindes
Eigentum, sondern die Mutter gibt es ihm aus Liebe, dieweil sie das Kind
geboren hat. 37. Sie mag das Kind auch wohl aus ihrem Hause
stoßen, wenn es ihr nicht folgen will, und mag ihm ihre Speise entziehen,
welches dem Fürstentum Luzifers auch widerfahren ist. 38. Also mag Gott seine göttliche Kraft, die außer
den Engeln ist, wenn sie sich wider ihn erheben, entziehen. Wenn aber das
geschieht, so muß ein Geist verschmachten und verderben, gleich als wenn
einem Menschen die Luft, die auch seine Mutter ist, entzogen wird, so muß er
sterben, also auch die Engel können außer ihrer Mutter nicht leben. Das 5. Kapitel Von der körperlichen
Substanz, Wesen und Eigentum eines Engels Allhier ist nun die Frage, was
denn ein Engel vor einen Corpus, Form oder Gestalt habe oder wie er
figurieret sei. Gleichwie ein Mensch ist geschaffen zu Gottes Bildnis und
Gleichnis, also auch die Engel; denn sie sind der Menschen Brüder, und werden
die Menschen in der Auferstehung keine andere Form und Bildnis haben als die
Engel, wie solches unser König Christus selher zeuget, Matth 22,30. Auch so
haben sich die Engel allhier auf Erden nie in keiner andern Gestalt den Menschen
offenbaret als in Menschengestalt. 2. Dieweil wir denn in der Auferstehung sollen den
Engeln gleich sein, so müssen die Engel ja figurieret sein wie wir, sonst
müßten wir ein ander Bildnis in der Auferstehung an uns nehmen, welches doch
wider die erste Schöpfung wäre. 3. Auch so erschienen Moses und Elias den Jüngern
Christi in ihrer Form und Gestalt auf dem Berge Tabor, Matth 17,1, die doch
schon lange waren im Himmel gewesen, und Elias war mit lebendigem Leibe in
Himmel genommen worden, und hatte doch nun keine andere Gestalt als er auf
Erden hatte gehabt (2.Kön 2,11). Auch als Christus zu Himmel fuhr, schwebeten
zween Engel in den Wolken, die sprachen zu den Jüngern: Ihr Männer von
Israel, was sehet ihr hinnach? Dieser Jesus wird wiederkommen, wie ihr ihn
gesehen habt gen Himmel fahren (Apg 1,11). Das ist ja hell und klar, daß er
in solcher Form werde am jüngsten Tage wiederkommen mit göttlichem und
glorifiziertem Leibe gleich einem Fürsten der heiligen Engel, welches werden
sein die Menschen. 4. Es zeiget auch der Geist hell und klar, daß die
Engel und Menschen ein Bildnis haben, denn Gott hat an des verstoßenen
Luzifers Legionen Stelle aus demselben Loco, darinnen Luzifer saß und daraus
er gemacht ward, einen andern Engel gemacht. Das war Adam, so er nur in
seiner Klarheit blieben wäre, aber es ist noch die gewisse Hoffnung der
Auferstehung. Da werden wir englische Klarheit und Reinigkeit bekommen. 5. Nun fragest du: Wie sind denn die Engel nach
dem Bilde Gottes geschaffen? Antwort: Erstlich ist der zusammenfigurierte
Leib, der ist unzertrennlich und auch unzerstörlich und des Menschen Händen
unbegreiflich; denn er ist aus göttlicher Kraft zusammengetrieben, und ist
dieselbe Kraft also miteinander verbunden, daß sie ewig nicht kann zerstöret
werden. So wenig jemand oder etwas kann die ganze Gottheit zerstören, so
wenig kann auch etwas einen Engel zerstören; denn ein jeder Engel ist aus
allen Kräften Gottes zusammenfigurieret, nicht mit Fleisch und Blut, sondern
aus göttlicher Kraft. 6. Erstlich ist der Corpus aus allen Kräften des
Vaters, und in denselben Kräften ist das Licht Gottes, des Sohnes. Nun
gebären die Kräfte des Vaters und des Sohnes, die in dem Engel kreatürlich
sind, einen verständigen Geist, der in dem Engel aufsteiget. 7. Anfänglich gebären die Kräfte des Vaters ein
Licht, dadurch ein Engel siehet in dem ganzen Vater, dadurch er die
äußerliche Kraft und Wirkung Gottes, die außer seinem Corpus ist, kann sehen,
und dadurch er seine Mitbrüder kann schauen und auch die herrliche Frucht
Gottes sehen und genießen, und darinnen seine Freude stehet. 8. Und dasselbe Licht ist anfänglich aus dem Sohn
Gottes in den Kräften des Vaters in den englischen Leib kreatürlich kommen
und ist des Leibes Eigentum, das ihm durch nichts kann entzogen werden, er
verlösche es denn selber, wie Luzifer tat. 9. Nun alle Kraft, die in dem ganzen Engel ist,
die gebäret dasselbe Licht. Gleichwie Gott der Vater seinen Sohn gebäret zu
seinem Herzen, also gebäret des Engels Kraft auch seinen Sohn und Herze in
sich, und das erleuchtet hinwiederum alle Kräfte in dem ganzen Engel. Hernach
gehet aus allen Kräften des Engels und auch aus dem Lichte des Engels ein
Quellbrunn aus und quillet in dem ganzen Engel. Das ist sein Geist, der
steiget auf in alle Ewigkeit, denn in demselben Geiste ist alle Erkenntnis
und Wissenschaft aller Kraft und Art, die in dem ganzen Gott ist. 10. Denn derselbe Geist quillet aus allen Kräften
des Engels und steiget in das Gemüte. Da hat er fünf offene Tore, da kann er
sich umschauen, was in Gott ist, und auch, was in ihm ist. Er gehet aber aus
allen Kräften des Engels aus und auch aus dem Lichte des Engels, gleichwie
der Hl. Geist vom Vater und Sohne, und erfüllet den ganzen Corpus. 11. Nun merke die große Geheimnis: Gleichwie in Gott
zwei Dinge zu merken sind, das erste ist der Salnitter oder die göttlichen
Kräfte, daraus der Corpus ist, das andere ist der Marcurius, Ton oder Schall.
- also ist solches auch auf gleiche Form in dem Engel. 12. Erstlich ist die Kraft, und in der Kraft ist
der Ton, der steiget in dem Geiste auf in das Haupt, in das Gemüte, gleichwie
im Menschen im Hirn, und in dem Gemüte hat er seine offene Porten. Im Herzen
hat er seinen Sessel und Ursprung, da er entspringet aus allen Kräften. Denn
aller Kräfte Quellbrunn quillet zum Herzen, gleichwie auch im Menschen. Und
im Kopf hat er seinen fürstlichen Stuhl, da siehet er alles, was außer ihm
ist und höret alles und schmecket alles und reucht alles und fühlet alles. 13. Und wenn er nun siehet und höret den göttlichen Ton und Schall aufsteigen, der außer ihm ist, so wird sein Geist infizieret und mit Freuden angezündet, und erhebet sich in seinem fürstlichen Stuhl und singet und klinget gar freudenreiche Worte von Gottes Heiligkeit und von der Frucht und Gewächs des ewigen Lebens, von der Zierheit und Farben der ewigen Freuden und von dem holdseligen Anblicke Gottes des Vaters, des Sohnes und des Hl. Geistes, auch von der löblichen Bruderschaft und Gemeinschaft der Engel, von der ewigwährenden Freudenreich, von der Heiligkeit Gottes, von ihrem fürstlichen Regiment, in Summa: von allen Kräften und aus allen seinen Kräften, das ich vor Unmut meiner Verderbung im Fleische nicht schreiben kann, und wäre viel lieber selber dabei. 14. Was ich aber allhier nicht schreiben kann, des
will ich deiner Seelen zu bedenken befohlen haben. Du wirst es am Tage der
Auferstehung hell und klar sehen. Du darfst meines Geistes allhier nicht
spotten, er ist nicht aus einem wilden Tiere entsprungen, sondern er ist von
meiner Kraft geboren und von dem Hl. Geiste erleuchtet. 15. Ich schreibe allhier nicht ohne Erkenntnis. So
du aber als ein Epikuräer und Teufels Mastsau aus des Teufels Anregen wirst
dieser Dinge spotten und wirst sagen: Der Narr ist nicht in Himmel gestiegen
und hats gesehen oder gehöret, es sind Fabelei, so will ich dich in Kraft
meiner Erkenntnis vor das ernste Gerichte Gottes zitieret und gerufen haben. 16. Und ob ich in meinem Leibe zu ohnmächtig bin,
dich dahin zu bringen, so ist doch der, von dem ich meine Erkenntnis habe,
mächtig genug, dich auch in Abgrund der Höllen zu werfen. 17. Darum sei gewarnet und denke, daß du auch an
den englischen Reihen gehörst; und lies das nachfolgende Liedlein mit Lust, so
wird der Hl. Geist in dir erweckt werden und wirst auch eine Begierde und
Lust zum himmlischen Reihen-Tanz bekommen. Amen. 18. Der Fiedler hat seine
Seiten schon aufgezogen, der Bräutigam kommt! Schaue zu, daß du nicht das
Podagra in deinen Füßen hast, wenn dann der Reihen angeht, daß du zum
Engelstanz gar ungeschickt seist und werdest von der Hochzeit hinausgestoßen,
weil du kein englisch Kleid anhast. Wahrlich, die Tür wird hinter dir
zugeschlossen werden, und du wirst nicht mehr hineinkommen, sondern du wirst
mit den höllischen Wölfen im höllischen Feuer tanzen. Der Spott wird dir dann
wohl vergehen und Reuen wird dich nagen. Von der Qualifizierung
eines Engels 20. Es möchte aber ein Einfältiger fragen: Was
meinest du mit dem Qualifizieren oder was ist das? Ich meine hiemit die
Kraft, die in den Corpus des Engels von außen in sich gehet und auch wieder
heraus als im Gleichnis, wenn ein Mensch Odem holet und lässet ihn wieder von
sich; denn darinnen stehet des Corpus und auch des Geistes Leben. 21. Die Qualität von außen zündet den Geist im
Herzen in dem ersten Quellbrunnen an, davon alle Kräfte im ganzen Corpus rege
werden; dann steiget dieselbe Qualität in dem körperlichen Geiste, welcher
ist des Engels oder Menschen Naturgeist auf in Kopf. Da hat er seinen
fürstlichen Stuhl und Regiment und hat allda seine Räte, nach denen er sich
richtet und tut. 22. Das erste oder der erste Rat sind die Augen,
die werden von allen Dingen infizieret, was sie nur ansehen, denn sie sind
das Licht. Gleichwie das Licht aus dem Sohn Gottes ausgehet in den ganzen
Vater in alle Kräfte, und infizieret alle Kräfte des Vaters und hinwiederum
infizieren alle Kräfte des Vaters das Licht des Sohnes Gottes, davon dann der
Hl. Geist entstehet. 23. Also wirken die Augen in einem Dinge, das sie
ansehen, und das Ding wirket wieder in den Augen, und der Rat der Augen
bringets in Kopf vor den fürstlichen Stuhl, da wirds approbieret. So es nun
dem Geiste gefällt, so bringet ers dem Herzen, und das Herze gibts den
Kraftgängen oder Quelladern im ganzen Corpus; alsdann greift zu das Maul,
Hände und Füße. 24. Der andere Rat sind die Ohren; die haben ihr
Aufsteigen auch aus allen Kräften im ganzen Corpus durch den Geist. Ihr
Quellbrunn ist der Marcurius oder Schall, der aus allen Kräften aufsteiget
und schaltet (darinnen der himmlische Ton oder Freude stehet, und der Ton
gehet aus allen Kräften, und in der Zusammenfügung des Geistes in Gott
erhebet er sich, wenn eine Kraft die andere reget und tönet oder schaltet.
Alsdann gehet aus der Ton oder Schall und steiget wieder auf in alle Kräfte
des Vaters, und werden alle Kräfte des Vaters hinwiederum damit infizieret,
davon sie des Tones immer schwanger sind und den in jeder Kraft immer wieder
gebären). 25. Also ist auch der andere Rat im Kopfe, die
Ohren, die da stehen offen und der Schall gehet durch sie aus in alles, das
da schaltet. Wo nur der Marcurius schaltet und sich erhebet, da gehet der
Marcurius des Geistes auch hinein und wird damit infizieret und bringets vor
dem fürstlichen Stuhl im Kopfe; da wird es durch die andere vier Räte
approbieret. 26. Und so es dem Geiste gefällt, so bringet ers
vor seine Mutter in das Herze; und das Herze oder der Quellbrunn des Herzens
gibts aller Kraft im ganzen Corpus, dann greift zu Maul und Hände. Wenn es
aber dem ganzen fürstlichen Rat im Kopfe nicht gefällt, so es approbieret
ist, so lässet ers wieder von sich und bringts nicht der Mutter dem Herzen. 27. Der dritte fürstliche Rat ist die Nase; da
steiget auf der Quellbrunn aus dem Corpus in dem Geiste in die Nasen, da hat
er zwo offene Porten. Gleichwie der liebliche und holdselige Ruch aus allen
Kräften des Vaters und des Sohnes ausgehet und temperieret sich mit allen
Kräften des Hl. Geistes, davon der heilige und hochteure Geruch aus dem
Quellbrunn des Hl. Geistes aufsteiget und wallet in allen Kräften des Vaters
und zündet an alle Kräfte des Vaters, davon sie hinwiederum des holdseligen
Ruches schwanger werden und gebären in Sohn und Hl. Geiste. 28. Also auch im Engel und Menschen steiget auf
die Kraft des Geruchs aus allen Kräften des Corpus durch den Geist und fähret
zu der Nasen raus und infizieret sich mit allem Geruche und bringet den durch
die Nasen, dem dritten Rat, in Kopf vor den fürstlichen Stuhl. Da wird es
approbieret, ob es ein guter Ruch seiner Complexion annehmlich sei oder
nicht. Ist er gut, so bringet er ihn der Mutter, daß er ins Werk kommt, wo
nicht, so wird er ausgestoßen. Und dieser Rat des Geruchs, der sich dem
Salniter gebäret, der ist auch mit dem Marcurio vermischet und gehöret zur
himmlischen Freudenreich und ist ein herrlicher, lieblicher und schöner
Quellbrunn in Gott. 29. Der vierte fürstliche Rat ist der Geschmack
auf der Zunge, der steiget auch aus allen Kräften des Corpus durch den Geist
in die Zunge; denn alle Quelladern des ganzen Leibes gehen in die Zunge, und
die Zunge ist aller Kräfte Schärfe oder Geschmack. 30. Gleichwie der Hl. Geist vom Vater und Sohne
ausgehe, und ist die Schärfe oder Approbation aller Kräfte und bringet in
seinem Wallen oder in seinem Aufsteigen alles, was da gut ist, wieder in alle
Kräfte des Vaters, davon des Vaters Kräfte wieder schwanger werden und den
Schmack immer gebären. Was aber nicht gut ist, das speiet der Hl. Geist aus
als einen Ekel, wie in der Offenbarung Johannis 3,16 steht; und wie er den
Großfürsten Luzifer ausspeiete in seinem Hochmut und Verderben, (denn er
konnte die feurige, hoffärtige, stinkichte Qualität nicht mehr schmecken);
also gehets auch allen hoffärtigen stinkenden Menschen. 31. Mensch, laß dir dies gesagt sein; denn der
Geist eifert in dieser Species ernstlich; laß ab vom Hochmut oder es gehet
dir wie den Teufeln, es ist kein Scherz; die Zeit ist gar kurz, du wirst es
bald schmecken, das höllische Feuer. 32. Nun gleichwie der Hl. Geist alles approbieret,
also auch die Zunge, die aprobieret allen Schmack. Und so es dem Geiste
gefällt, so bringet ers in Kopf vor die andern vier Räte vor den fürstlichen
Stuhl, da wird es approbieret, ob es auch den Qualitäten des Leibes nützlich
sei. Und so es gut ist, so wird es in die Mutter des Herzens gebracht, die
gibts allen Adern oder Kräften des Leibes; dann greift zu Maul und Hände. So
es aber nicht gut ist, so speiet es die Zunge aus, ehe es vor den fürstlichen
Rat kommt. Ist es aber, daß es der Zungen gefällt und wohlschmecket und
dienet dem ganzen Corpus nicht, so wird es noch, wenn es vor den Rat kommt,
verworfen, und die Zunge muß es ausspeien und nicht mehr anrühren. 33. Der fünfte fürstliche Rat ist das Fühlen. Der
fünfte Rat steiget auch aus allen Kräften des Corpus in den Geist auf in
Kopf. Denn gleichwie aus Gott dem Vater und Sohne ausgehen alle Kräfte in den
Hl. Geist und eine reget die andere, davon der Schall oder Marcurius
entstehet, daß alle Kräfte töten und sich bewegen; sonst wo eine die andere
nicht rügete, so bewegete sich auch nichts, und das Regen macht den Hl. Geist
beweglich, daß er in allen Kräften aufsteiget und reget alle Kräfte des
Vaters, darinnen dann die himmlische Freudenreich oder Triumphieren entsteht,
sowohl Schallen, Tönen, Gebären, Blühen und Wachsen. Das hat alles sein
Aufsteigen von dem, daß eine Kraft die andere reget. Denn Christus spricht im
Hevangelium: Ich wirke und mein Vater wirket auch. Joh 5,17. Eben dieses
Regen oder Wirken meinet er, daß alle Kraft von ihm ausgehet und gebäret den
Hl. Geist, und in dem Hl. Geist sind alle Kräfte schon rege von dem Ausgehen
des Vaters . Darum wallet der Hl. Geist und steiget auf von Ewigkeit zu
Ewigkeit und zündet hinwiederum alle Kräfte des Vaters an und macht sie rege,
daß sie immer schwanger sind. 34. Eben eine solche Gestalt hat es auch in Engel
und Menschen; denn alle Kräfte in dem Corpus steigen auf, und reget eine die
andere, sonst fühlete der Engel und Mensch nichts. So aber nun ein Glied zu
sehr beweget wird, so schreiet es den ganzen Leib um Hilfe an, und der ganze
Leib reget sich als ein großer Aufruhr, als ob der Feind vorhanden, und kommt
demselben Gliede zu Hilfe und erlöset es von den Schmerzen. Wie du das kannst
sehen, so du dich nur hart an einen Finger stößest, quetschest oder den
verwundest, oder es sei an einem Gliede, wo es wolle, so läuft bald der Geist
an demselben Worte zu der Mutter, dem Herzen und klagets der Mutter; und so
der Schmerz ein wenig groß ist, so wecket die Mutter alle Glieder des ganzen
Leibes auf, und muß alles dem Gliede zu Hilfe kommen. 35. Nun merke: Also rüget ohn Unterlaß eine Kraft
die andere im ganzen Corpus und steigen alle Kräfte auf in Kopf vor den
fürstlichen Rat, der approbieret aller Kräfte Regen. So sich ein Glied zu
sehr reget und irgend einem fürstlichen Ratsherrn Schaden tut als durch das
Sehen, wollte das lieben, das ihm nicht gebühret; wie Herr Luzifer tat, der
sah den Sohn Gottes und ihm liebete das hohe Licht und bewegete und regete
sich zu sehr, in willens, ihm gleich oder noch schöner und höher zu werden.
Solch Regen schaffen die Ratsherren ab. 36. Oder wollte sich durch das Hören zu sehr regen
und bewegen und gern falsche Reden oder Sachen hören und die dem Herzen
bringen; solches schaffen die Ratsherren auch ab. 37. Oder wollte sich durch das Riechen lassen
gelüsten nach dem, das nicht sein ist, wie Herr Luzifer auch tat und ließ
sich gelüsten des heiligen Ruches des Sohnes Gottes und vermeinete, er würde
in seiner Erhebung und Anzündung noch viel lieblicher riechen, wie er denn
Mutter Heva auch also betrog und sagte, so sie äße von dem verbotenen Baume,
so würde sie klug und Gott gleich werden. Solches Regen schaffen die Räte
auch ab. 38. Oder wollte sich durch das Schmecken lassen
gelüsten und das essen, das nicht des Leibes Qualität ist oder das nicht sein
ist, wie Mutter Heva im Paradies ließ sich nach des Teufels Säu-Apfeln
gelüsten und aß davon. Solches Regen in der Lust schaffen die Räte auch ab. 39. In Summa: Ihrer sind darum fünf in dem
fürstlichen Rate, daß einer dem andern soll Rat eingeben, und ein jeder ist
einer sonderlichen Qualität. Und der zusammengefügte Geist, der sich aus
allen Kräften gebäret, der ist ihr König oder Fürst, und sitzet im Kopf im
Hirn des Menschen; und im Engel in der Kraft an‘s Hirns Stell auch im Kopfe
auf seinem fürstlichen Stuhle und exequieret dasjenige, was durch den ganzen
fürstlichen Rat ist beschlossen worden. Das 6. Kapitel Wie ein Engel und Mensch
Gottes Gleichnis und Bild sei Siehe, wie das Wesen in Gott
ist, also ist auch das Wesen im Menschen und Engeln; und wie der göttliche
Corpus ist, also ist auch der englische und menschliche. Allein das ist der
Unterschied, daß ein Engel und Mensch eine Kreatur ist und nicht das Ganze,
sondern ein Sohn des ganzen Wesens, den das ganze Wesen geboren hat. Darum
ist er billig dem ganzen Wesen untertan, dieweil er seines Leibes Sohn ist.
Und so sich der Sohn wider den Vater setzet, so ists ja recht, so ihn der Vater
aus seinem Hause stößet, denn er setzet sich wider den, der ihn geboren hat
und von dessen Kraft er eine Kreatur ist worden. Denn so einer etwas machet
aus dem, das sein eigen ist, so hat er ja, so ihm dasselbe nicht nach seinen
Willen gerät, damit zu machen, was er will, ein Gefäß zu Ehren oder zu
Unehren, welches dem Luzifer auch geschah. 2. Nun merke: Die ganze göttliche Kraft des Vaters
spricht aus, aus allen Qualitäten das Wort, das ist, den Sohn Gottes. Nun
gehet derselbe Schall oder dasselbe Wort, das der Vater spricht, aus des
Vaters Salniter oder Kräften und aus des Vaters Marcurius, Schall oder Ton.
Nun das spricht der Vater aus in ihm selber, und daselbe Wort ist ja der
Glanz aus allen seinen Kräften. Und wenn es ausgesprochen ist, so steckt es
nicht mehr in des Vaters Kräften, sondern es schaltet und tönet in dem ganzen
Vater wider in alle Kräfte. 3. Nun hat dasselbe Wort, das der Vater
ausspricht, eine solche Schärfe, daß der Ton des Worts augenblicklich
geschwind durch die ganze Tiefe des Vaters gehet; und dieselbe Schärfe ist
der Hl. Geist. Denn das Wort, das ausgesprochen ist, das bleibet als ein
Glanz oder herrlich Mandat vor dem Könige; der Schall aber, der durch das
Wort ausgehet, der verrichtet des Vaters Mandat, das er durch das Wort hat
ausgesprochen. Und das ist die Geburt der Hl. Dreifaltigkeit. 4. Nun siehe, also ist auch ein Engel und Mensch:
Die Kraft im ganzen Leibe, die hat alle Qualitäten, wie in Gott dem Vater
ist. 5. Nun gleichwie in Gott, dem Vater, alle Kräfte
aufsteigen von Ewigkeit zu Ewigkeit, also steigen auch alle Kräfte im Engel
und Menschen auf in Kopf; denn höher können sie nicht steigen, denn er ist
nur eine Kreatur, die einen Anfang und Ende hat. Und im Kopfe ist der
göttliche Ratstuhl und bedeutet Gott, den Vater, und die fünf Sinne oder
Qualitäten sind die Ratgeber; die haben ihre Einflüsse aus dem ganzen Leibe
aus allen Kräften. 6. Nun halten die fünf Sinne immer Rat in Kraft
des ganzen Leibes. Und wenn der Rat beschlossen ist, so spricht es der
zusammengefügte Richter aus in sein Centrum oder in die Mitte des Leibes als
ein Wort in das Herze; denn das ist aller Kräfte Quellbrunn, von dem es auch
sein Aufsteigen nimmt. 7. Nun da stehet es nun in dem Herzen als eine
zusammengefaßte aus allen Kräften selbständige Person, und ist ein Wort, und
das bedeutet Gott, den Sohn. Nun gehet es aus dem Herzen ins Maul auf die
Zunge, die ist die Schärfe, und schärfet es, daß es schaltet, und
unterscheidet es nach den fünf Sinnen. 8. Aus welcher Qualität das Wort seinen Ursprung
nimmt, in derselben Qualität wird es auf der Zunge von sich gestoßen und
gehet die Kraft des Unterschiedes von der Zunge aus, und das bedeutet den Hl.
Geist. 9. Denn gleichwie der Hl. Geist vom Vater und
Sohne ausgehet und unterscheidet und schärfet alles und richtet das aus, daß
der Vater durchs Wort spricht, also auch die Zunge schärfet und unterscheidet
dasjenige, was die fünf Sinne im Haupte durch das Herze auf die Zunge
bringen. Und der Geist fähret von der Zunge aus durch den Marcurius oder
Schall an den Ort, wie es im Rat der fünf Sinne beschlossen ist, und richtet
dasjenige aus. Vom Maule 11. Denn im Himmel hat es keine solche Luft,
sondern die Qualitäten sind ganz sanft und freudenreich gleich einem
lieblichen Sausen, und der Hl. Geist ist unter allen Qualitäten in dem
Salitter und Marcurius. Und dieses muß sich ein Engel auch gebrauchen, sonst
kann er keine bewegliche Kreatur sein; denn er muß auch von den himmlischen
Früchten essen durch das Maul. 12. Du mußt dieses aber nicht irdisch verstehen;
denn ein Engel hat keine Därme, dazu auch weder Fleisch noch Bein, sondern er
ist von der göttlichen Kraft zusammengerüget, auf Form und Art gleich einem
Menschen, auch mit allen Gliedern wie ein Mensch, aber die Geburtsglieder und
auch keinen Ausgang von unten hat er nicht, er bedarf es auch nicht. 13. Denn der Mensch hat seine Geburtsglieder dazu
auch seinen Ausgang erst in dem kläglichen Falle bekommen. Ein Engel treibet
nichts von sich als die göttliche Kraft, die er mit dem Maule fasset, damit
er sein Herz anzündet, und das Herz zündet alle Glieder an. Dasselbe treibet
er durch das Maul wieder von sich, wenn er redet und Gott lobet. 14. Die himmlische Früchte aber, die er isset, die
sind nicht irdisch. Und ob sie gleich in Form und Gestalt sind wie die
irdischen, so sind sie doch nur göttliche Kraft und haben also einen
lieblichen Schmack und Ruch, daß ich das mit nichts in der Welt vergleichen
kann; denn sie schmecken und riechen nach der Hl. Dreifaltigkeit. 15. Nicht sollst du denken, als wenns nur etwa ein
Vorbild wäre wie ein Schatten; nein, der Geist zeiget hell und klar, daß in
der himmlischen Pomp, in dem himmlischen Salniter und Marcurius wachsen
göttliche Bäume, Stauden, Blumen und vielerlei, was in dieser Welt ein
Vorbild ist. Gleich wie die Engel sind, also auch die Gewächse und die
Früchte, alles aus göttlicher Kraft. 16. Nicht mußt du mir dies Gewächse des Himmels
dieser Welt gar vergleichen; denn in dieser Welt hats zwei Qualitäten, eine
böse und eine gute, und wächset viel durch Kraft der bösen Qualität; dasselbe
wächst im Himmel nicht. Denn der Himmel hat nur eine Gestalt; es wächst
nichts, das nicht gut ist, allein Herr Luzifer hat diese Welt also
zugerichtet. Darum schämete sich Heva, als sie hatte von dem gessen, was
durch die böse Qualität war zugerichtet worden. Gleichfalls schämete sie sich
ihrer Mutter Geburtsglieder, die sie ihr durch diesen Apfelbiß hatte
zugerichtet. 17. Nun eine solche Substanz hats nicht um die
englische und himmlische Frucht. Es hat wohl gewiß und wahrhaftig allerlei
Früchte im Himmel, und nicht nur Vorbilde, und die Engel nehmen die mit ihren
Händen und essen die, wie wir Menschen, aber sie dürfen keine Zähne dazu, sie
haben auch keine; denn die Frucht ist von göttlicher Kraft. 18. Nun dieses alles, was sich ein Engel
gebrauchen, was ihm ist, zu Erbauung seines Lebens, das ist nicht sein
körperlich Eigentum, das er für Naturrecht hat, sondern der himmlische Vater
gibts ihnen alles aus Liebe. Ihr Corpus ist zwar ihr Eigentum, denn Gott hats
ihnen zum Eigentum gegeben, und was einem nun für eigen oder zum Eigentum
gegeben ist, das ist aus Naturrecht sein, und handelt der nicht recht dran,
der es ihm ohne Beding wieder nimmt. Also tut Gott auch nicht. Darum ist ein Engel
eine ewige, unvergängliche Kreatur, die in alle Ewigkeit bestehet. 19. Nun aber, was wäre ihm denn der Corpus nütze?
Wenn ihn Gott nicht speisete, so hätte er keine Beweglichkeit und läge da wie
ein tot Holz. Darum sind die Engel Gott gehorsam und demütigen sich vor dem
gewaltigen Gott, loben, ehren, rühmen und preisen denselben in seinen großen
Wundertaten und singen stets von Gottes Heiligkeit, daß er sie speiset. Von der holdseligen und
freudenreichen Liebe der Engel gegen Gott, aus rechtem Grunde 21. Merke: Wenn der holdselige, freudenreiche
Glanz und Licht mit der süßen Kraft aus dem Sohne Gottes in dem ganzen Vater
leuchtet in alle Kräfte, so werden alle Kräfte mit dem holdseligen Lichte und
süßen Kraft entzündet, triumphierend und freudenreich. 22. Also auch wenn das holdselige und
freudenreiche Licht des Sohnes Gottes die lieben Engelchen anleuchtet, und
schimmert ihnen in ihr Herz hinein, da zünden sich alle Kräfte in ihrem Leibe
an, und gehet ein solch freudenreich Liebefeuer auf, daß sie für großen
Freuden loben, singen und klingen, und das ich, noch keine Kreatur,
aussprechen kann. 23. Mit diesem Gesang will ich den Leser in jenes
Leben zitieret haben, da wird ers selber erfahren; ich kanns nicht schreiben.
24. Willst du es aber in diesem Leben erfahren, so
laß ab von deiner Heuchelei, Finanzen und Betrug, auch von deiner Spötterei
und wende dein Herz mit ganzem Ernst zu Gott und tue Buße für deine Sünde in rechtem
ernsten Vorsatz, heilig zu leben, und bitte Gott um seinen Hl. Geist und
ringe mit ihm, wie der Hl. Erzvater Jakob hatte die ganze Nacht mit ihm
gerungen bis die Morgenröte hatte angebrochen und auch nicht ehe lassen, bis
er ihn gesegnet hatte (Gen 32,26). Also tue du ihm auch; der Hl. Geist wird
wohl eine Gestalt in dir bekommen. 25. Wirst du aber in deinem Ernst nicht
nachlassen, so wird dieses Feuer plötzlich über dich kommen und dich
anblicken. Dann wirst du wohl erfahren, was ich hie geschrieben habe und
wirst meinem Buche wohl Glauben geben. Du wirst auch gar ein ander Mensch
werden und wirst dran denken, weil du lebest. Deine Lust wird mehr im Himmel
sein als auf Erden. Denn die heilige Seele wandelt im Himmel; und ob sie
gleich auf Erden in dem Leibe wandelt, so ist sie doch allezeit bei ihrem
Erlöser Jesu Christo und isset mit ihm zu Gaste; – das merke! Das 7. Kapitel Von dem Revier, Ort,
Wohnung sowohl von dem Regiment der Engel, wie es am Anfang gestanden ist
nach der Schöpfung und wie es also worden ist. 1. Allhier wird sich der Teufel
wehren wie ein gebeißiger Hund; denn seine Schande wird allhie aufgedecket
werden, und wird dem Leser manchen harten Stoß geben und es immer in Zweifel
stellen, es sei nicht also. Denn es tut ihm nichts weher, als wenn man ihm
seine Herrlichkeit fürwirft, wie er so ein schöner Fürst und König gewesen
ist. So ihm nun das fürgeworfen wird, so wütet und tobet er, als wollte er
die Welt stürmen. 2. So nun ein Leser über dies Kapitel kommen
möchte, in dem des Hl. Geistes Feuer etwas schwach sein würde, so fürchte ich
wohl, der Teufel wird ihm zusetzen und zur Zweifelung reizen, ob sichs auch
also verhalte, wie es geschrieben ist, damit sein Reich nicht also gar bloß
stehe und seine Schande nicht so gar aufgedeckt sei. So er dies nur in einem
Herzen wird können zum Zweifel bringen, so wird ers an seiner Kunst, Mühe und
Arbeit nicht fehlen lassen. Ich sehe das auch zuvorhin wohl, daß ers im Sinne
hat. 3. Will derowegen den Leser gewarnet haben, daß
ers mit Fleiß lese und sich also lang gedulde, bis er auf die Schöpfung und
das Regimente dieser Welt wird kommen; dann wird ers hell und klar aus der
Natur bewiesen finden. 4. Nun merke: Als Gott der Allmächtige in seinem
Rate beschlossen, daß er wollte Engel oder Kreaturen aus ihm selber machen,
so machte er dieselben aus seiner ewigen Kraft und Weisheit nach Form und Art
der Dreiheit in seiner Gottheit und nach den Qualitäten in seinem göttlichen
Wesen. 5. Erstlich so machte er drei königliche Regimente
nach der Zahl der Hl. Dreifaltigkeit, und jedes Königreich hatte die Ordnung,
Kraft und Qualität des göttlichen Wesens. 6. Allhier erhebe deinen Sinn und Geist in die
Tiefe der Gottheit, denn allhier wird eine Tür aufgetan! 7. Der Locus oder Ort dieser Welt, die Tiefe der
Erden und über der Erden bis an Himmel, sowohl der erschaffene Himmel, der
aus dem Mittel des Wassers ist gemacht worden, der über den Sternen schwebet,
den wir mit unsern Augen sehen, dessen Tiefe wir mit unsern Sinnen nicht
ergründen können, dieser Raum und Ort, alles zusammen ist ein Königreich
gewesen, Luzifer ist der König darinnen gewesen vor seiner Verstoßung. 8. Die anderen zwei Königreiche, als Micha-Els und
Uri-Els, die sind über den erschaffenen Himmel und sind dem Königreich
gleich. Diese drei Königreiche zusammen begreifen eine solche Tiefe, die da
keine menschliche Zahl ist, und kann durch nichts gemessen werden. Doch
sollst du wissen, daß diese drei Königreiche einen Anfang und Ende haben.
Aber Gott, der diese drei Königreiche aus ihm selber gemacht hat, der hat
kein Ende. Es ist außerhalb dieser drei Königreiche gleichwohl die Kraft der
Hl. Dreifaltigkeit, denn Gott der Vater hat kein Ende. 9. Du sollst aber dies Geheimnis wissen, daß
inmitten dieser drei Königreiche werde der Glanz oder der Sohn Gottes
geboren. Und die drei Königreiche sind zirkelrund um den Sohn Gottes. Keines
ist das weiteste und auch keines das näheste von dem Sohne Gottes. Eines ist
so nahe um den Sohn Gottes als das andere. 10. Von diesem Brunnen und aus allen Kräften des
Vaters gehet der Hl. Geist aus mit samt dem Licht und Kraft des Sohnes Gottes
in und durch alle englische Königreiche und außer alle englische Königreiche,
das kein Engel noch Mensch erforschen kann. 11. Ich habe mir auch nicht fürgenommen, weiter zu
gedenken, viel weniger zu schreiben, sondern meine Offenbarung langet bis in
die drei Königreiche, gleich einer englischen Wissenheit, aber nicht meiner
Vernunft oder Begreiflichkeit oder Vollkommenheit gleich einem Engel, sondern
stückweise, nur solange als der Geist in mir beharret. Weiter erkenne ichs
nicht. Wenn der von mir weicht, so weiß ich nichts als nur von elementischen
und irdischen Dingen dieser Welt. Aber der Geist sieht bis in die Tiefe der
Gottheit. 12. Nun möchte einer fragen: Wie ist das eine
Substanz, daß der Sohn Gottes inmitten dieser Königreiche geboren wird, so
wird freilich ein englisch Heer näher bei ihm sein als das andere, dieweil
ihr Reich eine solche große Tiefe hat? Auch so wird außer diesen Königreichen
die Klarheit und Kraft des Sohnes Gottes nicht also groß sein als bei denen,
die ihm nahe sind und als in den englischen Revieren? 13. Antwort: Die Engel sind darum zu Kreaturen aus
Gott gemacht worden, daß sie sollen vor Gottes Herzen, welches ist der Sohn
Gottes, loben, singen, klingen, jubilieren und die himmlische Freude
vermehren. Und wo wollte sie der Vater sonst hin verordnen, als vor seines
Herzens Tür? Entspringet doch alle Freude des Menschen, die im ganzen
Menschen ist, aus dem Brunnquell des Herzens; also auch in Gott entspringet
die große Freude aus dem Brunnquell seines Herzens. 14. Darum hat er die hl. Engel aus sich selber
geschaffen. Die sind wie kleine Götter nach dem Wesen und Qualitäten des
ganzen Gottes, daß sie sollen in der göttlichen Kraft spielen, loben, singen
und klingen und die aufsteigende Freude aus dem Herzen Gottes vermehren. 15. Der Glanz aber und die Kraft des Sohnes Gottes
oder das Herze Gottes, welches ist das Licht oder Quell der Freuden, nimmt
inmitten dieser Königreiche seinen schönsten, freudenreichsten Ursprung und
leuchtet in und durch alle englische Porten. 16. Du mußt aber dieses eigentlich verstehen, wie
es gemeinet sei; denn wenn ich im Gleichnis rede und vergleiche den Sohn
Gottes der Sonnen oder einer runden Kugel, so hats nicht die Meinung, daß er
sei ein abmeßlicher Brunnquell, den man abmessen oder seine Tiefe, Anfang
oder Ende ergründen könnte. Ich schreibe nur also im Gleichnis, bis der Leser
möchte auf den rechten Verstand kommen. 17. Denn es hat nicht die Meinung, daß der Sohn
Gottes allein inmitten dieser englischen Porten sollte geboren werden und
nicht auch außerhalb der Engels-Porten. Denn sind doch des Vaters Kräfte
allenthalben, davon und daraus der Sohn geboren wird und davon der Hl. Geist
ausgehet. Wie wollte er denn allein inmitten dieser Engels-Porten geboren
werden? 18. Allein das ist der Grund und die Meinung, daß
der Hl. Vater, der alles ist, in dieser englischen Porten habe seine
allerfreundlichste und liebreichste Qualitäten, daraus das
allerfreudenreichste und allerliebreichste Licht, Wort, Herze der Kräften
oder Brunnquell geboren werde. Darum er denn auch an diesen Orten, die hl.
Engel geschaffen zu seiner Freude, Ehre und Herrlichkeit. 19. Und ist dies der auserwählte Locus der
Herrlichkeit Gottes, den Gott der Vater in sich selbst erwählet hat, da sein
heiliges Wort oder Herze in höchster Klarheit, Kraft und triumphierender
Freude geboren wird. 20. Denn merke dies Geheimnis: Wird doch das
Licht, welches aus des Vaters Kräften geboren wird, welches der rechte
Brunnquell des Sohnes Gottes ist, auch in einem Engel und heiligen Menschen
geboren, daß er in demselben Licht und Erkenntnis in großer Freude
triumphieret, wie sollte es denn nicht allenthalben in dem ganzen Vater
geboren werden? Sintemal seine Kraft ist alles und allenthalben, auch da
unser Herze und Sinne nicht hinreichen. 21. Wo nun der Vater ist, da ist auch der Sohn und
Hl. Geist; denn der Vater gebäret allenthalben den Sohn, sein Wort, Kraft,
Licht und Schalle. Und der Hl. Geist gehet allenthalben vomVater und Sohne
aus, auch in allen englischen Porten und außer allen englischen Porten. 22. Wenn man nun den Sohn Gottes der Sonnen Kugel
vergleichet, als ich denn in den vorgehenden Kapiteln zum öftern getan habe,
so redet man in natürlichen Gleichnissen, und habe ich also müssen schreiben
um des Lesers Unverstand willen, damit er in diesen natürlichen Dingen möchte
seinen Sinn erheben und also von einer Stufen zur andern steigen, bis er in
die hohe Geheimnisse möchte kommen. 23. Es hat aber nicht die Meinung, daß der Sohn
Gottes sei ein zusammenfigurieret Bildnis gleich der Sonnen; denn wenn das
wäre, so müßte der Sohn Gottes einen Anfang haben und müßte ihn der Vater auf
einmal geboren haben. So würde er nun nicht ein ewiger, allmächtiger Sohn des
Vaters sein, sondern er wäre gleich einem Könige, der noch einen größern
König über sich hätte, der ihn in der Zeit geboren hätte und der ihn Macht
hätte zu verändern. 24. Das wäre ein Sohn, der einen Anfang hätte, und
seine Kraft wäre gleich der Sonnen Kraft und Glanz, die von der Sonnen
ausgehet, und der Corpus oder Kugel der Sonnen bleibet an seinem Orte. Wenn
nun aber dies also wäre, so wäre freilich eine englische Porte viel näher bei
dem Sohne Gottes als die andere. Aber ich will dir allhier die höchste Porte
der göttlichen Geheimnis zeigen und darfst keine höhere suchen, denn es ist
auch keine höhere. 25. Merke: Des Vaters Kraft ist alles in und über
allen Himmeln. Und dieselbe Kraft gebäret allenthalben das Licht. Nun ist und
heißt dieselbe Alle-Kraft der Vater. Und das Licht, das aus derselben
Alle-Kraft geboren wird, das ist und heißt der Sohn. 26. Es heißt aber darum der Sohn, daß es aus dem
Vater geboren wird, daß es des Vaters Herze in seinen Kräften ist. Und wenn
es nun geboren ist, so ist es eine andere Person als der Vater, denn der
Vater ist die Kraft und das Reich, und der Sohn ist das Licht und der Glanz
in dem Vater. Und der Hl. Geist ist das Wallen oder der Ausgang aus den
Kräften des Vaters und des Sohnes und formieret und bildet alles. 27. Gleichwie die Luft aus der Sonnen und Sternen
Kräften ausgehet und wallet in dieser Welt und macht, daß sich alle Kreaturen
gebären und Gras, Kraut und Bäume aufgehen und alles, was in dieser Welt ist,
also auch gehet der Hl. Geist aus dem Vater und Sohne aus und wallet,
formieret und bildet alles in dem ganzen Gott. Alle Gewächse und Formen in
dem Vater gehen auf in den Willen des Hl. Geistes. Darum ist ein einiger Gott
und drei unterschiedliche Personen in einem göttlichen Wesen. 28. Wenn man nun wollte sagen, der Sohn Gottes
wäre ein Bild, das abmeßlich wäre wie die Sonne, so wären allein an dem Orte
drei Personen, wo der Sohn wäre, und außerhalb wäre nur sein Glanz, der von
dem Sohne ausginge, und wäre der Vater außerhalb dem Sohne nur einig. So
würde die Kraft des Vaters, die weit und ferne von dem Sohne wäre, außer den
Engels-Porten keinen Sohn und Hl. Geist gebären, und wäre ein unallmächtig
Wesen außer diesem Loco des Sohnes. Dazu so müßte der Vater auch ein
abmeßlich Wesen sein. 29. Aber also ist es nicht, sondern der Vater
gebäret allenthalben aus allen seinen Kräften den Sohn. Und der Hl. Geist
gehet allenthalben vom Vater und Sohne aus, und ist ein einiger Gott in einem
Wesen mit drei unterschiedlichen Personen. Dessen hast du ein Gleichnis an
einem köstlichen Goldsteine, der ungeschieden ist: Erstlich ist die Materia,
das ist der Salniter und Marcurius. Das ist die Mutter oder der ganze Stein,
die gebäret allenthalben in dem ganzen Steine das Gold. Und in dem Golde ist
die herrliche Kraft des Steines. 30. Nun der Salnitter und Marcurius bedeuten den
Vater; das Gold bedeut den Sohn, die Kraft den Hl. Geist. Auf eine solche
Weise ist auch die Dreiheit in der Hl. Dreifaltigkeit, allein daß sich
darinnen alles beweget und ausgehet. 31. Man findet auch in einem Goldsteine etwan an
einem Orte einen Punkt, da mehr und schöner Gold innen ist als in dem andern,
unangesehen daß doch in dem ganzen Steine Gold ist. Also auch ist dem Vater
ein lieber, schöner, holdseliger Ort, sein Sohn und Herze am
allerliebreichsten geboren wird und der Hl. Geist am allerliebreichsten vom
Vater und Sohne ausgehet. 32. Also hast du den rechten Grund dieser
Geheimnis, und darfst nicht denken, daß der Sohn Gottes sei auf einmal zu
einer gewissen Zeit aus dem Vater geboren, der einen Anfang habe und stehe
nun da als ein König und lasse sich anbeten. 33. Nein, das wäre nicht ein ewiger Sohn, sondern
er hätte einen Anfang und wäre unter dem Vater, der ihn geboren hätte. Er
könnte auch nicht allwissend sein, denn er wüßte nicht, wie es gewesen wäre,
ehe ihn der Vater geboren hätte, sondern der Sohn wird von Ewigkeit zu Ewigkeit
immer geboren und leuchtet von Ewigkeit zu Ewigkeit immer wieder in des
Vaters Kräfte, davon des Vaters Kräfte von Ewigkeit zu Ewigkeit immer des
Sohnes schwanger sind und den immer gebären. 34. Daraus entstehst der Hl. Geist von Ewigkeit zu
Ewigkeit immerdar, und gehet von Ewigkeit zu Ewigkeit immer vom Vater und
Sohne aus, und hat auch keinen Anfang noch Ende. 35. Und dies Wesen ist nicht an einem Orte des
Vaters allein also, sondern überall in dem ganzen Vater, der weder Anfang
noch Ende hat, dahin keine Kreatur sinnen noch denken kann. Amen.
Von
den Nativitäten der englischen Könige, wie die worden sind
Von dem Grund und Geheimnis 38. Diese Kräfte der Sternen und Elementen hat der
Schöpfer nach dem greulichen Fall des Reichs Luzifers wieder in eine solche
Ordnung verfasset, wie das Reich der Engel in der göttlichenPomp stund vor
seinem Fall. Allein du sollst nicht denken, daß das englische Reich mit
seinen Kreaturen wäre also herumgedrehet worden, wie jetzo die Sternen,
welche nur Kräfte sind, und von wegen der Geburt dieser Welt also
herumgedrehet werden. 39. Welche Geburt stehet in der quellenden Angst
in Böse und Gute, in der Verderbung und Erlösung, bis ans Ende dieser
Enumeration oder jüngsten Tag. 40. Nun merke: Die Sonne steht mitten in der Tiefe
und ist das Licht oder Herz aus allen Sternen, denn als der Salniter und
Marcurius vor der Schöpfung der Welt im Reich Luzifers ist dünne gewesen und
hat untereinander qualifizieret, so hat Gott das Herze herausgezogen aus
allen Kräften und die Sonne daraus gemacht. Darum ist sie das allerlichteste
und erleuchtet wieder alle Sternen, und alle Sterne wirken in ihrer Kraft.
Und sie selber hat aller Sternen Kraft und zündet mit ihrem Glanz und Hitze
an aller Sternen Kraft. Und ein jeder Stern fähet nach seiner Kraft und Art
von der Sonnen. 41. Also auch ist das englische Reich beschaffen.
Die Sonne bedeutet den obersten Thron-Engel, den Cherubim oder König in 36.
Die Person oder der Corpus eines Königs der Engel ist aus einem englischen
Reiche, als denn Herr Luzifer auch einer gewesen ist vor seinem Fall. Der hat
seinen Sitz im Centro oder inmitten seines Reiches gehabt, und hat mit seiner
Kraft in allen seinen Engeln geherrschet, gleichwie die Sonne in allen
Kräften dieser Welt herrschet: in Salniter und Marcurio, das ist, in Weich
und Hart, in Süße und Sauer, in Bitter und Herbe, in Kälte und Hitze, in Luft
und Wasser. Als man denn siehet im Winter, wenn es also hart kalt ist, daß
das Wasser zu Eis wird, so scheinet die Sonne gleichwohl warm durch alle
Kälte, unangesehen daß in ihrer Straße, dadurch ihr Glanz gehet, Schnee und
Eis gefrieret. 42. Ich will dir aber allhier die rechte Geheimnis
zeigen: Siehe, die Sonne ist das Herze aller Kräfte in dieser Welt und ist
aus allen Kräften der Sternen zusammen figurieret und erleuchtet hinwiederum
alle Sternen und alle Kräfte in dieser Welt, und alle Kräfte werden in ihrer
Kraft qualifizierend. 43. Gleichwie der Vater seinen Sohn, das ist sein
Herze oder Licht aus allen seinen Kräften gebäret und dasselbe Licht, welches
der Sohn ist, gebäret das Leben in allen Kräften des Vaters, daß in demselben
Licht in des Vaters aufgehet allerlei Gewächs, Zierheit und Freuden, also ist
auch der Engel Reich beschaffen, alles nach dem Gleichnis und Wesen Gottes. 44. Ein Cherub oder Heerführer eines Königreichs
der Engel, der ist ein Quellbrunn oder Herz seines ganzen Königreichs und ist
aus allen Kräften gemacht worden, daraus seine Engel gemacht sind worden, und
ist das Allerkräftigste und Lichteste. 45. Denn der Schöpfer hat aus dem Salniter und
Marcurio der göttlichen Kräfte das Herz herausgezogen und den Cherub oder
König daraus formieret, daß derselbe soll mit seiner Kraft wieder in alle
Engel dringen und sie alle mit seiner Kraft infizieren; gleichwie die Sonne
mit ihrer Kraft in alle Sternen dringet und sie alle infizieret; oder wie die
Kraft Gottes des Sohnes in alle Kräfte Gottes des Vaters dringet, dadurch sie
alle infizieret werden, darinnen die Geburt der himmlischen Freudenreich
aufgehet. 46. Also hats auch eine Forma und Gestalt mit den
Engeln: Alle Engel eines Königreichs bedeuten die viel- und mancherlei Kraft
Gottes des Vaters. Und der englische König bedeutet den Sohn des Vaters oder
das Herze aus des Vaters Kräften. Und er ist auch das Herze aus allen
Kräften, daraus die Engel gemacht sind. Der Ausgang aus dem Könige eines
Engels in seine Engel oder die Infizierung seiner Engel bedeutet Gott den Hl.
Geist. Gleichwie derselbe vom Vater und Sohne ausgehet und infizieret alle
Kräfte des Vaters, sowohl alle Himmlische Früchte und Formen, davon alles
sein Aufsteigen hat und darinnen die himmlische Freudenreich stehet, also
auch hats eine Gestalt mit der Wirkung oder Kraft eines Cherub oder
Thron-Engels, der wirket in allen seinen Engeln, gleichwie der Sohn und Hl.
Geist in allen Kräften des Vaters oder wie die Sonne in allen Kräften der
Sternen. 47. Davon kriegen alle Engel den Willen des
Thron-Engels und sind ihm alle gehorsam, denn sie wirken alle in seiner
Kraft. Und er dringet mit seiner Kraft in sie alle. Denn sie sind seines
Leibes Glieder, gleichwie alle Kräfte des Vaters des Sohnes Glieder sind, und
er ist ihr Herze, und wie alle himmlischen Formen und Früchte des Hl. Geistes
Glieder sind. Und er ist ihr Herze, in dem sie aufgehen. Oder wie die Sonne
ist das Herze aller Sternen und alle Sternen sind der Sonnen Glieder und
wirken untereinander wie ein Stern, und die Sonne ist doch das Herze, obs
gleich viel- und mancherlei Kräfte sind, noch wirket alles in der Sonnen
Kraft und alles hat sein Leben von der Sonnen Kraft. Siehe an, was du willst,
es sei gleich im Fleische oder in Metallen oder in Gewächsen der Erden. Das 7. Kapitel Von dem Revier, Ort,
Wohnung sowohl von dem Regiment der Engel, wie es am Anfang gestanden ist
nach der Schöpfung und wie es also worden ist Allhier wird sich der Teufel
wehren wie ein gebeißiger Hund; denn seine Schande wird allhie aufgedecket
werden, und wird dem Leser manchen harten Stoß geben und es immer in Zweifel
stellen, es sei nicht also. Denn es tut ihm nichts weher, als wenn man ihm seine
Herrlichkeit fürwirft, wie er so ein schöner Fürst und König gewesen ist. So
ihm nun das fürgeworfen wird, so wütet und tobet er, als wollte er die Welt
stürmen. 2. So nun ein Leser über dies Kapitel kommen
möchte, in dem des Hl. Geistes Feuer etwas schwach sein würde, so fürchte ich
wohl, der Teufel wird ihm zusetzen und zur Zweifelung reizen, ob sichs auch
also verhalte, wie es geschrieben ist, damit sein Reich nicht also gar bloß
stehe und seine Schande nicht so gar aufgedeckt sei. So er dies nur in einem
Herzen wird können zum Zweifel bringen, so wird ers an seiner Kunst, Mühe und
Arbeit nicht fehlen lassen. Ich sehe das auch zuvorhin wohl, daß ers im Sinne
hat. 3. Will derowegen den Leser gewarnet haben, daß
ers mit Fleiß lese und sich also lang gedulde, bis er auf die Schöpfung und
das Regimente dieser Welt wird kommen; dann wird ers hell und klar aus der
Natur bewiesen finden. 4. Nun merke: Als Gott der Allmächtige in seinem
Rate beschlossen, daß er wollte Engel oder Kreaturen aus ihm selber machen,
so machte er dieselben aus seiner ewigen Kraft und Weisheit nach Form und Art
der Dreiheit in seiner Gottheit und nach den Qualitäten in seinem göttlichen
Wesen. 5. Erstlich so machte er drei königliche Regimente
nach der Zahl der Hl. Dreifaltigkeit, und jedes Königreich hatte die Ordnung,
Kraft und Qualität des göttlichen Wesens. 6. Allhier erhebe deinen Sinn und Geist in die
Tiefe der Gottheit, denn allhier wird eine Tür aufgetan! 7. Der Locus oder Ort dieser Welt, die Tiefe der
Erden und über der Erden bis an Himmel, sowohl der erschaffene Himmel, der
aus dem Mittel des Wassers ist gemacht worden, der über den Sternen schwebet,
den wir mit unsern Augen sehen, dessen Tiefe wir mit unsern Sinnen nicht
ergründen können, dieser Raum und Ort, alles zusammen ist ein Königreich
gewesen, Luzifer ist der König darinnen gewesen vor seiner Verstoßung. 8. Die anderen zwei Königreiche, als Micha-Els und
Uri-Els, die sind über den erschaffenen Himmel und sind dem Königreich
gleich. Diese drei Königreiche zusammen begreifen eine solche Tiefe, die da
keine menschliche Zahl ist, und kann durch nichts gemessen werden. Doch
sollst du wissen, daß diese drei Königreiche einen Anfang und Ende haben.
Aber Gott, der diese drei Königreiche aus ihm selber gemacht hat, der hat
kein Ende. Es ist außerhalb dieser drei Königreiche gleichwohl die Kraft der
Hl. Dreifaltigkeit, denn Gott der Vater hat kein Ende. 9. Du sollst aber dies Geheimnis wissen, daß
inmitten dieser drei Königreiche werde der Glanz oder der Sohn Gottes
geboren. Und die drei Königreiche sind zirkelrund um den Sohn Gottes. Keines
ist das weiteste und auch keines das näheste von dem Sohne Gottes. Eines ist
so nahe um den Sohn Gottes als das andere. 10. Von diesem Brunnen und aus allen Kräften des
Vaters gehet der Hl. Geist aus mit samt dem Licht und Kraft des Sohnes Gottes
in und durch alle englische Königreiche und außer alle englische Königreiche,
das kein Engel noch Mensch erforschen kann. 11. Ich habe mir auch nicht fürgenommen, weiter zu
gedenken, viel weniger zu schreiben, sondern meine Offenbarung langet bis in
die drei Königreiche, gleich einer englischen Wissenheit, aber nicht meiner
Vernunft oder Begreiflichkeit oder Vollkommenheit gleich einem Engel, sondern
stückweise, nur solange als der Geist in mir beharret. Weiter erkenne ichs
nicht. Wenn der von mir weicht, so weiß ich nichts als nur von elementischen
und irdischen Dingen dieser Welt. Aber der Geist sieht bis in die Tiefe der
Gottheit. 12. Nun möchte einer fragen: Wie ist das eine Substanz,
daß der Sohn Gottes inmitten dieser Königreiche geboren wird, so wird
freilich ein englisch Heer näher bei ihm sein als das andere, dieweil ihr
Reich eine solche große Tiefe hat? Auch so wird außer diesen Königreichen die
Klarheit und Kraft des Sohnes Gottes nicht also groß sein als bei denen, die
ihm nahe sind und als in den englischen Revieren? 13. Antwort: Die Engel sind darum zu Kreaturen aus
Gott gemacht worden, daß sie sollen vor Gottes Herzen, welches ist der Sohn
Gottes, loben, singen, klingen, jubilieren und die himmlische Freude
vermehren. Und wo wollte sie der Vater sonst hin verordnen, als vor seines
Herzens Tür? Entspringet doch alle Freude des Menschen, die im ganzen
Menschen ist, aus dem Brunnquell des Herzens; also auch in Gott entspringet
die große Freude aus dem Brunnquell seines Herzens. 14. Darum hat er die hl. Engel aus sich selber
geschaffen. Die sind wie kleine Götter nach dem Wesen und Qualitäten des
ganzen Gottes, daß sie sollen in der göttlichen Kraft spielen, loben, singen
und klingen und die aufsteigende Freude aus dem Herzen Gottes vermehren. 15. Der Glanz aber und die Kraft des Sohnes Gottes
oder das Herze Gottes, welches ist das Licht oder Quell der Freuden, nimmt
inmitten dieser Königreiche seinen schönsten, freudenreichsten Ursprung und
leuchtet in und durch alle englische Porten. 16. Du mußt aber dieses eigentlich verstehen, wie
es gemeinet sei; denn wenn ich im Gleichnis rede und vergleiche den Sohn
Gottes der Sonnen oder einer runden Kugel, so hats nicht die Meinung, daß er
sei ein abmeßlicher Brunnquell, den man abmessen oder seine Tiefe, Anfang
oder Ende ergründen könnte. Ich schreibe nur also im Gleichnis, bis der Leser
möchte auf den rechten Verstand kommen. 17. Denn es hat nicht die Meinung, daß der Sohn
Gottes allein inmitten dieser englischen Porten sollte geboren werden und
nicht auch außerhalb der Engels-Porten. Denn sind doch des Vaters Kräfte
allenthalben, davon und daraus der Sohn geboren wird und davon der Hl. Geist
ausgehet. Wie wollte er denn allein inmitten dieser Engels-Porten geboren
werden? 18. Allein das ist der Grund und die Meinung, daß
der Hl. Vater, der alles ist, in dieser englischen Porten habe seine
allerfreundlichste und liebreichste Qualitäten, daraus das
allerfreudenreichste und allerliebreichste Licht, Wort, Herze der Kräften
oder Brunnquell geboren werde. Darum er denn auch an diesen Orten, die hl.
Engel geschaffen zu seiner Freude, Ehre und Herrlichkeit. 19. Und ist dies der auserwählte Locus der
Herrlichkeit Gottes, den Gott der Vater in sich selbst erwählet hat, da sein
heiliges Wort oder Herze in höchster Klarheit, Kraft und triumphierender
Freude geboren wird. 20. Denn merke dies Geheimnis: Wird doch das
Licht, welches aus des Vaters Kräften geboren wird, welches der rechte
Brunnquell des Sohnes Gottes ist, auch in einem Engel und heiligen Menschen
geboren, daß er in demselben Licht und Erkenntnis in großer Freude
triumphieret, wie sollte es denn nicht allenthalben in dem ganzen Vater
geboren werden? Sintemal seine Kraft ist alles und allenthalben, auch da
unser Herze und Sinne nicht hinreichen. 21. Wo nun der Vater ist, da ist auch der Sohn und
Hl. Geist; denn der Vater gebäret allenthalben den Sohn, sein Wort, Kraft,
Licht und Schalle. Und der Hl. Geist gehet allenthalben vomVater und Sohne
aus, auch in allen englischen Porten und außer allen englischen Porten. 22. Wenn man nun den Sohn Gottes der Sonnen Kugel
vergleichet, als ich denn in den vorgehenden Kapiteln zum öftern getan habe,
so redet man in natürlichen Gleichnissen, und habe ich also müssen schreiben
um des Lesers Unverstand willen, damit er in diesen natürlichen Dingen möchte
seinen Sinn erheben und also von einer Stufen zur andern steigen, bis er in
die hohe Geheimnisse möchte kommen. 23. Es hat aber nicht die Meinung, daß der Sohn
Gottes sei ein zusammenfigurieret Bildnis gleich der Sonnen; denn wenn das
wäre, so müßte der Sohn Gottes einen Anfang haben und müßte ihn der Vater auf
einmal geboren haben. So würde er nun nicht ein ewiger, allmächtiger Sohn des
Vaters sein, sondern er wäre gleich einem Könige, der noch einen größern
König über sich hätte, der ihn in der Zeit geboren hätte und der ihn Macht
hätte zu verändern. 24. Das wäre ein Sohn, der einen Anfang hätte, und
seine Kraft wäre gleich der Sonnen Kraft und Glanz, die von der Sonnen
ausgehet, und der Corpus oder Kugel der Sonnen bleibet an seinem Orte. Wenn
nun aber dies also wäre, so wäre freilich eine englische Porte viel näher bei
dem Sohne Gottes als die andere. Aber ich will dir allhier die höchste Porte
der göttlichen Geheimnis zeigen und darfst keine höhere suchen, denn es ist
auch keine höhere. 25. Merke: Des Vaters Kraft ist alles in und über
allen Himmeln. Und dieselbe Kraft gebäret allenthalben das Licht. Nun ist und
heißt dieselbe Alle-Kraft der Vater. Und das Licht, das aus derselben
Alle-Kraft geboren wird, das ist und heißt der Sohn. 26. Es heißt aber darum der Sohn, daß es aus dem
Vater geboren wird, daß es des Vaters Herze in seinen Kräften ist. Und wenn es
nun geboren ist, so ist es eine andere Person als der Vater, denn der Vater
ist die Kraft und das Reich, und der Sohn ist das Licht und der Glanz in dem
Vater. Und der Hl. Geist ist das Wallen oder der Ausgang aus den Kräften des
Vaters und des Sohnes und formieret und bildet alles. 27. Gleichwie die Luft aus der Sonnen und Sternen
Kräften ausgehet und wallet in dieser Welt und macht, daß sich alle Kreaturen
gebären und Gras, Kraut und Bäume aufgehen und alles, was in dieser Welt ist,
also auch gehet der Hl. Geist aus dem Vater und Sohne aus und wallet,
formieret und bildet alles in dem ganzen Gott. Alle Gewächse und Formen in
dem Vater gehen auf in den Willen des Hl. Geistes. Darum ist ein einiger Gott
und drei unterschiedliche Personen in einem göttlichen Wesen. 28. Wenn man nun wollte sagen, der Sohn Gottes
wäre ein Bild, das abmeßlich wäre wie die Sonne, so wären allein an dem Orte
drei Personen, wo der Sohn wäre, und außerhalb wäre nur sein Glanz, der von
dem Sohne ausginge, und wäre der Vater außerhalb dem Sohne nur einig. So
würde die Kraft des Vaters, die weit und ferne von dem Sohne wäre, außer den
Engels-Porten keinen Sohn und Hl. Geist gebären, und wäre ein unallmächtig
Wesen außer diesem Loco des Sohnes. Dazu so müßte der Vater auch ein abmeßlich
Wesen sein. 29. Aber also ist es nicht, sondern der Vater
gebäret allenthalben aus allen seinen Kräften den Sohn. Und der Hl. Geist
gehet allenthalben vom Vater und Sohne aus, und ist ein einiger Gott in einem
Wesen mit drei unterschiedlichen Personen. Dessen hast du ein Gleichnis an
einem köstlichen Goldsteine, der ungeschieden ist: Erstlich ist die Materia,
das ist der Salniter und Marcurius. Das ist die Mutter oder der ganze Stein,
die gebäret allenthalben in dem ganzen Steine das Gold. Und in dem Golde ist
die herrliche Kraft des Steines. 30. Nun der Salnitter und Marcurius bedeuten den
Vater; das Gold bedeut den Sohn, die Kraft den Hl. Geist. Auf eine solche
Weise ist auch die Dreiheit in der Hl. Dreifaltigkeit, allein daß sich
darinnen alles beweget und ausgehet. 31. Man findet auch in einem Goldsteine etwan an
einem Orte einen Punkt, da mehr und schöner Gold innen ist als in dem andern,
unangesehen daß doch in dem ganzen Steine Gold ist. Also auch ist dem Vater
ein lieber, schöner, holdseliger Ort, sein Sohn und Herze am
allerliebreichsten geboren wird und der Hl. Geist am allerliebreichsten vom
Vater und Sohne ausgehet. 32. Also hast du den rechten Grund dieser
Geheimnis, und darfst nicht denken, daß der Sohn Gottes sei auf einmal zu
einer gewissen Zeit aus dem Vater geboren, der einen Anfang habe und stehe
nun da als ein König und lasse sich anbeten. 33. Nein, das wäre nicht ein ewiger Sohn, sondern
er hätte einen Anfang und wäre unter dem Vater, der ihn geboren hätte. Er
könnte auch nicht allwissend sein, denn er wüßte nicht, wie es gewesen wäre,
ehe ihn der Vater geboren hätte, sondern der Sohn wird von Ewigkeit zu
Ewigkeit immer geboren und leuchtet von Ewigkeit zu Ewigkeit immer wieder in
des Vaters Kräfte, davon des Vaters Kräfte von Ewigkeit zu Ewigkeit immer des
Sohnes schwanger sind und den immer gebären. 34. Daraus entstehst der Hl. Geist von Ewigkeit zu
Ewigkeit immerdar, und gehet von Ewigkeit zu Ewigkeit immer vom Vater und
Sohne aus, und hat auch keinen Anfang noch Ende. 35. Und dies Wesen ist nicht an einem Orte des
Vaters allein also, sondern überall in dem ganzen Vater, der weder Anfang
noch Ende hat, dahin keine Kreatur sinnen noch denken kann. Amen. Von den Nativitäten der
englischen Könige, wie die worden sind Von dem Grund und Geheimnis 38. Diese Kräfte der Sternen und Elementen hat der
Schöpfer nach dem greulichen Fall des Reichs Luzifers wieder in eine solche
Ordnung verfasset, wie das Reich der Engel in der göttlichenPomp stund vor
seinem Fall. Allein du sollst nicht denken, daß das englische Reich mit
seinen Kreaturen wäre also herumgedrehet worden, wie jetzo die Sternen,
welche nur Kräfte sind, und von wegen der Geburt dieser Welt also
herumgedrehet werden. 39. Welche Geburt stehet in der quellenden Angst
in Böse und Gute, in der Verderbung und Erlösung, bis ans Ende dieser
Enumeration oder jüngsten Tag. 40. Nun merke: Die Sonne steht mitten in der Tiefe
und ist das Licht oder Herz aus allen Sternen, denn als der Salniter und
Marcurius vor der Schöpfung der Welt im Reich Luzifers ist dünne gewesen und
hat untereinander qualifizieret, so hat Gott das Herze herausgezogen aus
allen Kräften und die Sonne daraus gemacht. Darum ist sie das allerlichteste
und erleuchtet wieder alle Sternen, und alle Sterne wirken in ihrer Kraft.
Und sie selber hat aller Sternen Kraft und zündet mit ihrem Glanz und Hitze
an aller Sternen Kraft. Und ein jeder Stern fähet nach seiner Kraft und Art
von der Sonnen. 41. Also auch ist das englische Reich beschaffen.
Die Sonne bedeutet den obersten Thron-Engel, den Cherubim oder König in 36.
Die Person oder der Corpus eines Königs der Engel ist aus einem englischen
Reiche, als denn Herr Luzifer auch einer gewesen ist vor seinem Fall. Der hat
seinen Sitz im Centro oder inmitten seines Reiches gehabt, und hat mit seiner
Kraft in allen seinen Engeln geherrschet, gleichwie die Sonne in allen
Kräften dieser Welt herrschet: in Salniter und Marcurio, das ist, in Weich
und Hart, in Süße und Sauer, in Bitter und Herbe, in Kälte und Hitze, in Luft
und Wasser. Als man denn siehet im Winter, wenn es also hart kalt ist, daß das
Wasser zu Eis wird, so scheinet die Sonne gleichwohl warm durch alle Kälte,
unangesehen daß in ihrer Straße, dadurch ihr Glanz gehet, Schnee und Eis
gefrieret. 42. Ich will dir aber allhier die rechte Geheimnis
zeigen: Siehe, die Sonne ist das Herze aller Kräfte in dieser Welt und ist
aus allen Kräften der Sternen zusammen figurieret und erleuchtet hinwiederum
alle Sternen und alle Kräfte in dieser Welt, und alle Kräfte werden in ihrer
Kraft qualifizierend. 43. Gleichwie der Vater seinen Sohn, das ist sein
Herze oder Licht aus allen seinen Kräften gebäret und dasselbe Licht, welches
der Sohn ist, gebäret das Leben in allen Kräften des Vaters, daß in demselben
Licht in des Vaters aufgehet allerlei Gewächs, Zierheit und Freuden, also ist
auch der Engel Reich beschaffen, alles nach dem Gleichnis und Wesen Gottes. 44. Ein Cherub oder Heerführer eines Königreichs
der Engel, der ist ein Quellbrunn oder Herz seines ganzen Königreichs und ist
aus allen Kräften gemacht worden, daraus seine Engel gemacht sind worden, und
ist das Allerkräftigste und Lichteste. 45. Denn der Schöpfer hat aus dem Salniter und
Marcurio der göttlichen Kräfte das Herz herausgezogen und den Cherub oder
König daraus formieret, daß derselbe soll mit seiner Kraft wieder in alle
Engel dringen und sie alle mit seiner Kraft infizieren; gleichwie die Sonne
mit ihrer Kraft in alle Sternen dringet und sie alle infizieret; oder wie die
Kraft Gottes des Sohnes in alle Kräfte Gottes des Vaters dringet, dadurch sie
alle infizieret werden, darinnen die Geburt der himmlischen Freudenreich
aufgehet. 46. Also hats auch eine Forma und Gestalt mit den
Engeln: Alle Engel eines Königreichs bedeuten die viel- und mancherlei Kraft
Gottes des Vaters. Und der englische König bedeutet den Sohn des Vaters oder
das Herze aus des Vaters Kräften. Und er ist auch das Herze aus allen
Kräften, daraus die Engel gemacht sind. Der Ausgang aus dem Könige eines
Engels in seine Engel oder die Infizierung seiner Engel bedeutet Gott den Hl.
Geist. Gleichwie derselbe vom Vater und Sohne ausgehet und infizieret alle
Kräfte des Vaters, sowohl alle Himmlische Früchte und Formen, davon alles
sein Aufsteigen hat und darinnen die himmlische Freudenreich stehet, also
auch hats eine Gestalt mit der Wirkung oder Kraft eines Cherub oder Thron-Engels,
der wirket in allen seinen Engeln, gleichwie der Sohn und Hl. Geist in allen
Kräften des Vaters oder wie die Sonne in allen Kräften der Sternen. 47. Davon kriegen alle Engel den Willen des
Thron-Engels und sind ihm alle gehorsam, denn sie wirken alle in seiner
Kraft. Und er dringet mit seiner Kraft in sie alle. Denn sie sind seines
Leibes Glieder, gleichwie alle Kräfte des Vaters des Sohnes Glieder sind, und
er ist ihr Herze, und wie alle himmlischen Formen und Früchte des Hl. Geistes
Glieder sind. Und er ist ihr Herze, in dem sie aufgehen. Oder wie die Sonne
ist das Herze aller Sternen und alle Sternen sind der Sonnen Glieder und
wirken untereinander wie ein Stern, und die Sonne ist doch das Herze, obs
gleich viel- und mancherlei Kräfte sind, noch wirket alles in der Sonnen
Kraft und alles hat sein Leben von der Sonnen Kraft. Siehe an, was du willst,
es sei gleich im Fleische oder in Metallen oder in Gewächsen der Erden. Das 8. Kapitel Von dem ganzen Corpus eines
englischen Königreichs; die große Geheimnis Die englischen Königreiche sind
durchaus nach dem göttlichen Wesen formieret und haben keine andere Gestalt
als das göttliche Wesen in seiner Dreiheit hat. Allein das ist der Unterscheid,
daß ihre Leibe Kreaturen sind, die einen Anfang und Ende haben und daß das
Reich, darinnen sie ihr Revier haben, nicht ihr körperlich Eigentum ist, das
sie für Naturrecht haben, wie sie ihren Körper für Naturrecht haben. Sondern
das Reich ist Gottes des Vaters der hat sie aus seinen Kräften gemacht und
mag sie setzen, wo er hin will; sonst ist ihr Leib nach allen und aus allen
Kräften des Vaters gemacht. Und ihre Kraft gebäret das Licht und Erkenntnis
in ihnen, gleichwie Gott seinen Sohn aus allen seinen Kräften gebäret, und
gleichwie der Hl. Geist aus allen Kräften des Vaters und des Sohnes ausgehet.
Also auch in einem Engel geht ihr Geist aus aus ihrem Herzen, aus ihrem Licht
und aus allen ihren Kräften. 2. Nun merke: Gleichwie ein Engel in seinem
körperlichen Leibe ist beschaffen mit allen Gliedern, also ist auch ein ganz
Königreich beschaffen; das ist zusammen wie ein Engel. 3. Wenn man alle Umstände recht betrachtet, so
findet sichs, daß das ganze Regiment in seinem Revier in einem Königreiche
ist beschaffen wie ein Corpus eines Engels oder wie die Hl. Dreifaltigkeit. 4. Hie merke die Tiefe: In Gott dem Vater ist alle
Kraft, und er ist aller Kräfte Quellbrunn in seiner Tiefe. In ihm ist Licht
und Finsternis, Luft und Wasser, Hitze und Kälte, Hart und Weich, Dick und
Dünne, Schall und Ton, Süß und Sauer, Bitter und Herbe und das ich nicht
erzählen kann. Allein an meinem Leibe nehme ichs ab, denn der ist anfänglich
von Adam her aus allen Kräften und nach dem Bilde Gottes gemacht. 5. Du mußt aber allhie nicht denken, daß die
Kräfte in Gott dem Vater auf eine solche Weise sind oder in solcher
verderbten Art qualifizieren wie in einem Menschen, welcher Herr Luzifer hat
also zugerichtet, sondern es ist alles fein lieblich und wonnereich, ganz
sanfte. 6. Erstlich ist das Licht gleich, wie ichs
natürlich möchte vergleichen, dem Lichte der Sonnen; aber nicht also
unerträglich, wie das Licht der Sonnen in unsern verderbten Augen
unerträglich ist, sondern ganz lieblich und wonnesam, ein Anblick der Liebe. 7. Die Finsternis aber ist im Centro des Lichts
verborgen, das ist, wenn eine Kreatur aus der Kraft des Lichts gemacht würde
und wollte in demselben Lichte höher und sehrer wallen als Gott selber, so
verlischet in ihm dasselbe Licht und hat anstatt des Lichts die Finsternis.
Da erfähret eine Kreatur, daß im Centro eine Finsternis verborgen ist. 8. Gleich als wenn man eine Wachskerze anzündet,
so leuchtet sie. Wenn man sie aber auslöschet, so ist der Stock oder die
Kerze eine Finsternis. Also leuchtet das Licht aus allen Kräften des Vaters.
Wenn aber die Kräfte verderbet würden, so erlösche das Licht und blieben die
Kräfte eine Finsternis, wie beim Luzifer zu sehen ist. 9. Die Luft ist auch nicht auf eine solche Art in
Gott, sondern es ist ein lieblich stilles Sausen oder Wallen. Das ist der
Ausgang oder Wallen der Kräfte, ist der Ursprung der Luft, in welcher der Hl.
Geist aufsteiget. 10. Das Wasser ist auch nicht auf eine solche Art
in Gott, son dern es ist der Quell in den Kräften, nicht auf elementische Art
wie in dieser Welt. So ichs um etwas vergleichen soll, so muß ichs mit dem
Saft in einem Apfel vergleichen, aber ganz lichte, gleich dem Himmel, der
Geist aller Kräfte. Herr Luzifer hats also verderbet, daß es in dieser Welt
also wütet und tobet, laufet und rennet und daß es also finster und dicke ist
und dazu, so es nicht läufet, so wirds stinkicht, davon ich, wenn ich von der
Schöpfung schreiben werde, ausführlich handeln will. 11. Die Hitze ist in Gott ein liebliches, sanftes
Wärmen, ein Ausgang des Lichts, die sich aus dem Licht empöret, darinnen der
Quell der Liebe aufsteiget. 12. Die Kälte ist auch nicht auf solche Art in
Gott, sondern es ist das Kühlen der Hitze, eine Sänftigung des Geistes, ein
Aufsteigen oder Wallen des Geistes. 13. Hie merke die Tiefe: Gott spricht in Mose, als
er den Kindern Israel das Gesetze gab: Ich bin ein zorniger, eifriger Gott
über die, so mich hassen; – hernach nennet er sich auch einen barmherzigen
Gott über die, so ihn fürchten, Ex 20,5 f – Deut 5,9 f. 14. Nun ist die Frage, was denn der Zorn Gottes im
Himmel sei, ob sich denn Gott in sich selber erzürne oder wie Gott erzürnet
werde? 15. Siehe, in diesem ist sonderlich auf
siebenerlei Qualitäten oder Umstände zu merken: Erstlich ist in der göttlichen
Kraft im Verborgenen die herbe Qualität, das ist eine Qualität des
Kerns oder verborgenen Wesens, eine Schärfe, Zusammenziehung oder
Durchdringung in dem Salitter, ganz scharf und herbe, die gebäret die
Härtigkeit und auch die Kälte, und so sie entzündet wird, gebäret sie die
Schärfe gleich dem Salze. 16. Das ist eine Species oder Zorn-Quell in dem
göttlichen Salitter. So dieser Quell angezündet wird, welches geschehen kann
durch große Bewegung oder Erhebung oder Regung, so qualifizieret darinnen die
herbe große Kälte, die ganz scharf, gleich dem Salz, auch ganz hart
zusammenziehend gleich den Steinen. 17. Sie ist aber in der himmlischen Pomp nicht
also erheblich, denn sie erhebet sich nicht selber und zündet sich nicht
selber an. Allein König Luzifer hat diese Qualität in seinem Reiche durch
seine Erhebung und Hoffart angezündet, davon diese Qualität noch brennet bis
an Jüngsten Tag. 18. Davon nun in der Schöpfung dieser Welt die
Sternen und Elementa, sowohl alle Kreaturen zittern und brennen, daraus denn
worden ist das Haus des Todes und der Höllen und dem Reiche Luzifers und
allen gottlosen Menschen eine ewige Schandwohnung. 19. Diese Qualität gebäret in der himmlischen Pomp
die Schärfe des Geistes, daraus und dadurch formieret wird das kreatürliche
Wesen, daß ein himmlisches Corpus kann gebildet werden, sowohl allerlei
Farben, Formen und Gewächse. Denn es ist die Zusammenziehung oder Bildung
eines Dinges. Darum ist sie die erste Qualität und ein Anfang der englischen
Kreaturen und aller Bildnisse, die da sind im Himmel und in dieser Welt und
alles, was genannt mag werden. 20. So sie aber durch Erhebung angezündet wird,
welches allein die Kreaturen in ihrem Reiche, die aus dem göttlichen Salitter
geschaffen sind, können tun, so ist es eine brennende Quellader des Zorns
Gottes. Denn es ist der sieben Geister Gottes einer, in welches Kraft das
göttliche Wesen stehet in der ganzen göttlichen Kraft und himmlischen Pomp.
So es nun angezündet wird, so ist es ein grimmiger Zornquell und ein Anfang
der Höllen und auch ein Marter und Wehe des höllischen Feuers und auch eine
Qualität der Finsternis, denn die göttliche Liebe und auch das göttliche
Licht verlischt darinnen. Von der andern Umstände
oder Species 22. Dessen hast du ein Gleichnis an einem Apfel;
der ist änfänglich herbe. Wenn ihn aber die süße Qualität zwinget und
überwindet, so ist er ganz sanft und lieblich zu essen. Also ist es auch in
der göttlichen Kraft. Denn wenn man von des Vaters Barmherzigkeit redet, so
redet man von seiner Kraft, von seinen Quellgeistern, die in dem Salitter
sind, daraus sein liebreich Herze oder Sohn geboren wird. 23. Hie merke: Die herbe Qualität ist das Herze
oder der Kern in der göttlichen Kraft, die Zusammenziehung oder Bildung oder
Form oder Trocknung, denn es ist die Schärfe und Kälte, wie man denn siehet,
daß die herbe Kälte das Wasser trocknet und zu scharfem Eise machet. Und die
süße Qualität ist die Linderung oder Wärmung, davon die herbe und kalte
Qualität dünne und linde wird, daraus das Wasser seinen Ursprung nimmt. 24. Also ist und heißt die herbe Qualität Herz,
und die süße Barm oder Warm oder Linderung oder Sänftigung. Und sind zwei
Qualitäten, daraus das Herze oder der Sohn Gottes geboren wird. Denn die
herbe Qualität ist in ihrem Stock oder Kern, wenn sie in ihrer eignen Kraft
qualifizieret, eine Finsternis, und die süße ist in ihrer eignen Kraft ein
quellend und wärmend aufsteigendes Licht, ein Quell der Sanftmut und des
Wohltuns. 25. Dieweil sie aber in der göttlichen Kraft in
Gott dem Vater aller beide ineinander qualifizieren, als wäre es nur eine
Kraft, so ist es ein sanftes, liebliches, barmherziges Qualifizieren. Und
sind diese zwei Qualitäten zwei Geister Gottes unter den sieben Quellgeistern
in der göttlichen Kraft, wie du dessen ein Bild kannst sehen in der
Offenbarung Johannis 1,12 f. Der sieht sieben güldene Leuchter vor dem Sohne
Gottes, welches bedeuten die sieben Geister Gottes, die da in großer Klarheit
leuchten vor dem Sohne Gottes, aus welchen der Sohn Gottes von Ewigkeit zu
Ewigkeit immer geboren wird, und ist das Herze der sieben Geister Gottes,
welche ich allhie ordentlich nacheinander beschreiben will. Du mußt deinen
Sinn allhie im Geist erheben, willst du es verstehen oder begreifen. In
deinem eigen Sinne wirst du ein herber blinder Stock sein. Von der dritten Umstände
oder Species 27. Hie merke: Die herbe Qualität ist der Kern
oder Stock oder Sauer oder Zusammenziehung, und die süße ist die leichte
Linderung oder Sänftigung; und die bittere ist die Durchdringung oder
Triumphierung, die da in der herben und süßen aufsteiget und triumphieret.
Das ist der Freudenquell oder die Ursache der lachenden, aufhebenden Freuden,
davon ein Ding für Freuden zittert und jubilieret, davon die himmlische
Freude entstehet. Dazu ist sie die Bildung allerlei roter Farben in ihrer
eigen Qualität. In der süßen bildet sie allerlei weiße und blaue, in der
herben und sauren allerlei grüne und dunkele und vermengte Farben mit
mancherlei Gestalt und Gerüche. 28. Die bittere Qualität ist der erste Geist,
davon das Leben rege wird, davon die Beweglichkeit Ursprung nimmt, und heißt
Cor oder Herz, denn es ist der zitternde, kirrende, erhebliche durchdringende
Geist, das Triumphieren oder Freude, ein erheblicher Quell des Lachens. In
der süßen Qualität wird die bittere gesänftiget, daß sie ganz liebreich und
freudenreich wird. So sie aber zu sehr erhebet, beweget oder angezündet wird,
so zündet sie die süße und herbe Qualität an und ist als eine reißende,
stechende und brennende Gift, gleich als wenn ein Mensch eine reißende
Pestilenzbeule hat, davon er ach und wehe schreiet. 29. Diese Qualität ist in der göttlichen Kraft,
wenn sie angezündet wird, der Geist des eiferigen und bitteren Zorns Gottes,
der unerlöschlich ist, wie bei den Legionen Luzifers zu sehen ist. Noch mehr:
Diese Qualität, wenn sie angezündet wird, so ist sie das bitter-höllische
Feuer, die da verlöscht das Licht, die aus der süßen Qualität macht einen
Gestank, in der herben eine Schärfe und Reißen, eine Härte und Kälte, in der
sauren rühricht und brüchicht, ein Gestank, ein Elend, ein Trauerhaus, ein
Haus der Finsternis, des Todes und der Höllen, ein Ende der Freuden, welcher
darinnen nicht mehr kann gedacht werden, denn es kann durch nichts gestillet
werden und kann durch nichts wieder erleuchtet werden, sondern der finstere,
herbe, stinkende, saure, rührichte, bittere, grimmige Quell steiget auf in
alle Ewigkeit. 30. Nun merke: In diesen drei Species oder Qualitäten
steht das körperliche oder das kreatürliche Wesen aller Kreaturen im Himmel
und in dieser Welt, es sei gleich ein Engel oder Mensch oder Vieh oder Vogel
oder Gewächse auf himmlische oder irdische Form, Qualität und Art, wohl alle
Farben und Formen. In Summa: Alles was sich bildet, das stehet in dieser drei
Hauptqualitäten Kraft und Gewalt und wird durch sie gebildet und auch aus
ihrer eigenen Kraft formieret. 31. Erstlich ist die herbe Qualität und die saure
ein Corpus oder Quell, das zeucht die süße Kraft zusammen, und die Kälte in
der herben macht es trocken. Denn die süße Qualität ist des Wassers Herze,
denn sie ist dünne und lichte und vergleicht sich dem Himmel. Und die bittere
Qualität macht es schließlich, daß sich die Kräfte in Glieder formieren, und
macht in dem Corpus die Beweglichkeit. 32. Und wenn dann die süße Qualität getrocknet
ist, so ists ein Corpus, der vollkommen ist, aber ohne Vernunft. Und die
bittere Qualität dringet im Corpus in der herben, sauren und süßen durch und
bildet allerlei Farben, nach welcher Qualität der Corpus am sehrsten geneiget
ist oder welche Qualität am stärksten im Corpus ist, nach derselben bildet
die bittere Qualität den Corpus mit seiner Farbe, und nach derselben Qualität
hat die Kreatur seinen größten Trieb und Neiglichkeit und Wallen oder Willen. Von der vierten Umstände
oder Species 34. Es ist aber sonderlich auf zwei Dinge in allen Qualitäten zu sehen. So man ein Corpus ansiehet, so siehet man erstlich den Stock oder Kern aller Qualitäten, der aus allen Qualitäten gebildet ist; denn zu dem Corpus ist Herbe, Sauer, Süße, Bitter und Hitze. Diese Qualitäten sind zusammen vertrocknet und machen den Corpus oder Stock. 35. Die große Geheimnis des Geistes: – Nun diese
Qualitäten sind in dem Corpus vermischt, als wären sie alle nur eine
Qualität, und quillet doch jede Qualität in seiner eigenen Kraft und gehet
aus. Eine jede Qualität geht aus sich selber in die andern und reget die
andern, das ist, sie infizieret die andern. Davon bekommen die anderen
Qualitäten diesen Willen, das ist, sie approbieren dieser Qualität Schärfe
und Geist, was in ihr ist, und vermischen sich immer. 36. Nun zeucht die herbe Qualität mit der sauren
immer die andern Qualitäten zusammen, und fasset und hält den Corpus und
vertrocknet ihn, denn sie vertrocknet alle anderen Kräfte und hält sie alle
durch ihre Infizierung. Und die süße sänftiget und befeuchtet die andern alle
und temperieret, sich mit den anderen allen. Davon werden sie fein lieblich
und sanfte. 37. Und die bittere macht die andern alle rege und
beweglich, und scheidet in Glieder, daß jedes Glied in der Temperierung aller
Kräfte Brunnquell krieget, davon die Beweglichkeit entstehet. 38. Und die Hitze zündet alle Qualitäten an.
Daraus empöret sich das Licht in allen Qualitäten, daß eine die andere
siehet, denn wenn die Hitze in der süßen Feuchtigkeit wirket, so gebäret sie
das Licht in allen Qualitäten, daß eine die andere siehet. 39. Daraus entstehen die Sinnen und Gedanken, daß
eine Qualität die andere, die auch in ihr und mit ihr selber temperiert ist,
siehet und mit ihrer Schärfe approbieret, daß es ein Wille wird, der in dem
Corpus aufsteiget in den ersten Quellbrunn in die herbe Qualität. 40. Da dringet die bittere Qualität in der Hitze
durch die herbe, und die süße in dem Wasser läßt sie sänftig durch. Da fähret
die bittere in der Hitze durch das süße Wasser aus dem Corpus und macht ihm
zwo offene Pforten. Das sind die Augen, die erste Sinnlichkeit. 41. Dessen hast du ein Exempel und Vorbild: Siehe
an diese Welt, sonderlich die Erde, die ist aller Qualitäten Art, und bilden
sich darinnen allerlei Figuren. Erstlich ist darinnen die herbe Qualität. Die zeucht den Salitter zusammen und
befestiget die Erde, daß sie ein Corpus ist und nicht zerbricht, und bildet
darinnen allerlei Corpus nach jeder Qualität Art als allerlei Steine und Erze
und allerlei Wurzeln nach jeder Qualität Art. 42. Nun, wenn dasselbe gebildet ist, so liegts da
als eine körperliche quellende Beweglichkeit, denn es quellet durch und in
der bittern Qualität in sich selbst, als in seinem eigenen gebildeten Corpus.
Es hat aber noch kein Leben zur Wachsung oder Ausbreitung ohne die Hitze, die
ist der Naturgeist. 43. Wenn der Sonnen Hitze den Erdboden anleuchtet,
so quellen und wachsen in der Erden alle Bindungen von Erz und Kräutern,
Wurzeln, Würmer und alles, was drinnen ist. 44. Dies verstehe recht: Der Sonnen Hitze zündet
in der Erden die süße Qualität des Wassers an in allen gebildeten Figuren.
Nun wird durch die Hitze in dem süßen Wasser das Licht, das erleuchtet die
herbe, saure und bittere Qualität, daß sie in dem Lichte sehen. Und in dem
Sehen steiget eine in die andere und approbieret die andere, das ist: sie
kostet in dem Sehen der andern Schärfe; daraus kommt der Geschmack. 45. Und wenn die süße Qualität der bittern
Qualität Geschmack kostet, so flennt sie sich und giebet das Weichen wie ein
Mensch, wenn er bitter oder herbe Gallen kostet; so breitet er im Maul beide
Gaumen aus und flennt sich und erweitert die Gaumen weiter als sie ihm
gewachsen sind. Also tut die süße Qualität gegen der bittern. 46. Und wenn sich die süße Qualität also ausdehnet
und weidet vor der bittern, so dringt die herbe immer hinnach und wollte auch
gern von der süßen kosten, und macht den Corpus hinter und in ihr immer
trocken. Denn die süße Qualität ist des Wassers Mutter und ist ganz sanfte. 47. Wenn nun die herbe und bittere Qualität von
der Hitze ihr Licht bekommen, so sehen sie die süße Qualität und kosten ihr
Süßes Wasser. Dann eilen sie dem süßen Wasser immer nach und trinken das in
sich, denn sie sind ganz harte, rauh und durstig, und die Hitze vertrocknet
sie vollends Und die süße Qualität fleucheog immer vor der bittern und herben
und dehnet ihren Gaumen iminer weiter aus, und die bittere und herbe eilen
immer der süßen nach und laben sich von der süßen und vertrocknen den Corpus.
Also ist das wahrhaftige Gewächse in der Natur, es sei gleich einem Menschen,
Tiere, Holze, Kraut oder Steine. 48. Nun merke das Ende der Natur in dieser Welt!
Wenn nun die süße Qualität also vor der bittern, sauren und herben fleucht,
so eilen ihr die herbe und bittere also heftig nach als an ihrem besten
Schatz, und die süße dringet so heftig von ihnen und bemühet sich so heftig,
daß sie durch die herbe Qualität dringet und zerreißt den Corpus und weicht
außer dem Corpus aus und über die Erden, und eilet auch so harte, bis ein
langer Halm wächst. 49. Dann dringet die Hitze über der Erden auf den
Halm, so wird die bittere Qualität alsdann von der Hitze angezündet und
krieget einen Stoß von der Hitze, daß sie erschrickt, und die herbe Qualität
vertrocknet es. Da streiten die herbe, süße und bittere und Hitze
miteinander, und die herbe macht in ihrer Kälte ihre Trockenheit immerdar, so
weicht dann die süße auf die Seite, und die andern eilen ihr nach. 50. Wenn sie aber siehet, daß sie soll gefangen
sein, daß die bittere also hart auf sie dringet und die Hitze von außen auch
auf sie dringet, so macht sie die bittere inbrünstig und entzündet sie. Da
tut sie einen Sprung durch die herbe Qualität und steiget wieder über sich.
So wird alsdann ein harter Knoten hinter ihr an dem Orte, wo der Streit war,
und der Knoten kriegt ein Löchel. 51. Wenn aber die süße Qualität durch den Knoten
springet, so hat sie die bittere also hart infizieret, daß sie gar zitternd
ist. Und alsbald sie über den Knoten kommt, dehnet sie sich geschwind auf
allen Seiten aus, in willens, der bittern zu entfliehen. Und in solchem
Ausdehnen bleibet ihr Leib in der Mitten hohl, und in dem zitternden Sprung
durch den Knoten krieget sie noch mehr Halmen oder Laub und ist nun fröhlich,
daß sie dem Kriege entlaufen ist. 52. Und wenn nun die Hitze von außen also auf den
Halm dringet, so werden die Qualitäten in dem Halme angezündet und dringen
durch den Halm und werden in dem auswendigen Lichte von der Sonnen
infizieret, und gebären die Farbe in dem Halm nach ihrer Qualität Art. 53. Weil aber das süße Wasser in dem Halme ist, so
behält der Halm seine grüne, lichte Farbe nach der süßen Qualität Art. 54. Solch Wesen treiben die Qualitäten mit der
Hitze immer in dem Halme, und wächst der Halm immer für sich und wird immer
ein Sturm nach dem andern gehalten, davon der Halm immer mehr Knoten krieget
und seine Äste immer weiter ausbreitet. Indessen vertrocknet die Hitze von
außen immer das süße Wasser im Halm, und wird der Halm immer dünner; je höher
er wächst je dünner wird er, bis er nicht mehr entrinnen kann. 55. Alsdann gibt sich die süße Qualität gefangen,
so herrschst dann die bittere, saure, süße und herbe zugleich untereinander.
Und die süße dehnet sich noch etwas aus, aber sie kann nicht mehr entrinnen,
denn sie ist gefangen. 56. Alsdann wächst aus allen Qualitäten, die in
dem Corpus sind, eine Kolbe oder Kopf und wird ein neuer Leib in der Kolben
oder Kopf, und wird figurieret gleichwie erstlich die Wurzel in der Erden,
alleine daß es nun eine andere, subtilere Form krieget. 57. Alsdann dringet die süße Qualität sanft von
sich, und wachsen kleine subtile Blättlein in dem Kopfe, die sind aller
Qualitäten Art. Denn das süße Wasser ist nun wie ein schwanger Weib, das den
Samen empfangen hat; und sie dringet immer von sich, bis sie den Kopf
zersprenget. 58. Alsdann dringet sie auch in den Blättlein
herfür, als ein Weib, das gebäret. Aber die Blättlein oder Blüten haben nicht
mehr ihre Farbe und Gestalt, sondern der andern Qualitäten alle; denn die
süße Qualität muß nun der andern Qualitäten Kinder gebären. Und wenn dann die
süße Mutter die schönen grünen, blauen, weißen, roten und gelben Blümlein
oder Kinder geboren hat, so wird sie gar müde und kann dieselben Kinder nicht
lange ernähren, und mag sie auch nicht lange haben, dieweil es nur ihre
Stiefkinder sind, die gar zarte sind. 59. Und wenn dann die Hitze von außen auf die
zarten Kinder dringet, so werden alle Qualitäten in den Kindern angezündet,
denn der Geist des Lebens qualifizieret in ihnen. Dieweil sie denn nun zu
ohnmächtig sind zu diesem starken Geist und können sich nicht erheben, so
lassen sie ihre edle Kraft von sich gehen, und das reucht also lieblich, daß
einem das Herze lacht. Sie aber müssen verwelken und abfallen, weil sie zu
zart sind zu diesem Geiste. 60. Denn der Geist zeucht aus dem Kopf in die
Blüte; und der Kopf wird formieret nach aller Qualitäten Art. Die herbe
Qualität zeucht zusammen den Leib des Kopfes und die süße sänftiget ihn und
dehnet ihn aus, und die bittere scheidet die Materia in Gliedern, und die
Hitze ist der lebendige Geist darinnen. 61. Nun arbeiten alle Qualitäten darinnen und
gebären ihre Frucht oder Kinder. Und ein jedes Kind ist nach aller Qualitäten
Art und Eigenschaft qualifizieret. Solches treiben sie also lange, bis die
Materia gar vertrocket, bis die süße Qualität oder das süße Wasser
vertrocknet. Alsdann fällt die Frucht aus und vertrocknet auch der Halm und
fällt um. 62. Und das ist der Natur Ende in dieser Welt. In
diesem sind noch gar hohe Dinge zu schreiben. Das wirst du bei der Schöpfung
dieser Welt finden. Dieses ist nur zu einem Gleichnis allhie eingeführet
worden und aufs kürzeste beschrieben. 63. Nun die andere Gestalt der Qualitäten oder der
göttlichen Kräfte oder der sieben Geister Gottes ist sonderlich bei der Hitze
zu merken: Erstlich ist der Grund oder das körperliche Wesen, wiewohl sie in
der Gottheit und auch in den Kreaturen keinen sonderlichen Corpus hat,
sondern es sind alle Qualitäten untereinander wie eine, jedoch vermerket man
jeder Qualität Wirkung insonderheit. 64. Nun in dem Corpus oder Quellgrund ist die
Hitze, die das Feuer gebäret. Das ist eine Gestalt und die kann man
erforschen. Und aus der Hitze gehet das Licht durch alle Geister oder
Qualitäten, und das Licht ist der lebendige Geist. Den kann man nicht
erforschen. Seinen Willen aber kann man erforschen, was er will oder wie er
ist, denn er fähet in der süßen Qualität, und das Licht gehet in der süßen
Qualität auf in dem süßen Wasser, und in den andern Qualitäten nicht. 65. Dessen hast du ein Exempel: Du kannst alle
Ding in dieser Welt anzünden, daß es leuchtet und brennet, da die süße
Qualität das Oberregiment innehat, und da die andern Qualitäten das Regiment
innehaben, kannst du nicht anzünden. Und ob du gleich die Hitze drein
bringest, so kannst du doch nicht den Geist drein bringen, daß es leuchtet.
Darum sind alle Qualitäten der süßen oder des süßen Wassers Kinder, dieweil
der Geist allein im Wasser aufgehet. 66. Bist du nun ein vernünftiger Mensch, in dem
Geist und Verstand ist, so siehe dich um in der Welt, du wirst es also
finden: Ein Holz kannst du anzünden, daß es leuchtet, denn das Wasser ist
Primus darinnen, desgleichen allerlei Kraut über der Erden, da das süße
Wasser Primus ist. Einen Stein kannst du nicht anzünden, denn die herbe
Qualität ist Primus drinnen. Die Erde kannst du auch nicht anzünden, es
werden denn zuvorhin die andern Qualitäten und rausgesotten, welches an dem
Pulver zu sehen ist, welches doch nur ein Blitz oder ein Geist des Schreckens
ist, da sich der Teufel in dem Zorne Gottes drinnen fürbildet, welches ich an
einem andern Orte ausführlich beschreiben und auch beweisen will. 67. Nun wirst du sagen: Man kann ja das Wasser
nicht anzünden, daß es leuchtet? – Ja, lieber Mensch, hie steckt die
Geheimnis. Das Holz, das du anzündest, ist auch nicht das Feuer, sondern ein
finsterer Stock, allein das Feuer und Licht nimmt seinen Ursprung davon. Du
mußt aber verstehen von der süßen Qualität des Wassers und nicht vom Stocke,
das ist von der Fettigkeit, das ist der Geist drinnen. 68. Nun ist in dem elementischen Wasser auf Erden
die Süßigkeit nicht Primus oder Oberregent, sondern die herbe, bittere und
saure Qualität, sonst wäre das Wasser nicht tödlich, sondern es wäre wie das
Wasser ist, da der Himmel aus geschaffen ist. Das will ich dir beweisen, daß
in dem elementischen Wasser auf Erden die herbe, saure und bittere Qualität
Primus ist. 69. Nimm Korn, Weizen, Gersten, Haber oder was du
willst, da die süße Qualität Primus innen ist, und weiche das in elementisch
Wasser und brenne es hernach, so wird die süße Qualität den andern das
Regiment nehmen. Und zünde dasselbe Wasser hernach an, so wirst du auch den
Geist sehen, der von der Fettigkeit des Korns in dem Wasser blieben ist, der
das Wasser überwunden hat. Solches siehst du auch im Fleische. Das Fleisch
brennet und leuchtet nicht, allein das Fett brennet und leuchtet. 70. Nun möchtest du fragen: Wie kommt das oder wie
hats eine Gestalt? Siehe, in dem Fleisch ist die herbe, saure und bittere
Qualität Primus und in dem Fetten die Süßigkeit. Darum ist eine fette Kreatur
immer fröhlicher als eine magere, dieweil der süße Geist sehrer in ihm
quallet als im magern. Denn das Licht der Natur, welches der Geist des Lebens
ist, scheinet sehrer in ihm als in dem magern, denn in demselben Lichte in
der süßen Qualität steht das Triumphieren oder die Freude, denn die herben
und bitteren Qualitäten triumphieren darinnen, denn sie freuen sich, daß sie
von der süßen und lichten Qualität gelabet, gespeiset, getränket und
erleuchtet werden. Denn in der herben ist kein Leben, sondern der herbe,
kalte, harte Tod; und in der bittern ist kein Licht, sondern die finster,
bittere und wütende Pein, das Haus des zitternden und grimmigen furchtsamen
Elendes. 71. Darum wenn sie bei der süßen und lichten
Qualität zu Gaste sind, so werden sie infizieret und lieblich, dazu ganz
freudenreich, und triumphieren in einer Kreatur. Darum ist keine magere
Kreatut fröhlich, es sei denn Sache, daß die Hitze in ihr Primus ist, das
ist, ob sie gleich mager ist und wenig Fettes hat, so ist es dennoch
trefflicher Süßigkeit. Dagegen hat manche Kreatur vie Fettes und ist doch
ganz melancholisch, das ist die Ursache, daß sein Fettes nach dem
elementischen Wasser geneiget ist, da die herbe und bittere Qualität etwas
stark ist. 72. Bist du nun ein vernünftiger Mensch, so siehe:
Der Geist, der sich aus der Hitze empöret, der nimmt in der süßen Qualität
seinen Ausgang, Aufsteigen und Leuchten. Darum ist die süße Qualität sein
freundlicher Wille und herrschet in der Sanftmut, und die Sanftmut ist sein
eigen Haus. Und das ist der Kern der Gottheit. Und darum heißt er Gott, daß
er ist süße, sänftig, freundlich und gütig, und darum heißt er barmherzig,
daß seine süße Qualität in der herben, sauren und bittern aufsteiget und sie
labet, erquicket, befeuchtet und erleuchtet, daß sie nicht ein finster Tal
bleiben. 73. Darum verstehe nur deine Muttersprache recht,
du hast so tiefen Grund darinnen als in der hebräischen oder lateinischen, ob
sich gleich die Gelehrten darinnen erheben wie eine stolze Braut. Es kümrnert
nichts, ihre Kunst ist jetzt auf der Bodenneige. Der Geist zeiget, daß noch
vorm Ende mancher Laie wird mehr wissen und verstehen als jetzt die klügesten
Doctores wissen, denn die Tür des Himmels tut sich auf; wer sich nur selber
nicht verblenden wird, der wird sie wohl sehen. Der Bräutigam krönet seine
Braut. Amen. 74. Siehe das Wort Barm ist nur auf deiner Lippen,
und wenn du sprichst Barm, so machst du das Maul zu und karrest hinten nach.
Das ist die herbe Qualität. Die umschleußt das Wort, das ist: sie figurieret
zusammen das Wort, daß es hart wird oder schallet, und die bittere Qualität
zerscheidet es. 75. Das ist, wenn du sprichst Bar, so kirret der
letzte Buchstab R und murret als ein zitternder Odem. Und das tut die bittere
Qualität, die ist zitternd. Nun ist aber das Wort Barm ein tot, unverständig
Wort, das niemand verstehet, das bedeut, daß die zwei Qualitäten Herbe und
Bitter ein hart, dunkel, kalt und bitter Wesen sind, die kein Licht in sich
haben. Darum kann man ihre Kraft außerhalb des Lichtes nicht verstehen. 76. Wenn man aber spricht Barmherz so druckt man
die andere Silbe Herz aus der Tiefe des Leibes aus dem Herzen, denn der
rechte Geist spricht das Wort Herz aus, der sich aus der Hitze des Herzens
empöret, in welchem das Licht ausgehet und quallet. 77. Nun siehe, wenn du sprichst Barm, so
figurieren die zwei Qualitäten Herbe und Bitter das Wort Barm gar langsam
zusammen; denn es ist eine lange ohnmächtige Silbe von wegen der Qualitäten
Schwachheit. Wenn du aber sprichst Herz, so fähret der Geist in dem Wort Herz
geschwind wie ein Blitz heraus und gibt des Worts Unterscheid und Verstand.
Wenn du aber sprichst Ig, so fängest du den Geist mitten in den andern zwei
Qualitäten, daß er muß drin bleiben und das Wort formieren. 78. Also ist die göttliche Kraft; die herbe und
bittere Qualität sind der Salitter der göttlichen Allmacht. Die süße Qualität
ist der Kern der Barmherzigkeit, nach welcher das ganze Wesen mit allen
Kräften Gott heißt. Die Hitze ist der Kern des Geistes aus welcher das Licht
fähret und zündet sich in der Mitten in der süßen Qualität an und wird von
der herben und bittern gefangen als inmitten. Darinnen wird der Sohn Gottes
geboren. Das ist das rechte Herze Gottes. 79. Und des Lichts Flammen oder Blitz, das augenblicklich
in allen Kräften leuchtet, gleichwie die Sonne in der ganzen Welt, das ist
der Hl. Geist, der gehet aus der Klarheit des Sohnes Gottes und ist der Blitz
und die Schärfe, denn der Sohn wird mitten in den andern Qualitäten geboren
und ist mit den andern Qualitäten gefangen. 80. Verstehe dies hohe Ding recht: Wenn der Vater
das Wort spricht, das ist: seinen Sohn gebäret, welches dann immer und ewig
geschieht, so nimmt dasselbe Wort erstlich in der herben Qualität seinen
Ursprung. Da fasset sichs, und in der süßen nimmts seinen Quell. Und in der
bittern schärfet sichs und beweget sich, und in der Hitze steigets auf und
zündet den mittlern süßen Quell an. 81. Nun brennets zugleich in allen Qualitäten von
dem angezündeten Feuer, und das Feuer brennet aus den Qualitäten, denn alle
Qualitäten brennen. Und dasselbe Feuer ist ein Feuer nicht viel Feuer.
82. Und dasselbe Feuer ist der wahrhaftige Sohn
Gottes, der von Ewigkeit zu Ewigkeit immer also geboren wird. Das wollte ich
an Himmel und Erden, Sternen und Elementen und an allen Kreaturen, an
Steinen, an Laub und Gras, ja an dem Teufel selber beweisen und nicht mit
toten, schlechten, unverständigen Argumenten, sondern mit eitel lebendigen
und unüberwindlichen, ja mit unwiderruflichen und unwiderleglichen festen
Argumenten, auch über und wider aller Menschen Vernunft und endlich wider
aller Teufel und Höllen Porten, so es allhie nicht zuviel und weiten Raumes
nehmen wollte. 83. Allein es wird in dem ganzen Buche in allen
Artikel und Stücken gehandelt werden, und wird es freilich bei der Schöpfung
der Kreaturen, sowohl bei der Schöpfung Himmels und Erden und aller Dinge
finden, welches sich denn besser schickt und dem Leser begreiflicher ist. 84. Nun merke: Aus demselben Feuer gehet der Blitz
oder das Licht aus und wallet in allen Kräften und hat aller Kräfte
Quellbrunn und Schärfe in sich. Dieweil es durch den Sohn aus allen Kräften
des Vaters geboren ist, so macht es nun hinwiederum alle Kräfte in dem Vater
lebendig und beweglich. Und durch denselben Geist sind alle heiligen Engel
formieret und aus des Vaters Kräften gebildet worden. Und derselbe Geist
erhält und trägt alles, formieret alles, alle Gewächse und Farben und
Kreaturen im Himmel und in dieser Welt und über aller Himmel Himmel, denn die
Geburt der Hl. Dreifaltigkeit ist überall also und nicht anders und wird auch
in Ewigkeit nicht anders werden. 85. Wenn aber das Feuer in einer Kreatur
angezündet wird, das ist: wenn sich eine Kreatur zu sehr erhebet, wie Luzifer
und seine Legionen taten, so verlischt das Licht und gehet auf der grimmige
und hitzige Quell, der Quell des höllischen Feuers, das ist: es gehet auf der
Geist des Feuers in der grimmen Qualität. 86. Hiemit merke die Umstände, wie das geschieht
oder geschehen kann: Ein Engel ist aus allen Kräften zusammenfigurieret, wie
ich nach der Länge beschrieben habe. Nun wenn er sich erhebet, so erhebet er
sich erstlich in der herben Qualität. Die rafft er zusammen wie ein Weib, das
gebären will, und druckt sich. Davon wird die herbe Qualität also hart und
scharf, daß sie das süße Wasser nicht mehr zwingen kann und kann nicht mehr
sänftig in der Kreatur aufsteigen, sondern es wird von der herben Qualität
gefangen und vertrocknet und in eine harte, scharfe, grimmige Kälte
verwandelt. Denn es wird zu derb von der herben Zusammenziehung und verlieret
seinen lichten Glanz und seine Fettigkeit, darinnen der lichte Geist
aufgehet, der der Geist des heiligen, englischen und göttlichen Lebens ist,
welcher wird durch die herbe Qualität also hart zusammengezogen und gedruckt,
davon er vertrocknet als ein süßes, dürres Holz. 87. Und wenn dann die bittere Qualität in der
vertrockneten süßen Qualität aufsteiget, so kann sie die süße nicht sänftigen
und mit süßem lichten Wasser tränken, dieweil sie vertrocknet ist. Da wütet
und tobet die bittere Qualität und suchet Ruhe oder Speise und findet ihr
nicht, und wallet in dem Corpus als eine verschmachtete Gift. 88. Wenn denn nun die Hitze die süße Qualität
anzündet und will ihre Hitze in dem süßen Wasser sänftigen, davon sie
aufsteiget und in dem ganzen Corpus leuchtet; da findet sie nichts als einen
harten, dürren und süßen Quell, da kein Saft innen ist, der gar vertrocknet
ist von der Herbigkeit. 89. Alsdann zündet sie den süßen Quell an, in
willens sich zu laben. Aber da ist kein Saft mehr, sondern der süße Quell
brennet und glühet nun wie ein harter, verdorreter Stein und kann sein Licht
nicht mehr anzünden. Und der ganze Corpus bleibet nun ein finster Tal, da
nichts innen ist als in der herben Qualität eine grimmige, harte Kälte, in
der süßen ein hart glühend Feuer, darinnen die grimmige Hitze aufsteiget in
alle Ewigkeit, und in der bittern ein Wüten, Toben, Stechen und Brennen. 90. Und da hast du die wahrhaftige Beschreibung
eines verstoßenen Engels oder Teufels und auch die Ursache, und ist nicht nur
ein Gleichnis geschrieben, sondern im Geiste durch die Kraft, aus dem alles
worden ist. Mensch, hierinne besinne dich hinter sich und vorsich. Es ist
nichts vergebens. 91. Diese große Geschichte, wie sie ergangen ist,
wirst du beim Fall des Teufels nach der Länge finden. Von der fünften Umstände
oder Species 93. Nun merke, was da sei der Quellbrunn der
holdseligen und freundlichen Liebe Gottes; merke hie eigentlich, denn es ist
der Kern. 94. Wenn die Hitze in der süßen Qualität aufgehet
und zündet den süßen Quell an, so brennet dasselbe Feuer in der süßen
Qualität. Dieweil denn nun die süße Qualität ein dünn, lieblich, süßes
Quellwasser ist, so sänftiget sie die Hitze und löschet das Feuer, so bleibet
alsdann in dem süßen Quellbrunnen des süßen Wassers nur das freudenreiche
Licht. Und die Hitze ist nur ein sanftes Wärmen, gleichwie in einem Menschen
der sanguinischer Complexion ist, da ist die Hitze auch nur ein freundlich
Wärmen, so er sich nur recht mäßig hält. 95. Dasselbe freundliche Liebe-Licht-Feuer gehet
in der süßen Qualität auf in die bittere und herbe Qualität und zündet die
bittere und herbe Qualität an und speiset und tränket sie mit ihrem süßen
Liebe-Saft, und erquicket sie und erleuchtet sie und macht sie lebendig und
freundlich. 96. Und wenn dann die süße, lichte Liebe-Kraft zu
ihnen kommt, daß sie davon kosten und ihr Leben kriegen, ach da ist ein
freundlich Benevenieren und Triumphieren, ein freundlich Willkommen und große
Liebe, gar ein freundlich und holdselig Küssen und Wohlschmecken. 97. Da küsset der Bräutigam seine Braut: O Holdseligkeit und große
Liebe, wie süße bist du, wie freundlich bist du, wie lieblich ist doch dein
Geschmack, wie sanft reuchst du doch! Ach, edles Licht und Klarheit, wer kann
deine Schönheit ermessen, wie zierlich ist deine Liebe, wie schön sind deine
Farben! Ach und ewiglich, wer kann das aussprechen oder was schreibe ich
doch, der ich doch nur starmmele wie ein Kind, das da lernt reden. 98. Wem soll ichs doch vergleichen? Sollt ichs der
Liebe dieser Welt vergleichen, so ist es nur ein finster Tal. Ach und groß,
ich kann dich mit nichts vergleichen als nur mit der Auferstehung von den
Toten. Da wird das Liebe-Feuer wieder aufgehen in uns und den Menschen
freundlich umfangen und unsere herbe, bittere und kalte, finstere und tote
Qualität wieder anzünden und uns freundlich umfangen. 99. O edler Gast, warum bist du von uns gewichen?
O Grimrnigkeit und Herbigkeit, du bist Ursache! O grimmigen Teufel, was hast
du doch getan, der du dich und alle deine schönen Engel in die Finsternis
versenket hast! Ach und immer ach! War doch die. holdselige schöne Liebe auch
in dir, o du hochmütiger Teufel! Warum ließest du dir nicht genügen? Warest
du doch ein Cherub und war im Himmel nichts schöner als du, was suchtest du
doch? Wolltest du der ganze Gott sein? Wußtest du doch wohl, daß du eine
Kreatur warest und hast nicht die Wurfschaufel in deiner Hand. 100. Was klage ich dich doch, du stinkender Bock!
O du verfluchter stinkender Teufel, wie hast du uns verderbet! Was willst du
dich doch ausreden oder was wirfst du mir für? Du sagest, wenn dein Fall
nicht wäre geschehen, so wäre der Mensch nie erdacht worden. O du
Lügenteufel, ob das gleich wahr ist, so wäre der Salitter, daraus der Mensch
gemacht ist, der auch von Ewigkeit ist, so wohl als der, daraus du gemacht
bist in ewiger Freude und Klarheit gestanden, und wäre gleichwohl in Gott
aufgestiegen und hätte in den sieben Geistern Gottes die holdselige Liebe
gekostet und der himmlischen Freuden genossen. 101. O du Lügenteufel, warte noch ein wenig. Der
Geist wird dir deine Schande aufdecken. Verzeuch noch eine kleine Weile, so
wirst du ausgepranget haben. Warte, der Bogen ist schon gerichtet. Trifft
dich der Pfeil, wo wirst du hinfallen? Der Locus ist schon bereitet. Er soll
nur noch angezündet werden. Trage nur tapfer Holz zu, daß du nicht
erfrierest, du wirst wohl schwitzen. Meinest du, du wolltest das Licht wieder
kriegen. Ja, »nobis infernum«. Reuch deine süße Liebe. Rat, Fritz, wie heißet
sie? Gehenna, das wird dich ewig lieben. 102. Ach wehe, du armer verblendeter Mensch, warum
lässest du dir den Teufel dein Leib und Seele so finster und blind machen? O
zeitlich Gut und Wollust dieses Lebens, du blinde Hure, warum buhlest du mit
dem Teufel? 103. O Sicherheit, der Teufel wartet deiner! O
Hochmut, du bist höllisch Feuer! O Schönheit, du bist ein finster Tal! O
Gewalt, du bist ein Wüten und Reißen des höllischen Feuers! O eigene Rache,
du bist der grimmige Zorn Gottes! 104. O Mensch, warum will dir die Welt zu enge
werden? Du willst sie allein haben, und hättest du sie, so hättest du noch
nicht Raum. Auch das ist des Teufels Hochmut, der aus dem Himmel in die Hölle
fiel. Ach Mensch, o Mensch, warum tanzest du doch mit dem Teufel, der dein
Feind ist? Hast du nicht Sorge, er wird dich in die Hölle stoßen? Wie gehest
du so sicher? Hast du doch nur ein schmales Steglein, darauf du tanzest,
unter dem Stege ist die Hölle. Siehst du nicht, wie hoch und gefährlich du
gehest? Du tanzest zwischen Himmel und Hölle! 105. O du blinder Mensch, wie spottet der Teufel
deiner! Ach, warum betrübst du den Himmel? Meinest du, du wirst nicht genug
haben in dieser Welt? O blinder Mensch, ist doch Himmel und Erde dein, dazu
Gott selber. Was bringest du in diese Welt oder was nimmst du mit? Ein
Engelskleid bringest du in diese Welt und machest in deinem bösen Leben eine
Teufelslarve daraus. 106. O du armer Mensch, kehre um! Der himmlische
Vater hat beide Arme ausgestreckt und ruft dir. Komm nur, er will dich in
seine Liebe fassen, bist du doch sein Kind! Er hat dich lieb. So er dich
feindete, so müßte er mit ihm selbst uneins sein. O nein, das ist nicht; in
Gott ist nichts als barmherzige, freundliche Liebe und Klarheit. 107. O ihr Hüter Israels, warum schlafet ihr?
Wacht auf vom Schlaf der Hurerei und schmücket eure Lampen! Der Bräutigam
kommt, lasset eure Posaunen schallen! O ihr Geizhälse und Trunkenbolde, wie
buhlet ihr mit dem Geizteufel! So spricht der Herr: Wollt ihr mein Volk nicht
weiden, das ich euch vertrauet habe? Sieh, ich habe euch auf Mosis Stuhl
gesetzt und euch meine Herde vertrauet, aber ihr meinet nur die Wolle und
nicht meine Schäflein. Damit bauet ihr eure Palasthäuser. Aber ich will euch
auf den Stuhl der Pestilenz setzen und mein Hirte soll meine Schäflein ewig
weiden. 108. Ach, du schöne Welt, wie klaget dich der
Himmel, wie betrübest du die Elementa! Ach Bosheit, wann willst du aufhören?
Wache auf, wache auf und gebäre, du trauriges Weib! Dein Bräutigam kommt und
fordert von dir die Frucht. Warum schläfest du? Siehe, er klopfet an! 109. O holdselige Liebe und klares Licht, bleib
doch bei uns, denn es will Abend werden! Ach, Wahrheit, o Gerechtigkeit und
rechtes Gerichte, wo bist du hinkommen? Wundert sich doch der Geist, als wenn
er die Welt zuvorhin nie gesehen hätte. Ach, was schreibe ich doch die
Bosheit der Welt, der ich es tun muß, und die Welt gibt mir dafür des Teufels
Dank? Ach! Amen. Das 9. Kapitel Von der holdseligen,
freundlichen und barmherzigen Liebe Gottes - Die große himmlische und
göttliche Geheimnis Dieweil ich allhie von
himmlischen und göttlichen Dingen schreibe, welches der verderbten Natur des
Menschen gar fremd ist, darob sich der Leser an der Einfalt des Autoris ohne
Zweifel möchte wundern und ärgern, dieweil der verderbten Natur Trieb nur auf
das Hohe siehet als eine stolze, wilde, geile und hurische Frau, die sich in
ihrer Brunst immer nach schönen Männern umsiehet, mit denselben zu buhlen. 2. Also ist die hoffärtige, verderbte Natur des
Menschen auch. Die sieht nur, was vor der Welt gleißet und pranget, und
vermeinet, Gott habe des Elenden vergessen, darum plage er ihn also. Sie
denket, der Hl. Geist sehe nur auf das Hohe, auf die Kunst dieser Welt, auf
das große und tiefe Studium. 3. Ob sichs aber auch also verhalte, so siehe nur
zurücke, so wirst du den Grund finden. Wer war Abel? Ein Schäfer. – Wer war
Henoch und Noa? Einfältige Leute. Wer war Abraham, Isaak und Jakob?
Viehhirten waren sie. Wer war Moses, der teure Mann Gottes? Ein Viehhirt. –
Wer war David, als ihn des Herrn Mund berief? Ein Schäfer. – Waren die
Propheten groß und klein? Gemeine und geringe Leutlein, ein Teil nur Bauern
und Hirten, die nur der Welt Fußhadern waren. Man hielt sie nur für Narren.
Und ob sie gleich Wunder und Zeichen taten, noch sah die Welt nur auf das
Hohe, und der Hl. Geist mußte ihrer Füße Schemel sein, denn der stolze Teutel
hat je und allewege wollen ein König in dieser Welt sein. 4. Nun, wie kam unser König Jesus Christus in
diese Welt? arm und in großem Kummer und Elende, und hatte nicht, da er sein
Haupt konnte hinlegen, Matth 8.20. 5. Wer waren seine Apostel? Arme, verachtete,
ungelehrte Fischerknechte. Wer glaubte ihren Predigten? Das arme, geringe
Völklein. Die Hohen und Schriftgelehrten waren Christi Henkersknechte, die da
schrien: Crucifige, crucifige! Luk 23, 21. 6. Wer ist je und allwege bei der Kirchen Christi am
festesten gestanden? Das arme verachtete Völklein, das hat um Christi willen
sein Blut vergossen. Wer hat die rechte, reine christliche Lehre verfälscht
und je und allwege angefochten? Die Schriftgelehrten, Päpste, Kardinäle,
Bischöfe und große Hansen. Warum folgete ihnen die Welt? Darum daß sie ein
groß Ansehen hatten und vor der Welt prangeten. Eine solche stolze Hure ist
die verderbte menschliche Natur. 7. Wer hat des Papsts Geldsucht, Abgötterei,
Finanzen und Betrug in Deutschland aus der Kirchen gefeget? Ein armer
verachteter Mönch. Durch was Macht oder Kraft? Durch die Macht Gottes des
Vaters und durch die Kraft Gottes des Hl. Geistes. 8. Was ist noch verborgen? Die rechte Lehre
Christi? Nein, sondern die Philosophia und der tiefe Grund Gottes, die
himmlische Wonne, die Offenbarung der Schöpfung der Engel, die Offenbarung
des greulichen Falles des Teufels, davon das Böse herkommt, die Schöpfung
dieser Welt, der tiefe Grund und Geheimnis des Menschen und aller Kreaturen
in dieser Welt, das jüngste Gericht und Veränderung dieser Welt, die
Geheimnis der Auferstehung der Toten und des ewigen Lebens. 9. Dieses wird in der Tiefe in großer Einfalt
aufgehen, warum nicht in der Höhe in der Kunst? Auf daß sich niemand rühmen
darf, er habe es getan, und des Teufels Hoffart hiemit aufgedeckt und
zunichte gemacht werde. Warum tut Gott das? Aus seiner großen Liebe und
Barmherzigkeit über alle Völker, und hiemit anzuzeigen, daß nunmehr vorhanden
sei die Zeit der Wiederbringung, was verloren ist, da die Menschen werden
schauen und genießen der Vollkommenheit und wallen in der reichen, lichten
und tiefen Erkenntnis Gottes. 10. Darum wird zuvorhin aufgehen eine Morgenröte,
dabei man den Tag erkiesen oder merken kann. Wer nun will schlafen, der
schlafe immerhin, und wer da will wachen und seine Lampe schmücken, der wache
immerhin. Siehe, der Bräutigam kommt. Wer nun wachet und geschmückt ist, der
gehet mit zur ewigen himmlischen Hochzeit ein, wer aber schläft, wenn er
kommt, der schläft immer und ewig im finstern Kerker der Grimmigkeit. 11. Darum will ich den Leser treulich gewarnet
haben, daß er dies Buch mit Fleiß lese und sich nicht an der Einfalt des
Autoris ärgere. Denn Gott siehet nicht auf das Hohe, denn er ist allein hoch,
sondern er siehet, wie er dem Niedrigen helfe. Wirds so weit mit dir kommen,
daß du des Autoris Geist und Sinn ergreifest, so wirds keiner Ermahnung mehr
bedürfen, sondern du wirst dich in diesem Lichte freuen und fröhlich sein,
und deine Seele wird darinnen lachen und triumphieren. 12. Nun merke: Die holdselige Liebe, welche ist
der fünfte Quellgeist in der göttlichen Kraft, ist der verborgene Quell, den
das korporalische Wesen nicht begreifen oder umfassen kann als nur, wenn er
in dem Corpus aufgehet, so triumphieret das Corpus darinnen und gebäret sich
freundlich und lieblich. Denn er gehöret nicht zur Bildung eines Corpus,
sondern gehet in dem Corpus auf wie eine Blume aus der Erden. Nun derselbe
Quellgeist nimmt anfänglich seinen Ursprung aus der süßen Qualität des
Wassers. 13. Verstehe dies, wie es sei, hie merke
eigentlich: Erstlich ist die herbe Qualität, danach die süße, danach die
bittere. Die süße ist zwischen der herben und bittern mitten inne. Nun macht
die herbe immer hart, kalt und finster, und die bittere reißet, treibet, wütet
und zerscheidet. Die zwei Qualitäten reiben und treiben sich so hart
miteinander und wallen so strenge, daß sie die Hitze gebären. Die ist nun in
den zwei Qualitäten finster wie die Hitze in einem Steine. 14. Wenn man einen Stein nimmt oder sonst etwas
Hartes und reibet es auf Holz, so erhitzen sich die beiden Dinge. Nun ist
dieselbe Hitze nur eine Finsternis und darinnen kein Licht. Also ists auch in
der göttlichen Kraft. Nun die herbe und bittere Qualität ohne des siiße
Wasser reifen und treiben sich so harte, daß sie die finstere Hitze gebären
und in sich entzünden. 15. Und das ist nun zusammen der Zorn Gottes, der
Quell und Ursprung des höllischen Feuers, wie beim Luzifer zu sehen ist. Der
erhub sich und drückte sich so hart zusammen mit seinen Legionen, daß das
süße Quellwasser in ihm vertrocknete, darinnen sich das Licht anzündet und
darinnen die Liebe aufsteiget. Darum ist er nun ewig ein herber, harter,
kalter, bitter und hitziger und sauer stinkender Quellbrunn, denn als die
süße Qualität in ihm vertrocknete, so wards ein finster, sauer Gestank und
ein Jammertal, ein Haus der Verderbung und Elendes. 16. Nun weiter in der Tiefe: Wenn sich nun die
herbe und bittere Qualität also hart miteinander reiben, daß sie die Hitze
gebären, so ist nun die süße Qualität, das süße Quellwasser zwischen der
herben und bittern mitten innen, und die Hitze wird zwischen der herben und
bittern Qualität in dem süßen Quellwasser geboren durch die herbe und bittere
Qualität. 17. Allda zündet sich das Licht in der Hitze in
dem süßen Quellwasser an, das ist der Anfang des Lebens. Denn die herbe und
bittere Qualität sind der Anfang und eine Ursache der Hitze und des Lichtes.
Also wird das süße Quellwasser ein scheinend Licht gleich dem blauen lichten
Himmel. 18. Und dasselbe lichte Quellwasser zündet an die
herbe und bittere Qualität und die Hitze, welche von der herben und bittern
Qualität in dem süßen Wasser geboren wird, die steiget aus dem süßen
Quellwasser auf durch die bitter und herbe Qualität. Und in der bittern und
herben Qualität wird erst das Licht trocken und scheinend, dazu beweglich und
triumphierend. 19. Und wenn dann nun das Licht aus dem süßen
Quellwasser in der Hitze in der bittern und herben Qualität aufgehet, so
schmecken die bittere und herbe Qualität das lichte und süße Wasser. Und die
bittere Qualität fänget den Schmack des süßen Wassers, und in dem süßen
Wasser ist das Licht, aber nur himmelblaue Farbe. 20. Alsdann zittert die bittere Qualität und zertreibet
die Härtigkeit in der herben, und das Licht trocknet sich in der herben und
scheinet helle, viel Lichter als der Sonnen Glanz. In diesem Aufsteigen wird
die herbe Qualität sanfte, lichte, dünne und lieblich und krieget ihr Leben,
welches Ursprung steiget aus der Hitze in dem süßen Wasser. Das ist nun der
rechte Brunnquell der Liebe. 21. Merke dies im tiefen Sinn: Wie wollte da nicht
Liebe und Freude sein, wo mitten im Tode das Leben geboren wird und mitten in
der Finsternis das Licht? Sprichst du, wie gehet das zu? Ja, wenn mein Geist
in deinem Herzen säße und quälle in deinem Herzen auf, so befände und
begriffe es dein Leib. Aber anders kann ichs nicht in deinen Sinn bringen. Du
kannst es auch nicht begreifen oder verstehen, der Hl. Geist zünde denn deine
Seele an, daß dieses Licht in deinem Herzen selber scheine. Alsdann wird
dieses Licht in dir selber geboren wie ein Gott und steiget in deiner herben
und bittern Qualität auf in deinem süßen Wasser und triumphieret wie in Gott.
Wenn nun dies geschieht, so wirst du erst mein Buch verstehen und eher nicht.
22. Merke: Wenn das Licht in der bittern Qualität
geboren wird, das ist: wenn das bitter und trocken Quellen das süße
Quellwasser des Lebens fänget und trinket es, so wird der bittere Geist lebendig
in dem herben Geist, und ist der herbe Geist nun wie ein schwanger Geist, der
des Lebens schwanger ist und muß das Leben immer gebären. Denn das süße
Wasser, und in dem süßen Wasser das Licht, steigt nun immer in der herben
Qualität auf. Und die bittere Qualität triumphieret nun immer darinnen und
ist nichts denn eitel Lachen und Freude, eitel Liebhaben. 23. Denn die herbe Qualität liebet das süße Wasser
erstlich darum, daß in dem süßen Wasser der Geist des Lichts geboren wird und
tränket die herbe, harte und kalte Qualität und erleuchtet sie und wärmet
sie, denn in dem Wasser, Hitze und Licht steht das Leben. 24. Ferner hat die herbe Qualität die bittere
lieb, darum daß die bittere in dem süßen Wasser, das ist: in dem Wasser,
Hitze und Licht in der herben triumphieret und die herbe beweglich macht,
darinnen die herbe auch kann triumphieren. 25. Zum dritten hat die herbe Qualität die Hitze
lieb, darum daß in der Hitze das Licht geboren wird, dadurch die herbe
Qualität wird erleuchtet und gewärmet. 26. Und die süße Qualität hat die herbe auch lieb,
1. darum, daß sie die herbe trocknet, daß sie nicht dünne wird gleich dem
elementischen Wasser, und ihre Qualität in Kraft bestehet, und daß in der
herben Qualität das Licht, das in ihr geboren wird, scheinend und trocken
wird. Dazu ist die herbe Qualität eine Ursache der Hitze, welche in dem süßen
Wasser geboren wird, darinnen das Licht aufgehet, darinnen das süße Wasser in
großer Klarheit stehet. 27. Zum 2. hat die süße Qualität die bittere auch
lieb, darum daß sie auch eine Ursache ist der Hitze und auch darum, daß der
bittere Geist in dem süßen Wasser, Hitze und Licht triumphieret und zittert
und macht die süße beweglich und lebendig. 28. Zum 3. hat die süße Qualität die Hitze
trefflich sehr lieb, also lieb, daß ich das mit nichts vergleichen kann: Nimm
dir ein Gleichnis, welches doch wohl viel zu gering ist, an zweien jungen
Menschen edler Komplexion, wenn dieselben aneinander erhitzen in
Liebe-Brunst, so ists ein solch Feuer. Könnten sie einander in Leib kriechen
oder sich in einen Leib verwandeln, sie täten das. Aber die irdische
Liebe ist nur kalt Wasser und nicht recht Feuer. Man kann kein recht
Gleichnis in dieser halbtoten Welt finden als nur die Auferstehung der Toten
am jüngsten Tage. Das ist ein vollkommen Gleichnis, in allen göttlichen
Dingen das rechte Liebe-Empfangen. 29. Die süße Qualität hat aber die Hitze darum
also lieb, daß sie in ihr den lichten Geist gebäret, der da ist der Geist des
Lebens. Denn das Leben entstehet in der Hitze, sonst wo die Hitze nicht wäre,
so wäre alles ein finster Tal. Also lieb als nun das Leben ist also lieb ist
auch dem süßen Geist die Hitze und in der Hitze das Licht. 30. Und die bittere Qualität liebet auch alle
anderen Quellgeister, erstlich die süße, denn in dem süßen Wasser wird der
bittere Geist gelabet und erlöschet darinnen seinen großen Durst, und seine
Bitterkeit wird darinnen gesänftiget und krieget sein Lichte Leben darinnen.
Und in der herben hat er seinen Leib, darinnen er triumphieret und sich
kühlet und sänftiget. Und in der Hitze hat er seine Kraft und Stärke,
darinnen seine Freude stehet. 31. Und die hitzige Qualität hat auch alle anderen
Qualitäten lieb, und ist die Liebe auch also groß in ihr, gegen und in den
andern, daß mans nicht vergleichen kann, denn sie wird von den andern
geboren. Die herben und bitteren Qualitäten sind der Hitze Vater und das süße
Quellwasser ist seine Mutter, die es empfänget und gebäret. Denn durch der
herben und bittern hartes Treiben wird die Hitze. Die gehet in der süßen
Qualität als in einem Holze auf. 32. Willst du das nicht glauben, so tu deine Augen
auf und gehe zu einem Baum und siehe den an und besinne dich, so siehest du
erstlich den ganzen Baum. Nimm ein Messer und schneide darein und koste wie er
ist, so schmeckest du erstlich die herbe Qualität, die zeucht dir die Zunge
zusammen. Nun dieselbe hält auch und zeucht zusammen alle Kräfte des Baumes.
Danach schmeckest du die bittere Qualität. Die macht den Baum beweglich, daß
er wächst, grünet und seine Aste, Laub und Frucht krieget. Danach schmeckest
du die Süße, die ist ganz sänftig und scharf, denn von der herben und bittern
Qualität krieget sie die Schärfe. 33. Nun diese Qualitäten wären finster und tot, so
die Hitze nicht darinnen wäre. Alsbald aber der Frühling kommt, daß die Sonne
mit ihren Strahlen die Erde erreichet und erwärmet, so wird der Geist in der
Hitze in dem Baume lebendig, und heben die Geister des Baumes an zu grünen,
wachsen und blühen. Denn der Geist gehet in der Hitze auf und alle Geister
freuen sich darinnen und leben darinnen, und ist eine herzliche Liebe
zwischen ihnen. Die Hitze aber wird durch Kraft und Trieb der herben und
bittern Qualität in dem süßen Wasser geboren. Der Sonnen Hitze aber müssen
sie zur Anzündung gebrauchen, darum daß sie die Qualitäten in dieser Welt
halb tot und zu ohnmächtig sind, an welchem König Luzifer eine Ursache ist,
welches du bei seinem Fall und bei der Schöpfung dieser Welt finden wirst.
Von der freundlichen Liebe, Holdseligkeit und Einigkeit dieser fünf
Quellgeister Gottes 35. Allein das ist zu beklagen bei dem Menschen,
daß seine Qualitäten verderbet und halb tot sind, darum dann des Menschen
Geist oder sein Quellen, Aufsteigen oder Anzünden in dieser Welt zu keiner
Vollkommenheit kommen kann. 36. Hinwiederum ist sich des hoch zu erfreuen, daß
des Menschen Geist in seiner Notdürftigkeit vom Hl. Geist erleuchtet und
angezündet wird, gleichwie die Sonne die kalte Hitze in einem Baum oder
Kraute anzündet, davon die kalte Hitze lebendig wird. 37. Nun merke: Gleichwie die Glieder des Menschen
eines das andere liebet, also auch die Geister in der göttlichen Kraft; da
ist nichts denn eitel Sehnen, Begehren und Erfüllen, dazu einer in dem andern
Triumphieren und sich Freuen, denn durch diese Geister kommt der Verstand und
Unterschied in Gott, in Engeln, Menschen, Tieren und Vögeln und in allem, was
da lebet, denn in diesen fünf Qualitäten gehet auf das Sehen, Riechen,
Schmecken und Fühlen und wird ein vernünftiger Geist. 38. Wenn das Licht aufgehet, so siehet ein Geist
den andern. Und wenn das süße Quellwasser in dem Lichte durch alle Geister
gehet, so schmeckst einer den andern. Alsdann werden die Geister lebendig,
und dringet die Kraft des Lebens durch alles. Und in derselben Kraft reucht
einer den andern, und durch dieses Quellen und Durchdringen fühlet einer den
andern, und ist nichts denn ein herzlich Lieben und freundlich Sehnen, Wohlriechen,
Wohlschmecken und Liebefühlen, ein holdselig Küssen, voneinander Essen,
Trinken und Liebe-Spazieren. 39. Das ist die holdselige Braut, die sich in
ihrem Bräutigam freuet, darinnen ist Liebe, Freude und Wonne. Da ist Licht
und Klarheit; da ist lieblicher Geruch, da ist ein freundlicher und süßer
Geschmack. Ach und ewig ohn Ende, wie kann sich eine himmlische Kreatur
genugsam darinnen erfreuen! Ach Liebe und Holdseligkeit! Hast du doch kein
Ende, siehet man doch kein Ende an dir: deine Tiefe ist unerforschlich; du
bist überall also, nur in den grimmigen Teufeln nicht, die haben dich
verderbet in sich. 40. Sprichst du nun: Wo sind denn die holdseligen
Geister anzutreffen? Wohnen sie nur in sich selber im Himmel? Antwort: Das
ist die andere offene Porte der Gottheit. Du magst allhier deine Augen weit
auftun und den Geist in deinem halb toten Herzen erwecken, denn es ist kein
Dünkel, Gedichte oder Phantasei. 41. Merke: Die sieben Geister Gottes begreifen in
ihrem Zirk oder Raum den Himmel und diese Welt und die Weite und Tiefe außer
und über dem Himmel, über der Welt, unter der Welt und in der Welt, ja den
ganzen Vater, der weder Anfang noch Ende hat. Sie begreifen auch alle
Kreaturen im Himmel und in dieser Welt. Und alle Kreaturen im Himmel und in
dieser Welt sind aus diesen Geistern gebildet, und leben darinnen als in
ihrem Eigentum. Und ihr Leben und Vernunft wird auf eine solche Weise in
ihnen geboren, wie das göttliche Wesen geboren wird und auch in derselben
Kraft. Und aus demselben Corpus der sieben Geister Gottes sind alle Dinge
gemacht und hergekommen, alle Engel, alle Teufel, der Himmel, die Erde, die
Sternen, die Elementa, die Menschen, die Tiere, die Vögel, die Fische, alle
Würmer, das Holz und Bäume, dazu Steine, Kraut und Gras und alles, was da
ist. 42. Nun fragest du: Weil denn Gott überall ist und
selber alles ist, wie kommts dann, daß in dieser Welt solche Kälte und Hitze
ist; dazu beißen und schlagen sich alle Kreaturen, und ist nichts denn eitel
Grimmigkeit in dieser Welt. Siehe das ist die Ursache und Bosheit: Als König
Luzifer in seinem Reiche saß als eine stolze hoffärtige Braut, so begriff
sein Zirk den Locum, wo jetzt der erschaffene Himmel ist, der aus dem Wasser
gemacht ist, und auch den Locum der erschaffenen Welt bis an Himmel, sowohl
die Tiefe, wo jetzt die Erde ist. Das war alles ein reiner und heiliger
Salitter, da die sieben Geister Gottes völlig und lieblich waren wie jetzt im
Himmel, wiewohl sie noch in dieser Welt völlig sind. Aber merke nur die
Umstände recht: 43. Als sich König Luzifer erhub, so erhub er sich
in den sieben Quellgeistern und zündete dieselben mit seiner Erhebung an, daß
alles ganz brennend wurde. Die herbe Qualität ward so hart, daß sie Steine
gebar, und so kalt, daß sie das süße Quellwasser zu Eis machte. Und das süße
Quellwasser ward gar dicke und stinkicht, und die bittere Qualität ward gar
wütend, reißend und tobend, davon sich die Gift empöret und das Feuer oder
Hitze ward ganz eiferig, brennend und verzehrend, und war ganz eine böse
Temperanz oder Vermischung. 44. Auf dieses ist nun König Luzifer aus seinem
königlichen Loco oder Stuhl gestoßen worden, welchen er an dem Orte hatte, wo
jetzt der erschaffene Himmel ist, und ist allda bald die Schöpfung dieser
Welt darauf gefolget, und ist die harte, derbe Materia, die sich in den
angezündeten sieben Quellgeistern gewirket hatte, zusammengetrieben worden.
Davon ist die Erde und Steine worden. Hernach sind alle Kreaturen aus dem
angezündeten Salitter der sieben Geister Gottes geschaffen worden. 45. Nun sind die Quellgeister also grimmig in
ihrer Anzündung worden, daß einer den andern immer verderbet mit seinem bösen
Quell. Also tun nun auch die Kreaturen, die aus den Quellgeistern gemacht
sind und in derselben Trieb leben. Da beißet, stößet und neidet sich alles
nach der Qualitäten Art. 46. Auf dieses hat nun der ganze Gott das jüngste
Gericht beschlossen. Da will er das Böse von dem Guten scheiden und das Gute
wieder in die sanfte und liebliche Wonne setzen, wie es war von der
greulichen Anzündung der Teufel, und will das Grimmige dem König Luzifer zu
einer ewigen Behausung geben. Und alsdann werden aus diesem Reiche zwei Teile
werden. Das eine kriegen die Menschen mit ihrem Könige Jesu Christo, das
andere die Teufel mit allen gottlosen Menschen und Bosheit. 47. Dieses ist also eine kurze Anleitung, damit
der Leser die göttliche Geheimnis möchte desto baß verstehen. Bei dem Fall
des Teufels und bei der Schöpfung dieser Welt wirst du alles nach der Länge
eigentlich beschrieben finden. Will derowegen den Leser vermahnet haben, daß
er alles in seiner Ordnung lese, so wird er auf den rechten Grund kommen. 48. Es ist zwar von Anbeginn der Welt keinem
Menschen also ganz offenbaret worden. Weil es aber Gott haben will, laß ichs
seinen Willen walten und will zusehen, was Gott hiemit tun will, denn seine
Wege, die er für sich gehet, sind mir meistenteils verborgen. Aber hintennach
siehet ihn der Geist bis in die höchste Tiefe. Das 10. Kapitel Von dem sechsten Quellgeist
in der göttlichen Kraft Der sechste Quellgeist in der
göttlichen Kraft ist der Schall oder Ton, daß alles darinnen schaltet
und tönet, daraus die Sprache und Unterscheid aller Dinge erfolget, dazu der
Klang und Gesang der Hl. Engel, und stehet darinnen die Formung aller Farben
und Schönheit, dazu die himmlische Freudenreich. 2. Nun fragest du: Was ist der Ton und Schall,
oder wie nimmt dieser Geist seinen Quell und Ursprung? Merke: Es werden alle
sieben Geister Gottes ineinander geboren, einer gebäret immer den andern. Es
ist keiner der erste und auch keiner der letzte, denn der letzte gebäret
sowohl den ersten als der erste den andern, dritten, vierten, bis auf den
letzten. 3. Daß aber einer der erste und ander und so
fortan genennet wird, wird dahin gesehen, welcher der erste an der Bildung
einer Kreatur und Formung ist. Denn sie sind alle sieben gleich-ewig, und hat
keiner einen Anfang und Ende. Und darum, daß die sieben Qualitäten immer eine
die andere gebäret und keine außer der andern ist, erfolget, daß da sei ein
einiger, ewiger, allmächtiger Gott. 4. Denn so etwas aus und in dem göttlichen Wesen
geboren wird, so wird dasselbe nicht durch einen Geist allein formieret,
sondern durch alle sieben. Und so sich eine Kreatur, die da ist wie das ganze
Wesen Gottes, in einem Quellgeiste verderbet, erhebet und anzündet, so zündet
sie nicht nur einen Geist an, sondern alle sieben. 5. Darum ist dieselbe Kreatur ein Ekel vor dem
ganzen Gott und allen seinen Kreaturen und muß in ewiger Feindschaft und
Schande stehen vor Gott und alle Kreaturen. 6. Nun merke: Der Ton oder Marcurius nimmt seinen
Ursprung in der ersten, das ist: in der herben und harten Qualität. 7. Merke in der Tiefe: Die Härtigkeit ist der
Quellbrunn des Tones. Sie kann ihn aber allein nicht gebären, sondern sie ist
der Vater dazu, und der ganze Salitter ist die Mutter, sonst wo die
Härtigkeit allein Vater und auch Mutter des Tones wäre, so müßte ein harter
Stein auch klingen. Nun aber schaltet und pochet er nur wie als ein Same oder
Anfang des Tones, und das ist er auch gewiß. 8. Der Klang aber oder die Stimme steiget im
mittleren Centro auf in dem Blitze, wo das Licht aus der Hitze geboren wird,
da der Blitz des Lebens aufgehet. 9. Merke, wie dies geschieht: Wenn die herbe
Qualität sich mit der bittern reibet, daß die Hitze in dem süßen Quellwasser
aufgeher, so zündet die Hitze das süße Quellwasser wie ein Blitz an, und
derselbe Blitz ist das Licht. Der fähret in der Hitze in die bittere
Qualität, da wird der Blitz entschieden nach aller Kraft. 10. Denn in der bittern werden alle Kräfte
entschieden, und die bittern fähet den Blitz des Lichts, als ob sie grausam
erschrecke, und fähret mit ihrem Zittern und Erschrecken in die herbe und
harte Qualität. Da wird sie körperlich gefangen. Und die bittere Qualität ist
nun des Lichtes schwanger und zittert in der herben und harten Qualität, und
reget sich darinnen und ist in der herben Qualität als in einem Corpus
gefangen. 11. Und wenn sich nun die Geister bewegen und
wollen reden, so muß sich die harte Qualität auftun, denn der bittere Geist
mit seinem Blitze sprenget sie auf, und alsdann gehet heraus der Ton und ist
mit allen sieben Geistern schwanger. Die unterscheiden das Wort, wie es im
Centro, das ist im mittleren Zirkel, da es noch im Rat der sieben Geister
war, beschlossen ward. 12. Und darum haben die sieben Geister Gottes den
Kreaturen ein Maul geschaffen, daß wenn sie reden oder schallen wollen, nicht
erst dürfen zerreißen. Und darum gehen alle Adern und Kräfte oder
Quellgeister in die Zunge, daß der Schall oder Ton fein sanft rausgehet. 13. Hie merke eigen den Sinn und Geheimnis: Wenn
der Blitz in der Hitze aufgehet, so fänget ihn erstlich das süße Wasser, denn
darinnen wird er scheinend. Nun wenn das Wasser den Blitz fänget, das ist die
Geburt des Lichts, so erschrickt es. Und weil es so dünne und weich ist, so
weicht es ganz zitternd, denn die Hitze steiget in dem Lichte auf. 14. Wenn nun die herbe Qualität, die da gar kalt
ist, die Hitze und den Blitz fänget, so erschrickt sie, als wenn es
wetterleuchtet, denn wenn die Hitze mit dem Licht in die harte Kälte kommt,
so tuts einen grimmigen Blitz, ganz Feuer- und Licht-Farbe. Derselbe Blitz
fähret zurücke und das süße Wasser fängt ihn und fähret in derselben
Grimmigkeit auf. Und in dem Auffahren und Erschrecken verwandelt sichs in
grüne oder himmelblaue Farbe und zittert von wegen des grimmigen Blitzes. Und
der Blitz an ihm selber behält seine Grimmigkeit. Davon entstehet die bittere
Qualität oder der bittere Geist. Der fähret nun in der herben Qualität auf
und entzündet die Härtigkeit mit seinem grimmigen Quell. Und das Licht oder
der Blitz trocknet sich in der Härtigkeit und scheinet helle, viel lichter
als der Sonnen Glanz. 15. Es wird aber in der harten Qualität gefangen,
daß es körperlicherweise bestehet, und muß ewig also leuchten. Und der Blitz
zittert in dem Corpus wie ein grimmiges Aufsteigen; damit werden immer und
ewiglich alle Qualitäten gereget. Und der Blitz des Feuers in dem Licht
zittert und triumphieret immer also. Und das süße Wasser sänftigt es immer
also. Und die Härtigkeit ist immer der Leib, der es behält und vertrocknet.
Und dieses Regen in der Härtigkeit ist der Ton, daß es schallet. Und das
Licht oder der Blitz macht den Klang. Und das süße Wasser macht den Klang
sanft, daß man ihn kann zum Unterscheid der Rede gebrauchen. 16. Hie merke die Geburt der bittern Qualität noch
das: Der bittern Qualität Ursprung ist, wenn der Blitz des Lebens in der
Hitze aufgehet in die herbe Qualität. Und wenn dann nun der Blitz des Feuers
in Verrnischung des Wassers in die herbe Qualität kommt, so fähet der Geist
des feurigen Blitzes den herben und harten Geist. Und das beides zusammen ist
ein eiferig, streng, grimmig Quell, das da wütet und strenge reißet gleich
einer feuerigen, strengen Grimmigkeit. Ich kann es mit nichts vergleichen als
nur mit einem Donnerschlag, wenn das grimme Feuer zuvor herniederfähret, daß
einem das Gesichte vergehet. Dasselbe grimme Feuer ist dieser beider
Konjunction Art. 17. Nun merke: Wenn nun dieser Feuergeist und der
herbe Geist sich miteinander würgen, so macht der herbe eine gestrenge,
harte, kalte Herbigkeit und der feuerige eine schreckliche, grimme
Hitzigkeit. Nun das Aufsteigen der Hitze und der Herbigkeit macht einen
zitternden, grimmen, erschrecklichen Geist, der da wütet und tobet, als
wollte er die Gottheit zertrennen. 18. Du mußt aber dies eigentlich verstehen: Dies
ist also in der Qualität Ursprung in sich selbst. Aber mitten im Aufsteigen
dieses grimmen Geistes wird dieser Geist im süßen Wasser gefangen und wird
gesänftiget. Da wandelt sich sein grimmig Quell in eine zitternde, bittere
und grünliche Farbe gleich der grünlichen Dunkelheit, und behält in sich
aller drei Qualitäten Art und Eigenschaft, als nämlich der feurigen, herben
und süßen, und entstehet aus diesen dreien die vierte Qualität, als nämlich
die bittere. 19. Denn von der feurigen Qualität wird der Geist zitternd
und hitzig. Und von der herben wird er strenge, herbe, hart und körperlich,
daß es ein Geist ist, der immer bestehet. Und von der süßen wird er sanft,
und die Grimmigkeit verwandelt sich in eine sanfte Bitterkeit. Der stehet nun
in dem Quellbrunnen der sieben Geister Gottes und hilft immer die andern
sechs Geister gebären. 20. Verstehe dies recht: Er gebäret sowohl seinen
Vater und seine Mutter als ihn sein Vater und seine Mutter gebäret. Denn
nachdem er körperlich geboren ist, so gebäret er nun mit der herben Qualität
immer wieder das Feuer. Und das Feuer gebäret das Licht, und das Licht ist
der Blitz. Das gebäret immer wieder das Leben in allen Quellgeistern, davon
die Geister das Leben haben und immer einer den andern wieder gebäret. 21. Allhie sollst du aber wissen, daß nicht ein
Geist allein kann einen andern gebären, ihrer zweene könnens auch nicht tun,
sondern die Geburt eines Geistes stehet in aller sieben Geister Wirkung,
ihrer sechs gebären immer den siebenten, und so einer nicht wäre, so wäre der
ander auch nicht. 22. Daß ich aber allhier bisweilen nur zweene oder
drei zur Geburt eines Geistes ernenne, das tue ich um meiner selbst
Schwachheit willen, denn ich kann sie nicht alle sieben in meinem verderbten
Gehirne in ihrer Vollkommenheit auf einmal ertragen. Ich sehe sie wohl alle
sieben, aber wenn ich spekuliere in sie, so steiget der Geist im mittleren
Quellbrunnen auf, da sich der Geist des Lebens gebäret. Der steiget nun über
sich oder unter sich und kann die Geister Gottes nicht alle sieben auf einen
Gedanken oder auf einmal begreifen, sondern stückweise. 23. Ein jeder Geist hat seinen eigenen Quell, und
ob er gleich von den andern geboren wird. Also ist auch die Begreiflichkeit
des Menschen. Er hat wohl den Quellbrunnen aller sieben Geister in sich, aber
in welchem Quell der Geist aufsteiget, dessen Quellgeister, darinnen derselbe
Geist am stärkesten gebildet wird, begreift im selben Aufsteigen am
schärfsten. Denn auch in der göttlichen Kraft ein Geist auf einmal in seinem
Aufsteigen nicht alle sieben Geister zugleich durchführet. Wenn er
aufsteiget, so reget er sie wohl alle sieben auf einmal. Er wird aber in
seinem Aufsteigen gefangen, daß er seine Pracht legen muß und nicht über alle
sieben triumphieren. 24. Also ists auch im Menschen: Wenn ein
Quellgeist aufsteiget, so reget er die andern alle und siehet die andern
alle, denn er steiget im mittlern Quellbrunne des Herzens auf, da sich in der
Hitze der Blitz des Lichtes anzündet, darinnen der Geist in seinem Aufsteigen
in demselben Blitze durch alle Geister siehet. Es ist aber in unserem
verderbten Fleische nur wie ein Wetterleuchten, denn so ich den Blitz, den
ich gar wohl sehe und erkenne, wie er ist, könnte in meinem Fleische
begreifen, so wollt ich meinen Leib damit verklären, so würde er nicht mehr
dem tierischen Leibe ähnlich sehen, sondern den Engeln Gottes. 25. Aber höre Fritz, warte noch eine Weile und gib
den tierischen Leib den Würmern zur Speise: Wenn aber der ganze Gott wird die
sieben Geister Gottes in der verderbten Erden anzünden, alsdann wird derselbe
Salitter, den du in die Erde säest, des Feuers nicht fähig sein, so werden
deine Quellgeister in deinem Von-Hinnen-Abscheiden in demselben Salitter, den
du gesäet hast, wieder aufgehen und darinnen triumphieren und wieder ein
Corpus werden. Welcher aber des angezündeten Feuers der sieben Geister Gottes
wird fähig sein, der wird darinnen bleiben, und seine Quellgeister werden in
höllischer Pein aufsteigen, welches ich an seinem Orte klar beweisen will. 26. Ich kann dir nicht die ganze Gottheit in einem
Zirkel beschreiben, denn sie ist unermeßlich, aber dem Geiste, der in Gottes
Liebe ist, nicht unbegreiflich. Er begreifts wohl, aber nur stückweise. Darum
fasse eine nach dem andern, so wirst du das Ganze sehen. In dieser Verderbung
können wir nicht höher denn mit einer solchen Offenbarung. Und nicht höher
beschleußt sich diese Welt, beides der Anfang und das Ende. Ich wollte auch
gern etwas Höheres sehen in dieser meiner ängstlichen Gebärung, damit mein
kranker Adam gelabet würde, aber ich sehe mich in der ganzen Welt um und kann
nichts erforschen. Es ist alles krank, lahm und verwundt, dazu blind, taub
und stumm. 27. Ich habe viel hoher Meister Schriften gelesen,
in Hoffnung den Grund und die rechte Tiefe darinnen zu finden; aber ich habe
nichts gefunden als einen halbtoten Geist, der sich ängstet zur Gesundheit,
und kann doch um seiner großen Schwachheit willen nicht zur vollkommenen
Kraft kommen. 28. Also stehe ich noch als ein ängstlich Weib in
der Geburt, suche vollkommenen Labsal und finde nur den Geruch im Aufsteigen,
darinnen der Geist prüfet, was in dem rechten Labsal für Kraft stecket und
labet sich derweil mit dem vollkommenen Geruche in seiner Krankheit bis der
rechte Samariter wird kommen und wird ihm seine Wunden verbinden und heilen
und wird ihn in die ewige Herberge führen. Dann wird er auch des vollkommenen
Geschmacks genießen. 29. Dieses Kraut, das ich allhie meine, von
welches Geruche sich mein Geist labet, kennt nicht ein jeder Bauer, auch
nicht ein jeder Doktor. Es ist ja einem wohl so unkenntlich als dem andern.
Es wächst wohl in jedem ein Garten, aber in manchem ists ganz verderbet und
böse, denn die Qualität des Ackers ist schuld daran. Darum kennt mans nicht;
es kennens auch wohl kaum die Kinder dieser Geheimnis, wiewohl diese
Erkenntnis von der Welt her teuer gewesen ist. 30. Obgleich in manchem ist ein Quell aufgegangen,
so ist die Hoffart hernach gedrungen und hats alles verderbet. Da hat ers in
seiner Muttersprache flugs nicht schreiben wollen. Er hat vermeinet, es sei
zu kindisch, er müsse sich in tiefer Sprache sehen lassen, damit die Welt
sehe, daß er ein Mann sei und hats in seinem Vorteil geleich wie verborgen
gehalten und mit tiefen fremden Namen verkleistert, damit mans nicht kennet.
Eine solche Bestia ist des Teufels Hoffahrtsucht. 31. Aber höre, du einfältige Mutter, die du alle
Kinder zu dieser Welt gebärest, welche sich hernach in ihrem Aufsteigen
deiner schämen und dich verachten, und sind doch deine Kinder, die du geboren
hast: So spricht der Geist, der in den sieben Geistern Gottes aufsteiget, der
da ist dein Vater: Verzage nicht, siehe, ich bin deine Stärke und deine
Kraft; ich will dir einschenken einen sanften Trunk in deinem Alter. 32. Weil dich alle deine Kinder verachten, die du
geboren und in ihrer Jugend gesäuget hast, und wollen deiner in deinem hohen
Alter nicht pflegen, so will ich dich trösten und dir in deinem hohen Alter
geben einen jungen Sohn, der soll in deinem Hause bleiben, weil du lebest,
und deiner pflegen und dich trösten wider alles Wüten und Toben deiner
stolzen Kinder. Nun merke hie weiter vom
Marcurio, Ton oder Scballe 34. Hie merke: Zünde ein Holz an, so wirst du die
Geheimnis sehen. Das Feuer zündet sich an in der Härtigkeit des Holzes. Das
ist nun der herbe, harte Quell, der Saturnus-Quell. Der macht das Holz hart
und derbe. Nun aber bestehet nicht das Licht, das ist der Blitz in der
Härtigkeit, sonst brennete ein Stein auch, sondern das Licht bestehet in dem
Saft des Holzes, das ist in dem Wasser. Weil Saft in dem Holze ist, so
leuchtet das Feuer als ein scheinend Licht. Wenn aber der Saft in dem Holze verzehret
ist, so verlischt das scheinende Licht, und ist das Holz eine glühende Kohle.
35. Nun siehe, die Grimmigkeit, die in dem Lichte
auffähret, die besteht nicht in dem Wasser des Holzes, sondern wenn die Hitze
in der Härtigkeit aufgehet, so wird der Blitz geboren. Den fänget zuerst der
Saft im Holze. Davon wird das Wasser scheinend. Die Grimmigkeit oder
Bitterkeit aber wird geboren inmitten der Härtigkeit und der Hitze in dem
Blitze, und darinnen bestehet sie auch. Und so weit als der Blitz reicht, das
ist des Feuers Lohe, so weit reicht auch die Grimmigkeit der Bitterkeit,
welcher der Härtigkeit und Hitze Sohn ist. 36. Dieses Geheimnis aber sollst du wissen, daß
die Bitterkeit vorhin schon in dem Holze ist, sonst gebäre sich die grimme
Bitterkeit nicht also blitzlich im natürlichen Feuer. 37. Denn gleichwie sich der Corpus des Feuers
gebäret, wenn man Holz anzündet, gleich auf eine solche Weise wird auch das
Holz in der Erden und über der Erden geboren. 38. So aber die Grimmigkeit in dem scheinenden
Lichte geboren würde, so würde sie freilich auch also weit reichen als des
Lichtes Glanz; so aber geschieht das nicht. Das ist aber: Der Blitz ist des
Lichtes Mutter, denn der Blitz gebäret das Licht von sich und ist der
Grimmigkeit Vater, denn die Grimmigkeit bleibet im Blitze als ein Same im
Vater, und derselbe Blitz gebäret auch den Ton oder Schall. 39. Wenn er von der Härtigkeit und Hitze ausgehet,
so pocht die Härtigkeit im Blitze, und die Hitze klinget und das Licht in dem
Licht in dem Blitze macht den Klang helle, und das Wasser macht ihn sanft,
und in der Herbigkeit oder Härtigkeit wird er gefangen und vertrocknet, daß
es ein körperlicher Geist in allen Qualitäten ist. Denn ein ieder Geist in
den sieben Geistern Gottes ist aller sieben Geister schwanger, und sind alle
ineinander wie ein Geist. Keiner ist außer dem andern, allein eine solche
Geburt hat es darinnen, und also gebäret einer den andern in und durch sich
selber. Und die Geburt währet von Ewigkeit zu Ewigkeit also. 40. Allhier will ich den Leser verwarnet haben,
daß er die göttliche Geburt recht betrachte: Du sollst nicht denken, daß ein
Geist neben dem andern stehe, wie du die Sterne am Himmel siehest
nebeneinander stehen, sondern sie sind alle sieben ineinander wie ein Geist,
wie du das in einem Menschen kannst sehen, der hat mancherlei Gedanken von
wegen der Wirkung der sieben Geister Gottes, welche den menschlichen Corpus
innehalten. - Aber du mußt sagen, bist du aber nicht töricht, daß ein jedes
Glied im ganzen Corpus jedes andern Kraft hat. 41. In welcher Qualität, daß du aber den Geist
erweckest und qualifizierend machest, nach derselben Qualität steigen auch
die Gedanken auf und regieren das Gemüte. Erweckest du den Geist im Feuer, so
quillet in dir auf der bitter und harte Zorn, denn alsbald das Feuer
angezündet wird, welches in der Härtigkeit und Grimmigkeit geschieht, so
quellet die bittere Grimmigkeit im Blitze. 42. Denn wenn du dich in deinem Leibe erhebest
wider etwas, es sei wider Liebe oder Zorn, wider das du dich nun erhebest,
dessen Qualität zündest du an und das brennet in deinem zusammenkorporierten
Geiste. In dem Blitze aber wird derselbe Quellgeist erwecket. Denn wenn du
etwa ansiehest, das dir nicht gefällt, das wider dich ist, so erhebest du den
Brunn des Herzens, als wenn du einen Stein nähmest und schlügest auf ein
Feuereisen, und wenn der Funke im Herzen fängt, so zündet sich das Feuer an.
Erstlich glimmet es, wenn du aber den Brunn des Herzens sehrer erhebest, so
ist es, als wenn du ins Feuer bliesest, daß sich die Lohe anzündet, dann ist
es Zeit zu löschen oder wird das Feuer zu groß, so brennets und verzehrets
und tut an seinem Nächsten Schaden. 43. Sprichst du nun: Wie kann man das angezündete
Feuer löschen? - Höre, hast du das süße Quellwasser in dir, geu ß ins Feuer,
so erlischts; lässest du es brennen, so verzehret es dir den Saft in allen
sieben Quellgeistern, daß du trocken wirst. Wenn das geschieht, so bist du
ein Höllenbrand und Schürknittel des höllischen Feuers, und ist dir ewig kein
Rat. 44. Wenn du aber etwa ansiehest, das dir liebet
und erweckest den Geist im Herzen, so zündest du das Feuer im Herzen an. Das
brennet erstlich im süßen Wasser als eine glühende Kohle. Weil es nun
glimmet, so ists nur eine sanfte Lust in dir und verzehret dich nicht. Wenn
du aber dein Herz sehrer erhebst und zündest den süßen Quell an, daß er eine
brennende Lohe wird, so zündest du alle Quellgeister an. Dann brennet der
ganze Leib und greifet zu Maul und Hände. 45. Dieses Feuer ist das schädlichste, und hat von
der Welt her am meisten verderbet, und ist gar schwer zu löschen. Denn wenn
es angezündet wird, so brennet es im süßen Wasser, im Blitze des Lebens, und
muß durch die Bitterkeit gelöschet werden, welches doch gar ein elend Wasser
ist, sondern vielmehr Feuer. Darum folget auch ein trauriges Gemüte, wenn er
das soll lassen, das in seinem Liebefeuer brennet in dem süßen Quellwasser. 46. Aber das sollst du wissen, daß du in deinem
Regiment des Gemütes dein eigen Herr bist. Es gehet dir kein Feuer in deinem Zirkel
des Leibes und Geistes auf, du erweckest es denn selber. Wahr ists, es
quellen alle deine Geister in dir und steigen in dir auf, und hat freilich
ein Geist immer größere Macht und Kraft in dir als der ander. Denn wenn in
einem Menschen das Regiment der Geister wäre wie im andern, so hätten wir
alle einen Willen und Gestalt, aber sie sind alle sieben in der Gewalt deines
zusammenkorporierten Geistes, welcher Geist die Seele heißt. 47. So sich nun ein Feuer in einem Quellgeist
erhebet, so ists der Seelen nicht verborgen. Sie mag alsbald die andern
Quellgeister aufwecken, die dem angezündeten Feuer zuwider sind, und mag
löschen. Will aber das Feuer zu groß werden, so hat sie ihr Gefängnis. Da mag
sie den angezündeten Geist einschließen, als nämlich in die harte, herbe
Qualität. Und die andern Geister müssen ihre Stockmeister sein, bis ihnen der
Zorn vergehet und das Feuer auslischet. 48. Merke, was das ist: Wenn dich ein Quellgeist
zu hart zu einem Dinge treibet, das wider der Natur Gesetze ist, so mußt du
deine Augen davon abwenden. Will das nicht helfen, so nimm denselben Geist
und wirf ihn ins Gefängnis. Das ist, wende dein Herze von zeitlicher Wollust,
von Fressen und Saufen, von dem Reichtum dieser Welt, und denke, daß heute
der Tag deines Leibes Ende ist. Wende dich von der Welt Üppigkeit und rufe
ernstlich zu Gott und ergib dich ihm. 49. Wenn du das tust, so spottet die Welt deiner,
und mußt ihr Narr sein. Dies Kreuz trage mit Geduld, und laß den gefangenen
Geist nicht wieder aus dem Gefängnis, und traue Gott, er wird dir aufsetzen
die Krone der göttlichen Freuden. 50. Reißt dir aber der Geist wieder aus dem
Gefängnis, so setze ihn wieder hinein. Halt Part mit ihm, weil du lebest.
Wenn du nur so viel erhälst, daß er dir nicht den Brunnquell des Herzens gar
anzündet, davon deine Seele ein dürr Feuerholz wird und jeder Quell noch
seinen Saft hat, wenn du von hinnen scheidest, so wird dir das angezündete
Feuer am Jüngsten Tage nichts schaden, und wird nach dieser ängstlichen
Trübsal in der Auferstehung ein triumphierender Engel Gottes sein. 51. Nun möchtest du sagen: Ist denn in Gott auch
ein Widerwille zwischen den Geistern Gottes? Nein, ob ich gleich allhie ihre
ernstliche Geburt anzeige, wie die Geister Gottes so ernstlich und strenge
geboren werden, dabei ein jeder gar wohl den großen Ernst Gottes verstehen
mag, so erfolget darum nicht, daß eine Uneinigkeit zwischen ihnen sei. 52. Denn die allerinnerlichste, tiefste Geburt im
Kern ist nur also, welches keine Kreatur im Corpus kann ergreifen, sondern im
Blitze, wo der verborgene Geist geboren wird, da wird es ergriffen. Denn
derselbe wird auch auf eine solche Weise und in solcher Kraft geboren. 53. Mir aber wird die Porte meines Gemüts
eröffnet, daß ichs sehen und erkennen kann, sonst würde es bei mir wohl
verborgen bleiben bis an Tag der Auferstehung von den Toten. Es ist auch von
der Welt her allen Menschen verborgen gewesen, aber ich lasse es Gott walten.
54. In Gott triumphieren alle Geister wie ein
Geist. Und ein Geist sänftiget und liebet immer den andern, und ist nichts
denn eitel Freude und Wonne. Ihre strenge Geburt aber, welche im Verborgenen
geschieht, die muß also sein. Denn das Leben und der Verstand und die
Allwissenheit wird also geboren, und das ist eine ewige Geburt, die keinmal
anders ist. 55. Du mußt nicht denken, daß im Himmel etwa ein
Corpus sei, der nur also geboren werde, den man für alles andere Gott heiße.
Nein, sondern die ganze göttliche Kraft, die selber Himmel und aller Himmel
Himmel ist, wird also geboren. Und das heißt Gott der Vater, aus dem alle hl.
Engel sind geboren worden und auch in derselben Kraft leben, und wird auch
aller Engel Geist in ihrem Corpus immer und ewig also geboren, dazu auch
aller Menschen Geist. 56. Denn diese Welt gehöret gleichwohl zum Corpus
Gottes des Vaters als der Himmel. Aber die Geister sind in der Räumlichkeit
dieser Welt durch König Luzifer angezündet worden in seiner Erhebung, daß
alles in dieser Welt wie halb verschrnachtet und tot ist. Darum sind wir
armen Menschen so gar verblendet und leben in großer Gefährlichkeit. 57. Du sollst aber darum nicht denken, daß das
himmlische Licht in dieser Welt in den Quellgeistern Gottes gar verlöschen
sei. Nein, es ist nur eine Dunkelheit, welches wir mit unsern verderbten
Augen nicht ergreifen können. So aber Gott die Dunkelheit wegtut, die über
dem Lichte schwebet und würden dir deine Augen eröffnet, so sähest du auch
hie an der Stelle, wo du in deinem Gemache stehest, sitzest oder liegest das
schöne Angesichte Gottes und die ganze himmlische Porten. Du dürftest deine
Augen nicht erst in Himmel schwingen, denn es stehet geschrieben: Das Wort
ist dir nahe, nämlich auf deiner Lippen und in deinem Herzen, Deut 30,14; Röm
10,8. 58. Also nahe ist dir Gott, daß die Geburt der Hl.
Dreifaltigkeit auch in deinem Herzen geschieht. Es werden alle drei Personen
in deinem Herze geboren, Gott Vater, Sohn, Hl. Geist. 59. Wenn ich nun allhie schreibe von dem Centro
oder Mitten, daß der Quellbrunn der göttlichen Geburt in der Mitten sei, so
hats nicht die Meinung, daß im Himmel ein besonderer Ort sei oder ein
besonderer Corpus, da das Feuer des göttlichen Lebens aufgehe, aus welchem
die sieben Geister Gottes ausgehen in die ganze Tiefe des Vaters, sondern ich
rede auf körperliche oder englische oder menschliche Weise um des Lesers
Unverstandes willen, auf Art und Weise, wie die englischen Kreaturen sind
gebildet worden und wie es in Gott überall ist. 60. Denn du kannst keinen Ort, weder im Himmel
noch in dieser Welt erkennen, da die göttliche Geburt nicht also sei, es sei
gleich einem Engel und heiligen Menschen oder außer demselben. Wo ein
Quellgeist in der göttlichen Kraft gerüget wird, die Stätte sei gleich, wo
sie wolle, nur in den Teufeln nicht und in allen gottlosen verdammten
Menschen nicht, so ist schon der Quellbrunn der göttlichen Geburt vorhanden.
Da sind schon alle sieben Quellgeister Gottes, als wenn du einen räumlichen,
kreatürlichen Zirkel schlössest und hättest die ganze Gottheit besonders
darinnen, gleichwie sie in einer Kreatur geboren wird, also auch in der
ganzen Tiefe des Vaters an allen Enden und in allen Dingen. 61. Und auf eine solche Weise ist Gott ein
allmächtiger, allwissender, allsehender, allhörender, allriechender, allschmeckender,
allfühlender Gott, der über ist und der Kreaturen Herzen und Nieren prüfet.
Und auf solche Weise ist Himmel und Erde sein, und auf eine solche Weise
rnüssen alle Teufel samt allen gottlosen Menschen seine ewigen Gefangenen
sein und in dem Salitter, den sie in ihrem Loco verderbet und angezündet
haben, ewige Pein leiden und dazu ewige Schmach und Schande. 62. Denn das ganze schöne Angesichte Gottes samt
allen hl. Engeln wird über ihnen und unter ihnen und auf allen Seiten neben
ihnen schön, herrlich und klar leuchten. Und alle hl. Engel mitsamt allen
heiligen Menschen werden über ihnen und unter und neben ihnen ewig
triumphieren und von großer Freude, Wonne und Lieblichkeit singen, von Gottes
Heiligkeit, von ihrem königlichen Regiment, von der holdseligen Frucht des
himmlischen Gewächses, und das wird nach der Qualität der sieben Geister
Gottes auf viel Stimmen ergehen. 63. Dagegen werden die Teufel mit allen gottlosen
Menschen in eine Höhle gezwänget werden. Allda wird höllischer Gestank quellen
und aufsteigen. Und das höllische Feuer und höllische Kälte und Bitterkeit
wird nach Art und Weise der angezündeten Geister Gottes ewig in ihrem Corpus,
sowohl auch in ihrem Revier brennen. Ja, wenn sie noch könnten in ein Loch
gesperret werden, daß sie das zornige Angesicht Gottes nicht berührte, so
wären sie noch zufrieden und dürften nicht ewige Schmach und Schande
ertragen. 64. Aber da ist keine Hilfe, ihre Qual wird nur größer.
Je mehr sie es betrauern, je mehr zündet sich die höllische Grimmigkeit an.
Sie müssen in der Höllen liegen wie die Totenbeine, wie die versengten Schafe
im Feuer. Ihr Gestank und Greuel naget sie, sie dürfen ihre Augen nicht
aufheben vor Schande, denn sie sehen in ihrem Revier nichts als nur einen
strengen Richter. Und über sich und auf alle Seiten sehen sie die ewige
Freude. 65. Da ist Ach und Weh, Gelfen und Schreien und
keine Errettung. Ihnen ist als wenns immer donnert und wetterleuchtet, denn
also gebären sich die angezündeten Geister Gottes. 1. Die Härtigkeit gebäret
hart, rauhe, kalte und herbe Qualität; 2. die Süßigkeit ist verschmachtet als
wie eine glühende Kohle, da kein Saft mehr im Holze ist, die lechzet und ist
kein Labsal da; 3. die Bitterkeit reißt wie hitzige Pestilenz und ist bitter
als Gallen; 4. das Feuer brennet als grimmiger Schwefel; 5. die Liebe ist
eine Feindschaft; 6. der Schall ist nichts als hart Pochen gleich einem
hohlen Feuerklang, als ob es einen Donnerschlag tät; das Revier des Corpus
ist ein Trauerhaus. Ihre Speise ist Greuel, und wächst aus aller Qualität
Grimmigkeit. Ach und ewig ohne Ende, da ist keine Zeit! Ein ander König
sitzet auf ihrem Stuhle, der hält ein ewig Gerichte, sie sind nur seiner Füße
Schemel. 66. Ach Schönheit und Wollust dieser Welt, o
Reichtum und stolze Pracht, o Macht und Gewalt! Dein unrechtes Gerichte und
große Pracht mit aller deiner Wollust liegt alles auf einem Haufen und ist
höllisch Feuer worden. Nun friß und sauf, nun schminke dich mit, nun herrsche
darinnen; du schöne Göttin, wie bist du zur Hure worden, und deine Schande
und Schmach währet ewiglich! Das 11. Kapitel Von dem siebenten
Quellgeist in der göttlichen Kraft Der siebente Geist Gottes in
der göttlichen Kraft ist der Corpus, der aus den andern sechs Geistern
geboren wird, darinnen alle himmlischen Figuren bestehen und darinnen sich
alles bildet und formet, und darinnen alle Schönheit und Freude aufgehet. Das
ist der rechte Geist der Natur, ja die Natur selber, darinnen die
Begreiflichkeit stehet und darinnen alle Kreaturen formieret sind im Himmel
und auf Erden. Ja, der Himmel selber ist darinnen formieret, und alle
Natürlichkeit in dem ganzen Gott stehet in diesem Geiste. So dieser Geist
nicht wäre, so wäre auch kein Engel noch Mensch, und wäre Gott ein
unerforschliches Wesen, welches nur in unerforschlicher Kraft bestünde. 2. Nun fragt sichs: Wie ist diese Gestalt? Bist du
nun ein vernünftiger Marcurius-Geist, der durch alle sieben Geister Gottes
dringet, und die approbieret, und schauet, wie sie sind, so wirst du bei
Erklärung dieses siebten Geistes die Wirkung und das Wesen der ganzen
Gottheit verstehen und im Sinne begreifen. 3. Verstehest du aber bei diesem Geiste nichts, so
laß dies Buch zufrieden und richte weder vom Kalten noch Warmen darinnen,
denn du bist im Saturno zu sehr gefangen und bist kein Pilosophus in dieser
Welt. Laß nur dein Richten bleiben oder du wirst bösen Lohn empfahen, davor
ich dich treulich will gewarnet haben. Warte bis in jenes Leben, so wird dir
die Himmelsporte aufgetan werden, dann wirst du es auch verstehen. 4. Nun merke die Tiefe: Allhie muß ich den ganzen
göttlichen Corpus erklären, wie die Natur wird. Da wirst du den höchsten
Grund sehen, wie alle sieben Geister Gottes immer einer den andern gebäret,
und wie die Gottheit keinen Anfang noch Ende hat. Darum siehe deines Geistes
Lust und die ewige, göttliche Freudenreich, die himmlische Wonne und
körperlichen Freuden, die in Ewigkeit kein Ende hat. 5. Nun merke: Wenn der Blitz im Centro aufgehet,
so stehet die göttliche Geburt in voller Wirkung. In Gott ist es immer und
ewig also, aber in uns armen Fleischeskindern nicht. In diesem Leben währet
die triumphierende göttliche Geburt in uns Menschen nur solange, als der
Blitz wäret. Darum ist unsere Erkenntnis stückweise, in Gott aber stehet der
Blitz unveränderlich immer und ewig also. 6. Siehe, es werden alle sieben Geister Gottes
zugleich geboren. Keiner ist der erste und keiner ist der letzte. Aber man
muß auf den Kern sehen, wie die göttliche Geburt aufgehet, sonst verstehet
mans nicht, denn alle sieben ineinander zugleich können die Kreaturen nicht
begreifen, sondern sie schauens an. Wenn aber ein Geist geregt wird, so reget
er die andern alle, so stehet die Geburt in voller Kraft. Darum hats im
Menschen einen Anfang, und in Gott keinen. Darum muß ichs auch nur auf
kreatürliche Weise schreiben, sonst verstehest du nichts. 7. Siehe, alle sieben Quellgeister wären außer dem
Blitz ein finster Tal. Wenn aber der Blitz zwischen der herben und bittern
Qualität in der Hitze aufgehet, so wird er im süßen Wasser scheinend und in
der Hitze Flammen bitter und triumphierend und lebendig, und in der herben
körperlich, trocken und helle. 8. Nun bewegen sich alle diese vier Geister in dem
Blitze, denn sie werden alle vier darinnen lebendig. Nun steiget diese 4.
Kraft in dem Blitze auf, als wie das Leben aufginge. Und die aufgestiegene Kraft
in dem Blitze ist die Liebe, das ist der fünfte Geist. Dieselbe Kraft wallet
so lieblich in dem Blitze, als wenn ein toter Geist lebendig würde und würde
urplötzlich in große Klarheit gesetzet. 9. Nun in diesem Wallen reget eine Kraft die
andere. Erstlich pocht die Herbe, und die Hitze macht in dem Pochen einen
hellen Klang, und die bittere Kraft zerteilet den Klang, und das Wasser macht
ihn sanft. Das ist der sechste Geist. 10. Nun gehet der Ton in allen fünf Geistern auf
gleich einer lieblichen Musica, und bleibet bestehen, denn die herbe Qualität
vertrocknet ihn. Nun ist in demselben ausgegangenen Schalle, der nun trocken
besteht, aller sechs Quellgeister Kraft und ist gleich wie der Same der
andern sechs Geister, den sie allda zusammenkorporieret haben und einen Geist
daraus gemacht. Der hat aller Geister Qualität, und das ist der siebente
Geist Gottes in der göttlichen Kraft. 11. Nun dieser Geist besteht in seiner Farbe
gleich dem Himmelblau, denn er ist aus allen sechs Geistern geboren. Wenn nun
der Blitz, der inmitten in der Hitze bestehet, in die andern Geister
leuchtet, daß sie im Blitze aufsteigen und den siebenten Geist gebären, so
steiget auch der Blitz in der Geburt der sechs Geister mit auf in den
siebenten. 12. Weil aber der siebente keine sonderliche
Qualität in sich hat, so kann der Blitz in dem siebten nicht heller werden,
sondern er fänget von dem siebenten das körperliche Wesen aller sieben
Geister, und der Blitz stehet inmitten zwischen diesen sieben Geistern und
wird von allen sieben geboren. 13. Und die sieben Geister sind des Lichtes Vater,
und das Licht ist ihr Sohn, den sie von Ewigkeit zu Ewigkeit immer also
gebären. Und das Licht erleuchtet und macht immer und ewig die sieben Geister
lebendig und freudenreich. Denn sie sehen alle ihr Aufsteigen und Leben in
Kraft des Lichtes. Hingegen gebären sie alle das Licht und sind alle zugleich
des Lichtes Vater. Und das Licht gebäret keinen Geist, sondern macht sie alle
lebendig und freudenreich, daß sie immer in der Geburt stehen. 14. Siehe, ich will dirs noch einmal zeigen, ob du
es vielleicht begreifen möchtest, damit diese hohe Arbeit nicht vergebens
geschehe, ohne Nutz. 15. Die herbe Qualität ist der erste Geist, die
zeucht zusammen und macht alles trocken. Die süße Qualität ist der andere
Geist, die sänftiget es. Nun ist der dritte Geist der bittere Geist, der
entsteht aus dem vierten und ersten. Wenn sich nun der dritte Geist mit
seiner Wüterei in dem herben reibet, so zündet er das Feuer an, so gehet die
Grimmigkeit in dem Feuer auf in der herben. In derselben Grimmigkeit wird der
bittere Geist selbständig, und in der süßen wird er sanft, und in der harten
körperlich. Nun bestehet er und auch der vierte. 16. Nun gehet der Blitz in Kraft dieser vier auf
in der Hitze und steiget im süßen Quellwasser auf, und die bittere macht ihn
triumphierend, und die herbe macht ihn scheinend und trocken und körperlich,
und die süße macht ihn sanft und nimmt seinen ersten Schein in der süßen. Nun
da besteht der Blitz oder das Licht in der Mitten als ein Herze. Wenn nun
dasselbe Licht, das in der Mitten steht, in die vier Geister scheinet, so
steigen der vier Geister Kräfte im Licht auf und werden lebendig und lieben
das Licht, das ist: sie fassens in sich und sind des schwanger. Und derselbe
angefaßte Geist ist die Liebe des Lebens; das ist der fünfte Geist. 17. Nun wenn sie die Liebe in sich gefasset haben,
so qualifizieren sie vor großer Freude. Denn es siehet einer den andern im
Licht, und reget einer den andern. Alsdann gehet auf der Ton: der harte Geist
pochet, der süße macht das Pochen sanft, der bittere zerscheidet es nach
jeder Qualität Art, der vierte macht den Klang, der fünfte macht die
Freudenreich, und dies zusammenkorporierte Tönen ist der Ton oder der sechste
Geist. 18. In diesem Tönen gehet auf aller sechs Geister
Kraft. Und wird ein begreiflicher Corpus nach englischer Art zu reden, und
besteht in Kraft der andern sechs Geister und in dem Licht. Und das ist der
Corpus der Natur, darinnen alle himmlischen Kreaturen und Figuren und
Gewächse gebildet werden. 19. Die heilige Porten: Das Licht aber, das
inmitten in allen sieben Geistern bestehet und darinnen aller sieben Geister
Leben stehet und dadurch sie alle sieben triumphieren und freudenreich
werden, darinnen die himmlische Freudenreich aufgehet, das alle sieben
Geister gebären und das aller sieben Geister Sohn ist, und die sieben Geister
sind sein Vater, die das Licht gebären. Und das Licht gebäret ihnen das
Leben, und das Licht ist der sieben Geister Herze. Und dieses Licht ist der
wahrhaftige Sohn Gottes, den wir Christen anbeten und ehren als die andere
Person in der hl. Dreifaltigkeit. 20. Und die sieben Geister Gottes sind alle
zusammen Gott der Vater, denn es ist kein Geist außer dem andern, sondern sie
gebären alle sieben einer den andern. So einer nicht wäre, so wäre der andere
auch nicht. Das Licht aber ist eine andere Person, denn es wird aus den
sieben Geistern immer geboren, und die sieben Geister steigen immer aus dem
Lichte auf, und die Kräfte dieser sieben Geister gehen immer im Glanze des
Lichtes aus den sieben Naturgeist und formen und bilden alles in dem
siebenten Geiste, und dieser Ausgang im Licht ist der Hl. Geist. 21. Der Blitz oder der Stock oder Herze, das in
den Kräften geboren wird, der bleibet inmitten stehen, und das ist der Sohn.
Und der Glanz in aller Kraft gehet vom Vater und Sohne aus in alle Kräfte des
Vaters und formet und bildet in dem siebenten Naturgeiste alles nach der
Kraft und Wirkung der sieben Geister und nach ihrem Unterschied und Trieb.
Und das ist der wahrhaftige Hl. Geist, den wir Christen für die dritte Person
in der Gottheit ehren und anbeten. 22. Also siehest du blinder Jude, Türke und Heide,
daß drei Personen in der Gottheit sind, du kannst es nicht leugnen, denn du
lebest und bist in den drei Personen und hast dein Leben von ihnen und in
ihnen. Und du wirst am jüngsten Tage von den Toten in Kraft dieser drei
Personen aufstehen und ewig leben. 23. Wirst du nun im Gesetze der Natur heilig und wohl
in dieser Welt gelebet haben und wirst den heiligen Blitz, der da ist der
Sohn, der dich lehret das Gesetze der Natur in deinen sieben Quellgeistern
nicht verlöschet haben durch grimme Erhebung, welche läufet wider die
Wissenschaft der Natur, so wirst du mit allen Christen in ewiger Freude
leben. 24. Denn es liegt nichts an deinem Unglauben. Dein
Unglaube hebet Gottes Wahrheit nicht auf. Der Glaube aber bläset den Geist
der Hoffnung auf und bezeuget, daß wir Gottes Kinder sind. Der Glaube wird im
Blitze geboren und ringet mit Gott so lange, bis er überwindet und sieget. 25. Du richtest uns und richtest dich selber,
indem du den Eifergeist im Zorne aufbläsest, der dein Licht verlöschet. Bist
du nun auf dem süßen Baume gewachsen und zwingest die bösen Einflüsse und
lebest heilig und wohl im Gesetze der Natur, das dir dann gar wohl anzeiget,
was Recht ist. 26. Bist du aber nicht aus dem grimmen Zweig
gewachsen und bist blind, wer will dich abscheiden von der Liebe Gottes,
darinnen du geboren bist und darinnen du lebest, so du darinnen verharrest
bis ans Ende? Wer will dich von Gott scheiden, in dem du hie gelebet hast? 27. Was du in den Acker gesäet hast, das wird
aufgehen, es sei Weizen, Korn, Gersten, Erbsen, Hülsen oder Dornen. Welches
das endliche Feuer nicht wird fähig sein, das wird auch nicht brennen. Gott
aber wird seinen guten Samen nicht selber verderben, sondern bauen, daß er
Früchte trage ins ewige Leben. 28. Dieweil denn nun alles in Gott lebet und ist,
warum rühmet sich dann das Unkraut vor dem Weizen? Meinest du, daß Gott ein
Heuchler sei und sehe jemands Person oder Namen an? Wer war unser aller
Vater? War es nicht Adam? Da sein Sohn Kain böse vor Gott lebete, warum half
ihm nicht sein Vater Adam? Aber es heißt hie: Wer sündiget, soll gestraft
werden, Ez 18,20. Hätte Kain nicht sein Licht verlöschet, wer wollte ihn
scheiden von der Liebe Gottes? 29. Also auch du, du rühmest dich einen Christen
und kennest das Licht. Warum wandelst du nicht drinnen? Meinest du, der Name
mache dich heilig? Warte, Fritz, bis dorthin, so wirst du es erfahren. Siehe,
es wird dir mancher Jude, Türke und Heide zuvor ins Himmelreich gehen, die
ihre Lampen wohl geschmückt haben. 30. Was haben denn die Christen Vorteil? Viel,
denn sie wissen den Weg des Lebens und wissen, wie sie vom Falle aufstehen
sollen. Will aber einer bleiben liegen, so wirft man ihn in die Gruben, da
muß er mit allen gottlosen Heiden verderben. Darum schaue zu, was du tust und
wer du bist, du richtest andere und bist selber blind. Der Geist saget aber,
du hast keine Ursache dazu, daß du den richtest, der besser ist als du. Haben
wir nicht alle ein Fleisch, und unser Leben bestehet in Gott, es sei gleich
in Liebe oder in Zorn. Denn was du säest, das wirst du ernten. 31. Gott ist nicht Ursache dran, daß du verloren
wirst, denn das Gesetze, recht zu tun, ist in die Natur geschrieben und du
hast dasselbe Buch in deinem Herzen. Du weißt wohl, daß du sollst wohl und
freundlich handeln gegen deinen Nächsten. So weißt du auch wohl, daß du dein
eigen Leben, das ist, dein Leib und Seele nicht sollst schänden und
beflecken. 32. Wahrlich in diesem stehet der Kern und die
Liebe Gottes: Gott siehet nicht auf jemandes Namen oder Geburt. Wer aber in
der Liebe Gottes wallet, der wallet im Lichte. Das Licht aber ist das Herze
Gottes. Wer nun Gott im Herzen sitzet, wer will den rausspeien? Niemand, denn
er wird Gott geboren. 33. 0 du blinde und halbtote Welt, stehe ab von
deinem Richten! 0 du blinder Jude, Türke und Heide, stehe ab von deiner
Lästerung und ergib dich dem Gehorsam Gottes und wandele im Licht, so siehest
du, wie du in deinem Falle sollst aufstehen und wie du dich in dieser Welt
wider die höllische Grimmigkeit wehren sollst und wie du kannst überwinden
und mit Gott ewig leben. 34. Wahrlich, es ist nur ein Gott. Wenn aber die
Decke von deinen Augen getan wird, daß du ihn siehst und erkennest, so wirst
du auch alle deine Brüder sehen und erkennen, es seien gleich Christen,
Juden, Türken oder Heiden. Oder meinest du, daß Gott nur der Christen Gott
sei? Leben doch die Heiden auch in Gott! Wer recht tut, der ist ihm lieb und
angenehm. Act 10, 35. Oder was wußtest du, der du ein Christ bist,
wie dich Gott wollte von dem Bösen erlösen? Was hattest du für Freundschaft
mit ihm oder was hattest du für einen Bund mit ihm, da Gott seinen Sohn ließ
einen Mensch werden, zu erlösen das menschliche Geschlechte? Ist er nur dein
König? Stehet nicht geschrieben: Er ist aller Heiden Trost? Hagg 2,8. 35. Höre, durch einen Menschen kam die Sünde in
die Welt und drang durch den einen auf alle, Röm 5,18. Und durch einen kam
die Erlösung in die Welt und drang durch den einen auf alle. Was liegt nun an
jemands Wissenschaft? Wußtest du doch auch nicht, wie Gott mit dir fahren
wollte, da du in Sünden tot warest. 36. Nun, gleichwie die Sünde ohn Unterscheid
herrschet durch Einen über alle, also auch herrschet die Barmherzigkeit und
Erlösung durch Einen über alle. Den Heiden, Juden und Türken aber ist
Blindheit widerfahren. Sie stehen aber gleichwohl in ängstlicher Geburt und
suchen die Ruhe, begehren Gnade und suchens nicht am rechten Ziele. Gott aber
ist allenthalben und siehet auf des Herzens Grund. So aber in ihrer
ängstlichen Geburt das Licht in ihnen geboren wird, wer bist du, der du sie
richtest? 37. Siehe, du blinder Mensch, ich will dirs
zeigen: Gehe auf eine Wiese, da siehest du mancherlei Kraut und Blumen. Du
siehest bittere, du siehest herbe, süße, saure, weiße, gelbe, rote, blaue,
grüne und mancherlei. Wachsen sie nicht alle aus der Erden? Stehen sie nicht
nebeneinander? Mißgönnet auch eins dem andern seine schöne Gestalt? Ob sich
aber eines unter ihnen zu hoch erhübe mit seinem Gewächse und verdorrete,
weil es nicht Saft genug hat, was kann ihm die Erde tun? Gibt sie ihm doch
seinen Saft sowohl als dem andern. Wenn aber Dornen drunter wachsen und der
Mähder kommt einzuernten, so hauet er dieselben mit ab und wirft sie weg, und
sie werden im Feuer verbrannt, aber die mancherlei Blumen sammlet er in seine
Scheuern. 38. Also ists auch mit den Menschen. Es sind
mancherlei Gaben und Geschicklichkeiten. Es ist einer viel Lichter in Gott
als der ander. Weil sie aber nicht im Geiste verdorren, so sind sie nicht
verwerflich. Wenn aber der Geist verdorret, so taugt er zu nichts denn zu
Feuerholz. 39. Sind aber die Türken der herben Qualität und
die Heiden der bittern, was gehet dichs an? So das Licht in der herben und
bittern Qualität scheinend wird, so leuchtet es auch. Du aber bist in der
Hitze geboren, wo das Licht im süßen Quellwasser aufgehet. Schaue zu, daß
dich die Hitze nicht verbrennet, du magst wohl löschen. 40. So sprichst du nun: Ists dann recht, daß die
Heiden, Juden und Türken in ihrer Blindheit verharren? Nein, das sage ich
aber: Wie kann der sehen, der keine Augen hat? Was weiß der arme Laie drum,
was die Pfaffen für einen Tumult haben in ihrer Trunkenheit? Er gehet dahin
in seiner Einfalt und gebäret ängstiglich. 41. So sprichst du nun: Hat denn Gott die Türken,
Juden und Heiden verblendet? Nein, sondern als ihnen Gott das Licht
anzündete, so lebten sie in ihres Herzens Lust und wollten sich den Geist
nicht weisen lassen, so verlosch das äußerliche Licht. Es ist darum nicht
also gar verloschen, daß es in einem Menschen nicht könnte geboren werden,
sintemal der Mensch aus Gott ist und in Gott lebet, es sei gleich in Liebe
oder Zorn. 42. So sich nun der Mensch sehnet, sollte er in
seinem Sehnen nicht schwanger werden? So er aber schwanger ist, so kann er
auch gebären. Dieweil ihm aber das äußerliche Licht nicht scheinet, so kennet
er seinen Sohn nicht, den er geboren hat. Wenn aber das Licht aufgehen wird
am jüngsten Tage, so wird er ihn sehen. 43. Siehe, ich sage dir ein Geheimnis: Es ist
schon die Zeit, daß der Bräutigam seine Braut krönet. Rat, Fritz, wo liegt
die Kröne? - Gegen Mitternacht, denn mitten in der herben Qualität wird das
Licht helle. Von wannen kommt aber der Bräutigam? Aus der Mitten, wo die
Hitze das Licht gebäret, und fähret gegen Mitternacht in die herbe Qualität,
da wird das Licht helle. Was tun denn die gegen Mittage? Sie sind in der
Hitze entschlafen, aber ein Sturmwetter wird sie aufwecken. Unter diesen
werden viele zum Tode erschrecken. 44. Was tun dann die vom Abend? Ihre bittere
Qualität will sich mit den andern reiben. Aber wenn sie das süße Wasser
kosten, so wird ihr Geist sanft. Was tun dann die im Morgen? Du bist eine
stolze Braut von Anfang. Die Krone ist dir von Anfang immer geboten worden,
aber du däuchtest dich vorhin zu schöne zu sein, du lebest mit den andern. Von der göttlichen und himmlischen Natur, Wirkung und Eigenscbaft 46. Der siebte Quellgeist Gottes ist der
Quellgeist der Natur, denn die andern sechs gebären den siebenten. Und der
siebte, wenn er geboren ist, so ist er gleichwie eine Mutter der andern
sechs, der die andern sechse umschleußt und gebäret sie wiederum, denn das
körperliche und natürliche Wesen stehet in dem siebenten. 47. Hie merke den Sinn: die sechs steigen auf in
voller Geburt nach jedes Kraft und Art, und wenn sie aufgestiegen sind, so
ist ihre Kraft ineinander vermenget, und die Härtigkeit vertrocknete und ist
gleichwie das ganze Wesen. Diese körperliche Vertrocknung heiße ich in diesem
Buche den göttlichen Salitter. Denn es ist darinnen der Same der ganzen
Gottheit und ist gleichwie eine Mutter, die den Samen empfähet und immer
wieder Frucht gebäret nach aller Qualität des Samens. 48. Nun in diesem Aufsteigen der sechs Geister
steiget auch mit auf der Marcurius, Ton oder Schall aller sechs Geister, und
in dem siebenten bestehet er als in der Mutter. Alsdann gebäret der siebente
allerlei Frucht und Farben nach der sechsten Wirkung. 49. Du mußt aber allhie wissen, daß die Gottheit
nicht stille stehet, sondern ohn Unterlaß wirket und aufsteiget als ein
liebliches Ringen, Bewegen oder Kämpfen, gleichwie zwei Kreaturen, die in
großer Liebe miteinander spielen und sich miteinander hälsen oder würgen.
Bald liegt eines oben, bald das andere. Und so eines überwunden hat, so gibts
nach und lässet das andere wieder auf die Füße. 50. Du magsts auch im Gleichnis also verstehen,
als wenn sieben Personen ein freundliches Freudenspiel anfingen, da je eines
dem andern obsieget und das dritte käme dem überwundenen zuhilfe, und wäre
eine liebliche freundliche Kurzweil unter ihnen, da sie zwar alle einen
Liebewillen untereinander hätten und doch eines gegen den andern in Kurzweil
oder Liebe kämpfete. 51. Also ist auch die Wirkung der sechs Geister
Gottes in dem siebenten. Bald hat einer ein starkes Aufsteigen, bald der
andere, und ringen also in Liebe miteinander. Und wenn das Licht in diesem
Kämpfen aufsteiget, so wallet der Hl. Geist in Kraft des Lichtes in der
andern sechs Geister Spiele. Alsdann gehet auf in dem siebenten allerlei
Frucht des Lebens, dazu allerlei Farben und Gewächse. 52. Wie nun die Qualität am stärksten ist, so
bildet sich auch der Corpus der Frucht und auch die Farben. In diesem Kämpfen
oder Ringen formieret sich die Gottheit in unendlicher und unerforschlicher
vielerlei Art, Weise und Bildung. 53. Denn die sieben Geister sind sieben
Hauptquellen. Wenn der Marcurius drinnen aufsteiget, so macht er alles rege
und die bittere Qualität beweget es und unterscheidet es, und die herbe
vertrocknet es. 54. Nun merke hie, wie da sei die Bildung in der
Natur in dem siebenten Geist. Das süße Wasser ist der Natur Anfang oder die
herbe Qualität zeucht es zusammen, daß es natürlich und begreiflich wird, auf
englische Art zu reden. 55. Nun, wenn es zusammengezogen ist, so siehts
gleich dem Himmelblau. Wenn aber das Licht oder der Blitz drinnen aufgehet,
so siehets gleich einem edlen Jaspis oder wie ichs in meiner Sprache nennen
mag, einem gläsern Meer, darin die Sonne scheinet und ganz lauter und helle
ist. 56. Wenn aber die bittere Qualität darinnen
aufgehet, so zerteilet sichs und formet sichs, gleich als wenn es lebete oder
als wenn das Leben da aufginge, und formet sich in grünliche Gestalt gleich
einem grünen Blitz, menschlich zu reden, davon einem das Gesichte vergehet
und nicht schauen kann. 57. Wenn aber die Hitze drinnen aufgehet, so
formet sich die grüne Gestalt in eine halb rötliche, gleich als wenn ein
Karfunkelstein aus dem grünen Blitz leuchtet. 58. Wenn aber das Licht, welches ist der Sohn
Gottes, in dieses Naturmeer scheinet, so bekommts seine gelblichte und
weißlichte Farbe, welches ich mit nichts vergleichen kann. Mit diesem
Anschauen mußt du warten bis in jenes Leben. Denn das ist nun der rechte
Naturhimmel, der da ist aus Gott, darinnen die hl. Engel wohnen und daraus
sie im Anfang geschaffen sind. 59. Siehe, wenn nun der Marcurius oder Ton in
diesem Naturhimmel aufgehet, da gehet auf die göttliche und englische Freudenreich.
Denn da gehen auf Formen, Bildungen, Farben und englische Frucht, die da
schön blühet, wächst und in seiner Vollkommenheit stehet, von allerlei
Obstbäumen, Stauden und Gewächsen, holdselig anzuschauen, mit lieblichem
Geruch und Geschmacke. 60. Ich rede aber allhie mit einer Engelszunge.
Du mußt es nicht irdisch verstehen gleich dieser Welt. 61. Mit dem Marcurio hat es auch diese Gestalt: Du
mußt nicht denken, daß ein hartes Pochen, Tönen oder Schallen oder Pfeifen in
der Gottheit sei, als wenn einer eine mächtige Posaune nähme und bliese
drein. 0 nein, Mensch, du halbtoter Engel, das ist es nicht, sondern es gehet
alles in Kraft zu, denn das göttliche Wesen stehet in Kraft, aber die hl.
Engel singen, klingen, posaunen und schallen lautbar, denn zu dem Ende hat
sie Gott aus sich gemacht, daß sie sollen die himmlische Freude vermehren. 62. Ein solch Bild war Adam auch, als ihn Gott
schuf, ehe daß seine Heva aus ihm gemacht ward. Aber der verderbte Salitter
in Adam hat mit dem Baum des Lebens gerungen, bis er überwunden und Adam matt
ward, davon er entschlief. Da war es geschehen. So ihm die Barmherzigkeit
Gottes nicht wäre zuhilfe kommen und hätte ein Weib gebauet, so sollte er
wohl noch schlafen. Nun von diesem seinem Orte. 63. Dieses, wie oben erzählet, ist nun der schöne
und heilige Himmel, der in der ganzen Gottheit also ist, der weder Anfang und
Ende hat, dahin keine Kreatur mit ihrem Sinne reichet. 64. Doch sollst du dieses wissen, daß sich je an
einem Orte bald eine Qualität mächtiger erzeiget als die andere, bald sieget
die andere, bald die dritte, bald die vierte, bald die fünfte, bald die
sechste, bald die siebente. Und ist also ein ewiges Ringen, Wirken und
freundliches Liebe-Aufsteigen, da sich dann in diesem Aufsteigen die Gottheit
immer wunderlicher und begreiflicher und unerforschlicher erzeiget, daß also
die hl. Engel sich nicht können genug freuen und darinnen genug
Liebe-Spazieren und das schöne Te Deum Laudamus genug singen, nach jeder
Qualität des großen Gottes nach seiner wunderlichen Offenbarung und Weisheit
und Schönheit und Farben und Frucht und Gestalt. Denn die Qualitäten steigen
immer und ewig also auf, und ist bei ihnen kein Anfang, weder Mittel noch
Ende. 65. Und ob ich gleich allhie habe geschrieben, wie
alles wird, und wie sich alles formet und bildet, und wie die Gottheit
aufgehet, so darfst du darum nicht denken, daß es etwa eine Ruhe oder
Verlöschung habe und hernach wieder also aufgehe. 66. 0 nein, sondern ich muß im Stückwerke
schreiben, um des Lesers Unverstand willen, damit er möchte was begreifen und
in den Sinn kommen. 67. Du darfst auch nicht denken, daß ich sei in
Himmel gestiegen und habe solches mit meinen fleischlichen Augen gesehen. 0
nein. Höre, du halb erstorbener Engel, ich bin wie du und habe kein größer
Licht in meinem äußerlichen Wesen als du. Dazu so bin ich sowohl ein sündiger
und sterblicher Mensch als du und muß mich alle Tage und Stunden mit dem
Teufel kratzen und schlagen, welcher mich in meiner verderbten Natur in der
grimmen Qualität, die in meinem Fleische ist wie in allen Menchen, immer
anficht. Bald siege ich ihm ob, gar bald er. Er hat mich aber darum nicht
überwunden, wenn er gleich vor mir oft sieget, sondern unser Leben ist wie
ein steter Krieg mit dem Teufel. Schläget er mich, so muß ich zurückweichen.
Aber die göttliche Kraft hilft mir auf, dann bekommt er auch seinen Streich
und verlieret oft die Schlacht. 68. Wenn er aber überwunden ist, so gehet die
Himmelspforte in meinem Geiste auf. Dann siehet der Geist das göttliche und
himmlische Wesen nicht außer dem Leibe, sondern im Quellbrunne des Herzens
gehet der Blitz auf in die Sinnlichkeit des Hirns, darinnen spekulieret der
Geist. 69. Denn der Mensch ist aus allen Kräften Gottes
gemacht, aus allen sieben Geistern Gottes, gleichwie auch die Engel. Weil er
aber nun verderbet ist, so quillet nicht allezeit die göttliche Geburt in
ihm, auch nicht in allen. Und ob sie gleich in ihm quillet, so scheinet darum
nicht das hohe Licht in allen alsbald. Und obs scheinet, so ists doch der
verderbten Natur unbegreiflich. Denn der Hl. Geist lässet sich nicht in
sündlichem Fleische fassen und halten, sondern er gehet auf wie ein Blitz,
gleichwie das Feuer aus dem Steine, wenn man draufschläget. 70. Wenn aber der Blitz im Quellbrunne des Herzens
gefangen wird, so gehet er in den sieben Quellgeistern auf ins Hirn wie eine
Morgenröte. Und darinnen steckt der Zweck und die Erkenntnis. Denn in
demselben Lichte siehet einer den andern und fühlet den andern und reucht den
andern und schmeckt den andern und höret den andern, und ist gleich als wenn
die ganze Gottheit drinnen aufginge. 71. Hierinnen siehet nun der Geist bis in die
Tiefe der Gottheit, denn in Gott ist Nahe und Weit ein Ding. Und derselbe
Gott, von dem ich in diesem Buch schreibe, der ist sowohl in seiner Dreiheit
im Corpus der heiligen Seelen als im Himmel. Von diesem nehme ich meine
Erkenntnis und von keinem andern Dinge. Ich will auch nichts anders wissen
als denselben Gott, und der macht auch die Gewißheit meines Geistes, daß ichs
beständig glaube und auf ihn traue. 72. Und ob mirs gleich ein Engel vom Himmel sagte,
so würde ichs doch nicht können glauben, viel weniger fassen, denn ich würde
immer zweifeln, ob sichs auch also verhielte. Aber so gehet mir die Sonne
selber in meinem Geiste auf. Darum bin ich des gewiß und sehe selber die
Ankunft und Geburt der hl. Engel und aller Dinge im Himmel und in dieser
Welt. Denn die heilige Seele ist ein Geist mit Gott. Ob sie gleich eine
Kreatur ist, so ist sie doch den Engeln gleich. Auch so siehet des Menschen
Seele tiefer als die Engel. Die Engel sehen allein bis in die himmlische
Pomp, die Seele aber siehet die himmlische und höllische, denn sie lebet
zwischen beiden. 73. Darum muß sie sich wohl quetschen lassen und alle
Tage und Stunden mit dem Teufel ringen, das ist mit der höllischen Qualität,
und lebet in großer Gefährlichkeit in dieser Welt. Darum heißt dies Leben
recht ein Jammertal, voller Angst, stetiges Würgen, Kriegen, Kämpfen,
Streiten. 74. Aber der kalte und halbtote Leib verstehet
diesen Kampf der Seelen nicht allewege. Er weiß nicht, wie ihm geschieht,
sondern er ist schwermütig und ängstlich und gehet von einem Gemache, ja von
einem Orte zum andern und suchet Abstinenz oder Ruhe. Und wenn er dahin kommt,
so findet er nichts. Da lauft denn Zweifel und Unglauben mitunter. Ihm ist
oft als wäre er gar nicht von Gott verstoßen. Aber er verstehet nicht des
Geistes Kampf wie derselbe bald oben und bald unten lieget. Was da für ein
heftig Kriegen und Kämpfen ist mit der höllischen und himmlischen Qualität,
welches Feuer die Teufel aufblasen und die hl. Engel löschen, gebe ich einer
jeden heiligen Seele zu bedenken. 75. Du sollst wissen, daß ich allhie nicht
schreibe als eine Historia, die mir von andern ist erzählet worden, sondern
ich muß stets in derselben Schlacht stehen und befinde die mit großem
Streite, da mir dann oft ein Bein untergeschlagen wird wie allen Menschen. 76. Aber um des heftigen Streites und Kampfes
willen und um des Eifers willen, den wir miteinander haben, ist mir diese
Offenbarung gegeben worden, und der heftige Trieb zu solcher, solches alles
aufs Papier zu bringen. 77. Was aber gänzlich hierunter oder hiernach
folgen möchte, weiß ich nicht gänzlich, allein daß mir etliche zukünftige Geheimnisse
in der Tiefe gezeiget werden. 78. Denn wenn der Blitz im Centro aufgehet, so
siehet er hindurch. Aber er kanns nicht wohl fassen, denn ihm geschieht, als
wenns wetterleuchtet, da sich der Blitz des Feuers auftut und bald wieder
verschwindet. 79. Also gehets in der Seelen auch zu. Wenn sie in
ihrem Kampfe durchdringet, so schauet sie die Gottheit wie ein Blitz, aber
der Sündenquell deckts bald wieder zu, denn der alte Adam gehöret in die Erde
und nicht mit diesem Fleische in die Gottheit. 80. Nicht schreibe ich mir dieses zu Lobe, sondern
darum, daß der Leser wisse, worinnen meine Wissenschaft stehet, damit er
nicht einen andern bei mir suche, der ich nicht bin, sondern der ich bin, der
sind alle Menschen, die in Christo Jesu unserm Könige ringen nach der Krone
der ewigen Freuden, und leben in der Hoffnung der Vollkommenheit, welches
Anfang ist am Tage der Auferstehung, welcher nun kurz vorhanden ist, welches
im Zirkel des Aufganges im Blitze gar wohl zu sehen ist, in welchem sich die
Natur erzeiget, als wenn der Tag wollte anbrechen. 81. Darum schaue zu, daß du nicht schlafend
erfunden werdest in deinen Sünden. Wahrlich die Klugen werdens merken, aber
die Gottlosen bleiben in ihren Sünden. Sie sagen: Was ist dem Narren, wann
hat er ausgeträumet? Das macht, sie sind in den fleischlichen Lüsten
entschlafen. Wohlauf, siehe zu, was das für ein Traum sein wird! 82. Ich wollte auch wohl in meiner Sanftmut ruhen,
so ich dies nicht tun müßte, aber der Gott, der die Welt gemacht hat, ist mir
viel zu stark. Ich bin seiner Hände Werk. Er mag mich setzen wohin er will. 83. Und ob ich gleich der Welt und des Teufels
Spektakel sein muß, so ist doch meine Hoffnung in Gott auf das zukünftige
Leben. In dem will ichs wagen und dem Geist nicht widerstreben. Amen. Das 12. Kapitel Von der Hl. Engel Geburt
und Ankunft, sowohl von ihrem Regiment, Ordnung und himmlischen Freudenleben Nun fraget sichs: Was ist denn
eigentlich ein Engel? Siehe, als Gott die Engel schuf, so schuf er sie aus
dem siebenten Quellgeiste, welcher ist die Natur oder der hl. Himmel. 2. Das Wort Schuf, mußt du verstehen, als wenn man
spräche zusammenziehen, oder zusammentreiben, gleichwie die Erde
zusammengetrieben ist, also auch als sich der ganze Gott bewegte, so zog die
herbe Qualität den Salitter der Natur zusammen und vertrocknete, da wurden
die Engel. Wie nun die Qualität an jedem Orte war in ihrer Bewegung, so ward
auch der Engel. 3. Merke die Tiefe: Es sind sieben Geister Gottes,
die haben sich alle sieben beweget, und das Licht darinnen hat sich auch
bewegt, und der Geist, der aus den sieben Geistern Gottes ausgehet, hat sich
auch beweget. 4. Nun wollte der Schöpfer nach seiner Dreiheit
auch drei Heere schaffen nicht weit voneinander, sondern eins am andern als
ein Zirkel. Nun merke: Wie da waren die Geister in ihrem Wallen oder
Aufsteigen, also wurden auch die Kreaturen. Inmitten jedes Heeres ward das
Herze jedes Heeres zusammenkorporieret, daraus ward ein englischer König oder
Großfürst. 5. Gleichwie der Sohn Gottes mitten in den sieben
Geistern Gottes geboren wird und ist der sieben Geister Gottes Leben und
Herze, also ward auch ein englischer König mitten in seinem Revier aus der Natur
oder aus der Natur Himmel geschaffen, aus aller sieben Quellgeister Kraft.
Und der war nun das Herze in einem Heere und hatte seines ganzen Heeres
Qualität, Mächtigkeit oder Stärke in sich, und war der allerschönste unter
ihnen. 6. Gleichwie der Sohn Gottes ist das Herze und das
Leben und die Stärke aller sieben Geister Gottes, also auch ein König der
Engel in seinem Heere. 7. Nun, gleichwie in der göttlichen Kraft sind
sieben vornehme Qualitäten, daraus das Herze Gottes geboren wird, also sind
auch etliche mächtige Fürstenengel nach jeder Hauptqualität in jedem Heere
geschaffen worden, derer Zahl ich nicht eigentliche weiß. Und die sind neben
dem Könige Heerführer der andern Engel. 8. Allhie sollst du wissen, daß die Engel nicht
alle einer Qualität sind, auch so sind sie in der Kraft und Mächtigkeit nicht
alle einander gleich. Es hat wohl ein jeder Engel aller sieben Quellgeister
Kraft in sich. Aber es ist in jedem etwan eine Qualität die stärkeste. Nach
derselben Qualität ist er auch glorifizieret. 9. Gleichwie die Wiesenblumen ein jedes seine
Farbe von seiner Qualität empfähet und auch seinen Namen nach seiner Qualität
hat, also auch die hl. Engel. Etliche sind der herben Qualität am stärksten,
und die sind licht-bräunlich und der Kälte am nähesten. 10. Wenn nun das Licht des Sohnes Gottes an sie
scheinet, so sind sie gleich wie ein brauner Blitz ganz helle in ihrer
Qualität. Etliche sind des Wassers Qualität gleich dem heiligen Himmel. Und
wenn das Licht an sie scheinet, so siehets gleichwie ein kristallen Meer. 11. Etliche sind der bittern Qualität am
stärkesten. Die sind gleich einem köstlichen grünen Steine, der da siehet wie
ein Blitz, und wenn sie das Licht anscheinet, so scheinets gleichwie
rotgrünlich, als ob ein Karfunkel daraus leuchtete oder als ob das Leben da
Ursprung hätte. 12. Etliche sind der Hitze Qualität. Die sind die
allerlichtesten, gelblich und rötlich, und wenn das Licht an sie leuchtet, so
siehets gleich wie der Blitz des Sohnes Gottes. Etliche sind der Liebe Qualität
am stärkesten. Die sind ein Anblick der himmlischen Freudenreich, ganz
lichte, wenn das Licht an sie scheinet, so siehets gleich wie lichtblau, ein
lieblicher Anblick. 13. Etliche sind des Tons Qualität am stärkesten.
Die sind auch licht, und wenn das Licht an sie scheinet, so siehets gleich
wie ein Aufsteigen des Blitzes, als wollte sich allda etwas erheben. 14. Etliche sind der ganzen Natur als wie eine
gemeine Vermischung. Wenn das Licht an sie scheinet, so siehets gleich wie
der heilige Himmel, der aus allen Geistern Gottes formieret ist. 15. Der König aber ist das Herze der Qualitäten
und hat sein Revier inmitten als ein Quellbrunn, gleichwie die Sonne mitten
unter den Planeten stehet und ist ein König der Sternen und ein Herze der
Natur in dieser Welt. Also groß ist auch ein Cherub oder Engelskönig. 16. Und gleichwie die andern sechs Planeten neben
der Sonnen Heerführer sind und der Sonnen ihren Willen geben, daß sie mag in
ihnen regieren und wirken, also geben alle Engel ihren Willen dem Könige, und
die Fürstenengel sind im Rate mit dem Könige. 17. Du sollst aber allhie wissen, daß sie alle
einen Liebe-Willen untereinander haben. Keiner mißgönnet dem andern seine
Gestalt und Schönheit. Denn wie es in den Geistern Gottes zugehet, also auch
unter ihnen. Auch so haben sie alle zugleich die göttlichen Freuden und
genießen alle zugleich der himmlischen Speisen, in dem ist kein Unterscheid.
Nur in den Farben und Stärke der Kraft ist ein Unterscheid, aber in der
Vollkommenheit gar nichts, denn ein jeder hat die Kraft aller Geister Gottes
in sich. Darum wenn das Licht des Sohnes Gottes an sie scheinet, so erzeiget
sich jedes Engels Qualität mit der Farben. 18. Ich habe der Gestalt und Farben nur etliche erzählet,
aber ihr sind viel mehr, die ich um der Kürze willen nicht schreiben will.
Denn gleichwie sich die Gottheit in unendlich erzeiget mit ihrem Aufsteigen,
also hats auch unerforschlicher vielerlei Farben und Gestalten unter den
Engeln. Ich kann dir in dieser Welt kein recht Gleichnis zeigen als den
blühenden Erdboden im Maien, der ist ein tot und irdisch Vorbild. Von der englischen Freude 20. Frage: Warum hat Gott Fürstenengel geschaffen
und nicht alle gleiche? Siehe, Gott ist ein Gott der Ordnung. Wie es nun in
seinem Regiment in ihm selber, das ist in seiner Geburt und in seinem
Aufsteigen gehet, wallet und ist, also ist auch der Engel Orden. 21. Gleichwie in ihm sind vornehmlich sieben
Qualitäten, dadurch das ganze göttliche Wesen getrieben wird und sich in
diesen sieben Qualitäten in unendlich erzeiget und doch die sieben Qualitäten
Primus in der Unendlichkeit sind, dadurch die göttliche Geburt ewig in seiner
Ordnung unveränderlich bestehet. Und gleichwie inmitten der sieben Geister
Gottes das Herze des Leben geboren wird, davon die göttliche Freude aufgehet,
also ist auch der Engel Orden. 22. Die Fürstenengel sind nach den Geistern Gottes
geschaffen und der Cherub nach dem Herzen Gottes. Wie nun das göttliche Wesen
wirket, also auch die Engel. Welche Qualität im Wesen Gottes aufgehet und sich
sonderlich erzeiget in seiner Wirkung, als im Aufsteigen des Tones oder des
göttlichen Wirkens, Ringens oder Kämpfens, derselbe englische Fürst, der
derselben Qualität am stärkesten zugetan ist, der fänget auch seinen Reihen
mit seinen Legionen an, mit Singen, Klingen, Tanzen, Freuen und Jubilieren. 23. Das ist eine himmlische Musica, denn das
singet ein jeder nach seiner Qualität Stimme. Und der Fürst führet den
Reihen, gleichwie ein Kantor mit seinen Schülern. Und der König freuet sich
und jubilieret mit seinen Engeln dem großen Gott zu Ehren und zur Vermehrung
der himmlischen Freuden. Und das ist in dem Herzen Gottes wie ein heiliges
Spiel, und dazu sind sie auch geschaffen zur Freude und Ehre Gottes. 24. Wenn nun aufgehet die himmlische Musica der
Engel, so gehet in der himmlischen Pomp in dem göttlichen Salitter auf
allerlei Gewächse, allerlei Figuren, allerlei Farben, denn die Gottheit
erzeiget sich in unendlich und in unerforschlicherlei Art, Farben, Formen und
Freuden. 25. Nun welcher Quellgeist in der Gottheit sich
dazumalen sonderlich erzeiget mit seinem Aufsteigen und Liebe-Ringen als wäre
er Primus worden, derselbe Fürstenengel hebet auch alsbald seine himmlische
Musica mit seinen zugetanen Engeln an, nach seiner Qualität mit Singen, Klingen,
Pfeifen und aller himmlischen Kunst, die in den Geistern Gottes aufgehet. 26. Wenn aber das Zentrum inmitten aufgehet, das
ist die Geburt des Sohnes Gottes sich sonderlich erzeiget als ein Triumph, da
gehet auf die Musica oder Freuden aller drei königlichen Regimenten der
ganzen Schöpfung aller Engel. 27. Was nun allhie für Freude sein mag, gebe ich
einer jeden Seelen zu bedenken. Ich kanns in meiner verderbten Natur nicht
fassen, viel weniger schreiben. Mit diesem Gesang zitiere ich den Leser in jenes
Leben. Da wird er selber mit am Reihen sein und erst diesem Geist Glauben
geben. Was er hie nicht verstehet, das wird er dort im Schauen haben. 28. Du sollst wissen, es ist aus keinem Steine
gesogen, sondern wenn der Blitz im Centro aufgehet, so siehets und erkennets
der Geist. Darum schaue zu und spiele nicht höhnisch an diesem Orte oder du
wirst vor Gott ein Spötter erfunden werden, und darf dir wohl gehen wie dem
König Luzifer. 29. Nun fragt sichs: Was tun denn die Engel, so
sie nicht singen? Siehe, was die Gottheit tut, das tun sie auch: Wenn die
Geister Gottes in sich fein lieblich einander gebären und ineinander
aufsteigen als ein liebliches Halsen, Küssen und voneinander Essen, in
welchem Geschmack und Geruch das Leben aufgehet und die ewige Erquickung,
davon du davorne nach der Länge findest zu lesen, so gehen auch die Engel
fein freundlich, holdselig und lieblich in dem himmlischen Revier miteinander
spazieren und schauen die wunderbarliche und liebliche Gestalt des Himmels
und essen von den holdseligen Früchten des Lebens. 30. Nun fragest du: Was reden sie miteinander?
Siehe, du prächtiger, stolzer und hoffärtiger Mensch, die Welt will dir
allhie zu enge werden, und du denkest, es sei dir niemand gleich. Hie bedenke
dich, ob du auch Engelsart an dir hast oder Teufels. 31. Wem soll ich nun die Engel vergleichen? Den
kleinen Kindern will ich sie recht vergleichen, die im Maien, wenn die
schönen Röselein blühen, miteinander in die schönen Blümlein gehen und pflücken
derselben ab, und machen feine Kränzlein daraus, und tragen die in ihren
Händen und freuen sich, und reden immerdar von der mancherlei Gestalt der
schönen Blumen, und nehmen einander bei den Händen, wenn sie in die schönen
Blümlein gehen, und wenn sie heimkommen, so zeigen sie dieselben den Eltern
und freuen sich, darob dann die Eltern gleich eine Freude an den Kindern
haben und sich mit ihnen freuen. 32. Also tun auch die hl. Engel im Himmel. Die
nehmen einander bei den Händen und spazieren in den schönen Himmelsmaien, und
reden von den lieblichen und schönen Gewächsen in der himmlischen Pomp, und
essen der holdseligen Früchte Gottes, und brauchen der schönen
Himmelsblümlein zu ihrem Spiel, und machen ihnen schöne Kränzlein, und freuen
sich in dem schönen Maien Gottes. 33. Da ist nichts denn ein herzlich Lieben, eine
sanfte Liebe, ein freundlich Gespräch, ein holdselig Beiwohnen, da einer
immer seine Lust an dem andern siehet und den andern ehret. Sie wissen von
keiner Bosheit oder List oder Betrug, sondern die göttlichen Früchte und
Lieblichkeit sind ihnen alles gemein. Einer mag sich der gebrauchen wie der
ander, da ist keine Mißgunst, kein Widerwille, sondern ihre Herzen sind in
Liebe verbunden. 34. Daran hat nun die Gottheit ihren höchsten Wohlgefallen,
wie die Eltern an den Kindern, daß sich ihre lieben Kinder im Himmel also
freundlich und wohlgebären, denn die Gottheit in sich selbst spielet auch
also, ein Quellgeist in dem andern. 35. Darum können die Engel auch nichts anders tun,
als gleichwie der Vater tut, wie solches auch unser englischer König Jesus
Christus bezeuget, als er bei uns auf Erden war, wie im Evangelio stehet,
indem er sprach: Wahrlich, wahrlich der Sohn kann nichts von ihm selber tun,
sondern was er siehet den Vater tun, das tut auch gleich der Sohn, Joh 5,19.
Item: So ihr nicht umkehret und werdet gleichwie die Kinder, so könnet ihr
nicht in das Himmelreich kommen, Matth 18,3. 36. Damit meinet er, daß unsere Herzen sollen in
Liebe verbunden sein wie der hl. Engel Gottes, und daß wir sollen freundlich
und lieblich miteinander handeln und einander lieben und mit Ehrerbietung
zuvorkommen wie die Engel Gottes. 37. Nicht daß wir sollen einander betrügen,
belügen, den Bissen aus dem Munde reißen vor großem Geize, auch nicht daß
einer soll über den andern stolzieren, prangen und verachten, der nicht seine
schlimme Teufelslist brauchen kann. 38. 0 nein, so tun die Engel im Himmel nicht,
sondern sie lieben einander. Keiner dünket sich schöner sein als der ander,
sondern ein jeder hat seine Freude an dem andern und freuet sich des andern
schöner Gestalt und Lieblichkeit, davon denn ihre Liebe gegeneinander
aufsteiget, daß sie einander bei ihren Händen führen und freundlich küssen. 39. Merke die Tiefe: Gleichwie als wenn der Blitz
des Lebens inmitten der göttlichen Kraft aufgehet, da alle Geister Gottes ihr
Leben bekommen und sich hoch freuen, da ist ein lieblichs und heiliges
Halsen, Küssen, Schmecken, Fühlen, Hören, Sehen und Riechen, also auch bei
den Engeln. Wenn einer den andern siehet, höret und fühlet, so gehet in
seinem Herzen auf der Blitz des Lebens und umfänget ein Geist den andern wie
in der Gottheit. Hie merke den Grund und höchste Geheimnis der
Engel Gottes. So du nun willst wissen, wo ihre Liebe und Demut und Freundlichkeit
herkommt, die in ihrem Herzen aufsteiget, so merke wie folget: 41. Ein jeder Engel ist beschaffen wie die ganze
Gottheit, und ist wie ein kleiner Gott, denn da Gott die Engel beschuf, so
beschuf er sie aus sich selber. Nun ist Gott an einem Orte wie am andern. Er
ist überall der Vater, der Sohn und der Hl. Geist. 42. In diesen drei Namen und Kraft stehet der
Himmel und diese Welt und alles, wo dein Herze hindenket. Und wenn du gleich
einen kleinen Zirkel schlossest, da du kaum hineingehen könntest oder das du
kaum erkiesen könntest, so ist dennoch die ganze göttliche Kraft drinnen und
wird der Sohn Gottes drinnen geboren, und gehet der Hl. Geist drinnen vom
Vater und Sohne aus. Ists nicht in Liebe, so ists im Zorn, wie geschrieben
stehet: Bei den Heiligen bist du heilig und bei den Verkehrten bist du
verkehrt, Ps 18,26, welche den Zorn Gottes selber über sich erwecken, welcher
auch stehet in allen Geistern Gottes an dem Orte, wo er erwecket wird.
Hingegen wo die Liebe Gottes erwecket wird, so stehet sie auch in voller
Geburt der ganzen Gottheit dessen Ortes. 43. Und ist in diesem kein Unterscheid. Die Engel
sind einer geschaffen wie der ander, alle aus dem göttlichen Salitter der
himmlischen Natur. Allein das ist der Unterscheid zwischen ihnen, daß, da sie
Gott beschuf, eine jede Qualität in der großen Bewegung in höchster Geburt
oder Aufsteigen stund. Dannenher ist kommen, daß die Engel vielerlei
Qualitäten sind und mancherlei Farben und Schönheit haben, und doch alles aus
Gott. 44. Nun hat aber ein jeder Engel alle Qualitäten
Gottes in sich. Aber eine ist die stärkeste in ihm. Nach derselben ist er
genannt und in derselben glorifizieret. 45. Nun gleichwie die Qualitäten in Gott eine die andere
immer gebäret, aufsteiget und herzlich liebet, und eine von der andern immer
ihr Leben bekommt, und wie der Blitz im süßen Wasser in der Hitze aufgehet,
davon das Leben und die Freude Ursprung hat, also ists auch in einem Engel.
Seine innerliche Geburt ist nicht anders als die äußerliche außer ihm in
Gott. 46. Gleichwie der Sohn Gottes außer den Engeln im
mittlern Quellbrunne in der Hitze im süßen Wasser geboren wird aus allen
sieben Geistern Gottes und erleuchtet hinwiederum alle sieben Geister Gottes,
davon sie ihr Leben und Freude haben, also auch in gleicher Gestalt wird der
Sohn Gottes in einem Engel in seinem mittlern Quellbrunne des Herzens in der
Hitze im süßen Wasser geboren und erleuchtet hinwiederum alle sieben
Quellgeister des Engels. 47. Und gleichwie der Hl. Geist vom Vater und
Sohne ausgehet und formet und bildet und liebet alles, also auch gehet der
Hl. Geist im Engel aus in seine Mitbrüder und liebet dieselben und freuet
sich mit denselben. 48. Denn es ist kein Unterscheid zwischen den
Geistern Gottes und den Engeln als nur dieser, daß die Engel Kreaturen sind
und ihr körperlich Wesen einen Anfang hat, ihre Kraft aber, daraus sie
geschaffen sind, die ist Gott selber und ist von Ewigkeit und bleibet in
Ewigkeit. Darum ist ihre Behendigkeit also geschwinde wie der Menschen
Gedanken. Wo sie hin wollen, da sind sie auch alsbald; dazu so können sie
groß und klein sein, wie sie wollen. 49. Und das ist das wahrhaftige Wesen Gottes im
Himmel, ja der Himmel selber. So dir deine Augen geöffnet wären, so solltest
du es allhie auf Erden an der Stelle, da du bist, klärlich sehen. Denn kann
das Gott einen Geist des Menschen sehen lassen, der doch im Leibe steckt und
kann sich ihm im Fleische offenbaren, so kann er das auch wohl außer dem Fleische
tun, so er will. 50. 0 du Sündenhaus dieser Welt, wie bist du mit
der Höllen und dem Tod umfangen! Wache auf, die Stunde deiner Wiedergeburt
ist vorhanden, der Tag bricht an, die Morgenröte zeiget sich. 0 du dumme und
tote Welt, was forderst du doch Zeichen; ist doch dein ganzer Leib erstattet!
Willst du nicht vom Schlafe aufwachen? Siehe, es wird dir ein groß Zeichen
gegeben, aber du schläfest und siehests nicht. Darum wird dir der Herr ein
Zeichen geben in seinem Eifer, den du erwecket hast mit deinen Sünden. Von der ganzen himmlischen
Wonne aller drei Königreiche der Engel 52. Nicht sollst du aber meinen, daß Gott hiermit
gebunden sei, daß er ihn nicht dürfte daraus treiben, so er anders wallete
als ihn Gott zum ersten geschaffen hat. Denn solang er in dem Gehorsam und in
der Liebe bleibet, so ist der Ort für Naturrecht sein. Wenn er sich aber
erhebet und zündet den Ort im Zornfeuer an, so zündet er seines Vaters Haus
an und wird ein Widerwille wider den Locum, daraus er gemacht ist, und machet
aus dem, was vor seiner Erhebung eines war, zwei. 53. Wenn nun das geschieht, so behält er sein
körperlich Naturrecht für sich und der Locus behält seines auch für sich.
Will aber die Kreatur, die einen Anfang hat, sich wider das erste setzen, das
vor der Kreatur war, das keinen Anfang hat, und will den Locum verderben, den
sie nicht gemacht hat, darinnen sie ist eine Kreatur in der Liebe geschaffen
worden und will dieselbe Liebe zum Zornfeuer machen, so speiet billig die
Liebe das Zornfeuer mit samt der Kreatur aus. 54. Dannenhero entstehen die Rechte in dieser Welt
auch, denn wenn sich der Sohn wider den Vater setzet und schläget den Vater,
so hat er sein väterlich Erbe verloren, und der Vater mag ihn aus dem Hause
stoßen. Weil er aber in des Vaters Gehorsam ist, so hat der Vater keine
Macht, ihn zu enterben. 55. Dieses weltliche Recht nimmt seinen Ursprung
von dem Himmel, wie denn auch gar viel andere weltliche Rechte, die in den
Büchern Mosis geschrieben sind, die nehmen ihren Anfang und Ursprung alle aus
der göttlichen Natur im Himmel, welches ich denn klar an seinem Orte beweisen
will aus rechtem Grund in der Gottheit. 56. Nun möchte einer sagen: So ist dann ein Engel
gar an den Ort gebunden, darin er erschaffen ist, daß er nicht von dannen
darf oder kann? Nein, so wenig als sich die Geister Gottes binden lassen in
ihrem Aufsteigen, daß sie nicht sollten untereinander wallen, so wenig werden
auch die Engel ganz in ihrem Loco gebunden. 57. Denn gleichwie die Geister Gottes immer
ineinander aufsteigen und in ihrer Geburt ein Liebesspiel haben, und behält
doch ein jeder Geist seinen natürlichen Sitz oder seinen Locum in der Geburt
Gottes, und geschieht nimmer, daß sich die Hitze in die Kälte verwandelt oder
die Kälte in die Hitze, sondern ein jedes behält seinen natürlichen Locum und
steiget in dem andern auf, davon das Leben Ursprung hat. 58. Also auch die hl. Engel wallen oder wandeln in
allen drei untereinander, davon empfähet einer von dem andern, das ist von
des andern schöner Gestalt, Freundlichkeit und Tugend, seine höchste Freude,
und behält doch ein jeder seinen natürlichen Sitz oder Locum, darinnen er zur
Kreatur worden, für sein Eigentum. 59. Gleich als wenn einem in dieser Welt ein
Blut-Freund und lieber Mensch aus einem andern Lande heimkommt, nach dem er
ein herzlich Verlangen hat gehabt, da ist Freude und ein freundlich
Benevenieren und ein Liebe-Gespräch, und es erzeiget der Wirt dem Gast das
Allerbest, wiewohl dies nur kalt Wasser ist gegen dem himmlischen. 60. Also tun auch die hl. Engel gegeneinander.
Wenn eines Königreichs Heer zu dem andern kommt oder einer fürstlichen
Qualität Heer zu der andern fürstlichen Qualität Heere kommt, da ist nichts
denn eitel Liebe-Empfangen, gar ein holdseliges Gespräche und freundliche
Ehrerbietung, gar ein holdseliges Liebe-Spazieren, gar ein züchtiges und
demütiges Wesen, ein freundliches Küssen und Führen; da gehet an der
liebliche Reihen-Tanz. 61. Gleichwie die kleinen Kinder, wenn sie im
Maien in die Blümlein gehen, da ihr denn manchmal viel zusammenkommen, da
haben sie ein freundlich Gespräche und pflücken der Blümlein viel und
mancherlei. Wenn nun dies geschehen ist, so tragen sie dieselben in ihren
Händen und fangen an gar einen kurzweiligen Reihen-Tanz und singen aus ihres
Herzens Freude und freuen sich. Also tun auch die Engel im Himmel, wenn sie
aus fremdem Heere zusammenkommen. 62. Denn die verderbte Natur in dieser Welt arbeitet
mit höchstem Fleiße, daß sie möchte himmlische Form hervorbringen, und müssen
oft die kleinen Kinder der Eltern Lehrmeister sein, so es die Eltern könnten
verstehen. Aber es ist leider jetzunder die Verderbung bei den jungen und bei
den Alten, denn das alte Sprichwort lautet: Wie die Alten sungen, so lerneten
auch die Jungen. 63. Bei dieser hohen Demut der Engel ermahnet der
Geist die Kinder dieser Welt, daß sie sich sollen anschauen, ob sie auch eine
solche Liebe zueinander tragen, ob auch eine solche Demut bei ihnen sei; was
sie sich bedünken lassen, was sie wohl für Engel sind; ob sie auch denen
gleich sind, da sie doch das dritte englische Königreich innehaben. 64. Siehe deine Liebe und deine Demut und deine
Freundlichkeit will dir der Geist allhie ein wenig unter Augen stellen, du
schöne englische Braut. Beschaue doch deinen Schmuck, welch eine schöne
Freude mag wohl dein Bräutigam an dir haben, du lieber Engel, der du alle
Tage mit dem Teufel tanzest. 65. Wenn jetzunder einer erhöhet wird und krieget
nur ein wenig ein Amt, so ist ihm schon kein ander, der nicht dergleichen
ist, gut genug. Er achtet den Laien nur für einen Fußschemel. Er trachtet
bald danach, wie er der Laien Gut kann mit List unter sich bringen. Kann er
nicht mit List, so tut ers mit Gewalt, damit er seinem Hochmut kann genug
tun. 66. Kommt ein einfältiger Mann vor ihn, der sich
nicht kann wohl verhauen, so stumpt er ihn ab gleich einem Hunde. Hat er eine
Sache vor ihm, so muß der recht sein, der ein Ansehen vor ihm hat. Rat,
Fritz, was bist du wohl für ein englischer Fürst? Im nachfolgenden Kapitel
bei dem Fall des Teufels wirst du es finden, einen Spiegel; besiehe dich! 67. Zum andern, wenn einer jetzunder etwas mehr
gelernet hat in weltlicher Kunst oder hat was mehr studieret als ein Laie,
dem ist flugs kein Laie gleich; er kann ihm nicht nach der Kunst reden, er
kann seinen stolzen Gang nicht. In Summa: Der Einfältige muß sein Narr sein,
da er doch ein stolzer Engel ist und in seiner Liebe ein toter Mensch. Diese
Part hat seinen Spiegel auch im nachfolgenden Kapitel. 68. Zum dritten: Wenn einer jetzunder reicher ist
als der ander, so muß der Arme Narr sein; wenn er ein schöner Kleid kann
erzeigen als sein Nächster, so ist ihm ein Armer schon nicht mehr gut genug,
und gehet der alte Gesang im Werke jetzunder im vollen Schwange, der lautet:
Der Reich den Armen zwinget und ihm sein Schweiß abdringet, daß nur sein
Groschen klinget. – Diese 'Engel' werden auch in das nachfolgende Kapitel zu
Gaste geladen vor ihren Spiegel. 69. Zum vierten ist doch so gar eine teuflische in
gemein Hoffart, eines über das ander Aufsteigen, Verachten, Belügen,
Betrügen, Wuchern, Geizen, Neiden, Hassen. Es brennet jetzo in der Welt wie
höllisch Feuer. Ach und ewig! 0 Welt, wo ist deine Demut? Wo ist deine
englische Liebe? Wo ist deine Freundlichkeit? Wenn jetzunder der Mund
spricht: Gott grüße dich, – so denkt das Herze: ja hüte dich! 70. 0 du schönes englisches Königreich, wie
warest du gezieret? Wie hat der Teufel eine Mordgrube aus dir gemacht?
Meinest du, du stehest jetzund im Flor; ja mitten in der Höllen stehest du.
So dir nur die Augen eröffnet wären, so würdest du es sehen. Oder meinest du,
der Geist sei trunken und sehe dich nicht? 0, er siehet dich wohl. Deine
Schande stehet vor Gott bloß, du bist ein unzüchtig Weib und hurest Tag und
Nacht und sprichst doch: Ich bin eine züchtige Jungfrau. 71. Ach, wie ein schöner Spiegel bist du vor den
hl. Engeln. Reuch nur deine süße Liebe und Demut. Reucht sie nicht nach der
Höllen? Diese Part werden allein dem künftigen Kapitel zu Gaste geladen. Von dem königlichen Primat
oder Gewalt der drei englischen Könige 73. Denn die Dreiheit Gottes gehet auf in den
sieben Geistern Gottes und ist hinwieder aller sieben Geister Leben und
Herze, also auch sind die drei englischen Könige ein jeder in seines Heeres
oder Ortes Natur aufgangen, und ist ein natürlicher Herr seines Orts über das
Regiment der Engel. Den Locum aber behält die Dreiheit der Gottheit, welche
unveränderlich ist, für sich, und der König behält das Regiment der Engel. 74. Nun gleichwie die Dreiheit der Gottheit ist
ein einig Wesen an allen Enden in dem ganzen Vater, und ist miteinander
verbunden wie die Glieder in eines Menschen Leibe und sind alle Örter wie ein
Ort, ob ein Ort gleich ein ander Geschäfte hat als der ander wie auch des
Menschen Glieder, noch ist es ein Leib Gottes. Also auch sind die drei
englischen Königreiche miteinander verbunden und nicht jedes insonderheit
zertrennet. Es darf kein englischer König sagen: Das ist mein Reich, es darf
mir kein ander König darein kommen. 75. Obs wohl sein anfänglich natürlich Erbreich
ist und bleibet auch sein, so sind doch alle anderen Könige und Engel seine
rechten natürlichen Brüder, aus einem Vater geboren, und erben ihres Vaters
Reich alle zugleich. 76. Gleichwie die Quellgeister Gottes ein jeder
seinen natürlichen Geburtssitz hat und behält seinen Natur-Locum für sich,
und ist doch mit den andern Geistern der einige Gott, so die andern nicht
wären, so wäre er auch nicht, auch so steiget einer in dem andern auf, also
ists auch mit dem Primat der hl. Engel beschaffen, und hat keine andere
Gestalt als in Gott. 77. Darum leben sie alle freundlich und friedlich
beieinander in ihres Vaters Reiche wie die lieben Brüderlein. Es ist keine
Grenze, wie weit einer darf oder nicht. 78. Nun möchte ein Einfältiger fragen: Auf was
Mittel gehen die Engel oder worauf steuern sie ihren Fuß? Ich will dich
allhie des rechten Grundes berichten, und ist im Himmel kein anderer als wie
du es allhie im Buchstaben findest; denn in diese Tiefe siehet der Geist
unverrückt, auch ists gar begreiflich. 79. Die ganze Natur des Himmels stehet in der
sieben Quellgeister Kraft, und in dem siebenten bestehet die Natur oder
Begreiflichkeit aller Qualitäten. Die ist nun ganz lichte und dicke wie ein
Nebel, aber ganz scheinbarlich wie ein kristallen Meer, daß man kann durch
alles sehen. Es ist aber die ganze Tiefe über sich und unter sich also. 80. Nun haben die Engel auch solche Leiber, aber
trockener zusammenkorporieret, und ist ihr Leib auch der Kern aus der Natur,
das Beste oder der schönste Glanz aus der Natur. 81. Nun auf den siebten Geist Gottes steuert sich
der Fuß, der da ist dicke wie ein Nebel und helle wie ein kristallen Meer.
Darinnen steigen sie über sich und unter sich, wohin sie wollen. Denn ihre
Behendigkeit ist so schnelle, wie die göttliche Kraft selber. Doch ist einer
geschwinder als der ander, alles nachdem er einer Qualität ist. 82. In demselben siebenten Naturgeist gehet auch
auf die himmlische Frucht und Farben und alles, was begreiflich ist, und ist
gleich einer Forma, als wenn die Engel sollten zwischen Himmel und Erden in
der Tiefe wohnen, da sie auf- und niederstiegen und wo sie immer wären, da
ruhete ihr Fuß, als stünde er auf der Erden. 83. Es haben die Alten den Menschen die Engel mit
Flügeln vorgemalet, aber sie dürfen keine, sondern sie haben Hände und Füße
wie die Menschen, aber auf himmlische Art. 84. Es wird am Tage der Auferstehung der Toten
zwischen den Engeln und Menschen kein Unterschied sein, sie werden eine
Formam haben. Welchs ich denn an seinem Orte klar beweisen will, und auch
solches unser König Jesus Christus selber klar bezeuget, da er spricht: In
der Auferstehung sind sie gleich den Engeln Gottes, Matth 22.30.
Von der großen Herrlichkeit
und Schönheit der drei englischen Könige Von dem Könige oder
Großfiirsten Micha-El 87. Nicht der Meinung, daß er Gott der Vater sei,
welcher bestehet in den sieben Geistern der ganzen Tiefe und ist nicht
kreatürlich, sondern auf daß in der Natur unter den Kreaturen auch eine
solche Kreatur sei wie Gott der Vater in den sieben Quellgeistern ist, die da
herrschen unter den Kreaturen. 88. Denn da sich Gott kreatürlich machte, da
machte er sich nach seiner Dreiheit kreatürlich. Gleichwie in Gott die
Dreiheit das Größte und Vornehmste ist und doch gleichwohl seine wunderliche
Proporz, Gestalt und Veränderung nicht kann ermessen werden, in dem er sich
in seiner Wirkung so mancherlei und vielfältig erzeiget, also auch hat er
drei Prinzipal- oder Fürstenengel geschaffen nach dem höchsten Primat seiner
Dreiheit. 89. Hernach hat er Fürstenengel geschaffen, nach
den sieben Quellgeistern, nach ihrer Qualität, als da sind Gabri-El, ein
Engel oder Fürst des Tones oder schneller Botschaft, sowohl Rapha-El und
andere mehr in dem Königreiche Micha-Els. 90. Dieses mußt du nicht verstehen, als hätten diese
königischen Engel in der Gottheit, das ist in den sieb. en Quellgeistern
Gottes, welche sind außer den Kreaturen, zu regieren. Nein, sondern ein jeder
über seine Kreaturen. 91. Gleichwie die Dreiheit Gottes über das
unendliche Wesen und über die Figuren und mancherlei Gestalt in der Gottheit
regieret und dasselbe verändert und bildet. Also sind auch die drei
englischen Könige ein Herr über ihre Engel bis in das Herze und tiefsten
Grund, ob sie sie schon nicht können körperlich verändern wie Gott selber,
der sie geschaffen hat, noch regieren sie sie körperlich, und sind ihnen
verpflichtet und verbunden, wie Leib und Seele einander verbunden ist. 92. Denn der König ist ihr Haupt und sie sind des
Königs Glieder, und die Quell-Fürsten-Engel sind des Königs Räte oder
Geschäfte. Gleichwie im Menschen die fünf Sinnen oder wie die Hände und Füße
oder das Maul, Nasen, Augen und Ohren, damit der König seine Geschäfte
verrichtet. 93. Nun gleichwie alle Engel dem Könige verbunden
sind, auch ist der König Gott seinem Schöpfer verbunden wie Leib und Seele.
Der Leib bedeutet Gott und die Seele der englische König, der in dem Leibe
Gottes ist, und ist auch im Leibe Gottes zur Kreatur worden und bleibet ewig
in dem Leibe Gottes wie die Seele in ihrem Neste. Darum hat ihn auch Gott
also hoch glorifizieret als sein Eigentum oder wie die Seele im Leibe
glorifizieret ist. 94. Also siehet der König oder Großfürst Micha-El
Gott dem Vater gleich in seiner Glorifizierung oder Klarheit, und ist ein
König und Fürste Gottes auf dem Berge Gottes und hat das Amt in der Tiefe,
darinnen er geschaffen ist. 95. Derselbe Zirk oder Raum, darinnen er und seine
Engel geschaffen sind, ist sein Königreich, und er ist ein lieber Sohn Gottes
des Vaters in der Natur, ein kreatürlicher Sohn, an dem der Vater seine
Freude hat. 96. Nicht mußt du ihn dem Herzen oder dem Lichte
Gottes vergleichen, das da ist in dem ganzen Vater, das da weder Anfang noch
Ende hat wie Gott der Vater selber. 97. Denn dieser Fürste ist eine Kreatur und hat einen
Anfang. Er ist aber in dem Vater und ist mit ihm in seiner Liebe verbunden
als sein lieber Sohn, den er aus sich selber geschaff en hat. 98. Darum hat er ihm aufgesetzet die Krone der Ehre,
der Macht und Gewalt, daß im Himmel nichts Höhers oder Schöners ist, auch
nichts Mächtigers, als Gott selber in seiner Dreiheit, als er. Und das ist
der eine König mit dem rechten Grunde in der Erkenntnis des Geistes recht
beschrieben. Von dem andern Könige,
Luzifer itzo genannt, um seines Falles willen 100. Dieser hochmächtige, herrliche und schöne
König hat seinen rechten Namen verloren in seinem Falle, denn er heißt
jetzunder Luzifer, das ist: ein Verstoßener aus dem Lichte Gottes. Sein Name
ist anfänglich nicht also gewesen, denn er ist ein kreatürlicher Fürste oder
König des Herzens Gottes gewesen in dem hellen Licht, der allerschönste unter
den drei Königen der Engel. Von seiner Erschaffung 102. Sein Revier, Ort und Raum mit seinem ganzen
Heere, darinnen er ist zur Kreatur worden und das sein Königreich gewesen
ist, da ist der erschaffene Himmel und diese Welt, darinnen wir mit unserm
Könige Jesu Christo wohnen. 103. Denn unser König sitzet in göttlicher
Allmacht, gleichwie König Luzifer saß auf dem königlichen Stuhle des
verstoßenen Luzifer, und des Königes Luzifer Königreich ist nun seine worden.
Fürst Luzifer, wie schmecket dir das? 104. Nun gleichwie Gott der Vater mit seinem Sohne
ist mit großer Liebe verbunden, also auch ist König Luzifer mit dem Könige
Micha-El mit großer Liebe verbunden gewesen als wie ein Herz oder ein Gott,
denn der Quellbrunn des Sohns Gottes hat gereicht bis in Luzifers Herz
hinein. 105. Allein daß er das Licht, das er in seinem
Corpus gehabt, zum Eigentum gehabt, welches, weil es geschienen mit dem
Lichte des Sohnes Gottes, so außer ihm gewesen ist, inqualieret oder
inkorporieret hat als ein Ding, ob ihr gleich zwei gewesen sind, noch ist es
miteinander verbunden gewesen wie Leib und Seele. 106. Und gleichwie das Licht Gottes in allen
Kräften des Vaters regieret, also hat er auch in allen seinen Engeln regieret
als ein mächtiger König Gottes, und hat auf seinem Haupte getragen die
schönste Krone des Himmels. 107. Allhierbei will ichs jetzo bewenden lassen,
dieweil ich im andern Kapitel werde also viel mit ihm zu schaffen haben. Er
mag noch ein wenig allhier in der Krone prangen, sie soll ihm bald abgezogen
werden. Von dem dritten englischen
Könige, Uri-El genannt 109. Gleichwie der Hl. von dem Lichte ausgehet und
formet und bildet alles und herrschet in allem, also ist auch die Gewalt und
Holdseligkeit eines Cherubin. Der ist der König und das Herze aller seiner
Engel, das ist, wenn ihn seine Engel nur anschauen, so werden sie mit dem
Willen ihres Königes infizieret. 110. Gleichwie der Wille des Herzens alle Glieder
des Leibes infizieret, daß der ganze Leib tut wie das Herze beschlossen hat
oder wie der Hl. Geist im Centro des Herzens aufgehet und erleuchtet alle
Glieder im Leibe, also auch infizieret der Cherub mit seinem ganzen Glanze
und Willen alle seine Engel, daß sie alle zusammen sind wie ein Leib, und der
König ist das Herze darinnen. 111. Nun dieser herrliche und schöne Fürst ist
nach der Art und Qualität des Hl. Geistes gebildet, und ist wohl ein
herrlicher und schöner Fürst Gottes, und ist mit den andern Fürsten in Liebe
verbunden als ein Herze. 112. Das sind nun die drei Fürsten Gottes im
Himmel. Wenn nun der Blitz des Lebens, das ist der Sohn Gottes, im mittlern
Zirkel in den Quellgeistern Gottes aufgehet und sich triumphierend erzeiget,
so steiget auch der Hl. Geist triumphierend über sich. In diesem Aufsteigen
steiget auch die Hl. Trinität im Herzen dieser drei Könige auf, und
triumphieret auch ein jeder nach seiner Qualität und Art. 113. In diesem Aufsteigen wird des ganzen Himmels
Heer, alle Engel triumphierend und freudenreich, und gehet auf das schöne Te
Deum Laudamus. In diesem Aufsteigen des Herzens wird der Marcurius im Herzen
erwecket, sowohl in dem ganzen Salitter des Himmels. Da gehet in der Gottheit
auf die wunderliche und schöne Bildung des Himmels in mancherlei Farben und
Art, und erzeiget sich jeder Geist in seiner Gestalt sonderlich. 114. Ich kann es mit nichts vergleichen als mit
den alleredelsten Steinen: als Rubin, Smaragden, Delphin, Onyx, Saphir,
Diamant, Jaspis, Hyazinth, Amethyst, Berill, Sardis, Karfunkel und
dergleichen. 115. In solcher Farbe und Art erzeiget sich der
Naturhimmel Gottes im Aufgehen der Geister Gottes; wenn denn nun das Licht
des Sohnes Gottes darinnen scheinet, so ist es gleich einem hellen Meere von
oben erzählter Steine Farben.
Von der wunderlichen Proporz, Veränderung und Aufsteigen der Qualitäten in der himmlischen Natur 117. Ich bin auch nicht in Himmel gestiegen und
habe solches mit fleischlichen Augen gesehen, viel weniger hat mirs jemand
gesaget. Denn obgleich ein Engel käme und sagte mirs, so könnte ichs ohne
Erleuchtung Gottes doch nicht fassen, viel weniger glauben. Denn ich stünde
doch immer im Zweifel, obs auch ein guter Engel im Befehl Gottes gewesen
wäre, sintemal sich der Teufel auch in Gestalt eines Engels verkleiden kann,
die Menschen zu verführen, 2.Kor 11,14. 118. Weil es aber im Centro oder Zirkel des Lebens
geboren wird als ein helle scheinend Licht, gleich der himmlischen Geburt
oder Aufgehen des Hl. Geistes mit feurigem Trieb des Geistes, so kann ich dem
nicht widerstehen. Die Welt mag meiner immerhin spotten. 119. Es bezeuget der Geist, es sei noch gar ein
kleines dahin, so wird der Blitz im ganzen Zirkel dieser Welt aufgehen, zu
welchem dieser Geist ein Bote oder Verkünder des Tages ist. Welcher Mensch
alsdann nicht in der Geburt des Hl. Geistes zu derselben Zeit wird erfunden
werden, in dem wird diese Geburt auch ewig nicht aufgehen, sondern er bleibet
im Quell der Finsternis als ein toter harter Feuerstein, in welchem der Quell
der Grimmigkeit und des Verderbens ewig aufsteiget. Da wird er in der Geburt
des höllischen Greuels ewig spotten, denn waserlei Qualität der Baum ist,
dessenerlei ist auch seine Frucht. 120. Du lebest zwischen Himmel und Hölle; in
welches das du säest, in demselben wirst du auch ernten, und dasselbe wird
deine Speise sein in Ewigkeit. Wirst du Spott und Verachtung säen, so wirst
du auch Spott und Verachtung ernten, und das wird deine Speise sein. 121. Darum, o Menschenkind, siehe dich vor und
traue nicht zuviel auf weltliche Weisheit. Sie ist blind und ist blind
geboren. Wenn aber der Blitz des Lebens darinnen geboren wird, so ist sie
nicht mehr blind, sondern siehet. Denn Joh 3,7 spricht Christus: Ihr müsset
von neuem geboren werden, anders könnet ihr nicht in das Himmelreich kommen.
– Wahrlich er muß auf eine solche Weise geboren werden im Hl. Geiste, welcher
aufgehet im süßen Quellwasser des Herzens im Blitze. 122. Darum hat auch Christus die Taufe oder die
Wiedergeburt des Hl. Geistes im Wasser geordnet, dieweil die Geburt des
Lichtes im süßen Wasser des Herzens aufgehet. Welches gar ein groß Geheimnis
ist, und ist auch allen Menschen von der Welt her verborgen blieben bis auf
heute. Das will ich an seinem Orte klar beschreiben und beweisen. 123. Nun merke des Himmels Gestalt: Wenn du
ansiehest diese Welt, so hast du ein Vorbild des Himmels. Die Sterne bedeuten
die Engel. Denn gleichwie die Sternen unverändert müssen bleiben bis ans Ende
dieser Zeit, also müssen die Engel in der ewigen Zeit des Himmels ewig
unverändert bleiben. 124. Die Elementa bedeuten die wunderliche Proporz
und Veränderung des Himmels Gestalt. Denn gleichwie sich die Tiefe zwischen
Sternen und Erden in ihrer Gestalt immer verändert, bald ist es schön lichte,
bald trübe, bald Wind, bald Regen, bald Schnee, bald ist die Tiefe blau, bald
grünlich, bald weißlich, bald dunkel. 125. Also ist auch die Veränderung des Himmels in
mancherlei Farben und Gestalt, aber nicht auf solche Art wie in dieser Welt,
sondern alles nach dem Aufsteigen der Geister Gottes. Und das Licht des
Sohnes Gottes scheinet ewig drinnen, aber es hat doch einmal ein größer
Aufsteigen in der Geburt als das ander. Darum ist die wunderliche Weisheit
Gottes unbegreiflich. 126. Die Erde bedeutet die himmlische Natur oder
den siebenten Naturgeist, darinnen die Bildungen und Formen und Farben
aufgehen. Die Vögel, Fische und Tiere bedeuten die mancherlei Gestalt der
Figuren im Himmel. 127. Das sollst du wissen, denn es bezeugets der
Geist im Blitze, daß im Himmel gleichwohl allerlei Figuren aufgehen gleich
den Tieren, Vögeln und Fischen dieser Welt, aber auf himmlische Form,
Klarheit und Art, sowohl allerlei Bäume, Stauden und Blumen. Aber gleichwie
es aufgehet, also vergehets auch wieder, denn es wird nicht
zusammenkorporiert gleich den Engeln, denn es figurieret sich also in der
Geburt der aufsteigenden Qualitäten in dem Naturgeist. 128. Wenn eine Figur in einem Geiste gebildet
wird, daß sie bestehet und so der andere Geist mit diesem ringet und
obsieget, so wird sie wieder zertrennt oder ja verändert, alles nach der
Qualitäten Art. Und das ist in Gott wie ein heiliges Spiel. 129. Darum sind auch die Kreaturen, als Tiere,
Vögel, Fische und Würmer in dieser Welt nicht zum ewigen Wesen geschaffen,
sondern zum vergänglichen, gleichwie die Figuren des Himmels auch vergehen.
Das setze ich nur zu einer Anleitung hieher. Bei der Schöpfung dieser Welt
wirst du es ausführlich geschrieben finden. Das 13. Kapitel Von dem schrecklichen,
kläglichen und elenden Falle des Königreichs Luzifers Vor diesen Spiegel will ich alle
hoffärtigen, geizigen, neidischen und zornigen Menschen geladen haben. Da
werden sie den Ursprung ihrer Hoffart, Geizes, Neides und Zornes sehen und
auch den Ausgang und endliche Belohnung. 2. Es haben die Gelehrten viel und mancherlei
Monstra herfürbracht von dem Anfang der Sünden und Ursprung des Teufels, und
haben sich damit gekratzet. Ein jeder hat gemeinet, er habe die Art bei dem
Stile, und ist ihnen gleichwohl sämtlich verborgen blieben bis auf dato. 3. Weil sichs aber nunmehr will gänzlich offenbaren,
als wie in einem hellen Spiegel, so ist wohl zu vermuten, daß der große Tag
der Offenbarung Gottes nunmehr vorhanden ist, da sich die Grimmigkeit und das
angezündete Feuer von dem Lichte scheiden wird. 4. Darum soll sich keiner selber stockblind
machen, denn die Zeit der Wiederbringung, was der Mensch verloren hat, die
ist nunmehr vorhanden, die Morgenröte bricht an. Es ist Zeit vom Schlafe
aufzuwachen. 5. Nun fragt sichs: Was ist denn der Quell der
ersten Sünden des Königreichs Luzifers? Allhie muß man die höchste Tiefe der
Gottheit wieder vor die Hand nehmen und besehen, woraus König Luzifer ist zu
einer Kreatur worden, oder was der erste Quell der Bosheit in ihm gewesen
sei. 6. Es entschuldiget sich der Teufel und seine
Rotten, sowohl auch alle gottlosen Menschen, die in der Verderbung gezeuget
werden, noch immerdar, Gott tue ihnen unrecht, daß er sie verstoße. 7. Es darf auch wohl die jetzige Welt sagen, Gott
habe es in seinem vorsätzlichen Rate also beschlossen, daß etliche Menschen sollen
selig sein und etliche verdammt. Dazu habe Gott den Fürsten Luzifer darum
verstoßen, daß er soll ein Spektakel sein des Zorns Gottes. 8. Als gleich ob die Hölle oder das Böse von
Ewigkeit gewesen wäre und Gott in seinem Fürsatz hätte, daß Kreaturen
darinnen sein sollen und müssen, und kratzen und dehnen sich also mit den
Schriften solches zu erweisen, da sie doch weder Erkenntnis des rechten
Gottes noch der Schrift Verstand haben, wiewohl in die Schrift auch etlich
irrig Ding gebrauen ist. 9. Christus saget: Der Teufel sei ein Mörder und
Lügner vom Anfang gewesen und sei in der Wahrheit nie bestanden, Joh 8,44.
Weil ihm aber dieselben Rechtsprecher und Disputierer so treulich bestehen
und verkehren Gottes Wahrheit in Lügen, indem sie aus Gott einen durstigen
und grimmigen Teufel machen, der das Böse geschaffen habe und noch wolle, so
sind sie mit samt dem Teufel allzumal Mörder und Lügner. 10. Denn gleichwie der Teufel ein Stifter und
Vater der Höllen und Verdammnis ist, und hat ihm die höllische Qualität
selber erbauet und zugerichtet zu seinem königlichen Sitz, also sind auch
solche Skribenten der Lügen und Verdammnis Baumeister, die dem Teufel helfen
seine Lügen bestätigen und aus dem barmherzigen, lieblichen, freundlichen
Gott einen Mörder und eifrigen Verderber machen und verkehren Gottes Wahrheit
in Lügen. 11. Denn im Propheten spricht Gott: So wahr ich
lebe, ich habe nicht Lust am Tode des Sünders, sondern daß er sich bekehre
und lebe, Ez 33,11. Und im Psalmen stehet: Du bist nicht ein Gott, der das
Böse will, Ps 5,5. 12. Dazu hat Gott den Menschen Gesetze gegeben und
das Böse verboten und das Gute geboten. So denn Gott das Böse wollte und auch
das Gute, so müßte er mit ihm selber uneins sein, und würde folgen, daß eine
Zerstörung in der Gottheit sei, daß eines wider das ander laufe und eines das
ander verderbe. 13. Nun wie dieses alles beschaffen sei oder wie
die Bosheit seinen ersten Quell, Ursprung und Anfang habe genommen, will ich
in höchster Einfalt in der größten Tiefe erklären. 14. Es ladet und zitieret derowegen der Geist alle
verirreten und vom Teufel verführeten Menschen auf diese Schule vor diesen
Spiegel. Da werden sie dem Mordteufel ins Herze sehen. Wer sich nun vor
seiner Lügen nicht hüten will, da er doch wohl kann, dem ist kein Rat, weder
hie noch dorte. Wer mit ihm säen will, der wird auch mit ihm ernten. Im
Centro des Blitzes beweiset sich, daß die Ernte schon gar weiß ist, da wird
ein jeder einernten, was er ausgesäet hat. 15. Allhie will ich mein überantwortet Pfund auf
Zins ausleihen, wie mir denn befohlen ist. Wer nun mit mir wuchern und
handeln will, dem solls frei stehen, er sei gleich ein Christ, Jude, Türke
oder Heide. Es gilt mir alles gleich. Mein Kaufhaus soll einem jeden offen
stehen, und soll keiner gefinanzet oder betrogen werden, sondern es soll ihm
recht geschehen. 16. Da mag nun ein jeder zusehen, daß er handele,
damit er seinem Herrn Wucher erwerbe. Denn ich fürchte wohl, es werde
sich nicht ein jeder Kaufmann können in meine Ware schicken, sintemal sie
manchem gar unbekannt wird sein. So wird auch nicht ein jeder meine Sprache
verstehen. 17. Derowegen will ich einen jeden gewarnet haben,
daß er vorsichtig handele und sich nicht bedünken lasse, er sei reich, er
könne nicht arm werden. Wahrlich ich habe wunderbarliche Ware feil; es wird
sich nicht ein jeder darin verstehen. 18. Da nun einer in seiner vollen Weise
hineinplumpte und geriete in Verderben, der mag ihm selber die Schuld geben.
Er bedarf wohl eines Lichtes in seinem Herzen, damit sein Verstand und Gemüte
möchte regieret werden. 19. Anders komme er nur nicht auf mein Kaufhaus
oder er betreugt sich selber, denn die Ware, die ich feil habe, die ist gar
edel und teuer und bedarf gar scharfen Verstand. Darum siehe dich vor und
steig nicht in die Höhe, wo du keine Leiter siehest, oder du fällest. 20. Mir aber ist die Leiter Jakobs gezeiget,
darauf bin ich gestiegen bis in Himmel, und habe meine Ware empfangen, die
ich feil habe. Will mir nun jemand nachsteigen, der sehe auch, daß er nicht
trunken sei, sondern er muß umgürtet sein mit dem Schwert des Geistes . 21. Denn er muß durch eine grausame Tiefe steigen.
Der Schwindel wird ihm oft in Kopf kommen. Dazu muß er mitten durch der
Höllen Reich steigen. Was er allda wird für Verhöhnung und Spott müssen
leiden, das wird er wohl erfahren. 22. Ich habe es in diesem Kampf auch oft müssen
mit traurigem Herzen erfahren. Die Sonne ist mir oft verloschen, aber wieder
aufgegangen. Und je öfter sie verloschen ist, je heller und schöner ist sie
wieder aufgegangen. 23. Nicht schreibe ich mir dies zum Lobe, sondern
ob dirs auch also ginge, daß du darum nicht gar verzweifelst, denn es gehöret
gar strenge Arbeit hierzu, wer zwischen Himmel und Hölle will mit dem Teufel
fechten, denn er ist ein mächtiger Fürst. 24. Darum schaue zu, daß du den Panzer des Geistes
anhabest, anders komme nur nicht auf mein Kaufhaus oder du wirst mit dieser
Ware übel handel. Du mußt dem Teufel und der Welt absagen, willst du kämpfen,
sonst siegest du nicht. So du aber nicht siegest, so laß mein Buch mit
Frieden und bleibe bei dem alten oder du wirst bösen Lohn empfahen. Irre dich
nicht, Gott läßt sich nicht spotten, Gal 6,7. 25. Es ist fürwahr ein enger Steg; der da will
durch der Höllen Pforten zu Gott dringen, er muß manchen Druck und Quetsch
des Teufels leiden. Denn das menschliche Fleisch ist gar jung und zart, und
der Teufel rauh und hart, dazu finster, hitzig, bitter, herb und kalt. Die
zwei fügen sich übel zusammen. 26. Darum will ich den Leser treulich gewarnet
haben als wie mit einer Vorrede über diese große Geheimnis, ob er dies Ding
nicht verstünde und doch gern verstehen wollte, daß er wollte Gott um seinen
Hl. Geist bitten, daß er ihn wolle mit dem selben erleuchten. 27. Ohne Erleuchtung desselben wirst du diese
Geheimnis nicht verstehen, denn es ist in des Menschen Geist ein fest Schloß
davor, das muß vonehe aufgeschlossen werden. Und das kann kein Mensch tun,
denn der Hl. Geist ist allein der Schlüssel dazu. 28. Darum willst du eine offene Porte in die
Gottheit haben, so mußt du in Gottes Liebe wallen. Das hab ich dir zur
Nachrichtung hieher gesetzt. 29. Nun merke: Ein jeder Engel ist geschaffen in
dem siebenten Quellgeiste, welcher ist die Natur. Daraus ist sein Leib
zusammenkorporieret, und ist ihm sein Leib zum Eigentum gegeben worden, und
derselbe ist für sich frei, gleichwie der ganze Gott frei ist. 30. Er hat außer ihm keinen Trieb. Sein Trieb und
Beweglichkeit stehet in seinem Corpus. Derselbe ist auf Art und Weise wie der
ganze Gott ist und sein Licht und Erkenntnis, dazu sein Leben wird auf Art
und Weise geboren, wie das ganze göttliche Wesen geboren wird. Denn der Leib
ist der zusammenkorporierte Naturgeist und umschleußt die andern sechs
Geister. Die gebären sich in dem Leibe gleichwie in der Gottheit. 31. Nun hat Luzifer den allerschönsten und
kräftigsten Leib im Himmel unter allen Fürsten gehabt. Und sein Licht, das er
in seinem Leibe immer geboren hat, das hat mit dem Herzen oder Sohn Gottes
inkorporieret, als wäre es ein Ding. 32. Als er aber gesehen hat, daß er also schöne
ist, und hat empfunden seine innerliche Geburt und große Gewalt, so hat sein
Geist, den er in seinen Corpus geboren hat, der da ist sein animalischer
Geist oder Sohn oder Herze sich enthebet, in willens über die göttliche
Geburt zu triumphieren und sich über das Herze Gottes zu erheben. 33. Hier merke die Tiefe: Im mittlern Quellbrunne,
welcher ist das Herze, da gehet die Geburt auf. Die herbe Qualität reibet
sich mit der bittern und Hitze. Da zündet sich das Licht an. Das ist der
Sohn, dessen er in seinem Leibe immer schwanger ist, und das ihn erleuchtet
und lebendig machet. 34. Nun ist dasselbe Licht im Luzifer also schön
gewesen, daß es hat des Himmels Gestalt übertroffen, und in demselben Lichte
ist der vollkommene Verstand gewesen, denn alle sieben Quellgeister gebären
dasselbe Licht. 35. Nun aber sind die sieben Quellgeister des
Lichtes Vater und mögen der Geburt des Lichts zulassen, wieviel sie wollen.
Das Licht kann sich nicht höher erheben als ihm die Quellgeister zulassen. 36. Wenn aber das Licht geboren ist, so erleuchtet
es alle sieben Quellgeister, daß sie alle sieben verständig sind und geben
alle sieben ihren Willen zur Geburt des Lichtes. 37. Nun hat aber ein jeder Macht, seinen Willen in
der Geburt des Lichtes zu ändern, nach dem es vonnöten tut. So nun das
geschieht, so kann der Geist nicht also triumphieren, sondern muß seine
Pracht legen. Und darum sind alle sieben Geister in voller Gewalt, und hat ein
jeder den Zügel bei der Hand, daß er mag innehalten und den gebornen Geist
nicht lassen höher triumphieren als ihm gebühret. 38. Die sieben Geister aber, die in einem Engel
sind, die das Licht und den Verstand gebären, die sind mit dem ganzen Gott
verbunden, daß sie nicht sollen anders oder höher oder sehrer qualifizieren
als Gott selber, denn Gott hat sie darum aus sich geschaffen, daß sie sollen
in solcher Form und Weise qualifizieren wie Gott selber. 39. Nun taten aber die Quellgeister im Luzifer solches
nicht, sondern weil sie sahen, daß sie im höchsten Primat saßen, so bewegten
sie sich also hart, daß der Geist, den sie geboren, ganz feurig ward,
und stieg im Quellbrunne des Herzens auf wie eine stolze Jungfrau. 40. So die Quellgeister hätten feinlich
qualifizieret, wie sie taten, ehe sie kreatürlich worden, als sie noch in
gemein in Gott waren vor der Schöpfung, so hätten sie auch einen lieblichen
und sanften Sohn in sich geboren, der wäre dem Sohn Gottes gleich gewesen,
und wäre das Licht im Luzifer und der Sohn Gottes ein Ding gewesen, eine
Inqualierung oder Infizierung, ein lieblich Halsen, Herzen und Ringen. 41. Denn das große Licht, welches ist das Herze
Gottes, das hätte fein sanft und lieblich mit dem kleinen Licht im Luzifer
als mit einem jungen Sohn gespielet. Denn der kleine Sohn im Luzifer sollte
des Herzens Gottes liebes Brüderlein sein. 42. Zu solchem Ende hat Gott der Vater die Engel
geschaffen, daß gleichwie er in seinen Qualitäten vielfältig und in seiner
Veränderung unbegreiflich ist in seinem Liebe-Spiel, also sollten auch die
Geisterlein oder die Lichterlein der Engel, welche sind wie der Sohn Gottes,
vor dem Herzen Gottes in dem großen Lichte fein sanft spielen, damit die
Freude im Herzen Gottes möchte hier vermehret werden, und möchte also in Gott
ein heiliges Spiel sein. 43. Die sieben Geister der Natur im Engel, die
sollten fein lieblich in Gott ihrem Vater spielen und aufsteigen, wie sie vor
ihrem kreatürlichen Wesen getan hatten, und sich in ihrem neugebornen Sohne
freuen, den sie aus sich selbst geboren hatten, welcher das Licht und
Verstand ihres Leibes ist. 44. Und dasselbe Licht sollte fein sanft in dem
Herzen Gottes aufsteigen und sich in dem Lichte Gottes freuen als wie ein
Kind bei seiner Mutter. Da sollte sein herzlich Lieben und freundlich Küssen,
gar ein sanfter und lieblicher Geschmack. 45. In diesem sollte der Ton aufsteigen und
schallen mit Singen und Klingen, Loben und Jubilieren, und sollten sich alle
Qualitäten darinnen freuen und ein jeder Geist seine göttliche Arbeit treiben
wie Gott der Vater selber. Denn solches hatten die sieben Geister in
vollkommlicher Erkenntnis, denn sie waren mit Gott dem Vater inqualieret, daß
sie alles konnten sehen, fühlen, schmecken, riechen und hören, was Gott ihr
Vater machte. 46. Als sie sich aber erhuben in scharfer
Anzündung, so taten sie ja wieder Naturrecht anders als Gott ihr Vater tat,
und das war ein Quell wider die ganze Gottheit. Denn sie zündeten den
Salitter des Corpus an und gebaren einen hoch triumphierenden Sohn, der in
der herben Qualität war und hart, rauh, finster und kalt, in der süßen
brennend, bitter und feuerig. Der Tod war ein harter Feuerklang, die Liebe
war eine hochmütige Feindschaft wider Gott. 47. Da stund nun die angezündete Braut in dem
siebenten Naturgeiste wie eine stolze Bestia, und vermeinete nun, sie wäre
über Gott, es wäre ihr nichts gleich. Die Liebe war erkaltet, das Herze
Gottes konnte sie nicht berühren, denn es war ein Widerwillen zwischen ihnen.
Das Herze Gottes wallete fein sanft und liebreich. So wallete das Herze des
Engels ganz finster, hart, kalt und feurig. 48. Nun sollte das Herze Gottes mit dem Herze des
Engels inqualieren, und das konnte nicht sein, denn es war Hart wider Weich,
und Sauer wider Süße und Finster wider Licht und Feuer wider ein lieblich
Wärmen, und hartes Pochen wider einen lieblichen Gesang. 49. Höre Luzifer, wer ist nun schuld dran, daß du
bist ein Teufel worden? Ist Gott, wie du lügst? 0 nein, du selber. Die
Quellgeister in deinem Corpus, der du selber bist, die haben dir ein solch
Söhnlein geboren. Du kannst nicht sagen, daß den Salitter, daraus er dich
machte, hat angezündet, sondern deine Quellgeister tatens, nachdem du schon
ein Fürst und König Gottes warest. 50. Darum wenn du sagest, Gott habe dich also
geschaffen oder ohne genugsame Ursachen aus deinem Loco gespeiet, so bist du
ein Lügner und Mörder, denn das ganze Himmelsheer gibt Zeugnis wider dich,
daß du dir die grimmige Qualität hast selber zugerichtet. 51. Ists nicht wahr, so fahre vor Gottes Antlitz
und verantworte dich. Aber du siehests ohne das wohl und darfst es nicht wohl
anschauen. Lieber, möchtest du nicht einen freundlichen Kuß von dem Sohne
Gottes haben, daß du dich einmal labest. Wo du redet bist, so schau ihn doch
einmal an, vielleicht wirst du gesund. 52. Aber warte ein wenig, es sitzt ein anderer auf
deinem Stuhle. Der lässet sich küssen und ist seinem Vater ein gehorsamer
Sohn und tut, wie der Vater tut. Warte nur noch eine kleine Weile, so wird
dich das höllische Feuer küssen. Nimm derweil mit dem Latein fürlieb, bis dir
mehr draus wird, du wirst bald deine Krone verlieren. 53. Nun möchte einer fragen: Was ist denn
eigentlich im Luzifer die Feindschaft wider Gott, darum er aus seinem Loco
getrieben worden ist? Allhie will ich dir den Kern und das Herze Luzifers
eigentlich zeigen. Da wirst du sehen, was ein Teufel ist oder wie er ein
Teufel worden ist. Darum schaue zu und lade ihn nicht zu Gaste, denn er ist
Gottes und aller Engel und Menschen abgesagter Feind, und das in seine
Ewigkeit. 54. Wirst du nun dieses recht verstehen und
begreifen, so wirst du nicht aus Gott einen Teufel machen, wie etliche tun,
die da sagen, Gott habe das Böse gsechaffen und wolle noch, daß etliche
Menschen sollen verloren werden; welche dem Teufel seine Lügen helfen
vermehren und führen über sich selbst das strenge Urteil, indem sie Gottes
Wahrheit in Lügen verkehren. 55. Nun merke: Die ganze Gottheit hat in ihrer innerlichsten
oder anfänglichsten Geburt im Kern gar eine scharfe erschreckliche Schärfe,
indem die herbe Qualität gar ein erschrecklich, herb, hart, finster und kalt
Zusammenziehen ist gleich dem Winter, wenn es grimmig kalt ist, daß aus dem
Wasser Eis wird, und dazu ganz unerträglich. 56. Denke, wenn im Winter, wenn es also kalt ist,
sollte die Sonne weggenommen werden, was da für eine Kälte und ganz rauhe und
harte Finsternis sein würde. Da könnte kein Leben bestehen. 57. Auf eine solche Art ist die herbe Qualität im
innersten Kern in sich selbst und für sich allein außer den andern Qualitäten
in Gott, denn die Strengigkeit macht die Zusammenziehung und Haltung eines
Corpus, und die Härtigkeit vertrocknete, daß es kreatürlich bestehet. 58. Und die bittere Qualität ist ein reißend,
durchdringend und schneidend bitter Quell, denn sie zerteilst und zertreibet
die harte und herbe Qualität und macht die Beweglichkeit. Und zwischen diesen
zwei Qualitäten wird die Hitze geboren von ihrem harten und grimmigen bittern
Reiben, Reißen und Toben, die steiget in der bittern und harten Qualität auf
als eine grimmige Anzündung, und fähret hindurch als ein harter Feuerklang,
davon der harte Ton entstehet. Und in solchem Aufsteigen oder solch
Aufsteigen wird in der herben Qualität umschlossen und befestigst, daß es ein
Corpus ist, der bestehet. 59. Nun so denn in diesem Corpus keine Qualität
mehr wäre, die da könnte dieser vier Qualitäten Grimmigkeit löschen, so wäre
ja eine stete Feindschaft darinnen, denn die bittere wäre wider die herbe,
indem sie also darinnen stürmet und reißet und die herbe zersprenget. 60. So wäre die herbe auch wider die bittere,
indem sie die bittere also zusammenzeucht und gefangen hält, daß sie ihren
eigenen Gang nicht haben könnte. 61. Und die Hitze wäre wider die alle beide, indem
sie mit ihrem grimmen Anzünden und Aufsteigen alles hitzig und wütend machet,
und ganz wider die Kälte ist. 62. So wäre der Ton eine große Feindschaft in den
andern allen, indem er mit Gewalt durch alles fähret als ein Wüterich. 63. Nun dieses ist also die allertiefeste und
innerlichste, verborgene Geburt Gottes, nach welcher er sich einen zornigen,
eiferigen Gott nennet, wie bei den Zehn Geboten am Berge Sinai zu sehen ist;
Ex 20,5; Deut 5,9. Und in solcher Qualität stehet die Hölle und ewige
Verderbnis, dazu die ewige Feindschaft und Mordgrube, und eine solche Kreatur
ist der Teufel worden. 64. Weil er aber nun ein abgesagter Feind Gottes
ist und gleichwohl die Disputierer und Teufelshelfer wollen erzwingen, daß
Gott das Böse und auch das Gute wollte und daß Gott etliche Menschen habe zur
Verdammnis geschaffen, so ladet sie der Geist Gottes bei Pön ewiger
Feindschaft vor diesen Spiegel. Da soll ihr Herz aufgeschlossen werden und
sollen sehen, was Gott ist oder wer der Teufel ist oder wie er ein Teufel
worden ist. 65. Ist dein Herze nicht im Tode verriegelt durch
deinen Mutwillen und Gotteslästerung und ersoffene greuliche Sünden, in
willens, davon nicht abzustehen, so wache auf und siehe! 66. Ich nehme Himmel und Erden, dazu Sternen und
Elementa und alle Kreaturen und den Menschen in seiner ganzen Substanz selber
zum Zeugnis, und will es auch helle und klar an seinem gehörenden Orte mit
allen diesen erzählten Dingen erweisen, sonderlich bei der Schöpfung aller
Kreaturen. 67. Genüget dir an diesen Dingen nicht, so bitte
Gott, daß er dir dein Herze auftut, so wirst du Himmel und Hölle, dazu die
ganze Gottheit in aller ihrer Qualität erkennen und sehen; alsdann wirst du
wohl aufhören, dem Teufel Recht zu sprechen. Ich kann dir dein Herze nicht
aufschließen. Nun merke: Die rechte Geburt Gottes 69. Du mußts aber nicht eigent verstehen. Die
herbe Qualität ist also scharf in ihrer eignen Qualität in sich selber. Sie
ist aber nicht allein oder außer den andern, auch nicht von sich oder in sich
selber geboren, daß sie ganz frei ist, sondern die andern sechs Geister
gebären sie. Und die haben sie auch bei dem Zügel und mögen ihr Gewalt
lassen, wieviel sie wollen. Denn das süße Quellwasser ist flugs die Peitsche
über die herbe Qualität und sänftiget sie, daß sie ganz dünne, sanft und
weich wird, dazu ganz lichte. 70. Daß sie aber also scharf in sich ist, das ist
zu dem Ende, daß kann ein Corpus durch ihre Zusammenziehung gebildet werden,
sonst bestünde die Gottheit nicht, viel weniger eine Kreatur. Und in dieser
Schärfe ist Gott ein allbegreiflich- und allfaßlicher scharfer Gott, denn die
Geburt und Schärfe Gottes ist allenthalben also. 71. So ich dir aber die Gottheit in ihrer Geburt
soll in einem kurzen runden Zirkel recht in der höchsten Tiefe beschreiben,
so ist sie also: Gleich als wenn ein Rad vor dir stünde mit sieben Rädern, da
je eines in das andere gemacht wäre, also daß es auf Erden gehen könnte, vor
sich und hinter sich und quericht und dürfte keiner Umwendung. Und so es
ginge, daß immer ein Rad in seiner Umwendung das ander gebäre und doch keines
verginge, sondern alle sieben sichtlich wären. Und die sieben Räder gebären
immer die Naben inmitten nach ihrer Umwendung, daß also die Nabe frei ohne
Veränderung immer bestünde. Die Räder gingen gleich vor sich oder hinter sich
oder quericht oder über sich oder unter sich. Und die Nabe gebäre immer die
Speichen, daß sie in dem Umwenden überall recht wären, und doch auch keine
Speiche verginge, sondern sich immer also miteinander umdrehete, und ginge,
wohin es der Wind drehete, und dürfte keiner Umwendung. 72. Nun merke, was ich dich bescheide: Die sieben
Räder sind die sieben Geister Gottes. Die gebären sich immer einer den
andern, und ist wie man ein Rad umwendet, da sieben Räder ineinander wären
und eines drehete sich immer anders als das ander in seinem Innestehen, und
wären die sieben Räder ineinandergefelget wie eine runde Kugel. Da man doch
gleichwohl alle sieben Räder, eines jeden Umgang insonderheit sähe, sowohl
auch seine ganze Geschicklichkeit mit seinen Felgen und Speichen und mit
seiner Naben. Und die sieben Naben inmitten wären wie eine Nabe, die sich im
Umwenden überall hinschickte, und die Räder gebären immer dieselben Naben,
und die Nabe gebäret immer in allen sieben Rädern die Speichen, und verginge
doch auch kein Rad, sowohl auch keine Nabe und auch keine Felge und Speiche.
Und dasselbe Rad hätte sieben Räder und wäre doch nur ein Rad, und ginge
immer vor sich, wo es der Wind hintriebe. 73. Nun siehe: Die sieben Räder ineinander, da
eines immer das ander gebäret, und auf allen Seiten gehen und doch keines
vergehet oder sich umwendet, das sind die sieben Quellgeister Gottes des
Vaters. Die gebären in den sieben Rädern in jedem Rad eine Nabe und sind doch
nicht sieben Naben, sondern nur eine, die sich in alle sieben Räder schicket.
74. Und das ist das Herze oder der innerste Corpus
der Räder, darinnen die Räder umlaufen. Und das bedeut den Sohn Gottes, den
alle sieben Geister Gottes des Vaters in ihrem Zirkel immer gebären. Und er
ist aller sieben Geister Sohn, und sie qualifizieren alle in seinem Lichte,
und ist inmitten der Geburt und hält alle sieben Geister Gottes. Und sie
wenden sich in ihrer Geburt mit ihm also um. 75. Das ist, sie steigen nun über sich oder unter
sich oder hinter sich und vor sich oder quericht. So ist das Herze Gottes
immer inmitten und schickt sich immer zu jedem Quellgeiste. Also ists ein
Herze Gottes und nicht sieben, das von allen sieben Geistern immer geboren
wird, und ist aller sieben Geister Herze und Leben. Nun die Speichen, die von
der Naben und den Rädern immer geboren werden und doch sich in alle Räder im
Umgehen schicken und ihre Wurzel, Anhalt oder Einpflocken, darinne sie stehen
und daraus sie geboren werden, die bedeuten Gott den Hl. Geist, der aus dem
Vater und Sohne ausgehet. Gleichwie die Speichen aus der Naben und dem Rade,
bleiben doch auch in dem Rade. 77. Nun gleichwie der Speichen viele sind und
gehen immer in dem Rade mit um, also ist der Hl. Geist der Werkmeister in dem
Rade Gottes und formet und bildet alles in dem ganzen Gott. 78. Nun hat das Rad sieben Räder ineinander, und
eine Nabe, die sich in alle sieben Räder schicket, und alle sieben Räder an
der einen Naben. Also ist Gott ein einiger Gott mit sieben Quellgeistern ineinander,
da immer einer den andern gebäret, und ist doch nur ein Gott, gleichwie alle
sieben Räder ein Rad. 79. Nun merke: Das Rad in seinem
zusammenkorporierten Baue bedeutet die herbe Qualität. Die zeucht das ganze
körperliche Wesen der Gottheit zusammen und hält es und vertrocknet es, daß
es bestehet. Und das süße Quellwasser wird von dem Umtreiben oder Aufsteigen
der Geister geboren. Denn wenn sich das Licht in der Hitze gebäret, so
erschrickt die herbe Qualität vor großer Freude. Und das ist wie ein Niederlegen
oder Dünnewerden, und sinket das harte körperliche Wesen nieder wie eine
Sanftmut. 80. Der Schrack oder Anblick des Lichts steiget
nun in der herben Qualität fein sanft und zitternd auf und zittert. Der ist
nun in dem Wasser bitter. Und das Licht vertrocknet ihn und macht ihn
freundlich und süße. 81. Darinnen stehet nun das Leben und die Freude,
denn der Schrack oder Blitz steiget nun in allen Qualitäten auf wie ein
oberzählet Rad, das sich umwendet. Da steigen alle sieben Geister ineinander
auf und gebären sich gleichwie in einem Zirkel. Und das Licht wird mitten in
den sieben Geistern scheinend und scheinet wider in alle sieben Geister. Und
darinnen triumphieren alle Geister und freuen sich in dem Lichte. 82. Gleichwie die sieben Räder an der einigen
Naben umgehen als an ihrem Herzen, das sie hält. Und sie halten die Naben;
also auch gebären die sieben Geister das Herze, und das Herze hält die sieben
Geister, und gehen allda auf Stimmen und göttliche Freudenreich, herzliches
Lieben und Küssen. 83. Denn wenn die Geister mit ihrem Licht
ineinander wallen, sich umdrehen und aufsteigen, so wird immer das Leben
geboren, denn ein Geist gibt immer dem andern seinen Geschmack, das ist, er
infizieret sich mit dem andern. 84. Also kostet einer den andern und fühlet den
andern. Und der Schall oder Ton dringet von allen sieben Geistern gegen das
Herz und steiget in dem Herzen im Blitze des Lichts auf. Da gehen auf Stimmen
und Freudenreich des Sohnes Gottes. Und alle sieben Geister triumphieren und
freuen sich in dem Herzen Gottes, ein jeder nach seiner Qualität. 85. Denn in dem Lichte in dem süßen Wasser wird
alle Herbigkeit und Härtigkeit und Bitterkeit und Hitze gesänftiget und
lieblich, und ist in den sieben Geistern nichts denn ein liebliches Ringen
und wunderliches Gebären, wie ein heiliges Spiel Gottes. 86. Ihre scharfe Geburt aber, davon ich oben
geschrieben habe, die bleibet als wie ein Kern verborgen, denn sie wird von
dem Licht und süßen Wasser gesänftiget. 87. Gleichwie ein saurer und bitterer grüner Apfel
von der Sonnen gezwungen wird, daß er fein lieblich ist zu essen, und man
schmecket doch alle seine Qualitäten, also behält auch die Gottheit ihre
Qualitäten, aber sie ringet fein sanft wie ein lieblich Spiel. 88. So sich aber die Quellgeister würden erheben
und geschwinde ineinander durchdringen und sich hart reiben und quetschen, so
quetschte sich das süße Wasser aus und zündete sich die grimmige Hitze an.
Alsdann würde aufgehen das Feuer aller sieben Geister wie im Luzifer. 89. Das ist nun die wahrhaftige Geburt der
Gottheit, die von Ewigkeit an allen Enden ist also gewesen und bleibet in
alle Ewigkeit also. Aber im Reiche Luzifers des Verderbers hats eine andere
Gestalt, wie ich oben von der Grimmigkeit geschrieben habe. Und in dieser
Welt, welche jetzt auch halb angezündet ist, hats jetzo auch eine andere
Gestalt, bis auf den Tag der Wiederbringung. Davon will ich bei der Schöpfung
dieser Welt schreiben. 90. Nun in diesem herrlichen, lieblichen und
himmlischen Salitter oder göttlichen Qualitäten ist das Königreich Luzifers
auch geschaffen ohne einige größere Bewegung als der andern. Denn als Luzifer
geschaffen war, so stund er da ganz vollkommen und war der schönste Fürst im
Himmel, geschmückt und angetan mit der schönsten Klarheit des Sohnes Gottes. 91. So aber Luzifer in der Bewegung der Schöpfung
wäre verdorben, wie er fürgibt, so hätte er seine Vollkommenheit, Schönheit
und Klarheit niemals gehabt, sondern wäre alsbald ein grimmiger finsterer
Teufel gewesen und nicht ein Cherub. Von der herrlichen Geburt
und Schönheit des Königs Luzifer 93. Wenn du anders sagest, so lügst du, denn es
zeuget Himmel und Erden, dazu alle Kreaturen, ja die ganze Gottheit wider
dich, daß dich Gott zu seinem Lob erschaffen hat aus sich selber zu einem
Fürsten und Könige Gottes, wie den Fürsten Micha-El und Uri-El. 92. Nun merke: Als sich die Gottheit zur Schöpfung
beweget hat und hat wollen Kreaturen in seinem Corpus bilden, so hat er nicht
die Quellgeister angezündet, sonst würden sie wohl ewig brennen; sondern er
hat sich ganz sanft in der herben Qualität beweget. Dieselbe hat den
göttlichen Salitter zusammengezogen und vertrocknet, daß es ein Corpus worden,
und ist die ganz göttliche Kraft aller sieben Quellgeister des Orts oder
Raumes, soweit der Engel begriffen, in dem Corpus gefangen und des Corpus
Eigentum worden, welches nicht wieder kann oder soll zerstöret werden in
Ewigkeit, sondern soll des Corpus Eigentum bleiben in Ewigkeit. 95. Nun die gefangene oder zusammenkorporierte
Kraft aller sieben Quellgeister die hat nun in dem Corpus ihr Eigentum gehabt
und ist in dem Corpus aufgestiegen und hat sich geboren nach Art und Weise, wie
sich die ganze Gottheit gebäret aller sieben Quellgeister. 96. Es hat sowohl immer eine Qualität die andere
geboren, und ist doch auch keine vergangen wie in dem ganzen Gott. So hat
sich der ganze Corpus sowohl auch in der Dreiheit geboren, gleichwie sich die
Gottheit außer dem Corpus in der Dreiheit gebäret. 97. Dieses muß ich aber allhie melden, daß Luzifer
der König ist aus seinem ganzen Königreiche zusammenkorporieret worden als
das Herze des ganzen Ortes oder Raumes, soweit sein ganz englisch Heer ist
geschaffen worden und soweit der Zirk begriffen hat, darinnen er mit seinen
Engeln ist zur Kreatur worden und Gott vor der Zeit der Schöpfung in sich
beschlossen hatte zu einem Raum eines Königreichs. 98. Welcher Zirk begreift den erschaffenen Himmel
und diese Welt, sowohl die Tiefe der Erden und des ganzen Zirks. 99. Nach den Qualitäten sind seine Quellfürsten
geschaffen worden, welches da sind seine königlichen Räte, sowohl alle seine
Engel. Doch sollst du wissen, daß ein jeder Engel alle sieben Geister in sich
hat, aber einer unter den sieben ist Prinzipal. 100. Nun siehe: Als nun der König Luzifer also
zusammenkorporieret ward als ein Begreifer seines ganzen Königreichs, so ist
alsbald zur selben Stunde und in demselben Augenblicke, als er zusammenkorporieret
worden, die Geburt der Hl. Dreifaltigkeit Gottes, welches er in seinem Corpus
zum Eigentum gehabt, aufgestiegen und hat sich geboren wie außer der Kreatur
in Gott. 101. Denn im Zusammentreiben des Corpus ist gleich
auch die Geburt mit großem Triumph als in einem neugebornen Könige in Gott
aufgestiegen, und haben sich alle sieben Quellgeister ganz freudenreich und
triumphierend erzeiget. Und ist alsbald in demselben Augenblicke das Licht
aus den sieben Geistern im Centro des Herzens geboren worden und aufgegangen
als ein neugeborner Sohn des Königs, welcher auch alsbald augenblicklich den
Corpus aller sieben Quellgeister aus dem Centro des Herzens hat verkläret.
Und von außen hat ihn das Licht des Sohnes Gottes verkläret. 102. Denn die Geburt des neuen Sohnes im Herzen
Luzifers ist durch den ganzen Corpus gedrungen und ist von dem Sohne Gottes,
welcher außer dem Corpus gewesen, glorifizieret und freundlich benevenieret
worden mit der größten Schönheit des Himmels nach der Schönheit Gottes des
Sohnes. Und ist ihm als ein liebes Herze oder Eigentum gewesen, mit welchem
die ganze Gottheit inqualieret hat. 101. So ist auch alsbald der Geist des neugebornen
Sohns im Herzen vom Lichte Luzifers durch seinen Mund ausgegangen und hat mit
dem heiligen Geiste Gottes inqualirert, und ist mit höchster Freude empfangen
worden als ein liebes Brüderlein. 104. Nun, da stehet nun die schöne Braut. Was soll
ich nun von ihr schreiben? Ist sie nicht ein Fürst Gottes gewesen, dazu der
allerschönste, dazu in Gottes Liebe als ein lieber Sohn der Kreaturen? Von dem erschecklicben hoffärtigen und nunmehr kläglichen Anfang der Sünden, die höchste Tiefe 106. Als nämlich Gott sein Schöpfer der
qualifizierte fein sanft, lieblich und freudenreich, und ein Quellgeist in
Gott liebet immer den andern und infizieret sich mit dem andern und hilft dem
andern in der himmlischen Pomp immer bilden und formen. 107. Dadurch in der himmlischen Pomp immer schöne
Figuren und Gewächse aufgehen, dazu vielerlei Farben und Frucht. Das tun die
Quellgeister Gottes, das ist in Gott wie ein hl. Spiel. 108. Nun siehe: Weil denn nun jetzo Gott hatte
ewige Kreaturen aus sich selber zusammenkorporieret, so sollten dieselben
nicht in der himmlischen Pomp auf eine solche Weise qualifizieren gleichwie
Gott. Nein, denn zu dem Ende waren sie nicht also gebildet worden. Denn der
Schöpfer hatte aus den Ursachen den Leib eines Engels trockner
zusammenkorporieret als er in seiner Gottheit war und blieb, daß die
Qualitäten sollten härter und derber werden auf daß der Ton oder Schall
sollte lautbar werden; auf daß, wenn die sieben Qualitäten im Engel im Centro
des Herzen das Licht und den Geist oder Verstand gebären, daß derselbe Geist,
welcher im Licht des Herzens zum Munde des Engels ausfähret in die göttliche
Kraft, sollte als ein lautbarer Schall in aller Qualitäten Kraft in Gott als
eine liebliche Musica singen, klingen und in der Bildung oder Qualifizierung
Gottes als eine liebliche herzliebende Stimme in der Formung Gottes aufgehen.
109. Wenn der Hl. Geist die himmlische Frucht
bildet, so sollte der Ton, welcher im Lobe Gottes sollte aufgehen aus den
Engeln, mit der Bildung der Frucht sein. Hinwieder sollte die Frucht der
Engel Speise sein. 110. Und darum beten wir auch im Vaterunser: Gib
uns unser täglich Brot, Mat 6,11. Daß also derselbe Ton oder Wort
"Gib" welches wir aus unserm Centro des Lichts durch den
animalischen Geist aus dem Munde von uns stoßen in die göttliche Kraft, soll
in der göttlichen Kraft als eine Mitformung oder Mitgebärung helfen, unser
täglich Brot bilden, welches uns hernach der Vater zur Speise giebet. 111. Und wenn dann also unser Ton in Gottes Ton
inkorporieret wird und wird also die Frucht gebildet, so muß es uns ja gesund
sein und wir in Gottes Liebe sein; und haben die Speise als für Naturrecht zu
gebrauchen, dieweil unser Geist in Gottes Liebe hat dieselbe helfen bilden
und formen. Hierinnen steckt die innerste und größte Tiefe Gottes. 0 Mensch,
bedenke dich! An seinem Orte will ichs ausführlich erklären. 112. Nun, zu solchem Ende hat Gott die Engel
geschaffen, und das tun sie auch. Denn ihr Geist, welcher im Centro oder
Herzen aus ihrem Licht in Kraft aller sieben Quellgeister aufgehet, der gehet
zu ihrem Munde aus gleichwie Gott der Hl. Geist vom Vater und Sohne. Und
hilft alles in Gott, das ist, in der göttlichen Natur, formen und bilden
durch den Marcurium, Gesang und Reden und Freudenspiel. 113. Denn gleichwie Gott in der Natur wirket
allerlei Formen, Bildungen, Gewächse, Frucht, Farben, also tun auch die Engel
ganz einfältig, und sollten sie gleich kaum auf einem Stecken reiten oder in
dem himmlischen Maien sich der schönen Blumen freuen und davon ganz einfältig
reden, noch dannoch steiget derselbe Ton oder Rede in dem göttlichen Saliter
mit auf und hilft mit bilden und formen. 114. Hast du doch dessen auch viel Exempel in
dieser Welt, daß wenn manche Kreatur oder Mensch nur etwas ansiehet, so
verdirbet es, von wegen der Gift in den Kreaturen. Dagegen können etliche
Menschen, sowohl auch Tiere und Kreaturen mit ihrem Ton oder Worten die
Bosheit an einem Dinge verändern und in eine richtige Form bringen. 115. Das ist nun die göttliche Kraft, der alle
Kreaturen unterworfen sind. Denn alles, was da lebet und schwebet, das ist in
Gott, und Gott selber ist alles und alles, was gebildet ist, das ist aus ihm
gebildet, es sei gleich aus Liebe oder Zorn. Der Sünden Quellader 117. Sondern als sein Licht in ihm geboren war im
Herzen und seine Quellgeister urplötzlich mit dem hohen Lichte infizieret
oder umfangen wurden, da wurden sie also hoch erfreuet, daß sie sich in ihrem
Leibe wider Naturrecht erhoben; und fingen gleich eine höhere, stolzere,
prächtigere Qualifizierung an als Gott selber. 118. Indem sich aber die Geister also erhuben und
also heftig ineinander triumphierten und wider Naturrecht aufstiegen, so
zündeten sich die Quellgeister zu hart an; als nämlich die herbe Qualität zog
den Corpus zu hart zusammen, daß das süße Wasser vertrocknete. 119. Und der gewaltige und große helle Blitz,
welcher im süßen Wasser in der Hitze war aufgegangen, davon die bittere
Qualität im süßen Wasser entstehet. Der rieb sich schrecklich hart mit der herben
Qualität, als wollt er sie zersprengen vor großer Freude. 120. Denn der Blitz war also helle, daß er den
Quellgeistern gleichwie unerträglich war. Darum zitterte und rieb sich die
bittere Qualität also hart an der herben, daß die Hitze wider Naturrecht
angezündet war. Und die herbe vertrocknete auch das süße Wasser durch ihre
harte Zusammenziehung. 121. Nun war aber der Hitze Qualität also streng
und eiferig, daß sie der herben Qualität ihre Macht nahm, denn die Hitze
entstehet im Quellbrunne des süßen Wassers. 122. Weil aber das süße Wasser durch die herbe
Zusammenziehung vertrocknet war, so konnte die Hitze nunmehr zu keiner Lohe
oder zu keinem Licht, denn das Licht entstehet in der Fettigkeit des Wassers,
sondern sie glomm wie ein angezündet hitzig Eisen, das noch nicht recht
glühend ist und ist noch gar dunkel; oder als wenn du einen sehr
harten Stein ins Feuer würfest und ließest den gleich in der großen Hitze
liegen, wie lange du wolltest, so würde er doch nicht glühend. Das machts,
er hat zu wenig Wasser. 123. Also zündete nun die Hitze das vertrocknete
Wasser an, und das Licht konnte sich nicht mehr erheben und anzünden, denn
das Wasser war vertrocknet und ward von dem Feuer oder großen Hitze vollend
verzehrst. 124. Nicht der Meinung, daß darum der Geist des
Wassers sei aufgefressen worden, welcher in allen sieben Qualitäten wohnet,
sondern seine Qualität oder Oberquelle ward verwandelt in eine dunkele,
hitzig und saure Qualität. 125. Denn allhie an dem Orte hat die saure
Qualität ihren ersten Ursprung und Anfang genommen, welche nun auch auf diese
Welt geerbet ist, welche im Himmel in Gott auf solche Weise gar nicht ist und
auch in keinem Engel. Denn sie ist und bedeut das Haus der Trübsal und
Elendes, ein Vergessung des Guten. 126. Als nun dieses geschah, so rieben sich die
Quellgeister ineinander nach Art und Weise, wie ich droben bei der Figur des
siebenfachen Rades vermeidet habe. Denn sie pflegen also ineinander
aufzusteigen und einander zu kosten oder sich miteinander zu infizieren,
davon das Leben und die Liebe entstehet. 127. Nun aber war in allen Geistern nichts denn
eitel hitzige, feurige, kalte und harte Verderbung. Also kostete ein böser
Quell den andern, davon ward der ganze Corpus also gar grimmig, denn die
Hitze war wider die Kälte und die Kälte wider die Hitze. 128. Weil denn nun das süße Wasser vertrocknet
war, so fuhr die bittere Qualität, welche von dem ersten Blitze entstanden
und geboren ward, als sich das Licht anzündete, in dem Corpus auf durch alle
Geister, als wollte sie den Leib zerstören, wütete und tobete als die ärgeste
Gift. 129. Und davon ist die erste Gift entstanden,
darinnen wir armen Menschen nun in dieser Welt auch zu käuen haben und
dadurch der bitter giftige Tod ins Fleisch kommen ist. 130. Nun in diesem Wüten und Reißen ward nun das
Leben im Luzifer geboren, das ist sein liebes Söhnlein im Zirkel des Herzens.
Was nun das für ein Leben oder liebes Söhnlein wird gewesen sein, gebe ich
einer vernünftigen Seelen zu bedenken. 131. Denn wie der Vater war, so ward auch nun sein
Sohn, als nämlich ein finster, herber, kalter, harter, bitter, hitziger,
saurer, stinkichter Quellbrunn, und die Liebe stund in der bittern Qualität
in ihrem Durchdringen und Schmecken. Die ward eine Feindschaft aller
Quellgeister im Leibe des hochmütigen Königes. 132. Also stieg nun der Ton durch das Durchdringen
der bittern Qualität durch die Hitze und vertrocknete Wasser und durch die
herbe, harte Qualität in das Herze, in das liebe neue Söhnchen. 133. Allda ging der Geist nun aus. Wie er im
Herzen geboren war, so ging er nun zum Munde aus. Was er aber für ein
willkommener Gast wird vor Gott und in Gott gewesen sein und auch vor den hl.
Engeln der andern Königreiche, das gebe ich dir zu bedenken. Er sollte nun
mit dem Sohne Gottes inqualieren als ein Herze und ein Gott. Ach und ewig,
wer will das genug schreiben oder reden! Das 14. Kapitel Wie Luzifer, der schönste
Engel im Himmel, ist der greulichste Teufel geworden - Das Haus der
Mordgruben Allhier, König Luzifer, zeuch
den Hut in die Augen, daß du es nicht siehest: Man wird dir die himmlische
Krone abnehmen; du kannst nicht mehr im Himmel regieren. Nun stehe noch ein
wenig stille, wir wollen dich von ehe beschauen, welch eine schöne Braut du
bist, ob du vielleicht noch könntest den Unflat deiner Hurerei abladen, daß
du wieder schöne würdest. Wir wollen deine Zucht und Tugend ein wenig
beschreiben. 2. Wohlher, ihr Philosophi und Rechtsprecher des
Königs Luzifer! Nun tretet herzu und verredet ihn, weil er noch die Krone
hat, denn allhie wollen wir Malefiz-Recht über ihn halten. Könnt ihr das
Recht erhalten, so soll er euer König sein, wo nicht, so soll er hinunter in
die Hölle gestoßen werden, und soll ein anderer seine königliche Krone
bekommen, der besser regieret als er. 3. Nun merke: Als sich nun Luzifer also greulich
verderbet, so waren alle seine Quellgeister eine Feindschaft wider Gott, denn
sie qualifizierten alle viel anders als Gott, und war eine ewige Feindschaft
zwischen Gott und dem Luzifer. 4. Nun möchte einer sagen: Wie lang ist denn
Luzifer im Lichte Gottes gestanden? – Die Tiefe: Als der königliche Leib des
Luzifer zusammenkorporieret ward, in derselben Stunde zündete sich auch das
Licht im Luzifer an. Denn alsbald seine Quellgeister in der Erbauung des
Corpus anfingen zu qualifizieren und sich zu gebären, wie der Natur Recht
war, so ging der Blitz des Lebens im Herzen im süßen Quellwasser auf. So war
der königliche Leib schon fertig und fuhr der Geist im Herzen von dem Lichte
aus durch den Mund in das Herze Gottes. 5. Da war er ein überaus schöner Fürst und König,
und dem göttlichen Wesen gar lieb und angenehm, und ward mit gar großen
Freuden empfangen. Desgleichen fuhr auch der Geist vom Herzen in alle
Quelladern des Corpus und zündete alle sieben Geister an. Da ward der
königliche Leib augenblicklich glorifizieret und stund da als ein König
Gottes in unerforschlicher Klarheit, welche das ganze Himmelsheer übertraf. 6. Nun in diesem hellen und lichten Blitze wurden
alsbald die sieben Quellgeister angestecket, als wie man ein Feuer ansteckt.
Denn sie erschraken vor der grausamen Klarheit ihres Geistes, und wurden in
dem ersten Blitze oder Anblicke flugs hochtriumphierend, erheblich, stolz und
zuviel freudenreich, und bewegten sich zu höherer Geburt. 7. So sie aber in ihrem Sede wären blieben sitzen
und hätten qualifiziert, wie sie von Ewigkeit getan hatten, so hätte ihnen
das hohe Licht nichts geschadet. Denn sie waren nicht neue Geister aus etwas
anders gemacht, sondern es waren die alten Geister, die keinen Anfang hatten
gehabt, die in Gott waren ewig gewesen, und wußten wohl der Gottheit und der
Natur Recht, wie sie wallen sollten. 8. Auch als Gott den Corpus zusammenfigurierte, so
tötete er nicht zuvorhin die Quellgeister, sondern er figurierte den Leib des
Königs Luzifer aus dem Kern des Besten zusammen, darinnen die allerbeste
Wissenschaft war. 9. Sonst, wo die Qualitäten wären vorhin tot
gewesen, so hätten sie eines neues Lebens bedurft, und wäre im Zweifel, ob
der Engel könnte ewig bestehen. 10. Vernimms nur recht: Gott schuf darum Engel aus
sich selber, daß sie härter und derber zusammenkorporieret wären als die
Figuren, welche durch das Qualifizieren der Geister Gottes in der Natur
aufgingen und auch durch der Geister Bewegen wieder vergingen, daß ihr Licht
in ihrer Härtigkeit sollte heller scheinen, und daß der Ton des Corpus hell
tönete und schaltete, damit die Freudenreich in Gott größer würde. Das war
die Ursache, daß Gott Engel schuf. 11. Daß aber gesagt wird, der Engel habe ein neu
Licht geboren oder einen neuen Geist, ist also zu verstehen: 12. Als die Quellgeister härter zusammenkorporieret
waren, so schien das Licht viel heller im Corpus und aus dem Corpus als
vorhin im Salitter. Denn es ging viel ein hellerer Blitz im Corpus auf als
vorhin, weil der Salitter dünne war. 13. Darum wurden auch die Quellgeister stolz und vermeinten,
hätten viel ein schöner Söhnlein oder Licht als der Sohn Gotwar. Darum
wollten sie auch sehrer qualifizieren und sich erheben, und verachteten das
Qualifizieren in Gott ihrem Vater, sowohl auch die Geburt Gottes des Sohnes,
und auch den Ausgang Gottes des Hl. Geistes, und vermeinten, sie wolltens
tun. Weil sie also herrlich zusammenkorporieret wären, so wollten sie auch
herrlich und prächtig aufsteigen und sich sehen lassen als die schönste
Himmelsbraut. 14. Sie wußten wohl, daß sie nicht der ganze Gott
wären, sondern wären ein Stück davon. So wußten sie auch wohl, wie weit sich
ihre Allmacht erstreckte. Aber sie wollten nicht mehr das Alte, sondern
wollten höher sein als der ganze Gott, und vermeinten, sie wollten ihr Revier
über die ganze Gottheit über alle Königreiche haben. 15. Darum erhuben sie sich, in willens, den ganzen
Gott zu regieren. Es sollten alle Formen und Bildungen in seiner
Qualifizierung aufgehen. Er wollte der Herr der Gottheit sein und kein
anderer sollte neben ihm Herr sein. 16. Das ist nun die Wurzel des Geizes, Neides,
Hoffarts und Zornes, denn in dem grimmen Qualifizieren ging der Zorn auf und
brannte wie Hitze und kalt Feuer, dazu bitter wie Gallen. 17. Denn die Quellgeister hatten keinen Trieb von
außen in sich, sondern der Trieb zur Hoffart erhub sich im Corpus im Rat der
sieben Quellgeister. Die vereinigten sich, daß sie wollten alleine Gott sein.
18. Weil sie es aber in ihrem alten Sede nicht
konnten anfangen und ins Werk bringen, so heuchelten sie miteinander. Sie
wollten sich erheben wider die Geburt Gottes und wollten in der höchsten
Tiefe qualifizieren, so würde ihnen nichts können gleich sein, sintemal sie
der mächtige Fürst in Gott wären. 19. Die herbe Qualität war der erste Mörder und
Heuchler. Denn als sie sah, daß sie also ein schön Licht gebar, druckte sie
sich noch härter zusammen als sie Gott zusammen schuf, in Meinung, sie wollte
noch viel erschrecklicher sein und alles in ihrem ganzen Revier
zusammenziehen und als ein strenger Herr halten. Inmaßen sie denn auch was
getan hat, davon die Erde und Steine ihren Ursprung haben, welches ich bei
der Schöpfung der Welt schreiben will. 20. Die bittere Qualität war der andere Mörder.
Als sie im Blitze anfing, so riß sie mit Brechen und großer Gewalt in der
herben Qualität, als wollte sie den Corpus zersprengen. Aber die herbe
Qualität ließ ihr das zu, sonst hätte sie wohl können den bittern Geist
gefangen nehmen und im süßen Wasser baden, bis ihm der Hochmut vergangen
wäre. Aber sie wollte ein solches Brüderlein haben, denn es dienete ihr,
sintemal der bittere Geist auch von ihr als von ihrem Vater Ursprung nimmt,
und hätte dem wohl können wehren. 21. Die Hitze ist der dritte Mordgeist, die hat
ihre Mutter, das süße Wasser, ermordet. Aber der herbe Geist ist Ursache
dran, denn mit seiner strengen Zusammenziehung und Hartmachung hat er mit der
bittern Qualität das Feuer also heftig erwecket und angezündet; denn das
Feuer ist der herben und bittern Qualität Schwert. 22. Weil aber das Feuer im süßen Wasser aufgeht,
so hat es selber die Peitsche in eigener Gewalt, und hätte können die herbe
Qualität im Wasser zurückehalten, aber sie ward auch ein Heuchler und
heuchelte mit der größten Qualität, nämlich der herben, und half das süße
Wasser ermorden. 23. Der Ton ist der vierte Mörder, denn er nimmt
seinen Klang im Feuer im süßen Wasser, und steiget fein lieblich im ganzen
Corpus auf. 24. Das tat er auch nicht, sondern nachdem er im
Wasser aufgestiegen war in die herbe Qualität, so heuchelte er auch mit der
herben Qualität und fuhr also ungestüm auf wie ein Donnerschlag. Damit wollte
er seine neue Gottheit beweisen. Und das Feuer fuhr auf, als wenn es
wetterleuchtet; damit vermeinten sie also groß zu sein über alle Dinge in
Gott. 25. Und trieben solches also lange, bis sie ihre
Mutter, das süße Wasser, ermordeten. Da ward der ganze Leib ein Finstertal,
und war kein Rat mehr in Gott, der da hätte können helfen. Aus der Liebe ward
eine Feindschaft; aus dem ganzen Corpus ward ein schwarzer finsterer Teufel. 26. Das Wort "Teu", hat seinen Ursprung
von dem harten Pochen oder Tönen, und das Wort "Fel", hat seinen
Ursprung von dem Falle. Also heißt nun Herr Luzifer "Teufel" und
nicht mehr Cherub oder Seraph. 27. Einrede: Nun möchte einer sagen: Hätte denn
Gott nicht der Hoffart Luzifers können wehren, daß er von seinem Hochmut wäre
abgestanden? Das ist eine hohe Frage, welcher sich alle Rechtsprecher des
Teufels wollen behelfen. Aber sie sind alle vor das Malefiz-Recht geladen.
Sie mögen zuschauen, daß sie ihren Herrn verantworten, oder das Recht wird
über ihn ergehen, und er wird seine Krone verlieren.
Die wunderliche Offenbarung 29. Ob nun gleich die Gottheit außer seinem Corpus
hätte wollen sänftig gegen ihn qualifizieren und ihn erleuchten und zur Buße
vermahnen, so war doch nun kein ander Wille im Luzifer, denn daß er wollte
über den Sohn Gottes herrschen und das ganze Revier anzünden, und wollte auf
eine solche Weise selber der ganze Gott sein über alle englische Heere. 30. Wenn nun das Herze Gottes mit seiner Sanftmut
und Liebe gegen den Luzifer stürmete, so verachtete ers nur und meinte, er
wäre viel besser; und stürmete hinwieder mit Feuer und Kälte in harten
Donnerschlägen gegen den Sohn Gottes und meinete, er müßte ihm untertänig
sein, er wäre Herr, denn er verachtete das Licht des Sohnes Gottes. 31. Sprichst du nun: Wie hat er solche Macht gehabt?
Ja, er hat sie gehabt, denn er ist ein groß Teil der Gottheit gewesen und
dazu aus dem Kern; denn er hat sich auch an den König und Großfürsten
Micha-El gerieben, ihn zu verderben, welcher endlich mit ihm gestritten hat
und ihn überwunden, indem die Kraft Gottes in Luzifers Reiche auch heftig
wider ihren König gestritten hat, bis er endlich von seinem königlichen
Stuhle als ein Überwundener ist gestoßen worden. Apok 12,8 f. 32. Sprichst du nun: Gott hätte ihm sollen sein
Herze erleuchten, daß er hätte Buße getan. Er wollte auch kein ander Licht
annehmen, denn er verachtete das Licht des Sohns Gottes, welches außer seinem
Corpus leuchtete, dieweil er so ein blitzend Licht in ihm hätte, und erhub
sich je länger je sehrer, bis sein Wasser gar vertrocknete und verbrannte und
sein Licht gar verlosch; da war es geschehen.
Von dem Falle aller seiner
Engel 34. Darum taten sie alle wie er und wollten alle
im Primat der Gottheit sitzen und mit ihrem Herrn im ganzen Revier gewaltig
regieren über die ganze göttliche Kraft. Es war alles ein Wille bei ihnen,
und ließen ihnen den nicht nehmen. 35. Nun sprichst du: Hat denn der ganze Gott
solches vor der Zeit der Erschaffung der Engel nicht gewußt, daß es werde
also zugehen? Nein, denn wenn es Gott vor der Zeit der Erschaffung der Engel
gewußt hätte, so wäre es ein ewiger vorgetzlicher Wille gewesen, und wäre
keine Feindschaft wider Gott, sondern Gott hätte ihn wohl anfänglich zu einem
Teufel geschaffen. 36. So aber hat ihn Gott zu einem Könige des
Lichtes geschaffen. Und da er ungehorsam ward und wollte über den ganzen Gott
sein, so speiete ihn Gott von seinem Stuhl und schuf inmitten unserer Zeit
einen andern König aus derselben Gottheit, daraus der Herr Luzifer war
geschaffen; - verstehe es recht: aus dem Salitter, der außer dem Corpus des
Königs Luzifer war – und setzte ihn auf den königlichen Stuhl Luzifers und
gab ihm Macht und Gewalt, wie Luzifer vor seinem Fall hatte, und derselben
König heißt Jesus Christus und ist Gottes und des Menschen Sohn. Das
will ich an seinem Orte klar beweisen und ausführen.
Von den großen Sünden und
Widerwillen und dazu ewiger Feindschaft des Königs Luzifer mit seinem ganzen
Heere wider Gott 38. Dieses ist von der Welt her verborgen blieben
und in keines Menschen Herze also ganz und gar offenbar worden. Ich
verwundere mich auch selber viel sehrer als sich der Leser vielleicht
verwundern wird, ob der hohen Offenbarung. 39. Nicht schreibe ich mir solches zum Ruhm, denn
mein Ruhm stehet in meiner Hoffnung des Zukünftigen. Ich bin so wohl ein
armer Sünder wie alle Menschen und gehöre auch vor diesen Spiegel; sondern
ich verwundete mich, daß sich Gott in so einem einfältigen Manne will also
ganz und gar offenbaren, und treibet ihn noch dazu, solches aufzuschreiben,
da doch viel bessere Skribenten wären, die es viel höher könnten schreiben
und ausführen als ich, der ich nur der Welt Spott und Narr bin. 40. Aber ich kann und will ihm nicht widerstehen,
denn ich bin oft in großer Arbeit gegen ihn gestanden, so es nicht sein Trieb
und Wille sei, daß er solches wollte von mir nehmen. Aber ich befinde, daß
ich mit meiner Arbeit gegen ihn nur habe Steine zu diesem Bau zugetragen. 41. Nun aber bin ich zu hoch gestiegen und darf
nicht wieder zurücksehen, sonst schwindelt mir, und habe noch ein kleines
Leiterchen bis ans Ziel, da ist alle meines Herzens Lust, vollends
hinzusteigen. Denn so ich aufsteige, so schwindelte mir garnicht, aber wenn
ich zurücksehe und will wieder umkehren, so schwindelt mir, und fürchte mich
des Fallens. 42. Darum habe ich meine Zuversicht auf den
starken Gott gesetzt und wills wagen und will zusehen, was doch draus werden
will. Ich habe auch nicht mehr als einen Leib, der ist ohne das sterblich und
zerstörlich; den will ich gerne dran wagen. So mir nur das Licht und
Erkenntnis meines Gottes bleibet, so hab ich genug, wohl hie und dorte. 43. Auch so will ich mit meinem Gott nicht zürnen,
ob ich vielleicht um seines Namens willen müßte Schmack leiden, welches mir
denn alle Tage blühet, und bin des fast wohl gewohnet. Ich will mit dem
Propheten David singen: Und wenn mir gleich mein Leib und Seele verschmacht,
so bist du Gott doch meine Zuversicht, mein Heil und meines Herzens Trost, Ps
73,26. 44. Die Sünde hat sieben Species oder Gestalten,
darunter sind vier vornehme Quellbrunnen, und die achte Gestalt ist das Haus
des Todes. 45. Nun merke: Die sieben Gestalten sind die
sieben Quellgeister des Corpus; wenn die angezündet werden, so gebäret ein
jeder Geist eine sonderliche Feindschaft wider Gott. 46. Aus diesen sieben gebären sich nun andere vier
neue Söhnlein, und die sind der neue Gott, der ganz und gar wider den alten
Gott ist, als wie zwei abgesagte Kriegsheere, die einander ewige Feindschaft
geschworen haben. 47. Der erste Sohn ist die Hoffart, der ander Sohn
ist der Geiz, der dritte Sohn ist der Neid, der vierte Sohn ist der Zorn. 48. Dieses wollen wir nun im Grunde besehen, wo
alles seinen Ursprung nimmt, und wie es eine Feindschaft wider Gott ist. Da
wirst du sehen, was der Anfang und die Wurzel der Sünden ist, und warum sie
in Gott nicht kann geduldet werden. 49. Nun wohlher, ihr Philosophi und Juristen, die ihr
erhalten wollet und unterstehet euch zu beweisen, Gott habe das Böse auch
geschaffen und wolle dasselbe. Es sei aus Gottes Fürsatz, daß der Teufel
gefallen sei und daß viel Menschen verloren werden, sonst hätte er alles
können ändern. 50. Zitation: Hie ladet euch der Geist unsers
Königreichs mit samt eurem Fürsten Luzifer, den ihr verteidiget, zu
drittenmal vor das endliche Malefiz-Gericht; da gebet Antwort. Denn bei
diesen sieben Species und vier neuen Söhnen in des himmlischen Vaters Hause
soll das Recht vollführet werden. 51. Wo ihr könnet erhalten, daß die sieben Geister
Luzifers die vier neuen Söhne aus Recht und Billigkeit geboren haben, daß sie
aus Recht und Billigkeit den Himmel und die ganze Gottheit regieren? So soll
König Luzifer wieder auf seinen Stuhl gesetzt werden, und soll im sein
Königreich wieder werden. 52. Wo nicht, so soll ihm eine Höhle oder Loch zur
ewigen Gefängnis eingeräumt werden, und da soll er mit seinen Söhnen ewig
gefangen sein; und ihr möget zuschauen, daß das Recht nicht über euch auch
gehalten werde. 53. Dieweil ihr denn das Recht des Teufels führen
wollet, womit soll er euch lohen? Er hat in seiner Gewalt nichts denn
höllische Greuel. Was werdet ihr denn zu Lohn kriegen? Rat, Fritz: sein
Allerbestes, das Obst und den Weihrauch seines Gartens. Von der ersten Species 55. Und wenn das Licht des süßen Wassers in sie
kommt, so gibt sie freundlich und freiwillig ihre Geburt dazu und machet es
trocken und helle scheinend. Und wenn der Ton in dem Lichte aufsteiget, so
gibt sie ihren Ton oder Klang fein sanft und brüderlich dazu. Auch so nimmt
sie die Liebe von allen Geistern an. Der Hitze vergönnet sie auch, daß sie
mag freundlich kühlen, und ist mit allen Qualitäten ein freundlicher Wille.
Sie hilft auch gern den Naturgeist bilden und in demselben allerlei Formen,
Figuren, Frucht und Gewächse nach allen sechs Geister Willen. 56. Sie ist gar ein demütiger Vater ihrer Kinder,
der sie herzlich liebet und freundlich mit ihnen spielt, denn sie ist recht
der andern sechs Geister Vater, welche sich in ihr gebären, und sie hilft sie
alle gebären. 57. Nun, als Gott den Luzifer mit seinem Heer
beschuf, da schuf er ihn aus dieser freundlichen Gottheit aus sich selber,
aus dem Loco des Himmels und dieser Welt. Es war keine andere Materia dazu.
Dieser lebendige Salitter war ganz sanft zusammengezogen, ohne Tötung oder ohne
große Bewegung. 58. Es hatten aber die zusammenkorporierten
Geister die Erkenntnis, Wissenschaft und das ewige unanfängliche Gesetze
Gottes, und wußten wohl, wie sich die Gottheit gebar. So wußten sie auch
wohl, daß das Herze Gottes Primus in der ganzen Gottheit war. Sie wußten auch
wohl, daß sie nichts mehr zum Eigentum hatten, damit zu tun und zu lassen,
als ihren eignen zusammenkorporierten Leib; denn sie sahen wohl, daß sich die
Gottheit außer ihrem Corpus gebar, wie sie von Ewigkeit getan hatte. 59. So wußten sie auch wohl, daß sie nicht der
ganze Raum oder Ort wären, sondern daß sie Kreaturen in demselben Raum oder
Orte waren, die da sollten die Freude und wunderliche Proporzl, desselben
Orts vermehren, und sollten mit demselben Raume oder Orte der Gottheit fein
freundlich kordieren, inqualieren oder sich freundlich mit den Qualitäten
außer ihrem Corpus infizieren. 60. Sie hatten auch alle Macht mit allen Figuren,
Formen und Gewächsen zu tun, wie sie wollten; es war alles ein herzlich
Liebesspiel in Gott. Sie hätten Gott ihren Schöpfer mit nichts zum
Widerwillen beweget, ob sie gleich alle himmlischen Figuren und Gewächse
zerbrochen, und hätten ihnen eitel Reitpferde daraus gemacht. Gott hätte
ihnen immer genug andere lassen aufgehen, denn es wäre alles nur ein Spiel in
Gott gewesen. 61. Denn zu dem Ende waren sie auch also
geschaffen, daß sie sollten mit den Figuren und Gewächsen spielen und die
nach ihrem Gefallen brauchen. Denn die Figuren haben sich von Ewigkeit etwan
also gebildet und sind wieder durch die Quellgeister vergangen und verändert
worden, denn das ist das ewige Spiel Gottes vor den Zeiten der Erschaffung
der Engel gewesen. 62. Dessen hast du auch gar ein gut Exempel, wo du
sehen willst und allhie nicht blind bist: an den Tieren, Vögeln und allem
Gewächse dieser Welt. Das war alles zuvorhin geschaffen und aufgangen, ehe
der Mensch geschaffen ward, welcher ist und bedeut das andere Heer, das Gott
an des verstoßenen Luzifers Heers Stelle schuf, aus Luzifers Loco. 63. Nun, was tat aber die herbe Qualität im
Luzifer? Als sie Gott also fein sanft hatte zusammenkorporieret, da befand
sie sich mächtig und gewaltig, und sah, daß sie einen schönen Corpus hielt,
als die Figuren außer ihr waren. Darum ward sie hochmütig und erhub sich in
ihrem Corpus, und wollte strenger sein als der Salitter außer ihrem Corpus. 64. Weil sie es aber allein nicht tun konnte, so
heuchelte sie mit den andern Geistern, daß sie ihr als dem Vater folgeten und
taten alle wie sie, ein jeder in seiner eignen Qualität. 65. Als sie sich nun also vereinigten, so gebaren
sie auch einen solchen Geist, der fuhr zum Munde, zu Augen, zu Ohren und zur
Nasen heraus und infizierte sich mit dem Salitter außer dem Corpus. 66. Denn das war der herben Qualität Fürsatz, daß,
dieweil sie also herrlich als der Kern aus dem ganzen Königreich
zusammenkorporieret war, sie auch durch ihren Geist, den sie mit den andern
Geistern gebar, wollte außer ihrem Corpus in dem ganzen Salitter Gottes mit
der Schärfe gewaltig regieren, und sollte alles in ihrer Gewalt stehen. 67. Sie wollte alles durch ihren Geist den sie
gebar, bilden und formen gleichwie die ganze Gottheit. Sie wollte Primus in
der ganzen Gottheit sein, das war ihr Fürsatz. 68. Dieweil sie es aber in ihrem rechten
natürlichen Sede nicht vollenden konnte, so erhub sie sich und zündete sich
an. Mit diesem Anzünden zündete sie auch ihren Geist an. Der fuhr nun zum
Munde, Ohren, Augen und Nasen aus, als ein ganz grimmiger Geist, und stritt
wider den Salitter in seinem Loco als wie ein stiirmiger Herr, und zündete,
und zündet den Salitter an und zog mit Gewalt alles zusammen. 69. Du mußts recht verstehen: Der herbe Quell in
dem ausgegangenem Geiste zündet die herbe Qualität in seinem Loco an und
herrschete mit Gewalt in der herben Qualität im Salitter. Und das wollte die
herbe Qualität des Salitter nicht haben, sondern stritt mit dem süßen Wasser
gegen diesen Geist. Aber es half nichts, der Sturm ward je länger je größer,
bis die herbe Qualität des Salitters angezündet war. 70. Als nun dieses geschah, so ward der Sturm also
groß, daß die herbe Qualität den Salitter zusammenzog, daß harte Steine
daraus worden. Und daher haben die Steine in dieser Welt den Ursprung, und
das Wasser im Salitter ward auch zusammengezogen, daß es gar dicke
war, wie es in dieser Welt jetzt ist. 71. Als sich aber die herbe Qualität im Luzifer
anzündete, so ward sie auch ganz kalt, denn die Kälte ist ihr eigen Geist,
darum zündet sie jetzt auch mit ihrem kalten Feuer in dem Salitter alles an.
Und davon ist das Wasser also kalt, finster und dicke worden in dieser Welt,
und davon ist alles so hart und begreiflich worden, welches vor den Zeiten
der Engel nicht war. Dieses war nun ein großer Widerwillen in dem göttlichen
Salitter, ein großer Kampf und Streit und eine ewige Feindschaft. 72. Sprichst du nun: Gott hätte ihm sollen
Widerstand tun, daß so weit nicht wäre kommen. Ja, lieber blinder Mensch, es
stund nicht ein Mensch oder Tier vor Gott, sondern es war Gott wider Gott,
ein Starker wider einen Starken. Dazu, wie sollte ihm Gott Widerstand tun?
Mit der freundlichen Liebe wollte es nicht gelten, Luzifer verachtete es nur
und wollte selber Gott sein. 73. Sollte ihm denn Gott mit Zorn begegnen, welches
doch endlich geschehen mußte, so mußte sich Gott selber in seinen Qualitäten
anzünden in dem Salitter, darinnen König Luzifer wohnete, und mußte im
starken Eifer wider ihn streiten. Von diesem Streit ist dies Königreich also
finster, wüste und böse worden, darauf he nach eine ander Schöpfung folgen
mußte. 74. Ihr Philosophi und Juristen des Fürsten
Luzifer, hie verantwortet erstlich den herben Geist im Luzifer, ob er recht
gehandelt habe oder nicht, und beweiset das in der Natur. Ich will nicht eure
gezerrete und gedehnete gebogenen Schriften haben zum Beweis, sondern
lebendige Zeugen. 75. Ich stelle euch auch lebendige Zeugen dar, als
nämlich den erschaffenen und begreiflichen Himmel, die Sternen, die Elementa,
die Kreaturen, die Erde, die Steine, die Menschen und endlich euren finstern,
kalten, hitzigen, harten, rauhen, bösen Fürsten Luzifer selber. Dieses alles
ist durch seine Erhebung also worden. 76. Hie leget eure Verantwortung über diesen Geist
ein; wo nicht, so soll er kondemnieret werden. Denn das ist das Recht Gottes,
das keinen Anfang hat, daß sich das Kind, das von der Mutter geboren ist,
soll vor der Mutter demütigen und ihr gehorsam sein, denn es hat sein Leben
und seinen Leib von der Mutter, die es geboren hat. 77. Auch so ist der Mutter Haus, dieweil die
Mutter lebet, nicht des Kindes Eigentum, sondern sie behält es aus Liebe bei
sich und nähret es und hänget ihm den schönsten Schmuck an, den sie hat, und
gibts ihm zum Eigentum, auf daß ihre Freude an dem Kinde vermehret wird und
sie mit ihm mag Freude haben. 78. Da sich aber das Kind wider die Mutter
auflehnet und nimmt der Mutter alles und herrschet über sie und schlägt sie
noch dazu, und zwinget sie in andere Sitten wider Rat und Billigkeit, so ist
ja recht, daß das Kind aus dem Hause gestoßen wird, und muß hinter den Zäunen
liegen und hat sein kindlich Erbteil verloren. 79. Also ist es mit Gott und seinem Kinde Luzifer
auch gangen. Der Vater hatte ihm auch den allerschönsten Schmuck angeleget,
in Hoffnung, Freude mit ihm zu haben. Als aber das Kind den Schmuck bekam, so
verachtete es den Vater und wollte über den Vater herrschen und dem Vater
sein Haus zerstören, und schlug noch dazu den Vater und wollte sich nicht
weisen und lehren lassen. Von der andern Species oder
Geist der Sünden Anfang im Luzifer 81. Nun König Luzifer hat das süße Wasser auch
eben in solchermaßen zu seinem körperlichen Regiment bekommen, und zwar den
Kern und das Allerbeste, denn Gott hing seinem Söhnlein den allerschönsten
Schmuck an, in Hoffnung, viel Freude mit ihm zu haben. 82. Nun, was tat die herbe Qualität mit seiner
Mutter, dem süßen Wasser? Sie heuchelte mit der bittern und mit der Hitze,
daß sie sich sollten erheben und anzünden. Sie wollten die Mutter ermorden
und in eine saure Gestalt formieren. Dadurch wollten sie mit ihrem Geiste
ganz scharf über die ganze Gottheit regieren. Es mußte sich alles vor ihnen
bücken und neigen, und sie wollten alles mit ihrer Schärfe formen und bilden.
83. Nach diesem falschen Beschluß taten sie ein
Ding, und vertrockneten das süße Wasser im Corpus Luzifers. Und die Hitze
zündet es an, und die Herbe trocknete es; da ward es ganz sauer und scharf. 84. Als sie nun in solcher Qualifizierung den
Geist Luzifers geboren, so war das Leben des Geistes, welches im Wasser
aufgehet sowohl auch das Licht ganz sauer und scharf. 85. Nun stürmete dieser saure Geist auch aus allen
seinen Kräften wider das süße Wasser außer dem Corpus in dem Salitter Gottes
und dachte, er müßte Primus sein und in eigener Gewalt alles formen und
bilden. 86. Und das war die andere Feindschaft wider Gott,
davon ist die saure Qualität in dieser Welt entstanden. Sie ist nicht ewig
gewesen, als du denn dessen ein gut Exempel hast: Wenn du etwas Süßes in die
Wärme setzest und läßt es stehen, so wird es selber sauer, welches auch
Wasser oder Bier oder Wein im Fasse tut. Der andern Qualitäten aber verändert
sich keine als nur in einen Gestank, das macht des Wassers Qualität. 87. Nun sprichst du: Warum hat Gott den bösen
Geist Luzifers, welcher aus dem Corpus Luzifers gangen, in sich gelassen;
hätte er ihm doch können wehren? Dieses ist der Kern: Du sollst wissen, daß
es zwischen Gott und Luzifer kein ander Unterschied ist gewesen, als wie mit
den Eltern und ihren Kindern, und noch viel näher. Denn gleichwie die Eltern
ein Kind aus ihrem Leibe gebären nach ihrem Bilde und behalten es in ihrem
Hause als einen natürlichen Leibeserben, und pflegen des, also nahe ist auch
der Corpus Luzifers der Gottheit. Denn Gott hat ihn aus seinem Leibe geboren.
Darum hat er ihn auch zum Erben seiner Güter gemacht und ihm den ganzen
Locum, darinnen er ihn schuf, zum Besitz eingeräumt. Die höchste Tiefe 89. Hie merke auf: Der Geist, welcher im Centro
des Herzens von allen sieben Quellgeistern geboren wird, der ist auch, weil
er noch im Leibe ist, wenn er geboren ist, mit Gott inqualierend als ein
Wesen, und ist auch kein Unterscheid. 90. Wenn derselbe Geist, welcher im Corpus geboren
wird, durch die Augen etwas ansiehet oder durch die Ohren höret oder durch
die Nasen reucht, so ist er schon in demselben Dinge und arbeitet drinnen als
in seinem Eigentum. Und so es ihm gefället, so isset er davon und infizieret
sich mit dem Dinge, und ringet mit ihm, und macht eine Temperanz, es sei auch
ein Ding, so weit als es wolle. Also weit als sein ursprünglich oder
anfänglich Königreich in Gott reichet, also weit kann der Geist
augenblicklich regieren und wird von nichts gehalten. 91. Denn er ist und begreift die Gewalt wie Gott
der Hl. Geist, und ist in diesem zwischen Gott dem Hl. Geist und des Corpus
Geist gar kein Unterscheid als nur dieser, daß der Hl. Geist Gottes die ganze
Fülle ist und des Corpus Geist nur ein Stücke, welcher durch die ganze Fülle
dringet, und wo er hinkommt, sich mit demselben Orte infizieret und gleich in
demselben Loco mit Gott herrschet. 92. Denn er ist aus Gott und in Gott und kann
nicht gehalten werden als nur durch die sieben Naturgeister des Corpus,
welche den animalischen, Geist gebären, die haben den Zügel bei der Hand und
können ihn gebären, wie sie wollen. 93. Wenn die herbe Qualität, als der Vater, das
Wort oder den Sohn oder Geist formet, so stehet er im Centro des Herzens
gefangen, und wird von den andern Geistern approbieret, ob er gut ist. So er
nun dem Feuer gefället, so läßt das Feuer den Blitz, darinnen der bittere
Geist stehet, durch das süße Wasser gehen, allda empfänget es die Liebe und
fährt mit ihm in die herbe Qualität. 94. Wenn nun der Blitz mit der Liebe wieder in die
herbe Qualität kommt mit dem jetzt neugebornen Geiste oder Willen, so freuet
sich die herbe Qualität des jungen neuen Sohnes und erhebet sich. Da fasset
ihn der Ton und fährt mit ihm zum Munde, zu Augen, zu Ohren und zur Nasen
heraus und richtet das aus, das im Rat der sieben Geister beschlossen ist.
Denn wie des Rats Beschluß ist, also ist auch der Geist; und der Rat kann ihn
ändern wie er will. 95. Darum steckt die ursprüngliche Lust im Zirkel
des Herzens im Rat der sieben Geister. Wie dieselben den Geist gebären, so
ist er auch. 96. Nun auf eine solche Weise hat Herr Luzifer die
Gottheit in Zorn bracht, dieweil er mit allen seinen Engeln hat als ein
boshaftiger Teufel wider die Gottheit gestritten, in willens, das ganze
Revier unter seine ingebornen Geister zu bringen, daß dieselben sollten alles
formen und bilden, und das ganze Revier sollte sich beugen und mit der
angezündeten Schärfe der ingebornen Geister regieren und bilden lassen. 97. Und wie dieses eine Substanz in den Engeln hat,
also hats auch eine Substanz im Menschen. Darum besinnet euch, ihr
hoffärtigen, ihr geizigen, ihr neidigen, ihr zornigen, ihr lästerischen, ihr
hurischen, ihr diebischen, ihr wucherischen Menschen, was ihr für ein
Söhnlein oder Geist in Gott schicket. 98. Sprichst du: Wir schicken ihn nicht in Gott,
sondern in unsern Nächsten oder in seine Arbeit, das uns liebet. – Nun, so
zeige mir einen Ort, da du deinen lüsternen Geist hinschickest, es sei gleich
ein Mensch oder Vieh oder Kleider oder Acker oder Geld oder was genannt mag
werden, da nicht Gott ist. Aus ihm ist alles und er ist in allem, und er ist
selber alles und hält und träget alles. 99. So sprichst du: Er ist aber in vielen Dingen
mit seinem Zorne, dieweil es also hart und böse ist und der Gottheit nicht
ähnlich. Ja, lieber Mensch, es ist alles wahr. In Silber, Gold, Steinen,
Acker, Kleidern, Tieren und Menschen, was begreiflich ist, ist freilich
überall der Zorn Gottes, sonst wäre es nicht also hart begreiflich. 100. Du sollst aber wissen, daß auch der Kern der
Liebe in allem im verborgenen Centro stecket, es sei denn gar zu böse, das
gefället dem Menschen auch nicht. Oder meinest du, daß du recht tust, daß du
dich in Gottes Zorn badest? Sieh zu, daß es dir nicht Leib und Seele anzündet
und du ewig darinnen brennest wie Luzifer! 101. Wenn aber Gott das Verborgene am Ende dieser
Zeit wird hervorbringen, so wirst du wohl sehen, wo Gottes Liebe oder Zorn
gewesen ist. Darum schaue zu und hüte dich und wende deine Augen vom Bösen
oder du verderbest dich. 102. Ich nehme Himmel und Erden zum Zeugen, daß
ich allhie verrichtet habe, wie mir Gott offenbarer hat, das sein Wille sei! 103. Also hat König Luzifer in seinem Corpus das
süße Wasser in eine saure Schärfe verwandelt, in willens, hiemit in der
ganzen Gottheit in seinem Übermut zu regieren. Er hats auch so weit gebracht,
daß er in dieser Welt mit derselben Schärfe allen Kreaturen ins Herze greift,
sowohl in Laub und Gras und in alles, als ein König und Fürste dieser Welt. 104. So nun nicht die göttliche Liebe noch in der
ganzen Natur dieser Welt wäre und wir armen Menschen und Kreaturen nicht den
Held im Streit bei uns hätten, so müßten wir in einem Augenblicke alle in dem
höllischen Greuel verderben. 105. Darum singen wir wohl recht: "Mitten wir
im Leben sind / Mit dem Tod umfangen. / Wo sollen wir den fliehen ihn / Daß
wir Gnad erlangen? / Zu dir, Herr Christ, alleine." 106. Da ist nun der Held im Streit, zu dem wir
fliehen müssen, welcher ist unser König Jesus Christus. Der hat in sich des
Vaters Liebe und streitet in göttlicher Macht und Gewalt wider den
angezündeten höllischen Greuel. 107. Zu dem müssen wir fliehen und der erhält die
Liebe Gottes in dieser Welt in allem, sonst wäre es verloren: Nur hoffe, wart
und beit / Es ist noch eine kleine Zeit, / Bis Teufels Reich darniederleit. 108. Ihr Philosophi und Juristen, die ihr aus Gott
einen Teufel macht und saget, er, wolle das Böse. Allhie leget abermal eure
Antwort ein, ob ihrs Recht könnt erhalten? Wo nicht, so soll der saure Geist
im Luzifer auch kondemnieret werdet als ein Verderber und Feind Gottes und
alles seines himmlischen Heeres. Das 15. Kapitel Von der dritten Species oder Gestalt der Sünden Anfang im Luzifer Der dritte Geist in Gott ist
der bittere Geist, welcher im Blitze des Lebens entstehet. Denn der Blitz des
Lebens gehet im süßen Wasser durch Reibung der herben und hitzigen Qualität
auf. Der Corpus des Blitzes aber bleibet im süßen Wasser als ein Licht oder
Herze fein sanft bestehen, und der Blitz ist ganz zitternd, und vom Schrack
und Feuer und Wasser und herben Geist wird er bitter durch Ursprung des
Wassers, darinnen er aufgehet. 2. Derselbe Blitz oder wütende Schrack oder
bittere Geist wird in der herben Qualität gefangen und im klaren Lichte in
dem herben Geiste glorifizieret und hoch freudenreich. Der ist nun die
Beweglichkeit oder die Wurzel des Lebens, die in der herben Qualität Wort
bildet oder scheidlich machet, daß im Corpus ein Gedanken oder Willen
entstehet. 3. Nun derselbe hoch triumphierende und
Freudengeist wird in dem göttlichen Salitter ganz löblich und wohl zur
Bildung gebraucht. Denn er wallet vornehmlich im Ton und in der Liebe, und
ist dem Herzen Gottes in der Geburt zunähest und mit ihm in der Freude
verbunden, welcher denn auch selber der Quell der Freuden oder das Aufsteigen
im Herzen Gottes ist. 4. Und ist hie kein Unterscheid als nur dieser,
wie Leib und Seele im Menschen: Der Leib bedeutet die sieben Quellgeister des
Vaters und die Seele bedeutet den eingebornen Sohn Gottes des Vaters. 5. Gleichwie der Leib die Seele gebäret, also
gebären auch die sieben Geister Gottes den Sohn. Und gleichwie die Seele ein
Sonderliches ist, wenn sie geboren ist und ist doch mit dem Leibe verbunden
und kann ohne den Leib nicht bestehen, also ist auch der Sohn Gottes, wenn er
geboren ist, ein Sonderliches und kann doch ohne den Vater nicht bestehen. 6. Nun merke: Eben auf eine solche Art war auch
die bittere Qualität im Luzifer und hatte keine Ursache zu ihrer Erhebung und
auch keinen Trieb von etwas, sondern sie folgte dem stolzen Hochmut der
herben Qualität als dem Vater, und vermeinte auch, sie wollte in ihrer
Species über die ganze Gottheit herrschen, und zündete sich in ihrer Erhebung
an. 7. Als sie nun den animalischen Geist im Corpus
half gebären, so ward derselbe Geist in dieser Species ein grimmiger,
stachlichter, wütender, angezündeter, gallenbitter und reißender Geist, ein
recht Qualität des höllischen Feuers, ein ganz grimmig und feindlich Wesen. 8. Wenn nun dieser Geist in dem animalischen
Geiste aus dem Herzen Luzifers und seiner Legionen in die Gottheit
spekulierte, so war es nicht anders als ein Reißen, Brechen, Stechen, Morden
und Giftbrennen. Davon saget Christus: Der Teufel ist ein Lügner und Mörder
von Anfang und ist in der Wahrheit nie bestanden, Joh 8,44. 9. Luzifer meinete aber, er wollte hiemit über
Gott sein, es könnte niemand also ganz erschrecklich herrschen und regieren
als er; es sollte sich alles vor ihm beugen, er wollte mit seinem Geist in
der ganzen Gottheit als ein König über alles mit Gewalt herrschen. Weil er
der Schönste war, so wollte er auch der Mächtigste sein. 10. Er sah und wußte aber wohl das sanfte und
demütige Wesen in Gott seinem Vater. Dazu wußte er auch wohl, daß es von
Ewigkeit war in solcher Sanftmut gestanden und daß er auch in solcher
göttlichen Sanftmut gebären sollte als ein lieber und gehorsamer Sohn. 11. Weil er aber jetzo also schön und herrlich war
gebildet als ein König in der Natur, so stach ihn seine schöne Gestalt und
vermeinete: Ich bin nun in Gott und aus Gott formieret; wer will mir obsiegen
oder wer will mich verändern? Ich will selber Herr sein und mit meiner
Schärfe in allem herrschen, und mein Corpus soll das Bild sein, denn das
ganze Revier ist mein; ich bin allein Gott, und kein anderer. 12. Und schlug sich in seiner Hoffart selber mit
Finsternis und Blindheit und machte sich zum Teufel; der muß er auch sein und
bleiben ewiglich. 13. Wenn nun diese bösen, teufelischen Geister im
Salitter Gottes - verstehe: das Zentrum der Gebärerin – walleten und darinnen
spekulierten, so war allda nichts als Stechen, Brennen, Morden und Rauben und
eitel Widerwillen, denn das Herze Gottes wollte die Liebe und Sanftmut. So
wollte Luzifer dieselbe mit Gewalt in eine Wüterei verkehren. 14. Da war nichts denn Feindschaft und
Widerwillen. Er zündete mit Gewalt den Salitter Gottes an, der von Ewigkeit
hatte geruhet und in seiner Sanftmut gestanden. 15. Von dieser Anzündung in diesem Revier heißt
sich nun Gott einen zornigen, eiferigen Gott über die, so ihn hassen, Ex
20,5; Deut 5,9; das ist: über die, so seinen Zorn und Grimm noch sehrer
anzünden mit ihrem teufelischen Geistern, mit Fluchen, Lästern und aller
Grimmigkeit, die im Herzen steckt, mit Hoffart, Geiz, Neid, Zorn; das alles,
was in dir ist, wirfst du in Gott. 16. Sprichst du: Wie kann das sein? Wenn du deine
Augen auftust und siehest das Wesen Gottes, so stichst du als wie mit Dornen
in das Wesen Gottes und bewegest den Zorn Gottes. Wenn der Ton in deinen
Ohren schaltet, daß du ihn aus dem Wesen Gottes auffängest, so infizierest du
ihn, als ob du Donnerschläge drein würfest. 17. Denke, was du mit der Nasen und mit dem Maule
tust, da dein liebes neugebornes Söhnlein mit deiner Rede rausfähret als ein
Söhnlein aller sieben Geister, ob der nicht im Salitter Gottes stürmete, wie
Luzifer tat? Oh, es ist hierinnen gar kein Unterscheid. 18. Dagegen spricht Gott: Ich bin ein barmherziger
Gott über die, so mich lieben; denen will ich wohl tun in tausend Glied, Ex
20,6; Deut 5,10. 19. Hie merke auf: Das sind diejenigen, die gegen
das angezündete Zornfeuer mit ihrer Liebe, Sanftmut und emsigen Anzündungen
der Liebe, mit ihrem Gebet das Zornfeuer löschen und der angezündeten
Grimmigkeit entgegendringen. 20. Da ist freilich manch harter Stoß, denn das
angezündete Zornfeuer Gottes stößt manchmal auf sie, daß sie nicht wissen, wo
zu bleiben. Es liegen Zentnerberge auf ihnen; das liebe Kreuz drücket und ist
schwer. 21. Aber das ist ihr Trost und starker Helm wider
die Grimmigkeit und das angezündete Feuer, wie der königliche Prophet David
saget: Dem Frommen gehet das Licht auf in der Finsternis, Ps 112,4. 22. Eben in diesem Streit wider den Zorn Gottes
und die angezündete Grimmigkeit des Teufels und aller gottlosen Menschen
gehet dem Frommen das Licht in seinem Herzen auf und umfänget ihn die freundliche
Liebe Gottes, auf daß er in seinem Kreuz nicht verzaget und ferner wider den
Zorn und Grimm stürmet. 23. Wenn nicht noch je und allewege etliche fromme
Menschen auf Erden wären, die den Zorn Gottes löscheten mit ihrem Gegensatze,
so hätte sich das höllische Feuer längst angezündet. So würdest du wohl
sehen, wo die Hölle wäre, welche du jetzo nicht glaubest. 24. Aber dies saget der Geist: Alsbald die
Grimmigkeit den Gegensatz der Liebe in dieser Welt überwindet, so zündet sich
das Feuer an und ist fürbaß mehr keine Zeit in dieser Welt. 25. Daß aber die Grimmigkeit jetzo schrecklich
brenne, darf allhie keines Beweises, denn es ist am Tage. Siehe, es gehet
noch ein kleines Feuer im Gegensatz wider den Zorn auf, aus Gottes
sonderbarlichen Liebezwang; wenn dies auch schwach wird, so ist das Ende
dieser Zeit. 26. Ob aber Luzifer Recht habe, daß er die
Grimmigkeit im Salitter Gottes erwecket hat, davon diese Welt also
stachlicht, dornicht, felsicht, neidig und falsch ist sollen die Advokaten
und Vertreter Luzifers allhie auch verantworten, wo nicht, so soll dieser
dritte, bitter, stachlichte Geist auch kondemnieret werden. Von der vierten Species oder Gestalt der Sünden Anfang im Luzifer 28. Also dachte Herr Luzifer auch. Er wollte sein
Feuer anzünden, so könnte er im Eifer mit Gewalt in der göttlichen Kraft
herrschen. Er dachte aber, es sollte ewig brennen und auch leuchten. Sein
Vorhaben war nicht, daß er wollte das Licht auslöschen, sondern es sollte im
Feuer brennen. Er vermeinete, er wollte das Wasser vertrocken, so würde das
Licht im brennenden Feuer schweben. Er wußte aber nicht, wenn er das
vertrockente Wasser anzündete, daß sich der Kern, das ist das Öl oder Herze
des Wassers, würde verzehren und würde aus dem Licht eine Finsternis werden
und aus dem Wasser ein saurer Gestank. 29. Denn das Öl oder das Fett im Wasser wird durch
die Sanftmut oder Wohltun geboren, und dasselbe Fett ists, darinnen das Licht
scheinend wird. So aber das Fett verbrannt ist, so wird aus dem Wasser ein
saurer Gestank und dazu ganz finster. 30. Also gings der Hoffart auch. Er triumphierte
eine kleine Weile mit seinem angezündeten Licht. Als aber sein Licht
verbrannte, so ward er ein schwarzer Teufel. Er vermeinete aber er wollte
ewig also im brennenden Lichte in der ganzen göttlichen Kraft herrschen als ein
ganz erschrecklicher Gott, und rang also mit seinem Feuergeiste mit dem
Salitter Gottes, in willens, das ganze Revier seines Königreichs anzuzünden.
Und hat auch freilich was getan, indem er die göttlichen Kräfte hat brennend
gemacht, welches sich noch an Sonne und Sternen beweiset. Auch so zündet sich
oft das Feuer im Salitter in den Elementen an, daß man vermeinet, die Tiefe
brenne, davon ich an seinem Orte handeln will. 31. Nun in dieser Qualität hat ihm König Luzifer
recht das höllische Bad zugerichtet. Er darf nicht sagen, daß ihm Gott habe
die höllische Qualität erbauet und zugerichtet, sondern er selber. Dazu hat
er die Gottheit beleidiget und aus den Kräften Gottes ein höllisch Bad
gemacht, ihm zu seiner ewigen Behausung. 32. Denn als er und alle seine Engel in ihren
Körpern den Quellgeist des Feuers anzündeten, so brannte das Fett im süßen
Wasser und ward aus dem Blitz oder Schracke, welcher in der Geburt des Lichts
grimmig aufgehet, ein Wüten und Reißen, Brennen und Stechen und ein ganz widerwillig
Wesen. 33. Aus dem Leben ward allda in dieser Qualität
ein Stachel des Todes. Denn durch die Hitze ward die bittere Qualität also
grimmig, stechend, wütend und brennend, als wäre der ganze Leib lauter
Feuerstacheln worden. Die riß und wütete nun in der herben Qualität, als ob
man mit feurigen Pfriemen durch den Corpus steche. 34. Dagegen wütete und tobete nun das kalte Feuer
der herben Qualität wider die Hitze und wider die bittere Gift als wie ein
groß Aufruhr, und war nun fürbaß in diesem Corpus Luzifers nichts denn
Morden, Rauben, Brennen und Stechen, ein ganz erschrecklich höllisch Feuer. 35. Dieser Feuergeist und rechter Teufelsgeist
erhub sich nun auch im Centro des Herzens und wollte durch den animalischen
Geist in der ganzen göttlichen Kraft herrschen und den ganzen Salitter Gottes
anzünden als ein neuer und gewaltiger Gott. Die Formen und himmlischen
Bildungen sollten in erschrecklicher Feuerqualität aufgehen und sich nach
dieser Grimmigkeit bilden lassen. 36. Wenn ich nun allhie von dem animalischen Geist
schreibe, so mußt du auch ganz eigentlich wissen, was er sei oder wo er sei,
sonst wirst du diese Geburt vergebens lesen, und wird dir gehen wie den
weisen Heiden, die da stiegen bis vor Gottes Antlitz und konnten dasselbe
nicht sehen. 37. Der Seelengeist ist gar viel subtiler und
unbegreiflicher als der Corpus oder die sieben Quellgeister, welche den
Corpus halten und bilden; denn er gehet von den sieben Geistern aus,
gleichwie Gott der Hl. Geist vom Vater und Sohne. 38. Die sieben Quellgeister haben ihren
zusammenkorporierten Leib aus der Natur, das ist aus dem siebenten Naturgeist
in der göttlichen Kraft, welches ich in diesem Buche den Salitter Gottes
heiße oder die Begreiflichkeit, darinnen die himmlischen Figuren aufgehen. Das
ist ein Geist wie alle sieben Geister, denn die göttliche Kraft gebäret sich
in der Begreiflichkeit des siebenten Naturgeistes gleichwie verborgen, den
Kreaturen unbegreiflich. 39. Der animalische oder Seelengeist aber gebäret
sich im Herzen aus den sieben Quellgeistern nach Art und Weise wie der Sohn
Gottes geboren wird, und behält im Herzen seinen Sitz, und gehet von
demselben Sitz aus in die göttliche Kraft wie der Hl. Geist vom Vater und
Sohne, denn er hat auch eine solche Subtiligkeit-- wie Gott der Hl. Geist,
und inqualieret mit dem Gott dem Hl. Geist. 40. Wenn der animalische Geist aus dem Corpus
ausgehet, so ist er mit der verborgenen Gottheit ein Ding, und ist mit in der
Bildung eines Dinges in der Natur wie Gott der Hl. Geist selber. Dessen hast
du ein Exempel: Wenn ein Zimmermann will ein künstlich Haus bauen oder sonst
ein ander Handwerker ein künstlich Werk machen, so können es nicht zuvorhin
die Hände machen, welche bedeuten die Natur, sondern die sieben Geister sind
die ersten Bauleute dran und der animalische Geist weiset den sieben Geistern
die Form. Alsdann bilden es die sieben Geister und machen es begreiflich;
alsdenn arbeiten erst die Hände nach dem Bilde, denn du mußt ein Werk
zuvorhin in Sinn bringen, willst du es machen. 41. Denn die Seele begreift den höchsten Sinn. Sie
siehet, was Gott, ihr Vater, macht und arbeitet mit in der himmlischen
Formung. Darum zirkelt sie den Naturgeistern ein Model für, wie sie sollen
ein Ding bilden. Und nach dieser Fürbildung der Seelen werden alle Dinge in
dieser Welt gemacht. Denn die verderbte Seele arbeitet immer, daß sie möchte
himmlische Formen bilden, aber sie kann nicht, denn sie hat zu ihrer Arbeit
und Werk nur irdischen, verderbten Salitter, ja eine halbtote Natur, darinnen
sie nicht kann himmlische Figuren bilden. 42. Bei diesem kannst du verstehen, was die
Geister der verstoßenen Engel für eine große Macht in der himmlischen Natur
haben gehabt und wie es eine Substanz mag um die Verderbung sein, wie sie die
Natur im Himmel in ihrem Loco haben verderbet und verwüstet mit ihrer
greulichen Anzündung, davon der schreckliche Grimm, welcher in dieser Welt
herrschet, ist entstanden. 43. Denn die angezündete Natur brennet noch immerdar
bis an jüngsten Tag, und dieser angezündete Feuerquell ist eine ewige
Feindschaft wider Gott. Ob aber dieser angezündete Feuergeist Recht habe, und
daß ihn Gott selber angezündet hat, davon das Zornfeuer entstanden ist,
sollen die Gnadenwähler auch verantworten und in der Natur beweisen; wo
nicht, so soll dieser Feuergeist auch kondemnieret werden. Von der fünften Species
oder Gestalt der Sünden Anfang im Luzifer und seinen Engeln 45. Wenn aber das Feuer den linden, süßen und
weichen Schmack schmecket, sänftiget sichs und formieret sich in ein sanft
Wärmen ganz lieblich, und geht gar ein freundlich Leben im Feuer auf und
durchdringet mit dieser lieben sanften Wärme die herbe Qualität und stillet
das kalte Feuer, und macht das Harte weich und das Dicke dünne und das
Finstere licht. 46. Wenn aber der bittere Blitz mit samt dem
herben und Feuergeiste diese Sanftmut kostet, so ist allda nichts denn eitel
Sehnen, Begehren und Erfüllen, gar ein sanftes und liebliches Kosen, Ringen,
Küssen und Liebe-Geburt. Denn aller Quellgeister strenge Geburten werden in
diesem Durchdringen ganz sanft, lieblich, demütig und freundlich, und besteht
recht die Gottheit hierinnen. 47. Denn in den ersten vier Quellgeistern stehet
die göttliche Geburt. Darum müssen sie auch ganz strenge sein, wiewohl sie
auch ihre sanfte Mutter, das Wasser, unter sich haben. Und in dem fünften
stehet die holdselige Liebe und in dem sechsten die Freude und in dem
siebenten die Formung oder Begreiflichkeit. 48. Nun wohl her, Luzifer, mit deiner Liebe, wie
hast du dich gehalten? Ist deine Liebe auch ein solcher Quellbrunn? Wir
wollen sie jetzt auch besehen, welch ein lieber Engel du bist worden. 49. Merke: So sich Luzifer nicht hätte erhoben und
angezündet, so wäre sein Quellbrunn der Liebe nicht anders als in Gott, denn
es war kein ander Salitter in ihm als in Gott. 50. Als er sich aber erhub, in willens, mit seinem
animalischen Geiste die ganze Gottheit zu regieren, so war der Stock und
Herze des Lichts, welches der Kern der Liebe im süßen Wasser ist, ein grimmig
und nachdringend Feuerquell, davon in dem ganzen Corpus gar ein zitternd,
brennend Regiment und Geburt entstund. 51. Wenn nun der animalische Geist in dieser
strengen und herben Feuersgeburt geboren war, so drang er ganz grimmig aus
dem Corpus in die Natur oder Salitter Gottes und zerstörete die holdselige
Liebe in dem Salitter. Denn er drang ganz grimmig und feurig als ein Wüterich
durch alles, und meinete, er wäre allein Gott. Er wollte mit der Schärfe
herrschen. 52. Von diesen ist nun entstanden der große
Widerwillen und ewige Feindschaft zwischen Gott und dem Luzifer. Denn die
Kraft Gottes wallet ganz sanft, lieblich und freundlich, daß man auch ihre
Geburt nicht begreifen kann. Und die Geister Luzifers wallen und reißen ganz
herbe, feurig und geschwind wallend. 53. Dieses hast du ein Exempel an dem angezündeten
Salitter der Sternen, welche von diesem angezündeten Grimme sich müssen mit
der Eitelkeit also geschwind rumwälzen bis an den jüngsten Tag. Dann wird die
Grimmigkeit von ihnen geschieden und dem König Luzifer zu einem ewigen Hause
gegeben. 54. Daß aber dies ein großer Widerwillen in Gott
sei, darf keines Beweisens, sondern ein Mensch mag denken, ob ihm ein solcher
grimmiger Feuerquell im Leibe entstünde, was Widerwillen und Unlust haben
würde, und wie gar oft der ganze Leib würde ergrimmet werden. 55. Welches denn freilich denen geschieht, welche
den Teufel zur Herberge einnehmen. Aber weil er Gast ist, so liegt er stille
wie ein zahm Hündlein. Aber wenn er Wirt wird, so stürmet er das Haus, wie er
dem Leibe Gottes täte. 56. Darum ist nun das Zornfeuer Gottes noch in dem
Leibe Gottes dieser Welt bis ans Ende und wird manche Kreatur im Zornfeuer
verschlungen, davon gar viel zu schreiben wäre, aber es gehört an seinen
gebührenden Ort. 57. Ob nun Gott diese Feindschaft und grimmen
Feuerquell im Luzifer habe selber also geschaffen und angezündet? Das sollen
die Vorsehungs- und Gnadenwähler verantworten und in der Natur beweisen; wo
nicht, so soll dieser verderbte Feuerquell, welcher anstatt der Liebe stehet,
auch kondemnieret werden. Von der sechsten Species
oder Gestalt der Siinden Anfang im Luzifer und seinen Engeln 59. Nun dieser Ton ist die göttliche Freudenreich,
das Triumphieren, darinnen das göttliche und sanfte Liebe-Spiel in Gott
aufgehet, dazu die Formen, Bildungen und allerlei Figuren. 60. Du sollst aber allhie wissen, daß diese
Qualität ganz sanft und lieblich mit ihrem Regen durch alle Geister dringet,
auf Art und Weise wie in eines Menschen Herzen ein lieblich und sanft
Freudenfeuer aufgehet, darinnen der animalische Geist triumphieret, als wäre
er im Himmel. 61. Nun dieser Geist gehöret auch nicht zur
Bildung des Corpus, sondern zum Unterscheid und zur Beweglichkeit, sonderlich
zur Freuden und zum Unterscheid in der Bildung. 62. Wenn der animalische Geist im Centro des
Herzens inmitten der sieben Quellgeister geboren ist, daß der Wille der
sieben Geister zusammenkorporieret ist, so führt ihn der Ton zum Corpus
heraus, und ist sein Wagen, daraus der Geist fähret und exequieret dasjenige,
was im Rate der sieben Geister beschlossen ist. 63. Denn der Ton fähret durch den animalischen
Geist in die Natur Gottes oder in den Salitter des siebenten Quellgeistes in
der göttlichen Kraft, welches seine anfängliche Mutter ist, und inquallieret
mit derselben in der Formung und auch im Unterscheide der Bildung. 64. Darum, da König Luzifer sein hochmütiges
Rößlein im Ton in eine feurige Rügung in allen sieben Geistern verwandelte,
war es ein schrecklich Widerwillen im Salitter Gottes. 65. Denn als sein animalischer Geist in seinem
Corpus geboren war, so stach er aus seinem Corpus in den Salitter Gottes wie
eine feurige Schlange aus einem Loche. Wenn sich aber der Mund auftat zur
Rede, das ist: wenn die sieben Geister das Wort in ihrem Willen zusammenkorporieret
hatten und durch den Ton in den Salitter Gottes schicketen, so war es anders
nicht, als wenn ein feuriger Donnerkeil in die Natur Gottes führe oder eine
grimmige Schlange, die da wütet und tobet, als wollte sie die Natur
zertrennen. 66. Daher nimmts auch seinen Ursprung, daß man den
Teufel, die alte Schlange heißt, Apok 12,9, und auch daß Nattern und
Schlangen in dieser verderbten Welt sind, dazu allerlei Ungeziefer von
Würmern, Kröten, Fliegen, Läusen und Flöhen, und alles, was da ist; auch so
nimmt das Wetterleuchten, Donnern, Blitzen und Hageln von diesem seinen
Ursprung in dieser Welt. 67. Merke: Wenn der Ton in der göttlichen Natur
aufsteiget, so steiget er fein sanft aus allen sieben Quellgeistern zugleich
auf und gebäret das Wort oder die Figuren sanft. 68. Das ist, wenn ein Quellgeist einen Willen
schöpfet zur Geburt, so dringet er fein sanft durch die andern Quellgeister
bis ins Centrum des Herzens, da wird der Wille nach allen Geistern geformet
und approbieret. 69. Und alldenn sprechen ihn die andern sechs
Geister im Ton aus Gottes animalischem Geiste aus, verstehe: aus Gottes
Herzen, aus dem Sohn Gottes, welcher im mittlern Centro bleibet als ein
zusammengefasset und korporieret Wort stehen. 70. Und der Blitz aus demselben Wort oder das
Regen des Worts, welcher ist der Ton, fähret vom Wort fein sanft aus und
verrichtet den Willen des Worts. Und derselbe Ausgang vom Wort ist der Hl.
Geist, der formet und bildet alles, was im Centro des Herzens im Rat der
sieben Geister Gottes des Vaters beschlossen ist. 71. Auf eine solche sanfte Art und Weise sollte
König Luzifer auch gebären, qualifizieren und nach der Gottheit Recht mit
seinem animalischen Geist im Salitter oder in der Natur Gottes helfen bilden,
als ein lieber Sohn in der Natur. 72. Gleichwie ein Sohn im Hause dem Vater hilft,
sein Werk treiben nach des Vaters Art und Kunst, also sollte auch Luzifer mit
seinen Engeln in dem großen Hause Gottes des Vaters nach Art und Weise Gottes
mit seinem animalischen Geiste alle Formen und Gewächse im Salitter Gottes
helfen bilden. 73. Denn der ganze Salitter sollte sein ein
Lusthaus der englischen Körper, und sollte alles nach ihres Geistes Lust
aufgehen und sich bilden, damit sie nimmer und ewig keine Unlust an irgend
einer Figur oder Kreatur hätten, sondern ihr animalischer Geist sollte mit in
aller Bildung sein, und der Salitter sollte der Kreaturen Eigentum sein. 74. So sie nur wären in ihrer sanftmütigen Geburt
nach göttlichem Rechte blieben, so wäre alles ihr eigen gewesen, und wäre ihr
Wille immer und ewig erfüllet worden, und wäre nichts denn eitel Liebe-Freude
bei ihnen und in ihnen gewesen, irdisch zu reden: gleichwie ein ewig Lachen
und sich immer Freuen in ewiger Herzenslust. 75. Denn Gott und die Kreaturen wären ein Herze
und Willen gewesen. 76. Als sich aber Luzifer erhub und zündet seine
Quellgeister an, so fuhr der animalische Geist im Ton aus allen Körpern der
Engel Luzifers aus in den Salitter Gottes als eine feurige Schlange oder
Drache, und bildete allerlei giftige und feurige Formen und Bildnisse, gleich
den wilden und bösen Tieren. 77. Und daher haben die wilden und bösen Tiere in
dieser Welt ihren Ursprung, denn das Heer Luzifers hat den Salitter der
Sternen und der Erden angezündet und halb getötet und verderbet. 78. Denn als Gott nach dem Fall Luzifers die
Schöpfung dieser Welt verrichtet, so ward alles aus demselben Salitter
geschaffen, darinne Luzifer gesessen war. So mußten auch hernach die
Kreaturen in dieser Welt aus demselben Salitter geschaffen werden. Die
formierten sich nun nach der angezündeten Qualitäten Art, bös und gut. 79. Welch Tier nun des Feuers oder der bittern
oder herben Qualität am stärkesten im Marcurio war, das ward auch ein bitter,
herbe, hitzig und grimmig Tier, alles nachdem eine Qualität Primus in einem
Tier war. 80. Dieses setze ich dir allhie zu einer Anleitung
hieher: Bei der Schöpfung dieser Welt wirst du es ausführlich und beweislich
finden. 81. Ob nun dieser feurige Ton und Drachengeist im
Luzifer und seinen Engeln recht sei und ob ihn Gott also geschaffen habe, das
sollen die Advokaten Luzifers, die aus Gott einen Teufel machen, allhie auch
verantworten und das in der Natur beweisen, ob Gott ein Gott sei, der das
Böse wolle und geschaffen habe. 82. Wo nicht, so soll dieser Geist auch zur ewigen
Gefängnis kondemnieret werden, und sie mögen von ihren Lügen und
Gotteslästerung abstehen, sonst sind sie ärger als die wilden Heiden, die von
Gott nichts wissen, welche doch auch in Gott leben und vielen solchen
Gotteslästerern werden zuvor das Himmelreich besitzen, welches ich an seinem
Orte auch erklären will. Das 16. Kapitel Von der siebten Species oder
Gestalt der Sünden Anfang im Luzifer und seinen Engeln Allhie magst du deine Augen
recht auftun, denn du wirst die verborgenen Dinge sehen, die allen Menschen
von der Welt her sind verborgen gewesen, denn du wirst sehen die Mordgruben
des Teufels und die grausamen Sünden, Feindschaft und Verderbung. 2. Der Teufel hat den Menschen die Zauberei
gelehret, damit sein Reich zu stärken. Ja, hätte er dem Menschen das rechte
Fundament offenbaret, was drunter steckt, es sollte es wohl mancher haben
lassen bleiben. 3. Wohlher, ihr Gaukler und Zauberer, die ihr mit
dem Teufel buhlet, kommt auf meine Schule, ich will euch weisen, wie ihr mit
eurer Nigromantia oder Kunst in die Hölle fahret. Ihr kitzelt euch damit, daß
euch der Teufel untertänig ist, und meinet, ihr seid Götter. Allhie will ich
der Nigromantiae Urkund beschreiben, denn ich bin auch ein Naturkündiger
worden; aber nicht auf eure Art, sondern eure Schande aufzudecken durch
göttliche Offenbarung, der letzten Welt zur Nachrichtung und zu einem Urteil
ihrer Wissenschaft, denn das Gerichte folget über die Wissenschaft. 4. Weil denn der Bogen der Grimmigkeit schon
gespannet ist, so mag sich ein jeder wohl vorsehen, daß er nicht im Zielmaß
befunden werde, denn die Zeit ist vorhanden, vom Schlafe aufzuwachen. 5. Nun die siebente Gestalt oder der siebente
Geist in der göttlichen Kraft ist die Natur oder der Ausgang aus den andern
sechsen. Denn die herbe Qualität zeucht den Salitter oder das Gewirke aller
sechs Geister zusammen, gleichwie ein Magnet des Eisens Salitter an sich
zeucht, und wenn es nun zusammengezogen ist, so ists eine Begreiflichkeit, in
welcher die sechs Geister Gottes unbegreiflicherweise qualifizieren. 6. Dieser siebente Geist hat eine Farbe und Art
wie alle Geister, denn er ist aller Geister Leib, darinnen sie sich gebären
als in einem Corpus; auch so werden aus diesem Geiste alle Figuren und Formen
gebildet; dazu sind auch die Engel daraus geschaffen, und stehet alle
Natürlichkeit darinnen. 7. Und wird dieser Geist von allen sechs immer
geboren, und bestehet immerdar, und vergehet keinmal. Hinwieder gebäret er
immer wieder die sechs, denn die andern sechs sind in diesem siebenten als
wie in einer Mutter umschlossen, und nehmen ihre Nahrung, Stärke und Kraft
immer in ihrer Mutter Leibe. 8. Denn der siebente ist der Leib und die andern
sechs sind das Leben; und im mittlern Centro ist das Herze des Lichts,
welches die sieben Geister als ein Licht des Lebens immer gebären, und
dasselbe Licht ist der Sohn. Und die wallende Beweglichkeit oder
Durchdringung durch alle Geister empöret sich im Herzen im Aufgang des
Lichts. 9. Und das ist der Geist aller sieben Geister,
welcher aus dem Herzen Gottes gehet, der da in dem siebenten alles formet und
bildet und darinnen sich die Quellgeister mit ihrem Liebe-Ringen in unendlich
erzeigen. 10. Denn die Gottheit ist gleichwie ein Rad, das
sich mit seinen Felgen und Speichen und mitsamt der Naben umwendet, und das
ineinander gefelget ist als wie sieben Räder, daß es kann ohne Umwendung vor
sich und hinter sich, sowohl über sich, unter sich und neben sich gehen. 11. Da man immer die Gestalt aller sieben Räder
und die einige Nabe inmitten in allen sieben Rädern recht siehet und doch
nicht verstehen kann, wie das Rad gemacht ist, sondern man wundert sich immer
ob dem Rade, indem sichs immer wunderlicher erzeiget mit seinem Aufsteigen,
und bleibet doch auch nur an seiner Stelle. 12. Auf eine solche Art wird die Gottheit immer
geboren und vergehet doch auch keinmal, und auf eine solche Art wird das
Leben in Engeln und Menschen auch immer geboren. 13. Aber nach dem Bewegen der sieben Geister
Gottes werden die Figuren und Kreaturen der Vergänglichkeit formieret und
nicht also geboren. Ob sich wohl die Geburt aller sieben Geister darinnen
erzeiget, so stehet ihre Qualität doch nur allein in dem siebenten
Naturgeist, welchen die andern sechs nach ihrer Qualität verändern. Darum
werden auch die Figuren und vergänglichen Formen und Kreaturen verändert nach
Art des siebenten Naturgeistes, in welchem sie aufgehen. 14. Die Engel aber sind nicht allein aus dem
siebenten Naturgeist gebildet wie die vergänglichen Kreaturen, sondern da
sich die Gottheit zur Schöpfung der Engel bewegete, da ward in jedem Zirkel,
da ein jeder Engel zusainmenkorporieret ward, die Gottheit mit ihrer ganzen
Substanz und Wesen zusammenkorporieret, und ward ein Leib draus und blieb
doch auch die Gottheit in ihrem Sede wie vorhin. 15. Verstehe dies recht: Der Leib des Engels oder
die Begreiflichkeit ist aus dem siebenten Geiste, und die Geburt in demselben
Leibe sind die sechs Quellgeister, und der Geist oder das Herze, den die
sechs Geister im mittlern Centro des Leibes gebären, darinnen das Licht
aufgehet und aus dem Licht der animalische Geist, welcher auch außerhalb des
Corpus mit der Gottheit inqualieret, das bedeut das Herze Gottes, aus welchem
der Hl. Geist ausgehet. Und es ist auch aus dem Herzen Gottes in den Leib des
Engels in der ersten Zusammenkorporierung mit einqualieret worden. Darum
gebäret sich nun des Engels Regiment im Gemüte wie die Gottheit. 16. Und gleichwie in dem siebenten Naturgeist
Gottes, welcher aus den andern sechs entstehet, nicht die ganze vollkömmliche
Erkenntnis der andern sechs Geister stehet – denn er kann ihre tiefe Geburt
nicht erforschen, indem sie sein Vater sind und ihn aus sich gebären – also
stehet auch nicht die ganze vollkömmliche Erkenntnis Gottes in dem englischen
Leibe, sondern in dem Geiste, welcher im Herzen geboren wird, welcher von dem
Lichte ausgehet, der mit dem Herzen und Geiste Gottes inqualieret, darinnen
stehet die vollkömmliche Erkenntnis Gottes. Aber der Leib kann denselben
animalischen Geist nicht ergreifen, wie auch der siebente Naturgeist nicht
die tiefeste Geburt Gottes. 17. Denn wenn der siebente Naturgeist geboren
wird, so wird er von der herben Qualität getrocknet und als wie vom Vater
gehalten, und kann nicht wieder zurücke in die Tiefe, das ist, in das Zentrum
des Herzens, wo der Sohn geboren wird und daraus der Hl. Geist ausgehet,
sondern muß als ein geborner Leib stillehalten und die Quelladern, das ist,
die Geister in sich lassen qualifizieren und arbeiten nach ihrem Gefallen.
Denn er ist der sechs Geister Haus oder Eigentum, das sie immer bauen nach ihrem
Gefallen, oder wie ein Lustgarten, darein der Hausvater allerlei Früchte säet
nach seinem Gefallen und des genießt. 18. Also bauen die andern sechs Geister immer
diesen Lustgarten und säen ihre Frucht drein und genießen derselben zu
Stärkung ihrer Macht und Freuden. Und das ist der Garten, da die Engel innen
wohnen und spazieren gehen und darinnen die himmlische Frucht wächset. 19. Die wunderliche Proporz aber, so sich in
Gewächsen und Figuren in diesem Garten erzeiget, die entstehet durch die
Qualifizierung und durch das Liebe-Ringen der andern Geister. Denn welcher
Primus wird in dem Kampfe, der bildet die Gewächse nach seiner Art. Dazu
helfen die andern immerdar, bald ist es einer an einem Orte, bald der ander,
bald der dritte und so fort. 20. Darum gehen auch so mancherlei Gewächse und
Figuren auf, welches der leiblichen Vernunft der Engel ganz unerforschlich
und unbegreiflich ist, aber der animalischen Vernunft des Engels ganz
vollkömmlich begreiflich. 21. Solches ist meinem Leibe auch ganz verborgen,
aber meinem animalischen Geiste nicht. Solange er mit Gott inqualieret, so
begreift ers; wenn er aber in Sünden fället, so wird ihm die Tür verriegelt,
welche ihm der Teufel zuriegelt; die muß durch große Arbeit des Geistes
wieder aufgemacht werden. 22. Ich weiß wohl, daß der Zorn des Teufels dieser
Offenbarung in vieler gottlosen Herzen wird spotten, denn er schämet sich
sehr ob dieser Offenbarung. Er hat meiner Seelen auch manchen Druck hiemit
gegeben, aber ich laß es den walten, der es also haben will, ich kann ihm
nicht widerstehen. Und sollte gleich mein irdischer Leib damit zugrunde
gehen, so wird mich doch mein Gott in meiner Erkenntnis glorifizieren. 23. Dieser meiner Erkenntnis Glorifizierung
begehre ich auch und keiner andern. Denn ich weiß, so dieser Geist in meinem
neuen Leibe, welchen ich am Tage meiner Auferstehung aus diesem meinem
jetzigen verderbten Leibe bekommen werde, aufgehen wird, daß er wird der
Gottheit ähnlich sehen, dazu den heiligen Engeln. 24. Denn das triumphierende Freudenlicht in meinem
Geiste zeiget mirs gnugsam an, darinnen ich auch bis in die Tiefe der
Gottheit habe geforschet, und dieselbe nach meinen Gaben und Trieb des
Geistes recht beschrieben, obwohl in großer Ohnmacht und Schwachheit, indem
mir meine angebornen und wirklichen Sünden haben oft die Tür verriegelt und
der Teufel davor getanzet als ein hurisch Weib und sich meiner Gefängnis und
Angst gefreuet, so wirds ihm doch wenig Nutz zu seinem Reiche bringen. 25. Darum habe ich nur nichts als seinen grimmen
Zorn zu gewarten. Aber meine Zuversicht ist der Held im Streit, der mich oft
von seinen Banden erlöset hat. In dem will ich mit ihm fechten bis auf meine
Vonhinnenfahrt. Von der erscbrecklichen,
kläglichen und elenden Verderbung des Luzifer in dem siebenten Naturgeist -
Das Trauerbaus des
Todes 27. Denn er hat aus dem Hause des Lichts ein Haus
der Finsternis gemacht und aus dem Hause der Freuden ein Trauerhaus, aus dem
Hause der Lust und Erquickung ein Haus des Dursts und Hungers, aus dem Hause
der Liebe eine ewige Feindschaft, aus dem Hause der Sanftmut ein ewig Pochen,
Donnern und Blitzen, aus dem Hause des Friedens ein ewig Jammer- und
Heulehaus, aus dem Hause des Lachens ein ewig Zittern- und Schreckenhaus, aus
der Geburt des Lichts und Wohltuns eine ewige höllische Pein, aus den Speisen
der Lieblichkeit einen ewigen Greuel und Gestank, einen Ekel vor aller
Frucht, aus dem Hause der Libanon und Zedern ein steinicht, felsicht und
Feuerhaus, aus dem süßen Geruch einen Stank, ein Haus des Wustes und
Zerstörung, ein Ende alles Guten, aus dem göttlichen Leibe einen schwarzen,
finstern, kalten, hitzigen, in sich fressenden und doch nicht verzehrenden
Teufel, der da ist eine Feindschaft wider Gott und seine Engel und alles
Himmelsheer wider ihn. 28. Nun merke: Es haben die Gelehrten viel
Disputierends, Fragens und Nachdenkens gehabt von der grimmigen Bosheit in
allen Kreaturen, sowohl an Sonne und Sternen in dieser Welt, desgleichen sind
etliche sogar giftige böse Tiere, Würmer und Gewächse in dieser Welt, darum
sich die Vernünftigen billig gewundert haben, und haben etliche entschlossen,
Gott müsse ja das Böse auch wollen, dieweil er so viel Böses geschaffen habe;
etliche haben dem Fall des Menschen die Schuld gegeben, etliche der Wirkung
des Teufels. 29. Dieweil aber alle Kreaturen und Gewächse sind
vor der Zeit des Menschen geschaffen worden, so darfst du dem Menschen nicht
die Schuld geben, denn der Mensch hat nicht der Tiefe Leib in seiner Schöpfung
kriegt, sondern ist ihm in seinem Fall erst so worden. Auch so hat der Mensch
nicht die Bosheit und Gift in der Tiefe, Vögel, Würmer und Steine bracht,
denn er hatte nicht derselben Leib, sonst wo er den Grimm in alle Kreaturen
bracht hätte, so hätte er bei Gott ewig keine Gnade gehabt wie die Teufel.
Der arme Mensch ist nicht aus seinem vorsätzlichen Willen gefallen, sondern
durch des Teufels infizierte Gift, sonst wäre ihm kein Rat gewesen. 30. Nun, diese rechte Unterweisung wirst du allhie
folgend beschrieben finden, nicht aus Eifer, jemanden hiermit zu schmähen,
sondern aus Liebe und zu demütiger Unterweisung aus dem Abgrunde meines
Geistes und zu gewissem Trost dem armen, kranken alten Adam, der jetzt an
seiner letzten Vonhinnenfahrt lieget. 31. Denn wir sind in Christo alle ein Leib. Darum
wollte auch dieser Geist herzlich gerne, daß seine Mitglieder möchten mit
einem Trunke des edlen Weines Gottes vor ihrer Hinfahrt gelabet werden, damit
den großen Streit des Teufels zu bestehen und den Sieg zu erhalten, damit der
Sieg des Teufels in dieser jetzt vollen Welt möchte zerstöret und der große
Name des Herrn geheiliget werden. 32. Nun siehe: Als König Luzifer mit seinen Engeln
also herrlich, schön und göttlich erschaffen worden war als ein Cherub und
König in Gott, so ließ er sich seine Gestalt betören, indem er sah, was für
ein edler, schöner und herrlicher Geist in ihm aufging. Da meineten seine
sieben Quellgeister, sie wollten sich erheben und anzünden, so würden sie
auch also schöne, herrlich und mächtig sein wie der animalische Geist, damit
wollten sie in dem ganzen Revier mit eigener Kraft und Gewalt herrschen als
ein neuer Gott. 33. Sie sahen wohl, daß der animalische Geist mit
dem Herzen Gottes inqualierete. Darum war das ihr Beschluß, daß sie sich
wollten erheben und anzünden, in Hoffnung also klar, tief und allmächtig zu
sein, als der tiefeste Grund im Centro des Herzens Gottes. 34. Denn sie vermeineten, den natürlichen Leib,
der aus dem Naturgeiste Gottes war zusammenkorporieret, in die verborgene
Geburt Gottes zu erheben, daß ihre sieben Quellgeister möchten also hoch sein
und also allbegreiflich wie der animalische Geist. Und der animalische Geist
sollte über das Zentrum des Herzens Gottes triumphieren, und sollte ihm das
Herze Gottes untertänig sein. Und die sieben Geister wollten mit ihrem
animalischen Geiste alles bilden und formieren. 35. Und dieser Hochmut und eigener Wille war
gänzlich wider die Geburt Gottes. Denn der Leib des Engels sollte in seinem
Sede bleiben und eine Natur sein und als eine demütige Mutter stille halten
und nicht die Allwissenheit und eigene vernünftige Begreiflichkeit des
Herzens oder der tiefesten Geburt der Hl. Dreifaltigkeit haben, sondern die
sieben Geister sollten sich in ihrem natürlichen Leibe gebären wie in Gott. 36. Und ihre Begreiflichkeit sollte nicht im
verborgenen Kern oder in der innerlichsten Geburt Gottes sein, sondern der
animalische Geist, welchen sie in ihrem Centro des Herzens gebaren, der
sollte mit der innerlichsten Geburt Gottes inqualieren und alle Figuren
helfen formieren und bilden nach der sieben Geister Lust und Willen, damit in
der göttlichen Pomp alles ein Herz und Willen wäre. 37. Denn also ist die Geburt Gottes auch. Der
siebente Naturgeist greift nicht zurücke in seinen Vater, der ihn gebäret,
sondern hält als ein Leib stille und läßt des Vaters Willen, welcher ist die
andern sechs Geister, in sich formen und bilden, wie sie wollen. 38. Auch so greift kein Geist besonders mit seinem
körperlichen Wesen nach dem Herzen Gottes, sondern er schleußt seinen Willen
mit den andern ins Zentrum zur Geburt des Herzens, daß also das Herze und die
sieben Geister Gottes ein Willen sind. 39. Denn das ist der Begreiflichkeit Gesetze, daß
sie sich nicht in die Unbegreiflichkeit erhebe, denn die Kraft, welche im
Centro oder inmitten zusammenkorporieret wird aus allen sieben Geistern, die
ist unbegreiflich und unerforschlich, aber nicht unsichtlich, denn es ist
nicht eines Geistes Kraft allein, sondern aller sieben. 40. So kann nun ein Geist in seinem eignen Corpus,
außer seiner instehenden Geburt, nicht in das ganze Herze Gottes greifen und
alles approbieren und forschen, denn er begreift außer seiner instehenden
Geburt nur seine eigene Geburt im Herzen Gottes, aber alle sieben Geister
zugleich begreifen das ganze Herze Gottes. 41. Aber in der anstehenden Geburt der Geister, da
einer den andern immer gebäret, da begreift ein jeder Geist alle sieben
Geister, aber nur im aufgehenden Blitze des Lebens. 42. Das Herze aber ist nun ein sonderliches, wenn
es geboren ist, eine sonderliche Person, und doch nicht von den Geistern
abgetrennet, aber die Geister können sich in ihrer ersten Geburt nicht in die
andere verwandeln. 43. Auch so kann sich die andere nicht in die
dritte verwandeln, welches ist der Ausgang des Geistes, sondern eine jede
Geburt bleibet in ihrem Sede, und sind alle Geburten zusammen doch nur der
einige Gott. 44. Weil aber der Leib Luzifers aus der Natur und
äußerlichsten Geburt geschaffen war, so war es ja ganz unrecht, daß er sich
in die innerlichste und tiefste erhub, welches er doch im göttlichen Recht
nicht tun konnte, sondern er mußte sich erheben und anzünden, damit die
Quellgeister in das schärfste Durchdringen und Infizieren gesetzet würden. 45. Ich meine ja, du schöner Nigromanticus, du
hast dich wohl verwandelt. Du magst die Menschen billig auch deine Kunst
lehren, ob sie vielleicht möchten auch so gewaltige Götter werden, wie du
bist worden. 46. Ihr blinden und hoffärtigen nigromatischen
Gaukler, hierinnen steckt eure Kunst. Ihr verwandelt die Elementa eures
Leibes durch eure Coniurationes und Instrumenta der Qualitäten, die ihr dazu
brauchet, und meinet, ihr habt Recht hiemit. Ists aber nicht wider die Geburt
Gottes, so beweiset das! 47. Wie vermeinet ihr wohl, daß ihr euch könnet
verwandeln in eine andere Gestalt? Ihr lasset euch den Teufel also
äffen und seid doch in der Kunst blind. Und ob ihr sie noch so wohl gelernet
hättet, so wisset ihr doch den Zweck darinnen nicht, denn das Herze darinnen
ist die Verwandlung der Quellgeister, wie Herr Luzifer tat, da er wollte Gott
sein. 48. Sprichst du nun, wie kann das sein?
Siehe, wenn die körperlichen Quellgeister ihren Willen in die Zauberei
setzen, so ist der animalische Geist, den sie gebären und der in der Sternen
und Elementen Qualität im verborgenen und tiefsten Centro herrschet, schon
ein Zauberer und hat sich in die Zauberei verwandelt. 49. Der tierische Leib aber kann nicht bald
hernach, sondern muß durch Characteres und Coniurationes und etliche dazu
dienliche Instrumente verzaubert werden, damit der animalische Geist den
tierischen Leib unsichtbar machet und in die Gestalt verwandelt, wie der
Quellgeister anfänglicher Wille war. 50. Das tierische Fleisch kann sich wohl nicht
verwandeln oder in eine andere Geburt setzen, sondern es wird in eine geringe
und dünne Forma bracht, gleich einem Tier oder Holz und dergleichen, das
seinen Leib in den Elementen qualifizierend hat. 51. Aber die siderischen Geister können sich in
eine andere Gestalt verkleiden, aber auch nur so lange, als ihnen die Geburt
der Natur über ihrem Polo zulässet. Denn wenn sich die mit ihrem Umwenden und
Durchdringen verändert, daß ein Quellgeist Primus wird, so liegt ihre Kunst
danieder und hat ihre Gottheit in dem ersten Quellgeiste, in welchem sie ihre
Kunst haben angefangen, ein Ende. 52. Soll sie nun länger bestehen, so muß sie aufs
neue nach dem jetzt regierenden Quellgeiste gemacht werden oder muß der
Teufel mit seinem animalischen Geiste in den siderischen Geistern des Körpers
sein, der ihn flugs anders verwandelt, sonst hat seine Kunst allhie ein Ende.
Denn die Natur lässet nicht alle Stunden mit sich gaukeln, wie die Geister
wollen, sondern es muß alles nach dem Geiste geschehen, welcher dazumalen
Primus ist. 53. Nicht macht derselbe Geist Gottes, welcher in
der Natur Primus ist, die Gaukelei, sondern es wird in der Grimmigkeit des
Salitters, welche Herr Luzifer mit seiner Erhebung hat angezünder, welches
sein ewiges Königreich ist, gemacht. 54. Wenn sich aber die Macht desselben Geistes
leget, so kann das angezündete Feuer dem Gaukler auch nicht mehr dienen. Denn
das Zornfeuer in der Natur ist nicht in dieser jetzigen Zeit des Teufels
eigen Gewalthaus, sintemal die Liebe im Centro des Zornfeuers verborgen
stehet und Luzifer mit seinen Engeln im äußerlichen Zornfeuer gefangen lieget
bis in das Gerichte Gottes, da wird er das Zornfeuer abteilig von der Liebe
zum ewigen Bade bekommen und wird ohne Zweifel seinen Gauklern das Haupt mit
waschen. 55. Dieses setze ich dir nur zu einer Warnung
hieher, damit du wissest, was die Zauberei für einen Grund hat, nicht
dergestalt, daß ich wollte heidnische Zauberei schreiben, ich habe sie auch
nicht gelernet, sondern der animalische Geist siehet ihre Gaukelei, welche
ich im Leibe nicht verstehe. 56. Dieweil sie aber ganz und gar wider die Liebe
und Sanftmut der Geburt Gottes laufet und ist ein Widerwillen in der Liebe
Gottes, dem Menschen ohne dazu dringend große Not verderblich zu tun, so will
der Geist den Gauklern und Veränderern der Ordnung Gottes das Zornbad der
Natur zu einer ewigen Abtrocknung bescheiden haben, da mögen sie ihre neue
Gottheit inne beweisen. Von der Anzündung des
Zornfeuers 58. Nun dieser animalische Geist war nun mit der
Gottheit in der Natur verbunden und konnte mit derselben inqualieren, als
wäre es ein Ding. Der stach nun aus den Corpussen der Teufel in die Natur
Gottes als ein Mörder und Dieb, der da begehrte, alles zu ermorden und zu
rauben und unter seine Gewalt zu bringen, und zündet alle sieben Geister in
der Natur an. Da war nichts denn ein herbe, bitter, feurig und krachend,
brennend Reißen und Toben. 59. Nicht sollst du denken, daß der Teufel habe
die Gottheit also mächtig überwunden. Nein, sondern er hat den Zorn Gottes
angezündet, welcher wohl in Ewigkeit hatte im Verborgenen geruhet, und hat
aus dem Salitter Gottes eine Mordgruben gemacht, denn wenn man Feuer ins
Stroh stecket, so brennet es. Nicht ist aus Gott darum ein Teufel worden. 60. Auch so reicht das Zornfeuer Gottes in der
Natur nicht bis auf den innersten Kern des Herzens, welcher ist der Sohn
Gottes, vielweniger in die verborgene Heiligkeit des Geistes, sondern bis in
die Geburt der sechs Quellgeister, in den Locum, wo der siebente geboren
wird. 61. Denn an dem Orte oder in dieser Geburt ist
Herr Luzifer zu einer Kreatur worden, und reichte seine Herrschaft nicht
tiefer. So er aber wäre in der Liebe blieben, so hätte sein animalischer
Geist gereicht bis ins Centrum des Herzens Gottes, denn die Liebe dringet
durch die ganze Gottheit. 62. Als aber seine Liebe verlosch, so konnte der
animalische Geist nicht mehr in das Herze Gottes und war sein Führnehmen
vergeblich, sondern er wütete und tobete in der Natur, das ist: in dem
siebenten Quellgeiste Gottes. 63. Weil aber die Kraft aller sieben Geister in
diesem stund, so wurden sie auch alle sieben im Zorn angesteckt, aber nur in
der äußerlichen und begreiflichen Qualifizierung. Denn das Herze konnte der
Teufel nicht berühren, so konnte er auch die innerste Geburt der Quellgeister
nicht berühren, denn seine Herrlichkeit der sieben Geister war im ersten
Blitz des Anzündens schon erstorben und alsbald im ersten Ausgang des
animalischen Geistes gefangen gehalten. 64. In dieser Stunde hat ihm König Luzifer die
Hölle und ewige Verderbung selber zugerichtet. Die stehet nun in dem
äußersten Quellgeiste der Natur Gottes oder in der äußersten Geburt dieser Welt.
65. Als sich aber die Natur also erschrecklich
anzündete, so ward aus dem Hause der Freuden ein Haus der Trübsal, denn die
herbe Qualität ward angezündet in ihrem eignen Hause. Die war nun ein ganz
hart, kalt und finster Wesen gleich dem kalten und harten Winter. Die zog nun
den Salitter zusammen und vertrocknete ihn, daß er ganz rauh, kalt und scharf
ward gleich den Steinen. Darinen ward die Hitze gefangen und mitsammengezogen
und in ein hart, kalt, finster Wesen formieret. 66. Als dieses geschah, so verlosch auch das Licht
in der Natur in der äußersten Geburt, und ward alles ganz finster und
verderbet. Das Wasser ward ganz kalt und dicke und hielt sich etwan in den
Klüften. Da ist der Ursprung des elementischen Wassers auf Erden. 67. Denn vor den Zeiten der Welt ist das Wasser
ganz dünne gleich der Luft gewesen; dazu ist das Leben darinnen geboren
worden, welches jetzo also tödlich und verderblich ist und also walzet und
läuft. 68. Aus der holdseligen Liebe, welche im Blitz des
Lebens aufging, ward eine grimmige und bittere Gift, eine rechte Mordgrube,
ein Stachel des Todes; aus dem Ton ward ein hart Pochen der Steine, ein Haus
des Elends. 69. In Summa: Es war alles ein ganz finster und
elend Wesen in dem ganzen Revier, in der äußersten Geburt des Königreiches
Luzifers. 70. Du mußt aber nicht denken, daß die Natur sei
bis auf den innersten Grund also verderbet und angezündet worden, sondern nur
die äußerste Geburt. Die innerliche aber, in welcher sich die sieben
Quellgeister gebären, behielt sein Recht für sich, dieweil der angezündete
Teufel nicht konnte hineingreifen. 71. Nun aber hat die innerliche Geburt die
Wurfschaufel in der Hand und wird einmal ihre Tennen fegen und die Spreu dem
Reiche Luzifers zu einer ewigen Speise geben. Denn so der Teufel hätte können
in die innerste Geburt greifen, so wäre alsbald aus dem ganzen Revier seines
Königreichs die angezündet brennende Hölle worden. 72. Aber also muß er als ein Gefangener in der
äußersten Geburt bis an jüngsten Tag gefangen liegen, welcher nunmehr
vorhanden ist und gar nahe zu gewarten. 73. Luzifer aber hat seine Quellgeister bis in die
innerste Geburt angezündet, und gebären seine Quellgeister nun einen
animalischen Teufelsgeist, der ein ewiger Feind Gottes ist. 74. Denn da sich Gott in seiner äußersten Geburt
in der Natur erzürnete, so war es nicht sein vorsätzlicher Wille, daß er sich
wollte anzünden. Er hats auch nicht getan, sondern er hat den Salitter
zusammengezogen und dem Teufel hiemit eine ewige Herberge zugerichtet. 75. Denn außer Gott kann er nicht gestoßen werden
in ein ander Königreich der Engel, sondern es muß ihm ein Locus zur Behausung
bleiben. So wollte er ihm den angezündeten Salitter auch nicht alsbald zur
ewigen Behausung geben, denn die innerliche Geburt der Geister stund noch
darinnen verborgen. Denn Gott hatte ein anders im Sinne hiemit zu tun; und
sollte König Luzifer ein Gefangener bleiben, bis ein ander englisch Heer aus
demselben Salitter an seine Stelle würde, welches sind die Menschen. 76. Nun wohlher, ihr Juristen Luzifers, allhie
verantwortet euren König, ob er Recht habe; wo nicht, so soll er ewig
darinnen brennen und eure Lügen wider die Wahrheit mit ihm. 77. Das sind also die sieben Species oder Gestalten
der Sünden Anfang und ewiger Feindschaft wider Gott. 78. Nun folget mit Kürze von den vier neuen
Söhnchen Luzifers, die er in seinem körperlichen Regiment in sich geboren
hat, darum er ist aus seinem Loco gestoßen und der greuliche Teufel worden. Von der Hoffart, dem ersten
Sohn 80. Als er aber befand, daß er solches nicht tun
konnte, so zündete er sich selber an, in willens, solches auf eine andere
Weise zu tun. Da ward aus dem Sohn des Lichts ein Sohn der Finsternis, denn
er verzehrete seine süße Wasserkraft selber und machte daraus einen sauren
Gestank. Von dem anderen Sohn, dem
Geize 82. Bei dieser Hoffart und Geiz mag sich die jetzige
Welt spiegeln und dem nachdenken, wie es eine Feindschaft wider Gott ist und
sie damit zum Teufel fahren und ihren Rachen ewig müssen offen haben zu
rauben und zu verschlingen, und finden doch nichts als höllische Greuel. Der dritte Sohn ist der
Neid 84. Dieser Geist kam auch anfänglich aus der
Hoffart, denn die Hoffart dachte: Du bist schön und mächtig. So dachte der
Geiz: Es muß alles dein sein. Und der Neid dachte: Du willst alles erstechen,
das dir nicht gehorsam ist, und stach hiermit auf die andern Porten der
Engel, aber ganz vergeblich, denn seine Macht erstreckte sich nicht weiter
als in seinem Locum, daraus er geschaffen war. Der vierte Sohn ist der
Zorn 86. Davon gar viel zu schreiben wäre. Du wirst es
aber bei der Schöpfung begreiflicher finden, denn daselbst findet man
lebendige Zeugen gar gnugsam, daß also keiner zweifeln darf, es verhalte sich
nicht also. 87. Also ist König Luzifer ein Anfang der Sünden
und Stachel des Todes und eine Anzündung des Zorns Gottes und Anfang alles
Bösen, eine Verderbung dieser Welt und was je Böses geschieht; da ist er der
erste Ursacher dran. 88. Auch so ist er ein Mörder und Vater der Lügen
und Stifter der Höllen, ein Verderber alles Guten und ein ewiger Feind Gottes
und aller guten Engel und Menschen, mit dem ich und alle Menschen, die
gedenken selig zu werden, müssen alle Tage und Stunden streiten und fechten
als gegen den ärgesten Feind.
Die endliche Kondemnation 90. Dazu absage ich allen seinen Juristen und
Helfern und will mit göttlichen Gnaden hinfort sein Reich ganz offenbaren und
beweisen, daß Gott ist ein Gott der Liebe und Sanftmut, der nicht das Böse
will, der auch nicht Lust und Gefallen an jemands Verderben hat, sondern
will, daß allen Menschen geholfen werde: Ps 5,5; Ez 18,23; 33,11; 1.Tim 2,4.
Dazu will ich beweisen, daß alles Böse vom Teufel herkommt und seinen Anfang
von ihm nimmt. Von dem endlichen Streite
und Verstoßung des Königes Luzifer samt aller seiner Engel 92. Nun möchte einer fragen, was doch das für ein
Streit gewesen sei, womit sie doch gegeneinander gestritten haben ohne
Waffen? Dies verborgene Ding verstehet allein der Geist, welcher alle
Tage und Stunden mit dem Teufel streiten muß. Das äußerliche Fleisch kann es
nicht begreifen, auch so können es die siderischen Geister in dem Menschen
nicht verstehen, und wird von dem Menschen gar nicht begriffen, es sei denn,
daß der animalische Geist mit der innersten Geburt in der Natur inqualiere im
Centro, wo das Licht Gottes des Teufels Reich entgegengesetzt ist, das ist:
in der dritten Geburt in der Natur dieser Welt. 93. Wenn er in diesem Sede mit Gott inqualieret,
so bringets der animalische Geist in die siderischen, denn die siderischen
müssen in diesem Loco alle Stunden mit dem Teufel streiten. Denn in der
äußersten Geburt des Menschen hat der Teufel Gewalt, und ist das Haus des
Elends, darinnen wetzet der Teufel den Stachel des Todes und greift durch
seinen animalischen Geist dem Menschen in seiner äußersten Geburt ins Herze
hinein. 94. Wenn aber die siderischen Geister von dem
animalischen Geiste, welcher im Lichte mit Gott inqualieret, erleuchtet
werden, so werden sie ganz inbrünstig und des Lichts begierig. Dagegen wird
der animalische Geist des Teufels, welcher in der äußersten Geburt im Menschen
herrschet, ganz erschrecklich und zornig, dazu ganz widerwillig. 95. Und da gehet alsdann das Streitfeuer im
Menschen auf, wie es im Himmel mit Micha-El und Luzifer aufging, und muß sich
die arme Seele wohl quetschen und radebrechen lassen. 96. So sie aber sieget, so bringet sie ihr Licht
und Erkenntnis mit ihrem Durchdringen bis in die äußerste Geburt des
Menschen, denn sie dringet mit Gewalt zurück durch die sieben Geister der
Natur, welche ich allhie die siderischen Geister heiße, und herrschet mit im
Rate der Vernunft. 97. Alsdann erkennet erst der Mensch, was der
Teufel sei, wie er ihm so feindig sei und wie groß seine Macht sei, auch wie
er alle Tage und Stunden ganz verborgen mit ihm streiten muß. 98. Welches die Vernunft oder äußerliche Geburt
des Menschen ohne diesen Kampf nicht begreifen kann. Denn die dritte oder
alleräußerste Geburt im Menschen, welches die fleischliche Geburt ist und ihm
der Mensch durch den ersten Lust-Fall selber erbauet und zugerichtet hat, ist
des Teufels Raubschloß und Wohnhaus, da der Teufel als wie in einer Festung
mit der Seelen streitet und ihr manchen harten Kopfstoß gibet. 99. Diese Geburt des Fleisches ist nun nicht der
Seelen Wohnhaus, sondern sie fähret im Streit mit ihrem Lichte in göttlicher
Kraft hinein und streitet wider den Mord des Teufels. Dagegen schleußt der
Teufel mit seiner Gift auf die sieben Quellgeister, welche die Seele gebären,
in willens, die zu verderben und anzuzünden, damit er den ganzen Leib zum
Eigentum bekomme. 100. So nun die Seele soll ihr Licht und
Erkenntnis in des Menschen Gemüte bringen, so muß sie gar hart kämpfen und
streiten, und hat gar einen engen Steig hindurch. Sie wird oft vom Teufel zu
Boden geschlagen, aber sie muß stehen als ein Rittersmann in der Schlacht. So
sie nun sieget, so hat sie den Teufel überwunden; sieget aber der Teufel, so
wird die Seele gefangen. 101. Weil aber die fleischliche Geburt nicht der
Seelen eigen Haus ist und sie dasselbe nicht erblich besitzen kann wie der
Teufel, so währet der Kampf so lang als das Fleischhaus währet. Wenn aber das
Fleischhaus zerstöret wird und die Seele noch in ihrem Hause unüberwunden und
ungefangen frei ist, so hat der Streit ein Ende und muß der Teufel ewig von
diesem Geiste weichen. 102. Darum ist dieses gar ein schwerer Artikel zu
verstehen, und kann gar nicht denn nur in diesem Kampfe verstanden werden.
Wenn ich gleich viel Bücher davon schriebe, so verstehest du doch nichts, es
sei denn, daß dein Geist in solcher Geburt stehe und daß die Erkenntnis in
dir selber geboren werde, außer dem kannst du es weder fassen noch glauben. 103. So du aber dies begreifest, so verstehest du
auch den Streit, welchen die Engel mit den Teufeln gehalten haben, denn die
Engel haben nicht Fleisch und Bein, so hats der Teufel auch nicht. Denn ihre
leibliche Geburt stehet nur in den sieben Quellgeistern, aber die animalische
Geburt in den Engeln, die inqualieret mit Gott, in den Teufeln aber nicht. 104. Darum sollst du hie wissen, daß die Engel mit
ihrer animalischen Geburt, in welcher sie mit Gott inqualieren, haben in
Gottes Kraft und Geist wider die angezündeten Teufel gestritten und sie aus
dem Lichte Gottes ausgestoßen und zusammengetrieben in eine Höhle, das ist:
in ein enges Revier gleich einer Gefängnis, welches ist der Ort auf und über
der Erden bis an Monden, welcher ist eine Göttin der irdischen Geburt. 105. Also weit haben sie ihr Revier jetzt bis an
Jüngsten Tag, alsdann werden sie ein Haus bekommen an dem Loco, wo jetzt die
Erde ist, und das wird heißen die brennende Hölle. 106. Herr Luzifer, da warte auf und laß dir diese
Prophezeiung derweil gewiß sein, denn du wirst den angezündeten Salitter in
der äußersten Geburt, welche du selber hast also zugerichtet zu eine ewigen
Hause bekommen. 107. Aber nicht in solcher Forma, wie er jetzt
stehet, sondern es wird sich alles im angezündeten Zornfeuer scheiden und
wird dir der finstere, hitzige und kalte, rauhe, harte, bittere, stinkichte
Wust zur ewigen Herberge eingeräumt werden. 108. Da sollst du ein ewiger, allmächtiger Gott
innen sein, wie ein Gefangener in einem tiefen Kerker. Da wirst du Gottes
Licht ewig weder sehen noch erreichen, und der angezündete bittere Zorn
Gottes wird deine Grenze sein, daraus du nimmer kannst. Das 17. Kapitel Von dem kläglichen und
elenden Zustande der verderbten Natur und Ursprung der vier Elementen anstatt
der hl. Regierung Gottes Wiewohl Gott ein ewiger
allmächtiger Regent ist, dem niemand widerstehen kann, so hat die Natur in
ihrer Anzündung doch nun gar ein wunderlich Regiment bekommen, welches vor
den Zeiten des Zorns nicht gewesen ist. 2. Denn die sechs Quellgeister haben den siebenten
Naturgeist vor den Zeiten des Zorns in dem Loco dieser Welt ganz sanft und
lieblich geboren, gleichwie jetzo im Himmel geschieht, und ist gar kein Funke
des Zorns darinnen aufgangen. 3. Dazu ist alles ganz licht darinnen gewesen, und
hat doch keines andern Lichts darinnen bedurft, sondern der Quellbrunn des Herzens
Gottes hat alles erleuchtet und ist ein Licht in allem gewesen, das überall
unauflöslich und unaufhaltlich hat geschienen, denn die Natur ist ganz dünne
gewesen, und ist alles nur in Kraft gestanden und ist gar eine liebliche
Temperanz gewesen. 4. Alsbald sich aber der Streit in der Natur mit
den stolzen Teufeln hat angefangen, da hat in dem siebenten Naturgeiste in
dem Revier Luzifers, welches ist der Locus dieser Welt, alles eine andere
Gestalt und Wirkung bekommen. 5. Denn die Natur kriegte einen zweifachen Quell,
und ward die äußerste Geburt in der Natur im Zornfeuer angezündet, welches
Feuer man nun heißet den Zorn Gottes oder die brennende Hölle. 6. Hierzu gehöret nun der allerinnerste Sinn zum
Verstande: Der Locus, wo das Licht im Herzen geboren wird, der begreift
dieses nur; der äußerliche Mensch begreift es nicht. Siehe, als Luzifer mit
seinem Heere das Zornfeuer in der Natur Gottes erweckte, daß sich Gott in der
Natur in dem Loco Luzifers erzürnete, so kriegte die äußerste Geburt in der
Natur eine andere Qualität, ganz grimmig, herbe, kalt, hitzig, bitter und
sauer. Der wallende Geist, welcher zuvorhin in der Natur hatte fein sanft
qualifizieret, der ward in seiner äußersten Geburt ganz erheblich und
schrecklich, welchen man jetzunder in der äußersten Geburt den Wind oder das
Element Luft heißet von wegen seiner Erhebung. 7. Denn als sich die sieben Geister in ihrer
äußersten Geburt anzündeten, so gebaren sie einen solchen hartwallenden
Geist. Auch so ward das süße Wasser, welches vor den Zeiten des Zorns ganz
dünne und unbegreiflich war, ganz dicke und erheblich, und die herbe Qualität
ward ganz scharf und kaltfeurig, denn sie kriegte eine strenge
Zusammenziehung gleich dem Salze. 8. Denn das Salzwasser oder Salz, welches auf
heute noch in der Erden gefunden wird, das hat seinen Ursprung und Herkommen
von der ersten Anzündung der herben Qualität. So haben die Steine auch ihren
Anfang und Herkommen davon, sowohl auch die Erde. 9. Denn die herbe Qualität zog nun den Salitter
ganz herbe und strenge zusammen und vertrocknete ihn. Davon ist die bittere
Erde worden. Die Steine aber sind aus dem Salitter, welcher diesmals in Kraft
des Tones gestanden, worden. 10. Denn wie die Natur mit ihrem Wirken, Ringen
und Aufsteigen der Geburt in der Zeit des Anzündens ist gestanden, also hat
sich auch eine Materia zusammengezogen. 11. Nun fraget sichs: Wie ist denn ein
begreiflicher Sohn aus der unbegreiflichen Mutter worden? Dessen hast du ein
Gleichnis, wie die Erde und Steine aus der Unbegreiflichkeit sind worden. 12. Siehe, die Tiefe zwischen Himmel und Erden ist
auch unbegreiflich. Noch gebären der Elementen Qualitäten gleichwohl zu
manchen Zeiten ein lebendig und begreiflich Fleisch darinnen, als
Heuschrecken, Fliegen und Würmer. 13. Das machen der Qualitäten strenge
Zusammenziehungen, in welchem zusammengezogenem Salitter sich dann alsbald
das Leben gebäret. Denn wenn die Hitze die herbe Qualität anzündet, so gehet
das Leben auf, denn die bittere Qualität beweget sich, welche des Lebens Ursprung
ist. 14. Also auch in gleicher Gestalt hat die Erde und
Steine ihr Herkommen. Denn als sich der Salitter in der Natur anzündete, so
ward alles ganz rauh, dicke und finster wie ein dicker, finsterer Nebel,
welche die herbe Qualität mit ihrer Kälte vertrocknete. 15. Weil aber das Licht in der äußersten Geburt
verlosch, so ward die Hitze in der Begreiflichkeit gefangen und konnte ihr
Leben nicht mehr gebären. Davon ist der Tod in die Natur kommen, daß ihr die
Natur oder die verderbte Erde nicht mehr helfen kann. Und darauf hat eine
andere Schöpfung des Lichts müssen erfolgen, sonst wäre die Erde ein ewiger
unauflöslicher Tod; nun aber gebäret sie ihre Frucht in Kraft und Anzündung
des erschaffenen Lichtes. 16. Nun möchte einer fragen: Wie hats denn eine
Gestalt mit der zweifachen Geburt bekommen? Ist denn Gott in der
Anzündung des Zornfeuers in dem Loco dieser Welt erloschen, daß also nichts
als nur ein Zornfeuer ist? Oder ist aus dem einigen Gott ein zweifacher
Gott worden? Antwort: Dieses kannst du nicht besser begreifen oder
verstehen als nur an deinem eignen Leibe. Der ist durch den ersten Fall Adams
mit aller Geburt, Geschicklichkeit und Willen ein solch Haus worden, wie der
Locus dieser Welt ist worden. 17. Erstlich hast du das tierische Fleisch, das
ist durch den Lustbiß also worden, denn es ist das Haus der Verderbung. 18. Als Adam aus dem verderbeten Salitter der
Erden, das ist: aus dem Samen oder Massa, welchen der Schöpfer aus der
verderbten Erden zog, gemacht ward, so war er erstlich nicht ein solch
Fleisch, sonst wäre sein Leib sterblich geschaffen gewesen, sondern er hatte
einen englischen Kraftleib, darinnen sollte er ewig bestehen und sollte von
englischer Frucht essen, welche ihm denn auch im Paradies wuchs vor seinem
Falle, ehe der Herr die Erden verfluchte. 19. Weil aber der Same oder die Massa, daraus Adam
gemacht ward, mit der verderbten Sucht des Teufels etwas infizieret war, so
lüsterte Adam nach seiner Mutter, das ist: von der Frucht der verderbten
Erden zu essen, welche da in ihrer äußerlichen Begreiflichkeit böse und im
Zornfeuer also hart begreiflich war worden. 20. Weil aber Adams Geist nach seiner Frucht
lüsterte, die da war wie die verderbete Erde, so figurierte ihm auch die Natur
einen solchen Baum zusammen, der da war wie die verderbete Erde. Denn Adam
war das Herz in der Natur; darum half sein animalischer Geist auch diesen
Baum bilden, davon er gerne essen wollte. 21. Als aber der Teufel sah, daß die Lust in Adam
war, so stach er getrost auf den Salitter in Adam und infizierte den
Salitter, daraus Adam gemacht war, noch sehrer. 22. Da war es nun Zeit, daß ihm der Schöpfer ein
Weib bauete, welche hernach die Sünde zu Werk richtete und von der falschen
Frucht aß. Sonst wo Adam hätte von dem Baum gessen, ehe das Weib aus ihm
gemacht war, so wäre es noch übler zugangen. 23. Weil aber dieses gar eine hohe und tiefe
Beschreibung bedarf, dazu viel Raumes gehöret, so suche es bei dem Fall
Adams, da wirst du es ausführlich beschrieben finden. Ich wende mich jetzo zu
dem vorgenommenen Gleichnis. 24. Als nun Adam von der Frucht aß, die da böse
und gut war, so kriegte er auch bald einen solchen Leib. Die Frucht war
verderbet und begreiflich, wie noch heute alle Früchte auf Erden sind. Einen
solchen fleischlichen und begreiflichen Leib kriegten auch Adam und Eva
zuhand. 25. Nun aber ist das Fleisch nicht der ganze
Mensch, denn dieses Fleisch kann die Gottheit nicht fassen oder begreifen,
sonst wäre das Fleisch nicht sterblich und verweslich. Denn Christus saget
Joh 6,63: Der Geist ist das Leben, das Fleisch ist kein Nütze. 26. Denn dieses Fleisch kann das Himmelreich nicht
erben, sondern es ist nur ein Same, der in die Erde gesäet wird, daraus wird
wieder ein unbegreiflicher Leib wachsen, wie der erste war vorm Falle. Der
Geist aber ist das ewige Leben, welcher mit Gott inqualieret und die
innerliche Gottheit in der Natur begreift. 27. Nun gleichwie der Mensch ist in seinem
äußerlichen Menschen verderbet und ist nach seiner fleischlichen Geburt im
Zorne Gottes und auch dazu ein Feind Gottes, und ist doch nur ein einiger
Mensch und nicht zween – dagegen ist er in seiner geistlichen Geburt ein Kind
und Erbe Gottes, der mit Gott herrschet und lebet und mit der innersten
Geburt Gottes inqualieret - also ist auch der Locus dieser Welt nun worden. 28. Die äußerliche Begreiflichkeit in der ganzen
Natur dieser Welt und aller Dinge, die darinnen sind, stehen alle im
Zornfeuer Gottes. Denn es ist durch die Anzündung der Natur also worden, und
Herr Luzifer mit seinen Engeln hat seine Wohnung auf jetzo in derselben
äußerlichen Geburt, welche im Zornfeuer stehet. 29. Nun aber ist die Gottheit von der äußerlichen
Geburt nicht abgeteilet, daß es auf jetzo in dieser Welt zwei Dinge wären,
sonst hätte der Mensch keine Hoffnung, auch so stünde diese Welt nicht in der
Kraft und Liebe Gottes. 30. Sondern es ist die Gottheit in der äußerlichen
Geburt verborgen und hat die Wurfschaufel in der Hand und wird einmal die
Spreu und den angezündeten Salitter auf einen Haufen werfen und seine
innerliche Geburt davon entziehen und solches dem Herrn Luzifer und seinem
Anhange zu einem ewigen Hause gehen. 31. Unterdessen muß Herr Luzifer in der äußersten Geburt,
in der Natur dieser Welt, im angezündeten Zornfeuer gefangen liegen. Und
darin hat er große Gewalt und kann allen Kreaturen mit seinem animalischen
Geiste in der äußersten Geburt, welche im Zornfeuer stehet, ins Herze
greifen. 32. Darum muß die Seele des Menschen stets mit dem
Teufel kämpfen und streiten, denn er hält ihr stets die Säuäpfel des
Paradieses für. Sie soll auch anbeißen, damit er sie auch in seine Gefängnis
möchte bringen. 33. Wenn ihm aber das nicht will gelingen, so gibt
er ihr manchen harten Kopfstoß, und muß derselbe Mensch immer im Kreuz und
Elende in dieser Welt stecken. Denn er verdeckt das edle Senfkörnlein, daß
sich der Mensch selber nicht kennet. So meinet denn die Welt, er werde von
Gott also geplaget und zerschlagen, damit ist des Teufels Reich immer
verborgen blieben. 34. Aber warte, Fritz, du hast mir auch manchen
Stoß gegeben; ich habe dich lernen kennen und will dir deine Tür allhie ein
wenig aufschließen, damit ein anderer auch sehe, wer du bist. Das 18. Kapitel Von der Schöpfung Himmels und Erden und des ersten Tages Davon schreibt Moses in seinem
ersten Buch, als wäre er dabei gewesen und hätte es selber gesehen. Ohne
Zweifel hat ers in Schriften von seinen Vorfahren empfangen; er mag auch wohl
im Geiste etwas mehr in diesem erkannt haben als seine Vorfahren. 2. Dieweil aber zu der Zeit, da Gott Himmel und
Erden geschaffen hat, noch kein Mensch gewesen ist, der solches gesehen hat,
so ist schließlich, daß Adam vor seinem Fall, weil er noch in tiefer
Erkenntnis Gottes gewesen ist, solches im Geist erkannt hat. Als er aber
gefallen und in die äußerste Geburt gesetzet ward, solches nicht mehr erkannt
hat, sondern als eine dunkele und verdeckte Geschichte im Gedächtnis behalten
und auf seine Nachkömmlinge gebracht hat. 3. Sintemal offenbar ist, daß die erste Welt vor
der Sündflut so wenig von den Qualitäten und Geburt Gottes gewußt hat als
eben die letzte, in welcher wir jetzt leben. Denn die äußerste, fleischliche
Geburt hat die Gottheit niemaln können ergreifen oder verstehen, sonst würde
wohl etwas mehr davon geschrieben sein. 4. Weil mir aber durch göttliche Gnade in diesem
hohen Artikel diese große Geheimnis in meinem Geiste nach dem inwendigen Menschen,
welcher mit der Gottheit inqualieret, etwas offenbar ist worden, so kann ich
nicht unterlassen, solches nach meinen Gaben zu beschreiben, und will den
Leser treulich ermahnet haben, sich an der Einfalt des Autors nicht zu
ärgern. 5. Denn ich tue es aus keiner Begierde des Ruhms,
sondern in demütiger Unterweisung dem Leser, damit die Werke Gottes möchten
dem Leser etwas besser bekannt werden und des Teufels Reich offenbart,
dieweil die jetzige Welt in aller Bosheit und Lastern des Teufels lebet und
wallet, damit sie doch sehen möchte, in was für Kraft und Trieb sie lebet und
in waserelei Herberge sie zu Gast ist. 6. Ob ich vielleicht mit meinem überantworteten
Pfunde möchte auch wuchern und dasselbe meinem Gott und Schöpfer nicht
einfach und leer wieder überantworten als ein fauler Knecht, der in dem
Weinberge des Herrn wäre müßig gestanden und wollte seinen Lohn ohne Arbeit
fordern. 7. Ob aber vielleicht der Teufel Spötter und
Verächter erwecken möchte, die da würden sagen, es gezieme mir nicht, also
hoch in die Gottheit zu steigen und darinnen zu grübeln. Denen allen gebe ich
zur Antwort, daß ich nicht in die Gott bin gestiegen, denn mir als einem
geringen Menschen solches auch nicht möglich wäre zu tun, sondern die
Gottheit ist in mich gestiegen, und ist mir solches aus seiner Liebe
offenbar, welches ich in meiner halbtoten fleischlichen Geburt sonst wohl
würde müssen bleiben lassen. 8. Weil ich aber den Trieb dazu habe, so laß ichs
den walten und machen, der es weiß und versteht und der es also haben will;
ich armer Staub und Erdenmensch könnte nichts tun. 9. Es ladet aber der Geist alle diese Spötter und
Verächter vor die innerste Geburt Gottes in dieser Welt, von ihrer Bosheit
abzustehen, wo nicht, so sollen sie als höllische Spreu in die äußerste
Geburt, in Zorn Gottes gespeiet werden. 10. Nun merke: Als nun Gott in der dritten Geburt
in dem Revier Luzifers, welches da war der ganze Ort und Raum dieser Welt,
erzürnet ward, so verlosch das Licht in der dritten Geburt, und ward alles eine
Finsternis, und ward der Salitter in der dritten Geburt alles ganz rauh,
wild, kalt, hart, bitter, sauer, an etlichen Enden stinkicht, rühricht und
brüchicht, alles nach der Quellgeister diesmal wirkenden Geburt. 11. Denn an welchem Orte die herbe Qualität Primus
war, da ward der Salitter zusammengezogen und vertrocknet, daß harte, derbe
Steine wurden. An denen Orten aber, wo der herbe Geist mit dem bittern
zugleich Primus gewesen, da ist stachlichter Sand worden, denn der wütende
bittere Geist hat den Salitter zerbrochen. 12. An denen Orten aber, wo der Ton mit dem herben
Geiste im Wasser ist Primus gewesen, da ist Kupfer, Eisen und dergleichen
Steinerz worden. Wo aber das Wasser ist Primus gewesen mit allen Geistern
zugleich, da ist die wilde Erde worden; und das Wasser ist etwan in Klüften
gleich einer Wolken gefangen gehalten worden, denn der herbe Geist, als der
Vater der verderbten Natur, hat es gefangen gehalten mit seiner scharfen
Zusammenziehung. 13. Der bittere Geist aber ist die vornehmste
Ursache der schwarzen Erden, denn durch seine grimme Bitterkeit ist der
Salitter nach seiner äußersten Geburt ertötet worden, daraus dann die wilde
Erde ist worden. 14. Die Hitze aber hat sonderlich in dem herben
Geiste die Härtigkeit helfen machen. Wo sie aber ist Primus gewesen, da hat
sie den alleredelsten Salitter in der Erden geboren, als Gold, Silber und die
edelsten Steine. 15. Denn als das scheinende Licht ist von wegen
der harten, derben und rauhen Materia verlöschen, so ist es in der Hitze,
welche des Lichtes Vater ist, mitvertrocknet und inkorporieret worden. 16. Doch mußt du dies verstehen: Wo der hitzige
Geist im süßenWasser in der Liebe ist Primus gewesen, da hat der herbe Geist
die Materiam zusammengezogen. So ist das alleredelste Erz und Gesteine
worden. 17. Anlangend aber die köstlichen Steine, als
Karfunkel, Rubin, Smaragden, Delphin, Onyx und dergleichen, die die
allerbesten sind, die haben ihren Ursprung, wo der Blitz des Lichts in der
Liebe aufgangen ist. Denn derselbe Blitz wird in der Sanftmut geboren, und
ist das Herze im Centro der Quellgeister; darum sind dieselben Steine auch
sanft, kräftig und lieblich. 18. Es möchte einer sagen, warum doch der Mensch
in dieser Welt das Gold, Silber und Edelgesteine vor allem andern Dinge
liebet und solches zur Wehr oder Schutz seines Leibes gebrauchet? Hierinnen
steckt der Kern, denn das Gold, Silber, Edelgesteine und alles lichte Erz hat
seinen Ursprung vom Lichte, welches vor den Zeiten des Zorns in der äußersten
Geburt in der Natur, das ist in dem siebenten Naturgeiste geschienen hat. 19. Weil denn ein jeder Mensch ist wie das ganze
Haus dieser Welt, so lieben auch seine Quellgeister den Kern oder das
allerbeste in der verderbten Natur, und brauchen das zu ihrem Schutz und
Wehr. 20. Den innersten Kern aber, welcher ist die
Gottheit, können sie nirgend begreifen, denn das Zornfeuer liegt davor wie
eine starke Mauer, und muß diese Mauer mit hartem Sturme zersprenget werden,
wollen die siderischen Geister hineingehen. Dem animalischen aber stehet die
Tür offen, denn er wird von nichts abgehalten und ist gleichwie Gott in
seiner innersten Geburt. 21. Nun möchte einer fragen: Wie soll ich mich
denn in die dreifache Geburt in der Natur verstehen? – Die Tiefe: Siehe, die
innerste und tiefeste Geburt stehet in der Mitten und ist das Herze der
Gottheit, welches aus den Quellgeistern Gottes geboren wird. Und diese Geburt
ist das Licht, welches, obs gleich aus den Quellgeistern geboren wird, doch
auch kein Quellgeist für sich allein begreifen kann, sondern ein jeder
Quellgeist begreift nur seinen instehenden Locum in dem Lichte. Aber alle
sieben Geister zugleich begreifen das ganze Licht, denn sie sind des Lichts
Vater. 22. Also auch begreifen die Quellgeister des
Menschen nicht gänzlich die innerste Geburt der Gottheit, welche im Lichte
stehet, sondern ein jeder Quellgeist greift mit seiner animalischen Geburt in
das Herze Gottes und inqualieret in demselben Loco mit ihm. 23. Und das ist die verborgene Geburt in der
Natur, welche kein Mensch in seiner Vernunft oder Geschicklichkeit begreifen
kann, sondern die Seele des Menschen begreifts allein, welche im Lichte
Gottes stehet, aber die andern nicht. 24. Die andere Geburt in der Natur sind die sieben
Geister der Natur. Diese Geburt ist verständlicher und begreiflicher, aber
doch auch nur den Kindern dieser Geheimnis. Der Bauer verstehets wohl nicht,
ob ers gleich siehet, reucht, schmeckst, höret und fühlet. Noch siehet ers an
und weiß nicht, wie das Wesen ist. 25. Nun dieses sind die Geister, darinnen alle
Dinge stehen im Himmel und in dieser Welt, und daraus ist der dritte und
äußerste Geist geboren, darinnen die Verderblichkeit stehet. 26. Dieser Geist aber oder diese Geburt hat sieben
Species: als Herbe, Süße, Bitter, Hitze. Diese vier gebären die
Begreiflichkeit in der dritten Geburt. Der fünfte Geist ist die Liebe, die
entstehet vom Lichte des Lebens, die gebäret die Sinnlichkeit und Vernunft.
Der sechste Geist ist der Ton, der gebäret den Schall und die Freude und ist
der aufsteigende Quell durch alle Geister. 27. In diesen sechsen stehet nun der Geist des
Lebens und der Wille oder die Vernunft und Gedanken aller Kreaturen, dazu
alle Künste und Veränderungen, sowohl Formungen und Bildungen alles des, was
im Geiste in der Unbegreiflichkeit stehet. 28. Der siebente Geist ist die Natur, in welcher
das körperliche Wesen aller sechs Geister stehet, denn die andern sechs
gebären den siebenten. In diesem Geiste stehet das körperliche Wesen der
Engel, Teufel und Menschen, und ist eine Mutter der andern sechs Geister, in
welcher sie sich gebären und in welcher sie auch das Licht gebären, welches
ist das Herze Gottes. 29. Von der dritten Geburt: Nun die dritte Geburt
ist die Begreiflichkeit der Natur. Die ist vor der Zeit des Zorns ganz dünne,
lieblich und helle gewesen, daß die Quellgeister haben können durch alles
sehen. Es ist darinnen weder Steine noch Erde gewesen und hat auch kein solch
geschaffen Licht bedürft wie jetzo, sondern das Licht hat sich überall in der
Mitten geboren und ist alles im Lichte gestanden. 30. Als aber König Luzifer ist geschaffen worden,
so hat er in dieser dritten Geburt den Zorn Gottes erwecket, denn der Engel
Leiber sind in dieser dritten Geburt zur Kreatur worden. 31. Weil denn nun die Teufel ihre Leiber haben
angezündet, in willens, damit über die ganze Gottheit zu herrschen, so hat
der Schöpfer diesen dritten Geist oder die dritte Geburt in der Natur
gefangen genommen und ihm eine ewige Herberge darinnen zugerichtet, auf daß
er nicht höher sei als der ganze Gott. 32. Weil sich aber die Teufel aus Hoffart und
Mutwillen haben selber angezündet, so sind sie aus der Geburt des Lichts ganz
und gar ausgestoßen worden und können dasselbe ewiglich weder fassen noch
begreifen. 33. Denn das Licht ihres Herzens, welches mit dem
Herzen Gottes inqualierete, haben sie selber verlöschet und an dessen Statt
einen grimmigen, hitzigen, herben, bittern und harten stinkichten
Teufelsgeist geboren. 34. Nun mußt du aber nicht denken, daß darum aus der
ganzen Natur oder Loco dieser Welt sei ein eitel bitterer Zorn Gottes worden.
Nein, allhie steckt der Zweck: Der Zorn begreift nicht die innerste Geburt in
der Natur, denn die Liebe Gottes ist noch in dem ganzen Loco dieser Welt im
Centro verborgen, auch so ist das Haus, darein Herr Luzifer gehöret, noch
nicht ganz entschieden, sondern es ist in allen Dingen in dieser Welt noch
Liebe und Zorn ineinander und ringet und kämpfet immer miteinander. 35. Aber die Teufel können das Ringen des Lichts
nicht ergreifen, sondern nur das Ringen des Zorns. Darinnen sind sie
Scharfrichter und exequieren das Recht, welches im Zorn Gottes gesprochen
wird über alle gottlosen Menschen. 36. Es darf auch kein Mensch sagen, daß er im
Zornfeuer des ganzen Verderbnis geboren sei aus Gottes Vorsatze. Nein, stehet
doch die verderbte Erde nicht im ganzen Zornfeuer Gottes, sondern nur in
ihrer äußerlichen Begreiflichkeit, in welcher sie also hart, derb und bitter
ist. Dabei ein jeder wohl merken kann, daß derselbe Gift und Grimmigkeit
nicht in die Liebe Gottes gehöret, in welcher nur eitel Sanftmut ist. 37. Nicht sage ich darum, daß ein jeder Mensch
heilig von Mutterleibe komme, sondern wie der Baum ist, also ist auch seine
Frucht. Nun aber ist die Schuld nicht Gottes, ob eine Mutter ein Kind des
Teufels gebäre, sondern ihre Bosheit. 38. So aber ein wilder Zweig in einen süßen Acker
gesetzt wird und wird mit etlichen dazu dienenden Reisern und gutem Geschmack
eingepropft, so wächst ein milder Baum, obgleich der Zweig wild war. Denn es
ist hie alles möglich, es verwandelt sich so bald das Gute ins Böse als das
Böse ins Gute. 39. Denn ein jeder Mensch ist frei und ist wie ein
eigener Gott, er mag sich in diesem Leben in Zorn oder ins Licht verwandeln.
Was einer für ein Kleid anzeucht, das verkläret ist, und was der Mensch für
einen Corpus in die Erde säet, ein solcher wird auch aufwachsen, obgleich in
anderer Form und Klarheit, jedoch alles nach des Samens Qualität. 40. Denn so die Erde ganz von Gott verlassen wäre,
so trüge sie nimmer keine guten Früchte, sondern eitel böse. Weil aber die
Erde noch in Gottes Liebe stehet, so wird sein Zorn nicht ewig darinnen
brennen, sondern die Liebe, die überwunden hat, wird das Zornfeuer ausspeien.
41. Alsdann wird angehen die brennende Hölle,
indem sich die Liebe von dem Zorn scheiden wird. In dieser Welt aber ist
Liebe und Zorn ineinander in allen Kreaturen, welches in seinem Ringen
obsieget, das erbet sein Haus mit Recht, es sei gleich das Himmelreich oder
Höllenreich. 42. Nicht sage ich darum, daß die Tiere darum
sollten in ihrer Geburt das Himmelreich erben, denn sie sind gleich der
verderbten Erden böse und gut, so sie aber wieder in ihre Mutter, die Erde,
gesäet werden, so sind sie Erden. 43. Es wird aber derselbe Salitter in einem guten
Tiere darum nicht dem Teufel zum Eigentum eingeräumt werden, sondern wird im
abgeschiedenen Teile ewig in der Natur Gottes blühen und andere himmlische
Figuren bringen. Aber der Salitter des Tieres des Zorns Gottes wird in dem
Zorn Gottes ewige höllische Frucht tragen. 44. Denn so die Erde angezündet wird, so brennet
im Zorn das Feuer und in der Liebe das Licht. Dann wird sich alles scheiden,
denn eines wird das ander nicht mehr können begreifen. In dieser Zeit aber
hat alles einen zweifachen Quell. Was du allhie im Geiste bauest oder säest,
es sei gleich mit Worten, Werken oder Gedanken, das wird dein ewig Haus sein.
45. Also siehest und verstehest du, woraus die
Erde und Steine sind worden. So aber derselbe angezündete Salitter hätte
sollen also in der ganzen Tiefe dieser Welt bleiben, so wäre der ganze Locus
ein Finstertal gewesen, denn das Licht war in der dritten Geburt mitgefangen.
46. Nicht ist darum das Licht des Herzens Gottes
in seiner innersten Geburt gefangen worden, sondern das in der dritten Geburt
schien in der äußersten Begreiflichkeit, das ward mit einkorporieret. Darum
lieben die Menschen alle Dinge, welche in demselben Salitter stehen. 47. Weil aber die ganze Tiefe in der dritten
Geburt gar finster war von wegen des verderbeten Salitters der Erden und
Steine, so konnte es die Gottheit nicht also erdulden, sondern schuf die Erde
und Steine zusammen auf einen Klumpen. 48. Davon schreibst nun Moses: Am Anfang schuf Gott
Himmel und Erden, Gen 1,1. Diese Worte muß man eigentlich betrachten, was sie
sind, denn das Wort "Am" fasset sich im Herzen und fähret bis auf
die Lippen, da wird es gefangen und gehet schallend wieder zurücke bis an
seinen ausgegangenen Ort. 49. Das bedeutet nun, daß der Schall von dem
Herzen Gottes ist ausgegangen und hat den ganzen Locum dieser Welt umfasset.
Als er aber böse befunden worden, so ist der Schall wieder in seinen Locum
getreten. 50. Das Wort "An" das stößt aus dem
Herzen zum Munde aus und hat einen langen Nachdruck. Wenn sichs aber
ausspricht, so schleußt sichs mitten in seinem Sede mit dem obern Gaumen zu,
und ist halb draußen und halb drinnen. 51. Das bedeutet, daß das Herze Gottes einen Ekel
an der Verderbung hat gehabt und das verderbte Wesen von sich gestoßen, aber
in der Mitten beim Herzen wieder gefasset und gehalten. 52. Gleichwie die Zunge das Wort zerbricht und
hält es halb draußen und halb innen, also auch wollte das Herze Gottes nicht
den angezündeten Salitter gar verwerfen, sondern die Bosheit und Sucht des
Teufels, und das andere sollte nach dieser Zeit wieder erbauet werden. 53. Das Wort "fang" fähret schnell vom
Herzen zum Munde raus und wird am hintern Orte der Zungen mit dem Gaumen
gehalten, und wenn es losgelassen wird, so tuts noch einen schnellen Druck
vom Herzen zum Munde aus. 54. Das bedeutet die schnelle Verstoßung des
Aberaums der Teufel mit samt dem verderbeten Salitter. Denn der starke und
schnelle Geist stößet den Odem stark von sich und behält den rechten Ton des
Worts oder den Ausspruch am hintern Gaumen bei sich, das ist: den rechten
Geist des Wortes. 55. Das bedeutet, daß die verderbte Grimmigkeit
ewig aus dem Lichte Gottes verstoßen ist, aber der innerliche Geist, der
wider seinen Willen damit beladen ist, wieder in sein erstes Haus soll
gesetzet werden. 56. Der letzte Nachdruck "ang" bedeutet,
daß die innersten Geister in der Verderbung auch nicht gar rein sind und
derowegen wertlose Abraumstoffe der Erde eine Fegung oder Verzehrung des Zornes
im Feuer bedürfen, welches am Ende dieser Zeit geschehen wird. 57. Das Wort "Schuf" fasset sich über
und unter der Zungen und machet die Zähne in beiden Gaumen zusammen, und
druckt sich also zusammen, und wenn es zusammengefasset und ausgesprochen ist,
so macht es das Maul schnell wie ein Blitz wieder auf. 58. Das bedeutet des herben Geistes starke
Zusammentreibung des verderbten Salitters auf einen Klumpen, denn die Zähne
halten das Wort und lassen den Geist zwischen den Zähnen durch gar langsam.
Das bedeutet, daß die herbe Qualität die Erde und Steine beisammen feste hält
und lässet gleichwohl die Geister der Erden auf dem herben Geiste grünen und
blühen, welches bedeutet die Wiedergeburt oder Wiederbringung der Geister der
Erden. 59. Daß aber das Maul wird nach dem Worte schnell
wieder aufgemacht, bedeutet die Tiefe über der Erden, daß Gott der Herr
dennoch daselbst wohnen will und sein Regiment für sich behalten und den
Teufel als einen Gefangenen im Zornfeuer halten. 60. Das Wort "Gott" fasset sich mitten
oben auf der Zungen und stößet aus dem Herzen dahin, und lässet das Maul
offen, und bleibet auf seinem königlichen Sessel sitzen und schaltet aus sich
und in sich, wenn es aber ausgesprochen ist, so tut es noch einen Druck
zwischen den oberen Zähnen und Zungen heraus. 61. Das bedeutet: Als Gott Himmel und Erden dazu
alle Kreaturen geschaffen hat, daß er gleichwohl in seinem göttlichen,
ewigen, allmächtigen Sitze ist blieben und von dem nie abgewichen, und daß er
allein alles ist. Der letzte Druck bedeutet die Schärfe seines Geistes, damit
er augenblicklich alles ausrichtet in seinem ganzen Corpus. 62. Das Wort "Himmel" fasset sich im
Herzen und stößet bis auf die Lippen, da wird es verschlossen, und die Silbe
"Mel" macht die Lippen wieder auf, und wird mitten auf der Zungen
gehalten, und fähret der Geist auf beiden Seiten der Zungen aus dem Maule. 63. Das bedeutet, daß die innerste Geburt vor der
äußeren ist durch die greuliche Sünde verschlossen worden, und ist der
äußersten Geburt unbegreiflich. 64. Dieweil es aber ein Wort mit einer zweifachen
Silbe ist und die ander Silbe "Mel" das Maul wieder aufmachet, so
bedeutete, daß die Porten der Gottheit ist wieder aufgeschlossen worden. 65. Daß sichs aber mit dem Wort "Mel"
auf der Zungen mit dem obern Gaumen wieder fasset und feste hält und der
Geist auf beiden Seiten daneben ausgehet, das bedeutet, daß Gott diesem
verderbten Königreiche oder Loco in Gott wollte wieder einen König und
Großfürsten geben, der die innerste Geburt der klaren Gottheit sollte wieder
aufschließen und dadurch der Hl. Geist zu beiden Seiten, das ist, aus der
innersten Tiefe des Vaters und Sohnes, sollte wieder ausgehen in diese Welt,
und sollte diese Welt durch den neuen König wieder neugeboren werden. 66. Das Wort "Und" fasset sich im Herzen
und wird mit der Zungen im obern Gaumen gefangen und zusammenkorporieret;
wenn es aber loslässet, so tuts noch einen Druck aus dem Herzen zum Munde
aus, das bedeutet nun den Unterschied zwischen der heiligen und irdischen
Geburt. 67. Die Silbe fährt wohl aus dem Herzen, aber sie
wird mit der Zungen im obern Gaumen gehalten, daß man nicht verstehen kann,
was das für ein Wort ist. Das bedeutet, daß die irdische und verderbte Geburt
die innerste Geburt nicht ergreifen kann, sondern sie ist eine Törin und
Närrin. 68. Der letzte Druck aus dem Herzen bedeutet, daß
sie wohl mit der innersten Geburt in ihrer Söhnlichkeit inqualieren werde,
aber in ihrer Vernunft nicht ergreifen. Darum ist die Silbe stumm und hat
keinen Verstand und wird nur zum Untersche,d gebrauchet. 69. Das Wort "Erden" stößet vom Herzen
und fasset sich am hintern Teil über der Zungen im hintern Gaumen und
zittert. Es braucht sich aber die Zunge zu der ersten Silben "Er"
nicht, sondern sie schmäuget sich in den untern Gaumen hinein und verkreucht
sich als vor einem Feinde. 70. Die andere Silbe "Den" fasset sich
mit der Zungen mit dem obern Gaumen und lässet das Maul offen, und der Geist
der Formung fähret zur Nasen raus und will nicht in diesem Worte zum Munde
mit raus. Und ob er gleich etwa mit rausfähret, so fähret der rechte Klang
des rechten Geistes doch nur durch den Geruch oder die Nase heraus. 71. Das ist ein groß Geheimnis: Das Wort
"Er" bedeutet die angezündete herbe und bittere Qualität, den
ernsten Zorn Gottes, der zittert im hintern Gaumen, davor fürchtet sich die
Zunge und schmäuget sich im unter Gaumen und fleucht als vor einem Feinde. 72. Das Wort "Den" fasset sich wieder
auf der Zungen, und der Geist zeucht die Kraft aus dem Wort und fähret einen
andern Weg damit zur Nasen raus, auch so fähret er damit hinauf ins Hirn vor
den königlichen Stuhl. 73. Das bedeutet, daß der äußerste Salitter der
Erden ewiglich von Gottes Licht und Heiligkeit verworfen ist. Daß aber der
Geist die Kraft des Worts fasset und einen andern Weg durch die Nasen ins
Hirn vor den Stuhl der Sinnen fährt, das bedeutet, daß Gott will das Herze
der Erden aus dem Zorn der Bosheit ziehen und zu seinem ewigen königlichen
Lobe brauchen. 75. Merke: Er will den Kern und das Beste oder den
guten Geist aus der Erden ziehen und wieder neu gebären zu seiner Ehre und
Herrlichkeit. 76. Hie, Mensch, besinne dich: Was du für einen
Samen wirst in die Erde säen, ein solcher wird auch aufgehen und ewig blühen
und Frucht tragen, entweder in Liebe oder im Zorne. 77. Wenn aber das Gute wird von dem Bösen
geschieden werden, alsdann wirst du in deinem hie erworbenen Teile leben, es
sei gleich im Himmel oder im höllischen Feuer. Wohin du jetzt wirbest, da
fähret deine Seele hin, wenn du stirbest. 78. Oder meinest du, daß mein Geist dieses aus der
verderbten Erden gesogen hat oder aus einem Filzhute? Wahrlich nein, sondern
der Geist hat zu dieser Zeit meiner Beschreibung mit der tiefesten Geburt Gottes
inqualieret, in dem habe ich meine Erkenntnis genommen und daraus ist sie
gesogen, nicht in großer irdischer Freuden, sondern in ängstlicher Geburt und
Trübsal. 79. Denn was ich hierüber habe müssen vom Teufel
und der höllischen Qualität erleiden, welche in meinem äußerlichen Menschen
sowohl herrschet als in allen Menschen, das wirst du wohl nicht fassen, du
tanzest denn auch an diesem Reihen. 80. Hätten unsere Philosophi und Doctores nicht
immer auf der Fiedel der Hoffart gegeiget, sondern auf der Propheten und
Apostel Geigen, es sollte wohl eine andere Erkenntnis und Philosophia in der
Welt sein. Dazu ich von wegen meiner Schwachheit und wenig Studierens dazu
wegen meiner blöden Zungen fast zu wenig bin, aber in der Erkenntnis nicht zu
einfältig. Allein ich kanns nicht nach der tiefen Sprache und Zierlichkeit
geben, aber ich lasse mir an meiner Gabe genügen und bin ein Philosophus der
Einfältigen. Von der Scböpfung des
Lichtes in dieser Welt 82. Merke: Als nun Gott den verderbten Salitter
der Erden und Steine, welcher sich in der äußersten Geburt durch die
Anzündung geboren hatte, zusammengetrieben hat auf einen Klumpen, so war
darum die dritte Geburt in der Natur in der Tiefe über der Erden nicht rein
und helle, sintemal der Zorn Gottes noch darinnen brennete. 83. Und obgleich die innerste Geburt licht und
helle war, so konnte es doch die äußerste, welche im Zornfeuer stund, nicht
begreifen, sondern sie war ganz finster. 84. Denn Moses schreibt: Und es war finster auf
der Tiefe, Gen 1,2 f. Das Wort "Auf" bedeutet die äußerste Geburt,
und das Wort "In" bedeutet die innerste Geburt. 85. So aber die innerste wäre finster gewesen, so
hätte der Zorn Gottes ewig in dieser Welt geruhet und wäre ewiglich nicht
lichte worden, aber also hat der Zorn das Herze Gottes nicht berühret. 86. Darum ist er ein süßer, freundlicher, gütiger,
sanfter, reiner und barmherziger Gott nach seinem Herzen in der innersten
Geburt in dem Loco dieser Welt blieben, und seine sanfte Liebe dringet aus
seinem Herzen in die äußerste Geburt des Zorns und löschet denselben. Darum
sprach er: Es werde licht! 87. Hie merke den Sinn in der höchsten Tiefe. Das
Wort "Sprach" ist auf Menschenweise geredet. Ihr Philosophi tut die
Augen auf, ich will euch in meiner Einfalt die Sprache Gottes lehren, als es
dann sein muß. 88. Das Wort "Sprach" fasset sich
zwischen den Zähnen, denn die beißen sich zusammen, und zischet der Geist
durch die Zähne raus, und die Zunge beuget sich in der Mitten und vorne spitzet
sie sich, als ob sie hörete, was da zischete, und sich fürchtete. 89. Wenn aber der Geist das Wort fasset, so machet
er das Maul zu und fassets am hintern Gaumen über der Zungen in der Höhle in
der bittern und herben Qualität. 90. Da erschrickt die Zunge und schmäuget sich in
den untern Gaumen. Alsdann fähret der Geist aus dem Herzen und schleußt das
Wort, welches sich am hinter Gaumen in der herben und bittern Qualität im
Zorn fasset, und fähret durch die Grimmigkeit stark und mächtig als ein König
oder Fürst hervor und schleußt das Maul auch auf, und herrschet mit starkem
Geiste aus dem Herzen durch den ganzen Mund und außerhalb des Mundes, und
macht eine mächtige lange Silbe als ein Geist, der den Zorn zerbrochen hat,
gegen welchen sich der Zorn mit seinem Kirren in der herben und bittern
Qualität im hintern Gaumen in der Höhle auf der Zungen spreuzet, und behält
sein Recht für sich und bleibet an seinem Orte sitzen, und läßt den
sanften Geist aus dem Herzen durch sich aus, und donnert mit seinem Kirren
hernach, und hilft das Wort bilden und formen, und kann aber mit seinem
Donner nicht von seinem Sede, sondern bleibet in seiner Höhle als ein
Gefangener, und erzeiget sich schredchch. 91. Das ist gar ein groß Geheimnis. Hie merke den
Sinn: Begreifest du das, so verstehest du die Gottheit recht; wo nicht, so
bist du noch blind im Geiste. Richte nicht, oder du laufest allhie wider eine
starke Porten und wirst gefangen, fängt dich das Zornfeuer, so bleibest du
ewig drinnen. 92. Nun siehe, du Menschenkind, was dir der Geist
für eine Porten des Himmels, der Höllen und der Erden dazu der ganzen
Gottheit aufschleußt. 93. Du sollst nicht denken, daß Gott zu der Zeit
auf Menschenweise geredet hat, daß es nur ein ohnmächtig Wort gleich einem
Menschen gewesen sei. Des Menschen Wort fasset sich wohl auch in solcher
Form, Proporz, Qualität und Geschicklichkeit, allein daß es der halbtote
Mensch nicht verstehe; und ist dieser Verstand gar edel und teuer, denn er
wird allein in Erkenntnis des Hl. Geistes geboren. 94. Gottes Wort aber, das er dazumal in Kraft
geredet hat, das hat Himmel und Erden und aller Himmel Himmel, ja die ganze
Gottheit umfasset. 95. Es fasset sich aber erstlich zwischen den
zusammengebissenen Zähnen und zischet. Das bedeutet, daß der Hl. Geist ist im
Anfange der Schöpfung durch die harte verschlossene Mauer der dritten und
äußersten Geburt, welche im Zornfeuer in dieser Welt stehet, gefangen. Denn
es stehet geschrieben: Und es war finster auf der Tiefe, und der Geist Gottes
schwebte auf dem Wasser, Gen 1,2. 96. Die Tiefe bedeutet die innerste Geburt, und
die Finsternis bedeutet die äußerste verderbte, in welcher der Zorn brannte;
das Wasser bedeutet die Sänftigung des Geistes. 97. Daß aber der Geist durch die Zähne zischet,
bedeutet, daß der Geist ist aus dem Herzen Gottes durch den Zorn gefahren.
Daß aber die Zähne zubleiben, weil der Geist zischet, und sich nicht auftun,
das bedeutet, daß der Zorn den Hl. Geist nicht hat begriffen. 98. Daß sich aber die Zunge im untern Gaumen
schmäuget und vorne spitzet und läßt sich zu dem Zischen nicht gebrauchen,
das bedeutet, daß die äußerste Geburt samt allen Kreaturen, die darinnen
sind, den Hl. Geist, der aus der innersten Geburt aus dem Herzen Gottes
ausgehet, nicht können begreifen, auch mit ihrer Macht nicht aufhalten und
ihm wehren. 99. Denn er gehet durch alle verschlossenen
Gemache und Geburten und darf keiner Aufschließung gleichwie ihn die Zähne
nicht können halten, daß er nicht durch sie ausgehet. 100. Daß aber die Lippen offen stehen, wenn er
durch die Zähne zischet, bedeutet, daß er mit seinem Ausgange aus dem Herzen
Gottes in der Schöpfung dieser Welt hat die Himmelsporten wieder
aufgeschlossen und ist durch die Porten des Zorns Gottes gegangen, und hat den
Zorn Gottes feste verriegelt und zugelassen, und dem Teufel sein ewig
angezündet Zornhaus feste zugeschlossen, daraus er ewig nicht kommen kann. 101. Weiter bedeuts, daß der Hl. Geist gleichwohl
eine offene Porten in dem Zornhause dieser Welt habe, da er sein Werk treibe,
der Höllenporten unbegreiflich, und da er ihm einen heiligen Samen sammle zu
seinem ewigen Lobe, ohne Willen der festen höllischen Porten und derselben
auch ganz unbegreiflich. 102. Gleichwie der Geist seinen Ausgang und
gefaßten Willen durch die Zähne verrichtet und sich die Zähne doch nicht
bewegen oder des Geistes Willen begreifen können, also bauet ihm der Hl.
Geist, ohne Begreifung des Teufels und des Zorns Gottes, ohn Unterlaß einen
heiligen Samen und Tempel in dem Hause dieser Welt. 103. Daß sich aber das ganze Wort
"Sprach" im hintern Gaumen über der Zungen in der Höhle mitten in
der herben und bittern Qualität fasset und kirret, das bedeutet, daß Gott den
Locum dieser Welt beim Herzen in der Mitten gefasset hat und hat ihm wieder
ein Haus zu seinem Lobe gebauet wider alles Grunzen und Murren des Teufels,
darinnen er mit seinem Hl. Geiste herrschet. 104. Gleichwie der Geist vom Herzen durch das
Murren und Kirren der herben und bittern Qualität stark und mächtig ausgehet
und herrschet mit seinem Ausgange in der herben und bittern Qualität, der
herben und bittern Qualität unbegreiflich, als ein mächtiger König, also auch
herrschet der Geist Gottes in der äußersten Geburt dieser Welt, in dem
Zornhause, mächtig und gebäret ihm einen Tempel darinnen, dem Zornhause
unbegreiflich. 105. Daß aber der herbe und bittere Geist also
murret, wenn der Geist vom Herzen durch sein Haus gehet und mit Gewalt
herrschet, das bedeutet, daß der Zorn Gottes samt den Teufeln sei in dem
Hause dieser Welt der Liebe entgegengesetzt, daß die beiden werden die ganze
Zeit dieser Welt miteinander kämpfen und streiten wie zwei Kriegsheere, daher
dann auch der menschliche und tierische Krieg und Streit aller Kreaturen
seinen Ursprung hat. 106. Daß sich aber die herbe und bittere Qualität
mit zum Wort fasset und miteinander konkordieren und doch gleichwohl nur der
Geist des Herzens das Wort zum Munde ausspricht, bedeutet, daß alle
Kreaturen, welche allein durchs Wort sind hervorgegangen, als da sind die Tiere,
Vögel, Fische, Würmer, Kraut und Gras, dazu Bäume und Stauden, werden von dem
ganzen Leibe böse und gut formieret werden, und daß in denen allen wird
stehen die zornige und verderbete Qualität und auch die Liebe Gottes, und
wird doch alles durch den Geist der Liebe getrieben werden, und werden sich
die zwei miteinander reiben, quetschen und pressen. 107. Dadurch dann in mancher Kreatur wird das
Zornfeuer also hart entzündet werden, daß der Leib mit samt dem Geiste wird
einen ewigen Zornsalitter in der Höllen geben. 108. Denn der Geist, der im Herzen geboren wird,
der muß mitten durch der Höllen Porten in seinem Leibe wandeln, und kann gar
leicht entzündet werden; es ist wie Holz und Feuer, geußt du nicht drein, so
brennets. 109. 0 Mensch, du warest nicht mit den Tieren
durchs Wort geschaffen von Böse und Gut. Hättest du nur nicht von Böse und
Gut gessen, so wäre in dir nicht das Zornfeuer, aber so hast du auch einen
tierischen Leib kriegt; nun erbarme es die Liebe Gottes, es ist geschehen. 110. Daß sich aber nach Zusammenfassung des Worts
in der herben und bittern Qualität im hinter Gaumen über der Zunge das Maul
weit auftut und fähret der zusammengefaßte Geist miteinander zum Munde aus,
der da ist aus dem Herzen und auch aus der herben und bittern Qualität
geboren, bedeutet, daß die Kreaturen werden in großer Angst und
Widerwärtigkeit leben und sich nicht werden können durch einen Leib gebären,
sondern durch zweene. 111. Denn die herbe und bittere Qualität nimmt dem
Geist aus dem Herzen die Kraft und infizieret sich mit demselben. Darum ist
die Natur nun zu schwach worden im Geiste des Herzens und vermag die eigene
innerste Geburt des Herzens nicht zu entheben, und hat derowegen die Natur
ein Weiblein und Männlein geschaffen. 112. Auch so bedeutet es den bösen und guten
Willen in der ganzen Natur, sowohl in allen Kreaturen, daß nun werde ein
stetiges Ringen, Kämpfen und Würgen sein, davon diese Welt recht ein
Jammertal voller Kreuz, Verfolgung, Mühe und Arbeit heißt. Denn als der Geist
der Schöpfung ist ins Mittel getreten, da hat er mitten in der Höllen Reiche
müssen die Schöpfung formieren. 113. Weil dann nun die äußerste Geburt in der
Natur zweifach ist, das ist: böse und gut, so ist ein stetiges Martern,
Quetschen, Jammern und Heulen, und miissen sich alle Kreaturen in diesem
Leben wohl martern lassen, und heißt diese böse Welt billig eine Mordgrube
des Teufels. 114. Daß aber der herbe und bittere Geist im
hintern Gaumen auf der Zungen bleibet in seinem Sede sitzen, und bellet
durchs Wort mit dem Munde raus, und kann doch nicht von dannen, bedeutet, daß
der Teufel und der Zorn Gottes werde wohl in allen Kreaturen herrschen, werde
aber nicht vollen Gewalt in ihnen haben, sondern werde in seiner Gefängnis
müssen bleiben und werde in alle Kreaturen bellen und dieselben plagen, aber
nicht überwältigen. Sie wollen dann selber gerne aus eignem Willen in seinem
Loco bleiben. 115. Gleichwie der sanfte Geist des Herzens durch
die herbe und bittere Qualität fähret und überwindet dieselbe, und ob er gleich
mit dem herben und bittern Geiste infizieret wird, noch dennoch reißt er
durch als ein Überwinder; so er aber wollte freiwillig in der Hölle im herben
und bittern Geiste bleiben sitzen und sich lassen fangen und nicht kämpfen,
so wäre die Schuld seine. 116. Also auch ists mit den Kreaturen, die da nur
wollen stets im höllischen Feuer säen und ernten, sonderlich der Mensch,
welcher in stetiger Begierde der Hoffart, Geizes, Neides und Zornes lebet und
will keinmal wider dasselbe mit dem Liebegeist und Feuer kämpfen und
streiten, der zeucht ihm den Zorn Gottes und das brennende höllische Feuer
selber über Leib und Seele. 117. Daß sich aber die Zunge also hart in den
untern Gaumen schmäuget, wenn das Wort ausfähret, bedeutet den animalischen
Geist der Kreaturen, sonderlich des Menschen. Das Wort, welches sich im obern
Gaumen fasset, welches mit dem herben und bittern Geiste inqualieret,
bedeutet die sieben Geister der Natur oder die siderische Geburt, in welcher
der Teufel herrscht und der Hl. Geist sich ihm darinnen entgegensetzet und
den Teufel überwindet. 118. Die Zunge aber bedeutet die Seele, die wird
von den sieben Geistern der Natur geboren und ist ihr Sohn; wenn nun die
sieben Geister wollen, so muß sich die Zunge nach ihrem Gefallen bewegen und
muß ihre Sachen fördern. 119. Wenn nun die siderischen Geister nur nicht
falsch werden und buhlen mit dem Teufel, so verstecken sie den animalischen
Geist und halten ihn selbst in ihren Banden gefangen als einen Schatz, wenn
sie mit dem Teufel fechten, gleichwie sie die Zungen verstecken, wenn sie mit
der herben und bittern Qualität ringen als ihr bestes Kleinod. 120. Also hast du eine kurze und doch wahrhaftige
Anleitung des Worts, das Gott gesprochen hat, in Erkenntnis des Geistes recht
beschrieben nach meinen Gaben und überantwortetem Pfunde recht mitgeteilet. 121. Nun fragt sichs: Was hat denn Gott
gesprochen? Er sprach: Es werde Licht, und es ward Licht, Gen 1,3. 122. Die Tiefe: Das Licht ist aus der innersten
Geburt gegangen und hat die äußerste wieder angezündet. 123. Merke: Es hat der äußersten wieder ein
eigentümlich Licht gegeben. Nicht sollst du denken, daß das Licht der Sonnen
und der Natur sei das Herze Gottes, welches im Verborgenen leuchtet. Nein, du
sollst das Licht der Natur nicht anbeten. Es ist nicht das Herz Gottes,
sondern es ist ein angezündet Licht in der Natur, welches Kraft und Herze
stehet in der Fettigkeit des süßen Wassers, und der andern Geister alle in
der dritten Geburt, die man nicht Gott heißt, ob sie gleich in Gott und aus
Gott geboren ist, so ist es doch nur sein Handwerksgezeug, welches die klare
Gottheit in die Geburt zurücke nicht wider ergreifen kann, gleich wie das
Fleisch nicht kann die Seele begreifen. 124. Aber nicht also zu verstehen, daß darum die
Gottheit von der Natur abgetrennet sei; nein, sondern es ist wie Leib und
Seele. Die Natur ist der Leib, das Herze Gottes ist die Seele. 125. Nun möchte einer fragen: Was ists denn für
ein Licht gewesen, das da ist angezündet worden? Ist es die Sonne und Sterne
gewesen? Nein, die Sonne und Sternen sind erst den vierten Tag aus demselben
Lichte geschaffen worden. Es ist ein Licht in den sieben Geistern der Natur
aufgangen, das hat keinen eigenen Sitz oder Ort gehabt, sondern hat überall geschienen,
aber nicht helle gleich der Sonnen, sondern gleich im Himmelblau und Lichte
nach der Quellgeister Art, bis hernach ist die rechte Schöpfung und Anzündung
des Feuers im Wasser in dem herben Geiste mit der Sonnen erfolget. Das 19. Kapitel Von dem erschaffenen Himmel und der Gestalt der Erden und des Wassers, sowohl von dem Lichte und Finsternis Der rechte Himmel, welcher ist
unser menschlicher eigener Himmel, da die Seele hinfähret, wenn sie vom Leibe
scheidet - und da Christus unser König ist eingegangen und von dannenher er
von seinem Vater kommen und geboren ist und ein Mensch in der Jungfrauen
Marien Leibe worden ist – ist bis anhero den Kindern der Menschen fast
verborgen gewesen, und haben mancherlei Meinung gehabt. 2. Es haben sich auch die Gelehrten darum
gekratzet mit vielen seltsamen Schreiben, und sind einander in die Haare
gefallen mit Schmähen und Schänden, dadurch dann der hl. Name Gottes ist
geschändet und seine Glieder verwundet und sein Tempel zerstöret und der hl.
Himmel mit diesem Lästern und Anfeinden entheiliget worden. 3. Es haben die Menschen je und allwege gemeinet,
der Himmel sei viel hundert oder tausend Meilen von diesem Erdenboden und
Gott wohne allein in demselben Himmel. Es haben auch wohl etliche Physici
sich unterstanden, dieselbe Höhe zu messen, und gar seltsame Dinge
herfürbracht. 4. Zwar ich habe es selber vor dieser meiner
Erkenntnis und Offenbarung Gottes dafür gehalten, daß das allein der rechte
Himmel sei, der sich mit einem runden Zirk ganz lichtblau hoch über den
Sternen schleußt, in Meinung, Gott habe allein da innen sein sonderliches
Wesen und regiere nur allein in Kraft seines Hl. Geistes in dieser Welt. 5. Als mir aber dieses gar manchen harten Stoß
gegeben hat, ohne Zweifel von dem Geiste, der da Lust zu mir hat gehabt, bin
ich endlich gar in eine harte Melancholei und Traurigkeit geraten, als ich
anschauete die große Tiefe dieser Welt, dazu die Sonne und Sternen, sowohl
die Wolken, dazu Regen und Schnee, und betrachtete in meinem Geiste die ganze
Schöpfung dieser Welt. 6. Darinnen ich dann in allen Dingen Böses und
Gutes fand, Liebe und Zorn, in den unvernünftigen Kreaturen als in Holz,
Steinen, Erden und Elementen sowohl als in Menschen und Tieren. 7. Dazu betrachtete ich das kleine Fünklein des
Menschen, was er doch gegen diesem großen Werke Himmels und Erden vor Gott
möchte geachtet sein. 8. Weil ich aber befand, daß in allen Dingen Böses
und Gutes war, in den Elementen sowohl als in den Kreaturen, und daß es in
dieser Welt dem Gottlosen so wohl ginge als den Frommen, auch daß die
barbarischen Völker die besten Länder innen hätten und daß ihnen das Glücke
noch wohl mehr beistünde als den Frommen. 9. Ward ich derowegen ganz melancholisch und hoch
betrübet, und konnte mich keine Schrift trösten, welche mir doch fast wohl
bekannt war; dabei dann gewißlich der Teufel nicht wird gefeiert haben,
welcher mir dann oft heidnische Gedanken einbleuete, derer ich allhie
verschweigen will. 10. Als sich aber in solcher Trübsal mein Geist –
denn ich wenig und nichts verstund, was er war – ernstlich in Gott erhub als
mit einem großen Sturme, und mein ganz Herz und Gemüte samt allen andern
Gedanken und Willen sich alles darein schloß, ohne Nachlassen, mit der Liebe
und Barmherzigkeit Gottes zu ringen, und nicht nachzulassen, er segenete mich
denn, das ist: er erleuchtete mich denn mit seinem Hl. Geiste, damit ich
seinen Willen möchte verstehen und meiner Traurigkeit los werden; – so brach
der Geist durch. 11. Als ich aber in meinem angesetzten Eifer also
hart wider Gott und aller Höllen Porten stürmete, als wären meiner Kräften
noch mehr vorhanden, in willens, das Leben daran zu setzen welches freilich
nicht mein Vermögen wäre gewesen ohne des Geistes Gottes Beistand - alsbald
nach etlichen harten Stürmen ist mein Geist durch der Höllen Porten
durchgebrochen bis in die innerste Geburt der Gottheit und allda mit Liebe
umfangen worden, wie ein Bräutigam seine liebe Braut umfähet. 12. Was aber für ein Triumphieren im Geiste
gewesen, kann ich nicht schreiben oder reden. Es läßt sich auch mit nichts
vergleichen als nur mit dem, wo mitten im Tode das Leben geboren wird, und
vergleicht sich der Auferstehung von den Toten. 13. In diesem Lichte hat mein Geist alsbald durch
alles gesehen und an allen Kreaturen, sowohl an Kraut und Gras, Gott erkannt,
wer der sei und wie der sei und was sein Wille sei. Auch so ist alsbald in
diesem Lichte mein Willen gewachsen, mit großem Trieb das Wesen Gottes zu
beschreiben. 14. Weil ich aber nicht alsbald die tiefsten
Geburten Gottes in ihrem Wesen konnte fassen und in meiner Vernunft
begreifen, so hat sichs wohl zwölf Jahr verzogen, ehe mir ist der rechte
Verstand gegeben worden, und ist gangen wie mit einem jungen Baume, den man
in die Erde pflanzet; der ist erstlich jung und zart und hat ein freundlich
Ansehen, sonderlich wenn er sich zum Gewächse wohl anlässet. Er trägt aber
nicht alsbald Früchte, und ob er gleich blühet, so fallen sie doch ab. Es
gehet auch mancher kalte Wind, Frost und Schnee darüber, ehe er erwächst und
Frucht träget. 15. Also ists diesem Geiste auch gangen: Das erste
Feuer war nur ein Samen, aber nicht ein immer beharrlich Licht. Es ist seit
der Zeit mancher kalte Wind drüber gangen, aber der Wille ist nie verloschen.
16. Es hat sich dieser Baum auch oft versucht, ob
er möchte Früchte tragen und sich mit Blühen erzeiget, aber die Blüte ist von
dem Baume abgeschlagen worden bis auf dato. Da stehet er in seiner ersten
Frucht im Gewächse. 17. Von diesem Lichte habe ich nun meine
Erkenntnis, dazu meinen Willen und Trieb, und will diese Erkenntnis nach
meinen Gaben schreiben und es Gott walten lassen, und sollte ich gleich
hiemit erzürnen die Welt, den Teufel und aller Höllen Porten, und will
zusehen, was Gott damit meinet. Denn seinen Fürsatz bin ich viel zu schwach
zu erkennen, obgleich der Geist etliche Dinge, die zukünftig sind, im Lichte
zu erkennen gibt. So bin ich doch dem äußerlichen Menschen nach viel zu
schwach, solches zu begreifen. 18. Aber der animalische Geist, welcher mit Gott
inqualieret, der begreifts wohl, der tierische Leib aber krieget nur einen
Blick davon, gleich als wenn es wetterleuchtet. Denn also stellet sich die
innerste Geburt der Seelen, wenn sie durch die äußerste Geburt in Erhebung
des Hl. Geistes durch die Porten der Höllen reißet. Aber die äußerste Geburt
tut sich bald wieder zu, denn der Zorn Gottes verriegelt die feste und hält
sie in seiner Macht gefangen. 19. Alsdann ist die Erkenntnis des äußersten
Menschen dahin und gehet in seiner trübseligen und ängstlichen Geburt um wie
ein schwanger Weib, der die Wehe ankommt, und wollte immer gerne gebären, und
kann doch nicht und ängstet sich immerdar. 20. Also gehets dem tierischen Leibe auch: Wenn er
einmal hat die Süßigkeit Gottes geschmecket, so hungert und dürstet ihn
immerdar danach, aber der Teufel in Kraft des Zorns Gottes wehret sich trefflich,
und muß ein Mensch in solchem Laufe nur immer in ängstlicher Geburt stehen,
und ist nichts denn Kämpfen und Fechten in seinen Geburten. 21. Dieses habe ich nicht mir zum Lobe
geschrieben, sondern dem Leser zum Trost, ob ihn vielleicht lüsterte, auf
meinem schmalen Stege mit mir zu wandern, daß er darum nicht bald
verzweifele, wenn ihm die Porten der Höllen und des Zorns Gottes begegnen und
unter Augen stoßen. 22. Wenn wir werden miteinander über diesen
schmalen Steg der fleischlichen Geburt auf jene grüne Wiese kommen, da der
Zorn Gottes nicht hinreicht, alsdann wollen wir uns dieses erlittenen
Schadens wohl ergötzen, ob wir gleich jetzo müssen der Welt Narr sein und den
Teufel in Kraft des Zorns Gottes lassen über uns herrauschen. Es lieget nichts
daran, es wird uns in jenem Leben schöner anstehen, denn es ist gar eine
kurze Zeit dahin, und ist nicht wert, daß es eine Zeit genannt wird. 23. Nun merke: Wenn du deine Gedanken von dem
Himmel fassest, was der sei oder wo der sei, so darfst du deine Gedanken
nicht viel tausend Meilen von hinnen schwingen, denn derselbe Locus oder
Himmel ist nicht dein Himmel. Und ob er gleich mit deinem Himmel verbunden
ist wie ein Leib, und es ist auch nur ein Leib Gottes, so bist du doch nicht
in demselben Loco, der über viel hunderttausend Meilen ist zur Kreatur
worden, sondern in dem Himmel dieser Welt, die auch eine solche Tiefe in sich
hat, das keine menschliche Zahl ist. 24. Denn der rechte Himmel ist allenthalben, auch
an dem Orte, wo du stehest und gehest. Wenn dein Geist die innerste Geburt
Gottes ergreift und durch die siderische und fleischliche hindurchdringet, so
ist er schon im Himmel. 25. Daß aber wahrhaftig ist, daß ein reiner,
schöner Himmel in allen dreien Geburten über der Tiefe dieser Welt sei, in
welchem Gottes Wesen mit samt den hl. Engeln ganz lauter, schön und
freudenreich aufgehet, das ist unleugbar, und wäre der nicht aus Gott
geboren, der solches vemeinte. 26. Du sollst aber wissen, daß der Locus dieser
Welt mit seiner innersten Geburt mit dem Himmel über uns inqualieret und ist
ein Herze, ein Wesen, ein Willen, ein Gott, alles in allem. Daß aber der
Locus dieser Welt nicht ein Himmel genennt wird und daß ein Schluß zwischen
dem obern Himmel über uns sei, das hat diesen Verstand: 27. Der obere Himmel begreift die zwei Königreiche
Micha-Els und Uri-Els und alle der hl. Engel, die nicht mit Luzifer gefallen
sind, und derselbe Himmel ist blieben, wie er von Ewigkeit ist gewesen, ehe
die Engel sind geschaffen worden. 28. Der andere Himmel ist diese Welt, in welchem
Luzifer ein König war. Der hat die äußerste Geburt in der Natur angezündet.
Und das ist nun der Zorn Gottes, und kann nicht Gott oder Himmel geheißen
werden, sondern die Verderbung. 29. Darum schleußt sich der obere Himmel in seiner
äußersten Geburt also weit zu als weit der Zorn Gottes reicht und so weit als
das Regiment Luzifers hat gereicht, denn die verderbte Geburt kann die reine
nicht begreifen. 30. Das ist, die äußerste Geburt dieser Welt kann
die äußerste Geburt des Himmels über dieser Welt nicht ergreifen, denn es ist
wie das Leben und der Tod gegeneinander oder wie ein Mensch und ein Stein
gegeneinander. 31. Darum ist ein fester Schluß zwischen der
äußersten Geburt des obern Himmels und dieser Welt. Denn die Feste zwischen
ihnen ist der Tod, der herrschet an allen Enden in der äußersten Geburt in
dieser Welt, und damit ist diese Welt verriegelt, daß die äußerste Geburt des
obern Himmels nicht in die äußerste Geburt dieser Welt kann, es ist eine
große Kluft zwischen ihnen. 32. Und darum können wir die Engel in unserer
äußersten Geburt nicht sehen, und die Engel können auch nicht in der
äußersten Geburt dieser Welt bei uns wohnen. In der innersten aber wohnen sie
bei uns. Und so wir mit dem Teufel kämpfen, so halten sie seine Schläge in
der innersten Geburt auf und sind der hl. Seelen Schutz. Darum können wir die
Engel nicht sehen oder begreifen, denn die äußerste Geburt ihrer Leiber ist
der äußersten Geburt dieser Welt unbegreiflich. 33. Die andere Geburt dieser Welt steht im Leben,
denn es ist die siderische Geburt, daraus die dritte und hl. Geburt geboren
wird, und darinnen Liebe und Zorn miteinander streiten. Denn die andere
Geburt stehet in den sieben Quellgeistern dieser Welt und ist an allen Enden
und in allen Kreaturen sowohl auch im Menschen also. Nun aber herrschet der
Hl. Geist auch in der andern Geburt und hilft die dritte heilige Geburt
gebären. 34. Die dritte aber ist der klare und heilige
Himmel, welcher mit dem Herzen Gottes außer und über allen Himmeln
inqualieret als ein Herze, und ist auch ein Herze, das den Locum dieser Welt
hält und träget und das den Teufel in der äußersten Geburt im Zornfeuer
gefangen hält als ein allmächtiger, unbegreiflicher Gott. 35. Und aus diesem Herzen ist Jesus Christus,
Gottes Sohn, in der Jungfrauen Marien Leib in alle drei Geburten gangen und
hat dieselben wahrhaftig an sich genommen, auf daß er durch und mit seiner
innersten Geburt den Teufel, Tod und Hölle in der äußersten Geburt gefangen
nehme und den Zorn Gottes überwinde als ein König und Siegsfürst, und in
Kraft seiner Geburt im Fleische durch alle Menschen durchdringe. 36. Und durch solch Eingehen der innersten Geburt
des Herzens des Himmels dieser Welt in die siderische und äußerste ist Jesus
Christus, Gottes und Marien Sohn, ein Herr und König dieses unsers Himmels
und der Erden worden, der in allen dreien Geburten herrschet über die Sünde,
Teufel, Tod und Hölle, und mit dem dringen wir durch des Fleisches sündliche,
verderbte und äußerste tote Geburt den Tod und Zorn Gottes in unsern Himmel. 37. In diesem Himmel sitztet itzunder unser König
Jesus Christus zur rechten Gottes und umfasset alle drei Geburten als ein
mächtiger Sohn des Vaters, der durch und in allen drei Geburten in dieser
Welt allen Räumen und Orten gegenwärtig ist und alles fasset, hält und träget
als der neugeborne Sohn vom Vater in der Gewalt und auf dem Sitze des
großmächtig gewesenen und nunmehr verstoßenen, verfluchten und verdammten Königs
Luzifer, des Teufels. 38. Darum, du Menschenkind, sei nicht so furchtsam
und verzaget. Wenn du in deinem Eifer und Ernst deinen Tränensamen säest, so
säest du ihn nicht auf Erden, sondern im Himmel, denn in deiner siderischen
Geburt säest du und in der animalischen erntest du, und im Himmelreiche
besitzest du es und genießt des. 39. Weil du in dieser streitigen Geburt lebest, so
mußt du dich drücken und den Teufel lassen auf dir herreiten, aber also hart
er dich schläget, so hart schlägest du ihn wieder, so du dich wehrest. Denn
wenn du gegen ihn streitest, so schürest du ihm sein Zornfeuer auf und
zerstörest ihm sein Nest, das ist alsdann wie ein großer Aufruhr, als
hieltest du eine gewaltige Schlacht mit ihm. 40. Und obgleich deinem Leibe etwas wehe
geschieht, so geschieht ihm doch viel übeler, wenn er überwunden ist; so
brüllet er wie ein Löwe, dem seine Jungen geraubet sind, denn der Grimm und
Zorn Gottes peiniget ihn. Wenn du ihn aber zur Herberge einläßt, so wird er
fett und geil und überwindet dich mit der Zeit. 41. Also hast du eine wahrhaftige Beschreibung des
Himmels. Und ob du es gleich mit deiner Vernunft nicht fassen kannst, so kann
ichs doch gar wohl fassen; so denke ihm doch nur vernünftig nach, was Gott
sei. 42. Du siehest in dieser Welt nichts als die
Tiefe, und darinnen die Sterne und die Geburt der Elementen. Wolltest du nun
sagen, daß allda nicht Gott sei? Lieber, was ist dann an diesem Orte gewesen
vor der Zeit der Welt? Wolltest du sagen, nichts, so redest du ohne Vernunft.
Du mußt ja sagen, daß Gott allda gewesen sei, sonst wäre allda nichts worden.
43. Ist dann nun Gott allda gewesen, wer hat ihn
dann weggestoßen oder überwunden, daß er nicht mehr da ist? Ist aber Gott da,
so ist er ja in seinem Himmel und dazu in seiner Dreifaltigkeit. 44. Der Teufel aber hat das Zornbad angezündet,
davon ist die Erde und die Steine, dazu die Elementa also beweglich, dazu
also kalt, bitter und hitzig worden, und hat die äußerste Geburt ermordet. 45. Davon ist nun der Handel und mein ganz
Fürnehmen zu schreiben, wie sie wieder sei lebendig worden und wie sie sich
wieder gebäre. Und davon ist auch in den Kreaturen das tierische Fleisch
worden; die Sünde aber in dem Fleische ist der Zorn Gottes. 46. Zum andern ist die Frage und der Handel in
diesem Buche, wo dann der Zorn Gottes werde hinkommen. Da gibt der Geist
Antwort, daß am Ende dieser verderbten Geburtzeit dem Teufel werde nach
Auferstehung der Toten der Locus oder Raum, wo jetzt die Erde stehet, zum
Eigentum und Zornhaus eingeräumt werden, und doch nicht durch alle drei
Geburten, sondern nur die äußerste, in welcher er jetzt stehet. Die innerste
aber wird ihn in ihrer Macht gefangen halten und zum Fußschemel brauchen,
welche er ewig weder ergreifen noch berühren wird können. 47. Denn es hat nicht den Verstand, daß das
Zornfeuer werde ausgelöschet werden und nicht mehr sein, sonst müßten die
Teufel auch wieder heilige Engel werden und in dem heiligen Himmel leben; wo
aber nicht, so muß ihnen ein Loch in dieser Welt zur Herberge werden. 48. Wenn dem Menschen seine Augen nur eröffnet
würden, so sähe er überall Gott in seinem Himmel, denn der Himmel stehet in
der innersten Geburt. Dazu da Stephanus den Himmel hat offen gesehen und den
Herrn Jesum zur Rechten Gottes, Apg 7,55, da hat sich sein Geist nicht erst
in den obern Himmel geschwungen, sondern er hat durchgedrungen in die
innerste Geburt, da ist der Himmel an allen Enden. 49. Du darfst auch nicht denken, daß die Gottheit
etwan ein Wesen sei, die nur im obern Himmel sei und daß unsere Seele, wenn
sie vom Leibe scheidet, auf in den obern Himmel fahre viel hundert Meilen. Es
darf des gar nicht, sondern sie wird in die innerste Geburt gesetzet; da ist
sie bei Gott und in Gott und bei allen heiligen Engeln und kann bald droben
sein und auch bald drunten; sie wird von nichts gehalten. 50. Denn in der innersten Geburt ist die obere und
untere Gottheit ein Leib, eine offene Porten. Die heiligen Engel spazieren
sowohl in der innersten Geburt dieser Welt bei unserem Könige Jesu Christo
als im obern in ihrem Revier. 51. Und wo wollte die Seele des Menschen dann gern
sein als bei ihrem Könige und Erlöser Jesu Christo? Denn in Gott ist Weit und
Nahe als ein Ding, eine Begreiflichkeit, überall Vater, Sohn, Heiliger Geist.
52. Die Porten der Gottheit ist im obern Himmel
nichts anders, auch nichts hellers als in dieser Welt. Und wo könnte doch
größere Freude sein als an dem Orte, wo alle Stunden schöne, liebe,
neugeborne Kinder und Engel zu Christo kommen, die durch den Tod sind ins
Leben gedrungen? Die werden ohne Zweifel von vielen Streiten wissen zu sagen.
Und wo möchte doch größere Freude sein, als wo mitten im Tode ohn Unterlaß
immerdar das Leben geboren wird? 53. Bringt doch eine jede Seele einen neuen
Triumph mit sich und ist nichts denn ein eitel freundlich Benevenieren und
Willkommen. Denke, wenn die Seelen der Kinder zu den Eltern kommen, die sie
in ihrem Leibe geboren haben, ob allda nicht möchte Himmel sein? Oder meinest
du, ich schreibe zu irdisch? Wirst du an dieses Fenster kommen, du wirst
nicht sagen, es sei irdisch; ob ich gleich muß eine irdische Zunge brauchen,
so ist doch rechter himmlischer Verstand darunter, das ich in meiner
äußersten Geburt weder schreiben noch reden kann. 54. Ich weiß wohl, daß das Wort von den drei
Geburten nicht wird in einem jeden Herzen können begriffen werden, sonderlich
wo das Herze zuviel im Fleische ersoffen ist und mit der äußersten Geburt
verriegelt. Ich kanns aber nicht anders geben, denn es ist also. Und wenn ich
gleich lauter Geist schreibe, wie es denn auch in Wahrheit nicht anders ist,
so verstehet das Herze doch nur Fleisch, wie ich sehe. Von der Gestalt der Erden 56. Wo nun nichts ist, da wird auch nichts. Alles
Ding muß eine Wurzel haben, sonst wächst nichts. Wären nicht die sieben
Geister der Natur von Ewigkeit gewesen, so wäre kein Engel, auch kein Himmel
und auch keine Erden worden. 57. Die Erde aber ist aus dem verderbten Salitter
der äußersten Geburt worden, du kannst das nicht leugnen. Wenn du die Erde
und Steine ansiehest, so mußt du ja sagen, daß der Tod drinnen sei; hingegen
mußt du auch sagen, daß ein Leben darinnen sei, sonst wüchse darinnen weder
Gold noch Silber, auch weder Kraut noch Gras. 58. Nun möchte einer fragen: Sind denn auch alle
drei Geburten darinnen? Ja, das Leben dringet durch den Tod. Die äußerste
Geburt ist der Tod, die andere ist das Leben, welches im Zornfeuer und in der
Liebe stehet, die dritte ist das hl. Leben. 59. Unterricht: Die äußerliche Erde ist ein bitter
Gestank und ist tot, das verstehet auch ein jeder Mensch. Der Salitter ist
auch durch den Zorn ermordet worden, denn du kannsts nicht leugnen, daß nicht
Gottes Zorn in der Erden sei, sonst wäre sie nicht also herbe, bitter, sauer
und giftig, und gebäre auch nicht solche giftige, böse Würmer. So du aber
wolltest sagen, Gott habe sie aus seinem Fürsatze also geschaffen, so würdest
du sagen, daß Gott selber die Bosheit sei. 60. Lieber, sage mir doch, warum ist doch der
Teufel verstoßen worden? Du wirst freilich sagen, um seiner Hoffart willen,
daß er hat wollen über Gott sein. Rat, Fritz, womit? Was hat er für Gewalt
gehabt? Hie sage, weißt du was, weißt du nichts, so schweig und höre: 61. In dem Salitter der Erden saß er vor den
Zeiten der Schöpfung, als derselbe noch dünne und in himmlischer heiliger
Geburt stund, und war in dem ganzen Königreiche dieser Welt. Daselbst war es
nicht Erde und Steine, sondern ein himmlischer Same, welcher aus den sieben
Quellgeistern der Natur geboren ward. Denn darinnen gingen himmlische Früchte
und Formen auf, welches war eine Lustspeise der Engel. 62. Als aber der Zorn darinnen anbrannte, so wards
im Tode ermordet; aber nicht also zu verstehen, daß sie darum gar tot sei,
denn wie kann in Gott etwas gar sterben, das sein Leben von Ewigkeit hat
gehabt? Sondern die äußerste Geburt ist verbrannt, erfroren, ersoffen und
erstarret. 63. Die andere Geburt aber gebäret in der
äußersten wieder das Leben, und die dritte wird zwischen der ersten und
andern geboren, das ist: zwischen Himmel und Hölle mitten im Zornfeuer, und
dringet der Geist im Zornfeuer durch und gebäret das hl. Leben, welches
stehet in Kraft der Liebe. 64. Und in derselben Geburt werden die Toten
auferstehen, die da haben einen heiligen Samen gesäet, die werden im
Zornfeuer auferstehen. Denn die Erde wird wieder lebendig werden, sintemal
sie die Gottheit in Christo hat wieder neugeboren durch sein Fleisch und zur
Rechten Gottes erhöhet; aber das Zornfeuer bleibet in seiner Geburt. 65. Daß du aber wolltest sagen, es sei kein Leben
in der Erden, so redest du blind. Du siehest ja, daß Kraut und Gras daraus
wächset. Daß du aber wolltest sagen, sie hätte nur einerlei Geburt, so redest
du auch blind, denn das Kraut und Holz, das daraus wächst, ist nicht Erde.
Auch so ist die Frucht auf dem Baume nicht Holz, auch so ist die Kraft der
Frucht nicht Gott, sondern Gott ist im Centro der innersten Geburt in allen
drei natürlichen Geburten verborgen und wird nicht erkannt als nur im Geiste
des Menschen. Auch so kann ihn die äußerliche Geburt in der Frucht nicht
fassen oder halten, sondern er hält die äußerste Geburt der Frucht und
formieret sie. 66. Die andere Frage: Warum ist denn die Erde also
bergicht, steinicht und uneben? Die Berge sind in der Zusammentreibung also
worden, denn des verderbten Salitters ist je an einem Orte mehr gewesen als
an andern, als nachdem wie das Rad Gottes mit seinen anstehenden
Quellgeistern ist gewesen. 67. An denen Orten, wo das süße Wasser im
anstehenden Rade Gottes ist Primus gewesen, da ist viel irdisch begreiflich
Wasser worden. Wo aber die herbe Qualität in der Bitterkeit im Marcurio ist
Primus gewesen, da ist viel Erde und Steine worden. Wo aber die Hitze im
Lichte ist Primus gewesen, da ist viel Silber und Gold, dazu etliche schöne
Steine im Blitze des Lichtes worden, sonderlich wo die Liebe im Lichte ist
Primus gewesen, da sind die edelsten Steine worden und das beste Gold. 68. Als sich aber der Klump der Erden hat
zusammengedruckt, so ist das Wasser herausgequetschet worden. Wo es aber mit
der herben Qualität mit harten Felsen ist eingepreßt worden, da ist es noch
in der Erden und hat seit der Zeit etliche große Löcher zu seinem Gang
geweicht und gemacht. 69. An denen Orten, wo große Meere und See sind,
da ist das Wasser über demselben Pol Primus gewesen, und weil es dann nicht
viel Salitter daselbst hat gehabt, so ist in die Erde gleichwie ein Tal
worden, darinnen ist das Wasser stehen blieben. 70. Denn das dünne Wasser sucht das Tal und ist
eine Demütigkeit des Lebens, welches sich nicht erhebet, wie die herbe,
bittere und Feuersqualität hat getan in den Kreaturen der Teufel. 71. Darum suchet es immer die niedrigsten Stellen
auf Erden. Das bedeutet recht den Geist der Sanftmut, in welchem das Leben
wird geboren, wie du bei Erschaffung des Menschen kannst lesen und auch
davorne bei seiner Species. Vom Tag und Nacht 73. In welcher Proporz oder anstehenden Gebärung
der Qualitäten der Geist das Wort fasset und formet und damit ausfähret, eben
eine solche anstehende Geburt, Durchdringen, Aufsteigen, Ringen und Siegen
hats auch in der Natur. 74. Denn als der Mensch in die Sünde fiel, da ward
er aus der innersten Geburt in die andern zwo gesetzt; die umfingen ihn bald
und inqualierten mit ihm und in ihm, als in ihrem Eigentum. Und empfing der
Mensch alsbald den Geist und alle Gebärung der siderischen und auch der
äußersten Geburt. 75. Darum spricht er nun alle Wörter nach der
anstehenden Gebärung der Natur aus, denn der Geist des Menschen, welcher in
der siderischen Geburt stehet und mit der ganzen Natur inqualieret und ist
gleichwie die ganze Natur selber, der formet das Wort nach der anstehenden
Geburt. 76. Wenn er was siehet, so gibt er ihm den Namen
nach seiner Qualifizierung. Soll er aber das tun, so muß er sich auch in eine
solche Gestalt formieren und sich mit seinem Schalle also gebären, wie sich
das Ding, das er nennen will, gebäret. Und hierinnen steckt der Kern des
ganzen Verstandes der Gottheit. 77. Nicht schreibe ich solches und gebe es ans
Licht, daß mir alsbald ein jeder soll nachkratzen und hierinnen seines
Geistes Gutdünken an Tag geben und es für Heiligtum ausschreien. Höre
Geselle, es gehöret was mehr dazu. Dein animalischer Geist muß vorhin mit der
innersten Geburt in Gott inqualieren und im Lichte stehen, daß er die
siderische Geburt recht kennet, daß er eine freie Porte in allen Geburten
hat, anders wirst du nicht heilige und recht Philosophiam schreiben, sondern
Läuse und Flöh, und wirst ein Spötter Gottes erfunden. 78. Ich lasse mich schon wohl bedünken, der Teufel
werde sein hoffärtiges Rößlein allhie mit manchem reiten und wird sich
mancher auf die Bahn machen, ehe er gegürtet ist, daran ich will unschuldig
sein. Denn was ich allhie offenbare, das muß ich tun, denn es ist die Zeit
der Durchbrechung vorhanden. Wer nun will schlafen, den wird das Sturmwetter
der Grimmigkeit aufwecken. Damit nun ein jeder acht auf seine Sache habe,
will ichs treulich angezeiget haben nach des Geistes Trieb und Willen. 79. Merke. Der Skribent Moses schreibet, Gott habe
das Licht von der Finsternis geschieden und das Licht Tag geheißen und die
Finsternis Nacht; da sei aus Abend und Morgen der erste Tag worden, Gen 1,4
f. Weil dies Wort "Abend und Morgen" ganz wider die Philosophia und
Vernunft laufet, so ist dafür zu halten, daß Moses nicht der Autor dazu ist,
sondern es ist von seinen Vorfahren auf ihn gebracht worden, welche alle
sechs Tage der Schöpfung haben in einem Lauf gerechnet und die Schöpfung von
Adam nur in einem dunkelen Worte behalten und auf die Nachkommen gebracht. 80. Denn Abend und Morgen ist nicht gewesen vor
der Zeit der Sonnen und Sternen, welche erst gewiß und wahrhaftig am vierten
Tage sind erschaffen worden, welche ich dann aus gewissem Grunde bei
Erschaffung der Sonnen und Sternen erweisen will. 81. Tag und Nacht aber sind gewesen, das will ich
allhie nach meiner Erkenntnis erklären. Du magst allhie die Augen deines
Geistes abermal weit aufsperren, willst du es verstehen, wo nicht, so wirst
du blind sein. 82. Wie denn dieses große Werk in den Menschen ist
verborgen blieben bis auf dato, da wills Gott lob einmal Tag werden, denn die
Morgenröte bricht an, der Durchbrecher der innersten Geburt erzeiget sich mit
seinem roten, grünen und weißen Fähnlein in der äußersten Geburt auf dem
Regenbogen. 83. Merke: Nun sprichst du: Wie kann denn Tag und
Nacht gewesen sein und nicht auch Morgen und Abend? Morgen und Abend ist
allein über der Erden unter dem Monden und nimmt seinen Ursprung vom Lichte
der Sonnen, die macht Abend und Morgen und auch den äußerlichen Tag und auch
die äußerliche finstere Nacht; das weiß ein jeder Mann. Es hat aber zu der
Zeit nicht zweierlei Schöpfung des Abends und Morgens gehabt, sondern da sich
Abend und Morgen hat angefangen, so ist er in seinem Laufe blieben bis daher. Vom Tage 85. Wenn es aber hervor auf die Zunge kommt, so
schleußt die Zunge mit dem Obergaumen das Maul zu. Wenn aber der Geist an die
Zähne stößet und will raus, so schleußt die Zunge das Maul auf und will vorm
Worte raus, und tut gleich einen Freudensprung zum Maule raus. 86. Wenn aber das Wort durchbricht so macht sich
das Maul inwendig weit auf, und das Wort fasset sich mit seinem Schallen
hinter der herben und bittern Qualität noch einmal und wecket dieselbe als
einen faulen Schläfer in der Finsternis auf und fähret jähling zum Munde aus.
87. Alsdann zerret die herbe Qualität hernach als
ein schläferiger Mensch, der vom Schlafe aufgeweckt wird. Aber der bittere
Geist, welcher vom Feuerblitz ausgehet, bleibet liegen und höret nichts,
beweget sich auch nicht. Dieses sind nun gar große Dinge und nicht so
schlechte, wie der Bauer wohl vermeinet. 88. Daß sich nun erstlich der Geist im Herzen
fasset und bricht durch alle Wachen bis auf die Zunge unvermerkt, das
bedeutet, daß das Licht aus dem Herzen Gottes ist hervorgebrochen durch die
äußerste, verderbte, grimmige, tote, bittere und herbe Geburt in der Natur
dieser Welt, dem Tode und Teufel samt dem Zorne Gottes unbegreiflich, wie
denn geschrieben stehet im Evangelio St. Johannes 1,5: Das Licht schien in
der Finsternis; und die Finsternis hats nicht begriffen. 89. Daß aber die Zunge mit dem obern Gaumen das
Maul zuschleußt, wenn der Geist auf die Zunge kömmt, bedeutet, daß die sieben
Quellgeister der Natur in dieser Welt zur Zeit der Schöpfung durch den Zorn
Gottes nicht sind erstorben gewesen, sondern lebendig und wacker. Denn die
Zunge bedeut das Leben der Natur, in welchem die animalische oder heilige
Geburt stehet, denn sie ist ein Vorbild der Seelen. 90. Daß aber der Geist die Zunge alsobald
infizieret, wenn er auf sie kommt, davon sie einen Freudensprung tut und will
noch vorm Geiste zum Maul raus, bedeutet, daß die sieben Quellgeister der
Natur, welches die siderische Geburt heißet, als das Licht Gottes, welches
der Tag heißet, und ihnen aufging, alsbald göttlich Leben und Willen bekommen
haben und sich hoch erfreuet wie die Zunge im Maule. 91. Daß sich aber die vordern Gaumen inwendig
erweitern und dem Geiste Raum geben nach seinem Gefallen, bedeutet, daß sich
die ganze siderische Geburt ganz freundlich in des Lichtes Willen gegeben hat
und den Grimm in ihr nicht aufgewecket. 92. Daß sich aber der Geist, wenn er zum Munde
ausfähret, erst noch einmal hinter der herben Qualität auf der Zungen im
hintern Gaumen fasset und wecket die herbe Qualität als einen Schläfer auf
und fähret schnell zum Munde aus, bedeutet, daß der herbe Geist zwar alles in
der ganzen Natur muß halten und bilden, aber allererste wenn es der Geist des
Lichts hat formieret, dann weckt er erst den herben Geist auf und gibts ihm
in die Hände, daß ers hält. 93. Und das muß sein von wegen der äußersten Begreiflichkeit,
die muß im herben Grimme gehalten werden, sonst bestünde nichts im Corpus,
auch so bestünde die zusammengedruckte Erde und Steine nicht, sondern es
würde wieder ein zerbrochener, dicker und finsterer Salitter, welcher in der
ganzen Tiefe schwebete. 94. Auch so bedeutet es, daß dieser Salitter auf
die Letzt, wann der Geist wird sein Geschöpfe und Werke in dieser Welt
ausgerichtet haben, soll wieder aufgewecket und lebendig werden am jüngsten
Tage. 95. Daß sich aber der Geist hinter der herben
Qualität fasset und nicht in der herben Qualität, und weckt dieselbe auf,
bedeutet, daß die herbe Natur das Licht Gottes nicht werde eigentümlich
begreifen, sondern werde sich in den Willen des Lichts verrichten, gleichwie
der tierische Leib des Menschen den Willen des Geistes verrichtet, und sind
doch nicht zwei Dinge. 96. Daß aber der bittere Geist stille liegt und
des Geistes Werk nicht höret und begreift, bedeutet, daß das bittere
Zornfeuer, welches im Feuerblitze entstehet zur Zeit der Geburt des Lichtes,
und auch noch vom Lichte nicht aufgeweckt wird und das selbe nicht begreift,
sondern liegt in der äußersten Geburt gefangen und muß den Geist des Lichts
sein Werk in der Natur lassen machen, wie er will, und kann die Werke des
Lichts weder sehen, hören noch begreifen. 97. Darum soll kein Mensch denken, daß ihm der
Teufel die Werke des Lichts werde können aus dem Herzen reißen, denn er kann
sie weder sehen noch begreifen, und ob er gleich in der äußersten Geburt im
Fleische wütet und tobet als in seinem Raubschlosse, verzage nicht. Bringe
nur nicht selber die Werke des Zorns in deines Herzens Licht, so wird deine
Seele vor dem tauben, stummen und im Lichte blinden Teufel wohl sicher sein. 98. Du sollst nicht meinen, daß ich allhie
schreibe als einen Wahn, obs also sei oder nicht, sondern dem Geiste stehet
des Himmels und der Höllen Porten offen und dringet im Lichte durch beide und
schauet die und kann die auch gar wohl approbieren, denn die siderische
Geburt lebet zwischen beiden und muß sich wohl quetschen lassen. 99. Und ob mir gleich der Teufel das Licht nicht
nehmen kann; noch verdecket er mirs oft mit der äußersten und fleischlichen
Geburt, daß sich die siderische Geburt ängstet, als wäre sie gefangen. 100. Das sind allein seine Schläge, damit das
Senfkörnlein verdecket wird. Davon saget der heilige Apostel Paulus auch, es
sei ihm ein großer Pfahl ins Fleisch gegeben worden, und er habe dem Herrn
geflehet, er wollte doch solches von ihm nehmen; darauf ihm der Herr geantwortet,
er solle sich lassen an seiner Gnaden genügen, 2.Kor 12,7-9. 101. Denn er war auch kommen bis an diesen Locum
und hätte gern das Licht ohne Verhinderung zum Eigentum in der siderischen
Geburt gehabt, aber es konnte nicht sein, denn der Zorn ruhet in der
fleischlichen Geburt und mußte die Verwesung im Fleische tragen. So aber der
Grimm ganz von der siderischen Geburt genommen würde, so wäre er in derselben
Gott gleich und wüßte alle Dinge wie Gott selber. 102. Welches allein jetzo die Seele weiß, welche
mit dem Lichte Gottes inqualieret. Sie kanns aber nicht vollkömmlich zurücke
in die siderische Geburt bringen, denn sie ist eine andere Person. Gleichwie
auch der Apfel auf dem Baume seinen Geruch und Geschmack nicht kann wieder
zurücke in den Baum oder in die Erde bringen, und ob er gleich des Baumes
Sohn ist, also ist auch in der Natur. 103. Der heilige Mann Moses war also hoch und tief
in diesem Lichte, daß auch das Licht die siderische Geburt verklärete, davon
die äußerste Geburt des Fleisches in seinem Angesicht verkläret ward, und
begehrte auch Gottes Licht vollkömmlich in der siderischen Geburt zu sehen. 104. Aber es konnte nicht sein, denn es liegt der
Zornriegel davor, denn es kann auch die ganze Natur der siderischen Geburt in
dieser Welt das Licht Gottes nicht ergreifen, darum ist das Herze Gottes
verborgen, das doch an allen Enden wohnet und alles begreifet. 105. Also siehest du, daß der Tag sei vor der Zeit
der Sonnen und Sternen gewesen, denn da Gott sprach: Es werde Licht, Gen 1,3,
da ist das Licht durch die Finsternis gebrochen, und die Finsternis hats
nicht begriffen, sondern ist in seinem Sede blieben sitzen. 106. Auch so siehest du, wie der Zorn Gottes in
der äußersten Geburt der Natur verborgen liege und ruhe und kann nicht
aufgeweckt werden, die Menschen wecken ihn denn selber auf, welche auch mit
ihrer fleischlichen Geburt mit dem Zorne in der äußersten Geburt der Natur
inqualieren. 107. Darum ob nun jemand zur Höllen verdammt
würde, darf er nicht sagen, Gott habe es getan oder er wolle dasselbe,
sondern der Mensch erwecket das Zornfeuer selber in ihm, welches, wenn es
brennend wird, hernach mit Gottes Zorne und dem höllischen Feuer inqualieret
als ein Ding. 108. Wenn dein Licht verlöschen ist, so stehest du
in der Finsternis, und in der Finsternis ist der Zorn Gottes verborgen; wenn
du ihn aufweckest, so brennet er in dir. 109. In einem Steine ist auch Feuer. Wenn man aber
nicht drauf schläget, so bleibet das Feuer verborgen. Wenn man aber darauf
schläget, so springt das Feuer heraus. Ist dann etwas vorhanden, das des
Feuers fähig ist, so brennets und wird ein groß Feuer; also gehets auch mit
dem Menschen zu, wenn er das ruhende Zornfeuer anzündet. Von der Nacht 111. Daß sich das Wort erstlich auf dem Herzen
fasset und grunzet mit der herben Qualität, bedeut, daß sich der Hl. Geist
habe in der Finsternis gefasset über dem Herzen Gottes in der siderischen
Geburt der sieben Quellgeister. Daß er aber mit der herben Qualität grunzet,
bedeut, daß die Finsternis sei ein Widerwille wider den Hl. Geist gewesen, an
dem der Geist einen Mißfallen hat getragen. 112. Daß er aber gleichwohl durch die finstere
Straße gehet, bedeutet, daß der Geist durch die Finsternis, welche noch in
stiller Ruhe ist, auch gehe und die zum Lichte gebäre, so sie nur stille hält
und nicht das Feuer anzündet. 113. Allhier soll billig die richtende Welt sehen,
welche den Menschen in Mutterleibe will verdammen, da er doch nicht weiß, ob
das Zornfeuer von den Eltern in der Frucht sei ganz angezündet oder nicht;
daß auch der Geist Gottes in der Finsternis wallet, welche noch in der Ruhe
stehet und kann die Finsternis wohl zum Licht gebären. Dazu ist aber nun des
Menschen Geburtstunde dem Menschen sehr zuträglich und auch manchem sehr
schädlich, aber nicht zwinglich. 114. Daß sich aber das Maul zutut, wenn sich der
Geist über dem Herzen fasset und die herbe Qualität grunzet gegen und mit
ihm, bedeut, daß das ganze Revier oder der ganze Locus dieser Welt ist in der
siderischen und auch in der äußersten Geburt ganz finster gewesen und von dem
starken Ausgange des Geistes lichte worden. 115. Daß sich aber der bittere Geist nicht
aufwecket, indem der Geist durch seinen Locum gehet, bedeut die finstere
Nacht in der äußersten Geburt dieser Welt, die hat das Licht nie ergriffen
und wirds auch in Ewigkeit nicht ergreifen. 116. Dannenhero kommt, daß die Kreaturen nur mit
den Augen das siderische Licht sehen, sonst wo die Finsternis nicht noch in
der äußersten Geburt wäre, so könnte der siderische Geist durch Holz,und
Steine sehen, sowohl durch die ganze Erden, und würde von nichts abgehalten,
wie es im Himmel ist. 117. Aber nun ist die Finsternis von dem Licht
geschieden und bleibet in der äußersten Geburt. Darinnen ruhet der Zorn
Gottes bis an Jüngsten Tag, alsdann wird der Zorn angezündet werden, und wird
die Finsternis das Haus der ewigen Verderbnis sein. Darinnen wird Herr
Luzifer mit allen gottlosen Menschen, welche in die Finsternis im Zornacker
gesäet haben, ihre ewige Wohnung haben. 118. Die siderische Geburt aber, in welcher
jetzunder das natürliche Licht stehet und darinnen die heilige Geburt geboren
wird, die wird am Ende dieser Zeit auch angezündet werden, und wird sich der
Zorn und die heilige Geburt voneinander scheiden, denn der Zorn wird die
heilige Geburt nicht begreifen. 119. Es wird aber der Zorn in der siderischen
Geburt dem Hause der Finsternis zu einem Leben gegeben werden, und der Zorn
wird heißen das höllische Feuer, und das Haus der Finsternis, welches ist die
äußerste Geburt, wird heißen der Tod, und König Luzifer wird darinnen Gott
sein und seine Engel mit allen verdammten Menschen werden seine Diener sein. 120. In diesem Schlunde wird nun allerlei
höllische Frucht und Bildung aufgehen, alles nach höllischer Qualität und
Art, gleichwie im Himmel himmlische nach himmlischer Qualität und Art. 121. Also kannst du verstehen, was die Schöpfung
Himmels und der Erden bedeut und ist, und was Gott den ersten Tag gemacht
hat, wiewohl die ersten drei Tage mit Abend und Morgen nicht sind abgeteilet
gewesen, sondern es wird eine Zeit als 24 Stunden gerechnet, wie es in der
Höhe übern Monden eine Zeit und Tag ist. 122. Zum andern wird auch darum für einen
menschlichen Tag gerechnet, dieweil ohne Zweifel der Erdboden alsbald seine
Umwendung hat angefangen und sich in solcher Zeit, weil Gott das Licht von
der Finsternis geschieden hat, einmal umgewendet hat und seinen Lauf zum
erstenmal verrichtet. Das 20. Kapitel Von dem andern Tage Von dem andern Tage stehet geschrieben:
Und Gott sprach: Feste werde eine Feste zwischen den Wassern und die sei ein
Unterscheid zwischen den Wasser. Da machte Gott die Feste und scheidete das
Wasser unter der Festen von dem Wasser über der Festen, und es geschah also,
und Gott nennete die Feste Himmel; da ward aus Abend und Morgen der andere
Tag, Gen 1,6-8. 2. Diese Beschreibung zeiget abermal an, daß nicht
der teure Mann Moses der Autor dazu sei, denn es ist ganz unverständig und
einfältig geschrieben, wiewohl es doch gar trefflichen Verstand hat. 3. Ohne Zweifel hat solches der Hl. Geist nicht
wollen offenbaren, damit der Teufel nicht alle Geheimnisse in der Schöpfung
wüßte. Denn er selber, der Teufel, weiß nicht die Schöpfung des Lichts, wie
der Himmel aus dem Mittel des Wasser ist gemacht. 4. Denn er kann das Licht und die heilige
Gebärung, welche im Wasser des Himmels stehet, weder sehen noch begreifen,
sondern nur die Gebärung, welche in der herben, bittern, sauren und hitzigen
Qualität stehet, davon die äußerste Geburt ist entstanden, das ist sein
königlich Schloß. 5. Nicht also zu verstehen, daß er in dem
elementischen Wasser keine Gewalt habe, dasselbe zu besitzen, denn die
äußerste verderbte Geburt in dem elementischen Wasser gehöret auch zum Zorn
Gottes, und ist auch der Tod darinnen wie in der Erden. 6. Allein der Geist in Mose meinet allhie viel ein
ander Wasser, das der Teufel weder verstehen noch begreifen kann. So es aber
hätte sollen eine solche lange Zeit erkläret sein, so hätte es der Teufel von
dem Menschen erlernet und hätte ohne Zweifel seine höllische Spreu auch drein
gestreuet. 7. Darum hat es der Hl. Geist verborgen gehalten
bis auf die letzte Stunde vorm Abend, da seine tausend Jahre vollendet sind,
da er soll wieder los werden auf eine kleine Zeit, wie in der Offenbarung zu
lesen ist, Apok 20,3. 8. Weil er aber jetzo von den Ketten der
Finsternis los ist, so läßt Gott allenthalben in dieser Welt Lichter
aufstecken, damit ihn die Menschen sollen lernen kennen und sich vor ihm
hüten. 9. Ob er nicht los sei, gebe ich einem jeden zu
erkennen. Schaue nur die Welt bei dem hellen Lichte an, so wirst du finden,
daß jetzo alle vier neuen Söhne, welche der Teufel hat geboren, als (1)
Hoffart, (2) Geiz, (3) Neid, (4) Zorn. Diese regieren jetzo die Welt und sind
des Teufels Herze, seine animalischen Geister. 10. Darum schaue die Welt nur recht an, so wirst
du befinden, daß sie gänzlich mit diesen vier neuen Söhnen des Teufels
inqualieret. Darum ist sich nun vorzusehen, denn das ist die Zeit, davon alle
Propheten haben geweissaget und Christus saget im Evangelio: Meinest du auch,
daß des Menschen Sohn wird Glauben finden, wenn er wird wiederkommen, die
Welt zu richten? Luk 18,8. 11. Die Welt meinet wohl, sie stehe jetzt im Flor,
weil sie das helle Licht hat über sich schweben, aber der Geist zeiget mir,
daß sie mitten in der Höllen stehe. Denn sie verlässet die Liebe und hanget
am Geize, Wucher und Schinderei; es ist keine Barmherzigkeit bei ihr. 12. Ein jeder schreiet: Hätt ich nur Geld! Der
Gewaltige sauget dem Niedrigen das Mark aus den Beinen und nimmt ihm seinen
Schweiß mit Gewalt. 13. In Summa, es ist nur Lügen, Trügen, Morden und
Rauben, und heißt wohl recht des Teufels Nest oder Wohnhaus. 14. Das heilige Licht ist jetzo nur eine Historia
und Wissenschaft. Der Geist will darinnen nicht arbeiten, und vermeinen, das
sei der Glaube, den sie mit dem Munde bekennen. 15. 0 du blinde und törichte Welt, voll des
Teufels! Es ist kein Glaube, daß du weißt, daß Christus für dich gestorben
ist und hat sein Blut für dich vergossen, daß du sollst selig werden. Es ist
nur eine Historia und Wissenschaft. Der Teufel weiß es auch wohl, es hilft
ihm aber nichts, also auch du törichte Welt, lässets bei der Wissenschaft
bleiben, darum wird dich deine Wissenschaft richten. 16. Willst du aber wissen, was der recht Glaube
sei, so merke: Dein Herz muß nicht mit den vier Söhnen des Teufels
inqualieren in Hoffart, Geiz, Neid, Zorn, Wucher, Schinden, Schaben, in
Lügen, Trügen und Morden, dem Nächsten den Bissen vor Geiz aus dem Halse
reißen und nur Tag und Nacht auf List sinnen, wie du möchtest dem
Hoffart-Geiz-Neid- und Zornteufel wohl hofieren und genugtun, dich in
weltlichen Lüsten zu üben. 17. So spricht der Geist in seinem Eifer des Zorns
Gottes in dieser Welt: Weil dein Geist und Willen mit den vier Lastern des
Teufels inqualieret, so bist du nicht ein Geist mit Gott, und wenn du mir
gleich alle Stunden deine Lippen bötest und deine Knie vor mir beugtest, so
mag ich doch deiner Arbeit nicht, ist doch dein Odem ohne das immer vor mir.
Was soll mir der Weihrauch im grimmen Zorne? Meinest du, ich wolle den Teufel
in mich lassen oder wollte die Hölle in Himmel heben? 18. Kehre um und streite wider die Bosheit des
Teufels, und neide dein Herz gegen den Herrn deinen Gott und wandele in
seinem Willen. Wird sich dein Herze zu mir neigen, so will ich mich auch zu
dir neigen, oder meinest du, ich bin falsch wie du? 19. Also sage nun ich: So dein Herze in deiner
Wissenschaft nicht mit Gott inqualieret aus einem rechten Fürsatze der Lieb
so bist du ein Heuchler, Lügner und Mörder vor Gott; denn Gott erhöret
niemandes Gebet, das Herze richte sich denn in Gehorsam ganz in Gott. 20. Willst du wider den Zorn Gottes kämpfen, so
mußt du den Helm des Gehorsams und der Liebe anziehen, sonst brichst du nicht
durch; brichst du aber nicht durch, so ist dein Streit umsonst, und bleibest
einmal ein Diener des Teufels wie das ander. 21. Was hilft dich deine Wissenschaft, wenn du
nicht willst darinnen streiten? Nicht, es ist eben, als wenn einer einen
großen Schatz wüßte und suchte den nicht, den er doch wohl wüßte zu bekommen,
und stürbe Hungers bei seiner Wissenschaft. 22. Das saget der Geist: Viel Heiden, die deine
Wissenschaft nicht haben und streiten aber wider den Grimm werden dir das
Himmelreich zuvor besitzen. Wer will sie richten, wenn ihr Herze mit Gott
inqualieret, ob sie den gleich nicht kennen und arbeiten doch in seinem
Geiste in Gerechtigkeit und Reinigkeit ihres Herzens in rechter Liebe gegeneinander.
Die bezeugen ja, daß das Gesetze Gottes in ihrem Herzen sei, Rom 2,15. 23. Weils du es aber weißt und tusts nicht, jene
aber wissens nicht und tuns doch, so richten sie mit ihrem Tun deine
Wissenschaft, und du wirst als ein Heuchler erfunden, ein unnützer Knecht,
der in den Weinberg des Herrn ist gestellet und will darinnen nicht arbeiten.
24. Was meinest du wohl daß der Hausvater wird
sagen, wenn er sein überantwortet Pfund wird von mir fordern, und du wirst in
die Erde vergraben haben? Wird er nicht sagen: Du Schalksknecht, warum
liehest du nicht mein Pfund auf Zins aus, so hätte ich das Meine mit Wucher
gefordert? 25. Und es wird von dir das Leiden Christi gar
genommen und den Heiden gegeben werden, welche nur ein Pfund hatten und
gewähereten dem Hausvater fünfe, und du wirst mit den Hunden heulen müssen. 26. Nun merke: Wenn man nun will recht betrachten,
wie Gott habe das Wasser unter der Festen von dem Wasser über der Festen
geschieden, so finden sich allhier gar große Dinge. Denn das Wasser, das auf
Erden ruhet, da ist eben ein verderbet und tödlich Wesen wie die Erde und
gehöret auch zu äußersten Geburt, welche mit ihrer Begreiflichkeit im Tode
stehet gleichwie die Erde und Steine. 27. Nicht der Meinung, daß es gar von Gott
verstoßen sei, denn das Herze darinnen gehöret noch zur siderischen Geburt,
aus welcher die heilige Geburt geboren wird. 28. Es stehet aber der Tod in der äußersten
Geburt; darum ist das begreifliche Wasser von dem unbegreiflichen geschieden
worden. 29. Nun sprichst du, wie das ist? Siehe, das
Wasser in der Tiefe über der Erden, welches mit dem Element Luft und Feuer
inqualieret, das ist das Wasser der siderischen Geburt, darinnen das
siderische Leben stehet und darinnen vornehmlich der Hl. Geist wallet, auch
dadurch die dritte und innerste Geburt gebäret, dem Zorn Gottes darinnen
unbegreiflich. Es ist auch dasselbe Wasser vor unsern Augen gleich der Luft
anzusehen. 30. Daß aber wahrhaftig Wasser und Luft und Feuer
in der Tiefe über der Erden ineinander sei, kann ein jeder vernünftige Mensch
sehen und verstehen. 31. Denn du siehest oft die ganze Tiefe gar hell
und lauter und in einer Viertelstunde mit Wasserwolken bedeckt. 32. Das ist, wenn sie die Sternen von oben und das
Wasser auf Erden von unten anzündet, so gebäret sich alsbald Wasser, welches
wohl nicht geschehen würde, so nicht der Zorn in der siderischen Geburt auch
stünde. 33. Weil es aber alles verderbet ist, so muß das
obere Wasser im Zorn Gottes der herben, bittern und hitzigen Qualität der
Erden zuhilfe kommen und ihr Feuer löschen und sie sänftigen, damit das Leben
immer kann geboren und auch die heilige Geburt zwischen dem Tode und Zorn
Gottes könnte geboren werden. 34. Daß aber auch das Element-Feuer in der Tiefe
in Luft und Wasser regieren und sei, siehest du ja an dem Wetterleuchten.
Auch so siehest du, wie das Licht der Sonnen das Element-Feuer auf der Erden
mit ihrem Anstoße anzündet, da es doch manchmal in der Höhe in des Monden
Zirk gar kalt ist. 35. Nun aber hat Gott das begreifliche Wasser von
dem unbegreiflichen geschieden, und hat das begreifliche auf die Erden
gestellet und das unbegreifliche ist in der Tiefe blieben in seinem eigenen
Sitze, wie es von Ewigkeit gewesen ist. 36. Weil aber der Zorn auch in demselben Wasser in
der Tiefe über der Erden ist, so gebäret sich stets durch die Anzündung der
Sternen und des Wassers im Zorne solch begreiflich Wasser, welches mit seiner
äußersten Geburt im Tode stehet. 37. Welches, weil es mit der innersten Geburt mit
der siderischen inqualieret, dem Salitter der verderbten Erden zuhilfe kommt
und seinen Zorn löschet, damit in der siderischen Geburt alles im Leben
stehet und die Erde durch den Tod das Leben gebäret. Die Porten der Geheimnis 39. Die ganze Tiefe vom Monden bis an die Erde
stehet mit ihrer Wirkung alles in der zornigen und begreiflichen Geburt, denn
der Mond ist eine Göttin der begreiflichen Geburt, auch so ist das Haus des
Teufels, Todes und der Höllen in dem Revier und Zirk zwischen dem Monden und
der Erden. 40. Da dann der grimme Zorn Gottes in der
äußersten Geburt in der Tiefe von Teufeln und allen gottlosen Menschen
täglich angezündet und aufgeblasen wird durch die großen Sünden der Menschen,
welche noch mit der siderischen Geburt in der Tiefe inqualieren. 41. Nun hat Gott die Feste, welche Himmel heißt,
zwischen der äußersten und innersten Geburt gemacht, und die ist ein
Unterscheid zwischen der äußersten und innersten Geburt. 42. Denn die äußerste Geburt des Wassers kann die
innerste Geburt des Wassers nicht begreifen, welche Himmel heißt, der aus dem
Mittel des Wassers ist gemacht. 43. Nun aber stößet die innerste Geburt des
Himmels auf der Erden hart an und hält das äußerste Wasser auf Erden mit samt
der Erden hart gefangen. 44. Wenn das nicht wäre, so würde sich das Wasser
mit Umwendung des Erdbodens wieder zerteilen, auch so würde die Erde zerbrechen
und in die Tiefe zerstieben. 45. Nun aber hält dieselbe Feste zwischen dem
äußersten begreiflichen Wasser und dem innerlichen die Erde und das
begreifliche Wasser gefangen. 46. Möchtest du nun fragen: Was ist denn das für
eine Feste des Himmels, die ich weder sehen noch verstehen kann? Es ist die
Feste zwischen der klaren Gottheit und der verderbten Natur, durch welche du
mußt durchbrechen, wenn du zu Gott willst. Und ist eben die Feste, welche
nicht ganz im Zorne stehet und doch auch nicht ganz rein ist im Feuer, davon
geschrieben stehet: Es sind auch die Himmel nicht rein vor Gott, Hiob 15,15.
Und wird am Jüngsten Tage der Zorn davon gefeget werden. 47. Denn es stehet geschrieben: Himmel und Erde
vergehen, aber meine Worte vergehen nicht, spricht Christus Mat 24,35, Mark
13,31. 48. Nun aber ist das Unreine in demselben Himmel
der Zorn, das Reine aber ist das Wort Gottes, welches er einmal gesprochen
hat: Es scheide sich das Wasser unter der Festen von dem Wasser über der
Festen, Gen 1,7. Dasselbe Wort stehet nun da, und ist in die Feste des
Wassers gefasset und hält das äußerliche Wasser gefangen. Die Porten der Gottheit 50. Es ist wohl alles ein Corpus, die äußerste
Geburt und auch die innerste mit samt der Festen des Himmels sowohl auch die
siderische Geburt darinnen, in welcher der Zorn Gottes mit qualifizieret,
aber es ist gegeneinander wie das Regiment im Menschen. 51. Das Fleisch bedeut die äußerste Geburt,
welches ist das Haus des Todes; die andere Geburt im Menschen ist die
siderische, in welcher das Leben stehet und da Liebe und Zorn miteinander
streiten. 52. Und also weit kennet sich der Mensch selber,
denn die siderische Geburt gebäret in der äußersten, das ist im toten
Fleische das Leben. 53. Die dritte Geburt wird zwischen der siderischen
und äußersten geboren, und dieselbe heißt die animalische oder die Seele und
ist so groß als der ganze Mensch. Und dieselbe Geburt kennet und begreift der
äußere Mensch nicht, auch so begreifts der siderische nicht, sondern ein
jeder Quellgeist begreift nur seine anstehende Wurzel, welche bedeut den
Himmel. 54. Und derselbe animalische Mensch muß durch die
Feste des Himmels zu Gott dringen und mit Gott leben, anders kann der ganze
Mensch nicht in Himmel zu Gott kommen. 55. Denn ein jeder Mensch, der da will selig
werden, der muß mit seinen anstehenden Geburten sein wie die ganze Gottheit
mit allen drei Geburten in dieser Welt. 56. Nicht kann der Mensch ganz rein ohne Zorn und
Sünden sein, die die Geburten in der Tiefe dieser Welt sind auch nicht ganz
rein vor dem Herzen Gottes, Hieb 15, 15, sondern es ringet immer Liebe und
Zorn miteinander, davon sich Gott einen zornigen, eiferigen Gott heißt, Ex
20,5; 5,9. 57. Nun wie der Mensch ist in seinem
Geburt-Regimente also ist auch der ganze Leib Gottes dieser Welt. In dem
Wasser aber stehet das sanfte Leben. Erstlich ist in dem äußerlichen Leibe
Gottes dieser Welt der erstarrete, herbe, bittere und hitzige Tod, in welchem
das begreifliche Wasser auch erstarret und tot ist. 58. Und darinnen ist nun die Finsternis, darinnen
König Luzifer mit seinen Engeln, sowohl alle fleischlichen, gottlosen
Menschen auch noch mit lebendigem Leibe gefangen liegen, sowohl auch die
abgeschiedenen Geister der verdammten Menschen. 59. Diese Geburt kann das Herze Gottes weder
sehen, hören, fühlen, riechen noch begreifen, und ist eine Närrin, die König
Luzifer hat mit seiner Hoffart also zugerichtet. 60. Die andere Geburt ist die siderische: du mußt
verstehen der sieben Quellgeister Leben. Darinnen ist nun Liebe und Zorn
gegeneinander und darinnen stehet nun das Oberwasser, welches ein Geist des
Lebens ist, und darinnen oder dazwischen ist nun die Feste des Himmels,
welche aus dem Mittel des Wassers ist gemacht. 61. Diese Geburt dringet nun durch die äußerliche
erstarrete durch den Tod durch und gebäret das siderische Leben im Tod, das
ist, in der erstarreten Erden, Wasser und Fleisch der Tiere und Menschen,
auch Vögeln, Fischen und Würmern. 62. Bis in diese Geburt halb, alsviel der Zorn
begreift, kann der Teufel reichen, und tiefer nicht; und so weit ist seine
Wohnung, und tiefer nicht. Darum kann der Teufel nicht wissen, wie das ander
Teil in dieser Geburt eine Wurzel hat. 63. Und bis hieher ist der Mensch in seiner
Erkenntnis von der Welt her nach seinem Fall kommen. Die andere Wurzel,
welche Himmel heißt, hat der Geist dem Menschen verborgen gehalten bis daher,
damit sie der Teufel nicht von dem Menschen erlernete und dem Menschen vor
seinen Augen Gift drein streuete. 64. Dieses andere Teil der siderischen Geburt,
welches in der Liebe im süßen Wasser stehet, ist nun die Feste des Himmels,
die den angezündeten Zorn mit samt allen Teufeln gefangen hält. Denn darein
können sie nicht, und in diesem Himmel wohnet der Hl. Geist, der aus dem
Herzen Gottes ausgehet und streitet wider die Grimmigkeit und gebäret ihm
einen Tempel mitten in der Grimmigkeit des Zorns Gottes. 65. Und in diesem Himmel wohnet der Mensch, der
Gott fürchtet, auch noch mit lebendigem Leibe, denn derselbe Himmel ist in
dem Menschen sowohl als in der Tiefe über der Erden. Und wie die Tiefe über
der Erden ist, also ist auch der Mensch beides in Liebe und Zorn bis nach
Abscheidung der Seelen. Alsdann, wenn die Seele vom Leibe scheidet, so
bleibet sie allein im Himmel der Liebe oder im Himmel des Zorns. 66. Welch Teil sie allhie im Abscheiden hat
begriffen, das ist nun ihr ewig unauflöslich Wohnhaus und kann ewig daraus
nicht kommen, denn es ist eine Kluft zwischen ihnen, wie Christus beim
reichen Manne saget, Luk 16,26. 67. Und in diesem Himmel wohnen uns die heiligen
Engel bei, und in dem andern Teile die Teufel. Und in diesem Himmel lebet der
Mensch zwischen Himmel und Hölle, und muß von dem Grimme manchen harten Stoß,
Versuchung und Verfolgung leiden und sich manchmal wohl martern und quetschen
lassen. 68. Der Zorn heißt das Kreuze, und der
Liebe-Himmel heißt die Geduld, und der darinnen aufgehende Geist heißt die
Hoffnung und der Glaube, der mit Gott inqualieret und mit dem Zorne ringet
bis er sieget und überwindet, 1.Joh 5,4. 69. Und hierinnen steckt die ganze christliche
Lehre. Wer anders lehret, der weiß nicht, was er lehret, denn seine Lehre hat
keinen Fuß oder Grund, und sein Herze zappelt immer und jammert und weiß
nicht, was es tun soll. 70. Denn sein Geist suchet immer der Ruhe und
findet ihr nicht, dann ist er ungeduldig und suchet immer was Neues, und wenn
ers findet, so erkitzelt er sich darinnen, als hätte er einen neuen Schatz
funden, und ist doch keine Beständigkeit in ihm, sondern suchet stets
Abstinentia. 71. Ihr Theologi, allhier tut euch der Geist Tür
und Tor auf. Wollt ihr nun nicht sehen und eure Schäflein auf grüner Weide
weiden, sondern auf dürrer Heide, so sollt ihr das vor dem ernsten und
zornigen Gerichte Gottes verantworten; da sehet eben zu! 72. Ich nehme den Himmel zum Zeugen, daß ich
allhie verrichte, was ich tun muß, denn der Geist treibet mich dazu, daß ich
auch mit ihm gänzlich gefangen bin und mich seiner nicht erwehren kann,
vielleicht was mir auch immer hernach begegnen möchte. Die heilige Porten 74. Und dieselbe dritte Geburt ist das allmächtige
und heilige Herze Gottes. Darinnen sitzet unser König Jesus Christus mit
seinem natürlichen Leibe zur Rechten Gottes als ein König und Herr des ganzen
Leibes oder Loci dieser Welt, der mit seinem Herzen alles umfasset und hält. 75. Und dieselbe Feste des Himmels ist sein Stuhl,
und die Quellgeister seines natürlichen Leibes herrschen in dem ganzen Leibe
dieser Welt, und ist alles mit ihnen verbunden, was in der siderischen Geburt
im Teil der Liebe stehet, das andere Teil dieser Welt ist mit dem Teufel
verbunden. 76. Du mußt nicht denken, wie Johannes Calvus oder
Calvinus gedacht hat, der Leib Christi sei ein unallmächtig Wesen und
begreife nicht weiter als den Locum in sich. 77. Nein, du Menschenkind, du irrest und
verstehest die göttliche Kraft nicht recht. Begreift doch ein jeder Mensch in
seinen siderischen Quellgeistern den ganzen Locum oder Leib dieser Welt und
der Locus begreift den Menschen. Es ist als ein Leib, allein nur
unterschiedliche Glieder. 78. Wie wollten denn die Quellgeister in dem
natürlichen Leibe Christi nicht mit den Quellgeistern der Natur inqualieren?
Ist doch sein Leib auch aus den Quellgeistern der Natur und sein Herze
animalisch aus der dritten Geburt, welches ist das Herze Gottes, das aller
Engel und aller Himmel Himmel, ja den ganzen Vater begreift. 79. Ihr Calvanisten, allhier stehet ab von eurer
Meinung, ihr irret, und martert euch nicht mit dem begreiflichen Wesen, denn
Gott ist ein Geist, Joh 4,24; und in der Begreiflichkeit stehet der Tod. 80. Der Leib Christi ist nicht mehr in der harten
Begreiflichkeit, sondern in der göttlichen Begreiflichkeit der Natur, gleich
den Engeln. 81. Denn unsere Leiber werden auch in der
Auferstehung nicht in solchem harten Fleische und Beinen bestehen, sondern
sind gleich den Engeln, und obgleich alle Forma und Kraft wird darinnen sein,
auch alle Geschicklichkeit, bis auf die Geburtsglieder, die werden in einer
andern Forma stehen, sowohl auch das Eingeweide der Därme, so werden wir doch
nicht die harte Begreiflichkeit haben. 82. Denn Christus saget zu Maria Magdalena im
Garten Josephs beim Grabe nach seiner Auferstehung: Rühre mich nicht an, denn
ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Gott und zu eurem Gott, Joh 20.17.
Als wollte er sagen: Ich habe nun nicht mehr den tierischen Leib, und ob ich
mich dir gleich in meiner alten Gestalt erzeige, sonst könntest du mich in
deinem tierischen Leibe nicht sehen. 83. Auch so wandelte er die 40 Tage nach seiner
Auferstehung nicht immer unter den Jüngern sichtlich, sondern unsichtlich
nach seiner himmlischen und englischen Eigenschaft, sondern wenn er wollte
mit den Jüngern reden, so erzeigte er sich in begreiflicher Gestalt, damit er
könnte natürliche Worte mit ihnen reden, denn die göttliche kann die
Verderbung nicht begreifen. 84. Auch so zeigets genug an, daß sein Leib
englische Art habe, indem er ist zu seinen Jüngern durch verschlossene Tür
gegangen, Joh 20.19. 85. Also sollst du nun wissen, daß sein Leib mit
allen sieben Geistern in der Natur inqualieret in der siderischen Geburt im
Teil der Liebe und hält die Sünde, den Tod und Teufel in einem Zornteil
gefangen. 86. Also verstehest du nun, was Gott den andern
Tag gemacht hat, als er das Wasser unter der Festen von dem Wasser über der
Festen geschieden hat. Auch so siehest du, wie du in dieser Welt überall im
Himmel und auch in der Hölle bist, und wohnest zwischen Himmel und Hölle in
großer Gefahr. 87. Auch so siehest du, wie auch der Himmel in
einem heiligen Menschen ist und allenthalten, wo du stehest oder gehest oder
liegest, so dein Geist nur mit Gott inqualieret, so bist du demselben Teil
nach im Himmel und deine Seele in Gott. Darum spricht auch Christus: Meine
Schäflein sind in meinen Händen und niemand wird mir sie ausreißen, Joh
10,28. 88. Desgleichen siehest du, wie du dem Zorn nach
allezeit in der Höllen bist bei allen Teufeln. Wenn dir deine Augen nur
eröffnet wären, so solltest Wunder sehen, aber du stehest zwischen Himmel und
Hölle, und kannst sehen und wandelst gar auf einem schmalen Stege. 89. Es sind etliche Menschen zu mancher Stunde dem
siderischen Geiste nach in entritten worden, wie man es nennet, und haben
alsbald auch des Himmels und der Höllen Porten erkannt, auch angezeiget, wie
mancher Mensch mit lebendigem Leibe in der Höllen wohnet. Derer hat man zwar
gespottet, aber mit großem Unverstande, denn es verhält sich also. Dieses
will ich an seinem Orte ausführlich auch beschreiben, was es für eine Gestalt
mit ihnen hat. 90. Daß es aber eine zweifache Geburt mit dem
Wasser habe, will ich allhie mit der Sprache der Natur auch beweisen, denn es
ist die Wurzel oder Mutter aller Sprachen, die in dieser Welt sind, und
stehet die ganze vollkömmliche Erkenntnis aller Dinge hierinnen.
92. Nun merke: Das Wort "Wasser" stößet
aus dem Herzen und macht die Zähne zu, und gehet über die herbe und bittere
Qualität und reget sie nicht, und führt durch die Zähne raus, und die Zunge
rafft sich mit zum Geiste und hilft zischen, und inqualieret mit dem Geiste,
und der Geist gehet ganz mächtig durch die Zähne raus. 93. Wenn aber der Geist zum meisten Teil raus ist,
so rafft sich erst der herbe und bittere Geist auf und inqualieret erst
hinten nach mit dem Worte. Er bleibet aber in seinem Sede sitzen und zerret
mächtig in der Silbe "Ser" nach. 94. Daß sich nun der Geist im Herzen fasset und
fährt hervor und macht die Zähne zu und zischet mit der Zungen durch die
Zähne, bedeutet, daß sich das Herze Gottes habe beweget und mit seinem Geiste
einen Schluß um sich gemacht, welches ist die Feste des Himmels; gleichwie
sich die Zähne zumachen und der Geist gehet durch die Zähne, also auch gehet
der Geist aus dem Herzen in die siderische Geburt. 95. Und gleichwie sich die Zunge mit zum Zischen
bildet und inqualieret mit dem Geiste und wallet mit ihm, also bildet sich
die Seele des Menschen mit den Hl. Geiste und inqualieret mit demselben, und
dringet mit in Kraft desselben durch den Himmel und herrschet mit im Worte
Gottes. 96. Daß sich aber erst hinten nach die herbe und
bittere Qualität aufwecket und bildet sich hinten nach zum Wort, bedeut, daß
es zwar alles ein Leib ist, aber der Himmel und der Hl. Geist samt dem Herzen
Gottes hat seinen Sedem für sich; und kann der Teufel samt dem Zorne weder
den Hl. Geist noch den Himmel ergreifen, sondern es hänget der Teufel mit dem
Zorne in der äußersten Geburt am Worte, und hilft der Zorn in der äußersten
Geburt in dieser Welt alles bilden, was in der Begreiflichkeit stehet,
gleichwie die herbe und bittere Qualität sich hinten nach zum Worte bilden
und inqualieren mit demselben. 97. Daß aber der Geist erstlich also über die
herbe und bittere Qualität gehet unvermerkt, bedeut, daß die Porten Gottes
überall in dieser Welt ist, da der Hl. Geist herrschet, und daß der Himmel
überall offen stehet, auch mitten in der Erden, und daß der Teufel den Himmel
nirgends kann weder sehen noch begreifen, sondern er ist ein murrender und
kirrender Höllenhund, der erst hinten nachkommt, wenn der Hl. Geist ihme hat
eine Kirche und Tempel gebauet, und denselben im Zorne zerstöret, und hanget
hinten nach am Worte als ein Feind, der nicht will, daß ihm in seinem Lande
soll ein Tempel Gottes gebauet werden, damit sein Reich möchte geschmälert
werden. Das 21. Kapitel Von dem dritten Tage Obgleich der Geist in den
Schriften Mosis die tiefesten Geheimnisse im Buchstaben hat verborgen
gehalten, gleichwohl ist alles so gar ordentlich beschrieben, daß an der
Ordnung kein Mangel ist. 2. Denn als Gott durchs Wort hat Himmel und Erden
geschaffen und hat das Licht von der Finsternis geschieden und hat jedem
Dinge seinem Sedem gegebem, so hat alsbald jedes seine Geburt und
Qualifizierung angefangen. 3. Den ersten Tag hat Gott den verderbten
Salitter, welcher ist in der Anzündung seines Zorns worden, zusammengetrieben
oder durch den starken Geist geschaffen, denn das Wort "Schuf"
heißt hie eine Zusammentreibung. 4. In dieser Zusammentreibung des verderbten
Zorn-Salitters ist auch König Luzifer als ein unmächtiger Fürst mit samt
seinen Engeln in die Hölle des Zorn-Salitters in den Locum, wo die äußerliche
halbtote Begreiflichkeit geboren wird, getrieben worden, welches ist der Raum
zwischen der Naturgöttin, dem Monden und der toten Erden. 5. Als nun dieses geschehen ist, so ist die Tiefe
helle worden und hat sich mit dem verborgenen Himmel das Licht von der
Finsternis geschieden, und ist die Kugel der Erden in dem großen Rade der
Natur einmal umgewandt gewesen, und ist hiermit die Zeit einer Umwendung oder
eines Tages vergangen, welches 24 Stunden in sich hält. 6. Die andere Tagelänge ist die scharfe Scheidung
angegangen, und ist die unbegreifliche Kluft zwischen den Zorn und zwischen
die Liebe des Lichts gemacht worden, und ist König Luzifer in dem Hause der
Finsternis feste verriegelt und zum endlichen Gerichte behalten worden. 7. Auch so ist das Wasser des Lebens von dem
Wasser des Todes geschieden worden, jedoch mit der Gestalt, daß es in dieser
Zeit der Welt aneinander bange wie Leib und Seele, und doch keines das ander
begreife, sondern der Himmel, welcher aus dem Mittel des Wassers ist gemacht
worden, ist eine Kluft zwischen ihnen, daß also das begreifliche Wasser sei
ein Tod und das unbegreifliche sei das Leben. 8. Also regieret nun der unbegreifliche Geist, welcher
ist Gott, allenthalben in dieser Welt und erfüllet alles. Und der
Begreifliche hanget an ihm und wohnet in der Finsternis und kann den
Unbegreiflichen weder sehen, hören, riechen noch fühlen, sondern seine Werke
siehet er und ist ein Zerstörer derselben. 9. Als nun Gott den Teufel in die Finsternis
gebunden durch den Schluß des Himmels, welcher Himmel allenthalben an allen
Enden ist, so fing er wieder an seine wunderliche Geburt in dem siebenten
Naturgeiste und gebar sich alles wiederum, wie es von Ewigkeit getan hatte.
Denn so schreibet Moses: Und Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Kraut
und Gras, das sich besame, und fruchtbare Bäume, da ein jegliches nach seiner
Art Frucht trage und habe seinen eigenen Samen bei ihm selbst auf Erden, und
es geschah also. Und die Erde lies aufgehen Gras und Kraut, das sich besamet,
ein jegliches nach seiner Art, und Bäume, die da Frucht trugen und ihren
eignen Samen bei sich hatten, ein jeglicher nach seiner Art. Und Gott sah,
daß es gut war; da ward aus Abend und Morgen der dritte Tag, Gen 1,11-13. 10. Dieses ist zwar ganz recht und eigentlich
beschrieben, aber der rechte Grund steckt im Worte verborgen und ist von dem
Menschen niemalen verstanden worden. Denn der Mensch hat seit der Zeit des
Falles niemals können die innerliche Geburt begreifen, wie da sei die
himmlische Geburt, sondern seine Vernunft ist in der äußerlichen
Begreiflichkeit gefangen gelegen und hat nicht können durch den Himmel
durchdringen und die innerliche Geburt Gottes schauen, welche auch ist in der
verderbten Erden und allenhalben. 11. Du darfst allhie nicht denken, daß Gott was
Neues gemacht habe, das vorhin nicht gewesen sei, denn wenn das wäre, so wäre
ein anderer Gott worden, welches doch nicht möglich ist. 12. Denn außer diesem einigen Gott ist nichts.
Denn es ist auch der Höllen Porten nicht außer diesem einigen Gott; allein
eine Entscheidung ist worden zwischen der Liebe im Lichte und zwischen dem
angezündeten Zorn in der Finsternis, und kann eines das ander nicht
begreifen, und bangen doch aneinander als ein Leib. 13. Der Salitter, daraus die Erde ist worden, der
ist von Ewigkeit gewesen, und ist in dem siebenten Quellgeiste gestanden,
welches ist der Naturgeist, und die andern sechs haben den siebenten immer
geboren, und sie sind damit umschlossen oder als in ihrer Mutter Leibe
gefangen gelegen, und sind des siebenten Kraft und Leben gewesen, gleichwie
die siderische Geburt im Fleische. 14. Als aber König Luzifer den Zorn in dieser
Geburt erreget hat und mit seinem Hochmut den Gift und Tod drein bracht hat,
so hat sich in der zornigen Geburt, in der Grimmigkeit oder Stachel des Todes
solche Erde und Steine geboren. 15. Auf dieses ist nun die Ausspeiung erfolget,
denn die Gottheit konnte solche Geburt in der Liebe und im Lichte Gottes
nicht leiden, sondern der verderbte Salitter mußte auf einen Klumpen
getrieben werden und Herr Luzifer mit ihm, und verlosch zuhand das eingeborne
Licht in dem verderbten Salitter, und ward der Schluß des Himmels zwischen
den Zorn und zwischen die Liebe gemacht, auf daß sich nicht mehr solcher
Salitter gebäre, und daß der Himmel den Zorn in der äußersten Geburt in der
Natur in der Finsternis gefangen hielte und eine ewige Entscheidung zwischen
ihnen sei. 16. Als aber dies in zwei Tagen vollendet war, so
ging am dritten Tage das Licht auf in der Finsternis, und die Finsternis samt
ihrem Fürsten konnte es nicht begreifen. Denn da ging aus der Erden auf Gras
und Kraut und Bäume, dabei stehet nun geschrieben: Ein jegliches nach seiner
Art, Gen 1,12. 17. In diesem Worte steckt der Kern der ewigen
Geburt verborgen und kann mit Fleisch und Blut nicht ergriffen werden, sondem
der Hl. Geist muß durch die seelische Geburt die siderische im Menschen
anzünden, sonst ist er hierinnen blind und verstehet nichts als von Erden und
Steinen und von Gras, Kraut und hölzernen Bäumen. Allhie stehet nun
geschrieben: Gott sprach: Es lasse die Erde aufgehen Gras und Kraut und
fruchtbare Bäume. 18. Hie merke: Das Wort "Sprach" ist ein
ewiges Wort, und ist vor den Zeiten des Zorns von Ewigkeit in diesem Salitter
gewesen als er noch in himmlischer Form und Leben stund, und ist auch in
seinem Centro nie gar gestorben, sondern nur in der Begreiflichkeit. 19. Als aber das Licht in der äußerlichen
Begreiflichkeit oder im Tode wieder aufging, so stund das ewige Wort in
voller Geburt und gebar durch und aus dem Tode das Leben, und brachte der
verderbte Salitter nun wieder Früchte hervor. 20. Weil aber das ewige Wort mit der Verderbung im
Zorn mußte inqualieren, so wurden die Leiber der Früchte bös und gut. Denn
aus der Erden, welche ist im Tode, mußte die äußerliche Geburt der Früchte
werden. So mußte aus der siderischen Geburt, welche stehet in Liebe und Zorn
der Geist oder das Leben werden. 21. Denn also stund die Geburt der Natur in der
Zeit der Anzündung, und ward also in die Erde mit einkorporieret, und mußte
auch in solcher Geburt wieder aufgehen. Denn es stehet geschrieben, daß die
tote Erde soll lassen Gras und Kraut und Bäume aufgehen, ein jegliches nach
seiner Art. 22. Das ist nach Art und Qualität, wie es von
Ewigkeit in himmlischer Qualität, Art und Form gewesen war. Denn das heißt
seine eigene Art, die in Mutterleibe empfangen ist, und ist für Naturrecht
sein als sein eigen Leben. 23. Also hat auch die Erde kein fremd Leben
hervorbracht als das, das von Ewigkeit in ihr gewesen ist. Gleichwie sie vor
der Zeit des Zorns hat himmlische Früchte bracht, die da haben einen
heiligen, reinen, himmlischen Leib gehabt, und sind eine Speise der Engel
gewesen; also brachte sie nun auch jetzt Früchte hervor nach ihrer
begreiflichen, harten, bösen, zornigen, giftigen, halbtoten Art, denn wie die
Mutter war, also wurden auch die Kinder. 24. Nicht sind die Früchte der Erden darum ganz in
Zorn Gottes, denn das eingekorporierte Wort, welches unsterblich und
unverderblich ist, das von Ewigkeit ist in dem Salitter der Erden gewesen,
das grünete wieder in dem Leibe des Todes und brachte Früchte aus dem
erstorbenen Leibe der Erden, aber die Erde hat das Wort nicht ergriffen,
sondern das Wort die Erde. 25. Und wie nun war die ganze Erde mit samt dem
Wort, also war auch die Frucht. Das Wort aber blieb im Centro des Himmels,
welcher an dieser Stätte auch ist, verborgen, und ließ die Geburt der sieben
Quellgeister aus der äußersten, verderbten und toten den Leib formieren, und
sie blieb als das Wort und Herze Gottes in ihrem himmlischen Sede sitzen, auf
dem Throne der Majestät, und erfüllete die siderische und auch tote Geburt,
aber ihnen als das heilige Leben ganz unbegreiflich. 26. Nicht sollst du denken, daß darum die äußerste
tote Geburt der Erden habe ein solch Leben durchs aufgegangene Wort kriegt,
daß sie nicht mehr ein Tod sei und daß in ihrer Frucht nicht der Tod sei;
nein, das kann ewig nicht sein, denn was in Gott einmal tot ist, das ist tot
und wird in seiner eigenen Gewalt ewig nicht wieder lebendig, sondern das
Wort, welches mit der siderischen Geburt inqualieret im Teil der Liebe, das
gebäret durch die siderische Geburt durch den Tod das Leben. 27. Denn du siehest ja, wie alle Früchte der
Erden, was sie aus sich gebieret, verfaulen müssen und sind auch ein Tod. 28. Daß aber die Früchte einen andern Leib
bekommen als die Erde, der da viel kräftiger, schöner, wohlschmeckender und
wohlriechender ist, das machts, daß die siderische Geburt vom Worte die Kraft
nimmt und formet einen andern Leib, der da stehet halb im Tod und halb im
Leben, und stehet zwischen der Liebe verborgen. 29. Daß aber die Früchte auf dem Leibe viel
lieblicher, süßer und milder sind mit gutem Geschmacke, das ist die dritte
Geburt aus der Erden, nach welcher die Erde wird gereiniget werden am Ende
dieser Zeit und wieder in ihren ersten Locum gesetzt werden; aber der Zorn
wird im Tode bleiben. Die freudenreiche Porten
der Menschen 31. Und das tat er nicht, sondern griff zurück aus
der Liebe in Zorn und ließ sich nach seiner toten Mutter gelüsten, davon zu
essen und ihre Brust zu saugen und auf ihrem Stamme zu stehen. 32. Nun wie er rang, so gelang es ihm auch. Der
hat sich mit seiner äußersten Geburt in Tod seiner Mutter bracht und mit
seinem Leben aus der Liebe in das Teil der zornigen siderischen Geburt. 33. Da stehet er nun zwischen Himmel und Hölle dem
Teufel im Augenscheine in seinem Reiche, wider welchen der Teufel stets
krieget und streitet, ihn entweder aus seinem Lande zu verbannen in die Erde
oder ein Kind des Zorns in der Hölle aus ihm zu machen. 34. Was ist nun seine Hoffnung? Siehe, du blinder
Heide, siehe, du Schriftzerrer und -dehner, tue deine Augen weit auf und
schäme dich nicht vor dieser Einfalt, denn Gott liegt im Centro verborgen und
ist noch viel einfältiger, aber du siehest ihn nicht. 35. Siehe, dein Geist oder deine Seele wird aus
deiner siderischen Geburt geboren und ist die dritte Geburt in dir, gleichwie
der Apfel auf dem Baum die dritte Geburt von der Erden ist und sein Gewächs nicht
in der Erden hat, sondern über der Erden. So er nun ein Geist wäre wie deine
Seele, so würde er sich die Erde wohl nicht mehr binden lassen zu verderben. 36. Das sollst du aber wissen, daß der Apfel auf
seinem Stamme gleichwohl mit seiner innersten Geburt mit dem Wort Gottes
inqualieret, durch welches Kraft er ist aus der Erden gewachsen. Weil aber
der Zorn in seiner leiblichen Mutter ist, so kann sie ihn nicht aus der
begreiflichen Geburt setzen, sondern er muß mit seinem Leibe in der
Begreiflichkeit im Tode bleiben, 37. Aber in seiner Kraft, in welcher sein Leben
stehet, mit welcher mit dem Worte Gottes inqualieret, wird er am Jüngsten
Tage in seiner Mutter in Kraft des Worts wieder in seinen himmlischen Locum
gesetzet und von der zornigen und toten Begreiflichkeit geschieden werden,
und im Himmel dieser Welt aufgehen in himmlischer Form und eine Frucht sein
der Menschen in jenem Leben. 38. Weil du aber bist aus dem Samen der Erden
gemacht im Worte und hast deinen Leib wieder zurücke in die Mutter gesetzt,
so ist dein Leib auch ein begreiflich toter Leib worden, wie deine Mutter
ist. Und dein Leib hat die Hoffnung wie die Erde seine Mutter, daß er wird am
Jüngsten Tage in Kraft des Wortes wieder in seinen ersten Locum gesetzet
werden. 39. Weil aber deine siderische Geburt allhie auf
Erden im Zorn stehet und inqualieret mit der Liebe im Worte, gleichwie die
Frucht auf dem Baume, denn die Kraft der Frucht inqualieret mit dem Worte, so
stehet deine Hoffnung in Gott. 40. Denn die siderische Geburt stehet in Liebe und
Zorn, und des kann sie sich in dieser Zeit nicht benehmen von wegen der
äußersten Geburt im Fleische, welche im Tode stehet. 41. Denn das tote Fleisch hat die siderische
Geburt umfangen, und ist des Menschen Fleisch ein tot Aas, weil es noch im
Mutterleib ist und mit der Höllen und Gottes Zorn umfangen. 42. Nun aber gebäret die siderische Geburt die
animalische als die dritte, welche im Worte stehet, da das Wort
eingekorporieret im Centro verborgen lieget in seinem Himmel. 43. Weil du nun aber deine Vernunft hast und bist
nicht wie der Apfel auf dem Baume, sondern bist zu einem Engel und Gottes
Ebenbilde an der verstoßenen Teufel Stelle geschaffen und weißt, wie du
kannst mit deiner siderischen Geburt im Teil der Liebe mit dem Wort Gottes
inqualieren, so kannst du deine animalische Geburt im Centro in das Wort im
Himmel setzen, und kannst mit deiner Seelen mit lebendigem Leibe in dieser
toten Begreiflichkeit mit Gott im Himmel herrschen. 44. Denn das Wort ist in deinem Herzen und inqualieret
mit der Seelen als ein Wesen, und so deine Seele in der Liebe stehet, so ist
es auch ein Wesen, und magst sagen, daß du deiner Seelen nach im Himmel
sitzest und lebest und herrschest mit Gott. 45. Denn die Seele, welche das Wort ergreifet, die
hat eine offene Porten im Himmel und kann von nichts gehalten werden, auch so
siehet sie der Teufel nicht, denn sie ist nicht in seinem Lande. 46. Weil aber deine siderische Geburt mit dem
einen Teil im Zorne und das Fleisch durch den Zorn im Tode stehet, so siehet
dir der Teufel im Teil des Zorns stets bis in dein Herz hinein; und lässest
du ihm Raum, so reißt er dir das Teil der siderischen Geburt, welches in der
Liebe stehet, aus dem Worte. 47. Alsdann ist dein Herze ein finster Tal.
Arbeitest du nicht bald wieder zur Geburt des Lichts, so zündet er dir das
Zornfeuer drinnen an. Alsdann wird deine Seele aus dem Worte ausgespeiet und
inqualieret mit dem Zorn Gottes, und du bist hernach ein Teufel und nicht ein
Engel und kannst mit deiner animalischen Geburt nicht die Porten des Himmels
erreichen. 48. So du aber mit dem Teufel streitest und
behältst die Porten der Liebe in deiner siderischen Geburt und fährest also
dem Leibe nach von hinnen, so bleibet deine Seele im Worte dem Teufel ganz
verborgen, und herrschet mit Gott bis an den Tag der Wiederbringung, was
verloren ist. 49. So du aber im Zorne stehest mit deiner
siderischen Geburt, wenn du dem Leibe nach von hinnen fährest und deine Seele
nicht ins Wort gefasset ist, so erreichest du die Porten des Himmels ewig
nicht, sondern wo du deinen Samen, das ist deine Seele hingesäet hast, in
demselben Teil wird auch der Leib aufstehen. Die Porten der Kraft 51. Das ist aber zu bedenken, wie alles in dem
großen Aufruhr des Teufels ist ins Wort eingefaßt gewesen, daß alles ist in
seinem eigenen Wesen nach seiner Kraft und Art aufgangen, als wäre es nie
zerstöret, sondern nur verändert worden. 52. Ist es nun zu der Zeit geschehen, da solch
Morden und Rauben ist gewesen, so wird es am Jüngsten Tage vielmehr
geschehen, wenn sich die Erde im angezündeten Zornfeuer wird scheiden und
wieder lebendig werden. So wird sie ja freilich ins Wort der Liebe sein
eingefaßt, gleichwie sie in demselben Worte allhie hat ihre Frucht geboren
von Gras und Kraut und Bäumen, sowohl allerlei Erz von Silber und Gold. 53. Weil aber die siderische Geburt der Erden in
der Liebe stehet und die äußerliche im Tode, so wird auch ein jedes in seinem
Sede bleiben und sich Leben und Tod scheiden. 54. Wo wollte nun die Seele des Menschen am Tage
der Wiedergeburt wollen lieber sein als in ihrem Vater, das ist in dem Leibe,
der sie geboren hat? 55. Weil sie aber diese Zeit, weil der Leib ist im
Tode gewesen, ist im Worte verborgen blieben und dasselbe Wort auch die Erde
hält in der siderischen Geburt in der Liebe, so inqualieret sie auch durchs
Wort die Zeit ihrer Verborgenheit mit ihrer Mutter dem Leibe nach der
siderischen Geburt in der Erden und ist Leib und Seele in dem Worte nie
voneinander geschieden, sondern leben zugleich in Gott. 56. Und obgleich der tierische Leib muß verfaulen,
noch lebet seine Kraft und wachsen aus seiner Kraft derweil in seiner Mutter
schöne Röslein und Blümlein, und ob er gleich im Feuer verbrannt wäre, so
stehet seine Kraft doch in den vier Elementen im Worte und inqualieret die
Seele mit ihm, denn die Seele ist im Himmel und derselbe Himmel ist überall,
auch mitten in der Erden. 57. Mensch, in diesem Spiegel besiehe dich
derweil. Bei der Schöpfung des Menschen wirst du es ausführlicher finden zu
lesen. Dieses setze ich dir nur hierher aus den Ursache, daß du die Kraft der
Schöpfung möchtest besser verstehen und daß du dich in diesen Geist lernest
desto baß schicken und seine Sprache erlernen. Die offene Porten der Erden
59. Solche Meinungen habe ich in der Doktoren
Bücher und Schriften gelesen; und eben darum ist auch so vielerlei Meinung
und Zank unter den Gelehrten entstanden. 60. Weil mir aber Gott die Porten seines Wesens in
seiner großen Liebe eröffnet und denket an den Bund, den er mit dem Menschen
hat, so will ich alle Porten Gottes ganz treulich und ernstlich nach meinen
Gaben eröffnen und aufschließen, so weit mir Gott zulässet. 61. Nicht also zu verstehen, daß ich diesen Dingen
mächtig genug sei, sondern soviel ich begreifen kann. Denn das Wesen Gottes
ist wie ein Rad, da viel Räder quericht, über sich und unter sich ineinander
gemacht sind, und sich immer miteinander umwenden; da man zwar das Rad siehet
und sich hoch verwundert und doch auf einmal in seiner Umwendung nicht erlernen
noch begreifen kann, sondern je mehr man das Rad ansiehet, je mehr erlernet
man seine Gestalt; und je mehr man lernet, je größere Lust hat man zu dem
Rade, denn man siehet immer was Wunderbarliches, und kann sich ein Mensch
nicht genug sehen und lernen. 62. Also auch ich, was ich an einem Orte nicht
genug beschreibe von dieser großen Geheimnis, das wirst du am andern finden.
Und was ich in diesem Buche nicht kann beschreiben von wegen der Länge und
meiner Unbegreiflichkeit, das sollst du in dem andern nachfolgenden finden. 63. Denn dieses Buch ist das erste Gewächse dieses
Zweigleins, das da grünet in seiner Mutter, gleichwie ein Kind, das da lernet
gehen und kann nicht bald sehr laufen. 64. Denn obgleich der Geist das Rad siehet und
will seine Cestalt an jedem Orte begreifen, so kann er doch nicht genugsam
von wegen des Rades Umwendung. Wenn aber das wiederum kommt, daß er seine
erste gefaßte Gestalt wieder siehet, so lernet er immer was mehr und wird dem
Rade immer günstiger und liebet dasselbe. 65. Nun merke: Die Erde hat eben solche Qualitäten
und Quellgeister wie die Tiefe über der Erden oder wie die Himmel, und
gehöret alles miteinander zusammen zu einem Leibe. Und der ganze Gott ist
derselbe einige Leib. Daß du ihn aber nicht gänzlich siehest und kennest, das
ist der Sünden Ursache, mit welcher du in diesem göttlichen großen Leibe im
toten Fleische verschlossen liegest. Und ist dir die Kraft der Gottheit
verborgen, gleichwie das Mark in den Beinen dem Fleische verborgen ist. So du
aber im Geiste durchbrichst durch den Tod des Fleisches, so siehest du den
verborgenen Gott. Gleichwie das Mark in den Beinen durchbricht und gibt dem
Fleische Kraft und Stärke, und das Fleisch kann doch nicht das Mark
ergreifen, sondern nur seine Kraft, also auch du kannst die verborgene
Gottheit nicht im Fleische sehen, sondern du empfähest seine Kraft und
verstehest darinnen, daß Gott in dir wohnet. 66. Denn das tote Fleisch gehöret nicht in die
Geburt des Lebens, daß es das Leben des Lichts eigentümlich empfahe, sondern
das Leben des Lichts in Gott gehet in dem toten Fleische auf und gebäret ihm
aus dem toten Fleische einen andern himmlischen und lebendigen Leib, welcher
das Licht kennet und verstehet. 67. Denn dieser Leib ist nur eine Hülse, daraus
der neue Leib wächset, gleichwie mit dem Weizenkorne auf Erden. Die Hülse
aber wird nicht wieder aufstehen und lebendig werden, gleichwie auch am
Weizen nicht geschieht, sondern wird ewig im Tode und in der Höllen bleiben. 68. Darum träget der Mensch des Teufels ewig
Wohnhaus allhie auf Erden in seinem Leibe mit sich. Du magst wohl damit
prangen, du schöne Göttin, und magst den Teufel derweil in die neue Geburt zu
Gaste laden, es wird dir viel Nutzen schaffen; schaue zu, daß du nicht einen
neuen Teufel gebärest, der in seinem eignen Hause bleibe. 69. Schaue die Geheimnis der Erden an, wie sie
gebäret, so mußt du auch gebären. Die Erde ist nicht der Leib, der
herauswächst, sondern sie ist dessen Leibes Mutter, gleichwie auch dein
Fleisch nicht ist der Geist, sondern das Fleisch ist des Geistes Mutter. 70. Nun aber stehet in beiden, in der Erden und
auch in deinem Fleische das Licht der klaren Gottheit verborgen und bricht
durch, und gebäret ihm einen Leib nach jedes Leibes Art dem Menschen nach
seinem Leibe und der Erden nach ihrem Leibe; denn wie die Mutter ist, so wird
auch das Kind. Des Menschen Kind ist die Seele, sie wird aus der siderischen
Geburt aus dem Fleische geboren; und der Erden Kind sind Gras, Kraut, Bäume,
Silber, Gold, allerlei Erz. 71. Nun sprichst du: Wie soll ich mich denn in die
Geburt der Erden schicken, daß ich was verstehe? Siehe, die Geburt der Erden
stehet in ihrer Geburt gleichwie die ganze Gottheit, und ist gar kein
Unterschied als nur die Verderbung im Zorne, darinnen die Begreiflichkeit
stehet. Das ist allein der Unterschied und der Tod zwischen Gott und der
Erden. 72. Du sollst wissen, daß alle sieben Geister
Gottes in der Erden sind und gebären gleichwie im Himmel, denn die Erde ist
in Gott, und Gott ist nie gestorben, sondern die äußerste Geburt ist tot,
darinnen der Zorn ruhet und wird König Luzifern zu einem Hause des Todes und
zu einer ewigen Gefängnis vorbehalten.
74. Hernach so ist der bittere Geist, welcher im
Feuerblitz entstehet, auch in der Materia oder Massa. Der kann nicht leiden,
daß er gefangen sei im Vertrockneten, sondern er reibet sich mit dem herben
Geiste in der vertrockneten Massa, bis er das Feuer anzündet. Wenn nun dies
geschieht, so erschrickt der bittere Geist und krieget sein Leben. 75. Nimm hie dies recht ein: In der Erden kannst
du außer den Kräutern oder Metallen nichts spüren noch finden als Herbe und
Bitter und Wasser. Nun ist aber das Wasser süße darinnen, den andern zweien
ganz zuwider. 76. Auch so ist es dünne und die andern beiden
hart, rauh und bitter, und ist immer eines wider das ander; ist derowegen ein
stetiges Würgen, Kämpfen und Ringen, aber in dieser dreier Würgen stehet noch
nicht das Leben, sondern sie sind ein finster Tal, und sind drei Dinge, die
sich nimmer miteinander vertragen, sondern es ist ein ewiges Würgen unter
ihnen. 77. Und davon nimmt die Beweglichkeit ihren
Ursprung. Auch so nimmt Gottes Zorn, welcher im Verborgenen ruhet, davon
seinen Ursprung. Auch so ist der Ursprung des Teufels, des Todes und der
Höllen davon entstanden, wie du davorne beim Falle des Teufels kannst lesen. Die Tiefe im Centro der Geburt 79. Wenn nun das geschieht, so wird die bittere
mit gefangen in dem Leibe des süßen Wassers und wird mit eingetrocknet. Als.
dann ist Herbe, Süße und Bitter ineinander und würget sich so streng in der
vertrockneten Massa, bis die Massa trocken wird, denn die herbe Qualität
zeuchts immer trockener zusammen. 80. Wenn sich aber das süße Wasser nicht mehr kann
wehren, so steiget die Angst in ihm auf gleichwie im Menschen, wenn er
stirbet, daß sich der Geist vom Leibe scheidet und sich der Leib dem Tode
gefangen gibt, also gibt sich das Wasser gefangen. 81. Und in demselben Angstaufsteigen gebäret sich
eine Angsthitze, dadurch ein Schweiß dringet gleichwie durch einen sterbenden
Menschen. Und derselbe Schweiß inqualieret mit der herben und bittern
Qualität, denn es ist ihr Sohn, den sie aus dem süßen Wasser geboren haben,
als sie das haben ermordet und zum Tode bracht. 82. Wenn nun das geschieht, so freuen sich die
herbe und bittere Qualität in dem Sohne, verstehe: in dem Schweiße, und ein
jeder gibt ihm seine Kraft und Leben und frätzen ein in ihm gleichwie ein
geizig Ferkel, daß sie ihn bald groß ziehen. Denn die herbe Qualität, sowohl
auch die bittere ziehen immer den Saft aus der Erden und füllen ihn in den
jungen Sohn. 83. Der Leib aber, der aus dem süßen Wasser
erstlich ward zusammengezogen, der bleibet erstorben, und hat nun der Schweiß
des Leibes, welcher mit der herben und bittern Qualität inqualieret, das Haus
inne und breitet sich da aus und wird groß, fett und geil. 84. Nun aber können die zwei Qualitäten, als herbe
und bittere, ihren Zank und Widerwillen nicht lassen, sondern sie ringen
stets miteinander. Die herbe ist stark, so ist die bittere geschwinde. 85. Wenn nun die herbe nach der bittern greift, so
springt die bittere beiseit und nimmt des Sohnes Saft mit, alsdann dringet
ihr die herbe überall nach und will sie gefangen nehmen, so reißt dann die
bittere aus dem Leibe und dehnet sich so weit als sie kann. 86. Alsdann, wenn der Leib zu enge wird, daß sie
ihn nicht mehr kann ausdehnen, und der bittere Zank zu groß, so muß sich die
bittere gefangen geben. Doch kann die herbe die bittere nicht errnorden,
sondern hält sie nur gefangen, und ist der Streit also groß in ihnen, daß die
bittere noch aus dem Leibe bricht und nimmt den Leib ihres Sohnes mit. 87. Dieses ist nun die Wachsung und
Zusammenkorporierung oder Leibwerdung einer Wurzel, wie die in der Erden
wird. 88. Nun sprichst du: Wie kann in dieser Geburt
Gott sein? Siehe, das ist die Geburt der Natur. So nun in diesen drei
Qualitäten als Herbe, Bittere und Süße nicht das angezündete Zornfeuer wäre,
so solltest du wohl sehen, wo Gott wäre. 89. Nun aber ist das Zornfeuer in allen dreien,
denn die Herbe ist viel zu kalt und zeucht den Leib viel zu hart zusammen, so
ist die Süße viel zu dicke und finster, welche die herbe bald ergreift und
hält sie gefangen und vertrocknet sie zu sehr, so ist die Bittere viel zu
stachlicht, mörderisch und wütend, und können nicht der Sachen eines werden. 90. Sonst, wenn die Herbe nicht also hart im
kalten Feuer angezündet wäre und das Wasser nicht so dick wäre und die
Bittere nicht so erheblich und mörderisch, so könnten sie das Feuer anzünden,
davon das Licht entstände, und aus dein Licht die Liebe und aus dem
Feuerblitz der Ton; dann würdest du wohl sehen, ob allda nicht würde ein
himmlischer Leib sein, darinnen das Licht Gottes würde scheinen. 91. Weil aber die Herbe zu kalt ist und
vertrocknet das Wasser zu sehr, so nimmt sie das hitzige Feuer in ihrer Kälte
gefangen und ermordet den Leib des süßen Wassers, auch so nimmt sie die
Bittere gefangen und vertrocknet sie mit. 92. In dieser Vertrocknung wird nun das Fette im
süßen Wasser ermordet, in welchem sich das Feuer anzündet, und wird aus
demselben Fette ein herber und bitterer Geist. Denn wenn das Fette im süßen
Wasser erstirbet, so verwandelt sichs in einen Angstschweiß, darinnen die
herbe und bittere inqualieren. 93. Nicht ists also gemeinet, daß das Wasser ganz
ersterbe; nein, das kann nicht sein, sondern der herbe Geist nimmt die
Süßigkeit oder des Wassers Fettigkeit in seinem kalten Feuer gefangen und
inqualieret mit demselben und brauchts zu seinem Geiste. 94. Denn sein Geist ist ganz erstarret und im
Tode, so braucht er nun das Wasser zu seinem Leben und zeucht ihm seine
Fettigkeit aus und nimmt ihm seine Macht. 95. Alsdann wird aus dem Wasser ein Angstschweiß,
welcher zwischen Tod und Leben stehet, und kann sich das Feuer der Hitze
nicht anzünden. Denn das Fette wird im kalten Feuer gefangen, und bleibet der
ganze Leib ein finster Tal, welcher in einer ängstlichen Geburt stehet, und
kann das Leben nicht ergreifen. 96. Denn das Leben, welches im Lichte stehet, kann
sich in dem harten, bittern und herben Leibe nicht erheben, denn es ist in
dem kalten Feuer gefangen aber nicht gar erstorben. 97. Denn du siehest, daß dieses alles wahrhaftig
ist. Nimm eine Wurzel, die der Hitze Qualität ist, und tue sie in warm
Wasser, oder nimm sie ins Maul und mache sie warm und feucht, so wirst du
bald ihr Leben sehen, wie sie wird operieren und wirken. Weil sie aber außer
der Hitze ist, so ist sie im Tode gefangen und ist kalt wie eine andere
Wurzel oder Holz. 8. So siehest du auch wohl, daß der Leib an der
Wurzel tot ist, denn wenn die Kraft aus der Wurzel ist, so ist der Leib ein
tot Aas und kann nichts wirken. Das macht es nun, daß der herbe und bittere
Geist haben den Leib des Wassers ermordet und die Fertigkeit zu sich gezogen,
und haben ihren Geist in dem toten Leibe aufgezogen. 99. Sonst, wo das süße Wasser könnte seine
Fettigkeit in eigener Gewalt behalten, und daß sich der herbe und bittere
Geist fein sanft in dem süßen Wasser miteinander reiben, so zündeten sie das
Fette in dem süßen Wasser an, so würde sich zuhand in dem Wasser das Licht
gebären und würde die herbe und bittere Qualität erleuchten. 100. Davon würden sie ihr recht Leben bekommen und
würden sich an dem Lichte begnügen lassen und sich darinnen hoch erfreuen;
und von derselben lebendigen Freude ging die Liebe auf und erhub sich im
Blitzfeuer durch Aufsteigen der bittern Qualität in der herben der Ton. Wenn
nun das geschähe, so wäre es eine himmlische Frucht, wie sie im Himmel
aufgehet. 101. Du sollst aber wissen, daß die Erde alle
sieben Quellgeister hat, denn durch die Anzündung des Teufels sind die
Geister des Lebens mit in Tod einkorporieret und gleichwie gefangen worden,
aber nicht ermordet. 102. Die ersten drei, als Herbe, Süße und Bitter
gehören zur Bildung des Corpus, und darinnen stehet die Beweglichkeit und der
Leib. Die haben nun die Begreiflichkeit und sind die Geburt der äußersten
Natur. 103. Die andern drei, als Hitze, Liebe und Ton,
stehen in der Unbegreiflichkeit, und werden aus den ersten dreien geboren.
Und das ist nun die innerliche Geburt, mit welcher die Gottheit inqualieret. 104. So nun die ersten drei nicht im Tode
erstarret wären, daß sie könnten die Hitze anzünden, so würdest du halb einen
lichten, himmlischen Leib sehen, und würdest wohl sehen, wo Gott wäre. 105. Weil aber die ersten drei Qualitäten der
Erden im Tode erstarret sind, so bleiben sie auch ein Tod und können ihr
Leben nicht ins Licht erheben, sondern bleiben ein finster Tal, in welchem
Gottes Zorn, der Tod und die Hölle stehet, sowohl auch die ewige Gefängnis
und Qual des Teufels. 106. Nicht sind diese drei Qualitäten von der
äußersten Geburt, in welcher das Zornfeuer stehet, bis auf die innerste
verworfen, sondern nur der äußerliche begreifliche Leib und darinnen die
äußerliche höllische Qual. 107. Allhie siehest du nun abermals wie Gottes und
der Höllen Reich aneinander hänget als ein Leib, und kann doch eines das
ander nicht begreifen. Denn die andere Geburt, als Hitze, Licht, Liebe und
Schall, ist in der äußersten verborgen und macht die äußerliche beweglich,
daß sich die äußerliche zusammenraffet und gebäret einen Leib. 108. Obgleich nun der Leib in der äußerlichen
Begreiflichkeit stehet, so wird er doch nach der Art der innern Geburt
formieret, denn in der innern Geburt stehet das Wort, und das Wort ist der
Schall, welcher im Feuerblitze im Lichte durch die bittere und herbe Qualität
aufgehet. 109. Weil aber der Schall des Worts Gottes muß
durch den herben, bittern Tod aufgehen und im halbtoten Wasser einen Leib
gebären, so wird derselbe Leib auch böse und gut, tot und lebendig, denn der
muß den Saft der Grimmigkeit und den Leib des Todes bald an sich ziehen und
in solchem Leibe und Kraft stehen wie die Erde, die Mutter. 110. Daß aber das Leben unter und in dem Tode der
Erden verborgen liege, sowohl auch in der Erden Kindern, will ich beweisen. 111. Siehe, der Mensch wird siech und krank. Und
so ihm nicht geraten wird, gerät er in Tod durch ein bitter und herbes Kraut,
das aus der Erden wächst oder auch durch ein bös tödlich Wasser oder
mancherlei Kraut der Erden, sowohl auch durch ein bös Fleisch oder Ekel
desselben. 112. So aber nun ein kluger Arzt ist und
erforschet von dem Kranken, wovon ihm der Schade ist entstanden, und nimmt
dieselben Ursachen der Krankheit, es sei gleich Fleisch, Kraut oder Wasser,
und destillierets oder brennets zu Pulver, nachdem die Materia ist da sichs
schicket, und brennet ihm den äußersten Gift ab, welcher im Tode stehet, so
bleibet hernach in dem Wasser oder Pulver die siderische Geburt in seinem
Sede, da Leben und Tod miteinander ringet, und sind beide erheblich, denn der
tote Leib ist weg. 113. So du nun unter dieses Wasser oder Pulver
einen guten Theriak oder dergleichen Dinge nimmst, das das Aufsteigen und die
Macht des Grimmes in der siderischen Geburt gefangen hält, und gibsts dem
Kranken in einem wenig warmen Tranke ein, es sei Bier oder Wein, so operiert
die innerste oder verborgene Geburt des Dinges, das dem Menschen hat die
Krankheit durch seine äußerste tote Geburt zugefüget. 114. Denn wenn es in warme Feuchtigkeit getan
wird, so wird das Leben in dem Dinge aufsteigend und wollte sich gern erheben
und im Lichte anzünden. Es kann aber nicht von wegen des Grimmes, der ihm in
der siderischen Geburt entgegen ist. 115. Soviel kann es aber, daß es dem Menschen die
Krankheit benimmt, denn das siderische Leben gehet durch den Tod auf und
nimmt dem Stachel des Todes seine Gewalt; wenn es nun sieget, so wird der
Mensch wieder gesund. 116. Also siehest du, wie die Kraft des Worts und
ewigen Lebens in der Erden und ihren Kindern im Centro im Tode verborgen
lieget und grünet durch den Tod, dem Tod unbegreiflich, und ängstet sich
immer zur Geburt des Lichts, und kann doch nicht blühen, bis der Tod von ihr
geschieden wird. 117. Es hat aber in seinem Sede sein Leben und
kann ihm nicht genommen werden, aber der Tod hänget ihm in der äußersten
Geburt an, sowohl auch der Zorn im Tode, denn der Zorn ist des Todes und
Teufels Leben, und im Zorne stehet auch das körperliche Wesen oder die Leiber
der Teufel, die tote Geburt aber ist ihr ewig Wohnhaus.
Die Tiefe im Zirkel der Geburt 119. So du nun in solcher Form stehest, so bist du
gleichwie Himmel und Erden oder wie die ganze Gottheit mit allen Geburten in
dieser Welt. Wo du nun nicht also bist, so bist du allhie blind, und wenn du
gleich der klügeste Doktor bist, der in der Welt mag gefunden werden. 120. Bist du aber also, so erhebe deinen Geist und
siehe: Durch deine astrologische Kunst, tiefen Sinn und Zirkelmessen kannst
du es auch nicht ergreifen; es muß nur in dir geboren werden, sonst begreifst
weder Gunst noch Kunst. 121. Sollen dir die Augen des Geistes offen
stehen, so mußt du also gebären, sonst ist deine Begreiflichkeit eine Närrin
und geschieht dir eben als wenn dir ein Maler die Gottheit auf ein Epitaphium
malet und saget, er habe es recht gemalet, sie sei also. So geschieht dem
Glauber und dem Maler, einem wie dem andern, und sehen doch alle beide nichts
als Holz und Farben, und führet ein Blinder den andern. Wahrlich, du mußt allhie
nicht mit Tieren, sondern mit Göttern kämpfen. 122. Nun merke: Als sich die ganze Gottheit in
dieser Welt zur Schöpfung bewegte, da bewegte sich nicht nur ein Teil und ruhete
das ander, sondern es stund alles zugleich in der Beweglichkeit, die ganze
Tiefe, so weit als Herr Luzifer war ein König gewesen, und so weit als der
Locus seines Königreichs reichete, und so weit als der Salitter im Zornfeuer
war angezündet. 123. Die Bewegung der drei Geburten währete sechs
Tag- und Nachtlängen, da alle sieben Geister Gottes in voller bewegender
Geburt stunden, sowohl auch das Herze der Geister, und wendete sich der
Salitter der Erden in dieser Zeit sechsmal in dem großen Rade um. Welches Rad
sind die sieben Quellgeister Gottes, und ward in jeder Umwendung ein
sonderlich Gemächte nach der instehenden Quellgeistern geboren. 124. Denn der erste Quellgeist ist die herbe,
kalte, scharfe und harte Geburt. Und der gehöret dem ersten Tage zu. In der
siderischen Geburt heißens die Astrologi die saturnalische, die ist an dem
ersten Tage verrichtet worden. 125. Denn da ist die harte, derbe, scharfe Erde
und Steine worden, und sind zusammenkorporieret worden. Dazu ist die starke
Feste des Himmels geboren worden, und ist das Herze der sieben Geister in der
harten Schärfe verborgen gestanden. 126. Den andern Tag eignen die Astrologi der
Sonnen zu. Er gehöret aber dem Jupiter, astrologisch zu reden, denn den
andern Tag ist das Licht aus dem Herzen der sieben Quellgeister durch die
harte Qualität des Himmels durchgebrochen und hat eine Sänftigung in dem
harten Wasser des Himmels gemacht, und ist das Licht in der Sanftmut
scheinend worden. 127. Da hat sich die Sanftmut und das harte Wasser
voneinander geschieden, und ist das harte in seinem harten Sede blieben als
ein harter Tod, und das sanfte ist in Kraft des Lichts durch das harte
gebrochen. 128. Und das ist nun das Wasser des Lebens,
welches im Lichte Gottes aus dem harten Tode wird geboren. Und also ist das
Licht Gottes im süßen Wasser des Himmels durch den herben und harten finstern
Tod gebrochen, und also ist der Himmel aus dem Mittel des Wassers gemacht. 129. Die harte Feste ist die herbe Qualität, und
die linde Feste ist das Wasser, in welchem das Licht des Lebens aufgehet,
welches ist die Klarheit des Sohnes Gottes. 130. Und in solcher Forma gehet die Erkenntnis und
das Licht des Lebens im Menschen auch auf und stehet das ganze Licht Gottes
in dieser Welt in solcher Forma, Geburt und Aufgehen. 131. Der dritte Tag wird dem Mars ganz recht
zugeeignet, weil derselbe ist bitter und ein Wüter und bewegender Geist. Im
dritten Umgange der Erden hat sich die bittere Qualität mit der herben
gerieben. 132. Verstehe das hohe Ding recht: Als das Licht
im süßen Wasser durch den herben Geist gedrungen, so ist der Feuerblitz oder
Schrack des Lichts, als sich im Wasser angezündet, in der herben und harten
toten Qualität aufgegangen und hat alles rege gemacht, davon ist die
Beweglichkeit entstanden. 133. Nun rede ich allhie nicht allein vom Himmel
über der Erden, sondern diese Regung und Geburt ist zugleich in der Erden und
überall gewesen. 134. Weil aber die himmlischen Früchte vor der
Zeit des Zorns nur in dieser Regung der Quellgeister sind aufgegangen und
auch durch ihre Regung wieder vergangen und sich verändert haben, so sind sie
am dritten Tage der Schöpfungsgeburt auch durch die Regung des Feuerblitzes
in der herben Qualität der Erden aufgegangen. 135. Ob nun gleich die ganze Gottheit im Centro
der Erden verborgen ist, so hat die Erde darum nicht können himmlische
Früchte gebären, denn der herbe Geist hat den harten Riegel des Todes
vorgeschlossen, daß also das Herze der Gottheit in aller Geburt in seinem
sanften und lichten Himmel verborgen bliebe. 136. Denn die äußerste Geburt ist die Natur, und
gebühret ihr nicht, daß sie zurücke in das Herze Gottes greife, sie kann auch
nicht, sondern sie ist der Leib, in dem sich die Quellgeister gebären und
ihre Geburt mit ihrer Frucht erzeigen und dartun. 137. Darum hat die Erde am dritten Tage angefangen
zu grünen, als die Quellgeister im Schracke des Wortes oder Feuerblitz sind
gestanden. Das 22. Kapitel Von der Geburt der Sternen und Schöpfung des vierten Tages Allhie wird nun angefangen die
siderische Geburt zu beschreiben, und ist wohl zu merken, was der erste Titel
dieses Buchs meinet, der da lautet "Morgenröte im Aufgang", denn
allhier wird auch gar ein Einfältiger können das Wesen Gottes sehen und
begreifen. 2. Es macht sich nur der Leser nicht selber blind
durch seinen Unglauben und zähe Begreiflichkeit, denn ich habe hiemit die
ganze Natur mit allen ihren Kindern zum Zeugen und Beweis. Bist du nun
vernünftig, so schaue dich um und siehe dich selber an und bedenke dich
recht, so wirst du bald finden, aus waserlei Geist ich schreibe. 3. Ich will zwar den Befehl des Geistes
gehorsamlich ausrichten. Schaue du nun zu und laß dich nicht in einer offenen
Tür verschließen, denn allhie stehet dir die Porten der Erkenntnis offen. 4. Und obgleich der Geist wider etliche Astrologos
wird laufen, so liegt mir nicht viel dran; ich muß Gott mehr gehorsam sein
als den Menschen. Sie sind im Geiste blind, wollen sie nicht sehen, so mögen
sie blind bleiben. 5. Nun merke. Als nun am dritten Tage der
Feuerblitz aus dem Lichte, welches im süßen Wasser scheinend ward, aufging –
welcher Blitz ist die bittere Qualität, der sich aus dem angezündeten
Schracke des Feuers im Wasser gebäret. 6. So war nun die ganze Natur dieser Welt quallend
und beweglich, in der Erden sowohl als über der Erden, und fing sich in allen
Dingen wieder an, das Leben zu gebären. 7. Aus der Erden ging auf Gras, Kraut und Bäume,
und in der Erden ging auf Silber, Gold und allerlei Erz, und in der Tiefe
über der Erden ging auf die wunderbarliche Formung der Kräfte. 8. Damit du aber möchtest verstehen, wie es eine
Substanz und Gelegenheit mit allen diesen Dingen und Geburten habe, so will
ich alles nacheinander, ein jedes in seiner Ordnung beschreiben, damit du den
Grund dieser Geheimnis recht verstehest; und will erstens an der Erden
anfangen, hernach zweitens von der Tiefe über der Erden, und zum dritten von
der Zusammenkorporierung der Körper der Sternen, zum vierten von den sieben
Hauptqualitäten der Planeten und von derselben Herze, welches ist die Sonne,
zum fünften von den vier Elementen, und zum sechsten von der äußerlichen
begreiflichen Geburt, welche entstehet aus diesem ganzen Regiment, und zum
siebenten von der wunderlichen Proporz und Geschicklichkeit des ganzen Rades
der Natur. 9. Vor diesen Spiegel will ich nun alle Liebhaber
der heiligen und hochgelobten Künste der Philosophiae, Astrologiae und Theologiae
geladen haben. Da will ich ihnen die Wurzel und den Grund eröffnen. 10. Und ob ich schon nicht ihre Kunst studieret
und gelernet habe und weiß auch nicht mit ihrem Zirkelmessen umzugehen, daran
liegt mir keine Bekümmernis. Sie werden dennoch soviel zu lernen haben, daß
es mancher die Zeit seiner Lebentage nicht wird ergründen oder begreifen. 11. Denn ich brauche nicht ihrer Formula und Art,
sintemal ichs von ihnen nicht gelernet habe, sondern habe einen andern
Lehrmeister, welcher ist die ganze Natura. Von derselben ganzen Natur mit
ihrer anstehenden Geburt habe ich meine Philosophia, Astrologia und Theologia
studieret und gelernet, und nicht von Menschen oder durch Menschen. 12. Weil aber die Menschen Götter sind und haben
die Erkenntnis Gottes des einigen Vaters, aus dem sie sind herkommen und in
dem sie leben, so verachte ich ihre Formulam der Philosophiae, Astrologiae
und Theologiae gar nicht. Denn ich befinde, daß sie meistenteils gar auf
rechtem Grunde stehet, und will mich auch befleißen, daß ich ihrer Formula
möchte nachfahren. 13. Denn ich muß ja sagen, daß ihre Formula mein
Meister ist und ich aus ihrer Formula meinen Anfang und erste Erkenntnis
habe. Ich bin auch nicht des Willens, daß ich ihre Formula will umkehren und
verbessern, denn ich kann auch nicht, habe sie auch nie gelernet, sondern
lasse sie in ihrem Sede sitzen. 14. Ich will auch auf ihren Grund nicht bauen,
sondern ich will als ein mühsamer Knecht die Erde von der Wurzel scharren,
damit man kann den ganzen Baum sehen mit der Wurzel, Stamme, Ästen, Zweigen
und Früchten, und daß also mein Schreiben nichts Neues sei, sondern daß ihre
Philosophia und meine Philosophia sei ein Leib, ein Baum, der einerlei
Früchte trage. 15. Ich habe dessen auch keinen Befehl, daß ich
mich über sie soll hoch beschweren und sie verdammen, ohne über ihre Laster
der Hoffart, Neid, Geizes und Zornes. Über das beschweret sich der Geist der
Natur mächtig sehr, nicht ich. Was wollte ich armer Staub tun, der ich doch
fast ohnmächtig bin? 16. Allein das zeiget der Geist: Ihnen ist das
Pfund des Gewichtes und der Schlüssel überantwortet worden, und sie sind in
ihren Wollüsten des Fleisches ersoffen und haben das Pfund des Gewichtes in
die Erde vergraben und den Schlüssel in ihrer hoffärtigen Trunkenheit
verloren. 17. Der Geist hat lange Zeit bei ihnen angehalten,
sie sollen einmal aufschließen, der helle Tag sei vorhanden. So gehen sie in
ihrer Trunkenheit um und suchen den Schlüssel, und haben doch den bei sich
und kennen ihn nicht, und gehen also in ihrer hoffärtigen und ehrgeizigen
Trunkenheit immer um suchen als wie jener Bauer, der sein Pferd suchte und
ritt auch darauf. 18. Darum spricht der Geist der Natur: Weil sie
nicht wollen aufwachen vom Schlafe und die Tür aufmachen, so will ichs selber
tun. 19. Wie könnte ich armer, einfältiger Laie sonst
von ihrer hohen Kunst lehren oder schreiben, so es mir nicht von dem Geiste
der Natur gegeben wäre, in dem ich lebe und bin? Habe ich doch nur einen
Laienstand und habe von diesem Schreiben keine Soldung. Sollte ich aber darum
dem Geiste wehren, daß er nicht anfange aufzuschließen, wo er wolle? Bin ich
doch nicht die Tür, sondern ein gemeiner Riegel davor. So mich nun der Geist
auszöge und würfe mich ins Feuer, könnte ich ihm auch das wehren? 20. So ich aber ein unnützer Riegel sein wollte,
der sich nicht wollte lassen ausziehen und dem Geiste aufschließen, würde
nicht der Geist über mir erzürnen und mich abreißen und wegwerfen und ihm
einen nützern und gefügern Riegel machen? Alsdann läge ich und würde mit
Füßen getreten, da ich doch vorhin an der schönen Tür gepranget hatte. Wozu
wäre der Riegel sonst als zu Feuerholz? 21. Siehe, ich sage dir ein Geheimnis: Sobald die
Tür bis an ihren Angel aufgehet, so werden alle unnützen, festen eingekeilten
Riegel weggeworfen werden, denn die Tür wird fürbaß nicht mehr zugeschlossen
werden, sondern steht offen und gehen die vier Winde da aus und ein. Aber der
Zauberer sitzet im Wege und wird manchen verblenden, daß er die Tür nicht
sehen wird, dann kommt er heim und saget: Es ist keine Tür da, sondern es ist
ein Gedichte, gehet nicht mehr dahin. 22. Also lassen sich die Menschen abweisen und
leben in ihrer Trunkenheit. 23. Wenn nun dieses geschieht, so ergrimmet der Geist,
der die Porten hat aufgemacht, dieweil niemand mehr will zu seinen Toren aus-
und eingehen, und wirft die Pfosten der Toren in Abgrund, und ist fürbaß
nunmehr keine Zeit; die hinnen sind, bleiben hinnen, und die draußen sind,
bleiben draußen. Amen. 24. Nun fragt sichs: Was sind die Sterne? Davon
schreibet nun Moses: Und Gott sprach: Es werden Lichter an der Festen des
Himmels, die da scheiden Tag und Nacht und geben Zeichen, Zeiten, Tage und
Jahre, und seien Lichter an der Feste des Himmels, daß sie scheinen auf
Erden. 25. Und es geschah also, und Gott machte zwei
große Lichter; ein groß Licht, das den Tag regiere, und ein klein Licht, das
die Nacht regiere, dazu auch Sternen. Und Gott setzte sie an die Feste des
Himmels, daß sie schienen auf die Erde und den Tag und die Nacht regierten,
und scheideten Licht und Finsternis. Und Gott sah, daß es gut war. Da ward
aus Abend und Morgen der vierte Tag. Gen 1,14-19. 26. Diese Beschreibung zeiget genug an, daß der
teure Mann Moses nicht der Autor sei, denn der Skribent hat weder den rechten
Gott noch die Sternen erkannt, was die sind. Und ist wohl zu vermuten, daß
die Schöpfung vor der Sündflut nicht ist beschrieben worden, sondern als ein
dunkel Wort im Gedächtnis, von einem Geschlecht aufs ander gebracht, bis nach
der Sündflut, da die Welt hat wieder angefangen epikurisch zu leben. 27. Da haben die heiligen Väter, als sie solches
gesehen, die Schöpfung beschrieben, damit es nicht möchte vergessen werden
und die epikurische Welt doch möchte einen Spiegel an der Schöpfung haben und
daran sehen, daß ein Gott sei und daß dies Wesen der Welt nicht von Ewigkeit
also gestanden sei, damit sie doch möchten einen Spiegel daran haben und
denselben verborgenen Gott fürchten. 28. Dieses ist auch der Altväter nach der Sündflut
und auch davor ihre vornehmste Unterweisung und Lehre gewesen, daß sie die
Menschen an die Schöpfung gewiesen haben, wie solches auch das ganze Buch
Hiob treibet. 29. Nach denselben Vätern sind die weisen Heiden
kommen, die sind in der Erkenntnis der Natur was tiefer kommen; und muß mit
Grund der Wahrheit sagen, daß sie in ihrer Philosophia und Erkenntnis sind
vor Gottes Antlitz kommen und haben denselben doch weder sehen noch erkennen
können. 30. Also gar ist der Mensch im Tode erstorben und
in die äußerste Geburt in die tote Begreiflichkeit verriegelt worden, sonst
würden sie ja gedacht haben, daß in der Begreiflichkeit müßte eine göttliche
Kraft im Centro verborgen sein, der die Begreiflichkeit also erschaffen
hätte, dazu erhielte, trüge und regierte. 31. Sie haben zwar die Sonne und Sternen für
Götter geehret und angebetet, aber nicht erkannt, wie dieselben geschaffen
oder worden sind oder woraus dieselben worden sind. 32. Denn sie möchten doch gedacht haben, daß sie
von etwas herkommen wären und daß dasselbe, das sie geschaffen haben, rnüsse
größer und älter sein als die Sternen. 33. Dazu haben sie ja die Erde und Steine zum
Exempel, daß dieselben müßten von etwas sein herkommen, sowohl auch die
Menschen und alle Kreaturen auf Erden. Das alles überzeuget sie, daß in
diesen Dingen noch eine mächtigere Kraft vorhanden sei, die dieses alles also
geschaffen habe. 34. Zwar was soll ich viel von der Heiden
Blindheit schreiben, sind doch unsere Doctores in ihren gekrönten Hütlein
gleich also blind. Sie wissen zwar, daß ein Gott ist, der dieses alles
geschaffen habe, sie wissen aber nicht, wo derselbe Gott ist oder wie
derselbe ist. 35. Wenn sie wollen von Gott schreiben, so suchen
sie ihn außer dieser Welt in einem Himmel allein, gleich als wäre er ein Bild
mit etwas zu vergleichen. Sie lassen zwar zu, daß derselbe Gott mit einem
Geiste in dieser Welt alles regiere, aber sein körperlich Eigentum wollen sie
schlechts über viel tausend Meilen in einem Himmel haben. 36. Wohlher, ihr Doctores, wo ihr Recht habt, so
gebet dem Geiste Antwort; ich will euch ein wenig fragen: 37. Was vermeinet ihr wohl, daß vor der Zeit der
Welt sei anstatt dieser Welt gestanden oder woraus vermeinet ihr wohl, daß die
Erde und Sternen sind worden? Oder was vermeinet ihr wohl, daß in der Tiefe
über der Erden sei oder wovon die Tiefe worden sei? Oder wie vermeinet ihr
wohl, daß der Mensch Gottes Bild sei, in dem Gott wohnt? Oder was lasset ihr
euch bedünken, daß der Zorn Gottes sei oder was Gott für einen Mißfallen an
dem Menschen habe, daß er denselben peinige, sintemal er ihn geschaffen hat,
daß er demselben Sünde zugerechnet und zur ewigen Pein verurteilet? 38. Warum hat er dann das erschaffen, daran sich
der Mensch vergreift? So muß ja dasselbe noch viel böser sein. Warum oder
woraus ist dasselbe worden oder was ist die Ursache oder der Anfang oder die
Geburt des grimmen Zornes Gottes, daraus Hölle und Teufel worden sind? Oder
wie kommts, daß sich alle Kreaturen in dieser Welt miteinander beißen, stoßen
und schlagen, und wird doch dem Menschen allein Sünde zugerechnet? 39. Oder woraus sind die giftigen und bösen Tiere
und Würmer worden mit allem Ungeziefer? Oder woraus sind die heiligen Engel
worden? Und letztlich, was ist die Seele des Menschen und der große Gott
selber? 40. Hierauf gebet richtige und gründliche Antwort,
und beweiset das und lasset von eurem Wortzank ab! Wo ihr nun aus euren
vorigen Schriften könnet erweisen, daß ihr den rechten einigen Gott kennet,
wie derselbe sei in Liebe und Zorne und was derselbe sei, und könnet
beweisen, daß nicht in Sternen, Elementen, Erden, Steinen, Menschen, Tieren,
Würmern, in Laub, Kraut und Gras, in Himmel und Erden Gott sei, und daß
dieses alles nicht Gott selber sei, und daß mein Geist falsch sei, so will
ich der erste sein und mein Buch im Feuer verbrennen und alles dasjenige, was
ich geschrieben habe, widerrufen und verfluchen, und will mich gehorsamlich
unterweisen lassen. 41. Jedoch nicht also gemeinet, daß ich gar nicht
irren könnte, denn es sind etliche Dinge nicht genug erkläret und sind gleich
als wie von einem Anblick des großen Gottes beschrieben worden, da sich das
Rad der Natur zu geschwinde umwendet und der Mensch mit seiner halbtoten und
zähen Begreiflichkeit nicht genugsarn fassen kann. 42. Was du aber an einem Orte nicht erkläret und
ausführlich findest, das wirst du am andern finden; wo nicht in diesem, doch
in dem andern Buche. 43. Nun wirst du sagen: Es gezieme mir nicht also
zu fragen, denn die Gottheit sei ein Geheimnis, die niemand erforschen kann.
Höre, geziemet mir nicht zu fragen, so geziemet dir auch nicht, daß du mich
richtest. Rühmest du dich aber der Erkenntnis des Lichtes und einen Leiter
der Blinden und bist selber blind, wie willst du dann dem Blinden den Weg
weisen? Werdet ihr nicht beide in eurer Blindheit fallen? 44. Willst du aber nun sagen: Wir sind nicht blind
und sehen wohl den Weg des Lichtes, warum zankt ihr dann um den Weg des
Lichtes, den doch keiner recht siehet? Ihr lehret andere den Weg und suchet
ihn doch selber immerdar und tappet im Finstern und sehet ihn nicht. Oder
vermeinet ihr, daß es Sünde sei, so einer nach dem Wege frage? 45. O, ihr blinden Menschen, lasset ab vom Zanke
und vergießet nicht unschuldig Blut, und verwüstet darum nicht Land und
Städte nach Teufels Willen, sondern ziehet an den Helm des Friedens und
gürtet euch mit Liebe gegen einander , und braucht euch der Sanftmut.
Lasset ab von Hoffart und Geiz; mißgönne keiner dem andern seine Gestalt. Lasset
euch das Zornfeuer nicht anzünden, sondern lebet in Sanftmut, Keuschheit,
Freundlichkeit und Reinigkeit, so seid und lebet ihr alle in Gott. 46. Denn du darfst nicht sagen: Wo ist Gott? Höre,
du blinder Mensch, du lebest in Gott und Gott ist in dir; und so du heilig
lebest, so bist du selber Gott. Wo du nur hinsiehest, da ist Gott. 47. Wenn du die Tiefe zwischen den Sternen und
Erden ansiehest, wolltest du sagen: Das ist nicht Gott oder hie ist nicht
Gott? O, du armer, verderbter Mensch, laß dich unterweisen, denn in der Tiefe
über der Erden, da du nichts siehest und erkennest, und sprichst, da ist
nichts, daselbst ist gleichwohl der lichtheilige Gott in seiner
Dreifaltigkeit, und wird allda geboren wie in dem hohen Himmel über dieser
Welt. 48. Oder meinest du, daß er von seinem Sede, da er
von Ewigkeit ist gesessen, in Zeit der Schöpfung dieser Welt ist abgewichen?
O nein, das kann nicht sein. Und ob er wollte, so kann er das selber nicht
tun, denn er ist selber alles; so wenig ein Glied vorn Leibe kann von ihm
selber abtreten, so wenig kann auch Gott zertrennt werden. 49. Daß aber so mancherlei Formungen in ihm ist,
das macht seine ewige Geburt, welche erstlich ist dreifächig. Und aus
derselben Dreiheit gebäret sie sich in unendlich oder in unermeßlich. 50. Von denselben Geburten will ich allhie
schreiben und der letzten Welt Kindern anzeigen, was Gott ist. Nicht aus Ruhm
oder Hoffart jemanden hiermit zu schmähen oder verachten; nein, der Geist
will dich sänftig und freundlich unterweisen wie ein Vater seine Kinder. Denn
das Werk ist nicht meines Fleisches Vernunft, sondern des Hl. Gottes
Liebe-Offenbarung oder Durchbrechung im Fleische. 51. In meinen eigenen Kräften bin ich so ein blinder
Mensch als irgend einer ist und vermag nichts. Aber im Geiste Gottes siehet
mein ingeborner Geist durch alles, aber nicht immerdar beharrlich, sondern
wenn der Geist der Liebe Gottes durch meinen Geist durchbricht. Alsdann ist
die animalische Geburt und die Gottheit ein Wesen, eine Begreiflichkeit und
ein Licht. 52. Nicht bin allein ich also, sondern es sind
alle Menschen also, es seien gleich Christen, Juden, Türken oder Heiden; in
welchem die Liebe und Sanftmut ist, in dem ist auch Gottes Licht. 53. Wolltest sagen: nein? Es leben die Türken,
Juden und Heiden ja auch in demselben Corpus, darinnen du lebest, und
brauchen auch desselben Leibes Kraft, die du brauchest. Dazu haben sie auch
denselben Leib, den du hast, und derselbe Gott, der dein Gott ist, ist auch
ihr Gott. 54. So wirst du sagen: Sie kennen ihn aber nicht
und ehren ihn nicht. Ja, lieber Mensch, rühme dich nur, du hasts wohl
getroffen; du kennest ihn vor andern wohl. Siehe, du blinder Mensch, wo die
Liebe in Sanftmut aufgehet, da gehet das Herze Gottes auf, Denn das Herze
Gottes wird im sanften Wasser des angezündeten Lichtes geboren, es sei gleich
im Menschen oder außer dem Menschen. Es wird überall im Centro in der Mitten
zwischen der äußersten und innersten Geburt geboren. 55. Und was du nur ansiehest, da ist Gott. Die
Begreiflichkeit aber stehet in dieser Welt im Zorne. Die hat der Teufel
angezündet. Und im verborgenen Kerne mitten im Zorne wird das Licht oder
Herze Gottes geboren, dem Zorne unbegreiflich; und bleibet ein jedes in
seinem Sede. 56. Nicht rühme ich darum der Juden, Türken und
Heiden Unglauben und Halsstarrigkeit und ihren Grimm und Bosheit wider die
Christen. Nein, das sind eitel Stricke des Teufels, der die Menschen dadurch
in Hoffart, Geiz, Neid und Zorn reizet, damit er das höllische Feuer in ihnen
anzünde. Auch so kann ich nicht sagen, daß diese vier Söhne des Teufels in
der Christenheit nicht auch regieren, jawohl in einem jeden Menschen. 57. Nun sprichst du: Was ist dann der Unterscheid
zwischen Christen, Juden, Türken und Heiden? Hie tut der Geist Tür und Tor
auf. Willst du nicht sehen, so sei blind. Da ist der Unterscheid, den Gott je
und allwege gehalten hat, daß diejenigen, die da wissen, was Gott ist und wie
sie ihm dienen sollen, können durch ihre Wissenschaft durch den Zorn in die
Liebe Gottes dringen und den Teufel überwinden. Tun sie es nicht, so sind sie
nichts besser als die, die es nicht wissen. 58. So aber derjenige, der den Weg nicht weiß,
durch den Zorn in die Liebe dringet, so ist er dem gleich, der durch seine
Wissenschaft ist durchgedrungen. Die aber im Zorn beharren und zünden den in
sich gar an, die sind einander auch alle gleich, es seien gleich Christen,
Juden, Türken oder Heiden, Rom. 2,11; 29. 59. Oder was meinest du, damit man kann Gott
dienen? Wolltest du mit ihm heucheln und deine Geburt schmücken? 60. Ich meine ja, du bist ein schöner Engel. Wer
Liebe in seinem Herzen hat und führet ein barmherziges und sanftmütiges Leben
und streitet wider die Bosheit und dringet durch den Zorn Gottes ins Licht,
der lebet mit Gott und ist ein Geist mit Gott. 61. Denn Gott bedarf keines andern Dienstes, als
daß sich sein Geschöpfe, welches in seinem Leibe ist, nicht von ihm verrücke,
sondern heilig sei, wie er ist. 62. Darum gab auch Gott den Juden das Gesetze, daß
sie sich sollten der sanften Heiligkeit und Liebe befleißen, damit die ganze
Welt einen Spiegel an ihnen hätte. Als sie aber in Hoffart gerieten und
rühmeten sich ihrer Geburt vor der Liebe, und machten aus dem Gesetze der
Liebe eine Schärfe des Zorns, so stieß ihnen Gott den Leuchter weg und zog zu
den Heiden. 63. Zum andern ist das der Unterscheid zwischen
den Christen, Juden, Türken und Heiden, daß die Christen den Baum des Lebens
wissen, welcher ist Christus, der da ist der Fürst unsers Himmels und dieser
Welt und regieret in allen Geburten als ein König in Gott seinem Vater, und
die Menschen sind seine Glieder. 64. Nun wissen die Christen, wie sie können in
Kraft dieses Baumes aus ihrem Tode durch seinen Tod zu ihm in sein Leben
eindringen und mit ihm herrschen und leben, da sie dann auch mit ihrem
Durchdringen mit ihrer neuen Geburt aus diesem toten Leibe bei ihm im Himmel
sein. 65. Und obschon der tote Leib mitten in der Höllen
ist bei allen Teufeln, dennoch herrschet der neue Mensch mit Gott im Himmel,
und ist ihnen der Baum des Lebens eine starke Porte, durch welche sie ins
Leben eingehen. Nun dieses wirst du an seinem Orte ausführlich finden. 66. Nun merke: Es schreibet Moses, Gott habe
gesprochen: Es werden Lichter an der Feste des Himmels, die da leuchten auf
Erden, und scheiden Tag und Nacht, und machen Jahr und Zeit, Gen 1,14. 67. Diese Beschreibung zeiget an, daß der erste
Skribent nicht gewußt hat, was die Sternen sind, wiewohl er doch des rechten
Gottes ist fähig gewesen. Er hat aber die Gottheit beim Herzen genommen und
aufs Herze gesehen, was das Herze und der Kern dieser Schöpfung sei, und der
Geist hat ihm die siderische und äußerste tote Geburt verborgen gehalten, und
hat ihn allein auf den Glauben an das Herze der Gottheit getrieben. 68. Welches auch das Hauptstück ist, das dem
Menschen am nötigsten ist, denn wenn er den rechten Glauben ergreift, so
dringet er durch den Zorn Gottes durch den Tod ins Leben und herrschet mit
Gott. 69. Weil aber die Menschen jetzo am Ende dieser
Zeit sehr lüstern nach der Wurzel des Baumes, durch welches die Natur
anzeiget, daß die Zeit des Baumes Entblößung vorhanden sei, als will ihnen
der Geist dieselbe zeigen und sich die Gottheit ganz offenbaren, welches ist
die Morgenröte und Anbrechung des großen Tages Gottes, an dem soll
wiederbracht werden und aufgehen, was aus dem Tode zur Wiedergeburt des Leben
geboren ist. 70. Siehe, als Gott sprach: Es werde Licht, so ist
das Licht in den Kräften der Natur oder sieben Geistern Gottes aufgegangen,
und ist die Feste des Himmels, welche stehet im Worte im Herzen des Wassers
zwischen die siderische und äußerste Geburt mit dem Worte und Herzen des
Wassers geschlossen worden, und ist die siderische Geburt der Locus des
Scheideziels, welche stehet halb im Himmel und halb im Zorne. 71. Denn aus demselben halben Teil des Zorns
gebäret sich nun immer die tote Geburt, und aus der andern Hälfte, welche
reichet mit seinem innersten Grad bis in das innerste Herze und Licht Gottes,
gebäret sich nun immer durch den Tod das Leben, und ist doch die siderische
Geburt nicht zwei, sondern ein Leib. 72. Als aber in zweien Tagen die Schöpfung des
Himmels und der Erden verrichtet war und der Himmel in dem Herzen des Wassers
zum Unterscheid zwischen dem Lichte Gottes und dem Zorn Gottes gemacht war,
so gingen nun am dritten Tage durch den Schrack des Feuerblitzes – welcher in
dem Herzen des Wassers aufging und drang durch den Tod, dem Tod unbegreiflich
wieder auf allerlei Figuren, wie es vor der Zeit des angezündeten Zorns war
geschehen. 73. Weil aber das Wasser, welches ist der Geist
des siderischen Lebens mit im Zorn und auch im Tode stund, figurierte sich
auch ein jeder Leib also, wie die Geburt zum Leben und zur Beweglichkeit war.
Von der Erden Die Tiefe 76. Nun aber begreift das tote Wasser und Erde
nicht mehr als den Blitz oder Schrack des Feuers, dadurch ihre Beweglichkeit entstehet.
Das Licht aber, welches in dem Feuerblitz ganz sanft aufgehet, das kann weder
die Erde noch das tote Wasser ergreifen. 77. Es behält aber seinen Sitz in dem Kern,
welches ist das Fette oder Wasser des Lebens oder der Himmel, denn es ist der
Leib des Lebens, das der Tod nicht ergreifen kann, und gehet doch in dem Tode
auf. Auch so kann es der Zorn nicht ergreifen, sondern der Zorn bleibet im
Schracke des Feuerblitzes und macht die Beweglichkeit im toten Leibe der
Erden und dem Wasser. 78. Das Licht aber dringet ganz sanft hinnach und
formieret die Geburt, welche durch den Schrack des Feuerblitzes hat seinen
zusammenkorporierten Leib bekommen. Die Gewächse der Erden 80. Was für Salitter in der Zeit des Zorns
Anzündung ist im Tode erstorben und wie er zur selben Zeit ist im instehenden
Leben der sieben Geister Gottes qualifizierend gewesen, also ist er auch in
der Zeit der Wiedergeburt im Feuerblitze wieder aufgegangen, und ist nichts
Neues worden als nur eine andere Gestalt des Leibes, welcher in der
Begreiflichkeit im Tode stehet. 81. Nun aber vermag sich der Salitter der Erden und
des Wassers jetzo in seinem toten Wesen nicht mehr zu verändern und in
unendlich zu erzeigen, wie er im himmlischen Sede tat, sondern wenn die
Quellgeister den Leib formen, so gehet er in Kraft des Lichtes auf. 82. Und das Leben des Lichts bricht durch den Tod
und gebäret ihm einen andern Leib aus dem Tode, welcher nicht ist dem Wasser
und der toten Erden ähnlich, und krieget auch nicht ihren Geschmack und
Geruch, sondern die Kraft des Lichts dringet durch und temperieret sich mit
der Kraft der Erden, und nimmt dem Tode seinen Stachel und dem Zorn seine
giftige Gewalt, und dringet in Mitten des Leibes in dem Gewächse als ein
Herze mit auf. 83. Und hierinnen steckt der Kern der Gottheit im
Centro in seinem Himmel, welcher stehet im Wasser des Lebens verborgen.
Kannst du nun, so greife zu. Von den Metallen in der
Erden 85. Aber das Silber und Gold in der toten
Begreiflichkeit ist nur ein finsterer Stein gegen der Wurzel der himmlischen
Gebärung. Ich setzte es nur darum hieher, daß du wissest, wovon es seinen
Ursprung hat. 86. Weil es denn ist das schönste Aufsteigen und
Gebären in der heiligen, himmlischen Natur gewesen, so wird es auch in dieser
Welt vom Menschen vor allen andern geliebet. Denn die Natur hat dem Menschen
wohl in sein Herze geschrieben, daß es besser sei als andre Steine und Erde.
Sie hat ihm aber den Grund nicht können offenbaren, wovon es worden oder
herkommen sei, dabei du nun die Morgenröte des Tages merken kannst. 87. Des Erzes ist aber viel und mancherlei, alles
nach dem, wie der Salitter in dem Naturhimmel in seinem Aufsteigen im Licht
der Liebe ist Prirnus gewesen. Denn ein jeder Quellgeist in der himmlischen
Natur hat aller Quellgeister Art und Eigenschaft an sich, denn er wird immer
mit den andern infizieret, davon das Leben und die unerforschliche Geburt
Gottes entstehe. Aber nach einer Kraft ist er Primus, und das ist sein eigen
Corpus, davon er den Namen hat. 88. Nun aber hat ein jeder Quellgeist die Eigenschaft
der ganzen Natur, und ist sein Gewirk in Zeit der Anzündung des Zorns Gottes
mit in Tod einkorporieret worden, und ist aus eines jeden Geistes Gewirke
Erde, Steine, Erz und Wasser worden. 89. Darum findest du auch nach jedes Geistes
Qualität in der Erden Erz, Steine, Wasser und Erden. Und darum ist die Erde
so viel und mancherlei Qualität, alles nach dem, wie ein jeder Quellgeist mit
seiner instehenden Geburt in Zeit der Anzündung ist Primus gewesen. 90. Die Natur hat gleichwohl dem Menschen so viel
offenbaret, daß er weiß, wie er von eines jeden Quellgeistes fremdem
infizierten Eingeburt kann die fremde Materiam abschmelzen, damit derselbe
Quellgeist in seinem eigenen Primat Primus bleibet. 91. Dieses hast du an Gold und Silber ein Exempel.
Du kannst dasselbe nicht eher rein machen, daß es rein Silber und Gold sei,
es werde denn siebenmal im Feuer geschmelzet. Wenn das geschieht, so bleibts
in mittlern Sede im Herzen der Natur, welches ist das Wasser, in seiner
eigenen Qualität und Farben sitzen. 92. Erstlich muß ihm die herbe Qualität, welche
dem Salitter im harten Tode gefangen hält, abgeschmelzet werden; das ist der
grobe steinichte Abraum. Hernach der herbe Tod vom Wasser, davon wird ein
giftig Scheidewasser, welches stehet im Aufgang des Feuerblitzes im Tode.
Welches ist ein böser, ja der allerböseste Quell im Tode, ja der herbe und
bittere Tod selber, denn das ist der Locus, wo das Leben, welches im süßen
Wasser entstehet, ist im Tode erstorben. Das scheidet sich nun in der anderen
Schmelzung. 93. Zum dritten wird der Bittere, welcher in der
Anzündung des Wassers im Feuerblitz entstehet, abgeschmelzet, denn derselbe
ist ein Wüter, Tober und Zerbrecher, und kann kein Silber noch Gold bestehen,
wenn der noch nicht getötet ist, denn er macht alles bröde und erzeiget sich
in mancherlei Farben, denn er reitet durch alle Geister und nimmt aller
Geister Farben an sich. 94. Zum vierten muß der Feuergeist, welcher stehet
in der grausamen Angst und Wehetun des Lebens, auch abgeschmelzet werden, denn
er ist ein steter Vater des Zorns, und aus ihm gebäret sich die höllische
Wehe. 95. Wenn nun dieser vier Geister Zorn getötet ist,
so bleibet der Erzsalitter in dem Wasser eine zähe Materia und siehet dem
Geist, welcher in demselben Erze Primus ist, ähnlich. Und das Licht, welches
im Feuer stehet, färbet ihn nach seiner eigenen Qualität, es sei Silber oder
Gold. 96. Und siehet nun die Materia in der vierten
Abschmelzung dem Silber oder Golde ähnlich. Es bestehet aber noch nicht und
ist noch nicht genug zäh und rein; der Leib besteht wohl darinnen, aber nicht
der Geist. 97. Wenn es nun zum fünften Mal geschmelzet wird,
so steiget der Liebegeist in dem Wasser durchs Licht auf und macht den toten
Leib wieder lebendig, daß also die Materia, die von den ersten vier
Abschmelzungen ist blieben, wieder die Kraft bekommt, die desselben
Quellgeistes, welcher in diesem Erze Primus ist, Eigentum ist gewesen. 98. Wenn es nun zum sechsten Mal geschmelzet wird,
so wird es etwas härter. Da beweget sich das Leben, welches in der Liebe ist
aufgangen, und reget sich, und von demselben Regen entstehet der Ton in der
Härtigkeit, und krieget das Erz einen hellen Klang, denn die harte, kochende
und bitter-feurige Materia ist weg. 99. In dieser sechsten Schmelzung, halte ich
dafür, sei die größte Gefahr bei den Alchymisten mit ihrem Silber- und
Goldmachen. Denn hie gehöret ein recht subtil Feuer zu, und kann bald
verbrannt und taub werden, und auch viel zu blind durch ein zu kalt Feuer.
Denn es muß ein Median-Feuer sein, daß der Geist im Herzen nicht aufstehen
werde, sondern fein sanft walle. So krieget es einen feinen süßen und sanften
Klang, und freuet sich immer, als sollte sichs wieder im Lichte Gottes
anzünden. 100. So aber das Feuer in der fünften und sechsten
Schmelzung ist, so wird das neue Leben, welches sich in der Liebe hat im
Aufgang des Lichts Kraft aus dem Wasser geboren, wieder in der Grimmigkeit,
im Zornfeuer angestecket und wird aus dem Erze ein verbrannter Schaum und
Abraum, und hat der Alchymist Dreck für Gold. 101. Wenn es nun zum siebenten Mal geschmelzet
wird, so gehöret noch ein subtiler Feuer dazu, denn daselbst steiget das
Leben auf und freuet sich in der Liebe, und will sich in unendlich erzeigen, wie
es vor der Zeit des Zorns im Himmel hat getan. 102. Und in dieser Bewegung wird es wieder fett
und geil und nimmt zu, und breitet sich aus und gebäret sich die höchste
Tiefe aus dem Herzen des Geistes ganz freudenreich, gleich als wollte es
einen englischen Triumph anfangen und sich in göttlicher Kraft und Form in
unendlich, nach der Gottheit Recht, erzeigen. Und dadurch bekommt der Leib
seine größte Stärke und Kraft, und färbet sich der Leib mit dem höchsten Grad
und krieget seine rechte Schönheit und Tugend. 103. Und wenn es nun kalt gemacht wird, so hat es
seine rechte Kraft und Farbe, und mangelt an nichts als nur an dem, daß sich
der Geist nicht kann ins Licht mit seinem Leibe erheben, sondern muß ein
toter Stein bleiben, ob er wohl viel kräftiger ist als andere Steine, noch
bleibet der Leib gleich wohl im Tod. 104. Und das ist nun der blinden Menschen
irdischen Gott, den sie lieben und ehren, und lassen den lebendigen Gott, der
im Centro verborgen stehet, immer in seinem Sede sitzen. Denn das tote
Fleisch begreift auch nur einen toten Gott und sehnet sich auch nur nach
einem solchen toten Gott. Aber es ist ein Gott, der manchen Menschen hat in
die Hölle gestürzet. 105. Du darfst mich darum für keinen Alchymisten
halten, denn ich schreibe allein in Erkenntnis des Geistes und nicht durch
Erfahrenheit. Wiewohl ich zwar allhie etwas mehrers anzeigen könnte, in
wieviel Tagen und in welchen Stunden solche Dinge müssen präparieret werden,
denn man nicht Gold in einem Tage machen kann, sondern es gehöret ein ganzer
Monden dazu. 106. Es ist aber nicht mein Fürnehmen, mich auf
das zu versuchen, sintemal ich nicht weiß mit dem Feuer umzugehen, auch so
kenne ich der Quellgeister Farben in der äußersten Geburt nicht, welches
großer Mängel zweene sind, sondern ich kenne sie nach einem andern Menschen,
der nicht in der Begreiflichkeit stehet. 107. Bei der Beschreibung der Sonnen wirst du
etwas mehrers und tiefers davon finden. Meine Meinung ist allein dahin
gerichtet, die ganze Gottheit, als viel mir in meiner Schwachheit begreiflich
ist, zu beschreiben, wie dieselbe sei in Liebe und Zorne, und wie sie sich
jetzo in dieser Welt gebäre. Von den köstlichen Steinen wirst du bei der
Beschreibung der sieben Planeten finden. Das 23. Kapitel Von der Tiefe über der Erden Wenn der Mensch die Tiefe über
der Erden ansiehet, so siehet er nichts als Sternen und Wasserwolken. Dann
denket er, es müsse ein anderer Ort sein, da sich die Gottheit mit dem himmlischen
und englischen Regiment erzeige. Er will schlecht die Tiefe samt ihrem
Regiment von der Gottheit unterscheiden, denn er siehet allda nichts als
Sternen, und das Regiment dazwischen ist Feuer, Luft und Wasser. 2. Da denkt er dann: Das hat Gott aus seinem
Vorsatz aus nichts also gemacht. Wie könnte in dem Wesen Gott sein oder wie
könnte das Gott selber sein? Er bildet ihm immer ein, es sei nur also ein
Haus, darinnen Gott mit seinem Geiste regiere und wohne. Gott könne ja nicht
ein Gott sein, dessen Wesen in Kraft dieses Regiments bestehe. 3. Es dürfte mancher wohl sagen: Was wäre das für
ein Gott, dessen Leib, Wesen und Kraft in Feuer, Luft, Wasser und Erde
stünde? 4. Siehe, du unbegreiflicher Mensch, ich will dir den
rechten Grund der Gottheit zeigen. Wo dieses ganze Wesen nicht Gott ist, so
bist du nicht Gottes Bild; wo irgend ein fremder Gott ist, so hast du kein
Teil an ihm. Denn du bist aus diesem Gott geschaffen und lebest in demselben,
und derselbe gibt dir stets aus ihm Kraft, Segen, Speise und Trank. Auch so
stehet alle deine Wissenschaft in diesem Gott, und wenn du stirbest, so wirst
du in diesem Gott begraben. 5. Wo nun ein fremder Gott ist, der außer diesem
ist, wer wird dich dann aus diesem Gott, darinnen du verwesen bist, wieder
lebendig machen? Wie wird dir der fremde Gott, aus dem du nicht geschaffen
bist und in dem du nie gelebt hast, deinen Leib und Geist wieder
zusammenfigurieren? 6. So du nun eine andere Materia bist als Gott
selber, wie wirst du dann sein Kind sein? Oder wie wird der Mensch und König
Christus können Gottes leiblicher Sohn sein, den er aus seinem Herzen geboren
hat? 7. So nun seine Gottheit ein ander Wesen ist als
sein Leib, so müßte zweierlei Gottheit in ihm sein. Sein Leib wäre von dem
Gott dieser Welt und sein Herze wäre von dem unbekannten Gott. 8. O tue die Augen deines Geistes auf, du
Menschenkind, ich will dir allhie die rechte und wahrhaftige eigentliche
Porten der Gottheit zeigen, als es dann derselbe einige Gott haben will. 9. Siehe, das ist der rechte einige Gott, aus dem
du geschaffen bist und in dem du lebest: Wenn du ansiehest die Tiefe und die
Sternen und die Erden, so siehest du deinen Gott. Und in demselben Gott
lebest und bist du auch, und derselbe Gott regieret dich auch, und aus
demselben Gott hast du auch deine Sinnen und bist eine Kreatur aus ihm und in
ihm, sonst wärest du nichts. 10. Nun wirst du sagen, ich schreibe heidnisch.
Höre und siehe und merke den Unterschied, wie dieses alles sei, denn ich schreibe
nicht heidnisch, sondern philosophisch. So bin ich auch kein Heide, sondern
ich habe die tiefe und wahre Erkenntnis des einigen großen Gottes, der alles
ist. 11. Wenn du ansiehest die Tiefe, die Sternen, die
Elementa, die Erde, so begreifest du mit deinen Augen nicht die helle und
klare Gottheit. Und ob sie wohl allda und darinnen ist, sondern du siehest
und begreifest erstlich mit deinen Augen den Tod, danach den Zorn Gottes und
das höllische Feuer. 12. So du aber deine Gedanken erhebest und denkest,
wo Gott sei, so ergreifest du die siderische Geburt, da Liebe und Zorn
gegeneinander wallen. Wenn du aber den Glauben schöpfest an den Gott, der in
Heiligkeit in diesem Regimente regieret, so brichst du durch den Himmel und
ergreifest Gott bei seinem heiligen Herzen. 13. Wenn nun dieses geschieht, so bist du wie der
ganze Gott ist, der da selber Himmel, Erde, Sternen und Elementa ist, und
hast auch ein solch Regiment in dir und bist auch eine solche Person, wie der
ganze Gott in dem Loco dieser Welt ist. 14. Nun sprichst du: Wie soll ich das verstehen?
Es ist ja Gottes und der Höllen oder des Teufels Reich voneinander
unterschieden und kann nicht ein Leib sein? Auch so ist die Erde und Steine
nicht Gott, sowohl auch der Himmel und die Sternen, auch nicht die Elementa,
vielweniger kann ein Mensch Gott sein, sonst würde er nicht können von Gott
verstoßen werden. Hie will ich dir nun nacheinander den Grund erzählen;
behalt die Frage im Sinne. Von der siderischen Geburt und Geburt Gottes 16. Aber merke hie recht: Die ernste und strenge Geburt,
daraus der Zorn Gottes, die Hölle und der Tod ist worden, die ist wohl von
Ewigkeit in Gott gewesen, aber nicht anzündlich oder erheblich. Denn der
ganze Gott stehet in sieben Species oder siebenerlei Gestalt oder Gebärungen.
Und wenn diese Geburten nicht wären, so wäre kein Gott, auch kein Leben, auch
kein Engel, noch einige Kreatur. 17. Und dieselben Geburten haben keinen Anfang,
sondern haben sich von Ewigkeit also geboren. Und nach dieser Tiefe weiß Gott
selber nicht, was er ist. Denn er weiß keinen Anfang und auch nichts
seinesgleichen und auch kein Ende. 18. Dieser sieben Gebärungen in allem ist keine
die erste und auch keine die ander, dritte und letzte, sondern sie sind alle
sieben eine jede die erste, ander, dritte, vierte und letzte. Doch muß ich
nach kreatürlicher Art und Weise eine nach der andern setzen, sonst
verstehest du es nicht, denn die Gottheit ist wie ein Rad mit sieben Rädern
ineinander gemacht, da man weder Anfang noch Ende siehet. 19. Nun merke: Erstlich ist die herbe Qualität,
die wird von den andern sechs Geistern immer geboren. Die ist in sich selbst
hart, kalt, scharf gleich dem Salze und noch viel schärfer. Denn eine Kreatur
kann ihre Schärfe nicht genug ergreifen, sintemal sie in einer Kreaturen
nicht einig und allein ist, aber nach der angezündeten höllischen Qualität
Art weiß ichs, wie sie ist. Diese herbe, scharfe Qualität zeucht zusammen und
hält in dem göttlichen Leibe die Formen und Bildnisse und vertrocknet sie,
daß sie bestehen. 20. Die andere Gebärung ist das süße Wasser, das
wird aus allen sechs Geistern geboren, denn es ist die Sanftmut, welche aus
den andern sechs geboren wird und sich in der herben Gebärung auspresset und
die herbe immer wieder anzündet, löschet und sänftiget, daß sie ihre
Herbigkeit nicht kann erzeigen, wie sie wohl in ihrer eignen Schärfe außer
dem Wasser Gewalt hätte. 21. Die dritte Gebärung ist die Bitterkeit, welche
entstehet aus dem Feuer im Wasser, denn sie reibet oder ängstiget sich in der
herben und scharfen Kälte und macht die Kälte beweglich, davon die
Beweglichkeit entstehet. 22. Die vierte Gebärung ist das Feuer. Das
entstehet von der Beweglichkeit oder Reibung in dem herben Geiste. Und das
ist nun scharf brennend, und die bittere ist stechend und wütend. Wenn sich
aber der Feuergeist in der herben Kälte also wütend reibet so ist allda ein
ängstlich erschrecklich, zitternd und scharf widerwillig Gebären. 23. Merke hie tief: Denn ich rede allhie auf
teufelische Art, als ob sich das Licht Gottes noch nicht hätte in diesen vier
Species angezündet, als ob die Gottheit einen Anfang hätte. Ich kann dich
aber nicht anders und näher unterrichten, damit du es fassest. 24. In dieser vierten Reibung ist hart und ganz
erschreckliche, scharfe und grimmige Kälte gleich einem zerschmelzten und
sehr kalten Salzwasser, welches doch nicht Wasser wäre, sondern eine solche
harte Kraft gleich den Steinen. Auch so ist darinnen ein Wüten, Toben,
Stechen und Brennen, und ist das Wasser immer wie ein sterbend Mensch, wenn
sich Leib und Seele scheidet, eine ganz erschreckliche Ängstlichkeit, eine
Wehegebärung. 25. Hie, Mensch, besinne dich, hie siehest du, wo
der Teufel und seine grimmige, zornige Bosheit Ursprung hat, dazu Gottes Zorn
und das höllische Feuer, auch der Tod und die Hölle und ewige Verdammnis. Ihr
Philosphi, merket das! 26. Wenn sich nun diese vier Gebärungen also
miteinander reiben, so wird die Hitze Primus und zündet sich im süßen Wasser
an; da gehet zuhand das Licht auf. 27. Verstehe dies recht: Wenn sich das Licht
anzündet, so gehet der Feuerschrack vorher, als wenn du auf einen Stein
schlägest, so siehest du von ehe den Feuerschrack, alsdann fasset sich erst
das Licht aus dem Feuerschracke. 28. Nun fähret der Feuerschrack in dem Wasser
durch die herbe Qualität und macht sie beweglich. Das Licht aber gebäret sich
im Wasser und wird scheinend, und ist ein unbegreifliches, sanftes und
liebreiches Wesen, das ich noch keine Kreatur genugsam weder schreiben noch
reden kann, sondern ich stammle nur wie ein Kind, das da gerne wollte lernen
reden. 29. Dasselbe Licht wird inmitten aus diesen vier
Species geboren aus dem Fetten des süßen Wassers und erfüllet den ganzen Leib
dieser Gebärung. Es ist aber ein solch sanftes Wohltun, Wohlriechen und Wohlschmecken,
daß ich zu diesem kein Gleichnis weiß als nur, wo mitten im Tode das Leben
geboren wird, oder als wenn ein Mensch in einer großen Feuersglut säße und
würde urplötzlich rausgezogen und in eine solche große Sanftmut gesetzet, da
er zuvor des Feuers Schmerzen gefühlet hätte und nun urplötzlich verging und
würde in ein solch sanftes Wohltun gesetzet. 30. Also wird die Gebärung der vier Species in ein
solch sanftes Wohltun gesetzet, wenn das Licht in ihnen aufgehet. 31. Du rnußt mich aber hie recht verstehen: Ich
schreibe auf kreatürliche Art, als wenn ein Mensch wäre des Teufels
Gefangener gewesen und würde urplötzlich aus dem höllischen Feuer ins Licht
Gottes gesetzet. 32. Denn das Licht hat in der Gebärung Gottes
keinen Anfang, sondern es hat von Ewigkeit also in der Gebärung geleuchtet,
und weiß Gott selber keinen Anfang darinnen. Allein der Geist tut dir hie der
Höllen Porten auf, daß du siehest, wie es eine Gelegenheit in den Teufeln und
der Höllen hat und wie es im Menschen ist, wenn das göttliche Licht
verlischet und er in Gottes Zorne sitzet, so lebet er in einer solchen
Gebärung und in solcher Angst, Schmerzen und Wehe. 33. Ich kann dirs auch in keiner andern Gestalt
fürschreiben denn ich muß also schreiben, als wenn die Gebärung Gottes einen
Anfang hätte oder nähme, da es also worden wäre. Ich schreibe allhie gar
wahrhaftige und teure Worte, welche allein der Geist verstehet. Nun merke die
Porten Gottes. 34. Das Licht, das sich nun aus dem Feuer gebäret
und in dem Wasser scheinend wird, und erfüllet die ganze Gebärung, und
erleuchtet sie und sänftiget sie, das ist das wahrhaftige Herze Gottes oder
der Sohn Gottes, denn er wird aus dem Vater immer also geboren, und ist eine
andere Person als die Qualitäten und Gebärung des Vaters. 35. Denn die Gebärung des Vaters kann das Licht
nicht erhaschen oder begreifen und zu seinem Gebären gebrauchen, sondern das
Licht stehet frei für sich und wird von keiner Gebärung begriffen, und
erfüllet und erleuchtet die ganze Gebärung als der eingeborne Sohn vom Vater,
Joh 1,14. 36. Und dieses Licht heiße ich in der menschlichen
Geburt die animalische Geburt oder der Seelen Geburt, welche mit dieser
Gottes animalischen Geburt inqualieret. Und hierinnen ist des Menschen Seele
ein Herze mit Gott, wenn sie aber auch in diesem Lichte stehet. 37. Die fünfte Gebärung in Gott ist nun, wenn
dieses Licht also sanft und lieblich durch die ersten vier Gebärungen
dringet, so bringt es des süßen Wassers Herze und lieblichste Kraft mit sich.
Und wenn es nun die scharfen Geburten kosten, so werden sie ganz sanft und
liebreich und ist, wie immer das Leben im Tode aufginge. 38. Da schmecket ein jeder Geist den andern und
krieget eitel, neue Kraft, denn die herbe Qualität wird nun gar linde, denn
des Lichts Kraft aus dem süßen Wasser sänftiget sie, und in dem Feuer gehet
die sanfte Liebe auf; denn es erwärmet die Kälte und das süße Wasser macht
den scharfen Schmack gar lieblich und sanft. 39. Und ist in den scharfen und feurigen
Gebärungen nichts denn eitel Liebes-Sehnen, Kosten, freundlich Infizieren,
holdselige Gebärung. Da ist eitel Liebe, und aller Zorn und Bitterkeit im
Centro als in einer großen Festen verriegelt, sondern diese Gebärung ist gar
ein sanftes Wohltun. Der bittere Geist ist nun die lebende Beweglichkeit. 40. Die sechste Gebärung in Gott ist nun: Wenn die
Geister in ihrer Geburt also voneinander kosten, so werden sie ganz
freudenreich, denn der Feuerblitz oder die Schärfe aus der Geburt steiget nun
über sich und wallet gleichwie die Luft in dieser Welt. 41. Denn wenn eine Kraft die andere reget, so
kosten sie voneinander und werden ganz freudenreich, denn das Licht wird aus
allen Kräften geboren und dringet wieder durch alle Kräfte. Dadurch und
darinnen gebäret sich die erhebliche Freude, davon der Ton entstehet. Denn
von dem Regen und Bewegen gebäret sich der lebendige Geist, und derselbige
Geist dringet durch alle Gebärungen, der Geburt ganz unfaßlich und
unbegreiflich, und ist eine ganz freudenreiche, liebliche Schärfe, als wie
eine liebliche Musica. Und wenn nun die Geburt gebäret, so fasset es das
Licht und spricht es wieder in die Geburt durch den wallenden Geist. 42. Und dieser wallende Geist ist die dritte
Person in der Geburt Gottes und heißet Gott der Heilige Geist. 43. Die siebente Gebärung ist und behält seine
Geburt und Formung in dem Heiligen Geist. Wenn derselbe durch die scharfen
Geburten gehet, so gehet er mit dem Tone und formet und bildet allerlei
Figuren, alles nach dem, wie die scharfen Geburten miteinander ringen. 44. Denn sie ringen in der Geburt stets
miteinander wie ein Liebespiel. Und nachdem die Geburt mit den Farben und
Geschmacke im Aufsteigen ist, so werden auch die Figuren gebildet. 45. Und diese Geburt heißt nun Gott Vater, Sohn,
Heiliger Geist und ist keine die erste und auch keine die letzte, und ob ich
gleich einen Unterscheid mache und eine nach der andern setze, so ist doch
keine die erste und keine die letzte, sondern sie sind von Ewigkeit zu einem
gleichen Wesen und Sitze also gewesen. 46. Ich muß nur unterschiedlich schreiben, daß es
der Leser verstehet, denn ich kann nicht himmlische, sondern menschliche
Worte schreiben. Es ist zwar wohl gar recht geschrieben. Allein das Wesen
Gottes stehet in Kraft, und es begreift es nur der Geist und nicht das tote
Fleisch. 47. Also kannst du verstehen, was die Gottheit für
ein Wesen ist und wie die drei Personen in der Gottheit sind. Du darfst die
Gottheit nicht irgend einer Bildnis vergleichen, denn sie ist die Geburt
aller Dinge, auch so in den ersten vier Species nicht die scharfe Gebärung
wäre, so wäre keine Beweglichkeit, und könnte sich nicht das Licht anzünden
und das Leben gebären. 48. Aber nun ist diese scharfe Geburt der
Beweglichkeit und des Lebens, sowohl auch des Lichtes Ursprung, daraus der
lebendige und vernünftige Geist entstehet, der da in dieser Gebärung
unterscheidet, formet und bildet. Denn die herbe kalte Geburt ist ein Anfang
aller Dinge. Die ist herbe, strenge, zusammenziehend und festhaltend, und die
formet und zeucht aus der Gebärung zusammen und macht die Geburt dicke, daß
daraus wird eine Natur. Und daher hat die Natur und Begreiflichkeit ihren
Ursprung in dem ganzen Leibe Gottes. 49. Diese Natur ist nun wie ein totes,
unverständiges Wesen, und stehet nicht mit in der Kraft der Geburt, sondern
ist ein Leib, in welchem die Kraft gebäret. Sie ist aber der Leib Gottes und
hat alle Kraft wie die ganze Gebärung, und die Geburtsgeister nehmen ihre
Stärke und Kraft aus dem Leibe der Natur und gebären immer wieder. Und der herbe
Geist zeucht immer wieder zusammen und vertrocknet. Also bestehet der Leib
und auch die Geburtsgeister. 50. Die andere Geburt ist das Wasser. Das nimmt
seinen Ursprung in dem Leibe der Natur. 51. Merke: Wenn das Licht den herben
zusammengezogenen Leib der Natur durchscheinet und denselben sänftiget, so
gebäret sich in dem Leibe das sanfte Wohltun. Alsdann wird die harte Kraft
gar sanft und zerschmelzet wie ein Eis von der Sonnen, und wird dünne
gleichwie das Wasser in der Luft. jedoch bleibet der Stock der Natur der
himmlischen Begreiflichkeit stehen. Denn der herbe und Feuergeist hält ihn,
und das sanfte Wasser, das von dem Leibe der Natur in Anzündung des Lichts
schmelzet, das gehet durch die strenge und ernste, kalte und feurige Geburt,
und ist gar süße und lieblich. 52. Davon wird nun die ernste und strenge Geburt
gelabet, und wenn sie es schmecket, so wird sie erheblich und erfreuet sich,
und ist ein Freudenaufsteigen, da sich das Leben der Sanftmut gebäret. Denn
das ist das Wasser des Lebens, darinnen sich die Liebe in Gott, sowohl in
Engeln und Menschen gebäret, denn es hat alles einerlei Kraft und Geburt. 53. Und wenn nun die Geburt der Kräfte das Wasser
des Lebens kosten, so werden sie zitternd vor Liebefreuden. Und dasselbe
Zittern oder Bewegen, welches mitten in der Geburt aufsteiget, ist bitter.
Denn es steiget geschwinde aus der Geburt auf, wenn das Wasser des Lebens in
die Geburt kommt als ein Freudensprung der Geburt. 54. Weil es aber also geschwinde aufgehet, daß
sich die Geburt also geschwinde erhebet, ehe sie mit dem Wasser des Lebens
ganz infizieret wird, so behält derselbe Schrack seine Bitterkeit aus der
strengen Geburt. Denn die anfängliche Geburt ist ganz strenge, kalt, feurig
und herbe. 55. Darum ist nun der Schrack auch also erheblich
und zitternd, denn er beweget die ganze Geburt und reibet sich darinnen, bis
er das Feuer in der harten Grimmigkeit anzündet, davon das Licht seinen
Ursprung nimmt. Alsdann wird der zitternde Schrack mit der Sanftmut des
Lichtes erleuchtet und gehet in der Geburt auf und nieder, quericht, über
sich und unter sich, wie ein Rad mit sieben Rädern ineinander gemacht. 56. Von diesem Durchdringen und Drehen entstehet
der Schall oder Ton nach jedes Geistes Art, und infizieret sich immer eine
Kraft in der andern, denn die Kräfte sind als leibliche Brüder in einem
Leibe, und steiget die Sanftmut auf, und der Geist gebäret und erzeiget sich
unendlich. 57. Denn welche Kraft sich nun in dem Umwenden am stärkesten
erzeiget, das ist in der Gebärung, nach derselben Kraft, Art und Farben
bildet der Hl. Geist auch die Figuren in dem Leibe der Natur. 58. Also siehest du, wie keine Kraft die erste ist
und auch keine die andere, dritte, vierte und letzte, sondern die letzte
gebäret die erste sowohl als die erste und letzte, und die mittelste nimmt
ihren Ursprung sowohl von der letzten, ersten, andern, dritten und so fort
an. 59. Auch so siehest du, wie die Natur nicht könne
von den Kräften Gottes unterschieden werden, sondern es ist alles ein Leib.
Die Gottheit, das ist die heilige Kraft des Herzens Gottes, wird in der Natur
geboren. Auch so entstehet oder gehet der Hl. Geist aus dem Herzen des Lichts
durch alle Kräfte des Vaters immer aus und figurieret alles und bildet alles.
60. Diese ganze Geburt wird nun in drei
Unterscheide geteilet, da ein jedes ein sonderliches und ganzes ist, und ist
doch keines von dem andern getrennet. Die Porten der heiligen
Dreifaltigkeit 62. Ists aber, daß in einer Kreatur oder in einem
Orte ist das Licht verlöschen, so ist die strenge Geburt allda, welche im
Lichte im innersten Kern verborgen lieget. Das ist nun ein Teil. 63. Das andere Teil oder die andere Person ist das
Licht, welches aus allen Kräften immer geboren wird, und erleuchtet
hinwiederum alle Kräfte des Vaters, und hat aller Kräfte Quellbrunn. 64. Es wird aber darum von dem Vater als eine
sonderliche Person entschieden, daß es die Geburt des Vaters nicht kann
ergreifen, und ist doch des Vaters Sohn, der aus dem Vater immer geboren
wird. Dessen hast du ein Exempel an allen angezündeten Feuern in dieser Welt;
denke ihm nur nach. 65. Und der Vater liebet diesen seinen
eingeborenen Sohn darum also herzlich sehr, daß er das Licht und das sanfte
Wohltun in seinem Leibe ist, durch welches Kraft aufgehet des Vaters Freud
und Wonne. 66. Dieses sind nun zwei Personen, und können
keine die andere fassen, halten noch begreifen, und ist eine so groß als die
andere, und wenn eine nicht wäre, so wäre die andere auch nicht. 67. Hie merket ihr Juden, Türken und Heiden, denn
euch gilts, euch wird allhie die Porten Gottes eröffnet. Verstocket euch
nicht selber, denn es ist jetzo die angenehme Zeit. Ihr seid mit nichten in
Gott vergessen, sondern wo ihr euch bekehret, so wird das Licht und Herze
Gottes in euch aufgehen wie die helle Sonne. 68. Solches schreibe ich als in Kraft und
vollkömmlicher Erkenntnis des großen Gottes, und verstehe seinen Willen
hierinnen gar wohl. Denn ich lebe und bin in ihm und grüne mit dieser Arbeit
aus seiner Wurzel und Stamm, auch so muß es sein. Nur schaue zu, verblendest
du dich, so ist kein Rat mehr, und darfst nicht sagen, du hasts nicht gewußt.
Stehe auf, der Tag bricht an! 69. Der dritte Unterscheid oder die dritte Person in
dem Wesen Gottes ist der wallende Geist, welcher von dem Aufstehen in dem
Schracke, wo das Leben geboren wird, entsteht; der wallet nun in allen
Kräften und ist der Geist des Lebens. Und die Kräfte können ihn nicht wieder
ergreifen oder fassen, sondern er zündet die Kräfte an, und macht durch sein
Wallen Figuren und Bildnisse, und formet dieselben nach der Art, wie die
ringende Geburt an jedem Orte stehet. 70. Und so du nicht willst blind sein, so sollst
du wissen, daß die Luft derselben Geist ist. Aber im Loco dieser Welt ist die
Natur darinnen ganz erheblich im Zornfeuer angezündet, welches Herr Luzifer
getan hat. Und lieget der Heilige Geist, der da ist der Geist der Sanftmut,
darinnen in seinem Himmel verborgen. 71. Du darfst nicht fragen, wo ist derselben
Himmel. Er ist in deinem Herzen, schleuß ihn nur auf. Allhie wird dir der
Schlüssel gezeiget. 72. Also ist ein Ort und drei unterschiedliche
Personen ineinander, und kann keine die andere fassen oder aufhalten oder der
andern Ursprung ergründen, sondern der Vater gebäret den Sohn, und der Sohn
ist des Vaters Herze und seine Liebe und sein Licht, und ist ein Ursprung der
Freuden und alles Lebens Anfang. 73. Und der Heilige Geist ist des Lebens Geist und
ein Formierer und Schöpfer aller Dinge und ein Verrichter des Willens in
Gott. Der hat formieret und geschaffen aus dem Leibe und in dem Leibe des
Vaters alle Engel und Kreaturen, und hält und formieret noch täglich alles,
und ist die Schärfe und der lebendige Geist Gottes. Wie der Vater das Wort
aus seinen Kräften spricht, so formets der Geist. Von der großen Einfältigkeit Gottes 75. Merkets ihr weltklugen Juristen, wo ihr nicht
vor diesen Spiegel vor das helle und klare Angesicht Gottes wollet und euch
allda bespiegeln, so beut euch der Geist die Geburt im innersten herben
Zirkel an, wo die Klugheit geboren wird, da die Schärfe der ängstlichen
Geburt Gottes ist, denn daselbst wird eure Klugheit und tiefer Verstand
geboren. 76. Wollet ihr nun Götter und nicht Teufel sein,
so braucht euch des heiligen und sanften Rechten Gottes, wo nicht, so sollet
ihr immer und ewig in der strengen und ernsten Geburt Gottes gebären. Solches
saget der Geist als ein Wort Gottes und nicht mein totes Fleisch. 77. Du sollst wissen, daß ichs aus der toten
Vernunft nicht sauge, sondern mein Geist inqualieret mit Gott und approbieret
die Gottheit, wie die sei mit allem ihrem Gebären, Geschmack und Geruch.
Befinde demnach, daß die Gottheit sei gar ein einfältiges, sanftes, liebliches
und stilles Wesen, daß sich die Geburt der Dreiheit Gottes gar sanft,
freundlich, lieblich und einig gebäret, und kann sich die Schärfe der
innerlichsten Geburt niemalen in die Sanftmut der Dreiheit erheben, sondern
bleibet in der Tiefe verborgen. 78. Und heißet die Schärfe im Verborgenen Gottes
Zorn, und das Wesen der Sanftmut in der Dreiheit heißet Gott. Da gehet nichts
aus der Schärfe aus, das da verderbe oder den Zorn anzünde, sondern die
Geister spielen fein sanft ineinander wie die kleinen Kinder, wenn sie sich
miteinander freuen, da ein jedes sein Werk hat, und spielen miteinander und
liebkosen einander. 79. Solch Werk treiben auch die heiligen Engel.
Und ist in der Dreiheit Gottes gar ein sanftes, liebliches und süßes Wesen,
da sich der Geist in dem Tone immer erhebet, und reget eine Kraft die andere,
als ob allda liebliche Gesänge oder Saitenspiele aufgingen. 80. Und wie das Aufsteigen der Geister an jedem
Orte ist, also formet sich auch der Ton, aber ganz sanft, den Leibern der
Engel unbegreiflich, aber der animalischen Geburt der Engel gar begreiflich.
Und wie sich die Gottheit an jedem Orte erzeiget, also erzeigen sich auch die
Engel. Denn die Engel sind aus diesem Wesen erschaffen und haben ihre Fürsten
der Quellgeister Gottes unter sich, wie sie in der Geburt Gottes sind. 81. Darum wie sich das Wesen Gottes in der Geburt
erzeiget, also auch die Engel. Welche Kraft in der Geburt Gottes zu jeden
Zeiten Primus wird, und jubilieret aus dem Herzen Gottes in dem Heiligen
Geiste, dessen Kraftfürst der Engel fänget auch seinen Lobgesang vor allen
andern an und jubilieret mit seinem Heere, bald ist einer, bald der ander,
denn die Geburt Gottes ist wie ein Rad. 82. Wenn sich aber das Herze Gottes mit seiner
Klarheit sonderlich erzeiget, so gehet auf das ganze Heer aller drei
Königreiche der heiligen Engel. Und in diesem Aufgehen des Herzens Gottes ist
König und Primus der Mensch Jesus Christus, der führet den königlichen Reihen
mit allen heiligen Seelen der Menschen bis an Jüngsten Tag. Alsdann werden
die heiligen Menschen vollkömmliche Engel und die Gottlosen vollkömmliche
Teufel und das in seine Ewigkeit. Hie bespiegele dich, du kluge Welt, woher
deine Klugheit kommt. 83. Nun wirst du sagen: Suchest du doch viel
tiefer Klugheit als wir, du willst in die Verborgenheit Gottes steigen, das
keinem Menschen gebühret. Wir suchen nur menschliche Klugheit, und du willst
Gott gleich sein und alles wissen, wie Gott ist, dazu in allen Dingen, beides
im Himmel und Hölle, in Teufeln, Engeln und Menschen. Darum ists ja nicht
unrecht, alle spitzfindigen, scharfen Listen zu suchen, denn es bringet Ehre
und Gewalt, dazu Reichtum. 84. Einrede: Wo du mir auf dieser Leiter, darauf
ich in die Tiefe Gottes steige, nachsteigest, so wirst du wohl gestiegen haben.
Ich bin nicht durch meine Vernunft oder durch meinen vorgesetzten Willen auf
diese Meinung oder in diese Arbeit und Erkenntnis kommen. Ich habe auch diese
Wissenschaft nicht gesucht, auch nichts davor gewußt, ich habe allein das
Herz Gottes gesucht, mich vor dem Ungewitter des Teufels darein zu verbergen.
85. Als ich aber dahin gelanget bin, so ist mir
diese große und schwere Arbeit aufgeleget worden, der Welt zu offenbaren und
anzukündigen den großen Tag des Herrn. Und weil sie hart nach des Baumes Wurze
lüstert, ihnen zu offenbaren, was der ganze Baum sei, damit anzumelden, daß
es die Morgenröte des Tages sei, das Gott in seinem Rat vorlängst beschlossen
hat. Amen. 86. Also siehest du nun, was Gott sei und wie
seine Liebe und Zorn von Ewigkeit gewesen ist, und darfst nicht sagen, daß du
nicht in Gott lebest und bist oder daß Gott etwas fremdes sei, zu dem du
nicht kannst kommen, sondern wo du bist, da ist die Porten Gottes. Bist du
nun heilig, so bist du deiner Seelen nach bei Gott im Himmel; bist du aber
gottlos, so bist du deiner Seelen nach im höllischen Feuer. 87. Nun merke weiter: Als Gott die Engel allesamt
schuf, so wurden sie nun aus dieser Gebärung Gottes geschaffen. Ihr Leib ward
aus der Natur zusammenkorporieret, darinnen gebar sich ihr Geist und
Licht, wie sich die Gottheit gebar. Und wie die Quellgeister Gottes ihre
Kraft und Stärke immer aus dem Leibe der Natur nahmen, also auch die Engel,
die nahmen ihre Kraft und Stärke immer aus der Natur Gottes. 88. Und wie der Heilige Geist in der Natur alles
formete und bildete, also inqualierete auch der Engelgeist in dem Heiligen
Geiste und half alles formen und bilden, damit alles ein Herze und Wille wäre
und eitel Lust und Freude. 89. Denn die Engel sind des großen Gottes Kinder,
die er in seinem Leibe der Natur geboren hat zur Vermehrung der göttlichen
Freude. 90. Hie sollst du aber wissen, daß der Engel
Leiber nicht können die Geburt Gottes ergreifen. Ihr Leib verstehet sie auch
nicht, allein ihr Geist verstehet sie. Der Leib aber hält stille gleichwie
die Natur in Gott, und lässet den Geist mit Gott arbeiten und liebespielen.
Denn die Engel spielen vor Gott und in Gott gleichwie die kleinen Kinder vor
den Eltern, damit wird die göttliche Freude vermehret. 91. Als aber der großmächtige Fürst und König
Luzifer erschaffen war, so wollte er solches nicht tun, sondern erhub sich
und wollte allein Gott sein, und zündete das Zornfeuer in ihm an. Also taten
auch alle seine Engel. 92. Als aber dieses geschah, so brüllete er mit
seinem angezündeten Feuergeiste in der Natur Gottes; da ward der ganze Leib
in der Natur Gottes, alsoweit seine Herrschaft reichete, angezündet. Weil
aber sein Licht zuhand verlosch, so konnte er mit seinem Geiste in den zweien
Geburten, des Sohnes Gottes und des Heiligen Geistes Gottes, nicht mehr
inqualieren, sondern blieb in der scharfen Geburt Gottes stehen. 93. Denn das Licht Gottes und den Geist Gottes
kann die scharfe Gebärung nicht begreifen, darum sind es auch zwei
sonderliche Personen. Darum so konnte Herr Luzifer mit seiner strengen,
kalten und harten Feuergeburt das Herze und den Hl. Geist Gottes nicht mehr
berühren noch sehen, weder schmecken noch fühlen, sondern ward mit seinem
Feuergeiste ausgespeiet in die äußerste Natur, darinnen er das Zornfeuer hatte
angezündet. 94. Dieselbe Natur ist zwar der Leib Gottes, in
welcher sich die Gottheit gebäret. Aber die Teufel können die sanfte Geburt
Gottes, welche im Lichte aufgehet, nicht ergreifen. Denn ihr Leib ist im
Lichte erstorben und lebet in der wüsten und strengen Geburt Gottes, da sich
das Licht nimmermehr wieder anzündet. 95. Denn ihr Fettes im süßen Wasser ist verbrannt,
und ist aus demselben Wasser ein saurer Gestank worden, darinnen sich das Licht
Gottes nicht mehr kann anzünden und das Licht Gottes kann darin nicht mehr
gehen. 96. Denn die Quellgeister in den Teufeln sind im
harten Zorne verschlossen. Ihre Leiber sind ein harter Tod und ihre Geister
sind ein grimmiger Stachel des Zorns Gottes, und ihre Quellgeister gebären
sich immer in der innersten Schärfe nach der scharfen Gottheit Recht. 97. Denn anders können sie sich nicht gebären,
auch so können sie nicht ersterben noch vergehen, sondern sie stehen in der
allerängstlichsten Geburt, und ist nichts denn eitel Grimmigkeit, Zorn und
Bosheit in ihnen. Der angezündete Feuerquell steiget auf von Ewigkeit zu
Ewigkeit, und können die süße und lichte Geburt Gottes ewiglich nicht mehr
berühren, weder sehen noch begreifen.
Von der angezündeten Natur
Das 24. Kapitel Von der Zusammenkorporierung der Sternen Als nun der ganze Leib der
Natur in der Räumlichkeit dieser Welt gleichwie im harten Tode erstattet war
und doch das Leben darinnen verborgen war, so bewegete Gott den ganzen Leib
der Natur dieser Welt am vierten Tage und gebar aus der Natur aus dem
aufgegangenen Lichte die Sternen. Denn das Rad der Geburt Gottes bewegete
sich wieder, wie es von Ewigkeit getan hatte. 2. Es hat sich zwar wohl am ersten Tage beweget
und die Geburt in dem Leibe der verderbten Natur angefangen, denn am ersten
Tage hat sich das Leben vom Tode entschieden, und am andern Tage ist eine
Feste dazwischen geschaffen worden, und am dritten Tage ist das Leben durch
den Tod gebrochen. Denn da ist das Licht durch die Finsternis gebrochen und
hat den toten Leib der Natur grünend und beweglich gemacht. 3. Denn am dritten Tage hat sich der Leib der
Natur also hart geängstet bis sich das Liebefeuer hat in dem Tode angezündet.
Und ist das Lebenslicht durch den erstatteten Leib des Todes gebrochen und
hat aus dem Tode gegrünet. Es ist aber am dritten Tage nur im Feuerschracke
gestanden, davon die Beweglichkeit ist entstanden. 4. Am vierten Tage aber ist das Licht aufgangen
und hat seinen Sitz in das Haus des Todes gemacht, welches doch der Tod nicht
kann begreifen. So wenig als die strenge Geburt Gottes, welche im innersten
Kerne stehet, davon das Leben entstehet, kann die Sanftmut ergreifen, so
wenig kann auch die tote Finsternis dieser Welt das Licht der Natur
ergreifen, sowohl auch kein Teufel. 5. Sondern das Licht scheinet durch den Tod und
hat ihm seinen königlichen Sitz mitten im Hause des Todes und des Zornes
Gottes gemacht und gebäret ihm einen neuen Leib Gottes aus dem Hause des
Zornes, der ewig in der Liebe Gottes bestehet, dem alten angezündeten in der
äußersten Geburt unbegreiflich. 6. Nun fragest du, wie soll ich das verstehen? Ich
kann dirs wohl nicht in dein Herze schreiben, denn es ist nicht jedermanns
Verstand und Begreiflichkeit, vorab wo der Geist im Hause des Zornes stehet
und nicht mit dem Lichte Gottes inqualieret. Ich will dirs aber in irdischen
Gleichnissen zeigen, ob du möchtest ein wenig in tiefen Sinn kommen. 7. Siehe an einen Baum, der hat von auswendig eine
harte, grobe Schale, die ist tot und erstarret. Doch ist sie nicht ganz im
Tode, sondern in der Ohnmacht, und ist ein Unterscheid zwischen ihr und dem
Leibe, so unter der Schalen wächset. Der Leib aber hat seine lebendige Kraft
und bricht durch die verdorrete Schalen aus und gebäret ihm viel schöner
junger Leiber, welche doch alle in dem alten Leibe stehen. 8. Aber die Schale ist wie ein Tod und kann das
Leben des Baumes nicht ergreifen, sondern hänget ihm nur an und ist eine
Decke des Baumes, in welcher die Würmer nisten und zerstören dadurch endlich
auch den Baum. 9. Also ist auch das ganze Haus dieser Welt. Die
äußerliche Finsternis ist das Haus des Zornes Gottes, darinnen wohnen die
Teufel, und ist recht das Haus des Todes, denn das heilige Licht Gottes ist
darinnen erstorben. 10. Der Leib aber dieses großen Hauses, welcher
unter der Schalen der Finsternis verborgen lieget, der Finsternis
unbegreiflich, der ist das Haus des Lebens, darinnen Liebe und Zorn
miteinander ringen. 11. Nun bricht die Liebe immer durch das Haus des
Todes und gebäret heilige, himmlische Zweige in dem großen Baurne, welche im
Lichte stehen. Denn sie grünen durch die Schale der Finsternis, gleichwie der
Zweig durch die Schale des Baumes, und sind ein Leben mit Gott. 12. Und der Zorn grünet auch in dem Hause der
Finsternis und behält manchen edlen Zweig durch seine Infizierung in dem
Hause der Grimmigkeit, im Tode gefangen. 13. Das ist nun die Summa oder der Inhalt der
siderischen Geburt, davon ich hie schreiben will. 14. Nun fraget sichs: Was sind die Sternen oder
woraus sind sie worden? Sie sind die Kraft der sieben Geister Gottes. Denn
als der Zorn Gottes durch die Teufel in dieser Welt angezündet ward, so ward
das ganze Haus dieser Welt in der Natur oder äußersten Geburt gleich wie im
Tode erstarret, davon die Erde und Steine sind. Als aber derselbe harte
Abraum zusammen auf einem Klumpen getrieben ward, so ward die Tiefe lauter,
aber ganz finster, denn das Licht darinnen war im Zorne erstorben. 15. Nun aber konnte der Leib Gottes dieser Welt
nicht im Tode bleiben, sondern Gott bewegte sich mit seinen sieben
Quellgeistern zur Geburt. 16. Du mußt aber diese hohe Ding recht verstehen.
Das Licht Gottes, welches ist der Sohn Gottes, sowohl auch der Hl. Geist, ist
nicht erstorben gewesen, sondern das Licht, welches von Ewigkeit ist aus dem
Herzen Gottes gangen, und die Natur, welche aus den sieben Geistern geboren
wird, erleuchtet hat, das ist aus der hart-verderbten Natur gewichen. Davon
ist die Natur dieser Welt mit ihrer Begreiflichkeit im Tode blieben und kann
das Licht Gottes nicht ergreifen, sondern ist ein finster Haus des Teufels. 17. Nach diesem hat Gott am vierten Tage der
Schöpfung das ganze Haus dieser Welt mit den Qualitäten wieder neugeboren,
und hat die Quellgeister gestellet in das Haus der Finsternis, auf daß er ihm
wieder einen neuen Leib daraus gebäre zu seinen Lob und Ehren. 18. Denn sein Vornehmen war, daß er wollte wieder
ein ander englisch Heer schaffen aus diesem Hause, das sollte also getan
sein: Er wollte schaffen einen Engel, welches war Adam, der sollte aus sich
gebären seinesgleichen Kreaturen, die da besäßen das Haus der neuen Geburt.
Und in Mitte der Zeit sollte ihr König aus dem Leibe eines Menschen geboren
werden und das neugeborne Reich als ein König dieser Kreaturen besitzen
anstelle des verdorbenen und verstoßenen Luzifers. 19. Unter Vollziehung dieser Zeit wollte Gotte
dieses Haus mit seinen Qualitäten als ein königlich Regiment schmücken und
denselben Quellgeistern das ganze Haus einräumen, damit sie in dem Hause der
Finsternis und des Todes wiederum Kreaturen und Bildnisse herfürbrächten, wie
sie von Ewigkeit getan hatten, bis da vollendet würde das ganze Heer der
neugeschaffenen Engel, welches waren die Menschen. Alsdann wollte Gott den
Teufel in das Haus der Finsternis in eine enge Hölle verriegeln und das ganze
Haus in seinem Lichte wieder anzünden bis auf die Hölle des Teufels. 20. Nun fraget sichs: Warum hat ihn nicht Gott
bald verriegelt, so hätte er nicht so viel Unglück angerichtet? Siehe, das
war Gottes Vorsatz und der mußte auch bestehen, daß er ihm aus der verderbten
Natur der Erden wollte wieder ein englisch Heer erbauen, verstehe: einen
neuen Leib, der in Gott ewiglich bestünde. 21. Es war mit nichten Gottes Meinung, daß er die
ganze Erde wollte dem Teufel zu einem ewigen Wohnhause geben, sondern nur den
Tod und die Grimmigkeit der Erden, den der Teufel dreingebracht hat. 22. Denn was hat der Salitter der Erden vor Gott
gesündiget, daß er sollte ganz und gar in ewiger Schande stehen? Nichts, er
war nur ein Leib, der da mußte stille halten, als sich der Teufel darinnen
erhub. 23. So er nun hätte sollen dem Teufel alsbald ein
ewig Wohnhaus einräumen, so hätte aus demselben Loco nicht können ein neuer
Leib erbauet werden. Was hätte nun derselbe Raum in Gott gesündiget, daß er
sollte in ewiger Schande stehen? Nichts, es wäre eine Unbilligkeit. 24. Nun aber war das Vornehmen Gottes, daß er
wollte ein schön englisch Heer aus der Erden machen, dazu allerlei Bildung.
Denn es sollte darinnen und darauf alles grünen und sich neu gebären, wie man
denn siehet an Erz, Steinen, Bäumen, Kraut und Gras und allerlei Tieren nach
himmlischer Bildnis. 25. Und ob dieselbe Bildung gleich zergänglich
war, dieweil sie vor Gott nicht rein war, so wollte doch Gott am Ende dieser
Zeit das Herze und den Kern daraus ziehen aus der neuen Wiedergeburt und von
dem Tode und Zorne entscheiden, und sollte die neue Wiedergeburt außer diesem
Loco in Gott ewig grünen und wieder himmlische Frucht tragen. 26. Der Tod aber der Erden und der Zorn darinnen
sollte Herrn Luzifern zu einem ewigen Hause werden, nach Vollziehung der
neuen Geburt. Unterdessen sollte Herr Luzifer in der Tiefe über der Erden in
der Finsternis gefangen liegen. Und da ist er auch jetzunder, er mag nun
seines Glücks gar nahe gewärtig sein. 27. Daß aber nun solche neue Geburt könnte
vollzogen werden ohne des Teufels Willens, so hat sich der Schöpfer in dem
Leibe dieser Welt gleich wie kreatürlich geboren in seinen Quellgeistern, und
sind alle die Sternen nichts als Kräfte Gottes, und bestehet der ganze Leib
dieser Welt in den sieben Quellgeistern. 28. Daß aber so gar viel Sternen mit so mancherlei
Wirkungen sind, das ist die Unendlichkeit, die sich in den sieben Geistern
Gottes ineinander infizieret und in unendlich gebäret. 29. Daß sich die Geburt oder der Sternen Corpus in
ihrem Sitze nicht verändert, wie sie von Ewigkeit getan haben, bedeut, daß es
soll eine stete Geburt sein, dadurch der erstarrete Leib der Erden sollte
stets wieder in einerlei Wirkung, welche doch in der Unendlichkeit stehet,
angezündet werden und sich neu gebären, sowohl auch das Haus der tiefsten
Finsternis über der Erden, dadurch der neue Leib möchte immer aus dem Tode
geboren werden, bis vollendet würde die Zeit und der ganze neugeborne Leib. 30. Nun sprichst du: So sind die Sternen dennoch
Gott, die man für Gott ehren und anbeten soll? Bis hieher sind auch die
weisen Heiden kommen, welche zwar mit ihrem scharfen Verstande unsere
Philosophos gar weit übertroffen haben, aber die rechte Tür der Erkenntnis
ist ihnen noch verborgen blieben. 31. Siehe, die Sternen sind ja aus Gott
zusammenkorporieret. Du mußt aber dessen Unterscheid verstehen, denn sie sind
nicht das Herze und die sanfte, reine Gottheit, die man für Gott ehren und
anbeten soll, sondern sie sind die innerste und schärfeste Geburt, da alles
in Kämpfen und Ringen stehet, da sich zwar das Herze Gottes immer gebäret und
der Heilige Geist aus dem Aufgange des Lebens immer ausgehet. 32. Aber die scharfe Geburt der Sternen kann das
Herze Gottes nicht wieder ergreifen, sowohl auch den Hl. Geist, sondern das
Licht Gottes, welches in der Ängstlichkeit aufgehet mit samt dem Wallen des
Hl. Geistes bleibet als das Herze für sich frei und herrschet inmitten in dem
Schluße des verborgenen Himmels, der aus dem Wasser des Lebens ist. 33. Denn von demselben Himmel haben die Sternen
ihre erste Anzündung bekommen, und sind nur wie ein Werkzeug, das Gott zur
Geburt brauchet. 34. Es ist eben eine solche Geburt wie im
Menschen; der Leib ist auch der Seelen Vater, denn die Seele wird aus der
Kraft des Leibes geboren. Und so der Leib in ängstlicher Geburt Gottes stehet
wie die Sterne und nicht in der grimmigen, höllischen, so inqualieret die
Seele des Menschen mit der reinen Gottheit als ein Glied mit seinem Leibe. 35. Also auch wird das Herze oder Licht Gottes in
dem Leibe dieser Welt immer geboren. Und dasselbe geborne Herze ist ein Herze
mit dem ewigen, unanfänglichen Herzen Gottes, das da ist in und über alle
Himmeln. 36. Nicht wird es allein in und aus den Sternen
geboren, sondern in dem ganzen Leibe dieser Welt. Die Sterne aber zünden den
Leib dieser Welt immer an, daß die Geburt überall bestehet. 37. Du mußt aber dies hie wohl merken: Das Licht
oder Herze Gottes nimmt seinen Ursprung nicht nur bloß von den wilden, rauhen
Sternen, da zwar Liebe und Zorn ineinander ist, sondern aus dem Sitze, wo das
sanfte Wasser des Lebens immer geboren wird. 38. Denn dasselbe Wasser ist in der Anzündung des
Zornes von dem Tode nicht ergriffen worden, sondern es bestehet von Ewigkeit
zu Ewigkeit und reicht an alle Ende in dieser Welt; und ist das Wasser des
Lebens, welches durch den Tod bricht, daraus der neue Leib Gottes in dieser
Welt erbauet wird. 39. Es ist aber in den Sternen sowohl als an allen
Enden, aber an deinem Orte faßlich und begreiflich, sondern erfüllet zugleich
auf einmal alles. Auch ist es in dem Leibe des Menschen. Und wen nach diesem
Wasser dürstet und trinket des, in dem zündet sich das Licht des Lebens an,
welches ist das Herze Gottes. Da quillet zuhand aus der Heilige Geist. 40. Nun sprichst du: Wie bestehen denn die Sternen
in Liebe und Zorne? Siehe, die Sternen sind aus dem angezündeten Hause des
Zorns Gottes aufgangen gleichwie die Beweglichkeit eines Kindes im
Mutterleibe im dritten Monat. Nun aber haben dieselben ihre Anzündung von dem
ewigen unerstorbenen Wasser des Lebens bekommen, denn dasselbe Wasser ist in
der Natur nie erstorben. 41. Als sich aber Gott in dem Leibe dieser Welt
hat beweget, da hat sich am dritten Tage die Ängstlichkeit in der Geburt
dieser Welt gerieben. Davon ist der Feuerblitz entstanden und hat sich das
Licht der Sternen im Wasser des Lebens angezündet. Denn bis an dritten Tag
von der Zeit der Anzündung des Zorns Gottes in dieser Welt ist die Natur in
der Ängstlichkeit ein finster Tal gewesen und im Tode gestanden. Am dritten
Tage aber ist das Leben durch den Tod gebrochen und hat sich die neue Geburt
angefangen. 42. Denn also lang und keine Stunde länger hat
auch der neugeborne König und Großfürst dieser Welt, Jesus Christus in dem
Tode geruhet, und hat die ersten drei Tage der Schöpfung der Natur und
dieselbe Zeit im Tode wieder zum Licht geboren, auf daß diese Zeit mit der
ewigen Zeit wieder eine Zeit und kein Tag des Todes zwischen ihnen sein, und
daß die ewige Liebe und die neugeborne Liebe aus dem neuen Leib der Natur sei
eine ewige Liebe, und daß kein Unterscheid zwischen der ewigen Liebe und der
neugebornen Liebe sei, sondern daß die neugeborne Liebe reiche bis ins Wesen,
das von Ewigkeit gewesen ist und auf für sich bis in Ewigkeit. 43. Also gar ist die neugeborne Liebe, welche ist
aus dem Wasser des Lebens im Lichte aufgangen in Sternen und in dem ganzen
Leibe dieser Welt mit der ewigen, unanfänglichen Liebe verbunden, daß es sei
ein Herz und ein Geist, der alles träget und erhält. 44. In dieser Anzündung des Lichts in Sternen und
Elementen hat sich darum die Geburt der Natur nicht ganz in die heilige
Sanftmut verwandelt, wie es vor der Zeit des Zorns ist gewesen, daß die
Geburt der Natur nur ganz heilig und rein sei. Nein, sondern sie siehet in ihrer
schärfsten, strengsten und ängstlichsten Geburt, da der Zorn Gottes ohn
Unterlaß grünet gleich dem höllischen Feuer. 45. Denn so sich die Natur hätte ganz und gar mit
ihrer scharfen Geburt in die Liebe verwandelt nach himmlischem Recht, so
wären die Teufel wieder in dem heiligen Sitze Gottes. 46. Auch so kannst du das gar wohl sehen und
verstehen an der grausamen Hitze und Kälte, sowohl an der Gift der Bitterkeit
und Saurigkeit in dieser Welt, welches alles in der Sternen Geburt stehet,
darinnen die Teufel gefangen liegen. 47. Die Sterne sind nur die Anzündung des großen
Hauses, denn das ganze Haus ist im Tode erstarret gleichwie die Erde, denn
die äußerste Geburt ist tot und erstarret, wie die Schale auf dem Baum. Die
siderische Geburt aber ist der Leib, da das Leben innen aufgehet. 48. Sie ist aber in ihrem Leibe ganz scharf. Aber
die neue Geburt, welche im Wasser des Lebens aufgehet und dringet durch den
Tod, die macht sie sanft. Sie kann aber den Kern der scharfen Geburt nicht verändern,
sondern sie gebäret sich aus demselben und behält ihr heilig neu Leben für
sich, und dringet durch den zornigen Tod, und der zornige Tod begreift es
nicht. 49. Diese Liebe und Zorn ist nun wohl ein Leib,
aber das Wasser des Lebens ist der Himmel des Unterscheides zwischen ihnen,
daß also die Liebe nicht den Zorn in sich fasset oder begreifet, und auch der
Zorn nicht die Liebe, sondern die Liebe gehet auf im Wasser des Lebens und
nimmt von der ersten und strengen Geburt die Kraft in sich, welche im Lichte
ist, die aus dem Zorne geboren wird, daß also der neue Leib aus dem alten
geboren wird. Denn der alte, welcher stehet in der strengen Geburt, gehöret
dem Teufel zum Hause, und der neue dem Reich Christi. 50. Nun fraget sichs: So sind denn nun nicht alle
drei Personen in der Gottheit in der Geburt der Sanftmut in dieser Welt? Ja,
sie sind alle drei in dieser Welt in voller Geburt der Liebe, Sanftmut,
Heiligkeit und Reinigkeit, und werden immer in solcher Substanz und Wesen
geboren, wie von Ewigkeit geschehen ist. 51. Siehe, Gott der Vater spricht zu dem Volk
Israel am Berge Sinai, als er ihnen das Gesetze gab: Ich bin ein zorniger,
eifriger Gott über die, so mich hassen, Ex 20,5; Deut 5,9. 52. Nun aber kannst du aus diesem einigen Vater,
der da ist zornig und auch liebreich, nicht zwei Personen machen, sondern es
ist ein einiger Vater, der da seinen herzlieben Sohn immer gebäret, und von
denen beiden der Heilige Geist immer ausgehet. 53. Merke die Tiefe im Centro: Der Vater ist das
einige Wesen, der selber alles ist und der seinen herzlieben Sohn von
Ewigkeit immer geboren hat, und in den beiden ist der Hl. Geist im Blitze, wo
das Leben Gottes geboren wird, immer entstanden. 54. Nun aber ist von der strengen und ernsten
Geburt der Quellgeister des Vaters, darinnen der Eifer und Zorn stehet, immer
der Leib der Natur worden, darinnen das Licht des Sohnes als des Vaters Herze
stehet, der Natur unbegreiflich. 55. Denn das Licht ist in der Geburt in Mitten,
und ist die Stätte des Lebens, wo das sanfte Leben Gottes geboren wird aus
allen Kräften des Vaters, und in demselben Loco gehet der Heilige Geist vom
Vater und Sohn aus. 56. Nun aber sind dieselben Kräfte des Vaters,
welche in der Anzündung des Lichts stehen, der Heilige Vater und der sanfte
Vater und die reine Geburt Gottes. Und der darinnen aufgehende Geist ist der
Heilige Geist; die scharfe Geburt aber ist der Leib, darinnen dieses heilige
Leben immer geboren wird. 57. Wenn aber das Licht Gottes durch diese scharfe
Geburt scheinet, so wird sie ganz sanfte und ist wie ein schlafender Mensch,
da sich das Leben in ihm immer beweget und der Leib ruhet fein sanft. 58. In diesem Leibe der Natur ist nun die
Anzündung geschehen denn aus diesem Leibe waren auch die Engel geschaffen.
Und so sie sich nicht hätten in ihrem Übermut erhoben und angezündet, so wäre
ihr Leib ewig in der stillen und unbegreiflichen Sanftmut gestanden wie in
den andern Fürstentümern der Engel außer dieser Welt. Und ihr Geist hätte
sich ewig in ihrem Leibe der Sanftmut geboren wie in dem Leibe Gottes die hl.
Dreifaltigkeit, und wäre ihr eingeborner Geist mit der heiligen
Dreifaltigkeit ein Herze, Willen und Liebe gewesen, denn zu dem Mittel waren
sie auch in dem Leibe Gottes erschaffen zur Freude der Gottheit. 59. Herr Luzifer aber wollte selber der mächtigste
Gott sein, und zündete seinen Leib an und weckte die scharfe Geburt Gottes
darinnen auf und setzte sich wider das lichte Herze Gottes, in willens, mit
seiner Schärfe darinnen zu herrschen, welches doch unmöglich war. 60. Weil er sich aber wider der Gottheit Recht
erhub und anzündete, so erhub sich auch die scharfe Geburt im Leibe des
Vaters wider ihn und nahm ihn als einen zornigen Sohn in der schärfsten
Geburt gefangen, und darinnen ist nun seine ewige Herrschaft. 61. Als sich aber nun der Vater in dem Leibe der
Schärfe anzündete, so hat er darum nicht den heiligen Quell angezündet, wo
sich sein liebreiches Herz gebäret, daß darum sollte sein Herze irn Zornquell
sitzen. 62. Nein, das ist unmöglich, denn die scharfe
Geburt kann die heilige und reine nicht ergreifen, sondern die heilige und
reine dringet durch die Schärfe durch und gebäret ihm einen neuen Leib,
welcher wieder in der Sanftmut stehet. 63. Und derselbe neue Leib ist das Wasser des
Lebens, welches geboren wird, wenn das Licht durch den Zorn dringet, und der
Hl. Geist ist der Formierer darinnen. Der Himmel aber ist der Unterscheid
zwischen der Liebe und dem Zorn, und ist der Sitz, wo sich der Zorn in die
Liebe verwandelt. 64. Wenn du nun ansiehest die Sonne und Sternen,
so mußt du nicht denken, das ist der heilige und reine Gott, und mußt dir
nicht fürnehmen, von denselben etwas zu bitten oder zu begehren, denn sie
sind nicht der heilige Gott, sondern sie sind die angezündete strenge Geburt
seines Leibes, da Liebe und Zorn miteinander ringet. 65. Der heilige Gott aber ist inmitten aller
dieser Dinge in seinem Himmel verborgen und kannst ihn nicht sehen oder
begreifen. Die Seele aber begreift ihn und die siderische Geburt halb, denn
der Himmel ist der Unterscheid zwischen Liebe und Zorn. Derselbe Himmel ist
überall, auch in dir selber. 66. Und wenn du nun den heiligen Gott in seinem
Himmel anbetest, so betest du ihn in dem Himmel, der in dir ist, an. Und derselbe
Gott bricht mit seinem Licht und darinnen der Hl. Geist durch dein Herze, und
gebäret deine Seele zu einem neuen Leibe Gottes, der mit Gott in seinem
Himmel herrschst. 67. Denn der irdische Leib, den du trägest, der
ist ein Leib mit dem ganzen angezündeten Leibe dieser Welt, und dein Leib
inqualieret mit dem ganzen Leibe dieser Welt, und ist kein Unterscheid
zwischen den Sternen und der Tiefe mit samt der Erden und deinem Leibe, es
ist alles ein Corpus. Allein das ist nur der Unterscheid, daß dein Leib ist
ein Sohn des Ganzen und ist wie das ganze Wesen selber. 68. Wie sich nun der neue Leib dieser Welt in
seinem Himmel gebäret, also gebäret sich auch dein neuer Mensch in seinem
Himmel, denn es ist alles ein Himmel, darinnen Gott wohnet und darinnen dein
neuer Mensch wohnet, und kann nicht voneinander getrennet werden. 69. So du aber gottlos bist, so ist deine Geburt
des Himmels nicht fähig, sondern des Zorns, und bleibest im andern Teile der
siderischen Geburt, wo der ernste und strenge Feuerquell aufgehet, und bist
im Tode verriegelt so lange, bis du durch den Himmel brichst und lebest mit
Gott. 70. Denn an der Stelle deines Himmels hast du den
Zornteufel sitzen. So du aber durchbrichst, so muß er allda weichen, und
herrschet der Hl. Geist in diesem Sitze; und in dem andern Teile der
Grimmigkeit ficht dich der Teufel an, denn es ist sein Nest, und der Hl.
Geist tut ihm Widerstand. Und der neue Mensch liegt in seinem Himmel unter
dem Schutz des Hl. Geistes verborgen, und der Teufel kennet den neuen Menschen
nicht, denn er ist nicht in seinem Hause, sondern im Himmel in der Feste
Gottes. 71. Solches schreibe ich als ein Wort, welches in
seinem Himmel ist geboren, wo sich die heilige Gottheit immer gebäret, da der
wallende Geist im Blitz des Lebens aufgeht. Daselbst ist dieses Wort und
diese Erkenntnis geboren worden und im Liebefeuer durch den Eifergeist Gottes
aufgegangen. 72. Ich weiß wohl, was der Teufel im Sinn hat,
denn das Teil der ernsten und strengen Geburt, da Liebe und Zorn einander entgegengesetzt
sind, siehet ihm ins Herze. Denn wenn er mit seiner grimmigen und höllischen
Versuchung kommt wie ein schmeichelnder Hund, so setzt er mit seinem Zorn in
dem Teile, wo die strenge Geburt stehet, an. Und daselbst ist ihm der Himmel
entgegengesetzt. Da wird die schöne Braut erkannt. 73. Denn er sticht durch den alten Menschen, in
willens, den neuen zu verderben. Wenn sich aber der neue gegen ihn erhebet,
so weicht der Höllenhund. Alsdann befindet der neue Mensch wohl, was der
Höllenhund her für einen Ratschlag in die siderische Geburt geschleift, und
ist Zeit auszufegen. 74. Ich befinde aber, daß mir der klügeste Teufel
ist entgegengesetzt. Der wird Spötter erregen, die werden sagen, ich wolle
durch meinen eigenen Wahn die Gottheit ausgrübeln. 75. Ja, lieber Spötter, du bist wohl ein
gehorsamer Sohn des Teufels. Du magst billig der Kinder Gottes spotten. Ich
sollte wohl die Gottheit in meinem Vermögen können also tief ergründen, so
sich die Gottheit nicht in mir gründete. Meinest du aber auch, daß ich stark
genug sei zum Widerstand? 76. Ja, lieber stolzer Mensch, die Gottheit ist
auch gar ein sanftes, einfältiges und stilles Wesen und grübelt nicht im
Grund der Höllen und des Todes, sondern in seinem Himmel, da nichts als
einmütige Sanftmut ist. Darum mir auch nicht gebühren wollte, solches zu tun.
77. Aber siehe, ich habe dieses auch nicht
auf die Bahn bracht, sondern deine Begierde und hocherhabene Lust, die hat
die Gottheit bewogen, dir deines Herzens Begierde in höchster Einfalt in der
größten Tiefe zu offenbaren, auf daß es sei ein Zeugnis über dich und eine
Anmeldung des ernsten Tages Gottes, sage ich als ein Wort des ernsten Gottes,
welches geboren ist im Blitz des Lebens. Das 25. Kapitel Von dem ganzen Leibe der
Sternengeburt, das ist die ganze Astrologia oder der ganze Leib dieser Welt Die gelehrten und hocherfahrnen
Meister der Sternenkunst sind in ihrem Verstande so hoch und tief kommen, daß
sie wissen der Sternen Lauf und Wirkung, was ihre Zusammenkünften, Infizieren
und Durchbrechen der Kräfte bedeutet und rnitbringet; und wie sich dadurch
Wind, Regen, Schnee und Hitze empöret, auch Böses und Gutes, Glück und
Unglück, dazu Leben und Tod und alles Treiben dieser Welt. 2. Dieses ist zwar das rechte Fundament, welches
ich im Geist erkenne, daß es also sei. Ihre Erkenntnis aber stehet nur im
Hause des Todes in der äußerlichen Begreiflichkeit und im Anschauen der Augen
des Leibes, und ist ihnen die Wurzel des Baumes bis daher verborgen blieben. 3. Es ist auch nicht mein Fürnehmen, daß ich
wollte von des Baumes Ästen schreiben und ihre Erkenntnis umkehren. Auch so
baue ich nicht auf ihren Grund, sondern lasse ihre Erkenntnis in ihrem Sede
sitzen, dieweil ich sie nicht studieret habe; und schreibe im Geiste meiner
Erkenntnis von des Baumes Wurzel, Stamme, Ästen und Frucht als ein mühsamer
Knecht seines Herrn, den ganzen Baum dieser Welt zu blößen. 4. Nicht der Meinung, etwas Neues auf die Bahn zu
bringen, denn ich habe dessen keinen Befehl, sondern meine Erkenntnis stehet
in dieser Geburt der Sternen, inmitten wo sich das Leben gebäret und durch
den Tod bricht, und wo der wallende Geist entstehet und durchbricht, und in
dessen Trieb und Wallen schreibe ich auch. 5. Ich weiß auch gar wohl, daß die Kinder des
Fleisches werden meiner spotten und sagen, ich sollte meines Berufs warten
und mich um diese Dinge unbekümmert lassen und mich lieber um das fleißiger
annehmen, das da mir und den Meinigen den Bauch füllet, und die lassen
pholosophieren, die es studieret und dazu berufen sind. 6. Mit dieser Anfechtung hat mir auch der Teufel
so manchen Stoß gegeben und mir solches selber eingebleuet, daß ich mich oft
verwogen habe, dieses zu unterlassen. Aber mein Fürnehmen ist mir zu schwer
worden. Denn wenn ich dem Bauch nachgedacht und bei mir entschlossen, dieses
mein Vorhaben zu unterlassen, so ist mir die Porten des Himmels in meiner
Erkenntnis zugeriegelt worden. 7. Alsdann hat sich meine Seele geängstet, als
wäre sie vom Teufel gefangen, dadurch die Vernunft so manchen Stoß bekommen,
als sollte der Leib zugrunde gehn. Und hat auch der Geist nicht eher
nachgelassen, bis er ist wieder durch die tote Vernunft gebrochen und hat die
Toren der Finsternis zersprenget und seinen Sitz wieder an seine Stelle
bekommen, dadurch er dann allezeit neu Leben und Kraft bekommen. 8. Dadurch ich denn verstehe, daß der Geist muß
durch Kreuz und Trübsal bewähret werden. Auch so hat mirs an leiblicher
Anfechtung nicht gefehlet, sondern habe immer müssen im Kampf stehen, sogar
ist der Teufel dawider gewesen. 9. Weil ich aber spüre, daß mein ewig Heil darauf
stehet und daß mir durch mein Nachlassen wollte die Porten des Lichts
zugeschlossen werden; welches doch ist die Festung meines Himmels, darein
sich meine Seele verbirget vor dem Ungewitter des Teufels, welche ich doch
mit großer Mühe und manchem harten Sturme durch die Liebe Gottes erobert habe
durch die Durchbrechung meines Erlösers und Königes Jesu Christi. So
will ichs lassen Gott walten und meine fleischliche Vernunft gefangen nehmen.
10. Und habe mir erwählet die Porten der
Erkenntnis des Lichtes und will des Geistes Trieb und Erkenntnis nachfahren.
Und sollte gleich mein tierischer Leib an Bettelstab gereichen oder gar
zugrunde gehen, so frage ich nun weiter nichts danach. Und will mit dem
königlichen Propheten David sagen: Und wenn mir gleich mein Leib und Seele
verschmacht, so bist du, o Gott, doch mein Heil, mein Trost und meines
Herzens Zuversicht, Ps 73,26. Auf dich will ichs wagen und deinem Geiste
nicht widerstreben. Und ob es gleich dem Fleische wehe tut, noch dennoch muß
der Glaube in Erkenntnis des Lichts über der Vernunft schweben. 11. Ich weiß auch gar wohl, daß einem Jünger nicht
gebühret wider den Meister zu kämpfen und daß die hocherfahrnen Meister der
Astrologie mir weit überlegen sind. Aber ich arbeite in meinem Berufe und sie
in ihrem, auf daß ich nicht ein fauler Knecht meines Herrn erfunden werde,
wenn derselbe wird kommen und sein überantwortetes Pfund von mir fordern, daß
ich ihn dasselbe möge mit Wucher darstellen. Also will ich sein Pfund nicht
in die Erde vergraben, sondern auf Wucher ausleihen, damit er nicht in Zeit
seiner Abforderung möchte zu mir sagen: Du Schalksknecht, warum hast du mein
Pfund in die Finsternis versteckt und nicht damit gewuchert? (Mat 25,21; Luk
19,23). So bekäme ich jetzunder das Meine mit Wucher; – und dasselbe gar von
mir nähme und einem andern gäbe, der mit seinem Pfunde viel gewuchert hätte.
Also will ich säen, er mag begießen, und es ihn lassen walten. 12. Nun merke: Das ganze Haus dieser Welt, das im
sichtbarlichen und begreiflichen Wesen stehet, das ist das alte Haus Gottes
oder der alte Leib, welcher vor der Zeit des Zornes ist in himmlischer
Klarheit gestanden. Als aber der Teufel hat darin neu den Zorn erweckt, so
ist es ein Haus der Finsternis und des Todes worden. 13. Darum sich dann auch die hl. Geburt Gottes als
ein sonderlicher Leib von dem Zorne entschieden und die Feste des Himmels
zwischen Liebe und Zorn gemacht hat, daß also die Sternengeburt in Mitten
stehet. Verstehe, mit ihrer äußerlichen Begreiflichkeit und Sichtlichkeit
stehet sie im Zorne des Todes, und mit der darinnen aufgehenden neuen Geburt,
welche stehet im mittlern Sede, wo der Schluß des Himmels ist, stehet sie in
der Sanftmut des Lebens. 14. Denn die Sanftmut wallet gegen den Zorn, und
der Zorn gegen die Sanftmut, und sind also zwei unterschiedliche Reiche in
dem einigen Leibe dieser Welt. 15. Dieweil aber die Liebe und Sanftmut Gottes den
Leib oder Locum dieser angezündeten Zornwelt nicht wollte im ewigen Zorne und
Schanden lassen stehen, so gebar er den ganzen alten Leib dieser Welt wieder
recht förmlich zu einem Leibe, darinnen das Leben regierte nach göttlicher
Art und Weise. Obwohl im angezündeten Zorne, noch dennoch mußte er nach der
Gottheit Recht bestehen, auf daß daraus könnte ein neuer Leib geboren werden,
der da bestünde in Heiligkeit und Reinigkeit in Ewigkeit. 16. Um solcher Ursache willen ist auch ein
endlicher Scheidetag in Gott bestimmt worden, das sich Liebe und Zorn sollen
voneinander scheiden. 17. Wenn du nun ansiehest die Sternen und die
Tiefe mit samt der Erden, so siehest du mit deinen leiblichen Augen nichts
als den alten Leib im zornigen Tode. Den Himmel kannst du mit deinen
leiblichen Augen nicht sehen, denn die blaue Kugel, die du in der Höhe
siehest, das ist nicht der Himmel, sondern es ist nur der alte Leib, den man
billig die verderbte Natur heißet. 18. Daß es aber scheinet, als wäre eine blaue
Kugel über den Sternen, damit der Locus dieser Welt vor dem heiligen Himmel
sei verschlossen, wie denn die Menschen bisher gedacht haben, das ist nicht
also, sondern es ist das Oberwasser der Natur. Das ist viel heller als das
Wasser unter dem Monden. Wenn nun die Sonne durch die Tiefe scheinet, so ists
gleich wie lichtblau. 19. Wie tief oder weit der Locus dieser Welt sei,
weiß kein Mensch. Und ob sich gleich etliche Physici oder Astrologi haben
unterstanden, die Tiefe mit ihrem Zirkel zu messen, so ist ihr Messen doch
nur Fabelei oder eine Messung der Begreiflichkeit, gleich als wollte einer
den Wind haschen. 20. Der rechte Himmel aber ist überall in dieser
jetzigen Zeit bis an Jüngsten Tag, und das Zornhaus der Höllen und des Todes
ist auch in dieser Welt jetzt überall bis an Jüngsten Tag. Aber die Wohnung
der Teufel ist jetzunder vom Monden bis an und in die Erden in den tiefen
Spelunken und Höhlen, sonderlich wo wüste und wilde Einöden sind und wo die Erde
sehr steinicht und bitter ist. 21. Ihr königlich Regiment aber ist in der Tiefe
in den vier Enden der Aequinoctial-Circul, davon ich an einem andern Orte
schreiben will. Allhie aber will ich dir anzeigen, wie das sei der Leib
dieser Welt worden und wie er auch auf jetzo noch stehet, und wie das
Regiment darinnen ist. 22. Der ganze Leib dieser Welt ist gleichwie ein
menschlicher Leib, denn er ist in seinem äußersten Zirk mit den Sternen oder
aufgegangenen Kräften der Natur umschlossen, und in dem Leibe regieren sieben
Geister der Natur, und das Herze der Natur stehet mitten inne. 23. Die allgemeinen Sternen aber, die sind die
wunderliche Proporz oder Veränderung Gottes, denn als Gott die Sternen schuf,
so schuf er sie aus dem Aufsteigen der Unendlichkeit aus dem alten nunmehr
angezündeten Leibe Gottes. 24. Denn gleichwie sich die sieben Quellgeister
Gottes hatten vor der Zeit des Zornes mit ihrem Aufsteigen und Infizieren in
unendlich geboren, daraus dann auch so mancherlei Figuren und himmlische Gewächse
sind aufgegangen. Also auch figurierete der heilige Gott seinen alten Leib
dieser verderbten Natur in so viel und mancherlei Kräfte als jemalen in der
Heiligkeit waren in der Geburt gestanden. 25. Verstehe dies hohe Ding recht: Ein jeder Stern
hat eine sonderliche Eigenschaft, welches du auch an der Zierheit oder an
blühenden Erden siehest. Und hat der Schöpfer den alten angezündeten Leib
darum in so viel und mancherlei Kräften wieder erbauet und lebendig gemacht,
auf daß sich durch dieses alte Leben im Zorne wieder ein solch neu Leben
durch den Schluß des Himmels darinnen gebäre, auf daß das neue Leben hätte
alle Kraft und Wirkungen, wie das alte jemals vor Zeit des Zorns hatte gehabt
und daß es könnte mit der reinen Gottheit außer dieser Welt inqualieren, und
daß es mit der Gottheit außer dieser Welt sei ein heiliger Ort. 26. Auch so war die neue Geburt in Zeit der
Schöpfung blühend, wenns der Mensch nicht hätte verderbet, durch welches die
Natur noch sehrer verderbet ward und Gott den Acker verfluchte. 27. Dieweil der Mensch zu der Frucht des alten
Leibes griff, so blieb nun die Frucht des neuen Leibes in seinem Himmel
verborgen, und muß der Mensch dieselbe nun mit dem neuen Leibe anschauen und
kann ihr mit dem natürlichen Leibe nicht genießen. 28. Davon mich wohl lüstert zu essen; ich kann sie
aber nicht erreichen, denn der Himmel ist der Schluß zwischen dem alten und
neuen Leibe, muß es derowegen darben bis in jenes Leben und meinem tierischen
Leibe Mutter Evas Zornäpfel zu essen geben. Von der Anziindung des Herzens oder Lebens dieser Welt 30. Denn die Liebe ist hitzig. Die zündet den
Feuerquell an. Der rieb sich in der herben und kalten Qualität des
erstarreten Todes, bis sich die herbe Qualität am dritten Tage erhitzete,
davon dann die Beweglichkeit oder die herbe Erde beweglich ward. 31. Denn es stund alles im Feuerschracke bis an
vierten Tag. Da zündete sich das Licht der Sonnen an, denn der ganze Leib
ängstete sich in der Geburt als ein gebärend Weib. 32. Die herbe Qualität war der Umfasser oder der
Einschließer des Lebens gewesen. In der ängstete sich nun die Hitze, welche
durch die Liebe Gottes angezündet ward, und dringete die herbe Qualität als
einen toten Leib aus. Die Hitze aber behielt im mittlern Punkt des Leibes
seinen Sitz und drang durch. 33. Als sich aber nun das Licht der Sonnen
anzündete, so stund der näheste Zirk um die Sonne im Feuerschracke, denn die
Sonne oder das Licht ward im Wasser scheinend, und die Bitterkeit aus dem
Wasser fuhr im Feuerschracke mit auf. Das Licht aber war also geschwinde
hinnach eilend und ergriff den Feuerschrack. Da blieb er als ein Gefangener
stehen und ward körperlich. 34. Davon ist in dem ersten Umgang worden der
Planeta Mars, welches Kraft in dem bittern Feuerschracke stehet, denn er ist
ein Wüter, Tober und Stürmer wie ein Feuerschrack. Dazu ist er hitzig und ein
giftiger Feind der Natur, durch welches Aufgang und Geburt in der Erden sind
allerlei giftige, böse Würmer worden. 35. Weil aber die Hitze im mittlern Punkt des
Leibes also mächtig groß war, so drang sie auch alsoweit von sich und
eröffnete die Kammer des Todes vor ihrer Anzündung des Lichts alsoweit, daß
Sie der größte Stern ist. 36. Alsbald sich aber das Licht in der Hitze
anzündete, sobald ward der hitzige Locus in dem Lichte gefangen und konnte
der Corpus der Sonnen nicht größer werden. Denn das Licht sänftiget die
Hitze. Da blieb der Corpus der Sonnen als ein Herze in Mitten stehen, denn
das Licht ist das Herze der Natur und nicht die Hitze. 37. Hie mußt du aber eigentlich merken: Alsoweit
als sich der mittlere Punkt hat angezündet, also groß ist auch die Sonne,
denn die Sonne ist anders nichts als ein angezündeter Punkt in dem Leibe der
Natur. 38. Du darfst nicht denken, daß etwa eine andere
Kraft dazu sei als in der ganzen Tiefe des Leibes überall ist. 39. Wenn die Liebe Gottes durch ihren Himmel
wollte den ganzen Leib dieser Welt durch die Hitze anzünden, so würde es
überall also licht wie in der Sonnen. 40. Wenn nun von der Sonnen könnte die große Hitze
genommen werden, so wäre sie ein Licht mit Gott. Weil aber dasselbe in dieser
Zeit nicht sein kann, so bleibet sie ein König und Regent in dem alten
verderbten und angezündeten Leibe der Natur. Und die klare Gottheit bleibet
in dem sanften Himmel verborgen. 41. Aber das Licht der Sanftmut der Sonnen
inqualieret mit der reinen Gottheit. Aber die Hitze kann das Licht nicht ergreifen,
darum bleibet auch der Locus der Sonnen in dem Leibe des Zorns Gottes. Und
darfst die Sonne nicht anbeten oder für Gott ehren, denn ihr Locus oder
Corpus kann das Wasser des Lebens von wegen ihrer Grimmigkeit nicht
ergreifen. Der höchste Grund der
Sonnen und aller Planeten 43. Ja, lieber Leser, ich verstehe der
Astrologorum Meinung auch wohl. Ich habe auch ein paar Zeilen in ihren
Schriften gelesen und weiß wohl, wie sie den Lauf der Sonnen und Sternen
schreiben. Ich verachte es auch nicht, sondern halte es meistenteils für gut
und recht. 44. Daß ich aber etliche Dinge anders schreibe,
tue ich nicht aus einem Wollen oder Wahn, daß ich zweifele, obs also sei. Ich
darf auch keinen Zweifel, so kann mich auch kein Mensch hierinnen
unterrichten. 45. Denn ich habe meine Wissenschaft nicht vom
Studio. Zwar der sieben Planeten Ordnung und Innestehen habe ich in der
Astrologorum Bücher gelesen, befinde sie auch ganz recht, aber die Wurzel,
wie sie worden und herkommen sind, kann ich nicht von Menschen
erlernen, denn sie wissens nicht. Ich bin auch nicht dabei gewesen, da
sie Gott geschaffen hat. 46. Weil mir aber in meinem Geiste die Toren der
Tiefe und Porten des Zorns, auch die Kammer des Todes ist aufgeschlossen
worden durch die Liebe Gottes, so siehet der Geist hindurch. Befinde demnach,
daß die Geburt der Natur heute noch stehet und sich also gebäret, wie sie
erstlich ihren Anfang genommen hat. Und alles, was da aufgehet in dieser
Welt, es seien gleich Menschen, Tiere, Bäume, Kraut, Gras, Erz oder was es
wolle, so gehet alles in solcher Qualität und Form auf. Und alles Leben, es
sei bös oder gut, nimmt seinen Ursprung also. 47. Denn das ist der Gottheit Recht, daß sich
alles Leben in dem Leibe Gottes auf einerlei Weise gebäre. Obs wohl durch
mancherlei Bildungen geschieht, so hat doch das Leben alles einerlei
Ursprung. 48. Solche Erkenntnis sehe ich nicht mit fleischlichen
Augen, sondern mit denen Augen, wo sich das Leben in mir gebäret. In
demselben Sitze stehet mir des Himmels und der Höllen Porten offen und
spekulieret der neue Mensch inmitten der siderischen Geburt, und stehet ihm
die innere und äußerste Geburt offen. 49. Dieweil er noch in dem alten Menschen des
Zorns und Todes stecket und sitzet auch in seinem Himmel, so siehet er durch
beide. Auf solche Weise siehet er auch die Sternen und Elementa, denn in Gott
ist kein Ort der Aufhaltung, denn das Auge des Herrn siehet alles. 50. So nun mein Geist nicht durch seinen Geist
sähe, so wäre ich ein blinder Stock. Weil ich aber die Porten Gottes in
meinem Geist sehe und habe auch den Trieb dazu, so will ich nach meinem
Anschauen recht schreiben und keines Menschen Autorität ansehen. 51. Nicht sollst du es verstehen, als wäre mein
alter Mensch ein lebendiger Heiliger oder Engel. Nein, Geselle, er sitzet mit
allen Menschen im Hause des Zorns und des Todes und ist ein steter Feind
Gottes, der in seinen Sünden und Bosheit steckt wie alle Menschen, und ist
voller Gebrechen und Mängel. 52. Das sollst du aber wissen, daß er in steter
ängstlicher Gebärung steckt und wollte des Zorns und Bosheit gerne los sein,
und kann doch nicht. Denn er ist wie das ganze Haus dieser Welt, da immer
Liebe und Zorn miteinander ringet, und gebäret sich immer der neue Leib
mitten in der Angst. Denn also muß es sein, willst du aber von neuem geboren
werden; anders erreicht kein Mensch die Wiedergeburt. 53. Der Mensch trachtet allhie immer nach sanften
Tagen des Fleisches und nach Reichtum und Schönheit, und weiß nicht, daß er
damit in der Kammer des Todes sitzet, da der Stachel des Zorns auf ihn
zielet. 54. Siehe, ich sage dirs als ein Wort des Lebens,
welches ich nehme in Erkenntnis des Geistes mitten in der Geburt des neuen
Leibes dieser Welt, über welchen ist ein Herrscher und König, der Mensch
Jesus Christus, samt seinem ewigen Vater. Auch nehme ichs vor dem Stuhle
seines Thrones, da alle heiligen Seelen der Menschen vor ihm stehen und
freuen sich vor ihm. Daß die Begierde des Fleisches in sanftem Wohltun reich
sein, schön sein, mächtig sein, ist ein lauter höllisch Zornbad, darein du
dringest und laufest, als würdest du hineingezogen, denn es ist große Gefahr
darinnen. 55. Willst du es aber wissen, wie es ist, siehe,
ich sage dirs im Gleichnis. Wenn du nach deines Herzens Lust in Reichtum und
Gewalt bist gedrungen, so ists eben mit dir, als stündest du in einem tiefen
Wasser, da dir das Wasser immer bis ans Maul ging, und unter deinen Füßen
wäre kein Grund, sondern schwimmst also mit den Händen und schützest dich.
Bald wärest du tief im Wasser, bald seicht, und wärest doch immer mit großem
Schrekken gewärtig, wenn du zugrunde gingest, da dir dann das Wasser manchmal
ins Maul ginge und immer des Todes gewärtig wärest. 6. In solcher Gestalt und nicht anders sitzest du
in deinen Wollüsten des Fleisches. Willst du nun nicht kämpfen, so wirst du
auch nicht siegen, sondern du wirst in deinem sanften Bette ermordet. Denn
der Mensch hat stets ein gewaltiges Heer vor ihm, das da stets mit ihm
kämpfet. Will er sich nicht wehren, so wird er gefangen und erschlagen. 57. Wie will sich aber der wohl wehren, der im
tiefen Wasser schwimmst? Der hat genug zu tun, daß er sich des Wassers schützet,
und wird doch gleichwohl von den Teufel bestürmet. 58. O, Gefahr über Gefahr! Wie auch unser
König Christus saget: Es wird schwerlich ein Reicher ins Himmelreich
eingehen. Es wird ein Kamel leichter durch ein Nadelöhr gehen als ein Reicher
ins Himmelreich, Matth. 19, 25; Mark. 10, 25. 59. Will aber jemand neugeboren werden, der muß
sich nicht dem Geize, Hoffart und eigen Gewalt zum Knechte geben, sich in
seines Fleisches Willen zu belustigen, sondern er muß kämpfen und streiten
wider sich selber, auch wider den Teufel und wider alle Fleischeslust, und
muß denken, daß er nur ein Knecht und Pilgram auf Erden ist, der da muß
wandern durch das gefährliche Jammermeer in eine andere Welt. Da wird er ein
Herr sein, und seine Herrschaft wird in Kraft und vollkömmlicher Lust und
Schönheit stehen; sage ich als ein Wort des Geistes. 60. Nun merke: Die Sonne hat ihren eigenen
königlichen Locum für sich und weicht von ihrem Orte, da sie ist zum
erstenmal worden, nicht ab, wie etliche meinen, sie laufe in Tag und Nacht um
den Erdboden, und auch solches etliche Astrologi schreiben, und haben sich
etliche unterstanden zu messen, wie weit ihr Umzirk sei. 61. Diese Meinung ist unrecht, sondern die Erde
drehet sich um und laufet mit den andern Planeten als wie in einem Rade um
die Sonne. Die Erde bleibet nicht an einem Orte stehen, sondern laufet in
einem Jahr einmal um die Sonne, wie auch die andern Planeten unter der
Sonnen, ausgenommen Saturnus und Jupiter könnens von wegen ihres weiten
Umgangs und großen Höhe nicht tun, dieweil sie hoch über der Sonnen stehen. 62. Nun fraget sichs: Was ist dann die Sonne und
die andern Planeten oder wie sind die worden? Siehe, die andern Planeten sind
eigne Körper, die ihr körperlich Eigentum haben, und sind an keinen stillstehenden
Ort gebunden als nur an ihren Umzirk, da sie inne laufen. Die Sonne aber ist
kein solcher Körper, sondern sie ist ein angezündeter Locus durch das Licht
Gottes. 63. Verstehe es recht: Der Ort, wo die Sonne ist,
der ist ein solcher Ort, wie du irgend einen Ort über der Erden erkiesen
möchtest. So Gott wollte das Licht durch die Hitze anzünden, so wäre die
ganze Welt ein eitel solche Sonne, denn dieselbe Kraft, darinnen die Sonne
stehet, ist überall. Und vor der Zeit des Zorns ists überall in dem Loco
dieser Welt also lichte gewesen, wie die Sonne ist, aber nicht so
unerträglich. 64. Denn die Hitze ist nicht so groß gewesen wie
in der Sonne, darum ist das Licht auch gar sanft gewesen, und von wegen der
grausamen Grimmigkeit der Sonnen wird die Sonne von der Sanftmut Gottes
unterschieden. Daß man darum nicht sagen darf, die Sonne sei eine offene
Porten des Lichts Gottes, sondern sie ist wie das Licht in des Menschen Auge.
Da gehöret der Ort des Auges auch zu dem Leibe, aber das Licht wird von dem
Leibe unterschieden. 65. Und ob es gleich durch die Hitze im Wasser des
Leibes entstehet, noch ist es ein sonderliches, welches der Leib nicht
begreifen kann. Ein solcher Unterscheid ist auch zwischen Gott dem Vater und
dem Sohne. 66. Also ist am vierten Tage in der Angstgeburt
dieser Welt im mittlern Punkt dieser Welt die Sonne aufgegangen und stehet an
ihrem ewigen körperlichen Ort stille, denn sie kann sich nicht an einem
andern setzen. 67. Denn sie ist das einige natürliche Licht
dieser Welt, und außer ihr ist kein recht Licht mehr in dem Hause des Todes.
Und obs gleich scheinet, als schienen die andern Sternen auch hell, so ists
doch nichts, sondern sie nehmen ihren Glanz alle von der Sonnen, wie bald
hernach folget. Die rechte Geburt und
Herkommen der Sonnen und Planeten 69. Als aber dieses geschah, daß die ängstliche
Geburt so streng in der Hitze stund, so brach die Liebe im Lichte Gottes
durch den Himmel des Unterscheids und zündete die Hitze an. Da ging in der
Hitze im Wasser oder im Fetten des Wassers das scheinende Licht auf und
zündete sich des Wasser Herze an. Und dies ist in einem Augenblick geschehen.
70. Denn alsbald daß das Licht hat den Corpus
recht ergriffen, so ist der Corpus in dem Lichte gefangen worden, und ist die
Hitze gefangen worden und in eine ziemliche Sanftmut verwandelt worden und
hat nicht weiter können in solcher Angst stehen. 71. Weil aber die Hitze von dem Licht ist
erschrocken, so hat sich ihr grausamer Feuerquall geleget und hat sich nicht
weiter können anzünden. Auch so hat sich die Durchbrechung der Liebe im
Lichte Gottes durch den Himmel auf diesmal mit ihrem Durchbrechen nicht
weiter erstreckt aus Gottes Fürsatze, darum ist die Sonne auch nicht größer
worden. Von dem Planeten Mars 73. Nun schreiben die Astrologi, daß der Planet
Mars über der Sonnen hoch stehe 15 750 Meilen, welches ich lasse gut sein,
dieweil ich mit dem Zirkel nicht umgehe. Also weit ist der geschwinde
Feuerschrack von seinem eignen Loco gefahren, bis ihn auch das Licht hat
ergriffen. Da ist er auch vom Licht gefangen worden, und ist still gestanden
und hat den Locum eingenommen. 74. Daß ihn aber das Licht nicht hat ehe
ergriffen, das macht der ernste Grimm und geschwinde Blitz, denn er ist von
dem Lichte nicht eher gehalten worden, bis ihn das Licht ganz infizieret hat.
75. Da stehet er nun als ein Wüter, Tober und
Beweger des ganzen Leibes dieser Welt. Denn das ist auch sein Amt, daß er mit
seinem Umgange in dem Rade der Natur alles beweget, davon alles Leben seinen
Ursprung nimmt. Von dem Planeten Jupiter 77. Du mußt aber dies Ding recht verstehen. Es ist
die Kraft des Lichts gewesen, die an diesem Ort ist blieben stehen. Die ist
ein ganz sanftes, freundliches, holdseliges und süßes Wesen. Von diesem
schreiben die Astrologi, daß er über dem Mars hoch stehe 7875 Meilen. Er ist
aber der Sänftiger des Zerstörers und wütenden Martis und ein Ursprung der
Sanftmut in allem Leben und auch ein Ursprung des Wassers, davon sich das
Leben gebäret, wie ich hernach melden will. 78. Also weit hat nun des Lebens Kraft aus der
Sonnen gereichet und nicht höher. Der Glanz oder Schein aber, welcher auch
seine Kraft hat, der reichet bis an die Sternen und durch den ganzen Leib
dieser Welt. 79. Du mußt aber dies Ding eigentlich verstehen,
wovon diese zwei Planeten sind worden. Als die Kraft des Herzens Gottes aus
dem ewigen, unerstorbenen Brunnquell des Wassers des Lebens durch den Himmel
des Unterscheides drang und zündete das Wasser in dem Loco der Sonnen an, so
fuhr der Blitz, verstehe den Feuerblitz, aus dem Wasser. Der war ganz
erschrecklich und bitter, daraus ist Mars worden. 80. Nach demselben Blitz fuhr die Kraft des Lichts
geschwinde hernach als wie ein sanftes, erhebendes Leben, und ereilete den
Feuerschrack und sänftigte ihn, daß er etwas ohnmächtig ward, und konnte
nicht mehr oder weiter durch die Tiefe brechen, sondern blieb zitternd
stehen. 81. Die ausgegangene Kraft im Lichte aber war viel
mächtiger als der Feuerschrack. Darum stieg sie auch höher als der
Feuerblitz, bis sie in der Natur Strengheit zu tief kam. Da ward sie auch
gleichwie ohnmächtig und blieb stehen. 82. Aus derselben Kraft ist der Planet Jupiter
worden, und nicht aus demselben Loco, da er stehet, sondern er zündet
denselben Locum mit seiner Kraft immer an. Er aber ist wie ein Hausgenoß in
demselben Loco, der immer in seinem Lehnhaus rumwandern muß. Die Sonne aber
hat ihr eigen Haus, sonst hat kein Planet ein eigen Haus. 83. So man will recht erkunden der Sternen Geburt
oder Anfang, so muß man eigentlich wissen die Geburt des Lebens, wie sich das
Leben in einem Leibe gebäret, denn es ist alles einerlei Geburt. 84. Wer das nicht weiß und verstehet, der weiß
auch nicht die Geburt der Sternen, denn es ist alles zusammen ein Leib. Eine
jede Kreatur, wenn in der das Leben geboren ist, so steht ihre Geburt hernach
in ihrem Leibe wie die Geburt des natürlichen Leibes dieser Welt, denn alles
Leben muß sich nach der Gottheit Recht gebären, wie sich die Gottheit immer
gebäret. 85. Wenn man nun dies recht betrachtet und
bedenket, welches doch ohne sonderliche Erleuchtung des heiligen Gottes nicht
geschehn kann, so findet man anfänglich die herbe, kalte und strenge Geburt,
welche ist eine Ursache der leiblichen Natur oder der Bildung eines Dinges. 86. So nun diese strenge und kalte, scharfe
zusammenziehende Kraft nicht wäre, so wäre kein natürlich oder leiblich
Wesen. Auch so bestünde die Geburt Gottes nicht und wäre alles
unerforschlich. 87. Aber in dieser harten, strengen und kalten
Kraft stehet das leibliche Wesen oder der Leib, darinnen sich dann des Lebens
Geist gebäret, und aus demselben Geiste das Licht und der Verstand, dadurch
dann die Sinnen und die Approbierung aller Kräfte entstehet. 88. Denn wenn das Licht geboren wird, so wird es
inmitten des Leibes als ein Herze oder Geist aus allen Kräften geboren. Und
da stehet es auch in seinem anfänglichen Orte stille und gehet durch alle
Kräfte. 89. Denn gleichwie es aus allen Kräften geboren
ist und hat aller Kräfte Quellbrunn, also bringet es auch mit seinem Scheine
aller Kräfte Quellbrunn in eine jede Kraft, davon dann der Geschmack und
Geruch, sowohl auch das Sehen, Fühlen und Hören entstehet und die Vernunft
und der Verstand. 90. Nun wie des Lebens Urkund und Anfang in einer
Kreatur ist, also ist auch die erste Wiedergeburt der Natur des neuen Lebens
in dem verderbten Leibe dieser Welt. 91. Und wer das leugnet, der hat weder rechten
Verstand noch einige Erkenntnis der Natur. Auch so ist seine Erkenntnis nicht
in Gott geboren, sondern er ist ein Spötter Gottes. 92. Denn siehe, du kannsts nicht leugnen, daß das
Leben in einer Kreatur nicht in der Hitze des Herzens entstehe. Und in
demselben Leben stehet auch das Licht der animalischen Geburt. 93. Nun bedeutet das Herz die Sonn. Sie ist auch
des Lebens Anfang in dem äußerlichen Leibe dieser Welt. Nun kannst du ja
nicht sagen, daß die animalische Geburt vom Herzen abweiche, weil der Leib in
der Beweglichkeit stehet. 94. Also auch weichet die Sonne nicht von ihrem
Sitze ab, sondern behält ihren eignen Locum als ein Herze für sich und
leuchtet als ein Licht oder als ein Geist des ganzen Leibes dieser Welt in
allen Kräften des Leibes. 95. Denn ihre Geburt ist auch anfänglich aus allen
Kräften. Darum ist sie mit ihrem Licht und Hitze auch wieder ein Geist und
Herze in dem ganzen Leibe dieser Welt. 96. Weiter so kannst du das auch nicht leugnen,
daß die Galle in einer Kreatur nicht sei vom Herzen entstanden, denn sie hat
eine Ader zum Herzen und ist des Herzens Beweglichkeit, davon die Hitze
entstehst. 97. Sie hat ihren ersten Ursprung vom Blitz des
Lebens. Wenn sich das Leben im Herzen gebäret und daß das Licht im Wasser
aufgehet, so gehet der Feuerschrack vorher. Der steiget aus der Angstlichkeit
des Wassers in der Hitze auf. 98. Denn wenn sich die Hitze in der Kälte in der
herben Qualität also ängstet und daß sich das Licht durch den verborgenen
Himmel des Herzens in der Leiblichkeit anzündet, so erschrickt der ängstliche
Tod im Zorn Gottes und weichet als ein Schrack oder Blitz von dem Licht und
steiget ganz erschrecklich, zitternd und furchtsam über sich. Und des Herzens
Licht eilet ihm nach und infizieret den; alsdann bleibet er sitzen. 99. Und das ist und bedeutet den Planeten Mars,
denn also ist er auch worden. Und seine eigene Qualität ist anders nichts
denn ein giftig, bitter Feuerschrack, welcher aus dem Loco der Sonnen ist
aufgegangen. 100. Er ist aber nun immer ein Anzünder der Sonnen
gleichwie die Galle des Herzens, davon die Hitze, beides in der Sonnen und im
Herzen, bestehet, und davon das Leben in allen Dingen seinen Ursprung nimmt. 101. Zum dritten kannst du auch nicht leugnen, daß
das Gehirne im Haupte in einer Kreatur nicht sei des Herzens Kraft, denn aus
dem Herzen steigen alle Kräfte auf ins Hirn. Davon entstehen in dem Hirne die
Sinnen des Herzens. 102. Das Hirn im Haupt nimmt seinen Ursprung von
der Kraft des Herzens. 103. Merke: Nachdem der Feuerschrack der Gallen
oder des Martis ist von dem Lichte des Lebens abgewichen, so dringet die
Kraft aus dem Herzen durch das Licht des Lebens hernach bis ins Haupt in die
strenge Qualität. Und wenn dann die Kraft nicht höher kann, so wird sie von
der strengen Geburt gefangen und von der Kälte vertrocknet. 104. Da stehet sie nun und inqualieret mit des
Lebens Geiste im Herzen und ist ein königlicher Stuhl des Geistes des
Herzens, denn bis dahin bringt der Geist des Herzens Kraft und da wird es
approbieret. 105. Denn das Hirn sitzet in der strengen Geburt
und ist in seinem eigenen Corpus die sanfte Kraft des Herzens und bedeutet
recht die neue Wiedergeburt, welche mitten in der Strengheit des Todes und
Zornes in seinem Himmel wieder neugeboren wird und dringet durch den Tod ins
Leben. Denn da wird der Geist oder die Gedanken wieder eine ganze
kreatürliche Person durch die Infizierung oder Approbierung aller Kräfte,
welches ich im Menschen die animalische Geburt heiße. 106. Denn wenn der neue Geist im Hirne recht
vertieret ist, so fähret er wieder in seine Mutter in das Herze. Alsdann
stehet er als ein vollkömmlicher Geist oder Wille oder als eine neugeborne
Person, welche im Menschen die Seele heißet. 107. Nun siehe, wie im Menschen das Hirn ein Wesen
und Herkommen ist, also ist auch der Planet Jupiter ein Wesen und Herkommen,
denn er hat seinen Ursprung vom Aufgang des Lebens von der Kraft, welche aus
dem Wasser des Lebens aus dem Loco der Sonnen durch das Licht ist aufgangen. 108. Und ist dieselbe Kraft so hoch gestiegen, bis
sie ist wieder in der strengen, harten und kalten Kraft gefangen worden.
Allda ist sie blieben stehen und durch den ersten Umgang oder Fortgang
körperlich worden und von der strengen und kalten Kraft vertrocknet. 109. Und ist wohl recht das Hirn in dem leiblichen
Regiment dieser Welt, davon die Sinnen und Vernunft geboren werden, auch alle
Sanftmut und Weisheit in der Natürlichkeit. Aber der rechte und Hl. Geist im
Menschen wird im verborgenen Himmel im Wasser des Lebens geboren. 110. Der äußerliche Jupiter ist nur die Sanftmut
und der Verstand in der äußerlichen Begreiflichkeit. Der heilige Brunnquell
aber ist unbegreiflich und der äußerlichen Vernunft unerforschlich. Denn die
siderische Geburt stehet nur mit der Wurzel im heiligen Himmel und mit der Leiblichkeit
im Zorne. Das 26. Kapitel Von dem Planeten Saturno Saturnus, der kalte, scharfe
und strenge, herbe Regent, nimmt seinen Anfang und Herkommen nicht von der Sonnen,
denn er hat in seiner Gewalt die Kammer des Todes, und ist ein Vertrockner
aller Kräfte, davon die Leiblichkeit entstehet. 2. Gleichwie die Sonne ist des Lebens Herze und
ein Ursprung aller Geister in dem Leibe dieser Welt, also ist Saturnus ein Anfänger
aller Leiblichkeit und Begreiflichkeit, und stehet in dieser zwei Planeten
Gewalt der ganze Leib dieser Welt und mag keine Kreatur oder Bildung, sowohl
auch keine Beweglichkeit außer dieser beider Gewalt in dem natürlichen Leibe
dieser Welt werden. 3. Sein Ursprung aber ist die ernstliche, herbe
und strenge Ängstlichkeit des ganzen Leibes dieser Welt, denn als in Zeit der
Anzündung des Zorns das Licht in der äußersten Geburt dieser Welt verlosch -
welche Geburt ist die Natürlichkeit oder Begreiflichkeit oder das Aufsteigen
der Geburt aller Quellgeister – so stund die herbe Qualität in ihrer
schärfesten und strengesten Geburt, und zog aller Quellgeister Gewirke ganz
herb und streng zusammen. Davon dann die Erde und Steine sind worden. Und war
wohl recht das Haus des Todes oder die Einschließung des Lebens, darinnen
dann König Luzifer ist gefangen worden. 4. Als aber am ersten Tage das Licht durch das
Wort oder Herze Gottes etwas in der Wurzel der Natur des Leibes dieser Welt
wieder anbrach, gleichwie eine Erkiesung des Tages oder Anfang der
Beweglichkeit des Lebens, so kriegte die strenge und herbe Geburt wieder
einen Anblick oder Aufgang des Lebens in der Geburt. 5. Von diesem an ist sie gleichwie im ängstlichen
Tode gestanden bis an dritten Tag, da die Liebe Gottes ist durch den Himmel
des Unterscheides gedrungen und hat das Licht der Sonnen angezündet. 6. Weil aber der Sonnen Herze oder Kraft nicht
konnte die ängstliche Geburt oder die Qualität des Grimmes und Zorns
aufschließen und temperieren, vorab in der Höhe über dem Jupiter, so stund
derselbe ganze Umzirk in grausamer Ängstlichkeit als ein Weib in der Geburt,
und konnte doch die Hitze nicht erwecken von wegen der grausamen Kälte und
Herbigkeit. 7. Weil aber gleichwohl allda die Beweglichkeit
war aufgangen durch Kraft des verborgenen Himmels, so konnte die Natur nicht
ruhen, sondern ängstete sich zur Geburt, und gebar aus dem Geiste der Schärfe
den herben, kalten und strengen Sohn oder Stern Saturnum. 8. Denn der Geist der Hitze konnte sich nicht
anzünden, davon das Licht und aus dem Licht durch das Wasser die Liebe und
Sanftmut entstehet, sondern es war eine Geburt der strengen, kalten und
ernsten Grimmigkeit, der da ist ein Vertrocknet, Verderber und Feind der
Sanftmut, der in den Kreaturen die harten Beine gebäret. 9. Saturnus aber ist nicht an seinen Locum
gebunden wie die Sonne, denn er ist nicht ein leiblicher Ort in dem Raume der
Tiefe, sondern er ist ein Sohn, der aus der Kammer des Todes, aus der
angezündeten, harten und kalten Angstlichkeit geboren ist, und ist nur ein
Hausgenoß in dem Raume, da er in umlaufet. Denn er hat sein körperlich
Eigentum für sieh wie ein Kind, wenn es von der Mutter geboren ist. 10. Warum er aber von Gott also aus der strengen
Geburt ist aufgangen und was sein Amt ist, will ich hernach melden vom
Umtreiben der Planeten. 11. Seine Höhe aber kann man nicht gar eigentlich
wissen. Ich halte es aber gänzlich dafür, daß er zwischen dem Jupiter und dem
allgemeinen Gestirne in der Tiefe inmitten steht, denn er ist das Herze der
Leiblichkeit in der Natur. 12. Gleichwie die Sonne ist das Herze des Lebens
und eine Ursache der Naturgeister, also ist er das Herze und eine Ursache
aller Körper und Bildungen in der Erden und auf der Erden, sowohl in dem
ganzen Leibe dieser Welt. 13. Und wie im Menschen die Hirnschale ist ein
Umfasser und Einschließer des Hirns, darinnen sich die Gedanken gebären, also
ist die saturnalische Kraft ein Umfasser, Vertrockner und Behalter aller
Leiblichkeit und Begreiflichkeit. 14. Und gleichwie der Planet Jupiter, welcher ist
ein Aufschließer und Gebärer der Sanftmut zwischen dem grimmigen Mars und dem
strengen Saturnus stehet und gebäret die Sanftmut und Weisheit in den
Kreaturen, also auch wird das Leben und der Sinn aller Kreaturen zwischen
diesen zwei Qualitäten geboren, vorab der neue Leib dieser Welt, sowohl auch
der neue Mensch, davon du bei Beschreibung des Menschen finden wirst. Von dem Planeten Venus 16. Hie merke dies recht und eigentlich: Als die
Liebe Gottes den Locum der Sonnen oder die Sonne anzündete, so ging erstlich
aus der Ängstlichkeit aus dem Loco der Sonnen, aus den sieben Quellgeistern
der Natur auf der erschreckliche und grimmige bittere Feuerschrack, welches
Geburt und anfänglicher Ursprung ist der angezündete bittere Zorn Gottes in
der herben Qualität durch das Wasser. 17. Der ging zuerst in der Anzündung der Sonnen
aus der Kammer des Todes auf und war ein Aufwecker des Todes und ein Anfänger
des Lebens, und stieg ganz grimmig und zitternd über sich, bis ihn das Licht
der Sonnen ergriff und infizierte. Da ward er durch die Sanftmut des Lichtes
gefangen und blieb stehen. Davon ist der Planet Mars worden. 18. Nach demselben Feuerschrack ist die Kraft des
Lichts, welche sich anfänglich aus dem Fetten des Wassers hinter dem
Feuerschracke hat geboren, urplötzlich als eine Mächtigkeit hinach gefahren,
und hat den grimmigen Feuerschrack gefangen genommen und sich über demselben
hoch erhoben als ein Fürst und Zähmer der Grimmigkeit. Davon ist nun die
Sinnlichkeit der Natur oder der Planet Jupiter worden.
Porten der Liebe 20. Du mußt aber allhier dies hohe Ding recht
verstehen: Die Geburt oder der Aufgang der sieben Planeten und aller Sternen
ist nichts anders als wie sich das Leben und die wunderliche Proporz der
Gottheit von Ewigkeit geboren hat. 21. Denn als ihm König Luzifer den Locum dieser
Welt als ein Zornhaus zugerichtet hatte und vermeinte, also grimmig und
gewaltig darinnen zu herrschen, so verlosch zuhand das Licht in der Natur,
darinnen er verrneinte, ein Herr zu sein, und erstarrete die ganze Natur als
ein Leib des Todes, darinnen keine Beweglichkeit war, und mußte er als ein
ewig Gefangener in der Finsternis bleiben. 22. Nun wollte aber der heilige Gott diesen Locum
seines Leibes, verstehe den Raum dieser Welt, nicht lassen in ewiger
Finsternis und Schande stehen und den Teufeln eigentümlich lassen, sondern
gebar ein neu Regiment des Lichts und aller sieben Quellgeister der Gottheit,
welches der Teufel nicht ergreifen noch fassen konnte, es war ihm auch nichts
nütze. 23. Denn er kann in dem Lichte der Sonnen nichts
mehr sehen als in der Finsternis, denn er ist in diesem Lichte nicht zur
Kreatur worden, darum ists ihm auch nichts nütze. 24. Dieweil es aber sollte ein neu Regiment sein,
so mußte es ein Regiment sein, das der Teufel nicht fassen konnte, und das er
nicht zu seinem körperlichen Eigentum brauchen könnte. 25. Das ist nun also beschaffen: Es hat die Liebe
oder das Wort oder das Herze, das ist: der eingeborne Sohn Gottes des Vaters,
der da ist das Licht und die Sanftmut und die Liebe und die Freude der Gottheit,
wie er selber saget, als er die Menschheit hatte an sich genommen: Ich bin
das Licht der Welt, Joh 8,12 – den Locum dieser Welt beim Herzen genommen und
in der Mitten des Raumes an der Stelle, wo der mächtige Fürst und König
Luzifer war gesessen vor seinem Falle, und da er war zur Kreatur worden,
neugeboren. 26. Und sind aus diesem angezündeten Loco der
Sonnen sonderlich sechserlei Qualitäten entstanden und geboren worden, alles
nach der göttlichen Geburt Recht. 27. Erstlich ist aufgangen der Feuerschrack oder
die Beweglichkeit in der Hitze, das ist der Anfang des Lebens in der Kammer
des Todes. Nach demselben ists zweitens das Licht in dem Fetten des Wassers
in der Hitze scheinend worden. Das ist nun die Sonne. 28. Zum dritten als nun das Licht der Sonnen hat
den ganzen Corpus der Sonnen infizieret, so ist die Kraft des Lebens, welche
aus der ersten Infizierung ist aufgangen, über sich gestiegen, als gleich
wenn man ein Holz anzündet oder so man Feuer aus einem Steine schläget. 29. So siehet man zuerst den Glanz und aus dem
Glanz den Feuerschrack und nach dem Feuerschrack die Kraft des angezündeten
Corporis. Und das Licht mit der Kraft des Corpus erhebet sich urplötzlich
über den Schrack und regieret viel höher, tiefer und mächtiger als der Feuerschrack.
30. Auch qualifizieret die Kraft des angezündeten
Corpus in der ausgegangenen Kraft außer dem Feuer sanft, lieblich und
sinnreich, und verstehet man hierinnen das göttliche Wesen recht. Also hats
auch eine Gestalt mit Werdung der Sonnen und der zwei Planeten Mars und
Jupiter. 31. Weil aber der Locus der Sonnen, das ist die
Sonne, alle Qualitäten nach der Gottheit Recht, wie auch alle anderen Örter
in sich hatte, so stiegen auch zuhand in der ersten Anzündung alle Qualitäten
auf und nieder und gebaren sich nach ewigem unanfänglichem Recht. 32. Denn die Kraft des Lichts, welche die herbe
und bittere Qualität in dem Loco der Sonnen sänftigte und dünne machte gleich
dem Wasser oder der Liebe des Lebens, stieg unter sich nach der Demütigkeit Art.
33. Daraus ist der Planet Venus worden, denn er
ist in dem Hause des Todes ein Aufschließer der Sanftmut oder Anzünder des
Wassers und ein weicher Durchdringer in der Härtigkeit, ein Anzünder der
Liebe, in welchem das Oberregiment als der bittern Hitze des Mars und die
herzliche Sinnlichkeit des Jupiters begierlich wird. 34. Davon entsteht die Infizierung, denn die
Venuskraft macht den grimmen Mars oder Feuerschrack linde und sänftiget ihn.
Und den Jupiter macht sie demütig, sonst bräche die Kraft Jupiters durch die
harte Kammer Saturni und den Menschen und Tieren durch die Hirnschale und
verwandelte sich die Sinnlichkeit in Hochmut über der Gottheit Geburtrecht
auf Art und Weise des stolzen Teufels. Von dem Planeten Marcurius 36. Denn dasselbe nimmt einen solchen Anfang und
Aufgang und stehet auch in solchem Orden wie die Geburt des Wesens aller
Wesen in dem Leibe dieser Welt. 37. Denn das anstehende Rad der Sternen und Planeten
ist anders nicht als wie die Geburt in dem siebenten Naturgeiste vor den
Zeiten der Welt ist aufgangen, darinnen sich haben Bildnisse und Figuren,
sowohl himmlische Früchte, figurieret nach der ewigen Gottheit Recht. 38. Weil denn der Mensch ist nach der
Qualifizierung Gottes und auch aus dem göttlichen Wesen geschaffen, so hat
das menschliche Leben einen solchen Anfang und Aufgang, wie der Planeten und
Sternen gewesen ist. 39. Denn der Planeten und Sternen Anfang,
Instehen, Lauf und Wesen ist anders nicht als der Anfang und Trieb oder das
Regiment im Menschen. 40. Wie nun das menschliche Leben aufgehet, also
ist auch die Geburt der sieben Planeten und Sternen aufgangen, und ist in
diesem gar kein Unterscheid. Das Centrum oder Zirkel des
Lebens Geburt – Die große Tiefe 42. Weil sie aber in der Natur erfunden werden als
Mörder und Übeltäter wider Gottes und der Natur Gesetz und Recht, so spricht
ihnen der Geist, welcher mit Gott inqualieret, ihre Mörderei nicht für recht.
43. Hätten sie doch die wunderliche Geburt der
Menschen können viel näher und gewisser erfahren, wenn sie ihr stolzer
Hochmut und teuflischer mörderischer Suchlust hätte lassen dazu kommen,
welcher ihnen die rechten göttlichen Sinnen verkehrst hat. Sie haben nur
wollen mit Menschen und nicht mit Göttern kämpfen. Darum ist ihnen der Lohn
ihres Irrtums billig zuteil worden. 44. Wohlauf, ihr gekröneten Hütlein, laßt sehen,
ob auch ein einfältiger Laie könne die Geburt des Mensch Lebens in der
Erkenntnis Gottes erforschen. Ists unrecht, so widerlegts; ists aber recht,
so lassets stehen. 45. Diese Beschreibung von des Menschen
Lebensgeburt setze ich darum hieher, damit der Ursprung der Sternen und
Planeten könne besser gefasset werden. Bei der Beschreibung von Erschaffung
des Menschen wirst du alles urkundlicher und tiefer finden, wie der Anfang
des Menschen sei. 46. Nun merke: Der Same im Menschen wird auf Art
und Weise geboren, wie die wunderliche Proporz und Gestalt der Natur ist in
ihrem Ringen und Aufgang von Ewigkeit geboren worden. 47. Denn das menschliche Fleisch ist und bedeutet
die Natur in dem Leibe Gottes, welche von den andern sechs Quellgeistern
geboren wird, darinnen sich die Quellgeister wiederum gebären und in
unendlich erzeigen, darinnen Formen und Bildungen aufgehen und darinnen sich
das Herze Gottes oder die heilige klare Gottheit im mittlern Sede über der
Natur gebäret im Centro, wo des Lebens Licht aufgehet. 48. Nun aber sind in dem menschlichen Leib in dem
Geburtregiment drei unterschiedliche Dinge, da ein jedes ein sonderliches
ist, und sind doch auch nicht voneinander getrennt, sondern sind alle drei
zusammen nur der einige Mensch nach Art und Weise der Dreiheit in dem
göttlichen Wesen. 49. Das Fleisch ist nicht das Leben, sondern es
ist ein tot unverständiges Wesen, welches, wenn des Geistes Regiment darinnen
aufhöret zu qualifizieren, alsbald ein tot Aas wird, verfaulen und zerstieben
muß. 50. Nun aber kann auch kein Geist außer dem Leibe in
seiner Vollkommenheit bestehen, denn alsbald er von dem Leibe entschieden
wird, verlieret er das Regiment. Denn der Leib ist die Mutter des Geistes, in
welcher der Geist geboren wird und in welcher er seine Stärke und Kraft
nimmt. Er ist und bleibet wohl der Geist, wenn er vom Leibe geschieden wird,
aber er verlieret das Regiment. 51. Diese drei Regimente sind der ganze Mensch mit
Fleisch und Geiste, und haben zu ihrem Anfang und Regiment sonderlich
siebenerlei Gestalt nach Art und Weise der sieben Geister Gottes oder der
sieben Planeten. 52. Wie nun Gottes ewiges, unanfängliches
Geburtregiment ist, also ist auch der Anfang und Aufgang der sieben Planeten
und Sternen, und also ist auch der Aufgang des Menschen Lebens. 53. Nun merke: Wenn du sinnest und denkest, was da
sei in dieser Welt und außer dieser Welt oder das Wesen aller Wesen, so
spekulierest du oder sinnest du in dem ganzen Leibe Gottes, welcher ist das
Wesen aller Wesen, und der ist ein unanfängliches Wesen. 54. Er hat aber in seinem eigenen Sede seine
Beweglichkeit, Vernünftigkeit oder Begreiflichkeit, sondern ist eine finstere
Tiefe, die weder Anfang noch Ende hat. Es ist darinnen weder dicke noch
dünne, sondern ist eine finstere Kammer des Todes, da nichts gespüret wird,
auch weder kalt noch warm, sondern ist das Ende aller Dinge. 55. Dieses ist nun der Leib der Tiefe oder die
wahrhaftige Kammer des Todes. 56. Nun aber sind in diesem finstern Tale die
sieben Geister Gottes, die auch weder Anfang noch Ende haben, da keiner der
erste und auch keiner der ander, dritte und letzte ist. 57. In diesen sieben Regimenten teilet sich das
Regiment in drei unterschiedliche Wesen, da keines außer dem andern ist oder
von dem andern getrennet wird. Die sieben Geister aber gebären auch je einer
den andern von Ewigkeit zu Ewigkeit. 58. Das erste Regiment stehet in dem Corpus aller
Dinge, das ist in der ganzen Tiefe oder Wesen aller Wesen. Der hat an allen
Enden und Orten die sieben Geister in sich habhaftig und eigentümlich,
unabtrennlich oder unverrücklich zum Eigentum. 59. So nun die sieben Geister nirgends an einem
Orte nicht triumphierend ringen, so ist am selben Orte keine Beweglichkeit,
sondern eine tiefe Finsternis. Und ob gleich die Geister am selben Orte
vollkömmlich sind, noch ist der Locus ein finster Haus, wie du solches an
einem finstern Gemache kannst verstehen, darinnen die angezündeten Geister
der Planeten und Sternen nicht können die Elementa anzünden. 60. Nun aber ist die Wurzel der sieben Geister an
allen Enden, aber außer dem Ringen stehet sie stille, und spüret man keine
Beweglichkeit. 61. Ein solch Haus ist die ganze Tiefe außer, in
und über allen Himmeln, welches Haus heißt die Ewigkeit. Und ein solch Haus
ist auch das Fleischhaus in Menschen und allen Kreaturen. 62. Und diesen Wesen zusammen begreift die
Ewigkeit, welche nicht Gott heißt, sondern der unallmächtige Leib der Natur,
da zwar die Gottheit unerstorben im Kern der sieben Geister verborgen stehet,
aber nicht begriffen noch verstanden wird. 63. Ein solch Haus ist auch der ganze Raum dieser
Welt worden, als sich die Gottheit in den sieben Geistern vor den greulichen
Teufeln verborgen hat. Wäre es auch noch, wenn nun nicht die sieben Planeten
und Sternen wären aus den Geistern Gottes aufgangen, welche die Kammer des
Todes in dem finstern Hause dieser Welt an allen Enden wieder aufschließen
und anzünden, davon das Regiment der Elementen entstehet. 64. Ferner sollst du aber gleichwohl auch wissen, daß
das Regiment der sieben Geister Gottes in dem Hause dieser Welt darum nicht
sei im Tode vertrocknet, daß nur alles müsse von den Planeten und Sternen
sein Leben und Anfang bekommen. 65. Nein, denn die klare Gottheit stehet
allenthalben im Zirkel im Herzen der ganzen Tiefe verborgen, und die sieben
Geister stehen in dem Leibe der Tiefe in Ängstlichkeit und großer
Sehnlichkeit und werden von den Planeten und Sternen immer angezündet, davon
die Beweglichkeit und die Geburt in der ganzen Tiefe entstehet. 66. Dieweil sich aber das Herze der Gottheit in
dem Leibe dieser Welt in der äußersten Geburt, welches ist die Leiblichkeit,
verbirget, so ist die Leiblichkeit ein finster Haus, und stehet alles in
großer Ängstlichkeit und bedarf eines Lichts, welches in der Kammer der
Finsternis leuchtet, welches ist die Sonne, also lange bis sich das Herze
Gottes in den sieben Geistern Gottes in dem Hause dieser Welt wieder wird
bewegen und die sieben Geister anzünden. 67. Alsdann werden die Sonne und die Sternen wieder
in ihren ersten Locum treten und in solcher Forma vergehen, denn es wird das
Herz oder Licht Gottes wiederum in der Leiblichkeit, das ist in dem Leibe
dieser Welt leuchten und alles erfüllen. 68. Alsdann höret die Ängstlichkeit auf, denn wenn
die Ängstlichkeit im Geburtregiment die Süßigkeit des Lichts Gottes kostet,
daß das Herze Gottes mit im Geburtregiment triumphieret, so ist alles
freudenreich und triumphieret der ganze Leib. 69. Welches jetzunder in dieser Zeit in dem Hause
dieser Welt nicht sein kann von wegen der grimmigen gefangenen Teufel, welche
in der äußersten Geburt in dem Leibe dieser Welt haushalten bis in das
Gerichte Gottes. 70. Hie kannst du nun verstehen, wie das Herze
Gottes die Wurfschaufel in der Hand hat und wird einmal seine Tennen fegen,
welches ich hiemit ernstlich anmelden tue als in Erkenntnis im Lichte des
Lebens, wo das Herze im Lichte des Lebens durchbricht und verkündet den
hellen Tag. Vom Menschen und Sternen 72. Weil sich aber das Herze Gottes im Centro oder
Kern verbirget, so kann es nicht sein, gebäret derowegen die Ängstlichkeit
nicht mehr als einen Samen. Das Fleischhaus gebäret einen Samen seines
gleichen wieder zu einem Menschen, und des Geistes Haus in dem Instehen der
sieben Geister gebäret in dem Samen einen andern Geist seines gleichen wieder
zu einem Menschengeist. 73. Und des verborgenen Herzens Haus gebäret ihm
auch wieder einen solchen Geist, der dem Fleischhause und auch den
siderischen Geburtgeistern im Leibe verborgen stehet, gleichwie das Herze
Gottes in den sieben Geistern Gottes in der Tiefe dieser Welt in den Geistern
verborgen stehet und sie nicht anzündet bis nach dieser Enummeration oder
Zeitrechnung. 74. Dieser dritte Geist ist die Seele im Menschen,
und inqualieret mit dem Herzen Gottes als ein Sohn oder kleines Götterlein in
dem großen unermeßlichen Gott. 75. Nun diese drei unterschiedlichen Regimente
werden in dem Samen geboren, welcher seinen Ursprung im Fleische nimmt, wie
ich davorne angemeldet habe. 76. Nun merke die verborgene Geheimnis: Ihr
Naturkünder, nun merket die Porten der großen Geheimnis: Aus der ängstlichen
Kammer in dem Leibe dieser Welt aus den sieben Geistern Gottes sind aufgangen
die Sternen, die zünden an den Leib dieser Welt, und aus dem Leibe gebäret
sich nun die Frucht oder der Same, welcher ist Wasser, Feuer, Luft, Erde. 77. Die Erste ist des siebenten Geistes Gottes Frucht,
welcher ist die Natur der Leiblichkeit, darinnen sich die andern sechs
Geister wieder gebären und den Salitter des siebenten Geistes in unendlicher
Gestalt und Formen figurieren, also daß die Erde auch ihren Samen gebäret,
welches ist die Frucht der Gewächse, wie solches vor Augen ist. 78. Nun ist des Menschen Fleischhaus auch ein
solch Haus wie die finstere Tiefe dieser Welt, darinnen sich die sieben
Geister Gottes gebären. 79. Weil aber der Mensch ein eigen Leib ist, der
da ist ein Sohn des ganzen Leibes Gottes, so gebäret er auch einen eigenen
Samen nach dem Regiment seiner körperlichen Quellgeister. 80. Der Leib nimmt seine Speise von dem Samen der
sieben Geister Gottes in dem Leibe der großen Tiefe, welcher ist Feuer, Luft,
Wasser, Erde. Von der Erden nimmt er die Geburt der Erden oder die Frucht,
denn er ist viel edler als die Erde. Er ist eine ausgezogene Masse aus dem
Salitter aus dem siebenten Naturgeiste. 81. Denn als der Leib der Natur durch die Teufel
angezündet war, so zog das Wort oder Herze Gottes die Massam zusammen, noch
ehe als der verderbte Salitter zusammengedrückt war, welcher nun Erde heißt,
von wegen der harten Grimmigkeit oder Verderbung. 82. Als aber die Erde zusammengedrückt war, so
stund die Massa in der finstern Tiefe in dem erschaffenen Himmel zwischen der
ängstlichen Geburt und der Liebe des Herzens Gottes bis an den sechsten Tag.
Da blies das Herze Gottes das Licht des Lebens aus seinem Herzen in der Massa
innerste oder dritte Geburt. 83. Als dieses geschah, so fingen in der Massa die
sieben Quellgeister an zu qualifizieren, und gebar sich in der Massa der Same
der sieben Quellgeister, als Feuer, Luft und Wasser, wie in dem Leibe der
Tiefe. 84. Also ward der Mensch eine lebendige Seele nach
Art und Weise, wie da ist aufgegangen die Sonne und daraus die sieben
Planeten. 85. Das Licht im Menschen, welches das Herze
Gottes hat neingeblasen, bedeut die Sonne, welche in der ganzen Tiefe
leuchtet, davon du bei der Schöpfung des Menschen wirst klarer finden. 86. Nun siehe: Gleichwie in der Tiefe dieser Welt
durch Anzündung der Sternen wird aus dem Leibe der finstern Tiefe ein Same
geboren gleich dem kreatürlichen Leibe, also auch in gleicher Gestalt wird in
dem Fleischhause des Menschen ein Same geboren nach der sieben Quellgeister
ewigem Geburtrecht. 87. Und in dem Samen sind drei unterschiedliche
Dinge, da je eines das andere nicht ergründen kann. Und sind doch nur in dem
einigen Samen, und inqualieren auch miteinander als ein Wesen, und ist auch
nur ein Wesen und auch drei unterschiedliche Dinge nach Art und Weise der
Dreiheit in der Gottheit. 88. Erstlich ist der ganze Körper des Menschen,
der ist ein finster Haus und hat außer der sieben Geister Qualifizieren keine
Beweglichkeit, sondern ist ein finster Tal gleichwie der Leib der Tiefe
dieser Welt. 89. Nun ist in dem finstern Leibe des Menschen
auch ein solch Regiment mit den sieben Geistern gleichwie in dem Leibe der
Tiefe. Wenn die sieben Geister nach der Gottheit Geburtrecht qualifizieren,
so gebäret sich aus dem Ringen der sieben Geister ein Same nach ihres
gleichen. 90. Derselbe Same hat nun erstlich eine Mutter,
das ist die finstere Kammer des Fleischhauses. Zum zweiten hat er eine
Mutter, das ist das Rad der sieben Geister nach Art der sieben Planeten. Zum
dritten hat er eine Mutter, die wird im Zirkel der sieben Geister geboren
inmitten und ist das Herze der sieben Geister. 91. Das ist nun die Mutter der Seelen, welche die
sieben Geister durchscheinet und lebendig macht. Und an dieser Stätte inqualieret
der Same mit dem Herzen Gottes, aber nur derjenige, in welchem das Licht
angezündet wird. In welchem aber das Zornfeuer brennet, da bleibet diese
dritte Mutter in der finstern Kammer gefangen. 92. Und ob sie gleich die dritte Mutter ist, so bleibt
sie doch eine Närrin, so das Licht in ihr sich nicht anzündet, gleichwie die
Tiefe dieser Welt eine Närrin vor dem Herzen Gottes ist, in dem das Rad der
sieben Geister in so großer Ängstlichkeit stehet, in so vielem Verderben und
Erlösen, in Hitze und Kälte, wie vor Augen ist. 93. Wenn aber die dritte Mutter im Lichte
angezündet wird, so stehet sie im geschaffenen Himmel des heiligen Lebens und
durchleuchtet die andere Mutter, davon die sieben Geister einen freundlichen
Willen bekommen, welcher ist die Liebe des Lebens, wie du kannst davorne im
8. Kapitel von der Liebegeburt Gottes lesen. 94. Die dritte Mutter aber kann sie nicht immer
beharrlich durchleuchten, denn sie stehet in dem Hause der Finsternis,
sondern sie gibt ihr manchmal einen Blick, gleich als wenns wetterleuchtet,
davon die dritte Mutter manchmal auch ganz lüsternd wird und sich hoch
erfreuet, aber von der Grimmigkeit des Zorns Gottes bald wieder zugeriegelt
wird. 95. Auch so tanzet der Teufel auf dieser Porten,
denn es ist die Gefängnis, darinnen der neue Mensch verborgen lieget und
darinnen der Teufel gefangen liegt. 96. Ich meine aber in dem Hause der Tiefe dieser
Welt, wiewohl das Fleischhaus und die Tiefe alles zusammen miteinander
inqualieret als ein Leib, und ist auch ein Leib, allein unterschiedliche
Partes, oder Glieder. Die Tiefe im Centro 98. Erstlich fänget der herbe Geist, der zeucht
eine Massa aus dem süßen Wasser zusammen, das ist aus der Fettigkeit des
Herzengeblütes oder Saftes oder Öles des Herzens. Dasselbe Öl hat nun schon
die Wurzel der Dreiheit in sich wie der ganze Mensch, denn es ist eben, als
würfe man einen Zunderfeuer in Stroh. 99. Nun fraget sichs, wie das zugebe. Hie ist nun
der rechte Grund des Menschen. Nun merke eigentlich, denn es ist der Spiegel
des großen Geheimnis, die tiefe Verborgenheit der Menschheit, darum alle
Gelehrten von der Welt her haben getanzet und haben diese Tür gesucht und
doch nicht funden. 100. Nun muß ich aber einmal anmelden, daß es die
Morgenröte des Tages sei, als es dann der Türhüter haben will. 101. Nun merke: Gleichwie die erste Massa ist
worden, daraus Adam ein lebendiger Mensch ward, also auch in gleicher Gestalt
wird ein jeder Massa oder Same der Dreiheit in jedem Menschen. 102. Merke: Als der Salitter oder das Gewirke der
sechs Quellgeister, welches ist der siebente Naturgeist, in dem Raum dieser
Welt angezündet ward, so stund das Wort oder Herze Gottes allenthalben mitten
im Zirkel der sieben Geister als ein Herze, das alles, verstehe den ganzen
Raum dieser Welt, auf einmal zugleich erfüllet. 103. Weil aber die Tiefe, das ist der ganze Raum
dieser Welt seines Vaters, verstehe des Herzes, Gottes Leib war, verstehe des
Vaters Leib und das Herze in dem ganzen Leibe leuchtete als des Vaters Glanz,
so war der verderbte Salitter allenthalben mit dem Lichte oder Herzen Gottes
infizieret und konnte das Herze Gottes auch nicht daraus fliehen, sondern
verbarg seinen Glanz und Schein in dem Leibe der ganzen Tiefe vor den
greulichen angezündeten Geistern der Teufel. 104. Als dieses geschah, so wurden die Quellgeister
alle ganz grimmig und hart ringend, und der herbe Geist als der stärkeste zog
in dem siebenten Naturgeiste das Gewirke der andern fünf ganz schrecklich
zusammen, davon die bittere Erde und Steine worden, waren aber noch nicht
zusammengetrieben, sondern schwebeten in der ganzen Tiefe. 105. In dieser Stunde ist die Massa
zusammengezogen worden. Denn als sich das Herze Gottes in dem Salitter
verbarg, so blickte es den ganzen Raum oder Leib wieder an und dachte, wie
ihm wieder zu helfen wäre, damit wieder ein englisch Reich in der Tiefe
dieser Welt würde. 106. Der Anblick aber war der Liebegeist im Herzen
Gottes. Der infizierte an dem Orte des Anblickes das Öle des Wassers, wo
zuvorhin war das Licht aufgegangen. 107. Hie bedenke St. Petri Anblick im Hause
Kaiphä, es ist eben das. 108. Gleichwie der Mann das Weib anblicket und das
Weib den Mann, und des Mannes Geist, verstehe die Wurzel der Liebe, welche im
Aufgang des Lebens aus dem Wasser durch Feuer aufgehet, so wohl auch des Weibes
Geist, ein Geist den andern in demselben Öle des Herzens fänget, davon
alsbald eine Massa, Same oder treibender Wille eines andern Menschen in der
Massa entstehet. 109. Eben auf solche Weise ist auch die erste
Massa worden, denn der Liebegeist im Herzen Gottes blickte in dem Leibe des
angezündeten zornigen Vaters das Wasser des Lebens an, davon und daraus die
Liebe im Feuerblitz aufging vor der Zeit des Zorns. 110. In diesem Anblicke hat ein Geist den andern
gefangen. Das Öle oder Wasser im Zorn hat den Liebegeist im Herzen Gottes
empfangen und mit demselben inqualieret, und der herbe Geist hat die Massam
zusammengezogen. Allda ist es schon eine Geburt oder ein Wille einer ganzen
Kreatur gewesen gleichwie der Same im Menschen. 111. Nun ist aber die Feste des Himmels zwischen
das Herze Gottes und die angezündete harte Kammer des Todes geschlossen
worden, sonst hätte sich alsbald das Leben in der Massa angezündet. Denn die
Feste war in der Massa sowohl als außer der Massa, welche ist das Scheideziel
zwischen dem Herzen Gottes und den grimmigen Teufeln. 112. Darum mußte das Wort oder Herze Gottes den
wallenden Geist in der Massa aufblasen, welches erst am sechsten Tage geschah
aus gewissen Ursachen. 113. So aber der Himmel nicht wäre als eine Feste
in der Massa zwischen das Herze Gottes und der Massa körperliche Quellgeister
geschlossen gewesen, so hätte die Massa können die Seele aus eigner Kraft
anzünden, gleich wie mit den heiligen Engeln geschah. 114. Es wäre aber zu fürchten gewesen, daß es
würde sein zugangen wie mit dem schönen Söhnlein Luzifer, dieweil die
körperlichen Quellgeister in der Massa schon im Zornfeuer angesteckt waren. 115. Darum mußte der Himmel eine Feste zwischen
dem Funken, welcher das Herze Gottes im ersten Anblick hatte empfangen, sein,
im Fall, da ja der Corpus im Zornfeuer verdürbe, daß doch der heilige Same
bliebe, welcher ist die Seele, die mit dem Herzen Gottes inqualieret, daraus
dann könnte ein neuer Leib werden, wenn der ganze Gott würde die Tiefe dieser
Welt wieder im Lichte des Herzens Gottes anzünden, wie es dann auch also
geschehen ist, erbarme es die Liebe Gottes. 116. Der teure Mann Moses schreibet: Gott habe den
Menschen aus einem Erdenkloße gemacht, wie es die Gelehrten verdeutschet
haben. Er ist aber nicht dabei gewesen, als es geschehen ist. 117. Dies muß ich aber sagen, daß Moses wohl recht
geschrieben hat. Aber der rechte Verstand, woraus die Erde worden sei, ist
beides dem Mosi und auch seinen Nachkömmlingen im Buchstaben verborgen blieben
und hat es der Geist bis auf diese Zeit verborgen gehalten. 118. Es ist auch Adam, weil er noch im Paradeis
gewesen, verborgen gewesen. Nun aber wird es ganz offenbar, denn das Herz
Gottes hat an die Kammer des Todes angesetzet und will nahen durchbrechen. 119. Darum werden jetzunder je länger je mehr
etliche Strahlen des Tages in etlicher Menschen Herzen durchbrechen und den
Tag verkündigen. 120. Wenn aber diese Morgenröte wird vom Aufgang
zum Niedergang scheinen, so ist vorbaß mehr keine Zeit, sondern die Sonne des
Herzens Gottes gehet auf und wird RA. RA. RP. in der Kelter außer der Stadt
gestoßen und mit ihm AM. R. P. 121. Dies sind verborgene Worte und werden allein
in der Sprache der Natur verstanden. 122. Moses schreibet wohl recht, daß der Mensch
sei aus Erde geschaffen worden. Aber zu der Zeit, als die Massa vom Worte
gehalten ward, war die Massa noch nicht Erde. So sie aber nicht wäre vom
Worte gehalten worden, so wäre dieselbe Stunde schwarze Erde daraus worden,
aber das kalte Zornfeuer war schon darinnen. 123. Denn dieselbe Stunde, als sich Luzifer erhub,
ergrimmete der Vater in den Quellgeistern gegen die Legionen Luzifers und
verbarg sich das Herze Gottes in der Festen des Himmels. Da war der Salitter
oder das Gewirke der Leiblichkeit schon brennend, denn außer dem Lichte ist
die finstere Kammer des Todes. 124. Die Massa aber ward in der Festen des Himmels
gehalten, daß sie nicht erstarb, denn als das Herze Gottes mit ihrer hitzigen
die Massam anblickete, so fing das Öl in der Massa, welches aus dem Wasser
durchs Feuer aufstieg, daraus das Licht aufgehet und daraus der Liebegeist
aufgehet, das Herze Gottes, und ward eines jungen Sohnes schwanger. 125. Das war der Same der Liebe, denn eine Liebe
empfing die andere. Der Massa Liebe empfing die Liebe aus dem Anblicke des
Herzens Gottes und ward damit infizieret und schwanger. Und das ist der
Seelen Geburt. Nach diesem Sohne ist der Mensch Gottes Bild. 126. Die Quellgeister in der Massa konnten aber
hiemit nicht bald von der Seelen angezündet werden, denn die Seele stund nur
im Samen der Massa mit dem Herzen Gottes in seinem Hirnmel verborgen, bis der
Schöpfer die Massam aufblies. Da zündeten die Quellgeister die Seele auch an;
da lebete Leib und Seele zugleich. 127. Die Seele hatte wohl vor dem Leibe ihr Leben,
aber es stund in dem Herzen Gottes in der Massa im Himmel verborgen und war
nur ein heiliger mit Gott inqualierender Same, welcher ewig, unvergänglich
und unzerstörlich war, denn es war ein neuer und reiner Same zu einem Engel
und Bilde Gottes. 128. Das Gewirke aber der ganzen Massa war ein
Auszug oder Anziehung des Wortes Gottes aus dem Gewirke der Quellgeister oder
des Salitters, daraus Erde ward. 129. Dieser Auszug war noch nicht zu Erde worden,
obs gleich der Erden Salitter war, sondern ward vom Worte gehalten. Denn als
der Liebegeist aus dem Herzen Gottes den Salitter der Massa anblickte, so
fing der Salitter und ward im Centro der Seelen schwanger. Und das Wort stund
in der Massa im Schalle, aber das Licht blieb im Centro der Massa in der
Festen des Himmels im Öle des Herzens verborgen stehen und bewegete sich
nicht außer der Festen des Himmels in der Geburt der Quellgeister. 130. Sonsten wo sich das Licht in der Seelen
Geburt hätte angezündet, so hätten alle sieben Quellgeister, auch der ewigen
Gottheit Recht, in dem Lichte triumphieret und qualifizieret, und wäre ein
lebendiger Engel gewesen. Weil aber der Zorn den Salitter schon hat
infizieret, so war der Schade zu fürchten wie beim Luzifer. 131. Nun fraget sichs, warum denn nicht auf
diesmal sind viel Massen geschaffen worden, daraus alsbald wäre auf einmal
ein ganz englisch Heer an des gefallenen Luzifers Stelle worden? Warum sich
doch sollte eine solche lange Zeit im Zorne verlängern und warum doch das
ganze Heer sollte aus der einigen Massa geboren werden in solcher gar langen
Zeit? Oder hat der Schöpfer diesmal nicht den Fall des Menschen gesehen und
erkannt? Dieses ist nun das rechte Tor der Verborgenheit Gottes, daran der
Leser ja merken soll, daß es nicht eines Menschen Vermögen wäre, solches zu
erkennen oder zu wissen, wo nicht die Morgenröte im Centro in der Seelen
anbräche. Denn es sind göttliche Geheimnisse, die kein Mensch aus eigener
Vernunft erforschen kann. Ich achte mich auch zu unwürdig dazu. Ich werde
auch Spötter genug haben, denn die verderbte Natur schämet sich grausam sehr
vor dem Lichte. 132. Ich kann es aber darum nicht unterlassen,
denn wenn das göttliche Licht im Zirkel des Lebens Geburt anbricht, so freuen
sich die Quellgeister und sehen im Zirkel des Lebens in ihrer Mutter zurück
in die Ewigkeit und auch vor sich in die Ewigkeit. 133. Es ist aber nicht ein beharrliches Wesen oder
Verklärung der Quellgeister, viel weniger des tierischen Leibes, sondern es
sind Strahlen der Durchbrechung des Lichts Gottes mit feurigem Trieb, welcher
aufsteiget durch das sanfte Wasser des Lebens in der Liebe und bleibet in
seinem Himmel stehen. 134. Darum kann ichs weiter nicht bringen als vom
Herzen ins Hirn vor den fürstlichen Stuhl der Sinnen. Da wird es in der
Festen des Himmels verschlossen und gehet nicht wieder durch die Quellgeister
zurück in die Mutter des Herzens, daß es könnte auf die Zunge kommen. So dies
geschähe, wollte ichs mündlich sagen und der Welt verkündigen. 135. Will es derowegen in seinem Himmel lassen
stehen und nach meinen Gaben schreiben und mit Verwunderung zusehen, was doch
werden will, denn ich kann es in den Quellgeistern nicht genug begreifen,
dieweil sie in der ängstlichen Kammer stehen. Der Seelen nach sehe ichs wohl,
aber die Feste des Himmels ist dazwischen, in welche sich die Seele verbirgt
und allda selbst ihre Strahlen vom Lichte Gottes empfähet, gehet derowegen
durch die Feste des Himmels, wie es wetterleuchtet, aber ganz sanft gleich
einer lieblichen Wonne. 136. Daß ich also in der Begreiflichkeit meiner
instehenden Quellgeister oder im Zirkel des Lebens anders nicht erkennen
kann, denn der Tag breche an. Will derowegen dieser Erkenntnis nach
schreiben, und sollte gleich der Teufel die Welt stürmen, welches er doch
nicht tun kann, sondern es wird ihm auch hiermit sein Stundenglas gezeiget. 137. Nun wohlher, ihr Gnadenwähler, die ihr
vermeinet, ihr treffts und den einfältigen Glauben für eine Närrin haltet.
Ihr habt lange vor dieser Tür getanzet und euch der Schrift berühmet, wie
Gott etliche Menschen habe in Mutterleibe in Gnaden zum Himmelreich erwählet
und etliche verstoßen. 138. Hie macht euch nun viel Massen; daraus können
andere Menschen anderer Qualität werden, so könnt ihr recht werden. Aus der
einigen Massa könnt ihr nicht mehr als eine Liebe Gottes machen, die durch
den ersten Menschen auf und durch alle dringet. Gott gebe, es habe gleich
Petrus oder Paulus anders geschrieben, so sehet doch auf den Grund, aufs
Herze. So ihr nur das Herze Gottes erhaschet, so habt ihr Grundes genug.
Lässet mich Gott noch eine Weile leben, so will ich euch die Gnadenwahl St.
Pauli wohl weisen. [1612]
Beschluß des Autoris – Epist. 10, 38 |